Nnterhaltungsblall des Vorwärts Nr. 30. Mittwoch den 12 Februar. 1902 tNachdruck verboten.! soj Fonrer Govdjejvtv. Romnn von Maxrm Gorki. Deutsch von Klara Brauner Uchtischtschew hüpfte Foma auf seinen kurzen Beinchen nach und fühlte sich verpflichtet, Foma durch irgend etwas zu beruhigen. Alles, was Foma an diesem Abend ge- sagt und gethan hatte, erregte in den: lustigen Sekretär großes Interesse für Foma, und dann schmeichelte ihm die OsseuheU des reichen, jungen Mannes. Diese Offenheit zer- malmte ihn durch ihre dunkle Macht, er war von ihrem An- prall überwältigt, und obgleich er trotz seiner Jugend schon fertige Redensarten für alle Lebenslagen besaß, fand er sie doch nicht so bald. ,.Es ist dunkel und___ eug um.mich," sprach Gordjcjew, „ich fühle, daß mir eine Last auf die Schultern gestürzt ist, ich kamr aber nicht begreifen, was es ist. Sie beengt mich, und ich kann mich im- Leben nicht rocht bewegen." Wenn rnan zuhört, sagen'alle etwas andres... und sie könnte das sagen..." „Ach Väterchen!" unterbrach Uchtischtschew Foma, indem er ihn freundlich beim Arm nahm.„So geht das nicht! Sie find kaum ins Leben getteten und philosophieren schon! Nein, so geht das nicht! Das Lebe« ist uns nur des Lebens wegen gegeben!— Das heißt— leben und leben lassen... DaS ist eine Philosophie? Und diese Frau... ach was! Ist denn damit die ganze Welt zu Ende? Wenn Sie wollen, werde ich Sie mit einem so giftigen Ding bekannt machen, daß auf einmal kein einziges Stäubchen von Ihrer Philosophie in Ihrer Seele mehr vorhanden ist! O, ein ungewöhnliches Frauenzimmer? Und wie sie das Leben zu genießen versteht? In ihr ist, wissen Sie. auch etwas Episches. Und schön ist sie... ich kann sagen, die reinste Phrhne! Und wie sie zu Ihnen passen wird! Ach. Teufel! Das ist wirklich eine glänzende Idee... ich»verde Sie mit ihr bekannt machen l Man muß den Teufel durch Beelzebub austreiben." „Mein Gewissen läßt das nicht zu," sagte Foma düster und gequält.„So lange sie lebt, kann ich andre Frauen nicht einnial ansehen." „Ein so gesunder, frischer Mensch wie Sie!" rief Uchttschtschelv aus und begann mit dem Ton eines Lehrers Foma von der Notwendigkeit zu überzeugen, seinem Gefühl durch ein tüchtiges Gelage,»vo auch Frauen dabei lvären, Erleichterung zu verschaffen. „Das wird großartig sein, und, glauben Sie mir, das ist für Sie notwendig! Und>vas das Gewissen betrifft... verzeihen Sie mir! Sie bezeichnen das nicht ganz richtig... nicht das Gewissen stört Sie dabei, sondern... ich glaube. die Schüchternheit... Sie leben außerhalb der Gesellschaft. Sie sind schüchtern und ungeschickt. Sie suhlen das alles unklar und halten dieses Gefühl für Gewissen. Im gegebenen Falle kann davon nicht die Rede sein» was hat denn das Geivifsen damit zu schaffen, wenn es für den Menschen so natürlich ist, lustig zu sei»», wenn es fein Bedürfnis und sein Recht ist?" Foma ging, indem er feinen Schritt dem feines Begleiters anzupassen versuchte, und ließ seinen Blick durch die Straße schiu eisen. Sie zog sich zwischen zwei Häuserreihen entlang. glich einem großen Graben und»var von Dunkel erfüllt. Es sah aus, als ob sie kein Ende hätte und etwas Dunkles. Un- erschöpfliches, das den Atem beengte, langsam durchfie in die Ferne flösse. Uchttschtschews überzeugende, freundliche Stiinme klang monoton in Fomas Ohren»vieder, und trotzdem er nicht auf die einzelnen Worte acht gab. fühlte er, daß sie eine Art von Klebrigkeit besaßen, ihm anhafteten und er sie sich unwillkür- lich einprägte. Obgleich neben ihm ein Mensch ging, fühlte er sich einsam, im Dunkel verirtt. Es erfaßte ihn und zog ihn langsam mit sich, und er hatte die Einpfindung, daß er fortgeschleift»vürde, fühlte aber keinen Wunsch, sich zu»vider- setzen. Eine Müdigkeit hinderte ihn zu dmken, er hatte keine Lust, gegen die Beredsamkeit seines Begleiters an- zukämpfen— und aus welchem Grunde sollte er dagegen an- kämpfen i „Es ist nicht für jeden gut, zu philosophieren," sprach Uchtischtschew, indein er seine Gerte durch die Luft sausen ließ und sich an seiner Weisheit ein»venig berauschte.„Wenn alle philosophieren würden,»ver»vürde dann leben.? Man lebt aber nur einmal... Es»vürde darum nicht schaden, »venn man sich beeilen»vürde zu leben... bei Gott, es ist so! Mit eiirem Worte— gestatten Sie mir, Sie aufzurütteln l Wir wollen gleich in ein lustiges Haus fahren... dort leben zwei Schivestern. Ach, und»vie sie leben? Entschließen Sie sich!" „Also gut. Ich fahre mit," sagte Foma ruhig und gähnte.„Ist es nicht zu spät?" fragte er uird schaute auf den»nit Wolken bedeckten Himmel. „Es ist»üemals zu spät, dorthin zu gehen!" rief Uchtischtschelv lustig aus.. A.ch tes Kapitel. Am dritten Tage nach der Scene im Klub befand sich Foma sieben Werst von der Stadt entfernt auf dem. Landungs- platz des Kaufmanns Swanzew mit dem Sohne dieses Kaufmanns, Uchtischtschelv. vier Damen und einem soliden Herrn mit Backenbart, Kahlkopf und roter Nase. Der junge Swanzew trug ein Pincenez, war mager und blaß, und wenn er stand, zuckten seine Waden beständig, als sei es ihnen»viderwärttg, den hinfälligen Körper zu stützen, der in einen langen, karierten Mantel mit einem Capuchon gehüllt»var, in dessen Falten der kleine Kopf in der Jockeymiitze komisch herumbauinelte. Der Herr»nit dem Backenbart nannte ihn Jean und sprach diesen Namen fo aus, als leide er an chronischem Schnupfen. Jeans Dame»var eine große starke Frau mit einer üppigen Brust. Ihr Kopf»var an den Seiten zusammen- gepreßt, die niedrige Stirn nach rückwärts gewölbt, und die spitze, lange Nase verlieh dem Gesicht etwas Vogelartiges. Dieses häßliche Gesicht war ganz unbe>veglich, und nur die kleinen, runden, kalten Augen darin lächelten immer durchdringend und schlau. Uchtischtschews Dame hieß Wjcra, sie war eine große, blasse Frau mit rotem Haar. Sie hatte so- viel davon, daß es aussah, als sei ihr eine große Mütze auf den Kopf gestülpt»nid auf die Ohre»», die Wangen und die hohe Sttrn herabgcglittcn, unter der ihre großen blauen Augen ruhig und träge hervorblickten. Der Herr mit dem Backenbart saß neben einem jungen, runden, frischen Mädchen, das numifhörlich laut darüber lachte,»vas er, über ihre Schulter geneigt, ihr ins Ohr flüsterte. Fomas Dame endlich war eine schlanke, ganz schivarz gekleidete Brünette mit dmiklem Ternt und welligem Haar. Sie hielt den Kopf so gerade»ind hoch und blickte alles um sich herum so herablassend und stolz an, daß man gleich sehen konnte, sie halte sich hier für die Hauptperson.. Die Gesellschaft lagerte sich auf den äußerste»» Rand des Floßes, der»veit in die stille Glätte des Flusses hinaus- reichte. Auf das Floß»oaren Bretter geschichtet, in der Mitte stand ein klotzig zusainincngcfiigtcr Tisch, und überall»varen leere Flaschen, Proviauttörbe, Papier von Bonbons»»»»d Apfelsinenschalen verstreut. Ii» der Nähe des Floßes war ein Erdhaufen aufgeschüttet, auf dem ein Feuer brannte, und ein Bauer in einem kurzen Rock kauerte dort, wärmte sich am Feuer die Hände und schielte zu den Herrschaften hinüber, die am Tisch saßen. Die Herrschaften hatten soeben Sterletts»lppe gegessen, und jetzt stand Wein und Obst vor ihnen auf dein Tisch. Die durch das z>veitägige Gelage und das soeben be- endigte Mittagessen ermüdete Gesellschaft»var schlecht auf- gelegt. Alle blickten auf den Fluß und unterhielten sich, doch das Gespräch wurde»»naufhörlich durch lange Pansen unter- brachen. Der Tag war klar und frisch und jung»vie iin Frühling. Der kalte, klare Hiinmel»völbte sich majestätisch über dem trüben Wasser" des reckenhaft breiten. die Ufer überflutenden Stromes, der ruhig»vie der Himmel und unbegrenzt»vie das Meer»var. Das ferne, gebirgige Ufer war freundlich in den bllmlichen Schleier des Nebels ge- hüllt, und darin funkelten auf den Gipfeln der Berge»vie große Sterne die Kreuze der Kirchtürme. Der Fluß»var in- feinem gebirgige», Ufer belebt— DamWchisfe glitten hin und her. und ihr Schnauben drang »vic ein schwerer Seufzer zu den Flößen herüber, auf die Wiesen, wo das leise Plätschern der Wellen die Luft mit schüchternen weichen Tönen erfüllte. Riesengroße Barken zogen sich dort eine nach der andern stromaufwärts hin, wie Schweine von ungeheurem Umfange, die den Spiegel des Flusses aufwühlten. Aus den Schloten der Tampfschifse quoll in schweren Stößen schwarzer Rauch hervor lind zerrann lang- sam in der frischen, von Hellem Sonnenschein durchfluteten Lust. Ab und zu ertönte ein Pfiff, als tobe und brülle ein großes, durch die Arbeit erbittertes Tier. Auf den Wiesen bei den Flößen war es still und ruhig. Die einsamen Bäume, die vom Hochwasser überschwemmt waren, bedeckten sich schon mit Blättern, wie mit hellgrünen Flittern. Das Wasser verbarg ihre Wurzeln und spiegelte ihre Wipfel lvider, so daß sie Kugeln ähnlich sahen, und es schien, als würden sie. wunderlich schön wie sie waren, beim leisesten Wehen des Windes fortschwimmen und die dlirchsichtigc Ober- fläche des Flusses entlang gleiten. Die rothaarige Frau, die nachdenklich in die Ferne blickte, begann leise und traurig zu singeu: «Den Wolgafluß entlang. Schlvimmt ein leichter Kahn." Die Brünette kniff ihre großen, strengen Augen verächtlich zu und sagte, ohne sie anzublicken: „Wir sind auch ohnedies schlecht aufgelegt." „Laß sie nur singen!" bat Foma gutmütig, indem er seiner Dame ins Gesicht sah. Er lvar bleich, in seinen Augen flammten kleine Funken auf, und über seine Lippen irrte ein unklares, träges Lächeln. „Laßt uns im Chor singen!" schlug der Herr mit dem Backenbart vor. „Nein, nur die beiden sollen singen!" rief Uchtischtschew animiert aus. Wjera, sing das... weißt Du?" „Ich gehe beim Morgenrot... wie heißt das? �Singen Sie, Pawlinjka." Das lachende Mädchen blickte die Brünette an und sagte ehrerbietig: „Darf ich singen, Sascha?" „Ich werde selbst singen," erklärte Fomas Freundin, wandte sich an die Dame mit dem Vogelgesicht und be- fahl ihr: „Wassa, sing mit mir!" Diese brach sofort ihr Gespräch mit Swanzew ab, strich sich mit der Hand über die Kehle und glotzte mit ihren runden Augen in das Gesicht ihrer Schwester. Sascha stand auf. stützte sich mit der Hand aus den Tisch, erhob stolz den Kopf und begann mit kräftiger, beinahe mann- licher Stimme zu recitieren: „Wie schön ist doch die Well siir den, Der leine Sorge keiml. Und dem von ivilder Liebe nicht Das Herz im Busen brennt I" Ihre Schwester wiegte den Kopf und stöhnte gedehnt und klagend mit ihrer hohen Altstimme auf: „Ich Arme, ach..." Saschas Augen funkelten. und sie schrie in tiefen Tönen auf: „... ivie ein Grashalm ist das Herz Mir ausgetrocknet..." Die beiden Stimmen umarmten sich und schwebten als ein schöner, voller, vor strotzender Kraft zitternder Ton über das Wasser hin. Die eine klagte über unerträglichen Schmerz im Herzen, berauschte sich am Gift ihrer Klage und schluchzte in dumpfer, kraftloser Trauer, indem sie das Feuer ihrer Oualcn mit Thränen löschte. Die andre war tiefer und männlicher und strömte mächtig durch die Luft, vom Gefühl der blutigen Kränkung und der Bereitschaft zur Rache erfüllt. In deutlicher Aussprache riß sich ein dichter Strom von Worten aus der Brust los und jedes Wort verriet das Kochen des Blutes, das durch die Kränkung empört und vergiftet war und unablässig nach Rache verlangte. „Ich lverd' es ihm vergelten," sang Wassa klagend, mit geschlossenen Augen. „Bestricken will ich ihn und will Sein Blut aussaiigeii.. versprach Sascha bestimmt und drohend, indem sie feste, starke Töne, die Schlägen ähnlich waren, in die Lust schleuderte. Und auf einnial änderte sie das Tempo des Liedes und sie sang mit erhobener Stimme ebenso gedehnt wie die Schwester wollüstige und jauchzende Drohungen. „Ich werde dich austrocknen, Wie der wilde Wind Das gemähte Gras trocknet." Foma stützte sich mit den Ellbogen auf den Tisch, senkte den Kopf und blickte mit gerunzelten Brauen in das Gesicht der Frau, in ihre schwarzen, halb geschlossenen Augen. Sie waren irgendwohin in die Ferne gerichtet und glänzten so schadenfroh und hell, daß von ihrem Leuchten ihm auch die sammetne Stimme, die der Brust dieser Frau entströmte, schwarz und glänzend wie ihre Augen erschien. Er erinnerte sich an ihre Liebkosungen und dachte: „Woher kann sie nur so sein, wie sie ist? Es ist sogar unheimlich, mit ihr zusammen zu sein." (Fortsetzung folgt.) Machdruck»erdoten.) SchlafMidirn „Studiert er wieder den Schlaf? Faulpelz... Er I' Also wetterte seiner Zeit unser Klassenlehrer gegen einen hoch« geschossenen, etwas bleichsüchtigen Jüngling, der in den ersten Unter- richts-Stunden nur zu oft in Morpheus' Umarmungen zu fallen pflegte. Damals erschienen den munteren Kollegen jene„Schlafstudien" als eine Ausgeburt der Faulheit. Heute steht der Schläfrige in Amt und Würden, höher als die meisten seiner geweckteren Kameraden. Ich sah meinen Schulfreund neulich wieder, und wir sprachen auch von seinen Schlafstndic». Er lächelte und meinte:„Mein Unglück waren damals die frühen Unterrichtsstunden; mein Aufschwung begann, Ivo ich am Morgen lange ausschlafen, dafür aber am Abend und spät in die Nacht arbeiten durfte. Ich thue es noch immer und befinde mich mit meiner Getvohnbeit leiueswegs in einer schlechten Gesellschaft. War nicht Schiller ei» Nachtarbeitcr? Doch, was sage ich, Gewohn- heit... Das ist meine Natur.... anders kann ich nicht. Es ist ein purer Unsinn, gleiche Schlafreqeln für alle Menschen aufzustellen. Berufene sollten sich mehr mit Schlafstudien beschäftigen. Das thun in uusrer Zeit die Berufenen mit vielem Eifer, aber der Schlaf bietet so viel Rätselhaftes und Geheiniuisvollcs, datz wir nur laugsam zur Erkenntnis seiner Natur und seiner Gesetze vor- dringen. Von solchen Schlafstudien, die auf die beiden großen Menschen- Nassen, die Morgen- und die Abend- oder Nachtarbeiter, ein besondres Licht werfen, soll hier die Rede sein. Den Ausgang bilden Unter- suchungen über die Tiefe des Schlafes. Sie sind zuerst von Kohl- schütter und dann von Möuninghoff- und Piesbcrgen gemacht worden. Zuletzt hat Eduard Michelson die Ergebnisse der ersten Versuche »achgcpriift und bedeutend erweitert. Er experimentierte dabei in folgender Art. In der Nähe des Schlafenden wurde ein Apparat aufgestellt, in dem man nach Belieben Messingkugeln von 5 bis 100 Gramm Gewicht ans einer Höhe vön 2,75 Meter aus ein Schallbreit fallen ließ. Um alle Nebenstörungc» des Schlafenden zu vermeiden, wurde der Apparat mittels Elcktricität von einem abgelegenen Zimmer in Thätigkeit gesetzt. War nun die Versuchsperson durch den Schall einer herabfallenden Kugel geweckt worden, so gab sie ein ver- abrcdetcs Zeichen, iudeni sie auf den Knopf einer elektrischen Klingel drückte. Die Tiefe des Schlafes wurde»ach der Stärke des Schalles beurteilt, der zum Erwecke» des Schlafenden nötig war. Es wurden in dieser Art mehrere hundert Versuche an verschiedenen Personen gemacht. Man ermittelte dabei, daß die Tiefe deS Schlafes während der Schlnfzeit bei einer und derselben Person wechselt, und daß in diesem Wechsel bei verschiedenen Personen verschiedene Schwankungen vor- kommen. Immerhin gelang es Michelson, aus allen Beobachtungen zwei Haupttypen des Schlafes zu ermitteln. Es giebt zunächst Menschen, bei denen der Schlaf sich folgender- maßen gestaltet. In der ersten Viertelstunde nach dem Einschlafen ist er noch ganz leis, dann vertieft er sich rasch und erreicht nach drei Viertel Schlafstunde seine größte Festigkeit. Etwa eine halbe Stunde lang bleibt er unverändert, dann aber verflacht er sich rasch. so daß er am Ende der zweiten Schlafstunde nicht tiefer ist, als etwa eine halbe Stunde nach dem Einschlafen. Im weiteren Verlauf wird der Schlaf vorübergehend um ein weniges tiefer, um aber bald darauf wieder leiser zu werde»; unter solchen Schwankungen verflacht er sich mehr und mehr, bis er in der sechsten oder siebenten Stunde sein Ende erreicht. Bei ander» Versuchspersonen wurde ein ganz verschiedener Typus des Schlafes, ermittelt. In den ersten zwei Stunden ist ihr Schlaf letS, erst zwischen der zweiten und dritten Stunde erreicht f er seine größte Tiefe, die aber bei weitem nicht so groß ist, als die im oben beschriebenen Fall. Von der dritten Stunde ab sinkt die Stärke des Schlafes, er wird aber auch in dennachfolgenden Stunden nicht so leis wie beim ersten Typus.> Zwischen diesen beiden Hauptarten des Schlafes giebt es eine Anzahl mittlerer Abstufungen. Die Aerzte halten nun den zuerst beschriebenen Schlaf für einen zweckmäßigeren. Er dürfte die nonnale, gesunde Schlafform sein. Je tiefer' der Schlaf ist, desto ergiebiger ist seine Wirkung, desto rascher und gründlicher erfolgt in ihm das Ausruhen und die Er- holung des Gehirns. Bei diesem ersten SchlaftypuS ist die wesentliche Aufgabe des Schlafes in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit in etwa 1�/e bis 2 Stunden gelöst. Diese Thatsache erklärt uns zur Genüge, warum Landlente im Sommer oder init Wachtdienst betraute Leute nach einem kurz andaueniden Schlafe, namentlich wen» noch im Lauf des Tages eine kurze Schlafzcit cingeschobe» wird, ganz Außerordent- kiches zu leisten vermögen. Damit steht auch wohl die landläufige Meinung in Verbindung, daß der Schlaf vor Mitternacht der beste sei. Der zweite Typus zeigt keine so starke Vertiefung. In ihm bleibt der Schlaf leiser: er ist darum auch unruhiger und wird viel- fach durch Träume gestört. Er bringt den, Gehirn in der gleichen Zeit nicht dieselbe Erholung wie der tiefere. Nack ihm stehen die Menschen nicht immer frisch und erquickt auf; sie klagen vielmehr in den ersten Morgenstunden über Müdigkeit und Niedergeschlagenheit. Michelson bat nun seine Versuchspersonen auch über ihre Leistuugssähigkeit z» verschiedenen Zeiten ausgefragt. Es giebt ja, wie die tägliche Erfahrung lehrt, Personen, welche morgens am leistungsfähigsten sind, und ihnen stehen solche gegenüber, deren Disposition zu geistigen Leistungen abends eine besonders gute ist. Da hat es sich heransgestellt,' daß die Morgenarbeitcr sich des anfangs sehr tiefen, ivenn auch kürzeren Schlafes erfreuten, während die Äbendarbciter den zuletzt beschriebenen leiseren, unruhigeren Schlaf hatten. Der berühmte Seelenarzt und Psycholog Kröpelin hat die An- ficht ausgesprochen, daß die init einer guten Morgcndispositio» bc- gabtcn Menschen den gesündere» Typus repräsentiere», während unter den eine bessere Äbenddisposition aufweisenden Menschen im allgemeinen eine größere Zahl von nervöse», kraulhast veranlagten Personen sich befinde. Michelson erinnert ferner daran, daß es zlvei verschiedene Formen der krankhaften Schlafstörung giebt. Während manche Kranke durch- aus nicht einschlafen können, erst gegen Morgen in tieferen Schlaf verfallen, klagen andre, daß sie zivar rasch einschlafen, jedoch sehr bald wieder aufwachen, und dann entlveder gar nicht oder nur sehr schivcr in Schlaf versinken. Die crstere Forin der Schlafstörung ist offenbar die schwerere und findet sich am ausgeprägtesten bei Melancholikern und Nervenschtuacheu/ deren nervöse Erregbarkeit derart erhöht ist, daß sie sich abends nicht rasch genug ausgleichen und die zum Einschlafen vernmtlich notivendige Blntlccre des Ge- hinis z» stände kommen lassen kau». Daraus erklärt sich auch die Müdigkeit und Niedergeschlagenheit solcher Krauken, ivelche wäh- rend der Vorniitlagsstundc» regelmäßig in besonders hohem Grade sich geltend zu machen pflegt. Die letztere Form hingegen nähert sicb mehr dein gesunden Verhalten, Sic scheint die kenn- zeichnende Form des Greisenschlafes darzustellen, bei dein wir ja früh abends Ermüdung und gleichzeitig Wachivcrden in den ersten Morgenstunden antreffen. Aus dcnr Mitgeteilten geht nun hervor, daß die erste Form des Schlafes die erstrebenswerte ist. Diese suchen auch die Erzieher und Gesundhcitslchrer seit lauge zu erzielen, indem sie raten, zeitig abends sich zur Nachtruhe niederzulegen und früh am Morgen auf- znstehem Bielen wird die Befolgmig dieser Negelii wenig nützen. Aber nicht für jeden hat die Mo'rgenstuude Gold im Munde, Her- vorragende Aerzte sind nämlich der Meinimg, daß die Morgen- oder Äbenddisposition der Einzelnen nur zum Teil auf Erziehung und Geluöbnulig sich zurückführen läßt, daß sie vielmehr Vorzugs- weise den Ausdruck einer Anlage bildet.— C, F a l k e n h o r st. Kleines Ileuilleton. t,h. In Dingsda. Es war eine ausgesucht vornehme Gesell- schaft, lauter Honoratiorcu-Fraucn. Wenn Frau Amtsrichter Schneide- Ivind einen Kaffee gab, ivnrde überhaupt nur Elite geladen. Frau Oberlehrer, Frau Postrat, Frau Doktor und Frau Apotheker, deren Mann ivar sogar Stadtrat. Ans den lila Sammetsefseln der guten Stube saßen sie um de» runden Marmortisch, tranken Kaffee mit Schlagsahne, aßen Nußtorte und schivatzten. Eigentlich waren es immer dieselben Geschichten, aber heut' lag doch ein andrer Zug darin. Es war ein fremder Gast im Cirkel, die Schwester der Hausfrau, sie hatte sich vor drei Jahren nach Berlin verheiratet und war das erste Mal lvieder in der Vaterstadt. Es drehte sich alles um Frau Helene. „Wie gefällt es Jhnen denn nun jetzt hier?* fragte die Apothekerin. „Es ist ja alles wie eS immer war," meinte Frau Helene und lächelte leise. .Ja, ich wüßte auch nicht, was sich verändern sollte." „Wir sind konservativ," nickte die Posträtiu,„das ist auch ganz gut so. wir sind nicht so veränderungStoll wie die in Berlin," „Ja," sagte Frau Helene ernsthaft,«das habe ich auch schon zu > Milly gesagt,' ob man hier drei Monate oder drei Jahre fort ist, es , bleibt alles beim alten." „Na, das«vollen wir mm doch nicht sagen. Sie thun ja gerade, als schliefen wir hier." Die Oberlehrcrsgattin war sehr indigniert: „Wir sind genau so helle ivie die Berliner; wir gehen auch mit der Zeit!" „Jetzt haben«vir sogar schon zwei Zeitungen," rühmte die Doktorsfra»; sie war klein und zierlich, hatte ein paar lustige Augen und offenbar den Schelm im Nacken. Sie zwinkerte Frau Helene zu:„Neben dem Stadtblatt auch noch ein Abendblatt, habe» Sie es schon gelesen?" „Es wurde uns neulich in die Thür gesteckt," erwiderte die Hausfrau für ihre Schwester,„wir Ivolleu aber doch beim Stadtblalt bleiben I" „Sehr richtig," nickte die Oberlchrersfran.„Herr Hilfslehrer Matterne hat gleich das Abendblatt bestellt," Sie sagte das Letzte so gewichtig, als spräche sie ein Todesurteil. Es entstand ein Unheil- volles Schweige», nur die Apothekerfrau meinte geringschätzig:„Na ja, der I" „Ich finde das Abendblatt ganz nett," meinte Frau Helene. „Warum soll er eS den» nicht bestellen?" „Weil man das Alte stutzen soll I" Die Oberlehrersgattin geriet in Eifer.„Wozu denn all diese Neuerungen? Wir haben ja am Stadtblatt genug, und wie hat sich das Stadtblatt für alles, was die Stadt angeht, ins Zeug geworfen! Und das Abendblatt soll so- gar liberal sein." „Und zu Kaisers Geburtstag bringt das Stadtblatt immer so schöne Gedichte!" nickte die Apothekeri». „Na das letzte hatte lauter Neimfehler," sagte Frau Helene etwas boshaft,„und der Nhythntus..." „Wollen Sie mir. bitte, den Zucker herreichen," unterbrach sie die scharfe Stimme der Obcrlehrersgattin. „Aber mit den» größten Vergnügen." Die Doktorin reichte die Zuckerschale, hinter dem Taschentuch tuschelte sie Helene zu:„Aber seien Sie doch um Himmels Wille» stille, ihr Mann hat ja das Gc- dicht gemacht!" Es entstand eine neue Pause. Die Apothekeri» unterbrach zuerst das Schweigen, ettvas spitzig wandte sie sich an die Hausfrau:„Haben Sic denn der Frau Schwester schon die neue Kirche gezeigt? Die wird ihr wohl gefallen I" „Ich habe sie gesehen", erwiderte Frau Helene. „Ja, sie bauen eine neue Kirchs, die alle ist doch eigentlich noch wunderschön." „Aber doch viel zu klein", entrüstete sich die Posträtiu. „So? Es stand doch aber neulich im Stadtblatt, die Kirche Iväre leider inuner halb leer." „Das sind ja die Kirchen jetzt alle, Leuchen", begütigte die Hausfrau. „Und außerdem hoffen wir doch auch dadurch den Hof herzu- bekommen", sagte die Hausfrau.„Sieh mal, bisher hat der Hof uns hier ganz liuks liegen lassen, aber zur Grundsteinlegung Ivar schon ein Kammerherr hier, zur Einweihung kommt vielleicht ein Prinz." „Und das„Leere" kommt auch noch von der Sache mit den Pastoren", fügte die Posträtin hinzu, „Was ist init den Pastoren?" Frau Helene horchte auf. „Eigentlich gar nichts", nieinte die Apothekeri». „Sie verstehen sich bloß nicht. Prediger Sause ist nämlich so ein... na ja, ein Freigeist. Und unser Pastor Grätz ist..." „Sehr fanatisch", warf die Doklori» ei». „Nein, gar nicht I Er nimmt es mir ernst mit der Kirchs und ist nach oben gut angeschrieben." Die Apothekeri» wurde selber fanatisch. „Ach und»iiii reiben sie sicki?" Frau Helene lachte. „Wo sie könne»," kicherte die Doklorsfrän,„lind denken Sie nur, die ganze Gemeinde ist in zwei Lager geteilt. n»d die einen gehen zu Pastor Grätz und die andern zu Pastor Sause." „Herr Hilfslehrer Matterne geht immer zu Herrn Pastor Sause." sagte die Oberlehrersgattiu, und es klang wieder Ivie ein Todesurteil, „Er hält es überhaupt mit Pastor Sause," nickt ernsthaft die ApothekerSfra»,„damals die Sache im Lchrcrverein mit dem Vortrag, das war sein Werk," „Es war sein Werk," echote die Oberlehrersgattin,„Wenn mein Mann da gewesen wäre, Hütt' Pastor Grätz den Luther-Vortrag halten müssen." „Und dann die Grundsteinlegung," rief die Posträtiu. „EnipörendwardieGruudsteinlegimg,"bestätigte dieApothekersfran. „Was war denn da?" fragte Frau Helene. „Ach, eigentlich kann man es kaum erzählen, Herr Pastor- Sause hat die Schrift verfaßt, die in den Grundstein kommt, und hat die Namen nicht genannt, seinen Namen nicht und den von Pastor Grätz erst recht nicht." „Das sollte nämlich recht bescheiden aussehen," erklärte die Post- rätin,„aber eigentlich war es nur'ne Bosheit, er wollte Grätzeus Namen nicht der Nachwelt aufbewahren." „Bei einer Kirche, die auf solchem Grniidstein ruht, kann doch kein Segen sein l" Die Apotheken» scih von einem znm nndern. „Unbedmgt nicht," bestätigte die Oberlehrersgaltm.„Es soll wich gar nicht wundern, ip«m der Blitz sie trifft.' ich möchte auch meine Tochter nicht darin trauen lassen; die Ehe ginge sicher aus- einander." „Will die denn heiraten?" fragte Frau Helene ganz er- staunt. „Na, ich meine ja mir, wenn"—, die andre wurde ganz rot. „Haben Sie auch schon den Stadtparl gesehen, der ist noch immer der gleiche." Sie wollte offenbar ablenke». '„Sie spekuliert doch auf Pastor Grätz", tuschelte leise die DoktorS- fcau,„darum doch die Freundschaft und der Hag auf Matterne!" Aber Frau Helene hörte das Getnschel anscheinend nicht. Mit einem liebenswürdigen Lächeln wandte sie sich zu der Oberlehrers- frau:„Ja, ich bin auch schon im Stadtpark gewesen, ich sage ja, ivcnn man hier auch herkommt, man findet immer alles beim alten."— k- Zur Psychologie dcS TheaterpublikumS teilt ein er- fahreiwr englischer Schauspieler in einer Plauderei, die in einer Londoner Revue veröffentlicht wird, einige Beobachtungen in it. „Nicht zwei Zuhörerschaften", schreibt er,„sind jemals ganz gleich, und wenn auch die Hauptscenen und Episoden eines Stückes Abend für Abend mit ähnlichen, Interesse verfolgt werden, giebt es doch in, ciiizelnen wesentliche Unterschiede in der Haltung des Publikums, die dem Schauspieler seilen entgehe». Ein Spasz,' der am Montag zun» Beispiel mit schallendem Gelächter aufgenommen wurde, macht am folgenden Abend nicht den geringsten Eindruck auf das Publikum. Das Weiter übt dabei eine merkliche Wirkung aus. Wenn es feucht und schmutzig ist. fallen die besten Spähe oft nntcr de» Tisch; grohe Hitze erzeugt dagegen sehr oft eine leicht zu entzückende Zuhörerschaft, ivas man eigentlich gar- nicht erwarten sollte. Während der Aufsührung eines Lustspiels ist der beste Verbündete des Schauspielers ein Mann, dessen lautes Gelächter ansteckend wirkt. Ein armseliges Stück gelangt mitunter durch die guten Dienste laute» Gelächters auf der Galerie oder im Parkett zu ciuem überraschenden Erfolg. Gelegentlich erhalten wir auch das„wiederholte Gelächter", das entsteht, wen» ein Einzelner, nachdem das Lache» schon vorbei ist. noch eiumal iu ein schallendes Gelächter ausbricht, wodurch dann das ganze Haus wieder mitfort- gerissen lvird. Auch die Dauer eines huinoristischen Stückes ist nicht jeden Abend die gleiche. Es gilt als Regel, daß erst weiter gespielt lvird, wenn das letzte Lachen verklungen ist; wen» die Zuhörer in uu- gewöhnlich lustiger Stinunuug sind; schließt die Vorstellung natürlich später als im umgekehrten Fall. Weshalb übrigens die Schotten noch inimer in. Ruf stehen, eine» Scherz nur langsam zu würdigen, ist unbegreiflich; denn kein Publikum reagiert schneller auf komische Ausfälle als die Schotte». Tie Zeiten haben sich seit damals sehr geändert, als der berühmte Schauspieler Charles Matthews seinem schottischen Wirt ein Villct zu einer außerordentlichen kölnischen Vor- stellung schenkte mid nach der Aufführung auf die Frage, wie cS ihm gefallen hätte, die Antwort erhielt:„Nun, es war sehr gut— sehr, sehr gut in der That— und ich habe wirklich ein- oder zweimal beinahe gelacht". Jetzt erfaßt ein Glasgower oder Ediubnrger Publikum die Pointe eines Witzes ebenso schnell wie das„smarteste" Londoner Publikum. Erstaunlich ist die llnKnntniS Shakespeares bei dem uwderuen englischen Publitum. Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, daß während einer Anfsührnug von.Hamlet" Leute im Parterre ihren Nachbarn die„Handlung" des Stückes erzählen, als ob es zum erstenmal aufgeführt würde. Als man diese» Winter im Lyccum- Theater„Coriolon" ivieder aufführte, wollte» jeden Abend viele Personen unch dem vierten Mt das Theater verlassen, bis sie von andren darauf anfmerksam gemacht wurden, daß noch ein fünfter Akt komme. Bezeichnend für diese llnwifienheit ist folgende Anekdote: Eine Scham ptelcrtruppc machte eine Tournee durch die kleineren Städte in, Westn, Amerikas. Eines Abends ivnrde„Hamlet" ge- gebe». Am Schluß wurde der Dichter laut gerufen, worauf der Direktor nuf die Bühne kam und schnell sagte:„Meine Damen und Herren. eS thnt mir leid zn sagen, daß der Dichter nicht amveseud ist; aber ich»verde ihn sogleich von Ihrem Beifall in Kenntnis isjjßifc.4'« Naturtviffenschaftliches. — D i e A b st a m m n i, g des Bündnerschafes n n d TorfschafeS erörtert E. Kelter sVerhandlgn. d. schweizer. naturf. Ges., 83. Jahresyers. 1900/1901). In dem erstere» glaubt mau auf den ersten Blick eher eine Ziege als ei» Schaf vor sich zn haben. Der Kopf ist anffalleiid ziegenähickich, gestreckt, vorn spitz zu- laufend, im Profil gerade oder zwischen �>tm» und Nase etwas ein- gesenkt; die lveiiig breiten Ohren sind abstehend, relatib klein und sehr beweglich. Vergleicht man um, die Endglieder einer Eni- wickelnngsreihe, deren Ausgangspunkt das ivilde Mähnsnschas darstellt, und dessen Endglied i?as' Büudneroberländcrschas bildet, so ist der gemeinsame Betrag anatomischer Merkmale ein so bohcr, daß man daraus ans einen verwandtschaftlichei, Zusammenhang beider schließen kann. Man vermag vom Mähuenjchas über das Torfschaf zum Bündner- schof mit Leichtigkeit zu gelangen, elfteres ist offenbar die ivilde Stamm- quelle des letzteren. DaS Torfschaf hat wohl auf seinem Wege nach Mitteleuropa etwas Blut vielleicht von einer asiatischen Rasse ans- genommen. Aehnliche Verhältnisse kennen wir ja vom Schwein. Die Zähmung der Mähucuschafe und Ueberstihrnng in den Hausstand Verantwortlicher Nedacteur: Carl Leid in Berlin. erfolgte nach den bisher anfgefmidenen Spuren im Nilthal zn jener Periode, da die urägyptische Bevölkerimg von der Steinzeit zur Negadahkuktnr überging. Wir kominen der Wahrheit ziemlich nähe. wem, wir diesen Hansticr-Erlverb. in Ziffern ausgedrückt, von der Gegenwart um etwa 7000 bis 8000 Jahre zurückdatieren. Heute ist das Büiidnerschaf in seiner Existenz bedroht; man wird Mühe haben. einige Dutzend Schafe reiner Rasse aufzntreiben. da gegenwärtig stark gekreuzt lvird inid durch die vordringende Kultur neue Arten ein- geführt werden.—(„Globus".) Meteorologisches. — Ans die Lösung eines alten Problems der G I c t s ch e r f o r s ch n n g, die durch ein Naturereignis herbeigeführt worden ist, machte im Oktoberheft der„Meteorologischen Zeilschrift" E. Richter ansmerksam. Schon lange war es ein Programmpmikt der Gletschcrimtersuchnngeii. eine größere Fläche eines Finifeldes zu färben, um damit ei» Mittel zur Verfolgung der komplizierten Wege zu gewinnen, den gerade diese Jahresschicht im Gletscher nach und nach zurücklegt. Die Durchführung dieses Problems war aber mit sehr beträchtlichen Schwierigkeiten verknüpft und ist daher auch bis jetzt noch nicht verwirklicht worden. Da ist den Bestrebimgr» der Forschung kürzlich ein Naturereignis z» Hilfe gekommen, das eine intensive Färbung der Firnfeld« gleich in denk- bar großartigsten, Maßstab, und zivar gleichzeitig an einer großen Reihe vo» Gletschern des mittleren Europa ver- nrsacht hat; der große Staub fall vom 11. März 1901, dessen Verbrcilmigsgebict sich von Sicilien bis»ach Jülland und von Frankreich bis in den Balkan erstreckte, hat derartige Massen afri- kanischeu Wnstenstaubes über Europa ausgeschüttet, daß die Schnee- läge des Winters 1900,1901 überall auf den Kirnfelder» durch eine intensive rötliche Färbung gekennzeichnet ist„ Die? Färbung ist so stark, daß die wegichmelzenden Schneelagcr ans dem Baden eine feine, rötlich-grane Haut von Schlamm znrücklaffeu. Richter beobachtete schon im Mai in Bosnien und in Ntoutenegro und später auch i» den Ostalpen die rote Färbung der Gletscher und Schneefclder, die zum Teil schon wieder von neuen Schnee- und Firn schichte», bedeckt ivar. So beobachtete er auf den, Gletscher der Marniolala gtt oberst eine weiße, darmitcr eine rötlich gefärbte und noch nrnter mite» eine] eisgraue Kirnzone. Auch in den Eentralalpcn soll a» de» Gletschern überall die gleiche Beodachlnng zu machen sein.— Hnmoriftifches. — Das Richtige. Die Dorfschule in?. wird eines Tages durch einen der allcrschiicidigsien preußischen Schulrätc visitiert. Dieser richtet an ein kleines Mädchen die Frage:„Was bist Du?" und dieses antwortet in kindlicher Unschuld und Treuherzigkeit nach dem Katechismus Doktor Martin Luthers:„Ich bin ein Christ!"— „Ach was! Preußen seid Ihr!".schreit höchst imwillig der Her» Schnlrat.—'(„Simplicisfinurs".) — Passender Titel. Backfisch:„Wenn ich nur lviißlo, welchen Titel ich meine» Meerespoesien geben soll. W.-.3 meinst Du, Onkel?" Onkel:„MecreSpoefien?— Wellblech!"— — Ein Protz. P a r v e n n:„Was wolle» Sie denn noch?" Kellner:«Ihnen den Rest auf das Zlvanzig-Markstück heraus- geben." Parvenü:„Gott, wird mer hier b e l ä st igt."— („Meggendorfer Blätter".) Notizen. — Die Monat-Zschrist„Zeitlexik on". die seit Januar I90I von der Deutschen BerlagZanstalt in Stuttgart heransgegeben Ivnrde, hat ihr E r f ch e i ii c u e i n g e st e l l t.— — E m a>i n e t Reicher wird an 13 Abenden in„Schall und Ranch' gastieren.— —„Jnwge Leute", ein Schauspiel von Paul Linse- mann, gelangt im Frühjahr in Kiel zur Aufführung.— — Karl Jörn vom Hamburger Stadtthcatcr ist auf fünf Jahre sals lyrischer Tenor für das Opernhaus engagiert worden.— — Richard Strauß' Oper„Feuersnot" geht in der ersten Hälfte des März im Opernhaus iu Scene.— — Der Leipziger Universität wurden 75 000 M. zur Förderung wissenschaftlicher Zwicke von einem lliigenaunten gc- schenkt.— — Preise von 7000 M. und 4000 M. sowie zwei Preise von je 2000 M. find für de» Neubau eines Kollegien Hans es der Universität Freiburg i. B. ausgeschrieben. Letzter Einlieseningsterini»: 1. September.— — Der beschleunigte Wetterprognosen-Dienst, der im vergangenen Sommer versuchsweise für d i e P r o v i n z B r a ii d e ii b u r g eingerichtet war. hat sich g n t bewährt: etwa 90 Pro,,, der Prognosen find eingetroffen.— — Preise für a l t e s P o r z e l l a n. In London wurden bei einer Porzellaiivcrsteigermig folgende Gebote gemacht: ein altes Sevres-Deffert-Service, 24 Stücke,(1774 und 1773), 67 840 M.; ein Paar kleine viereckige Schalen(altes SövreS) 22 260 M.; ein paar Vasen von altenglijchem(Chelsea) Porzellan 11 873 M.—_ Druck i»id Verlag von Max BaSiug in Berlin.