Mnterhaltungsblalt des Horwärts Nr. 36. Donnerstag, den 20 Februar. 1902 lNachdri.ck oetfiaten.) so] Fouttt Gordjeje»!». Ronmn von Maxim G o r k i. Deutsch von Klara Braun er „Nun. fang an l" sagte Foma weich und wandte sich vor dem durchdringenden Blick der schmalen Augen deS Bauern ab. „Also Gott sei Dank!" sagte der Baumeister, indem er sein Wams bedächtig zuknöpfte und eine wichtige Miene auf- setzte. Dann betrachtete er, den Kopf langsam wendend, das Gerüst auf den Barken, die durch einen fünf Saschenj breiten Wasserstreifen von einander getrennt waren, und schrie plötzlich lallt auf: „Au— uf die Plätze. Kinder l" Die Bauern verstreuten sich über die Barken, bildeten schnell einzelne gedrängte Haufen bei der Winde ani Bord, und ihre Gespräche verstummten. Einige hatten geschickt das Gerüst bestiegen lind blickten schweigend herab, indem sie sich an den Stricken festhielten. „Seht nach, Kinderl" ertönte die laute, ruhige Stimme des Baumeisters.„Ist alles in Ordnung? Wenn ein Frauen- zimmer gebären soll, dann hat sie keine Zeit, Hemden zu nähen... Nun... Betet jetzt l" Ter Baumeister tvarf seine Mütze aufs Deck, erhob sein Gesicht zum Himmel und bekreuzigte sich. Und alle Bauern erhoben ihre Köpfe zu den Wolken und begannen mit ihren Händen weite Bogen zu beschreiben, indem sie ihre Brust mit dem Zeichen des.Kreuzes bedeckten. Manche beteten laut, und ein gedämpftes Mnuneln verschmolz mit dem Plätschern der Welleil: „Gott segne uns l... Die heilige Jungfrau und der heilige Nikolaus..." Foma hörte diese Aufrufe mit an, und sie legten sich ihm wie eine Last auf die Seele. Alle hatten ihre Köpfe entblöstt, liur er hatte vergessen, seine Mütze abzunehmen, und der Baumeister riet ihm eindringlich, als- er mit deiu Beten fertig war: „Auch Sie sollten Gott bitten..." „Bleib' bei Deiner Arbeit, nur hast Du nichts zu sageil!" antwortete Foma und blickte ihn zornig an. Je weiter die Arbeit vorrückte, desto bedrückender und kränkender war es für ihn, sich zwischen diesen ruhigen Menschen überflüssig zu fühlen, die ihrer Kraft sicher waren, und die daran gingen, einige Tausend Pud vom Grunde des Flusses für ihn heraufzuziehen. Er wünschte, es möchte ihnen nnsiglückeu, damit alle vor ihm verlegen würden, und durch seinen Kopf huschte der boshafte Gedanke: „Vielleicht reißen noch die Ketten..." „Kinder! Aufpassen I" schrie der Baumeister.„Fangt alle auf einmal an. Gott segne uns l" Und plötzlich schlug er die Hände iu der Lust zusammen und schrie gellend auf: „Lo— o— os I" Die Arbeiter fingen feinen Schrei auf und schrien alle aus einmal erregt und angestrengt: „Lo— o— os! Es geht I" Die Rollen quietschten und knarrte», die Ketten rasselten vor Anstrengung behu Heben der Last, die sich plötzlich an sie hängte, und die Arbeiter, die ihre Brust gegen die Hebel der Winde gestemmt hatten, brüllten und stampften schwer auf dem Deck herum. Zwischen den Barken plätscherten lärmend die Wellen, als wollten sie ihre Beute den Menschen nicht abtreten. Ueberall um Foma herum spannten sich die Stricke, die Ketten und die Taue au und zitterten vor Anstrengung, sie krochen lvie riesige graue Würmer auf dem Deck all seinen Füßen vorbei; die Ketten hoben sich Glied um Glied in die Höhe und fielen klirrend herab, und das betäubende Brüllen der Arbeiter übertönte alle Laute. „Es geht schon, es geht schon, es geht..." sangen sie alle auf einmal triumphierend. Und in die dichte Welle ihrer Stimmen drang, lvie ein Messer ins Brot, die gellende Stimme des Balmieisters ein und zerschnitt sie: „Kinder! Gebt acht... alle auf einmal— aus einmal..." Foma wurde von einer seltsamen Erregung erfaßt;> ihn überkam der leidenschaftliche Wunsch, mit diesem lallten Brüllen der Arbeiter, das weit und mächtig wie der Fluß war, mit. diesem aufreizenden Knarren, Quietschen, Klingen des EisenS und mit dem wilden Plätschern der Wellen zu verschmelzen. Von der Kraft dieses Wunsches bedeckte sich seine Stirne mit Schweiß, er riß sich plötzlich vom Mastbanm los und stürzte ganz bleich vor Aufregung in großen Sprüngen zur Winde hin. „Alle auf einmal! Auf ei— inmal..." schrie er mit lvilder Stimme. Er lief zum Hebel der Winde, prallte in vollem Schwünge mit der Brust dagegen au, und begann, ohne den Schnlerz zu fühlen, brüllend um die Winde herum- zugehen, indem er sich mit den Füßen kräftig gegen das Deck stenuiite. Etwas Mächtiges und Heißes ergoß sich in seine Brust und ersetzte die Anstrengung, die er angewandt hatte, um den Hebel zu drehen. Eine unaussprechliche Freude stürmte in ihm und machte sich in erregtem Schreien Luft. Ihm>var, als lvende er den Hebel allein durch seine eigne Kraft, indem er die Last hob, und als wüchse seine Kraft immerfort. Mit gebeugtem Rucken und ge- senkten! Kopf ging er lvie ein Stier der Schlvere der Last entgegen, die ihn zurückwarf, ihm aber doch nachgab. Jeder Schritt nach vorwärts erregte ihn immer mehr, jede der- brauchte Kraft wurde in ihm sogleich durch den Andrang von brennendem wildem Stolz ersetzt. Ihm schwindelte, die Augen waren blutunterlaufen, er sah nichts, und fühlte nur, daß die Last von ihm wich, daß er siegte, daß er jetzt gleich lnit seiner Kraft etwas Ungeheures, daS ihm den Weg vertrat, umstoßen und bezwingen würde, und daß er dann leicht und frei, von stolzer Freude aufatmeil könnte. Zum erstenmal in seinem Leben verspürte er ein so mächtiges, vergeistigendes Gefühl und trank es mit der ganzen Kraft seiner gierigen hungrigen Seele, berauschte sich daran und ergoß seine Freude in laute, jubelnde Rufe im Einklang mit den Arbeitern: „Es geht schon, es geht, es ge— eht..." „Halt I Jetzt fest drauf los! Halt, Kinder!" Foma wurde vor die Brust gestoßen und taumelte zurück. „Gratuliere zum glücklichen Ausgang. Foma Jgnatijtschl" beglückwünschte ihn der Aufseher, und die Falten in seinem Gesicht zuckten in freudigen Strahlen.„Gott sei Dank! Sie sind wohl müde?" Ein kalter Wind blies Foma ins Gesicht. Ein fröhlicher Lärm der Befriedigung erhob sich um ihn; die Bauern kamen, sich scherzhaft zankend, mit einem fröhlichen Lächeln auf den schweißigen Gesichtern auf ihn zu und umringten ihn dicht. Er lächelte verlegen: seine Erregung war noch nicht erkaltet und ließ ihn nicht begreifen, was vorgefallen war, und warm» alle um ihn herum so freudig und zufrieden waren. „Wir haben hundertundsiebzigtausend Pud lvie einen Rettich ans dem Gartenbeet gezogen!" sprach jemand. „Der Herr sollte uns einen Eimer Schnaps spendieren." Foma stand auf einem Haufen von Tauen und schaute über die Köpfe der Arbeiter. Zwischen den Barken, dicht an ihrem Bord, war eine dritte, schwarze, glitschige, beschädigte. von Ketten umlvickelte Barke erschienen. Sie war ganz krumm und schien von einer schrecklichen Krankheit aufgedunsen zu sei», schlvach und plump hing sie über dem Wasser zwischen ihren Genossinnen und stützte sich auf sie. Der zerbrochene Mastbauin steckte traurig dranf über daS mit Rostflecken besäete Deck rannen rötliche Wasserstrahlen. die lvie Blut aussahen. Ueberall ans dem Deck lagen Eisen- Haufen, schlvarze, nasse Holzstücke und Stricke umher. „Ist sie oben?" fragte Foma. der nicht lvnßtc, was er bei»! Anblick dieser formlosen, schweren Masse sagen sollte, und den der Gedanke kränkte, daß seine Seele nur deswegen so aufgeschäumt und voll Freude gelvescu war. um dieses schmutzige, zerbrochene Ungeheuer aus dem Wasser zu ziehen. „Wie fleht es denn damit? fragte Aoma unbestimmt den Baumeister. „Das schadet nichts!" Man muß sie schnell ausladen inid einen Trupp von etwa zwanzig Zimmörleuteir hinschicken. sie»Verden sie im Handumdrehen in stand setzen!" sagt« der Baumeister mit tröstender Stimme. Und der blonde Blirsche lächelte breit und fröhlich Foma ins Gesicht und fragte: „Werden wir ein Schnäpschen kriegen?" „Du wirst wohl noch warten können I" sagte der Bau- meister streng zu ihm.„Du siehst ja— der Herr ist müde.. Die Bauern sagten darauf: „Wie sollte man da nicht müde werden?� „Das ist keine leichte Arbeit!" „Wenn man's nicht gewohnt ist, wird man schon müde dabei." „Wenn man's nicht gewohnt ist, wird man auch vom Breiessen müde." „Ich bin nicht müde," sagte Foma düster, und wieder erklangen die ehrerbietigen Ausrufe der Bauern, die ihn immer dichter umringten: „Wenn jemand Lust zur Arbeit hat, ist sie eine angenehme Sache." „Wie ein Spiel." „In der Art, wie wenn man sich mit einem Frauen- zimmer die Zeit vertreibt." Nur der blonde Bursche beharrte unerschütterlich auf seiner Bitte: „Euer Gnaden! Wie wär's mit einem Eimer Schnaps, Was?" sagte er lächelnd und seufzend. Foma blickte auf die bärtigen Gesichter vor ihm und fühlte den Wunsch in sich, ihnen etwas Kränkendes zu sagen. Aber in seinem Kopf war alles verwirrt, er fand keine Gedanken darin und sagte endlich zornig, ohne sich dessen bewußt zu sein: „Ihr möchtet nur immer saufen! Es ist Euch ganz gleich, was Ihr thut! Ihr solltet aber darüber nachdenken, warum und wozu das alles so ist? Ach, Ihr!" Die Gesichter der ihn umringenden Bauern drückten Ver- blüffung aus: die blauen und roten bärtigen Leute begannen zu seufzen, sich hinter dem Ohr zu kratzen und von einem Fuß auf den andern zu treten. Manche blickten Foma hoffnungs- los an und wandten sich zur Seite. »Ja,— ja I" sagte der Baumeister seufzend.„Das schadet nicht! Das heißt, darüber nachzudenken, wie und warum alles ist... Das sind vernünftige Worte." Der blonde Bursche hatte aber seine besondere Ansicht darüber; er lächelte gutmütig, schwenkte den Ann und erklärte: „Wir kommen nicht dazu, bei der Arbeit nachzudenken! Wenn wir eine haben— dann drauf los I Unsre Sache ist einfach: wenn man einen Rubel verdient hat, dann wird Gott gelobt! Wir können alles machen." „Weißt Du denn, was man machen muß?" fragte Foma, der durch den Widerspruch gereizt war. „Alles... das eine und das andre." „Und was ist für ein Sinn darin?" „Für unfern Stand ist in allem derselbe Sinn... sich das Brot und die Steuern zu verdienen— dann lebt man! Und wenn man noch was zum Trinken hat..." „Ach Du I" rief Foma verächtlich aus.„Du sprichst auch mit! Was verstehst Du denn?" „Ist denn das Verstehen unsre Sache?" sagte der blonde Bursche und schüttelte den Kopf. Es langweilte ihn schon, mit Foma zu sprechen; er hatte ihn im Verdacht, daß er keinen Schnaps spendieren wollte, und war ein wenig böse. „Nun also I" sagte Foma belehrend; er war zu- frieden, daß der Bursche ihm nachgegeben hatte, und be- merkte nicht die auf ihn gerichteten schiefen, spöttischen Blicke. „Aber derjenige, der versteht, der fühlt, daß man für die Ewigkeit arbeiten muß..." „Das heißt, für Gott!" erklärte der Baumeister, indem er die Bauern anblickte, und fügte fromm aufseufzend hinzu: „Das ist wahr, o, wie wahr das ist!" Foma wurde vom Wunsch erfüllt, etwas Wahres und Gewichtiges zu sagen, damit alle diese Menschen ihn in irgend einer Weise anders behandelten, denn ihm mißfiel es, daß sie alle, außer dem Blonden, schwiegen und ihn mit so gelangweilten, finsteren Augen feindselig und schief anblickten. „Es muß so eine Arbeit sein," sagte er und seine Brauen zuckten,„so eine, daß die Leute nach tausend Jahren sagen sollen: das haben die Bauern von Bogorodsk gemacht... ja!.. lSforisetzling folgt.) !?iolidnlck«eiBotes.) SpktttiMo VüZzevrrnsuv. Wenn man von Rußland und der Türkei absieht, leidet kaum ein Land mehr unter der Willkür der Behörden als Spanien. Heute hat Spanien ein liberales Ministerium, und doch hörten wir von den größte» Willkürakten gegen die Gegner des Regiernngssystenis, von der vcrfassungsividrigcn Berhängung der Ccnsiir gegen ein kleines republikanisches Blatt, dessen Platten von den Gendarmen regelmäßig gewaltsam zerschlagen wurden, so daß der Redactenr zuletzt den Kamps aufgeben mußte, und mit seinein Blatt„El Pais" in das Ausland wanderte. In Spanien hat man sich durch Jahrhunderte hindurch daran gewöhnt, daß die Presse den größten Be- schränkmigen untcrivorfen ist, größeren Beschränkungen sogar als in Deutschland und in Ocstrcich. War in Oestreich vielfach bis uni die Mitte des 13. Jahrhunderts die Censnr in den Händen der Geistlichkeit, so hatte Spanien den Vorzug einer doppellen Censnr, einer weltlichen und einer geistlichen. Die Inquisition überwachte die ganze littcrarische Thätigkeit, sie war bemüht, die Verbreitung aller ihr gefährlich erscheinenden Lehren zu verhindern. Spanien ist das klassische Land des Katholizismus und der Intoleranz, in dem nicht nur die Ketzer öffentlich verbrannt, sondern ganze Bibliotheken deni Fenertode überantwortet wurden. Es war ein frommer Gc- brauch, Freudenfeuer mit hedritischen Bibeln, mit Talmud und Koran anzuzünden; es sind Fälle bekannt, Ivo Tausende in hebräischen oder arabischen Lettern gedruckte Bücher gleichzeitig ver- brannt wurden. Im Jahre 1502 wurde verordnet, daß in Castilien kein Buch gedruckt, eingeführt und zum Verkaufe gestellt werden dürfe, bevor es geprüft und von der berufenen Behörde, nämlich von der Geistlichkeit, genehmigt worden wäre. Aber die gewöhnlichen Geist- lichen schienen dieser Aufgabe nicht gewachsen zu sein, man bedurfte der Hilfe der Inquisition.') Diese entwand die Bücherccnsur der gewöhnlichen Geistlichkeit, wie sie auch die Ketzervcrfolguug zu ihrem Monopole gemacht hatte. Karl V. teilte die Verantwortlichkeit der Censnr zwischen einem königlichen Rat. der beauftragt wurde, den Manuskripten die Druckerlaubnis zuzubilligen oder zu verweigern nnd der Inquisition, die das Recht erhielt, gegen die mit der Druckerlaubnis versehenen Bücher das Verbot der ver- breitnng auszusprechen, wenn sie dieselben für gefährlich hielt. Dieses Gesetz wnrde im Jahre 1564 gegeben, 1558 mit neuen Aussührungsbcstimmunge» publiziert und blieb dann in Kraft bis zur Verfassung von 1812, also bis in die kurze Periode napole- o«scher Herrschaft in Spanien. Während dieses Vierlel-JahrhnndertS wirkte die Censnr in fol- gendcr Weise: Jedes Manustript mußte dem Superintendenten oder Richter für die Angelegenheiten der Presse eingereicht werden. Es wurde gelesen nnd korrigiert von eiiieni Censor des Rates. Nach der Drucklegung verglich ein Generalkorrektor das Buch mit dem Mannsskripl Wort für Wort, um festzustellen, ob alle» Anordnungen des Censors Rechnung getragen wurde. Behandelte das Werk An- gclegenhcitcn, bei denen ein jpecielles Wissen Voraussetzung war, so wurde es noch einer Spccialcensur unterworfen, so z. B. alle koloniale Fragen behandelnden Werke der Censnr der Kolonialbehörde(Otmcejo do las Indias), alle medizinischen Bücher dem Präsidenten deS Ober-Medizinalrats usw. Harte Strafandrohungen waren gegen die- jenigen gerichtet, die ihre Werke im Auslände drucken lassen wollten. Der Censor mußte mit der grüßten Strenge vorgehen, und zwar im eignen Interesse, ließ er nämlich etwas in dem Werke stehen, was Anstoß erregen könnte, so war jeder Leser verpflichtet, den Verfasser und den Censor bei der Jnqnisilion zu denunzieren. Geschah dies oder eröffnete die Inquisition ans eignem Antriebe ein Verfahren, so übertrug sie die Untersuchung an zwei ihrer Mitglieder. Waren diese beiden in ihrem Urteil übereingekommen, dann wnrde die Entscheidung dem höchsten Jnquisilionsgerichte zu Madrid unterbreitet. Diese Ent- scheidung war eine endgültige, ein Appell gegen dieselbe nicht möglich. Das Buch wurde in das Verzeichnis der verbotene» Werke ansgenommen und außerdem der Verfasser verfolgt. Seit dem Jahre 1559 veröffentlichte die Inquisition regelmäßig Listen der verbotene» Bücher und zwar nicht nur der in Spanien gedrucklcn, sondern auch der aus dem Auslände eingeführten. Diesem Verzeichnisse waren genaue An- ordnungen für die Buchhändler und die Zollbehörden angefügt. Die Bücher waren unterschieden in unbedingt dem Staate und den Sitten schädlichen Werken, deren Besitz allein- schon genügte, in den Verdacht der Ketzerei zu kommen; eine andre Abteilnng bildeten die Bücher, i» denen einzelne Sätze und Aussprüche an- stößig waren, diese waren verboten, bis sie in einer gereinigten Ausgabe veröffentlicht seien, oder bis die Exemplare der Inquisition vorgelegt und von ihr die inkriminierten Stellen unleserlich gemacht worden waren. Die Inquisition hatte auch daS Recht und die Pflicht, die Bnch- handlungen ohne vorherige Anzeige zu durchsuchen, die Bücherpnkete an den Grenzen zu prüfen und die Einfuhr und den Schmuggel verbotener Bücher zu verhindern. In allen Häfen des Staats waren Kommissäre der Inquisition thätig, die nicht früher daS Ausladen ') Die Thatsachen über die Inquisition sind dem trefflichen Werkchen von Cbr. V. Langeois, L'inqnisition d'aprfes des travaux röcents(Paris 1902, G. Bellais) entnommen. der Waren gestatten durften, bevor fie fich nicht überzeugt hatten. daß verbotene Bücher und Zeitungen an Bord nicht zu finden seiein Die«ketzerischen" tiaufleute, vor allem die Engländer mußten sich in der Theorie dcrarlige Besuche immer gefallen lassen, aber in der Praxis konnten sie sich durch Bestechungen dieser unerwünschte» Be- suche envehreu. Dieses erfolgreiche System von Bestechungen führte zu dem Scherze, daß die fremden Seeleute das Santo Officio(das heilige Amt der Inquisition), Santo Ladrociuio(heiliger Diebstahl) bezeichneten. Der Index der spanischen Inquisition, das Verzeichnis der von ihr verbotenen Bücher, ist eine noch bedeutend interessantere Lektüre, als der heute noch existierende viel berühmtere und oft citierte Index des heiligen Stuhls und der früher auch be- deutnngsvolle der Pariser Sorbonne(der Pariser Universität). Denn die beiden letzt erwähnten enthalten blos die Name» der verbotenen Bücher, während die spanische Inquisition in ihren Verzeichnissen auch die Stelle» angab, welche getilgt werden müßten, ivenn ein verdächtiges Vnch verkauft werden dürfte. Die Ccnsnr der Inquisition verschärfte sich im Laufe der Zeit; Bücher, deren Vertrieb in Spanien in früherer Zeit gestattet ivarc», wurden später untersagt. Im Jahre 1640 wurden z. B. die Schriften des großen deutschen Humanisten Erasmus verboten, desselben Erasmus, der nicht bloß ein Günstling Karls V. war, sondern den sogar der Kardinal Alfons Manrique, des Erzbischofs von Sevilla und General- inquisitor mit dem heiligen Augnstin und andren Heiligen verglichen hatte. Die spanische Bibelübersetzung, die Alfons X. von Castilien im 13. Jahrhundert veranlaßt hatte. lvurde im 16. Jahrhundert verboten, ebenso wie der Koran. Nicht nur waren die Schriften aller Nefonnatoren, wie Luthers und Zwingiis verboten, genau ebenso wie die Schriften gegen de» katholische» Glanben ivar alles verpönt, was gegen daS monarchische Jnterefie in Spanien geschrieben lvurde; so z. B. selbst eine Schrift des Historikers Mariana über die Münzpolitik. Spaßhast ist, daß im Jabrc 1612 die Pamphlete gegen de» allmächtigen Minister Olivarez verboten wurden und im Jahre 1613, nach dem Sturze desselben. alle zu seinen Gunsten geschriebenen Werke. Wie man von Philipp II. sagen konnte, er sei päpstlicher als der Papst gewesen, so gili das Gleiche auch von der spanischen Inquisition; der Index der römischen Kirche, der von dem Kardinal- kolleginm in Rom hergestellt wird, war noch immer liberaler als der Index der Inquisition. Während in Rom die„göttliche Komödie" von Dante erlaubt ivar, wurde sie im 17. Jahrhundert wegen dreier Stellen in Spanien verboten. Vielfach lvurde von den Inquisitoren zwischen den Zeilen gelesen. Gründe des Verbots ge- funden, die fern ablagen von den Absichten eines Verfassers. Dies schuf selbst bei den frömmsten und loyalsten Schriftstellern llnsicher- heil und das mußte auf die Entivickelung der ganzen Lilteratur wirken. Ist es ja bekannt, daß selbst Cervantes eine Stelle im ziveiten Teile seines Don Ouixotcs streichen mußte, obgleich seine Rechtglänbigkeit und Harmlosigkeit über allem Ziveiscl erhaben ivar. Die Verteidiger der Inquisition können für ihr Verfahre» an- führen, daß bis ins 19. und 29. Jahrhundert hinein von bürgerlichen Gewalten in katholischen und nichtkatholische» Reichen in gleicher Weise verfahren wurde,>vie von der spanischen Inquisition. Unter Napoleon III. herrichte auch die Ceiisur, vor allem über Schriften, die ans dem Auslande cingcsührt wurden, bei denen man auch sich nicht scheute, die der Regierung unliebsamen Stellen unleserlich zu machen. In Rußland herrscht heute noch die strengste Censnr im Lande, alle aus dem Auslande kommenden Zeitungen und Bücher müssen, soweit sie überhaupt eingeführt werde» dürfen, an denjenigen Stellen.geschwärzt" werden, wo über Rußland nicht zur Freude der Regierung berichtet wird. Noch entschiedener geschieht die Ab- sperrnng von der Lilteratur dcS Auslandes in der Türkei. Der Index der römischen Kirche ist heute noch in Kraft und sür alle rechtgläubigen Katholiken maßgebend. In Ocstrcich existiert noch das objektive Verfahren, das mit der Censnr eng ver- wandt ist. Auch in Deutschland erfreuen wir uns noch lange nicht der vollen Preßfrciheit. Sicherlich kann die Ccnsnr die Entwicklung des menschlichen Geistes, das Hervortreten von Richtnngen, die den herrschenden Gewalten unbequem sind und gefährlich werden können, nicht verhindern; Rußland ist hierfür der beste Beweis, wo innner von neuen, revolutionäre Ideen auftauchen und Anhänger gewinne». Aber der schwere Druck. den die Ccnsnr ausübt, die gesteigerte» Schwierigkeiten, den Massen Aufklärung und neue Ideen zuzuführen, ist in Rußland wie in Spanien nicht zu leugne». Spanien, das am Ausgange des Mittelalters eine glänzende Litteratur befaß, sah sie verdorren, sah die Wissenschaft zu Grunde gehen. Selbst eine so unpolitische Wissenschaft wie die Philologie litt schwer unter den Veisolgungen der Inquisition, noch mehr natürlich die Geschichtswissenschaft. Man begnügte sich nicht, Schriften zu prüfen und zu verbieten, man verbot sogar die Fort- setzunq begonnener Werke. Dies erduldeten noch im Jahre 1779 die Verfasser' einer spanischen Litteraturgeschichte. Die spanische Littcraturgeschichte ist gleichzeitig eine Marlyriologie der spanischen Schriftstelierei. Fast alle Großen der spanischen Litteratur und Wissenschaft sind mit der Inquisition in unangenehme Berührung ge- konimen. Zum mindesten mußten sie bei jede», Wort, das sie nieder- schrieben, Rücksicht nehmen auf die Stimmung der«heilige» Väter von der Inquisition". So manches blieb ungeschrieben, oder zum mindcstcu ungedruckt mit Rücksicht auf die geistliche Ccnjur. Die Glanzzeit der Inquisition, ihre höchste Macht, fällt zusammen mit dem Tiefstande der spauische» Litteratur. Während in Frankreich und in England Philosophie. Geschichte, schöne Litteratur blühten, war in Spanien der Friede des Kirchhofs eingekehrt. Nicht nur die modernen Idee» wurden verfolgt, auch alle die religiösen Richtungen innerhalb des Katholizismus, o'ie denselben zu verliefen suchten, die aus den frömmsten und unziveifclhaft recht» gläubigen Motiven hervorgegangen waren. Diejenigen Männer, die die Frömmigkeit und die Gottesanbetung auf die höchste Stufe bringen wollten, wurden genau so verfolgt, ihre Werke ebenso unterdrückt, wie die Schriften eines Luthers, eines Calvins und andrer Gegner deS Katholizisnms. Freilich, in der Theorie erklärte die Inquisition, daß man bei frommen Richtungen sehr schwer Heiligkeit von frevel» hafter Gesinnung unterscheiden könne. Wohl gäbe es heilige Leute, die wirklich von göttlichen Eingebungen erleuchtet sind, aber auch der Satan erleuchte, und dann gäbe es auch Mensche», welche gerade durch die übertriebene Frömmigkeit zu täuschen suchten. Es fehle ein zuverlässiges Erkennungsmittel, u», diese Richtungen zu scheiden. Hieraus erklärt es sich, daß die berühmteste» Vertreter des spanischen Mystizismus im Kampfe standen mit der Inquisition, wenigstens so jlange, bis ihre Lehren von Rom anerkannt wurden. Ja, Jgnatins von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens. lvurde am Beginne seiner Laufbahn ztveimal von der Inquisition verhaftet, und ähnlich ging es manchen» andren, der nachher von der römischen Kirche heilig gesprochen wurde. So sehen wir in Spanien alles unterdrückt, was nicht bis auf die unbedeutendste Kleinigkeit mit den herrschenden Anschauungen des Staates und der Inquisition übcreiustimmtc. Jahrhundertelang währte dieser Druck; noch hat Spanicu sich von demselben nicht erholt, noch leidet es schivcr unter den Folgen Jahrhunderte langer geistiger Knechtung. Sicher ist es falsch, und das Korn Wahrheit in der Falschheit ist über» trieben, wenn man den politischen und de» wirtschaftlichen Nieder- gang Spaniens, wie dies von liberalen Historikern früher geschehen ist, auf die Inquisition und auf das Walten des Katholizismus zurückzuführen sucht, aber sicher hat dem spanischen Volke die Inquisition die schwersten Wunden geschlagen, sicher ist es, daß eines der begabtesten Völker, das zu den größten Erwartungen berechtigte, geistig geknickt lvurde durch das Bündnis der Unduldsamkeit, das der spanische AbsolntiSnins>nit der Inquisition geschlossen hat und daS noch heute nachwirkt.— A. B. Kleines Feuilleton» k. Die Wissenschaft vom Kuß. Ein sehr amüsantes Buch hat unter den Titel«Der Kuß und seine Geschichte" Dr. Christoph Nyrop, Professor der romanischen Philologie an der Universität Kopenhagen, erscheinen lassen. Der Verfasser warnt seine Leser zwar zu Beginn vor der Gesahr, über dieses schöne Thema überhaupt etivas zu lesen. aber dann behandelt er den Gegenstand mit großer Freiheit und Unparteilichkeit. Von den vielen angeführten Definitionen, was ein Kuß ist, seien einige wiedergegeben. So sagt Paul Verlaine:»Der Kuß ist die feurige Begleitung ans der Tastatur der Zähne zu den lieblichen Lieder», die die Liebe einem brenuenden Herzen singt." Ein lateinisches Epigramm lautet:«Was ist süßer als Meth? Der Tau des Himmels. Und was ist süßer als Tau? Honig vom Hybla. Was ist süßer als Honig? Nektar. Als Nektar? Ein Kuß." Auch der de» Kuß begleitende To» ist von vielen Völker» und Dichtem unter» sucht und in der Regel humoristisch oder satirisch erklärt worden. So sagt Johannes Jörgenjen:«Das Plätschern der Wellen gegen die Strandkiesel ist ivie der Klang langer Küsse." In dem „Tagebuch des Verführers" von Sören Kierkegaard spricht Johannes von den Brautpaaren, die sich zahlreich bei seinem Onkel zu ver- sammeln pflegten:«Ohne Unterbrechung hört man die ganzen Abende hindurch eine» Klang, als ob jemand mit einer Fliegenklappe umherginge: das sind die Küsse der Liebenden." Noch drastischer ist der deutsche Ausdruck:„Der Kuß tönte, als wen» eine Kuh ihr Hinterbein aus eiucni Sumpf zieht", und ein alter dänischer Aus- druck lautet:„Er küßte sie so. daß es gerade so klang, als ivenn man die Hörncr niedergeworfener Kühe abschlägt."«Auf den Lippen jedes Mädchens sitzt der Kuß wie eine Rose, die sich nur danach sehnt, abgepflückt zu werden." So sagte man im Mittelalter. Wenn die französischen Dichter ein schönes und begehrensivcrtcs Weib schilderten, sagten sie von ihrem Mund, er müsse«wohlgcformt und süß zum Küssen seiu." Was die Frauen von einem Kuß erwarte», ist schwieriger zu beantworten; aber es ist allbekannt, daß sie einem bärtigen Mann den Vorzug geben. So heißt es von einem Heiducken in einer rumänischen Ballade:«Ich bin noch zu jung zum Heiraten, mein Bart ist noch nicht gesproßt. Welche verheiratete Frau würde mich denn küssen?" Denselben Geschmack findet man bei den Frauen des nördlichen Europa. In Deutschland sagt man z. B.:«Ein K»ß ohne Bart ist ein Ei ohne Salz." Die jungen Holländerinnen meinen dasselbe, ebenso heißt es auf den friesischen Inseln, und auf Jüllaud kann ma>l hören:«Ein Kuß ist nicht nur ein Klang, er muß auch Ge- schmack haben, er»niß krästig und süß sein." Oder: .Einen Bursche» ohne ein Pricmchen Tabal und ohne aSovl küsse» i�l als ob»tmi eine LehnNvond küsil." Andrerseits sollte ein Mann nicht zu»aß um den Mund sein, denn die Mädckcn sagen t>on ihm höhnisch:„Er ist gut zu küssen, tvcnn man durstig ist", oder in Deutschland:„Einen Kuß mit Sauce bekommen." Dt'- Nh'.'Lp begünstigt durchaus die leichtsinnige Ansicht, HS» ein Kuß ein Ding ohne Folgen ist. Die Italiener behaupte»: „Ein Mund ist darum nicht schlechter, weil er geküßt tvordcn ist", und ein französischer Dichter der Jetztzeit sagt:„Bah, zwei Küsse. Man tauscht sie ans Ivie zivci Kugeln, die das Ziel verfchleu, und der Ehre ist Genüge gethan." I» Norwegen heißt ein Lied:„Jens Johannsc», der tapfere Gote, gab dem Mädchen einen guten Knß ans den Mund, er küßte sie einmal und dann wieder, aber jedes Mal war sie in gleicher Weise froh." Ju Deutschland sagt man:„Einen Kuß kann man zwar abwischen, aber daö Feuer im Herzen nicht löschen." Gestohlene Küsse sind die süßeste». Den Gedanken, den wir mit der Redensart bezeichnen,„einen gestohlenen Knß zurückgeben", drücke» die Spanier so ans:„Schilt Deine Mutter Dich, daß Du Dir eine» Kuß hast geben lassen, so nimm ihn zurück, liebes Mädchen; dann muß sie den Mund halten." Auch eine französische Anekdote berichtet von einem Studenten, der sich die Freiheit nahm, ein jnngeS Mädchen zu küssen. Sie wurde jedoch sehr ärgerlich und»anntc ihn einen unverschämten Lassen, ivorauf er mit unwiderleglicher Logik cnt- gegnetc:„Lieber Gott, Fräulein, kränken Sie sich nicht. Wenn der Knß Ihnen unangenehm ist, so geben Sie ihn mir zurück." Freund- schaftlicher scheint das Uebcrcinkonnncn zivischcn einem dänischen Paar gewesen zu sein, das die Verlobung auflösen ivollte.„ES ist am beste», daß wir die ausgetauschten Briefe zurückgeben", sagte er.„Gut", er- widerte sie.„sollten wir aber nicht gleichzeitig auch alle unsre Küsse zurückgeben?" DaS geschah, und so wurde das Verlöbnis— nen geschlossen, lieber die juristische Seite des gestohlene» Kusies sei folgendes Beispiel angeführt, das die Ansicht der englischen Recht- sprechung über den Gegenstand vor sechzig Jahren kennzeichnet: Im Jahre 1837 verklagte Mr. Thomas Saverland Miß Caroline Newton, die aus seiner Nase ei» Stück herausgebissen hatte, als er sie u» Scherz zu küssen versuchte. Er ivnrdc aber mit seiner 5tlage ab- geiviesen, und der Richter begründete die? folgendermaßeu:„Wenn ein Mann ein Mädchen gegen ihren Willen küßt, darf sie ihm dir Rase abbeißen, wenn sie ivill."„Und sie aufesseir, falls eS ihr beliebt," fügte ein spaßiger Rechlsamvalt hinzu.— Theater. Schiller-Theater.„König Ha rlckin". Ein Masken- spiel von Rudolf Lothar.— DaS Stück ist in der vorletzten Saison schon einmal in einem Berliner Theater zur Aufführung gekommen, indessen, ohne cS zu einem durchschlagenden Erfolg und längerer Lebensdauer zu bringen. Daß ein plebejischer Harlekin, in die Prunkgeivänder cincS heimlich ermordeten Prinzen schlüpfend, durch seine Konrödiantenknnst alle Welt zu täuschen vermag, daß er nach berühmten Mustern durch Schlachten, die andre für ihn schlagen, zum Hort, zum Schild und Schirm des Vaterlandes ivird, daß die Großen sich vor ihm beuge» und daß der Priester unter dein Jubel des Volkes bei brausendem Orgelklang die GotteSgiiadcutrouc ihn, auf das Haupt drückt— das ist ein Einfall, der. in Märchcnform etwa, zu einer prächtigen phantastisch- satirischen Persiflage auf das hochheilige Königtum sich hätte ausspinncn lassen. Aber mit diesen« geistreichen Grundgedanken ist, was sich zum Ruhme deS Lotharschcn Werke» sage«» läßt, in der Hauptsache leider erschöpft. Dje AuSsührnng huilt mühsam, iin weiten Abstände, hinter der Idee zmlick. Die Satire, die man envartet, bleibt in halben Ansätzen stecken. Und ui«r durch bloßes MaSkcnspicl ein seltsam geheimnisvolles Durcheinander von Schein und Wirklichkeit die tieseren Kräfte der Phantasie in stimmungsvolle Spannung z» versetzen, ivie es Schnitzler z. B. in seinem„Grünen Kakadu" so wunderbar ver- standen hat, dazu gebricht eS Lothar an dichterischer Gestaltnngs- kraft. Was er in diesem Sinne bietet, ist etiva«nil Ausnahme der Schlußscriie». wo der zum Harleti» znriickverlvandelte Prinz von einer inrprovisiertei« Bretterbühne herab mit höhnenden« Doppelsin» seine eigne Geschichte der ahniingslosen Hosgesellfchast vorspielt— dürre Rechenkunst. Eine kalte, äußerliche Theatralik. die»««t bewußte»« dramatische Naffinenient ans allerhand scciiische Knallessekte hinarbeitet, drückt als tote lleberfracht jede intimere Wirkung, die sich da und dort etiva hervorivagcn ivill, immer«vicder rasch z» Boden. Viel nichr noch als bei der Lektüre tritt bei der da» schnell hinhnschende Wort nn hellen Bühnenlicht vcrleiblichcnden Aufführung die krasse Iliiiiatiir der Sccne» bcrvor. Das liegt in der Natur der Sache. Die Schau- spieler trifft daran keine Schuld. Auch bei noch besserem Spiel wäre der Eindruck lein andrer gelvesen. Die äußerst anspruchsvolle Rolle des Harlekin fand durch Rudolf Lettinger eii«e tressliche Darstellung: zumal die schivierigen Schlußsccneii gelangen ihn« über Erwarlen. Gut«var auch der fiilstcre Taiilred von Max Pategg. Weniger glücklich als die Besetz, mg der inännlichen Rollcir— auch der Nebeiirollen— schien uns. von der Prinzessin Else WasaS abgesehen, die der«veib- lichen. Der Beifall, der keinen« Akte fehlte, steigerte sich nach dem Schlußakt, dem«veitauö intercssantesteii. aus dessen Idee heraus bielleicht das ganze Drama gebore» ist, zu laute»«, laugaiihaltende»« Applaus. Der Regisseur dankte«in Rainen des Dichter».— — dt. Technische?. — W a s s e r d ä m«n u» g mit C e in e>« t b r e i. Uebcr die Bc» «vältigmig großer Wasserniengcn bei»» Schachtabteufen durch Ver« steiming der»atiirlichen Wasseradern berichtet Bcrgdirektor W i e d e in Zwickau in dein„Jahrbuch für das Berg- und Hütteinvesen im Königreich Sachsen". Beinr Abteufen des genannten RnndschachteZ von 4.1 Meter lichtcu« Durchmesser tvurdeii in KZ Meter Teufe größere Wasiernicngen lca. KOK Liter in der Minute) crschroten, tvelche von der im Schacht häugeudeu Pumpe nicht»«ehr bewältigt werde» konnten. Wegen RannniiangelS war der Einbau einer zweiten Pumpe nicht angängig, im Interesse des AbteufbetriebeS eine dauernde Unter- stützung der' Pumpe dnrch Wafferförderung nicht durchführbar. Man entschloß sich daher zu eine»« Versuche, das Wasser iin Gestein selbst abziidänimen und zu diese», Ziveck dünnflüssige» Cement unter Druck in die natürlichen Wasseradern de» Gebirges cinzuleite», das Waffer in dcinsclbe» thuiilichst iveit zurückzudrängen und durch das Erhärten des Ccnicntbreic» eine Versteinung der Wasseradern herbei- zuführen. Man erweiterte zunächst die wasserführende Kluft an den bloßgelcgtcn Stellen, verschloß sie nach Einlegung eiiicS zweizölligcn Gasrohres dnrch eingetriebene Holzpflöcke und-Keile und preßte sodann mittels einer Handpnnipe dünnen Ceincntbrei in das Rohr. Die Wasserader nahm insgesamt!1 Tonnen lje 120 Liter feste» Inhalts) Cenient anf. Die WassereintrittSstelle ivurde vermauert und die Manennig«viedcriim mit Cement hintcrfüllt. In gleicher Weise wurden auch die in oberen Teufen erschlossene» Wasserzuflüffe dnrch Einbringen von Cenient in die seiner Zeit in die Schachtmauer ein« gelegten' Wasserabflußrohre nnschädlich gemacht. Da das Freilegen der ivassersührendc» Schicht, die Eriveiterung und Verkeilung der Kluft bei glcichzciligcm starken Wasicrznfliiß sich als zeitraubend und schivierig erwiesen battc, ging mm« späterhin beim Anfahren von ivasserführendeii Klüften dazu über, das Bloßlege«« derselben;>« ver- «ncidcn und die Ecnientniijchnng dnrch eine Reihe von am äußereil Rande der Schachtscheibc bis aiif die Kluft gestoßener Bohrlöcher ein- znsührcn.—(„Techitischc Rundschau".) Humoristisches. — Da» A««« u s e m c u t im Ueberbrettl. Direktor: Sie. Schließer, vcl'gessen Sie nicht, die Herrschasteu iu Loge 4 wolle»« »nn halb zehn geiveckt werbt««!— — Originell. Fremder:„Ist die Daine ohne Unterleib nicht mehr bei Ihnen?" S ch a«i v u d e u b« s i tz e r:„Nee, der frechen Person habe i ch Bein« gemacht.— � Praktisch. Gast: Hier steht ja:„Nachtglocke zum Arzt'» -- wohnt denn bei Ihnen ei» Arzt in« HanS? Wirt: Neil«, wohnen thut er hier in« Hause nicht. aber wisse» Sie, er sitzt jede Nacht bei mir n»d spielt Skat!— („Luftige Blätter.") Notizen. — DaS Deutsche Theater bringt au« t. März vier Ein- alter Max Drehers:„Puß",„Eoclesia tnumphans",„Volks- aüjllärnng" itiid„Stichtvahl" znr Aufführung.— —„Die W i e n e r i n". ein Lustspiel von Hermann Bahr. Ivird noch i» dieser Spielzeit am B e r l i n e r T h e a t e r in Scene gehen.— — Da» neue C o q n e l i u- G a st s p i e l im Schauspiel« Hanse ivird anr 10. März mit«Cyrano von Berge rac" beginnen.— — Wo das Geld bleibt. ,.'N e feine N>«»« u« e r" hat den« Meiropol- Theater in ä0 Anffühninge» 19ü 34ki M. eingebracht.— — 0) ii st n u T r i e s ch S Lustspiel„Das Komplott" er« zielte bei der Anfführnng im Wiener Burgtheater nur einen mäßigen Erfolg.— — Der achte S v«n P h o» i e- A b e n d der königlichen Kapelle(Dirigent: Felix Weingartner) findet am 9. März statt. � — Da» Oratorium„Sankt Franziskus" von Pater H a r t m a» n ivurde vei der Anffühcinig iur Wiener Musik- v c r e i i« s s a a I nicht niit dem Beifall anfgenominen, den man envartet hatte.—- — An Stelle E» g e n B r a ch t s ist in den Senat der Akademie der Künste der Maler L u d Iv i g P a s s i n i ge- wählt worden.— — Professor C. N. Witt von der Charlottenburger Technische» Hochschule hat einen« Nnse als Dozent der chemischen Technologie an der Wiener Technischen Hochschule nicht Folge' geleistet. Witt ist der Herausgeber der Wochenschrift „PronietheuS".— Beiantivortlicher Redacteur: Carl Lei»«n Berln«. Druck und Verlag von Max Vadiug in Verün.