Zlnterhaltmlgsbtatt des Horwärts Nr. 53. Sonntag� den 16 März. 1902 (Nachdruck verboten.! 631 Fonttt Govdjejvtv. Romcin von Maxim G orki. Deutsch von Klara Brauner Der Wallfahrer verneigte sich tief vor Foma. Es war etwas Weichlichsanftes und Liebes in seinen Abschiedsworten und in seinem Gruß. Auch Foma verneigte sich tief vor ihm und erstarrte mit gesenkten! Kopf, indem er sich mit der Hand auf den Tisch stützte. „Komme zu mir, wenn Du in der Stadt bist." bat er den Wallfahrer, der eifrig an dem Griff der Kajütenthür drehte. „Ich tverde kommen... Leb wohl? Gott schütze Dich I..." Als das Schiffsbord gegen die Landungsbrücke stieß, trat Foma auf die Galerie hinaus und blickte in den Nebel hinab. Viele Menschen gingen vom Dampfschiff über die Stege, doch er konnte unter diesen dunkeln Gestalten, die vom dichten Nebel umhüllt waren, den Wallfahrer nicht erkennen. Alle, die aus dem Dampfschiff ausstiegen, waren gleich undeutlich zu sehen, und alle verschwanden rasch aus den Augen, als zergingen sie in den grauen Dämpfen. Man sah weder das Ufer noch sonst etwas Festes, die Landungsbrücke schaukelte sich bei den Stößen des Dampfschiffs, darüber hob sich die Laterne als ein gelber Fleck ab, das Geräusch der Schritte und des geschäftigen Treibens der Menge war dumpf. Das Dampfschiff setzte sich in Bewegung und drang in die Nebelwolken hinein. Der Wallfahrer, die Landungsstclle, der Lärm der Menschcnstimmen— daS alles verschwand plötzlich>vie ein Traum, und wieder blieb nur das undurch- dringliche Dunkel und das Dampfschiff zurück, das sich schwer darin fortbewegte. Foma blickte auf das tote Ncbelweer vor sich und dachte' an den blauen, wolkenlosen, freundlichen und warmen Hinunel— wo war er? Am nächsten Tage gegen Mittag saß er in Jcschoivs Zimmer und ließ sich von seinen Kameraden die Stadt- Neuigkeiten erzählen. Jeschow hatte sich auf den? mit Zeitungen besäten Tisch gesetzt und erzählte, indem er die Füße baumeln ließ: „Jetzt hat der Wahlkampf begonnen; die Kaufmannschaft schlägt Deinen Paten, den alten Teufel, zum Bürgermeister vor. Er verheiratet seiue Tochter mit Smolin... kannst Du Dich an diesen Rothaarigen erinnern? Man sagt, daß er ein anständiger Mensch ist... doch ivie jetzt die Zeiten sind, nennt man auch kluge Schurken anständig... denn es giebt keine— Menschen! Jetzt spielt sich der Afrika» auf den gebildeten Mann hinaus, es ist ihm schon gelungen, in die intelligentere Gesellschaft einzudringen; er hat irgendwo etwas gespendet und ist gleich in den Vordergrund getreten. Nach seinem Gesicht zu urteilen, ist er ein Schuft erster Ordnung, er wird aber trotzdem eine Rolle spielen, denn er versteht sich zu mäßigen. Ja, Bruder, der Afrika» ist ein Liberaler. Und ein liberaler Kaufmann ist eine Kreuzung des Wolfes und Schweines mit der Kröte und Schlange." „Der Teufel hole sie alle!" sagte Foina gleichgültig. „Was gehen sie mich an? Was treibst Du? Trinkst Du immer?" „Ich trinke I Warum sollte ich denn nicht trinken?" Halbangeklcidet und zerrauft sah Jeschoiv einem ab- gerupften Vogel ähnlich, der soeben einen Kampf bestanden hat und bei dem die Erregung noch nicht überwunden ist. „Ich trinke, weil ich von Zeit zu Zeit die Flamme meines gekränkten Herzens bändigen muß... Und Du, morscher Baumstumpf, glimmst du noch immer langsam weiter?" „Ich nniß zum Alten gehen," sagte Foma und runzelte die Stirn. „Wag es nur." „Ich Hab' keine Lust.., er wird mir eine Predigt halten." „Geh also nicht hin." „Ich muß aber!" „Dann geh!" „WaS machst Du für Faxen!" sagte Fonia unzufrieden. „Als ob es Dir wirklich froh zu Mute wäre!" „Mir ist, bei Gott, froh zu Mut l" rief Jeschow aus und sprang vom Tisch herab.„Wie Hab' ich gestern einen Kerl in der Zeitung abgekanzelt! Und dann habe ich einen klugen Witz gehört: Eine Gesellschaft sitzt am Meeresstrande und philo- sophiert lang und breit über das Leben. Und ein Jude sagt: „Meine Herren!" Wozu braucht's so viel verschiedene Worte? Ich werde Euch alles auf einmal sagen: Unser Leben ist nicht eine Kopeke wert, ebenso wie dieses wilde Meer!"" „Laß das doch I" sagte Foma.„Adieu, ich gehe!" „Geh nur! Ich bin heute in gehobener Stimmung und kann nicht mit Dir stöhnen... um so mehr, als Du nicht einmal stöhnst, sondern grunzst." Foma ging, und Jeschow blieb zurück und sang aus voller Kehle: „Schlage die Trommel und— fürchte Dich nicht." „Die Trommel... Du bist selbst eine Trommel," dachte Foma gereizt, indem er langsam auf die Straße trat. Bei Majakins ivnrde er von Ljuba empfangen. Erregt und freudig erschien sie Plötzlich vor ihm und sagte rasch: „Du bist es? Mein Gott! Wie blaß Du bist... wie mager... Man sieht, daß Du ein nettes Leben führst!" Dann wurde ihr Gesicht von Erregung verzerrt, und sie rief beinahe flüsternd aus: „Ach, Foma! Du weißt ja nichts l Hörst Du? Es läutet! Vielleicht ist er es!" Das Mädchen stürzte aus dem Zimmer und ließ das Rascheln ihres Seidenkleides in der Luft zurück. Foma blieb erstaunt stehen; er hatte nicht einmal Zeit gehabt, sie nach ihrem Vater zu fragen. Jakow Tarassowitsch war zu Hause. Er stand im langen Galarock und mit Orden auf der Brust in der Thür und hielt sich mit den ausgestreckten Händen an den Thürpfosten fest. Seine grünen Augen musterten Foma, und als dieser- ihren Blick auf sich spürte, hob er den Kopf und begegnete ihnen. „Guten Tag, mein lieber Herr!" begann der Alte und wiegte vorwurfsvoll den Kopf.„Woher geruhen Sie zu kommen? Wer hat Ihnen Ihr ganzes Fett ausgesaugt? Ist's denn wahr, daß die Sau nach einer Pfütze sucht, und Foma nach einem Ort, wo es ihm recht schlecht geht?" „Haben Sie keine andren Worte für mich?" fragte Foma düster, indem er den Alten starr anblickte. Und plötzlich sah er, daß der Alte zusammenfuhr, seine Füße begannen zu zittern, die Augen blinzelten oft und die Hände krallten sich mit Anstrengung an die Thürpfostcn. Foma machte eine Bewegung zu ihm hin, da er glaubte, dem Alten sei übel, aber Jakoiv Tarassowitsch sagte mit dumpfer, zorniger Stimme: „Geh zur Seite, mach Platz." Und sein Gesicht nahm den geivohnten Ausdruck an. Foma trat zurück und sah, daß neben ihm ein kleiner, runder Mensch stand, der sich vor Majakin verneigte und mit heiserer Stimnie sagte: „Guten Tag. Vater!" „Gu— uten Tag, Taraß Jakowlcwitsch, guten Tag!" ant- wortete der Alto und verneigte sich mit einem verwirrten Lächeln, ohne die Thürpfosten loszulassen. Foma trat verlegen zur Seite, setzte sich auf einen Sessel und begann, vor Neugierde versteinert, die Begegnung des Vaters und des Sohnes mit lvcit offenen Augen zu beob- achten. Der Vater stand in der Thür und wiegte seinen hin- fälligen Körper, indem er sich mit den Händen gegen die Thürpfosten stützte, er hatte den Kopf zur Seite geneigt und blickte niit zugekniffenen Augen den Sohn schweigend an. Der Sohn stand drei Schritte von ihm entfernt, hielt den schon ergrauten Kopf hoch erhoben, runzelte die Brauen und blickte den Vater mit den großen, dunkeln Augen an. Der spitze schwarze Kinnbart und der kleine Schnurrbart zitterten auf seinem trockenen Gesicht, mit der Nase, die knorpelig wie beim Vater war. Auch der Hut zitterte in seiner Hand. Hinter seiner Schulter sah Foma Ljubas bleiches, zugleich er- schrockenes und freudiges Gesicht; sie blickte den Vater mit flehenden Augen an, und es schien, sie würde gleich auf- schreien. Ein paar Sekunden schwiegen alle und bewegten sich nicht, von der Macht dessen, was sie fühlten, überwältigt. Das Schweigen wurde von Jakow Majakins leiser, seltsam tonloser und zitternder Stimme gebrochen: „Du bist alt geworden. Taraß." Der Sohn lächelte schweigend dem Vater ins Gesicht und musterte ihn mit einem raschen Blick vom Kopf bis zu den Füfeen. Der Vater riß die Hände von den Pfosten los. schritt dem Sohn entgegen und blieb plötzlich mit einenr finsteren Gesicht stehen. Jetzt kam Taraß Majakin mit einen» einzigen großen Schritt aus den Vater zu und streckte ihm die Hand entgegen. „Nun...»vollen wir uns küssen!.. schlug der Vater leise vor. Die beiden Männer umschlangen sich krampfhaft mit den Armen, küßten einander fest und traten zurück. Die Runzeln des älteren zuckten, das trockene Gesicht des jüngeren war unbeweglich und fast streng. Das Küssen hatte a» der äußeren Seite dieser Scene nichts geändert, nur Ljuba schluchzte freudig auf, und Foiua rückte auf seinem Sessel schwerfällig hin und her, da er fühlte, daß ihm der Atem versagte. „Ach, ihr Kinder, ihr seid die Wunden des Herzens und nicht seine Freude", klagte Jakow Tarassowitsch mit schriller Stimme, und er hatte wohl vieles in diese Worte hinein- gelegt, denn gleich darauf begann er zu strahlen,»ahm eine strammere Haltung an und sagte mit gehobener Stimme, indem er sich an seine Tochter wandte: „Und Dl» bist vor Rührung ganz zerflossen I Also tummle Dich und richte für uns etwas her... Thee und was dazu gehört... Wir wollen den verloreilen Sohl» be- tvirten I Du hast wohl vergessen. Alter, wie Dem Vater aussieht?" Taraß Majakin sah seinen Vater mit dem sinneilden Blick seiner großen Augen an und lächelte schweigend; er war ganz schwarz gekleidet, so daß das graue Haar auf seinen» Kopfe und in seinem Bart noch krasser abstach. „Nun, setze Dich l Erzähle, wie Du gelebt und was Du gethan hast? Wohin schaust Du? Ah I Das ist mein Tauf- kind... Jgnat Gordjejews Sohn, Foma... Kannst Du Dich an Jgnat erinnern?* „Ich kann mich noch an alles erinnern," sagte Taraß. „So? Das ist gut. wenn es nicht bloße Prahlerei ist. Nun, bist Du verheiratet?" „Ich bin verwitwet." „Hast Du Kinder?" „Sie sind gestorben, ich habe zwei gehabt." „Scha— ade! Ich hätte Enkel gehabt!" „Darf ich rauchen?" fragte Taraß den Vater. „Nur loS l Sieh' nial an. Du rauchst ja Cigarrei» 1" „Lieben Sie das nicht?" „Ich? Nur los, niir ist es ganz einerlei. Ich memc nur, daß eine Cigarre so herrschaftlich a»lssieht." „Und warum sollte man sich geringer als die Herrschaften schätzen?" sagte Taraß lächelnd. „Schätze ich uns denn geringer? I" rief der Alto aus. „Ich habe es nur so gesagt, niir kommt das komisch vor. So ein solider Alter, mit einen» Bart nach der ausländischen Manier und mit einer Cigarre zwischen den Zähnen. Wer ist das? Mein Sohn— ha— ha— ha I" Der Alte stieß Taraß ii» die Schulter und sprang von ihm zurück, als fürchte er, seine Freude sei zu frühzeitig, und als zlveifle er, ob er diesen halbergrauten Mann richtig behandelte. Und er blickte forschend und mißtrauisch in die großen Augen des Sohnes, die von gelblichen Wülsten umringt waren. Taraß lächelte den Vater freundlich und herzlich an und sagte sinnend zu ihm: „So sind Sie»nir im Gedächtnis geblieben, lustig und lebhaft. Es ist. als hätten Sie sich in» Laufe dieser Jähre nicht im geringsten verändert." Der Alte richtete sich stolz auf und sagte, indem er sich mit der Fa»ist auf die Brust schlug: „Ich werde mich niemals verändern! Denn das Leben hat keine Macht über den Menschen, der sich seines Wertes bewußt ist! Ist's so?" „O! Wie stolz Sic sind I" „Ich bin wohl meinem Sohn nachgeraten!" sprach der Alte mit einer schlauen Grimasse.„Weißt Du, Brrlder, mein Sohn hat siebzehn Jahre aus Stolz geschwiegen." „Das war deshalb, weil der Vater ihn nicht hören wollte," berichtigte Taraß. »Schon gut! Vergessen wir, was gewesen ist. Wir haben jetzt keine Zeit, davon zu sprechen. Sage lieber, womit Du Dich in diesen Jahren beschäftigt hast. Wie bist Du in die Sodafabrik geraten? Wie hast'Du Dich fortgebracht?" „Das ist eine lange Geschichte!" sagte Taraß seufzend und begann langsam, nachdem er eine ungeheuere Rauch- Wolke herausgeblascn hatte:„Als ich die Erlaubnis erhielt, in der Freiheit zu leben, trat ich ins Comptoir des Verwalters der Remesowschen Goldgruben ein." „Ich kenne sie, das sind steinreiche Leute! Es sind drei Brüder, ich kenne sie alle! Der ei-ste ist ein Krüppel, der zweite ein Dummkops und der dritte ein Geizhals. Erzähle weiter 1" „Ich habe zwei Jahre lang bei ihm gedient und habe dann seine Tochter geheiratet!" erzählte Taraß mit heiserer Stimme. „Die Tochter des Verwalters? Das war nicht dumm." Taraß wurde nachdenklich und schwieg eine Weile. Der Alte blickte in sein trauriges Gesicht und verstand den Sohn. „Du hast also mit Deiner Frau glücklich gelebt," sagte er.„Was ist denn da zu machen? Der Tote gehört ins Paradies, und der Lebendige niuß weiterleben. Du bist ja nicht gar so alt. Bist Du schon lange Witwer?" „Das dritte Jahr." „So? Und wie bist Du in die Fabrik gekommen?" „Sie gehört meinein Schwiegervater." „So ist's! Wie viel bekommst Du dort?" „Ungefähr fünftausend Rubel." „Hm, das ist kein trockener Bissen. I— a! So weit hat es also der Zuchthäusler gebracht I" Taraß blickte den Vater fest an und fragte ihn trocken: „Sagen Sie einmal— warum glauben Sie, daß ich bei den Zwangsarbeiten war?" Der Alte blickte den Sohn voll Ersta»»nen an, das bald in Freude überging. „Also wie war's? Ist's nicht so?" „Der Kuckuck hol's!" „Erzähle, wie es war! Sei nicht beleidigt! Kann man denn daraus klug werden? Es heißt— nach Sibirien! Nun, und dort sind die Zwangsarbeiten!" „Um das ein für allemal festzustellen," sagte Taraß ernst und mit Nachdruck, indem er sich niit der Hand aufs Knie klopfte,„werde ich Ihnen jetzt gleich erzählen, wie sich das alles zutrug. Ich war für sechs Jahre als Ansiedler nach Sibirien verschickt und lebte während der ganzen Verbannungs- zeit im Lener Gebirgskreis. Außerdem war ich neun Monate in Moskau im Gefängnis, das ist alles!" „So ist es! Warum hieß es denn anders?" murmelte Jakow Tarassowitsch freudig und verwirrt. „Man hat hier dieses sinnlose Gerücht verbreitet." „Das stimmt schon, daß es sinnlos ist," sagte der Alte bedauernd. „Und hat mir dadurch einmal sehr geschadet." „Wirklich? Ist's möglich?" „Ja! Ich war im Begriff, meine Geschäfte zu be- ginnen, und habe aus diesem Grunde meinen Kredit ein- gebüßt." „Psui I" sagte Jakow Majakin und spuckte erbittert aus. „Solche Teufel! Da soll einer nur reden!" Foma saß in seiner Ecke, hörte die ganze Zeit über auf- merksam dem Gespräch der Majakins zu. beobachtete»maus- gesetzt den Neuangekommenen und blinzelte verblüfft mit den Augen. Da ihm Ljubas Verhalten ihrem Bruder gegen- über ini Gedächtnis und er von ihren Erzählungen über Taraß einigermaßen beeinflußt war, erwartete er, in ihm cttvas Ungewöhnliches zu finden, das den andren Menschen nicht ähnlich sah. Und vor ihm saß ein solider, dicker Mensch, der tadellos gekleidet war, strenge Augen hatte, dem Vater sehr ähnlich sah und sich nur durch die Cigarre und das schwarze Värtchen von ihm unterschied. Er sprach kurz, sachlich und von ganz gewöhnlichen Dingen— was war denn das Ungewöhnliche an ihm? Jetzt begann er, dem Vater von den Vorteilen der Sodaproduktion zu erzählen. tForisepung folg».! SotttttLkr,splsl»idevrr. Der Märchenbruiinen im Friedrichshain läßt wieder seine Wasser springen. Ihn braucht kein Stadtbaumeisier nach fürstlichem»4ie- schmäck zu modeln, kein Freisuni hat es nötig, sich der gebieterische» � K»»stgesetzl;ebung der Krone zu»nterlverfeu,»ich! könne» ih» die � gezückten Bajonette verwunden, wenn er seine Strahlen gar zu frech und unbotmäßig, fessellosen Gcbirgsbäcken gleich, rauschen läßt. Seine Materie ist �u fei», als daß sie Knechte und Schergen ver- stümmeln und zerstören könnte». Der Frühlingswind fügt ihn aus ewigem Nethergold und tausend unsichtbare Quellen steigen ans der Tiefe durch die geheimnisvolle Gänge des leuchtenden Erzes und tanzen und wirbeln in heiter befreitem Spiel. Alljährlich, so um de« 18. März, wächst dieser Märchenbrunucn enipor. Seine Wasser spenden weiche, linde, reine FrühlingSluft. Die Sonne zaubert in das Gcsprüh der tanzenden Tropfen ans Regenbogenfarben leuchtende Wnnderweltcn, und wen die Geister des Märzen lieben, der mag tvohl in dem Sonnenfnnkeiuvirbcl die Baulinien der Zukunft schauen, dein plaudern die rauschenden Strahlen von lockenden Märchen und bannenden Träumen. Plötzlich aber füllt ein jagender Sturm in die springenden Wasser, treibt sie ans ihrem Kreis und weht je einen Tropfen auf die stillen Gräber, die der Hain birgt. Und die Tropfen sickern in die Erde und netzen die leere» Augenhöhlen und heilen den Tod. Die Farbe und Fülle des Lebens erblüht nur die starren Glieder, die Erde gicbt die Toten frei, und in feierlichem Zuge walle» die Auferstandenen des 18. März zu dein Märchenbrnunen des Lichts und der Freiheit. Auf seinein ivciten Becken lassen sie sich nieder, und sie nutzen den einen Tag, der sie ins Dasein zurückruft, um von ihren Hoffnungen und Sorgen zu sprechen... Jetzt, glaube ich, habe» sie uns endlich ganz vergessen, seufzt der eine. Es ist aber auch gut so. Wir passen nicht mehr in diese Welt. Sie lachen über uns Thoren, die für ein Ideal in den Tod gingen. Was liegt ihnen an Freiheit n»d Lvlkerglück. Sie treiben Handel, trinken gute Weine und nehmen sich geputzte Dirne» auf deit Schoß. Es ist ein üppiges Dasein geioorde». Sie behängen ihre schwelgende Sinnlichkeit nicht niehr mit großen Gedanken und stolzen Hoffnungen. Wenn die Bilanz nur gilt abschließt, und die Dividenden blühen— was schiert sie das Reich Utopien I Warhaftig, sie sind sehr klug geworden. Ließen wir nicht einst unser Leben»im des Phantoms der Volkssonveränität willen I Und heute. nach 64 Jahren, begnügen sie sich stillschweigend noch mit den Gaben des Ministeriums Brandenburg, mit dem eklen Teufelskran» der Camarilla. Sie haben innner noch das Herrenhaus, das Dreiklasscnivahlrecht, die Landräte und die„Krcnz-Zeitung." Selbst den Absolutismus haben sie wieder ausgegraben und Militär und Polizei reglementieren de» Geist. Der Adel, der uns nur noch den Ziveisel bereitete, iv e l ch e In- schrift wir aus seinen Leichenstein setzten wollten, gedeiht in strotzen- der Herrlichkeit. Die Pfaffen mehren sich gleichermaßen. Denkt Euch: meine Enkelin hat einen Baron vom Bunde der Landtvirte ge- heiratet, und mein Großneffe ist Staatsanwalt, der jeden Sonntag mit dem Gesangbuch zur Kirche pilgert, nachdem er an den Wochen- tagen aufsässige Zeitnngsichrcibcr in den Kerker geschickt hat. Die Mcinnngssllaverei, die llntcrivürfigkeit, der C ynisnms der von allen Idealen entgöttertc» Gesellschaft wächst mit jedem Tage. Für- wahr, ich verzichte hinfort auf die Gunst der Auferstehnng. Ich mag keine Minute»»ehr auf dieser verkommenen Erde leben. Es ist ganz gut, daß sie uns vergessen Hobe».— Ja, Hub der Zweite an, wenn wir noch königlich preußische Märzgefallenen tvärcn, und ivcmi uns irgend eine gekrönte Persön- lichkeit preisen würde, daß ivir die eigentlichen Schöpfer der deutschen Einheit, die Gründer des modernen StaatSIebens seien— dann solltet Ihr sehen, tvie die Kerle zu uns strömen Ivürden. Die feinste Auslese der besitzenden und tvoblgeborcncn Gesellschaft würde sich um n»sre Gräber drängen. Die Edelsten würde» ihre Namen in die Empfnngslistcn eintragen:.Dajewesen I" Aber s o meidet man uns tvie die Aussätzigen. Wir sind ja, obwohl Friedrich Wilhelin IV. längst im Wahnsinn zu Grunde gegangen, immer noch die Banditen, Jude» und Ausländer, das Gesindel des Ilmsturzes. die als Hoch- Verräter der gerechte Tod strafte. Wir bleiben die Verachteten, die Ehrlosen. Was liegt an denen, ivarf der Dritte ein. Die Verachtung der Leute könnten ivir verschmerzen: sie ehrt uns nur! Aber es schmerzt inich, daß von unsrcm Geist nicht einmal in der Jugend ein Funken glüht. Sie schivatzcn zivar heutzutage u»- gemein viel von Jugend, von Ausleben, freier Entivicklung, Individualität. Aber sie meinen doch schließlich nichts andres. als daß sie das Recht beanspruchen, mit einer unbeschränkten Anzahl von den heute soviel besnngcnen lieben süßen Mädeln herumtollen zu dürfen. Und wenn sie dann ausgetollt haben, tverden sie solide Staatsbürger und bilden Vereine zur« Bekleidung nackter Kunst. DaS ist keine Jugend, die die Sterne vom Himmel zu raube» trachtet, die auf die Höhen der Erkenntnis dürstend steigt und keinen seligeren Tod kennt, als im SVainpfe für die Ideale der Menschheit und Menschlichkeit zu fallen. Diese Jugend ist ganz und gar� unpolitisch, sie rümpft die Nase über den„engen Partcigcift", sie ist ausnehmend vernünftig und vorsichtig und meidet alles, Ivas die Carriere verderben könnte. Wenn es hoch kommt, begeistern sie sich für Radfahren und Fußballspiel. Aufs Saufen, Hurraschreien und Sumpfen freilich verstehen sie sich ausgezeichnet. Pfui über diese schlaffe, feige Welt, die keine Jugend hat— Aber so laßt uns doch lachen über all' die Thorheit und Ge- mcinheit, anstatt daß wir uns den einen Tag des Lebens mit grilligen Klagen verpfuschen, mahnte der Vierte. Seht, ivic die Wasser des MärchcnbrunncnS leuchten, tvie tvarm der Frühling weht, tvie inild uns der Wind umfängt! Ich höre erst auf zu hoffen, wenn es keinen Frühling mehr ans der Erde giebt, der alle Ketten sprengt und alle Kenne entfaltet— Und weiß» Du gewiß, scherzte grinnnig der Fünfte, daß sie nicht auch den Frühling schließlich ausrotten tverden? Der Gesell' ist ihnen längst verhaßt. Er ruft schiinnne revolutionäre Gefühle hervor. Er giebt mit seincni nngebärdigen Wesen ein böses Beispiel. Sein Atmen ist zu gewaltig, sein Stürme» zu gefährlich. Er treibt zn unbarmherzig alles Morsche und Modrige vor sich her, und eS ist nichts als ruchloser Umsturz» weil» er den neuen Saft mächtig in die würdevoll kahlen Stämme empor drängt. Die Menschlein tverden schon eine Erfindung machen, ivic sie die Frühlingskraft nntzbringeud verwerten können. Vielleicht gelingt es ihnen, sie auf Flaschen zu ziehen und die„flüssige Frühlingsluft" für Bierdrnck- Apparate zu verwenden. Eine Aktiengesellschaft zur Ausbeutung der Lenzkraft wäre nicht übel. Oder sie sperren aus gesundheitlichen Rück- sichte» die Grenze sür die Einfuhr von Sonnenlicht, oder sie fangen den Frühling mit ihren Pailzerkähnen auf demMecre ab oder schicken zwanzig Armeecorps gegen den bösen Feind aus. Die Welt wird ja gescheiter mit jedem Tag. Sie tverden auch das noch fertig bringen, die Hydra der Revolution endgültig zu erwürge«, indem sie den Frühling und den Frühliugöinnt industriell ableiten— Der Sechste erwiderte: Dein Spaßen schmerzt, mein Freund. Die HoffnuugSlosigkeit der Verziveislung lacht ans Dir. Ich aber finde nicht cimnal für einen Tag den Mut zun» Leben, Ivenn ich nicht daran glauben kann, daß»vir nicht umsonst gestorben sind, daß wir einst doch siegen werden, daß es kein leerer Traum getvesen. für Freiheit und Menschenglück zu arbeiten— Da fiel der Siebente heftig ihm ins Wort: Du hoffst noch immer? Erkennst Du nicht, daß sie uns mir deshalb vergessen haben, tveil unser Denken und Fühlen ihnen völlig fremd geivorden? Sic ver- stehen uns gar nicht mehr. Wahrlich, cS ist furchtbar, sich darüber klar werden zu müssen, daß immer noch die Millionen in Not und Barbarei gemartert und gebeugt zn Grunde gehen, und daß sie sich geduldig in ihr LoS schicken, tvie in ein Unabänderliches. Ich sage Euch: ivir tverden niemals siegen, da auch das arme Sklavcnvolk unser vergaß und in schwerer Stumpfheit seine Ketten ivciter trägt. Auch sie sind schon zusrieden, wenn sie ein paar Pfennige Lohn er- hallen, ivas kümmert sie andres... Still, Du lästerst, rief gewaltig die Stimme des Achten, der auf seinem Grabstein die Worte trug: Ein unbetannter Mann. C.iHl Seht doch nur, seht l— Und sie blickten auf, und in dichten Scharen, in dunkelfarbigem ArbeitSgewand. kamen ernste Männer, schlicht und aufrecht, den Hain entlang. Von ihren grünen Kränzen aber strömte eine Flut roter Freiheit... Die Wasser des Märchenbrnnneus stiegen höher empor, und die Schatten an seinem Rande strahlten verklärt.— Joe. Kleines �enillekon» th. Die Anständigen. Der alle Wollner fehlt schon wieder mal I„Schon wieder mal?" Die beiden Chefs sagten es beinah gleichzeitig. Der Jüngere schob das dicke Contobnch beiseite, ein gereizter Ausdruck lag in seinem Gesicht-, er wandte sich zn dem Buchhalter, der die Meldung gebracht hatte:„Was ist denn los? Warum denn?" „Seine Frau war hier, er hat wieder's Reißen; wird wohl drei Tage liegen müssen." „Als ob er nichts andres zn thnn hätte I" Der jüngere Chef war wirklich ärgerlich.„Das ist nun schon das sechste Mal im letzten Vierteljahr, das geht doch nicht so weiter." Der andre winkte indesse» ab:„Sagen Sie Stockmann, er soll heut beim Fahrstuhl helfen." Der Buchhalter verbeugte sich und zog die Thür hinter sich zn. Es blieb einen Augenblick still im Comptoir. Dann schlug der Jüngere mit der Faust auf das Pult: „Und es geht entschieden nicht so weiter, imnierzn ist der Alte krank, von sechs Wochentagen fehlt er allemal drei! Aber Lohn soll mau zahlen. Das heißt ja das Geld zum Fenster hinaus- werfen l" Der andre antwortete nicht gleich, er schnipperte an einem Blei- stift i erst nach einer Weile fing er an, zögernd und überlegsam: „Ich Hab' auch schon drüber nachgedacht; böser Wille ist es nicht: er arbeitet so lange er kann,»och länger womöglich. Wenn er weg- bleibt, muß es schon schlimm sein. Er ist zu alt." „Ja das ist er." Eine lange Pause. Der Acltere schnipperte Iveiter an seinem Blei. Der Jüngere knurrte:„Richtig Geld zum Fenster rausschmeißen heißt es. Zwei Mark fünfzig pro Tag ausgeben für nichts; und hier bleibt noch die Hälfte Arbeit liegen. Jetzt soll Stockmann am Fahrstuhl helfen. Und wer macht Stockmanus Arbeit? Nichts wie Unbequemlichkeiten hat man." „Er ist eben zu alt," wiederholte der andre. „Zu alt? Schön: zu alt I Und weil er zu alt ist, sollen wir Geld wegwerfen? Wenn er zu alt ist, soll er aufhören. Dminlvollen wir ihm kündigen." „DaS können wir nicht, mein lieber Reinhold.* „Aber Geld verschleudern können mir" Der Aeltere guckte die Achseln:„Wir können ihn aber trotzdem nicht wegschicken, Neinhold I iZwanzig Jahre ist er bald im Geschäft, eigentlich— äh— hm— eigentlich ist er in nnsrem Dienst so— so altersschwach geworden;'ne gewisse moralische Berpflichtnng... Na ja, gcwis; doch... moralische Verpflichtung haben wir schon der Leute Wege»." „Das wäre aber auch das Einzige." „Und das ist wohl zu bedenken!" Der Aeltere blies den Blei- staub von seinen Fingern,„Wollncr ivegschicken, der Skandal! So'n alter Arbeiter I Das gäb' ja ein Halioh durch die ganze Stadt! Von den Zeitungen gar nicht zu reden." „Na znm Donnerwetter, was thnn wir aber dann?" „Wir werden ihn behalten nuifsen," „So?" Herr Rcinhold ivarf den Federhalter hin:„Haben wir 'ne Altersversorgungs-Anstalt? Behalten? Jnimer weiter bezahlen, wenn der alte Mann's Reisten kriegt? Danke bestens," „Man kann ihn doch aber nicht einfach fortschicken? Es wurde sehr schlecht ausgelegt iverden. Es hilft nichts. Reinhold, Ivir müssen uns anständig zeigen." „Sollen«vir ihm vielleicht'ne Pension aussetzen?'n Monat zwanzig Mark, was? Das mär' doch's Mindeste, Macht's Jahr zweihnndertvierzig Mark? macht, wenn er nur noch zehn Jahre lebt, zweitansendvierhiindert. Und am Ende lebt er noch länger und man wirft noch mehr Geld auf die Strnste!" „Wir müsse» irgend einen Ausweg finden, daS gebe ich ja zn", nickte der ältere Kompagnon. „Dann mochte ich nur mal erst wisse», was für einen!" „Anständig müssen wir uns zeigen, da hilft nichts. Unser Renonnnee müssen wir wahren." „Dann können wir'ne Menge Geld ausgeben." „Der Mann hat aber zwanzig Jahre für uns gearbeitet," „Na ja I Hat er etwa umsonst gearbeitet? Hat er nicht seinen Lohn bekommen? Jeden Tag zwei Mark fünfzig I Wenn er nicht mehr arbeiten kaim, haben wir auch keine Verpflichtungen." „Rein, die haben wir ja nicht— juristisch nicht. Aber vor den Leuten haben mir sie. Wir müssen nns wirklich anständig zeigen, Reinhold, und solche Anständigkeit macht sich mich immer bezahlt. tvar's auch nur mit der allgemeinen Achtung." „Na ja, gut aufgenommen wird es. Behalten wir ihn also!" „Es wird uns ivohl nichts andres übrig bleiben." „Denn man zu." Rcinhold liest ein Knurren vernehme».„Bc- zahlen wir'n Arbeiter, der abgearbeitet ist." Er beugte sich ivieder Über seine Bücher, auch der andre schrieb, sah aber schon nach tvenige» Minuten von neuem auf.„Rcinhold, ich Hab' noch'ne Idee.'" „Ra? Denn man loS!" „Wir sollten dem Alten hundert Mark geben!" „Hundert Mark? Ach nein! Wofür denn?" „Wir müssen uns anständig zeigen! Und was würde'ne Pension machen? Aus'» Jahr zweihimdcrtvierzig Mark, und wenn wir ihn behalten und er immer kränkelt, wird's noch teurer. Geben wir ihm hundert Mark— dann hat er fast's Gehalt für zwei Monate und die zwei Monate lassen wir'n sich ruhen. Wenn er nachher wieder ansangen will, heiht es einfach: Die Stelle wird nicht mehr besetzt oder wir machen'ne andre Ausrede." „Hundert Mark für nichts und wieder nichts!" Ter Jüngere zog ein Gesickit. „Wir stehen dann IvenigstenS anständig da, wir sorgen dann wcnigsteiiS für unsere alten Arbeiter und es wird uns so am billigsten und mir werde» den Alten loS I Einverstanden?" Der Jüngere anwortcte nicht gleich, er kante am Federhalter, dann liest er die Hand sinken und warf dem andern einen ver- drosselte» Blick zn:„Meinethalben, einverstanden. Halftern wir ihn ab mit hundert Mark. Dann soll aber auch wirklich keiner sagen, dast wir nicht üiisterst nobel sind!"— — Allerlei Ttunden-RecordS. Das„Rene Wiener Tagblatt" veröffentlicht folgende Ziisanmiciistelluiig sportlicher Stiindeu- geschwindigkeitcn: DaS A n t o in o b i l steht obenan. Foimner erzielte im Vorjahre im Reimen Pnris-Bordeanr eine Stnndciigeschwindigkeit von 86 Llilomctcr. Zweifellos hat sein Wagen während der sechsstündigen Fahrt in einzelnen Phasen mehr als 80 Kilometer in der Stunde gemacht, doch diese Zeiten wurden nicht offiziell genommen. Auf kürzeren Distanzen— Meile, Kilometer— wurden begreiflicherweise noch gröstere Durchschilittsgeschwiiidigkeiten erzielt, das heißt, es wurde der Kilometer in einer Zeit gefahren, welche in der Slniide somidsoviele Kilometer geben würde Doch hier soll nur von faktisch geleisteten Slniideiigeschivindigkeiten gesprochen werden. Nach dem Automobil das Motocycle. OSmont fuhr auf der Straste von Sizanne nach Vitry-le-Fran?.ais 100 5Uloineter in t: 18:~>5, das giebt 78 Kilometer in der Siniide. Auf der Renn- bahn ist das Motochcle wegen der oft zu nehmenden Kurven nicht so schnell wie auf der Landstraste, Rigal fuhr auf der Pariser Prinzen- parlbahn 71 Kilometer 563 Meter in der Stunde. Radfahrer auf der Rennbahn, hinter Schrittmachern: Robl GS Kilometer 720 Meter in der Stunde, Radfahrer ans der Straste, mit Schrittmachern: Bangs 50 Kilometer in der Stnnde. Nun folgt der Nadfahrer auf der Straße, ohne Schrittmacher, der Amerikaner Hamilton mit 40 Kilometer 170 Meter. Die? ist die größte Schnelligkeit, die von einem Menschen ohne Schrittmacher-Ünter- stützung über eine längere Distanz erzielt wurde. Jetzt kommt das Pferd. Der amerikanische Traber Mc Gholvan Captain leistete in der Stunde 33 Kilometer 400 Meter. ES folgt der Mensch, der ohne Hilfe einer mechanischen Kraft seine Leistung vollbringt: der Eis lauf er. Der Engländer Edginton lief in Davos in der Stunde 30 Kilometer 896 Meter. Hinter ihm rangiert der Rollschuhläufer und zwar leistete Snowdon im Londoner Crystal-Palace in der Stunde 28 Kilometer 900 Meter. Die nächstbeste Schnelligkeit hat ein Motorboot erzielt, die „Mercedes" in Nizza, 25Vz Kilometer. Nunmehr die Läufer: der Engländer Watkins lief auf einer Aschenbahn in der Stunde 18 Kilometer 873 Meter. Auf einer Grasbahn lief der Franzose Charbonnel in derselben Zeit 17 Kilo- meter 544 Meter. Im Gehen erreichte der Engländer Mcagher 13 Kilomeler 146 Meter. S ch w i m m c» d legte der Engländer Jarvis in totem Wasser in der Stunde 4 Kilometer 100 Meter zurück.— Litterarisches. — n. Dorothee G o e b e l e r:„Weibe r". Novellen. Kassel. Karl Victor.— Die Frau von der Frau gesehen: in den ver- schiedensten Gesellschaflsschichten, in den verschiedenste» Situationen und im verschiedensten Alter. Am besten getroffen sind die Frauen ans dem Kleinbürgertum und aus den Bcamtenkreisen. AN ihre Klein- lichkeit, ihre anerzogene Unbedeuteiidheit, ihr enger Horizont und ihre verlogene Sittsamkeit kommen vorzüglich znui Ausdruck. Sind aber die Typen ans andern Gesellschaflsschichten gewählt, dann lassen Sicherheit und die Treue der Wiedergabe sehr nach, ein Fehler, dem durch stark aufgetragene Pikantcric abzuhelfen versucht wird. So kommt es. dast die einzelnen Skizzen des Buches sehr ungleich sind. Sic sind entweder ans jenen cyinsch- frivolen Ton gestimmt, wie ihn gewisse SeiisatioiiSblntter heute verlangen, oder sie sind süßlich- sentimental. Rur zwei oder drei Sachen halte» den Mittelweg. Alle Skizzen des Buches aber sind flott geschrieben und zeugen von einer scharfen Beobachtungsgabe.— Hnmoristisches. — Vorbereitung znm Theaterbesuch. Pensions» v o rste h c r i u:„... Also, meine Damen, bei den Stellen, die ich im Textbuch mit den» Bleistift unterstrichen habe, dürfe» Sie vergnügt kichern, bei den blau angezeichnete» wolle» Sie über- legen lächeln und bei denen, die ich— um einer Verwechslung vor- znbcugcu— mit dem Rotstift unterstrichen, m ü s s e» Sie er- röten I"— — Bescheiden. Gast:„Na, Piccolo, wie wird es morgen mit dem Wetter?" Piccolo:„Bedanre sehr, damit Hab' i ch noch nichts zu thnn I Da müssen Sie sich an de» Herrn Oberkellner wenden l"— — Bedenkliches Symptom.„... Ich fürchte, ich Ticchte, Frau Hub er, mein Mann liebt mich nicht mehr so, wie vor zclin Jahren!" „Wieso?" „Nun, früher brachte er mir, so oft er miSging, ein paar B l ii m c n mit nach Hause, und jetzt bringt er mir'was z' essen!"—(„Fliegende Blätter.") ?iotize». — Gerhart Hauptmann arbeitet gegenwärtig an einem 91 om au; da? Werk wird seiner Zeit in der„Neuen deutschen Rundschau" veröffentlicht werden.— — K r a n c w i t t c r s in Wien verbotenes Volksstück„Andre H o f e r" ist freigegeben worden.— — Die Operette nsaiso» im Neuen kg l. Opern- Theater(Kroll) wird am 1. Juli mit der Novität«Der silberne Pantoffel" von Siflia Stuart. Text von Owen Hall, eröffnet iverden.— — Die Eintrittskarten für die e r st e B a h r e n t h e r„R i n g"- A ii f s ü h r n ii g(25.-28. Juli) sind bereits vollständig ver- griffen; für di» zweite„Niiig"-Aiifführniig(14.— 17. August) sind nur noch wenige Karten zu haben. Plätze für den„Parsifal" werden mir noch im Zusammenhang mit der vorhergehenden oder nach- folgenden„Holländer"-Ausführung abgegeben.— — Das Deficit des W i e n e r H o f o p e r n- P c n s i o n s- g r» ii d st o ck S beträgt 120000 Kronen.— — Die sächsische F o r st a k a d e m i e Tharandt soll Wegen ihres geringen Besuches aufgehoben und mit der Universität Leipzig vereinigt werden.— War einmal die berühmteste Forst- schule der Welt.— — Der B a b i s m ii s hat gegenwärtig in P e r s i e n drei Millionen, in den übrigen Ländern des Orients zwei Millionen Anhänger.— — C h a r t u m, das während der Mahdi-Zeit in Trümmern lag und verödet war, zählt heute bereits wieder 30 000 Einwohner. Verantwortlicher Revacteur: Carl Leid in Berlin. Druck und Verlag»on Max Badtug in Berlin.