Nr. 237 Abonnements- Bedingungen: AbonnemenlZ- Preis pränumerando: Vierleljährl. 3,30 Mr.,»nonatt. 1,10 MI., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit Muslricricr Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3.30 Morl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zettungs- Preisliste für lggv unter Lr. 782». Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat, tS. Itthrs. Prfcheini laglich aujjir Moulilg». Vevlinev Volksbl�kk. Dt« Zlnserttons-Sebühr deträgt für die fechigefpaltene Kolonel- zetle oder deren Raum«0 Pfg., für volttlsche und gewerfs chastltche Vereins- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Zinieigen" jedes Wort S Pfg. ie>te dein„(lstielptz", dieser solle chigtoen. wie Niel MNnilioii er an Bord Hube: ans die Antivort des„Gnelph", dntz kelnö Munition a» Bord fei, lieh die„Philomel" den„Guclph" weiterfahren und folgte ihm in den Hafen. Sheffield, 6. Oktober.(SB. T. SS.) Der Herzog von Devoushire fiihrt� in einer Rede, die er heute hier hielt, folgendes ans! Er fürchte, das einzige hoffnungsvolle Zeichen in der gegeUldürtigelt Lage sei der Umstand, daß die Boeren die aggressiven Matznnhincn, welche die EngläudSr«lach deren srWtcn ivorbtrei- tin, gen erwartet hatten. Nicht übereileii. Obwohl hie engtische Sie- giernna es nicht für richtig erachtete, in ihren Vorbrreitiniqcn jetzt nnchziilafsen. so werde doch so MW lein MMMWH» Schritt gethltit, bis nicht Transvaal volle Zeit-qehabt habe, die Forderinigen Englands in Erwägtingert zri zi�kfen. Die Rcgienütg halte es sür nötig, den Schutz� der britischen Staatsangehörigen nnd der brilischen Interessen in Afrika zu sichern. Die Dinge hätten ein kritischeres Aussehen Vicht aiigenoitimen, nnd et glaube, dah in der eingelretcueii Pause reiflicher Erlvngnng zu eineitt friedlichen Aus» gang führen werde. »* Deutsches Hteich. Chefredakteur v. Zedlitz. Nicht nngemifcht ist die Freude der„Pdst", ihren eifrigen Mit- arbeiter wieder zN erhalten. Die..Post" begrüfft ihren zukünftige» Chef nicht mit dem freudigen Gintz. den man erwarten sollte, da Herr b. Zedlitz ein hohes Amt anfgiebt, um sich trotz schweren Auge»- leidens in ihrem siaatserhaltenden Dienst zu opfern. Die„Post" kau» nicht nichr kräftig austrumpfe» und ihre Unwahrheiten selbst klingen kleinlaut und verlegen: „Die Nachricht, daß der Präsident der SeehandluUg Freiherr v. Zedlitz seine Versetzung in den Ruhestand nachgesucht hat, ist r i ch t i g. Herr von Zedlitz, der a n g c n I e i d e n d i st, hat sich zu diesem Schritte eiitschlosson, well ihm ärztlicherseits eine weitere Aiistrengung der Angeli, lvie sie gerade in seinem Ressort das ansmerkfame Lesen von häufig mit Ziffern überfüllte» Schrift- stücken mit sich bringt, im Interesse der Erhaltung seiner Schlraft dringend widerraten worden ist. Wir glanben, daß ihm der Entschluß durch die Eilvägilng crlcichcrt ivordeit ist, daß er niit dem Ausscheiden ans den, Staatsdienste die volle Freiheit fiir seine politische Thätigkcit wieder gewinnt." Asto der Augenarzt hieß' nicht v. Lucanns und die Krankheits- diagnose wurde nicht vom„Borwäris" gestellt' Herr v. Zedlitz ist wirklich augenleidend, und gewiß, die Ziffern der ScehandlungS- alten sind schwieriger zu bewältigen als die Ziffern der Honorar- abrechnniigeii bei der„Post". Doch auch von dieser Angenqnal soll ja Herr v. Zedlitz befreit werden. denii er wird hinfort nicht mühselig 12'/s zu l2h-z imj, 25 zu 25 addieren müssen, er bekommt das hübsche Panschquaiitum, das wir bereits nannteli und das durch das S ch w e i g e n d e r„P o st" b e- st ä t i g t wird. Wir wünschen mir noch, daß künftig auch die Manichäer des harmlosen Freihcrrn s v h n I c i n s nicht durch gransame Ziffern unheglichener Rechnnuge» das kranke Auge des für Ordnung und Sittlichkeit streitendeu„Post"- Leiters verletzen mögen I-- Heber die Novelle zum llnfallversichernngSgesetz, die, wie bereits mitgeteilt, dem Reichstage noch im November vorgelegt Iverden soll, hat der„Geiieräk-Slliizeigcr für Hamburg und Altona" Einzelheiten in Erfahrung gebracht, die eine optimislische Auffassung dieser iiencn Pethntigung unseres bekanntlich nie rastenden social- politischen Kurses keineswegs zulassen. Vor allem wird die V e r- k ü r z u n g der Karenzzeit sicher nicht ziigesiaudeii werden. ja, wenn der Reichstag eine solche verlangen sollte, wird dir Regierung eher den ganze» Entwurf scheitern lassen. Ferner soll die Möglichkeit der Berufung an das Reichs-Ber- s i ch e r U n g s a m t e i n g e s ch r ä n t't werden. Dann würden also die Arbeiter noch weniger als bisher in der Lage sein, ihre An- sprüche bei der Rentenfestsetziing durchzusetzen. Man wird abwarten müssen, ob der Reichstag zu einer derartigen Verschlechterung die Hand bieten wird.— Wie die Agrarier seiner Zeit dein Grafen Caprivi, dem Mann ohne Ar und Halm, die Ebenbürtigkeit absprächen und ihn als Ein- driugling in ihre Kaste hinstellten, so suchen sie jetzt den F ü r si e n Hohenlohe, dem sie nach der socialen Richtung hin nichts an- haben können, als Eindringling in ihre Nation zu diskreditieren. Die.fireiiz-Zeituiig" schreibt in einer Polemik gegen Herrn Arthur Levhsohn: „Wenn schon das„Berliner Tageblatt" das Nenpreußeiitum des Herrn v. Miqnel anbringen will, so möge es dieS doch bei einer anderen Gelegenheit als gerade bei einem Vergleich des Finanzministers mit dem Fürsten Hohenlohe thu»,' dessen Preußentum doch er st von seiner Ernenn.ung zum Ministerpräsidenten datiert." Wir glauben nicht, daß der Fürst Hohenlohe Schmerz darüber empfindet, nicht der Volksgenosse eines Klinckowström oder Könitz zu sein. Als irrig stellt sich die Blättemieldung heraus, baß das einzige volksparteiliche Mitglied der bäurischen Kammer, Abg. Köhl- Würzbnrg, sich der socialdemokratischen Fraktion als Hospitant an- geschlossen habe.—_ Pavfeilaö der deutsche« Soeialdemokratie. (Schluß au» der 1. Beilage.) Fischer-Sachsen sprlchk gleichfalls zu dem zweiten Antrage. Ein großer Teil, wenn nicht der größte Teil der Genossen des ö. sächsischen Wahlkreises, ist mit diesem Antrag nicht einverstanden.(Zustimmung.) Sie sind der Meinung, daß man dem Parteivorstande in dieser Frage das Recht seiner Meiimng lassen müsse, sie mißbilligen den Spektakel, den man mit dieser Frage gemacht hat; sie meinen, daß man den Verurteilten nnd der Partei damit eine» schlechten Dienst geleistet hat; sie verurteilen es, daß mau die Sache zetzt auf die Spitze ge- trieben hat und ersuchen um Ablehnung der Anträge. K««ppe-Stettin spricht ebenfalls gegen die Anträge. Ein Freispruch gegen Besitzende kann als Klassemirteil dieselbe Erregung hervorrufen wie die Ver- iirteilung eine» Proletariers Ein Kläffenurteil ist es auch, wenn »in Dieintinädchen verurteilt wird, weil es wegen Mißhandlung den Dienst verlaffcn hat. Räch dem von Auer dargelegten Zwecke der Liste ist die Nichtaiifnahnie der Löbtauer zu Recht erfolgt. Di« Arbeiter darüber zu belehren, wie sie sich in einen, stalle wie auf dem Löbtauer Bauplatz« zu verhalten haben, ist weit wichtiger. Di« Richter in Sachsen haben schon vor dem ZuchthmisturS ihre Klaffen« justiz uns stet» vor Augen geftihrt, dazu hätte es des Löbwner Falles niciil erst bedurft. Im eigentlichen Zusammenhang mit unserer Klaffenbewegung steht diese« nicht. Sindcrmann-Dresden: Die Dkotive, die die Genossen von Dresdcn-Altstadt veranlaßt haben, ihrt ResolNkioii zu stellen, sind jetzt nicht mehr vorhanden. Wäre der Partcibericht 14 Tage früher erschienen, so wäre sie wohl aas nickt gefaßt worden. Denn die nachträgliche Registriernng im Parteibericht ist weil wirksamer als im Moiiaiskiirse. Ich ziehe also die Resolution zurück. Etwas anderes ist aber die AH und Weise, wie Anek das Verhalten des Vor- siaildeS Motiviert hat. Es ist einschieben znrückziNvcisen, daß das Löbtauer Urteil mit unserer ParteibewcgnNg nicht im Zu- santmenhäng stände. Daß Urteil ist ergangen im Kampfe ums Brot. In ZnknUft intiffeii solche Urteile jedenfalls registriert werden. Qstkamp- Essen: Der Fäll Lntgenau kann nicht durch Schweigen abgekhan werden. Det Parteivorstanb Muß erlläke», weshalb man Lütgenau beiseits geschoben hat. Wenn es mich lange bereits Zeit war, ihn zu ciifferncn, so Muß nian doch über die Gründe Aiiskimft geben. Wir sint nicht eine Herde willenloser Schafe. Ter ParteiVokfiaNd muß reden, wenn nickt in der rückstAndigen Rnhrgcgend unsere Bewegung Noch mehr zurückgehen soll. Der Fall Lütgenan giebt Unseren Gcgneni die besten SBaffen; der Parteivorstand hat im Rnhrbccken geradezu an Ansehen verloren. Man schickt uns Leute ans Berlin, die wir nicht haben wollen, ntid halt sie dann so lange, bis es nicht länger geht. Täterow-Berlin: Die Registriernngsangelegenheit könnte jetzt erledigt sei». Um die praktische Nntzaiitveiidimg'zu zieheiff beantrage ich, in Zukunft neben der Rubrik:„Unter dem nciiestcii Kurs" noch eine weitere Rubrik zu führen:„Unter dem Zuchthanskurs" und die Negislrieriing mit dem Löbtauer Fall zu beginnen, sowie unter diesem' Titel alle Vernrteiliingen zu verzeichnen, die nicht direkt mit der politischen Bewegung im Ziisammeiihang stehen. Sie werden damit der prole- iarischen Bewcgung einen großen Dienst leisten. Wi»terburg-5krefeld: Wenn in dem Bericht des Parteivorstandes bei der Besprechung des Krefelder Weber st reiks gesagt ist. daß die Krefelde'r Weber in ihrer großen Mehrheit der iatholischen Organisation an- gehören, so ist das nicht richtig. Etwa 45 Proz. von ihnen gehören zum Textilarbciterverband nnd 45 Proz. zum kürzlich neu begründeten paritätischen niederrheinischeii Weberuerband. Die niederrhcinischeii Weber, die früher die getrenesteti Schildknappen des Centriims waren, kommen immer mehr zu der Erkenntnis, daß die Socialdemokraten ihre Vorkämpfer sind. Die Minierarbeit, die das Fachblatt betreibt, wird bei der nächsten Reichstagswahl henrliche Früchte zeigen. Lrdebour(Dresden): Die Aeußeniiigen der Borredner haben nur dazu gedient, die Notwendigkeit nnseres Antrags zu betonen. Besonders Genosse Knappe hat versuckt, uns moralische Vorlesungen darüber zu halten, daß der Löbtauer Fall hätte vermieden werden können. Ja, ver- ineiden läßt sich fast alles, wie ich bereits vorher ausgeführt habe, aber das ist doch kein Grund, derartige Urteile nicht als Klaffen- kampf-Urtcile zu registrieren. Ferner hat Genosse Fischer im Namen irgend welcher aiioiihmeu Parteimitglieder des C. sächsischen Wahlkreis es Widerspruch gegen den Antrag erhoben. Daß Fischerbamit nickt einverstanden ist, wundert mich nicht, ich bestreite auch gar nicht, daß es in dem großen Wahlkreise eine Anzahl von Leuten giebt. die sich gegen den Antrag ausgesprochen haben. Aber ich bin fest überzeugt, wenn ich oder andere Vertreter dcs Antrages nur Gelegenheit hätten, in allen Orten desKreise« zu denLenten zu sprechen, so würden auch diese anonymen Parteimitglieder in derselbenWeise dafür stimmen, wie die offizielle Parteiversammlung. Genosse Sindermaim hat den Antrag zurückgezogen. Es scheint leider eine specielle Sindermainische Krankheit zu sein. daß er immer Resolutionen ein- bringt und nachher wieder zurückzieht. So hat er es auf der säch- sischeu Landrsversammluiig auch gemacht. Die Zurückziehung des Antrags ist durchaus ungerechtfertigt, nnd es sollte inich doch sehr wundern, wenn die Parteigenossen von Dresden- Altstadt ihm nicht gehörig den Kopf dafür waschen würden. Das ist nicht die Art und Weise, wie man eine Sache verficht. Der Antrag Tnterow will ciiicn ganz unglücklichen Ausgang schaffen. Würden wir zwei Register anlegen, so würde da? zu einer heillosen Konfusion führen. Entweder man subsumiert alles, was zu den Opfern des Klassenkampfes gehört, unter diese Rubrik, oder man verzichtet überhaupt darauf. Mein modistzierter Antrag, der sich dem Sinne nach mit dem ursprünglichen deckte, hat folgende Fassung von mir erhalten: (Netie Fassung des Antrags 39.) 55. Der Parteitag wolle beschließen: „In Erwägung. daß die Monatsliste der„Unter dem neuesten KnrS" erfolgte» Vernrteiliingen den Charakter einer Liste der K I a s s e n l a nip f-Opfer des Proletariats zu tragen hat, in fernerer Ertvägniig. daß die Urteile der Klassenjustiz in der Acra dcs ZuchthauskurseS immer schärfere Formen angenommen haben und daher eine mn so schärfere Gegendemonstration seitens des Proletariats herausfordern, spricht der Parteitag sein Bedauern darüber aus, daß der P a r t e i v o r st a n d das furchtbare Urteil gegen die 9 Bauarbeiter im Löbtauer Krawallprozeß auS jener Liste fortgelassen nnd die Fortlaffnng nachträglich mit der Besorgnis vor möglichen Mißdeutungen durch die Scharfmacher begründet hat. Der Parteitag fordert deshalb ferner den Parteivorstand auf: t. die unterlassene Registrierung in genügender Weise nachzu« holen; 2. in Zukunft alle aus Arbeitskonflikten oder der politischen Bethätigung des Proletariats erwachsenden Berurteilungen auf die Liste der Klaffenkaiiipfopfer zu setzen." Gestatten Sie mir noch wenige Worte zur Erlänterniig. Wir verlangen die Aufnahm« aller Urteile, die aus ArbcitSkonfliiien er- wachse», auch wenn eine Getverkschaft nicht offiziell in Aktion tritt. Nehmen Sie meinen Antrag an und geben Sie damit dem Partei« vorstände eine bestimmte Direktive für die Zukunft. Das liegt im Interesse unserer gesamten Bewegung, denn wir haben nicht nur die organisierten Arbeiter zu unterstützen, sonde» wir haben die Pflicht, unsere schlitzende Hand zu halten über das gesamte Proletariat. Wir müssen die Leute selbstverständlich erziehen, aber wir dürfen sie nicht von unseren Rockschößen abschütteln, weil sie vielleicht nicht das nötige Urteil haben nnd gegen die Besetze verstoßen. Wir müffen uns als die ideelle Vertretung des gesamten Proletariats fühlen, damit jeder Proletarier sich sagt: Wenn ich miß- handelt werde von Unternehmern, wenn ich unterdrückt werde von Behörden, wenn ich schwer von den Gerichten verurteilt werde, so weiß ich, daß eS eine Organisation giebt, die mich schützt. Dies ideelle Moment hat Auer nickt erwähnt und, wie ich fürchte, in dem Löbtauer Falle nicht nackgefühlt. Ich bitte Sie nochmals, meinen Antrag anzunehmen.(Beifall.) Inzwischen ist folgender Antrag Thiele-Halle eingelaufen: 58. Unter Ablehnung der Resolution Nr. SS beschließt der Parteitag: Die monatlich zu veröffentlichende Liste der zur Kenntnis kommenden Bestrafungen hat sich auf die Verurteilungen in Partei- politischen und gewerlschastlichen Prozessen zu erstrecken. Auf- junebine» sind in gewerkschaftlichen Prozessen alle Urteile, zu denen >a» Delikt durch Beachtung und Verfolgung der von den Gewerk- Haften anerkannten Forderungen sich ergeben hat.-Die Ueberschrift „Unterm neuesten Kurs" ist zu ersetzen durch„Opfertafel im prole- tarischen Klassenkampf". After: Mit dem Antrag Ledebour wird ein ganz neues Gebiet betreten. 'Sehr richtig I) Wir, die socialdemokratische Partei, haben uns wohl nie als etwas anderes gefühlt als die politische Vertretung des grämten Proletariat»; insofern wiederholt der Antrag Ledebour etwas Selbstverständliche«. Er läßt aber den Fall, um den es fich handelt, außer acht. Wenn wir die Wege, die er nnS weise» will, betreten, wird e» in Zukunft außerordentlich schwer halten, eine Lifte de« neuesten Kurse« zu veröffentlichen. Was heißt«s denn,»vir sollen unsere schützende Hand über das Proletariat halten? Das ist doch('»"r: mehr als 99 Proz. aller Verurteilimgen von Proletariern haben ihren Untergrund in der j unglücklichen gesellschaftlichen StelluNff des Proletaii.ats.(Sehr richtig!) Wir würden mit der Lcdebonrschen Weisitiig in ein EhaoS geraten, aus dem ich nicht mehr heraus wüßte. Ick habe Ihnen ja gesagt: Schaffen Sie eine neue Basis, wenn eS Ihnen möglich ist, für die Nene-KiirS« Liste; es wird Ihnen aber aiißerordenilich schwer fallen, und die Momente, die in der Debatte hervorgetreten sind, halte ick nicht für genügend. Ich habe auch zu dem znkünstigen Partei- vorstand das Vertrauen, daß. wenn Sie ihm neue Weisungen geben, er sie nach bestem Wissen und Könneii zur Ausführung bringen wird, aber verlangen Sie nichts Unmögliches. Ledebour erklärt nun. in der Erklärung dcs Parteibolstaiides liege eine Verleugming, ein Abschütteln der Verurteilten von den Rockschößen der Partei. Ich mache da auf die interessante Thatsache aufmerksam, daß wir in dieser angefochteiieii Aeußc- rung eigentlich gar nichts anderes gethnn haben, als den'Weisungen Lcdebonrs selbst zu folgen. lSehr richtig!). Ich habe in Voraussicht der Dinge, die koiumen würden, mir die Mühe ge- noinmen, das betreffende Quartal der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung" durchzusehen. Da heißt es denn unter dem frischen Ein- drucke des Löbtauer Urteils in Rümmer 157 vom� 19. Juli 1898:„Von einem socialdemokratische» Urteil zu fasel», ist ebenso dumm wie frech. Die Hineiiiziehnng nnserer Partei hat nur den Zweck, die Bauarbeiter hineinzulegen und Behörden nüd Richter gegen sie aufziistacheln." In Nummer 159: Die Haiidlniigen der bei dein Exzeß beteiligten Personen, die wir übrigens dntckaus Nicht billigen wollen, erscheint in einem weniger dunkeln Lickt —, je mehr der eigentliche Veranstalter, der Bauführer Klemm bekannt wird." Und dann wird gesagt:„Der durch die Schießerei dcs Bauführers hervorgerufene Vorfall wird, um die daran beteiligten Arbeiter möglichst anzuschwärzen, als ein von organi- sierten Arbeitern eingeleüeter socialdcmokratischer Akt hingestellt"—; weiter: Nur im Interesse der bedauernswerten Arbeiter, die sich durch die brutale Schießerei ztt AiiSschreitintgen verleiten ließen, wollen wir darauf hinweisen, daß die Prügelei mit derBanarbeiterorganisntion und Socialdcmokratie nichts zu thnn hat." Und so ging es weiter und weiter: immer das Bestreben, die Vorgänge von der Social- demokratie abzuwehren, sie als solche hinzustellen, die mit der Arbeiterbewegung iiickts zu thnn haben. Daran hat die„Sächsische Arbeiter-Zeitung" festgehalten vom ersten AiigKiUI'ck alt, und genau auf derselben Linie bewegt sich auch die Ausstihrnng, die jetzt den Zorn Lcdcbours erregt. Wir haben jene Handlungen uns nicht von den Rockschößen abzuschütteln gehabt, weil sie nie mit der Gctvcrkschafts- und der socialdemokratischen Bewegung einen Zusammenhang gehabt haben. Wir haben aber auch den Prozeß und das Urteil nie als etwas anderes darzustellen ver- sucht, als es Ledebour selbst gcthan hat; als den Ausfluß einer Vorciiigeiiommcnheit, Engherzigkeit und Widerwillig- kcit gegen die Arbeiterbewegiing im allgemeinen. Duß das Dresdener Urteil den Charakter der Klassenjustiz an der Stirn trägt. daran haben wir nie im geringsten gezweifelt, und alle diese Ansführiingen der Eiitrüstnng über das Urteil haben mit unserer Stellung selber gar nichts zu thnn; wir haben sie geteilt, che wir erfuhren, daß Ledebour nnck dieser Richtung hin voll- ständig einer Meinung niit uns ist. Aber tvas wir auseinander- halten, was auch von unseren Fraktioiisrednerii im Reichstag Haar- scharf geschehen ist, das ist das, daß dieser Kratvall nickt in irgend cinciii Ziisanimcnhnnq mit der klassciibewußten Arbeiterbewegung steht, sondern eine Erscheinung ist, die wir tief bedauern und die in Zukunft unmöglich zu machen gerade mit zu den Aufgaben unserer klassenbewußten Arbeiterbewegung gehört.(Lebhafte Zustimmung) Das ist der Standpunkt, den wir eingenommen haben, ans Grund des Herkommens, in den Absichten, ans denen die Liste des Neuen Kurses geschaffen morden ist. Jch� wiederhole: Reicht die bisherige Umschreibung nicht ans, wollen Sie eine neue Basis schaffen, thnn Sic es, aber ein Recht, dem Parteivorstand einen Vorwurf zu machen, bestreite ich unter allen Umständen. Der Antrag Tnterow, ans den ich weiter nicht eingehe, ist wohl nicht besonders glücklich ausgefallen.> lieber den Fall Lütßenan namens des Parteivorstandes zu sprechen, habe ich eine Antorisation noch nicht erhalten. Daher gebe ich jetzt Nur eine kurze Erklärung ab. Lütgenau hat im Laufe der letzten Monate erklärt, dah er den Parteivorstand ans der Wcstfäliichcn Provinzial« Konferenz in Schwelm, die ja inzlvischen stattgefimden hat, zur Vcr- antwortniig ziehen werde. Uns war es nicht möglich, auf der Schtvclmcr Konferenz uns vertreten zn lassen; das wußten wir schon früher und daher gaben wir durch de»„Vorwärks" öffentlich die Erklärung ab, daß wir keinen Anlaß hatten, auf der Schtvelmcr Konferenz uns mit Lütgenau anseiiianderziisetzeu; daß, wenn Lütgenau durch die Haiidlniigen deS Parteivorstand«« ihm gegenüber sich bcschivert fühle, es sein Recht sei, sich mit seinen Beschwerden an den Parteitag in Hannover zu wenden, dort würden wir ihm Rede und Antwort stehen. Soweit ich bis jetzt unterrichtet bin. ist seitens Lütgenans eine Beschwerde nicht eingegangen. Wenn aber Ostkamp. lote ick gern zugebe, im Interesse der Bewegung des Ruhrbeckens, nähere AufkläriingiN über den Fall Lütgenau wünscht, so sind wir— ich glaube hier namens des Parteivorstandes sprechen zu können, gern bereit, diese Aiiftläruiige» zu geben. Ich glaube aber dann gleich beifügen zu dürfen, daß wir auch in diesem Falle es halten werden, wie bisher in allen solchen Fällen, daß es das beste ist, wenn die Vei-Hnndliingen vorher in einer Neuner- kommissioit geführt werden nnd es dieser überlassen bleibt, was sie dem Parteitag mitzuteilen für notwendig hält. (Zustimmung.) ES geschieht das wirklich nicht im Interesse des Parteivorstandes, der kann mit ganz offenen Karten spielen, davon können Sie überzeugt sein; eS ist Lütgenau kein Unrecht geschehen. Es ist auch nicht richtig, wie Ostkamp meint, daß wir. weil wir in Berlin Lütgenau nicht mehr habeu wollten. ihn nach der Provinz geschickt hätten. Das wäre ein sehr schiefes Experiment.(Heiterkeit.) Wenn alle Parteigenossen, die dem Parteivorstand in Berlin unbequem werden könnten, nach der Provinz geschickt würden, da möchte die Provinz vielleicht unter Umständen einmal Zeter und Mordio schreien (Heiterkeit). Lütgenau ist in die Provinz gegangen mit seiner Zu« stimniimg und auf unsere Anregung, weil wir glaubten, daß er dort gut wirken könne, und er hat auch eine Zeitlang zweifellos sehr gut gewirkt. nnd tvir sind es, die nur allzu- sehr bedauern müssen, daß dieses gute Verhältnis nicht immer so geblieben ist. Aber vielleicht im Interesse Lütgenaus selber liegt eS. wem, die Angelegenheit erst in derNeuncrkommisston erledigt wird.(Bebel: Sehr richtig!) Wenn dem Verfasser deS Bcrickts insofern ein Irrtum unter- gelaufen ist. als er voraussetzte, daß in der nieder« rheinischen W e b e r b e w e g u u g die Mehrzahl der Beteiligten Anhänger der katholischen Arbeiterrichtimg sind, nnd ivir im Partei- vorstand über diese Berhältuiffe nicht so unterrichtet sind, so tragen vielleicht einen kleinen Teil der Schuld daran die niederrheinischen Genossen selber, die zu schweigsam gewesen sind.(Beifall.) Fleistner-Dresden: Nur einige Worte gegen den Genossen Ledebour. Er befindet fich im Irrtum, wenn er glaubt, daß sein Antrag die Stiniimmg der Genossen des S. sächsischen Wahlkreises wiedergicbt. Die Genossen halten es vielleicht für eiiien Fehler, daß das Urteil nicht in die Liste ausgeiioinnicii ist, aber sie halten die Sache für durchaus n i ch t s o t r a g i s ch. Hätte man die Geschichte nicht so sehr in der Presse und in Versammlnngen aufgebauscht, so brauchten wir uns überhaupt nicht darüber heute zu unterhalten. Wir sind mit dem Vorgehen der Reichstagsfraktion völlig einverstanden mid machen dem Parteivorstande keineswegs den Borivnrf des Opportunismus. Irgend einen der gestellten Antrage anzunehmen, ist überflüssig. Ich betone nochmals mit Rücksicht auf die illegale Art. wie der Antrag zustande gelommen ist. daß er nicht öie Zustimmung der Genossen des ö. sächsischen Krelje« wiederspiegelt. Beyer- Leipzig: Es wäre zmeckurnfsig, wenn der Rechenschaftsbericht d e s V o r st a n d e s früher erscheint, dainit in den Partei- versnininlnngen darauf bereits zurückgegriffen werden kann. Was den Löbtaucr Fall betrifft, so ist es für mich klar, daß es sich dabei um die Verkürzung der Arbeitszeit handelte, das; er also mit den Forderungen des Proletariats in Zusammenhang steht. Wenn er nicht registriert ist, so ist das allerdings kein Unglück. Hierauf wird die Debatte abgebrochen. Persönlich bemerkt Sindcrmaun: Wenn Ledebour es als eine Sindermmmsche Krankheit bezeichnet, Anträge einzubringen und tvicder zurückzn- ziehen, so bemerke ich, dah er eine andere Krankheit hat, nämlich in allen Versammlungen durch Phrascnschwnlst Vertrauens- Voten sich zu verschaffen. Ich fürchte nur, daß ihn diese Fülle der Vertrauensvoten mal erdrückt. sHeiterkeit.) Ledebour(pcrsöiilich): Daß Genosse Sindermann den freund- lichen Wunsch hegt, daß ich erdrückt werde, wundert mich nicht. Es sind sehr viele Leute, die das wünschen. lGlocke des Vorsitzenden.) Bisher sind alle iGlocke des Vorsitzenden) derartigen Versuche(Glocke des Vorsitzenden) gescheitert.(Glocke des Vorsitzenden.) Singer: Vor allem möchte ich den Redner bitten, wenn ge- läutet wird, das Reden zn unterlassen. Ich wollte Ihnen bemerken: die Auseinandersetzungen, die Sie mit anderen Genossen gehabt haben, gehören nicht in eine persönliche Bemerkung auf Sindcrmann. Die weitere Debatte wird auf die Nachmittagssitzung vertagt. Sydoiv-Frankfnrt. der zum Schriftführer gewählt war, ist nicht anwesend.(Heiterkeit.) An seine rStelle wird Trompeter- Frank- fnrt a. M. gewählt. Auf Vorschlag Singers wird die MandatsprüfungS-Kommission als N e n n e r k o m m i s s i o n bestellt und ihr außer dem Fall Lütgenau die Beschwerden ans Koburg, Bielefeld und eine soeben ans Hamburg von Weindorf eingegangene überwiesen. Eine Reihe Begrüßungsschreiben sind eingegangen. Schluß 1 Uhr. Nach mittags sitzung. 3>/« Uhr. Den Vorsitz führt Singer. Die Diskussion über den Bericht des Vorstandes wird fort- gesetzt. B r a un e-Dresden: Im Austrage der Mehrheit der socialdemokratischen Partei des vierten sächsischen Wahlkreises habe ich zu erkären, daß sie mit dem Verhalten des Vorstandes in Bezug auf die Nicht- registricrung des Löbtauer Urteils nicht einverstanden fist. Indessen halten wir die Angelegenheit für erledigt und befürworten den An- trag SS zur Annahme. Ledebour: Auer hat als vorzüglicher Taktiker derlPartei als Reservegeschiitz aus unserer„Sächsischen Arbeiter-Zeitung" Citate vorgebracht, aus denen er folgern wollte, daß der Parteivorstand nur meine Anweisungen befolgt habe. Zufällig habe ich jene Artikel gerade nicht geschrieben, aber ich unterschreibe sie vollkommen. Aber das hat nichts damit zu thun, daß wir die Löbtauer hineinhaben wollen in die Liste der Klaffen- kanipfopfer; eS gehört da jedes Urteil hinein, Ivas gegen Proletarier infolge politischer Bethätiguug, infolge von Arbeitskonflikten gefällt ist. Ich habe die mildeste Form des Tadels gewählt, aber ein Tadel nmß ausgesprochen werden. Wer einen Fehler niacht, dem wird der Kopf gewaschen, dem Parteivorstand ebenso wie jedem anderen von uns. Auf dem Tadel m u ß ich unbedingt bestehen, es ist daS notwendig im Interesse der Klärung der Sache. Nehmen Sie meine Resolution in ihrer jetzigen Fassung an, die ein für allemal die nötige Direktive giebt und deutlich genug ist; Fälle z. B. wie der Fall Ziethen werden davon nicht betroffen. Knappe-Stettin: Ich beantrage: Der Parteitag beschließt, unter der Rubrik „Neuer Kurs' sind nur Verurteilungen aus der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung zu verzeichnen.' Das erreicht dieselbe Absicht, wie Ledebours Resolution; die Tafel wird dann nicht zu umfangreich und dem Sinn ihrer Einführung, zu zeigen, daß auch nach dem Falle des Socialistengesetzes gegen die Arbeiterschaft in rigoroser Weise vorgegangen wird, wird entsprochen. Es muß doch einmal aus- gesprochen werden: noch weit mehr als solche Leute, dir, wenn sie auch durch harte Gerichtsurteile betroffen werden, nicht immer gerade für die Interessen unserer Partei thätig gewesen sind, verdienen die als Märtyrer bezeichnet zu werden, die im Dienste der Partei von Werkstatt zu Werlstatt getrieben tverden, Wirt- schaftlich ruiniert dastehen und trotzdem ihr ganzes Sein der prole- tarischen Bewegung widmen. Der Antrag Knappes wird nicht ausreichend unterstützt. Die Diskussion zum Vorstandsbericht im allgemeinen schließt hiernnt, zum Kassen- und Presse-Bericht wird das Wort nicht verlangt. Da? Schlußwort erhält Auer: Sie werden es mir wohl nicht übel nehmen, wenn ich auf den Löbtauer Fall nicht mehr eingehe. Wenn ich noch einen Wunsch aussprechen darf, so geht er dahin, sämtliche vorliegenden Anträge abzulehnen und dem zukünftigen Parteivorstande das Vertrauen entgegenzubringen, daß er aus der Debatte die notwendigen Konsequenzen zieht. Der Wunsch des Genossen Beyer, in Zukunft den Bericht der Parteileitung früher zu veröffent- lichen, läßt sich nicht erfüllen, denn wir müßten sonst unsere Partei- gcschäfte sehr viel früher abschließen als bisher. Ich glaube aber, daß sich da auch beim besten Willen keine Aenderung treffen läßt. Die Praxis hat gelehrt, daß wir das Parteijahr ultimo August abschließen müssen. Zwischen Abschluß und Veröffentlichung des Kaffenberichts müssen mindestens 14Tage liegen. DiesenZeitraum haben wirauch Heuer eingehalten, wir haben den Bericht so rasch als es mir möglich 'war, veröffentlicht. Ich spreche zum Schluß den Wunsch aus. daß die Parteigenossen selbst die Verwaltung der Partei dadurch unterstützen, daß sie unseren Aufforderungen bc- ziiglich Anmeldung der Delegierten und der Emreichung von Anträgen usw. rechtzeitig nachkommen. Es macht sich doch etwas sehr eigentümlich, wenn im Organ von Halle die bittere Bemerkung erscheint: Na endlich werden die Anträge � zum Parteitag veröffentlicht I— und eine Woche nach diesem Stoßseufzer kommt Halle mit seinem.eigenen Autrag heraus.(Große Heiterkeit.) Also befleißigen Sie sich einer etwas größeren Pünktlichkeit und Schnelligkeit in diesen Dingen, dann wird es mit Gottes Hilfe schon besser werden. (Heiterkeit.) Das Sckilnßwort zum Kassen- und Controleurbericht wird nicht gewünscht. Dem Parteivorstand wird die beantragte Ent- l a st u» g erteilt. Antrag 37 ist zurückgezogen; Antrag 38 ist abgeändert in den Antrag Ledebour(Nr. SS). Die Anträge SS und S7 werden abgelehnt, desgleichen der Antrag Thiele, Nr. S3. Damit ist Punkt 2 und 3 der Tagesordnung erledigt. Den Bericht über die parlamentarischc Thätigkeit erstattet Hoch. fierzn gehören die Anträge 34—37, Ss") und SS, der von -Rostock gestellt, folgenden Wortlaut hat: Die socialdemo- *) 34, Parteigenossen des 6. sächsischen Reichstags-Wahlkreises, Dresden-Land:„Die Reichstags-Fraktion zu beauftragen, die Reichs- regierung zn interpellieren, wie sie die Durchführung und Beachtung der Reichsgesetze im Königreich Sachsen zu bewirken gedenkt, be- zichentlich wie sie sich dazu stellt, daß königl. sächsische Gerichte bteichSgcsctze durch Polizeiverordnungen— so die Bestimmung der Gewcrbe-Ordnnng über die ungehinderte Verbreitung von Flug« blättern, Stimmzetteln usw. auf Plätzen und Straßen während der Mahlzeit, durch eine Verordnung der Polizeidirektion Dresden für kratische Reichstagsfraktion hat bei Beratung des neuen Post-Zeitungs- gesetzes dafür einznireten, daß es ausdrücklich jedermann freigestellt wird, an Wochentagen, sowie an Sonn- und Festtagen gleich den Brief- trägem der kaiserlichen Rcichspost zn den für den Gewerbebetrieb sreigcgcbencn Stunden Zeitungen an Abonnenten auszutragen." Hoch: In dem Ihnen vorliegenden gedruckten Bericht finden Sie ein vollständiges Bild von den parlamentarischen Kämpfen des letzten Jahres, alle Debatten nild Anträge sind mitgeteilt, durch die wir den Interessen der Arbeiterschaft am besten zu dienen glaubten. Bis auf die Frage der paritätischen Arbeitsnachweise sind wir nur der bisher uns vorgeschriebenen Taktik gefolgt, aber auch in dieser Frage ist unsere Taktik nachträglich von den Parteigenossen gebilligt worden. Betrachten Sie die Thätigkeit der Fraktion im ganzen, so werden Sie finden, daß wir uns zwei Strömungen in den Kreisen unserer Gegner gegenüber be- finden. Die socialen Mißstände zwingen mehr und mebr die herrschende Klasse, von unseren Forderungen ein kleines Stückchen nach dem anderen als berechtigt anzuerkennen und die socialpolitische Gesetzgebung auszuflicken; so kamen die auch von uns wenn auch als schwächliche und unzureichende Verbesserungen anzuerkennenden Vorschläge zur Gewerbe- Ordnung und zur Jnvalidenverstchennig. Daher auch die verschiedenen socialpolitischcn Anträge der biirger- lichen Parteien. Zugleich jedoch wird die sehr kleine, aber einfluß- reiche Clique der Junker und Großkapitalisten dazu getrieben, aus Furcht vor der Socialdemokratie die Arbeiterbewegung mit Gewalt vernichten zu wollen. Mit diesen beiden Richtungen mußten wir rechnen. Wir traten einmal für einen weiteren Aus- bau der Arbeiterschntzgesctze ein, um die Arbeiter vor der Verelendung zu bewahren oder sie aus der Verelendung zu reißen und sie dadurch um so widerstandsfähiger zn machen. Die Gefahr. daß durch eine solche Taktik die Arbeiter verwirrt werden, die Ge- fahr, der die Theoretiker erliegen können und zum Teil, meinet1 Ansicht nach, auch erlegen sind, wird in der Praxis durch die Scharfmacher hintangehalten, die fort und fort hetzen und so den Arbeitern die Notwendigkeit des Zusammen- schlusses aller Proletarier immer wieder vor Augen führen. In allen wichtigen Fragen konnte eine Verständigung in der Fraktion glatt hergestellt werden. Ihnen liegt jetzt ob, Ihr Urteil abzugeben, ob Sie mit der Thätigkeit der Fraktion einverstanden sind. Die Diskussion wird eröffnet. Witte- München begründet den Antrag 34, Nicht nur die Dresdener Genossen haben unter dem Verhalten der Polizei zn leiden, sondern auch die Müinhener. Diese Polizeipraxis ist keine neue. Schon 18S0 hatten die Münchener bis zur höchsten Instanz den Kampf gegen die Polizei führen müssen, der Abschluß war eine bedingungsweise Verurteilung. Die Frage der Flugblatt-Verteilnng ist wichtig genug, daß die Reichs- tags-Fräktion darauf dringt, die Verfassinigsbestiinmung, Rcichsrecht geht vor Landesrecht oder gar Polizeiverordnungen, zur strengen Durchführung zu bringen. Groth-Rostock befürlvortet aus den mecklenburgischen Verhältnissen heraus gleichfalls diesen Antrag und spricht hierauf zn dem Antrag öS. So wunderbar wie es klingt, ist in Mecklenburg das Austragen von Zeitungen an die Abonnenten am Sonntag nicht möglich. Ans finanziellen Gründen ist in Mecklenburg der Kolporteur der einzige Postabonnent an seinem Orte»nd trägt die Blätter dann an seiiietAbonnenten aus; an die größeren Orte werden die Zeitungen pakctwcise per Post geschickt. Das vorjährige mecklen- burgische„Sonntags-Socialistengcsetz" läßt nun die Austragung der Zeitung an die Abonnenten am Sonntag lediglich am Druckort zu. An einzelnen Orten: Wismar, Güstrow, thaten sich darauf hin Privatposten zum Vertrieb der„Mecklenburgischen Volkszeitung" auf, Strasbefchle dagegen konnten natürlich nicht aufrecht erhalten bleiben. Da erhält vor tvenigen Tagen der Verleger der „Mecklenburgischen Bolkszeitung" von der Schlvcriner Ober-Postdirektion eine Aufforderung zur Zahlung von der Kleinigkeit von 2500 M. Strafe für angebliche„Portohinterziehung" auf Grund des Post- Zeitungsgesetzes, da die Zeitungsnummern nicht„direkt" durch cxpresse Boten an die Bezieher bestellt würden; denn die Bestellung müsse eine„einheitliche" sein. Wir können nun der prozessualischen Entscheidung in diesem Falle ruhig entgegensehen, da ein Reichsgerichtserkenntnis dem Ver- leger die Auswahl der durch die Post zugelassenen Bestcllwcge von Ort zn Ort ausdrücklich gestattet. Aber das Postzcitnngs-Gesetz enthält keine Silbe darüber, in welcher Weise die Zeitungen innerhalb eines Ortes ausgetragen werden können. Für uns ist es aber von großem Wert, die Zeitung unseren Abonnenten durch eigene Kolporteure zuzustellen, um die Fühlung zu ihnen zu erhaltsn... Die Redezeit Groths ist abgelaufen. Redner erklärt, sich von neuem zum Wort melden zu wollen. Antrag 34 begründet Flciffner- Dresden: Daß in Sachsen unsere Partei anders behandelt wird, als die bürgerlichen Parteien, ist ja bekannt. Ich erinnere nur daran, mit welcher Virtuosität man es mit Hilfe des Groben Unfugs- Paragraphen sertig gebracht hat, unsere Flugblattverteilung zu ver- bieten. Auch das Streikposteustchen wird als grober Unfug an- gesehe», selbst mit Hilfe des ckolus oveutualis, indem man sagt, es ist zwar kein Mensch dadurch belästigt worden, aber es wäre doch möglich, daß sich jemand belästigt fühlt. Während der Wahlbewegung l8S8 hat man sogar durch eine Verkehrsordnung den Z 43 der Gewerbe- Ordnung aufgehoben, und das höchste Gericht hat der Behörde recht gegeben. Wohin soll es führen, wenn die Behörden auf solche Weise bestehende Gesetze einfach aufheben? Dem gegenüber ist eine Besprechung solcher Fälle im Reichstage wohl angebracht; Natürlich werden sich die Gerichte nicht an die parlamentarischen Debatten kehren, aber es darf nicht der moralische Wert solcher Debatten außer acht gelassen werden. Was jetzt in Dresden ge- schieht, kann später in ganz Sachsen Brauch werden. Damit außer Kraft gesetzt erklären entgegen der Bestimmung der Reichs- Verfassung: Rcichsgesetz geht vor Landesgesetz l' 35. Parteigenossen in Heidelberg:„Die socialdemokra- tischen Reichstags-Abgeordneten werden ermcht, mit aller Energie und Nachdruck für Aufhebung des Impfzwanges einzutreten." 33. Parteigenossen in Aachen:„Die Fraktion zu beauf- tragen, in kommender Reichstagssession wiederum die Anträge auf Einführung des achtstündigen Normalarbeitstags, sowie auf Ein- führung der obligatorischen Gewerbegerichte einzubringen. Ferner soll die Fraktion beauftragt werden, eine reichsgesetzliche Regelung des Submissionswesens herbeizuführen durch Einführung eines Minimallohnes." 37. Parteigenossen in Göppingen:„Die ReichstagS-Fraktion zu beauftragen, im Reichstag dahin zn wirken: ») In dem z 46 des KrankenversichernngS-GesetzeS im t. Absatz die Worte„innerhalb deS Bezirks einer Auf- fichtsbehörde' zu streichen. b) Im K 137 der Gewerbe-Ordnung den ö. Absatz zu streichen und dafür zu setzen: „Wöchnerinnen dürfen während sechs Wochen nach ihrer Niederkunft überhaupt nicht beschäftigt werden.' e) Der Impfzwang ist für ganz Deutschland aufzuheben. 6) Bei K llöa der Gewerbe-Ordnung ist zu setzen: Zuwider- Handlungen werden bestraft." 54. Parteigenossen in Pirna: Die ReichstagS-Fraktion zu beauftragen, eine Klärung darüber herbeizuführen, daß während der Wahlzeit nach dem Reichsgesetz Flugschriften ungehindert verbreitet werden dürfen, da viele Polizeidirektionen ortspolizeiliche Ber- ordnungen erlassen, durch die da» Reichsgesetz illusorisch werde. ES heiße: Reichsrecht gehe vor Landrecht, in diefem Falle gingen sogar Polizeiverordnungen vor Reichsrecht. Die Fraktion sollte eine richtige Jnteivretation de» Gesetze» herbeiführen. wird aber unsere ganze Wahlagitation unter Umständen lahm- gelegt. Nehmen Sie deshalb unseren Antrag an. Antrag 37 begründet Tanscher-Stuttgart: Der Antrag der Göppinger Genossen, den ich zu vertreten habe, enthält Teile des Arbeiterschutzes, und ich bitte, ihn der Fraktion zur Berücksichtigung zu überlveisen. Der Punkt o,„Aufhebung des Impfzwanges", wird ja geteilte Gefühle hervorrufen. Ich weiß ja, daß unter unseren Genossen Gegner einer solchen Aufhebung vorhanden sind. Ich selber verwerfe den Impfzwang. Wenn wir die Lage des Arbeiters heben, wenn er besser wohnt und ißt und für seine Haut- pflege sorgen kann, dann brauchen wir keine Furcht vor den Pocken zu haben und uns nicht Gift in den Leib spritzen. Wir nehmen ja auch durch Aufhebung des Impfzwanges den Anhängern des Jmpfens nicht das Recht, sich impfen zu lassen, sondern schaffen nur einen lästigen Zwang ab. Also kann auch Punkt c der Fraktion zur Be« riicksichtignng überwiesen werden. Die übrigen Anträge werden nicht begründet. I» der Diskussion erhält zunächst das Wort Bebel: Ich will auf das Materielle der Anträge nicht weiter eingehen, »amenlkich nachdem sie von den Antragstellern schon im wesentlichen begründet sind. Ich möchte nur beantragen, daß wir die hier ge- stellten Anträge, soweit sie nicht direkt abgelehnt lvurden, d e r Fraktion zur Berücksichtigung übe rlv eisen, weil die Anträge in der hier beantragten Form nur in den seltensten Fällen im Reichstage eingebracht werden können. Ich bitte Sie aber, speciell den Antrag 36 abzulehnen. Die Antragsteller haben offenbar übersehen, daß die Session deS Reichs- tages nicht geschlossen, sondern nur vertagt ist. Wir haben aber in dieser Session bereits einen Antrag auf obligatorische Einführung der Gewerbegerichte gestellt. Der Antrag ist an die Kommission verwiesen, er ist dort beraten worden und ivird demnächst wieder in Verbindung mit anderen ähnlichen Anträgen im Plenum zur Verhandlung komnien. Insofern also ist der Antrag 36 überflüssig. Aber auch in anderer Beziehung, denn ein Antrag auf Einführung des achtstündigen Nornial-Arbcitstags befindet sich ja unter den positiven Anträgen, die gegenivärtig der Beratung unterliegen. Endlich bitte ich, auch den letzten Absatz des Antrags 36 abzulehnen, aus dem einfachen Grunde, weil wir einen solchen Antrag hier unmöglich annehmen können, bevor wir die Frage er- örtert haben, ob es möglich ist, einen gesetzlichen Minimallohn einzuführen und wie das zu geschehen hätte. Denn das werden Sie doch einsehen, daß'man nicht für Berlin und für Buxtehude einen Minimallohn in gleicher Höhe festsesten kann. Auf der andern Seite kommt die Frage des SubmissionL- wcsens für uns doch erst in zweiter Linie in Betracht. Lehnen Sie also den Antrag 86 pure ab. Ferner beantrage ich den Absatz c des Antrags 37, den Jmpfang betreffend, abzulehnen. Sie bestätigen damit nur Ihren vorhin in Bezug auf Antrag 3ö gefaßten Beschluß. Sollen wir überhaupt Ihren Wünschen entsprechend im Reichs- tage vorgehen, so muß uns auch das nötige Material zur Verfügung gestellt werden, denn nur auf Grund eines solchen Thatsachen- inatcrials können wir die Sachen mit Aussicht auf Erfolg im Reichs- tage zur Sprache bringen. Allerdings ist diese Aussicht sehr gering. Es ist ja schon darauf aufmerksam gemacht, wie man die rcichsgesetz- lichen Bestimmungen einfach dadurch umgeht, daß man Landesgesetze und landesgesctzliche Polizeiverordimngcn einführt, die die Reichsaesetze außer Wirksamkeit setzen. Nun entsteht eine schwere Kompetenzfrage. Nach den Landesgcfctzcn hat die Polizei das Recht, Überall Verkehrs- ordnungen zn erlassen; da kann das Reich nicht hineinreden. Auf der anderen Seite gehen diese Verordnungen oft so weit, daß dadurch bestehende' Reichsgesetze außer Kraft gesetzt werden. Bedenken Sie, daß man jetzt niit Hilfe der Landesgesetzgebung darauf ausgeht, ein Gebiet der Reichsgesetzgebung nach dem anderen, das den herrschenden Klassen unbequem ist, lahm zu legen. Frei- heilen, die die Reickisgcsctzgcbung gewährt hat, werden dadurch illusoriscki gemacht. Wir werden ja selbstverständlich,� sobald unS das nötige Material vorliegt, in entsprechender Weise im Reichs- tage vorgehen. Wie das zu geschehen hat, ob auf dem Wege einer Interpellation oder auf dem einer Gefetzesvorlage, darüber bin ich mir noch nicht klar, aber geschehen muß etwas. Allerdings haben wir bei dieser streng partikiilaristischen Strömung, die namcnt- lich vom Centrum kultiviert wird, wenig Aussicht, etwas zu er- reichen. Trotzdem iverdcn wir, was wir für notwendig halten, fordern, und so wird auch die Fraktion, lvenn Sie meinen Antrag annehmen, ihr möglichstes thun, um zu einem praktischen Resultat zu gelangen.(Beifall.) Adler-Harburg unterstützt den Antrag Sg. In Hannover besitzen wir aus der schönen guten alten hannoverschen Zeit noch eine Reihe guter Gesetze, zu denen die Sabbathordnung von 1831 gehört; auch hier ist es wegen Flngblattverteilung am Sonntag zu einer Verurteilung bis zur höchsten Instanz gekommen. Bei uns oben in Buxtehude(Heiterkeit), Lüneburg, Bardowick hat das Landgericht freigesprochen, aber nur deshalb, weil die Flugblatt« Verbreitung in diesen Fällen keine äußerlich sichtbare Arbeit war.(Heiterkeit.) Aber jetzt steht uns eine neue Sabbath« ordnung bevor, die dieien Freisprechungsgrund beseitigt. Diese Knüppel, die man uns zwischen die Beine schmeißen will, muß das Reichsgesetz vorher kaput schlagen. Der Punkt d des Antrags 37 erübrigt sich, da das neue Bürgerliche Gesetzbuch Aufrechmingen gegen den Lohn von Arbeitern mit unter 1S00 M. Jahrcslohn unter Strafe stellt. Zu Antrag 37 ist ein Zusatzantrag eingegangen, wonach bei Be« ratung des von der Fraktion gestellten Antrages auf Einführung eines einheitlichen freien Vereins- und Versammlungsrechtes auf die im Großherzogtum Sachsen- Weimar herrschenden, dem Koalitions- recht hohnsprechenden Zustände hingewiesen und Abhilfe verlangt werden soll. Fendrich- Karlsruhe: Wenn es im Unglück ein Trost ist, Genossen zu haben, so kann ich dem Genossen Groth Trost bringen. Wir haben die gaiijje Postgeschichte auch erlebt. Um Ihnen zu zeige», wie fein die Fuß- angeln des Postgesetzcs sind, will ich Ihnen einen Fall er- zählen, der Ihne» zeigen soll, wie notwendig die Annahme des Antrags SS ist. Wir haben vor Jahren schon, als der „Volksfreund" noch nicht Partei-Unternehnien war, eine Strafe von 4—8000 M. wegen Verletzung deS Postgesetzes zahlen müssen und zwar hat das ReickiSgericht die Strafe bestätigt. Das ist wohl ein Wcrmntstropfen für Genossen Groth, der auf das Reichsgericht rechnet. Nach unseren Erfahrungen ist es nicht geneigt, milde zu verfahren. Nun haben wir uns ganz genau nach den Bestimmungen des Postgesetzes gerichtet. Wir schicken nach Durlach per Expreß- gut den„Volksfreimd". Dort trägt ihn ein eigener exprefser„Bote", eine einfache Frau aus. Diese Frau ist jetzt in eine Strafe von 1500 M. wegen Hinterziehens des Postportos genommen worden. Was war gefchehen? Ohne daß wir es wußten, wägt die Frau auch 2, 3 Dutzend der„Schwöb. Taglvacht" aus. Ein expresser Bote aber darf nach den Bestimmungen deS Postgesetzes nur eine Zeitung austragen. Das wußte die Frau nicht und der Vertreter des Staatsanwalt erkannte selbst an, daß der Fall sehr milde liege und beantragte eine sehr geringe Strafe. DaS Gericht aber erkannte auf die genannte harte Strafe. Offenbar liegt hier ein System vor, das nicht nur in Mecklenburg sondern auch in Süddeutschland gehandhabt wird, daS System, in die Schlingen des Postgefetzes möglichst die Verbreiter und Verleger der Partei-Organe fallen zu lassen. Ich bitte Sie des- halb um Annahme deS Antrages SS. Eichhorn-Dresden: Entgegen dem Wunsche Bebels ersuche ich um Annahme des Antrages 34, und ihn nicht nur der Fraktion zur Berücksichtigung zu überweisen. Die Zustände in Sachsen sind geradezu skandalös. Die Rednertribüne deS sächsischen Landtags haben wir bald nicht mehr, außerdem nützt sie uns nicht. Die Korrektur mutz von außen konimen. Wir haben Prozesse wegen der Wahlflugblatt-Verbrcitung geführt, die unö 1200—1600 M. in einem einzigen Wahlkreis ge- fofiet haben. Vci Gelegenheit von Wahlprotesten ließe sich lvohl ei» Excinpcl durch Kassierung der Wahl statuieren. Die Wahlkassicriuig von Pirna hat� ganz ansgezeichnet gclvirkt. An Stelle der früheren Wahlinaßrcgeln hat jetzt eine für sächsische Verhältnisse ganz erstaunliche Toleranz geherrscht. Nebenher muß auch auf dein Gebiete des Groben Unfug-Paragrnphcn Rcinedur geschafft werden Was man bei uns in Sachsen als groben Unfug betrachtet, geht wirklich auf keine Kuhhaut.(Heiterkeit.) So wurde jemand wegen groben Unfugs bestraft, weil er bei einem Leichenbegängnis keinen Cylinderhut trug(Heiterkeit), ein anderer deshalb, weil er wegen schlimmer Füße„Bambuschen", grüne Filzschuhe, trug.(Heiterkeit.) Dabei wird in der Begründung dieser Urteile in der ungeniertesten Weise ausgesprochen, daß die Verurteilung deshalb erfolgt sei, weil cS sich um einen Socinldemokraten handelt. Material soll die Fraktion von uns so viel haben, daß sie darin ersäuft.(Heiterkeit.) Dr. Wintcr-Beuthcn: Entsprechend dem Autrage Bebels beantrage ich eine Zusammen fassung der Anträge 34 und 54 zu folgendem Beschlüsse:„Die Fraktion soll im Ncichstag die landesgesetzlichen und polizcibehvrdlichcn und der Rcichsgcsetzgebnng ividersprechcnden Beschränkungen dcr Zeituugs- Verbreitung und Flugblattvcrtcilung am Sonntag zur Sprache bringen. Auch aus Obcrschlcsicn läßt sich eine große Masse Material hierfür herbeischaffen. Nun kommt ja hierbei in der That die Laiidesgesctzgebung in Betracht. Aber die Fraktion hat es bisher ja riiuncr verstanden, was sie für nötig hielt, an der richtigen Stelle zur Sprache zu bringen. Groth vervollständigt die Begründung seines Antrages. Den Antrag bc treffend den Zeitinigsvertrieb bittet er, in der ursprünglichen Fassung nliznnehmeii. Die Beratung des PostzeitungS-Gesetzcs bietet eine vorziigliche Handhabe, hier spcciell einzugreifen. Die andere» Parteien haben zum Teil dasselbe Interesse wie wir an dieser Frage wenn das mecklenburgische Sonntagsgcsctz auch nur gegen Social dcmokratcn angewandt wird. Die Mecklenbnrger haben die Samm lung von Material bereits eingeleitet. Lcdcbonr: Wir alle sind samt und sonders damit einverstanden, daß die sächsische Praxis in Bezug auf die Fluglatt- Verteilung bckänipft werden muß. Entgegen Bebel ersuche ich Sie dringend, die An- träge anzunehmen, anstatt sie nur als schätzenswertes Material der Fraktion zu überweisen. Gebunden wird diese in keiner Weise, specielle Vorschriften machen ivir ihr in keiner Weise bezüglich des Weges, auf dem sie die Angelegenheit im Ncichstag zur Sprache bringen will. Lcbcr-Jcna bringt die sachsen-lveiniarischen Verhältnisse zur Sprache. Dort über- trifft der neueste Kurs sogar die sächsische Praxis, denn einfach alle»? wird verboten. Seit der Aera v. Wnrmb ist das, was früher nur im Nenstädter Bezirk Mode war, in der allcrschroffsten Weise auf das ganze Großherzogtum übertragen worden. Eine Versammlung in Wcnigcnjcna wurde verboten, ivcil der Referent und Korreferent wegen ihrer aufreizenden Rede hinlänglich bekannt seien, so daß die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört werden würde; überall bis auf wenige kleine Ortschaften kamen Verbote mit derselbe» merkwürdigen Begründung. Beschwerden wurden hernach obgeivicscn. trotzdem kein einziger Fall nachgewiesen werden konnte, in dem die öffentliche Nnhe und Ordnung gestört worden wäre. Ich habe an die Verwaltnngsdirektion geschrieben, die Arbeiter von Jena seien dazu viel zu geschult und vernünftig; aber dann kamen Anlvorten Ivie folgende: von einer Einivirknng auf die Gemeindevorstände könne um so weniger die Rede sein, als diese den einzelnen Fall besonders erwägen und nur nach pflichtmäßigeni Ermessen vorgehen. Ilebrigcns erscheine es durchaus nicht aiiSge- schloffen, daß Themata, Ivie das in Frage stehende, aufreizend wirke» und so die öffentliche Ordnung gefährden könnten. In Sachsen-Wcimar kann eben jeder Dorfbürgcrmeistcr unbeschränkt durch ein Vereinsgesetz nach Belieben eine Versammlung verbieten— ein schlagendes Beispiel für die Notwendigkeit eines Ncichs-Vcreins- gesetzes. Baudert- Apolda: In iinserein»Raubstaate", wie einmal ein konservativer Führer die kleinen thüringischen Länder genannt hat, ist uns das vcrfasinngs- mäßig gewährleistete Vereins- und Versammlungsrecht durch einen ein fachen Federstrich, durch eine Verfügung des Ministeriums gcnonnne» worden. Schon vor vier Jahren hat der Minister erklärt, daß zwar ein absolutes Versaninstungsverbot nicht besteht, daß aber alle Behörden streng angewiesen sind, für die Sicherheit Sorge zu tragen. Nun sind in der letzten Zeit alle unsere Bersammlungen einfach mit dem Hinweis anf die aufreizende Sprechweise des Redners verboten worden. Zu wnndcrn brauchen ivir uns darüber nicht, wenn wir bedenken. daß der Großherzog, als ihm der Ausfall der Wahlen nntgeteilt wurde, gesagt haben soll: Das habe ich und mein Haus nicht verdient. Es ist Gefahr vorhanden, daß das System auch in den übrigen„Ranbstaaten" nachgeahmt wird. Ilm so mehr ist es unsere Pflicht, im Reichstage die Sache zur Sprache zu bringen. Nehmen Sie deshalb den betreffenden Antrag an und liefern Sie der Fraktion Material! Hiermit schließt die Debatte. Das Schlußwort erhält Hoch: Die Ncichstags-Koinniissto», die die Novelle zur Gewerbe- Ordnung zu beraten halte, hat ihre Arbeiten nbgcfchlostcn. Ter schriftliche Bericht liegt jetzt vor. Damit hat die Aktion vorläufig ihr Ende gefunden. Erst nach den Ferien wird der Reichstag in die zlveite Beratung der Novelle eintreten. Diese Gelegenheit (Ledebonr: Pirna ist ctivas Neues!) Gewiß es soll auch immer von neuem angebohrt tverden, aber haben Sie doch das Zutrauen, daß das geschieht. Eine Maßregel vorzuschlagen, die niit dem Groben-Unfng- Paragraphen gründlich aufräumt, ist sehr schwer. Nach längeren Beratungen haben ivir einen Antrag formuliert, Ivir haben sogar schon den Redner bestimmt. Also Sie sehen, wir wenden diesen Fragen schon von selbst unser Augenmerk zu, und darum ersuche ich Sie, alle Anträge, die Sic nicht verwerfen oder für überflüssig halten, der Neichstags-Fraktiou zur Berücksichtigung zu überweisen. lieber die Thätigkcit der Fraktion in der verflossenen Session herrscht mir eine Meinung. Wir haben das nicht anders erwartet. Aber es ist doch wertvoll, daß es sich heute wieder gezeigt hat, wie einig, wie geschlossen die Gesamtpartei bezüglich der praktischen Arbeit dasteht. Von gegnerischer Seite ist betont worden, wenn in einer Partei so schwer- wiegende theoretische Meinungsverschiedenheiten vorhanden sind, kann es unmöglich ohne Einfluß anf das praktische Handeln sein, da muß sich die Partei endlich spalten in eine, die inehr, und eine, die weniger Kompromisse macht. Da Null ich denn zum Schluß feststellen, daß die Hoffnung der Gegner eine irrige ist und daß auch ans diesem Parteitage sich gezeigt hat, daß da, wo es gilt, praktisch zu handeln und zum Wöhle der Arbeiterklasse einzutreten, wir einig und geschlossen dastehen.(Beifall.) Es wird nunniohr zur Abstimmung geschritten. Zunächst tvird der Antrag Winter angenommen, womit die Anträge 34 und 54 ihre Erledigung gefunden haben. Antrag 33 wird abgelehnt. Vom Antrag 37 werden die Punkte a, b uiid d angenommen, Punkt i wird abgelehnt, der Zusatzantrag Baudert zu Nr. 37 wird angeilommen, ebenso Antrag 59. Damit ist Punkt IV der Tagesordnung erledigt. Vors. B I u m e konstatiert ini Namen des Bureaus, daß gegen die bisherige Thätigkcit der Parteileitung kein Einwand er- hoben ist. Auf Vorschlag des Bureaus wird Punkt V der Tagesordnung zurückgestellt und zunächst Punkt VIII Maifeier beraten. in der gegnerischen Presse verhöhnt, weil wir für die AuS» gesperrten Dänen und die engl! s ch e n M a s ch i n e n- b a u e r mehr Geld gegeben habe», als die übrigen Nationen. Und mehr als jene uns. Wenn wir geben, so verlangen wir keine Gegengabe. Wir erfüllen nur unsere Pflicht und hoffen, daß die Genossen der übrigen Länder in der Bethätigung der Int er- Nationalität uns nacheifern. In der Bethätigung dieser Jntcr- Nationalität wird die deutsche Socialdcmokratie den nächsten inter- nationaleii Kongreß möglichst zahlreich beschicken. Ich hoffe, daß die Resolution cinstiminig angenommen wird.(Lebhafter Beifall.) Ohne Debatte wird die Resolution ein st im m ig an- genommen. Lipinöki- Leipzig erstattet den Bericht der Maudatpriifnngs-Koiliinissiott. Es sind 230 Mandate eingereicht worden, durch die 197 Delc- gierte auf den Parteitag entsandt worden sind. Kein Mandat ist beanstandet worden. Außer den Delegierten sind anwesend 25 Reichstags-Abgeordnete ohne Delcgiertcnmandat, 5 Mitglieder des Parteivorstandes, 3 Controlcure, Berard aus Hamburg für Vcr- lag und Druckerei Auer u. Co., außerdem 7 auswärtige Gäste. Dem Antrag der Mandatprüfungs-Koinmission entsprechend werden sämtliche Mandate für gültig erklärt. Genosse Blume, der während des zweiten Teils der Nachmit- tagssitzung den Vorsitz führte, verliest hierauf die eingegangenen Begrüßniigsschrciben und schließt die Sitzung um 6 Uhr. hätte die Gewerkschaftsbewegung benutzen sollen, um mit cnt sprechenden Anträgen au den Reichstag heranzutreten. Tie Schneider, die Cigarrenarbciter hätten ihre Wünsche in präciscr Form vorlegen sollen. Eine treffliche Zusammenstellung ihrer Forderungen haben aber nur die Schreiber bei Rechtsanwälten geliefert. Wie nötig derartige Aktionen der Gewerkschaften waren, zeigen die Vorgänge bezüglich des Bauarbciterschutzcs. Diese Arbeiter waren unermüdlich auf dem Posten, um Material zusammenzutragen. Und ihre Thätigkcit ist nicht ohne Erfolg geblieben. Wenn auch noch lange nicht alles erreicht ist, so ist der Stein doch im Rollen. Es war bezeichnend, daß ein Genosse sagte: Material haben wir geling, die Fraktion soll sich nur melden. Eine ganze Reihe von Leuten, die verpflichtet wären, an uns heranzutreten, warten, bis sie gefragt werden. Zu den Anträgen selbst habe ich dem, was Bebel gesagt hat, nichts hinzuzufügen. Ich warne Sie dringend vor Annahme des Antrages 37 bezüglich der Jmpsfrage. Auf dem vorigen Partei- tage haben zwei Acrzte, die doch als Fachleute die Sache am besten beurteilen können, sich bckänipft. Diese Frage wollen wir den Fachleuten überlassen. Diese absolute unfertige Sache, die mit nnseren Parteiprincipien gar nichts zu thun hat, können wir von Partei wegen nicht anfnehmen. Wenn Sie der Fraktion die Anträge zur Berücksichtigung überweisen, dann wandern sie nicht alö schätzenswertes Material, wie Ledebonr meinte, in den Papierkorb. Aber die Form, in der wir eine Sache zur Sprache zu bringen haben, können wir nicht ohne weiteres beftimnien, wir sind an die parlamentarischen Fonnen gebunden; will Ledebonr uns aber freie Hand lassen, dann ist es nur ein Streit suni Worte. Aber die Anträge üben doch einen gewissen Zwang auch be- züglich der Form aus; es wird ausdrücklich eine Inter- pcllation verlangt. Die Däueninterpellation mußte ohne Anwesenheit der Miliistcr verhandelt werden. Es ist etwas ganz anderes, wenn man die Herren vor sich hat, wenn man mit ihnen abrechnen will; wie stand bei der Löbtauer Verhandlung der Vertreter der sächsischen Regierung dal Also wenn Sie uiis freie Hand lassen wollen, dann thun Sie es doch. Sie können der Fraktion in dieser Beziehimg um so mehr Vertrauen schenken, als sie bereits in der letzten Session die Frage der Flugblattvertcilnng in Sachsen ange- schnitten hat, durch Genosfen Gradnancr. s früher auch durch Stolle ( P r i v a k d e p e s ch c ii des„Vorwärts." ' Berichterstatter Psauiikiich; Die Zeit des Parteitages brauche ich mit der Unterbreitung einer Resolution die Maifeier betreffend nur kurz in Anspruch zu nehinc» Anträge dazu liegen nicht vor. Die Partei ist mit der Art und Weise, wie die Maifeier seit dem Parteitag in Gotha gehalten worden ist, einverstanden. Die Nesoliition, die ich beantrage. lautet: „In llebercinstiimnung mit den Beschlüssen dcS internationalen Arbciterkongrcsscs zu Paris 1889, Brüssel 1891, Zürich 1893 und tondon 1893 feiert die deutsche Socialdcmokratie den 1. Mai als das Weihefcst der Arbeit, gcividmct den Klassenforderungen de Proletariats, der Verbrüderung und dem Weltfrieden. Als die würdigste Feier dcS 1. Mai betrachtet die.Partei die allgemeine Arbeitsruhe. Der Parteitag innckN es daher den Arbeitern und Arbeiterorganisationen zu Pflicht, neben den anderen Knndgebmigeii 'ür die allgemeine Arbeitsnihe am 1. Mai einzutreten und überall da, wo die Möglichkeit zur ArbcitSrnhc vorhanden ist, die Arbeit am 1. Mai ruhen zu lassen." Die Arbcilsrnhc am 1. Mai hat sich iinincr mehr eingelebt, sie tvird inimcr mehr iniicgchaltcn werden, bis wir das Ziel, das tvir mit der Manifestation einer Maifeier erstreben, erreicht haben werden.(Beifall.) Die Resolution wird einstimmig a n g c n o m in e it. Liebknecht hält hierauf das Referat über den nächsten internatioiialeii Kon- grcst. Die von ihm vorgeschlagene Resolntion lautet: „Der Parteitag beschließt, die deulschcn Genossen zur Be kundnng deS internationalen Solidaritätsgefühls, zu möglichst zahl eichcr Beschickung dcS uiternationalcii Arbcitcrkongresscs aufzufordern, der im Herbst des nächsten Jahres(1930) zu Paris sich versammeln wird." Liebknecht führt auS: Genossen und Genossinnen, Sie werden sich crinncni, daß auf dein letzten Internatioiialeii Kongreß in London 1893 der Beschluß gefaßt wurde, daß nach 3 Jahren, also 1899, die deutsche Socialdemokralic. wenn irgend möglich, den Inter- nationalen Kongreß in Teutschland orgnnisicrcn möge. Wenn es aber nicht möglich sei, sollte sie an die sränzösischc dies Ehrenamt abgeben und der Kongreß 1933 in Paris stattfinden. Wie Sic wissen, sind wir in Dcutschlaiib infolge unserer politischen Verhält- nisse nicht in der Lage gewesen, den ausländischen Gästen ein sicheres Asyl und die für einen internationalen Kongreß notwendige Freiheit der Debatte zu gewähren, Wir waren also genötigt, an die sraiizösischen Gcnoffcn das Ehrenamt abzugeben. Diese haben es nbcrnonimcn und im Dtai d. Js. fand eine internationale vor- bereitende Konferenz in Brüssel statt, zu der seitens der deutschen Socialdcmokratie Singer und ich. seitens der östreichischen Adler, der französischen Vaillaut und andere delegiert waren. Die inter- nationale Socialdemokratic war dort ziemlich vollständig vertreten. Von französischer Seite wurde der Wunsch ausgesprochen, mau möge zwei Kongresse abhalten; ein gewerkschaftlicher Kongreß sollte vollständig vom eigentlichen Kongreß getrennt sein. Wir erklärten, daß wir es nicht dulden könnten, daß die gewerkschaftliche Bewegung von der politischen losgelöst würde, und wir wurden darin uiitev- stützt, namentlich von den Oestreichern. Schließlich wurde auch seitens der französischen Genossen unser Standpunkt geteilt. Nun war in Frankreich der Horizont eine Zeit lang verdüstert. Infolge von inneren Vcrwicklnugcn. über die ich mich hier nicht ans- lassen kann, trat Millcrand in daS gegenwärtige Mniisteriuni ein, und dieses Ereignis, das eine vollständige Veränderung der Taktik bedeutete, gab Anlaß zu einer Spaltung innerhalb der französischen Socialdemokratic, einer Spaltung, die für den Augenblick wirklich von Dauer sein zu wollen schien. Das Komitee et enteuto, das Versiändignngs- Komitee, in dem zu gleichen Teilen Vertreter sämtlicher französischer Parteifraktioncn saßen, war infolge der Spaltung auch aiiseinandergesprengt und einen Augenblick schien es wirklich, als ob die Abhaltung eines interuationnlcn Kongresses in Paris unmöglich sein würde. Aber das Bedürfnis der gegenseitigen Annäherung ist in der Masse der französischen Genossen so groß, daß das Verständigungs-Komitce sich über die Vorschläge einigte, die in Brüssel für den internationalen Kongreß ausgearbeitet sind. Die Vertreter des VerständigungS- Komitees sind zu dem Beschluß gelangt, die von uns vorgeschlagene Tagesordnung unverändert anzunehmcii und es ist uns von allen Seiten versichert worden, daß dieser internatinnale Kongreß von den bisher noch streitenden Parteien in gleicher Weise begünstigt wird. Der Kongreß wird berufen werden auf den Herbst nächsten Jahres. Die Franzosen sind bis jetzt noch nicht in der Lage. den Zeitpunkt genau anzugeben, er wird rechtzeitig bekannt gemacht werden. Der Kongreß bildet lediglich die Fortsetzung der alten internationalen Kongresse, anf welchen alle Arbeiter- organisätionen vertreten sein können. Es ist bestimmt zu erwarten, daß die jetzt noch unter den französischen Genossen be« stehenden Streitigkeiten ausgeglichen werden, ihr E i n i g u n g s- o n g r e ß wird vermutlich noch in diesem November stattfinden. Aber selbst für den Fall, daß dieser Kongreß weiter hinausgeschoben wird, ist doch der Drang nach Einigung unter den französischen Genossen so groß, daß ivir mit vollkommener Sicherheit erwarten können, daß es anf dem internationalen Kongreß nicht zu Zänkereien oder stürmischen Debatten kommt, die der Socialdcmokratie nur zur Unehre gereichen und den Gegnern Stoff zu Spott bieten. Ich habe nicht nötig, Ihnen die Resolntion zur Annahme zu empfehlen. Die deutsche' Socialdemokratic steht ja in Bezug auf Bethätigung des JnternationaliSinns als Muster da. Man hat uns GvtvevKfikzafilidies. Berlin und lliiigcgend. Achtung, Metallarbeiter? Bis jetzt haben 32 Betriebe die aufgestellten Fordernngen bewilligt. In 23 Betrieben befinden sich die Kollegen im Ausstand. Die Unternehmer suchen Ersatzkräfte von außerhalb hcrnnznziehcn, vornehmlich aus Wien, Dresden und Leipzig, worauf die dortigen Kollegen anfmcrksam gemacht werden. Im übrigen wird versucht, die nötigsten Arbeiten in anderen Betrieben anfertigen zu lassen, wie folgendes Inserat anS dem „Lokal-Anzcigcr" beweist: Metallarbciten für Drehereien, Giirtlercien. Drückercien werden zu lohnenden Preisen vergeben. Aktiengesellschaft Bntzkc, Ritterstr. 12. Hierdurch find bereits in zwei Gießereien die Former in den Ausstand getrieben worden. Da die Gießereibcsitzer in auffällig provokatorischer Weise den Formern und Gießerei-Arbeitern die An- fcrtigung von Streiiarbeit anbieten, unter ausdrücklicher Betonung, daß die Arbeit für gesperrte Firmen zu liefern ist, so gehen wir wohl nicht fehl in der Annnhmc, daß die Uiiternehmer durch die Streikarbcit den Ausstand anf sämtliche Gießereien auszudehnen trachten. Der Stand des Streiks ist unverändert günstig. Hierbei wollen wir feststellen, daß die Behauptung der„Deulschcn Warte" vom 3. Oktober, wonach die Streikenden dir Firma Schulze Ver- niitteluligSvcrsuche durch den Polizeilientenaut dcS Reviers hätten machen lassen unter Preisgabe des Ncunstundeiitages, völlig aus de» Fingern gesogen ist. Das Gegenteil ist der Fall. Die Streikenden werden nicht früher die Arbeit aufnehmen, bevor eine Ver- ständiguug über die Einführung der ueunstündigen Arbeitszeit herbei- geführt ist. In nachstchcnden Betrieben befinden sich sämtliche Metallarbeiter im Ausstand: F. F. A. Schulze; G e r e ck e; A k t.- G e s. B u tz k e; Spinn u. Sohn. Akt.-Ges.; Ende u. Devos; S. Lövy; Speck; Brot recht; Teichelm ann; Frister. Oberschöneweidc.— Nur Former und Gicßerci-Arbeitcr streiken bei: Beruh. Joseph; A k t.- G e s. vormals G l a d e n b e ck in Fricdrichshagen; E i t n c r; M u s k u l u s; S, p e y r e r u. C i e.; S ch w i d l i n s k i; I. Hand; Schiller; Nürnberg; K r a m in c; S ch ä f f e r u. Walker; H e i n tz e, Wasserthorstraße R ü t t c r. Zuzug von Formern, Klempnern, Gürtlern, Drückern, Drehern, chlosscrn, Schteifern, Ciscleuren und sonstigen Metallarbeitern ist fernzuhalten. Zugleich weisen wir darauf hin, daß Sammellisten und Marken zum llntcrstiitzungsfonds bei den bekannten Vertrauensleuten und Kassierern zu haben sind. Die OrtSvcr waltung deS Deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Otto Rüther, 8., Aunenstr. 39. 44 44 In der Versammlnug der Metallarbeiter, die am Montagabend in den„Arminhallen" tagte, wurde mitgeteilt, daß Streik- brecher ans den Reihen der Ausständigen gar nicht zu verzeichnen seien. Von 23 Betrieben befinden sich die Arbeiter, teilweise nur die Former, zumeist aber sämtliche Metall- arbeiter im Ausstand. Darunter sind drei Betriebe zu verzeichnen, in welchen die Arbeiter Streikarbcit anfertigen sollten, und weil sie dies nicht wollten, zum Ausstand gedrängt wurden. In einigen Fällen haben die IliNernchmcr die Streikarbeit wieder fortgeschickt, nachdem die Arbeiter die Anfertigung derselben verweigerten; in ver- 'chicdenen Betrieben aber gehen die Ilntcniehmer geradezu provo- katarisch vor und es hat den Anschein, als sollten die gesamten Former um Ausstande gezwungen werden. Die Firma Butzke versucht eben- falls ihre Arbeit in anderen Werkftälten feriig stellen zu lassen. Bei einigen Firmen dürften die noch arbeitenden Gürtler, Dreher, Drücker usw. durch den Streik der Former und zwar wegen Mangels an Material in Mitleidenschaft gezogen und zur Arbeitseinstellung veranlaßt werden. Im allge- meinen wird die Bewegung gegenwärtig ihren Höhepunkt er- eicht haben, wenn nicht noch besondere ilmstände etwa eintreten. Von besonderer Bedeutung ist diese Bewegung auch deshalb, weil 'ich diesmal mehr wie soiist die großen Betriebe beteiligt haben. Von dem Verband der Graveure, Ciselcnre?c. geht uns nachstehende Berichtigung zu: In dem in Nr. 235 des„Vorwärts" enthaltenen Bericht über die N c u n st u n d e n b e w e g u n g der Graveure k. haben sich etliche Irrtümer eingeschlichen, welche in 'olgendem berichtigt seien: Es ist bei Erwähnung der Firma A r n d t u. Marcus nicht diese, sondern die Firma A r n d am Tcmpelhofer Ufer gemeint. Bei Engel u. Heegeivaldt wird nicht 9 Stunden, sondern thatsächlich 9 Stunden 13 Minuten gc- arbeitet. Somit bezog sich die Bewilligung nur auf die Firma Arnd. Auch sind die Kollegen bei Levi und bei Brotrecht bereits am Montag in den Streik eingetreten. Von den beiden genannten Firmen(Arndt u. Marcus und Engel Heegewaldt)' gingen uns ebenfalls Richtigstellungen z», die im wesentlichen dasselbe berichtigen. Die erstere bekundet außerdem noch, daß bei ihr bereits seit dein 29. April 1893 die neunstündige Ar- beitSzeit besteht. Der betreffende Bericht ist uns von feiten der Arbciterorgaiii- sation zugestellt, die Redaktion trägt an den Irrtümern also keine Schuld._ Urhke Mschvichken und Dop eschen. Wien, 9. Oktober. Das„Frcmdenblatt" erfährt, daß dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses v. Fuchs das kaiserliche Dekret bezüglich der Schlirstiiug der Session des Reichsrats zuging. Warschau, 9. Oktober.(W. T. B.) Auf�»er Station Rnda der Warschau-Wiener Eisenbahn ist ein Personenzug mit einer rangierenden Lokomotive zusaininengestoßen. Beide Lokomotiven und mehrere Wassgons wurden zertrümmert; fünf Personen wurden 'chwer, zahlreiche leicht verletzt. Moskau, 9. Oktober.(W. T. B.) In der vergangenen Nacht richtete ein Sturm auf der Nicolaibahn große Verheerungen au. Etwa 133 Telephon- und Telegraphenstangen wurden umgeworfen. zeitweise ninßte der Verkehr unterbrochen werden. Stellenweise er- -olgte starker Schneefall, welcher den Boden bis zu einem Arschin mit Schnee bedeckt, New Bork, 9, Oktober.(W. T. B.) In Kehwest sind gestern 24 nciie Erkrankungen und 3 Todesfälle am gelben Fieber vor- gekommen. Verantwortlicher Rcdactcur: Heinrich Wetzker in Groh-Lichterseloe. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag vonMax Badiug in Berlin. Hierzu 3 Beilagen und lluterhaltungsblatt. ilr. 237, 16. IahtMg. Ditiisias, 10. Gklsber 1899. pavtcifcia der deutsche» Socialdcmokratie. Hannover, den 8. Oktober. Die Begrüsjungöseier. Die hannoverschen Arbeiter hatten es sich nicht nehmen lassen, ihren Gästen, den Delegierten des Parteitags, ein prächtiges Fest zur Skgrüszung zn geben. Zwei der größten Säle der Stadt, die mit einander in nnnnttclbarer Verbindung stehen, der„Palniengarten" und das„Konzcrthans", standen hierzu zur Verfügung. Die gewaltige» Säle und Hallen, die gut zehntausend Personen fassen, erlviesen sich als viel zn klein. Schon um vier Uhr, Ivo die Feier ihren Ansang nahm, ivar kaum noch ein unbesetzter Platz zn finden. Iinmer neue Massen aber schoben sich hinein, aus dem ganzen Fabrikdistrikt Hannovers waren die Arbeiter mit ihren Familien erschienen, um au diesem Ehrentage ihrer Partei-Orgauisaiion.nicht zu fehlen. Trotz der Fülle herrschte in den mit Fahnen, Bannern und Wimpeln reich geschmückten Halle» eine musterhafte Ordnung. Tie hannoversche Polizei hielt sich sehr zurück, lim so besser stimmte alles zu- sammcn. Eine Anzahl Musikpieccn eröffneten die Feier. Gegen 6 Uhr betrat der langjährige RcichStngs-Abgcordnete der Stadt, Genosse Meister die Rednertribüne. Meister: Genossen und Genossinnen! Das Lokalkomitce hat mich beauf- tragt, Jhncn den herzlichsten Willkommensgruß zn bieten. zugleich mir dem Ausdruck unserer Hoffnungen lind Wünsche siir diesen Parteitag. Wir könne» Ihnen nicht das bieten, was Sie andern Orts gefunden haben, aber seien Sie überzeugt, es liegt das nicht an unsercni gute» Willen. Wir wissen die hohe Ehre sehr wohl zn schätzen, daß dieser Parteitag in unseren Mauern stattfindet. Wir wissen, daß er eine ganz besondere Bedcntnng siir sich in Anspruch nchincu darf. Feiern wir doch diesmal gerade ein Jubiläum; ist cS doch jdtzt zehn Jahre her, seit wir durch Fall des Socialisteu- ge setz es nicht mehr gezwungen sind, die Gastfreundschaft anderer Nationen für unsere Parteitage in Anspruch zn nehmen. Aber noch lvcit nichri» anderer Beziehung liegt dem gegenwärtigen Parteitag eine ganz besondere Bedeutung bei, ja wir dürfen es aussprechen, der Parteitag in Hannover wird ein Markstein sein in der Geschichte der deutschen Socialdcmokratie. sZustimnmng.) Wir sind es ja gewöhnt, alljährlich von nnsern Gegnern die Erwartung aussprechen zu hören, min endlich werden wir uns entzweien, auseinandergehen, und mehr denn jemals knüpft sich solche Hoffnung unserer Gegner au den diesjährigen Parteitag. Wir lächeln über diesen ll n- v e r st and unserer Gegner. Wir wissen, daß, wie die Belvegung nicht von Einzelnen gemacht worden ist, sie auch von Einzelnen � nicht zerrüttet und zerstückelt werden kann. Aber auch in unfern Reihen sind vielleicht einige, die besorgt sein mögen, daß das, was vorgegangen ist, zu einer Zerreißung der Partei führen könnte. Nun, wenn unsere Arbeiten zn Ende sind, werden sie sehen, daß wir es verstanden haben, für unsere Ansichten zn kämpfen, wenn es sein niuß, mit den schärfsten Waffen, aber dennoch die Einigkeit aufrechtzuerhalten. Wir sind es ja gewöhnt, daß die Meinungen anfeinaudcrplatzcn, aber nie- mnls haben die Meinungsverschiedenheiten dazu geführt, daß einer, der seine Meinung vertreten hat, in unsere» Reihen keinen Platz hatte. Wenn ans etivas, so können wir darauf stolz sein, daß die Grundlage unserer Arbeit stets die denkbar größte M c i- n n n g s f r e i h c i t gewesen ist. Wenn es bei unseren Gegnern anders ist, so liegt das im Wesen ihrer Parteien, an den Grund- sätzcn, die sie vertreten. Aber wir haben keine Dogmen, werden niemals Dogmen haben, und daher ist es ganz selbstverständlich. daß auf Miseren Parteitagen die größte Duldsamkeit zum Ausdruck gelangt. Sind wir doch überzeugt, daß kein Genosse der Meinung ist, daß wegen verschiedener Ansichten Feindschaft unter uns aufkommen darf! Wir haben von jeher dem Grundsatz Rechnung getragen, daß nur allein die größte Freiheit im Denken es möglich macht, das Ziel zu erreichen', das uns stets vor Augen geschwebt hat. Wenn also die Gegner hoffen, daß es in Hannover z'n einer Zersplitterung kommen wird, so werden sie bald einsehen, wie eitel eine solche Hoffnung ist. Wohl werden die Meninngen scharf auf einander- platzen, aber am Schlüsse des Parteitages>v e r d e n wir gefestigter und geeiniqter da st ehe» alsjemalö. (Beifall.) Wir in Hannover wissen sehr wohl, daß wir in der Partei- gcschichte nur ein ganz kleines winziges Blättchcn cinnchmcn. Aber immerhin haben auch wir uns stets bemüht. das zu leiste», was von uns verlangt werden konnte. Wir haben niemals ans dem Standpunkt gestanden, daß unsere großen Toten uns Dogmen hinterlassen Haben, denen wir blindlzngS zn gehorchen hätten. Wir dürfen keine Dogmen bei uns auskommen lassen; Disciplin aber und Solidarität, das waren die G r u n d s ä n l e n in unserer Partei, und sie werden es auch feiner sein,(Beifall.) Wenn es etwas gicbt, auf das wir stolz sind, so ist cS die Thatsnchc, daß Zeiten der Uneinigkeit, Zeiten, in denen sich die Genoffen wie feindliche Brüder gcgeiinberstanden, heute nn« möglich sind. Mögen es sich unsere Gegner gesagt sein lassen, daß jene Zeiten, da wir auf verschiedenen Wegen wandelten, für die Arbeiterschaft nicht bloß Deutschlands, sondern aller civilisicrten Nationen eine Schule gewesen sind. F ü r u n S i ii Hannover kann es kein erhebenderes Gefühl, keine freudigere Erinncrnng geben, als daß wir auf Anregung imsercs leider verstorbenen Karl Tölcke die Initiative zur Einigung ergriffen haben. Wir haben das, was die leitenden Personen nicht fertig brachten, zu stände gebracht, indem wir von »nteii herauf einfach die Einigkeit dekretierten: Das ist es, ivaS uns als Verdienst anzurechnen ist, und wir freuen uns dieser That als einer rühmlichen nn Interesse der Allgemeinheit. Genossinnen und Genossen! Wir sind überzeugt, daß Sie alle von dem besten Eifer beseelt sind, Klarheit zn schaffen über die Wege, die eingeschlagen werde» müssen, damit die Partei gestärkter und gc- kräftigter ins neue Jahr tritt. Wir müßten ja eitle Thoren sein, wollten wir die �leschäftc unserer Gegner besorgen. In einer Zeit, wo der Zuchthanöknrs uns vor Augen schwebt, wo unsere Gegner alle Mittel in Bewegung setzen, nnscrc Einigkeit zn stören, wo alle dem Kapital zur Verfügung stehende Mittel angewandt werden, um uns zu zersplittern, da sollten wir wegen einzelner Meiiinngsvcrschiedcnheitcn eine Zersplitterung Platz greifen lassen? (Bravo!) Nein, die Arbeiterschaft von Hannover und Linden hegt das Vertrauen zn Ihnen, daß Sie die Erwartungen, die das Prole- tatriat Europas hegt, erfüllen werden, und daß jeder einzelne sein gut Teil dazu beitragen wird. Mögen auch die Meinungen zeistveife aufeinander platzen, am Schlnssc unserer Verhandlungen wird aller- orts wieder Friede und Eintracht herrschen! Mag die Taktik so oder so sei», unsereJdeale sind und bleiben dieselben, sie müssen dieselben bleiben, denn sonst würden wir nicht sein, was wir sind und was wir sein wollen als socialdemokratische Partei. Ja, wir sind heute mehr als je überzeugt, daß sich hier keine unliebsamen Schauspiele ab- spielen werden und daß in der Gcschichte der Socialdemolratie der Parteitag in Hannover einen ehrenvollen Platz erhalten wird. Nehmen Sic deshalb nochmals Misere herzlichsten Willkonnncnsgrüße entgegen! Ich glaube, das, was uns beseelt, nicht besser zum Aus- dnick bringen zn köiiiicn, als daß ich Sie aussordcre. mit mir ein- zustimmen in ein Hoch ans die internationale Socialdemolratie, (Die Anwesenden stimmen begeistert in das dreimalige Hoch ein und spenden dem Redner lebhaften Beifall.) Nimmchr ergriff namens der Dclegirten daS Wort Genosse Frohiuc: Verehrte Festgenossen! Gestatten Sie mir, im Namen der Teil- nehmer am Parteitag den herzlichsten Dank abzustatten für den freundlichen. Überaus erhebenden Empfang, den Sie uns bereitet haben. Die Worte Meisters werden cincn starken Widerhall bei Ihnen gesunden haben. Auch ich bin überzeugt, daß dieser Partei- tag in der Geschichte der Socialdemokratie eine ganz besondere Bc- deutung hat. Hier sind so viele alte Freunde, mit denen wir gemeinsam vor mehr denn SO Jahren den Kampf bc- gmiucn: was waren wir damals? eine kleine, laum be- achtete, verhöhnte, verlachte Schar. Ich lvciß mich noch recht gut zu entsiilnen, Ivie man es iu jener Zeit nicht wagen durfte, ernsthaft von einer socialen Frage, von der Notweüdigkcit socialer Reformen zu sprechen, ohne den Spott der Gegner heraus- zllfordern. Man vermeinte damals, diese jetzt so gewaltige Kultur- belvegung werde gar bald im Sande verlaufen, man hatte damals nicht gerechnet mit der ciitivicklnngsgcsetzlichcn Notwendigkeit, ivoranf wir nnS mit allen unseren Priiieipieii, mit allen unseren Bestrebungen. mit nnscrcr ganzen Taktik stützen, lind heute ist die Socialdcmokratie die maßgebende Partei im Deutschen Reich geworden, maßgebend in dem Sinne, daß jede große politische, sociale, Wirt- s ch a f t l i ch e Bewegung ans sie Rücksicht n e h m e n muß Tie Partcigenossenschaft Hannovers hat von Anfang an ihr gutes Teil redlich dazu beigetragen, daß die Partei werden konnte, was sie geworden ist. In vieler Hinsicht steht diese Parteigenossen- schaft mustergültig da, besonders Ivo die Einheit, das solidarische Handeln der Partei in Frage gekommen ist; inmur hat sie es ver- standen, im Geiste der Solidarität sich mit solchen Fragen abzufinden, Wenn die Arbeiten des Parteitages in diesem Sinne verlaufen, dann wird er mit hoher Befriedigung auseinander gehen können. Genossen und Genossinnen, wir sind uns der großen Bcrant- wortltchkeit, die wir tragen vor der Mit- und Nachweit, bewußt. Der Socialdcmokiat, der den historischen Beruf des Socialismns zn würdigen weiß, der wird sein Geivissen zit Rate ziehen bei allein. was er thnl und unterläßt. Es giebt keine Partei, die in größerer Gewissciihaftigkeit ihre Entschließungen faßt, als die Socialdemo- kratie, Feder miscrer Parteitage hat sich mehr oder weniger mit der Frage zn bcsckiäftigen gehabt, wie wir die Wege bahnen zn den großen Zielen, Niemals ist es in der Socialdcmokratie üblich ge- wescii, sich Phantasien hinzngebcn; nein, wir haben aus der Vergangenheit gelernt, die Gegenwart zu beurteilen und anS der Gegenwart zn schließen auf die Zukunft. Genosic Meister hat mit Recht darauf hingewiesen, daß die Socialdcmokratie nicht auf Dogmen eingeschivören ist. Unsere Principien sind durch die Erkenntnis gegeben, daß daS, was ist, n» g c h c u e r e M ä»gel hat und daß die ganze seitherige gc- schiciitlichc und Kiiltureniwickliing eigentlich gar keinen Sinn haben würden, wenn wir mit unseren gegenwärtigen socialen, � politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen bereits am Ende der Entwicklung angelangt wären. Nein, Genossen, jetzt tritt die Knltnrmcnschheit erst recht ein in die große Belvegung, die sie der Vervollkommnung eutgegeiisührt, der Vcrvollkomiimnng nicht auf dem Boden der ivechselnden und wankenden erworbenen Rechte, sondern auf dem Boden der klar erkannten Gerechtigkeit, der socialen Gerechtigkeit, (Beifall,) Während Jahrtauscndcr hindurch war das arbeitende Volk gc- ächtet, nnterdrückt und in jeder Hinsicht geflissentlich benachteiligt, In ivelchem Zustande finden wir die Massen noch vor wenige» Jahrzehnte»? Gleichgültig gegen alle Ideale, gleichgültig gegen ihr eignes Interesse, selbstmörderisch wütend gegen sich selbst. Das ist anders geworden von dem Zeitpunkte an, wo Ferdinand L a s s a l l c die deutschen Arbeiter aufrief, ihre eigne Sache zu vertreten, wo er ihnen sagte, daß sie der Fels seien, ans dein die Kirche der Zukunft errichtet würde. Dies Wort enthält eine Wahrheit, nämlich die, daß ans dem geistigen Vermögen, ans dem sittlichen Vermögen der großen Masse des arbeitenden Volkes heraus die Kraft geschassen wurde, die da fähig ist. eine neue große K n l t n r i d e e. die Idee der gesellschaftliche» Uinwandlmig im Sinne deS Socialisinns zn tragen. Diese Idee hat sich fruchtbar erwiesen, entwicklungsfähig hat sich unsere Partei gezeigt bis zu dieser Stunde. Jeder unserer früheren Parteitage hat ja im Grunde genommen nichts anderem gedient als der Diskussion über die bestmöglichste Taktik, als der Anseiiiandersctznng über die Läntenmg unserer Principien. Wenn etwas läntermigssähig ist. dann ist es das Pnncip der Social- dcniokratie. Unter dieser Länternngsfähigkeit ist aber nicht etwa das Anfgeben der leitenden Grundsätze zn verstehen. Leitendes Princip ist für uns: die bestehende Gesellschaftsordnung mit ihrer Nn- gercchtigkcit imift überwunden werden, und eine»ene, bessere, gerechtere muff an ihre Stelle treten.(Bravo!) Die haben einen schwachen Glauben an ihre Sache, die da ver- meinen, wenn andere Meiiiintgcn. als die bisher gültige», auf- tauchen, dann laufe die Partei Gefahr auseinander getrieben zu werden.(Sehr richtig!) Wir, die wir täglich am Kampfe stehen, wissen, daß der Glaube Berge versetzt, der Glanve an die Gerechtigkeit miserer Sache; ivir wissen aber auch, daß wir nnS fortentwickeln müssen nach Maßgabe der thalsächlichen Verhältnisse, Wir kämpfen im Bunde mit der Macht' der Thatsachcn, daS ist das Geheimnis unserer Erfolge. Im Bunde mit dieser nn- widerstchlichen Macht schreiten wir fort. Dieser Macht der Thatsachen wird auch der Parteitag Rechnung tragen. und aiich die Theoretiker werden sich mit der Praxis versöhnen müssen,(Seht gut!) In diesem festen Vertrauen, in dieser schwellenden Zuversicht wollen wir morgen in miscre Arbeiten eintreten. Auch dieser Parteitag wird'sich würdig seinen Vorgängern anschließen, Den Theoretikern rufen wir zu: sinnt! müht Euch ab! untersucht! forscht! Wir aber wollen arbeiten, arbeiten, arbeiten zum Heile des ganzen Volkes, der ganzen Menschheit!(Stürmischer, langanhalten- der Beifall.) ** * Mit dieser Rede schloß der erste Teil der Vegrüßmigsfeier, Im weitem Verlaufe deS Abends sang der Nene hannoversche Männer- Gesangverein eine Reihe begeisternder Lieder. Manfred Wittich hatte einen formschönen Prolog gedichtet, den er selber unter großem Beifall vortrug. Die Arbdtcr-Tnriier Hannovers stellten prächtige Mnrmorgrnppen, und ein farbenfrohes„lebendes Bild": Die Vereinigung' der Arbeit niit Kunst und Wissenschaft lvcckt stürmischen Jubel. Erst in später Abendstimdc fand das schöne Fest seinen Abschluß. Erster Vcrhaudluugstag. Hannover, den 9. Oktober. Schon lange vor der festgesetzten EröffmingSstimde— nenn Uhr vormittags— ströme» die Delegierten, Gäste und Zuschauer in den mit Fahnen, Gnirlande», Wappenschildern, Devise» festlich ge- schmückten Saal. Zn Seiten der rot drapierten Bühne befinden sich ans roten Fahnen die Inschriften:„Proletarier aller Länder, ver- einigt Euch" und„Die'Arbeitcr sind der Fels, ans welchen die Kirche der Gegenwart gebaut werden soll". Die Wappen versiiiitbildlichen die 14 vishcrigen Parteitage: Gotha, Wyde», Kopenhagen. St. Gallen, Halle, Erfurt, Berlin, Köln, Frankfurt a. M,, Breslau, Gotha, Ham- bürg. Stuttgart und Hannover. Ans dem Ausland sind u. a, erschienen: Adler(Oestreich) und Vkiegen(Holland). Mänuergcsang leitet die Sitzung ein. Um 9 Uhr 20 Min. eröffnet Singer die Verhandlungen mit folgender Ansprache: Der Parteitag tritt zusammen ans parteihistorischem Boden. und wenn auch Meister gestern bescheiden genug gewesen ist, die Dienste, die die hannoverschen Parteigenossen der Partei stets geleistet haben. in den Hiiitergrnnd zu stellen, so wissen wir doch alle, IvaS die Genossen Hannovers ge ivescn sind. Die Tage des Svcialistengcsetzes, in denen sie treu. tapfer und selbstlos ausgeharrt haben, ste werden aus der Eriinlernng der Partei nicht ausgelöscht werden, Der diesmalige Parteitag, der zehnte seit dem Falle deS SocialistengesetzcS, tritt zusammen nn der Neige des Jahrhunderts, welches die ökonomische und politische Macht der Bourgeoisie zur Entfaltung gebracht hat, eines JahrhnndcrS, welches aber auch zugleich die Lebens-, Kampfes- und SicgeSbediiigiliigcn für ha- Proletariat, für die Klasse der zielbewußten Arbeiterschaft, geschaffen hat. eines Jahrhimders, dessen Nachfolger nach dem Ausspruch eines bürgerlichen Politikers, des Engländers Gladstone, dein Socialisinns gehören wird. Die Fragen, welche dieser Parteitag zur Entscheidimg zn bringen hat, sind wichtig, sie werden bedeutmigsvall für die Partei sein. Aber diese Fragen werden gelöst werden in dem Sinne, daß der Parteitag, treu seiner Vergangenheit, treu der soeialdcmokratischcn Ueberzeugnng, einzig und allein die Interessen der Arbeiterklasse sich zur Richtschnur nehmen wird. Die höchste Instanz der Partei, der Parteitag, wird die Marschroute abstecken siir die weitere Thätigkeit der Partei, Neben den durch die Geschäfte der Partei bedingten ÄerHandlmigeu wertem wir Fragen diskiitircn, die ja bereits feit längerer Zeit iii Versamin» limgeii und in der Presse zn Aenßeruiigeii geführt haben. Ich ivciß, daß die Partei in ihren Vertretern sich auch auf diesem Parteitag ihrer weltgeschichtlichen Mission bewußt bleiben wird, so daß wir weiter schreiten aus dem Vormarsch zn dem großen Ziel der Befreiung der Arbeiterklasse aus dem Doppcljoch der politffchtm Rechtlosigkeit und ökonomischen Unterdrückung, Der Parteitag wird sich der Höhe seiner Aufgaben, des Ernstes»er Situation, der Fülle seiner Verantivortlichkeit bewußt sein, er wird seine Entscheidungen so treffen, das wir ansein' midcrgchcn können mit dem Bewußtsein, daß dieser Parteitag anfs neue befestigt hat: das unverrückbare Streben nach dem großen Ziel, dem die Socialdemokratie sich zngcschwvren hat. In diesen» Sinne lassen Sic uns unsere Arbeiten beginnen, in voller Einigkeit unsere Aufgaben lösen. Auf diesen Saal sind die Blicke von Freintst und Feind gerichtet, die Blicke der Feinde in der Hoffnung, daß wir unsere Einigkeit preisgeben werden, die Blicke der Freunde aber in der absoluten Sicherheit, daß ans unseren Verhandlungen nichts weiter hervorgehen wird als eine weitere Kräftigung und Stärkung der Partei. In dicscin Sinuc zu arbeiten soll nnser Bestreben sein.(Lebhafter Beifall.) Indem ich nniimehr den Parteitag namens der Parteileitung für eröffnet erkläre, bitte ich«in Vorschläge zur Koustitilicrung deck Bureaus. Slus Vorschlag von Hoffinann- Bielefeld werden zn Vor» sitzenden des Parteitages Singer-Bcrlin und Blume-Hainburg gewählt. Zu Schriftführern werden bestimmt: Müller- Dannsiadt. Sydow-Frankfnrt a. M. Schütz- Breslau. Fischcr-Dresdcn, Lesche» Altona, Müllcr-Äochinn, Kiiappe-Stcttiii. Bvhlc-Straßburg und Fra« Zictz-Hmnbnrg. Ferner wird eine Mandats- PrüftmgSkommission eingesetzt. zn der folgende Genossen vorgeschlagen werden: Brnhne- Frantftut a, M„ Eichhorn- Dresden, Segitz- Nürnberg. Tauscher• Stuttgart, Stolpe- Grüliberg, Stubbe- Hamburg, Kahl» Duisburg, Lipinski-Leipzig und Leid-Verlin. Körnen- Hamburg vermißt unter den Vorgeschlagenen einen Hannoverschen Genossen. Singer: Das ist nur deshalb nicht geschehen, iveil die hiesigen Genossen mit lokalen Geschäften so belastet sind, daß ihnen nicht auch noch das aufgehalst werden sollte, Lcid-Berli» verzichtet zu Gunsten eines Hannoverschen Genossen ans den Posten. Vorgeschlagen wird an seiner Stelle Breh-Haiinover, Mit dieser Veränderung wird die Liste der MaiidatS-Prüfungs- kommisfton aiigcnonnncn. Die Arbeitszeit wird wie üblich auf die Zeit von 9 bis 1 mid!j bis 7 Uhr festgesetzt. Die Geschäftsordnung wird nach dem Entwurf genehmigt. Es wird sodann zur Feststellung der Tagesordunng ge- schritten. Die hierzu gestellten Anträge 1— 3*) finden ausreichende Untcrstützimg, dagegen nicht der Antrag 4*), Der Antrag 1, den Tätcrvtv- Berlin begründet, wird an- genommen. Weiter wird auf Befürwortung voii Dr. Schoeulant beschlossen, die Verhandlung über die Znchthmisvorlagc hinter die Punkte 6 und 7 der provisorischen TaMordnung zn setzen, Hoppc-Rixdvrs begründet den Aulrag 3. Bei der kurzen Red»« zeit erfordert die Wichtigkeit der Frage einen Korreferenten, Bebel: Die Frage, einen Korreferenten zn bestellen, hängt dg« von ab, ob die Antragsteller einen bestimmte» Vorschlag mach?» können. Sind sie dazu in der Lage, dann m ü s s c n wir den Kor« rcfcreiitcn ernenne», wenn auch mir eine Minderheit es verlangt. Aber als wir in der Parteileitung im Sommer die Tagesordnung des Parteitages sesistclltrn, war niemand in der Lage, eine Perfön- lichlcit siir daö Korreferat vorzuschlagen. Wir kamen daher zu den» Entschlüsse, ivie eS bereits bei früheren ähnliche» Anlässen geschehen ist, die Anshelnmg der GeschäftSordinnig bezüglich der Redezeit für diese Verbandlniigeil vorzuschlagen, so daß lmter allen Umsläiidsn eine des Gegenstandes würdige Debatte erfolgen wird. Hierauf werden die Anträge betreffend das Korreferat ab» gelehnt, Als Punkt 9 der Tagesordnung wird auf Vorschlag Singers der nächste internationale Kongreß gesetzt und daS Referat hierüber Liebknecht übertragen. Im weiteren wird der Enttvnrj der Tagesordinnig nicht geändert. Singer: Ich habe die freudige Pflicht, die Delegierten von Bruder» irteien herzlich willkommen zn heißen.(Beifall.) Wi» Freude, liiiter uns zu sehen Dr. Adler an« p a i haben die Oestreich, V I i e g c n. Her m an s und Kanter aus Holland, L i ii d b l a t t aus Stockholm; N ü sp e r l i«, Zürich und D i e tz g e n aus Chikago, Sie wisse», mit welch' regem Jnteresi« und welch brüderlickicr Sympathie die deutsche Socialdemokratie dtv Thätigkeit unserer Geiiossen im Auslande verfolgt, Sie wissen— ich darf es ohne Ueberhebuna sagen—. daß die deutsche Social» demokratie es nie an der Erfüllmig der Pflichten, die die inter» nationale Solidarität ihr auferlegt, hat fehlen lassen. Wenn es aber etwas giebt, was die deutsche Soeialpeniokratie mit besonderer Freud» und gerechtem Stolz erfüllt, dann ist es die Thatsache. daß die deutsche Socialdemokratie vorbildlich sein konnte für die Brndcrparteien des Auslandes, wobei ich das Wort„Ausland", wie Sie wissen, nicht i« dem üblichen„nationalen" Sinne gebrauche. Mit ebenso großer *) 1. Parteigenossen des 1.93 erlin er Reichstags Wahlkreises: «In Erwägung, daß Punkt 7 der Tagesordiiung e in besten unter Berücksichtigung der allgemeinen politischen Lage erörtert wird, diese» Punkt dee' Tagesordnung als Punkt- st und Punkt 6 als 7 zu be- handeln." 2. Parteigenossen in Frankfurt a, M, und Bochum: Zu Punkt 7 der Tagesordnung: „Die Angriffe auf die Grundanschammgen und die taktisch« Stellungnahme der Partei betreffend, einen Korreferenten zu be» stellen. 3. Parteigenossen des Wahlkreises Teltow- Beeskow» Storkow: Zn den Punkte» ö und 7 der Tagesordnung des Partei» tagcs Korreferenten zu bestellen, 4. Parteigenosse Aug, Döhn. Gera: „Die Einführung eines gesetzlichen Mindesttagelohnes auf die Tagesordinnig zu setzen." SmiSc d-irf ich c3 aussprechen, daß die Zeit, in der man mit einem geivisscn Rechte sagen konute. daß uliscrc Brudcrpartcie» ans der Ardeit der deutschen Socialdemokratie Nahrung und Stoff für ihre eigene Thätlgkcit ziehen mußten, glücklich norüber ist� llnscre Bruderpnrteicn haben in de» letzten Jahren belviesen, daß sie es verstanden haben, den socialdemokratischen Bcstre- billigen auch in ihren eigenen Lsuiderii Nachdruck und Erfolge zu verschaffen, und zu diesen Erfolgen bcglncklvüuschc ich sie namens des Parteitages(Beifall). Wir hoffen, daß Sie mit sich nehmen die Ucberzcngung, daß die deutsche Socialdemokratie nach tpie vor Schulter an Schulter mit dem internationalen Proletariat kämpfen und, lvic ich zuversichtlich sage, zum Siege gelange» wird.(Lebhafter Beifall.) Tr. Ndlcr(Wien): Werte Genossen und Geuossimicn! NamenS �er öslreichischen Socialdemokratie begrüße ich Sie aufs herzlichste. Wir in Oestreich haben eine schwere Arbeit, und wenn unser Weg auch derselbe ist, wie in anderen Landern, so sind die Zwischenfälle, die sich aus dem Wege ereignen, und die Gegenden, durch die unser Weg führt, sehr verschieden, Die östreichische Socialdemokratie ist eine vcrhälluiSiuäßig junge Partei, aber trotzdem kvmien Sic sich im Auslände von den heftige» und verioiiixlten Kämpfen, die wir durchzumachen hatten, kaum einen Begriff machen. Wir haben in Oestreich Aufgaben z» läsen, die an Sie überhaupt nicht herantreten. � Uns ist es gelungen, eine internationale Social- demokratie nicht nur zu organisieren, sondern auch in de» aller- schwersten Zeiten des_ NatioualitätenkampfeS geeinigt zusanmien- zuhaltcu, und z» derselben Zeit, wo das deutsche und czechische Bürgertum sich zerfleischten, die deutschen und czechische» Arbeiter als eine geschlossene Partei ihren Gegner» gegenüber zu führen. L» der Lösung dieser Aufgabe steckt ei» hohes Maß von Arbeit: es ist dies aber zugleich ehr Beweis dafür, daß das proletarische G e s aru t i n t e r e s s e stärker ist als alle Unterschiede, die zwischen den arbeitenden Gruppe» bestehen»löge», stärker als jede Jutercsseusolidarität, die existieren»rag zwischen der Arbeiterklasse und anderen Klassen derselben Nation.(Sehr wahr!> Glanben Sie nicht etwa, daß in eiueur Lande, wie Oestreich, das von Krisen durchschüttelt wird, deren letzte wir jeden Moment erwarte» möchten, sich keine Verbindungen schaffen zwischen der Bourgeoisie und der Arbeiterklasse! Vergessen Sie nicht, daß die Bourgeoisie bei uns mit aller Macht die Arbeiter in ihren Kampf hineinziehen möchte, in Oestreich noch viel mehr als i» anderen Ländern, weil infolge der Rückständigkeit unserer ökonounschen Entwicklung der Klassenkampf noch nicht so scharf und ausgeprägt ist, wie bei Ihnen. Trotz- dem fort und fort daran gearbeitet wird, die Arbeiter im Schlepptau der bürgerlichen Parteien zu erhalte», und trotzdem der»nächtigste Faktor hier initspielt, der nationale Faktor, von dessen Wucht und Intensität Sie in Deutschland niemals einen Begriff erhalte» können; trotzdem ist das slavifchc und deutsche Proletariat geeinigt. Ich habe Sie also zu begrüßen nicht allein im Rainen der deutschen Socialdemokraten in Oestreich, sondern auch im Aarne» der czechische». polnischen, ruthenischen, ssovenische» 1111& italienischen Genossen.(Beifall.) Daß dem so ist, das ist nicht allein«iiser Verdienst, londern vor allem auch daS Verdienst der deutschen Socialdemokraten. Daß in Oestreich die fremdsprachigen Soeialdemokraten zu uns stehe», ist das Verdienst der deutsche» Soeialdeniokratie, die von jeher ihren iiiternationalen Pflichten in vollstem Nu, fange genügt hat. Ich hoffe, daß ivir für alle Zukunft so wie bisher in der deutschen Soeialdeniokratie unsercil Wegiveiser sehe». In diesem Sinne erlaube ich mir. Ihren Verhandlungen beizuwohnen und Sie auf das herzlichste zu begrüßen.(Lebhafter Beifall.) Vliege»(Holland): Werte Genossen! Ich komme ans einen, Lande, wo die Social- demokratie jünger ist als sonst in Westeuropa. Sie wissen, daß unsere Bewegung im Jahre 1892/93 im Anarchisinus verlaufen ist. wir mußten von iieuern organisieren und agitieren, wir»imßten den Anarchismus erst zertrümmern, um uns den Weg zu bahne». Heute haben wir diese Aufgabe erfüllt, wir haben den Anarchismus i» unserem Laude überwunden uud unser» Platz erobert zivifcheii den anderen Parteien. 1897 haben Ivir sofort Mandate im Wahlkampf erobert, unsere Stimme wird im Parlament gehört, wir werden von Jahr zu Jahr stärker, und es ist jetzt schon so weit, daß die bürgerlichen Parteien erzittern, ivenn einer ihrer Angehörigen erlrankt, weil sie fürchten, daß das vakante Mandat uns zufällt. Es nützt der Regierung nichts, daß sie sich eine Regiermig der socialen Gerechtigkeit nennt, es nützt unseren Liberalen nichts, daß sie sich gegen Soeialrefornie» nicht sträuben— ein guter Holländer sträubt sich überhaupt nie(Heiter- keit)—, denn sie studiere» und studiereu daran, daß mau nichts von Thaten merkt. So kommen denn die Arbeiter in immer größeren Schaaren zu»ms und die niederländische Ar- deiterklaffe hat bei verschiedenen Aukässe» gezeigt, wie stark der! soeialdemokratische Wind bei uus jetzt weht. Ist es ihm doch zu danken, daß bei der dänischen Aussperrung ans miserem Laude ganz besonders große Geldseudnngeii gegangen sind. Mit politischen Reformen geht es in nnserem„demokratisch" regierten Lande ebenso langsam wie mit ökoiioinische». Auch bei uns kann nur die Arbeiterklasse etwas schaffen. Wir folgen Mit Freuden Ihren, Vorbilde, Ihrer Thätigkeit. Mit de- sonderer Freude begrüße ich Sie, da ich Ihnen von nns Gutes berichte» kann. Wir werden vorwärts schreiten, wie Sie vor- würts geschritten sind uud ivir werden gemeinsam zum Siege ge- laugen, im Juteresse der internationaleil Socialdemokratie.'(Leb- hofier Beifall.) Liudblatt-Stockholin: Ich überbringe Ihnen die Grüße der s ch Iv e d i s ch e n Soeialdeniokratie. Auch bei inis schreitet das Verständni«, daS Klaslenbeivußtsein der Arbeiter mit Riesenschritte» vorwärts. Auch bei uns ist es unter Verfolguiigeu geschehen, die»ur unsere Arbeit gestärkt haben. Bei u»S wurde ei» Zuchthausgesetz gemacht gegen die bereits vorher politisch entrechteten Arbeiter, die man nun auch wirtschaftlich entrechten will. Aber wir rüstenilns, unserepoliffche» Rechte, das Wahlrecht zu erobern. Die wirtschaftlichen Orgaiiisotionen festigen sichsimmer mehr; statt 9000 Parteimitgliedern im Jahre 1894 haben wir jetzt 33 000 und 7O00O Gewerkschaftsmitglieder.(Bravo!) Von dem deutschen Parteitage erwarten wir eine Förderung der deutschen Rrbcitcrpcwegung und damit auch der internationalen Eoeialdemokratie.(Lebhafter Beifall.) Dietzgen- Chicago: Als stiller Zuhörer Ihre» Verhandlungen zu folgen, bin ich hierher gekommen. Heber unsere Verhältnisse iii den Ber- einigten Staate» zu sprechen ist keine Annehmlichkeit. Aber ich bringe ihnen die Grüße der beiden soeialistischen Parteien unseres Landes, ich thne cS für beide Parteien, da ich Mitglied der einen hin und ineine hier auch anwesende Frau Mitglied der anderen. (Große Heiterkeit). Ich dachte mir, daß das Ihnen sonderbar vor- konimeii würde,»md wir innren auch längst geschiedene Leute(Große Heiterkeit, wenn es sich um prineipielle Differenzen handelte. Aber es sind»ur taktische Differenzen, wie sie in jeder ordentlichen Bereini- gung sei» sollten(Heiterkeit und Beifall) wenn nur dabei nicht daiGcfühl der prilidpiellen Zusammengehörigkeit verloren geht(Beifall). Einig sind beide Parteien in der Bewlmdening. mit der Sie Ihre Arbeit verfolgen, und in dem Wunsche, daß auf dem heutigen Parteitage weitere Grundlagen gelegt lverden für eine gedeihliche Weiterent- wickeluug der Socialdemokratie Deutschlands.(Stürmischer Beifall.) Stuger begrüßt den schweizer Genoffen Nüsperli, den Vertreter de» Landes- ousschusses der deutsche» uud östreichische» Genossen in der Schweiz und des Arbeiter» Bilduugsvereius„Eintracht" in Zürich mit de», Ausdruck des Dankes für das, was die schweizer Socialdemokratie für uns geleistet hat. insbesondere für die Gastfremidschaft, die sie uns i» der Zeit des Socialistengesetzes gewährt habe. Niisperli-Zürich. Gestatten Sic mir, Ihnen die herzlichsten Grüße zu übermitteln und den Wunsch, daß auch dieser Parteitag dazu Heitragen möge, daß die Partei geeinter und gestärkter dasteht als zuvor. Die beut- scheu und öftreichisch-iingarischen Genossen in der Schweiz werden nach wie vor ihre Schuldigkeit thun»nd dafür sorgen, daß die jungen Arbeiter, die ans Deutschland mid Oestreich mit grüusuz Gefieder in die Schweiz konimen, sie mit rotein Gesieder wieder verlassen. (Bravo!) Der Parteitag tritt nunmehr in die Tagesordnung ein: Geschäftsbericht des Vorstandes. Singer: Ich werde, wie in den Vorjahren, den Bericht in einzelne Abteilungen eingeteilt, diskutieren laffei, und zwar in die Gruppen geordnet: Allgemeines, Kassenbericht, Sonstige Be- merkungen. Unter die Gruppe„Allgemeines" fallen die Anträge 37 und 38"). Ich stelle die Unterstütznngsfrage.— Die Uiiterstiitzniig reicht ans; die beiden Anträge stehen mit zur Diskussion. Alle anderen Anträge, die die Taktik und die Presse be- treffe», ivcrden nach Erledigung des Berichts»ach Gruppen geordnet verhandelt werden. Das Wort hat nunmehr der Berichterstatter. Auer: Der Bericht des Parteivorstandes ist rechtzeitig in unserni Centralorgan veröffentlicht mid der Lokalpresse übergeben worden, ailßerdem haben ihn die Delegierten erhalten. Ich bin nicht so optimistisch, aiizunehineii, daß Sie alle ihn gelesen haben;(Heiterkeit) aber über die wescutlichsten Teile des Berichtes»verde» Sie sich unterrichtet haben und daher brauche ich auf den Bericht selber jetzt nicht eiiizngehe» mid da ich anderes als was in, Bericht steht, Ihnen nicht niitznteilen habe, ist damit mein llleferat erschöpft. Nur einige Bemerlungen zu teil Anträgen 37 und 38, betreffend den Löbtaurr Fall. Sie sprechen einen Tadel gegen die Parieileitnug aus, wie wir ihn ja osi geivöhiit sind. Besonders der ziveite Antrag äußert sich scharf gegen uns. Aber Ivir nehmen die Sache nicht zu tragisch mid soweit ich bisher mit Mitgliedern des Parteivorstandeö gesprochen habe, kann ich schon jetzt erklären, daß wir diese Vorwürfe als z» Unrecht erhoben erachten. Der Parteivorstand hat ja seiner Zeit in einer Erklännig, die besonders Mißfallen erregt hat. sestgcstcllt, daß nicht, wie»rsprünglich vorausgesetzt winde, es nur ein Verseheu gewesen ist, daß die Löbtnucr nicht in die Lifte ans- genoinmen wiirden. DaS Mitglied des ParteivorstandeS, das die Aufgabe hat. fortlaufend die Daten zu sammeln, hat, ehe es sich über Aufnahme oder Nichtaufnahme entschieden hat. unter de» Mitgliedern des Vorstandes Umfragen gehalten und ein- stinimig wurde erklärt, daß nach Lage der Sache trotz der IIu- gehenerlichkeit des Urteils die Aufnahme niclit erfolgen dürfe. Ich nmß zugeben, daß in Bezug aus die Leröffeiitlickiiliigeii „Unter dem neuen Kurs" ein geivisies Schwanken zweifellos sich be- merkbar macht. Es sind Verurteilungen aufgeiiommeil worden, die vielleicht»ach der straffen Auslegung, wie ivir sie beim Löbtauer mid ähnlichen Fällen augewandt haben, nicht hineingehören. Weg- laffungen, über die in der Partei Meinungsverschiedenheiten vor- Händen sind, ivie der konkrete Fall hier beweist. Als die Neue Kurs-Liste wenige Wochen nach dem Hallenser Parteitag eingeführt wurde, da wurde als ihr Zweck erklärt, alle Verurteilungen, die i m Z u s a m»i e n h a n g mit unseren P a r t e i b e st r e b u n g e n erfolgen, festzustelleu und das mit dem Hinweise darauf motiviert, daß seitens der Scharf- inacherpresse ein ungeheures Wutgeschrei erhoben wurde über den Fall des SoeialistengeietzeS und die Behanptuiig aufgestellt wurde, die SInatsgeivalt habe jetzt gar keine Rechtsmittel mehr, dem Gefetzesuiißbraiich der Socialdemokratie entgegeiizutreten. Ilm diese Heuchelei ack adsurbura zu führen, wurde beschlossen, diese Liste zu führen. Dementsprechend ist eS immer gehalten worden, demeiitsprechend aber konnte zweifellos dem Wunsche, daß unter de»,.Nenen Kurs" alle Urteile aufgenominen werden sollen, die als A n s f l u ß der K l a s s e n j u st i z zu betrachten sind, nicht Rechimug getragen werden. Diesem Wmisch« ist auch bisher nicht entsprochen worden, und ich weiß nicht, ob es dem Parteilage gelingen ivird, eine Formel zu finden, um diesen Wunsch zu erfüllen. Zur Keuuzeichnuug der Klassenjustiz genügt es nicht, lediglich die eriolgteu Verurteilungen anzuführen, denn Klaffeiijustiz kann und ivird sehr häufig auch bei Frcisprcchu» g e n sich geltend»lachen.(Sehr Ivahr!) Die Fabrikanten, die die Bestiiumungen der Gewerbe-Ordnung über Arbeiterschutz übertreten— und deren Zahl ist keine kleine— und die trotz dieser fortgesetzten Verstöße gegen das Gesetz sehr oft entweder freigesprochen oder nur mit ganz»ninimaleii Strafen belegt lverden— ja. ist denn die Art der Rechtsprechung nicht auch ein Ausfluß der Klassenjustiz? Und so gehts nach allen Nichtiuigen. Wollten ivir unter der Rubrik«Neuer Kurs" die Klassenjustiz in allen ihren Wirkungen kennzeichnen, so wiirden wie uns damit eine Aufgabe stellen, die mich nur aniiähcrnd zu erfüllen wir einfach außer stände sind. Man hat auch von einer Tafel der Parteimärtyrer gesprochen. Auch das ist falsch. Wir müsse» den Miit haben, es auszusprechen. daß in der Rubrik manche Bestrafung veröffentlicht ivird, die bei etwas mehr Vorsicht, vielleicht auch bei etwas mehr Geschick sehr wohl hätte vermieden werden können. Jeden als einen Parteimärtyrer zu betrachten, der in die Liste auf- gcnonnnen werden mußte, das würde doch wohl zu weit gehen. Die Liste ist ein Merkzeichen für die Verfolgungen der Staatsgewalt, sie ist ei» Beweis für die Unrichtigkeit der Bchanptnng unserer Gegner,»nter dem gemeinen Recht sei es nicht niehr mvglich, die Misiethaten, die in den Reiben der tlassenbeivutzten Arbeiter angeblich verübt sein sollen, mit der Häne des Gesetzes zu verfolgen. Aber jeden, der da einmal mit mehr oder minder eigener Schuld herein- fällt, zu einem Märtyrer zu niachen, wäre wohl nicht angebracht. Der Lobtaner Fall ist auch keineswegs der erste, der in der Lifte fortgelassen wurde. Ich erinnere nur an den großen Torgelower Prozeß, wo ausständige Arbeiter sogenannte Streikbrecher über- falle» habe». Auch dieser Fall ist nicht aufgenommen, und es ist auch nicht eine einzige Stimme aus der gesamten gewerkschastlicheil oder politischen Bewegiing laut geworden, die sich beschiverdeführend darüber geäußert hätte. Der Partei- vorstand hat also jedenfalls in gute», Glauben gehandelt, als er den Löbtauer Fall trotz seiner Ungeheuerlichkeit»licht in die Liste auf- nahm. Nun hat man eingeworfen: Ihr habt sogar anarchistische Verurteilungen(uifgenominen l Nach meiner Meimmg ist das mit Fug uud Recht geschehe», wenn diese Verurteilungen infolge einer *) 37. Parteigenossen des 5. sächsischen Wahlkreises DrcSden- Altstadt: „In Erwägung, daß die gegenwärtige schärfere Interpretation der strasgesetzlichen Bestimmimgen sich insbesondere gegen Hand- klingen rlaffeiibewilßter Arbeiter richtet und diese als Opfer einer Klassenjustiz zu betrachten sind, spricht der Parteitag wegen der initerlaffeiieii Negistrierung des hier besonders hervorstechenden schwnrgerichtlichen Urteils gegen die Löbtauer Bauarbeiter in der Rubrik„Hilter dem neueste»! Kurs" im„Vorwärts" sein Bedauern aus. Der Parteitag erwartet vom Parteivorstand, 1. daß derselbe die unterlassene Registrierung in geeigneter Weise nachholt: 2. daß er in Zukunft unter obigem Einfluß erfolgte Ber- urteilungen ohne weiteres registriert." 38. Parteigenossen deS sechsten sächsischen Wahlkreises Dresden- Land: „Mißbilligung darüber aussprechen, daß der Parteivorstand von der Liste der Klaffeiitanipfopfer die„Verurteilten in dem Löbtauer Krawallprozeß" gestrichen und diese Streichung nachträglich mit der Besorgnis vor falschen Auslegungen durch die Scharsmacher begründet hat. Da ein schwächliches Zurückweichen vor de» innner bedrohlicher werdenden Machenschaften deS ZnchthauskurseS daS Vertrauen der deutschen Arbeiter in die Bertretung ihrer Interessen durch die social- demokratische Partei erschüttern iniifste. möge der Parteitag ferner den gethanen Mßgriff nach Möglichkeit reparieren unv Anordnungen treffen, die dessen Wiederholung verhindern." Haiidlmig erfolgt sind, die zur Arbeiterbewegung im weitesten Sinne gehören. Wir haben dagegen nicht alifgcnommcn die Veriirteilung Koschemanns zu 10 Jahren Znchthans, ivozu er nach meiner Meinung unschuldig verurteilt ist.(Sehr richtig!>, denn die That, die ihm zur Last gelegt wird, steht mit der Aebeiterbewegung in ieinem Zu- sammeiihaiige. Wir wollen mis durchaus nicht frei von Schuld und Fehle sprechen. Sollte der Parteitag eine andere Meinung baben, so werden Ivir durchaus nicht böse sein, denn schon im Interesse unserer Nach- folgcr liegt es ja, daß ivir nicht frei von Schuld und Fehle sind. Was sollen denn unsere Nachfolger anfangen, wenn wir alle Zeit schuldlos dastehen?(Heiterkeit.) Die könnten dann ja gar nicht mehr wirt- schaftcn. Die Möglichkeit, daß auch wir Fehler machen� lönncn, bestreite ich nicht. Was ich bestreite, ist mir, daß wir in diesem Falle einen Fehler gemacht haben. Ich habe den Eindruck, als ob die ganze Geschichte viel zu breit getreten ist, und daß man sie in nutz- lojer Weise aufgebauscht hat. Wie ich uicine Kollegen aus dein Parteivorstaiid kenne, bin ich sogar überzeugt, daß es nur einer ein- fachen Postkarte bedurft hätte, die von Dresden nach Berlin ge- schrieben wäre, mid das Meer von Tinte, welches nachher über diesen neuen skandalösen Fall von Opportnnismus in der Partei verschrieben worden ist(Heiterkeit), und diese mcter« und ellenlangen Papierstreisen wärenstiberfliissig gewesen, es wäre sehr leicht zu einer Verständigung gekommen. Nun noch eine Erllärmig. Man war so neugierig zu fragen, welche V o r st a n d s m i t g i i e d e r di- Verantwortung dafür tragen wollen. Wir haben darauf nicht gcaiiiworlct, weil wir auf dem Standpunkt stehen: mau kann mehr fragen, als man bcautworten kann.(Heiterkeit.) Läßt man sich erst ans das Frage- nild Antwort- spiel ein, so ist überhaupt nicht fertig zu werden. Hier aber auf dem Parteitage, wo wir Rede»ud Sliitwort zu stehen haben, sehe ich keiiicu Grund ein, zu verhehlen, daß von den fünf Vorstands- Mitgliedern vier an der ursprünglichen Beschliißfassung teilgenommen nnd auf die Frage, ob der Löbtauer Fall in die Rubrik gehört, sänitlich gesagt haben, der Fall gehöre nicht hinein. Wen» däiiii»och weiter dieser Beschluß des Vorstandes als ein neuer Beweis dafür augesehe» wurde, wie weit der OpporiimiSinuS in der Partei bereits Platz gegriffen habe, wie sehr das proletarisch- revolutionäre Empfinde» selbst in der Parteileitinig schon abgeblaßt sei, so habe ich darauf, offen gestanden, zur Zeit keine Antwort. Wir werden uns über diese Fragen ja im Laufe der Verhaiidlnngcn noch öfter unterhalten. Im übrige» muß es auch Opportunisteil geben; wo bekämen sonst die soeialrevolutionären Proletarier ihre Beleuchtung her?(Große Heiterkeit und Beifall.) Gertsch erstattet den Kassenbericht. In dem Vorstandsbericht wird der Kassenabschliiß als ein durchaus günstiger bezeichnet und ist als solcher von der Partei mid der gegneriichen Presse genugsam be- sprachen worden. Klagelieder hätten also jetzt keiiiei, Sinn: aber die Ziffern selbst zeigen Ihnen doch, daß auch ein weniger günstiger Kaffoiiabschlnß dem güustigen folgen kann. Von den 254743 M., die Sie als Partei-Eiiniahme» verzeichnet finden, sind 135797, also die größere Hälfte, verzeichnet Hilter„Mann im Mond",„Nordische Wasserkante", „Vorwärts Buchhandlung",„Ueberschnß der Löbtauer Saminlinig" usw. Die Aiisordenliigen an die Centralkasse können nicht mehr beiriedigt werden aus den allgemeinen Einnahmen, soweit sie ans Parteibeiträgcn bestehen. Wir können auf die Hilfe der großen Geschäfte nicht mehr verzichten. Aber auch die 113 975 M. eigentliche Eiiniahmni geben in ihren Bestand- teilen sehr zu denken. Sie finden eine große Masse von Parteiorten gar nicht, eine Anzahl größerer Parteiorte nur mit minimalen Beiträgen in der Liste. Allerdings halten eine Reihe von Parteiorteu noch die gute, alte Tradition, in jedem Monat ihre Bei- träge an die Parteikasse abzuliefern oder wenigstens de» entsprechenden Jahresbeitrag zu leisten, aufrecht, aber ein oberflächlicher Blick auf die Liste zcigl Ihnen, daß die Zahl dieser Orte eine sehr geringe ist. die Zahl der Parteiorte, die regelmäßig Gelder an die Centralkasse absenden, ist leider wieder z n r ü ck g e g a n g e n. Ilm so freudiger ist die Opferwilligkeit des größten Parteiortes. Berlin, aiizuerkenne». Die Leistnuae» der Berliner Gen offen sind mustergültig, großartig uud über alles Lob erhaben.(Bravo I) Hat doch Berlin von den 113 975 M. nicht weniger als 63 275 M. ausgebracht, während das ganze übrige Deutschland»ur 55 700 M. aufbrachte. Berlin hat also 8000 M. mehr als das gesamte Deutsch- laud geleistet. Die Berliner Genossen handeln wirklich vorbildlich für die übrigen Gcuoffcn in Deutschland.(Bravo!) Wenn wir in der Lage waren, Unterstützungen für die Gemoßregelten und Verfolgten in großem Urniaiige zu gewähren, wenn wir die Agitation in die entserntesten Gegenden tragen konnten, dann verdanken wir es der Opfersreiidigkeit der Berliner Genossen. Möge ihr Beispiel Nachahmung findc», damit die Liste der Parteiorte, die Beiträge an die Eeutralraffe einsende», nicht immer mehr zusammenschninrpft. Nun noch einige Angaben über den Stand der Parteipresse. Soiveit die täglich erscheinenden Partei-Organe in Betraiht kommen, ist eine sehr erfreuliche Zunahme zu konstatieren. Die täglich erscheineiideii Blätter haben jetzt 332 302 Abonnenten, ein Mehr gegen das Vorjahr von 42 302. Dieses Mehr besteht nicht vollständig aus neu gewonnenen Abonnenten. Ein großer Teil Abonnenteil ist dadurch hinzugekommen, daß Organe, die dreimal oder zweimal wöchentlich erschienen. Tagcsorgane geworden sind. De», entsprechend hat sich die Zahl der zwei- oder dreimal wöchentlich ericheiiieiideii Blätter vermindert. Die JahreSeiiinahmen der Tagesblätter aus Abonnementsgeldern betrilge» 2 257 204 M.; aus Jnieraten 1 197 709 M., zusammen 3 454 913 M. Das ist ein Mehr gegen das Vorjahr von stark über einer halben Millioi?.(Bravo I) Aber daS komnit in erster Linie auf die Verschiebungen zurück. die infolge der Erscheiunngsberäiiderung eingetreten stnd. Die dreimal wöchentlich erscheinenden Blätter haben gegenwärtig 39 456 Aboiiiienten. sie haben 22 000 an die täglich erscheinende Presse abgegeben. A» Abomiementsgeldeni haben sie ein- genommen 141 273 Mark, für Inserate'70 506 Mark, zusammen 211779 Mark. Die zweimal wöchentlich erscheinenden Blätter haben 14 279 Abonnenten, 44 093 Mark Aboimemeiitsgelder, 48 251 Mark Gelamteinnahmen. Die einmal wöchentlich erscheinenden haben selbstverständlich nur geringe Einnahmen. Ihre Abonnentenzahl ist nm 3000 gestiegen, hauptsächlich zu Gunsten des„Annen Teufels" in der Lausitz. Ihr gegeuivärtiger Abonnentenstand beträgt 14 279, ihre Einnahme aus dem Abomiement 23 371 M., ihre Gesamtein- nahmen 24 618 M. Jnsgesanit hatte die deutsche Parteipresse im verflossen eu Jahre Einnahmen im Betrage von 2 464 946 M. aus Abonnements, 1 274 615 für Inserate, zusammen 3 739 561 M., gegeil das Vorjahr im ganzen 461 593 M. mehr. Der Gesamt- Aboiinentenstand unserer Presse beträgt augenblicklich gegen 400 000, eine Zunahme gegen das Vorjahr um 21 000—22 000, davon wirklich neue Abonnenten 16 000. Wenn somit der Fortschritt der Partei- presse nicht so günstig gewesen ist, wie im Vorjahre, so ist zu be- denken, daß im vorigen Jahre Reichstagswahlen stattfanden; nach den Wahlen muß man schon sehr zufrieden sein, wenn die Zeitungen ihren Aboniieiitenstand behaupten: alle haben das nicht vermocht. Wir werde» auch im neuen Jahre alles aufbieten, um unserer Parteipresse immer neue Gebiete zu eröffnen, uud ich hoffe, Ihnen im nächsten Jahre wieder erfreuliche Mitteilungeii machen zu können.(Beifall.) Meister erstattet den Bericht der Controleure. Die Revisionen der Kaffe wie beim. Vorivärts", sind regelmäßig erfolgt, auch die Geschäftsführung der Buchhandlung ist auf Wunsch des Besitzers geprüft worden: alles ist in Ordnung befunden woroen. Eigentliche Beschwerden sind nicht eingegangen.' Die Koburger Aiigelegenheit konnte von uuS nicht erledigt werden, wir mußten eS den Koburger Genossen selbst überlassen. Eine in letzter Stunde aus Bielefeld i eingegangene Angelegenheit persönlicher Natur werden wir wohl gleichfalls an die Bielefelder zurückverweisen müssen. Für uuS Controleure war das letzverfloffene Geschäftsjahr ein durchaus erfreuliches Zeugnis. Ich beantrage Decharge für den Gesamtvorstand. Es erfolgt nunmehr die Diskussion zum ciNgcmeinen Teil.> fertigen Teil des Gewölbes. Während dieses hierdurch Lcdcbour- Dresden-Land: I immer schwerer belastet wurde, entblößten die Arbeiter gleich verteidigt den Dresdener Antrag betreffend die Nichtreqistrierung des I S�'N d-n Hanptpseiler von dem ihn umgebenden Erdboden Löbtauer Urteils. Der gute Glaube des Vorstandes ist nicht> Pfeiler verlor dadurch schließlich Wnen Halt und sank bezweifelt worden. So scharf die Meinungen in den ver-""'r Nun brach sofort das g a n z e W e rk z u an, me Die schicdcncn Fragen auscinaudergchcn. ivollen wir uns überhaupt j- ���e und das ausgeschachtete Erdreich stürzten guten Glauben beimessen. Aber wir halten das � immer den Verhalteil des Partcivorstaudcs in diesem Falle für einen schweren Mißgriff, der notivendig einer R e p a r a tu r bedarf. Auf die Hauptsache ist Auer heute nicht eingegangen. Urteile sind registriert worden, die niit unserer Pnrieibcwcguug in gar keinem Zusammenhang stehen, auch Urteile wegen anarchistischer Vergehen Es gehören in diese Liste alle Urteile, die den Stempel von K l a ss e n n r t e i l e n tragen, nud zwar, wie ich im Gegensatz zu Auer erkläre, nur Verurteilungen von Proletariern und keinesfalls Freisprechungen. Unsere Partcibeivcgung. so groß nud mächtig und maßgebend sie ist, sie ist doch nur ein Teil der großen proletarischen Cinaiizipntioilsbcwegung überhaupt Die Gcwerkschgfjsbcwegniig kommt ihr an Bedeutung nahe. die llrtcile. die aus geivcrkschaftlichcn Känipfen resul tieren, gehören selbstverständlich in die Liste. Aber das genügt»och nicht, soudern alle Verurteilungen, die im weitesten Sinne sich beziehen aus Konflikte, die aiis Arbeitsbeziehungen hervorgehen, niüsscn registriert werden. Die Löbtauer Verurteilung war d i e e r st e g r o ß c ii S t i l e s unter d e m Z u ch t h a n s knrs, nuter dem Schatten, den die Zuchthausvorlage vorauswarf. Die Kammer Fronimhold hat vollkommen im Geiste des Zuchthaus kurses geurteilt: sie war sromni wie Pastor Bodelschwingh, und hold den Arbeitern wie König Stunini. Ein Schrei der Eutrüstung ging durch das Proletariat der ganzen Welt. Niemals hat ein Urteil eine solche spoutanc allgemeine Empörung hervor gcrufcu. Von den Verurteilten waren 7.gewerkschaftlich, 2 politisch organisiert. Aber selbst wenn es bei keinem der Fall gewesen wäre so hätte das Urteil für»us und die ganze Welt ganz dieselbe Bedeutung. Die Bedeutung wird ihm aufgeprägt durch die Auffassung des Gerichts. das die ganze Emanzipationsbeivcguiig des Proletariats treffen wollte. Eine einfache Postkarte hätte genügt sagt Auer, um die Frage der Registrierung schiedlich friedlich zu erledigen. Ja, haben wir denn sofort losgeschlagen? Wir haben zuerst eine ganz ruhige Anfrage gestellt. Erst dw Rechtfertig ungsschrist des Vorstandes, die dann im „Vorwärts" erschien, hat die Frage zu einer politischen Aktion ersten Ranges geniacht. Mit der Sympathie bcwegnng, mit der Geldsammlung für die Löbtauer Opfer hat der Vorstand nur einer allgemeinen Menscheupflicht ge wägt. Aber nackt und dürr wird in der Rcchtfertigungsschrift aus- gesprochen: die Fortlassung ist deshalb erfolgt, weil durch die Auff nähme der Verurteilten in die Liste der Klaffenkampfopfer den Scharfmachern ein Anlaß gegeben würde, uns z» verleumden und zu verdächtigen, und dazu wollte man die Hand nicht bieten. Der Vorstalid erklärt sich zum Schluß„wenig geneigt, die Strafthaten zu be- tchöuigcil oder gar mit der Parteibewegung im Zusammenhang er- scheinen zu lassen". Die Strafthaten beschönigt haben wir in keinem Falle, wo wir eine Registrierung vornabmen. Ich behaupte, mit einiger Vorsicht ließen sich nahezu alle Straf thatcn vermeiden. Aber die Proletarier, die durch die Aktion unserer Gegner in den Klassenkampf hineinaedräiigt werden, find nicht so erfahrene Leute, daß sie jeden Konflikt mit dem Gesetze zu vermeiden wüßten. Wir machen ja jetzt täglich diese Erfahrung in Dresden, dieser Probierstube der deutschen Klassenjustiz, bei den Verurteilungen wegen Streikvergehen. Was nun den Löbtauer Fall anlangt, so haben mir erfahrene Männer, Gewerkschaftler gesagt:„Wenn ich dabei gewesen wäre, dann hätte auch ich, als der Mann geschossen hatte, mitgeprügelt und säße jetzt im Zuchthause." Es handelt sich bei dem Löbtauer Fall unstreitig um einen Exceß, um einen Uebergriff, den wir nicht billigen, um einen Verstoß gegen das Gesetz. Weil wir aber beständig ermahnen: laßt Euch nicht provozieren, dürfen wir doch nicht die Hand von denen ab- ziehen, die unter die zermalmenden Räder des Dschaggernautkarrens der Klassciijustiz geraten. Mit dem proletarischen Emancipationskampf steht die Löbtauer Verurteilung zweifellos in Zusammenhang. Wie ist nun der Vor stand zu der Ansicht gelangt, die ich eben citiert habe...(Glocke des Vorsitzenden.) Vorsitzender Eiliger: Ich muß den Redner unterbrechen. Ich habe ihm statt 10 Minuten 20 Minuten Redezeit gewährt, weil er als Begründer eines Antrages gelten kann. Diese 20 Minuten hat der Redner aber auch bereits überschritten, und ich bitte ihn, nun- mehr zum Schluß zu kommen. Ledebonr: In der Reichstags-Sitzung am 22. und 23. Februar ifl Herr v. Stumm auf den Löbtauer Fall zu sprechen gekommen und hat sich in einer Weise dabei ausgedrückt, daß das, was der Parteivorstand gethan, als vollständig beeinflußt durch die Aeuße- rungen und Drohungen des Freiherm v. Stumm erscheint. So hat Herr v. Stumm gesagt:„Es wird noch dahin kommen, daß die Löbtaucr Verbrecher auf Ihre Ehrentafel gesetzt iverden. Wenn Sie die Löbtauer Excedenten hierzu für Ivürdig erachten, dann können Sie unmöglich behaupten, daß Sie die Excesse verurteilen." Die „Ehrentafel" ist eine Stummsche Perfidie. Auf unserer Ehrentafel stehen andere Namen. Zweifellos handelt es sich aber um eine O p f e r t a f e l. Als Sttunm diese Aeußerung that, klang ihm aus der Fraktion eine bejahende Autwort heraus. Ja, wir werden sie auf die Tafel setzen, hieß es. Das ivar die einzige würdige Antwort auf diese Drohungen. Die Genossen, die dies „Ja" riefen, sie brachten im besten Sinne das Empfinden der Partei zum Ausdruck!(Sehr richtig.) Nachher erst kam der klügelnde Partcivorstand und sagte:„Aha I Das soll gegen uns ausgebeutet werden. Da wollen ivir es lieber iveglassen." Die Erklärung des Parteivorstandes ist die direkte Folge der Drohung des Herrn von Stumm...(Glocke des Vorsitzenden.) Singer: Der Parteitag wird mir die unangenehme Empfindung nachfühlen, wenn ich den Redner nunmehr unterbrechen muß. Selbst- verständlich möchte ich nicht den Eindruck erwecken, als könnten An- griffe gegen den Parteivorstand hier nicht im vollsten Umfange zu Wort gelangen. Andrerseits aber bin ich hier, um die Geschäfts- orduliug zu wahren.(Sehr richtig l) Ich muß also nunmehr den Redner bitten, abzubrechen. Lcdcbour: Gewiß I Also Genossen...(Glocke des Vor- sitzenden.) Singer: Ich muß Sie nochmals bitten abzubrechen. Ledebonr: Ich i»ub aber doch noch die Resolution vorlesen. Singer: Die Resolution ist doch gedruckt. Ledebonr: Nein, ich habe eine andere Resolution ausgearbeitet. Singer: Ich nmß Sie bitten, von Ihrem Rechte Gebrauch zu machen und sich zum zweitenmal zum Wort zu melden. (Schluß im Hauptblatt.) Zwei Arbeiter durch eine« Kellereinsturz getötet! Ein schwerer B a n- U n f a l l hat sich gestern vormittag auf dem Eckgrundstück Kleine Frankfurterstr. 11/12 und Landsberger- straße 89 zugetragen. Hier wird ein großer dreistöckiger Neubau aufgeführt, der im Rohbau schon fertig ist. Die Bau-Aus- führung ivar dem Maurermeister G l i e s ch e ans der Rosenthaler- straße 16/17 übertragen. Während ein Teil der Arbeiter zuletzt mit dem inneren Ausbau beschäftigt waren, hatte ein anderer vor einigen Tagen n,it der Ueberwölbung des Hofes begonnen. Die Grundpfeiler für das Gewölbe standen schon und' die eisernen T-Träger waren bereits aufgelegt. An einer Seite war auch bereits ein Stück des Gewölbes fertig. Während gestern vormittag mehrere Maurer auf dem Gerüste, das vom Fußboden aus errichtet ist, an der Wölbung arbeiteten, waren in einer geringen Entsernung von ihnen die Arbeiter Dobermann, Langestr. 13, und M a r e tz k y, Kleine Markusstr. 6, dabei. Erdreich auszuschachten. Die Erde und den Sand warfen sie nach oben hinaus auf den bereits herab und begruben die beiden Arbeiter unter sich Die Maurer eilten von ihrem Gerüst herab und auch die Zinnnerer des Baues kamen herbei, uni ihren verunglückten ArbeitSgciivsseu zu helfen. Zugleich wurde die Feuerwehr zu Hilfe gerilfen. Die Rettungswache in der Frankfurter Allee und die Unfallstationci sandten Aerzte und Wagen, Die Rettungsarbeiten waren sehr schwierig. Die Feuerwehr hatte dreiviertel Stunden zu thun, bis sie zu dem ersten Verunglückten vorgedrungen war. Es ivar Dober mann, der bereits erstickt war. Dobermann hinterläßt eine Frau und drei Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren. Erst 10 Minuten nach 1 Uhr gelangten die Verguiigsmami schaften der Feuerwehr zu dem z w e i t e n Verschütteten. Dieser hatte sich einen halben Meter in den Erdboden eingegraben und Sand herausgeholt, der zur Mörtclbereitung dienen solle, während man das Loch mit unbrauchbarer Erde wieder ausfüllen wollte. Maretzky hatte den Sand seinem höher stehenden Arbeitsgenossen Dobermann zugeworfen und dieser ihn auf das Gewölbe befördert Der Polier Wilhelm Schneider war kurz vor dem Unfälle noch im Keller und konnte also ungefähr die Stelle angeben, an der sich die beiden Männer befinden mußten. Aber die Aufräumungs arbeiten, die Brandinspektor Reinhardt leitete, ivaren außer ordentlich schwer. Es stellte sich heraus, daß zivei Pfeiler umgefallen waren. Dazu lagen zwölf fchlvere eiserne Träger, das Mauerwerk des Gewölbes, die Rüstung, die sich noch unter diesem befunden hatte, und etiva LOO Centner Sand, die in den Keller ivieder hinab gefallen waren, auf den Verschütteten. Durch diesen Berg hindurch zudringen., ivar um so schwerer, als das Durcheiuander von Steinen, Eisen und Holz zunächst entwirrt werden mußte. Dobermann lag in der Höhe, in der er gearbeitet hatte, neben einem umgefallenen Pfeiler. Nach dem Befunde hat er den Tod durch Er sticken gefunden. Maretzky dagegen ist erschlagen worden. Er stand aufrecht in der Vertiefung. Eiu herabfallender Träger hatte ihm den Kopf und Schultern zerschmettert und dadurch uiiniittelbar den Tod herbeigeführt. Maretzky war unverheiratet. Herzzerreißend war der Jammer der Frau Dobermann, die mittags auf der Unfallstelle erschien, nachdem nian ihr von dem Unglück Kunde gegeben hatte. Sie wollte die Leiche ihres Mannes sehen, die aber bereits in das Schauhans gebracht war. Dorthin wurde auch die Leiche Maretzkys mit einem Wage» der Unfavstation alsbald übergeführt. Die Revierpolizei hielt den Bau von allen Seiten gesperrt.' Nach mittags erschien zur Ortsbesichtigung und zur Feststellung der Vor gänge eine Gerichtskommission. Weiter wird zu dem Unglücksfall berichtet: Nachdem die Leichen der beiden Bcrnnglückten nach dem Schauhause gebracht worden waren, ließ die Polizei alle Arbeite» auf dem Hofe des Grundstücks einstellen und die engere Unfallstelle mit einem Bretterzaun um- geben. Nach den Feststellungen der Sachverständigen und der Gr richtskommission ist das Unglück dadurch hervorgerufen worden, daß der Sand zu tief und zu dicht an den beiden Pfeilern ausgeschachtet wurde. Die Sohle des Kellers liegt 2Vs Meter uuter dem Boden des HofeS. Die Grundmauern der beiden neben einander stehenden Pfeiler, die je 80 Centimeter im Geviert maßen, gehen noch V* Meter unter die Kellersohle hinab. Der Boden des Grundstücks enthält in einer gewissen Tiefe schönen grobkörnigen Sand, der sich zur Mörtelbereitung sehr gut eignet. Diesen Stand zu gewinnen und durch anderes Material zu ersetzen kann niemandem verwehrt werden, wenn die erforderliche Vorsicht nicht außer acht gelassen ivird. Daran hat es aber in diesem Falle gefehlt. Die Sohle der Grube, in der der Verunglückte Maretzky ftand, liegt 2 Meter unter der Kellersohle, also schon iVa Meter tiefer als der Fuß der beiden Pfeiler. Von diesen hätte sich die Ausschachtung um so mehr entfernt halten müssen, als das neue Gewölbe durch den frisch ausgegrabenen Sand schwer belastet wurde Es lagen etwa 50 Fuhren darauf. Inwieweit die beiden Getöteten auf Anweisung der Bauleiter oder auf eigene Faust gearbeitet haben, steht noch dahin. Den Polier Wilhelm Schneider trifft mindestens mittelbar. ein Verschulden. Er hat die Arbeiten kurz vor der Katastrophe noch besichtigt und hätte ihre Unzulässigkeit erkennen müssen. Der Theil der Wölbung, der, von dem noch unfertigen durch eine Zivischenmauer getrennt, eingestürzt ist, mißt 64 Meter im Geviert. Noch zehn Deckenfelder ruhten auf vier Meter langen eiserne» Trägern, die mit dem einen Ende auf den Pfeilern und mit dem andern auf den Grundmauern auflagen. Diese sind bisher durch die Ausschachtungen und den Einsturz nicht' in Mitleidenschaft ge zogen, selbst die Arbeiten auf dem Gnindstück, abgesehen von dem gesperrten Hofe, können fortgesetzt werden. Uokktles. Die juristische Sprechstunde findet bis zum Montags-, Dienstags- und FreitagSabeudS ab statt. IS. d. Mts. vou V1/, Uhr Der Prozeß gegen die Harmlose», der am Montag nach zweitägiger Pause fortgesetzt wurde, erregt noch immer das größte Interesse in der Berliner Bevölkerung. Der Zuschauerraum deS großen SchivurgerichtssaalS ist dauernd bis zum letzten Platz gefüllt, und auch die der Siechtsanwaltschaft und den Mitgliedern der Gerichte reservierten Logen sind stark besetzt. Am Montagvormittag nahm auch der Landgcrichtspräsident. hinter dem Richterkollegium sitzend, an den Verhandlungen teil. Auch am letzten Verhandlungstage spielte die Person des Herrn von Manteuffel wieder eine bedeutende, wenngleich wenig an- genehme Rolle. In einer gleich nach Eintritt in die Verhandlungen abgegebenen Erklärung führte der Herr es auf Mißverständnisse der Presse zurück, wenn da zu lesen war, es sei ihm der Vorwurf ge- macht worden, er habe das„Gegenteil der Wahrheit" in eine Zei- tung lanciert. Es liegt hier jedoch nicht das mindeste Mißverständnis auf feiten der Presse vor, da ihn dieser Vorwurf wörtlich in öffent- licher Gerichtssitzung getroffen hat. Die iBerhandlungen konzentrierten sich dann so überwiegend um die Manipulationen deS Herrn v. Mannteuffel und förderten so änderbare Ergebnisse zu tage, daß die langwierigen Prozeß- Verhandlungen schon deswegen vollberechtigt gewesen sind, weil sie einen blendenden Lichtstrahl in die Geheimnisse polizeilicher Praktiken geworfen und gezeigt haben, welche unbedingte Vorsicht ederzeit, selbst von adligen Jeubrüdern, im Verkehr mit Kriminal- beamten geübt werden muß. Um die Aufdeckung der Manipulationen des Herrn v. Manteuffel hat ich am Montag besonders ein junger Student und Reservc-Offizier, Hans v. GerSdorff, verdient gemacht, der es mit Aufbietung aller Energie durchgesetzt hat, vor der Oeffentlichkeit auS- prechen zu können, was er über die Thätigkeit des Kriminal- beamten zu sagen für nötig fand. Mit diesem jungen Mann ist im Frühling dieses Jahres vor dem Untersuchungsrichter ein Protokoll aufgenommen worden, das mehrere für die Angeklagten ungünstige Stellen enthält. Der Zeuge erzwang sich nun die Möglichkeit, im Zusammenhange zu schildern, wie dieses Protokoll, dessen Tendenz er heute nicht mehr für richtig hält, zu stände ge- kommen ist. Nach der Erzählung ist das Manipulieren des Herrn von Manteuffel die Ursache gewesen, daß aus einem von der Unschuld der Angeklagten überzeugten Herrn ei» Belastung»» zeuge geworden ist. Der junge Mann war zum Zweck der Vernehmung an ein?» Sonntag nach Berlin gekommen. Manteuffel ging zu ihm ins Hotel, stellte sich ihm als Kameraden vor, da er Hauptmann der Landwehr ist, und begleitete ihn dann auf dem Wege zum Untersuchungsrichter, Ivo der Zeuge, nach Manteuffels Mitteilung, vernommen werden sollte. Der Gang war vergeblich, da die Vernehmung nicht zu stände kam. Mittlerweile hatte jedoch der Kriminalkoniinissar bereits gewirkt. Und dieses Wirken bestand in einer liebenswürdigen und ganz harmlos scheinenden Unterhaltung, die der„Kamerad" von Manteuffel mit dem jungen Reservc-Offizier führte. Obgleich' Ictztetcr seine feste Ueberzeugung ausgesprochen hatte, daß bei den Harmlosen keine Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien, erzählte ihm Manteuffel, daß die Beweise für daS Falschspiel bereits vorlägen. Er verstand es durch Hinweis auf diese und jene Umstände auch den Zeugen in seiner Ueberzeugung schwankend zu machen. Dann erinnerte er ihn an allerlei einzelne Vorkommnisse im 5klnb. die dem jungen Mann bis dahin gar nicht aufgefallen nud ihm durchauö nicht verdächtig gewesen waren, die der Zeuge jedoch aus seiner Erinnerung bestätigte, auch selbst vielleicht auf dieses oder jenes Vorkommnis hinweisend, das unter der Voraussetzung, daß überhaupt falsch gespielt worden sei, auffallen konnte. Herr v. Gersdorff befand sich bei diesem ganzen unterwegs ge- führten Gespräch in dem Glauben, daß eS sich um eine private Unterhaltung zwischen Kameraden handelte, und Herr v. Manteuffel that auch nichts, um ihm diesen Glauben zu nehmen. Dies hinderte jedoch den Kriminalbeamten nicht, dem Untersuchungsrichter einen Bericht über die Unterhaltung einzureichen, nach dem sich Herr v. Gersdorff sehr ungünstig über die Angeklagten geäußert habe. Und dieser Bericht diente dann, bei der späteren wirklichen Beniehmung, dem Untersuchnngsrichter als Grundlage seiner Fragen an den Zeugen, woraus sich allerlei Mißverständ- »isse ergaben und wodurch das Protokoll ungünstiger für die Angeklagten ausfiel, als es, nach der jetzigen Behauptung des Zeugen, geworden wäre, wenn er unbeeinflußt durch Herrn v. Manteuffel sein Zeugnis hätte niederlegen können. So wurde aus einem EntlastungS- ein Belastungszeuge. Der junge GerSdorff fand in seiner Naivetät das Vorgehen deS „Herrn Kameraden" nicht nett. Aber der Oberstaatsanwalt belehrte ihn, daß Manteuffel lediglich seiner Pflicht genügte, wenn er den Zeugen„ausforschte". Und darum die Moral von der Geschichte: Vorsicht, am besten Ablehnung jeder privaten Unterhaltung im Verkehr mit Kriminal- beamten, wenn die Sache auch noch so ein freundschaftliches oder kameradschaftliches Gesicht haben solltet Neben dieser Aufdeckung des polizeilichen Wirkens hat der Prozeß das andere große Verdienst, in das Lotterleben der goldenen Jugend hinein geleuchtet zu haben. Hierüber er- zählte am Montagnachmittag eine Reihe von Kellnern, die in ihrer Thätigkeit mit den jungen Prassern in intime Beziehung kamen, die wunderbarsten Sachen. Diesen Kellnern auS dem Klub der Hann- losen ist allerdings an dem Gebahren der jungen Spieler nicht das mindeste aufgefallen, und Zechen von 200 M. und darüber von etwa 10 Herren an einem Abend gemacht, konnten sie ipren Erfahrungen nach nur als ganz normal bezeichnen. Ueber- haupt stellten sämtliche vernommenen Kellner und Gastwirte den „Harmlosen" daS beste Zeugnis aus. Und die Anklage, die aus- nahmslos von allen Zeugen verlassen wird, kann auch aus den Bekundungen der„Angehörigen der Kelluerklasie", wie sich einer der Angeklagten ausdrückte, kaum Material gegen die Harmlosen ge- Winnen. Allerdings haben sich die Augehörigen der Kellnerklasse bei den Harmlosen auch recht gut gestanden. Der Klubkellner im Centralhotel bekam pro Spielabend 20 Mark, ein anderer bezog von den Harmlosen ein Gehalt von monatlich 300 Mark und verdiente sich noch mindestens ebensoviel durch Verborgen von Geldern an die Jeuratten, wenn sie beim Spiel ihr mitgebrachtes Geld verloren hatten. Einer der erschienenen Oberkellner machte dabei die interessante Mitteilung, darin sei nichts Auffälliges zu finden; denn es gäbe in ganz Berlin keinen Kavalier, der nicht gelegentlich die Kellner anpumpe, wenn das mit- gebrachte Geld verspielt sei. Der Mann sprach aus Er- fahrung, und jedermann glaubte ihm das aus dem Schatz seiner Erfahrungen Mitgeteilte. Aber gerade diese wahrheitsgemäße Auf- deckung der Lebensgewohnhciten, wie sie bei der Jugend der h e rrs ch en d e n K la ss e n üblich sind, ist allen denen sosehr unangenehm, die der verrohten und begehrlichen Arbeiterjugend den Nachwuchs der durch Besitz und Bildung ausgezeichneten Klassen als Musterbeispiel gegenüberstellen möchten. Nach einer Vorlage des Magistrats an die Stadtverordneten- Versammlung sollen vom 1. Oktober 1900 ab zwei neue städtische Schulinspektoren angestellt und zugleich die Zahl der Schul- kreise von zehn auf zwölf vermehrt werden. DaS kaiserliche Post-Zeitungöanit ersucht uns um Aufnahme olgendcr Mitteilung:„Ende Oktober wird mit der Drucklegung der vom Post-Zeituiigöamt herausgegebenen amtlichen Zeitungs- P r e i s l i st e für das nächste Jahr begonnen. Es ist daher er- orderlich, neue Zeitungen und Aciiderungen in den Bezugsbedin- ;»ngen schon bestehender Blätter bis spätestens zum 30. Oktober bei Zcr Post auzumelden, damit sie noch im Texte der Preisliste Berück- 'ichtigung finden können." Die italienische Oper bei Kroll ist verkracht. Seit Sonn- abend sind die Vorstellungen der italienischen Oper bei Kroll zu Ende. Der Unternehmer Signor Virgilio erklärte den Mitgliedern, daß er nicht mehr über die Mittel verfüge, daS Unternehmen fortzusetzen, und zahlte nur dem Chorpersona'l die Gage für zehn Tage und daS Reisegeld zur Rückkehr in die Heimat aus. Die Solo« Mitglieder haben nichts erhalten und versuchen, ihre Rechte durch eiiien Arrest zu wahren, den sie gegen Herrn Virgilio beantragt haben. Das Orchester war durch eine Kaution gedeckt, die Madame Darclöe(wie man sagt, die eigentliche Unternehmerin) auf Betreiben der Generalintendanz' hinterlegen mußte. Mit einer patriotische» Sabbathschändung ist die Reichs- Hauptstadt nach längerer Pause am vorigen Sonntag beehrt worden. In Charlottenburg wird an der Ecke der Cauer- und Berlinerstratze das Königin A u g u st a- G y in n a s i u m umgebaut. An diesem der höheren Jugend zu patriotischer und religiöser Erbauung dienen- den Institut mußten vorgesteni Steinsetzer. Maler und andere Baii- arbeiter mit Aufbietung aller Kräfte arbeiten, weil das Haus heute— in Gegenwart hoher Personen, wie eS heißt— eingeweiht werden soll. Mußte darum dem„Volke", dem a wohl trotz alles Mißerfolge« immer noch die Religion erhalten werden soll, ein so schlechtes Beispiel gegeben werden? An interessante» Moiiicntbtldern ist da» Moabiter Kriminal- zericht reich, selbst in den Winkeln, bis zu denen der Wellenschlag )es Prozesses wider„Die Harmlosen" nicht heranreicht. Besonders ertragreich für den Beobachter ist der Korridor, durch welchen die Maiiifestanten" dem„Ersuchten Richter" vorgeführt werden, um- nachdem sie sich zu gleichem Zwecke dem Civilrichter nicht gestellt haben— vor dem Sttasnchter zu beschwören, daß sie nichts besitzen. Gestern wurde eine Dame vorgeführt, die ein hochfeines Reitkostüm trug. Die lange Schleppe über den Arm gehängt, schritt sie stolz wie eine Fürstin neben dem Gerichtsdiener, der sie auS dem Gefängnisse heraufgeholt hatte. Die betreffende Dame hatte gestern feine hochgelbe Stiefeletten an den Füßen; bisher war sie häufig m demselben eleganten Kostüme auf dem Korridor zu sehen, aber da trug sie stet« Pan- toffelu untcr der Schleppe. Ihr ist»niulich vor einiger Zeit die flroße Unbill widerfahren, vom Reitpferde herunter verhaftet, und, wie sie ging und stand, in das Untersuchungs-Gefängnis eingeliefert zu tvcrdcn. Sie war des Arrestbruchs beschuldigt und hatte keine der wiederholten Ladungen Folge geleistet. Jetzt nun, da die Unter- suchung abgeschlossen ist, hat mau sie auf freien Fus; gelassen, bevor sie aber den Fuß in die Freiheit setzen durfte,»nutzte sie vor dem ersuchten Richter erscheinen, um Auskunft über ihr Bermogen zu geben. Außer dem, was sie ans den» Leibe trug, paradierte auf dem beeidigten Vcrniogensverzcichnis noch eine— Reitgerte. Einen Zusamincnbruch erlitt gester» morgen im» 4 Uhr ein Nachtomuibus der Linie Biilowstraßc— Alexaiidcrplatz auf der Gertraudteu-Briickc. Es brach ihm die Vorderachse und er legte sich mit einem heftigen Ruck ans die Seite. Fünf Fahrgäste wurden unsanft aus dem Morgenschluinmcr geweckt, aber nicht verletzt. Der Wagen lag bis ö Uhr a»>f der Unfallstelle und bildete ein arges Verkehrshindernis. Eilte Festnahme, die Sonntagabend in der V a l e n t i n i s ch e n M o r d s a che in der Liudenstraße vorgenommen wurde, hat sich wieder als eine von den vielen herausgestellt, die nicht aufrecht er halten iverden konnten. Ein Mann, der geistig nicht ganz gesund zn sein scheint, hat sich durch das Lesen der Zeitungsberichte so sehr in diese Mordsache hineingclebt, daß er von nichts anderem mehr spricht. So auch vorgestern abend in einer Gastwirtschaft in der Lindcnstraßc. Hier bediente nun zufällig ein Kellner, der früher im Vercinshaus in der Wilhelmstraße beschäftigt war. Diesem kam die Kenntnis so vieler Einzelheiten verdächtig vor, und da auch die Personalbeschreibung, die ja so allgemein gehalten ist, daß sie an viele Leute paßt, zu stimmen schien, so veranlaßt« er die Sistierung des Mannes. Der Verdächtige wurde»nit einer Droschke der Kriminalpolizei zugeführt, gestern morgen aber schon wieder eilt lassen, weil er sein Alibi zweifellos nachwies. Durch einen Sturz aus dem Fenster hat sich gestern morgen der 4L Jahre alte Arbeiter Friedrich Jahn, Langcftr. 87, getvdtet. Jahn>var früher Fensterputzer, verunglückte vor fünf Jahre in diesem Berufe, und zog sich dabei einen Schädelbruch zu. Infolgedessen litt er häufiger an Tobsuchtsansällcn. Gestern morgen um 4,/4 Uhr bekam der Kranke wieder einen Anfall, sprang aus dem Bette heraus, stieß seine Frau, die ihn aufhalten wollte, zurück und stürzte sich aus dem Fenster der im zweiten Stock belegenen Wohnung auf den Hof hinab. Hausgenossen trugen den Schwerverletzten in seine Wohnung hinauf, wo er nach zwei Stunden unter den Händen der Aerzte starb. Die Polizei des 94. Reviers beschlagnahmte die Leiche und ließ sie nach dem Schauhause bringen. Durch Fraue» vom Rade hcruutcrgeholt und weidlich durch- geprügelt ivurdc, wie eine Lokalkorrespondenz berichtet, am Sonn- abendnbend ein Radfahrer in der Nähe der Thomaskirchc. Der Ge- lynchte, einer jener wilden Nadfahrer, die ohne Zeichen zu geben oder sich um Straßendiegungcn oder Ecken zu kümincru, blindlings darauf losraseu, hatte eine Frau, die ein Kind im Arme trug, über- radelt. Ohne sich um sein Opfer zu kümmern, ivollte der Radler, der sich noch grober Redensarten bediente, davoneilen. Eine Anzahl Frauei» stellte sich ihm aber entgegen, riß ihn vom«Rade herab und bearbeitete ihn mit Marktkörben und Taschen derartig, daß ih»n wohl die Lust vergehen wird, dein Radsport wieder in ähnlicher Weise Schande zu machen. Durch Ucbcrfahre» schwer verletzt wurde gestern nnchinittag auf dem Potsdamer Platze der Hausdiener Paul L e y aus der Lützowstraße 11. Er geriet unter eine Droschke, deren Räder ihni über Kopf und Brust gingen und ihn, schivcre äußere und innere Verletzungen beibrachten.— Mit weniger schweren Verletzungen kam der 41 Jahre alte Arbeiter Otto Becker davon, der in der Leipziger- straße von einer Droschke überfahren wurde. Die Verunglückten wurden beide nach der Charitö gebracht. Der am Freitag im Geschäft von Krause, Beuthstr. 7, ver- unglückte Arbeiter Matternewitz ist gestern seinen schwercii Verletzungen erlegen. Strasteusperrung. Die Mittclstraße zwischen der Charlotten und der Fricdrichstraße wird behufs Verlegung von Straßenbahn- gclcisen bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Im Hörsaal der»Urania" wird heute Herr Dr. Nah einen Cyklus über Experniicntalchemie, welcher zehn Vorträge umsaffen soll, init dein Vortrage„Die chemischen Urstosfe" beginnen. Im Ostcnd-Theater ist am Sonnabend abennals der Versuch gemacht worden, die von englischen und amerikanischen Bühnen importierte Sensationshascherei allergröbster Sorte dem Berliner Publikum mundgerecht zu machen. Das neuaufgcführte Stück heißt „Der Weltuntergang" und enthält, wie sein Titel schon an- deutet, das Schrecklichste der Schrecken, sowie noch mancherlei außer dem. Von kleineren Unglücksfällen, wie dein unpassenden Genuß eines furchtbar wirkenden Schlaftrunkes am Hochzeitstage abgesehen, passieren� dem Helden des Schauspiels eine Eiscnbahnkatastrophc und der Zusammenstoß mit einem Kometen— Fatalitäten, für die ihm in dem besonders vorgeführten„Himmel der Liebe" nur recht unzureichende Entschädigungen blühen. Zuni Schluß erfahren wir, daß die ganze Geschichte nur ein Traum war und daß die Welt aller Sensationsdichtuug zum Trotz noch weiter bestehen wird. An Ausstattungen ist für die Verhältnisse des Ostend- Theaters erkleckliches geleistetstvorden, und auch das Spiel konnte sich sehen lassen. Bis jetzt haben aber Stücke nach amerikanischer Manier in Deutschland wenig gezogen, trotzdem man denken sollte, daß das Publikum durch einheimische Geschmacklosigkeiten genügend präpariert sei. Ob der Weltuntergang mehr Erfolg haben wird? Theater. Im Schiller-Thcater ist die Besetzung der Haupt- rollen des morgen zur ersten Aufführung komnienden drcialtigeu Schwanls „Die Großstadtluft" von Blumeuthal und Kadelburg folgende: Martin Schröter: Alfred Schmasow; Sabine: Gertrud Samosch; Walter Lenz: Max Eisfeld; Antonie: Marianne Wulf; Bernhard Gnnpe: Rcinhold Köstlin: Flemming: Albert Patry; Dr. Crusius: Leopold Thurncr; Frau Dr. Crusius: Agnes Werner! Rektor Arnstedt: Ernst Wehlau; Frau Amstedt; Elisabeth Rö-kcl. Feuerbericht. Drei größere Brände beschäfiigten die Feuer- wehr in der Nacht zum Sonntage längere Zeit. Bei einem wurde eine Person erheblich verletzt. Kurz nach Mitternacht wütete A r n d t st r a ß e 17 im Ouergebäude ein großer Dachstuhlbrand. Bei Ankunft der Feuerwehr stand bereits der größte Teil des Daches <10 Fenster Front) in hellen Flammen. Da das Gebäude zahlreiche Familien beherbergt und nicht ausgeschlossen war, daß Personen nn Schlafe von niedergedrückten» Rauch überrascht waren, so drangen Sappeure über die mechanische Leiter nach den oberen Stockwerken. Den bedrängten Mietern war es jedoch bereits gelungen, ins Freie zu krnnmen.— Schwer verbrannt wurde bei einem Wohuungsbrande der 71jährige Maler Götze, der K o ljo n i e st r a ß e 40 parterre ein kleines Zimmer geniietet hatte.' Der in dürftigen Ver- Hältnissen lebende Maler ist ein Kinderfreund und hatte in den letzten Tagen für die im Hause wohnenden Kinder allerhand Tand angefertigt, der Sonntag bei einem auf dem Hofe abzuhaltenden Kinderfeste zur Verteilung kommen sollte. Sonnabend» abend war er bis gegen Mitternacht vergnügt ii» der an seil» Znnmer angrenzenden Destillation. Kurz»ach seinen» Weggange hörten die Gäste laute Hilfenlsc, und als sie die Zimmerthur des G.,. öffneten, schlugen ihnen die Flammen entgegen. Trotzdem drang ein junger Mann in den brennenden Raun» und holte den G., der in einer Ecke zusammengebrochen Ivar, heraus. Er ivar iin Gesicht und an den Händen stark verbrannt und lvurde nach Anlegung eines Not- Verbandes seitens der Samariter der Feucrivehr nach den» Lazarus- Krankenharise geschafft.— In der fünften Morgenstunde brannte Wienerstraße 50 ein Kesselhaus. Hier konnte das Feuer mit einem Rohre abgelöscht werden. AuS den Nachbarorte». Charlotteubnrg. Der Magistrat hat den T e r n» i n für d i e Stadtverordneten wählen wie folgt festgesetzt: Für die dritte Abteilung auf den 7. November, vo>» 10 II hr vormittags bis 3 llhr abends; für die zlveite Abteilung auf den 9. November, von 9— S Uhr; für die erste Abteilung au' den 11. November, von 9—1 Uhr. Mit Rücksicht auf das auch von uns niitgetciltc, kürzlich ergangene Urteil des Stcttiuer Ober- Verlvaltuligsgerichtsl.' � wonach die Wahlen für die dritte Ab- tciluug für ungültig erklärt sind,»vcil für diese Abteilung die bestehenden' sieben Wahlbezirke in je drei selbständige llnterabtciluugcii mit ejgencu» Wahlvorftande eingeteilt ivaren, hat der Charlottenburger Magistrat beschlossen, die bisherige Zweiteilmig der sieben Wahlbezirke dritter Abtheilnug aufzuheben. Es wird aiso in jeden» Bezirk nur in einen» Lokal gewählt Iverden. Wenn auch die Wahlzcit um eine Stunde gegenüber den früheren Jahren verlängert ist, so dürfte cS doch zahlreichen Wählern, nament- lich denjenigen, welche außerhalb zu arbeiten gezwungen sind, nur sehr schwer sein, ihr Wahlrecht zu der festgesetzten Zeit auszuüben lim so mehr ist es Pflicht aller Parteigeuosscu, die Säumigen auzu- feuern und dafür zn sorgen, daß trotz der neu geschaffenen Schwierig- leiten unserer Partei der Sieg zufalle, Modernes Banwesen. Vor einigen Tagen mußte plötzlich auf polizeiliche Anorduung das Haus Westfälischcstr. 39 in H a l e>» s c c geräumt werden, weil sich in den oberen Stockiverken bedenkliche Sculuugen und Verwerfungen des Mauerwerks zeigten. Das Haus ist erst 1890 erbailtj: und hielt sich bis dahii» tadellos. Vor kurzem aber geriet der Ostgiebel ins Sinken, weil bei einem nebenan errichteten Ne»lbau das Erdreich bis iveit unter die Grundmauer dieses Giebels a»lsgeschachtet war, ohne daß genügende Absteifungen vorgenommen wurden. Voraussichtlich»vird sich au das Vor- kommuis eine Entschädignugsfordcrung von beträchtlicher Höhe knüpfen, deren gerichtlicher Ausgang für' Grundbesitzer wie für Bau- uuteruchmcr— aber auch für die Baubehörden von erheblichen» Interesse werden dürfte. Ripdorf. Der Magistrat will an die Straßenbahn- Gesellschaft das Verlangen richten. in der Richardstraße ein zivcitcs Gleise zu legen. Ferner ist der Magistrat einen« Uebclsiande näher getreten, den die Verlängerung der Straßcnbahulinic Schön- hauser Allee— Nixdorf bis zun» Geniciiidekirchhofe an der Rudowcr straße in Britz niit sich gebracht hat. Die Bahn fährt zum Teil init Anhängewagen, letztere werden aber am Rixdorfcr Ring bahuhos abgehängt. Fahrgäste, die bis znr Riidowerstraßc »volltcn und deshalb aus dem„Anhänger" in den Motonvagen umstiegen, haben nun vielfach noch cinnial 10 Pfennig Fahrgeld zahlen niüsscu. Der Magistrat wird von der Straßenbnhu-Gescll- schaft die Beseitigung dieser Ungerechtigkeit verlangen, wobei er sich auf die zlvischen der Gemeinde und der Gesellschaft abgeschlossenen Verträge berufen kam», mir deren Bcsti»ni»uugcn sich ein derartiges Verfahren nicht in Einklang bringen läßt. Das N a t u r h i st o r i s ch c M u s e u n» des Lehrers Fischer soll nach einem Beschlüsse der Stadtverordneten- Versammlung von der Stadt augekauft werden. Der Magistrat hat nun beschlossen, davon so lange abzusehen, bis im Rathause geeignete Räuinc für das Museum geschaffen werden können. Die königliche Polizei»vird wahrscheinlich von» 2. November ab Rixdorf mit ihrer Thätigkcit beglücken. Es soll sogar die Absicht bestehen, ihren Wirkungskreis auf Britz uird Treptow auszudehnen und zu diese»»» Zwecke in Rixdorf noch ein 6. Polizei- bureau einzurichten. Sämtliche Mitglieder der Räuberbande an der Obcrspree sind jetzt feftgeuommci». Bor zehn Tagen wurden die jugendlichen Arbeiter" Rüting und Pfeiffer, wie schon gemeldet, ergriffen. Beide legten schließlich ein»»»»fassendes Geständnis ab,»vodurch der Kriminal- Polizei die säintlichen Mitglieder der Bande bekannt wurden. An» Sonnabend gelang es dem Kommissär Damm, einen dritten Teil- iiehuier in der Person des Arbeiters Paul S ch ö p p k e in der Pücklcrstraße in einer Kaschemme zu ermitteln, Ivo auch der Pfeiffer fcstgeuommen worden war. Schöppke leugnete, der Gesuchte zu sein, bequemte sich aber schließlich zu ciuein Gcstäuduis, als ihm die beiden schon genannten Räuber gegenübergestellt wurden. Schöppke verriet dann auch die beiden noch fehlenden Mitglieder der Bande. Diese, der Lgjährige Karl F e h r i n g e r und K a r l N e u b e r t, wurden in der Nacht zum Sonntag in. einer Kaschemme des Süd- ostcns und in einer Schlafstelle Rerchenbergerstraße überrascht, wo sie sich unnugcnicldet unter falschem Nainc» aufgehalten hatten. Auch sie haben schon gestanden.__ Gevichis �Zeitung. Ter Prozeß gegen den Grafen ClauS von nnd zu Egloff- stein wurde gestern vor der siebenten Strafkainmcr des Landgerichts I zn Ende geführt. Es ist inzwischen festgestellt worden, daß zur frag- liehen Zeil nicht zwei, sondern nur ein eingeschriebener Brief an die Adresse des Angeklagten v. Egloffstein bei dem betreffenden Postaint aufgegeben worden' ist. Während die Verteidiger nachzuiveisen uchtcii, daß dies der Schachteische Brief sein müsse, vertrat der Staatsanwalt den Standpunkt, daß Juhacz der Absender gewesen sei. Er hielt deshalb seinen Antrag aus Berurteilnug des An- geklagten aufrecht. Die Verteidiger, Rechtsanwälte Hugo Mareuse und Gelpcke stellten noch Eventualanträge, um nachzuiveisen, daß Juhacz auch andere» Auftraggebern gegenüber sich Unregel- Mäßigkeiten habe zu schulden kommen lassen. Der Gerichtshof lehnte diese Anträge als uuerheblich ab und kam wieder zu einer Ver- nrtciluug des Angeklagten. Er sei nicht des Betruges in zwei Fällen, ivohl aber des Betruges und der Ilntcrschlagung in je einem Falle für schuldig befunden und deshalb zn einer Gefängnis- träfe von neun Monaten, wovon sechs Monate durch die erlittene llutersnchiiiigShast für verbüßt zu erachten seien, verurteilt worden. Der Antrag der Verteidigung, den Angeklagten auS der Haft zu cutlaffeu, wurde abgelehnt. Der Verurteilte erklärte, sich bei dem Erkeinitnisie nicht beruhigen zu wollen. Tic Ehre des Obcrlicutenants der Reserve v. Hochheim. In Halle a. S. hatte sich gestern der Oberlieutcnant und Landwirt v. Hochheim aus Schafstädt nebst mehreren seiner Land- arbeiter wegen einer unglaublich feigen und rohen That zu ver« autworten.' Er war an, 3. August mit seinen, Gutsnachbarn B e tz o I d auf der Schafstädter Flur in Streit gcrathen, der bald in eine Prügelei ausartete. Beide packten sich und rangen, wobei der Obcrlicuteuant den kürzeren zog. Am Boden liegend merkte Hochheim, daß er seine», Gegner nicht gewachsen war. Er bat um„gut Wetter' mit dein Versprechen, nunmehr Frieden schließe» zu wollen. Kaum hatte aber Betzold den Hochhein» loö gelassen, da bemerkte er seinen Hosineister Stein und rief demselben zu:„Ich muß meine Ehre retten, das Aas, der Hund iiluß st erben, holen Sie meine P o l a ck e n!" Die„Polacken" erschienen, zögerten aber, ihren» Herrn bei- zustehen und drangen erst ans Betzold ein, als v. Hochhein» jeden» einen T h a l e r versprochen hatte. Fünf Mann brachten darauf mit Eggen, Rciteln und»nit der Peitsche, die sie von ihrem Gutsherrn erhalten hatten, untcr den Augen des Gutsherrn dem unglücklichen Betzold so schwere Verletzungen bei. daß anfangs an -einem Aufkommen gezweifelt wurde. So ist es schön, soll der Lieutenant während dieser Sccne ge- rufen haben,„was es kostet, wird bezahlt!" Als dann die Arbeiter von ihrem Treiben endlich abließen, be- fahl Hochhein» den» Angestellten Pnsch»iochitials, auf den ohnmächtig an» Boden Liegenden e i n z n h a u e u, worauf der Angefeuerte dem Betzold noch einige Hiebe»uit den» Pflugreitel versetzte. Dann ver- ließen die Thäter den Kampsplatz und der Schwerverletzte wurde chließlich ans Veranlassung einer in der Nähe arbeitenden Frau ans einen» Wagen nach Hause transportiert. Hochh'einis erste Aufgabe nach der That war, wie das ja in den Kreisen üblich ist, die Beschaffung eines ärztlichen Attestes über seinen G e i st e s z u st a n d. Ein solches wurde»hm auch von den Aerzten Sanitätsrat Dr. Müller und Dr. Nehm ausgestellt, und es wurde loustatiert, daß Hochhein»„sehr nervös" sei, an einer Hirnverletzung leide und der„Schonung" bedürfe. Dies scheint aber doch nicht verfangen zu haben, denn Hochhein» wurde nebst de» Arbeitern, die ihm leider Gehorsam geleistet haben, wegen gefährlicher Körperverletzung unter Anklage gestellt.__ Das Urteil in der gestrigen Verhandlung der Strafkcimmer zn Halle lautete, wie uns telegraphisch gemeldet wird, gegen v. H o ch h c i in aus s c ch s M o n a t e G e s ä u g n i s: einige der von ihn» verführten polnischen Arbeiter wurden zu Strafen von drei und zwei Monaten Gefänguis verurteilt, während einer»nit zwei Wochen davonkam. Milde Strafe für Prügclpädagogik. lieber einen.Auf- scheu erregenden Fall schreibt die„Volks- Zeitung" ans P o s e n: Dieser Tage stand der evangelische Lehrer Käser aus Kochallc, der schon' ciumal wegen Ueberschrcitung des Züchtigungs» rechts bestraft ist, vor der Strafkammer zu Krotoschin. Käser hatte 14 Schulkinder in unmenschlicher Weise mißhandelt. Ter Staatsanwalt beantragte sechs Monate und zehn Tage Gefängnis. Kaescr hatte nämlich die Angewohnheit, daß er besonders Mädchen an den Haaren in die Höhe zog und sie dann auf die Erde fallen ließ. Dadurch»vurdcn den Mädchen ein Teil der Haare ausgerissen. Ein Mädchen, eine gewisse Auguste Dombrolva, ist dadurch zun» Krüppel geworden. Die Verletzung des Hüftgelenkes, die sie sich beim Fallen zuzog, konnte durch die Aerzte nicht geheilt werden. Das Urteil lautete gegen Käser ans— 15 Tage Gefängnis und auf eine den Eltern der verletzten Auguste Dombrolva zn zahlende Buße von 500 M. Ob dem Verurteilten noch weiter Gelegenheit gegeben wird, als Lehrer seinen rohen Gelüsten zu fröhucn? VevmiMkes. ? k Zwei Eisenbalinuiifällc, von denen der eine schwerer Art ist. haben sich am Sonntag ereignet. Wie die, Koblenzer Zeitung" meldet, fuhr in Obcrlahnstein eine Lokomotive in einen»ut A u s f l ü g l c r n besetzten Zug hinein. Ein Wagen desselben wurde aus den» Geleise geschleudert. Zwölf Personen ivurdcn verletzt, zum Teil erheblich.— Nach deinselben Blatt entgleiste bei Bacharach ein Personenzug, wobei drei Wagen zertrümmert wurden. Der Lokomotivführer wurde leicht verletzt. Zur Ciscubahukataftrophc in Hamburg. Zinn Eisenbahn- Unglück beim Klosterthor ist noch mitzuteilen, daß sich die drei Rc- kruten, die von dem 13. Dragoner- Regiment als vermißt gcnieldct worden waren, jetzt wieder eingestellt haben. Die Leute haben sich währen!» der allgemeinen Aufregung nach dem Unglück am Kloster- thor-Bahnhofe entfernt, sich dann aber freiwillig wieder gestellt.—- Der Beamte, der an dem verhängnisvollen Abend auf dem Kloster- thor-Bahnhofe Dienst that lStntions-Assiftent Scharff) ist nicht, wie es anfangs hieß, seines Dienstes enthoben worden, sondern es ist ihn» infoige seines seelischen Zustandes ein achttägiger Urlaub bewilligt worden. In Wilna ist vor einigen Tagen auf einer der belebtesten Straßen ein im Bau begriffenes dreistöckiges Gebäude, das bereits bis zum zweiten Stock hcraufgcbaut war, ein- gestürzt. Unter den Trümmer»» wurden 16 Leichen hervorgezogen. während acht Arbeiter schwer verwundet sind. Den Bau leitete der Stadtbaumeistcr Prozorow. Die gerichtliche Untersuchung ist bereits in» Gange. RohcitSknltns in Frankreich. Sonntag fand in Deuil bei Paris das schon seit 14 Tagen angekündigte Stiergefecht statt. Bei den» ersten Kampf brach der Stier durch die Barnöre und drang in den Zuschauerraum ein, wodurch eine große Panik entstand, bei der niehrcre Zuschauer verletzt wurden. Der Stier, der inS Freie flüchtete, wurde von Gendarmeil durch Revolverschüsse verwundet und von einem der Stierkämpfer getötet. Das Stiergefccht wurde nach diesem Zwischenfall nicht weicher fortgesetzt.— Hoffentlich ist damit das sehr wenig zeitgemäße Unternehin'en als abgeschlossen zu betrachten. Ans Salcrno wird berichtet. Infolge von wolkenbrnchartigcn Regengüssen wurde gestern in verschiedenen Städten und Markt- flecken schwerer Schaden angerichtet. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, L a c a v a, besuchte heute die heimgesuchten Ortschaften. In Cava bei Tirrcni sind eine, in Salcrno zwei Personen u m- g c k o m n» c n, in den anderen Ortschaften bedeutend mehr. Die Zahl derselben ist noch nicht bekannt. Der Minister Lacava ordnete sofortige Hilfeleistung an. In einem Teile von Central- und Ost-Japan hat am oni, abend ein T e i f u n gewütet, welcher großen Ernte- und sonstigen Eigcntuinsschadcn angerichtet hat. Ein Zug wurde in der Nähe von Utsunomiya von einer Brücke in den Fluß hernntergeweht. 6 Personen wurden getötet, eine große Anzahl verletzt. Marktpreise von Berlin am 7. Oktober 189V nach Erinilteliiiige» des kgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. )Weizcil "iRoggcn Fnltcr-Gerste. Hafer gilt „ mittel ,. gering Nichtstroh Heu„ t)Erbse» -ftSpciscbohlieii tZLlNseu Kartoffeln, neue Riiidslelsch, Keiil«. I I-K do. Bauch„ ) Ermiltelt pro Iö,4ö 15,35 14,— 15,20 14,30 13,50 4,50 40'— 50,- 70,— 7,- 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Haiiiinelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 1kg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2, 4,50 2,20 2,80 2,60 2,- 1,80 2,80 1,40 12,- 2,- 2,80 1,30 1,20 1,20 1,- 0,80 1,20 0,80 2,- 14,70 14,10 12,70 14,40 13,60 12,80 4,- 4,- 25,- 25,- 30,— 5,- 1,20 1,- von der Ceiilralflelle der Prenff. Landwirt, schastSkaiiimeril— Noticriingsslclle— nnd uingerechnct vom Polizeipräsidlnm für de» Dappel-Centner. Kleinhandelspreise. P r o d u I t e u in a r k t vom 9. Oktober 1899. Weizen und Roggen eröffneten au» Frühmarkt zu gut behaupteten Preisen. Mittags schwächte sich Roggen, für welchen reichliche, wenn auch noch nicht rentable Offerten vor- lagen, leicht ab. Der Hafcrmartt lag slifl bei unveränderten LiefcrungS- preisen. Rüböl zog um weitere 0,20 M. an. Am Spiritus markt konnte von irgend welchem Geschäft kaum die Rede sein. 5000 Liter 70— das kleinste durch den Makler umsetzbare Ouantum— wurden zu gestrigein Preis«(43,60) verschlossen. Tcruiine waren ohne Kurs nnd Handel. Kartofselfabri kate. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. brutto inkl. Sack 11,20 M. Prima reine Kartoffelstärke per 100 Kg. brutto inkl. Sack und Mehl 21,25—21,50 M. Oltober-Dczbr. Supra trockene Kartoffel- stärke— ,— M. Kartoffelmehl per 100 Kg. brutto—,—. Prima Kartoffelmehl 20— 20,50 M., prompt— ,— M. per 100 Kg. Eierbcricht vom 9. Oktober. Normale Eier je nach Qualität von 3,22»/z— 3,60 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität von-2,70— 2,80 M. per Schock. Kalkeier je nach Qualität von— bis— M. per Schock. Tendenz: ruhig. Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechftnndc findet bis zum 19. d. M. Mo»« tag-. TicnStag- und Freitagabends von 71/2 Uhr ab statt. P. R. 17. Ihre Frage ist uns nicht recht klar. H. Z. 100. Wenden Sie sich an den Gastwirt Prenß, Neue Friedrich- straffe 20.___ WiltcrnngSübcriicht vom 9. Oktober 1399, morgcuS 8 Uhr. Stationen g aS »c Swinemdc. anibnrg crlin Wiesbaden München Wie» .. a H es i-' ü 5'£1 Wetter SS S r!e| a s> ga 773 774! WSW kill 774 W 773 NO 773 O 774 ZtW 2heitcr —»völlig 1 heiter 4wolrcnl üffvolkenl Lwolkcnl Stationen --e äs Haparanda Petersburg Cork Abcrdeen PnriS 763 TW -I- 769 SSO SSO 771ONQ Weiter 4hlb.bed. 3wolkig 3 wolkig 2 Dunst ÜX SO «S, 13 12 S Weiter. Prognose für Dienstag, de» 10. Oktober 1309. ENvaö wänner bei mäffigen südwestlichen Winden und zunehmender Bewölkung; keine oder unerhebliche Niederschläge._, Verantwortlicher Redactcur: Heinrich Wchker in Groff-Lichterselde. Für den Inseratenteil veramwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Bcrlag von Max Bading in Berlin. Pr. 23J. 16 i*i"i LKeilM Ks JotmWs" pttlinn KMIÄ DicilSlag, 10. WM 1899. D>c„Harmlosen" vor Gericht. Sechster Tcig. Die heutige Sitzuncs, ivclchcr der LandgerichtZprüsideut Braun veiwvhut. crögnet Laud�crichtsdircktor D e n s o um S Uhr. Unter den anwesenden Zeugen befindet sich auch der von London hierher gccilte ehemalige Älubdicncr. jetzige Oberkellner M o n t n l d i. Eine Erklärung des Herr» v. Mantcuffcl. Vor Eintritt in die Verhandlung erbittet sich KriminalkonimisiariuS ?- M a.n t c nff c l das Wort: Es ist mir vorgcivorfcn worden, dag ich wigentlich die Unwahrheit gesagt hätte, indem ich den bekannten Bncj an Dr. Leipziger richtete, der den Satz enthält, daß gegen . Uornblnm� kern Ermittelungsversahren wegen gcwcrbs- matzigcn Glücksspiels schwebe. Ich erkläre hicrnnt, daß ich thatsäch- Ilch keine Ermittelungen wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels gegen �r. Aornblnm angestellt hatte und tvcnn gegenteilige Behauptungen in der Prcne aufgestellt werden, so habe ich nochmals darauf hinzu- weilen, dag ich 5konfercnzen mit dem Oberstaatsanwalt Drescher inid dem UiitcrslichungSrichtcr Landgerichtsrat Herr gehabt hatte. Damals lvar ich als Sachverständiger zugezogen worden und habe dort ziiersi Kenntnis davon bekommen, daß gegen Dr. Kornblum ciiic Untersuchung beschlossen war. Ich'habe sofort ganz bestinimt meiner Uebcrzcugnng AnSdruck gegeben, daß Dr. Kornblnm vollständig intakt ivar und das gründete sich aus folgendes: Ich hatte ohne behördlichen Auftrag, lediglich um das Terrain zu sondieren, Ermittelungen angestellt, die sich auf die Person des Dr. Kornblnm bezogen.' Und ans Griind dieser Erwitte- lungeii habe ich sofort mitgeteilt, daß absolut kein Grund vorläge, Ivcitere Ermittelungen gegen Dr. 5r. anzustellen, iveil 1. Dr. K. Herr eines bedeutenden Vermögens war. 2. iveil er keinen Anhang in den Kreisen gewerbsmäßiger Spieler hatte. 3. weil er ans einer anständigen Familie stammte nnd 4. weil mir gesagt wurde, daß nichts gegen Dr. K. vorliege, als ganz bcivcislosc Verdächtigungen. Ich bin also nicht mit Erniittclnngcn gegen Dr. Kornblnm beauftragt worden und habe auch keine angestellt.— Ans eine Frage dcsObcrstaätsanwaltS Dr. Isen die l erklärt Zeuge v. Mantenffel ivcitcr: Meine Befugnis, auf den Ar- tikeb im„Kleinen Journal" über Dr. Kornblum zu antworten, um eine Preßfchde zu unterdrücken, gründete sich ans einen ausdrücklichen Auftrag des Landgerichtsrats Herr, der es für zweckmäßig hielt, dag Dr. Kornblum durch Artikel der Presse nicht vor den Kopf ge- stoßen werde.— Rechtsanwalt Dr. Schachtel: Wir müssen uns unsere Stellungnahme zu diesen Acußernngen des Zeugen v. Man- tcnffel, die ja ganz überraschend gckominen sind, vorbehalten. Ich kann nur jetzt schon sagen, daß eine ganze Reihe von Perionen aus Spielerkreisen behaupten, daß v. Mantenffel und Dr. Kornblum schon längere Zeit b e l a n n t iv a r e n. — Oberstaatsanwalt Dr. I s e n b i c l: Bei Vernehmung des Dr. Leipziger hat der Angekl. a Kayser gesagt, er habe durch einen Bcrtrauensniann die Akten einsehen lassen und erfahren, daß ein Verfahren gegen Dr. Kornblum schwebe.— Angekl. v. K a y s e r erklärt, daß er dies von einem ihm bekannten Referendar gehört habe, dessen Namen er aber nicht nennen wolle.— Der V o r- ftrfc ende teilt ein Schreiben des Generalkommandos mit, ivonach der Angekl. v. Kröchcr seinerseits aus Gesundheitsrücksichten zur Reierve übergetreten sei. Als Zeuge wird sodann Gerichtsassessor Dr. von Mörs vernommen, welcher auch eine Zeitlang an Spielabendcn teil gc- nominell, an der Begriinvung des Klubs sich aber nicht beteiligt, sondern sich vorher gänzlich zurückgezogen hat. Er bcstnsigt ci'nc Frage des Vorsitzenden, daß er einmal eine größere Summe vom Angeklagten v. Kayser gewonnen habe, daß damals v. Kayser ctivas »im Brand" war und seine Schuld erst etwas später reguliert habe. Er sei aber auch häufiger Schuldner des Angeklagten v. Kayser gewesen und dieser habe Ivohl auch einmal einen höflichen Brief an ihn gerichtet, in welchem er an die Tilgung einer kleinen Schuld mahnte. Was Wolff betrifft, so habe er diesen nicht näher gekannt, er würde es aber vorgezogen haben, nicht mit ihm � zu spielen, denn ein alter Herr, der sich in die Gesellschaft junger Leute eindrängt. erscheine ihin von vornherein verdächtig. Er habe auch gehört, daß einmal ein Wolff den Fabrikbesitzer Prins Neichenheim stark gerupft habe und habe den unbestimmten Verdacht gehabt, daß dies vielleicht derselbe Wolff sei, der jetzt an den Sp'ielabenden teilnehme. Wer den Wolff eingeführt, wisse er nicht. Auf lveiteres Befragen des Vorsitzenden erklärt der Zeuge, daß keine Rede davon sei, daß er von den Angeklagten znm Spiel besonders animiert worden sei, ebenso weiß er nicht, daß v. Kröcher seinem Vater das bestimmte Versprechen abgegeben habe, nicht mehr zu spielen, doch hat er der- artiges gehört. Richtig sei es, daß nach seiner Meinung der Angeklagte v. Kröcher fast nie verloren, sondern überwiegend gelvonnen habe, ob er auch in auffälliger Weise oft größere„Seeschlangen" gehabt habe, weiß Zeuge nicht.— Präs.: Was wissen Sie von der Lebenshaltung des Angeklagten v. Kröcher?— Zeuge: Es kam niir so vor, daß v. Kröcher großen Aufwand trieb, denn er hielt sich einen Wagen und eine Maitresse.— Präs.: Wie hoch schätzt der Zeuge den jährlichen Aufwand des Angeklagten v. Kröcher?— Zeuge: Ich schätze ihn auf 20-25 000 M.'— Justizrat Dr. Sell'o: Hat Herr v. Kayser auch zumeist gewonnen?— Zeuge: Ich habe Herrn v. Kayser öfter verlieren, als gclvinne» sehen.— O b c r- staatsanwalt: Haben Sie Ihren Verdacht beziiglich des Wolff den Angeklagten einmal geäußert?— Der Zeuge entsinnt sich, daß er einmal in der Englischen Bar über Wolff niil den Angeklagten gesprochen und sich etwa dahin geäußert habe: Ihr habt ja einen recht dunklen Ehrenmann bei Euch aufgenommen. Auf die Frage, wer dies sein solle, habe er Wolff genannt, die Angeklagten v. Kröchcr und v. Kayser haben aber den Verdacht mit a l l e m N a ch d r n ck bestritten und Herrn Wolff gewissermaßen als reinen Engel hin- gestellt.— Zeuge v. Mörs tritt alsdann mit großem Nachdruck der von v. Kayser geäußerten Ansicht entgegen, daß er(v. MörS) mit Dr. Kornblnm gemeinschaftliche Sache gemacht habe, um v. Kayser auf die Anklagebank zu bringen. Diese ungeheure V e r- dächtigung müsse er entschieden zurückweisen. Dr. Kornblnni habe ihn einmal nach dem Erscheinen des„Tageblatt"- Artitels gebeten, als Kartellträgerfürihn bei dem Angekl. v. Kayser zu fungieren. Er habe Herrn Dr. Kornblnm zunächst gesagt, er halte denjenigen, der den Artikel gebracht, für ein„S ch>v c i n" und könne ihm die Ehre, für ihn Kartellträgcr zu sein, nur anthun, wenn er die Versicherung abgebe, daß er nicht der Verfasser des Artikels sei. Diese Versicherung habe Dr. Kornblum— wie ja nun feststeht, fälschlich— abgegeben; die Differenz mit Herrn v. Kayser sei gütlich beigelegt worden. Dies sei der einzige Zusammenhang, in dem er init Dr. Kornblnm gestanden. Er habe Dr. Kornblum wiederholt gesagt, er solle sich vor Herrn von Manteuffcl in acht nehmen, mit einem P o l i z e i- K o m m i s s a r i u s lasse sich ein an- st ä n diger Mensch nicht in der Weise ein, daß er ihm Informationen giebt.— v. Kayser: Herr v. Mörs wird zugeben, daß er sich auch durch Herrn Dr. Kornblum hat täuschen lassen, und ich habe aus den Verhältnissen zu meinem Leidwesen den falschen Schluß gezogen, daß er mit Dr. Kornblum zusammenhalte.— Zeuge Dr. v.' MörS protestiert schließlich euer- gisch dagegen, daß eine gerichtliche Zustellung an ihn angeblich nicht habe bestellt werden könne» und daß das Gerücht verbreitet wurde, er sei„verduftet". DaS fei eine böswillige Erfiiidnng, die ihn in seiner Ehre als Mensch und Beamter empfindlich kränken mußte. Er sei, als die Vorladung� an ihn erging. verreist gewesen, habe aber bei der Post gebeten, daß ihm Eingänge nachgeschickt werden. Wenn dann der betreffende Vorladungsbrief einfach auf der Post niedergelegt wird, so sei dies nicht seine Schuld. Herr v. Mantenffel rettet von neuem seine Ehre. Zeuge v. Mantenffel tritt vor und erklärt niit er- Hobe n er Stimme, daß die Sache hier wieder so„gedreht" zu werden scheine, als ob er absichtlich die Vorladung in dieser Form erledigt habe. Er habe aber ausdrücklich den schriftlichen Auftrag erhalten, die Vorladung, weil die Bestellung iinaussührbar sei. ans der Post niederlegen zu lassen.— Zeuge v. Mörs: Eine einfache Anfrage bei der Post hätte genügt. Daß Herr v. Manrcitffel aber, wie doch unbestreitbar ist, im„Kleinen Journal" solche Gc- rüchte über mich verbreiten läßt. geht doch über meinen Horizont.— Der Oberstaatsanwalt meint, daß die Staatsanivaltschaft nnd Herrn v. Mantenffel in Sachen der Vorladung gar kein Vorwurf treffen könne.— Nachdem die Rechtsanwälte Dr. Schachtel und Jnstizrat Dr. S c l l o von dem Zeugen nach den verschiedensten Nichtnngcn hin Auskunft über Vorgänge erfordert, die in dem Protokoll eine Färbung zu Ungnnstcn der Angeklagten erhalten hatten, fragt Rechtsanwalt Dr. Schwindt, ob dem Zeugen etwa bekannt sei, daß Dr. Kornblum niit Herrn v. Wtantenffcl wiederholt freundschaftlich verkehrt habe.— Zeuge v. Mörs: Er habe den Dr. Kornblum wiederholt in der Potsdamer Straße, getroffen. Dieser habe wiederholt behauptet, daß v. Man- tcnffel ihni vieles gesagt habe, wie die Zeugen ausgesagt haben. Dr. Kornblum sei nach seineu Behauptimgen alle Na sc lang mit Herrn v. Mantenffel zusammen gewesen.'— Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Hat nicht der Zeuge auch Briefe gesehen, die Dr. Konblum von Herrn v. Mantenffel erhalten hat?— Zeuge: Ja wohl.— Zeuge von Manteuffcl: Es ficht so ans, als hätte ich dem Dr. Kornblum Mitteilungen gemacht über das, was v. Kröcher bei seiner Vernehmung ausgesagt hat. Ich erkläre ausdrücklich, daß es umgekehrt ist, ich erfuhr die den Herrn v. Kröcher betreffenden Mit- tciliingcn vom Dr. Kornblnm. Dieser hatte mir gegenüber auch seine Verwunderling darüber ausgesprochen, daß gegen Wulff nicht ein Haftbefehl erlassen sei. ES folgt die Bernchmnng' des Studenten Hans v. GcrSdorff ans Leipzig, welcher folgende Aussage macht: Ich habe zuerst vor etwa drei Jahren im Bictoria-Hotel an dem Spiel leilgcnommcn, dann nach längerer Zeit wieder im Central-Hotel.— Präs.: Ist es Ihnen nicht aufgefallen, daß die Angeklagten im American Bar Kavaliere darauf aufmerksam machten, daß da und da gespielt wurde?— Zeuge: Nein, das ivar allgemein bekannt.— Präs.: Kannten Sic Herrn Wolff?— Zeuge: Jawohl.— Prüf.; Welchen Eindruck machte er auf Sie?— Zeuge: Einen guten, es war ein unge- heuer freundlicher Herr. Ich habe wiederholt neben ihm gesessen, wenn er die Bank hielt.— Präs.: Ist es Ihnen nicht aufgefallen, daß er besonderes Glück hatte?— Zeuge: Ja, er gc- wann ja häufig, aber ich habe auch gesehen, daß er verlor.— Präs.: Hat er nicht bestiinm'tou Herren gegen- über sich geweigert, sich am Spiel zu beteiligen mit dem Bemerken, daß die Karten einen zu großen Respekt vor ihnen hätten?— Zeuge: Ja, das hat er einmal gesagt, ich habe aber etwas Verfängliches nicht darin gefnnd.e.n. Solche Redensarten niachr man wohl mal. Es kommt auch vor, daß einer der Spieler äußert:„Gegen den Herrn setze ich nicht mehr!" Das sagt man z. B., wenn der Bankhalter großen„Dusel" hat und giebt dies zu irgend welchen für den Bankhalter nachteiligen Schlußfolgc- rungeu keine Veranlassung, Ich habe immer die Ansicht gehabt, daß völlig korrekt verfahren wupde, bin aber erst durch die fort- gesetzten Andeutnngcn des Herrn v. Mantenffel, daß dies nicht der Fall war, zu einer anderen A n s i ch t gelangt. Meine Per- nchmung hat unter eigentümlichen Nmstäiiden staNgefanden Präs.:' Sagen Sie erst doch, ist es Ihnen nicht lanfgcfallen, daß denr Wolff einmal ein besonderes Cntgcgenkommen gezeigt wurde, als er es ablehnte, die Bank zu halten?—Zeuge: Ja. Es war Gebrauch, daß ein Spieler, der die Bank übernahm, bei der lieber- nähme 20 M.Z und bei der Abgabe wieder 20 M. a n die Pinke abzuführen hatte. Wolff legte nur 20 M. in die Pinke, ohne daß einer der Direktoren Veranlassung nahm, dies zu monieren. Aus Antrag des Verteidigers Dr. Schachtel wird der Zeuge ersucht, de» Gang seiner Vcrnchninng im Ziisammcnhaiige zu erzählen. Abermals Anklagen gegen v. Mantenffel. Zeuge v. G e r s d o r fff: Ich bekam nach Leipzig ein Schreiben von Herrn v. Mantenffel, ivorin er mir mitteilte, daß meine Ver- nehmung notwendig sei,. ich möchte doch auf einen Tag»ach Berlin kommen. Ich schrieb ihm wieder, daß ich am kommenden Sonntage in Berlin sein und im Mincroa-Hotcl absteigen würde. Hoffentlich könne meine Boruehiiiung trotz des Sonntags erfolgen. Herr v. Mantensfcl stellte sich im Hotel ein nnd näherte sich mir gctvisscr maßen kameradschaftlich. Wir begaben uns zum Landgcrichtsrat Herr nach Moabit. Unterwegs fragte er mich, was ich von der Sache wisse. Ich erklärte zunächst, daß der Artikel im„Berliner Tageblatt" n n- wahr sei. Dann hat Herr v. Mantenffel mich allmählich suggeriert, indem er mir vorhielt, daß Wolff doch verschwunden sei niid daß viele Thatsachen dafür sprächen, daß es nicht korrekt zugegangen sei. Ich müßte mir sagen, daß alle die kleinen That- sachen znsammcngchaltcn und unter einem bestimmten GcfichtsNnnkel vor Augen geführt, wohl dafür sprächen, daß die Ansicht des Herrn v. Mantenffel richtig sein könne. Meine Vernehmung konnte an dem Sonntage nicht erfolgen. Herr v. Mantenffel hat dann aus der Unterhaltung mit mir einen langen Bericht gemacht und er hatte m i r A n s s'a g c n i n d e n M u n d gelegt, v o n d e n e n i ch nichts wußte.— Rechtsanwalt Schachrel erklärt, daß es der Verteidigung daran liege, nachzuweisen, daß die Zeugenaussage unter dem Einfluß des Herr» v. Mantenffel zu stände gekommen ist. Der Zeuge erklärt ferner, daß, als er das zweite Mal ver nommen wurde, es ihm ausfallend war. daß zwischen dein Unter- suchungsrichtcr nnd ihm fortwährend M i ß v e r st ä n d n i s s c vor- kamen, die er für unerklärlich gehalten. Endlich sei ihm da? schriftliche Protokoll vorgelegt ivorden und er habe darauf bestehe» müssen, daß einzelne Satze aus dem Protokoll gestrichen ivürden. Er sei zu der Ucbcrzengiing gekommen, daß v. Manteuffcl den NntersnchinigSrichtcr Herr ebenso beeinflußt habe, wie ihn selber, und zwar durch den Bericht des Herrn v. Mantenffel über die von diesem vorher vorgcnömnituc informatorische Veriichmnng. Es wäre— so meint Zeuge— ihm doch sehr interessant, diesen Bericht doch auch einnial kennen zu lernen, um zu sehen, inwieweit er den Thatsachen entspreche.— v. Mantenffel: Er habe dem Landgcrichtsrat Herr nur das wiedergegeben, was»r von Herrn v. Gcrsdorff gehört habe.— Zeuge v. Gersdorsf: Wie wenig ich bei der Vernchmniig der Ansicht war, daß falsch gespielt worden, geht daraus hervor.' daß ich vor. dem Untcrsnchnngörichtcr sagte. inan mache sich jedenfalls ein völlig falsches Bild von den Vorgängen. Der Untersuchnngsrichtcr sagte mir aber, daß sich dies meiner Bcnrteiliing entzöge.— Ein Beisitzer wünscht u wissen, ob dem Zeugen mit klaren Worten gejagt worden sei, laß das Falschspiel„bereits erwiesen" sei?— Zeuge: Ja, positiv, von Herrn v. Mantenffel und Herrn Rath Herr. Ich wiederhole, daß das Protokoll an sich ja durchaus Richtiges über meine Aussagen enthält, daß aber diese immer unter dem Eindruck der mir gewissermaßen suggerierten Ueberzengung standen, daß entschieden falsch gespielt worden sei. Wenn die Fikliou des Falschspiels weggenommen wird, dann bleiben mir Borgänge übrig, die ganz unverdächtig sind nnd überall vorkommen. Ich habe nachher das unaiigenehmc Gefühl gehabt, daß ich über den Löffel b a rb i e r t sei.— Der Zeuge betont unter anderem noch, daß bei seiner Vernehmung an einzelnen Ausdrücken längere Zeit„herumgewürgt" worden sei, ehe es gelang, das'niederzuschreiben, was er wirklich habe sagen ivolleii.— Ober staatsanwalt: Der Zeuge hat � doch das Protokoll unterschrieben und Wort für Wort als richtig anerkaimt.— Zeuge: Das ist richtig, aber ich bleibe dabei, daß wenn die Fiktion des Falschspiels genommen wird, ver- dächtige Momente nicht übrig bleiben.— Das Protokoll über die Vernehmung des Zeugen wird hierauf in Gegenwart des hcrbeige- rufcnen Laudgcrichtsra'ts Herr verlesen. Er erkennt das Protokoll Wort für Wort als richtig au, bleibt aber bei seiner vorherigen Bemerkung. Laudgerichtörat Herr: Er konstatiere bor der Oesfcntlichkeit, daß das Protokoll mit der außerordentlichsten Gewissenhaftigkeit anfgenomnien nnd daß der Zeuge von keiner Seite beeinflußt worden sei. Er wiederhole, daß er jedes Wort des Protokolls aufrecht erhalte und die Vcrantwormng dafür übernehme. Wort für Wort habe er dem Zeugen das Protokoll vorgelegt und über einzelne Sätze sei l1/* Stunden gesprochen worden. Die Vernchmniig des Zeugen sei eine der schivicrigsten gewesen, die ihm vorgckonimcn.— Zeuge v. Gers- dorff: Infolge des Berichts des Herrn v. Mavteufiel!— Ober- staatsanwalt: Hat der Herr Untersuchnngsrichter dem Zeugen v. GcrSdorff gesagt: der Beweis des Falschspicls sei bereits„er- bracht"?— Zeuge Landgcrichtsrat Herr: Nein, ich habe ihm nur gesagt, es seien bereits Momente ermittelt, die unter Umständen dafür sprechen könnten.— Zeuge v. Gersdorff: tzlber Herr v. Mantenffel hatte vorher schon im Korridor dies gesagt. Auf Antrag der Verteidigung wird der Bericht verlesen, den Herr v. Mantenffel über seine erste Unterhaltung mit dein Zeugen v. GcrSdorff dem Untersuchungsrichter erstattet hat.— Zeuge er- klärt hierzu, daß von der Bestimmtheit, die in jenem Bericht zum Ausdruck gekommen sei, gar keine Rede gewesen. Einzelne Sachen. die in dem Protokoll als von ihm belnndcl angegeben würden, habe er gar nicht aus eigenem Antrieb erzählt, sondern v. Mantenffel habe sie ihm erzählt und er habe nur bestätigt, daß er sich an solche Vor- gänge erinnere. Warum habe denn v. Mantenffel ihm nicht gesagt. daß er ihn vernehme, dazu sei doch stundenlang Zeit geweseir und er hätte doch die Mitteilungen niederschreiben nnd von ihm unterschreiben lassen können, v. Mantenffel habe sich ihm a l S Offizier vorgestellt nnd sich mit ihm in der j o v i a I st e n Weise unterhalten, während er doch thatjächlich vomLandgcrichtsrat Heir beauftragt war. ihn zu vernehmen. Die ganze Art und Weife, wie v. Mantenffel sich ihm gegenüber benommen habe, sei, mii eineir milden Ausdruck zu wählen,'„nicht sehr nett" gewesen: nachher habe er ihn noch in der Zeitung so hingestellt, als ob er sich„dünne" gemacht habe.— Der Oberstaatsanwalt legt cutschiede» Protest dagegen ein, daß hier eine Art Nntersuchung gegen Herr» v. Mantenffel geführt werde. Dieser habe sich ausschließlich seiner vorgesetzten Be« Hörde gegenüber zu verantworten. Wenn der Zeuge es hier so hinstelle, als ob Herr v. Mauteuffel gewissermaßen„hinter seinem Otiickeiick etwas ans jovialen Unterhaltüngen mitgeteilt habe, so hebe er hervor, daß Herr v. Mantenffel durchaus berechtigt war, auch Fragen zu stellen, uni etwas auSznförichrn. Ein Vorwurf könne Herrn v. Mantenffel ans seinem Verhalten nicht gemacht werden. — Rechtsanwalt Dr. Schachtel: Er gebe dem gegen- über die öffentliche Erklärung ab, daß die Verteidigung der Anffassung des Staatsanivalts nicht beitreten kann, sondern in dem Verhalten des Herrn v. Mantenffel eine große Menge Inkorrekt- hcitcn erblicke.— lieber die Frage, ob der Zeuge v. Mantenffel nicht in cinzelucn Punkten seine subjektive Auffassung mit den Aus- sagen des Zeugen v. Gcrsdorff verquickt hat, kommt es zu längeren, sehr lebhaften AnScinandcrsetzniigen zwischen dem Rechtsanwalt Dr. Schachtel nnd Herrn v. Mantenffel.— Der Zeuge Landgcrichtsrat H c r r vcrwahri sich schließlich nachdrücklichst gegen die in cinzclncii Zeitilngcii bekiindctc Ansicht, daß er die llntersiichnng in einseitiger Strenge gegen die Angeklagten geführt habe und giebt zu, daß er den Koimnissar v. Mantenffel ersucht habe, dafür zu sorgen, daß solche Prcßtrcibetei, wie sie im„Kleinen Journal" gegen Dr. Korp« blnni begonnen wurde, i in Interesse der Untersuchung m ö g l i ch st unterbleibe. (Mittagspause.) Abermals Offiziere als Zeugen. Nach Wiederaufnahiiie der Sitzung werden einige Zeugen ver- noiiiinci!, die gelegentlich einnial mit den Angeklagten gcspieft haben, ohne dauernd dcni Spielerkreisc anzugehören: junge Offiziere, die im ganzen nichts Verdnchliges gegen die An- geklagten vorziibringen wissen. ES koninit dabei durch Verlesung v o n' B r i c f e n reicht deutlich zur Anschaining. in welche A e r- l c g c n h e i t die jungen Herren häufig durch ihre Spiclvcrliistc, die sich oft auf mehrere lausend Mark in einer Nacht beliescu, geraten sind. Sie sind von Pontius zu Pilatus gclniifeii' und haben oft die größte n A n st r e n g n n g c n machen müssen, u in das Geld zur Begleichung ihrer S p i c I s ch n l d e n auf- zutreibe». Wiederholt haben sie auch. die Nachsicht ihrer Spick- gläubiger in Anspruch nehmen müssen.— Da im Lause der Ver- handlniig zur Sprache gebracht worden ist. daß ein gedrucktes Exemplar der vom Rechtsanwalt Schachtel verfaßten Vertcidigiings- schrist im Zcngeiiziffimer gelegen habe, werden die Zeugen wieder- holt danach befragt, ob sie ctivn auch die BerteidignngS- schrist gelesen haben. Rechtsanwalt Dr. S ch achtel betont nochmals, daß die Driicklegiing der Verteidigniigsschrift eine rein private Anordnung seiner Person sei. Er habe diese Verteidigungsschrift verschiedeneil Personen zugänglich gemacht, dir, wie der Stiefvater des He r r n v. Kayser, die Brüder des- selben ii. a. ein besonderes Interesse an der Sache hatten. ES thue ihm leid, daß durch irgend welchen Zufall ein Exemplar in fremde Hände gekommen ist. doch könne man dem Angeklagten v. Kayser unmöglich daraus einen Vorwurf machen. Kavalier nnd Kelliirr. Gastwirt Emil Krüger ist vom Jahre 1895 ab Oberkellner im Victoriahotcl gewesen' und von dem Herrn von Zedlitz engagiert worden, um die Herren, die dort regelmäßig zum Spiele sich znsamiiieiisanden. zu bedienen. Er hat dafür ein monatliches Gehalt von 300 M. erhalten, aber noch etwa 100 bjs 150 M. dadurch verdient, daß er hier nnd da Herren, denen das Geld anSgegaiigen ivar, mit Beträgen von 100—1000 M. aushalf. Er hatte zu diesem Ziveck immer VOO— 1000 M. bei sich. Der Ge- sellschaft mochten etwa 100 Herren der vornehmen Gesellschaft an- gehört haben, die natürlich nicht allesamt ans einmal an den Abenden teilnahmen, sondern ablvcchsclnd erschienen. Die Herren zahlten 30 M. Miete nnd machten eine Zeche an Sekt und guten Weinen im Betrage von 200 bis 250 M.— Jnstizrat Dr. S e l l o: Hat einer der Angeklagten unter diesen 100 Herren eine besonders hervorragende Rolle gespielt?— Zeuge: Ja.— Dr. Cello: Wer denii?— Zeuge: Herr v. Zedlitz!(Heiterkeit.)— Justiz- rat Dr. Seiko: Warum spielte denn der Herr v. Zedlitz, der ja nicht zu den Angeklagten gehört, eine besondere Rolle?— Zeuge: Wenn er g e w o n n e n hatte, ging er fort, das thatcn die anderen Herren nicht, die andern blieben so lange, bis sie alles wieder verlore» hatten.(Heiterkeit.) Zeuge Restanratenr Hecht hat im Herbst 1897 ein Restanratioiis« lokal in der Jägerstraße gehabt. In einem Zimmer fanden sich unregelmäßig eine Anzahl Kavaliere zusammen. Der Vorsitzende meint, daß in dem Lokale so oft gespielt wurde, daß das Lokal den Beinamen„Karpfenteich" erhalten habe. Der Zeuge bekundet, daß die Herren niemals die Karten mitgebracht haben, die letzteren viel- mehr vom Obcikcllucr slets besorgt worden Ncchtsoukält Dr. S ck) w i n o t! Hot!« der Axpae vielleicht den Eindruck, al-Z ob Dr. Koriiblnin die Rolle des ÄrroiiZeurs jpielre?— Zeuge bestätigt dies. Zeuge Nestcuirntcnr€tfo K o h ist im Iohre 1897/98 bei Hecht Oberkellner gewesen. Er erzählt viel von den«Herren Kovolicren", die.bei Hecht spielten und wie sie spielten. Sie hätten nicht gor so viel verzehrt, wenigstens sei sein Ehcf in diesem Pnnkle nicht sehr zufrieden gewesen. Tie Korten hätten die Herren nie» mols mitgebracht, die habe vielmehr stets er besorgt.— Präs.: Haben Sie den Herren auch monchmol Geld geliehen?— Zeuge: DoS com vor.— Präs.: Auch Herrn v. Kays er?— Zeuge: Herr Präsident, cS gicbt in ganz Berlin keinen Kavalier, der einen Kellner nicht'mal anpumpt. Worum sollte Herr v. Knyser eine Ausnahme machen (Große Heiterkeit.)— P r ä s.: Hoben Sie Ihr Geld wieder be- kommen oder haperte es damit?— Zeuge: Ich Hobe nur ein einziges Mal Herrn v. Koyser schriftlich um Zurückgabe des Geldes bitten müssen, Iveil ich notlvcndig ouf eine Erholungs- reise gehen mußte.— Präs.: Haben Sie auch anderen Herren Geld geliehen und Umstände damit gehabt.— Zeuge: I a wohl, Herrn v. P r i l l w i tz, gegen den ich e r st die Hilfe des G e- richtsvollziehcrS in Anspruch nehmen mußte.— Der Zeufle erklärt weiter auf Befragen, daß nach seiner Meinung nicht nur die Angeklagten � sondern alle Herren ab wechselnd Hie Bank gehalten haben; daß bei Hecht gespielt wurde. sei ein öffentliches Geheimnis gewesen. Herrn Wolff hat Zeuge nicht näher gekannt, er erklärt auch, daß er keine nähere Auskunft darüber geben köuuc. wie hoch gespielt wurde. Da der Vorsitzende sich hierüber wundert, erklärt der Zeuge iiiitcr großer Heiterkeit der Zuhörer: er sei n u r im Zimmer erschienen, wenn er durch einen G l o ck c n t o» gerufen worden. Wenn er sonst noch hineinging, Rechtsanwalt Dt/ S ch wi n d t rechnet ziffermäßig vor.-daß Montaldi bei seinem Abgänge eigentlich noch mehr zu fordern gehabt' habe. al-s er geltend machte. Oberkellner T r i l l h o s e vom Monopol« Hotel wird darüber vernommen, ob v. Kröcher im Monopol-Hotel große Ausgaben gemacht und viel verzehrt hat. Er kann von besonderen Extra- vaganzen weder bezüglich des Angekl. v. Kröcher noch bezüglich des Angckl. v. Kahscr etwas bekunden. Die Sitzung wird hierauf aus Dienstag, 9 Uhr verlagt. Wie sich aus eine: Bemerkung des Vorsitzeudcn crgiebt, dürfte sich die Verhandlung noch bis in die nächste Woche hinein aus» dehnen._ Versammlungen. hvbe v. Kröcher immer gerufen:„Raus, r a u s I Wenn S ie k o m in e n, habe ich immer P e ch I" Die Angeklagten bekunden ihre Zustimmung zu dieser Aussage. Polizeiliche Baccarat-Jtudie». � Der Zeuge bekundet wiederholt den dringenden Wunsch, „inSachen des Dr. K o r n b l n m" vernommen zu werden. (Heiterkeit.) Als ihm das Wort hierzu verstattet wird, erklärt Zeuge: Er habe jetzt selbst ein Restaurant. In dieses sei eines Tages Dr. Koriiblnin gekommen und habe ihm erzählt, er habe jetzt die größten Beziehungen zu v. M a n t e u f f e l, er müsse mit diesem jetzt in Moabit immer B a c c a r a t spielen, um «hm die Sache beizubringen. Er habe darauf dem Dr. Kornblum bedeutet, daß er sein Lokal nicht mehr besuchen solle. (Heiterkeit.) Nestauratenr A l b r e ch t, bei dem die Kavaliere spielten, die gewöhnlich per Telephon anfragten, ob ein Zimmer frei sei, weiß nicht, was die Herren dort trieben. Sie seien auch nur etwa sechs mal bei ihm gewesen. Das erste Mal habe Herr v. Kröcher das Zimmer bestellt, später sei es öfter„für die Gesellschaft des Herrn v. Kröcher" bestellt worden, doch weiß Zeuge nicht, ob auch wirklich Herr v. Kröchee als Besteller am Telephon war. Einmal hat Herr v. Kröcher die Karten mitgebracht, weil im Lokal sonst Karten nicht geführt wurde». Wer sonst die Karten geliefert, weiß Zeuge nicht. Generaldirektor Otto vom C e n t r a I h o t e I hat seiner Zeit den Vertrag wegen Bciiiitznng der bestimmten Näiime ini Central Hotel zu Klubzwecken abgeschlossen, der Oberkellner S u m m e r hat die Herren bedient. Er und der Oberkellner Montaldi haben tag- lich je 20 M. erhalten, v. Kröcher sei nur wenige Male dort gewesen und bald auf Reisen gegangen. Den Namen„Klub der Harmlosen" habe er während des Anfeulhalts der Herren im Teiitrilhotel nie gehört, er kannte nur den Namen Sportklub, Er weiß auch nichts davon, daß an den Klubabenden sehr viel Sekt getrunken worden sei; die Herren hätten zumeist Notwein mit Waffer getnuiken. Wieviel von den Einzelnen gewonnen oder verloren wurde, weiß er nicht. Das Spielen begann nachts um 12 oder 1 Uhr und dauerte etwa bis 5 Uhr, manchmal aber auch bis zum Mittag des nächsten Tages, Die Ncchniiiig über das, was die Herren verzehrt hatten, sei jedesmal pro Tag von einem Mitgliede des Vorstandes beglichen worden. Oberkellner Montaldi bestätigt diese Aussage seines ehemaligen Kollegen, mit dem er ab wechselnd den Dienst bei dem„Sportklub" hatte. Er bekam 20 M. für den Abend, Ivemi gespielt wurde, und 10 M. für Abende, an denen nicht gespielt wurde. Es sei durchaus unrichtig, wie behauptet wurde, man habe ihn so schnell wie möglich über die Grenze gebracht und dazu be� sonders mit Geld ausgestattet. Er habe schon am 15. Oktober festes Engagement nach Monte Carlo angenommen gehabt, die Sache habe sich aber schließlich zerschlage». Am 33. Dezember sei er nach Italien gegangen, um m Genua eine Stelle anzuuehme». Er habe von den Herren nur das Geld bekommen, was er regelrecht zu fordern hatte und was sich aus seinen baren Auslagen und ans seinen auf seiner bierzehntägigen Kündigung beruhenden Ansprüchen zu- kämmen setzte. Nachdem der Artikel im„Berliner Tageblatt" er- schienen war, habe er Herrn v. Kröcher und v. Schachtmeher gesagt. daß er am liebsten weggehen möchte, denn er habe noch memals etwas mit der Polizei zü thun gehabt und habe die Nase von Berlin voll. Er entsinnt sich, daß die drei An- geklagten ihm geraten hätten, doch nicht abzureisen, sondern noch m Berlin zu bleiben, damit es nicht so aussehe, als ob man ihn abgeschoben habe. v. K a y s e r habe ihm sogar gesagt, er würde ihm in Berlin eine andere Stelle verschaffen. Der Zeuge hat dann aber doch aus eigenem Antriebe Berlin den Rücken gekehrt. Herrn Wolff hat der Zeuge ebenso wie sein Kollege Summer für einen„regelrechten Gentleman" gehalten.— Uoftales, Die Steuerdeputation hat in ihrer Sitzung vom Montag ein stimmig beschlossen, an die städtischen Behörden das Ersuchen zu richten, den Gemeinde-Einkonmicnsteucrsatz von 4 M., der be! einem Einkommen von ö60— 900 M, erhoben wird, vom nächsten Jahre ab nicht mehr cinzuzichen, jedoch mit der Maßgabe, daß dadurch den Censiten weder das direkte noch das indirekte Wahlrecht ein zogen wird._ Die„fliegenden" Klassen an den Gemcindeschulen sind in dem eben abgelaufenen S o m m e r s e m e st e r— daraus hatten wir erst kürzlich hinweisen müssen— so zahlreich ge Iv e s e n. wie nie zuvor in den nun 25 Jahren, seit diese vortreffliche Einrichtung in unserer Musterstadt Berlin besteht. Im Wintersemester wird ihre Zahl aller Wahrscheinlichkeit nach noch bedeutend größer werden. Zu welchen Zuständen aber eine weitere Beiniehrung der„fliegenden" Klaffen führen muß davon kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man einmal prüft, wie sich eigentlich die 128„fliegenden", di im S o m m e r s e m e st e r vorhanden waren, ans di einzelnen Schulen verteilten. 128„fliegende Klassen auf 229 Schulen mit im ganzen 4033 Klassen. das ist— so wird vielleicht mancher meinen— am Ende gar nicht mal viel. Da ist ja erst jede Sl.— 32. Klasse eine„fliegende", und es kommt im Durchschnitt eine„fliegende Klasse erst auf jede zweite Schule. Gewiß, das stimmt I Im einzelnen sieht aber die Sache natür lich ganz anders aus.„Fliegende" Klassen fanden sich an 82 unter 229 Schulen. Viele davon haben nur 1„fliegende" Klasse, ver schiedenc jedoch haben 2 oder mehr. DaS ärgste fand sich in der 115. Schule in der Skalitzerstraße, wo unter 24 Klassen mi 1244 Kindern 6„fliegende" m i t 373 K i n d e rn waren. 25 Proz. aller Klassen mit 30 Proz. aller Kinder mutzten sich hier ohne eigenes Klassenzimmer behelfenl Auch die auf demselben Doppelschul- Grundstück gelegene 170. Schule hat unter 21 Klassen mit 1149 Kinder» 3„fliegende mit 178 Kindern, so daß an einer einzigen Stellen ich weniger als 9„fliegende"Klassen mit 551 Kindern vorhanden waren! DaS sind doch herrliche Zustände, nicht wahr Da muß man in der That denen Recht geben, die der fr e i s i n n i g e n Stadtverwaltung vorwarfen, daß es in der Reichs Haupt st adt mit der Schtilnot im Grunde genommen ebenso schlimm steht, lv i e in O st e l b i e n. Nein, der Berliner Freisinn hat wirklich keinen Anlaß, über ostclbische«chul zustände zu jammern, er treibts kaum anders als mancher Junker 9„fliegende" Klassen mit 551 Kindern, das ist ja mehr als die Hälfte einer Dnrchschiiitts-Gemeindeschule! Nun fehlt bloß noch, daß die Einrichtung der„fliegenden" Klassen durch den Einfall, ganze Schulen„fliegen" zü lassen, übertrumpft wird. Bielleicht kommt es auch dazu noch. Einzelne Stadtteile haben ganz besonders unter diesem Nebel der„fliegenden" Klaffen zu leiden. Früher war e« Moabit, das sich der meisten„fliegenden" rühmen konnte, dann war eS die Rosenthaler Vorstadt, jetzt aber steht dieTempelhofer o r st a d t mit den anstoßenden Teilen der L u i s e n st a d t an der Spitze. Da giebt eS 1„fliegende" Klasse am Tempelhoser User, 1 in der Barntherstraße, 1 in der Fürbringerstraße, 4 in der Gneisenan straße. 4 in der Bergmannstraße, 2 in der Dieffenbachstraße, 5 in der Gräseftraße, 1 in der Britzerstraße, 1 in der Wasserthorstratze, 2 in der Reichenbergerstraße, 9 in der Skalitzerstraße, 1 am Lausitzerplatz. 1 in der Wrangelstraße, 2 in der Görlitzerstraße, 3 in der Köpnickerstraße und so geht das lveiter. Der Süden und Südosten der Stadt marschiert' gegenivörtig, Ivie gesagt, an der Spitze. Aber auch die meisten übrigen Stadtteile sind überreich mit„fliegenden" Klaffen gesegnet. Bon der Tempelhoser Vorstadt anfangend zieht sich über den Süden, Osten und Norden der Stadt bis hin nach Moabit ein weiter Kranz von Schulen mit„fliegenden" Klassen. Moabit hat z. B. 7„fliegende" in der Stephanstraße(an 4 Schulen). 6 in der Siemens traße, 6 in der Bremerstraße sc., die Rosenthaler Vorstadt hat 3 in der Rnpplnerstraße, 4 in der Demminerstraße. 4 in der Pntbnser straße, 4 in der Graunstraße«., und ähnlich sieht e« auch im Nord' osten nnd im Osten ans. Wirddetzs nicht endlich einmal anders>v erden? Wird die Stadt Berlin nicht endlich würdigere und gedeihlichere Zu- 'tände in ihrem Gemeindeschiilwesen schaffen? Anders wird es nicht eher werden, als bis diejenigen Be- völkenmgskreise Berlins, denen für ihre Kinder mir die Gemeinde- 'chnle offen steht, sich aufraffen und die Feinde des arbeitenden Voltes aus der Stadtverordneten- Versammlung hinausfegen! Zur Loliubcwcgung der Töpfer. In der außerordentlich stark besuchten Veesaiinnlung. die gestern in den Andreassälen tagte, wurdi! berichlet. �äß bisher' 340 Topfer von 37 Bauten in den Aus- stand getreten sind. Es wird erwartet, daß noch im Laufe des Tages aus einer Anzahl iveiterer Bauten die Arbeil eingestellt wird, sowie daß die Beteiligung au dem beschlossenen Generalstreik eine allgemeine und daß sich derselbe auch auf alle Vororte ausdehnen wird. Ver- ichiedene Unternehmer haben sich schonjetzt bereit erklärt.'den aufgestellten Tarif imicrschriftlich zu bewilligen. Andere Unternehmer haben die Bewilligung in Aussich! gestellt. Die Innung und die Freie V.r- eimgnnq haben zum Montag(gestern) ebenfalls eine Versammlung einberufen, um zu den Forderungen der Töpfer Stellung zu nehmen. Während ein beträchtlicher Teil von den Mitgliedern der Unternehmer- organisation Verhandlungen mit den Arbeitern wünscht, wird von anderen eine Generalaussperrung der Töpfer Berlins und Umgegend befürwortet. Tie Situation ist für die Ausständigen eine sehr günstige, die geforderte Lohnaufbesserung eine sehr minimale und auch der Geist unter den Töpfern für die Lohnbewegung ist ein guter, so daß die Unternehmer zur Anerlenming der ausgestellten Forderungen gezwungen werden können, wenn sie eine Verständigung wie bisher ablehnen. Mehrere Redner traten dasür ein, daß eventuell durch das Einigimgsamt der Tarif festgelegt wird, um für die Dauer stabilere Ver- hältuiffe zu schaffen. Nach den gemachten Ausführungen soll aber erst eine abwartende Stellung eingenoininen werden, bis seitens der Unternehmer eine Erklärung vorliegt. Einstimmig wurde sodann bcschloffen. so lange an dern Generalstreik festzu- halten, bis eine maßgebende Erklärung seitens der Meister cingega n'g c n ist. die eine gewisse Garantie bietet, daß geregelte Lohn- und Ar- b e i t s b e d i n a u n g e n geschaffen werden, oder d. r Tarif durch einen Schiedsspruch des Gewerb/- gerichiS festgelegt i st- Außerdem gelangte ein Antrag zur Annahme, nach welchem während des Generalstreiks auch keine Privatarbeit ausgeführt werden soll und daß diejenigen, die diese Arbeit nicht ruhen lassen, als Streikbrecher betrachtet werden. Die Abrechnung des Streikfonds wurde von den Revisoren als richtig bestätigt und dem Kassierer anfderen Antrag die Entlastung erteilt. Die Streikkarten werden verausgabt mit den Anfangsbuchstaben von A bis N vormittags von 9 bis 12. von O bis Z. von 3 Uhr nachmittags an. Das Bureau der Lohnkommission befindet sich bei Prenß. Neue Friedrichsir. 20. Tie nächste Versammlung findet am Mittlvochnachmittag 5 Uhr bei Feh. Brunnenstraße, statt. Ueber de» Stand der Lohnbewegung der Klempner be- richtete O. Rüther in einer Versammlung, die am Soimtag bei Cohn, Benthstr.. tagte. Von den beteiligten Betrieben sind in 63 für etwa 750 Klempner Verbesserungen der Lohn- und Arbeits« bediiigiingcn erzielt worden. In 10 zumeist kleinen Betrieben, in welchen je ein oder zwei Klempner beschäftigt sind, ist die Bewegung resultatlos verlaufen. In einer Anzahl von Betrieben hat mit den Unternehmern eine Verständigung stattgefunden und ist ein teilweiser Erfolg zu verzeichnen. Bei einigen Firmen haben sich für die Ausständigen leider fast genügend„Arbeitswillige" gefunden, so daß ein weiterer Kamps für die Arbeiter ziemlich anssickitslos ist. Unverändert günstig ist der Ausstand für die Arbeiter bei der Firma F. F. A. Schulze. Fchrbellinerstraße. Die Klempnerbewegung kann demnach bis auf die Firmen F. F. A. Schulze. G e r e ck e. Prinzenstraße und bis auf die Betriebe der Aktiengesellschaft Butzke und Spinn u. Sohn, wo die Klempner mit den übrigen Metallarbeitern jetzt erst in Ausstand getreten sind, als beendigr betrachtet werden. Die Bewegung ist den Erwartungen entsprechend verlaufen und kann das Resultat im allgemeinen als ein günstiges bezeichnet werden. Leider fei aber die Thatfache zu verzeichnen, daß die Klempner in verschiedenen Fällen, wo ihnen die aufgestellten Forderungen, ohne daß sie in Ausstand treten mußten ooer aber nur kurze Zeit die Arbeit eingestellt haben, sich nicht genügend an der finanziellen Unterstützimg der Bewegung beteiligten. Die Hauptaufgabe der Klempner wird cS nun sein, die erzielten Lohn- und Arbeitsbedingungen aufrecht zu erhalten und durch festen Zusanimenschluß in der Organisation sowie durch rege Be« teiligung an der Beivegung überhaupt dafür zu sorgen, daß die Errungenschaften nicht wieder verloren gehen. In der Diskussion ivurde von den Ausständigen darauf hingewiesen, daß auch der Stand des Streiks bei der Firma e r e ck e ein recht günstiger ist. Trotzdem sich für diesen Betrieb eine Anzahl„Arbeitswilliger" gefunden haben, ist dem Unternehmer damit nicht viel gedient, iveil in diesem Betriebe besondere Special« artikcl und Bcstcllarbeit nach Zeichnung angefertigt werden, wozu eine längere Schulimg notwendig ist. E» ist infolge- dessen begründete Aussicht vorhanden, baß auch Herr e recke die minimalen Forderungen der Ausständigen be« willigen wird, mn seine eingearbeiteten Arbeitskräfte wieder zu bekommen. Einstimmig wuroe schließlich beschlossen, die all- gemeineLohnbeivegnng als beendet zu erkläre», aber den Streik bei den Firmen F. F. A. Schulze und Ge recke im vollen Umfange aufrecht zu erhalten. Außerdem gelangte ein Antrag zur Annahme, wonach jeder arbeitende Klempner verpflichtet "t, pro Woche 50 Pf. an den öffentlichen Fond« abzuführen. Die„Neue freie Bolksbühne� beginnt ihre diesjährige Saison am Sonntag, den 15. Oktober, nachm. 2'/, Uhr, im Thalia-Theater, Dresdener- straße 72. Zur Ausführung gelangt:„Stella", Trauerspiel in 5 Att-n von Goethe. Die Regie liegt tn Händen des Herrn Friedr. Moest. Mitglieder werden außer tn den bekannten Zahlstellen auch beim Kassierer H. Nest, Aeorgenlirchstr. 24a, II. Seitenfl. I, aiifgenoinmen. Der Verein der Plätterinnen hielt am S. Oktober seine regelmäßige Versanimlung ab, in der Genosse Kotzk»«inen mit ;rotzem Beifall aufgenommenen Bortrag über„Arbeitslohn und Internehmergewinne" referierte. Diskussion fand nicht statt. Der Viertel- jahresbericht ergab einen Bestand zum 4. Quartal von 322.26 M. Unter Verschiedenem wurden noch mehrere VereinSangeleginhetten ge- regelt. Mit dem Hinweis für recht viel neue Mitglieder zu sorgen. und gut für daS am 18. November bei Niest stattfindende Herbst- vergnügen Sorge zu tragen, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Allen Bekannten die traurige Nachricht, daßunsreltebeTochter, Schwester, Schwägerin u. Braut Martha Kunst am 7. Ottober, morgen? 8 Uhr. im Alter von 21 Jahren nach längerem Siechtum durch den Tod von ihren Leiden erlöst wurde. Die ttefbetrübten Hinterbliebenen Adolf Kunst, Marls Kunst, geb.Ksutd, Eltern. Cust. Degener, Schwager. Ellss Dsgsner, geb. Kunst, und Margarete Kunst, Schwestern. Emil Schotter, Bräutigam. NB. Die Beerdigung findet statt am Dienstagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des St. Markus-Kirchhoses in Wil- "elmsberg.(436 Allen Bekannten und Verwandten die traurige Nachricht, daß unser lieber Bruder, der Maurer S8b Wilhelm Lititzc, im Krankenhaus nach einer schweren Operation am 7. d. M. verstorben ist. Beerdigung findet am Mittwoch um 5 Uhr von der Halle der Andreas- Gemeinde in Wilhelmsberg statt. Die trauernden Geschwister Lutze. Oanksaffang. Für die vielen Beweise der Teil- nähme, sowie für die zahlretchen Kranz- spenden, den Gesang am Grabe bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, üöb Fritz Schutzler, sagen wir allen Freunden u. Bekannten, besonders den werten Kollegen d. Firma R. Auerbach unseren innigsten Dank. Frau Auua Schützler nebst Töchtern und Schwiegersohn. Danksagung. Vom Begräbnis meines lieben MauneS, unseres Vaters und Bruders zurückgekehrt, fühlen wir u»S durch die vielen Beweise aufrichtiger Teil- nähme, sowie durch die reiche Kranz- speiide veranlaßt, allen Freunden und Bekannten, besonders dem See. Berein des 6. Berliner Retchstagswahlkreises, den Kollegen der Firma P r ä ch t e l und der Firma P rächtet, ferner dem Gesangverein„Olympia" für den schönen Gesang am Grabe unseren herzlichsten Dank auszusprechen. Die tiestrauernde Witwe Emma Sarndt nebst Kind u. Verwandten, böb Achtullg! Kösliner Hos. Besonderer Umstäikde halber ist der Xotei,-Sonntag frei und dieferhalb an einen großen Verein abzugeben. H. Grupes Tanz-Institut, Annenztr. 16(früher KlubhauS). Sonntags-Kursus per Monat 3 M., Dienstagabend-KursuS p. Monat 4M. Säle und Vereinszimmer sür Ver» sammlungen u. Festnchketten. I2601ß* Kranzbinderei n. Blumen- handlnng: von[2474C* Robert Meyer, KTo. 8. Barlannenatr. Mo. S. WldinuiigS-Kränze, Bulrlanden, Bakl- sträubchc», BonqnetS sc. werden sehr geschmackvoll und preiswert geliefert. Buchhandlung Vorwärts Berlin 81V. IS, Blutneuhandlung und Kranjbinderet von(233lL Otto Knabe 10 a Admlral-Strazse 19 a empfiehlt Widmungskränze, Sträuße, Kotillons, Topfgewächse aller Art. r Fritz Schmidt, Kottbuserdamm 33, empfiehlt sein Restaurant u.VereinS» ziinmer, Zahlstelle des Verbandes aller im Handelsgewerbe beschäftigten Hilfs- arbetter Berlins u. Umgegend sowie der Kranken- u. BegräbniSkaffe der im Berliner Gürtler- u. Bronzeurgewerbe beschäftigten Personen._ 27111.* nn 14 Tage auf Prob» versende ich überall hin(260««» . Harzer SaNriea-Mtl. Bitte verlangen Sie Preisliste frei hin von U-. S. Müller, Vogel- züchterei, Nordhausen a. H. Soeben tst erschienen: Eine Junker-Revolte. Drei Wochen preußischer Politik. Von Preis 50 Pf. Kurt EiSner. Porlo 5 Pf. AgitationS-Ausgabe für die Patteigenolsen 20 Pf. Die Tragikomödie der Jimker-Revolte anläßlich deS KanalhandelS und das darauS sich entwickelnde politische Jntnguenspiel bietet für uns Socialdemokraten soviel des Interessanten und auch sür dt« Zukunft Merkenswerten, daß eine eingehendere Darstellung in Broschürenform sehr wohl angebracht erscheint. Der Verfasse» schildert die aus den wirtschaftlichen Interessengegensätzen resultierende Zerfahrenheit der preußischen Verhältnisse, die Ohnmacht und Unklarheit der Regienmg, die Kurzsichtigkeil und Charakterlosigkeit der bürger- lichen Parteien, den übermächtigen Absolutismus des Junkertums— eine politische Venvirruis und Versumpfung, an der die parlamen- tarisch ausgeschlossene Socialdemolratie zwar keinen Anteil hat, deren Ueberwindung aber ihre historische Aufgabe ist. Die Broschüre gliedert sich tu 6 Kapitel: 1. Die Polittk der Mitte. 2. Kutturinteresse und Jnteressenkultur. 3. Der persönliche Wille. 4. Bilder aus der ver- kehrten Welt. b. Di» Komödie der Drohungen. 8. Ohne Soeial- demokratte. Wir empfehlen diese kritische Agitationsschrift bestens. BUnael. Lolhrlnflerstr 52. U.U.,«»«.» lossane, Marx«. in Cigarrenspitzen, Pfeifen, Nadeln, Brochen, Knöpfen, Büsten vildem u. dgl., sowie je»« Drechslenvaare u. Repar.(Man verl. Preiskurant. Hirtes Festsäle. Empfehle den Vereinen meinen renovierten Saal und Nebenrämiie sür Sonnabend und Sonntag zu Festlichkeiten. Auch sind Vereins- zimmer sowie 2 Kegeldahnen zu ver» geben. 288lL* Elliiabethkli»eh«tr. 14. Fnit? I intp Klrarneretr. 38, Fl lU UllfiC, Ecke Markgrafenstraße. Gr Frühstücks-, Mittags- u. Abend- tisch. Eranzöslsohea Billard. Jeden Dienstag: Frische Blut-, Leber- und Grützwurst. 25811.* 511 Psd. wt SSM. 2 H. Albrceht'a Bücherei» WrangelstrS. Krauts«» lg. Faldaufteinstr. 28. Lausltzerstr. 2 Stempel< Fabrik von(24789* Robert Hecht. Berlin 6., Oranienftr. 142, liefert schnell und dillig alle Arten Stempel tn bester _____ Ausführung. Kautschuk-Type»„Perfekt- zumZusammensetzen einzelner W5rt» sowie ganzer Sätze von 1.20 M. an �iir dc» Inhalt dcr Inserat iiberniinint die Redaktion dein Publikum gegenüber keinertc . Verantlvortnng. TNenkev. Dienstag, den lt>. Oktober Opernhaus. Die Stumme von Portici. Anfang 7i/z Uhr. Sehanspielhans. Julius Cäsar Anfang 7i/z Uhr. Neues Opern- Theater(Kroll) Geschlossen. Deutsches. Rosmcrsholin. Anfang 7>/2 Uhr. Lcssing. Als ich wiederkam. Anfang 7l/z Uhr Vcrtincr. ou-?ron. Ansang 7', Uhr. Schiller. Nora. Ansang 8 Uhr. Neues. Colinette. Ansang 7� Uhr Weste». Linda von Chamounix. Ansang 7>/, Uhr. Thalia. Ter Platzmasor. Ansang 7'/z Uhr Ncsidcnz. Jagdfrcudcn. Vorher Familien-Souper. Ans. 7»/, Uhr Luisen. Molly Sarve. Anfang 8 Uhr. Central. Die Geisha. Anfang 7'/- Uhr. Ostend. Weltuntergang. Anfang 8 Uhr. Victoria. Tie weihe Henne. An sang 7»/, Uhr. Friedrich- WllhclnistädtischcS. Die Reise nach der Teufelsinsel Anfang 8 Uhr. Mctropol. Rund um Berlin. Im Reiche der Secession! Anfang 8 Uhr. Apollo. Frau Lima. Spccialitäten Voistcllnng. Anfang 7>/z Uhr. Ncichshnllen. Stettiner Sänger Anfang 8 Uhr. Palast. Sprcelottchcn. Specialis läten-Vorstellung. Ans. 8�/, Uhr Passage> Panopttr»»,. Specials lälen-VorstellUtig. llranin. Iuvalideuslr. l;7/l!S. Sägltch abendS von be-ll) Uhr Siermvarte. Taubenstr. 48/49. Im Theater: Der Steg des Menschen über die Natur. Anfang 8 Uhr. LshiMptfl (Wallner-Thcater). Dienstag, abends 8 Uhr ATora. Schauspiel in 3 Akten v. Henrik Ibsen. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Vle Groauatadtliift, Donnerstag, abends 8 Uhr: vte GroBHtailtliift. Crnfvttl Thentov Direktion: �o»t perenery. Div Geislitt oder: Ein« Thcehaus . �, geschichte. Operette in 3 Akten von Sidney Jones. Anfang 7>/. Uhr Morgen: Dieselbe Borstellung. Sonntagnachmittag 3 Uhr zu halben Preisen: Der Bogelhöudler. Bon Carl Zeller. Friedrich-Wilhtlvlst.Thtatkr Chausaeestr. 25/26. Abends 8 Uhr: Zum 35. Male: Die Reise lisch der Ttufelsilisel BurleSke Abenteuer-Poste mit Gesang und Tanz in 5 Akten von Musik von Albert Wicher. In Scene gesetzt vom Dir. Max Samst. i. Bild: Auf zu Drcyfus. 2. Bild: Verbündete Mächte. 3 Bild: Attentat und Verrat. 4.' Bild: Das belagerte Haus. 5. Bild: Die Gerichtsverhandlung. 6. Bild: Apotheose. Morgen; Dieselbe Vorstellung. Sonnabend, den 14. Oktober, nachm 4 Uhr: Gr. Kinder-VorsteNung. Sonntag, den 15. Oktober, nachm. 4 Uhr, zu kleinen Preisen:.Volks Vorstellung«. Tiiul»e.(i«ti'3i««v 48/41). Im Theater abends 8 Uhr: „Der Sieg dos Menschen über die Natur". Hörsaal. Herr Dr. Nass: „Die chemischen Urstoffe" (Experimentalchemie I). Invulidcnsitr. 57/0%: Täijl. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr,__ Passage-Thealer., Beginn dcS Konzerts 6 Uhr. der Vorstellung 7 Uhr. Passage- Panopticum geöffnet von früh bis abendS. F328 CASTANS" PANOPTICÜM 165. Friedrlchstrasas 165. Noii| Die heulenden UqmI uU, und tanzenden HOU. Derwisclie ! aas Ober-Aegypten! Ohm Krüger* Oreyfus Merciep* Zola. Rdtizkalender 1900 ©eh. CO Vfg.- Porto: 10 psg. Aus dem Inhalt heben wlr hervor: Zum Sätgerlidsen©rl-tzbnch (Werkvertrag, MlethSvertrag, NechiSstellung der Ehefrau und llherecht, uneheliche Kinder, Erb- recht).— Die kclchzlsgzwshlen von 18?8 mit Angabe der in jedem Wahl- kreise auf jede Partei abgegebe- »in Stimmen, unter Beifügung dersozialdeinolratischen Stimmen und Prozentsätze von 1893.— Portrait» und Kiographlo» der koiialdemokratifäten peimstnas- Zlbgeordneteir. »» Di» fosioidemokratikche« Landingoadgeorducteit in den eiuselneii Knudesitaalen.— Adressen nnd Amlsdeiieke der pndriiilnkpehtoeen, der deut- sche»©cwcrhfchafto-Vrgaiiifo- tioneii und Arlieiterfekretoriote, Ecbührentarise für Telegramme, Portotaxen, Einnahme» und . AuSgabetabellen k. Wie die früheren Jahrgänge dürfte auch der für isoo feine Freunde be- friedigen. Der Bering war inSbslou- dere bestrebt, auch den diesjährigen Kalender zu einem prsktlzchen llachzchlagebuch für Lewerlizchgftei, 3 ,u gestalten. J&\ Beutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Mittwoch, den lt. Oktober, vorm. 10 Uhr, im„Konzerthaus Sanssouci", Kottbuserstraße 4«: Uersammiung samtlicher ausstandiger Metallarbeiter» Der gegenwärtige Stand unserer Bewegung. Mittwoch, 11. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokale von Feuerstein, AlteJakobstr. VS: Versammlung Ider Mechaniker, Optiker, Uhrmacher verw. Gewerbe. Tagesordnung: 1. Vortag deS Kollegen A. KOrsten über: Die gegenwärtigen Streiks und Lohnbewegungen in de» l Metallindustrie. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des Branchenvertreters. �Mittwoch, 11. Oktober, abends 7 Uhr, im Lokale d.Hrn. Zimmermann, Badstr. S8: Versammlung sämtlicher Arbeiter der Firma B o r s i g. Tagesordnung:„. Die Lohn- und Arbeitsverhältniffe im Betriebe der Firma Bors ig. Referent: Carl Mastatsch. Wir erwarten, dah angesichts der wichtigen Tagesordnung 114/14 jeder Kollege in der Versammlung erscheint. Die Ortsverwaltung. l'Imlm-'I'dkater. Tel. AmtlVa 6440. Dreadeneratr. 72/73. Zum 31. Male: Der Platzmajor. Thomaa, Tielacher, Helmerding, Junkermann. Im 2. Akt: Gr. Mutoskop' Terzett. Anfang TV, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Palast-Theatep -y. früher__ Feen• PalnNt, Burgstrafje 22. Ganz Berlin spricht von dem groben Oktober-Programm. Ganz Berlin staunt über die trefflichen Meisterturner am sechsfachen Luftred Vasilescu-Trio. In dieser Dollendung noch nie dagewesen! Ganz Berlin lacht über Winkler und Früdei in der urkomischen Original- Ausstattungs-Gesaugs-Burleske Susanne im Bade. Anfang 7l/z Uhr. Sonntags U Uhr. Kassenössnung 1 Stunde vor Ansang. Billet-Norverkauf vorm. v. 11— 1 Uhr. Sonnabend, den 14. Oktober: V Gesellschaftö-Abeiid"Wä Vorstellung u. Tanzkräuzchen. llelfliiiljl-IIiesler. vehrenatr. 55/57. Direktion: lUelmr«! 8chalz. Sensationeller Erfolg!"9� Der Schlager der Saison! Täglich ausverkauft! Jubel ii! Lachen! Staunen! Um 9 Uhr: Rund um Berlin. Berliner Lokalrevue v. Julius Freund. Musik von Julius Emödshofer. Mit seciihafter Ausstattung: Um 10'/, Uhr: Im Reiche der Secession. Ferner das brill. Oktober-Programm. Mnii-b'lirl Ntisi-Thtiiltt. Gr. Frauksurterslraste 132. Cr. Erfolg. Novität. Der Weltuntergang. Grobes Ausstattungsstück mit Ge,ang in 6 Akten(14 Bildern) vom Dir. Carl Weih u. Jos. Dill. Musik von M. Fall. Anfang 8 Uhr. VorzngSbilleis haben Gültigkeit. Im Tunnel vor und nach der Vor- stellung Frci-Konzert. Anfang 7 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Maehrs Theater Oranlenstr. 24. Rost» ans dem Eiiiien. Ausstattungs-Burleske. Das grostartige Oktober- Programm. Elsa Heaaer, Kostiii»- Soubrette. lifatr. Pauly, Coniorsionist. Mstr. Döbbrick, Chainpion-Handstandklwstl Franziska Held, Soubrette. Guatav Eulenburg, Humorist. Anfang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Vorzugskarten an Wochentagen gültig. 1� Buchhandlung Vorwärt» pcrltn SW,, grutonr. 2. KlchtunZ!'MU NM' Kkchkuns! Socialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis ,«Nrn). �SRlli88OUUQR! � �nntag, st» 15. Lktober 1898, in Louis Kellers Festsiilen, Konoenstraße Nr. �9: Ktettvauerutr. 4 a. Täglich auber Sonnabends Solsmaonz Nord- deutsebe Sänger. Anfang wochentags 8 Uhr. Entree(Vorverkauf) 30 u. b0 Pf. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 u. 75 Pf. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: 'I'a»«-It>'tin«ehen. 8. StifkHMgs- Aest bestehend in V okal" und Instrumental�Konzert Auftreten der Gesellschaft Strzelewicz. Anftttig 4 Atzv."WG Von 6 Mhv sn TANZ. Apollo-Theater. Abends O ühr: FrauLuna mit dem sensationellen Luftballett: „ixrlgolatfs". Olto Reimer The Barras Cbavita Tumata Tiero Blossoms Francis Gerard etc. etc. etc. Kasseneröffnunfi; Ö'/j Uhr. Anfang der Vorstellung?>/, Uhr. Vorverkauf täglich ImTheater und beim„Künatlerdank", Unter den Linden 69. Wedding-Park aiüller-Strauae 178. Norddeutseüe Sanger. Bieglsr, Wolf, Hohenberg etc.[* Entree 20 Pf., VorzugSbilletS 15 Pf. Neichshalleu. Täglich: (Mehsel Pielro. Britto». Stcidl, Krone, K i r ch i» a y e r, Schneider und Schräder). Billigste Rcparawr- Werkstatt für Dhrca and Goldwaren. Emil Günther, Uhrmacher. 16. Koppenstrahe 16 f 27/331!* Teilzahlnng: wöchentl. Zlai tt, Plomben 1,50 Mk. Lelpzlgerstr. 130, Im Hause des Schaarwächter. Sprechst. 9-7 Uhr,[b Stettmer Sänger �ähllß 2 Mk.��a'ire�arant'e-? Vollkümin schmerzl �hnaPZtwou.jetzt�p�C VGliKOinm. scnmerzi. Xahnstiehen 1 Mark. Sprech BUobel und Polsterwaren.®®!bt9cnft Arbeit, äußerst billige a n 1 v Preise, empfiehlt#» t4 S Ai � Reichenbergerstr. 5. Auch Tbeilzablung!(s Zum Schluß: Stuckes Pstngstfahrt. Ensemble von Meysel. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11-1 Uhr. W. Noacks Theater, Brnuueiiflraße 16. Täglich: Die schöne Ungarin. I Paffe mit Gesang u. Tanz in 4 Akten I von Weller und Mamistädt. Musik von Steffens. Jeden Sonntag, Dienstag und DouüerStag nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. -Park Hermann Imbs 71 Riidcrsdorfcr Straße 71, am K ü st r i n e r Platz. Heiiaiert. Ddeater» nnd 8peolalit«»ten»Aer«teHnns Hur erstklasalge Nummern, Anfang: Sonntags 4 Uhr. Entree 30 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pf. Jeden Dtenstag: Norddentaelie Siinger. _ Hermann Imbs. Direktor. fBerlmsl 3 Billigste Quelle I aller Arten Musik-Instrumente Alcazar-Theater VarietiS I. Ranges Dreadeneratr. 52-53. Annenatr, 42-43. Austttten ooii absolut erstklassigeu Toccialitäteu Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf. Sonntags 30 Pf. 23682*] Die Direttiou: Richard Winkler. Victopia-Theater 1 C. Alexanderatr. 40. Fernsp. VII 1711, Direkt.: V. Bauaenweln U.C.Emmerich. Anfang Vz« Uhr. Zum 31. Mal mit| vollständig neuer Ausstattung: Novität! 01» weisse Henne. Novität!| (La pouie blanche). Vaudeville tn 3 Akten von Hennequin und Mars. Deutsch v. Bolten-Bäckers. Musik v. V. Roger. In Paris mitsensat. 1 Erfolge über 500 mal gegeben. CIrkns Busch. Dienstag, den 10. Oktober, abends TVj Uhr: Elite-Abend. Olympische Spiele aus der römischen Kaiser- eit.„Unsere Marine." Großes I Zallett, getanzt von 120 Damen des Corps de Ballett. Sportsakt: a) Polo zu Pferde, b) Pyjama-Stakes oder Nachtmützen-Rennen, c) Bicycle- Wettrennen— 100 Mark Prämie. Die Wunderdreffuren an Seeläwen und Seehunden des Kapt. Webb. Miß Darlina und sämtliche Elowns. Morgen, Mittwoch: Große Bor- stellung. Am Sonntagnachmittag Uhr: Die Seelöwen. | Piccolos Konzert-Flöten Clarinetten Trommeln| Pauken Becken Glockenspiele Xylophons; Zieh-Harmonikas Doppelreihig, 4, 6, 9 Bässe. Mund-Harmonikas. Allerbeste Qualitäten. Ich verkaufe zu meinen re- gulsre»«Sxport- Hitudler- Preisen, dies der Grund, daß selbe Verblüffend! Fabrik-Haus L Löwenthal so., Reichenbergerstr. No.121, Keine Filialen. Elektr. Bahn bis tum Haut». 15 Pf. Fahrgeld-Vergütung. Time it money. WW Selten günstiger Gardinenkauf bd Bruno Güther au* Planen in Sachsen. Gegründet 1869. Hoflieferant 25622* Sr. H. Herzog von Sachsen-Altenburg. 8o Grüner Weg 80 parterre Elng.v. Flur.(Kein Laden) Engl. Tüll-Gardinen von den billigsten bis su den elegantesten. Neueste Gewebe und Muster In TQII, TUllspachtel, Mull mit TUII und Mull- Gardinen(auch Reute). Proben nach ausserhalb kostenfrei. Möbel parterre, auf Teilzahlung. j. Kellermann, Prlneenstr.ttT, Eingang vom Flur.[* Credltgeavährung bis 5000 Mark an ehrenhaste, solide GeschästSleute und Beamte, koulantest. Hamburg> Potsdamer Credit- verein. Repräsentation: Berlin, Frauzüstschestr. 24 1._ 113/17' s ophastofse «»» iw Beste'•ü In RipS, Damast, ErSpe, Phantasie, Gobelin und Plüsch spottbilligk f2t20L* Proben franco!"9S ff» in allen Qualitäten zu Fabrikpreisen. Berlin 8., Oranicnstr. Nr. 158. Emil Lefevre, Fahrräder Stets großes Lager ersttlasiiger Fabri- auf Tettzahl. ohne Preiser- höhung zu den coulant.ZahL« Bedingungen. Katal. gratt». �äomett& Landau Lothrineerntr. 48 I. Dicht am Rosenthaler Dhor. Für 30 M. liefere elegant« Anzüge und Paletots nach Maß. hochfeine AuS- führung, tadelloser Sitz garantiert. J. Weyer, gtosenthalerftr. 6/7. Fernspr. Amt£u. 8524. Fertige Kleider zu sehr billigen Preisen. Neuheiten für Herbst und Winter. Rlnseiilileld mit eleganter Seiden-Paffe IS M., 18 M. 8traW«enItIetd in neuen Winterstoffen 2S M., 6Ä M. Prenienadenkleld in elgantester Ausführung, S« Mark, 42 M. Jackenkleid, sehr beliebte Eccoii in Eheotot«. Winter- Dben, 20 M. 25 M. Jackenkleid in Cheviot oovert-coat und Tuch 80 Mark, 86 M. Wollene Blusenhemdeiia Matin4ea und Mopgen-Röcke» 2 M., 3 M.. 4 M., 5 M. CostUm- Röcke in de» neuesten FaPvnS. schwarz u. färb., aus Futter 6 M., 7 M., 1« M., 12 M., 15 M., 2vM., auS 8elde u. V el»nr- Rolre 20 M., 25 M.. 30 M. Winter-Jaekells X* neuen Facons und Farben 12 M., 15 M., 20 M. plüseh-lsehells, t* bestickt 30 M., 40 M., 50 M. Plüsch-Capes,# bestickt 30 M., 36 M. biS 50 M. Capes und Kragen iw Krimmer u. MatlaffS 10 M, 16 M.. 20 M. RcgcnniUnfcl in neuesten Fagons 20 M., 25 M. Bolf- Capes„Sa schottisch kariett. Velour-Stoff S M., 12 M., 15 M., 18 M. Sielmann&Rosenberg| Kommattdantenstraße, Ecke Lindenftrafte. SäpMtr» Kit M. L- pst.(gröber» zum Reißen). Schlachtfebcr»,«i» sie». 6.«ans fallen, mit allen Tannen m. 1.50, fnüfertigtr«Änstrupf Ut. 2.00, besser» daunig» tPaqr« M. 2.50, 8.00, best» schneewelje M. 3.50. russische Daunen m. 8,50, wecht böhur. Daunen m.».00.«»■ riffene Federn M. 1.50,;J,00, 3.50. Prima geriss«»» m::.00, 2.50. Versand gegen Nach.uchm». Kusttt illitig. «est» Bettfedernfabrik m. elerir. Betriebe. ttfedern! viel»»nl Anerrennungrschreib. SomIdeulokrMchrr Wahlütreiii für den 2. Berliner Reichstags- Wahlkreis. in Dienstag, den 10. Oktober, abends 8'/2 Uhr, ...„Habels Brancrci- Ausschank", Bcrgmaniistrasze 3—7: (ßenerQl- Dpvfnmnrlulrg Tages-Ordnung: 1. Bericht des Kassirers. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Borstands- ivahl. 4. Berichterstattung über die Einteilmig der Bezirke. 5. Diskussion. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ist dringend notwendig. Mit- glledsbuch legitimiert. L38/18 Diejenigen Mitglieder, welche ihre Beiträge bisher bei Zubcil, Linden- strahe 106, bezahlt hgben, werden ersucht, dieselben von jetzt ab bei Satz, Markgrafenstrahe.102, zu entrichten. .. Sotialdemokratlscher Wahlverein sm de» 3. Derluler Reichstags-Nlahlltteis. Mittwoch, d. 11. Oktober er., abends 8V- Uhr, in Fcncrstcins oberem Saal. Alte Jakobhr. 75: General-Versammlung. ��Tages-Ordnung: 1. Borstauds- und Kassenbericht über das III. Quartal 1899. 2. Vortrag des Herrn Dr. Zadeck über:„Kommunol- Sociallsmus". 3. Diskusfio». 4. Vereinsangelcgenheiten.[240/19 DaS Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Der Borstand. öerliaer kk«g886N8cksft8öäckkrkj (E. G. m. b. H.) Telephon Ami Iii.?Jo.£931. Schutz- Marke. Telephon Amt III. STo.£931. ZöMdemokratischer Wahlverein für den 6. Derliner Reichstags-Wahlkreis. Dienötng, den 10. Oktober, abends 8�/4 Uhr, im„Bictoria-Garten�(Inhaber Kranz), Bad-Ttraste Nr. 12: Verfmumlititg. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Jahn über„Partcibildungen". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 248/4 Gäste haben Zutritt. Her Vorstand. NB. Die Mitglieder resp. Bczirlsführer werden ersucht, die evcnt. noch vorhandenen Billcts von der Sternwarte bis. Freitag, den 13. Oltober, mit ihren AbtcilungSführern abzurechnen, da in der nächsten Generalversamm- luug abgerechnet wird Achtung, Moabit. Am Mittwoch, den 11. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal 1>o» Mbwes, Stromstraßc Ä8: Holzarbeiter-Bersammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Stusehe. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenhcitcn und Verschiedenes. 122/10 9V Zu dieser Versammlung sind ganz besonders die Werkstellen von seduiondurg, liudnort&. Kühne, Georg Kuhnert, Deutsche Fussboden- Fabrik, Kampfmeyer& Martens eingeladen. In allen genannten Werk- stellen sind nicht blos die Tischler, sondcm auch alle Maschinenarbeiter ein- geladen._ Der Ginberufer. Achtung! 0to(f(irllfitei'. Achtung! Mittwoch, den 11. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal„E»glischer Ho f", Alcxandcrstraste Nr. 27e: Genoveil Vevsninmlung ki Mitglielier lies Stock- ilili» Slhiriiiarbeittt-VerbatldtS. TageS-Ordiinng: standes. Her Vorstand. Central-Uerband der Töpfer Mittwochabend 5 Uhr: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung des Kassierers vom 2. und 3. Quartal. bcwegüng. [ 193/1 8j ..... 2. Unsere Lohn- Der Vorstand. Zeknegelsbergs keslssle(Inli. HeiT Schindler) Hasenheide£1,— Jahnstrasie 8. Sonnabend, den 14. Oktober er.: Gr. Stiftungs-Fest des Zachverelns der WuslkinstrumetlteN'Arbelter und Berufsgenossen Berlin« und Ilmgegeud unter Mitwirkung des Gesaitgv...SäugerkrciS" der Musikinstrumenten- Arbeiter und der Zitherschnle Fräulein Hinsehinx. Komische Vortrüge. Anfang de« Konzerts 8 Uhr. Kack dem Konzert; Grosser Ball. Herren 50 Pf.-WfZ IW" Damen 25 Pf. inkl. Tanz. BiNets sind zu haben im Arbeitsnachweis Nannynstr. 78 bei Grund- mann und bei sämtlichen Borstandsmitgliedem. 142/18 Um zahlreichen Besuch ersucht Her Vorstand. Am Dienstag, den 19. Oktober, abendö 8>/s Uhr, im Lokal des Herrn Grnuman», Nanitynstraste S7: Delegierten-Bersammlung. Tages-Ordnung: I. Bericht vom Streikfonds. 2. Bericht der einzelnen Delegierten aus den Wcrkstellen. 3. Vcreinsangclcgcnhcitcn. DM- De» Mitglieder» zur Nachricht, bah die Bersammlung nicht am 1K. stattsindet, sonder» am Montag, den£3. Oktober. Unterrichten Sie ftch! über das Mietsrecht nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch. Erschöpfende Auskunft hierüber giebt die Broschüre:[2510C* Ar Wte M Pslilhteil des Mieters von Rich. Lipinöki. Preis einschließlich Porto£3 rfenni«e. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und den Verlag von Kiel». Xdpinski, Leipzig. Neudniperstraste 11. Arbeiter- Berufskleidung für jedes Gewerk passend. 126028« «rUsste» I.azxer. StT" Beste Qnalitttten. Neu! Arbeiter-Nchatzhose Neu! jede Gefahr im Maschinenbetrieb ausgeschlossen, empfiehlt _ F. Xahrstedt, Wrangelstr. 40(41. Mcktung! Wegen schleuniger Räumung eines groben Postens gut erhaltener steife»' conlenrter Herren- Hüte uerfaufe ich das Ltück zu 60 �ind 75 Pf. Der Nene HoGr. 18. Plon-User Iß. Neiiliiktüdorserjtr. KZ. Jlt folgenden Geschäften ist unser Brot täglich frisch zu haben: V orden. Antonstr. 34, Waschowsky. Auguststr. 79, Berger. Auklamerstr. 40, Klein. Anklamerstr. 40, Griepentrog. Ackersir. 79, Freiberger. Zlckerstr. 123, Bester. Ackerstr. 129, Tabbcrt. Brunnenstr. 01, Glirr. Brunnenstr. 85, Licstke. Buchholzcrstr. 6, Stcnigke. Vorflgstr. 19, Scherf. Boyenstr. 9, Kroll. Burgödorsstr. 5, Drescher. Bnrgsdorfstr. 14, Wenzel. Bcrgstr. 13, Merkel. Chorinerstr. 26, Kolowsky. Christincnstr. 6, Degeu. Chausseestr. 104, Pawlistki. Diedenhosenerstr. 4, Blaukenburg. Duuckerstr. 2a, Köppe. Graunstr. 29, Butter. Garteustr. 2, Puhl. Gartenstr. 82, Nitius. Gartenstr. 148, Lehmann. Gartenstr. 157, Wal bor». Husfitcnstr. 31, Scholz. Hochmcislerstr. 31, Dähne. Hochstr. 60, Dähne. Znvalidenstr. 7, Trapp. Invalideustr. 11, Prusch. JaSmunderstr.-18, Zillge. Jasmunderstr. 20, Becher. Sastcuiien-Allee 47, liölliug. Lortzingstr. 10, Maust. Lortzingstr. 28, Kolschowsky. Ltnicnstr. III, Küter. Linienstr. 223a, Eichberg. Lottumstr. 16, Peters. Müllcrsir. 7a, Krause. Miillerstr. 163a, Krüger. Müllerstr. 23, Licpold. Miillerstr. 34, Pecst. Maxstr. 13a, Schclling. Maxftr. 14, Klose. Odcrbergerstr. 44, Kaiser. Oranienbiirgerstr. 86, Hofmann. Pappel-Allee 22, Masuch. Plantagenstr. 42, Krefsucr. Ruppinerstr. 42, Bcrthold. Rheinsbergerstr. 22, Müller. Rykcstr. 44, Höfe. Rügeuerstr. 23, Jende. Reinickcndorfrrstr. 40a, Freier. Reinickendorscrstr. 40, Stärk. Reiuickendorserstr. 23b, Kumm. Swinemünderstr. 42, Ostcrmaun. Swincmüudcrstr. 46, Behlich. Swinemünderstr. 88, Stahn. chönholzcrstr. 16, Lehmann. chwedterstr. 33, Dicrkc. chliemannstr. 16, Brusch. chouhauscr Allee 68, Blank. Strelitzerstr. 40, Aiathies. Stralsuuderstr. 64, Neumann. Strabburgcrstr. 32, Hannecke. Stargardterstr. 23, Krüger. Tieckstr. 6, Bath. Tieckstr. 17, Rtagdanz. Tieckstr. 27, Helot. Tieckstr. 37, Lamm. Uscdomstr. 29, Herfort. Vinetaplatz 6, Bcrger. Vinetaplatz 1, Konsumverein Nord. Bctcrauenstr. 2, Löwe. Wollinerstr. 15, Glaudcr. Weihenburgerftr. 26, Wiegand. Weißenburgerstr. 83, Wcllborn. Wiesenstr. 14. Stolzenberg. Wiesenstr. 37, Kuorr. Zehdenickerstr. 14, Löwe. vesnndbrnnnen. Biesenthalerstr. 59, Tanzki(liefert frei ins Haus). Bellermannstr. 88, Schulz. Freienwaldentr. 21, Reep. Wollankstr, 59, Stein. Prinzen-Allee 63, Tiest. Moabit. Alexander-Nser 5, Laue. Beussclstr. 29, Eichman». Beusselstr. 40, Pieschc. Beusselstr. 79, Kstuast. Bredowstr. 18, Kerften. Bremerstr. 59, Neckcrt. Dreysestr. 23, Gräf. Gotzkowkystr. 28, Stressing. Havclbergerstr. 15, Albrecht. Huttenstr. 3, Schulz. �ägowstr. 15, Schuhmann. Lcssingstr. 32, Barth. Lübeckerstr. 8, Keul. Putlitzstr. 2, Tiest. Quitzowstr. 136, Schulz. Rostockerstr. 3, Franke. Rostockerstr. 5, Böhm. Rostockerstr. 26, Schulz. Rostockerstr. 46, Prescher. Rostockerstr. 48, Fürstenberg. Salzwedelerstr. 9, Sachse. Sickingenstr. 2, Muchow. Siemensstr. 3, Wiiidmüllcr. Stcphanstr. 14, Rcumaun. Stcphanstr. 48, Gcwkh. Waldstr. 3, Hartman». Waldenscrstr. 21, Drcudel. Waldenscrstr. 30, Schulz. Waldeuserstr. 41, Lauschke. Wiclefstr. 7, Kiel. Wittftockerstr. 4, Koppen. Wilhclmshavcnerstr. 59, Krüger. Zwinglistr. 11, Selz. Zwinglistr. 14ä, Trinks. Oentrnin nnd Westen. Alb recht st r. 4, Rlbrccht. Albrechtstr. 5, Neumau». Albrechtstr. 17, Grnuthainmer. Albrechtstr. 23, Bauer. Kleine Alexandcrsir. 9, Wittenberg. Alexandrinenstr. 44, Brase. Alepaudrinenstr. 116, Arnholz. Alexandrinenstr. 122, Ntarquardse». Arudtstr. 26, Schmidt. Besselstr. 4, Stcinbih. Bülowstr. 52, Ramlow. Bülowstr. 68, Malicke. Barbaroffastr. 8, Tauscher. Barbarosiastr. 75, Stolz. Culmstr. 4, Griczcwski. Fidiciustr. 13, Günther. Fischerstr. 9, Heikardt. Gitschinerstr. 78, Niuueuiao«. Gninewaldstr. 115, Botzdorf. Grenadierstr. 26, Lönkc. Gleditschstr. 13, Königsberg. Gieditschstr. 26, Weidemanu. Goltzstr. 39, Bueks. Hollmaimstr. 2, Ritzeuhein. Hollmannstr. 10, Bentsch. Heiligcgeiststr. 37, Werner. Jägcrstr. 65, Ziersch. Katzlerstr. 8, Gnhl. Kaylcrstr. 13, Brink. Kurftirstenftr. 172, Joikc. Kurfürstcndamm 26 l, Müller. Kvfibäusetstr. 12, Faustmann. Kuffhäuserstr. 17, Mosch. Lindeustr. 80, Hilliges. Lindenstr., Viarkthalle, Stand 236/37 Marienstr. 17, Kniehase. Mnuerstr., Markthalle. Stand 196. Rollendorsstr. 38, Schiller. Pällasstr. 12, Kabelitz. Rittersir. 9, Kahl. Ritterstr. 14, Striese. Ritterstr. I9a, Suppek. Solmsstr. 18, PicSke. Sophicustr. 13, Ludwig. Stallichreiberstr. 8, Hepprich. Stallichreiberstr. 53, Schuhmacher. Steinmetzstr. 52. Pfeil. Teltowerstr. 41, ManSfeld. Waterloo-Ufer 9, Scherzer. Winterfeldtstr. 25, Toschcct. Neue Winterfcldstr. 51, Linke. Zicthciistr. 16, Weichcrt. Zossenerstr. 16, Purrmann. Zossenerstr. 37, Mix. 8i»d-9sten. Adalbertstr. 15, Gcntz. Admiralstr. 19, Barnack. Britzerstr. 38, Müller. Forstcrstr. 21, Fiege. Grünauerstr. 34, Brücher. Gloganerstr. 29, Audrä. Küpnickerstr. 126, Segler. Kottbuscrstr. 18, Halfpap. Kottbuser Ufer 58, Seidel« Lausttzerstr. 20, Röhl. Licguitzerstr. 3, Görsch. Liegnitzerstr. 15, Kästner. Liegnitzerstr. 36, Krause. Mantcusselstr. 4, Hainann. Mauteufselstr. 2, Schulz. Mantcusselstr. 38, Sommerep» Mauteuffelstr. 68, Hennichens. Mariannenstr. 23, Meier. Marianneustr. 41, Schulz. Muskauerstr. 47, Melzer. Muskauerstr. 49, Grimpe. Nauynstr. 9, Fiedler. Raunynstr. 11, Günther. Nauupnstr. 21, Dretzler. Naunynslr. 65a, Krahel. Neanderstr. 9, Herrmann. Ohmstr. 6, Reich. Pücklerstrabe 33, Konsum- Berel» „Berlin, Rixdorf". Ratiborslr. 1, Böttcher. Ratiborstr. 5, Schmidt. Reichenbergerstr. 72, Wittenberg. Reichenbergerstr. 123, Schlicht. Rciciienbergerstr. 142, Helfer. Reichenbergerstr. 149, Fischer. Reichenbergerstr. 162, Gros». Skalitzcrstr. 6, Arbeiter Kousum- Genossenschaft„Befreiung". Skalitzerstr. 24, iiöuig. Skalitzersir. 28, Thomas. Skaliperstr. 36, Jruug. Skalitzerstr. 61, Kerzcl. Skalitzersir. 94b, Hennig. Skalitzerstr. 124, Block. Weudenstr. 4, Lange. Wicnerstr. 31, Jeratsch. Süd-Osten. Cuvryslr. 22, Kriesel. Cuvrystr. 30, Kalischer. Cuvrystr. 33, Sprotte. Cuvrystr. 45, Helfer. Tisenbähustr. 12, Henuig. Falckensteinstr. 12, Möricke. Falckcnstcinstr. 29, Scholz. Görlitzcrstr. 39, Dietrich. Görlitzerstr. 43, Wiuklcr. Görliizerstr. 67, Donath. Görlitzerstr. 72, Leppart. Lübbenerstr. 15, Zieseke. Lübbenerstr. 26, Müller. Oppclnersir. 42, Lenz. Pücllerstr. 23, Wilhelm. Pücklerstr. 55, Rcman«. Soraucrstr. 2, Schlvarzenstcin. Wrangelstr. 14, Lippart» Wrangelstr. 62, Beyer. Wrangelstr. 67, Neumann. Wrängclstr. 75, Kudras. Wraugelstr. 101, Engel. Wrangelsir. 109, Balkeuhold. Wrangelstr. 119, Kurko. Süden. Annenstrabe 9, Konsiim-Bcrcin „Eintracht". Annenstr. 21, Towe. Aiinenstr. 46, Utrecht. Böckhstr. 49, Köppeir. DrcSdenerstr. 51, Stege. Dresdenerstr. 105, Wähnelt. Dieffenbachstr. 29, Went(frei HanS), Dieffenbachstr. 76, Bcrger. Gräsestr. 8, Platz. Gräscstr. 68, Fuhrmann. Gräsestr. 93, Schmidt. Neue Jakobstr. 8, Dowe. Neue Jakobstr. 23, Schöufeld. Johanntterstr. 12, Wörgcl. Kaiser Franz-Grcnadier-Platz 13. Schmid. Plan-Ufer 15, Freese. Plan-Ufcr 40, Glicche. Plau-Ufer 76, Anton. Urdanstr. 34, Bcrger. Urbanstr. 119, Wenzel. Schönleinstr. 33, Zimmermann. Wilnisstr. 7, Atzmann. Osten. Beymestr. 30, Parchi». Bödickerstr. 1, Parchi». Graudenzerstr. 3, Steiudamm« Hüinerstr. 2, Wulf. Hübucrstr. 7, Ewald. Mcmelcrstr. 23, Dannenberg. Memelcrstr. 51, Tchwalbach. Poscnerstr. 21, Glöthe. Petersburgcrstr. 78, Kaufmann. Rigaerstr. 108, Hennig. Strabmaimftr. 15, Radke. Warschanerstr. 20, Kretschmer. Zontdorferstr. 52, Moritz. Langcstr. 17, Habicht. Laugcstr. 50, Köppe. Langestr. 96, Pallelt. Nord-Osten. Barnimstr. 47, Bndach. Baruimslr. 3, Raner. Fürstemvalderstr. 6, Rintsch(liefert frei HauS). Georgenkirchstr. 12, Bogler. Koppenstr. 57, Sachs. Landsbergerstr. 113, Buchwald. Pallisadeustr. 21, Kind. Pallisadenstr. 54, Pankofsch. Kisdorf. Berlinerstr. 14, Horst. Berlinerstr. 34, Kadow. Berlinerstr. 94, Busch. Falkstr. 7, Homnth. Kopfstr. 18, Arbcitcr-Kousum-Ge- nossenschaft„Befreiung". Lessiugstr. 30, Homnth. Lessiugstr. 32, Liebschcr. Mühlenstr. 21, Weguer. Kaiser Friedrich ftr 241, Maglus. Kaiser Friedrichstr. 236, Lehmann. Pauuierstr. 19, Baruak. Panuiersir. 53a, Buchholz. Pannierstr. 60, Drischuer. Prinz Handjcrystr. 48, Sasse. Prinz Handjcrystr. 55, Aiajeus. Wibmaunstr. 48, Stobbe. Zietheustr. 30, Bursetzki. Ziethenstr. 31, Konsnmverci»„Rix- dorf-Bcrlin". l8ch»nehers. Akazicustr. 16, Dammrow., Apostel Paulusstr. 15, Friedrichs. Apostel �Paulusstr. 28, Linderer. Belzigerstr. 3, Mcngles. Belzigerstr. 59, Friedrich. Belzigerstr. 61, Bronlctt. Belzigerstr. 62, Steffin. Erdmauustr. 5, Hoffmann. Erdiuaunstr. 10, Blaschke. Gocthcstr. 31, Horn. Goethestr. 26, Hoffmann. Hauptstr. 7, Weiler. Hauptstr. 55, Grabley. Hoheusriedbcrgerstr. 7, Hannemann» verbertstr. 3, Werner. Koburgstr. 5, Eriug. Koburgstr. 13, Hansen. Koburgstr. 15, Weile. Kolouiicustr. 38, Hoffmaun. Kaiser Friedrichstr. 4, Schulz. Kaiser Friedrichstr. 6, Latzmann. Kaiser Friedrichstr. 12, Müller. Maxstr. 3, Barchow. Mersevurgerstr. 5, Dienert. Sedanstr. 10, Lachmann. Sedanstr. 14, Paul. Sedanstr. 27, Weitz. Sedanstr. 71, Kalefchoch. Sicgsriedstr. ö, Günther. Stubenrauchstr. 2, Steinbach. Swbenrauchstr. 9a, Oberlein. Cliai'lottenbnrg. Ansbach str. 19, Gerling. AugSburgerstr. 18, Sprtngstnbbe. Bleibtreustr. 5, Berlin. Bleibtreustr. 51, Günterlberg. Bleibtreustr. 47, Küsfuer. Bleibtreustr. 49, Hubert. Cauerstr. 15, Zorn. Cauerstr. 18, Binde. Cauerstr. 35, Krausuick. Dankelinannstr. 16, Rettig. Garde du Corpsstr. 12, Baatz. Göthestr. 17, Eiseler. Göthestr. 57, Rcumaun. Herdcrstr. 15, Reufert. Joachimsthalerstr. 37, Kerzer. Kantstr. 19, Zillmann. Kantstr. 55, Kilpcr. Kantstr. 109, Sauermann. Kantstr. 145, Güll. Keithstr. 5, Meier. Kleistsir. 5, Schath. Kaiser Friedrichstr. 61b, Rzycki- Krunimestr. 24, Schüpe. Knimmestr. 55, Messer. Kirchstr. 11, Wollmann. Lutherstr. 19a, Lukas. Magazinstr. 17, Schreib. Motzsir. 8, Kietzerow. Maaßcnstr. 34, Sump. Münchenerstr. 22, Sommerfeld. Nehringstr. 7, Engler. Pcstalozzistr. 11, Mende. Pestalozzistr. 18, Schröder. Pcstalozzistr. 26, Rehfeld. Pestalozzistr. 30, Gudat. Pcstalozzistr. 72, Mehl. Pestalozzistr. 78, Bund. Pestalozzistr. 100,«imewis. Potsdamerstr. 8, Scharp. Potsdaiuerstr. 19, Wunsch. Potsdamerstr. 31, Rasener. Potsdamerstr. 4, Simann. Sophie-Charlottenstr. 29, Röhl. Seesenheimerstr. 42 Bchly. Spreesir. 2, Grosch. Strahustr. 6, Wind. Stuttgarterplatz 4, Rohr. Schillerstr. 26, Grams. Schillcrsir. 92, Pirow. Schillerstr. 94b, Rennebcck. Schillerstr. 98, Krüger. Schlüterstr. 64. Butti. Schlüterstr. 68, Sperling. Schloststt. 65, Tock. Wallstr. 62, Schulze. Wilmersdorferstr. 67, Sommer» Wielandstr. 65, Noak. Weimarerstr. 32, Bath. [26741.*] Berkauf findet nur vom Montag bis Freitag statt. Dolmarlttstr. 38. parterre rechts. 1 Durch Jubetriebfetzuug eines 4. Ofens siud wir in der Lage, bedeuteud mehr Brote zu liefern und ersuchen daher die Parteigeuossen um gefälligen Zuspruch.— Bitte genau auf unsere Schutztuarke zu achten. l>ep Vorstand. Verantwortlicher Redacteur: Heinrich Wetzker in Groß-Lichterfekde. Für de» Fuscraieiiteil veraulwortlich: Tb. mlocke tu Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. iu. 237. i6. mm 3. Ktillllje des Jormürta � DjtllStllg, 10, Oktobtt 1809. hmidelt, c S i st S y st e m de . mit alle» Herttnterreitzen oder Kritisieren. Auch ein Wort der Abwehr. Von K. Lk a u t s k t>. Bernsteins jüngster Artikel hat mich nicht überrascht. Und vom Standpunkt der Sache, die ich vertrete, kann ich vollkommen mit ihm zufrieden sein, denn mit Ausnahme der Einkommenstcucr Statistik, die mir uns noch näher ansehen werde», hat er gegen nmiiien sachlichen Standpunkt nichts, aber auch gar nichts vor gebracht. llmsomehr allerdings gegen meine Person. Der Tenor seines Artikels ist eine Jeremiade über die Schlechtigkeit meiner Person, die daS absichtliche Miizvcrstchen seiner so klaren und nnziveidcutigeii Darlegungen geivcrbsinästig betreibt. Früher einmal, bei Nichtig stcllung eines Lesziierschcn Sahes, hat Bernstein sich mit Drcyfu verglichen. Erlvcitcrn mir das Bild. dann spiele ich offenbar die Rolle der Änunillc Mcrcicr, der da Fälschung auf Fälschung bc geht zu dem teuflischen Zwecke, sein unschuldiges Opferlamm dcrVer urteilung entgcgcnzuführcn. ,.Jn Meiches Ziapitcl ich blicke", ruft er pathetisch anS,„ob e? sich »m die materialistische Geschichtsauffassung oder die Werttheorie. die Vcrelendinigs- oder Zusammenbruchsrhcoric immer dieselbe Methode, dasselbe H c r n n t e r r c i tz e n s u ni jeden Preis Mitteln." Zum Unglück für den socialdcmokratischcn Drehfus ans der Eiigclinsel gicbt cS aber auch Leute, die seinem Standpunkt sehr sympathisch gegenüberstehen und doch meine Kritik sehr gerechtfertigt finden. � Da lesen Mir z. B. über sein Buch:„Diese und viele andere veiondcrs im zweiten Teile der Schrift enthaltenen Einzelgedanken sind ganz vortrefflich und stimmen durchaus mit der von uns dar gelegten Konsequenz des Grundgedankens iibcrein. Aber wenn wir hier Bernstein entschieden zustimmen müssen, so müsse» wir um so mehr bedauern, daß es ihm in keiner Weise gelungen ist, diese Gc- danken konsequent und ehrlich abzuleiten... Er verwässert den historischen Materialismus bis zur lliikcinitlichkcit. niacht aus der dialektischen Entwicklung... ein ganz nnverjtändlicheS Gemcngsel iiiid redet über die Werttheorie wie einer, der noch niemals gehört hat, was eine wissenschaftliche Theorie bedeutet" usiv. So spricht Dr. Standinger, ein A n h ä n g e r der praktischen Tendenzen Bernsteins, in seiner Schrift über'„Ethik und Politik" S. 1ö4/1öö. Dies Citat beweist denn doch deutlich, dast man durchaus nicht gegen Bernstein voreingenommen zu sein braucht, um seine Beweis- fnhrung höchst ungenügend zu finden, oder wie Bernstein sagt,„her lintcrzureijzcn". ein Wort, niit dem sich Kritisierte stets über bequeme Kritik getröstet haben. .... Da wir gerade beim Citiereu sind, sei bezüglich der Mistvcr- standinste noch eine Stelle angeführt:„Mißverstanden zu werden ist gewöhnlich das Pech der Schriftsteller, die eigene Gedanken haben, aber bei ihmjst daS Mißverständnis geradezu obligatorisch. Welche seiner Schriften man auch in die Hand nimmt, so wird man nie mit Sicherheit von einem darin enthaltenen Satz sagen können, er lei der Ausdruck seiner Ansicht über den behandelten Gegenstand. Je apodiktischer der Satz, um so sicherer kann man vielmehr sein, ihn in einer folgenden Schrift modifiziert oder gar in sein Gegenteil ver- kehrt zn finden. Und das nicht etwa infolge einer in der Zeit Zwilchen beiden Publikationen inzwischen eingetretenen Aendcrnng der Grundanschauungen, sondern lediglich weil es ihm inzwischen beliebt hat, die Sache von einem andern Gesichtspunkt aus zu bc- trachten... Ans diese Weise ist man bei ihm mehr als bei jedem andern Schriftsteller aufs Interpretieren und Kombinieren an gewielen." . 8« dieser trefflichen Charakteristik habe ich nur hiiiziizufüaen. .B'I.C T 0011 Bernstein selbst versaßt ist. Sie findet sich jedoch nicht in einer Autobiographie, sondern bezieht sich auf— Prondhon, über den sich Bernstein� in dieser Weise vor einigen Jahren in der �Neucn �scit" ausließ(X, 2, S. 589). War das auch ein„Herunter Seitdem hat sich allerdings Bernstein Prondhon sehr genähert. �n einem Punkte scheint er diesen bereits überholt zu haben. Nicht nur wechselt er ununterbrochen den Gesichtspunkt, von dem aus er die Dinge betrachtet, er weiß schließlich selbst nicht mehr, ivaS gciagt hat. Nur ein Beispiel aus seiner jüngsten„Abivehr".„ES ist mir nicht eingefallen, darlegen zu wollen," schreibt er.„daß große, all- gemeine Krisen nicht mehr zn erivarten sind, ich habe nur vor letzt nahezu zwei Jahren!— es als fraglich hingestellt, ob wir i n n ä ch st e r Zeit eine solche Krise zu erwarten hätten". „Bo rjetztzw ei Jahren"— Bernstein scheint vergessen zu haben, daß sein Buch im Jahre 1399 erschien. Aber diese Zurück- schiebung ist bezeichnend. Bernstein ivagt cS nicht mehr heute, wenige Monate nach dem Erscheinen seiner Schrift, zu behaupten, daß eine große allgemeine Krise in nächster Zeit nicht zn erwarten sei. Die Wetterwolken des kommenden Krachs sind inzivischen zu drohend aufgestiegen. �.. untersuchte er aber in dieser Schrift? Die Frage, ob eine Krise in einem Jahre oder erst in zweien oder dreien eintreten werde? Mit Nichten, er untersuchte die Theorie der Krisen. Engels hatte die Frage aufgeworfen, ob die Dauer des Kriscncyklns sich ausdehne oder der Cyklüs gänzlich einem dauernden matten Gc- schäftsgang mit kurzen Geschäftsbessernngcn weiche. Darauf hin bemerkt Bernstein, es erhebe sich„vielmehr eine dritte Frage", ob nicht die gewaltige Ausdehnung des Weltmarkts, des Kreditsystem?, des Kartcllivcscns, die Rnckwirkungskraft örtlicher oder partikularer Strömungen auf die allgeincinc Geschäftslage so verringert hat, daß wenigstens für eine längere Zeit allgemeine Geschäfts- kriscn nach Art der früheren überhaupt als unwähricheinlich zn bc- trachten sind"(S. 70). Diese Ansicht hat Berrstein vor einigen Monaten noch der Engclsschcn entgegengesetzt. Wenn er von einer„längere n" Zeit" sprach, konnte sich's in diesem Zusammenhange nicht um ein oder zwei Jahre handeln: das spräche doch nicht gegen die Engelssche Anschanung. daß der Kriseiicyklns nach ivie vor bestehe, nur mit längerer Dauer seiner einzelnen Stadien. ES gehört zum mindesten sehr viel Vergeßlichkeit dazu, wenn er jetzt behauptet,„ich habe nur — � vor jetzt nahezu zwei Jahren!— es als fraglich hingestellt, ob »vir in nächster Zeit eine solche Krise zn erivarten hätten". Wen» eine derartige Vergeßlichkeit sich mit stetem Wechsel der Gesichtspunkte und höchst unklarer Darstellung paart, dann ist cS kein Wunder, daß die Diskussion mit Bernstein, je länger sie dauert, um so mehr aus einer Diskussion der Frage, ob er'recht hat, in eine der Frage sich verwandelt, IvaS er denn eigentlich tvill. Hat aber jemand, der so wenig zn dem steht, was er selbst geschrieben. Ursache, anderen Leuten Moral zn predigen und bei ihnen die Schuld zu suchen, wenn er sich mißverstanden fühlt? Dies eine Beispiel einer sonderbaren Vergeßlichkeit könnte leicht vcrviclfältyzt werden. Aber es fehlen Zeit und Raum und wohl auch daS Interesse der Leser für ein weiteres Verfolgen der per- s o n l i ch c n Seite der Bernstcinschen Abwehr. Wenden wir uns lieber zn der einzigen sachlichen Seite, die sie bietet. Die Zunahme der Besitzenden— das ist der Kern- puilkt der Bcriistcinschcn Broschüre: sie habe ich am schärfsten an- gegriffen, daher fühlt er sich auch gedrängt, in letzter Stunde gerade hier in die Bresche zu springen. Was er über die preußische Statistik sagt, darauf bedarf cS keines näheren Eingehens. Bernstein kann nicht widerlegen und ver« sucht es auch gar nicht, daß von 1876 bis 1890 die Gesamt- bevölkcrnng Preußens um 17 Proz. stieg, indeß die Zahl der Censiten mit einem' Einkommen von unter 525 M. in dem gleichen Zeitraum um 32 Proz. znuahm und das Dnrchschiiittscinkommen dieser Klasse von 203 auf 197 M. sank. Der bürgerliche Ockonom Soctbccr hat auch die Sprache dieser Ziffer im cutgegeugesetzteii Siiine gedeutet, wie Bernstein. Aber die englischen Ziffern? Bernstein kann nicht leugnen, daß die englische Eiiikomniensteucr-Statistik höchst maiigelhaft, daß die „British Review" kein fachwisscnschaftliches Blatt, daß der Artikel. dem er seine Zahlen cntnoiiiiuen, eine oberflächliche, vulgäre Harinoiiicdnsclci, daß dieser Artikel geradezu lächerliche Zahlen enthält, welche die Ignoranz und Leichtfertigkeit des Verfasser' beweisen. Aber erklärt er.„für mich genügte es und durfte genügen, daß sie sdic Zahlen, die er dem Artikel entiiahin) M i t alle il A n z c i ch c n ü b e r e i n st i m m t e n, die ich sonst, in den amtlichen Listen wie in den Werken anerkännter Statistiker, über den gleichen Gegenstand fand." Das genügt also Bernstein, um zu behaupten, die Zunahme der Besitzenden sei eine„ T h a t s a ch e, an der sich heute g a nicht mehr rütteln läßt" i.VorauSsetzUiigcii", S. 179)? „Anzeichen" sind keine Thatsachen, und wenn Bernstein sich berechtigt fühlt, ans diverse„Anzeichen" hin uns die Zahlen eines Jnbiläunisfcuillctolis als unanfechtbare Thatsachen hinzustelleii, so sind seine Leser keineswegs verpflichtet, dieses Salromortale aus dem Reich der Anzeichen in das der Thatsachen mitzumachen, sie müssen sich schon die Ilntcrsuchmig und Kritik der Slnzcichcn selbst vor behalten. So lange sie diese nicht kenncii, brauchen sie die Zahlen der„British Review" nicht als Thatsachen zu betrachten, sondern bloß als willkürliche Schätzungen eines bürgerlichen Gegners, der in der ökonomischen Wissenschaft eine Null ist. So bleibt Bernstein als Beweis für die Thatsache, an'der nicht zn rütteln ist, nur noch die sächsische S t a t i st i k. Wenn er in seiner Schrift noch ans die englischen Zahlen das Hauptgewicht legte und sie fett drucken ließ, so sind jetzt in seiner„Abwehr" die sächsi- scheu in den Vordergrund getreten:„Wenn irgend eine Statistik alles, aber auch alles bestätigt, was ich in dieser Hinsicht an den Kongreß von Stuttgart geschrieben habe, so ist es gerade die sächsische, und ich kann nur den MiitKantskyS bewundern, mit diesen Zahlen irgend etivaS gegen mich beweisen zn wallen." In der That. wenn man die Gruppierung ansieht, in der Bern- stein uns die Ziffern vorführt, dann scheint es d>»S Aufgebots meinei ganzen Mutes zn bedürfen,»in ihnen ins Auge zu schauen. E� nähmen nach Bernstein von 1879—1894 zn(ich citierc wörtlich) Proletarische Censiten Bestbezahlte Arbeiter und Kleinbürger. Mittelbürgcr......... Großbürger.......... Kapitalniagnaten........ Durchschnitt der Zunahme..... Ein lachendes Bild— in der That. Aber um 33,8 Proz. „ 71,6 „ 74,0 „ 154,4 „ 272,0 „ 37,3 vielleicht erscheint cS etwas weniger lachend, ivenn wir näher ziischn. Gehn wir ins Detail, dann finden wir, daß bloß die beiden untersten Stufen der Censiten relativ stark abgenoiiiinen haben. Während die Gesamtzlinahme der Censiten 37,4 Proz. betrug, nahmen die Censiten mit cinein Einkoiiiinen unter 300 M. bloß um 8.5 Proz., die von 300—800 M. bloß um 18,4 Proz. zu. Deren relative Ab nähme bedeutet offenbar nur ein Steigen der Löhne, nicht eine Zu nähme der„Besitzenden." Bei den aüdcren Eiiikonuneiistiifen aber sehen die Prozeiitznnahinen anders aus. Sie sind am größten in jenen Schichten, die am ehesten d cm Proletariat zu- gerechnet werden können und verringern sich nmsomehr, j c näher iv i r dem Kleinbürgertum k o�m in e n, um erst im Großbürgertum ivicder zu steigen. Wir finden: Censiten mit einem Zimahme In Prozenten Einkoinincn von von 1879—1894 800— 950 Mark 133,54 950— 1100„ 119,30 1 100— 1 250.. 112,90 1 250— 1 400 ,. 109,10 1 400— 1 600„ 79,43 1 600— 1 900., 69,74 1 900— 2 200„ 78,63 2 200— 2 500„ 74.54 2 500— 2 800„ 69.76 2 800- 3 300„ 63,96 3 300— 4 800„ 74,74 4 800— 9 600 ,. 75.57 9 600—20 000„ 113,98 über 20 000-54 000„ 1 97,47 über 54 000 ,. 272,00 Wir sehen, die Zunahme ist nicht, wie in der Bernsteiiischeii Tabelle, eine von unieu nach oben hin stetig wachscndc, sondern sie ist am größten in den nntern und den obersten Schichten, am ge- ringsten in den mittleren. Wäre aber dem nicht so, dann würde die Bernstcinsche Tabelle nicht nur alles beweisen, was er gesagt, sondern noch mehr, mehr als ihm selbst lieb sein dürfte. Sic bewiese entweder, baß die Zahl der Poletaricr abnimmt oder aber— daß die Zahlen der Einkommensteuerstatistik für die Frage der Zunahme der Besitzenden völlig wertlos sind. Wenn es eine Thatsache gicbt, an der nicht gerüttelt wcrdcik kann. dann ist es die, daß die Zahl der Lohnarbeiter allenthalben zilnimnit. Dies wird nnzwcifclhaft bezeugt durch die Zahlen der Bcrufsstatistik. Ich brauche sie hier nicht anzuführen, da Bernstein clbst die Thatsache nicht leugnet.„Richtig ist." erwiderte er mir im „Vorwärts" vom 26. März,„daß in den vorgeschrittenen Ländern die Zahl der Lohnarbeiter heute schneller wächst, als die der Gesamt- bevölkerimg. Aber es ist mir nie eingefallen, das zu bestreiten Kantsky liest in meine Sätze Dinge hinein, die ganz und gar nicht darin stehen." Man sieht. Bernstein sang dieselbe Melodie dcS MißvcrstchenZ schon vor einem halben Jahr. Wenn man nur genau wüßte, was in seinen Sätzen drin steht! Die Zahl der Lohnarbeiter nimmt zu. Das ist der feste Punkt, von dem wir anszugchcn haben. Die Lohnarbeiter sind aber, so viel ich Ivciß, Besitzlose. Nehmen die Lohnarbeiter schneller zu. als die Gcsanitbcvölkerung. so müssen auch die Besitzlosen schneller zunehmen. Andererseits ist es eine unleugbare Thatsache, daß bisher die Zahl der großen Ikapitalisten ebenfalls schneller zu- nimmt, als die Bcvölkerniig. Ilm diese Thatsache zn zeigen, reichen die Zahlen der Einkommcnsteucr-Statislik wohl aus, denn die großen Einkommen kann man alle den Kapitalisten zuschreiben, während bei den kleineren und mittleren nieinand von vornherein sagen kann, welche dem Lohn und welche dem Profit oder der Grundrente ent- springen. Also die Zahl der großen Kapitalisten und die der Proletarier nimmt zu. Auf wessen Kosten? Sie können nur wachsen auf Kosten der einzigen Schicht, die dann noch übrig bleibt, der Mittelschicht. Daß das thatsächlich der Fall, lehrt uiis die Gewerbestatistik und ivie wir gesehen, sind die Zahlen der sächsischen Einkommensteuer- Statistik wohl damit vereinbar. In der Weise, wie Bernstein sie gruppiert, bewiesen sie dagegen, aß der Mittel st and schneller, bedeutend schneller iv ä ch st, als das Proletariat, daß dieses relativ und ab- ' o l u t abnimmt, sie bewiesen also etwas, wovon Bernstein entrüstet behauptet, daß ich es ihm fälschlich in die Schuhe schiebe. Es handelt sich hier nicht um statistische Spielereien, sondern um eine höchst ernste Sache: um die Lebensfähigkeit des S o c i a l i s m u s. Die Abnahme der Besitzenden beweist für sich allein noch nicht die Notwendigkeit des SocialismnS, sie wird auch von manchem bürgerlichen Forscher anerkannt. Aber die Zunahme der Besitzenden beweist auf jede» Fall die Unmöglichkeit und lieber- flüssigkeit des Socialismns. Bernstein ist srciliäi anderer Meinung.„Jede Untersuchniig", sagte er,„ist nur nach ihrcin Zweck zu beurteilen. Welches ist der meine? Ich habe ihn deutlich genug angezeigt. Nur ein Dutzeud Zeilen nach dem Satz, Ivo ich von den preußischen Vermögens- censiten spreche, steht es in klaren Worten, daß cS mir auf die Bekämpfung„des Aberglauben s" ankouinit, daß „die Zukunft der socialistischen Bewegung von der Konzentration des Besitzes oder, wenn mau will, der Aufsaliquiig des Mehrwerts durch< eine sich verringernde Gruppe kapitalistischer Mammuts ab- hängt." Das sind allerdings klare Worte, sind cS aber auch klare Begriffe? Das Wort von der Zunahme der Besitzenden heißt entweder Abnahme der Besitzlosen, oder es bedeutet hoffnungslose Konfusioii. Etivas Drittes gicbt es nicht. Bcrilsteiii nahm denn auch in seinem letzten Artikel im Gegen- satz zu dem vom 26. März an, wie sein Hiniveis aus die von ihm vorgenöiiimene Gruppicrnng der sächsischen Statistik beweist, daß die Zahl der Proletarier abni nun t. Nun frage ich, wie kann jemand dem Proletariat seinen Sieg in Aussicht stellen, der aiiuimuit, daß die Proletarier bloS um 33 Proz. zmichmen. die Klein- und Mittelbürgcr aber im gleichen Zeitraum um 72 bis 74 Proz.? Muß da die Entwickluiig nicht vielmehr schließlich dahin führen, daß die Klein- und Mittelbürgcr da? Proletariat erdrücken? Und wenn die heutige Prodnktiousivcise schon dahin strebt, immer mehr Proletarier in Klein- und Mittelbürgcr, also in Besitzende, zu ver- wniidclu. wozu dann die Umwälzung der Besitzverhältiiissc durch den Socialisinns?» Ans diese Fragen ist Bernstein bisher die Antwort schuldig gc- blieben und ivird sie schuldig bleiben. Er hat weder gezeigt, daß andere Kräfte, als das Proletariat, zum Socialismns drängen, noch hat er gezeigt, daß dieser eine Notwendigkeit bleibt, auch wenn der KapitalisinilS selbst ans die allmähliche Aufhcbimg der Besitzlosigkeit hinwirkt. Daß die Zmiahuie der Besitzeiiden unverträglich � mit dem Kommen de? Socialisinns, das ist eine der wenigen Anschauunge«. über die bisher die bürgerliche Ockonvmic mit den Socialijteii voll» komnicii übcrcinstiinmtc: daher die steten Versuche der crstercn. de« SocialiSmuS durch Erweisung einer derartigen Zunahme zu ividcr« legen. Der Standpunkt Bernsteins steht hier also im Widerspruch z» dein e i n st i in in i g c n Urteil der bürgerlichen und der socialistischen Wissenschaft. Er bedcntctc, wenn er begründet wäre, eine völlige Umwälzung nnscres ganzen socialen Denkens. Man sollte meinen, Bernstein habe diese grundstürzcnde Lehre, die den„Hauptzweck seiner Uiitcrsnchung bildet, eingehend zu bc- gründen gesucht. Dann könnte er allerdings den Anspruch darauf erheben, er habe den Marxismus fortgebildet und dem SocialisinuK ciuc neue Begründung gegeben. Aber davon keine Spur. Bernstein begnügt sich damit, das einstimmige Urteil der Wissenschaft einen„Aberglauben" zn iicuiien. DaS mag ihm genügen, aber wir sind weniger bescheiden. Das Wörtchen Aberglauben hat auch die Liberalen nicht verhindert, Bernsteins Ausführnugcn jubelnd zu begrüßen, denn sie sind Wasser auf ihre Mühle und bleiben es, so lange die Logik der Thatsachen mächtiger ist als Worte. Ist dem aber so. dann hat jeder Socialist, der noch nicht das Zauberwort gcfuudcn, mit dem dieser„Aberglaube" zu über- winden und der die VoraiiSsetzimgcn nicht anerkennt. von denen Bernstein ausgeht, nicht bloß das Recht, sondern die Pflicht, diese zn bckämpscn. ES handelt sich um nichtS Geringeres, als um die propagau- distische Kraft, die Lebenskraft imscrcr Partei. Deswegen habe ich das Wort gegen Bernstein ergriffen, deswegen mußte ich, wie jeder Genosse, dem die Propaganda unserer Ideen am Herzen liegt, in der Diskussion das Wort ergreifen. Wenn Bernstein den großen principiellen Gegensatz, der uns scheidet, nicht mehr hegreift, wenn er den Gegensatz zwischen dem bisherigen Socialismns und einer Lehre, die bisher zuin Liberalismus führte, aus absichtliche Mißverständnisse persönlicher Voreiugcnomineu, hcit und Rechthaberei reduziert, wenn er mir an Stelle des Pflicht» gcfühlS persönliche Gehässigkeit als Motiv meines Auftretens gegen ihn unterschiebt, so mag diese tlciulichc Auffassung für ihn ein nos- wendiger Trost geworden sein. Aber mit diesem Verdächtigen der Motive lenkt er die Diskussion aus ein Gebiet, auf das ich ihm nicht 'olgcn werde. Vor mir liegt eine Polemik, die 1893 in der„Neuen Zeit" zwischcg Berusicin und Domela NienivenhniS ausgcfochtcn wurde und dje Streitenden nnfs äußerste erhitzte. In seinem Schlußwort sagte damals Bernstein: „Wenn zwei Leute sich streiten und dabei immer heftiger werden, bis sie schließlich zn Beschimpfungen und Schlimmerem übergehen, so wird in der Regel iiicinand am Ende zugeben wollen, daß er asi der Ausartung des Streites schuld trage. Und für denjenigen, der 'ich an die rein äußerlichen Formen der Rede hält, mag es schwer stin, zu entscheiden, wo die Schuld oder— ich will bis zur äußersten Grenze der Objektivität gehen, wo der größte Teil d.r Schuld liegt. Nichtsdestoweniger giebt es ein solches Kriterium. In allen Fällen, wo es sich um die Beurteilung von Haudlimgcn dreht, wird von solcher Ausartung dcß Streites derjenige die größere Schuld tragen, der zuerst dazu über» gegangen ist, die Motive seines Gegners zn verdächtigen. ilnd wenn er es in den g c m e s s e n st e n Worten thut, hat er damit den Streit auf das Gebiet der B e s ch i m p f u n g c iz hinübcrgelcitet." Heute fängt Bernstein an, das zu thun, was er damals Nieiiw.iihuis vorwarf. Zum Glück versichert er uns, er sei mir toll bei Nordnordwest. Bei Südwest könne er cincn Habicht von einem Reiher unter- scheiden. Hoffentlich bläst bald ein Wind über England, der unser« Hamlet den Unterschied zwischen principiellem Gegensatz und pcrsön- licher Gehässigkeit erkennen läßt. Nmmmumles. Zu de» Ttadtberordnctenwahlen. Die socialdemokratische Fraktion hat aus den Ursachen, die sich auS der am Sonntag ex- wähnten Entscheidung des Ober-Verwaltungsgerichts ergeben, in der Stadtvcrordncten-Versamniluiig einen neuen Antrag wegen Ver» leg u n g des Wahltermins für die III. Abteilung auf Sonntag, den 5. November er., eingebracht, welcher dahin lautet� Die Bersanunlung ersucht den Magistrat, die diesjährigen Er» ganz n n gs wählen zur Stadtverordncten-Versaiiimlmig in der III. Abteilung Sonntag, den 5. November, vorzunehmen, oder v c n t u e I l die Mahlzeit am Montag, den 6. November, bis 10 Uhr abends auszudehnen. Der Stadtverordnete B a u m g a r t e n, welcher der Stadtverordneten- Versammlung seit dem Jahre 1883 angehört, hat sein Mandat niedergelegt. Derselbe ist bis 1901 gewählt und muß daher im 5. Wahlbezirk, III. Abteilung, eine Neuwahl statt- finden. Es erhielten dort bei der Wahl im Jahre 1895 Baumgarte« 641 Stimmen, Antrick(Soc.) 210 Stimmen und Münster(Antis.) 92 Stimmen. Im Jahre 1889 war Baumgarten mit 474 gegen 169 socialistische Stimmen gewählt worden. �Werlheim Berlin, Leipzigerstr. 182|188. o Bosenthalerstr. 27|29, 54155. o Oranienstr. 53154. Dienstag, den 10. Oktober und folgende Tage soweit der Vorrat reicht: Kleiderstoffe. ♦ Confection O Scllleifenstoffe, auf einfarbigem Grunde, Meter 90 Pf. Effektvolle Frise-Gewebe, Meter 1,03 Mk. Reinwollene Plaid-Stoffe, Meter 1,30 Mk. Noppenstoffe in englischem Gesohmack, Meter 1,33 Mk. Matelasses mit farbigen,.seidenartigen Effekten, Meter 1,40 Mk. Einfarbige reinwollene Krepps, Meter 88 Pf. Einfarbige reinwollene Cheviots, Meter 1,50 ml Golf-CapeS, karierter Stoff, 7,75 Mk. Golf-CapeS, schottisch karierter Stoff, 11,50, 10,50 Mk. Taylor-made Cape, mit Blenden-Applikation, schwarz und modo 17,50 Mk. Taylor-made Cape, mit Applikation, schwarz und modo 22,50 Mk. Jackett, geneppter Stoff, schwarz, anliegend 10 Mk. Jackett, glatter Stoff, anliegend 13,50 Mk. Jackett, zweireihig, mit ReTors, schwarz und mode, vorn lose 14 Mk. Schwarz Kanin-Collier 90 Pf. Seal-Kanin-Collier 1,80 ml Schwarz Murmel- Collier l,c5Mk. Nerz-Murmel-Collier 1,60 Mk. Seal-Bisam-Collier 3, so ml Nutria-Collier 8,00 ml Nerz-Collier 8,75 Mk. Nerz-Collier, Fuchsgrossse 28 ml �elzwaren. Fuchs-Colliers mit Kopf 11, 16, 20 ml Seal-Kanin-Cape, ca. ss cm. lang, 26 ml Seal-Kanin-Cape, ca. es cm. lang, 38 ml Seal-Bisam-Cape, ca. eo cm. lang, 75 ml Seal-Bisam-Cape, ca. 70 cm. lang, 90 ml P elZ-Hilte mit eleganter Garnierung 6 bis 10 Mk» Damen■ Glace- Handschuhe, farbig, 1,16 Mk. Damen" Incot■ Handschuhe mit gemusterter Hand, einfarbig und weiss 38 Pf. Jedes ' Wort: Won fetf. j 16 Buchstabe S Pfennig. _ Kur das ersti Wort fett. Worte mit mehr als Buchstaben zählen doppelt. /Cleine ßnzeigen. p Anseigen in den AnnaÄmetiellen für Berlin bisS C'Mr.fürdie Vororte bis t Vhr, der Hauptezpedition ßeuthstr.S bis-t Uhr angenominen, ächete d werden Serli» 7hr. � iM Verkäufe Rrstaurnnt mit großem Mittagstisch verkäuflich. Teilzahlung. Ofserten unter P. 4 Expedition des„Borwärts". Gute Restauration zu verkaufen. Zu erfragen Cuvriislr. 6 im Resimiraut. Bettsackrohr, Stuhlrohr, Bambus. C. H. Krämer, jeht Wallstrabe 10. Betten. Steppdeiken, Tischdecken, Gardinen, Portieren, Teppiche, Regit- latoreu, Reniontoiruhreit, Winter- paletots, Anzüge, Hosen, Operngläser spottbillig Pfandleihe Neanderslrabe» Möbel. bar und billigst. Frankfurter Allee 110, I, Ecke Königsbergerstrabe. l37K» Großer Möbelverkanf, Schüben- strabe 2, Ecke Friedrichstrabe. Ich führe n»r gediegene Möbel und liefere biNiger alö jeder Händler; da ich meine eigenen Tischlereien und Tapezier- Werkstätten habe, so bin ich imstande, schon hübsche und geschmackvolle Ein- richtnugen für lüg bis Mg, elegante 400 bis 4000 Mark zu liefern. Jede Garantie übernehme. Ganz besonders zu empschlen sind die verlieheiien und zurückgesetzten Möbel, die wie neu sind, zu ganz crmäbigtein Preise abgegeben werden. Darunter Salon, Speisezimmer, Schlafzimmer, Herren- zimmer, grobe Posten Garnituren und einzelne Sosas, Schreibtische, Klciderspindcn, Bettikow, Garderoben- und Ankleideschränle, Bücherspind, Trumeaux, sowie viele andere Möbel. Auch gebe ich a» sichere Leute aus Teilzahlung. Gekaufte Möbel werde» durch eigenes Gespann in die Wohniiiig gebracht und aufgestellt, auch nach auberhalb. Großer Möbelverkanf. Muschel- bette», Muschelspinden 27. Hochcle gante Säulenspindeil, Trumeaux mit geschliffenem Glas»0. Wiiitdcrschünc Paneel-, Taschen-, Stoffsofas, Damen- schrdbtisch. Vollständige Wnhnungs- Eliirichiniigen, Küchetimöbel in grober Auswahl zu den billigsten Preisen. HirschmpiS,Manmmeiis!rabe7n42YüZl» Gediegene Schuhwaren kauft bei Tottcnhagen, Lstdbencriirabe 20. sf74» Fahrräder, erstklassige Marken, 2 Jahre Garantie. Gefahrene Räder, noch gut erhalten, billig. Tcilzab- lniigen gestattet. Tandeins und Ein- sitzer werden verliehen. Karl Fischer, Bcusselstrabe 0. 126K- Strickmaschine», bestes Fabrikat, auch auf Teilzahlungen. Gustav Bredereck, Eiigelnfer 20._ flö* Strilkniaschiueii von Walter, Mühlhansen, unverwüstliches Fabrikat, guter Erwerb sür Frauen, Erlernen leicht, gratis, Arbeit wird nach- gewiesen, Teilzahlung gestattet, villigste Preise. Vertreter Homburger, Klofierstrabe 03. 158St* Fahrradhändler kaufen sämtliche Ziibehör- und Rohteile, sowie Gestelle, gespamiie Räder sehr vorteilhaft. Fahrradartikel en gros, jetzt Luckauer- strabe 3._ 113/5* Möbelspeichcr. Möbelverkanf Oranienstrabe 2a, Rubbaum fournierie jtleiderspinden mit Muschelaussatz 30,00, Ruhebetten, Küchciilpindcn 13,00, Rohr- lehnstühle 5,00, Paneelsofas 75,00, Uuszugttschc, PerbindungStische 12,00, Ullarmortoiletten 25 00, Mnschelbetten, Säulentrumeaux So, 00, Plüschgarni- iure» 95,00, eventuell Teilzahl ung. Bettstellen 0 Mark, Paneeltaschen- Sofa 80 Mark, Säulenspiegel 70 Mark, Schlassofa 23 Mark, Küchenspind L Mark, Muschel-Kleiderlpind 28 Mark. ■ 1"-" dc>N. Anklamerstraße 20, Lade [167a* Danicituiäntel, Jacketts, wirklich billig, verkauft Stranz, Alexander- strabe 15._ WIK* Fahrrad, hochelegant, erstklassig, zwangsweise sofort dringend für jeden Preis. Cigarrengeschäft Königsberger- strabe 7.___ 147/4 Waldvögel, grobe Auswahl, von 60 Pf. an, Brückenstrage 1, Special- gcschäst. 110/16* llliiigschiffchru- Nähmaschine um- staudöhalber, Prinzen-Allee 08, III liuls._ töl* Gaskocher, Sparsystem gweiloch 6,00, Drciloch 10,00. GaSplätleisen billig. Gasbratosen 12,00, Gasheiz- öfcn 10,00. Theilzahlung. Wohlnuer, Walluertheaterstrabe 26/27.(Kein Laden.)_ 2964b stlugeschmußte Damenhemden mit hübscher Handstickerei, Reisemuster, sonst tadellos, von 1,10 an. Ebenso Damenhose» niit eleganten Stickereien von 1,30. Handstickerei- Wäjchesabril Donig, Alexanderstraße 30, Vorderhaus�_[ISlfl* Tauiieiifedern Pfund 1,75 bei Gedunke, Rummelsburg, Türrschmidt- strabe 20._ 1953* Sammetreste zu Kinderkleidern, Knabenaiizügcn, auch pfundweise, Plüschrcste, Nesterhaiidlung, Neue Königstrabe 30, 1 Treppe. 161K* Tuchstoffe, Buckskin-, Chcviotrestc spottbillig Nene Königstrabe 30. Rcftcrverkaiif. Billigste BczugS- anrlle für Wicderverkäufer. Nene Königstrabe 30. 161K* Go l dwareu-Ansvcrkanf, spottbillig Skalitzerstrabe 126 parterre. 117K* Iliireiinusvcrknuf spottbillig, Ska< litzcrstrabe 126 parterre._ Girea 5Vj Pfund Brot 50 Pfennig, circa 6 Pfund Schwarzbrot 50 Pfennig, liefert Gomolls Bäckerei, Brunnen- strabe 48._[t48* Preßkohle», Senfteliberger Revier, 1000 Stück 4,60, 5,50, allcrgröbte nur 6,75, liefert von 3000, frei Keller gepackt Fischer, Meuielerstrabe 7, Fernsprecher VII 2012. Cf.- Vermisclite Anzeigen. Elektro, Prinzcnstraßc 55. Neuer Nbendkursils, beginnend Donnerstag, 5. Oktober. Gediegene prallische und theoretische Ausbildung für Elektromontenre, Installateure, alle Metallgcwerbe. Keine Borkeiintniffe. Diploinzcngnis. Stcllnngsnachweis. Lehrplan gratis. Anmeldung täglich, auch Sonntagsvormittag._ Elektrotechnik. Neue Abendkurse sür Schlosser, Mechaniker und ver- wandte Gewerbe zur Ausbildung als Maschinist, Elektronionteur. Werl- sührcr k. Man informiere sich durch Prospekte und erkundige sich bei Schülern der Anstalt über die erzielten Erfolge. Jackson, Alte Jakob- strabe 24._ 30396 UnfaUsachr», Klagen, Eingaben. Putzger, Steglitzerstrabe 65. 189K* Möbelfabrik. Oranienstraße 173, nah« Oranienplatz. Billigster Einkauf von Wohnungs- Einrichtungen, auch einzeln c Schlafsofa 33.00, Kleider- schrank, Verttkow 37,00, Plüschgarnitur 98,00, Pnttcelsofa 85,00. Bettstellen, Matratzen 30,00, Trumean, Büffets, Herren-, Dauienschreibtische, Muschel- bettstellen, Ausziehtisch 18,00, Spiegel, Spiegelspindchen 26,00, Küchenmöbel. Auch Teilzahlung._ K* Cigarrcufabrik von A. TIetz jetzt Breitestrade 23 und Invaliden- strabe 124. Di« hervorragendsten NummepN b Pf. Nr. 21, 6 Pf. Nr. 27, 7 Pf. Nr. 22. 1-76* F euer-Versicherungen nimmt kosten- sret aus Generalagent Freieis, Naunvn- straße 51, parterre. 1-73* Meyerlexikons, Brvckhaus, Brehm und andere wissenschaftliche Bücher kauft und beleiht Antiquariat Koch- straße 66 I._ 1993* Maßschneiderei für Herreugarde- robe in guten englischen und deutsche» Stoffen. A. Täterow, Anneüstrabe 26, parterre, gegenüber Thalia-Theater. Mein Vereinslokal, 40 Personen fassend, noch einige Taae in der Woche frei. A. Kaufeldt, Schankwirt, Marlusstraße 47.__ 20216 Empfehle Freunden und Genoffen mein Weiß» und Bayrisch- Bier> Lokal. Robert Dteseler, Siralauer- straße IS. Ivo«* L.iiitiuiigs-Markcit und Kautschuk- Stempel liefert seit 20 Jahren sür taufende Kassen und Vereine Jean Holze, Hamburg, Grobe Drebbahn 45. Illustrierte Preisliste» gratis.[134/1 Zahnärztliches Institut Jnva- lidcustrabe 107, parterre. Kliuikprcise. 10-12. 3-8. s98* Bercinszimmer zu 50 Personen zu vergeben. Psefferberger Attsschank, Brnckeustrabe 2. 2S50V Berciuszimmer, 40 Perionen fassend, frei. Gustav Ladewig, Koni- inandailtenstrabe 65, nahe Alte Jakob- strabe. I32K* Zwei Kegelbahnen noch Tage frei, drei Bereinszimnier. Pieper, Kreuz- bergstratze 43._[flO* Freiindeu und Bekamiken zur Stach- richt, dab ich inein Schuhwaren-Geschäst von der Sorauerstraße 2» nach der Wrangclstrabe 77 verlegt habe und bitte bei Bedarf mich berücksichtigen zu wollen. Karl Neumann.-sl8* Möbel, Wirtschaften kaust Möbel- gcschäst Aullaiuerslrabe 20.[167K* Kind(Knabe), 15 Tage, wünscht Unterzeichnete an Familie zu eigen zu geben. Marie Albrecht, Asyl für Obdachlose, Fröbelstrnbe. 54b Bereiuszimmcr zu 50 Personen zu vergeben. Psefferberger Ausschank, Brückenstrabe 2._ 556 Tambourbrüder. Freund« des früheren Tambonrvcrelns„Gut Heil", Kränzchen bei Wille, Andreasplatz, Sonnabend, 14. Oktober. Ueberschuh zum Besten eines kranken Genoffen. Nrheitsmarkf. Stellenangebote. Steppanftalt für Täschner, Bertrand, Luisen-User 13 vorn IV, verlangt Leder- stepperin. 18 Mark Lohn. 3b Zliif Ccllnloidgriffe wird tüchtiger Drechsler, guter Bieger und Schnitzer, der selbständig auf diesen Artikel ar- beiten kann, sofort für Wien aufge- nomnien. Ausführlich« Anträge mit Gchaltsansprüchen an Jclinct und Frankenstein, Wien VI, Mittelgaffe 25. Gofanglehrer, welche gewillt sind, einen sich bildenden Arbeitcr-Gesang- verein zu leiten, mögen sich melden Rigaerstrabe 127 bei Kobus. 60b Kreissägenschncider verlangt C. Ruthenberz, Goldleistenfabrik, Neu- Weißensee, Lehderstraße.-HSS Tüchtiger BambuSarbciter sosort gesucht von RSsemann, Brückenstrabe 2. ivtustk» Lehrlinge stellt ein OSkar Held, Musikdirektor in Jüterbog.[2064b Arbeiter für silberne Bestecke werden für auberhalb verlangt DreS- denerstrabc 95. I. 50b Farbigmachcr. Arbeiter, Arbeits- dürschen und Lehrlinge verlangt Gold- leistenfabrik Dieffenbachstrahe 33.[52b Drechsler, Zusammenpasser, Feiler und Schleifer verlangt Schirmstock- fabrik Rittcrstrabe 59, 53b Knabe» welcher Lust hat, Edelstein- graveur zu erlernen gegen Monats- vcrgütigung, findet Stellung bei Bcckow, Robstrabe 26._ 576 Suche ständigen Kassa- Abnehmer für Cigarren aus rein überseeischem Tabak zu den billigstenPreisen. Lischkc, Oppelnerstraße 28. r74 Tüchtige Farbigmacher bei hohem Lohn. E. Jocrs, Skalitzerslrabe 28. Gürtler auf Rohrarbeit verlangt Kronleuchter- Fabrik Pallisadeu- straße 49. 1-5? Tüchtiger Dirigent sür Männer- chor zum l. November für Dienstags gesucht. Gesälligc Offerten erbeten unter P.D. 98 postlagernd Postamt 68. Hefthosenmamsell ManNstrabe 7 III. verlangt Lietz- jfbi Näheriuncn, hoher Verdienst, leichte Arbeft. Haase, Ackerstrabe 133, 5. Hos. 05b S UMamsells aus Jacketts»erlangt Tschiersch, Fliederstrabe 17._ fül Karton- Arbeiterinnen in und anberi» Hause verlangt sofort Karton- fabrik MarkuSstrabe 50. 63b Pompons Gustav Engel, - Arbeiterinnen sucht Holzuiarktstrabe 44a. Lehrmädchen weiden in Posa- uientenarbeit angelernt bei Gustav Engel, Holzmarttstraßc 44a. 147/2 Farbigmachrrinnen,Bclegerinilen und Lehrlinge verlangt Goidleisten- fabrik Max Leonhard, Schlcsischc- strabe 31._ 30766* Ein ordentliches Mädchen zur Handarbeit wird verlangt und kann sofort eintreten bei Laer u. Sohn, Wallsttabe 67. 308Sb* Paginiererinnen verlangt die Geschäftsbücherfabrik, Holzinarktstr. 57. Arbeiterinnen zum Sortieren von papierabsällen bei gutem Lohn sucht ZosefSchtmek, Mühl-nstrabell. 154K* Im ArbcitSmarkt durch besondere« Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 4« Pf. pro Zeile. . Arbeiter und Ar- deiterinnen verl. Boblre", Brückenstr. IS». HäcNer.v.Jfenh etm,Frankfurterst.S4I. Wegen Lohndifferenzen in der«au- tischlerei von Km-tTelin, Mtthlcnstr. 6, Ripdorf, ist �uzng fernzuhalten. 122/3* tßcebtiinx lilGteilliractrei-! Wegen Differenzen haben die Kol- legen der Kistenfabrik von Liebrecht, Kroiienstraße 71, einstimmig die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fern zu halte«. Slb Annahme- Stellen fiir„Kleine Anzeigen". Voten: Rovert WengelS, Fmchtstr. 30, H. L. Bogel Wwe.. Kopvenstr. 83. Ehr. Schultz. Blumeustr. 14. Nordovtvn: I. Reul. Barnimstr. 42. Xor-clon: W. Gaßmaun. Grünthalerstr. S5. Karl Mars. Kastanicu-Allee 95/96. Emtl Stolzenburg. Wiefenstr. 14. L. Dechand. Ruheplatzstr. 24. H. Bogel, Deininiuerstr. 32. A. Tietz, Jnvalidenflr. 124. Zliolftirvent«»: Karl Anders. Salzivedelerstr. S. SiidtrcBtcA: F. Ohnesorge, Bergniannstr. 23, H. II. H. Schröder. Kreuzbergstr. 15. SNclS»: Hans Baake, Dresdeuerstr. 52/53. F. Gutschmidt, Kottbuser Damm 8 diQclaiatoil: Fritz Thiel. Skalitzcrstr. 35. W. Geschc. Wraugelstr. 58. Marlin Mescha, Adalbertstr. 24. : P. Horsch. GipSstr. 27. A. Tietz. Breitestr. 23. Charlottenbnrg: Gust. Tcharnbcrg. Schillerflr. 941. W'rlQAvnsi»: H. Bernfee. Kirchstr. 15. rrleckrloli-Itene: Auton Kopp. Friedrich Karlstr. 4. I-anllorv: Kümmert, Kaiser Friedrichstr. 15. FtlxSarti E. Osiermcuin, Erckstr. S. E. Retzeraic, Hermannstr. 50. 8ob«tiivI»s»-E: Wilh.Bäumler,ApostelPauluSstr.13. W«4»»en»ee: Heinrich Bachmauu. Lchberstr. 1. Julius Schillert, Köniachanffee Zöa. Rod. Ltebschwager, Gustav-Adolf- straße 16. Verantwortlicher Redacteur: Heinrich Wetzker in Grob-Lichterfelde. Für den JnseratenteU verantwortlich: Tb.«locke in«erltn. Druck und Verlag von Map Babing in Berlin.