Mnterhaltungsblatl des Horwärts Nr. 64. Mittwudr den 2. April. 1902 tSia» druck v:rbolea.> 2] Kufdvv letzten SihÄve. Roman von Gustav af Geijerstam. Im selben Augenblick erwachte Lars wieder zur Wirklich- keit durch einen Schrei, der ihn bis in sein Innerstes er- schutterte. Unwillkürlich beugte er sich hinab, und da sah er den Kopf eines Glindes, und er ergnff den Kopf und zog und zog, bis er einen neugeborenen Knaben zwischen seinen harten Händen hielt. Dann wurde alles still und stumm, und als Lars durch die Thränen'sehen konnte, die aus feinen Augen drangen, lag sein Weib in seiner eignen, schmutzigen Fischer- koje ihn, gerade gegenüber und lachte im höchsten Glück. Und der große lange Kerl beugte sich aus die Koje hinab und weinte wie ein Kind. Aber im nächsten Augenblick sprang Lars die Treppe hinauf und verkündete mit lauter Stimnie die Neuigkeit, und als er wieder hinauf zu Deck kam, begegnete er der Wehmutter. Dort oben hatte keiner das Verdeck verlassen. Vom Ernst der Scene ergriffen, die sich, wie sie wußten, unten abspielte, waren sie alle still stehen gebliebe», wartend, bis Hilfe vom Lande kam, so daß Lars nicht mehr allein sein mußte. Aber als die weise Frau hinabgegangen war, wurde es lebendig auf dein Teck, und aller Hände streckten sich dem Vater ent- gegen. „Wie viele Jungen hast Du jetzt, Lars?" fragte ein Alter, der daneben stand. „Ich Hab' vier," antwortete Lars.„Aber keiner von allen ist so früh auf die See gekommen." Das fanden nun alle gut gesagt. Aber so oft die Geschichte erzählt wurde, versäumte man nie hinzuzufiigen, wie schön es aussah, als Lars sein hochgewachsenes Weib nahm und sie wie ein Kind die steile Schiffstreppc hinab- trug. Und als Schluß der Geschichte kamen immer die de- wundernden Worte, die eine andre Ehefrau bei diesem Anlaß geäußert hatte:„Er faßte sie so fein an, wie ein Stück Kuchen." 2. Als die Sonne im Untergehen war und der ganze Himmel über den felsigen Schären im Westen rot glimmte, da schlich sich die junge schone Märta, Groß- Larsens und Annas Tochter, in aller Heimlichkeit vom Hause fort. Sie ging über die Klippen, wo kein Weg zu sehen war, und sie ging am Lotsenausguck vorbei, wo Gruppen von Männern und Frauen im Gespräch standen, hinaus über das tosende Meer blickend. Sie ging, nein, sie tanzte vorwärts, hurtig und leicht, und zuweilen warf sie einen Blick zur Seite, als fürchtete sie, gesehen zu werden. Als sie ganz oben auf dem Felsen angelangt war, von dem man ihre Gestalt wie einen dunkeln Schatten gegen den lichten Himmel sehen konnte, kroch sie zusammen und glitt den Abhang hinab. Aber sie ließ sich nicht weiter gleiten, als einige Schritte, so daß der Felsen sie vor den Blicken der ganzen Insel schützte. Da setzte sie sich nieder und große Thränen strömten über ihre Wangen. Wie ein Traum waren die Geschehnisse des ganzen Tages an ihr vorbeigezogen. Znsammen mit den andern Frauen hatte sie auf dem Felsen gestanden und den„Polarstern" zum Lande steuern sehe». Zusammen mit den andern war sie hinab zu den Booten geeilt und an Bord gestürzt, um den heim- kehrenden Männern die Hand zu drücken. Sie hatte die Mutter erbleichen und wanken gesehen und wie der Vater sie ans seine kräftigen Anne hob und hinab in die Kajüte trug. Dann hatte sie wartend bei den andern gestanden, bis alles vor- über war lind der Seufzer der Erleichterung, der aus jeder Bnist eniporstieg, Sonnenschein in alle Augen rings um sie verbreitete. Dann hatte sie sich mit der Frage hcrvorgewagt, die ihr die ganze Zeit ans den Lippen brannte. Sie hatte ruhig und gleichmütig gefragt, als wäre es nur, um irgend etwas zu sagen, und sie hatte eine ebenso ruhige und gleichmütige Antwort bekommen. Keiner hatte übrigens ordentlich Bescheid geben können. Es war ja ganz natürlich, daß nie- mand etivas wußte. Und als die Frage gestellt war und es nichts mehr hinzuzufügen gab, da war Märta der Mutter gefolgt, als sie nach Hause getragen wurde, und der ganze Tag war unter allerlei Beschäftigungcu und Handreichungen für den kleinen Bruder vergangen, der auf dem Meere gc- boren worden war, und der nun abwechselnd schrie und schlief. in der klobigen Wiege, in der sie und ihre Geschwister, die ganze Reihe hintereinander, sich kräftig geschlafen hatten. Wie in einem Traum war all das an ihr vorbeigeglitten, und als es Abend wurde und still, als Mutter und Vater im großen Bett in der Kammer schliefen und der Neu- geborene in der Dämmerung der herabgelassenen Noll- gardinen verstummt war, da stieg Märta nicht die kleine Treppe hinauf, die in ihr Bodenzimmerchen führte, sondern stahl sich hinaus in den lauen Sommerabend, um in Ruhe über die Frage nachzugrübeln, die ihr keine Ruhe ließ. Sie saß nun still und blickte hinaus aufs Meer, das sich in schäumender Brandung an der Insel brach. Der Wind wehte mit unverminderter Kraft, und draußen auf der Schäre konnte man den weißen Wasjerschaum sehen, der turmhoch �in die Luft sprühte. Aber Märta spürte den Wind nicht, obgleich er mit seiner ganzen Stärke gerade gegen ihren Körper blies und an ihren Kleidern zerrte. Ihre Äugen starrten kalt und klar auf den Horizont, als wollten sie das Dunkel durchdringen, und sie wiederholte für sich selbst die Antwort auf die Frage, die sie gestellt: ob jemand den„Delphin" gesehen habe? Der„Delphin" tvar auch ein Fischerboot. Der„Delphin" war nicht so groß wie der„Polarstern", Er segelte nicht so gut, und er war nicht der Stolz der Insel. Aber für Märta hatte er das Glück an Bord, und sie saß jetzt und grübelte nach, warum gerade er zuletzt heimkehren sollte und warum niemand an Bord des„Polarsterns" ihn gesehen. Es giebt viel, was sich einem einsamen Weibe zeigen kann, wenn es im Dunkel sitzt und über ein rasendes Meer hinausblickt. Da kommen die Geschichten, die sie erzählen gehört hat, und sie schleichen sich im Schutz der Einsamkeit und der Finsternis in ihr Herz. Es sind Erzählungen von Schiffbruch auf dem Meere, die da zum Leben erwachen, und die Angst vor der Gefahr, die wirklich und lebendig ist, beschwört die Schreckensbilder herauf. Wie Märta dasitzt, sieht sie die Männer auf dein Fahrzeug vor sich, und sie sieht es mastlos und ohne Rettungsboote auf dem erregten Meere treiben. Ein Mann steht am Steuer, er hat sich an den Steuerpslock sestgebliiiden und blassen Antlitzes starrt er hinaus über die Wellen. Ringsumher schimmern bleiche Gesichter und Körper von Männern, die sich in seltsamen Stellungen mit Tauen an einen abgebrochenen Mast festgeschnürt haben, an der Schiffsluke oder am Kajütendach. Da kommt eine gewaltige Welle und verschlingt das Boot in ihrer kalten Umarmung; als die Welle fort ist, treibt das Boot weiter, aber er, der am Steuer stand, ist nicht mehr zu sehen, und steuerlos irrt das Boot durch die Wellen und treibt dahin, während es in dem alten Holze knackt, und in dem Steven, der sich aufstellt�: der Name„Delphin" leuchtet wie Phosphor. Solche Bilder sieht Märta, wie sie dasitzt, und sie kann sie nicht ertragen. Sie kann auf die Länge nicht glauben, daß ein solches Unglück wirklich geschehen sollte. Denn sie ist jung, und ihr Sinn ist so leicht, daß sie unmöglich zu fassen vermag, daß etwas derartiges sie treffen könnte. Darum reibt sie sich die Augen, und in einer kleinen Weile lacht sie selbst über ihre Angst. Ja. sie lacht ein nach innen ge- kchrtes. sonniges Lachen, weil sie daran denken muß, wie viel- leicht eines Tages eine große braune Hand niit festem Griff ihren Leib umschließen ivird, während ein paar blaue Augen den ihren entgegeuspielen und ein Mann mit Küssen ihren Mund sucht. Aber obgleich sie mitten in ihrer Angst helle Gedanken dachte, war Märta doch nicht die Schatten los. Der Instinkt von Generationen hatte die Furcht vor dem Meere in ihr Herz eingebrannt, und sie war so jung und so un- geduldig, daß sie eS nicht Vermochte, allein mit der Angst zu sein, die sie erstickte. Aber die Sehnsilcht»lachte sie erfinderisch und schlau. Und von alters her wußte Märta, daß es ein Mittel gab, ein einziges, daß sie versuchen konnte. um sich zu beruhigen. Wenn sie es ergriff, verriet sie vielleicht ihr Geheimnis. Vielleicht lachte man sie ans. Aber was machte das? Sollte sie? 2! Märta zögerte noch, wie sie dasaß, und sie warf vor- sichtige Blicke um sich auf die kahlen Klippen, als lauerten ihr im Dunkeln Augen auf. Aber plötzlich sprang sie empor, und mit raschen, sicheren Schritten eilte sie hinein in die Finsternis. Die Kraft des Windes hatte sich gesteigert. Er umfing die schlanke Gestalt des Mädchens, so daß die Kleider wie um den Körper geschmiedet lagen und der Rocksaum mit einer Gewalt wegflatterte, als wollte er sie von der Klippe losreißen. Aber ohne sich aufhalten zu lassen, lief Märta weiter. Sie lief den schmalen Steg über den Berg hinab, wo harte Schuhnägcl einen weißen Weg in den Felsen getreten hatten, hinab in das kleine Thal, wo die Weidenbüsche wuchsen, ie kam an die windgcschützte Stelle hinter der Kirchhofmauer, chöpfte tief Atem und lief weiter gerade hinein ins Dorf mit einen krummen Wegen und seinem holperigen Pflaster. Märta hatte nur einen einzigen Gedanken im Kopfe. Sie wollte zu dem Hause hin, wo Mutter Albertiua wohnte, und mit ihr wollte sie sprechen. Denn Mutter Albertina war ein altes Wciblcin, und ihr Mann war zur See gestorben. So lange Märta sich zurückerinnern konnte, hatte sie das kleine krumme Mütterchen immer gleich klein und gleich krumm auf ihrer Bank vor dem Haus sitzen sehen, wenn es Sommer war, oder beim Fenster mit den Pelargonien, wenn es Winter war und kalt. Zuerst hatte die Alte allein in der Hütte ge- wohnt, aber als das Unglück zum zweiten Male kam und auch ihrer Tochter Mann den Tod auf dem Meere fand, da zog die junge Witwe heim zur alten, die ihre Mutter war. und die bei den Verlassenen hausten nun da allein mit dem Kinde der Jüngeren. „Wenn Mutter Albertina doch nur wach und draußen wärel" dachte Märta.„Wenn ich nur mit ihr sprechen könnte!" Die Sache war nämlich die, daß die alte Mutter Alber- tina hellsehend war. Sie hatte so lange gelebt und so viel Kummer gehabt, daß sie es gelernt hatte, ihr eignes Unglück zu ahnen, wenn es kommen sollte, und es im voraus zu sehen, auch wenn es andren galt. Ihr Vater war auf dem Meere gestorben; zwei Brüder, ihr eigner Mann und vor ein paar Jahren ihr Eidam— alle waren sie ihm gefolgt. Vielleicht kam es daher, daß sie es immer wußte, wenn jemand sterben sollte, und vielleicht konnte sie, weil sie selbst so viel Angst durchgemacht hatte, zuweilen andre beruhigen. Als Märta der Hütte näher kam, in der die beiden Witwen wohnten, verlangsamte sie ihren Gang und schlich auf den Zehen, als fürchtete sie, jemand könne ihre Schritte hören und daraus entnehmen, wohin sie ging und was ihr Vorhaben war. Sie blieb stehen, schöpfte tief Atem und schien sich zu bedenken. Es war nicht ausgeschlossen, daß sie sich im tiefsten Innern ihres unruhigen, kleinen Herzens vor dem fürchtete, was Mutter Albcrtina gesehen haben konnte. Denn Mutter Albcrtina sah die Boote, lauge be- vor sie heimkamen, sah sie so deutlich, daß sie die Gesichts- züge der Männer unterscheiden und zählen konnte, wieviel an Bord waren. Hatte sie nicht vor vielen Jahren ge- sehen, daß der alte Lotsenältcstc sterben würde, zwei Tage bevor es geschah? Der alte Lotscnälteste war frisch und munter, und keiner ließ sich es träumen, daß Mutter Alber- tina recht behalten könnte. Aber zwei Tage, nachdem sie ihre Erscheinung gesehen, lag er doch steif und kalt in seinem Bette. Dieses und vieles mehr wußte Märta, und darum war sie bange in ihrem Herzen, als sie sich zwischen den kleinen lichten Häuschen durchschlich, die auf der Landseite der Insel, Schutz vor dem harten Westwind suchend, zusanimengckrochen waren. Und das Blut stockte ihr in der Kehle, als sie sah, daß Mutter Albcrtina wirklich draußen war und auf der Bank saß, die vor dem Fenster in dem kleinen Gärtchen stand, wo die Erbsenblütcu hinter der Ligusterhccke wuchsen. Mutter Albcrtina drehte sich um, als sie Schritte hörte, und wie sie sah, daß es Märta war, nickte sie. „Grüß Gott, Märta, wie steht es daheim bei Euch?" fragte die Alte. „Ja, dank schön, recht gut." Märta hatte im Augenblick ganz vergessen, daß es irgend einen Anlaß gab, eine solche Frage zu stellen. Sie mußte einen Augenblick nachdenken, bis sie sich erinnerte, was geschehen war und was sie daher jetzt sagen sollte. Aber in einem Nu stand es klar vor ihr. Und damit kamen auch die Worte auf ihre Lippen. Sie erzählte alles langsam und umständlich, wie ihr Bruder geboren worden war, wie tapfer Mutter sich gehalten und wie viele Fische Vater gefangen hatte. Sie wurde fröhlicher und fröhlicher, während sie so erzählte. Denn sie merkte, daß die Alte ihr mit Vergnügen zuhörte. Die ganze Zeit dachte sie an das, was sie eigentlich fragen wollte, und darum erzählte sie besser und ausführlicher, als sie es sonst gethan hätte. Denn die Liebe machte sie listig, ohne daß sie selbst darum wußte. Sie wurde schön, während sie sprach. Die Wangen, die ins Braune spielten, wurden durchsichtig vor Bewegung, und die dunkelblauen Augen leuchteten groß und feucht unter den weichen Brauen. Als sie nun endlich in ihrer Erzählung dazu kam, wie viel Frösche Vater gefangen hatte, da sagte Märta. während ihr Herz vor Erregung stillstand: „Ihr habt Euern noch nicht daheim?" (Fortsetzung folgt.) (tnnäiitua cetSoten.fl Gin inkeveMnke-s Fnsekk. DaS Volk hat im allgemeinen wenig Sympathien für die In« selten, am ivenigste» für diejenigen, welche sich nicht durch Ver» »ichtnng andrer schädlicher Geschöpfe angenehm zu machen wissen. Für den Naturforscher bildet aber jedes Insekt— gleichgültig ob nützlich ob schädlich— das höchste Entzücken, Ivenn seine Lebens- geschichte noch nicbt hinreichend aufgeklärt ist. Zu diesen Geschöpfen, deren Platz in der Jnsektenwelt noch Gegenstand der Diskussion ist. gehören die Sackspiuner, und unter ihnen ist der sogenannte Beutel- oder Korbwnrm eine besonders inter- esiante Persönlichkeit. Diese Insekten werden gewöhnlich als JnmiergrüN'Beutekwiirmer bezeichnet; im Grunde sind sie aber in ihrem Gcsckmiack ohne Vorurteil. denn sie fühlen sich ebenso wohl auf de» Blättern der nicht immergrünen Bäume, der Apfel-, Birn-, Kirsch- und Pflaunien- bäume, der Akazien oder Pappeln, und wenn keiner von allen diesen zu haben ist, so nehmen sie auch gern mit Sträuchern vorlieb. Sie werden am häufigsten ini Süden und Südwesten Amerikas gefunden, obgleich sie nicht unbekannt in einigen Staaten Neu« Englands, in New Uork und einem Teil Long Islands sind. Wo sie'sich einmal eingebürgert haben, sind sie sehr hartnäckig und ver- mehren sich rasch in wenigen Jahre». Die Beutelivürmcr sind keine Maurer wie die Wespen, keine Zimmerleute wie die Bienen, noch Höhlenbelvohner wie die Ameisen; sie sind Reisende, die ihre kunstgerecht erbauten Häuser mit sich führen. Man zählt sie am besten zu den Spinnern, jenen Schmetter- jingsranpen, welche die Gewohnheit haben, sich a»S zusammengetragenem Holz oder Blattstückchen Futterale oder Schnphülsen zu machen, in denen sie stecken. Nur die Männchen erhallen Flügel»ach Art der Schincttcrlinge, während die ungcflügelteu Weibchen, ohne Beine und Fühler, eher einer Made gleichen, die zeitlebens in den selbstgesponnenen Gehäusen stecke». N. Hudson Moore berichtete vor einiger Zeit in„Scientific American" von einer größeren Anzahl solcher Gehäuse, die in Atlantic City N. I. gefunden wurden: sie hingen zapfenförmig an den Arsten der Bäume, als wären sie natürlich aus diesen heraus- gewachsen, und einige derselben waren zierlich mit Zweigen und immergrünen Nadeln gedeckt. Jeder, der nicht mit der Natur dieses Insekts vertraut ist, mußte diese korrekt gearbeiteten Gehäuse rm« bedingt für einen Bestandteil des BanmcS halten. Ein Insekt aber halte einige junge Blätter der Rainweide bemitzt und diese so ver- ständig übereinander gefaltet, daß gleichfalls ein zapfenförmiges Ge- häufe cutstandcn war. Das iveibliche Insekt ist daS bei weitem intcressanteste Mitglied der Familie Für alle Zeiten in sein gesponnencS oder bcflochtcncS sackartiges Gehäuse eingekapselt, das es nur verläßt, um zn sterbe», vermag es doch ganze Reisen zu machen und Bäume zn erklettern. DaS Weibchen Ivählt sich einen gerade passenden Baum auS, bc- festigt an einem Ast seine» Korb oder Sack und legt ihn voll Eier, um so seine Mission zu erfüllen. Die Insekten kriechen gewöhnlich während der letzten beiden Wochen des Mai aus, und wen» man einige Exemplare i» einer Schachtel hat, so ist cs belustigend, sie zn beobachten. Die kleinen. sich krünlmenden Würmer beginnen. noch bevor sie die erste Mahlzeit zu sich nehmen, sich selbst einen Beutel anzufertigen. Sie verwenden dazu jedes Material, das man ihnen zur Verfügung stellt, sofern sie cs nur mit ihrem natürlichen Werlzeug bearbeiten können: Wolle. Baumwolle, Papier, Stroh. Leder; und aus ihren Vordcrbeiuen stehend, mit dem Schweis in der Luft, iveben sie den Beutel um sich herum, an dem sie Stückchen fremden Materials zum Schutz der inneren Hülse befestigen. Während sie wachsen, vergrößern sie das Futteral immer vom Boden aus, indem sie cä aufstoßen und weiter ausbauen, bis es zuletzt so schwer tvird, daß sie es hinter sich herschleppen. Sic nähren sich von jungen Blätter» und wachse» sehr schnell. Viernral während ihres Wachstums ziehe» sie sich auf 14 bis 24 Stunden in ihr Futteral zurück; dann wechseln sie innen ihre Haut, nachdem sie sorgfältig die Oeffnung des Beutels verstopft haben. gleichsam als wollten sie bei diesem Kostiimwechsel keine»nerbetenen Zuschauer haben. Die Zierlichkeit und Grazie dieser Insekten sind ebenso bewunderungswürdig wie ihre technische Geschicklichkeit. Anker der oberen Oeffnung, die also bisweilen geschlossen wird, befindet sich unten noch eine kleine Oeffnung, die immer offen bleibt. Durch diese werfen sie auf eigentümliche Weise die alte Haut und alle Exkremente hinaus, so daß das Innere des Gehäuses ganz sauber ist. Alte Kleider und sonstiger Unrat werden im Hause nicht ge- duldet; das ist auch eine Eigenschaft, welche uns diese Geschöpfe sympathisch macht. Im Larvenzustand ist die körperliche Beschaffenheit des Insekts höchst sonderbar. Der Teil des Körpers, der durch den Beutel geschützt ist, ist weich und von bräunlicher Farbe. Die bloßen Rudimente von Füßen, welche sich an diesen inneren Teil befinden, haben keinen �weiteren Zweck, als dem Insekt die Möglichkeit zu geben, sich an dem Beutel festzuhalten. Die außen befindlichen, oder arbeitenden Segmente sind ganz andrer Art; in der That könnte es scheinen, als gehörten sie einer andern Jnsekienklasse an. Sie sind hart, hornig und schwarz, mit wenigen weißen Sprenkeln verschen, und man erkennt sofort, daß die Vorderteile stärker sind, um beständig die Hinteren Teile und den Sack nach- ziehen zu können. Während die Larve ihr Wachstum beendet, verläßt sie bei ge- nügendem Nahrungsvorrat selten den Baum, a»f dem sie das Licht der Welt erblickt hat. Mit dem Heranreifen d'er Insekten entlvickelt sich aber ein lebhafter Reisetrieb in ihrer jugendlichen Bnist; sie kriechen zunächst umher, so viel sie können. Aber diese Fortbeivegung genügt nicht ihren Ansprüchen, sie spinnen silberne Fäden, an denen sie sich herablasse», bis eine Person oder ein Tier unter ihrem Baum hinweggeht; dann lassen sie sich niederfallen und sich von den lebenden Beförderungsmitteln iveitertrageu. Diese Gewohnheit hat ihnen den Namen„Fallwürmer" eingetragen. Nach einiger Zeit des Reifens müde, wählen sie sich wieder einen festen Wohnsitz; dann befestigen sie ihre Futterale nnt einem starken seidenen Bande an einem Baun« und bereiten sich in aller Ruhe ihr Winterquartier. Sie wählen stets fürsorglick eine» Baum, dessen Laub den Jungen angenehme Nahrung gewährt, und be- gehe» auch niemals das Versehen, den Beutel an einein Blatte zu befestigen, von dem der erste heftige Windstoß ihn fortblasen könnte. Ich sagte, sie bereiten sich das Winterquartier; thatsächlich wird nun das Innere ihres Korbes warm und ivcich mit Seide gefüttert, damit die Betvohner des Häuschens ohne Gefahr die kalte Jahres- zeit überdauern können. Wenn dies geschehen ist. dreht sich das Insekt derart im Beutel um. daß sein Kopf in die Nähe der unteren Oeffnung kommt, und dann beginnt es sich zu verpuppen. Während des Larvenzustandes sahen die männlichen und weib- lichen Insekten ganz gleich aus; jedes schleppte seinen Beutel mit sich umher. In der Chrysalisform. d. h. im Puppeuzustande, voll- zieht sich aber eine sehr deutliche Veränderung. Das männliche Chrysalid ist kleiner als das weibliche und seine Flügel entwickeln sich in der Puppenhülle, etwa ivie bei uiisrer Kleidermotte, welche auch zu de» Sackträgern gehört. Das Weibchen jedoch zeigt nicht die geringsten Anzeichen, jemals eine Motte zu iverden; in der That ist sie nichts iveiter als ein Eiersack. Selbst die wenigen Füße, die sie als Larve hatte, sind dem vollendeten Jnselt veriveigert. Das männliche Chrysalid drängt sich nach 21 Tagen der Ruhe in der Puppenhülle teilweise aus der untere» Oeffnung heraus; die Hülle zerreißt und davon fliegt eine vollkommene Motte. Sie ist nicht sehr hübsch, aber doch vollkonmicn ausgebildet und kann sich als Motte imnier noch sehen lassen. In der Luft hat dieses männ- liche Geschöpf nur eine Mission zn erfüllen: eine Gefährtin zu finden, für die Befruchtung zu sorgen und zu sterben. Sein Leben ist kurz und fröhlich, nur wenige Stunden dauert es. oder höchstens einen Tag. Jetzt hat seine Gefährtin vollank zu thim, ihre Aufgabe zu er- füllen. Sie ist nicht im stände, die Puppenhülle z» verlassen; ob- Ivohl sie dies bisweilen versucht. I» dem oberen Teil der Puppen- hülle legt sie ihre Eier und schlitzt sie mit einer Art Flaum, der sich von ihrem Körper loslöst. Wenn dicS Werk gcthan ist, so ist für die Nach- lonnnenschnft hinreichend gesorgt. Die Mutter hat nichts weiter zu thun als zu sterben. Ob sie aber in der Puppenhülle vertrocknet, oder ob sie sich aus dem Beutel hiuauszwängt und, ohne Mittel zur Fortbeivegung, an der Erde stirbt, das ist noch ein Gegenstand der Diskussion. Die Beutel an sich sind höchst interessant, da sie eine große Mannigfaltigkeit zeigen. Moore besitzt einen schwer mit Cypresse gedeckten, den er von einem Rainweidenzwcig abschnitt. Es befand sich in der ganzen Nachbarschaft kein einziger imniergrüner Baum, so daß die Larve aus beträchtlicher Entfernung gekommen sein mußte. Es ist keinestvegS die Regel, daß die Futterale mit Material des Baumes gedeckt sind, auf dem sie gefunden lverdeir. Die Seide, welche die Grundlage des Gehäuses bildet, ist sehr Iveich und fein, und der Beutel ist, abgesehen von dem groben Material, das mit eingewebt ist, so zart wie Spinngewebe. Es ist nun zivar sehr unterhaltend, sich mit den Insekten zu beschäftigen, angenehme Nachbarn sind sie aber nicht, und in den Gärten höchst untvillkoinmene Gäste. Das einzige Mittel, sie los zü werde». bildet das Zerstören ihrer Gehäuse. Man findet 10 bis 200 Eier in einein Gehäuse, und größere Mengen der kleinen auskriecheirdeir brauuen Würmer.vollständig und in derselben Weis« arbeiten zu sehen, bezeichnet unser Gcivährsmamr als eiae Offen» barung. Zuerst wird ein architektonisch vollkommener Bogen gebaut. Dann'schlägt das Insekt, denselben mit den Vorderfüßen festhaltend, einen richtigen Purzelbaum, indem es den Bogen über den Kops bringt, und baut damr die andre Hälfte des Kreises; schließlich ver- bindet es die Enden der beiden Halbbögen miteinander. Das Resultat ist überraschend und vollkonnncti. Wir fragen uns erstaunt, wie wir eine Fähigkeit bezeichnen sollen, die einem Wurm den Impuls giebt, derartig technisch komplicierte Aufgabelt, ohne Muster und Vorbild, ohne Kenntnis der statischen Gesetze, und allein mit den natürlichen Werkzeugen aus- gerüstet, in solcher Vollkommenheit auszuführen. Mag man diese Fähigkeit als Social-Jnstinkt, als vererbte Gewohnheit, oder sonstwie bezeichnen, jedenfalls ist sie merkivürdig genug, um den Naturforscher zu weiterer eingehender Beschäftigung' mit diesem kunstfertigest Jnselt anzuregen.'— Freed Hood. Kleines Feuillekon« tb. Ei» Besuch. Es klopfte doch. Jetzt, wo die Maschine still stand, hörte sie es ganz deutlich. Wer niochte es sein? Sie über- legte einen Augenblick. Die kleine Händnäherin? Nein, es>var noch nicht Eins und die kam erst um halb Zwei»ach der Mittags- pause. Aber wer sonst? Ain besten: man machte gar nicht auf. Sie sah auf das feine Negliges unter der Maschine; bloß keine neue Abhaltung I Wenn die Sachen um fünf Uhr nicht fertig waren, wurde die Kanzleirätin ärgerlich. Die konnte überhaupt so nichts- würdig werden. Woniöglich gab sie keine neue Bestellung wieder. Sie begann von neuem zu nähen, aber gedämpft und langsam, damit der draußen Stehende nichts hören sollte. Es klopfte zun, zweitenmal, und nun stand sie doch auf. Weilst es nun eine Kundin war? Die Qberlehrer-Frau aus der Metzer» straße wollte ohnehin Heinde» bestellen und die kam immer über Mittag. Sie öffnete. Es war aber doch nicht die Oberlehrer-Frau;. eS ivar ein älterer Herr, der draußen stand; ganz in Schivarz, mit blanken, Cylinder und glattrasierten, Kinn. Er lüftete den Hut und sagte höflich:„Ich möchte Fräulein Rejchke sprechen." „Ja, bitte." sie ließ ihn an sich vorüber in das Zimmer. Dabei überlegte sie im stillen: was niochte er Ivollen? Vielleicht Oberhemden bestellen? Es kamen ja auch manchmal Herren nach so etwas. Sie fragte:„Womit kann ich denn dienen?" „Ja hm?" Er räusperte sich und rückte sich einen Stuhl heran; etwas umständlich packte er eine schivarz« Mappe und etliche Papiere vor sich aus den Tisch:„Sie nähen Wäsche?" Es war nicht gut zu erkennen, ob er es erst eben an der Arbeit und der Maschine gesehen oder schon wußte. Sie nahm die Frage aber als einen Anhalt. Also doch jemand, der etivas bestelle» wollte:„Ja. ich nähe Wäsche, ich habe sehr viel zu thun. fast nur Privatbestellungen. Ich nähe aber auch schon zwanzig Jahre, niein Herr, ich arbeit»»ur gute Sachen." Wenn er etivas bestellen wollte, sollte er lveiiigsteuS Ivissen, daß sie ihr Fach verstand. Sie nahm eins der fertigen Stücke und zeigte es:„Sehen Sie, das ist so»iciiie Arbeit." „Sehr schöne Arbeit;" er fühlte es an:„sehr sauber genäht. Sie bekonimci, aber auch hohe Preise, ivas?" „Ach, durchaus nicht." Sie wurde lebhaft. Am Ende dachte er. sie iväre zu teuer:„Nein, mit den hohen Preisen, mein Herr; das ivar früher mal. Heute giebt kein Mensch mehr ivas. dann kaufen sie es lieber i», Warenhaus. Wenn ich den Tag drei Mark verdienen ivill, muß ich noch am Abend nähen, das berechne ich meinen Kunden schoii alle» billig." „Ja ja, aber Sie verdienen doch. Sie haben es doch keunest gelernt, welche!» Segen die Arbeil gewährt. ES giebt in Berlin so viele, die diesen Segen gar nicht verstehen I" „Ja," sie wußte nicht recht, wo er hinaus wollte. Sie schielte nach ihrer Arbeit, ivcnn er wenigstens endlich sagen würde, was er ivollte, sie halte doch ivahrha'ftig keine Zeil, hier lauge Unter- Haltung zu führen. Er blätterte i>, seinen Papieren, ohne ihre Un- ruhe zu beincrke»:„Ja, hm, überhaupt der Segen der Arbeit. Es muß Sie sehr glücklich machen, arbeiten zu können. Sie sollten Gott alle Tage kniefällig danken, daß er Ihnen die Arbeit gab." „Ja, man»ruß zufrieden sein, lveun n,a» sein Brot hat. Knapp genug ist es aber." Sie seufzte. Herrgott, was ivollte er»ur? „Wer Arbeit hat. hat innner Segen," seine Stimme klang etwas salbungsvoll.„Die harte Brotrinde der Arbeit ist gesegneter als die Leckerbissen des Reichtums." „Aber die Leckerbissen schmecken besser I" Trotz ihrer Unruhe mußte sie unlvillkürlich lachen. „Wissen Sie. mein seliger Vater sagte imnier: Braten kann der ärmste Mensch essen, bloß haben muß er ihn." „Es ist nicht im», er Segen beim Braten", er behielt seinen salbungsvollen Ton bei.„Danken Sie Gott, daß er Jhueil. ein Lebender, Arbeit gab. Wohlleben tötet die Seele. Leider giebt e-- in Berlin nur allzu viele, die das Wohlleben der Arbeit vorziehen. Ihre verlorenen Seelen zu retten, ist unsre heiligste Aufgabe, i., gehöre nämlich zur Stadtmission." .Ach fo...* Sie war auf einmal an? allen Himmeln ge- fallen: cS war also nichts niit Kragen oder Manschetten und feinen Oberhemde». Wenn er nun wenigstens noch sagen wollte, IvaS er wünschte. Er fuhr auch schon fort. .Es ist ei» schönes Werk. Ein Wer! echter Christenliebe. Es hebt die Seelen empor. Glauben Sie mir. eS ist eine wunderbare Glückseligkeit in der christlichen Liebe zu wirken. Möchten Sie dieser Glückseligkeit nicht auch teilhaflig werden? Ich habe meine Listen hier. Möchten Sie nicht, bitte, einzeichnen, wieviel Sie zu unser», Werk zugeben? Zwanzig Pfennige pro Woche sind uns schon hoch» willkommen l" .Aber, mein Herr!" Sie sprang anf. Für seine Sammlung Wollte er sie gewinnen. Dazu stiehlt er ihr ihre teure Zeit? Er liest sich nicht beirren:.Wir sollen unsern Mitmenschen Gutes thun. DaS ist das erste Gebot der christlichen Liebe. Sie sind so gesegnet! Sie sind es schon Gott aus Dankbarkeit schuldig von Ihrem Uebcrflnst abzugeben l" .Aber— Ueberflnst." Ihre Nacken fingen an zubrennen„Ich habe Ihnen eben gesagt, ich habe knapp niein Brot. Gehen Sie doch zu reichen Leuten." .Das Scherflein der Armut ist gesegneter als der Thaler des Reichen. Die christliche Liebe..." „Ich habe aber wirklich keine Zeit/ Sie kehrte zu ihrer Maschine zurück..Und ich habe auch wirklich leinen Giosche» übrig." „So, Sie wollen also nichts geben?" Er wandle sich nach der Thür. „Ich sage Ihnen ja, ich habe gerade mit mir zu lhini." Sie ließ die Maschine von neue», schnurren. So, jetzt halte er die Klinke in der Hand, jetzt ging er. Er ging aber doch noch nicht; er drehte sich noch einmal»in und rief mit wütender Stimme:.Dann wünsche ich Ihnen, dast Sie bald recht krank werden n»d Armut und Elend wünsch« ich Ihnen. Sie werde» schon Ihre Strafe kriegen, weil Sic so hartherzig sind."— AitS dem Tierleben. — Geflllgelcholera. Die Wochenschrift.RerthuS" (Altona-Ottensen. Chr. Adolfs.) schreibt: Wohl die gefürchtetste Ge« flügelseuch« ist die Geflügelcholera oder die Geflügelpcst. Die Ge- flügelcholera hat mit der Cholera des Mensche» nicbts zn thun, sie tritt aber bei verschiedenen Arten von Geflügel: Hühnern. Fasanen, Truthühnern, Gänsen, Ente»»sw. auf und ist im höchste» Grade ansteckend. Die Krankheitserreger können durch Zwischen- träger aller Art leicht verschleppt worden und werden ans dem Geflügelhofe leicht durch die Exkremente kranker Tiere dem Erdboden zugeführt nnd dann von geimiden Tieren mit dem Futter wieder aiifgcnommc». Die Ursache der Krankheit liegt wahrscheinlich in der Thätigkeit von Bakterie», welche in das Blut eindringen nnd eine Art Bliltvergiftimg herbeiführen. Die Krankheit kommt im allgeineine» nach einigen Tagen, spätestens am 11. Tage nach der Aufnahme der KrankheitSe, reger zum Ausbruch; ihr Verlans ist manchmal so schnell, dast der Geflügelzüchter ans den Gedanken kommt, seine Tiere seien vergiftet worden, denn so schnell folgen oft der AnSbrnch der Seuche niid der Tod der befallenen Tiere a»f- einander. Seltener ist die Krankheit von längerer Dauer, und während einmal der Tod nach 24—30 Stunden eintritt, erlöst er ein andres Mal die Kranken erst»ach einige» Woche» von ihren Leiden. Die hauptsächlickisten KraukheitSkemizeiche» sind folgende: Die erkrankten Tiere halten sich von den Genossen getrennt, sie ziehe» sich in dunkle Ecke» des HoseS oder des Stalles zurück oder suchen in den Nestern Schutz. Sie sträuben das Gefieder i» die Höhe nnd kauern matt am Boden. Sie sind matt nnd hinfällig nnd können sich oft kaum anf de» Beinen halte», sondern taumeln nniher. Die Augen thränen,»»erden meistens geschlossen gehalten und blinzeln, wenn man die Tiere ins Licht bringt, nnd scheinen recht reizbar z» sein. Manchmal fresse» die Tiere tvahrend nnd nach der Erkrailkimg gar nicht oder nur sehr wenig, andre fressen noch kurz vor dem Tode. Fast stets bekniiden die Leidenden einen starken Durst. Die Exkremente sind anfangs weistgelb»nd dümi. später werden sie mehr grau oder brännlich nnd dünnflüssig, oft enthalte» sie a»ch Bült. Die Exkremente werde» häufig entleert, be- sudeln die Federn an» Hinterleib und dies« kleben znianunen. Der After ist etivas vorgetrieben, rot punktiert oder gänzlich tief blaurot gefärbt. Die oft iviedcrholten Anstrengungen bei den Ent- Iccrnngen greife»» die Tiere stark an, welche im weiteren Fortschreiten der Krankheit bald immer hinfälliger werden. Die Atnnmg ist erschivert, die Kranken leide» meist an heftigen Ent- ziindiinge» der Lnftivege und röcheln beim Atmen stark,_ Die Kämme und fleischigen Hantlappen an der Kehle iverden blänlichrot, dann blanschivarz. Endlich tritt in fast allen Fällen der Tod»nter starken jkranipferscheiiiiliigen ein. Der Körper ivird dabei bestig znsa»»m»e»- gezogen, der Kopf und Hals oft vollständig krampfhast verdrebt. Eine sichereBehalidiuiigSweise des ailderGesiügelchoicra erkrailkten Geflügels ist bislang nicht gesunden ivordei». Es ist jedem Geflügelzüchter dringend anzuraten, seine Tiere möglichst vor den Krailkheitsstoffeii zu bewahren»nid sie vor der Berührung mit kranke» Tieren sorgfältig zu schützen. Das Vorbeugen dieser verderblichen Seuche ist in jetein Falle sicherer nnd leichter anszuführen als ihre Heilnug. Man suche zniiächst seine Tiere lviderstandSfähig zu machen nnd ab- zuHärten. Das schützt sie dann nicht nur vor der Geflügclcholera, Verantwortlicher Nctmcteur: Carl Leid in Berlin sondern auch vor einer grasten Anzahl andrer Kroillheitea. Eine rationelle Fütterung und Pflege tvlrd vielfach vernachlässigt, sie ist aber ein gutes Hilfsmittel im Kampfe gegen manche Krank- heiteu. Die Geflügelställe sollen nicht überfüllt lverden, lveil in Stallungen, welche zu stark besetzt sind, die Tiere die Lust stark ver« schlechter» und sich auch gegenseitig leicht beschmutzen können. Schlechtes Futter, besonderes verdorbenes Weichfutter iind schlechtes Triiikivasser könne» dem Wohlbefinden der Tiere höchst nachteilig werden; anf jeden Fall schivächeii derartige Futtermittel die Tiere nnd niachcii sie für Krankheiten empfänglicher. Die Stallungen sollen nur eine ihnen entsprechende Anzahl von Geflügel a»fnehn>en und in ihiieii soll zu allen Zeiten die peinlichste Sauberkeit herrschen. Erkranken ans einem Geflügelhose eilizelne Tiere, fo sollen sie unter allen Umständen, auch ivenn keine Cholera vorliegt, von den gcsiniden Genossen getrennt und in besonderen ruhigen Ställen untergebracht lverden. Man beachte die Krankheitserscheinungen geila» und ziehe nötigenfalls einen Tierarzt oder einen kundigen Nachbarn zu Rate. Kommt»>a>l zu der Einsicht, daß man es mit der Geflügelpcst zu thun hat, so berücksichtige man vor allem die graste Anstecklnigsgefahr, welche den gesunden Tieren droht. Daher vermeide man es, dast ei» und dieselbe Person die gesundeli nnd die isolierten kranken Tiere pflegt nnd füttert. Der Kot der erkrankten Tiere ist häufig zu sammelu imd zu verbrennen iind dasselbe Verfahren übt man auf dem Hofe der scheinbar gcsiliideii Tiere, da inan nicht sicher erkenne» kann, ob unter ihnen iilcht auch nocki einzelne Tiere find, ivclche infiziert sind, bei denen aber die Krankheit noch nicht zmn Ausbruch gekommen ist. Alle Ställe lverden häufig auf das gründlichste desinfiziert, besonder? sind Flitter- und Trinkgeschirre sorgfältig zu reinigen. Futterreste. Schmutz u. dergl. werden verbrannt oder tief vergraben. Ebenso verbrennt man gestorbene Tiere am besten, andernfalls scharre Nim» sie tief ein. Hat man die Seuche frühzeitig bemerkt und sind vorerst ivenige Tiere besallen, so ist es das beste, die Kranken zu töte» nnd ihre Kadaver zu vernichten. Z» Beginn der Krankheit mag man, ehe man zinn Radikalmittel de? TötcnS schreitet, zu einem einfachen Mittel greifen, welches sich bei leicht bezw. frisch erkrankten Tieten schon oft beivährt hat; cS ist dies die Berabreichnng von Salzsäure mit dem Trinkwasser. Als Heilmittel wird kerner Eisenvitriol cmpfoble». Man fertigt auZ Weißbrot, etivaS Butter und pilkverisiertei» Eisenvitriol Pille», die für junge Tiere 3 Celitigramm. für erwachsene 6 Cciitigrainm dcS Salzes enthalten nnd giebt erstere» täglich 2, letzteren 2—3 Pillen. Anl-erdem fetzt man dem Trinklvasicr mehrere Wochen lang 5 Granim Eisenvitriol ans 1 Liter Wasicr zu.— Humoristisches. — E i n B e r» f e n e r.„Ich glaube. lieber Graf, ans imsrem Dagobertchen wird auch mal ein tiichliger Lieutenant." „So, meinen gnädige Frau, dast er Zeug dazu da? hat?" .Ach ja, er hat so gar keine höheren Jutcressen."— („Simplicis fimnS.") — Klein angefangen. In der.Frankfurter Zeitung" erzählt Dr. Otto Ss>cyer.Aiickdotiichcs ans Alt-Frankfnrt". Bon einem Baron— geiueiut ist jcdeilfallS der alte Roihschild— wird folgendes berichtet: Der Baron ging einst mit einem Makler von der Börse nach Hans. welche damals noch in»„BramifelS" unter freien» Hinniicl abgehalten wurde, tlliterivegs bemerkte der Makler, dast ein Dieb dem Baroi» sein ans der Tasche heraus hängendes Foulardinch zu entlveiidcu versuchte, und machte ihn darauf auf» merlsam. „Last ihn." erwiderte der Baron,»mer hawwe all' klein a u g e f a u g e I"— Notizen. — 40 000 BändeNaabescherWerke sind im.Jubiläums« jähr" verkauft worden. Die Festarlikel, Besprechungen, Hinweise je, haben also-och etivas genützt I— —„Dornröschen", eine Märchen- Dichinng von Marx Möller, wird zun» Beginn der nächsten Spielzeit erstmalig im Berliner Theater in Scene gehen.— •— Die Elstcnlffiihrinig von Brieux' Schauspiel.Fremde Mütter" il.es Eernplaljantes") im Lessing-Theater ist auf den 8. April verschoben»vorden.— — G e r h a r t H a u p t m a n n s„Schluck nnd Jan", da? seiner Zeit in Berlin unter den Tisch gefallen« Schelinenspiel, lvird im Hamburger Schauspielhaus« am 3. April aufgeführt werden.— — Fulda?„Talisman" ist inZ Französische über- setzt ivorde» und lvird in der konimenden Saison an einer grosten Pariser Bühne aufgeführt werden.— — B ö ck l i n S Gemälde.Der So mm er tag" wurde von einem«imstfreunde der Gemäldegalerie zu Dresden ge« schenkt.—______ Druck und Verlag von Max Babing m Berlm.