Anterhaltungsblatl des Horwärts 80. Doiuierstag. den 24. April. 1902 iNocbdrucf verboten.) ig. Auf dev lelzteir Schiive. Noninil von Gustav af Geijersla in. (Schluß.) Niels ging geradewegs hinauf in die Kammer, wo Maria in ihrem Bette lag. Dort beugte er sich über den Bettrand und der große Bursche weinte wie ein kleines Kind. Aber als er endlich das herausgebracht hatte, was er sagen wollte— es ging langsam und kam abgebrochen und zitternd—, da sagte Märta nein und abermals nein. Er sollte nicht! Er durfte nicht I So konnte es nicht zugehen auf der Welt! Aber gleichzeitig hielt sie ihn umhalst und dankte ihm und weinte. Und in dem Dunkel drinnen wuchs Niels vor ihr zu einem Helden oder einem Gott, der ihr aus allem Bösen und Gefährlichen half, und es war ihr, als müßte sie das ganze Leben auf ihren Knien liegen und es ihm danken. Himmelhoch gingen die Wellen in der Brust der beiden jungen Menschen, und die Wogen legten sich nicht einmal. als Groß-Lars an die Thür pochte und meinte, nun sollte Niels gehen— der Nachbarn ivegen. Denn da riß Niels die Thür auf und sagte: „Ich bin es, der das Mädchen ins Unglück gebracht hat, und da ist es nur recht und billig, daß ich es wieder gut mache." Und iin Bett lag Märta und weinte aus Angst und Glück über das Leben, das mit mächtig rauschenden Flügel- schlügen zurückkehrte und sie wieder hinauszwang in den Sonnenschein, sie weinte über den Mann, der größer und besser war als alle andren auf der ganzen Welt, den Mann, den sie immer geliebt. «* Als Niels so weit war, daß er die Küche und ein Zimmer bereit hatte in seinem neuen Haus, da wurde Hochzeit ge- halten an einem Novcmbcrtag, an den« der Nebel schwer über dem Meere lag. Die Warnuugsschüsse vom Leuchttunn gaben Salut, als die Hochzeitsschar aus der Kirche trat, und die Glocken läuteten mit gedämpftem Klang durch die feuchte Luft. Dann zogen Niels und sein Weib in das neue Heim, daS weit draußen auf der Klippe lag und wo bei Westwind der Salzschaum über die Fenster sprühte. 14. Der Winter war angebrochen, und Niels Olansson hatte sein erstes Dienstjahr als Lotse angetreteu. Weihnachten kam mit seinen Unterbrechungen der schweren, einförmigen Winter- stimmung, es kam mit Feiertagen und Festen, wanderte von Hütte zu Hütte, zündete Lichter an, teilte Gaben aus und machte die Herzen der Menschen offen und warm, wie eben nur Weihnachten es kann. Dann verschwanden die Festtage, und die Januarstürme heulten um die felsige Insel. Weihnachten war auch bei Niels und Märta zn Gaste gctvesen und hatte dort eine wunderliche Feiertagsstimmung vorgefunden. Zwischen Niels und Märta herrschte etwas von jenem großen, warmen, inhaltsreichen Schweigen. welches ein Glück verheißt, das noch nicht wagt, sein sonniges Lächeln zu zeigen, sondern gleich einem Vogel den Kopf unter den Flügeln versteckt. des Morgengrauens harrend. Während der Monate, die sie verheiratet waren, war zwischen den beiden nie ein böses Wort gefallen. Aber es gab auch so viel, was zu Gedanken zwang, und sich schwer in Worte fassen ließ, daß es nicht wunderlich war, wenn ein wehmütiger Gast oft ihr Haus besuchte. Und dieser Gast hieß just Schweigen. Niels und Märta fühlten, jedes in seiner Weise, daß das, daß sie durchlebt, so ungewöhnlich und groß war, daß es sich nicht für fremde Ohren eignete und daß keiner daran teilnehmen und so ftihlen konnte, wie Niels und Märta fühlten. Dies rief etwas Ge- heininisvolles hervor, das auf ihrem ganzen Leben ruhte, und keines von ihnen suchte gerne Fremde aus. Und wie es oft geht, niachte es beinahe den Eindruck, als chätten die andern Menschen ihr Bedürfnis nach Einsamkeit ver- standen und achteten es. Niemand stellte ihnen im allgemeinen irgendwelche Fragen, und wenn jemand sich den Kopf zerbrach. wie es im Heim des Lotsen stände, das so einsam und für sich selbst dalag, so gab es jedenfalls nicht viele, die etlvas Be- stimnites wußten. Die etwas wußten, hatten eigentlich ihre Kenntnisse von Fille Bunim, und von ihm galt in übertragenem Sinne, daß das, was die Königin sagt, darum noch kein Kölligswort ist. Daß August Sjöholm über das schwieg, was er wußte, war natürlich genug. Denn hätte er gesprochen, würde die Schande auf ihn gefallen sein und auf keinen andern. Denn auf der Sonnenschäre strömt das Blut warm durch die Menschenherzen, und wenn die ganze Bevölkerung um das Geheimnis gewußt hätte, daß Niels an Märta band, stärker als ein Gelöbnis, als Priesterwort und seine Pflicht als Mann, da wären gewiß nur wenige roh genug gewesen, ihn lächerlich zu finden. Hut ab vor solch einem Mann und die Flagge gehißt! Das wußte auch Niels. Er wußte, daß wenn rings im Unikreise die Männer sich Frauen gesucht hatten, und die Frauen Männer, es die Liebe war, die sie zusammen- führte. In der Jugend suchten sie einander, und in der Jugend begründeten sie ihr Heim. Es kamen andre und härtere Winde als die der Jugend, es kamen trübes Wetter und schlimme Zeiten. Es konnte Uneinigkeit, Armut. Trunk- sucht und Elend hereinbrechen. Aber etwas war doch ge- blieben von dem warmen Sonnenschein, der einst das Glück der Jugend gewesen. Und einen so vertrockneten, elenden, verächtlichen Mann, der sich in seiner Jugend, des Gewinnes halber, eine Gefährtin gesucht, kannte Niels auf der ganzen Insel nicht. Es war das Meer, dessen starke Luft alle Herzen reinigte, das Meer, auf dem keiner sich mit den andern ums tägliche Brot zu drängen brauchte. Aber obschon er das wußte, ging Niels doch einsam mit seinen Gedanken umher, und Märta sah ein, daß sie kein Recht hatte, sich zu beklagen, wenn seine Laune trüb war. Darum hatten die beiden sich an die Stille gewöhnt, in der sie nur alltägliche Worte über die alltäglichen Dinge sprachen. die Mann und Weib sich sagen müssen, damit das Leben seinen Fortgang nehmen kann. Märta verstand alles, was Niels dachte, und Niels glaubte seinerseits zu wissen, was in Märta vorging. Aber er hatte so gewaltig in das Leben und dessen Mächte eingegriffen, daß er gleichsam nachher Zeit brauchte, um sich zu besinnen. Er hatte plötzlich und stark gehandelt, wie sein Herz es ihm gebot, und nie hatte er es bereut. Nie hätte er das, was er gethan, ungeschehen machen wollen. Gerade wie der Weg vor ihm lag, war er gegangen und hatte weder rückwärts noch zur Seite geblickt. Aber jetzt, wo alles vorüber war und das Leben wieder in sein gewöhnliches Geleise kam, jetzt verfiel Stiels in Grübeleien, und er saß oft da und über- dachte alles wieder und wieder, was geschehen und warum es geschehen, und wie unwiderruflich er seine Schiffe hinter sich verbrannt hatte. Er hatte so stark gehandelt, daß die lleberlegnng gleichsam erst nachgehumpelt kam. All dies begriff Märta. und sie fürchtete das Schweigen nicht, das kam, wenn sie allein waren. Sie fürchtete es nicht, aber es geschah doch, daß es sie quälte. Denn sie hätte Niels ihr Innerstes offenbaren wollen. Tag für Tag wuchs in ihr die Sehnsucht, ihm zu zeigen, wie ihr Herz von Glück und Dankbarkeit überströmte, wie er sie durch eine Hin- gebung ohnegleichen zu sich emporgehoben. Aber gleich- zeitig fühlte sie, daß ein Wort, welches zu früh kam, niederreißen konnte, was Monate aufgebaut: und darum sügte sich Märta Niels' stummem Willen und schwieg gleich ihm. Denn sein Schweigen band sie, wie jeder Wunsch von ihm, den sie erraten oder ahnen konnte. Im Laufe des Winters geschah etlvas. was die Einförmigkeit unterbrach, und das war, daß August Sjöholm die Insel verließ. Er hatte um Versetzung angesucht, und seine Bitte lvar belvilligt worden. Es kam nicht oft vor, daß jemand, der aus der Sonnenschäre geboren war, forttrachtcte, und im Anfange wurde dies und das über die Sache gesprochen. Aber das Gerede verstummte von selbst, als er fort wäß, denn jedermann wußte, daß August Sjöholm zu jenen ge- hörte, die sich immerfort nach Abwechslung sehnen. Urfd jetzt hatte er es Wohl nach seinem Geschmack, da er näher zur Stadt kam. Dieses Ereignis empfanden Niels und Märta als Er- leichterung, und es war Wohl auch ihnen zuliebe herbeigeführt worden. Aber es brachte doch nicht die Veränderung mit sich, die Märta gehofft hatte. Es brach das Schweigen nicht, Welches über dem Zusammenleben der beiden Gatten lastete. Dieses Schweigen kam mit den Mahlzeiten, wenn das Essen auf dem Tische stand, oder wenn sie nach beendeter Mahlzeit beisammen saßen. Es kam, wenn Niels im Hanse saß und schnitzte und Märta ihren häuslichen Pflichten nachging. Aber am sichersten kam es in der Däninierstunde und den langen Abenden, wenn der Wind um die Hauscckei: heulte und das Meer schwarz war, mit weißem Schaum an den Ufern. Da schlugen die Lichtwellen des Leuchtturms wie breite Flammen gradlinig durch das Dunkel, und der Schimmer erhellte das kleine Zimmer, in dem sie saßen. Wenn sie zu Bette gegangen waren und die Lanipe gelöscht hatten, lagen sie schweigend wach, und in bestimmten Zwischenräumen kam dieses Licht vom Leuchtturm und wurde so stark gegen die Wand der Kammer geworfen, daß der eine das Gesicht des andern sehen konnte. Es war, als säße drinnen in dieser Lichtflut, wie in einer unsichtbaren Niesenuhr, ein ungeheures Pendel, das auf der weiten Fläche des Meeres hin und her schwang. Dieses Pendel maß die Minuten, die gingen, begrub die vergangenen in der großen, unerreichbaren Tiefe und rief neue hervor, die ihrerseits in der ungeheuren Um- armung der Wogen versinken sollten. Und während das Licht- Pendel, das kam und verschwand, Niels und Märta das Gefühl vom Gange der Zeit gab, war es. als finge das Schweigen zwischen ihnen an, beredt zu werden und sie ohne Worte einander näher zu bringen. Sie schliefen im Dunkel ein, mit dem Schimmer seiner letzten Schwingung in den Augen und das Meeres rauschen im Ohr. Aber wie gut auch der eine wußte, was der andre dachte, so war doch in Niels etwas, was arbeitete und kochte und wovon Märta nichts ahnte. Wohl wußte Märta, daß die Stunde, die sie lange erwartet, bald schlagen würde, und sie erbebte in der Angst vor dem, was dann geschehen sollte. Wohl bereitete sie Wäsche und Windeln, so gut es möglich war, im geheimen vor, damit Niels nichts zu sehen brauchte. Denn sie ahnte, daß er es nicht ertrug, daran erinnert zu werden. Aber dennoch wußte sie nicht, daß es der Gedanke an diese Stunde war, und besonders an das, was darauf folgen sollte, der Niels' Zunge band und ihn tagaus tagein in stummen Grübeleien an ihrer Seite sitzen ließ. Sie wußte nicht, daß in Niels gegen jenes neugeborene Kind eine Raserei wuchs, gegen die er kämpfte wie gegen einen Dämon. Niels fühlte in seinem Herzen, daß er es nie ertragen würde, dieses Kind zu sehen, das er anerkannt, aber das nicht sein war. Und hier halfen weder Gedanken noch Vernunft- gründe. Niels war wohl einig mit sich selbst, daß er so ge- handelt, wie er sollte. Oder richtiger— er wußte, daß er niemals anders hätte handeln können. Aber gleichzeitig fürchtete er das, was kommen sollte, so wie der Mensch das Schicksal fürchten kann, das er selbst auf sein Haupt herabbeschworen. Er fühlte Haß gegen dieses Kind, das noch nicht geboren Ivar, und er war überzeugt. daß das Kind eines andern das Heim zerstören mußte, das für ihn selbst im Vau begriffen und noch nicht vollendet war. Und inzwischen schritt der Winter vorwärts. Er kam mit Nordwind, Eis und Schnee. Seit Iahren konnte man sich an einen solchen Winter auf der Westküste nicht erinnern. Er fesselte die zornigen Wellen des Meeres unter einer Decke von Eis, und' meilenweit ins Meer lag die Eisdecke fest. Die Leute auf den verschiedenen Schären besuchten einander, zn Fuße gebend oder Schlittschuh laufend. Es wimmelte von fremden Besuchern auf der Sonnenschäre. Fischerei, Losten- fahrten, Frachtenbeförderung— die ganze Arbeit der Schären lag danieder, und auf Meilen imUmkreis hatte sich die Inselgruppe in einen Ort verwandelt, wo nian Umgang Pflegte und Besuche machte Handel trieb und seinen Vergnüguugcn nachging, mit einem Worte, in einer Weise Festland spielte, wie die jungen Menschen es wohl schildern gehört, aber nie in Wirklichkeit mitgemacht hatten. Niels und Märta wohnten zu weit abseits, um eigentlich von dem Leben berührt zu werden, das im Dorfe geführt wurde. Der Unterschied für sie war eigentlich nur der, daß Niels jetzt nie aus Lotscnsahrte» fort war und der Leuchtturm aufgehört hatte, in den Nächten zu leuchten. Man schrieb schon Ende Februar, und noch lag die Eisdecke blank da, so >veit das Auge reichte. Und alles war stumm. Das Meer hatte sich verborgen, es war unter die Decke der Kälte ge- krochen, und seine starke Stimme schwieg. Da ging eines Nachts Niels hinaus auf die Felsenplatte vor dem kleinen Hause, das am weitesten draußen auf der Klippe lag. Der Wind heulte und pfiff um die Dachziegel, warf Niels Klumpen von Eis und Schnee ins Gesicht, und fegte den Hügel vor ihm von den tanzenden Flocken rein. Niels hielt eine Laterne in der Hand, und der Schein der- selben fiel auf seine erregten Züge. Als er sich gegen den Wind wendete, warf das Licht den Schatten des Mannes wie ein Riesengespenst hinauf auf den beschneiten Hügel, wo die Beine wie zitternde schwarze Bänder lagen, während der Körper und das Gesicht über das Hausdach stiegen und in den Wolken verschwanden. Der Mann und der Schatten glitten weiter über den Hügel hinab zum Dorfe. In den kleinen Gäßchen zersplitterte sich der Riesenschatten, zitterte auseinander und kroch zufaminen. Und der Mann, der die Laterne trug, blieb vor einem Fenster stehen und schlug hart gegen die Scheibe. Niels war in Aufruhr und er rief laut. Eine weibliche Stimme antwortete von drinnen und nach einer Weile waren ihrer zwei, die beim flackernden Schein der Laterne durch das Dorf gingen, hinauf über die schneeigen Klippen bis zur Landspitze im Westen, auf der des Lotsen Heim lag. Da traten sie ein, und, Verzweiflung im Herzen, stand Niels und hörte, daß die große Arbeit des Gebärcns drinnen begonnen hatte. Ratlos stand er da und vor der Wirklichkeit vergaß er etwas von den Gedanken, die ihn gemartert und die er nie hatte verraten wollen. Aber er hielt es nicht aus, drinnen zu sein. Er ging nur zum Bett hin und streichelte die Stirn seines Weibes. Dann nahm er seinen schwersten Rock und wanderte hinaus in das Schneegestöber. Niels ging nicht weit vom Hause fort. Er stieg hinauf zur Hütte des Lostenausgucks. Dort stand die Thür offen, und dort, wußte er, konnte er allein sein. Er setzte sich drinnen nieder und schob die Luke beiseite, so daß er hinaus- sehen konnte. Wie er dasaß, mußte er daran denken, was er gefühlt haben würde, wenn es nun sein Kind gewesen wäre, das sie beide erwartet hätten. Er ballte die Hände vor Vor- bittcrung, aber er drängte den Gedanken weg und versuchte, das Gefühl aufzubauen, das ihn einmal gerecht und weich gemacht. Und wie er dasaß, dünkte es ihn. daß er es ver- mochte und daß der Ingrimm, der so lange in ihm gegärt, gedämpft ward und andern Gefühlen Platz machte. In der Erinnerung sah Niels, wie er einmal zuvor einsam gesessen, am selben Morgen, an dem Märta ihm gesagt, wie alles stand, und wie er fühlte, daß sich die Wellen des Bluts zur Ruhe legten und der Sonnenschein die harte Schale seines Zornes und seiner Verachtung durchbrach. Niels saß Stunde um Stunde und dachte an dies. Im Osten zeigte sich schon die inatte Röte, die den Tag ver- kündigt, und in der Luft lag Swrm. Niels war es, als hätte er gerade so, wie er jetzt saß, damals gesessen— an jenem unvergeßlichen Tage, als der große Entschluß gefaßt wurde, als er trotz allem Märta an sich band sürs ganze Leben. Er glaubte sich zu erinnern, was er gedacht, gefühlt. gesagt und gethan von dem Augenblick an, als Märta ge- sprachen, bis zu der Stunde, in der er vor schmerzlicher Freude bebend auf den Knien vor ihrem Bette lag. An alles erinnerte er sich. Er konnte jedes Wort sagen, jedes Gefühl aufs neue empfinden, und Worte und Gefühle stiegen auf starken Schwingen in ihm empor. Seine Brust hob sich frei, und was Niels nun empfand, fegte die Grübeleien aus seinem Sinn, nahm den wahnlvitzigen Haß gegen ein unschuldiges Kind mit sich und machte ihn zu einem neuen und stärkeren Menschen. Er hatte noch einmal dasselbe durchlebt, und er empfand es als ein Wunder. Von demselben Gefühle getrieben, das ihn einmal schon zurückgeführt, als er in die Irre gegangen war, er- hob sich Niels, und es war ihm, als schaukelte sich das Eis- feld vor seinen Augen. Wie er es einmal zuvor gethan, so wollte er es jetzt machen. Er wollte in die Kammer treten und in Märtas Ohr Worte flüstern, die ihre Qual leicht machten, Worte, die ihr helfen sollten, zu tragen. Es fand sich in ihm keine Härte mehr. Die Worte zitterten auf seinen Lippen wie Thränen. Er ging mit raschen Schritten über die Klippen und blieb vor der Thür stehen, um z» horchen, ob er von drinnen Laute vernähme. Es überraschte ihn, daß alles so wunderlich still war, und seine Hand tastete unsicher, als er den Niegel öffnete. In der ganzen Stimmung, die Niels aus der kleinen Stube entgegenschlug, lag etwas, was ihn mahnte, stille zu gehen. Er legte behutsam seinen Rock ab und stellte sich neben das Bett, in dem Märta lag, mit geschlossenen Augen und ganz bleich. Die Hebamme satz�auf einem Stuhl ani Fenster und schien zu schlafen. Sie mochten Wohl beide eingeschlummert sein und vielleicht lange ge- schlafen haben. Unsicher beugte sich Niels über sein Weib, und Märta schlug die Augen auf und merkte, daß er da stand. Sie lächelte ihm entgegen, ohne zu sprechen. Und in ihrenr Blick lag eine wunderliche Mischung von Trauer und etwas, was gestillter Unruhe glich. Niels begriff nicht. „Ist es vorbei?" fragte er mit unsicherer Stimme. Märta nickte und wies auf die Polsterbank, wo ein kleines Bündel auf ein paar Kissen lag. Niels wollte hingehen und die Decke aufheben, die den kleineu Körper verhüllte. Aber Märta hielt ihn zurück. „Ich will es Dir selbst sagen," flüsterte sie.„Er ist tot." Niels machte einen Schritt zurück und starrte sein Weib an. „Tot?" „Ja, er war tot, als er auf die Welt kam. Das ist nun bald eine Stunde her." Niels nahm die Hand seines Weibes, und verworrene Gedanken durchkreuzten sein Hirn. Er konnte nicht fassen, daß dies wirklich wahr war, und er mußte das kleine all- mächtige Wort für sich selbst wiederholen, um zu begreifen, daß das Wunder wirklich geschehen war. Nie hatte Niels an eine solche Möglichkeit gedacht, und nun kam diese Lösung des Rätsels wie eine Antwort auf die geheimsten Gedanken feiner Seele. Und er konnte nur stanimeln: „Warum niußte das kleine Leben sterben? Ich hätte schon versucht, gut gegen ihn zu sein." „Das weiß ich," sagte Märta. Und Niels ging zu dem kleinen toten Körper hin, und das Merkwürdige geschah, daß er Trauer über das Kind des andern fühlte, dessen Dasein ihm eine Erinnerung an das Verbrechen gegen ihn selbst gewesen wäre. Aber gleichzeitig war es ihin, als sei etwas ganz Neues in ihm geschehen. Es kani von innen und durchrauschte ihn wie eine große warme Woge. Es taute auf und es sprengte Fesseln. Es sang, zwitscherte, jubelte und schrie. Es war ein neues Leben, das anfangen sollte, nichts Geringeres als ein neues Leben, und Ziiels war so zu Mute, daß er vor Freude laut hätte auf- schreien mögen, wenn nicht die kleinen, unschuldigen, geschlossenen Augen seinem Jubel Einhalt geboten hätten. Da ertönte plötzlich ein gewaltiges Tosen vom Meere. Es klang, als lvürden Hunderte von Kanonenschüssen hinter- einander gelöst. Es krachte und prasselte. Es war, als befände sich die ganze Natur in Aufruhr oder läge in Geburts- wehen, „Das Eis ist gebrochen," sagte Niels. Und es war Freude in seiner Stimme. Als Antwort auf eine Worte kam eine breite Lichtwoge vom Fenster, hielt inne und beleuchtete die Wand der Kammer. Es wurde so hell über der wunderlichen Scene dort drinnen, als sei draußen und drinnen Licht, und un- willkürlich griff Niels nach Märtas Hand, während sie beide fast geblendet auf das Licht starrten, das über die Mauer zitterte. Es war das Licht vom erloschenen Auge des Leucht- turms, das zum ersten Male wieder entzündet wurde, als das Eis brach. Der Schein verschwand, und minier fester umklammerte Niels die Hand seines Weibes, während sie beide darauf warteten, daß die Lichtlvelle lvieder über die Stube ströme. Und als sie kam, drückten sie sich wortlos die Hände. Denn sie wußten, daß sich nun die Wellen lösten und der Frühling mit Sonne und Wärme seinen Einzug in die Herzen der Menschen hielt. Und Niels schwieg nicht länger. Er lächelte in seiner stillen Art und sagte: „Jetzt sängt Deine und meine Ehe an. Märta." Märta verstand ihn nicht völlig, aber sie freute sich seiner Worte und nickte ihren: Sinne zu. Und so traten Niels und Märta in das neue Leben, das ihrer harrte und gleich einen: freundlichen Geschick offen vor ihnen lag.— Kleines L'enillekon. —„Der MankSmann". Zwischc» England und Irland, ln der irische» See. liegt die Insel Man. Von den S6 00<1 Einivohnern sprechen noch etlva 12 000 ihre keltische Muttersprache. Die Insel gehörte früher zu Schottland, 1765 kaufte die britische Regierung die Souveränität. Man hat»och seine eigne Verfassung und eignes Landrecht. Die englische Krone hat nur das Recht, den Gouverneur zu ernennen. Ihn: stehen als gesetzgebende Gewalten ein Rat von 9 Mitgliedern und das Hans der 2t Keys(Unterhalts) zur Seite. Alle Gesetze, die von diesen beiden Körperschaften beschlosien werden, haben nur dann Gültigkeit, wenn sie vom Tynwaldhngel verkündet worden sind: der Brauch besteht seit nndenklichen Zeiten.— Diese Insel ist der Schauplatz des Romans„Der M a ,: I s n: a nn mit dessen Veröffentlichung wir in der nächsten Nummer beginnen werden. H a l l C a i n e hat ihn geschrieben, der, nachdem er Welt- rühm erworben, wieder auf der Insel, Ivo er aufgewachsen, unter den Manksleuten lebt.— en. Zlcrgcr nnd Gelbsucht. Daß Veränderlingen der Gesichts- färbe mit Erregnngsznständcn in Verbindung stehen, wird schon von mancherlei Sprichwörtern als allgemeine Thätsache hingestellt. Man spricht von der Zornesröte, man weiß anch, daß sich'jemand„die Gelbsucht an den Hals ärgern" kann. Bezüglich der Gelbsucht ist eine derartige Behauptung besonders merkwürdig und auffallender- weise von der ärztlichen Kunst bisher gar nicht ge- niigend beachtet. Die Gelbsucht ist eine Störung in der Verwendnng der Gallcnflüssigkcit. In den meisten Fällen, man kann fast sagen, ausschließlich, war in der Medizin bisher von katarrhalischer Gelbsucht die Rede, die darin be» stehen sollte, daß sich katarrhalische Entzündnngsvorgänge vom Darm ans die Gallenwege fortsetzten. Es ist imn sehr wichtig zu wissen, daß die Gelbsucht nicht immer eine solche Entstehung hat, daß viel- mehr die Berücksichtigung der alten Redensart:„Mensch, ärgere dich nicht", auch manche Erkrankung an Gelbsucht verhindern könnte. In der Wissenschaft ist man erst neuerdings darauf aufmerksan: ge- worden, daß die Gelbsucht als Folge starker Erregung auftreten kann, bei Frauen vielleicht häufiger als bei Männern. Nervöse Menschen zeigen bei starker Erregung oder geistiger Anspannung die Neigung zu kleineren Anwandelungen von Gelbsucht, die meist am deutlichsten in der Färbung der Bindehaut des Auges bemerkbar werden. Die Aerzte früherer Jahrhunderte kannten eine derartige Gelbsucht als Icteruz ex emotione nnd ihre Anschauung ist anch an zahlreichen berühmten Stellen der älteren Litteratnr zum Ans- druck gekommen. In der ersten Scene des„Kaufmanns von Venedig" sagt Graziano in seiner„Predigt" an den verstimmtet? Antonio: „Mit Lust und Lachen laßt die Runzeln kommen, Und laßt die Brust von Wein mir lieber glühe» Als härmendes Gestöhn das Herz mir kühlen. Weswegen sollt' ein Mann mit warmem Blut Dasitzen wie ein Großpapa gehauen In Alabaster?— schläft wenn er ivacht?— Und eine Gelbsucht an den Leib sich ärgern?—" und Agamemnon beginnt seine große Rede in der 3. Scene von „Troilns und Cressida" mit den Worten:„Fürsten, kann Gram mit Gelbsucht Eure Wangen färben?"— Diesen alten Zeugen reiht sich nun Dr. Meitzer als moderner Arzt an, der neulich vor der Akademie der Medizin in New Dork über den Einfluß der Erregung aus die Ausscheidung der Galle und somit ans die Entstchnug der Gelbsucht einen längeren Vortrag ge- halten hat. Er hat darin seine Fachgenosien mit viele»: Nachdruck auf die Thatsache hingewiesen, daß nervöse Anfregnngcn zuweilen die Gelbsucht allein erklären können und daß in solchen Fällen anch eine andre Behandlung angezeigt ist als bei der katarrhalischen Gelbsucht.— Theater. — Die Mei st erspiele in den königl. Theatern (4. bis 27. Mai). Die Rollenbesetzung der Mcisterspiele liegt jetzt vor: Fanst. Faust: Adalb. Matkow-kh; Mephisto; Karl Wienä lDresden); Gretchcn: Karoliue Medelsky(Wien).— Hamlet. Vom Hofthcater in München treten als Hamlet und Ophelia Matthieu Lützenkircher und Gretchen Swoboda auf.— Maria Stuart. Titelrolle: Rosa Poppe. Elisabeth: Hedwig Römptcr- Blcibtrcu (Wien.)— Esther wird als geschlossene Vorstellung des Schauspiel- hanses gegeben.— Der Erbsörster. Geschlossene Vorstellung des HoftheaterS in München.— Des Pastors Ricke, Gc- schloffene Vorstellung des Schauspielhauses in Dresden.— Nathan der Weise, Vom Bnrgtheatcr in Wien Adolf Sonnenthal als Nathan nnd Bernhard Bannicistcr als Patriarch.— M i n n a v o n B a r n h e l m. Minna: Johanna Buska(kgl. Deutsches Landestheatcr Prag), Franziska: Paula Conrad Schlcnthcr.— König Lear. Die Titelrolle spielt Ad. Sonneuthal.— Die Journalisten. Adelheid Katharina Schratt(Burglhcatcr Wien), Schmock: Rudolf Throlt (Deutsches Volkstbeatcr Wien).— Das vierte Gebot: Dieses Stück wird, um seine nationale Eigenheit zu wahren, in Zseinen dialektredendcn Rollen von östrcichischen Künstlern dargestellt, welche mit Ausnahme von Amalie Schönchen, Vilma v. Mahbnrg und Rudolf Throlt dem Deutschen Landestheatcr in Prag angehören bezw. angehört haben.— Ans dem Ticrledcn. — L ä h»> u» g s g i f t e der N e s s e l t i e r e. P o r t i c r und Charles N i ch e t haben das Gift untersucht, welches in den oft langen Fangfäden der Galeercnqnallen zur Wirkung kommt. Man Iveib, dafj diese Fangfädcn mit Nesselzcllcn besetzt sind, ivie sie bei allen echten Pflanzenticren vorkomme», die man danach anch Nelselticre(Aealephen) genannt hat. Sie wirken ans die menschliche Haut Ivie die Berührung der Nessel, und erhielten danach ihren Namen. Die Fäden wurde» zur Extraktion ihres Giftes mit Sand zerrieben und gaben eine» dunkelblauen Auszug von aus- gesprochener Giftigkeit, so daß 2 Gramm frischer Fäden' hinreichte», eine 300 Gramm schwere Taube in einer Stunde zu töten. Die meisten Versuche wurden mit Einspritznngen des Saftes bei Tauben augestellt. Was die chemische Beschaffenheit anbetrifft, so gerinnt das Toxin in der Wärme, verliert seine Giftigkeit schon bei öb Grad, und wird durch Alkohol gefällt. Bei schneller Wicderanflösnng des Niederschlags in Wasser zeigt er die vorigen, recht eigentümlichen Gift- Wirkungen. Er bringt bei der Einspritzung keinen Schinerz hervor, sondern wirkt im Gegenteil schmerzstillend und schuierzlähmend; bei hinreichender Dosis verfällt das Tier nach 15—30 Minuten einer unbesiegbaren Schlafsucht; es reagiert nur schwer auf physische Erregungen, ist wie erstarrt und gleichgültig gegen die Umgebung. Nur durch starke Reizungen ist man im stände, ein solches Tier ans seiner Starrsucht zu wecken, und schon nach wenigen Belvegungen verfällt es derselben aufs neue. Der Herzschlag ist beschleunigt ,' die Enipfindlichkeit fast völlig aufgehoben, die Körpertemperatur sinkt um 2— 3 Grad lind das Tier äußert mit halbgeschlosscncn Augen keinerlei Widerstand. Bei genügender Dosis endigt eS nach einigem Ringen nach Atem als wenn es erstickte. Achuliche Wirkungen, ivie bei' den Tauben, wnrden bei Meerschweinchen, Enten und Fröschen beobachtet, und nach seiner einschläfernden Hanptwirkung wurde das Gift als Schlafgift bezeichnet. Lchnliche Wirkungen, wie bei dem Gifte dieser Galeerenqnallen, wurden an dem durch Glyceri» ausgezogenen Gifte der Segelquallcn, Scheibenquallen, Seerosen beobachtet. In der That ist auch diese Wirkung des Nessclgiftcs ganz der Lebens- und Ernährungsweise dieser Tiere anpaßt. Die genannten Forscher setzten verschiedene Thiere, wie Frösche und Fische, den Nesselfäden lebender Galeerenquallen aus, und sahen, wie sie, statt sich davon zu be« freien und zu entfliehen, was sie anscheinend leicht hätten bewerk- stelligen können, wie vom Schlage getroffen unbetvcglich wurden und ohne Widerstand den Vcrdannngshöhlc» der Quallen zugeführt wurden. Man hatte Aehnlichcs schon früher bei den Seerosen be- merckt, in deren Schlünde kleine Mitesserfische unbehelligt leben; so- bald aber das Tier seine Giftpfeile auf ein Beutetier entladen hat, wird dasselbe sogleich körperlich und geistig gelähmt und eingeschläfert.— („Prometheus.") Aus dem Pflanzenlcben. — K u l t u r d e r E r d b e e r e. In der„NerthnS" schreibt Kurt v. Steimvehr: Die Erdbeere(Fragaria L.) ist in den gemüßigten und alpinen Klimaten der nördlichen Erdhälfte. Südamerikas und auf den Maskarenen heimisch. Sie findet sich in Wäldern und Gc- biischen fast durch ganz Europa und wird in den Gärten der aronia- tischen Früchte halber angepflanzt. Man unterscheidet eine Menge Abarten und durch die Kultur sind eine Menge Varietäten und Bastarde entstanden, ivelche zum Teil große vortreffliche Früchte liefern. Wer sich des Genusses der Gartenerdbeeren erfreuen will, mutz die Pflanzung im August anlegen, solche tragen schon im folgenden Jahre, am reichlichsten im zweiten und dritten. Länger darf man die Erdbeere, wenn man auf reiche Erträgnisse rechnen will, nicht behalten, denn sie tragen von nun an wenig und schlechte Früchte. Der Gartenliebhaber. der zu seinem Vergnügen in seinem Gärtche» Erdbeeren pflanzt, soll jedoch nicht so ängstlich sein. In meinem Garten stehen einzelne Beete schon seit sechs Jahren und gerade im letzten Jahre haben diese außerordentlich schwer getragen. Im allgemeine» wird empfohlen, ivenn man stets reichlich tragende Beete haben will, jedes Jahr eins oder einige neu anzulegen. dagegen alle eingehen zu lassen. Der Boden zu Erdbeere» darf wieder Jahre long keine solchen getragen haben, denn wo sie schon gestanden haben, gedeihen sie selbst bei stärkster Düngung nicht. Zieht man daher Erdbeeren als Einfassung, so muß bei Neu- Pflanzung die Erde vollständig gewechselt werden, was sich leicht beini Graben bewirken läßt. Die Beete zu Erdbeeren werden stark gedüngt und wie gctvöhnlich tief gegraben. Die Beete werden etwa eineik Meter breit genommen, die Fußwege etwa 30 Ccntimctcr. Man kann zwar mit besonderer Fürsorge Erdbeeren in jedem Garten ziehen, mit Vorteil aber und ton vorzüglicher Qualität jedoch nur ans et. ,m5 feuchtem, tiefgründigem, etwas schwerem Boden. Wer sehr leichten Boden hat, baue vorzugsweise Alpen- Erdbeeren und bereite für die groZfrüchtigen Spielart«. ein Beet besonders vor, indem die sandige Erde mit Lehm verinischt wird. Ehe wir znr Pflanzung übergehen, sei bemerkt, daß man zwar auch im Frühjahre Erdbeeren pflanzen kann, daß aber dann nur die Alpen- und Monatserdbeeren im ersten Jahre tragen. Hat inau im August nicht hinreichend Beete leer, so pflanzt man noch ein- oder zweimal so dicht, als die Pflanzen bleiben können, und versetzt im Frühjahr die überflüssige» mit Erdballen auf andre Beete. Die Entfernung der Pflanzen richtet sich nach der Sorte. Von Monats- erdbeeren bringt man 4 Reihen auf ein Beet der oben angegebenen Breite, von großen Sorten jedoch nur 2 Reihen. Zum Pflanzen nimmt man gut bewurzelte Ausläufer von den vorhandenen Beeten und imr im Notfall geteilte alte Stöcke, welche dann tiefer gepflanzt werden niüsscn, wie sie standen. Man achte darauf, daß man beim Ankauf nicht verschiedene Sorten unter einander gemischt bekommt, denn an ein Sortiere», nachdem sie schon getragen, ist nicht zu denken, da die Rauken zu sehr in einander ivachsen. Nach erfolgter Anpflanzung müssen die Pflanzen angegossen und das Gießen bei ivarmer Witterung fortgesetzt werden. Bei den Erdbeeren, die wir auf Beete pflanzen, lassen wir alle Ausläufer stehen und bringen diejenigen, die über die Seite» der Beete hinausgewachsen sind, auf die Beete zurück. Im August werden die Ranken und Blätter abgeschnitten und die Beete gereinigt. Die kräftigsten Ausläufer werden zur Anpflanzung neuer Beete verwendet oder zum Ausbessern von vorhandenen. Während der Blüte wird der Boden öfters begossen. Um Erd- beeren im Spätsommer und Herbst zu haben, wähle man die Monats- Erdbeeren, rote und iveiße, sowie auch die zweimal tragende Ananas-Erdbecre. welche in jeder renommierte» Handelsgärtuerei zu haben ist. Man muß aber, soll dieselbe reichlicher tragen, die Ranken ab- schneiden. Gute Düngung ist bei der Kultur der Erdbeere die Hauptsache. Der Dünger muß im Herbst auf die Beete und hauptsächlich auf die Stöcke gebracht werden; er schützt zugleich gegen das Erfrieren und das den Stöcken so gefährliche Glatteis. Eben deshalb muß der Dünger ein leichter ünd lockerer sein. Sobald im Frühjahr die Stöcke kräftig treiben, harkt man den Dünger flach ein und entfernt den zu langen. um die Beete hübsch sauber und eben herstellen zu können. Ist dieses geschehen, so wird die Boden- bedecknng ausgestreut, welche aus Sägespähnen und Häcksel bestehen kann i 2 Ccntimeter genügen, um die Sonnenstrahlen nicht durch- zulassen. Wen» diese Decke die Beete nun hauptsächlich vor zu großer Dürre schützt, so sind auch bei Nässe die Früchte imnier auf trockenem, reinlichem Lager gebettet. Schließlich will ich noch eine Methode zur Anpflanzung empfehlen, die ich zwar selbst noch nicht probiert, die mir aber als sehr erfolgreich geschildert ist. Sic besteht darin, daß man je drei Pflanzen in dieser Ordnung auspflanzt. Im Frühjahr angewendet, soll man bei dieser Methode gleich reich« lich Früchte ernten.— Humoristisches. — Verschnappt. A.:„Ich muß morgen zum Begräbnis! willst Du mir nicht Deinen schwarzen Anzug leihen B.:„Wann kriege ich ihn zurück?* £1.:„Gleich nach dem... Ersten."— — Am Schliersee, Bauer:„Du Frau, mach geschwind 'S Hofthor zu, da kommt g'rad' so a Malefizkerl von a Theater- dir-ktor, der will uns g'wiß alle Mägd' und Knecht' weg« engagier'« I"— — Kennzeichen.„Also auf dem BetricbSamt sind Sie; kennen Sie einen gewisien Meier?" „Wir haben mindestens zwanzig.Meier', wie sieht er auS?" „Ja. so genau kann ich ihn nicht beschreiben; er hat mir neulich zwanzig Mark abgeborgt.. „Den kenn' ich!"—(„Mcggendorfer Blätter.') Notizen. — Emst v. Wolzogens Lebensbild„D i e hohe Schule" geht am Sonnabend im L e s s i n g- T h e a t e r in Sccnc.— —„Zeit ungs weit" heißt ei» neues Stück von Maxim G o r k i, das Schildernnge» aus der litterarischen Welt bringt. Das Stück wird in der nächsten Saison im M o S.k a u e r k ü n st I e r i s ch e n Theater gegeben werden.— — Das M ü» ch e n e r U e b e r b r e t t l„Die Elf Scharf- r i ch t e r" hatte in der letzten Zeit eine monatliche H ö ch st- einnähme von 8000 b i s 9000 M. i davon mußte es 35 M i t- gliedern Gage zahlen.— — Bei dem internationalen Wettbewerb um daS©ologiiefi« Denkmal zu L i m a, wofür•/» Million Franken ausgeworfen sind, hat der spanische Bildhauer A u g u st i n Q n e r o l den ersten Preis davongetragen.— — Die nächste Aufnahmeprüfnng für die„M a r i e S e e b a ch« Schule des Schauspielhauses" findet am Montag, 28. April, nachmittags 2 llhr, im Schniispielhause zu Berlin statt. Der neue Kursus beginnt im Mai. Der Unterricht ist gänzlich kostenfrei; doch Iverden nur Zöglinge aufgenommen, die den Ein« druck besonderer Bcgabnng machen. Aufnahmefähig sind Herren vom 18. bis 22. Jahre, Damen von 10 Jahren an. Erforderlich ist ein Revers des Vaters, daß dieser gewillt und befähigt ist, den Zög- ling während der etwa zwölfmonatlichen Studienzeit standesgemäß zu unterhalten. Die Ausübung eines Berufes neben dem Studium ist ausgeschlossen. Anfnahmcgesuchc sind schriftlich möglichst umgehend an den Vorsteher der Marie-Seebach-Schnle, Ober-Regisseur Max Grube, Schauspielhaus zu Berlin, zn richten.— — Die Echtheit des Honigs probiert man auf folgende Weise: Man erwärme in einem Fläschchen 2 Eßlöffel Honig mit etwa dreimal so viel Alkohol und schüttele die Mischling tüchtig um. Nach einiger Zeit ivird sich vom gefälschten Honig ein weiß- licher Niederschlag bilden, während der echte Blütenhonig sich voll« ständig auflöst, ohne einen Rückstand zu hinterlassen.— Reraniwortlilvcr Redacleuri Carl Leid m Berlin Druck und Berlag von Max Badnig in Berlin.