Mnlethattmtgsblatl des orwärks ?!r. 88. Mittwoch, den 7. Mai. 1302 cNachdruck verbolen.! ß] Dev Ulmtftötnmm. Roma» von Hall Cniiie. Autorisierte Uebersctzuug. Bis dahin war Philipp von Ividersprcchenden Gefühlen hin und her geworfen worden. Er war Cäsar weder in Welt- lichcr Logik noch im Streite mit Bibelstellen gewachsen. Aber endlich war doch der Augenblick gekommen, der ihm über sich selbst und über Cäsar den Sieg verlieh. Bei des Müllers letzten Worten sprang er ans und rief mit zorniger Stimme: „WaS? Sic nennen sich einen Christenmenschen und strafen das Kind für die Sünden der Eltern! Namenlos— ja, wahr- haftig l Ach will Ihnen etwas sagen. Cäsar Cregeen: man kann im Himmel einen Namen haben, der schlechter ist, als wenn man keinen auf Erden hat, und das ist der Name eines Heuchlers." Bei diesen Worten schob er seinen Stuhl zurück und ging nach der Thür. Cäsar erhob sich und sagte sanftmütig: „Kommen Sie in die Schenkstube und nehmen Sie dort etwas." Dann zurück ans Philipps Teller blickend, fügte er mit erzwungenem Lachen hinzu:„Aber Sic haben ja Ihren Hering umgedreht— das bedeutet Unglück." Eine Hand auf Philipps Schulter legend, fügte er mit leiserer Stimme hinzu: „Nichts für ungut, Herr— ich will auch dem Jungen keines- Wegs zu nahe treten, doch mein Wort darauf— wenn die Stute ein Paßgänger ist, wird's auch das Füllen sein." Philipp ging davon, ohne noch etwas zu erwidern. Der Mond war silbern geworden und stand schon höher, als er auL der Thür trat. Draußen vor dem Eingang glitt in den unsicheren Schatten eine Gestalt mutwillig trillernd und lachend an ihm vorüber. Er fand Pete ans der Straße, wo er tvieder schnaufte und pustete wie zuvor, doch ans ganz andrer Ursache. „Der Teufel steckt in dem Mädchen, meiner Scel'", sagte Pete.„Ich kann ans keine Weise eine Antwort ans ihr heraus- bringen." Er hatte sie wegen dieser Antlvort verfolgt, und sie war ihm durch einen Thonveg entschlüpft.„Doch wie steht's mit dem Alten drin, Phil?" Phil erzählte ihm nun von dem Scheitern seiner Sendung. Er teilte ihm alles offen und haarklein mit, dabei zart den harten Inhalt mildernd, ohne ihm die volle Wahrheit vor- zuenthalte«. Während er es that, fühlte er Wohl, daß ihm nicht zu Mute war wie jemand, der schlechte Nachrichten bnugt. Er wußte, daß sich sein Mund in der Dunkelheit zu einem häßlichen Lächeln verzog. und wie sehr er sich auch mühte, er war nicht ini stände, ihm einen betrübten Ausdruck zu geben. Das glückliche Lachen erstarb ans Petes Lippen und er hörte anfangs still, dann aber mit leisem Grollen zu. Als Philipp ihm auseinandersetzte, daß seine Armut sein Unglück tväre, sagte er:„Ja, ja! ich bin nichts als ein erbärm- lichcr Tropf!" Als Philipp erzählte, wie Cäsar ihren alten vergessenen Streit wieder aufgerührt hatte. nmrinelte er:„Ich bin ganz aufs Trockne geraten, Phil. daS ist's." Und als Phil darauf hindeutete, was Cäsar über seine Mutter gesagt hatte, und daß seine Geburt ein Hindernis wäre, stampfte er ans die Steine unter seinen Füßen und ganz aus der Tiefe seiner Seele kam eS grollend heraus:„Er soll's noch bereuen! Wahrhaftig, das soll er." „Komm, nimm Dir's nicht so zu Herzen— es ist erbärmlich. so schlechte Nachrichten bringen zu müssen," sagte Phil, doch fühlte er daS schlimme Lächeln noch immer um seine Lippen und der Ton seiner eignen Stimme kam ihm verächtlich vor. Pete hörte keinen falschen Klang heraus.„Gott lohne Dir's, Phil," sagte er.„Du hast für mich gethan, was Du konntest, ich Iveiß eS. Meine Tasche ist leer, und ich Hab' allen Mut verloren— � sonst, wenn eS gegen das Mädchen nicht unrecht wäre, würde ich den Alten nicht erst um Erlaubnis fragen." Cr stand einen Augenblick in Schweigen versunken da, die hölzernen Latten des Gartenzauns wie Zündhölzchen mit den Fingern zerbrechend. Dann aber sagte er plötzlich in raschem Entschluß:„Ich iveiß, waS ich thuu will." „WaS denn?" fragte Philipp. „Außer Land gehen— nach Kimberley." „Q, Du wirst doch nicht..." „Ja wohl, ich thne es und obcrdrein gleich. Du hast gehört, was die Gäste heute abend sagten.— Manksleute werden morgen früh mit dem Boot dahin abfahren? Nnn, ich gehe mit." „Sprachst Du nicht eben davon, daß Deine Tasche leer wäre?" sagte Phil.„Das würde wohl alles in Anspruch nehmen, was Du hast." „Mehr als das," meinte Pete..„Doch Du wirst mir das Fehlende leihen. Das heißt, in Schulden geraten: doch un- besorgt. Wenn ein Mensch ins Wasser gefallen ist, hat er nicht nötig, den Regen zu scheuen. Ich will dort schon Geld erwerben." Ein Licht war an dem Fenster einer oberen Stube er- schienen: Pete drohte mit der geballten Faust hinauf und rief: „Lebt wohl, Meister Cregeen, bald Iverden uns Welten trennen. Ihr war't einst mein Herr, doch niemand kann Euch zu ineiueni Herrn für immer machen, weder Ihr selbst noch irgend ein andrer." Die ganze Zeit über wußte Philipp, daß er in seinem Herzen die Hölle trug. Der böse Feind, der ihn losgelassen hatte, als sein Zorn über Cäsar die Oberhand gewann, packte ihn ivieder aufs neue. Eine Stimme flüsterte ihm ins Ohr: „Laß ihn gehen! Borg ihm das Geld I" „Komm mit. Pete!" stotterte er,„und sprich keinen Unsinn." Pete aber hörte nichts. Er War einige Schritte vorwärts bis zum Hofe gegangen und sein Blick verfolgte das Licht im Hause. Es bewegte sich an der dunklen Mauer von Fenster zu Fenster.„Sie hat des VaterS Licht genommen," murmelte er.„Sie ist da," sagte er leise vor sich hin.„Nein, sie ist fortgegangen. Doch— da kommt sie wieder zurück." Er nahm die gestrickte Mütze vom Kopf und ballte sie in den Händen zusammen.„Gott segne sie," murmelte er und sank ans die Knie:„Nimm du sie in deinen Schutz, so lange ich weg bin." Der Mond stand mit seinem bleichen Licht hinter ihm am Himmel, und alles rings umher war still und feierlich. Philipp trat zurück und wendete sein Gesicht ab. VIII. Als Cäsar, der Philipp bis zur Thürs begleitet hatte, wieder hereinkam, sagte er;„Dem Mädchen hiervon keiu Wort. Ihr Weiber seid wie die Ferkel— man muß Euch rückwärts ziehen, wenn man Euch vorwärts bringen will." Gleich darauf kam Käthe herein: sie wurde fortwährend rot und machte sich allerlei Unnützes zn schaffen.„Sprichst Du von den Ferkeln, Vater?" sagte sie, sich schlau verstellend. „Was für Not man mit ihnen hat! Als der Mond aufging, kamen sie alle in den Hof gelaufen, lind es lvar eine Arbeit, sie wieder hineinzubringen." Cäsar brummte etwas und gab das Zeichen zum Schlafengehen.„Zaubcrgeschichten— das fehlte noch." sagte er im Tone größter Verachtung und ging in die Ecke, die Uhr aufzuziehen.„Nichts als Schwäche des Glaubens"— setzte er beim Gerassel der Kette, die die Gewichte emporzog. hinzu—„und kein Vertrauen auf Gott." Die Uhr schlug jetzt zehn. Granuie hatte zwei Lichter angebrannt, das eine für sich und ihren Mann, das andre für Nancy Joe. Nancy hatte unvermerkt am Brunnen drei irdene Krüge mit Wasser gefüllt und setzte sie, auf den Tisch,»vobei sie etwas vom Kessel und dem nächsten Morgen murmelte. Cäsar that, als ob er nichts davon sähe: er ging von der Uhr zum Herd, dunkle Worte über unnütze Vergeudung vor sich hinmnrmelnd, und breitete die heiße Asche flach ans, so daß man eine Pfanne zum Kuchenbacken hätte darauf setzen können. „Gute Nacht, Nancy"— rief Granuie, die schon halb die Treppe hinauf war, zurück, und Cäsar folgte ihr murrend mit gesenktem Kopf. Dann ging auch Nancy, und Käthe lvar nun allein. Sie hatte die Lampe ausgelöscht und wartete auf das Licht ihres Vaters. ?lls die Lampe erlosch, befand sich das Mädchen im Dunkeln; nur das glimmende Feuer warf einen schwachen Schein. Sie fing an zn zittern und leise zn lachen. Dann zog sie ihre Schlitze aus, trat an einen Wandschrmik, nahm einen Apfel aus dem Korbe lind briet ihn ani Feuer. Dann kniete sie vor dem Herde nieder, brach zivci Stücke von dein Apfel ab und aß sie, worauf sie sich leise zusammen- schauernd wieder erhob und sich anschickte, rückwärts schlafen zu gehen. Langsani, zitternd, mit abgemessenen Schritten tastete sie sich an den Möbeln hin, schrak bei jeder Berührung zusammen, und wenn sie erkannt hatte, was es war, lachte sie erregt in sich hinein. An der Thür zu ihres Vaters und Grannics Stube gab sie einen unbestimmten Laut von sich, und ein schläfriges Brummen drang zu ihr heraus. Sie langte mit einer Hand durch die Thüre, die halb offen stand, und nahm das brennende Licht in Empfang. Dann blies sie mit einem zitternden Atemstoß, der zweimal wiederholt werden mußte. daS Licht aus und ging, immer noch rückwärts, nach ihrer Schlaf- statte. Es war eine freundliche, kleine Stube über der Milch- kammer, die nach frischer Milch und reifen Aepfeln roch und sehr sauber mit Dimity und Musselin ausgeputzt war. Zwei kleine Fenster gingen ins Freie, eins nach dem Hofe, das andre nach dem Obstgarten. Der späte Mond schien durch das Obstgartenfcnster über die Spitzen der Zwergbäume und die kleine weiße Stube war vom Fußboden bis zum schräg überhängenden Dache beleuchtet. Käthe ging, bis sie ans Bett kam, rückwärts und setzte sich dann darauf nieder. Ihr war, als hörte sie einen Schritt im Hofe, aber das nach dem Hofe gehende Fenster lag ihr im Rücken, und sie wollte nicht hinter sich sehen. Sie horchte, hörte aber nur ein Geräusch im Stalle, wo die Stute ihren Strick am Krippenring rieb. Nichts weiter, außer dem Pfeifen einer Maus, die irgendwo am Holz des Fußbodens nagte. „Wird er kommen?" fragte sie sich. Sie stand auf, band sich den Rock auf und lachte, als er ihr auf die Füße herunterfiel. „Welcher wird's sein— ich bin neugierig, welcher? flüsterte sie. Das Licht des Mondes war bis zum Bett hingekrochen und lag jetzt auf diesem wie ein breites stahlblaues Schwert, das von der aus Vierecken zusammengesetzteil Bettdecke wie mit Rostflecken übersäet war. Sie löste das Haar aus dem roten Bande, und es fiel ihr wie ein dichter Schleier übers Gesicht. Alles um sie her. war still und feierlich. Sie schauerte noch einmal zusammen, griff dann nach rückwärts und zog die Bettücher fort. Dann that sie einen tiefen Atemzug, der halb wie ein Seufzer, halb wie ein Lachen klang, und legte sich nieder, uni zu schlafen. IX. Etwa um die Morgendämmerung, in dem unbestimmten Schattenland zwischen Traum und Erwachen, glaubte Käthe durch eine Handvoll Reis erschreckt zu werden, den man ihr am Hochzcitsmorgen in den Wagen warf. Das Geprassel kam wieder, und jetzt wußte sie, daß man ihr Sand an das Kammerfcnster geworfen hatte. Als sie das erkannte, hörte sie auch eine Stimme, die klang, als käme sie aus einer Höhle,„Käthe I" rufen. Sie war inzwischen völlig erwacht. „Also wird es Pete sein I" dachte sie.„Es scheint vom Schicksal bestimmt, daß es Pete ist"— sagte sie zu sich selbst. „Jedenfalls ist's Pete, der da draußen steht." Jawohl war es Pete. Er stand in der nebligen Frühe unter dem Fenster, den Namen des Mädchens mit tiefem Kehllaut rufend und ihr leise zupfeifend. Nicht lange, so hörte er etwas im Innern der Stube sich regen; er wandte den Kopf und sagte:„Sie konimt." Ein Riegel klirrte, das Schiebfenster ward in die Höhe geschoben und aus dem kleinen dunklen Rahmen kani ein bildhübscher Kopf mit lachendem Gesicht heraus, den eine Fülle schwarzen Haares umwallte, während die weiße Hals- krause des Nachtkleides den nur undeutlich erkennbaren Ab- schluß des Gemäldes bildete. „Käthe!" rief Pete wieder. Sie that, als ob sie nur ans Fenster gckonimcn wäre, um hinauszusehen, und als echtes Weib heuchelte sie einen kleinen Schreck beim Klang seiner Stimme und einen kleinen Schrei des Unwillens darüber, daß er so dicht unter ihr stand und sie so überrascht hatte. Dann starrte sie hinab in das Dämmerlicht und sagte in erstauntem, verwundertem Tone: „Es muß ganz gewiß Pete sein." „Ja, er ist es, Käthe"— sagte Pete—„er konnte keine Ruhe finden, ohne noch einmal mit Dir gesprochen zu haben." „Ach!" sagte sie. indem sie ins Zinnner zurück sah. die Hand vor die Augen hielt, und an den schwarzen Tom und die Elfen dachte. Doch plötzlich kam der Mutwille ihres Ge- schlechts über sie und sie vermochte nicht der Versuchung zu widerstehen, den Burschen zu quälen.„Hast Du den Weg ver- loren, Pete?" fragte sie mit unschuldiger Miene. „Nicht den Weg. wohl aber mich selbst, Mädchen"—- sagte Pete. „Dich selbst? Du hast wohl einen Stich— oder hat der Mond Dir's angcthan? Bist Du behext, Pete?" fragte sie nnt großem Ernste. „Ach! Ganz behext. Käthe—" „Armer Junge I" seufzte das Mädchen.„Und traf Dich die Hexe plötzlich und ehe Du's wußtest?" „Ja wohl, ganz plötzlich und überraschend. Aber höre mich an—" „Ach, Du mein Hinunel l Und war es die alte Frau Colley vom Curragh? Hat sie sich in einen Hajen ver- wandelt? Und bist Du gebissen worden, Pete?" „Ach ja. arg gebissen. Doch. Käthe—" „Dann war es wahrscheinlich ein Hund. Und bist Du wasserscheu, Pete?" „Nein, mich zieht's nach dem Wasser. Höre doch, Käthe—" „Und wird man deshalb verbrannt?" „Man verbrennt und erfriert zugleich. Willst Du mich jetzt aber anhören? Ich geh' von hier fort. Hundertc, Tausende von Meilen weit fort." Jetzt kam von dem Fenster her ein Ton voll großer Angst, den das Mädchen mit aufwärts gewendeten Gesicht ausstieß, als ob sie ihn an den letzten noch am Himmel sichtbaren Stern richtete. „Armer Junge! Armer Junge! Er ist wirklich behext worden, o weh!" „Dann bist Du es, die mich behext hat, Kitty—" „Ich—? Bin ich eine Hexe?" rief sie in fröhlichem Mutwillen.„Du nanntest mich doch gestern abend unten am Weg eine Fee." „Und Du bist auch eine Fee— und eine Hexe zugleich. Aber höre mich jetzt—" „Du sagtest mir doch auch beim Kuhstall, daß ich ein Engel wäre, und Engel können doch nicht hexen." Darauf bellte sie wie ein Hund und schlug eine schrille Lache an wie eine Hexe und bellte wieder. (Fortsetzung folgt.) und Gemvvbx-" Nusflellung füv Wlzrinlanv nnt» ii. Am vergangenen Donnerstag feierten auch die rhcinisch-west- fälischcn JnMistrieherren ihren Maitag. Unter dem üblichen Auf- gebot von Protektoren, Miuistern, amtlichen und privaten Spitzen, unter den seit Alters her bekannten, iiumer aber wieder als Neuheit von der bürgerlichen Presse verkündeten Reden wurde am 1. Mai die Düsseldorfer Industrie- und Gewcrbe-Nusstellung eröffnet. Die himmlische Licht- und Wäriuespcnderin hat sich bis jetzt der Düsseldorfer Ausstellung recht wenig freundlich gezeigt. Aus Be- rechuung vielleicht. Es scheint, daß sie diejenigen abhalten will, die im Vertrauen ans die Verheiffungen der Ausstellungs- leitung, daff daS Unternehmen am Tage der Eröffnung auch fertig fein sollte, geneigt wären, jetzt schon die Nnsstcllling zn be- suchen. Denn die Ausstellung ist noch lange nicht fertig. Draußen in den Anlagen sind die Gärtner noch mit Graben und Pflanzen be- schäfliqt; manche der kleinere» Gebäude find noch in der Herstellung begriffen, und das Innere der großen Gebäude: Maschinenhalle, Ziidustriehalle usw. gleicht mehr»och Werkstätten als Ausstellungs- räumen. An allen Ecken und Enden wird gezimmert, geschmiedet, gehämniert und, was das schrecklichste: noch getüncht und gekleistert; auf Schritt und Tritt winkt die gefährlich-freundliche Aufschrift: Frisch gestrichen! Eine Enffchuldignng hat die Leitung der Düffel- dorfer Ausstellung insofern, als es eine durch Gewohnheit zum Recht gewordene Eigentümlichkgit aller Ausstellungen ist, am Eröffnungstage nicht fertig zn sein. Vielleicht hört diese Eigentümlichkeit auf. wenn daS Publikum sich entschließt, Ausstellungen grundsätzlich erst vier Wochen nach der Er- öffnung zn besuchen. Indessen soll uns die llnfertigkeit der Ausstellung nicht hindern, einen orientierenden Rundgang zu unternehme». Im Hinwandeln durch die Hauptstraße, die das Ausstellungsgelände der Länge nach durchzieht, halten wir eine Art Generalrevue über die Hauptvertreter der rheinisch-westfalischen Großindustrie ab. Vorerst aber einiges über das NilssteNimqsgclände selbst, über seine Laqe, seine Größe nnd äußere Susstattniig. Düsseldorf ist seit jeher als eine schöne Stadt bekannt; die„Gartenstadt" pflcc,t man sie zu nennen. Und sie verdient diesen Ruf. Die Lage am Rbein ist an sich schon ei» Vorzug,_ dazu kommt als schönster Teil der Stadt der alte berühmte Hofgarten, eine Anlage von hohem landschaftlichen Reiz. Der Hofgarte», dessen nördlicher Teil in die Ausstellung einbezogen ist. nnd der Rhein, an dessen Ufer sich die Ausstellung hinzieht, verleihen in ihrer anziehenden Mischung von Wald und Wasser dem Unternchnic» seine äußere Wirkung. Düssel- dorf ist kein Paris, weder nach der Größe noch nach der historische» Vc- deutung; aber dafür ist die Seine auch kein Rhein und eine» Hofgarten hatte die Pariser Weltausstellung auch nicht— kurz, tvenn es anf die Schönheit der Lage und der Landschaft ankommt, dann darf sich die rheinisch-tvestsälische Jndustrie-Ausstellung schon neben der Pariser Weltausstellung sehen lassen. Der größere Teil des Ausstellungsgeländes ist erst neu ge- tvoime»«vorden, einesteils durch Porschiebung des Rhein-Ufers um 30 Meter, anderntcilS durch Anfhöhnng eines bisher verwilderten Terrains, der sogenannten Golzheimer Insel, wofür die Stadt eine Summe von 4 Millionen Mark bewilligt hat. Das Ausstellnngs- gelände hat einen Unifang von 830(XXI Quadratmeter unbebauter, 129(XX) bebauter und 51(XX) unbebauter aber zu Ansstellnngs- zwecken benutzter Fläche; im ganzen steht der Ansstcllung eine Grinidflächc von 70 Hektar zur Verfügung, das ist das Vierfache der Ansdehnnng der Düsseldorfer Jndnslrie-Ansstellung vom Jahre 1330. In der Mitte des langgestreckteii. dem Laufe des Rheins sich au- schmiegenden AiisstellnugStcrrainS liegt die Jir du st riehalle, das Hallptausstcllnngs-Gcbäudc; es ist ei» ansehnlicher und prächtig Ivirkender Bau init einer Länge von 430 und einer größten Tiefe von 80 Meter. Der in der Milte liegende Hanptteil, der allein 800 Quadratmeter Boden bedeckt, ivird von einer SO Meter hohen Kuppel überwölbt; dieser Kuppelbau ist in Eisen, der übrige Teil in Holz- konstruktion ausgeführt. In 25 Gruppen wird in dem Hauptansstellniigs- Gcbände zur Schau gebracht, ivas Industrie und Gewerbe im westlichen Deutschland erzeugt. Die Zahl der Aussteller ist geringer als im Jahre 1880; aber während damals jeder Aussteller 7 Quadrat- metcr zur Verfügung hatte, sind es heute deren 40, die auf jeden Aussteller kommen. Damals traten das Kleingewerbe und das Haudiverk noch mehr in den Vordergrund, heute beherrscht die Groß- industrie wie das wirtschaftliche Leben im Westen, so auch dessen Abbild, die Düsseldorfer Ausstellung. Die Maschinenhalle, das Herz, der belebende Mittelpunkt der Ausstellung, bedeckt bei einer Länge von 280 und einer Breite von 52 Metcr eine Grundfläche von 14 500 Quadratmeter. In der 22 Meter hohen Miltelhalle, die zur Aufnahme der schiveren Maschinen bestimmt ist, beivegc» sich drei Laufkrahne von je 30 000 Kilogramm Tragfähigkeit; in den beiden 14 Meter hohen Scitenhallen sind zehn Lauskrahne von 10— 15 000 Kilogramm Tragfähigkeit angebracht. Insgesamt befinden sich in der Maschinenhalle 20 Dampfmaschinen mit über 12 900 Pferdestärken oder über 7000 KW in Betrieb. Zur Versorgung der Maschinen mit Dampf dicucu in der Haupt- Dampfkessel- Anlage 10 Kessel verschiedener Systeme mit znfanunen 3550 Quadratmeter Heizfläche und 250 Quadratmeter Ueberhitzflächc; für den Betrieb der im Hinteren Teil der Maschinenhalle aufgestellten Walzeuzug- Maschine, der Kompressoren und Dampshännuer ist eine zweite Dampfanlagc vorhanden mit drei Cornwallkesscln von 300 Quadratmeter Heizfläche, und endlich hat der bergbauliche Verein für den Betrieb seiner Bergwerks- Maschinen eine Dampf- anlage von sechs Kesseln mit 1000 Quadratmeter Heizfläche eingerichtet. Das dritte der offiziellen AusstellungSgebäude ist der Kunst- Palast, ivorin die mit der Industrie- Ausstellung verbundene nationale Kunstansstellung Unterkunft findet. Der Kunstpalast bleibt als einziges von allen Gebäuden erhalten und geht als ' dauernde Einrichtung in den Besitz der Stadt über. Von den aus privater Veranlassung errichteten Gebäuden verdient als erster genannt zu werden daS Haus der Firma Krupp, ein bizarrer Bau, überragt von einem bewimpelte» GefechtSmast, verziert mit den vergoldeten'Abzeichen der Kruppschen Erzeugnisse: Kugeln, Ketten, Anker ustv. Friedrich Krupp, der Besitzer des berühinten Gnßstahlfabrik in Essen, der Gcrmaniaiverft in Kiel, deS Grnfoniverkes in Magdeburg, des Schießplatzes in Meppen, zahl- reicher Eisenhütten, Kohlen- und Erzbergiuerke, der Gebieter über ein Arbeiterhecr, das nicht«veit vom halben Hunderttausend entfernt ist, Krupp eröffnet die Parade der rheinisch-ivestfälischen Jndustriehcrren und Jndustriegesellschaften, von denen jeder und jede eine ivirtschaft- liche und damit auch eine politische Macht bedeutet. Da ist links an Krupp anschließend der Pavillon der Köln- Rottivciler Pulver- fabrikcn, es folgt der Hörder Bergwerks- und Hüttcnverein (5000 Arbeiter). der Bochumer Verein für Bergbau nnd Gußstahlfabrikation(7500 Arbeiter), die Rheinische Metall« waren- und Maschinenfabrik(0200 Arbeiter), die Gntehoffnungshütte in Oberhansen(14000 Arbeiter), die Vereinigten Waggon- und Lokomotivcnfabriken, und als Letzter, aber nicht Geringster, der Verein für die bergbaulichen Interessen im Ober-Bergamtsbezirk Dortmund, dem 100 Bergwerlsnntcrnchmnngcn mit 00 Millionen Tonnen Förde- rung und 240 000 Mann Belegschaft angeschlossen find. Die„VI» triumxiralw der rheinischen Großindustrie" hat man die Straße genannt, die, flankiert von den Gebäuden der genannten Finnen, der Länge nach die Ausstellung durchzieht. Man könnte sie, nach ihrer politischen Wertung, anch die»Vi» triurnphalis des Centralverbandcs deutscher Industrieller, die Siegesstraße der West- deutschen Scharfmacher, das Stelldichein der Stummlinge nenne». lind bei aller Anerkennung der ivirtschaftlichen Energie, der technischen Leistungsfähigkeit, die sich in den geivaltigen Erzeugnissen der rheinisch- Ivcstfälischcn Großindustrie offenbart, sei nicht vergessen, daß sie sich gründet auf einem System der ökonomischen und politische!« Brutalität denen gegenüber, die vor allen andern Anspruch Habel« sollten an den« Ertrag, dem Ruhm und Glanz der deutsche» Industrie. Ich meine die Arbeiter. In den Rede», die bei der Eröffnung der Ausstellung gehalten ivorden sind, hat man beiläufig auch der Arbeiter gedacht und das Ausstellnngsplakat zeigt als Hauptfigur den Hammer- führenden Arbeiter, unter dessen Schutz auch die Kunst und das Kunstgeiverbe steht. Derartige Komplimente sind billig, ebenso billig Ivic die Verbeugung, die der Scharfmacher Größter, der Freiherr v. Stumm, vor seinen Arbeitern machte, als er sich einen ein- fachei« Hammerschmied»aimte. Außer ii« Fest- und Wahl- reden merkt man nichts von den« Wohlivollen und der Achtung des Unternchmertunis den Arbeitern gegenüber; im Arbeitsverhältnis, im wirklichen Leben spricht nur der Profit, das Herrenbewußtscin, demgejzeuüber nur eines zu bestaunen ist l das Verhalten der Arbeiter, die diesem Systenr zun« großen Teil eutiveder mir Gleichgültigkeit oder thatenloses Murren entgegen- zustellen wiflci«. In Einmütigkeit versammeln sich in Düffeldorf zum Zeichen und zilr Stärkung ihrer ivirtschaftlichen Macht die Vertreter der rheinisch- ivestfälische«« Großindustrie. Anf knappem Boden konzentriert sich hier ein Teil der deutschen Produktion, deren Vertreter ökonomisch wie politisch die Gemeinsamkeit ihrer Interessen bethätigen. Im Gebäude des bergbauliche!« Vereins allein vereinige» sich die Ver- treter von hundert BerglverkSunternchinungen— und die 240 000 rheinisch-westfälischen Bergleute, und die Arbeiter im Westen Deutsch« lands überhaupt?—_ Kleines Fenillekon. Einiges iiber die Lebensdauer der Vögel. Unter diesem Titel veröffentlicht H. K r o h n in der„Rerthus" einen Artikel, dem wir das folgende entnehmen: Nach vereinzelt vorliegenden Ermitte- lnngen muß aiigenommen«verde», daß bei den verschiedenen Bogelarten das Alter auch ein recht verschiedenes ist, daß manche«vohl eine verhältnismäßig sehr hohe Lebensdauer haben,-in« allgemeinen aber die diesbezügliche Kenntnis nur eine geringe ist. Der gefangene Vogel ist wegen der vielen Zu- fälle und ungünstigen Beeinflnffungen, denen er ausgesetzt ist, im allgemeinen nicht besonders geeignet, als Maßstab zu dienen. Dennoch müssen die meisten Kenntniffe a,iS dem Gefangcnlebc», das übrigens unter Umständen von dem Freileben sich nicht ungünstig unterscheidet, geschöpft iverden. Ohne Ziveifel ist das Leben der kleinen und zarten Insektenfresser unter allen Vögeln von kürzester Dauer. Es mag bei manchen 0 bis 8 Jahre nicht überschreiten. Mit solchem Maß schätzt auch der Wiener Vogelhändler Mathias Rausch den Gartenlanbsängcr ein, mit den« Hinzufügen, daß diese Art als Käfigvogel au'ch wohl v bis 12 Jahre aushalte, obschon das eine seltene ÄnSnahme sei. Uebcrtroffen«vird der eben genannte Vogel von der Nachtigall, nusrer gefeiertsten Sängerin, nur um ein ge- riiigcs, denn diese erfreut ihren Pfleger in der Gefangenschaft«m Höchstfalle nur fünfzehn Lenze. Die verhältnismäßig viel pfleglnatischeren Körilerfreffer, die auch leichter und naturgemäßer erhalten«verde«« können, hängen schon zäher an, Leben, besonders der Kanarienvogel, welcher nicht selten 18 Jahre'erreicht. Es ist vorgekommen, daß ein Stieglitz 23 und eine Feldlerche 24 Jahre lebten und es demnach, um einen Vergleich anzuführen, an Langlebigkeit«nit de«« meiste» Pferden aufgenoinmc» haben. Mit der nächsten Größenziniahme scheint ein entsprechendes Fortschreiten der Lebensdauer nicht stattzufinden, denn Stare, Drosseln und andre einheimische Arten dieser Größe, die beliebte Käfigtiere sind, thuen sich den eben genannten nicht oder nicht wesentlich zuvor. Einen Fichtcilkreuzschnabel hielt ich 5, zwei Eichelhäher 0 Jahre in der Gefangenschast. Ueber die Länge des früheren Freilebcns dieser. als sie eingebracht«vurden. arlsgcivachsencii Tiere ließ sich natürlich nichts ermitteln und allerdings gingen sie durch Unfälle in Verlust. erreichten also nicht die natürliche Altersgrenze. Ein Seidenschivanz ivrirde von einen« Hamburger Vogelfrcund 11 Jahre lang gepflegt und eine noch lebende Heidelerche von demselben 10 Jahre. Zivci andre Vogelwirte desselben Ortes hielten der eine eine Singdrossel 17 und eine Nachtigall 12 Jahre, der. andre eine Tannen,»eise und drei Blaumeise» je 5 Jahre in der Gefangenschaft,«vo sämtliche Tiere noch leben. Mein Vater besaß eine Schivarzdrossel 0 Jahre, die, als er sie erhielt, bereits 18 Jahre im Käfig zugebracht haben soll und ein böhmischer Händler stellte 1399 in Hamburg eine Blandroffel aus. die zivar nur 4 Jahre in seinem Besitz gewesen, aber angeführt iverden mag in« Hinblick darauf, daß sie bei uns kein allgemein be» kannter Käsigvogel ist.— — Die Sprache der Lokoinotipe. Auch die schnanbeiiden Un» getüme, die Riescnlnftci« ziehen und den Weltverkehr vermitteln, haben, schreibt die„Wiener Abendpost", eine Art Sprache, die allerdings nicht eigne Gedanken vermittelt nnd nicht als Resultat eines Rapportes zwischen den Nerven und dem Sprachorganismus betrachtet werden kaiüi.Diesc Spmche tvIrd erst durch ci'.lbcveAliregiiiig�onMensche»- hand hervorgerufen, aber ihre Laute werde» verstanden nicht nur von den Führern der Lokomotive, sonderir auch von allen, die in dem ivcitverzweigtcn Getriebe der Eisenbahnen beschäftigt sind. Sie hat nur einen interjektionale» Charakter, denn sie besteht in einer einzigen Interjektion ans der Dampfpfeife, die aber ver- schieden artiknlicrt und moduliert Ivird oder durch die Zahl ihrer Wiederholung Warnungen, Grütze, Aukündungen, Hilferufe, Wrffordc- rungcn und Befehle zum Ausdruck bringt. So bedeutet ein mätzig langer Pfiff„Achtung", und er wird abgegeben, so oft sich die Maschine in Bcivcgung setzt, bei Durchfahrt des Schnellzuges durch eine Station, bei der Einfahrt in einen Tunnel, bei Wegcübersctznngcn oder zur Warnung von Personen, die sich auf der Strecke befinden. Das ans mehreren kurzen schnell hintereinander abgegebenen Pfiffen bestehende Signal befiehlt„Bremsen fest", während ein langer Pfiff, dein ziv'ei kurze folgen,„Bremsen loS" verlangt. Mutz der Zug vor der Stationsscheibe angehalten ivcrdcn, so sagt die Signalpfeife..Halt", und zwar drückt sie dies durch mehrere lange und kurze Pfiffe aus, die fast jammernd klingend. Beunruhigend für die Passagiere ist ein Signal, das ans mehreren gedehnte», ablvcchsclnd hohen und niederen Tonen besteht, es ist der Ruf um Hilfe.— Theater. Schall ii ii b 91 a 11 ch.„Der Friedlose". Schauspiel in einem Akt von August Strindberg.— Die Auslese noch unbekannter, kleiner Strindberg-Dramen scheint nicht sonderlich er- giebig. Der düstere Drainolet„Das Band", mit dem vor längerer Zeit der Strindberg-Chklus im„Schall und 9ianch" eröffnet wurde, zeigte den Dichter von keiner neuen Seite. Es war dieselbe leiden- schästlicherhitzte Anklage gegen die Dummheit, Tücke und Nieder- tracht„des WeibeS", in der Sceneiiführiiiig und Charakteristik derselbe Stil thesenhast-geivaltsainer Zuspitzung, den man ans dem„Vater", ans„Fräulein Julie" und den„Gläubigern" kennt, nur datz die Behandlung des Themas hier noch skizzenhafter ausgefallen ist und durch eine langwierige Polemik gegen gelvisse Ehescheidungs- bcslimmnnge» des schwedischen Gesetzbuchs an allgemeinem Interesse einbützt. Immerhin, das Stück hatte ein paar Scenen von so lebendiger dramatischer �Schlagkraft, datz sich um ihret- willen— zumal da Reicher und Rosa Bertens die beiden Haupt- rollen so glänzend darstellten— eine Aufführung trotz aller Schwächen dennoch lohnte. Vom„Friedlosen" wird man das nicht behaupten können. Es ist ein Jugendwerk, wie Dutzende von jungen Dichtern derlei schreiben, noch ohne jede eigne Phtzsiognomie. Man wird an die alten Germanengeschichten Felix Dahns erinnert. Da ist der grimme isländer Ncäe Thorfinn, der Friedlose, der räuberische Wicking, der weder an die alten Heidengötter,»och den neuen Christengott, sondern mir an die Kraft des eigenen, schwcrt- bewaffneten Armes glaubt: da ist sein treuer Waffenbruder, ein Sänger und ein inilddenkend-r Held, der, als die Acht über Thorfinn verhängt wird, im Kampfe für den Freund die Todeswnnde empfängt: da ist endlich die hochgemute Gmilöd, Thorfinns Tochter, die heimlich zum Christcngott betet, aber in der Stunde der Gefahr zu- sanimen mit dem chcistenfeindlichen Vater sterben will; und mich ei» wackerer junger christlicher 9iitlcr, der um die Hohe wirbt, stellt sich zu guter Stunde ein. Der Trotz des Alten gerät, als Schlag auf Schlag das Unglück über ihn hereinbricht, ins Wanken. Sein Sinn schmilzt. Neue fatzt ihn, und als er. im Kampfe gegen die andringenden Fremden vom tödlichen Schiverthieb getroffen, in seine Hütte zurückwankt, da giebt er versöhnt das Paar zusammen. Mit rfiicc Anrufung des neuen Gottes haucht er fein Leben ans Reicher brachte die strotzende Kraftfülle des Alten in seiner ganzen Haltung, in den markigen Bewcgnugen und im ehernen Klang der Stimme prächtig heraus. Die andern verdarben nichts und Fräulein Reicher, deren Spiel durch ihre hohe, schlanke Gestalt sehr glücklicb unter- stützt lvnrd, hatte als Giuilöd einige gute Momente. Aber die leere Theaterhaftigkcit deS Stückes, das völlige Fehlen in- dividneller Töne/ die mehr als willkürliche Zusaminenflickmig der Scenen war zu verdrictzlich, als datz das Spiel eine irgendwie wärmere Anteilnahme hätte erzeugen können. Für den Biographen Strindbergs mag es interessant sei», datz der Dichter, der so viele Phasen durchlaufen, auch einmal solche Stücke geschrieben! Aber wie soll sich das Publikum dafür interessiercii? Dem Strindbergschen Schauspiel folgte„Maiennacht", eine anspruchslose, nnbedciitendc Kleinigkeit von Felix Schneider.— dt. Medizinisches. — Da? häufige Vorkomme u der Schwerhörig- k e i t. Die überaus häufige Erkrankung de? Gehörorgans ivird im allgemeinen nicht in hinreichender Weise beachtet, obgleich gerade die Ohrenkrankheiten mit zu den verbrertetste» Störunge» gehören und für das Leben so manche schwcriviegende Nachteile schaffen. Schon bei Säuglingen und Kindern in den ersten Lebensjahren ist das Ohr, insbesondre das Mittclohr, überaus häusig der Sitz von Erkrankungeii und wird in zahlreiche» Fällen dauernde Schwächen davontragen, die dann die Schiverhöcigkeit bedingen. Bon ohrcnärztlichcr Seite tvird in der Monatsschrift„Krankenpflege" (Berlin, Georg Reimer) ans die vielseitigen Gefahren aufmerksam gemacht, welchen das Ohr ausgesetzt ist. Nicht nur selbständig treten die Ohrleidcn auf, sondern sie bilden vornehmlich die Begleit- erscheiiningen vieler Allgemeinerkrankungen. Sehr häufig ivird beim einfachen Schnupfe» und den katarrhalischen Zustanden der oberen Lnftivegc das Ohr mitcrgriffen und in seiner Funktions- kraft geschwächt. Vor allem aber sind es die Infektion?« krankheiten, bei welchen Komplikationen von feiten deS Ge- hörorganS, und zivar oft genug antzerordentlich ernste, zu den allerhänfigsten Vorkommnissen gehören. Masern. Scharlach und Dyphtherie sind in überaus zahlreichen Fällen mit akuter Mittel- ohreiitzünduug vergesellschaftet, und datz letztere so oft übersehen wird, liegt daran, datz sie meist nur geringe ReaklionSerscheinungcn verursacht. Sehr beachtenslvert sind die schiveren Ohrenleiden'bei Influenza und bei den Lnngcuentzündnngen. namentlich der Kinder in den ersten Lebensjahren, welche allzulcicht unbemerkt bleiben, bis sie nicht nur zu schweren Schädigungen des Gehörorgans, sondern auch zu lebensgefährlichen Zuständen Beranlassmig' werden. Mit Recht verlangt daher Professor Jacobson, datz die'Aerzte fast bei allen Erkrankungen auf die Antersiichnng der Ohren ihr besonderes Augenmei-k richten, um das ungemein verbreitete Leiden der Schwer« Hörigkeit einzuschränken und zu vermindern.— Technisches. — Versuche mit elektrischer Beleuchtung der E i s e ii b a h n- W a g e ii werden von der preutzischen Eisenbahn- Verwaltung ans der Strecke Berlin— Stralsund— Satznitz, und zwar bei den sogenannten Schwcdenziigen, den v-Zügen Nr. 17 und 18. seit einigen Wochen gemacht. Man hat sich dabei nicht zu dem Princip der Emzelwagcn-Belciichtinig— wobei jeder Wagen seine eigne Lichtquelle besitzt—, sondern zu dem der Gcsamtzng- Belenchtung entschieden unter Verwendimg einer Dampf- Dynamomaschine auf der Lokomotive und von Batterien in jedem Wagen. Man hofft nämlich, datz es bei einer solchen Anordnung am leichtesten gelingen werde, die Kosten der Be- schaffung, Untcrhaltttng und Bedienung thnnlichst zu vermindern, vor allem aber de» Anfordernngeii des Betriebsdienstes in Bezug auf Einfachheit und Zuverlässigkeit am besten zu entsprechen. Weitere AnSriistttttgen von Zügen mit elektrischem Licht sind in Arbeit. Durch die Anbringung von Deckenlampen wird eine sehr glcichinätzige Ve- lenchtiing erzielt. Antzerdcm sind in den Abteilen' 1. und 2.' Klaffe noch vier Leselampen, je zwei auf jeder Seite, angeordnet, die von den Reisenden nach eignem Belieben ein- und ausgeschaltet werde» können.— Humoristisches. — Ein M e n s ch e n k e ii ii e r. Junger M n n n(beim Jnlvelier):„Hin— ja— hm— ich, ha— ja'—" Juwelier(zum Kommisj:„Bringen Sie den Kasten mit den Verlobungsringen."—(„Jugend".) — Ländliche F e st b o r b e r e i t n n g. G a st w i r t(zur Hausfrau):„Dcrfst scho n Biitterschnialz nchma statt der Märgarin! 's Wetter, inoaii i, will nmschlag'n und wenn d' Stadtfrnij ans- bleib'», miiatz ma nnsre Nudeln seil» frcss'n l"— („Siniplicissinttis".) Notizen. — Paul H e r V i e» hat für Sarah Bernhardt ei» neues historisches Drama:„Dlisrvigns de Mericouif geschrieben.— — Das Schanspiel-Ensemble des abgebrannten Barmer Stadt- Theaters führte dieser Tage in Köln M a x H a l b e s„Jugend" auf. Ma» hatte ans Liebe zu de» Ultramoiitanen das Ganze ans dein Katholischen ins Protestantische übertragen, ans dem„Kaplan" war ein„Lkandidat", aus der„Nonne" eine „Diakonission" geworden.— t. 40 000" Mark für eine Versuchsstation zu wissenschaftliche» Forschungen über die L e b e n s g c w o h n h c i t e n und d ie Brntpkätzc der Moskitos und deren gesiindhcitSschädlichcii Einflüsse hak der nordainerikanische Staat Nein Jersey bewilligt.— — R a» ch f c» c f gegen F r o st. AnS JnSbrnck wird imtcrni 2. Mai geschrieben: DaS Eifackthal bot in der vorletzten Nacht ein herrliches Schauspiel. Die Temperatur, die schon tagsüber sehr niedrig war, sank am Abend zusehends, so datz man eine Frost- nacht und damit grotze Schäden für die Kiiltiiren. insbesondere für die Weinberge, besnrchten muhte. Um dic-s zu verhüten, wurde beschlossen, für den Fall eines weiteren Sinkens der Temperatur Ranch- oder Reifscner anzuzünden. Als gegen Mitternacht die Thermometersäule gegen Null sank, ivurdeu die Zeichen zum Aiiziinden gegeben: Glockenschläge von den Kirchtürmen und Böllerschüsse von einzelnen Berghöfe», lind in kürzester Zeit loderte» von Klausen bis oberhalb Brixen weit über 2000 Feuer auf, deren ininiensc Raucheiitwicklnng thalsächlich die Frostgefahr bcrhindcrte. Das Thciinonictcr stieg alsdann auf -p* 4 Grad.— — Die von St. John n. Harber Grace im März d. I. ans- gefahrenen zwanzig Dampfer, welche während vier Wochen der R o b b e» j a g d an den Küsten Neiifnudlauds, der Siratze von Belle Jsle und dem St. Lorenzgolfe obgelegen habe», kehrten mit einem Fang von 242 000 Robben nach Hanse. Weit über 10 000 Robbe« wurden von den Einwohnern vorn Lande ans getötet.— — Beim letzten Berliner Schaufrisieren war eine Pen- ii ck c ausgestellt, deren Verfertiger die darin verknüpften Haare gezählt hatte; ein Zettel gab die Zahl 36 867 an.— Veranlivortticher Nedacteur: Carl Seid in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.