Hlnlerhaltungsblatt des Horwärts Nr. 92. Mittwoch, den 14. Mai. 1902 cNuchdrudt verboten.) 12] De« Manksmsnn. Roman von Hall Caine. Autorisierte Uebersetzung. IL Philipp vergaß die Aufgabe nicht, mit der Pete ihn betraut hatte. Es ist eine Pflicht, die auf der Insel Man häufig vorkommt, und der, der sie übernimmt, ist unter einem besonderen Namen bekannt. Man nennt ihn den Dooiney Molla, was wörtlich der„Mannspreiser" heißt. Sein Haupt- sächlichstes Anit ist das eines befugten, unbestechlichen, rein freundschaftlichen und wohlwollenden Heirats- vcnnittlcrs, der von dem Liebhaber zu den Eltern des jungen Mädchens geschickt wird. um ihnen zu versichern, daß sein Freund ein prächtiger Mensch mit hinlänglichen Mitteln oder glänzenden Aussichten ist und vortrefflich geeignet, die Tochter zu heiraten. Er hat aber noch eine zweite Aufgabe, die seltener zur Anwendung kommt, obfchon sie ebenso gebräuchlich ist, nämlich die eines stellvertretenden Liebhabers oder eines von diesem Bevoll- mächtigten, der eine Art moralischer Oberaufsicht über das Mädchen führt und ihm schützend zur Seite steht, während jener auf dem Herings- und Makrelcnfang ist oder fort auf noch weiteren Reisen. Dieser zweiten Aufgabe widmete sich Philipp, nachdem er bei der er-sten nur zweifelhaften Erfolg gehabt hatte, mit gewissenhaftestem Eifer. Die Wirkungen waren ganz eigentümlich. Sie zeigten sich, was ja natürlich war, zunächst an Philipp und Käthe selbst. Philipp wurde ernst und seltsam feierlich: bei dem Aint eines Schützers und Wächters verlor sein Wesen alle Leichtfertigkeit. Käthe ward plötzlich sehr ruhig und sanft, sehr aufmerksam und bescheiden, ihre Stimme hatte einen weichen Klang und sie errötete leicht. Das Mädchen, das verstanden hatte, Pete zu quälen und allen andern gegenüber die kleine Herrin zu spielen, wurde unter Philipps Augen wie eine Taube. Eine Art Schüchtern- heit überfiel sie in seiner Gegenwart. Sie fand es ent- zückend, den Worten der Weisheit zu lauschen, wenn er sprach, und noch entzückender, sich seinem Willen zu beugen, wenn er etwas anordnete oder gebot. Das ausdrucks- volle Köpfchen neigte sich ihm jederzeit zn: seine Stimme klang ihren Ohren inimer wie Frendcnglockcn, und sein Abschicdsgruß,»venu er den Hut lüftete, begleitete sie wie ein Traum bis zum folgenden Tage. Sie selbst ivutzte kaum. welche große Veränderung niit ihr vorgegangen war, und die Leute im Hanse konnten sich's nicht erklären. „Du scheinst nicht recht wohl, Kitty, mein Kind," sagte Graunie. „Ganz wohl, Mutter. Warum nicht?" fragte Käthe. „Hast Du vielleicht Zahnschmerzen „Nein." „Oder sticht Dir der neue Hut in die Augen, der in Miß Clucasens Schaufenster liegt?" „Still, Frau!" rannte Cäsar mit vorgehaltener Hand. „'s ist der Geist, der da wirkt in dem Mädchen. Gieb ihm Naum. gieb ihm Raum, Mutter." „Ach was. paperlapapp!" fuhr Naucy Joe heraus.„Gieb ihm Schwefel und Thcriak und eine Tasse Wermut und Kamilleuthee." Wenn Philipp und Käthe allein beieinander waren, so sprachen sie nur von Pete. Da hieß cS nur:„Pete hat dies gern und Pete kann jenes nicht leiden." und„Pete sagte innner so oder so." Auf diese Weise erhielten sie die Erinnerung aufrecht, daß Pete noch lebte, und sie benützten den armen Pete auf mannigfaltige und seltsame Art. Eines Abends ging es in der Manks- Fee bei einer „Sealtha", einem Wcihnachtsessen, das der Kapitän eines Fischerbootes der Mannschaft gab, die er für die nächste Fang- zeit aulverben ivollte, lustig und lärmend her. Frauen, Freunde und Bekannte mit ihren Schätzchen waren dabei, und allerlei abergläubische Gebräuche, die sich bei dem Fest erhalten haben, kämm zu Ehren. „Kanu mau sich wohl etwas Komischeres vorstellen, Philip})?" kicherte Käthe hinter der Thür hervor. Einen Augenblick später stand sie mit ihm allein in der Vorhalle und sah ssttsam auf seine Stiefel hinunter. „Ich glaube, ich sollte um Verzeihung bitten." „Warum denn?" „Weil ich Sie so beim Vornamen genannt habe." „Pete nennt mich ja Philipp. Warum sollten Sie es da auch nicht thun?" Die Augen schweiften verstohlen bis zu den Knöpfen seiner Weste herauf.„Nein, wirklich. Es kann kein so großes Unrecht sein, Sie so zu nennen, wie Pete Sie genannt hat— nicht wahr? Dann aber.. „Nun?" „Mich nennt er Käthe..." „Glauben Sie. daß er es gern hätte, wenn ich Sie auch so nenne?" „Sicherlich." „Sollen wir es versuchen?" „Ich weiß nicht recht I" „Nur Petes halber, wie?*. „Nur seinetwegen." „Käthe l" „Philipp!" Sie wußten nicht, was sie dabei fühlten. Es war etwas Köstliches. Wonnevolles l So süß, so zart l Sie konnten nur lachen, als ob sie jemand gekitzelt hätte. „Natürlich brauchen wir es nur zu thun, wenn wir unter uns sind," sagte Käthe. „Natürlich, nur, wenn wir ganz allein beisammen sind," bestätigte Philipp. So Ivarfen sie sich Sand in die Augen und wandelten Hand in Hand an einen Abgrund hin. Am letzten Tag des alten Jahres hatte sich Philipp wieder der übernommenen Pflicht gewidniet. „Werden Sie das neue Jahr irgendwo ankündigen?" fragte ihn Käthe von der Thür der Vorhalle aus. „Ich würde sicher der erste sein, der zu Neujahr hier bei Ihnen eintritt, nur tauge ich nicht zum Qualtagh')," er- widerte Philipp. „Warum nicht?" „Ich bin blond und würde Ihnen also kein Glück bringen." „O l» Es trat eine augenblickliche Stille ein; dann aber rief Käthe:„Ich weiß." „Was?" „Sie brauchen ja nur für Pete zu kommen, der ist dunkel genug." Das leuchtete Philipp ein.„Ein guter Gedanke", sagte er erregt.„Qualtagh für Pete zu sein, ist gar nicht so übel. Das erste Neujahr noch dazu, das der arme Kerl fern von der Heimat verlebt." „So ist es." bestätigte Käthe. „Also wirklich?" „Ich»verde«sie mit dem Glockenschlag zwölf erlvartcn." Philipp wollte sich entfernen. „Und Philipp— noch eins I" „Was denn?" Von der Thür tönte eine leise Stimme, so zart, so süß, so fröhlich ins Dunkel hinaus:„Ich werde am Eingang zur Milchkammer stehen." Philipp fing an, unruhig zu werden und beschloß, in Zu- kunft seine Pflichten leichter zu nehmen. Er wollte die MankS-Fee nicht mehr so häufig besuchen. Gleich nach den Weihnachtsferien wollte er sich ganz den Studien widmen und nicht vor einem halben Jahre wieder nach Sulby zurück- kommen. Das mankische Weihnachtsfest ist aber lang. Es beginnt am vierundzwanzigstcn Dezember und hört eigentlich erst mit dem sechsten Januar auf. Auf dem Lande, wo mau noch ai: den alten Ueberliefernngen � festhält, ist der Dreikönigstag sogar am»vichtigsten. Da ') Es herrscht auf der Insel Man der Glaube, daß die Person, der man zuerst nach einem ivichtige» Zeitabschnitte«hier dem Schlüsse des JahreS) begegnet, je nach ihrer Beschaffenheit Glück oder Unglück anzeige oder bringe. Gluck, wen» sie wie Pete brünett, Unglück, »veun sie wie Philipp blond ist. Diese Person»vird mit dem Namen des Qualtagh bezeichnet. schlägt man fccm Fiedler den Kops ab*) und spielt Valentine. was man hier„Goggans"") nennt. Die Mädchen setzen eine Reihe kleiner Holzbecher ans den Herd vor das Feuer und thun in jeden etwas als Sinnbild eines Berufs hinein, worauf sie hinaus auf die Treppe laufen. Jetzt verändern die Burschen die Reihenfolge der Becher und die Mädchen kehren eins nach dein andern mit verbundenen Augen zurück, sich ihre Goggans zu wählen. Der Becher, den sie ergreifen, entscheidet über das Gewerbe ihres künftigen Gatten. Bei diesem Spiele, das am letzten Abend von Philipps Ferien in der Manks-Fee gespielt wurde, während sich Cäsar auswärts auf einer Bckehrungsreise befand, erwartete man von Käthe, daß sie„Wasser" wählen würde, sie wählte jedoch eine Schreibspule. „Eine Feder, eine Feder!" schrieen die Burschen.„Wer sagt, daß das Mädchen einen Seemann heiraten wird? Noch ist das Schiff nicht gebaut, mit dem ihr Mann unter- geht." „Gute Nacht allesamt." sagte Philipp. „Gute Nacht, Mr.Christian, gute Nacht," riefen die Burschen. Käthe schlüpfte ihm nach an die Hausthür.„Sie brechen schon so zeitig auf. Philipp?" „Ich muß morgen früh in Douglas zurück sein," er- widerte er. „Wir werden Sie wohl nicht so bald wieder sehen?" „Nein, ich muß mich ernstlich an die Arbeit machen." „In vierzehn Tagen, in einem Monat vielleicht..." „Vielleicht auch erst in sechs Monaten. Ich beabsichtige, ein halbes Jahr nichts andres zu thun." „Eine lange Zeit— nicht wahr, Philipp?" „Keine so lange, als die ich vergeudet habe." „Vergeudet? Sie nennen's vergeudet? Nun— nicht etwa meinetwegen— aber, was wird Ihre Tante sagen..." „Man kann doch nicht immer den Frauen an der Schürze hängen," sagte Philipp. Käthe fing an zu lachen. „Worüber lachen Sie denn?" „Weil ich Ifo froh bin, ein Mädchen zu sein." sagte Käthe. „Nun, darüber bin ich ebenfalls froh." sagte Philipp. „Wirklich?" Er fuhr zusammen wie bei einem Blitzstrahl und stammelte:„Ich meinte— das heißt— Sie wissen doch, wegen Pete." „O, und nur deshalb? Gute Nacht, wenn Sie doch gehen müssen. Soll ich die Laterne herausbringen, nicht? Sternen- hell ist's? Sie können den Weg bis zum Thore ganz deutlich sehen? Gut, gut, wenn Sie niemand brauchen, der Ihnen leuchtet. Gute Nacht!" Die letzten Worte, in beleidigtem Tone gesprochen, gingen halb verloren hinter der sich schließenden Thür. Allein das Herz eines Mädchens ist wie ein dunkler Wald und Käthe halte beschlossen, daß— Arbeit hin. Arbeit her— Philipp ihr nicht sechs Monate lang fern bleiben sollte. III. Eines Morgens im verspäteten Frühling kam eine über- raschende und höchst beunruhigende Kunde nach Douglas— e� hieß, Roß Christian käme alle Tage in die Manks-Fee. Am selben Abend erschien Philipp wieder in Sulbh. Er war in hellem Zorn herübergekommen und hatte sich unterwegs tugendhafte Moralreden über beschworene Treue und gebrochene Gelübde ausgedacht. Roß war da in Lack- schuhen, hellen Glaceehandschnhen, in Frack und weiß und schwarz gesprenkelten Beinkleidern und stand, mit dem Ellen- bogen auf den Schenktisch gestützt, um mit Käthe schwatzen zu können, die die Gäste bediente. Philipp hatte sie das bisher noch nie thun sehen, und seine Entrüstung stieg aufs ärißerste. Er war mehr als je davon überzeugt, daß Grannie dumm und einfältig wäre, und Cäsar ein frecher Heuchler. Käthe nickte ihm fröhlich zu, als er eintrat, und setzte dann ihre Unterhaltung mit Roß fort. Es lag etwas in ihren Augen, das ihm ganz neu war und ihn bestimmte, sein Vorhaben aufzugeben. Er wollte nicht entrüstet, sondern zynisch sein, er wollte unangenehm werden, die Gelegenheit abwarten und dann einige beißende Bemerkungen machen. Daher schritt er nach Grannies Bewillkommnung auf Cäsars Einladung durch die Schenkstube in die Küche, grüßte flüchtig und setzte sich nieder, um zu beobachten und zu lauschen. ') Eüi Spiel. Worunter man klelne hölzerne Gefäße versteht. Die Unterhaltung jenseits des Glasverschlags war eifrig und angeregt. Roß war zungenfertig und Käthe lebhaft. „Mein Freund Monty?" „Ja. Wer ist dieser Monty?" „Die Seele des Turf." „Des Turf?" „Eine Zierde der Ringbahn— verstehen Sie nun? Ach, gehen Sie— Sie werden die Ringbahn der Boxer doch kennen, meine Liebe. Sie kommen jeden Abend zu ihm aufs Zimmer. Alle Gattungen, wissen Sie. Die muskelsestcsten und gewandtesten. Schwergewichte, Leichtgewichte und Wind- Hunde. Und was für Gesichter I Beim Himmel, Sie sollten sie sehen. Die abgelebten Greisenköpfe— mit eingedrücktem Verstandskasten, schief geschlagenen Mäulern und gebrochenen Nasenbeinen. Doch alles tüchtige Leute, die, wissen Sie, ihren Mann stellen. Monty duldet nichts andres bei sich. Er wettete auf Tom Spring. Haben Sie nie von Tom Spring gehört? Tom von Bedford, den unfehlbaren, wissen Sie; nur war er an diesem Tage nicht glücklich. Monty verlor Tausend und Tom hält jetzt in Holborn eine Schenk- Wirtschaft mit Bildern des Boxerklubs rings herum an den Wänden." Dann sagte Küthe mit lautem Lachen etwas, das Philipp nicht verstehen konnte, weil Cäsar mit der Zeitung knitterte. die er las. „Ob Frauen dahin kommen?" sagte Roß.„Mädchen zu Montys Abendessen? Und ob I Was denken Sie denn? Kleopatra— aber Sie sollten dabei gewesen sein. Ich selbst muß bald wieder fort. Nächste Woche soll ein Abendessen bei Handsonw Honey sein. Wer Honey ist? Der Eigentümer einer Nachtschenke. Nachtschenke? Kommen Sie, nieine Liebe, und sehen Sie selbst, was das ist." Cäsar ließ die Zeitung sinken und blickte zu Philipp hinüber. Der langandauernde, starre Blick machte diesen ver- legen, und da er nichts Besseres zu sagen wußte, fragte er Cäsar, ob er über etwas nachdächte. „Ja, ich muß denken und immer wieder denke», Herr," sagte dieser und fügte dann leise hinzu, seinen Stuhl Philipp näher rückend:„Ich fange an, allmählich hinter geivisse Sachen zu kommen. Sehen Sie dorthin. Man nennt seinen Vater einen Geizhals. Der Mann bedrückt seine Pächter und läßt sein Land Not leiden. Ich glaube jedoch, daß das junge Un- kraut das alte Korn überwuchert." Cäsar deutete, während er sprach, mit dem Daumen über seine Achsel nach Roß hin, der, es bemerkend, sein Gespräch mit Käthe abbrach und sich ihrem Vater zuwandle. „Sic haben die Zeitung gelesen, Mr. Cregecn?" „Gelesen und wieder gelesen," sagte dieser mürrisch. Dann mit verändertem Tone:„Sie sind schon wieder aus London zurück, Herr? Es geht lebhaft dort zu,>vie ich, höre. Kämpfe giebt es— große Kämpfe." Roß zog die Augenbrauen empor.„Sie haben davon gehört?" fragte er. „Mehr als zliviel"— sagte Cäsar—„von Zusammenkünften und von Beratungen, von Konventikeln und von was weiß ich sonst noch..." „Ach so, ich verstehe ," sagte Roß mit einem Blick auf Käthe. „Sie glauben, jetzt ohne Holle in England fertig zu werden.— Eine seltsame Sache, Herr. Bedingte Unsittlich- kcit— wie sie's nennen— das eigentümlichste Ding, das ich kenne. Die Hölle leugnen, heißt der Religion des Menschen das nehmen, was der Steg an der Geige ist— wie?" Die Schlußzeit war da und Philipp hatte vergeblich gc- wartet. Nur zu einem einzigen Hiebe war's zivischen ihnen gekommen. doch er hatte ihn nicht ansgeteilt. Als er sich erhob, um zu gehen, hatte Käthe nämlich gesagt:„Wir haben nicht erwartet, Sie vor sechs Monaten wieder zu sehen, Mr. Christian." „So scheint es"— erwiderte Philipp, und Käthe lachte ein wenig. Das war das ganze Werk dieses Abends, das ganze Ergebnis seines Unternehmens. tFortsetzuug folgt.) -Naclidru.t verboten.» und Erdbeben. Bon Lt ii r t G r o t t e>v i tz. Bor einigen Jahren besuchte ein deutscher N.itnrforscher, Franz Doflein, die kleinen Antillen und beschrieb in entzückenden, mit dem Auge des Naturkenners gesehenen Bildern einige der Inseln, darunter auch Martiniqu«. Er hielt sich dabei, wie er in seinem Buche„Von den Antillen zum fernen Westen*(Jena, G. Fischer, 1900) berichtet, auch längere Zeit in St. Pierre auf und bestieg den nordöstlich von der Stadt gelegenen Mont Pclee. Mit der Freude des Naturfreundes, der zum erstenmal den tropische» Urwald lennen lernt, verweilt er bei der Beschreibung der berrlichen stolzen Vegetation, die sich ihm beim Aufstieg auf den 1350 Meter hohen Berg in immer neuen Scenerien darbot. Er gelangt schließlich an den Kratersee, der in unmittelbarer Nähe deS Gipfels liegt, nachdem er schon vorher an Schwefelgeruch und an unergründbar tiefen Erdspalten Spuren der vulkanischen Natur des Berges verspürt hatte. Aber selbst i» der oberen Region dieses Berges, in der kühlen Feuchtigkeit des Gipfels fand er doch ein üppiges Niederholz und einen reiche» KräutcrwuchS. Und wenn der Wind de» Nebel, der das Berghaupt mnivallte, für eine Zeitlang zerriß, dann konnte man die schöne Insel im Glänze der Sonne erblicken: eine reichgestaltete Landschaft voller Hügel und Thnler, Wälder und Plantagen, und weit darum spannt sich das dunkelblaue Meer. Wie mag das heute aussehen? Der Berg von Lava überflutet, die Vegetation verbrannt, verschüttet, die blühende Stadt zu den Füßen des Vulkans erst durch die Erschütterung des Bodens zerstört, durch den glühenden Aschenregen, durch den siedendheißen Wasser- damps verbrannt, vo» den Ausivürfliilgen bombardiert, von dem feurigen Lavastrom Überflossen. Und 40 000 Menschen haben dabei ihr Leben verloren, Ivie berichtet wird. So stellt sich die Eruption des Mo»t Pelee als eine der fürchterlichsten dar. die unsre alte Erde gesehen hat. Nimmt man die entsetzlichen Katastrophen hinzu, die durch Vnlkanausbrüche oder doch durch vulkanische Kräfte, durch Erd- beben verursacht worden find, so läßt sich dem gransige» Ereignis ans Martinique— was den Verlust an Menschenleben betrifft— nur die Eruption des Krakatau in der Snndastraße 1883, das Erd- bebe» von Lissabon im Jahre 1755 und dasjenige von Japan im Jahre 1891 zur Seite stelle». Es wird häufig kein Unterschied gemacht ztvischen Vulkanausbruch und Erdbeben. Aber beide sind doch sehr verschiedene Dinge. Bei jeder Eruption eines feuerspeienden Berges kommen allerdings Er- schütterungcn des Erdbodens vor, aber sie sind dabei das Sekundäre. Dagegen sind die Erdbeben in der Regel nicht mit Ausflüssen von Lavnmasse», von Aschen- und Feuerrege» verbunden. Bei dem Ab- kübluugsprozeß unserer Erde wird der Gesteinspanzer, der das glut- flüssige Innere umgiebt, allmählich zu weit, er legt sich wie ein zu weites Kleid in Falten. Nun ist aber das Gestein nicht so nachgiebig wie Tuch, es stellen sich Brüche ein, der Panzer, der zudem ans einzeln übereinander gelegten Schichten besteht, zerfällt in einzelne Erdschollen. Diese einzelnen Erdschollen verändern von Zeit zu Zeil ihre Lage gegen einander, da sie durch das Erstarren und Kleinerwerde» ihrer Unterlage» ans dem Gleich- gewichte konnnen und nachsinken müssen. Nun vollzieht sich aller- dings das Erstarren und Nachsiukcn in den meiste» Fällen Ivohl allmählich. Häufig aber führt doch bei dieser Veränderung der Glcichgcivichtslage eine Erdscholle eine größere Betvcgnng aus. Sie stößt dabei an benachbarte oder zieht diese wohl gar mit sich fort. Jedenfalls pflanzt sich die Bewegung bis zur Erdoberfläche fort und wird hier eben als Erdbebe» gespürt. Der Boden beivegt sich, es entstehe» Risse und Spalten iin Erdreich, Bäume fallen um, Häuser stürzen ein. DaS ist Erdbeben. Ganz anders ein Vnlkanausbrnch. Durch den Panzer, der sich um das glutflüssige Innere der Erde legt, wird ein Druck ans dieses Innere ausgeübt. Die Erdscholle», ans ihrer Gleichgewichtslage gebracht, werden in den glutflüssigen Kern hineingepreßt. Die Glut- Masse muß auSiveichcn, und sie sucht sich an de» vorhandenen Bruch- stellen de» Erdpanzers, also wohl zwischen den Erdschollen eine» Ausweg. Die Gase und Dämpfe, von dem Druck des Erdpanzers befreit, strömen explosionsartig hervor, reißen Stücken des Erd- schlotes, durch den sie dringen, los, nehmen auch Stücke der Glut- masse selbst mit sich in die Höhe und fliegen unter Donnergetöse, nuter geivaltigcr Rauchentwicklung in die Luft. Erst später ergießt sich dann die ganze Glulmassc, die Lava aus dem Krater ringsum über das benachbarte Gebiet. Das ist ein Vulkanausbruch. Mit einein solchen haben wir es hier bei der traurigen Katastrophe in Martinique zu thun. Ein großer Teil der Antillen besteht aus vulkanischem Terrain. Die Vulkane bilden hier eine znsanunen« hängende Reihe, wie wir das noch in großartigcrem Maßstabe an der laugen Alcutcukette in Ostasien,»och gewalliger an der Westküste Südamerikas benierken. Man will in dieser Anordnung eine Bestätigung dafür finden, daß die Glntmassen des Erdinneren große Bruchstellen des Erdpanzers benutze», um sich einen Ausweg zu bahnen. An den Rändern der Kontinente oder Inseln, wo die'Erd- kruste sich plötzlich von einem starken Höhcnnivea» in die Tiefe des Meeresgrundes hinabbicgt, müssen, so nimmt man au. sich infolge der starken Biegung scharfe, langgestreckte Brüche der Erdkruste ein- stellen. Und eben diese meilcnlaugen Bruchstellen benutzt das Magma, um dem Drucke der auf ihm lastenden Erddeckc zu entfliehen und hervorziifließen. Die Antillen bilden den östlichen Rand des Karaibischen Meeres, das im Westen von dem nut Vulkanen dicht besetzten Centralanierika begrenzt wird. Die Vulkan- reihen zu beiden Seiten erscheinen als die höchsten Spitzen eines alten Festlandes, das in der Mitte in die Tiefe versank und vom Karaibischen Meer ausgefüllt wurde. An den Wänden dieser ver- sunkcncn Erdscholle quellen nun unaufhörlich, wenn auch in Jnter- vallen, Glutmassen empor. daS ist der Ursprung der Bullanberge und der häufigen Eruptionen i» jener Gegend. Es giebt nun freilich auch Vulkane genug, die abseits vom Meere gelegen sind. Es ist ferner recht auffällig, daß selbst nahe benachbarte Vulkane nur selten gleichzeitig in Thätigkeit sind und daß, wen» einmal die feurig-flüssige Masse des Erdkerns einen Ausiveg vor dem auf ihr lastenden Drucke gefunden hat, sie nicht bis zu völliger Erschöpfung sich an die Oberfläche ergießt, so daß die ganze Erde zerbersten würde. Deshalb findet die Ansicht Stübels viele An- Hänger, daß es nur lokale Feuerherde iin Erdpanzer selbst seien, mit denen die Vulkane in Verbindung ständen. Alsdann würde nicht der Druck die feurige Masse herausquetschen, es würden vielmehr in dieser chemische und physikalische Veränderungen vor sich gehen, die nach Ablauf einer bestimmte» Zeit«in Stadium erreichen, in welchem die Masse sich ausdehnt und darum emporgetrieben wird. Wie dem auch sei, jedenfalls stehen die Vulkane mit Feuerherden in der Tiefe in Verbiiidnng, und sie schleudern von Zeit zn teit einen mehr oder weinger großen Teil von Lava aus der icfe empor. Das Charakteristische jeder Eruption ist ja das Hervorquellen von fenrigflüssiger Masse. Aber doch ist dies bei de» feuerspeienden Berge» nicht das eigentlich Gefährliche für den Mensche». Das verhängnisvollste, unheimlichste sind die Feuer- ergüsse, die vor dem Hervorquelle» der Lava erfolgen. Bei dem Vnlkanansbnlch kann Wafferdampf, Chlorwasserstoff in großer Menge wahrgeuonuuen Iverden. Ohne Zivcifel dringt das Meerwasser, das ja reich an Chlornatrinm(Kochsalz) ist, durch Schollen und Klüfte des Gesteins in die Tiefe und vermischt sich mit der Schmelzmasse. Infolge des hohen Druckes bleibt es trotz der immensen Wärme flüssig. Bahnt sich oben die Masse einen Ausiveg, so geht das Wasser in Dampf über, es explodiert plötzlich und reißt nun Stücke des ErdschloteS und des Kraters, sowie Teile deS Magmas mit sich in die Höhe. Bei diesem gewaltsamen Empordringe» ungeheurer Stoffmasse» erzittert der Boden, ein dumpfes Dröhnen, wie schwerer Geschützdonner erfüllt die Luft. Nun schießt unter entsetzlichem Knall eine Säule von Wasserdampf und Rauch ans dem Krater hervor, sie steigt hoch in die Luft, um sich dann in der Höhe schirniförmig auszubreiten. Nach dieser Gestalt des Danipfes spricht man von einer Piniensäule. Sie sieht weiß aus von dem Wasserdampf, doch enthält sie auch schwarze Streifen, die vo» der Asche der verkohlten Gestcinstrümmer herrühren. Bisweilen leuchtet sie in hellen Flammen auf, wenn das glühende Material, die Auswürflinge, in lodernden Brand geraten. Die heißen Steine, die Lavaflocken, die glühende Asche fallen nun in der Umgebung des Berges nieder und versengen und verbrennen die Vegetation und jedes lebende Wesen, das sich in ihrem Bereich befindet. In den Berichte» von Martinique fehlt es noch an einer fach« geinäßen Schilderung der Katastrophe. Aber es ist davon die Rede, daß Menschen und Schiffe verbrannt sind. Mancher wird sich fragen, wie ist es möglich, daß Schiffe, selbst solche, die fern vom Lande sich mitten im Wasser befinden, in Brand geraten können. Nun dieser Regen von glühenden Ansivürflingen aller Art ergießt sich eben in so dichten Strömen über den Umkreis des Berges— und dabei sind natürlich die umgebenden Meeresteile nicht ausgeschlossen— daß alles in Brand gerät. Ein Entfliehen ist da unmöglich. Wen der Feuerregen trifft, der ist verloren. Dagegen ist es unwahrscheinlich, daß so viel Menschen durch den eigeiitliche» Lavastrom getötet worden seien. Denn nachdem sich die Dämpfe und Gase in heftigen Explosionen Luft gemacht haben, er- folgt erst der wirkliche Erguß des Magmas. In breitem Strom fließt die Lava die Berghänge hinab. Aber ihre Geschwindigkeit ist doch nicht allzu groß. Im allgemeinen fließt der Lavastrom in einer Geschwindigkeit den Berg herab, die ein guter Fußgänger besitzt. Allein mag sie sich im Anfang selbst mit der Schnelligkeit eines Pferdes fortbewegen, so vermindert sich ihr Lauf doch sehr bald, und selbst nachdem sie in dem vorliegenden Fall die Stadt St. Pierre erreicht hatte, hätte» sich ohne Zweifel die Eintvohner retten können. Der Erguß der Lavamasscn selbst bietet getvöhnlich keine augenblickliche Gefahr für den Menschen. War freilich der Erguß ein sehr starker, so mochte sich dann über die Stadt, die der Fencrregen verbrannt hat, der Strom ergossen und alles überdeckt haben, soivie einst die Lavamaffen des Vesuv die alten Römerstädte Pompeji und Herkulannm unter sich begruben. Und liegt der Lavastrom auch nur einige Meter hoch über den Schätze», die er bedeckt, so ist es nicht leicht, diese zu retten. Obwohl die Lava an der Oberfläche schnell erkaltet nnd daher— wie wir an dem Beispiele des wieder ausgegrabenen Pompeji sehen— die Gegenstände unversehrt erhält, so behält sie im Inneren ihre Glut doch Jahre. Jahrzehnte lang. Und nachdem sie erkaltet, bildet sie eine so feste, zähe Masse, einen so harten Boden, daß die Bearbeitung desselben und der Erdtransport mit gc- wältigen Schwierigkeiten und Koste» verbunden ist. Wir ivisse» noch nicht, ob die Lavamaffen des Mont Pelee sich über die Stadt oder über die Zuckerrohrplantagcn ergossen haben, aber sicher ist, daß sie überall, wohin sie geflossen sind, für lange Jahre daS Land öde und unfruchtbar gemacht haben.— Mleines Ileuilleion. � Woher stammt der Kampher? Wohl jede Hausfrau kennt die Verwendung des Kamphers als Mittxl gegen die Motten, Jktzt im Frühjahr pflegt sie Pelzsachcn nild das Wiitterzem, der Familie mit ttampher oder auch mit dem dillchercu sog. deutschen »amphcr, dein Naphtalin,«inzustrenrn. bannt im Laufe des Sommers die Motte» sich dieselben nicht als willkommene Brutstätte für ihre Larven erlvnhlen. Viel Äampher wird ferner für die Darstellung des Celluloids gebraucht, das ja in immer inaunigfachcrer Form in der Industrie venvandt Ivird. Kleinere Menge» werden in der Medizin u»d in der Fcneriverkerei, sowie in der Parfüiiifabrikativii verwendet. Kampher ist ein Pflanzenprodukt. Es lvird in allen Teilen. Vorzngsiveise aber im Holze und in den Wurzeln des Kampherbanmes, einem Verwandten des Lorbeers, erzeugt. Die ivichtigften Kaurp Herfelder befinden sich auf der Insel Formosa. Hier hat die Produktion aber erst in den letzte» Jahren grvfieren Umfang angenommen, da die Nachfrage»ach dem wichtigen Artikel immer stärker wurde tvegen der ivachsenden Verwendung in der Industrie. Auch die Angliedermig Formosas an Japan hat die Gewinnung des Kanrphers befördert. Neben Formosa erzeugen auch Chiim und Japan Kmnpher und auch Florida beginnt mit der Kamp Herproduktion. aber in Wirklichkeit wird fast der ganze Kmuphcr, welcher auf der Erde gebraucht wird, in Formosa gewonnen. Seit alten Zeiten haben sich die Eingeborenen der Insel mit der Destillation des Kamphers beschäftigt, aber im 18. Jahrhundert bemächtigte sich die chincfijche Regierimg des Monopols der Ämnphcrgcwinnung und setzte änderst strenge Strafen auf die Ncbertmuug desselben. Im Jahre 1720' wurden auf Fonnosa mehr als zwei- hundert Menschen hingerichtet, welche sich gegen diese bar- barischen Gesetze vergangen hatten: diese Barbarei erregte eine» Aufstand der Eingeborenen und die Negierung wurde dadurch gezwungen, die Kamphergewininmg freizugeben. Sie behielt sich nur das Recht vor, allen auf der Insel gewonnene» Kampher zu einem festen Preise zu erwerben. So blieben die Verhältnisse be- stehen, bis internationale Verträge die Häfen Fonnosas den Europäern zugänglich niachte». Die europäischen«aufleute tveigerten sich, daS Monopol aiizuerkeniicu und kaufte» direkt von den Produzenten. DieS Vorgehen reizte die Mandariue» und es kam zu erustlicheu Streitigkerte» zwischen Chinese» und Europäern. 1868 ivurd« das Monopol dann endgültig abgeschafft. Seitdem entwickelte sich die Kampherproduktion zur blüheudsteu Industrie Formosas, und mit ihrem Wachsen trat die Bedeutung des Kampherhandels Chinas und Japans immer mehr zurück. Die Freigabe der Kamphergelviinumg hatte zunächst sehr traurige Folgen. Mlin beutete die Wälder in einer so wenig iimfichtigrn Weis« aus, dafi sie in iveuigen Jahren verwüstet waren. Man wurde durch diese übermäßige Ausbeutung der Wälder gezwunzze», zu ein- schränkenden Maßregeln zu greifen, ähnlich ivie es ehemals die chinesische Verwaltung gcthan hatte. Die Insel wurde zum Zwecke der Regeln»« der KauipheranSbente in sechs Distrikte eingeteilt. Jede» Distrikt venvaltcte eine Centralbehörde, die den Umsang der jährlichen Ausbeut« bestimmte und für ihr« Bezirke den Verkaufs- preis des gewoinienen KampherS festsetzte. Die Zahl der Leute, welche sich mit der Ausbeutung der Kampheuvälder l>eschäftigten. wurde von 4000 auf 1400 vermindert. Die Acrwaltuugsliehördcii kauften den rohe» Kampher auf und sandten ihn au cuic Haupt- niedrrlaffuug in Taipeck. Hier wurde er gepreßt, zu einer Art Kuchen geformt und für die Ausfuhr zubereitet. Durch diese Zu- bereitung gewann der Rohkampher für den Handel sehr an Wert. Die Art' der ersten Bearbeitung ist recht primitiv, doch bat sich scheiilbar»och niemand enistlich mit einer Verbesiemng der Methode befaßt. Man baut aus Thon oder Stein einen Schmelzofen. der sich ungefähr vier Fuß über de» Boden erhebt. Der Ofen wird mit Holz angefüllt. Oben auf denselben wird ein großer Ei>e»kessel gesetzt, in den beständig ei» feiner Wasserstrahl ans einem höher stehenden Gefäß einströmt. Auf dem.Kessel steht ein cqliudri- sches Gefäß, welche» zerkleinertes Kampherbolz enthält. Aus diesem Gefäß führt oben ein Vambusrohr hinaus, welches durch ein andr-rs Bambusrohr mit einer dicht verschlossenen Borlage in Vcrbindmig steht. Alle Teile dieses Apparates sind sorgfällig ,nft Thon ge- dichtet. Sobald das Feuer im Ose» entzündet lvird, verdampft das Wasser im Kessel und der Dampf eiuiveicht durch das Bambusrohr und reißt den Kampher, ivelcher in den« Kampher- holz enthalten ist und der sich unter der EuUvirkung der Hitze ver- flüchtigt, mit sich in die Vorlage. Hier scheidet sich der Kampher als fester und das Kampheröl als flüssiger Bestmidieil ab. Das Kampheröl enthält»och 20—30 Proz. Kampher. In früheren Zeiten kam dieses Rohöl in den Haudel, während man es jetzt»ach Japan schickt,>vo mau den letzten Bestandteil an Kampher auch noch auszieht. Die Gewimiimg des Kamphers aus dem Kampherholz lvird vorzngsiveise im Innern der Insel betrieben. Aber oft ziehen die halbeivilisierten Eingeborenen es vor, statt Kämpher zu sammeln, die Karawanen auf ihrem Zngc nach der Küste zu plündern. Die häufige Wiederkehr dieser Rauvaufälle hat den Preis des Kämphers seit Einführung der neueu Verwaltung fast verdoppelt. Außerdem hat die japanische Verlvaltnng der Insel durch ein Ausfuhr- verbot die Kampherbereilung eingeschränkt, ivcil sie annahni, durch eine solche Maßregel de» Preis in die Höhe zu treiben und die Zollerträge zu vermehren. Um den Kämpherhandel vor lveiteren Preiserhöhungen infolge de» Ausfuhrverbots der japanische» Verwaltung zu>chützen. hat man versucht, auch in Indien und Verantwortlicher Redacteur� Carl Leid ül Berlin. Ceylon und andre» geeigneten Stellen die Ivertvoile Pflanze anzn- siedeln, und diese Versuche scheinen eiileii Erfolg zu versprechen. Der jährliche Bedarf an Kampher auf der ganzen Erde ist auf 10 400 000 Pftmd geschätzt worden. Die Insel Formosa liefert in Wirklichkeit 5 200 000 Pfund; ein Drittel der fehlenden Menge könnte von Japan ausgeführt werden. Es würden also noch 3 640 000 Pftmd erforderlich sein, damit die Summe der Ausfuhr von 1353 erreicht wird.—(.Nerlhus.'j Astronomisches. — Die Anordnung des F i x st e r n s h st e m s. Die .Kölnische Zeitung' schreibt: Der vcrnhinte nordamerikanische Hinmielsforschcr Simon New comb hat unlängst die Ergebnisse seiner Studien über die Anordnung des Sternenhimmels' veröffentlicht. Die Haiivtergebiiiss« drückt er in folgenden Sätzen anS: L Wenn man mit einem Halbmefscr, der 200000 mal so groß ist als die Eiitfcrnmig der Erde von der Sonne, eine Kugel beschrieben denN, so findet sich dnrchschmttlicb in dem Raimic, den acht dieser Kugeln ein- nehme», ei» einziger Fixstern. 2. Die Ansainmlung der Sterne, die wir das Universum zu nennen pflegen, ist in ihrer Ausdehnung begrenzt. Damit wird indessen nicht ansgeschlosseu, daß weit jenseits der Grenze» unsrcs Universums andre Ansammlungen von Siemen be- stehen, über die wir aber weiter nichts wisse». 3. Die äußere Be- grenzung imsres Universums ist etwas unregelmäßig. In dem Muße, als man sich derselben nähert, werden die Sterne wahrschein- lich spärlicher. Den Raum bis zu der Grenze dcS Universums zu durchlaufen. bedarf der Lichtstrahl ctiva 3000 Jahre. 4. Das Uni- versuni erstreckt sich iu der Richtung des Gürtels der Milchstraße weiter hinaus, als iu der Richtung der Pole derselben, d. b. in der Richtung senkrecht zur Ebene der Milchstraße. 5. Die Gesamtzahl der Sterne uusreS Uuiversnms ist auf Hunderte vou Millionen zu verauschlagen.— Humoristisches. — Weiter Blick..Wollen Sie die Mein« werden, liebes Fräulein .Ja. Herr PredigtamtS-Sandidat. können Sie denn auch eine Frau mit fünf bis sechs Kindern ernähre»?'— — Praktisch. A:.So'ne Thonpfeife ist doch das bcgucntste was es geben kann." B:„Wieso denn?' A:«Ra. wenn sie'mal auf's Pflaster'mnterfällt, braucht man sich doch gar nicht mehr erst darum zu bücken."— — Das Doppcllinu. Frau:„Warum bist Du denn immer so ärgerlich inid»»freundlich? Früher warst Du stets lieb- reich, nahmst mich„uf die Knie und faßtest mich am Kiiml' M a ix ii;„Ja danials hallest Du mir ein Kinn!"— (.Jugend.") Notizen. — In der litlcrarischcn Gesellschaft„Früh rot" wird am 21. Mai Dr. Fritz Bockel ans Jena über„Detlev von Liliencroii als Lyriker" sprechen.— — Belli Iii« Oper„Norma" soll durch das Ensemble der Verdi-Fe st spiele gegeben werden.— — Eine Rietz sckie-Bü st e, ein neiicS Werl Max Kliuger», wird gegenwärtig in Paris im Auftrage des Künstlers gegossen.— — Ein Vergleich zwischen K I i n g e r und G e y g e r soll, dem„Leipziger Generalanzeiger" zufolge, so gut wie g e- sichert sein. Es wftd voraussichtlich nicht einmal zu öffentlichen Erklärmigcn kommen.— t. Zur Erforschung des Planeten EroS geht dieser Tage Professor Bailey von der Harvard-Sternwarte nach Aregnipa in Peru, wo sich eine Zweig-Stcrnwarte des gruamit«» Instituts befindet.— — In den A n f n a h m e n der Westlüste von Grön- land wird jetzt die letzte Lücke ansgcfiillt werden dadurch, daß die Melville-Bai, die bisher nur von Astrup, dem ehemaligen Begleiter Pearys. teilweise besucht worden ist, von dänischer Seite verniesse» > verde» wird. Die Anftiahnie erstreckt sich von 77 Grad nördlicher Breite an der Ostknfte bis zu derselben Breite an der Westküste, wo sich dann die Anfnahinc» englischer und amerikaiiischcr Forscher bis 83 Grad nördlicher Breite anschließe». Die Expedition wird im Juni Kopenhagen verlassen.— — Die Deutsche Elektrochemische Gesellschaft hat bei ihrer diesjährigen Haiiptverfanimliing in Würzburg(8. bis 10. Mai) beschlossen, ihre Ziele zu erweitern und diesem Beschluß durch Aenderiuig ihres Raurcns in„Deutsche B u n s e n- G e- i e l l s ch a f t für angewandte physikalische Chemie" Ausdruck zu geben. Der bisherige Präsident der Gesellschaft, Professor I. H. van't Hoff hat dem Vorstand der Gesellschaft einen Betrag von 2000 M. zur Verfügung gestellt, um einen Sachverständigen zum Studium des elektrochemischen Unterrichts und der elcklrochemischeu Technik nach den Vereinigten Staaten zu entsenden.— — Druckfehler. In iinsrrm gestrigen Theaterbericht (Meisterspiele: Goethes„Faust") hat sich ein juiiisiörender Druck» sehler eingeschlichen. Statt«komischdranratischer Teufel" iiinß es „komödiantischer Teufel" heißen.— Druck und Berlaz von Max Babing m Vertu».