Nnterhaltungsblatt des Dorwärts ?ir. 94. Freitag, den 16. Mai. 1902 iNaitidruck ntvtoten.) 14] Der WlÄNksnrsntt. Roman von Hall Caine. Autorisierte Uebersetzung. Cäsar kehrte das Rauhe heraus.„Geh' auf Dein Zimmer, Mädchen," befahl er,„und komme mir eine Woche lang nicht wieder heraus." „Gehen Sie nur," sagte Roß.„Um Ihretwillen, Käthe, will ich den alten einfältigen Tropf schonen." „Mich wollen Sie schonen, Herr?" schrie Cäsar.„Ach erinnere mich noch des Tages— doch ich danke Gott für seine Gnade, die nnch von Gewaltthat zurückhält! Mich schonen! Wenn Sie das vor fünfundzwanzig Jahren gesagt hätten, so würde Ihr Kopf gegen die Wand geflogen sein, daß Ihnen Hören und Sehen vergangen wäre." „Jetzt ist's aus mit der Schonung!" rief Roß.„Nehmen Sie das da und das." Die Frauen kreischten laut auf, und zwei klatschende Schläge Wasen Cäsars Gesicht. Im nächsten Äugcnblick stand Philipp zwischen den beiden Männern. „Hier hinaus!" rief er Roß zu. „Wenn mir's beliebt—" erwiderte Roß. „Hier hinaus, sag' ich Ihnen!" erklärte Philipp. Roß schlug ein Schnippchen.„Wie Sie wünschen—" sagte er dann und folgte Philipp zum Hause hinaus. Käthe war im ersten Schrecken hinaufgeeilt. Fünf Minuten später lief sie aber schon mit angstvollem Gesicht, ein Tuch uni Kopf und Schultern gebunden, die Straße hinunter. An der Brücke begegnete sie Kelly, dem Briefwäger. „Welchen Weg haben sie eingeschlagen?" keuchte sie— „der junge Ballawhaine und Philipp?" „Ich sah sie nach dem Curragh— Moor— hinunter eilen." sagte Kelly, und Käthe in ihrem Tuch flog wie ein Vogel in dieser Richtung davon. V. Die jungen Leute schritten weiter, ohne ein Wort zu sprechen. Philipp ging scharf ausgreifend drei Schritte voraus. Sein Gesicht war bleich, der Mund fest geschlossen, die Anne hingen ihm steif herab, er warf den Kopf zurück, runzelte die Stirn, und sein Atem ging laut und schwer.— Roß schlenderte mit erfüiistelt nachlässiger Miene hinterher neben seinem Pferde, dem er den Zügel über den Kopf geworfen und ihn dann um seinen Arm geschlungen hatte; unter dem andern Arm trag er die Reitgerte, und beide Hände steckten tief in den Hoseutgschcu. Wo sie gingen, war kein Weg, sondern nur ein Karrengelcisc, hier und da von einem Gatter unter- krochen: rechts und links lagen viereckige Torfgruben, halb mit Wasser angefüllt. Die Tage waren lang, und es fehlte noch nicht an Licht. Hinter dem Stechginster, den Erlen, dem Schilf, den Binsen, den Salweidcnbüschen des Flachlandes ging die Sonne in cincnl goldenen Streifen über dein Meere unter. Sie hatten den Geruch von verbranntem Torf, von knisternden Holz- scheiten, von Fischen und vom Kuhstall hinter sich gelassen und waren nun in den Bereich des blühenden Ginsters, des dunstigen Moorbodens und der Lachen gekommen. „Sind»vir nicht weit genug?" rief Roß; doch Philipp trieb immer noch vorwärts. Endlich hielt er auf einem freien Platze an. wo der Ginster niedergebrannt worden war; dessen schwarze Zieste gaben dem Ort ein trostloses Ansehen, alles Leben schien erstickt. Kein Haus war in der Nähe zu sehen, keine Spur von Anbau, so weit man auch blicken mochte; nur eine Windmühle am Rande des Meeres und der häßliche Turm einer Kirche, der sich gleich dem Schornstein eines Dampfschiffes zwischen Himmel und Wasser erhob. „Wir sind endlich allein," sagte Philipp heiser.- „Das sind wir"— bestätigte Roß und brach mitten in der Melodie ab, die er vor sich hingesummt hatte.„Und da Sie mich nun hierher gebracht haben, beliebt es Ihnen vielleicht, mir zu sagen, wozu wir hier sind?" Philipp zog sich statt aller Autwort Nock und Weste aus. „Sie werden doch ans dieser dummen Geschichte keinen ernsthaften Handel machen wollen?" sagte Roß, der, an sein Pferd gelehnt, mit der Gerte gegen die Sohle eines seiner Stiefel schlug. „Ziehen Sie den Nock ans!" rief Philipp dumpf. „Was kann ich dafür, wenn ein hübsches Mädchen"— hob Roß wieder an. „Wollen Sie den Nock ausziehen?" schrie Philipp. Roß lachte.„Ach, jetzt erinnere ich mich unsres Ge- sprächs von neulich abend. Sie sind aber doch nicht der Meinung"— sagte er, indem er nach den Fliegen schnippte, die den Kopf des Pferdes umschwärmten—, daß. weil die kleine Person den in der Ferne weilenden Tölpel vergißt..." Philipp ging mit geballter Faust und bebenden Lippen auf ihn los und sagte:„Sie müssen nnt nur boxen I" Roß lachte wieder. Das Blut war ihm aber zu Kopf gestiegen, und er sagte spöttisch: „Ich kann Wohl sagen, daß ich mit dem Mädchen fertig sein»verde, noch ehe der Mensch..." „Sie sind ein Schurke, und»venu Sie es nicht mit mir aufnehmen»vollen..." Roß schleudertr die Reitgerte von sich.„Wenn ich muß. so ninß ich.—" sagte er und»varf die Zügel des Pferdes über den verkohlten Ast eines halb verdorrten Wach holder- baumes. Eine Minute später standen sich die jungen Leute Aug' in Aug' gegenüber. „Halt!" rief Roß.„Lassen Sie sich erst etwas sagen— es ist nur recht und billig. Seit ich in London»var, Hab' ich eins und das andre gelernt. Ich habe mit Leuten gekämpft, die Muskeln hatten, habe Leuten von Talent gegenübergestanden und kann selbst etwas mitthun. Ich habe aber niemals ge» hört, daß sich ein Schlag parieren läßt." „Sind Sie fertig?" rief Philipp. „Wies beliebt. Sie werden bald eins weg haben und nach nichts»vciterem verlangen." Die jungen Leute schienen einander wenig gewachsen. Roß in Reithosen und Hemd, mit kugelrundem rotem Gesicht und gespreizten Beinen, mit Armen fest wie Eichenholz und mit Muskeln»vie Weidenz»veige; Philipp, in Hemd und Kniehosen, mit langem blondem Haar, vor Erregung zuckendem Gesicht und zarter Gestalt: tapferer Mut kämpfte hier allein gegen Kraft und ziemliche Geschicklichkeit. Wie ein Windstoß fuhr Philipp auf seinen Gegner los, nach rechts und nach links schlagend, bis er von einem Faust- schlag linker Hand getroffen, zurücktaumelte. „Da haben Sie's," sagte Roß, gelassen lächelnd.„Sagte ich's Ihnen nicht? Das ist für den Anfang der alte Bristoll- Bull-Schlag." Philipp stürmte noch einmal drauf los. aber ein»vuchtiger Schlag, der ihm die Unterlippe spaltete, trieb ihn zurück. „Da haben Sie einen ziveiteu," sagte Roß.„Ist's nun genug?" Philipp hörte nicht, sondern sprang wieder hitzig auf Roß ein. Jin nächsten Augenblick lag er am Boden. Roß nahm jetzt eine Miene äußerster Geringschätzung an.„Ich kann doch »licht die ganze Nacht nach Jhncll schnippen." „Spotten Sie,»venn Sie mich überwunden haben," rief Philipp, der schon tvicder auf den Füßen stand, ettvas zer- schlagen, aber voll frischen Mutes und hartnäckiger Ent- schlossenheit. „Es»vird Ihnen schlecht ergehen," sagte Roß.„Ich dachte, Sie hätten schon genug abbekommen." Philipp»varf sich znnl viertcnmal auf seinen Mann und sank noch schivercr als zuvor nieder, von einem starken Schlage getroffen, der sich in seine Brust gebohrt zu habe» schien. „Ich kann doch mit einem Gegner nicht immer»veiter kämpfen, der so hinfällig ist»vie meine alte Großmutter," spottete Roß. Seine Geringschätzung aber»vich; es wurde ihm unbehaglich zu Mute, da Philipp ihm schon»vieder so wild»vie zuvor gegenüberstand. „Kämpfen Sie mit Ihresgleichen!" schrie er. „Mit Ihne»»»vill ich kämpfen, mit Ihnen!" grollte Philipp. „Sie sind mir nicht gctvachscn, geben Sie's auf. Auch fängt es schon an, dunkel zn»Verden." „Es ist immer noch hell gcnng. Dnml nur zu!" „ES ist niemand hier, vor dem Sie sich zu schämen brauchten!" „Nur zu, sage ich!" Philipp wartete nicht, sondern sprang ans ihn los wie ein Tiger. Roß parierte den Schlag, wich aus und machte Scheinangriffe; sie packten einander und schwankten hinüber, herüber— ein Ringkampf fand statt, und wieder fiel Philipp zu Boden, daß es dröhnte. „Wollen Sie nun aufhören?" fragte Roß. „Nein, nein und abermals nciill" rief Philipp auf- springend. „Ich werde Sie auffressen. Ich bin ein Werwolf, das sage ich Ihnen." Allein seine Stimme bebte, und Philipp, blind vor Leidenschaft, lachte. „Es wird Ihnen übel bekommen," sagte Roß. „Was thut's?" sagte Philipp. „Sie könnten des Todes sein." „Immerhin." Roß versuchte, spöttisch zu lachen, aber ein heiseres Gurgeln würgte ihm in der Kehle. Er fing an, zu zittern.„Der Mensch merkt es gar nicht, wenn man ihn kurz und klein schlägt," murmelte er. Einen lauten Fluch ausstoßend, trat er von neuem an, sein Blick war scheu und böse. Gleich brennenden Wurfgeschossen fielen seine Schläge, aber sie glitten von Philipp ab wie von einein glatten Felsen. Blut regnete wie Wasser an ihm herunter— er stand jedoch fest. „Zu was soll das führen?" rief Roß.„Lassen Sie's aus sein." „Erst muß es mit mir selber ans sein," keuchte Philipp. „Wenn Sie es nicht aufgeben wollen, thue ich's," er- klärte Roß. „Das sollen Sic nicht." „So mag der Sieg auf Ihrer Seite sein." „Das will ich nicht." „Sagen Sie. daß Sie mich überwunden hätten." „Erst will ich es thun." Roß schlug eine gellende Lache auf, doch zitterte er wie ein gepeitschter Köter. Schäumend vor Wut stellte er sich wieder an, nahm alle seine Kraft zusammen und ließ einen Schlag auf Philipps Stirne niederfallen, der wie ein Hammer auf einem Sarg klang. „Haben Sie nun genug?" schnaubte er. „Nein, bei Gott I" schrie Philipp. Von dem verbrannten Ginster, der den Boden deckte, war er kohlschwarz, außer wo das Blut rot an ihm niedcrrann. „Der Mensch trachtet mir nach den» Leben," murmelte Roß. Er sah sich scheu um und sagte:„Ich will ja dem Mädchen kein Leid anthun..." „Sie sind ein Lügneri" schrie Philipp. Mit einem Blick voll Bosheit griff Roß nun Philipp wieder an. Es war jetzt auch ein Kampf zwischen Recht und Unrecht, nicht nur zwischen Mut und Stärke. Die Sonne war schon ins Meer gesunken, die Weidcnbüsche zitterten im Zwielicht, ein Flug Krähen krächzte über ihnen. Schläge wurden nicht mehr gehört. Roß hielt Philipp in schrecklicher Umarmung fest und drückte ihn auf ein Knie nieder. Philipp raffte sich wieder auf. Roß schnürte ihm den Leib zusammen und preßte ihn rückwärts zu Boden, wobei er ihm schwer auf die Brust fiel und mit dem Geheul eines wilden Tiers die Worte hervorstieß:„Mit mir willst Tu kämpfen, mit mir? So steh auf l Steh doch aufl" Philipp stand aber nicht auf, und Roß fing mit brutaler Wildheit an. ihn zu knuffen und hin und her zu schütteln, er kauerte neben ihm, als er plötzlich von hinten einen Schlag ins Gesicht bekam und dann einen zweiten und dritten, während eine Hand ihn am Hemdkragen packte und würgte und eine Stimme rief:„Laß los. Du roher Geselle— Los! Laß ihn los!" Roß ließ von Philipp ab und wandte sich, um dem An- griff zu begegnen. Es war das Mädchen.„O. Sie sind es— Sie?" keuchte er. Sie glich einer Furie.„Sie Wüterich! Sie Bestie J Sie Kröte I" schrie sie und warf sich über Philipp hin. Er war ohne Bewußtsein. Sie legte seinen Kopf auf ihren Schoß, und alle Scheu, alle Vorsicht, alle Ucberlegung vergessend, nur von einem Gedanken erfüllt,' küßte sie ihm Wagen und Lippen und Augen und Stirne. in dem sie lveinend schrie:„Philipp! Ach Philipp! Ach Philipp 1" Roß stand bebend dabei.„Lassen Sie mich doch nach ihm sehen", stammelte er; Käthe aber schoß einen Blick nach ihm, der ihn traf wie ein Pfeil, und kreischte:„Wenn Sie ihn wieder anrühren, erwürge ich Siel" Roß sah Philipp ins Gesicht und war entsetzt. Er eilte nach einer Torfgrube, fuhr niit beiden Händen in die Lache und brachte etwas Wasser herbei.„Nehmen Sie"— sagte er—„lassen Sie mich ihm um Himmels willen den Kopf damit waschen." Er benetzte mit dem Wasser die bleiche Stirn und wendete dann die Augen ab, während das Mädchen Philipp mit neuen Küssen und flehenden Worten ins Leben, zurückzu- rufen suchte. „Athmet er? Fühlen Sie nach seinem Herzen. Kein Pnlsschlag. O Gott I" sagte Rotz.„Es ist meine Schuld nicht." Er blickte wild uniher; er sann auf Flucht.„Geht es jetzt besser?" „Was kümmcvt es Sie— Sie Elender?" sagte Käthe mit flammeiidenl Blick. Dann begann sie ihr Werk von neuem.„Konim zu Dir, Du Lieber, komm doch zu Dir!" Philipp öffnete die Augen mit starrem Blick und richtete sich ans den Ellenbogen in die Höhe. Sofort zog sich Käthe von ihm zurück und fing an, still für sich zu weinen; sie war wieder ganz Weib, und ihr moralischer Mut war ver- schwunde». Ebenso schnell hatte Roß seine Fassung wieder gewonnen. Er schaute spöttisch drein, lachte, hob die Reitgerte auf und ging zu seincni Pferde, hinüber. „Sind Sie verletzt?" fragte Käthe leise. „Sie sind es, Käthe?" flüsterte Philipp. Bei dem Ton seiner Stimnie, die so schwach, fast erloschen klang, brach sie in Thräuenströme ans. „Ich hoffe. Sie vergeben mir," stöhnte sie.„Ich hätte Ihre Warnung beherzigen sollen." Sie trocknete ihm das Gesicht mit dem offenen Aermel ihres Kleides ab, er aber arbeitete sich nun auf die Füße empor. „Stützen Sie sich auf mich, Philipp." „Nein, nein, ich kann gehen." „Nehmen Sie meinen Arm—" „O nein, Käthe, ich fühle mich stark genug." «Nur mir zu Gefallen." „Nun gut." Mit eifersüchtiger Wut sah Roß eS mit an. Sein Pferd, das während des Kämpfes scheu geworden war, hatte sich um und um gedreht, bis die Zügel sich zu einem Knoten um den Baunfftnnipf verschlungen hatten; er peitschte das Tier so lange zurück, bis es um ihn selbst herumlief. Dann schwang er sich in den Sattel und zerrte das Pferd an der Kinnkette zurück, daß es sich bäumte.„Niederl" schrie er mit einem Fluch und hieb es roh über den Kopf. Inzwischen war Käthe mit Philipp am Arme an ihm vorübergegangen und sagte sanft:„Fühlen Sie sich jetzt besser, Philipp?" Roß, der es mit verbissenem Groll gewahrte, stieß aus brennender Kehle eine rauhe Lache hervor und sagte:„O— Sie brauchen sich über ihn keine Gedanken niachen. Wenn Ihr zweiter Schatz so für Sie kämpft wie dieser, können Sie zufrieden sein. Es war Ihnen wohl uni den dritten zu thun? Oder wollten Sie mich nur als Köder gebrauchen? Warum küssen Sie ihn denn jetzt nicht, da er's weiß und fühlt? Aber ist er nicht ein wunderbarer Mensch, daß er Sie eines andern wegen beschützt: nur für den andern ge- kämpft hat— he? Nichts als Schwindel, Lug und Trug! Führen Sie ihn nach Hause, und der Fluch des Judas treffe Euch beide I" Roß brach nach diesen Worten in ein wildes, verächtliches Gelächter aus, hieb sein Pferd über Nase und Ohren und rief: „Nieder, du Bestie, nieder!" Dann sprengte er im Galopp über das offene Moor davon. (Fortsetzung folgt.) 'Nackdmck verVoten.» Dos Vsfiovs Mieke. (Komödie in drei Aufzügen von Erich Schlaikjer.) Die Postore» sind hoffähig gelvordc», Hurra! Ilud sie erklimmen sogar den steilen Gipfel der Litteratursähigkeit— tvemi sie aus Pfarrer Naumanns„nationalsocialen" Katechismus schwüren, deuu so will es „Pastors Sticke* von Erich Schlaikjer I Weder Fisch noch Vogel scheint «tir dieser Pastor Hans Dahl, der irgendwo in einem holsteinschen Heidedorfe im profanen Saccohabit Herrn Rmimmm-Slvlmkjers blutleere Weisheit an die Bauern verzapfen soll. Eiiznitlich kam Hans Dahl— die Erinnerung an die Schulbank bringl das so mit sich— aus Ultima Thüle vom blaue» Boecklin-Himmel der alten Griechen her. für deren Heidenhaftigkeit er noch ei» gut Stück Schlvärmerei auf die Kanzel brachte. Er sagt ja selbst, dafc er„zunächst ans„ästhetischen Gründen" Pastor gelvorden ist. Was Wiste» aber die einfachen Heidedörfler von den Griechen— fintemalen sie ja ihre eigne Anschauung von Welt und Dingen haben, die ihre direkte Umgebung ausmachen? Da bleibt Hans Dahl schlechterdings nichts übrig, als unizulernen. Das ist ganz löblich zu hören. Und mich dünkt, daß der Vorwurf würdig eines grosten Dramatikers vom Schlage Ibsens wäre, rim zu zeigen, was der Geistliche vom Volke lernen könnte I Anders Hans Dahl. Der steckt sich den Nanmann-Katechismns in die Saccotasche— und steigt, ein Held vom Kopf bis zur Zehe, schnapSrefonn- wütig unter die armen Dörfler. Es dauert nicht eine» halben Lustspielakt. und der Pfarrer ist entzückt über den„Glauben" der Leute, die er im Handumdrehen z» nationalsocialen Proselytcn umgemodelt zu haben wähnt. Sehnlich Ivie Hutten jubelt er: es ist eine Freude, als Pfarrer Naumann in Holstein zu leben. Aber nein, die Enttäuschung rückt über den Ahnungslosen, gleich einer dunkele» Wetterwolke. Warum mußte er auch einen Anti-Alkoholikervcrei»„Gut- tenipler" gründen? War daS uotivendig? Soffen die Bauern wirklich so stark? Nirgends wird das dem Zuschauer verroten. Aber selbst wenn dem s» gewesen wäre, hiebe es nicht den Gaul beim Schivanz aufzäumen? Nnr ein Phrasenr wird solch einen Lapsus Alkoholicus machen. Hätte Hans Dahl Marx'„Kapital" studiert, dann mübte er wisse», daß der Schnapstenfel eine Folge des wirtschaftlichen Elends ist. Dann aber hätte er den Ursachen dieses örtlichen Elends nachgespürt und hätte sei»„seclsorgcrisches" Augenmerk ans die Vcrbesscnmg der wirtschaftlichen Existenz des Volkes gerichtet— doch nie- «»als vorher den Guttemplerverein gegründet. Diese besagte Gründung bildet in Schlaikjers„Komödie" deren springenden Punkt. Und das ist der Kardinalfehler des Stücks. Nicht bloß darum, weil jene Gründung infolge Schlaikjers bisherigem Unvermögen ein Wassersuppen- Problem geblieben ist, sonder» oben- drein, ivcil dieses nndramalisch hinter die Sccuc gelegi wurde, mithin für den Zuschauer total verloren geht. Ein Problem aber, das nicht in Handlung umgesetzt wird, ist kein Problem! Gerade von dieser Guttcmplcrci»nibte Schlaikjer, wen» er sie denn»n» schon zum tragischen Motiv erkoren hatte, ausgebe». Ans ihr mußte die Handlung für das ganze Stück hergeleitet»verde». Der Autor bleibt aber in den Ansätzen' stecken. Lieber bestrebt er sich, von anbei» etivas hineinzutragen, was>vie„Handlung" aussehen soll, aber beileibe keine ist. Er bedient sich dazu der allen ausrangierten Steckenpferde der Romantiker. Sein„Schicksal" spult hier i» Gestalt der Schivester des Pfarrers, Fran Dagmar von Heltzen, hinter den Conlissen, oder huscht als feudal angekränkeltes, nebenbei moralinsaures Weib über die Bühne. Den» ihr„Verhältnis" z» dein geldprotzigrn, im übrigen ziemlich stupiden„Konsul" und Dampf- sägeurühlen-Besitzer Malming ist zivar nicht genügend von» Dichter aufgezeigt, läßt aber jedenfalls„tief blicken". Der.Konsul" also ist ihr Helfer. Aber Iva» bezweckt oder thnt sie denn? Eigentlich nichts, ivas ivir sehen können. Nur die.andern" sage» es. Sie bringt die„Guttcmpler" richtig hinter dem Nücke» des Bruders und der Zuschauer dahin. dem eignen Gründer und Vorstand, das ist Pfarrer Dahl, die Mitgliedschaft zn entziehen. Ich glaube, das hätten sie auch so gethan, wenn sie von Haus ans geivnßt hätten, ivie schlecht sich der Pfarrer anfs Volk und auf die ökonomische Wisscnschast versteht. Mithelferin ist hier aber noch die eigne Köchin des Geistlichen, allerdings nicht direkt. Der Antor hat ihr früher, als sie»och in Berlin Kellnerin ivar, in Gestalt eines Kindes einen in den Augen der pnstörlichen Schivester als moralischer Defekt stechenden dnuklen Fleck angehängt. Dieser Fleck läßt, meint Schlaikjer, erklärlich erscheinen, warum der Pastor den Verein gegründet hat. Ter Verein aber ivirft sich zum Dank dafür tugendhaft in die Brnst und ein versoffener Schufter, der einzige Kerl, der mir„vernünftig" deucht, spielt die„rächende Ncinesis". Er schiebt den Pfarrer hinaus und setzt sich als Vorstand an die Spitze der Antialkoholiker. Das Stück wäre nun eigentlich ans.s Aver das will weder der jüngere Bruder des Pfarrers, ein bierseliger Ltudiosus rnedicinae Swend Dahl, der vom Dichter als Deus ex madiina., als „Gott ans der Maschine" verwendet wird, noch will es„Riele", die Köchin. Also sehen wir den Pastor, zivar sehr geknickt, noch einen dritten Akl lang auf der Bühne. Er greint und weint und flucht und wettert, daß eS eine Art hat. Die Schivester sekundiert ihm tapfer. nachdem sie sich versöhnt haben, und der schivächliche Bruder Pastor ihr in die Hand versprochen hat, sich vom„Volke" abzuwenden. Er thnt auch wirklich sehr enttäuscht, der arme Pastor. Er schwadroniert von «Kämpfen", und hat doch keinen gekämpft, von.Müdesein", geraubtem „Glück".„Glauben"»nd sonst netten Dingen. Er ruft pathetisch, daß keine Macht auf die Dauer dem„Guten" ividerstchc— aber wo ist das„Giite", da man die Gründung eines Alkoholikervercins schiverlich als eine Jahrhiinderte überdauernde Heldenthat anzusehen geneigt sein wird! Weil er aber auch Nietzsches Kapitel von der „Herrenmoral" gelesen zu haben scheint, so besinnt er sich rasch, daß die„Armut"— damit»neint er seine Dörfler—„doch wirklich niedrig" aussehe. Ergo spricht er über die„Ariunt" sein Anathema aus, Ivährenddem die Köchin all ihr Berlinerisch zniammengcnommen hat, den verzweifelten, weibisch geknickten Flenner aufzurichten. Und wenn uns Schlaikjer auch unbefriedigt entläßt, wir vermöge» UNS einen Vers darauf zu inache», daß Hans Dahl mit' seinem Pastorenrock auch den Charakter weggeworfen hat. Vielleicht zeigt ihn uns als feudales„herrschendes" Fcndalvieh der Dichter in seinem nächsten Drama? Warum Schlaikjer das Ding„Komödie" genannt hat, ist mir nicht recht erfindlich. Meint er. der Name thnt's allein? Man sollte mit diesem Worte, das eine hohe Gattung begreift, nicht so mir nichts dir nichts um sich iverfen, so lange»»mir das ganze schöpferische Rüstzeug dafür vermissen läßt I Der Titel „Pastors Rieke" geht schon eher. Denn die K ö ch i n hält das ganze Stück. Hätte sie der Pfarrer, wie sie im zweite» Akt gewollt, ziehen lasten, dann, nnn dann iväre die„Koinödie" überhaupt nicht vor- handen. Sie ist denn auch am besten gezeichnet. Freilich möchte ich dem Dichter nicht ivüuschen, daß über seiner„Rieke" alle Berliner Köchinnen zn Gericht sitzen, un» ihm iiachzurechnen, daß Frau Buch- holz zu Gevatter gestanden, und die besten Witze und Kalancr langst schon von» Eckensteher„Raute" voriveggenommen wurdeii. Der Bruder Studio ist den» in Halbes„Jugend"»ach- empfunden. Nur dab jener bester, dieser eine mit Schlag- Wörtern vom Bier, vom Trinken w. anSstassierte Schablone ist. Als wirkungsvolle Karikaturen erscheinen dann noch„der alte Krischan"»nd der Sckiuster„Schmidt", obivohl sie mit der„Handlung" blntwenig zu schaffe» haben.— Mit diesem Drama reist also das„königliche sächsische Hoftheater". Die stolze Benennung„ Meisterspiel" patzt hierzu wie die Faust anfö Auge. Herr Paul Wieke gab den Pastor gewöhnlich und„verhaute" sich nicht selten, was aber bei solch einem Jammerlappen entschuldigt. Die„Rieke" ist— das Kompliment will ich dem Dichter zollen— eine„Pnradcrollc". Frau Klara S a I b a ch, einer sonst ausgezcichiicten Darstellerin von Salondanien, Gretchen im„Faust" zc. möchte die Partie doch nicht günstig genug liegen, um eine.Mcister"-Leistnug zu geben. Herr Otto Gebühr, der Darsteller des Stndcnteu, scheint ein erfreulich talentierter Schauspieler zu sein. Die Frau Dagmar der Frau Charlotte B a st ö, der Malming des Herrn Lltdivig Stahl, der alte Krischan des Herrn Adolf Müller gingen an. Einfach dnmm in der Maske, ivie eine.Sch»»ieren"schablonc, ivirkte der von Herrn Maxin» Rene gegebene Cigarrenarbeiter Christophersen. Alles in allen» ivar der Erfolg des Stückes, nach dem„frenetischen" Beifall im Parterre zu schließen,„groß", das Dresdener„Mcisterspiel" aber ein— Scherz.— Ernst Kreowsti. Kleines Feuilleton. n.„Architektur" hieß das Thema, über das A u g n st E n d e ll. der Schöpfer der Jnnenansstattnng des Wolzogen- Theaters, am Mittivoch im Architektenvercin„Skizze" sprach. Für den modernen Architekten sei in erster Linie die Aesthetik des BauiverkeS von Wichtigkeit; nur dem. was man in Wirklichkeit sehen könne, sei vollste Sorgfalt zn widmen. Man»»iisse sich dabei freilich erst gründlich über den psychologischen Vorgang des Sehens klar werden. Leidlich gut sehen könnten nnr die, die sich darin übte»!«»ch wäre es nicht wahr, daß das Mcnschenange drei Dimeusionen erblicke; das Auge sei vielmehr nnr auf das Sehen von Flächen eingerichtet, die wir »ins durch uilser Wissen vom Räume in drei dimeusionale Gegenstände, i» Körper, inndcnkc» könnten. Wenn man sich recht über den Vor- gang des Sehens klar würde, so ergebe sich daraus, daß nnser Sehe» nur ein Aneinauderreiben von unzähligen in unsrem Gesichtsfelde auf- tretenden Pünktchen sei. Diese Pünktchen iverdcn, je nach ihrer Fort- bewegnug, zn Linien oder zu Fläche». Durch dieses Herauf- und Hcrabgle'itcn des Auges, über das ivir»ins freilich nur bei ganz großen Gegenständen, die wir aus nächster Nähe betrachten, klar werden, werde jede Form gewissermaßen zur Bewegung: eine Säule wächst vor »ms, eine Kuppel wölbt sich»c. Diese Beweglichkeit der Form müsse grundlegend für die nioderne Architektur werden, denn jede Aesthetik sei ein Genießen von tausend Einzelheiten, sei eine Bewegung, ein Schivingen unsrcr Einpfindungen—, niai» denke nur an den Vortrag eines Gedichtes oder eines Musikwerkes— niemals aber Ruhe. Ueberhaupt liege das Sehen oft mit den mathematischen Lehrsätze» arg in» Streite. Für nnser Auge sei eine Fläche nicht immer der Ran»», der ivenigstens von drei Linien begrenzt würde. Setzen»vir z. B. eine beliebig gewählte Menge ganz unregelniäßiger und einander in keiner Weise gleichender, flächiger Figuren»ebeneinander, so werden auch sie uns in ihrer Gcsaintheit als Fläche erscheine», ohne daß diese Fläche durch ununterbrochene Linien streng niathematisch begrenzt iväre. Durch derartige Flächenmusternngen ließen sich gleichfalls hohe ästhetische Wirknngen erzielen. Jemehr die Aesthetik bei einem Baniverke, gegenüber der Konstniktioii, zu Wort komme, desto höher iverde auch der künstlerische Werl der betreffenden Architektur sein. Nur die äußere Haut des Gebäudes, das was jedermann sehen könne, sei, sowohl in der Einzelivirknng, ivie in der Gesanitivirkung. für de» Architekten»vichtig. Was sich hinter dieser änßercn Haut verberge— niag es Marmor, Holz oder Eisen sein— sei für die Aesthetik gänzlich gleichgültig. Wie der Beschauer der Venns von Milo wohl kaum daran dächte, ivie wohl die Eingeweide in diesem Körper liegen könnten, sondern sich ganz von der Schön- heit der Formen gefangen nehmen ließe, ebenso müsse auch der Architekt einzig aus eine hohe kllnstlerlsche Gestaltung deS allen Be» schauern Sichtbaren hinarbeiten.— — 37 cc. Die Irrlichter oder Irrwische, die iibcr Wiesen, Sihnpfm, Kirchhöfen zc. znin Borschei» komme» solle», eine hüpfende,»»ruhige Bewegung zeigen und bald wieder verschwinden, sind meist in so un» bestinimtcr Weise beschrieben wordmi, dnh in wissenschaftlichen Kreisen ihre Existenz überhonpt beziveifelt wurde. Sicherlich ist viel mehr phantasiert, als wirklich gesehen worden, und zweifellos ist mehrfach faules, leuchtendes Holz sowie das Licht von Johaunislviirnichen für ein Irrlicht gehalten worden. Aber eben so sicher sind manche Irrlicht- Erscheinmigeii bezeugt, die von einer aufgereizten Phantasie nicht vergrößert ivurden. Im Programm des Gymnasiums zu Ellwangen in Württemberg hat Herr Kurtz die Frage noch cinnial untersucht und alle beglaubigten Beobachtungen znsainmengetrageu. Er kommt zu dem Schluß, daß es sich nm Selbstentzündung von Gasen, die ans dem Boden aufsteigen, nicht bandeln kann, denn von dem Entzündnngsvorgang bei der niedrige» Temperatur zur Nachtzeit könnte man sich gar keine Vorstellung machen. Ebensolvenig genügt das phoSphorescierende Licht, das manchc Stoffe aussenden, um gerade die am besten beglaubigten Erscheinungen von Irrlichtern zu erklären. Kurtz weist überhaupt die Annahme eines chemischen Ursprungs der am Boden auftauchenden Flämmchen zurück, und bringt sie mit der Lnftelektricilät in Verbindung. Bekannt ist ja das sogenannte St. Elmsfeuer, das am häufigsten von Mast- bäumen, sowie an den Anffangestangen von Blitzableitern gesehen wird; es erscheint aber auch an andren Spitzen und Ecken, z. V. an den Spitzen von Bäumen und Stränchcrn, an den Ohren und Mähne» von Pferden, ja selbst ans dein Kopfe von Menschen ist es schon gesehen lvordrn. Dieselbe Ursache, die zu dein Ausgleich der Elcktricität der Erde mit derjenigen der Luft oder Wolken im St. Elnisseuer führt, nimmt Kurtz auch für die Irrlichter in An- spruch, die demnach eine elektrische Ausgleichs- oder Entladungs- erscheinung darstellen.-- Theater. Wolzogens„B u n t e s Th e a t e r'. N en h e i t e n a b e nd.— Ans den Vorstellungen, welche das Münchener Ucberbrcttlkollcginin der„Elf Scharfrichter" in Berlin hatte geben wollen, ist bekanntlich nichts geworden. Sie bedurften der Censiirfrcihcit eiues geschlossencii Vereins, um ihres Amtes richtig zu walten. Der Kompetenz- streit zwischen Scharf- und polizeilich censnrierendem Sittenrichter- tum soll, wie eS heißt, den Plan zum Scheitern gebracht haben. Inzwischen ist es dann in München zum Bankerott gekommen. F r a n k W e d e k i n d, der Scltsam-Barvcke, der nunmehr für ein Gastspiel an dem Wolzogen-Thcaler gewonnen worden ist, war Haupt und Seele der Gesellschaft. Ein großer Ruf ging ihm voran, man erwartete ganz Eigenartiges. Der Prolog, mit dem er im Krastone einer Löwenbändigers die Vorstellung eröffnete, enttäuschte leider. Wären die Verse, die überhaupt in keiner VezieHnug zu dem Programm des Abends standen, nicht aus irgend einer unverständlichen Laune heraus„Prolog" betitelt gewesen, dann hätte» sie. zumal sie in wirklich imposantem Löwenbändigerton vorgetragen wurden, sicher um vieles besser gewirkt. Der Titel lenkte die Spannung noch nach einer ganz verkehrten Richtung: eben die Pointen, die dieser zu versprechen schien, blieben aus, und das verstimmte. Sehr eindrucksvoll aber war die kleine Dialogscene Wedekinds„Rabbi E S r a Der alte Rabbi, der den Sohn er- mahnt, nicht zu freien, bis die Sinne gesprochen habe, und der ihm die Geschichte seiner eignen, wohl gewaltsam unterdrückte» und dann mit unwiderstehlicher Kraft anfflntenden Sinnlichkeit erzählt, wurde mit echter überzeugender Gestaltungskraft vom Dichter gespielt. Da war Stimmung, Steigerung und Spannung von Anfang bis zu Ende. Schade, daß Wedekind nicht auch etlvas von seinen Liedern vortrug! Von den drei andren Einaktern, die der Abend brachte, war die Scene„Ein Werkzeug der Vorsehung" von Julius S cha Ilmberg er der weitaus wirksamste. Der vor Gericht durch seinen Advokaten als Edelmensch und Werkzeug der Vorsehung ge- feierte und freigesprochene Mörder, der, nun in seinem moralischen Wertbcwußtscin wunderbar gestärkt, die neue Laufbahn mit einer un- verschämten, an eben diesen Anwalt verübten Prellerei beginnt, ist bei aller Possenhaftigkeit derVoraussetzungen mit wirklich feinerPhychologie uud überlegenem Hmnor gezeichnet. Die Darstellung, die die halb burleske, halb ernsthafte Rolle durch Otto F r i tz s ch e fand, war geradezu glänzend. Ein hübscher Gedanke liegt auch dem G u m p p e n b e r g scheu„Etcpetete-Drama": Die Verlobung zu Grunde. Es tollte dargelhan werden, wie eine Verlobung in einer nach den Teiideiizcn der lex Heinze wahrhaft verfittlichten, echt deutschen Familie, in der sogar die Worte„Moiin" und„Weib" als scxuell-dedenklich. ja als unanständig verpönt sind, vor sich zu gehen habe. Manches wirkte recht lustig, nur war das Ganze für eine Nusführnng zu breit aiisgesponne». Was indessen Fritz SeltenS sogeuanntc Komödie„Das K a l b" zur Ehre einer Ausführung vcrholfen haben mochte, blieb trotz des erklärenden Geleitworte» Wolzogens völlig geheimnisvoll. Elsa Laura trug stimmungsvoll und mit heiterer Anmut ein paar eigene Kompositionen vor. Hans Fredh sang ein neues Lied von OSkar S t r a n S. Der tiefste Eindruck des Abends ivar deS alten Heine großartiges„Wanderratteii"-Gedichr, von M a r c e l l S a l z e r glänzend rentiert.——dt. 6- Ans der Pflanzenwelt. va. Eine Pflanze, die lange nicht genug gewürdigt wird und die doch jedem Garten zur Zierde gereicht, ist Verbascurn olympicum, die Königskerze, die zur Zeit ihrer Blüte einen wahrhaft majestätischen Eindruck macht. In jeder größeren Gärtnere! bekommt man um ivciiige Pfennige ein Exemplar, das, als Solitär- pflanze in den Rasen gesetzt, auch ohne zu blühen, recht anschiilich wirkt. Die großen. grautvollig behaarten, ovalen Blätter sind rosetteiiförmig angeordnet. Erst im zweiten Jahre nach der Pflanzimg pflegt die Königskerze zu blühen: sie treibt dann aus der Mitte einen kroiileuchtcrföruiigen, bis zwei Meter hohen Blütrnstaiid, der sich bald mit Hunderten von citroncn« gelben Blüten bedeckt, die weithin leuchten und von zahlreichen Insekten stets nnischwäniit sind. Will man die Pflanze ans Samen ziehen, so säet man am besten gleich nach der Blüte, also im Juli, während für die Pflanzung jetzt die richtige Zeit ist. Die Anzucht ans Saincn bietet übrigens keinerlei Sckivieri gleit, wie überhaupt die Pflanze zu den anjprnchslvscftcn, dankbaisten Standen unsrcs Gartens gehört.— Humoristisches. — Keck. Schuster j u n g e(mehrere Feitangen in der Bouillon bcnierkeud):„Meisterin, man merkt, daß Sie älter werden!" Meister! n:„Wieso?" Schusterjunge:„Sie haben vergessen, das Fett ab» ziischöpfen."— — Zweideutige Antwort.„Wie hat Ihnen das Klavier- konzert gefallen?" „Ich gestehe Ihnen offen: als ich aus dein Saal ging, wußte ich, was ein Genuß ist."— — Auch eine Beschäftigung.„Na. jetzt in der stillen Zeit isi's bei Euch wohl recht langweilig auf dem Comptoir?" „O nein, wir Iiaben einen Drchschcmel: da fahren wir den ganzen Tag Karussell!"—(„Meggeudorfer Blätter.") Notizen. — Die Ibsen-Biographie, welche den ersten Band der bei S. Fischer(Berlin) erscheinenden Jbfen-Ansgabe bilden soll, wird, an Stelle Dr. Schlemhers, Dr. Brahm schreiben.— — Die Rene B ü h n e veranstaltet am Sonnabend(8>/e Uhr abends im Architektenbaiis) einen Vortragsabend, in dem Dr. Hans Landsberg über den Dichter Wilhelm W e i g a n d sprechen und Marie Holgers eine Tragödie oiejeS Dichters,„Tesja". vorlesen wird.— — Der Verein für deutsche? Kunstgewerbe in Berlin schreibt folgenden Wettbewerb mit drei Preisen von 400 M., 200 M und 100 M. anS: Verlangt werden Zeichnungen zn dein Gehäuse einer Standuhr(sog. Dielenuhr). Die Uhr soll auf dem Fußboden stehend, etwa 2,40 Meter hoch gedacht werden, die AnSfuhrinig in Holz, nach Belieben auch mit Einlagen oder Be- schlägcn sein. Es wird Wert gelegt ans einfache, vornehm wirkende Formen, die Zeichnung soll das Gehäuse in Vorder- und Seiten- anficht in V» natürlicher Größe darstellen. Die Entwürfe sind spätestens am 21. Jimi d. I. bei der GesibäftSstelle des Vereins für deulschcs Knnstgewerbe, W. 6, Bcllevucstraße 3(Künstlerhaus), ein« zulicferu.— — Die Versuchsfahrten der Studiengesell» schaft für elektrische Schnellbahnen soNcu im Herbst fortgesetzt werden, um die in Anssiäit geuomniencii höhere» Ge- fchwindigkeiten zu erreichen imd ein sicheres Urteil über die Durcii- führbarkeit des elektrischen Schuellbelricbes auf Vollbahiien in technischer und wirtschaftlicher Bczichiing zu gewinnen. Der Eisen- bahiiniinistcr hat sich bereit erklärt, der Studicngcsellschast den weiter erforderlichen stärkeren Oberbau zu überweisen. Die Höchstgeschwindigkeit. für ivelche die elektrischen Einrichtungen gebaut sind, konnte auf dem verhältnismäßig schwachen Oberbau der Militär- Eisenbahn nicht mit Sicherheit erreicht werden. Die bisher erzielte Höchstgeschwindigkeit war bekanntlich IVO Kilometer in einer Stunde oder 44 Meter in der Sekunde.— — Gin Preisausschreiben von 30 000 M. erläßt der Verein der S p i r i t n s- F a b r i k a n t e n in Deutschland in Verbindung mit der Deutschen LandwirtschaftS-Gesell- schaft und zahlreichen landwirtschafllicheii Körperschaften und miler Veleiliguiig der preußischen laiidivirtschaftlichcn Verwaltung sowie mehrerer Bundesstaaten. ES handelt sich um Eeivinnling eines Verfahrens, welches die II e b e r f ü h r u u g der Kartoffeln i ii ein D a u e r f n t t e r gestattet. Die Unterlagen für daS Preisausschreiben sind von der Anstalt für Eäriingsgewcrbe, Berlin N. C5, Secstraße, zu beziehen.— Tie nächste Nummer des UiiterhalwngsblattcS erscheint am Sonmag. den 18. Mai. Berauuoortiicher Revaneur: Carl Leid tu Berlin. Druck und Verlag von Max Äadiiig in Berlin.