Mnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 96. Mittwoch, den 21. Mai. 1902 iNalddruik verLoten.) Der MnnKsnrsnn. Roman lion Hall C a i n e. Autorisierte Uebersetzun�. Mit dcni Korb voll Eiern an einem Arm, den andern auf den herabhängenden Ast eines Apfelbaunis gestützt, hörte Käthe zu, während Philipp las: „Liebste Kitty. Wie geht es Dir, mein Lieb, und wie geht es Philipp und wie geht es Grannie? Ich komme rasend schnell vorwärts. Man nennt mich jetzt Kap'tän— Kap'tän Pete. Eine Art Aufseher in den Diamantgruben außerhalb Kiniberleys. Das Leben eines großen Herrn gewiß und wahrhaftig. Nichts zu thun, als unter einem ungeheuren Sonnenschirm mit einem Papier in der Faust wie ein Ratsherr dasitzen, während zwanzig Kaffern die Arbeit verrichten. Ein bißchen Balgerei nebenbei. was einen gerade vom Einschlafen abhält. Wenn ein Kaffer einen Diamanten zu Tage fördert, muß man ihn wegschnappen nnd auf der Tafel neben seinem Namen ver- zeichnen: Sie haben ihre eigenen fremdartigen Namen, wir raufen sie aber immer um, in: Sechspence, Siebenwesten, Hammelschlägel, Zweipenny Trotter und dergleichen. Wenn ein Kaffer einen Diamanten findet, so erhält er eine Provision, desgleichen sein Aufseher. Ich erschrecke fast, wie fürchterlich reich ich in kurzem fein werde. Sage dem Alten, daß ich das Harmonium noch eines schönen Tages kaufe. Die Kaffern sind aber eine schlaue Bande, und wenn sie Staub genug aufwirbeln können, um einen Edelstein wegzuschmuggeln, während man gerade nicht hinsieht, so thun sie's gewiß. Sie verkaufen ihn dann an die Boercn, und man muß reden können wie ein Advokat, um ihn zurück zu erlangen. Mit den Fäusten können die Boeren aber nichts gegen unsereinen ausrichten— das ist Kinderspiel. Sie sind eine schmutzige Gesellschaft, manchem von unsren trügen Manksleuten, besonders dem schwarzen Tom. merkwürdig ähnlich. Wenn sie sehen, wie wir uns unten im Flusse waschen, so sagen sie wohl:„Was für schmutziges Volk sind doch die Engländer, daß sie sich dreimal des Tages waschen müssen— wir thun es nur einmal die Woche". Wenn ei» Kaffcr einen Stein stiehlt, so kommt er gewöhnlich vor ein Kriegsgericht; ich bin aber nicht dafür, weil im allgemeinen auf die Büttel kein Verlaß ist; darum wichse ich meine Nigger stets selbst durch und verfahre milder mit ihnen, und wenn jemand Wider mich aufsteht, so lynchen sie ihn." Käthe seufzte auf, als müsse sie sich in Geduld fassen, und wendete den Kopf weg, während Philipp mit stockender Stimme weiter las: „Kitty, meiil Schatz, ich sterbe vor Sehnsucht nach dem Anblick Deines süßen Gesichts. Wenn die Nacht kommt und ich mich in der Baracke niederlegen will— schön gedielt auf dem Boden, gutes Segeltuch und alles behaglich— sage ich wohl zu den Burschen:„Macht Schicht und laßt mich armen Kerl cinnial schlafen," doch können sie den dunklen Sinn meiner Rede nicht ergattern. Will ich doch nur etwas Ruhe haben, um denken zu können... wenn ich die Sterne nieder- blinken sehe... Auch sie blickt eben zu jenem Stern empor... O, scheine ans meinen Engel herab—" „Nein, Käthe," stammelte Philipp,„ich kann wirklich nicht mehr..." „So gieb ihn her," sagte Käthe. Sie stieß mit der zitternden Hand an den Ast des Apfel- banmes und die weißen Blüten regneten von den dünnen Zweigen auf sie herab, wie aus einem Heringsnetz Silber- fischchen. Dann nahm sie den Brief und überflog den Schluß: „Kitty, mein Lieb, wie steets mit den Mackrehlen dises Jar und brinkt die MihlcN erträglich viel ein und ncigihrig bin ich. ob die Hühner alle legen, ob das Frrd kein steifes Bein mehr hat und wie es dem alten Man geht und ob er noch immer die Teckste vermenkt. Da ist hihr ein großer Kerl, der gans so wie er ist; er hat auch das alte Buch ver- schlungen und bringt's bei jeder Gelegenheit wieder raus. Doch liebste Käthe jezt nichts meer ich hoffe rcchd balt wider zu Hause zu sein und eich alle zu sehn obschon ich's »rich genau tveiß. Mit Liebe Dein Dich liebender Herzens- schätz Piet." Als sie den Brief zu Ende gelesen hatte, ließ sie ihn durch die Finger gleiten und seufzte abernials.„Sie haben die Wörter nicht so gelesen, wie sie geschrieben sind," sagte sie. „Was thut es, daß die Rechtschreibung unsicher ist, wenn man der Liebe so sicher sein kann wie bei ihm?" rief Philipp. „Glarrben Sie, daß er es selbst geschrieben hat?" fragte Käthe. „Er hat es jedenfalls unterzeichnet und sicher auch aus- gedacht. Vielleicht, daß einer der jungen Gills es für ihn niedergeschrieben hat." Sie errötete leicht, ließ den Brief in ihre Tasche gleiten und sah aus, als ob sie sich schämte. VIII. Daß Käthe sich über Petes Brief schämte, peinigte Philipp, und er blieb wieder aus. Sein Wegbleiben reizte Käthe, und Philipp selbst schämte sich feinem Schwachheit. Sie ärgerte sich über ihn, weil er nicht einsah, daß die ganze Ge- schichte mit Pete thöricht sei. Es war sinnlos, von einem Mädchen zu verlangen, daß sie einen Mann heiraten solle, den sie nur als Knaben gekannt hatte. Doch Philipp bestand darauf, die Verpflichtung als eine heilige anzusehen, das ließ sich nun einmal nicht ändern. So benützte sie denn Pete als ein Bindeglied, um Philipp festzuhalten. Als sich Philipp mehrere Monate lang nicht wieder in Sulby gezeigt hatte, schrieb sie ihm einen Brief. Angeblich nur, um ihm zu sagen, wie sehr sie in Angst sei, daß Pete so lange nichts von sich habe hören lassen, und zu fragen, ob er selbst keine Nachricht habe, um ihre Furcht zu beschwichtigen. Die arme kleine Liige war mit zitternder Hand geschrieben, die zwar ehrlich bebte, aber doch weil Käthe von ganz andren Gefühlen gequält wurde. Philipp beantwortete den Brief, indem er sich selbst ein» stellte. Tag und Nacht hatten ihm beständig allerlei Vor» wände für seinen Besuch wie ein summender Kreisel in den Ohren geklungen; jetzt aber mußte er auf Entschuldigungen für sein langes Ausbleiben sinnen. Es war Abend. Käthe war mit Melken beschäftigt, und er ging zu ihr in den Kuh- stall hinaus. „Wir fingen schon an, zu glauben, daß wir nichts mehr von Ihnen zu sehen bekommen würden," sagte sie, während die Milch brausend in den Eimer schoß. „Ich... ich bin krank gewesen," sagte Philipp. Das Brausen wurde zu einem dünnen Zischen.„Sehr krank?" fragte sie. „O nein— nichts Ernsthaftes", sagte er. „Daran habe ich gar nicht gedacht." sagte sie.„Es hätte mir ahnen sollen. Und nun mache ich Ihnen Vorwürfe noch obendrein—" Philipp schämte sich über seine Ausflucht, doch noch mehr über den eigentlichen Grund. Er stand an die Thüre gelehnt da und schaute stillschweigend zu. Der Heudunst drang vom Boden herunter und er roch den Atem der Kuh, wenn ihm diese den Kopf zudrehte. Käthe saß auf dem Melkstuhl dicht bei dem Eimer, den Kopf, auf dem sie einen lustigen Sommer- Hut trug, an die Kuh gelehnt. „Also nichts Neues von Pete,»ficht wahr?" sagte sie. „Nein," erwiderte Philipp. Käthe bohrte ihren Kopf tiefer in den Leib der Kuh und murmelte:„Der gute Pete! Ein so einfacher, so natürlicher Mensch l" „DaS ist er," stimmte ihr Philipp bei. „Und auch so gutherzig." ,.Ja." „Und ein so mannhafter Bursche— jedes Mädchen müßte ihn gern haben," sagte Käthe. „Ganz getviß," bestätigte Philipp. Es ward»nieder still und zwei Ferkel, die auf dem Mist- Haufen draußen gegrunzt hatten, niachtcn sich»»»»>» quiekend auf den Weg nach dein Stall. Käthe hielt jetzt den Kopf ihres Hutes Philipp zugetvendct, und sagte: „Ach Gott, es krniu doch nichts Schrecklicheres gebe»», als jemaud zu heiraten, den man nicht liebt I" „Gewiß nicht," sagte Philipp. Der Sommerhiit Richte sich um.„Doch. doch. cS gicbt noch was Schlimmeros, Philipp." „Was denn?" „Jemand nicht geheiratet zu haben, den nian liebt," sagte Käthe, und die Milch prasselte in den Eimer wie Hagel. Im Stroh hinter Käthe lag eine Schwanzlose mankische Katze mit drei geschwänzten Kätzchen und Philipp fing an, mit ihnen zu spielen. Da er Rücken an Rücken mit Käthe stand, so gelang es ihm, seine Fassung zu bewahren. „Die alte Horney schlägt so schrecklich um sich." sagte Käthe über ihre Schulter hinweg.„Könnten Sie ihr nicht vielleicht den Schwanz halten?" Dies brachte sie! einander wieder von Angesicht zn Angesicht gegenüber.„Es ist so an- genehm, jemand in der Nähe zu haben, mit dem sich über Pete reden läszt," meinte Küthe. «So?" „Ich wüßte nicht, wie ich seine lange Ablvescnheit sonst ertrüge." „Ist Ihre Sehnsucht so groß?" „O nein, nicht die Sehnsucht— ich sehne mich nicht gerade. Sie können sich wohl nicht vorstellen, was es heißt, wenn man... Und sind Sie es denn nie selber ge- Wesen, Philipp?" „Was?" „Halten Sie fest... Verliebt, Philipp. Nein?" „Nun," sagte Philipp, der. zu dem Kopf des Sommcrhuts sprach.„Haha! vielleicht nicht so eigentlich. Ich weiß nicht — ich kann es wirklich nicht sagen, Käthe."j „Da— da haben Sie losgelassen und sie hat mich ganz mit Milch überspritzt! Aber ich bin ja nun fertig." Käthe strahlte plötzlich vor Freude. Sie küßte Horney und brachte ihr Kalb unter Liebkosungen in den Stall nebenan. Als sie durch den Hof schritten, trug Philipp den Eimer und sie streute ganze Hände voll Gerste vor einem Hahn mit seinen zwei Hennen aus, die der Hühnersteige zu gackerten. „Nicht wahr, Sie kommen bald wieder, Philipp? Es ist so schön, jemand zu haben, der mich an—" Petes Name blieb ihr diesmal im Halse stecken—„erinnert. Nicht, daß ich ihn etwa vergessen könnte— wie wäre das möglich? Aber es ist schwer, so lange Zeit allein zu sein, da wird einem sehnsüchtig zu Mute. Vielleicht hatte ich wirklich Sehnsucht. Geben Sie mir nun die Milch. Ich wollte es nicht wahr haben, aber man kann auch nicht erwarten, daß ein Mädchen immer vernünftig ist." „Gute Nacht, Käthe." „Ja, es ist besser, daß Sie jetzt gehen— gute Nacht." Philipp ging von ihr fort, peinlich bewegt und doch auch entzückt; voller Wonneschauer und mit dem erstickenden Gefühl elender Heuchelei. Er war sich wie ein Narr vorgekommen. Käthe mußte ihn für blödsinnig gehalten haben. Doch besser, daß sie ihn für einen Narren, als für einen Verräter hielt. Es war nur seine Schuld. Ohne ihn würde das Mädchen durch ihre Liebe zu Pete wie mit einer Schutzwehr umgeben sein. Er wollte nicht wieder kommen. IX. Philipp hielt drei Monate lang an seinem Vorsatze fest und wurde mager und blaß. Dann kam wieder ein Brief von Pete an, ein Brief an ihn selbst, und er wußte nicht, was er damit thun sollte. Ihr ihn durch die Post zuzusenden unter dem Vorgeben, daß er wieder krank sei, wäre eine unerträgliche Heuchelei gewesen. Er brachte ihn also selbst. Die ganze Familie war zu Haufe. Nancy war gerade mit Buttern fertig und Käthe war in der Milchkammer, um die Butter pfundweise abzuwiegen und dann zu stempeln. Philipp las den alten Leuten in der Küche mit lauter Stinime den Brief vor, und im dunstigen Nebenraiim setzte das schwache Aufschlagen und das Bespritzen mit Wasser aus. Pete hing der Himmel voll Geigen. Er hatte in letzter Zeit eine ungeheure Menge Geld erworben und dachte so rasch wie möglich nach Hause zu kommen. Doch konnte er nicht genau sagen wann. Einige schurkischeGauner vonBocrcn hatten nämlich seineKaffern bestochen und sich mit einem Haufen Diamanten tiefer ins Land hinein davon gemacht, die mußte er erst noch verfolgen und abfassen. Doch würde diese Geschichte nicht viel Zeit wegnehmen, so daß sie erwarten könnten, ihn in zwölf Monaten wieder zu sehen, mit einer so vollen Tasche, daß ihm selbst der Teufel und seine Großmutter nichts anhaben sollten. „Ein beherzter Bursche!" rief Eäsar. „Armer Pete," klagte Granuie. „Wenn nur der Roß nicht wäre," meinte Nancy. Philipp ging in die Milchkammer, wo Käthe eben den 2- Rahm von der gestrigen Abendmilch abschöpfte. Er bedauerte, diesmal nichts als einen Gruß für sie zu haben und fragte, ob sie Petes frühere Briefe beantwortet hätte? Nein, das hatte sie nicht gethan. „Ich muß nun, glaube ich, bald schreiben", sagte sie, indem sie das Gelbe von der Milch abblies.„Nur wünschte ich", puh I„daß ich ihm etwas", Puh, puh I„über Sie sagen könnte." „Ueber mich, Käthe?" „Etwas Süßes, meine ich", puh, puh, Puh I Sie sah mit schlauem Blick zu ihm auf.„Sind Sie noch immer nicht sicher? Können Sie's noch immer nicht sagen? Nicht eigentlich? Nein?" Philipp nahm die Miene an, als verstehe er nicht, waS sie nieinte. Käthes Lachen hallte in den leeren blechernen Milchkannen wieder. „Wie gern man doch gewisse Dinge erfahren möchte!" „Aber, wirklich", fing Philipp an. „Ich habe immer gehört, daß die Mädchen in Douglas so schön sind. Sie müssen doch jetzt so viele sehen. O. es wäre köstlich, Pete eine lange Geschichte darüber zu schreiben. Wo Sie sich einander begegnet sind— in der Kirche natür- lich. Wie sie aussieht— versteht sich, blond. Und— und noch nichr dergleichen über sie." „Das ist eine Geschichte, die Sie Pete niemals erzählen werden, Käthe," sagte Philipp. „Was— nie?" sagte Käthe mit leichtem Sinn, und ob- wohl es gerade das war, was sie zu hören wünschte, setzte sie doch traurig hinzu:„Sagen Sie das nicht. Sie glauben nicht, welches Vergnügen Sie damit mir und auch sich selber rauben. Nehmen Sie doch ein armes Mädchen an Ihr Herz. Sie wissen nicht, wie glücklich Sie das machen wird." „Sind S i e denn so glücklich, Käthe?" Käthe lachte froh auf.„Das können Sie sich doch denken!" „Der liebe alte Pete— wie glücklich er sein muß," sagte Philipp. Käthe fing an, den bloßen Namen Pete zu hassen. Sic zürnte aber auch Philipp. Warum konnte er gar nicht er- raten, wie es mit ihr stand? Die Verheimlichung zehrte an ihrem Herzen. Als sie Philipp das nächste Mal sah, ging er am Markte an ihr vorüber, wo sie neben dem Gig stand und ihre Butter verkaufte. Unter den Mädchen rings herum er- hob sich ein Gezische!, als er sich verbeugte und weiter ging. Dies verdroß sie und sie verkaufte rasch ihre Butter um einen Penny das Pfund billiger, holte das Pferd aus dem„Lamm" und fuhr zeitig nach Hause. Auf dem Wege nach Snlby holte sie Philipp ein und hielt an. Er wollte nach Kirk Michael gehe», dem alten Deemster, der krank war, einen Besuch abzustatten. Wollte er nicht mit aufsitzen? Er zögerte, lehnte halb ab und be- stieg dann das Gig. Als sie sich hiernach wieder bequem hinsetzte, trat er auf den Saum ihres Kleides. Er zog den Fuß rasch zurück, als ob er ihr auf den Fuß getreten hätte. Sie lachte, aber ärgerte sich, und als er an der Manks-Feo abstieg und sagte, daß er abends auf dem Rückweg ein- sprechen werde, erwiderte sie, daß Graunie sich freuen würde, ihn zu sehen. Die Mädchen vom Marktplatz standen nach gcthancr Arbeit am Mühlteich, die Arme unter der Schürze über ein- ander geschlagen und girrten wie über ihnen in den Bäumen die sich paarenden Vögel, als Philipp über Sulby heimkehrte. Er sah Käthe auf dem Weg durch die Bergschlucht herab- kommen, zwei Färsen mit einem Büschel wilden Senf vor sich her treibend, dessen Blütengold in den Strahlen der untergehenden Sonne über den Rücken der Tiere hinfunkelte.' Sie hatte ihre gute Laune wiedergewonnen, tänzelte dahin, sang lustige Stückchen und war voller Leben, Schönheit und Jugendmut. Sie that, als ob sie ihn nicht sähe, bis sie dicht an seiner Seite war, und die Färsen in den Hof hinein gingen. Dann sagte sie:„Ich Hab' ihm geschrieben und's ihm er- zählt." „Was?" fragte Philipp. „Daß Sie gesagt haben, Sie würden ein unverbesserlicher alter Junggeselle bleiben." „Daß ich das sagte?" „Ja, und ich habe noch hinzugefügt, Sie hielten sich von den Mädchen so fern, daß Sie überhaupt kein Herz haben könnten." „Das glauben Sie, Käthe?" - öl ..Gewiß; und daß er keinen besseren als Sie dättc beanf- tragen können, alle diese Jahre nach mir zu sehen, da Sie weder Augen, noch Ohren, noch einen Gedanken für ein andres lebendes Menschenkind hätten, außer für ihn." „Das haben Sie doch nicht an Pete geschrieben.. sagte Philipp. „Habe ich's nicht gethan?" fragte Käthe und trippelte auf den Fußspitzen fort. Er eilte ihr nach. Sie lief rasch in den Hof. Er hinten- drein. Sie riß die Thür zum Obstgarten auf, schlüpfte hin- durch und gewann die Thür zur Milchkammer, hier aber fing er sie und hielt sie fest. „Es ist nicht wahr. Du Schelm! Sage nein, sage nein!" keuchte er. „Nein," flüsterte sie und bot ihm die Lippen zum Kuß. X. Grannie sah diesen Abend nichts von Philipp. Er ging heim, glühend vor Freude und doch von Scham überwältigt. Zuweilen sagte er sich, daß er nichts Besseres sei als ein Judas, zuweilen wünschte er, Pete möchte nie zurückkehren. Dieser zweite Gedanke kehrte am häufigsten wieder. Er fuhr ihm wie ein greller Blitz durch den Sinn. Er wünschte fast, daran glauben zu können. Wenn er alle Hindernisse auf- zählte, die Petes Rückkehr im Wege standen, schlug sein Puls schneller. Dann empfand er wieder Ekel vor sich selbst. Er quälte sich ab. In seinem verworrenen Herzen zitterte eine neugeborene Freude, die einem jungen Kuckuck gleich ini.fremden Nest ausgebrütet war. Nach vielen Tagen, in denen keine weitere Nachricht von Pete gekommen war, erhielt Käthe von Philipp folgenden kurzen Bescheid: „Ich werde Sie noch diesen Abend aufsuchen. Habe Ihnen eine Nachricht von großer Wichtigkeit mitzuteilen." Es war Nachmittag und Käthe rannte die Treppe hinauf. zog eiligst ihr bestes Hauskleid an und kam dann herunter, um Nancy zu helfen, die im Obstgarten Aepfel auflas. Der schwarze Tom war da, um' die Rückseite des Daches neu mit Stroh zu belegen, und Cäsar machte am Drehzeug Strohseile dazu. Es lag ein weiches Herbstgefühl in der Luft, die Tauben girrten auf dem Giebel des Mühlenhauses und alles war von stillem Glanz erhellt. Käthe war auf die Gabel eines Baumes geklettert und warf Aepfel in Nancys Schürze, als das Gatterthor des Obstgartens klappte und sie beim Eintreten Philipps unversehens einen kleinen Freudenschrei ausstieß. Dies zu verdecken, stellte sie sich, als ob sie herunter- fallen wollte, und er lief herbei, ihr zu helfen. „O, es ist nichts," sagte sie leise.„Ich glaubte, der Ast würde brechen. Sie sind es also. Dann fragte sie mit lauter Stimme:„Ist Deine Schürze nun voll, Nancy? Ja? Bring' dann einen andren Korb heraus, den weißen mit den Henkeln. Sind Sie über Laxey mit der Post gekommen? Herüber- geritten, wie? Glaubst Du wirklich, Nancy, daß wir Zucker genug für all diese Aepfel haben?" „Guten Abend. Mr. Christian," sagte Cäsar. Und der schwarze Tom, der auf dein Dach saß, griff an die breite Krampe seines Strohhuts. „Lassen Sie's neu decken, Mr. Cregeen?" „Ausbessern, nur ausbessern. Möge der Herr unsre Sünden ebenso zudecken, oder wie sollten wir uns sonst vor seinem strafenden Zorne schützen." „Wie ärgerlich ," sagte Käthe vom Baunie herab.„Die Hälfte davon bekommt Flecken und wird nur noch gut zum Einmachen sein. Sie fallen bei der leisesten Berührung ab, wie Sie sehen— so reif sind sie schon." „Mögen wir bei der großen Ernte alle so reif sein und würdig befunden werden zum Aufbewahren ," sagte Cäsar. „Sehen Sie dort den großen Apfel, voller Knoten wie die Muskeln eines Hufschmieds, und doch wird er so rasch faulen wie der kleinste des Hanfens. Es giebt uns die Lehre, daß wir alle zu Grunde gehen werden, die großen Berge so leicht wie kleine Heuschober. Diese Welt ist vergänglich." Philipp hörte nicht zu, sondern blickte nnt ängstlicher Zärtlichkeit zu Käthe hinauf. „Wissen Sie." sagte sie,„daß ich fürchtete, Sie wären aufs neue unwohl?— Deine Schürze, Nancy— war das nicht thöricht, wie?" „Nein, mir hat nichts gefehlt," sagte Philipp. Käthe sah ihn fragend an.„So war es also jenrand anders? Ich habe Ihren Brief erhalten." .«Kann ich Ihnen herunter helfen?" „Was ist � es? Gewiß, es muß etwas vorgefallen sein." sagte Käthe. „Setzen Sie den Fuß hierhin," sagte er. „Helfen Sie mir herunter. Mir wird schwindelig." „Seien Sie vorsichtig. Halten Sie sich dort fest. Geben Sie mir nun die Hand." lFortsetznng folgt.) Kleines Feuilleton. so. Die Bevgwerkskrankheit— so könnte man ein eigen- tiimliches Leiden bcneiiue», das von der Wissenschaft �larasinus rnontanus bezeichnet wird und unter Bergleute» eine sehr hohe Ver- breitung besitzt. I» einem sehr eingehenden Vortrag, den der Bergarzt Dr. Goldman neulich vor der Wiener Gesellschaft für innere Medizin gehalten hat, ivird der Enlbehrnng des Tageslichts keine erhebliche Tragiveite beigemessen, eine umso größere dein Lufthiniger. Dieser Ausdruck soll die Folgen eines daucrnden Aufenthalts in einer sanersloffarmeii und mit verschiedenen zur Atmung nicht bestinnuten Gasen geschwängerten Atmosphäre bezeichnen. Seine Wirkung wird noch erhöht durch die oft sehr starke Hitze in den Strecken und durch die infolge der anstrengenden Arbeit forcierte Atmung. Alles zusammen führt zu einer den Berg- leuten eignen Berufskrankheit, dein Lnngeueuiphysem, außerdem ivohl auch zu Störungen in Herz, Leber und Nieren. Damit sind aber die der Gesundheit des Bergmanns drohenden Gefahren nicht er- schöpft. Infolge der Hitze und der angestrengten Thätigkeit tritt ein gesteigertes Durstgefühl ein, das zur Aufnahme großer Mengen von Wasser verleitet, und dies muß selbst dann schädlich ivirkeii, wenn das Trinktvasser rein und gut ist, eine Boraussetzung, die gerade in Bergwerke» häufig genug nicht zutrifft. Die Folge eines über- mäßigen Wassergeuusses ist Mageneriveiterung, Magenkatarrh ustv. Durch den Mängel an Sauerstoff und die Anwesenheit von Gasen ivie Schtvcfeltvasserstoff, Aunnonink, Kohlensäure und Grubengas in der Atemluft wird die Blntbildnng und somit auch die Gesamternährung nachteilig beeinflußt, und die Bleichsucht ist eine sehr häufige Erscheinung bei Berg- leuten. Weitere schädliche Einflüsse werden ausgeübt durch den stets reichlich vorhandenen Staub, ferner durch die unbequeme Körper- Haltung, die der Bergmann oft bei der schwersten Arbeit einnehmen und stundenlang beibehalten muß. Dazu kommen»och andre, zum Teil noch unaufgeklärte Kraiikheitsformen, und die Summe von allein ist eben das, was den Rainen der Bergiverkskcankheit verdient. Eine medizinische Behandlung ist gegen die Bergivcrkskrankheit bisher nicht gefimdcil worden, um so mehr Gcivicht sollte auf vorbeugende Maßregel» gehalten ivcrden, namentlich auf die Fürsorge einer guten Lüftung im Bergwerk und auf die Beschaffung guten Trink- ivassers.— Musik. Wahrend wir vergeblich nach größere» Fortschritten in der wirk- lichcn Kunstbildung der ivciteste» Kreise ausspähen, nimmt die Be- Nutzung der Musik zu Ztvecken der Volksunterhaltung einen rüstigen Fortgang. Man sehe z. V., wie viel die vom Schiller-Thcater herausgegebcue„ V o l k S u n t e r h a l t u n g" an derartigen Pro- graunuen, Berichten usw. bringt! Und eben jetzt hat ei» in Berlin ivohlangesebencr Vertreter der leichten Tonmuse, Julius Einödshofer, für den Sommer eine Einrichtung getroffen, die sich zu den populären Konzerten des Philharmonischen Orchesters vom Winter ungefähr ebenso verhält, ivie in München das Wiuterbier zum Sommerbier suicht umgekehrt): also etwas billiger imd etwas dünner eingekocht. Sein wohl neu zusammen- gestelltes Orchester von 40 Mann ist in der für Tanz- und Marsch- und Bierkompositionen üblichen Weise verteilt: die mekodie- führenden, die baßgcbcndcn und die Schlaginstrumente stark, die Instrumente für Mittelstimmen schwach vertreten. Nimmt man nun ans die Höhe solcher Veranstaltungen und außerdem auf die durch- schuittliche Gestaltlosigkeit, mit der heute überhaupt dirigiert wird, Rücksicht, so kann man Herrn Einödshofer allen Respekt vernielden. Er ist freilich von seiner sonstigen Thätigkeit her an die Bumbum-, Schrumschrmn- und Klingkling-Musik gewöhnt. Das kommt zum Vorschein darin, daß ei» feineres Herausarbeiten des Rhythmischen und Metrischen nicht eben Sache seines Dirigiercus ist. Auch nicht seines Komponierens. Im ersten dieser Konzerte(in der großen Philharmonie) am Pfingstsonutag brachte er n. a. eine Kleinigkeit von sich, ein Gondellied„Mondnacht ans dem Meere". Gar nicht übel an Melodie und Stimmung nur von der erwähnten Einförmigkeit! Sein Verständnis für feine Stimmungswellen bewährte sich auch in dem Bortrag eines tanzartigen Charakterstückes.Zwiegespräch" von Manfred; und selbst die alte Tell-Ouverture Rossinis kam verhältnismäßig so gut heraus, daß auch den Orchesterspielern nusre Achtung gc- zollt sei. Herr Einödshofer dirigiert, trotz Temperamentes in der Sache selbst, mit ruhigen Belvegungen, die zum Teil mehr die Formen und Stimmungen als den Takt angeben. Herr Felix L e d e r c r leistet ivohl noch mehr an temperamentvollen Gestaltungen und gönnt sich jedenfalls mehr Lebhaftigkeit in seinen Bewegungen, Ich meine nnnilich den Kapellmeister, mit dem die Marwitz- Oper am neulichen Freitag wieder ihren Eiuzug in Berlin hielt. Diesmal muß das trauliche Schiller-Theater, in welchem diese Sommeropcr sonst spielte, mit dem als„M etropol- Theater' bezeichneten Bergnügungs-Etablissenient vertauscht werden. Schade— denn dadurch wird der gut künstlerische Geist jenes Unternehmens leicht verwechselt mit der Lust des Hauses, in dem es nur zu Gaste iveilt. Eröffnet wurde mit N. Spinellis „A in unteren Hase n", einer in diesem Rahmen bereits be- kannten neuitalienischen Austegungsoper, die aber an knnstlerischem Ernst doch ivohl über dem Durchschnitt dieser Specics steht. Die Hauptanziehnng des Abends war die hochangesehene Sängerin B e r t r a ni M o r a n- O l d e n in der Mutterrolle. Die Qualität, die Ausgeglicheuheit und doch Reichhaltigkeit ihrer Töne sind so groß, daß' sie in dieser Beziehung wohl von keiner mir bekannten Sängerin übertroffen wird. Ein Zug des Derben läßt sich aber doch ihrem Gesang nicht absprechen, und einiges Falschsingc» er- eignete sich ebenfalls, zmnal da anfangs überhaupt nicht alles klappte. Ueber ihre Partnerin K a t h i R o e d e r möchten wir nicht so un- günstig urteilen, wie es ihr thatsächlicher Eindruck nahelegte. Jedenfalls fehlt der Tiefcnlage ihrer Stimme fast olle Fülle; die Höhe könnte milder sein! ihre Bewegungen ver- raten eine» Mangel an Mimilstndium. Allein es blcibl noch so viel des Guten übrig, und vor allem lag in Sang und Spiel so viel ernste Bemühung, daß wir für später noch bcssre Leistungen erhoffe» können, als die sind, in denen wir sie auch schon früher her keimen. Und gegen Ivelche Stimmen mußte sie diesmal auskommen I Der Tenor C. S t u d e m n n d, der Baryton O. v. L a n p p e r t und der Baß(nnd Regisseur) A. C a r l h o f entfalteten große und gute Toumassen: der erstgenannte mit nnzurcichendcr. der zweit- genannte mit zur.ichender musikalischer nnd schauspielerischer Kunst. Die schlichte Morwitz-Oper, die nicht mehr vorgiebt, als sie ist, bedeutet für uns eine wahrhafte Erquickung gegenüber den neulichen Festspielen oder Spielfestcn. Schade, daß sie am Abend später als sonst beginnt und den Uustig der überlangen Pansen mitmacht; was hat denn unsereiner verbrochen, daß ihm so seine Zeit getötet wird?! — SZ. Geologisches. Ie. Der K a t a st r o p h i s m n s in der Wissenschaft. Die ungeheuren Natnrvorgänge in Mittelamerika wecken die Er- innerung an das, was die Wissenschaft als Katastrophisums kennt. Der Katastrophismus oder die Katastrophentheorie bezeichnet die An- schaunng, derzufolge sich die Entivickclung der Erde und ihrer Oberfläche in einer Reihe von großartigen Umwälzungen vollzogen habe. die von Zwischenzeiten größerer oder völliger Ruhe unterbrochen worden wären. Im Gegensatz zn den Vertretern des Katasirophis« mus standen und stehen die sogenannten Evolntioiiisteii, die alle geologischen Thatsachen ans einer laugsamen und Verhältnis- mäßig zivanglosen Eiitwicklmig erklären ivollen. Eine gcivisse Schule von Geologe» ist sogar soivcit gegangen, den Ein- fl»ß von Katastrophen im Hinblick auf die Gesamt- rntwicklnng als ganz gering zn bezeichnen, nnd sie wurden daher Quietisten genannt. Der Streit zivischen diesen verschiedeneu Theorien ist bis zum heutigen Tage nicht anSgcfochten, und man kann nur so viel sagen, daß sich die Geologen jetzt dem von ihrem berühmten Altmeister Lyell begründeten EvolutionismuS mehr ab- wenden und den großen Katastrophen eine» stärkeren Einfluß ein- zuräiunen geneigt find. Charles Darwin ivar es gewesen, der mit seiner Entwickelungslehre der Anschaunng von einer lediglich gcwalt- samen Umgestaltung der Erde und ihrer Oberfläche den Todesstoß versetzt hatte. Lyell übertrug geivissermaßen die darwinistischeu Ideen auf die Lehren der Geologie. Im besonderen waren es aber immer die Paläontologen, die aus der fortdauernden nnd scheinbar ununterbrochenen Wcitcreutivickclung des tierischen und pflanzlichen Lebens auf der Erde von den ältesten Zeiten an bis auf die Gegen« wart den Schluß zogen, daß die Eutlvickelung der Erde überhaupt eine ruhige gewesen' sein müßte. Je mehr nun die Geologen die Beschaffenheit der Erdkruste und ihrer Znsammcnsetznng erforschten, desto mehr mußten sie die Ueberzengnng geiviunen, daß Katastrophen von einem heule ganz undenkbaren Umfang in der geologischen Geschichte wenigstens gewisser Entivicklungszeiten der Erde eine be- stimmte Rolle gespielt hätten. Es hat Zeiten gegeben, in denen fast die ganze Halbinsel Vorderindien»»d andre Erdräume von ähnlicher Ausdehnung ein einziges Meer von Lava gewesen sein müssen, und wenn man gar in der geologischen Geschichte noch weiter zurückgeht bis an die untere Grenze der paläozoischen Epoche, des Altertums in der Erdgeschichte, so stoßen ivir auf Zeugen von vulkanischen Eruptionen, die in ihrem Umfang und in ihren Folgen sich sogar zn einer Katastrophe ivie der jetzigen in Mittelamerika oder jener in der Suuda-Straße vorn Jahre 1883 etiva ebenso verhalten ivie die Größe eines ganzen Erdteils gegen die der kleinen Insel Martinique. Die Geologen haben sich daher neuerdings ziemlich ohne Ausnahipe zu einem katastrophislische» Glauben bekannt, der allerdings nicht mehr dein rohen 5katastrophisnlus der älteren Gelehrsamkeit entspricht, aber doch den plötzlichen Um- wälzungen aus der Erdoberfläche eine erhebliche Bedeutung zugesteht. Die letzten Naturereignisse können selbstverständlich nur als eine Be- stätigung dieser Theorie aufgefaßt ivcrden. Das ganze Alter des Menschengeschlechts ist im Verhältnis zu dem Schritt der geologischen .Beranlirortlicher Nedaaeun Carl Leid in Berlin. EntWickelung viel zu unbedeutend, als daß sich in dieser Zeit schon ein merkbares und zuverlässiges Erlöschen des Vulkanismus hätte vollzogen haben könneu.— Humoristisches. — Vom Weltuntergang. Der„Frankfurter Zeilung� wird ans Stuttgart geschrieben: Bei manchen Sekten herrscht der Glaube an den baldigen Weltuntergang. Das gilt auch von der in P a I ä st i n a ansässigen Templergemeinde, die sich Vorzugs- iveise ans Württcmbergern zusammcnfetzt. Die Templer sind fleißige, fromme Leute, die aus wüstem Gelände fruchtbaren Kulturboden geschaffen haben, ivobei sie nicht immer die Unterstützung der tnrki- scheu Behörde» fanden. Mit der schwäbischen Heimat stehen sie in enger Fühlung i in Württemberg selbst besteht eine Tcmplergemeinde, die in Stuttgart einen Geistlichen hat. Ich wurde neulich in der Stuttgarter elektrischen Bahn auf das Gespräch zweier Frauen auf- merksam. „Sie send wohl»et vou Stngert?" fragte die eine im Laufe der Unterhaltung, worauf die andre erwiderte: „Raa. i bin fremd hier, i wohne in Jerusalem. � Darauf große Verwunderung der Einheimischen! bald stellte sich auch heraus, daß beide Frauen der Templergemeinde angehörten. Nu» folgte eine längere Aussprache über die Vorzüge nnd Schatten- feiten des gelobten Landes. Endlich kam die Rede auch auf die biblische Prophezeiung vom Weltuntergang, und die Stuttgarterin bemerkt«: „Ond des ijch an aang'nehm, daß mer in Jerusalem«o so noh derbei ischt." „Sell isch g'iviß," antlvortete die andre,„deshalb send mer au nangange. Aber des heut mer steile»et denkt, daß sich» so lang na» s z i'e h e l h ä t." Worauf die Stuttgarterin gleichsam tröstend erlvidcrte:„Sie hent do»o ebbes vor de andre voraus." Die Frau aus Jerusalem seufzte jedoch und meinte:„S' hat sei Guts ond hat sei Schlechts. Onsc Bua isch nemuie in V Schul z' beenge gwä; er Hot behauptet, wann d' Welt do ontergeh, uo brauch er au ii e x m e h z' lerne!"— Notizen. — Die Berliner Novellistin Elsbetb Meher-Förster ist am Tage vor Pfingsten in Bozen im Alter von zweinnddreißig Jahren g e st o r b e n.— — Otto Julius Bi erba nm soll, dem„Börsen- Courier' zufolge, die Redaktion der belletristischen Beilage einer im Entstehen begriffenen großen Wiener Tageszeitung („Die Zeit") übernehmen.— — Hans Mischte vom Bremer Stadtthcater ist als„erster Held" für das Berliner Theater engagiert worden.— — Karl S ch ö n h e r rs Drama„Sonn wendtag" wird in der koininendeu Saison eine der ersten Novitäten des Deutschen Theaters sein.— — B j o r n s o n s„ L a b o r e m n S" erzielte bei der Premiere im Hamburger Deutschen Schauspielhaus nur einen Achtungserfolg. —„Der B l n m e n Rache" heißt ein ncncS Lustspiel von Adolf Wilbrandt, daS im Herbst in Hamburg erstmalig in Sccne gehen wird.— — Kayserlings Schauspiel„Ein F r ü h l i n g s o p f e r' wurde bei der Erstaufführung vom Wiener Volks-Theatcr kühl aufgenommen.— — W e i n g a r t n e r S Trilogic„Orestes" tvlrd demnächst durch das Ensemble der Stuttgarter Hofoper in Berlin zur Auf« führnng gelangen. Weingartner wird selbst dirigieren.— — Das Deficit des P e n s i o n s g'r n n d st o ck S der Wiener H o f o p e r betragt 108 000 Kronen.— c. Der russische Tenor S o b i n o w erhält für sieben Mo- n a t c Spielzeit an der russischen Oper eine Gage von 24 000 Goldrubel(76 800 M.).— — Preisausschreiben. Die Wiener Wochenschrift„Die Zeit", die im Herbst in ein Tagblatt umgestaltet wird, schreibt einen Preis von 500 Kronen für einen Z e i t» n g S k o p f aus. Näheres ist zn erfahren von der Redaktion der„Zeit", Wien, IX/1, Percgringassc 1.— — Bon dem in A in e r i k a entdeckten Kometen, der bei uns nicht sichtbar sein wird, am wenigsten für das freie Auge, hat nm 18. April Max Wolf in Heidelberg eine Aufnahme mit sieben Minuteii Belichtung erhalten. Der Komet ist sehr schwach und kaum zn messen. Er hat keinen erkennbaren Kern, aber einen breiten fächerartigen Schweif. Der südliche konkave Rand des Schweifes ist bedeutend heller als der nördliche. Der ganze Ein- druck sei aber so schwach, daß das Vorstehende mehr erraten als ge- sehen sei.— — A m t s st i l. In einer Bekanntmachung des Stuttgarter Stadtschnlthcißenamts vom 30. April betreffend Acndcrnng des Stadtbauplanes ist folgendes zn lesen:„Auf der Thal- bczw. Nord- scite der Strecke von der Villa bis zur Wagcnerstraße ist das An- bauen vorläufig weder erlaubt noch verboten."— Druck und Verlag vou Max Bading in Berlin.