WnterhaltlMgsblatt des'Vorwüris Nr. 97. Donnerstag, den 22. Mai. 1902 (Nachdruck verboten.» 1-] Dev MtAnlisttrann. Roinan vo» Hall Caine. Autorisierte Uebersetzung. Es durchzuckte Käthe wie Feucrsglut, als sich ihre Finger berührten. „Warum sagen Sie es mir denn nicht?" fragte sie mit einem leidenschaftlichen Druck der Hand.„Es sind schlechte Nachrichten/ nicht wahr? Gehen Sie fort von hier?" „Jemand, der fortgegangen ist, wird nie wieder heim- kehren," antwortete er. „Ist es- Pete?" „Der arme Pete ist nicht mehr." Ihr Atem stockte.„Nicht mehr?" „Ja, er ist tot," sagte Philipp. Sie wankte, nahm sich aber rasch wieder zusanimen. „Halt!" sagte sie.„Ist's auch gewiß. Ist kein Jrrtmn mög- lich? Ist's wahr?" „O— nur zu wahr." „Ich kann jetzt die Wahrheit ertragen— doch später— heut nacht, morgen früh— könnte mich's töten, wenn.. „Nein— Pete ist tot, Käthe. In Slimberley ist er gestorben." „Philipp!" Sie brach in wildes, krampfhaftes Weinen aus und barg ihr Gesicht an seiner Brust. Er schlang die Arme um sie, weil er sie damit zu be- sänfttgen glaubte.„O. seien Sie tapfer. Halten Sie sich aufrecht. Es ist ein furchtbarer Schlag. Ich hätte es nicht so plötzlich sagen sollen. Mein armes Mädchen! Mein wackeres Mädchen!" Sie schmiegte sich an ihn wie ein geängstetes Kind. Thronen drangen aus ihren festgcschlossenen Augenlidern hervor. Vier Jahre lang hatte sie Zuriickhaltung geübt, jetzt öffneten sich die Schleusen auf einmal und sie drückte ihm einen Kuß auf die Lippen. Vor Wonne bebend und in dem beseligenden Gefühl der Erlösung nach vier Jahren der Heuchelei und des Verrats gab er ihr den Kuß zurück, und sie lächelten beide unter Thräncn. „Anncr Pete, armer Pete, armer Pete!" XI. Bei Käthens heftigem Schluchzen hatte Cäsar sein Dreh- zeug hingeworfen: er war horchend näher getreten, und der schwarze Tom war vom Dache heruntergerutscht. Nancy kam niit dein Korbe zurück und Graunie trat aus dein Hause. Cäsar hob feierlich die Hände empor und sagte:„Nun, Ihr Weiber, beherrscht Euch und hört zu, während ich rede: Peter Quilliam ist in Kimberley gestorben." „Gott stehe uns bei!" schrie Grannie. „Herr meines Lebens I" schrie Nancy. Beide Frauen gingen ins Haus, zogen die Schürzen über den Kopf, setzten sich nieder uiid wiegten sich hin und her. „Ach, der arme Junge! Der arme Junge!" Käthe wankte totenblaß herein, und die Frauen eilten herbei, sie zu trösten. Mit ihrem teilnehmenden Klage- gestöhn inachten sie größeren Lärm als Käthe mit ihrem Schluchzen. „Still! Mach gute Miene dazu, Mädchen!" sagte der schwarze Tom.„Ein Staatsmädel wie Du wird rasch einen andren kriegen und ihr Brautlied singen, eh' man sich's ver- sieht." „Schämt Euch was. Mann! Seid Ihr betrunken wie Mackillya," rief Nancy.„Ist's nicht Euer eigner Enkel?" „Käthe wird nie wieder einen finden wie ihn," klagte Graunie.„Ach. der gute, der herzige Junge.", „Wer weiß, vielleicht hat er selbst eine andre gehabt," murrte der schwarze Tom.„Aus den Augen, aus dem Sinn! Junges Schiffsvolk hängt auf jeden Zaun seine Lumpen." Man half Käthen hinauf in ihr Zimmer. Philipp nahm Platz in der Küche. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, und die Schenkstube war in fünf Minuten gefüllt, Inmitten aller stand Cäsar, feierlich und gewichtig. „Er hatte an jenem Abend, als er von uns Abschied nahm, seinen Hering umgekehrt," sagte er.„Mein Vater that dasselbe in der Nacht, da er beim Rumschmuggcln nach White» Häven unterging. Ich Hab' auch nie gesehen, daß ein Mann, der das gethan hat, am Leben geblieben wäre." „Du verwechselst das, Vater," jammerte Grannie.„Es war Mr. Philipp, der den Hering umkehrte. Der arme Junge, ach, der arme Junge!" „Wie wäre das möglich, Mutter," sagte Cäsar gering- schätzig,„Mr. Philipp ist ja nicht tot." Doch Grannie hörte nicht zu. Sie nahm die Beileids- bezeigungcn von einem halben Dutzend Frauen in Empfang, die sich um sie geschart hatten.„Ich Hab' es die Nacht, da er absiihr, geträumt. Ich hörte einen schrecklichen Schrei— ganz gewiß.„Vater", sagt ich,„was ist das?" Es war ge- radc, als Hätt' ich's mit angeschen, wie der arme Junge sein vorzeitiges Ende fand." „Nun ist er eingegangen zur ewigen Ruhe," sagte Cäsar. „Das Gras verdorrt, der Wurm stirbt nicht, und wir werden bald alle mit ihm im Himmel sein!" „Um Gottes willen, Vater, sprich nicht so schreckliche Dinge," rief Grannie, an ihrer Schürze zerrend.„Sie fragen nach seiner Mutter, Madam? Ob sie noch lebt? Nein. Schon unter dem Rasen, ich weiß nicht wie lange. Lungen- tuberöse— die Arme!" „Ich kenne ihn von Kindheit auf," sagte jetzt einer.„Es war beim Kreiselspiel, nein, es war beim Ballspiel..." „Ich sah ihn am Morgen, da er absegelte," sagte ein andrer.„Ich stand gerade so..." „Mr. Christian sah ihn zuletzt," stöhnte Grannie, und die Leute in der Schenkstube starrten mit ehrfurchtsvoller Scheu durch die Glasthür nach Philipp. „Ich war ihm immer ganz väterlich gesinnt," sagte Cäsar,„nannte ihn nur meinen„kleinen Krauskopf" und hing mit Leib und Leben an ihm. Er verdiente es auch. Vielleicht, daß seine Geburt ein bißchen anrüchig war, aber wie's im Sprichwort heißt:„Sagt mir nicht, was ich war, sagt mir, was ich bin." Und Pete war immer so rücksichtsvoll, einen höflicheren jungen Mann hat's niemals gegeben." Der schwarze Tom knurrte und spuckte.„Aber Ihr habt doch ohne Erbarmen auf den Jungen losgcschrien und eingehackt. Ihr wolltet ihn nicht länger im Hause dulden, und das war der Grund, warum er auf und davon ging." „Ihr habt ein schlechtes Gedächtnis. Thomas— ich habe das immer bemerkt," erwiderte Cäsar. „Ihr werdet wohl läuten laffen und ihm die Leichenrede halten, nicht wahr, Cäsar?" fragte ein andrer. „Ge>viß. gleich am nächsten Sonntag," gab Cäsar zurück. „Das ist unmöglich, Vater," rief Grannie.„Wie soll da das Mädchen ihr schwarzes Kleid fertig haben." „Dann Sonntag in acht oder vierzehn Tagen oder den Sonntag nach der Melliah(dem Erntefest)," beschivichtigte Cäsar.„Das Korn auf den Halmen wartet des Segens, aber ein toter Mensch ist darüber hinaus. O, ich will meines Amtes warten und die harten Herzen rühren: es ist Zeit, wie ein sterblicher Mensch zu sterblichen Menschen zu sprechen: ich will einen Text wühlen, daß es eine Lehre und Warnung sein soll— Hm I Wen da dürstet, der komme—" Der schwarze Tom knurrte und spuckte aufs neue.„Das würde ich nicht sagen, Cäsar. Sie würden denken, Ihr wolltet sie freihalten," murmelte er. Philipp wurde nach den näheren Umständen befragt, und er zog einen Brief hervor. Jonaique Jelly. John der Küster und Johnny der Konstabler waren inzwischen ein- getreten. „Lest Ihr es. Jonaique," sagte Cäsar. „Erst eine reine Pfeife," sagte der schwarze Tom.„Wollt Ihr nicht dabei rauchen, Cäsar? Und ist nicht irgendivo ein Schluck Rum? Nein? Und nicht einmal ein Teller mit Zwieback und ein Tropfen Thee? Soll es denn ein Leichen- begänguis von Mäßigkeitsjüngern Iverden?" „Dies ist keine Zeit, bei Gelagen unser leibliches Teil zu erfrischen." sagte Cäsar streng.„Es ist Zeit zu Gebet und Lobpreisung." „Ich möchte auch gern ein paar Worte sagen." wagte der Konstablcr bescheiden zu äußern. „Meister Niplightly." beschied ihn Cäsar,„seid nicht zu eifrig, Eure Gaben zu zeigen,'s ist Eitelkeit. Ich will selbst öine Andacht halten." Und Cäsar sprach ein Dankgebet für alle in Gottesfurcht und Glauben Dahingeschiedenen. „Cäsar ist kein Mann von liberaler Gesinnung, aber im Gebet ist er mächtig," flüsterte der Konstabler. „Er ist kein Verschwender, wolltet Ihr sagen," meinte der schwarze Toni.„Ich habe ihn nie einen Schnaps für jeniand bezahlen sehen." „Jetzt zu dem Briefe. Jonaique," sagte Cäsar. Er kanr von einem der jungen Gills, die mit Pete ab- gereist waren und der diesem bisher als Bricfschrciber ge- dient hatte. „Geehrter Herr," las Jonaique.„Mit Betrübnis und Schmerz schreibe ich diese wenigen Zeilen, um Ihnen Nach- richt von dein armen Peter Quilliam zu geben.. „Der arme Junge, ach, der arme Junge!" unterbrach Grannie ihn jammernd. „Da ich Iveih, daß Sie sein Freund auf der alten Insel sind und er außer von dem Mädchen zumeist von Ihnen gc- sprachen..." „Ach, der gute Jung.. «Still, Frau..." „Er hat hier viel Geld in den Diamantmiiien gc- Macht..." „Und hat mir doch nie einen gelben Sovercign geschickt," sagte der schwarze Tom,„nicht einmal eine Hand voll Half- pencc. Was nützt es da. Enkel zu haben?" Cäsar winkte niit der Hand.„Fahret fort, Jonaique. Es ist schlimm, wenn der trügerische Reichtum sdie Oberhand über einen Menschen gewinnt." „Wo ivar ich? O, hier, bei den« vielen Gclde. Doch freute er sich dessen nie.. „Je mehr Geld, je mehr Sorgen," murmelte Cäsar. „Sondern sprach nur immerfort vom Nachhausekoiiimen und schmiedete Pläne, wie er es durchsetzen wollte." „Ja, daheim sitzt sich's am besten," klagte Grannie.„Und es war ein Vergnügen, zu sehen, wie der Bursche die Heimat liebte.„Hab' ich nur einen Teller voll Fleisch mit Kohl, so frag' ich nichts nach Kuchen und Reserven, Grannie," sagte er wohl. Ach der arme Junge, der gute Junge!" „Was fragt die Nachtigall nach einem goldenen Käfig. wenn sie auf einem Zweig sitzen kann," warf Cäsar ein. „Ist des Burschen Kiste schon da?" fragte John der Küster. „Da steht etwas drüber," sagte Jonaique;„die Leute sollten einen nur weiter lesen lassen." „Sie gehört mir," rief der schwarze Tom. „Das werden wir mit der Zeit in Erwägung ziehen," sagte Cäsar und winkte Jonaique, fortzufahren. „Er hatte schon seine Kiste zur Abreise gepackt, als sich vier Gauner, die unser Gehöft umschlichen und die Kaffern bestochen und verführt hatten, mit einem Beutel voll Diamanten davonmachten. Desperates Gesindel! Daher sich denn auch niemand darum riß, ihnen nachgeschickt zu werden. Der gute Peter aber, der immer etwas stierköpfig war. lief augenblicks ins Bureau und meldete sich,— ob er ihnen nachsetzen dürfte. Und fort ging's noch am selben Abend ans die Jagd, mit zwanzig Kaffern seiner eignen Truppe als Unterstützung. Auch keine besondre Gesellschaft und verdächtig, mit den Gaunern in Unterhandlung gestanden zu haben. Doch Peter schwor immer auf ihre Liebe, die mit jedem Tage dicker und fester würde, wie saure Milch.„Die Liebe zu ihrem Kapitän war ihr steter Gesprächsstoff und wird es bis zu ihrem Tode bleiben," sagte Peter." „Er nahm das Wort an, wie durstiges Land den Regen schluckt." bemerkte Cäsar. Peter Quilliam und ich hatten eine unbändige Freude an einander.„Lebewohl, Vater," sagteer, und er schüttelte mir furchtbar die Hand— doch fahrt weiter fort, Jonaique." „Das ivar vor vier Monaten und es ist erst vierzehn Tage her, daß acht seiner Kaffern zurückkehrten." „O, Du mein Gott!"—„Nun, nun"—„Jamnicr- voll, jammervoll!"—„Still da!" „Sic konnten die Gauner erst weit drinnen im Lande einholen; da brachte sie Peter zum Stehen. Sie hatten aber Winchester-Rcpetirgewehre, und Peters Leute vermochten die Mündung einer Flinte nicht vom Halse einer Schnaps- flasche zu unterscheiden. Der Anführer der Rotte legte sein Gewehr auf Peter an und schrie wie ein Oberamtmann auf ihn ein:„Du thätest besser, wieder dahin zu gehen, woher Du gekommen bist."—„Nicht unverzüglich," rief Peter und streckte ihn nieder. Dann gab es einen Ranch, wie in einer Schmiede am Beschlagtag') und„Gebt Fersengeld Jungen!" rief Peter. Und wenn die Schlingel Petern auch nicht beim Schießen gleichkonnnen konnten, so thaten sic's ihm dock) bcini Laufen zuvor. Das letzte, was sie von ihm hörten, war, daß er, von den Schüssen der Gauner verfolgt, hinter ihnen laut aufschrie: O, o! Es ist aus I Ich bin hin I Kehrt heim und bringt die Kunde. Jungen— o, o I" „Freue Dich nicht, meine Feindin, daß ich daniederliege, ich werde wieder auskommen, Selah!" sagte Cäsar. iFortsetzung folgt.) Gefiedevke und Spreche Mit der Beschreibung und Bewertung des Naturgcsangcs oder einer durch Nebung erworbenen inusikalischen Leistung eincö Vogels hat es eine eigne Bewandtnis. Es fehle» uns nicht nur die Mittel, um die Art einer individuellen Gestaltung des vorgetragenen Gesanges einigermaßen zu bestimmen, sondern wir entbehren sogar eines branchbaren Schemas, irgendwie zuverlässiger Symbole, um diesen nach Text und Melodie fixieren zu können, denn die Weisen eines Vogels lassen sich nicht immer als melodisch gegliederte Tonfolgen auffassen und in Notenschrift umsetzen. Selbst ein so deutlicher nnd für das durchschnittliche Gehör scheinbar so einfacher Laut wie der bekannte Kuckucksrnf, laßt sich nicht vermenschlichen. Brehm versichert uns, daß der Kuckuck nicht„knk-kul". sondern„nh-nh" rufe, andre glauben wieder ein „Gn-gu" herauszuhören— ein Beweis, daß sich unsre Vokale und Konsonanten zur Wiedergabe der Vogelsprache gar nicht eigne». Die mit einem hervorragenden Stimmorgan begabten Vögel lassen sich mm in drei Gnippen sondern, nämlich in eigentliche Sänger, in Spötter oder Imitatoren nnd endlich in Sprechkiinstlcr. Die Einteilung hat natürlich nur einen schemalischen Wert. Den» es erweisen sich viele Spötter zuweilen als ausgezeichnete Sänger, und die sogenannte» Sprechkünstler sind im Grunde genommen nur Imitatoren artikulierter Laute. Die zu den edelsten Sängern gc- zählten Arten werden von Kennern nnd Liebhabern verschieden hoch bewertet, je nachdem.daS Hauptgewicht auf den Vortrag, insbesondere die Reinheit und Fülle der Töne, oder ans Reichhaltigkeit und Ab- Wechselimg der Melodie gelegt ivird. Im großen nnd ganzen ist man sich jedoch Über die Reihenfolge der ihrem Gesänge nach zn bewertenden Vögel dinig Das Hanptkontingent für dieselben stellt die Ordnung der Insekten- oder Weichfuttcrfresser dar. Die Körncrfrcsser, zu welchen bekanntlich auch der Kanarienvogel gehört, besitzen durchweg eine viel zu kurze nnd gleichmäßige Melodie, als daß man sich für ihren an sich nicht zu unterschätzenden Gesang besonders erwärmen könnte. An die Spitze aller Sänger stellt man seit jeher den S p r o s s e r oder die Aunachtigall als Königin und Meisterin des Vogelliedes voran. Die gesangliche Leistung eines Sprossers kann indessen je nach dem Alter des Vogels, seiner individuelle» Veranlagung, besonders aber je nachscinerZngehörigkcitzn einer bestimmten Lokalrasse von sehr schwankendem Werte sein. Als die besten Sprosser gelten die- jenigen einiger eng begrenzter Distrikte Rußlands und andrer nordischer Länder, während die Sprosser südlicher Herkunft iveit weniger beliebt sind. Besonders wertvoll, leider verhältnismäßig selten, sind solche Vögel, welche außer dem für ihre Rasse besonders charakteristischen Gesänge noch den Schlag der Nachtigall nachahmen nnd ihn gesondert wiedergeben. Dem Sprosser sehr nahe verwandt nnd ihm im Gesänge bei- nahe ebenbürtig ist die gewöhnliche Nachtigall. Ihr nictnllisch klingender Gesang bewegt sich zum Teil in langen, zuweilen im- endiich weichen und den andächtigen Zuhörer geradezu nielancholisch stimmenden Flötentouren. Als dritter im Bunde der gefiederten Sängerfürsten gesellt sich den beiden vorgenannten die Sing- d r o j s e l oder Zippe hinzu. Der Gesang guter Vögel dieser Art weist etwa ei» Dutzend verschiedener Strophen auf. Mit dem S ch w a r z p l ä t t ch e n oder der M ö n ch s- G r a s m ü ck c ist die Zahl wenigstens unsrer einheimischen Meistersänger so ziemlich er- schöpft. Uebrigcns erfüllen die uns näher bekannten exotychen Sing- Vögel hinsichtlich ibrcr gesanglichen Leistungen keineswegs die Er« Wartungen, die man in Anbetracht ihrer üppigen Lebensbedingungen und ihrer oft bestechenden Namen an sie zu stelle» igeneigt sein J) Hooping-day, der Tag, an dem die Fässer mit eisernen Reisen beschlagen werden. � Ans: N c r t h u L illustrierte Wochenschrift für Tier- nnd Pflanzenfreunde, für Sannnler und Liebhaber aller naturwissenschast» lichen Zweige. Allona-Ottcnscii, Chr. Adolff. könnte. AIS bester unter den bekannten und bei uns häufiger ein- geführten exotischen Sängern gilt die in Indien einheimische S ch a m a- d r o s s e l, ivelche in ihrem Habitus von unseru bekannte» Drosselarten ziemlich abtveicht. Dieser Vogel ist außerdem ein ganz ausgezeich- netcr Spötter, der den Schlag unsrer edelsten Sänger mit derselben Virtuosität wiederzugeben vermag, wie die Melodie irgend einer ihm vorgepfiffenen Strophe. Unter den exotische» Imitatoren verdient nächst der amerikanischen Spottdrossel eine ganz besondere Beachtung der B e o. Wer ein paar Laute von diesem seinem ganzen Wesen nach äußerst, inter- cssantcn Vogel zum erstenmale vernimmt, der sucht sich vergebens einen klaren Begriff davon zu machen, welche Laute der Vogei wohl in der freien Natur hervorbringen möge. Denn der gefangen gehaltene Bco ahmt das Knarren einer Thür, das Miauen einer Katze, das Räuspern eines Menschen, ja alle erdenklichen artikulierten Laute selbst ohne Aufwand einer besonderen Mühe für seine Ab- richtung täuschend nach. Im Spreche» und Pfeife» leisten einige Individuen geradezu erstaunliches. Im übrigen spielt die individuelle Veranlagung beim Bco sowohl, bei allen hier besonders aufgeführten Vögel» eine große Rolle, wie den» die Scheidung zwischen Stümpern und Virtuosen zu den dem Vogelliebhaber geläufigsten Gepflogen- hcite» gehört. Unter den einheimischen Vögeln sind als gewandte Imitatoren fremder Vogelstimmeu einige Würgerarten, insbesondere der rot- riiclige W ü r g e r, hoch geschätzt. Auch unser gemeiner Star sucht uns zuweilen für seinen nichts weniger als angenehmen Natur- gesang durch Verflechten desselben mit den Strophen einer Amsel oder eines andren Vogels empfänglicher zn machen; besonders gefallen kann er uns jedoch»nr dann, wenn er auch einige deutlich gesprochene Worte zum besten geben kann. In dieser Hinsicht steht er allerdings mit samt seinen entfernteren Verivandtcn, ivic Elster und Eichelhäher, bedeutend zurück hinter den durch ihre Intelligenz und de» eigenartigen Ban ihres Stimmorgans zum Nachsprechen menschlicher Worte ivie geschaffenen und zu dieser Thätigkeit schon im Altertum abgerichteten Papageien. Wenn auch die überiviegende Mehrzahl der Papageicnartcn niehr oder weniger gut sprechen lernt und zuweilen einzelne In- dividuen selbst solcher Arten hervorragendes leisten, an die man nur bescheidene Ansprüche zn stellen Pflegt, so wird einigen bestimmten Galtungen ein besonderes Sprachtalent beigelegt nnd ans die Ab- richtung derselben eine besondere Sorgfalt verwandt. Als der am meisten sprachbegabte Papagei gilt allgemein der Gran papagei oder I a k o, der sich einer geradezu historischen Berühmtheit erfreut. Einem gut veranlagten Jako ist ein Sprachschatz von 100 Worten nnd darüber, die er in ganzen Sätzen und so deutlich Ivie ein Mensch ausspricht, bei- zubringen', er lernt singen, einen Hund zurückrufen oder anpfeifen, das Gespräch mehrerer Personen täuschend zu imitieren und der- gleichen mehr. Dem Jako ziemlich ebenbürtig sind die prachtvoll gefärbten, leider verhältnismäßig selten bei uns importierten BreitschwanzloriS. Diese Vögel zeichnen sich außerdem durch ihr ruhiges Wesen aus, ein Vorzug, der den als Sprachkünsllcr ebenfalls hochgeschätzten Amazonenartcn weniger eigen ist. Unter der artenreichen Gattung der Amazonen gilt als besonders talentiert der große Doppel- gelb köpf; aber auch die gewöhnliche grüne oder Notbug- a m a z o n e, welche am häufigsten auf nnsem Vogclmarkt gelangt, lernt in der Regel sehr gut sprechen nnd erfreut sich darum als Stubeuvogel weit und breit einer großen Beliebtheit.— W. I a g o d z i n s k y. Kleines Feuilleton. — Tie Etttivikklung der lthrciitudiiftric. C. Tietzschold, Direktor der k. k. Fachschule für Uhrcnindustrie in Karlstcin, schreibt in der Wiener.Reuen Freie» Presse" über die Uhrenindustrie: .Die heutige Maffen-Uhrenfabrikatio» bcnützt vornehmlich s-lbst- thätige Maschine». Von dieser Art der Erzeugnug kann man aber erst von Milte des neunzehnten Jahrhunderts ab sprechen. Die erste mit selbstthätigen Maschinen ausgestattete Uhrenfabrik hat Jngold 1842 in England eingerichtet. Das englische Parlament verbot jedoch den Betrieb in der Erwägung, daß eine derartige Fabrikation den Uhrmacher benachteilige. Jngold mußte ohne jede Entschädigung die Frucht jähre- Innger rastloser Geistes- und Handarbeit verlassen, nni in der Schweiz Aufnahme und eine» neue» Wirkungskreis zu finden. In den 50er Jahren begann die Gründling der amerikanischen Uhren- fnbrikation, in denen entweder Schwarzwälder-Uhren, oder Pendel- uhrcn oder Taschenuhren in riesigen Massen erzengt ivurdcn. So liefern die drei größten Fabriken je 3000, 1500, 1000 Taschen- uhrc» täglich. Später richtete sich die Großfabrikation in Deutschland mit selbstthätigen Maschinen der Uhrenfabritation ein, und es bestehen im Schwarzwald Fabriken, welche täglich 5000, 3000, 2000 und so weiter Uhren herstellen. Regulatcurc liefert die jetzt vereinte Pendeluhr- Fabrik Freibnrg in Schlesien. In Europa hielt man noch lange die maschi- Helle Herstellung aller Teile der Taschenuhr für unmöglich, bis die Ausstellung in Philadelphia 1878 zeigte, daß man auch die feinsten Teile so ausführe. In Damenuhren haben die Unruhzapfen nur Millimeter Stärke. Ivie sie etwa ein feines Damenhaar besitzt, und Schräubchen kommen vor von knapp*110 Millimeter Dicke, so stark wie ei» Männerbarthaar. An zweiter Stelle kommt erst England, welches selbstverständlich heute auch vielfach mit selbstthätigen Maschinen arbeitet. Auch in der Schweiz haben letztere ihren Einzug gehalten, doch wird noch ein Gutteil der Fabrikation in weitest geteilter Handarbeit betrieben. So zum Bei- spiel erfolgt die Ausführung der polierten Stahlplättchen durch die Hände von sechs verschiedenen Personen, die in ebenso viel Werk- stätten thätig find. Trotzdem macht auch hier die Maschine mit ihren gleichmäßigen, durchaus gleich großen Produkten, welche die Answcchsclbarkeit der Teile ermöglicht, ständig Fortschritte. Der Großhandel braucht eben möglichst gleichartige Ilhren, von Specialitäten abgesehen, welche indes nicht ausschlag- gebend sind. Frankreich erzeugt Regulateurc, Kaniinuhren(Peudules), Reise-Uhren, Küchcnuhren, Tafchennbren. von denen Paris vornehm- lich die ersten drei Gattungen liefert. Tic Massenfabrikation andrer Uhren verteilt sich aus jene Dcparteinents, die an die Schweiz grenzen. Der Mittelpunkt derselben ist Beaucourt, wo das große Haus Japy Fröres seinen Sitz hat und etwa 60000 Menschen bc- schäftigl. Es liefert Kaffeemühlen, Holzschrauben, Küchenuhreii in Blech- gehänsen nnd Taschenuhren, alle Qualitäten bis zum Taschen- chronomcter. Küchenuhreii dürften täglich 1000 Stück erzeugt werden und ebensoviel Taschennhren. Auch andre große Uhrengeschäfte sind dort etabliert. Selbstverständlich bilden auch hier automatische Ma- schineu das Rückgrat der Fabrikation. Diese wirken heutzutage nicht nur für sich, sondern miteinander, so daß nur die erste Maschine vom Arbeiter das Material erhält, aus der letzten aber der fertige Gegenstand hervorgeht. Welche Uhrenmaffen heute der Welthandel vertreibt, erhellt daraus, daß es Fabriken gicbt, bei denen Aufträge über 30 000, 50 000 und 80 000 in einem Bcstcllbriefe erteilt werden. Die Kunst der Erzeugung hält hier der Kunst des Verkaufes die Wage.— Theater. Neues königliches Opernhaus sKroll). Meister» spiele.„König Lear".— Nach Frau Medclsky, der jüngsten Kraft des Wiener Burgthcaters, sind nun auch Baumeister und S o u» e nt h a l, die durch Jahrzehnte hin berühmten Altmeister der Wiener Bühnenkiinst, im Rahmen der Mcisterspiele auf- getreten, jener als Richter von Zalamca, als Wacht» ineister Werner und Patriarch, dieser als Naihan nnd als Lear. Eine Welt tremit beide Greisenrolleu: den uachdcnlUch gütigen, in jede fremde Eigenart und jeden fremden Glauben feinfühlig ein- dringenden, den sachlichen, de» gerechten, den pietätvoll schonenden weltklugen Philosophen Lessings. unter dessen freundlicher Leitung alle zarten Regungen der Kindesliebe sich in Rcchas Seele zur schönsten Blüte frei'entfalten mußten, und den lanneiihast-subjekliven, den blind nnd zügellos anfbransenden, den herrisch-hitzigen Vater der Goneril, der Regan nnd Cordelia. Nni so größer die Kunst, die den polarisch entgegengesetzten Naturen gleichmäßig gerecht zu werden weiß! S o n n e n t h a I war ein trefflicher Lear, wie er ein trefflicher Nathan war. Freilich man könnte sich auch einen andren Lear denken, einen durch die Last der Jahre weniger gezähniten, einen königlicher einbcrschreitenden, besten Leidenschaften in viel mnchtvoll-fnrchtbärereni Aufschrei sich entladen. Aber ob dieser andre mehr dem Sinne der Sbalespcareschen Dichtung entsprochen hätte, als die stillere, die schon gebeugte, die rührend hilflose Gestalt Soimenthals mit den in der Erregung hin und her zitternden Fingern, ist noch die Frage. Gründe lassen sich für und gegen auf- führen; darüber zu reden würde erst lohnen, wenn nns ein solcher Lear auf der Bühne einmal leibhaft gegenüber träte. Jedenfalls hat Somicnthal, so wie er den König auffaßte, ein durch und durch geschlossenes, mit feinstem Kunstverstande abgetöntes Charakterbild geschaffen. Er betonte überall fdas menschlich Sympathische. Etwas Herz- gewinnendes lag in der Stimme»ud in dem seinen, leicht geröteten, so erregbaren Antlitz mit den buschig überhängenden Brauen und dem weißen Silberbart. Auch wo die Züge sich im Krampf des höchsten Hasses zusammenzogen, blieb ihnen ein Schein des Edeln. Die Sccnen mit den Töchtern, die anschwellende, erst zurück- gedrängte und dann nach erschütterndem Schmerz durchbrechende Empörung gegen Goneril und Regan und das Wiederfinden mit Cordelia waren die Höhepunkte seines Spiels. Weniger wirkte die Scene im Gcivitterstnrnl auf der Heide. Hier fehlte jene Macht des Elcmenlare», die unwillkürlich in den Vann Grausig-Schaner- lichen hinein zwingt. Das Publikum bereitete dem berühmten Gast nach jedem Fallen des Vorhangs stürmische Ovationen. Ihm gehörte der ganze Erfolg des AbendS. Die andern Rollen boten, so knapp, wie sie von Shakespeare skizziert sind, wenig Gelegenheit zur Entfaltung eigen- artiger Darstellungskunst. Ein wärmeres Interesse wußte nur Herr Volmer vom Schauspielhause als scherzhaft-crnster Hofnarr zu erregen. Er brachte die Pointen dieser kleinen Rolle mit einer über» rajchend treffsicheren Kunst heraus. König Lear ist ein verhältnismäßig seltener Gast auf unsrcn Bühnen. Zn einer starken, gleichmäßig anhaltenden Wirkung konnte es das Stück auch in dieser Aufführung nicht bringen. Die Schuld liegt nicht, jedenfalls sicher nicht allein, am Spiele. Der schwere historiciibaftc Ballast, den die Tragödie mit sich schleppt, die sich verwarten kreuzende», höchst flüchtig motivierten Jntriguen, die Häufung sensationeller Begebenheiten, die auf uns nicht mehr mit der Kraft von Sensationen Ivirken. die mancherlei, bloß zzur Orienticning eingeschobenen Monologe, der fortlvährende Wechsel des Schauplatzes, das uns so seltsam anmutende Verhandeln intimster Angelegenheiten vor großem Gefolge, das Springende der Handlung, all das und manches andre, was als ein historisch Bedingtes, Shakespeares genialen Intuitionen hier sich bei- mengt, tritt bei der Zug um Zug das ganze Werk versinnlichendeu Auffiihrnng viel störender hervor als bei der Lektüre. Der Leser hat den Vorteil, daß er am Kleinen rasch voriibercilen kann, um bei dem Großen desto länger zu verweilen.—— ät. „Schall und Rauch".— Das kleine Theater Unter den Linden ivariete Dienstag mit drei neuen Einaktern auf, die den vollen Beifall des zahlreich erschienenen Premierenpublikums fanden. In Molltvnen klingt„Der Fall Moncel", ivclcher den Abend ein- leitete, an und aus. Sein Verfasser, der Franzose George Mitchell, läßt die Zuschauer an einer düsteren Pariser Gerichtsjcenc teil- nehmen. Louis Moncel, ein durch allerlei Lebensschicksale herab- gekommener Mensch. steht vor dem Untersuchungsrichter Pascal Gerol. Es handelt sich um einen Brand, de» Moncel vorsätzlich in seiner einstigen Wohnung gelegt hat, um sich in den Besitz einer be- trächtlichen Möbelversicherungssunnne zu setzen. Diese Thatsache ist durch polizeiliche Erhebungen festgestellt. Allein Moncel hat jedes Geständnis verweigert. Vielmehr besteht er darauf, mit dem Untersuchungsrichter unter vier Augen sprechen zu»vollen. Dieser giebt, obwohl erstaunt, dein Ansuchen Folge. Polizist und Gerichts- ichreiber verlassen das Zimmer, und nun enthüllt Moncel dem Richter nicht sein Verbrechen, o nein, sonder» eine peinliche Familiengeschichte. Die einstige Jugendgeliebte Moncels war Pascal Gürols Mutter. Es stehen sich also Vater und Sohn gegenüber. Eine furchtbare Thatsache, an der, ivie Moncel durch Briefe und Photographien nachtveist, absolut nicht zu zweifeln ist. Der„Fall" wäre ja nun einfach. Moncel will freikommen von ihm drohender mehrjähriger Gefängnishaft, und Pascal Gerol darf es nicht zu einem öffentlichen Eklat kommen lassen. Den», würde bekannt, daß er der Sohn dieses Verbrechers ist, lvcr weiß, ob dies Faktum nicht seine richterliche Stellung gefährden könnte. Gerol versichert unter Eid, er»verde die Untersuchung gegen Moncel nieder- schlagen und dieser liefert ihm nun die»vichtigen Dokuinente aus. Kanin aber ist das geschehen, so wirft sie der Richter ins Feuer— und das Verhör nimmt unter Hinzuziehung eines Jnenarzles, Doktor Lebou, seinen Fortgang. Warum? das»verde»»vir gleich sehen. Pascal Gerol ist nämlich ci» ehrgeiziger Streber, korrekter Jurist— und Hallunke dazu. Was kann jetzt Moncel ihm noch an- haben, nachdem er ihn hinterlistig seiner Dokumente beraubt hat! Nun hat er'S ja in der Hand, den Angeklagten einfach für verrückt zu erklären, sofern der, nachdein ihm die infame Tältschung zun» Beivußtsci» gekommen, schließlich doch auspacke» sollte. Wozu hat man als Jurist und obendrein als Untersuchungsrichter seine Er- fahrnng und seine Kniffe I Und Ivozn ist eigentlich ein gerichtlich bestellter Irrenarzt da, wenn er nicht seine„Wissenschaft" praktisch er- proben darf! Das Ende ist also vorauszusehen. Infolge der Schurkerei Gerols bricht Moncel in Raserei aus. Er nennt jenen eine» Meineidigen, einen Schuft und Schurken,»vorauf er gepackt und in die Isolierzelle für Irre geschleppt wird. Wie nian steht, bat der Dichter hier einen sehr nachdenklichen Fall aufgezeigt, der sich»vohl im Leben nicht gar oft abspielen dürfte, aber doch möglich sein könnte. Das nächste Stückchen heißt„Schöne Seelen". Felix Saiten, sein Ur« Heber, hat es eine„Wiener Komödie" genannt. Den Schauplatz der „Handlungen" bildet ei» Chambre separe. Die„Heldin" heißt Mieze Manhardt, eine»vieuerische Kokotte, der es trotz ihres hori- zontalcn Geiverbcs nicht an uriveauerischcr„Gemütlichkeit" und an„Hamnr" fehlt. Seit vierzehn Jahre»» verkehrt sie hier allabendlich. Diesmal ist ein junger„Prinz" ihr Begleiter. Sie aber und der Zahlkellner Heinrich sind eben die„schönen „Seeleu". Schließlich erklärt dieser Mieze zu seiner künftigen Frau. Nun, und da das Geschäft, das Heinrich gekauft hat und demnächst übernchinen tvill, für beide Teile gelvinnbringende Aussichten ver- spricht, so»vird Mieze sicher zugreifen.„Sauber" gehl es in diesem Stückchen gciviß nicht zu, aber die lvienerische Luft mitsamt dem Dialekt macht alles, selbst den Schmutz genießbar für lüsterne Lei»te. Den Theaterabend beschloß die einaktige Charakterkomödie„Kollegen" von Annie R e u m a n n- H o f e r. Ei» Rünstlerpaar, er Klavierlöive, sie Geigcnfce, sind die„Kollegen". Was an Temperament, Eitelkeit, Eigensinn, Schr»llle»haftigkeit, kapriciöser Laune, grobkörnigem Räsonncment, Eifersüchtelei und Schalkhaftigkeit großen verhätschelten Künstlern eigen zu sein pflegt, ist diesen beiden Leutchen angedichtet. Sie gcberden sich.entzückend". nicht minder der jüdische Impresario, und so unterhält sich das Publikum, das ja so gern an seine Lieblinge glaubt, mit lachlnsligcr Freude. Herrn Emailncl Reicher ist Gelegenheit gc- boten, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Er giebt den Moncel, den Zählkellner Heinrich und den Jnlpresario Schivarz. jeden mit viel Kunst und Wahrhaftigkeit und offenbart sich da»weder als vielseitiger Darsteller, dem das Publikum durch oftmalige Hervorrufe beivies, daß ihm der Lölvenanteil an» Erfolg gebühre. Die Mieze Manhardt»vurde von Maria v. L i t t i p, der Frau des hier lebenden Wiener Schriftstellers Felix Dörmann, n»it prächtiger Wiener Art gegeben. Alle andern Darsteller fanden sich ulit ihren Rollen»vacker ab.— ek. . Verantwortlicher Redacreur: Carl Leid in Berlin. Medizinisches. sir. Ueber Wesen nnd Bekämpfung d e r M i g r ä n e hat Dr. Meggison eine ciiigehende Uiiterfilchmig angestellt. Er er« örtert die verschiedenen Erscheinungen während eines Anfalls, ins- besondere die Mitleidenschaft der Augen, und»veist darauf hin, daß die Anfälle vielfach in den frühen Morgenstunden einsetzen. Der Arzt ist gelvöhnlich außer stände, eine sofortige Bc« scitiguiig des Leidens herbeizuführen. Es sind sehr mannig« fache Beobachtnngeit bei der Migräne in Rechnung zn ziehen: der Sitz und die Art des Schmerzes, die allinäbliche Steigerung seiner Heftigkeit, der Ncbergang von einer Seile des Kopfes auf die andre, die Uebelkeit und' Schiväche, die Ver- schliiilniermig der Kraiikhcitserschcimmgen durch Licht, Lärm nsiv., die Wechsel im Pnlsschlag und in der Körpertemperalnr. Die An« ficht, daß die Migräne ausschließlich durch Uebcraiistrengung der Augeii hervorgerufen»verde, findet nicht die Zustimmung Dr. Meggisons. Es ist sehr»vahrscheinlich, daß eine ganze Reihe von Vorgäitgen im Körper bei der Entstchnng dieses vielvcrbrcitcteii Leidens mitwirkt oder mitwirken kann. Der genannte Arzt führt zahlreiche Bciveise für die Be- Häuptling ins Feld, daß die Migräne zu sehr großem Teil durch Gifte verursacht»vird, die sich im Darin bilde», aber nur unter gewisse» Umständen den» übrigen Körper mitgeteilt werden, namentlich bei plötzlichen Errcguiigci» und bei starker Ilebernindniig. A»ls seinen Beobachtungen hat Meggison den Schluß gezogen, daß eine»virksaine Behandlung der Migräne in vielen Fällen durch Darmauslpülnngen zu erzielen sein»nüßte. In der That hat er auf diesem Wege häufig nicht»»»erhebliche Erfolge erreicht, ganz be- sonders,»vei!» diese Maßnahmen schon dann in Anivcndnng gebracht ivnrden,»vährend die Migräne erst im Anznge»var. Nicht immer konnte eine Vernrcidnng des eigei»tlichcii Anfalls erlangt»verde»», aber die Dauer der Migräne»rmrdc dann weiiigstens abgekürzt. Freilich»vird es immer eine Anzahl von Leuten geben, bei denen diese Mittel nicht verschlagen, weil ihre Migräne eben aus anderen Ursachen entsteht.— Humoristisches. — Ausgeredet. Sie:„So, Du bringst den Hasen schon abgehäutet mit?" Sonntagsjäger:„Ja, als er»»»ich sah, ist er vor Angst gleich ans der Haut gefahren I"— — Das kleine Beefsteak. Gast:„Was suchen Sie denn da, Kellner; haben Sie ein Geldstück verloren?" Kellner:„Nein, aber Ihr Beefsteak ist mir von» Teller gefallen!"— — Immer langsain voran. Schreiber(der sich»in» eine Stelle bei den» Betricbsamt der Sckundärbahn beivirbt): „... außerdem bin ich perfekter Stenograph!" Direktor:„Ach, das ist überflüssig, so eilig haben tvir's hier nicht."—(„Meggendorfer Blätter.") Notizen. — Wolzogen tritt»nit dein 1. August von der Leitung des Bunten Theaters zurück. In de»» Anschreiben, in »vclchem er seine Absicht der Presse zu»vissen thnt, findet sich folgende Stelle:„... ES ist anders gclo>»»»e». Mit einer in solchen Dingen bisher nur selten dagetvesenen Ucbereinstiinnniug »verde ich von der gesamten Kritik der Rcichshaiiptstadt und auch vieler Provinz- Recensenten, die a» Geist und Einsicht hinler dieser nicht zurückstehen tvollcn, mit Schimpf. Hohn und Spott überschüttet. Nicht nur, daß mau mich persönlich für die Sünden geschmack- und gewissenloser Nachahiner»nit verantivortlich zu machen scheint, trachtet man auch meine ganze lilterarijchc Ver- ga»§;cilheit auszulöschen, mir jegliches Talent und jede ehrliche künst- lerische Absicht nach jeder Richtung hi» abzusprechen— und es thnn das zinn Teil dieselben Leute, die mir noch vor wenigen Monate» wie einen» Messias Palnien streuten I"— Uns wundert, daß sich Wolzogen über die ihn» zn teil gewordene Behandlung wundert. Was ihn» passierte, ist das Los jeder veriiiiglücktcn Gründung in Berlin. Wie Wolzogen ivcitcr uiitteilt, tvill Dr. Martin Zickel iiiit einer kleinen Gesellschaft das Geschäft im nächsten Jahre Iveiler« führe». Wir tverde» ja sehen... — In Schön herrs, So»ntv endtag" wird bei der ersten Ausführung in» Deutschen Theater Frl. Schönchen vo>n Wiener Bnrg-Tbcater in der Mutterrolle gastieren.— — In W o I z o g e n s„ B n n t e n» Theater" werden folgende Neuheiten vorbereitet: die Taiizpantoniimc„Die Tanzfce" von Karl Freiherr v. Levctzow und Caesar Rittener, Musik von Waldemar Wendland;„Die Ratsherr«»", eine Scene von Fritz Sachs,»nid „Die Biene", eine Ncndezvous-Scene von Otto Fischer.— — Der Durchmesser des Planeten Venns ist nach den»»euesten Messungen, die von Josö Conias Sola in Barcelona herrnhrcii,»n» 210 Kilometer kleiner als der der Erdachse.— — In Venedig wnrdc in Palazzo Pesaro eine>> c u e K u>» st« g a I e r i e iiiit bedeutende» Werten aller Nationen eröffnet.— Druck und Verlag vor. Mar Babing in Berlin.