Hlnterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 100. Dienstag, den 27. Mai. 1302 (Nachdruck verboten.! 201 Der Msnksmsnn. Roman von Hall Caine. Autorisierte Uebersetzung. In Philipps Augen auf eigene schimmerte es Hand? Thut feucht.„Lernt sie sie's schon lange, §rauzösisch rannie? „Ja. recht lange, drei Jahre gewiß, oder richtiger noch, seit der arme Pete uns verließ. Und immer ist sie über den Büchern. Grammatiken, Lesebüchern und ich weiß nicht was noch." Cäsar mit dem Ohr an der Glaswand machte eine un- geduldige Bewegung, sie zmn Schweigen zu bringen, Grannie aber fuhr fort:„Wozu nur die Leute überhaupt fremde Sprachen lernen. Es kommt doch keine dem Mankischen gleich an Deutlichkeit, sollt' ich meinen. Und lesen wir nicht. daß. als der Herr den Noah und seine ungehorsamen Söhne und Enkel in Vertvirrung bringen wollte, weil sie den Turm von Babel bestiegen hatten, er sie verschiedene Sprachen sprechen ließ?" Philipps Augen schwammen in Thränen, und un- bemerkt drückte er daS Buch an seine Lippen. Er hatte das Geheimnis erraten. Das Mädchen suchte seiner würdig zu werden. Käthe kam jetzt in dem dunklen Anzug mit weißem Kragen herunter, den sie am Sonntagabend getragen. Als sie sah. wie Philipp das Buch wieder hinlegte, senkte sie den Kopf und errötete, nahm dann den Band und brachte ihn heimlich auf die Seite. Casars Neugierde überwand jetzt alle Bedenken; er wagte sich hinaus in die Schänkstube, Grannie ging zwischen dem Zahlttsch und den Fischern ab und zu, Nancys Holzpantoffeln klapperten nach der Milchkauuncr und wieder zurück— Käthe und Philipp blieben allein. „Sie hatten neulich abends doch unrecht," sagte sie.„Ich habe nochmals darüber nachgedacht, und Sie hatten ganz und gar unrecht." „So l?" „Wenn ein Mann eine Frau heiratet, die unter' ihm steht, so läßt er sich zu ihr herab, und das heißt sie bemit- leiden; sie bemitleiden aber heißt sich ihrer schämen, und wenn er sich ihrer schämt, müßte es sie töten. Also haben Sie unrecht." „Wirklich?" fragte Philipp. „In." sagte Käthe.„Doch wissen Sie, wie es eigentlich sein müßte? Tic Frau sollte unter ihrem Stande, der Mann aber über dem seinigen heiraten. In dem Maße, wie sich die Frau dann herabläßt, würde der Mann emporsteigen, und so— verstehen Sie wohl?" Sie stockte und hielt inne.„Ist das nicht Unsinn, Käthe, was Sie da reden?" fragte Philipp. „Wieso?" Käthe schmollte über die Zurechtweisung, als ob sie ärger- lich wäre, ihre Augen aber strahlten. „Es giebt weder ein lieber noch ein Unter, wo wirkliche Liebe ist," sagte Philipp.„Wenn einer ein Mädchen recht liebt, und sie ihm notwendig zum Leben ist, so beweist das ihre natürliche Gleichheit." „Sic meinen," sagte Käthe und versuchte eine ernste Miene beiznbebalten.„Sie meinen, wenn eine Frau jemand an- gehört, den sie lieb hat, und jemand ihr ebenso angehört— so macht sie das einander gleich und alles andre kommt nicht in Betracht— wie?" „Warum nicht?" fragte Philipp. Es war Musik für ihr Ohr, doch schüttelte sie feierlich den Kopf und sagt:„Ich bin gewiß, daß Sie unrecht haben, Philipp. Es kann nicht so sein. Ja wirklich, ich bleibe dabei. Aber es führt ja zu nichts, darüber zu streiten. Nicht mit Ihnen wenigstens. Nur..." Die Liebe jubelte in ihrem Herzen wie bielstimmiger Vogelgesang, so laut, daß sie nichts mehr sagen konnte, und der unwiderstehliche Mann behielt recht. Nach einem Weilchen steckte sie etwas ins Feuer. „Was war das?" fragte Philipp. „O nichts," antwortete sie. Es war das französische Buch. XVI. Philipp ging nach Hause, mit grollendem Gedanken über das Geschick seines VaterS. Am Abend sagte er zu Tante Nan:„Tante, warum ging denn der Vater nicht fort, als er die Flut so stark gegen sich heranströmen sah?" „Er wollte es immer, aber konnte es nicht," erwiderte Tante Nan.„Eine Frau ist nicht so schnell bereit wie ein Mann, ihr Zelt heute hier, morgen da aufzuschlagen. Wir gleichen mehr den Katzen, lieber Junge, wir kleben an dem Ort, an den wir gewöhnt sind, wären es auch nur die Trümmer verfallener Mauern. Deine Mutter war auf der Insel Man nicht glücklich, weigerte sich aber doch, sie zu ver- lassen. Dein Vater wollte nicht ohne sie gehen, und dann war doch auch das Kind da. Dein Vater mußte hier bleiben in Wohl und Weh, in Tod und Leben. Als er sein Weib heiratete, schmiedete er sich die Kette, die ihn an die Insel fesselte wie an einen Felsen." „Das würde denn doch mit Käthe anders sein," dachte Philipp.„Aber schöpfte die Tante wohl Verdacht? Hatte ihr jemand etivas gesagt? Wollte sie ihn warnen?" Am Sonntagabend, beim Nachhauseweg aus der Kirche, sprach sie wieder von seinem Vater.< „Er sah es zu guter Letzt noch ein, daß es nicht nur seine eigne Angelegenheit war," sagte sie.„Es war in der Nacht, da er starb. Deine Mutter war unwohl und Vater hatte nach mir geschickt. Es war eine dunkle Nacht und spät, sehr spät, und sie brachten mich mit einer Laterne den Berg von Lewaige herunter. Der Vater ging seinem Ende entgegen, doch wollte er aufstehen. Wir Ivaren allein beieinander, er und ich; nur Du warst noch da, aber Du schliefft in Deinem Bettchen am Fenster. Er schwankte gerade drauf los, und es gelang ihm nnt Hilfe der Vorhänge, an denen er sich fest- hielt, niederzuknien.„Hoch," sagte er und versuchte zu flüstern, obschon er's nicht konnte, weil es in seiner armen Lust- röhre röchelte. Du schnapptest im Schlafe nach Luft, als ob Du schluchztest.„Armer, kleiner Kerl, er träumt," sagte ich, „laß mich ihn auf die Seite legen."„Es hat einen andren Grund." sagte Vater, er war bekümmert, als er schlafen ging." „Ich erinnere mich daran, Tante," sagte Philipp.„Viel- leicht hatte der Vater versucht, mir noch ein paar Worte zu sagen." „Mein Kind, mein Sohn, vergieb mir, ich habe mich an Dir versündigt." ächzte er und suchte über das Gitter des Bettchens hinweg Dir die Lippen auf die Sftrne zu drücken; aber sein armer Kopf schwankte wie schlagrührig hin und her und stieß auf Dein Gesichtchen nieder. Ich erinnere mich, daß Du Dir die Nase mit der kleinen Faust riebst, aber Du wachtest nicht auf. Dann half ich ihm wieder zurück ins Bett, und der Tisch mit den Medizingläsern klirrte, weil die Hand, mit der er sich daran festhielt, so stark zitterte.„Es ist finster, ganz finster, Nannie," sagte er,„gewiß wird ein Engel mir Licht bringen"; ich war einfältig genug, zu denken, er meinte die Lampe, denn sie war am Verlöschen, und ich zündete ein Licht an." Die Woche hindurch war Philipp bei der Arbeit zu Mute, als schwebe der Geist feines Vaters über ihm— er warnte ihn, wenn er wach war, mit flehenden Worten der Liebe, und wenn er schlief, schrie er ihm im Zorn mit be- fehlendem Tone zu:„Zurück I Du stehst am Rande des Ab- grundes". Gleichwohl empörte sich seine Seele gegen diesen Bund mit dem Vergangenen und dem Toten. Er war auf Eitelkeit, a.llf das Begehren nach Ruhm und Erfolg gegründet. Ein Mann braucht nur der Welt und allem zu entsagen, was die Welt geben kann, so kann er treu gegen sich selbst, treu den Trieben feines Herzens, seiner Ehre und seiner Liebe sein. Philipp wollte nicht mehr überlegen. Er verachtete sich, weil er das Für und Wider überhaupt noch erwogen hatte. Wenn ihm nur die Wahl blieb zwischen der Welt und Käthe— so niochte die Welt zum Kuckuck gehen. XVII. Sonnabendnachmittag ging Philipp nach Peel. Es war ein herrlicher Tag, die Sonne schien und das Wasser der Bucht lag blau, glatt und ruhig da. Es war Ebbezeit, der wasjcrleere Hafen wimmelte von Schmacken mit herabhängenden Segeln, die bis zu den Mastspitzen hinauf Reihen von Netzen und Leinen voll Schwimmblasen trugen. Ein Flug Seemöven fischte ini Schlnnim und wirbelte mit Gekreisch zwischen den braunen Booten hindurch. Auf den Trümmern des alten Schlosses wehte eine Flagge, die Kirchenglocken läuteten und die Hafennwister hatten sich in jhren besten blauen Uniformen mit goldenen Knöpfen auf die Beine gemacht. Auf dem Turnierplatz des Schlosses standen die Fischer, sechshundert Mann stark, beisammen. Es waren auch Leute mit Schleppnetzen darunter, mankische, irische und englische, die lauernd durch die Menge schweiften, um Brocken des Ge- schwätzes aufzufangen, wie der Boden ihrer Boote die herunterfallenden kleinen Fische. Gelegentlich wurden sie von den Heringsfischern bemerkt, und dann gab es heftige Worte und Schlägereien. „Habt Euch von Port le Murrey rund herum gc- schlichen, Dan')?"—„Dachte, ich wollte mir heute Peel an- sehen."—„Schlecht für Eure Gesichtsfarbe, sie dürfte wahr- haftig leicht rot werden."—„Willst sie niir blutig schlagen— he? Möchte das doch einmal sehen. Würd'st'nen Union- Jack"), so groß wie ein Bratrost, ins Gesicht gehauen kriegen." Jetzt kani der Gouverneur, ein ältlicher Herr mit einer Adlernase und Blatternarben, dessen Aeußeres Furcht einflößte. Philipp stellte die Fischer vor und begründete ihre Beschlverde. Dos Fangen mit Schleppnetzen vernichte die un- reife Brut und trüge daher zum Niedergang der Fischerei bei. Sie bäten um die Ermächtigung, solchem Fang in den Buchten der Insel und auf drei Meilen im Umkreis der Küste Ein- halt zu thun. „Dann setzen Sie mir einen Entwurf zu einem Gesetze über den Gegenstand aus, Mr. Christion," sagte der Gouverneur, und die Zusammenkunft endete mit Hurrarufen für Seine Excellenz, mit Beifallsklatschen für Philipp und mit verächt- lichem Murren von feiten der Schleppnetzfischer.„Dachte nicht, daß wir einen Mann auf der Insel hätten, der so sprechen könnte."—„Freilich, Euer Schoßkind ist ja durch die gelehrte Schule gelaufen."„Ich würde an Eurer Stelle auf dem kürzesten Weg wieder nach Hause gehen, Dan."—„Trink nur noch mehr, und Du wirst selber zuni Bierfaß." Philipp eilte eben unter dem schadhaften Fallgatter aus dem Schloßhos hinaus, als sich eine Abordnung der Fischer ihm näherte.„Was schulden wir Ihnen, Mr. Christian?" fragte ihr Sprecher. „Nichts," antwortete Philipp. „Wir danken Ihnen, Herr, und Sie sollen später noch bon uns hören. Inzwischen ein Wort, weun's gefällig ist, Herr." „Was giebt's, Ihr Leute?" „Wenn ein junger Mann so sprechen kann wie Sie, dann tst's eine Gabe, Herr, die ihm zu irgend einem Zweck ander- traut wurde. Die alte Insel bedarf furchtbar notwendig eines tüchtigen Mannes, und sie hat so etwas seit den Tagen Ihres Großvaters nicht gesehen. Guten Abend und besten Dank— guten Abend." Damit entließen ihn die derben Gesellen an den Stufen zur Fähre und er eilte nach dem Marktplatz, wo er sein Pferd eingestellt hatte. Als er abgestiegen war, hatte er Cäsars Gig im Hofe gesehen. Das Fuhrwerk ivar jetzt fort, und ohne weiter danach zu fragen, schwang er sich in den Bügel und schlug den Weg nach Ramsey ein. Er wählte die alte Straße längs der Klippen, und wie er so leicht dahin galoppierte, summte er vor sich hin und pfiff und sang und hieb nach den Zweigen der Bäume, um nicht ins Denken zu verfallen. Von der Spitze des Hügels aus sah er den Gig in der Ferne vor sich, und in Port Lady hatte er ihn bereits eingeholt. Käthe fuhr, und Cäsar saß schläfrig nickend da. „Sie haben einen großen Tag gehabt, Mr. Christian," sagte Cäsar,„Wollte, daß ich dasselbe von nnr sagen könnte. Aber das Herz des Menschen ist trügerisch, und verzweifelt leichtfertig. Ich bin nicht einer, der die Leute wegen Trink- schulden im Schlosse ins Gefängnis wirft oder sie abhält, in See zu gehen, und sie machen sich das zu nutze. Nicht einen Peniiy habe ich heute bekomnien, obschon man mir manchen goldenen Sovereign schuldet. Wenn ich wie andre wäre— das ist zum Beispiel Tom Raby von Glen Meay. Der begegnete gestern *) Ablurzuna von Doniel. ") Die aus der Vereinigung der drei Kreuze. dcS St. Georg-, St. Nndreas- und St. Patricktrenzcs, bestehende Flagge. Dan, dem Späher, der gerade aus der Bersannnlung des Mäßigkeitsvereins kam.„Das Gelübde abgelegt, Dan?" fragte er ihn.„Ja", erwiderte Dan.„Erfreut, es zu hören, kommt herein, ich will Euch ein Glas guten Rum dafür geben." Und Dan nahm den Rum zum Lohn dafür, daß er das Ge- lübde abgelegt hatte, und war diesen Morgen im Schlosse stiermäßig betrunken." Philipp hörte das alles mit an. während er weiter ritt, und ein halb schwermütiger, halb spöttischer Ausdruck flog über sein Gesicht. Er dachte an seinen Großvater, den alten eisernen Christian, der ein Verlvandter des Vaters seiner Mutter, des Kapitäns Billy Ballure geworden war; an das feine, vornehme Wesen der Tante Nan und die salbungsvolle Gemeinheit von Küthens Vater. Cäsar knurrte sich schließlich in den Schlaf und Philipp war nun mit dem Mädchen allein und ritt auf ihrer Seite neben dem Gig. Sie war anfangs still, aber ein fröhliches Lächeln leuchtete in ihrem Gesichte ans. „Ich war auch'auf dein Schlosse," sagte sie dann mit stolzer Miene. Die Sonne ging hinter ihnen ans dem Meere unter und warf dunkle Schatten vor sie hin auf die Straße; die Dämmerung nahm zu. die Nacht brach herein, der Mond ging auf, und die Sterne wurden sichtbar. Sie konnten den Huftritt ihrer Pferde hören, das Rollen der Wagenräder, den donnernden Anprall des Meeres zu ihrer Linken und das Geschrei der Seevögel, das vom Felsufer heranftönte. Die Lieblichkeit der warmen Herbstnacht nahm heimlich Käthens Sinne gefangen und brachte ihr fröhliches Geplauder in Fluß. „Ich kann im Dunkeln erkennen, woher alle Töne kommen, die man im Freien hört. Wohl beim Mondlicht? Nein, doch mit geschlossenen Augen, wenn Sie wollen. Nun. stellen Sie mich einmal auf die Probe." Sie schloß die Augen und fuhr fort:„Hören Sie das— es klingt, als ob leichte Regentropfen fallen— das ist Hafer, der fast zur Ernte reif ist. Nun. und das, dieses Trippel-Trappel, wie Schafe, die auf der Straße vorübergehen? Das ist Weizen, der geschnitten werden kann. Und jetzt, das Whiß, Whiß, Whiß? Das ist Gerste." Sie öffnete die Augen.„Meinen Sie nicht, daß ich sehr klug bin?" Philipp spürte Lust, sich über das Rad zu beugen und den Arm um den Nacken des Mädchens zu schlingen. „Nehmen Sie sich in acht I" rief sie fröhlich.„Ihr Pferd wird noch scheu werden." Er sah ihr ins Gesicht, das im hellen Mondschein er- glänzte. „Wie heiter und glücklich Sie aussehen, Käthe," sagte er mit einem leisen Schauer und legte die Hand auf das Ge- länder des Gigs. Ihre Augenlider bebten, ihr Mund zuckte, und sie ant- Ivortete lustig:„Warum auch nicht? Sind Sie nicht auch ver- gnügt? Sie sollten es doch ganz gewiß sein. Wie herrlich ist es, Erfolg zu haben. Es bringt so viel Schönes niit sich— neue Dinge zu sehen, neue Häuser zu besuchen, neue Ver- gnügunge», neue Freunde—" Bei dem letzten Wort brach sie plötzlich mit �nervösem Lachen ab, und er entgegnete mit unsicherer Stimme.„Das niag für die große Welt drüben ivahr sein, Käthe, aber nicht für unsre kleine Insel. Hier Erfolg zu haben, kommt mir so vor, als ob man den Turm von Schloß Rushen besteigt und auf den Steinstufen folgt jemand, der die Thüren hinter einem verschließt. Mit jedem Stockwerk wird der Raum enger, bis man zuletzt auf der Spitze nur uoch Platz für sich allein hat. Wenn man von da je wieder herabkoinmen sollte, bliebe nur ein Weg übrig— man müßte sich mit einem Krach über die Zinnen stürzen." Sie blickte schreckensbleich zu ihni auf; auch seine weit geöffneten Augen waren voll Unruhe. Als sie jetzt durch Kirk Michael am Hause des Decnrsters vorbei kamen, der krank war, zogen beide den Zügel an und fielen in einen laugsameren Schritt. Die Akazien ini Garten fuhren mit ihren Aesten wie mit Schwertern durch die Nachtluft, und dahinter stand eine Windmühle, die gegen den Mond wie eine riesige Fledermaus aussah. Der schwarze Schatten der Pferde ging ihnen zur Seite. „Fühlen Sie sich einsam heut nacht, Philipp?" „Ich fühle..." „Nun?" „Mir ist als ob die Toten und die Lebenden, die Lebenden und die Toten— o Käthe, Käthe— ich weiß nicht, was ich fühle." Sie legte ihre Hand liebkosend ans die seine.„Nur un- verzagt," sagte sie sanft.„Ich werde Ihnen zur Seite stehen. Sie sollen nicht allein sein." XVIII. Es war Mittag um diese Zeit auf den tropischen Meeren; den Horizont umzogen blutrote Wolken und Dünste von erstickender Hitze. Ein Dampfschiff rollte auf hochgehender See unter Stoßwinden dahin, die so heiß einherkamen wie die Glut aus eineni offenen Feuerofen. In der Kajüte lag ein Mann in einer Atmosphäre von Fieber, widerlichem Geruch von Verbänden und verbrauchter Luft. Durch das Aechzen der Maschine und das Rasseln der Kette am Steuer- rüder hindurch hörte er einen Schritt an seiner offeilen Thüre vorübergehen, und er rief mit einer Stimnie, die zwar schwach, aber doch heiter, fast fröhlich klang, obgleich der arme Bursche so heimwehkrank war: „Wie viele Tage noch von der Heimat, Maschinist?" „Nicht mehr als zwanzig." „Mehr Dampf, Maat, niehr Dampf! Wollte, daß ich unten für Euch, wie verrückt, treiben und schüren könnte." Beim Rollen des Schiffes schoß der grüne Widerschein des Wassers und die rote Glut am Himmel abwechselnd durch die Luken und beleuchtete die Lagerstätte wie ein plötzlicher Feuer- schein eine Leichenhalle. „Fragen Sie doch die Burschen, ob sie mich aufs Deck tragen wollen, damit ich nur einen Atemzug frische Luft fchnappen kann." Die Matrosen kamen und trugen ihn hinauf.„Was thäte man eineni solchen Burschen nicht zuliebe." lFortjetzung folgt.) Kleines �euillekon. — Ter Scccssioilist niib daö Modell. Die Wiener„Neue Freie Presse" erzählt: Der Himmel glühte schon abendlich rot Dom Widerschein der»ntcrgehenden Sonne, als gravitätisch über die rote Porphyrtreppe der Sccession ein Mann in gelben Schuhen herunter« stieg, der zu», eingedrückte» Filzhut einen weiten Rndinnulck trug, den er nach Art italienischer Junggesellen ans dem Volke Über die Schalter geschlagen hatte, wobei ein breiter Streifen des Futters zum Vorschein kam. Der Manu hatte aber gar kein italienisches AnSschcn, sondern war blond und blauäugig, hatte rote Wange» und einen röt- lichcn Spitzbart. Der Mantel war auch nicht mit trapprolem Tuch ge- füttert, Ivic ein italienischer Mantel sei» soll, sondern mit sccessionistisch kränklichem, blancm Plüsch, und sein Träger hatte ihn auch nicht über die linke Schulter geschlagen, sondern über die rechte, so daß er den Faltemvnrf nur dann eigenhändig besorgt haben konnte, iven» er ein ausgesprochener Linkshänder ist. Als er die Straße erreichte, be« trachtete ihn jeder Vorübergehende, zuerst von vorne, dann von rücklvärts, man schien sich an ihm nicht sattsehen z» können. Plötzlich bog mn die Ecke, welche das Löwengespann des Marc Anton be- herrscht, eine imposante Franengestalt, in rotem Nock, mit der viel- färbig gestreiften Schürze, dem Mieder und dem Kopftnche der Trasteverina. Kein Ziveisel— ein italienisches Modell ans der be- »achbarten Akademie. Den Mann im blaugcfiittcrten Mantel sehen und ihn ansprechen, Ivar für die Römerin eins.„>li faccia la grazia di dirmi per dove si va in piazza San Carlo?" fragte sie mit der docca roinana. wenn mich nicht gerade in der lingua toscana. Der genial gekleidete Secessionist starrte sie aber stumm an— er hatte sie nicht verstanden. Sein stumpfer Blick reizte die Italienerin, sie begnitn wieder:»XUora porcbe—", dann besann sie sich und rief laut genug, daß es die llmstehendeu hören konnten:„Zu was ziagws Jhna denn an wie a Pifferaro, ivann's net aiual Italienisch können?" Das verstand der Mann, aber er konnte nicht ant- Worten— die resche Römerin ivar im Laufschritt davon. Was das nicht merkwürdig? Das italienische Modell hat in Wien Urivicnerisch reden gelernt— der italienisch angezogene Maler versteht kein Wort Italienisch. Das beste an der Geschichte ist aber, daß sie— buchstäblich wahr ist.— Frauzösischcr Käse. Man unterscheidet, so schreiben die in Hamburg erscheinenden„Nachrichten über Handel»nd Industrie" in Frankreich nicht iveniger als 250 verschiedene Sorten von französi» schein Käse. Jedes Departement im Westen oder im Süden produziert Käse mit einem besonderen Namen, dessen Geschmack und Her- stellungsweise in jedem Kreise, ja sogar in jeder Gemeinde ver« schieden sind. Der französische Grnhsrekäse wird in Burgund, der Franchc-Comtö und dem Danphino hergestellt; von dem Montdore- käse(einer Art Ziegenkäse) giebt es zahlreiche verschiedene Sorten. Der Roquefort ivird in der mannigfaltigsten Weise in den Gegenden nachgeahmt, welche um das Departement Aveyron liegen, das das Originalrezept besitzt. Die Nor- mandie, Poiton und die Auvergne streiten sich un» die Originalität verschiedener Käsesorten ähnlicher Marke. Die Haupt« sächlichsten französische» Käsesorten sind der Brie-, der Camembert-, der Roquefort- und der Pont-I'svSqne-Käse. Der Camembert geht bis nach Persien, der PoiiM'eveqne- Käse ist vorzngstveise jenseits des Rheins und des Aermelkanals, und der Briekäse ivird sogar»ach Brasilien ausgeführt. In Ne>v Jork ist der Brie von allen ans- ländischen Käsen der begehrteste. Der große Briekäse-Markt findet in Meanx jede» Sonnabend statt; dort werden alsdann— in der Hauptsaison— 1500 bis 1800 Dutzend verkauft. Man stellt ihn in drei Größen her, die großen Stücke init einem Durchmesser von 45, die mittleren von 30 bis 35 und die kleinen mit einem solchen von 20 bis 25 Centimeter. In Meaux wird er dutzendweise, in Paris zu je 10 Stück verlauft. Die großen Stücke koste» 90 bis 100 Franken das Dutzend, diese iverden hauptsächlich von den großen Hotels und Gastwirte» in Paris gekauft und kommen nur selten in die Markthallen. Die gang- barste Größe des Briekäses ivird mit 35 bis 70 Franken bezahlt, ivobci die Kleinhändler 15 bis 20 Franken am Dutzend verdienen. Der Camembert stammt ans der Rormandie. Die beste Sorte ivird im Departement Orne hergestellt, und zivar in einer Genieinde, die den Nanien des Käses trägt. Der echte Roquefort gelangt ans Aveyron in Stücken von 3 bis 4 Kilogrannn und in einer Hülle von Staniol ans den Markt. Der beste Roquefort besteht aus einer Mischling von Ziegen« und erhitzter Schafmilch. Der Centuer Käse kostet dem Fabrikanten 30 Franken; verkauft wird er ans den Märkten mit 65 bis 72 Franken. Der Pont-l'evöqne ist normannischcr Her« knnft; er ivird in pflastersteinähnlicheu Stücken verkauft und infolge dessen auch„pave" genannt.— Litterarisches. s. k. Paul Mahn:„Kreuzfahrt. Glosse» an de» Rand eines Lebens." Berlin. F. Fontane u. Co.— Aller Aphorismus ist nichts, Ivo eS sich um ein Kunstiverk handelt. Und Aphorismen sind es. die Mahn zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen suggerierten Stiminungcii, erträumten Dinge» und Verhältnissen, oder gar ans bewußten Absichten. Voraussetzmigen»iedcrgeschricbe», hier nach einem geiviffen logischen Plan iiebeneinander gestellt hat. Es soll ein„Leben" sein, ivas er zu uns sprechen läßt, und ist eS nicht. Novellistische Motive iverden angeschlagen und gelangen nicht znrReife. Sterne läßt er anflenchteu.nnd sie zcrplatzengleichFclierivcrkS- lörpern. Töne schlägt er an,»md sie schließen sich zu keiner Melodie. „Tiefsinnig" strebt der Autor zu scheinen, und Gasseniveisheiten oder Vinsenivnhrheitcn sind es, ivie ein„geistreicher" Fcuilletonist sie gemeinhin zu Tage fördert. Wenn Nietzsche nie seinen„Zarathnstra" geschrieben hätte, wenn Maeterling nicht iväre mit seiner intimen Stinnnnngsmache— wo blieben dann unsre deutschen Nachbeter? Und wenn Bismarck, der angehimmelte„Säkulanncnsch" nicht wäre! Hier kritiklose Anbetung, dort beivnßte künstlerische Aefferei. Hier iveibliche Passivität, dort brutales Geivnltnrenschentum. Und über solche Kontraste bauen sich die Allerjüngsten ihre Brücke, die auf den rasch zerplatzenden Seifenblasen kleiner»nd kleinster Gesühlchen ruht; und auf diesem Gebilde führe» sie die mager» Rößlein ihrer winzigen windigen Gedanklei» spazieren. In der trocknen, nüchternen, vom Bacillus des beamtete» CeusurgeifteS infizierten Luft preußischer Berlinereil Und dazu der verzückte Hymnus auf Berlin, als das„Herz der Herzen". O gewiß, cs mag ja ein Vergiiügen für genußsüchtiges Mamonenvolk sein, zn beobachten, ivie das arbeitende besitzlose Gros sich plagt und rackert. Aber wo und ivann hätten die 5tü»ste und Muse» ein Bleibens ge- funden im dröhnenden Paradeschritt und Kasententon? Nein, die Heinistätte wahrer Kunst wird man wo anders zu suchen haben: — dort, wo Freiheit und herztvarmc Menschlichkeit auf der Gasse tanzen I— Mufik. Die„Freie Volksbühne" hat einen weiteren Schritt auf den» Wege getha», nicht nur Volksnnterhaltnng und VolkSbelehrnng, sondern auch künstlerische Volkserhebung darzubieten. Sie vereinbarte iiiit der vertrnncnsivürdigen M o r lv i tz- O p e r die Aufführung dreier Opern: Mozarts„Don J»la>l" und.Zauberflöte" und BizetS „Carmen". Diese Wahl enthält kein»nindcrioertiges Stück und hing ivohl ganz von dem ab, ivas im Morivitz-Repertoire vorhanden ivar; sonst würde über sie noch ein Wort zu sprechen sein. Nun ging die Leittlng der„Freien" von der Einsicht aus, daß ein in musikalischen Dingen noch nicht routiniertes Publikum die Darbietungen ivohl nur dann recht würdigen ivird, Ivenn sie ihm durch Erläuterungen verständlich gemacht iverden. Sie fügte deshalb ihren bekannten grüne» Heftchen ausführliche Hinlveise auf das Ganze und Einzelne ein, die insbesondere die Textbücher ersetzen sollen. Man mag die vorliegenden Hinweise vielleicht anders wünschen, etwa knapper oder ausführlicher; jedenfalls ist hier ein richtiger Weg be- schritten, auf dem sich noch viel machen läßt. Nim leiden solche Einzelbeschreibungen von Opern leicht darunter, daß die thatsächliche Aufführung von der dort voransgesetzten An- ordnung abiveicht. Bei der sonntägigen„D o n- I u a n"- Vor« stcllnng im Metropol-Theater ivar dies an mehreren Punkten der Fall. Daran trug aber nicht die streng nach den maßgebenden Vor- lagen gearbeitete Inhaltsangabe, sondern die Opcrnleitung schuld, die manche fast unbegreiflichen Umstellungen und Weglassungen ver- brach. ES wäre gut, wenn sie nächstens entlveder sich an diese Inhalts- angaben hielte oder sich mit der„Freien" bei Zeiten verständigte. BS handelte sich hier aber nicht Mob um gelegentliche Abweichungen, sonder» um mehr. Wir müssen eS trotz aller Gründe, die sür eine große Nachsicht sprechen, rund hernnsiagen: die Aufführung war nicht so. wie sie dem Können der Morwitz-Oper, und noch weniger so, wie fie der Würde der„Freien Volksbühne"»nd ihres Publiknms entspricht. Es war eine schlecht vorbereitet«, mit»lanchen»»- bewährten Versuchskrästen arbeitende Nachmittagsvorstellung. Wir verwahren uns dagegen, dab dieses Publikum als eines von zweiter Güte betrachtet würde, statt als eines, den, nur das Beste gut genug sein soll. Fehle» die Mittel, um eine Oper getreu aufzuführen, so lasse man die Sache lieber ganz bleiben, indem man der „Freien" gleich anfangs sage:.Wir können nicht". Allein eine Don Juan- Aufführung, bei der zum Beispiel in beiden Finales die Bühnenorchester einfach fehle», ist kein „Don Juan" mehr. Kaum auszuzählen sind die verschiedentlichen Plumpheiten in Dekoration, Belenchtung, Regie; die Mandoline zu Don Juans Ständchen ivar wieder durch eine Geige ersetzt. In Einem freilich verdient die Opernlcitung nusr« lebhafte An- erkennung: sie fiihrte statt der Sprcchdialoge wieder die vor« geschriebene„Secco- Recitation" ein. vom Kapellmeister Julius Wolfs, dem steilich sonst wenig nachzurühmen war, auf den, Klavier begleitet. Und mm der Gesang l Herr Josef F a n t a ist uns als ein tüchtiger Sänger und Spieler bekannt, wie man ihn bei zahlreichen «nfgäben gut brauchen kann; ein Don Juan ist er nicht, und dem Mangel an Animo in» Ganzen half auch er nicht ab. Dazu litten anscheinend einige der übrigen Kesangskräfte unter Indisposition, vielleicht vom Wetter her. Die Bässe Ivaren nicht übel: Karl Neugebauer, der als Gouverneur», ehr„steinern" sein sollte, Ludwig Frank, der als Leporello doch noch mehr Humor brauchen könnte, und Theodor Raven, der den Masetto recht syinpathisch gab. Der Tenor Joseph Hilde- b ran dt brachte die schwierige Aufgabe zu stände, aus der Jammer- gestakt des Ottavio eine vornehme Erscheinung zu machen. Von den Frauen war am besten die.hochdrainntische", MargareteKönig als Donna Anna. Dagegen waren Gertrud Careni als Elvira «nd Lili Hungar als Zcrline anscheinend für diese Aufführung als Probekandidätiimen herausgestellt. Erstere wird gut thun, cut- weder ihre Stimme entWickel» zu lassen oder strotz der Entschul- digung, die sich aus einer Indisponiertheit ergab) weiteres bleiben zu lassen. Letztere singt etwas besser, aber grob; grob war auch ihre Behandlnug ihrer ganz eigens zarten und lieblichen Rolle, und unvorteilhaft ibre Haltung des Aeußeren. Doch nur Mut und Respekt— Mut des Publikums, und Respekt idcr Opernlcitung vor ihrer Ehrenanfgabe I—«2. Archäologisches. — Griechische Trinkhör» er. Seit den, Begiim derAnlage eS Kriegshafens häufen sich in der Stadt Tarent die Funde von griechische» Gräbern, in denen sich zahllose Terrakotten, aber auch »vertvolle Erzengniffe der griechischen Metallknnst gefunden haben. Aus dem Schatz von Silbergeräten. der dort wieder a» das TageS- licht kam, ist im Wege des KimsthandelS ein besonders kostbares Stück zusammen mit 1600 Terrakotten und andern Gegeusländen in das Museum von Trieft gelangt. Es ist ein silbernes Ryton. ein Trinkhorn, etwa IS Centimeter hoch»nd 11 Centiineter im Durch« nieffer. Das Knustwerk ist aus dicke», Silberblech getrieben und sorgfältig»achciseliert. Es läuft ans in de» Kopf eines junge» Hirsches, dessen Ohre» ebenso wie Henkel und Mündung angesetzt find. Unter de», Maule befindet sich eine kleine Oeffmiug, aus welcher der Wein getrunken wnrdc. Denn wir besitzen eine Schilderung aus dem Altertum, daß»inn aus den Trinkhörnern de» Wein wie ans einer Quelle springen ließ»ud unten trank, nicht oben a» der breiten Mündung. Einen besonderen Schmuck besitzt das Horn noch in einem Relief am Rücken über de», Tierkopf, das eine Scene ans den, Götterlcben, vielleicht Aeus oder Hera, darstellt. Die Arbeit des Werkes ist sehr schön und der Stil sicher nltisch, so daß es etwa im vierten Jahrhundert vor Christus von Athen nach Tarent gebracht worden ist. Von ähnlich kostbarer Ausführung in Silber sind»och zwei andre Trinkhärner gefunden worden. Das eine stainmt ans Grabungen bei Kcrtsch und ist jetzt tn der Eremitage zu Petersburg. ES stellt ei» Stierkalb mit noch keimenden Hörnern dar. dessen Augen mit Perlmutter ausgelegt sind. Ein Relief. Telephos an de» Hausaltar des Agameninou flüchtend, ziert den Rücken des Honis. Das andre Exemplar im Museum zu Sofia ist ein Rchkopf, auch geschmückt mit einen, schönen Relief, einem bacchischen Zug mit Satyrn und andren Gestalten.— (.Kölnische Zeitung".) Technisches. — Ucbcr die Verwendung der A l n ,» i n i u m- D r u ck p l a t t e l> c i der Karten erzeug» ng bringt der neu erschienene XX. Band der„Mitteilungen des k. u. k. militärgeographischen Institutes in Wien" aus der Feder des Leiters der technischen Gruppe dieses Instituts. Oberst v. Hübl, einige bemerkenswerte An- gaben. Es ist bekannt, daß die übcrschlväiiglichcn Hoffinuige». die man auf das Aluminium setzte, als es gelungen war, da? Metall auf dem billigen elektrischen Wege herzustellen, nur zun, kleinste» Teil in Erfüllung gegangen sind,»nd daß es mit den alte»' Bcramworrlicher Redacreur: Carl Letv in Berlin. technischen Gebrauchsmctallen nicht zu wetteifern vermag. Wo' es in der Industrie heute eine ausgedehntere Verwendung findet, sind neben dem geringen Gewicht auch seine chemischen Eigenschaften ausschlaggebend. Dies ist auch in der Technik der graphischen Künste der Fall, wo die leichte und wohlfeile Aluminiumplatte immer mehr den kostspieligen schweren Druckstein zu verdrängen scheint. 1000 Platten mittleren Formates haben ein Gewicht von etwa 600 Kilogramm und lassen sich in einigen Kästen bequem unterbringen, während die gleiche Zahl Steine 80 000 Kilogramm wiegt und zur Anfbewahrnng ausgedehnte Räume erfordert; überdies entfällt der umständliche Transport von und zu den Pressen, die Bruchgefahr bei», Druck, und der Preis einer Platte beträgt nur ein Siebentel von jene», des Steines. Allerdings erfordert der Plnttendrnck ein geübles und geschickteres Personal, denn fettige Verunreinigungen der Platten lassen sich nicht so leicht entfernen wie vom weichen, gefügigeren Stein. Dieser Nachteil wird durch die Härte und Widerstandsfähigkeit des Materials bedingt, und gerade ihnen verdankt die Alumininmplatte andrerseits wieder ihr günstiges Verhalten beim Druck. Während Ilmdrncksteine nach zarten Karteiizeichninigen schon»ach 4000 bis 5000 Drucken derartig beschädigt sind, daß sie ausgewechselt iverden »lüffe», zeigt sich die Alumininmplatte nach de», Druck von 12 000 Exemplaren»och ganz unversehrt. Die chemischen Eigenschafte»»nd die Oxydationsvorgänge bei dem Metall, deren Erörterung hier zu weit führen würde, bringen es mit sich, daß die Alnminiliinplatte für da? Umdrnckverfahren zum Ziveck des Auf- lagendnickcS, und zwar gleichgültig, ob als Grundlage eine Metall- oder Steinfolin oder eine photolithograpbische Fctlkopie dient, iveit besser geeignet ist als für die direkte Herstellung von Driickforincn, weil die Haltbarkeit zarter Feder- und Kreidezeichiningeu stets»»verlässig ist. Doch können derbere Arbeite», besonders Ton- platte», nnbesrogt auf Aluminium ausgeführt iverden. Gegenwärtig sind bei de», als Mnsteraustalt bekannten und weltberühmten vst- reichischeu Institut schon etwa 4000 Alinnininniplatten mittleren Formates in Benützung; die notwendigen Evidenzkorrektureu lassen sich anstandslos auf den Platten ausführen, für die Arbeiten der Photolitbographie und für Tonplalten zu farbigen Karten, besonders für den Druck von Rastertöne», Iverden die Aliminiumplatten fast ausschließlich bcnützt.— Wie die„Münchener Allgemeine Zeitung" erfährt, habe» die Aliminin,»platten auch beim Topographischen Bureau des bayrischen Geucralstabcs Eingang gefunden und werde» dort mit gleich gutem Erfolg und in immer steigende», Maße ver- wendet.— Humoristisches. — Vorahnung.„Warum woanst denn. Peterl?' „Da Vata ist wallfahrten ganga; do kiunnt er wieder b'snffa hoa», und haut uns."— — Viel verlangt. E r(dcS Nachts mit de», schreienden Kinde im Schlafziunuer auf- und ablaufend):„Nrcnziappcrmeut. jetzt wird's mir zu dum»,; wenn der Kerl nicht bald still ist, werf ich ihn ins Bett 1" S i e(im Bett liegend):„Pfui, schäm Dich, Du Rohling I Du hast kein Rknlterherz!"— — Der Rekrut.„O mei, Seppe!, iS dös a Kreuz, daß die gnnmmn hau, zu der Militari l" „Dös gschicht Dir ganz recht; für was hast eS überall umanauder g'schriau, daß i so schö g'wachsu bi!"— („SimplicissimuS".) Notizc». — Ernst v. Wilden bruch hat ein neues Schauspiel „König Laiirin" vollendet. Das Stück wird im nächsten Herbst an einer Berliner Bühne zur Ansführnng gelange».— — Die Russen bringen bei ihrem Gastspiel im L e s s i n g- Theater u. a. auch Gorkis„Kleinbürger" zur Auf- führnng.— — Theodor GerlnchS„Matteo Falcone" geht als letzte Novität dieser Saison kurz»ach den Verdispiclcu im Opern- Hause in Scene.— — TolstojS Befinden hat sich Ivieder verschlechte, 4.— — Ein Preisausschreiben von insgesamt 600 M. erläßt der Verlag der„Maler-Zeitnug" in Leipzig. Verlangt werden: 1. ei» Zeitnngskopf, 2. eine Hesunnschlag-Zeichnung, 3. Entwürfe zu verschiedene» Rubrikköpfen.— — Ein Institut für chemische Technologie wird auf Kosten der Karl Zeiß-Stiftmig für die I e n e n s e r Uni ver- s i t ä t geschaffen.— Druck und Verlag vor. iviax Babing in Berlin.