Ur. 239 Adonnemeitts-Dedingungen i VlbonnemenIZ-Preis pränumeranvo: «gterlcljährl. Z.M Mi., monail. i.iv Ml.. wöcheulltch 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Eonniags- Nummer mtl IlluNricrler SonniQflä. Beilage„Dte Neue Well" 10 Pfg Paii. Abonnement 3Ä) Marl pro Quariai Eingclragen in der Post- Zernrngz. PrsiSlifie für 1899 unter Et. 7829. Unier Kreuzband für Deuifchland und Oesterreich- Ungarn 2 Mari, für oa» übrige Ausland L Marl pro Monat. 16. Jahrg. Erscheint täglich außer Dont»g». Vevlinev VolksblAtt. DIt Instrtlons- Gebühr beirügi für die fechsgefpaliene Kolonel. zeile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaslliche Vereins» und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Knfcigen" ledeS Won 5 Pfg. (nur das erste Wori feitf. Jnferale für die nächste Nummer müffen b>S s Uhr nachmiliagS in oerSxvedilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen» ragen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bis S Uhr vormillag» geöffnet. Sernsprecher- Ami I. Er. töUS, Telegramm. Adreffe: „vorialdemostrnt Lerltn" Centralo-rgan der socialdemokratischen Vartei Deutschlands. Redaktion: LW. 19, Veutlz-Strasze 2. Donnerstag, den 12. Oktober 1899. Expedition: SW. 19, Venth-Steasze 3. Freisinnige Kommunalpolitik. Die„Freisinnige Zeitung", die mit heißem Bemühen für das konservativ-nationalliberal-sreisinnige Kommunalwahl Kartell eintritt, leitartikelt jetzt fleißig gegen das Kommunal Programm der Socialdemokratie.') Die in den freisinnigen Artikeln verzapfte kommunale Weis- heit zehrt noch immer von den alten Ladenhütern der„Irr. lehren der Socialdcmokratie" und läßt wieder einmal die„Spar- Agnes" des Herrn Richter in bengalischer Beleuchtung erscheinen. Namentlich eifert der Freisinn Richter scher Observanz gegen das von unseren Genossen kürzlich ver- breitete Kommunalwahl-Flugblatt, welches den Freisinn im Roten Haus in seiner die kapitalistischen Interessen der Be sitzenden fördernden Thätigkeit kennzeichnet. Um diese Arbeit für die nächsten zwei Jähre ungestört fortsetzen zu können, haben die sonst wild miteinander kämpfenden Majoritätsgruppen sich zu einer Mandatsversichcrungs-Gcsell- schaft auf Gegenseitigkeit zusamniengcthan und beschlossen, unter Respektierung des Mandatsbcsitzstandes einer für den andern in den Wahlkamps zu ziehen. Die neuen Bezirke der ersten und zweiten Abteilung werden zivischen den Bewerbern der drei Richtungen„ausgeknobelt", und für die dritte Abteilung zieht der liberale Heerbann mit finsterer Entschlossenheit für denjenigen Kandidaten ins Feld, der die meisten Aussichten gegen die Socialdcmokratie hat. So ist's von der regierenden Partei im Rathaus beschlossen, und wenn die Bezirksvereins. Philister den glücklichen Besitzern der Stadtvcrordnetensitze keinen Strich durch die Rechnung machen, so wird diese mandatserhaltende Politik von Erfolg gekrönt sein. Wenigstens in der ersten und zweiten Abteilung wird der Mandats- schacher keinen ernsthaften Widerstand finden, in der dritten Abteilung ftcilich reden die Socialdemokraten ein kräftig Wörtlein mit— und werden nicht dulden, daß die Mandate dieser Abteilung den Klasseninteressen der Besitzenden preisgegeben werden. Daß die angeblich demokratische„neue Linke" der Stadt- Verordncten-Versammlung bei dieser Jagd nach dem Mandats- glück in Reih und Glied mit den: liberal- reaktionären 5llüngel marschiert, kann uns nur recht sein— beweist diese Gruppe doch dadurch ganz sinnenfällig, daß die Ent- rüstung, welche man ini Roten Haus gegen die feindlichen Brüder der„Großen Linken" quästiert, nur Flitter- gold und Theaterschmuck bedeutet, und daß von einein ernst- haften Kampfe gegen die Gönner der Straßenbahnen und Elektricitätswerke keine Rede ist; namentlich dann nicht— wenn es gilt, die eigenen Mandate zu sichern. Das Wort von dem Schlagen und Vertragen— die freisinnigen Männer niit der goldenen Kette illustrieren es wieder einmal— und wir nehmen lächelnd davon Akt, wie auch die Demokraten um des„garantierten" Mandates willen gegen die Wahl ihrer kommunalpolitischen Gegner keine Einwendungen erheben wollen. Die Vertretung des bürgerlichen Mischniasch-Kartells und die Führung desselben in der liberalen Presse hat die„Freisinnige Zeitung" übernommen, deren konimunal-wirtschaftliche An- schauungen sich decken mit den Bestrebungen der Dividenden- Politiker des Roten Hauses. Mit allerlei Drehungen und Windungen versucht die„Freis. Ztg." das socialdemokratischc Kommunalprogranrm ins Unrecht zu setzen und dessen Forderungen zu bekämpfen. Die Behauptung, daß der Kommunal-Liberalismus das geltende Wahlrecht für die Komniunalwahlen dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht vorzieht, soll erfunden sein. Das Pro- gramm der Freisinnigen Volkspartei— so sagt das führende Organ— erklärt sich gegen die Aufrechterhaltung des Drei- klassen-Wahlsystcms und gegen die öffentliche Abstimmung. Das ist zwar richtig, ändert aber nichts an der Thatsache, daß die Freisinnige Partei in ihrem Programm einen Unter- schied macht zwischen dem Wahlrecht für den Reichstag und die Landtage und den Wahlen für die Gemeindevertretungen. Das freisinnige Programm vom Scpteinber 1893 verlangt: a)..... Selbstverwaltung in Kommunalverbänden und Geineinden, Refonn des Wahlrechts in denselben nach den Bedürfnissen der Einzelstaaten, keine Klasfenwahlen, keine öffentliche Abstimmung; b) EntWickelung eines wahrhaft konstitutionellen Vcr- fassungslebens im Reich und allen Einzeistaaten...... Erhaltung des allgemeinen, geheimen, gleichen und direkten Wahlrechts für den Reichstag; Ausdehnung desselben auf die Landtags-Wahlcn für die Einzelstaaten... Also für die Gemeinden zwar keine Klassenwahl und keine öffentliche Absfimmung aber auch kein allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht. Und als in. Eisenach auf dem frei- sinnigen Parteitag ein Delegierter so naiv war, zu beantragen, das Reichstags-Wahlrccht auch für die Gemeinde- Wahlen zu fordern, da war es der Generalgewaltige Herr Richter in eigener Person, der sich zmn Schützer des pluto- kratischcn Wahlsystems für die Gemeinden berufen fühlte. Darin liegt des Pudels Kern. Der bürgerliche Liberalismus will die Herrschaft in der Gemeinde nicht verlieren— er weiß, daß seine Anhänger von dem allgemeinen, gleichen Wahlrecht hinweggefegt werden, und deshalb verlangt der Freisinn für die Gemcindewahl neben anderen Käutelen *) Obiger Artikel mntzte infolge dcS tag wiederholt zurückgestellt weiden. -toffandraiiges vom Partei» vor allem einen Eensus, der die Arbeiterklasse verhindert. sich mit Erfolg an der Wahl zu beteiligen. Die Preisgabe des Klassensystems und der öffentlichen Stimmabgabe bedeutet keine ernsthafte und ausreichende Reform des Gemeinde- Wahlrechs. Es ist daher eine dreiste Flunkerei, wenn die „Freisinnige Zeitung" so thut. als ob die Behauptung des socialdemokratischen Flugblatts nicht der Wahrheit entspricht. Das Programm der Freisinnigen Volkspartei streut mit der von ihm verlangten Abänderung des Gemeinde-Wahlrechts dem Volke Sand in die Augen— in Wahrheit will die Partei für die Gemcindcwahlen ein Wahlrecht bei dem der Geldsack bevorrechtet ist. ein Wahlrecht, durch welches den besitzenden Klassen die unbedingte Herrschaft in den Rathäusern gesichert wird. Und wenn die„Freisinnige Zeitung" sich wundert, daß die liberale Majorität der Stadtverordneten-Verscunmlung den socialdemokratischen Antrag auf Vornahme der Wahlen an einem Sonntag, abgelehnt hat, so ist dies nichts als eine Heuchelei, denn das freisinnige Programm wünscht die Vollziehung der Wahlen am Sonntag nur für die Reichstags- und LandtagStvahlen. Der Kommunal- freisinn aller Nuancen führt die Wahlfreiheit eben nur im Munde— wenn er ernstlich die Wahlfreiheit fördern soll, vcr- sagt der Liberalismus jedesmal. Es scheint so, als ob— wegen Vermeidung von Ungültigkeitserklärungen— die Wahlen also auch diejenigen der dritten Abteilung, für jeden Wahl bezirk nur in einem Wahllokal stattfinden werden. Und nun vergegenwärtige man sich den Zustand, daß etwa 5000 bis 7000 Wähler, von denen die überaus große Mehrzahl nur die Mittagsstunde von 12— 1 Uhr und die Nachmittagsstiinde von 6—7 Uhr für die Stimmabgabe zur Verfügung hat— in einem Wahllokal abgefertigt werden sollen. Wird da die Ablehnung, die Wahlen am Sonntag vornehmen zu lassen, nicht zu einer thatsächlichen Vernichtung des Wahlrechts für die Hunderttausende Wähler der dritten Abteilung, für die Arbeiter? Heißt es nicht mit Absicht die Wähler von den Urnen fernhalten, wenn der einzige Tag, an dem das Wahlgcschäft sich über zehn Stunden verteilen kann, nicht benutzt wird? Ausschluß möglichst vieler Arbeiter von der Wahl, das ist die Absicht und Wirkung des mit großer Majorität gefaßten Stadtverordneten-Beschlusses, um dadurch noch möglichst viele Mandate der dritten Abteilung für dte Bourgeoisie zu erobern?— nein, denn das ist kein ehrlicher Kampf, bei dem Licht und Schatten gleich verteilt ist— sondern zu erg— attcrn. Auch die übrigen Angriffe des socialdemokratischen Flug blattes gegen die Rathausfreiheit versucht die„Frei sinnige Zeitung" umsonst zu widerlegen. Das im Dienste des Unternehmertums für die uneingeschränkte Ausbeutungsfrciheit kämpfende Organ hält die Forde rnngen auf unentgeltliche Lieferung der Lehrmittel und Verabreichung eines warmen Frühstücks für den Anfang der socialistischen Gesellschaftsorganisation und sieht schon mit Zittern und Zagen die Forderung nach warmer Kleidung für die Schulkinder am Kommunalhorizont heraussteigen. Wie kindisch und lächerlich dieser Einwand gegenüber dein wieder- holt nachgewiesenen Bedürfnis dieser Einrichtungen, die sowohl im Interesse der Schüler als auch der Schule selbst und ihrer Leistungen notwendig sind. Auch ein Verbot der Erwerbsthätigkeit der Schulkinder paßt der„Freisinnigen Zeitung" nicht in den Kram. Mit allerlei Ausflüchten und Anklagen gegen die socialdemokratischen Eltern versucht der Leitartikler die Stadtverwaltung von der Ver antwortung für die KinderanSbeutnng zu entlasten, indeni er die Polizeiverwaltung vorschiebt. Nicht darum handelt es sich, wer das Verbot der Kinderarbeit erläßt, sondern darum, daß die städtische Schulverwaltung es duldet, daß die ihrer Er- ziehung und ihrer Obhut anvertrauten Kinder in so schmäh- licher Weise zum Schaden ihrer geistigen und körperlichen Ausbildung gewerblich ausgebeutet werden. Daß übrigens die Schulverwaltung eine Einschränkung der gewerblichen Kinderarbeit erst auf Andrängen der Socialdemokraten an- geregt hat— davon schweigt der„Freisinnigen Zeitung" Höflichkeit. Die Forderung des Achtstnndentages sowie auskömmlicher Löhne für die städtischen Arbeiter ist nach der„Freisinnigen Zeitung" ebenfalls vom Uebel. Natürlich die Privatindustrie könnte dadurch gezwungen werden, ebenfalls kürzere Arbeits- zeit und bessere Lohubedingnugen zu gewähren, und das wäre ja eine unerlaubte Einwirkung auf das geheiligte Recht des Ausbeutertums. Das leitende Motiv der„Freisinnigen Zeitung" zu der Bekämpfung der socialdemokratischen Kommunalforderungen ist die Furcht vor der Steigerung des Kommunalbudgets. Von der Uebcruahme der Straßenbahnen und Elektricitätswerke in städtische Regie wollen die National- ökonomen des Freisinns nichts wissen— die Ueberschüsse solcher Unternehmen können die Aktiengesellschaften zur Kon- solidierung ihrer Kapitalmacht besser gebrauchen. Den Aktionären hohe Dividende— der Stadt ein Trinkgeld in Form eine Abgabe— das entspricht dem Wirtschafts-Jdcal des Liberalisnms, als dessen Wortführer die„Freisinnige Ztg." mit dem ganzen Gewicht des leitenden Preßorgans austritt. Das Gespenst der Stcuererhöhung wird an die Wand gemalt, um die Wähler in den liberalen Stall hineinzutreiben und sich dem Kartell der für den Wahlzweck gceinigten Fraktionen dienstbar zumachen. Tie Einnahmequellen städtischer Straßenbahncnen und Elektricitätswerke sollen im Interesse der Kapitalistenklasse nicht für die Stadtkasse erschlossen werden. An eine ent- sprechende Erhöhung der dirckien Einkommensteuer denkt aber die freisinnige Majorität ebenso wenig wie an eine stärkere Belastung der Einnahmen des durch städtische Einrichtungen und Verkehrsanlagen Jahr für Jahr enorm im Werte steigenden Grundbesitzes. Im Gegenteil, die Hausagrarier adoptieren die Liebesgaben- Politik ihrer ländlichen Be- rufsgenossen. indem sie in Ausübung der kom- munalen Macht ihre eigenen Abgaben ermäßigen. Die brutalsten Klasseninteressen der Besitzenden werden von der„Freisinnigen Zeitung" gegen die Forderungen der Socialdemokratie ausgespielt Die kommunalen Einrichtungen, welche in unserem Wahlprogramm gefordert werden, sind notwendig, um für die Arbeiterklasse bessere geistige, hygie- nische und wirtschaftliche Lohn-. Arbeits- und Lebensbcdiu- gungcn zu schaffen. Die Arbeiterklasse, deren ökouoniische Ausbeutung den Wohlstand und den Reichtum für die besitzende Minderheit schafft, kämpft unter dem Banner des socialdemokratischen Kommunal-Wahlprogrannns für die Anbahnung einer der Wohlfahrt der Gesamtheit ge- widmeten Gemeindewirtschaft. Um dieses Ziel durch die bevor- stehenden Wahlen zu fördern, bedarf es energischer und rast- loser Thätigkeit. Wir wissen, daß die Parteigenossen es an sorgsamer Organisation und rühriger Agitation nicht fehlen lassen werden. Vorwärts, zum Kampf und Sieg. Unser Tag. in. Hannober, ll. Oktober. AIS gestern nachmittag Bebel seine große Rede beendet hatte. war es nicht leicht für den Genossen David, der als erster Diskussionsredner die Verteidigung Bernsteins übernahm, die noch unter dem Bann der Bebelschcn Rede stehenden Hörer für seine Gegcnausführnugen zu gewinnen. Dennoch gelang es ihm, durch seine aus der Tiefe strömende, bisweilen an Bebels Art erinnernde Beredsamkeit und das namentlich am An- fang bewährte Geschick in der Präcisicrung des Streites Aufmerk- samkcit zu finden und festzuhalten. Er nahm unbedingt für Bern- stein in Anspruch, daß er nach ivie bor Socialdemokrat sei. Bern- stein erstrebt das socialistische Endziel und der Klassenkampf ist ihm eine unleugbare Thatsache. Nur über den Weg und das Tempo der Entwicklung gehen die Mci- nungen auseinander. Bernstein betont die Gleichwertigkeit des politischen und wirischaftlichen Kampfes. Durch Gewerkschaften und Genossenschaften muß die Socialisicrung und Demo- kratisienmg schon jetzt angebahnt werden, der Besitz an den Produktionsmittel» durch Beschränknnge» aller Art ausgehöhlt werden. Dabid schilderte die mannigfachen Wandlungen und Wider- sprüche in den Parteianschauungen. Er verspottete den leeren Nadikalisinns, der, wie Genossin Luxemburg, das Parlament für einen Hühnerstall erklärt, und er nimmt— zur stürmisch lachenden Ergötzimg des Parteitags— an, daß diese Genossin niemals geneigt sein werde, ihre socialistischen Eier in solchen Hühnerstall nieder- zulegen. Lebhafte Zivischenrufe gaben dem Vortrag Davids stellenweise das Gepräge eines heftigen Gcdankenduclls. Um 7 Uhr brach der tapfere Ritter Bernsteins ab. In der heutigen Sitzung kamen außer David, der seinen Vortrag zu Ende führte, gerade ein Dutzend Redner in der Bernsteindcbatte zum Wort, von denen jeder die gewährte halbstündige Redezeit voll ausnützte. Rechnet man hinzu, daß auch die Mittagspansen und die Abende vielfach für das private Fortspinnen der Diskussionen benutzt werden, so wird klar, wie groß und hingebend das allgemeine Interesse an diesen Erörterungen ist, und man wird begreifen, daß der Parteitag einstimmig die für DonnerStagnachmittag von unseren hiesigen Parteigenossen an- gebotene Landpartie ablehnte, um keine Arbeitszeit zu verlieren. Die hciitige Rednerliste umfaßte folgende Namen, in denen sich die Strömungen in der Partei wiedcrspiegeln: David, Frau Zietz-Hamburg, der Philosoph und Mediziner Woltmann-Elberfeld, der Badcnser Fendrich, Liebknecht, der Mannheimer Arbeitcrsekretär Katzenstein, Grnnwald-Jena, Molkenbnhr, der ostprenßische Grund- besitzer Hofer, Sloltcu-Hambnrg, Kantsky, Rosa Luxemburg und Adler-Harburg. Keiner war unter den Rednern, der nicht Wertvolle? zu sagen und durch das-Charakteristische der Persönlichkeit zu wirken gewußt hätte. Wir haben wahrlich wenig Anlaß, über den Mangel an 'ähigen Köpfen oder an jungem Nachwuchs zu klagen. Wir sind auch in dieser Beziehung eine reiche Partei. In der Diskussion selbst trat die Erscheinung hervor, daß bei wohlwollender Jnterpretierung sich die Meinungen der streitenden recht nahe kamen, während sie unter der Zuspitzung der polemischen Kontraste auseinander wichen. Offenbare Einigkeit herrschte insofern, als niemand, auch die Bernsteincr David und Woltmann nicht, letzterer eine neue Erscheinung auf unseren Parteitagen, an den Gnmdanschaunngen, dem demokratisch-socialistischen Endziel und dem Klassenkampf. rüttelte, lind ferner scheint auch ziem- lieh allgemein, als einziger positiver AenderungSertrag der Bcrnstcinschen Broschüre, die Einsicht gewonnen zu sein, daß das Erfurter Programm in einzelnen Punkten, wie hinsichtlich der Elendsthcorie, eine klarere Formulierung beanspruche» könnte. Darum hat Bebel auch seine Resolution dahin abgeändert, daß sie n i ch t d i e A n e r k e n n u n g dcS Programms, das fciüt tc5 Pvcs.rai.ini>v o r t l n» t? fordert, sondern die Erhol« tu» g der G rn n d s ö tz c>l»d G rnn df o rd c r» ii q c-n. T�ogegen isrhcii die Ausichtni über die Entlvicklii»a» als Ethiker bezeichnet, und es scheint, als ob Kautsky sich da noch nicht ganz zu einem Nicht-Ethiker durchgemausert habe. Er sagt dann: Also das ist die ökonomische Notivendigkeit, die Marx meint, daß im Laufe der Eiitlvicflnng das Proletariat klasscu- bewußtcr wird und daß dann einmal die Zeit kommt, wo dies reif gewordene organisierte Proletariat sich sagt: Es ist genug, jetzt übernehmen wir die Geschichte. Allerdings hat Marx' auch diese Notivendigkeit ins Auge gefaßt, aber das ist nur die eine Hälfte seiner Krisentheorie, die andere ist die qcschäft- liche, industrielle, kommerzielle, allgemeine Krisis, die so stark ist, daß die von ihr ausgehenden Zuckungen für die Gesellschaft un- erträglich sind.(Kautsky: Wo hat Marx das gesagt?) Wenn Sie den dritten Band des„Kapital" aufschlagen wollen, so finden Sie dort auf Seite 232 die Krisen- und Zusammenbruchsthcorie entwickelt. Dort wird gesagt:„Das Kapital, um sich selbst zu er- hallen, muß produzieren, es wird durch den Konkurrenzkampf gezwungen, sich immer mehr zu vervollkommnen in der Produktion, immer mehr, immer besser zu produzieren, es drängt also gewissermaßen auf eine unbedingte Entwicklung der' gesell- schaftlichcn Produktivkräfte und damit auf eine unbeschränkte Vermehrung der Produktion. Auf der anderen Seite aber richtet sich dies Kapital zu gleicher Zeit fortwährend Schranken für die Verwertungsmöglichkeit seiner Produkte auf, dadurch daß es den Arbeitern einen großen, relativ wachsenden Teil der Prodnktenmengc vorenthält und damit auf den Konflikt hinarbeitet zwischen den durch die eriveiterten Produktivkräfte vermehrten Produkten und den durch die aufgerichteten Schranken geschwächten Konsumenten." Er sagt da weiter:„Tic unbedingte Entwickclung der gesellschaftlichen produktiven Kräfte gerät fortwährend in Widerspruch mit den be- schränkten Zivccken im kapitalistischen Staat, der Verwertung des vorhnndcneil Kapitals. Dieser immanente innere Wider- spruch in der Natur der kapitalistischen Ordnung ist es, der dem Kapitalisten in der Unmöglichkeit des Absatzes sich knndlhlit, in seiner Kasse sich ihm fühlbar macht, kurz in der Form der industriellen kommerziellen Bedrängnis für ihn, lind wenn sie größere Schickten ergreift, in der Form einer wirtsckaftlich kommerziellen Krisis sich äußert." So ist eS früher immer aufgefaßt worden, und ivcnn die Krise» lmmcr verheerender werden, so fängt doch auch die verheerendste immer mit einer geschäftlichen Bedrängnis an.(Kautsky: Das sagen Sie, das sagt nicht Marx!) So hat man es immer bei Marx aufgefaßt.(Zustimniung.j Gerade an diesem Widerspruch, den Marx so schon entwickelt, muß die Sache cinnial zum Stocken komnien. Diese wirtschaftliche Seite der Marxistischen Krisenthcorie darf nicht außer acht gelassen werden. Diese allein bringt den Socialismus noch nicht zur Herrschaft, dazu gehört auch die Fähigkeit der Arbeiterklasse, in die Organisation bestimmend einzugreifen, aber die erste Seite der Sache darf nickt ver- gessen werden. Interessant ist es mir doch, cinnial zu erfahren, ivorauf Bebel seine frühere Meinung gestützt hat von dem Eintritt des Kladderadatsch 1898.(Bebel ruft: Das habe ich gar nicht gesagt, daß ist ein Wort von Engels und nicht von mir!) Wenn ich Sie mißverstanden habe, dann will ich keine weiteren Schlüsse daraus ziehen: ich wollte es nur als Beweis dafür an- führen, daß wir in der Thal immer auf diesem Widerspruch zwischen Produktion und Machtverhältnissen unsere Meinung von dem nahenden Untergang unserer Wirtschaftsweise' gestützt haben. Heißt es doch in der Erkläning des Londoner Kongresses: Die ökonomische Entwicklung ist gegenwärtig schon soweit vorgeschritten, daß eine Krisis bald eintreten kann. Der Kongreß fordert daher alle Arbeiter auf, die Leitung der Produktion zu lernen. um sie übernehmen zu können. Bernstein sagt ganz mit Recht, hier kommt diese Auffassung der Kriscntheorie ganz scharf zur Geltung. Kautsky sagt zwar, das ist nicht richtig übersetzt und auch ganz unvcrbind» lichl nein, ich finde in diesem Satz den klaren Ausdruck der auf der Marxschen Krisentheorie aufgebauten Zusammenbruchshoffnung. Soll sie nicht mehr gelten. gut, sagen wir das, dann sind wir einig! Spielen wir aber nicht Versteck, sagen wir, wir haben zugelernt, wir haben diese Theorie als ein lächerliches Märchen erkannt. Ich resümiere mich dahin, daß diese Kriscntheorie ein Problem ist und keine Thatsache und die daraus gezogenen Schlüsse nur Hypothesen, aber nicht positive Wahrheiten, und' ivir sollen sie nicht in ein autoritatives Programm bringen, und nicht sagen, die Krisen werden immer verheerender, wenn es nicht betvicscn>st. Das Zahlcnbeweismaterial Bebels habe ich natürlich jetzt nicht kontrollieren könne». Aber was sagt das Erfurter Programm? Es spricht klipp und klar von der Naturnotwendigkeit des Untergangs der Kleinbetriebe, nicht von einem relativen Untergänge— das geht denn doch wohl nicht an—, sondern von einem radikalen. Es wird jetzt übcrhailpt alles relativ aufgefaßt; sobald man Sie irgendwo anpackt, heißt es, ach, das war nur relativ gemeint. Die KoiizeutrationSlchre. Diese Rclativisienmg unseres Programms muß eine Fülle von Verwirrung und Irrtum hervorrufen.(Sehr richtig l) So sollte ein Programm nicht beschaffen sein. Der erste Abschnitt unseres Pro- gramms generalisiert viel zu sehr, er giebt eine Schablone für die betriebstechnische Eutwickelung. Man kann nicht entrinnen, wenn man sagt, der Besitz konzentriert sich. Der Satz ist seiner Gcncralisicrung wegen nicht richtig. Bebel hat nach« gewiesen, daß für die Industrie in ihrer Gesamtheit die Konzentration der Betriebe eine Tbatsache ist. Ich bestreite diese Thatsache nicht: ich habe hierüber dieselbe Auffassung wie Bebel und ich glaube auch Bernstein. Auch er hat die Konzentration der industriellen Produktion in seiner Schrift anerkannt. Brauchte man dem gegenüber wirklich auf bürgerliche Citate zu greifen? Bernstein sagt nur, man solle nicht alles über einen Kamm scheeren, man solle Differenzierungen machen, wenn man ficht, daß es Gewerbe giebt, in denen der Kleinbetrieb absolut und relativ zunimmt oder wenigstens relativ zunimmt. Bernstein sagt imS nur, daß wir vor Thalsachen nicht die Augen verschließen sollen. Für die praktische Agitation ist es gut, wenn dem Agitator gesagt wird: Sieh die Leute an, zu denen du sprichst. Wenn du Schlächlergesellen organisieren willst, dann sage ihnen nicht, daß der Kleinbetrieb zn Grunde geht. Ich sehe, daß Hoch mir zulacht; er denkt wohl an jene' Schlächlergesellen- Versammlung in Frankfurt a. M., in der wir beide sprachen. Das Facit war, daß nicht wir das Präsidium in die Hand bekamen, sondern Karl Marx(Heiterkeit)— der Obermeister der Schlächterinnung.(Heiter- teil.) Ich habe das Gefühl, daß wir bei der Darlegung der Verhältnisse damals zu sehr die Schablone der Konzentricrung angewandt haben. Also, für den praktischen Agitator ist es ganz gut, für den einzelnen Fall Einzcldiffcrenzicrungen zu benutzen.(Kunert: Das ist doch selbstverständlich!) Ja das Selbstverständliche geschieht nicht immer. Was den Handel anbetrifft, so ist mit Recht hervorgehoben worden, daß die formelle Statistik täuscht. Kautsky hat die Zunahme der Kleinbetriebe im Handel ein Produkt der Zersetzung genannt. Das gilt für viele, aber nicht für alle. Die Bierzapfer sind z. B. nicht nur ruinierte Wirte, sondern auch Leute, die aus der Stelle eines Braukncchtcs, eines Lohnarbeiters heraufgestiegen sind. Man muß bei alledem auch die von der anderen Seite kommenden Er- scheinungen sehen. � Kautsky sagt, der Kleinbauer, der für die Z u ck e r» und die Konservenfabrik liefert, sei nur noch Tcilarbeiter. Dann wäre der Pfälzische Tabakbauer Teilarbeiter der Mannheimer Cigarrenfabrikcn. Das sind Bezeichnungen, die durchaus irre- führen. Ich glaube, daß der Bauer, der an eine Ge- nosscnschaftsmolkerei liefert, unabhängiger ist, als der Bauer, der seine Milch literweise an Kunden liefert. Der Bauer, der in der Genossenschaftsmolkerei täglich seine Milch absetzt, ist doch viel unabhängiger als der, der mit der Milchkanne von Haus zu Haus fährt. Man muß also sorgsam differenzieren. Im allgemeinen jedoch glaube ich, daß auch im Handel die Centrali- sationstendenz, wenn auch nicht in der Form des Betriebs-, sondern in der des Kapitalsbesitzes, durchschlagend ist, und daß uns da die HandelSstatistik täuscht. Bernstein sagt, es habe den Anschein, als ob diese kleinen Betriebe nicht verschwinden, sondern als ob neben ihnen gewissermaßen Großbetriebe herauswachsen. Gewiß, es giebt neue Bedürfnisse, die von vornherein durch Großbetriebe gedeckt werden. Der Großbetrieb wächst nicht allein dadurch, daß er Kleinbetriebe vernichtet. Dieser Gedanke ist nicht abzuweisen, er wirft den Gedanken, daß eine allgemeine Konzcutration stattfindet, durchaus nicht über den Haufen. Die Formulierung unserer Praxis ist aber direkt falsch, so- weit sie sich auf die Landwirtschaft bezieht, und wir sollten ganz offen eingestehen, daß wir uns da geirrt haben. Die Statistik zeigt, daß der Großbetrieb nicht zunimmt, sondern, wenn auch minimal, ab- nimmt, daß dagegen die eigentliche Zunahme in den kleinen und mittelbäuerlichen Schichten liegt. Kautsky giebt denn auch zu, daß ein Untergang des Kleinbetriebs in der Landwirtschaft jetzt wenigstens nicht vorhanden ist. Ich will auf die Einzelheiten seiner Argumentation nicht eingehen, sondern mir dagegen protestieren, daß man das Programm etwa so auslegt, wie Kautsky, wenn er sagt, die Landwirtschaft ivird auf Umwegen durch die Industrie konzentriert. Ich halte das entschieden für falsch, der Kleinbetrieb geht, wie ich bereits gestern ansgesührt habe, nicht durch die betriebstechnische Konkurrenz des Großbetriebs zu Grunde. Damit will ich keineswegs beweisen, daß die Klein- bctricbsform in der Landwirtschaft unter allen Umständen die bessere und rationellere ist. Das wäre eine ganz falsche Auffassung meiner Ausführungen. Nein, auf der andern Seite nimmt der landwirtschaftliche Produktionsvorgang da- durch, daß die Natur produziert, auch dann seinen Fortgang, wenn keine menschliche Arbeit angewendet wird. Die Natur geht ihren Gang, auch wenn der Mensch nicht hinter ihr steht. Dadurch erleichtert sie ganz außerordentlich einen extensiven Betrieb und das kommt den Großbetrieben zu gute. So erklärt es sich z. B., daß die Forstwirtschaft nur als Großbetrieb betrieben werden kann, daß die Biehproduktio» in halbeivilisieneii Ländern Großbetrieb ist, daß da, wo man Raubbau treibt, wie in Amerika, ebenfalls der arbeitsextensive, aber kapitalintensive Großbetrieb herrscht. In der Landwirtschast hebt die eigentliche Entwicklung mit dem Großbetrieb an und die lveiterc Entwicklung des Betriebes zielt auf eine Verkleinerung hin, um größere Produktivität zu erzeugen, während in der Industrie die Entwicklung vom Kleinbetrieb zum Großbetrieb hinsteuert. Also diese schablonenhafte Darstellung der Entwicklung im ersten Teil des Erfurter Programms ist nicht richtig. Unter anderm sagt KantSky auch einmal, schließlich komme die Industrie sogar so weit, Rohprodukte zu erzeugen oder zu ersetzen, die die Landwirtschaft produziert; ein immer größerer Teil der bisher von der Landwirt- schaft erzeugten Produkte würde durch die Industrie erzeugt. DaS sind irrtümliche Verallgemeinerungen, denn die Er- zeugnng der menschlichen Hauptnahrungsmittcl ist und bleibt Sache' der Landwirtschaft, falls es nicht gelingt, sie auf chemischem Wege herzustellen. Wenn aber das ein- tritt, daiin ist ja die Agrarfrage ans andere Weise gelöst, dann brauchten wir uns den Kopf nicht mehr darüber zu zerbrechen. Vorläufig jedoch dürfen wir nicht mit Dingen rechnen, die noch nicht cingetrclcu sind. ' Nun noch eins. Ich sagte, in den landivirtschaftlichcn Produ- zciltcugcuosscnschnftc» vollziehe sich die- eigentliche Socialisienmg in der Landwirtschast. Aber vorläufig überwältigt das kollektivistische Princip, dort noch nicht das individuelle, es kommt nur ein Kompromis zivischcn beiden zu stände. Ob das für alle Zeiten so sein wird. wage ich durchaus nicht zu behaupten, ick sage mir: für absehbare Zeit scheint mir für die Lalidwirtschaft dies wirtschaftliche Gebilde die ani weitesten vorgeschrittene Socialisierungsmöglichkeit. Während in der Industrie die Produzentengcnosscnschaftcu nicht recht gedeihen wollen, sind sie in der Landwirtschaft in einer geradezu stürmischen Entwicklung begriffen. Durch sie macht der mittlere und kleine Bauer schon gewisse Konzessionen an den Socialismus, ivir haben also das Recht ünd die Pflicht, diese Genosscnschaftsbewcgung im Parlament soweit wie möglich zu fördern. Damit will ich natürlich die Interessen der Agrarier und Junker nicht im geringsten verteidigt haben, wir sollen vielmehr auch zugleich darauf sehen, daß demokrasicrt wird, namentlich in der Forin, wie die Unterstützung vor sich geht. Bernstein giebt mehr alö er nimmt. Die Bcrnstcinsche Schrift bricht also nicht mit dem ökono- mischen Princip der Socialisierung, sie läuft im wesentliche» darauf hinaus, eine höhere priiicipielle Bewertung der Gegen Wartsarbeit auszusprechen. Wir haben � die Gcgenwarlsnrbcit ja auch heute ohne die höhere Bewertung rastlos besorgt, aber es ist doch ein Unterschied, ob man in dieser Arbeit nur Palliativ mittel oder G r u n d st e i n e zu dem großen Gebäude der Zukunft sieht. Ich weise entschieden alle Versuche zurück, Bernstein oder mir nachzusagen, daß wir auf die politische Bewegung nicht genug Gewicht legen.' daß ivir etwa glauben, nur mit den Gewerkschaften oder Genossenschaften sei es zu machen. Nein, das glauben>vir nicht. An alle drei Gebiete, geiverkichaftliche. genossen- ichaftliche und politische Bewegung soll der Hebel angesetzt, diese Dreieinigkeit soll hochgehalten werden. Dann erst wird die ganze Kraft entfaltet werden können. Es ist auch historisch zu begreifen, daß in keinem Lande die drei Entwickelungen in gleicher Weise vor sich gegangen sind. Ich will auch nicht sagen, daß die Partei als solche Geiiossenschaftcn be- gründen soll, das' wäre der größte Unsinn, den wir machen könnten. Die Genosscnschaftsbcwegung soll nur anerkannt werden als eine neben anderen notwendige Form. Wenn Sie von diesem Gesichtspnnkt auS Bernsteins Schrift betrachten, so müssen Sie mir zugeben, wenn ick sage: Bernstein giebt uns mehr, als er uns nimmt.(Beifall und Widerspruch.) Gerade durch die höhere Bewertung der Gegenwartsarbcit wird die Zuversicht ge- steigert, daß schon jetzt innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsform die Verteilung des Wcrtprodukts ganz wesentlich zu Gunsten der Arbeiterklasse zn beeinflussen ist. Und diese Zuversicht ist ein belebendes Moment in unserem Kampf, im politischen, geiverkschaftlichen und genossenschaftlichen, und dieS belebende Elenienr, diese Zuversicht,' diese höhere Beivcrtung wird uns zur Er- oberung der politischen Macht und zu allem, was kommen mag und komnien wird, auch förderlich sein. Ich habe an einer anderen Stelle bereits meine Ansicht dahin zusammengefaßt: Hoch das Banner der Hoffnung, nicht nur auf eine bessere Zukunft, sondern vor allem und in erster Linie auch auf eine bessere Gegenivart.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen, Zischen.) »» » Täterow-Berlin beantragt, die Redezeit auf 30 Minuten zu beschränken. Hoffmann-Berlin bittet uin Ablehnung des Antrages, der nur auf Hinterthüren den gestern abgelehnten Antrag auf Stellung eines Korreferenten durchsetzen wolle. Singer: Auch ich bitte Sie, den Antrag abzulehnen. Ich habe die Zuversicht, daß sich die Genossen bewußt sind, daß wir noch andere wichtige Dinge zu verhandeln haben, und ich appelliere an die Redner, daß sie in diesem Bewußtsein sich auf das Notwendige beschränken. Sollte eS sich später als notwendig Herausstellen, so werden wir allerdings zu Beschränkungen greifen müssen. Vorläufig aber bitte ich, bei unserem gestrigen Beschluß zu bleiben. Peus-Deffau spricht sich gleichfalls gegen den Antrag au«. Stolten-Hamburg befürwortet den Antrag mit dem Hinweis darauf, daß die Theorie bereits eingehend erörtert sei. Hierauf ivird der Antrag Täterow angenommen; die Redezeit ist also auf 30 Minuten festgesetzt. Frau Zietz-Hamburg. Ich gehöre zn denen, die eine energische Zurück« Weisung der Bcmsteinschen Augriffe aus unsere Grund- anschauungen für notwendig halten, nicht weil ich diese für ein Dogma halte, sondern weil Bernstein Marx und Engels Unter- stellungen macht, die sie niemals vertreten haben inbezug auf die materialistische Geschichtsauffassung, die Verelendungstheorie usw. Wo haben denn Marx oder Engels je behauptet, daß nur und allein die materiellen Verhältnisse bestimmend sind und ideologische' Momente gar nicht in Frage kommen? Die wissenschaftliche Be- gründung des Socialisnius, das Siegesbeivußtscin, das uns beseelt, das uns über das alltägliche Leben hinaushebt, ist ja der beste Beweis gegen die Bernsteinsche Auffassung, wir hätten ideellen Momenten niemals einen Einfluß auf die Ent- Wicklung eingeräumt. Auch die VerelendungStheorie, die Bernstein ftinterstellt, ist nie von uns propagiert worden. Hätte Bernstein Marx vollständig citiert, wäre ihm dieser Irrtum nicht passiert. Er hätte uns, wenn er einen selbständigen Mittelstand für dauernd möglich hält, doch ein Kriterium des Pro- letariats geben sollen, wie er es versteht. Wir verstehen doch unter Proletariat nicht diejenigen, die mit zerlumptem Rock und knurrendem Magen herumlaufen, sondern jeden, der in Ab- hängigkeit vom Kapital sich befindet; diese Abhängigkeit wächst zweifellos von Tag zn Tag und damit wächst auch die Masse des Elends(Bebel: Sehr richtig!), damit wächst die llnsicherheit der Existenz. Auch ich kann mich auf einen bürgerlichen Schriftsteller berufen. Nach der Oeynhauser Rede führte die„Sociale Praxis" aus, daß im Jahre 1897 mehr als 200 000 Menschen arbeitslos mit 60 bis 70 Millionen verlorenen Arbeitstagen gewesen wären. Widerlegt das nicht schlagend die ganze Theorie Bernsteins von dem Schwinden der industriellen Reservearniee unter Hinweis auf die ländliche Ar- beiternot? Die Steigerung des socialen Elends kann für manche Gegenden auch im ganz abioluten Sinne gelten. Wenn im Erfurter Programm ausgesprochen sei» sollte, daß wir notwendig zum Pauperismus kommen müßten, dann wären wir ja samt und sonders Demagogen geivesen, wenn wir immerfort die Arbeiter aufforderten, sich politisch und gewerkschaftlich zu bcthätigen und auf die Verbesseruna ihrer Lage hinzuweisen.(Lebhaftes Sehr richtig!) Allerdings gebe ich zu, neben dem Hinweis auf die sinkende Tendenz hätte auch ein Hinweis auf die in der umgekehrten Richtung wirkenden Mo- mcnle im Programm stehen können; dann wären wir wenigstens gegen die Mißverständnisse eines Bernstein und eines David gesichert gewesen. Wenn Bernstein der Ansicht ist, daß ivir in der Gegenwartsarbeit nicht genug thun, weshalb sagt er das nicht; damit wäre er keinem Widerspruch begegnet, cbcnsoivcnig, wenn er verlangt hätte, daß wir stets uns auch dessen bewußt bleiben sollen, daß wir nicht nicht nur Socialislcn, sondern auch Demokraten sind, oder wenn er uns zu stärkerer Bcthätigung in der Gewerkschafts- und Genossenschaftsbeivegung auffordert. Aber wenn uns David die Genossenschaftsbcwcgung in dieser Weise empfiehlt, daß er sie ein Stück Socialismus nennt, dann hat er uns wahrhaftig leinen Dienst erwiesen. Also die Genossenschaften mit den abhängigen Lager- Haltern sollen schon Socialismus sein? Ganz etivas anderes iväre es. wenn er die Genossenschaften ein Stück auf dem Wege zum Socialisnnis genannt hätte! Wenn David erklärte, wenn KantSky unicr wirtschaftlicher Gewalt die Uncntbehrlichkeit der Ar- beitcr im Produktionsprozeß verstände, so hätten auch die Hörigen und Leibeigenen im Mittelalter diese Gewalt gehabt, — so schäme ich mich fast. � ihm hierauf erwidern zu müssen. Da ich aiinehmcn muß. daß David diesen Ausspruch auS seiner Ucbcrzcugung heraus gcthan hat, so ist es sicher, daß er es nicht versteht, den historischen Materialismus auf konkrete Fälle anzuwenden, so versteht er nicht die Teilung der Arbeit ini Mittelälter. Heute sind die Arbeiter in der That schon fast allein diejenigen. � die den Produktionsprozeß nicht nur beivcrkstclligen, sondern auch leiten, und darauf stützen»vir ja unsere Anschauungen. � Ich habe aber den Eindruck, daß Bernstein niis für seine neue Taktik nicht nur gewinnen will. sondern sie auch seinen neuen liberalen Bundesgenossen plausibel zu machen suchte. Deshalb mußte er versuchen, auch unsere ganzen Grundanschanuiigen über den Haufen zu werfen. A u f den Liberalismus, der auf die Salonfähigkeit deS Socialismus wartet, spekuliert er.(Sehr richtig!) Aber prüfen wir doch einnial den Liberalismus auf Herz und Nieren: er wird erklären, wie Pater Fordes zum Bflchof von Korn m, wir haben die sociale Gesetzgebung nur propagiert auS Furcht vor der Socialdemvkratie. Wenn ivir nur dafür sorgen, daß mit der Revolutionieruiig der wirtschaftlichen Verhältnisse auch die Nevolutiomerung der Kopfe gleichen Schritt hält, so haben wir gcthan. was wir thun konnten. Weil sie noch nicht Schritt gehalten hat, weil uns so viele Arbeiter noch fern stehen, und weil das Expansionsbcdürfnis der Produktion auf dem Weltmarkt noch seine Befriedigung findet, deshalb sind wir noch nicht am Vorabend der Herrschaft des Socialisnius. deshalb ivird es noch eine Weile dauern. Wir würden jetzt von einer Gruppe von Arbeitern eine Vendec zu befürchten haben, während wir auf der anderen Seite den Kampf gegen das GotteSgnadcntnm führen. Dies zur Ant- wort auf die Frage Bernsteins: Köniieii wir siegen I(Lebhafter Beifall.) Es ist ein Antrag eingegangen, neben der Bcbelschen auch die Davidsche Rede im Separatabdrnck herauszugeben. Babel: Hätte ich gestern den Antrag gehört, so hätte ich gegen ihn gesprochen. Ich fordere Sie auch auf, den heutigen Au- lrag abzulehnen. Wird meine Rede gedruckt, muß es selbstverständ- lich auch mit der Davids geschehen. Dann hätte aber auch Auer und Vellmar das Recht, das zu verlangen. Eine Beschlußfassung erfolgt nicht. Dr. Woltmann-Elberfeld: Ich bin der Ucberzcugung, daß die gestrige Anklagerede Bebels gegen Bernstein mehr an die Stimmung, als an den Verstand gerichtet war.(Sehr richtig! Oho I) Wir sollten uns aber bei solchen Dingen nicht begeistern, sondern die Klarheit des Ver- standes walten lassen, um wissenschaftliche und sehr differenzierte Streitpunkte aufzuhellen. Ich bekenne offen, daß ich in vielen Punkten mit Bernstein übereinstimme, aber ich identifiziere mich nicht mit seinem Buche, ich würde mich in mancher Hinsicht anders aus« drücken und zu andern Schlüssen gelangen. Mir scheint der ganze Streit viel zu sehr auf die Spitze getrieben.(Sehr richtig.) Man hat dabei häufig den Eindruck, daß der Kampf geführt wurde, als handele es sich nicht um einen Streik um begriffliche Dinge, sondern um das Wohl der Partei und der Menschheit. Der Kampf wurde auch nicht sachlich geführt, sondern persönliche Gründe waren im Unterbewußtsein mancher vorhanden. Ich muß es entschieden zurückweisen, wenn Liebknecht in seiner letzten Broschüre Bernsteins Schrift eine„Bußschrift" und die„feierliche Verleugnung der socialdemo- kratischcn Principicn", ein„Wiederbekenntnis zum allein selig machen- den Glauben der bürgerlichen Weltanschauung" nennt. Das ist mehr als übertrieben.(Sehr richtig!> Dadurch werden wir alle getroffen, die wir als Schildknappen Bernsteins bezeichnet werden. Und wenn man in Bernsteins Schrift Widersprüche nach- weist, so finden Sie bei seien Gegnern noch viel mehr Widersprüche. Bebel hat Bernstein und seinen Freunden— ich möchte es fast geschmacklos nennen— Mangel au Denken vor- geworfen; ich glaube, daß anderen Leuten die Fähigkeit abhanden gekommen ist, sich in den Gedankengang anderer Leute hineinzuversetzen, die nicht im gewohnten Geleise gehen. Bernstein hat an den Miß» Verständnissen zweifellos ja selbst etwas schuld, er hat sich zu' zagend, zu tastend, zu unsicher ausgedrückt. Aber zweifellos hat Bebel die Bernstein legende, die in die Welt geworfen ist, nur vermehrt. Marx hat sich die Tendenz dc-Z Kapitalismus vorher fertig gemacht, ehe er seine Geschichte studiert hatte. Das miderspricht aller Iviffenschastlichcu Erforschung. Die ganze Marsche Zusammen bruchstheorie ist eine spekulative Idee, nicht eine wissenschaftlich be gründete Thaisache. Wo hat Bernstein geleugnet, da' es in der Dcrgangenheit keine Expropriationen gegeben hat? Er sagt nur, es hat keine gewaltsame Expropriation von allgemeinem Umfang gegeben, und dafür fehlt es in der That bisher an einer Analogie in der Geschichte. Der Socia> liSnins ist zweifellos die Vollendung des Liberalismus im Wirt schaftlichcn Sinn des Wortes. Wir haben doch die Idee der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit; ohne die Sclbstvcrantwortnng, das Bcwusztscin der Notwendigkeit, die Tüchtigsten an die Spitze zu stellen, werden wir nicht weiter kommen, auch das müssen wir übernehmen, denn das sind allgemeine biologisch Grundsätze. Es handelt sich aber darum, die Grundlage zu schaffe« auf der der Wctrknmpf unter gleichen Bedingungen erfolgen kann, dafür sind wir Kolleklivisten, damit die Individuen sich entwickeln können.. Bernstein hat die Dialektik und den historischen MaterialisnuiS gar nicht aufgegeben, sondern nur gewisse Modifikationen eingeführt, er hat nur auf die Mängel der Hegetfchen Dialektik hingewiesen, die formal sich auch in der Nlarxschen Dialektik finden. Führen wir doch an Stelle dcS Begriffs Dialektik den viel präciscrcn und reichhaltigeren Begriff Entwicklung ein, den werden auch die Arbeiter besser verstehen. Es ist ganz begreiflich, daß Marx den verschiedenen Erscheinungen dcö Lebens zu verschiedenen Zeiten eine verschieden groffe Beachtung geschenkt hat; so sind Widersprüche entstanden. Nicht alle Jdcologw ist ein Reflex der ökonomischen Verhältnisse, nicht die Ideologie an' dem Gebiete von Kunst, Wissenschaft. Ich fordere Bebel auf. nachzuweisen, wo Bernstein davon gc- sprachen hat, die Bourgeoisie habe aus Moral den Arbeitern da? KoalitionSrccht gegeben.(Bebel: Das habe ich auch gar nicht gesagt I Heine: Gewitz haben Sic es gesagt I) Die Klassenmoral hat Bernstein nicht bestritten; aber es giebt auch eine Moral, die über die Klassen hinausführt, und die ist nicht von gestern und heute, sie ist so alt wie die ganze Menschheitsgeschichte. Durch die ganze Geschichte der Menschheit geht ein Kampf über den Klassen, unsere heutigen Kämpfe sind nur eine Phase davon. Die sogenannte..lächerliche Zusammenbruchstheorie, die jetzt KautSky und Bebel bestreiten, hat in der That in der Partei bis vor kurzem bestanden, sie lägt sich bei Marx, bei Engels, ja auch bei KautSky nachweisen; auch er vertritt an einzelnen Stellen ganz direkt den technischen Zusammenbruch der kapitalistischen Gesellschaft. Was den Klassenkampf anlangt, so hat Marx stets die organi siertc, geschulte Arbeiterklasse als das wichtigste ProduktionSelement eingeführt, er hat stets den Klassenkampf als einen wirtschaftlichen anfgcfafft, die Gewerkschaftsbewegung als das Fundament dcS Klassenkampfes, und daS müssen wir auch thnn. Wie sollen wir die politische Gewalt erobern? Bebel sagt selbst, die Gewerk- schaften könnten auf einen toten Punkt kommen. Gciviff ist der Stimmzettel die lvichtigstc Waffe im Emacipationskampfe, aber das Wahlrecht ist von der Arbeiterklasse ebenso wenig wie das Koalitionsv recht erobert worden; wäre das gleiche Wahlrecht der wirb liche Ausdruck der ökonomischen Macht des Proletariats. dann wäre es in Sachsen nicht wieder genommen, dann Hütten »vir cS auch in Preußen. Meine Meimuig ist die, und ich gehe darin über B e r n st e i n hinaus: In Deutschland ist der wirtschaftliche Kampf leider vernach- lässigt worden. Wie es der gewerkschaftliche« Bewegung gegangen ist. wird cS auch der genossenschaftlichen gehen: erst stand man ihr feindlich gcgcniiber, dann tolerierte man sie, jetzt ist man ihr shmpathisch— man wird noch weiter gehen und sagen: sie ist notwendig zur Befreiung der Arbeiterklasse. (Beifall.) Fcndrich-Karlsruhe: Ich beginne mit dem Bedauern darüber, daß durch die fast drei ständige Heraufchieppling von Material, die einem östi'cichifchcn Ob strultionsredner Ehre gemacht haben würde, Ausführungen wie diese letzten, verkürzt wurden. Bebel hat sein Referat mit cincin Anhieb ans die Karlsruher Genosse» und mich eingeleitet. Unsere Resolution wünschte die Wahrung der Würde der Partei bei der Bernstein- DiSknisio». Bebel sagte, das könne Nur einer fordern, der entweder jung in der Partei sil oder die Vorgänge in der Partei nicht bc- vbachtet. Das erste trifft nicht zu, da ich schon unter dem Socialistcn- gesctz Redactcnr eines PartciblattcS»vor. und das zweite ist auch nicht richtig, den» gerade die Vcobachtnng gctvisser Vor gänge in der Partei hat mich veranlaßt, die Ste solntion in Karlsruhe einzubringen. Ich glanbe auch, Bebel hat auf mich gehauen, aber jemand anders treffe« wollen: denn Sie erinnern sich, daß meine vorjährige Rede unnnttelbar auf die Ansführiliigcn der Genossinnen Zetkin und Luxemburg folgte, die in ihrer Schärfe vielleicht nicht ganz der Würde der Partei cut- sprachen.(Sehr gutl) Die direkte Veranlassuug unserer Resolution war aber die Pieschciicr Rede Liebknechts, tu der er Verusteni einen Strohmann, ja eine» Esel nannte,(Hört! hört!) in der er ihm Uuwisscn- schaftlichkeit vorwars. JciicPicschcuerRedc, deriiochaiidereDiugcgcfolgt sind, hat mich befübchtcu lassen, daß man mit Bernstein auch auf dem Parteitag in einer Weise umspringen würde, wie es der Würde der Partei nicht entspricht.(Sehr gut)) Es ist bedauerlich, aber es Muß so sein: wenn die Alten die Alten gegen die Alten nicht vcr- leidigen, dann müssen c? die Jungen thuü.'(Heiterkeit. Sehr gut!) Zur Auskläruiig� bezüglich des Titels..Rauhbein"— den ich' mir übrigens selbst zugelegt habe— mir, daß ich in Baden noch als eines der feiner besaiteten Gemüter augcschcii werde» Sie kömicu sich also denken, wie die andern sind.(Heiterkeit.) Wir wolleil nicht den trockene» Ton einhalten, sondern mehr in die Praxis gehen. Bebel hat Frau Luxemburg verteidigt. Ich weiß nicht, ob ihr das sehr angcnchin war. Sie hat nicht nötig, daß ein Ritter für sie in'die Schranken sprengt; sie ist so gut mit Zähnen und Nägeln ausgerüstet(große Heiterkeit und lebhafter Widerspruch), daß sie sich selbst verteidigen kann. Liebknecht hat Bernstein Mangel an Wissenschaftlichkeit vorgeworfen. Was schreibt aber Liedkiiecht, der Marx verteidigen will, am Schluß seiner Broschüre: Der Islam war so lange unbesiegbar, als er an sich allein glaubte und in jedem Nichlmnhamcdauer einen Feind sah. Von dem Augenblicke au, wo der Islam auf K o m p r o ni i s s r ein- ging und in die Wege der nichtninhamedanischen, sogenannten civilisierten Mächte einlenkte, hat er seine erobernde Kraft eingebüßt. Der Islam konnte nicht anders. Er war nicht der wahre, welterlösende Glaube. Der SocialiSiiius aber ist, und der Socialisnius kann die Welt nicht erobern und nicht erlösen, wenn er aufhört, an sich allein zu glauben." Ist das Marxismus? Das ist Fatalismus vermischt mit Idealismus in schlimmster Form.(Sehr richtig I) Da sage man nicht mehr. wir sind keine Leute, die Dogmen hätten. Hier wird uns der Glaube empfohlen.(Redner schleudert die Licbkncchtschc Broschüre zu Boden. Lebhaftes Oho I) Ich war sehr erstaunt, daß Bebel sich für berufen hielt, dir Richtigkeit der Marxschcn Lehre zu beweisen; er. der mit seiner Kladderadatsch-Prophezeinng so wenig gute Erfahrungen gemocht hat, sollte die Hände von dieser Sache lassen.(Heiterkeit und lebhafter Wider- pruch.) Bebel hat auf mein Blatt angespielt und eS eine Ungeheuerlichkeit genannt, daß wir Bassermanns Rede für die Richtigkeit der Bernsteinschen Anschauung ins Treffen führten. Und doch lag nichts näher. Der„Vorwärts" und die gesamte Partciprcsse haben die hohe socialpolitischc Einsicht Vassernianus in dieser Rede anerkannt. Warum sollen wir nicht gelten lassen, was auf andcnn Felde wächst. Wir sind eine zu große Partei, als daß uns die Furcht anstünde. eS könnte uns von anderer Seite etwas weg- genommen werden. Es ist Kleinmut, wenn wir den Gegner nicht vornehm und würdig behandeln wollten. Der BeMhardincr empfindet Freundschaft für die Möpse und Dackeln. (Große Heiterkeit.) Das Gefühl der Uebcrlcgenhcit des Großen über den Kleinen sollten auch wir ancrlciiucu. Darin liegt ja gerade A e r» st e i n S V e r d i e n st, daß er den Finger in manche Wunde gelegt, daß er unser hoch c n t- Wickelles Selb st bewußt je in zurückgeschraubt hat. (Widerspruch.) Wie sind wir gewohnt, über die Ethiker wie Egidh die Achseln zu zucken. Als Egidh aber starb, hieß es im „Vorwärts", er sei ein Socialdcmokrat.(Heiterkeit.) Und weiter: Verkennen wir doch nicht, daß Marx für die große Masse der Arbeiter und auch für unsere Halbgekchrten daS ist, was Goethe für die Bourgeoisie, die ihn verhimmelt, aber nicht liest. Es sind v i e l e D e I c g i c r t e da, die mir gesagt haben, wenn das ganze MarxscheGcbände znsainmen brechen sollte, würden die Leute dock S o c i a l d e m o k r a t e n bleiben. Der idealistische Lasialle steht den Arbeitern noch heute viel näher, als Marx, den sie wie ein weit in die Ferne gerücktes Idol verehren. Wir haben eben auch einen Dogmcnglanbcn. (Lebhafter Widerspruch.) Sie sind unwillig, wenn ich das sage Aber als mein Vorredner sprach und Marx kritisierte, da war ei ganz ans. Es steht bei vielen Genossen so wie bei den gläubigen Katholiken, wenn die Unfehlbarkeit des Papstes bestritten wird. (Oho! Oho 1) Sie sind entrüstet, aber fragen Sie sich im Innern Ihres Herzens, ob es nicht so ist.(Lebhafter Widerspruch.) Nun muß ich mich noch gegen einen Angriff ans die Grund- anschaunngen der Partei wenden, den unser hochgeschätzter Genosse Bebel verübt hat. In Punkt 6 unseres Programms heißt es: Erklärung der Religion zur Privatsache. Bebel aber sagte gestern: ..... Die Bourgeoisie ist so atheistisch, als nur einer von uns Ich muß cS ablehnen, als Atheist gehalten zu werden. Das hat mit der Partei nichts zu schaffen.;Bebcl: Ich habe Sic ja gar nicht gemeint.) Der Zwischenruf Bebels beweist, daß auch Sie miß- verstanden werden können. Bebel hat die badischcn und bayrischen Wahlbündnisie gebilligt. Nun ist aber eine Ressolütion Liebknecht- Luxemburg eingelaufen, wonach der Satz in der Bcbclschcn Nc solntion von dem Znsammengehen mit bürgerlichen Parteien von Fall z» Fall— ausgestrichen und die Frage'auf die Tagesordnung des nächsten Parteitags gesetzt werden soll. Wie wenig korrum- picrend solche Augenblickskartelle wirken, zeigt ein Blick auf unsere Presse. Wir liegen uns init den CcntrumSblättern Tag um Tag in dcnHäarcn. Aber zu dem Wahlbündnis sind wir gezwungen, wenn wir nicht die Politik des Selbstmordes betreiben wollen. Neben den schönen Eisenbahnschienen, auf denen( die Entwickelimg von selber läuft, geht eine andere EntwicklnngSlinie, die über krnimnc Wege und Berge vorwärts führt? Wir müssen es da machen, wie mit dem menschlichen Willen. Wissenschaftlich ist er nicht da. aber wir müssen so handeln, als wenn er da wäre. Doch ich will nicht Philosophie treiben.(Heiterkeit.) Bebel sagte:„Wenn man uns immer vorhalten will, welche Schwierigkeiten wir noch zu überivindcn haben, na, dann, dann danke ich. Dann hätte ich längst die Flinte ins Korn geworfen." So kleinmütig bin ich nicht, ist Bernstein nicht. Es ist das eben Geschmackssache. Es giebt Lctlte, die sich lieber auf den festen Boden der Thatsachcn stellen, statt sich in den Nebel der Prophezeiungen zu begeben! Es giebt Leute, die lieber die Schwierigkeiten und llucbcnhcitcn des Weges erkennen, als daß sie sich in nnbcstimmten Hoffnungen bewegen. Das Verdienst Bern- stcins ist es. uns bittere Wahrheiten gesagt zu haben; dafür m ü s s e n w i r i h m dankbar sein, trotz Plcchanoiv. In Bebels Rede machte eS den meisten Eindruck, wie er rief:„Bernstein rät uns beständig: nur langsam, hübsch langsam! Sehen Sie die die anderen Parteien sich an, wollen die denn warten, die wollen morgen zur Macht gelangen. Und.wir sollen uns gedulden!" Aber anderen Parteien stehen ja ans einem ganz anderen Bode» als wir. Wir sfthcn auf dem Boden der materialistischen Geschicksisanffaffung. Wir sagen: DaS Wollen genügt nicht, wenn die Reife der Verhältnisse nicht genügt. Unsere Gegner begnügen sich mit Reformen, während wir die völlige Umgestaltung der Gescllschaftsordnnng wollen. Das ist der wichtige, grundlegende Unterschied. Auch Marx und Engels sind früher ein- mal a!S Angslmcicr bezeichnet worden, weil sie keine gewalt- saine Revolution wollten, sie sind nicht an diesem Vor- wnrf gestorben, und auch Bernstein wird nicht daran sterben. Die Bernsicinianer werfen die Flinte mich dann nicht ins Korn, wenn sie daS Endziel erst in weiter Ferne sehen. Gciviß ist es richtig, daß uns Bernstein manches nimmt, aber gerade dadurch, daß er uns Selbstüberschätzung nimmt, giebt er uns neue Kraft, und das ist viel nr ehr wert. Man hat auch angedeutet, daß die Bernsicinianer keine Socialdcmok raten mehr sind. Nun darüber, ob tvir Parteigenossen sind oder nicht, entscheiden das Programm und wir selbst. Mögen Sic immerhin auch den Versuch machen, Bernstein abzusägen, cS hat viele große Forscher gegeben, die erst getötet werden mußten, und erst dann hat sich die Wahrheit ihrer Lehre bewährt. Liebknecht: Zunächst ctlvas Persönliches. Man hat mir vorgeworfen, daß ich in meiner Pieschener Rede meinen Freund und langjährigen Mit- känipfcr Bernstein verunglimpft hätte. Ich habe bereits erklärt, daß ich in jener Rede, die beinahe zwei Stunden dauerte und über die nur ein zusammengedrängter Bericht erschiciicn ist, nicht ein Wort gesagt habe, das für Bernstein hätte ver- lctzeitd sein lünnen. Ich bin der Legende entgegengetreten, die von Gegnern von unS aufgestellt war, daß Bernstein von uns als eine große wissenschaftliche Autorität, geivissermaßcn der Fort- 'ctzcr von Marx gegolten habe; er ist über Marx gestellt worden in bürgerlichen Blättern, und dem bin ich entgegen- getreten und habe gesagt, daß er innerhalb der Partei als wissenschaftliche Autorität meines WisicnS nie gegolten habe, wissen- 'chaftlich im Marx'schcn Sinne der Anfrlchiung eines neuen Lehr- gcbäiidcS. Und daS ist Wahrheit. Kautskh hat in einem längeren Buch dasselbe gesagt; ich habe keinen Ausdrucks gebraucht, der für Bernstein nur halb so verletzend sein könnte. Ich habe Berusteiii niemals einen Strohredactcur genannt, das ist mir einfach unterschoben worden. Ich habe gesagt, daß Bernstein eine Pflicht am„Socialdcmokrat" voll und ganz gcthan hat, ich habe ausdrücklich gesagt, daß er kein Strohredactcuer gewesen ist. Ich habe gesagt, der„Socialdeuiokrat" ist nicht von Bernstein zeschriebcn worden, sondern von der großen kämpfenden Klasse der Arbeiterschaft, und hätte Bernstein ihn nicht so redigiert, wie er ihn redigieren mußte, so hätte er ihn überhaupt nicht weiter redigieren dürfen. Ich wandte mich nur dagegen, aus Bernstei» etwas zu machen, was er niemals gewesen ist. Man hat mir auch eine» Widerspruch in meinem Artikel über Bernstein vor- gctvorfcn und dabei einen Leitartikel des«Vorwärts' vom 23. März erwähnt. Nun, in diesem Artikel ist nur gesagt, daß Bernstein die Grundlage und das Endziel de» Socialismns nicht preisgegeben, sondern sich im Gegenteil dafür ausgesprochen habe. Diese Acnßernng ist nicht gethan um Bernstein zu verteidigen, sondern gegenüber den idiotischen Artikeln der bürgerlichen Presse, die da sagten, Bernstein ist unser Mann, er will ja alles, was wir wollen. Da rief ich ihnen höhnend zu: Wollt ihr auch das Endziel, ur das Bernstein sich erklärt? Run stoßen wir in der Bemsteinschen Schrift auf Lrhr«n und Aussprüche, die genau das Gegenteil von socialistischcn Anschauungen ind. Bernstein ist voller Widersprüche, die Konsequenz seiner Lehre würde dazu führen, daß in der That die Socialdcniotvatie zu einer bürgerlichen Reformpartei wird. Das Urteil, das ich heute über Bernstein habe, habe ich seit langer Zeit, ich habe ihn niemals weder für eine revolutionäre Natur, noch für eine große wissenschaftliche Autorität gehalten. Slls er mir vor zwei Jahren in England gesprächsweise sagte, der SocialiSmnS sei die letzte Konsequenz dcS Liberalismus, da erkannte ich, welche Kluft zwischen uns besteht. SocialismuS und Liberalismus haben nicht» mit einander gemein. Hätte Bernstein gesagt, Demokratie und SocialiSmus, so ließe sich darüber reden, aber der Liberalismus ist spccifiscki bürgerlich. Von dem Augenblick an, wo das Bürger- tum kapitalistisch wurde, ist es liberal gcivordcn und hat genau die dem SoeialiSinnS ciitgcgcngesctzic Entwicklung genommen. Bebel ha: bereits nachaewicscn, daß das, iras Bernstein gegen die Vcrelcndnngsthcorie sagt, teils nicht wahr ist, teils nicht das trifft, was Marx behauptet hat. Die Vcrclen.dnngsthcorie ist absolut bestätigt worden durch die moderne Wisienschaft, durch die Einkommensteuer- Statistik. Daß die Accuniulicriing des Kapitals vor sich geht, kann nicht geleugnet werden, und die Thatfachc, daß es eine Anzahl selbständiger Existenzen giebt, denen es jetzt ganz gut geht, spricht nicht gegen die Theorie; das sind nur scheinbar nnabhängige Existenzen. Während diese sich mit der Ausdehnung der kapitolistischcn Wirtschaftsordnung vermehren, vermindern sie auf der anderen Seite die wirklich un- abhängigen Existenzen. Also die Lehre von Marx hat sich, wenn sie auch nicht in jedem einzelnen Detail zutrifft, doch vollständig be- währt. Der Kapitalismus erzeugt Zustände, an denen er selbst zu Grunde gehen muß. Wer das leugnet, das kann nur jemand sein, der in England lebt. wo die Entwicklung ganz ander» ist als in Deutschland, wo sich das Volk aller möglichen Freiheiten erfreut, die nicht angetastet werden können von oben her. Dort hat sich die GciverkschaftS- bewcgung naturgemäß entwickelt, bei uns aber ist sie gestört worden. Trotzdem suchte auch hier da» Bürgertum die Arbeiter- bclvcgung zu ächten, es schränkte das Koalitionsrecht ein, und es bedurfte erst eines langjährigen Kampfes, um die Koalitionsfreiheit wieder zu erobern. Erst dann ist das Bürgertum dort zn der An- ficht gekommen, daß die Unterdrückung der Arbeiterbewegung zum Untergang des Staatswesens führt. Der Staat war genötigt, zu seiner eigenen Verteidigung daS KoalirionSrecht wieder einzuführen und die Fabrilgesetzgebnng zu erlassen. In England ist der Gegensatz ztvischen Arbcitcrllasse und Bourgeoisie nicht so groß wie bei nNS; die Arbeiter können dort schreiben, was sie wollen. sie haben keine politische, keine polizeiliche Aufsicht. Daß dort du Bewegung wesentlich gewerkschaftlich ist, liegt also in der Natur der Sache. Es ist weiter eingewandt worden, daß selbst nach Iviffen- schaftlichcn socialistischcn Schriften daS Elend am stärkste» da sei, wo der Kapitalismus noch nicht eingedrungen ist; ts sei also nicht die Folge des Kapitalismus. Ich will demgegenüber auf Sachsen hinweisen, Ivo wir in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren noch die kleinen Meister in der Weberei hatten. Die befanden sich in ganz außerordentlichem Elend. Dies Elend ist nicht hervorgebracht direkt durch den Kapitalismus, wohl aber durch die Konkurrenz des Kapitalismus, so daß wir seiner Zeit im sächsischen Landtag es mit Recht als eine wahre Wohlthat für diese sog. selbständigen Arbeiter bc- zeichnen konnten, daß sie als Fabrikarbeiter in den Großbetrieb kamen. Auch in Indien ist das Elend der Arbeiter nicht durch den Kapitalismus direkt hervorgebracht, sondern durch die Konkurrenz des Kleinbetriebs mit dem kapitalistischen Großbetrieb. � Auf die materialistische Geschichtsauffassung will ich nicht nähet eingehen, ick kann mir sagen, daß alle Versuche von Bernstein, die Richtigkeit der matcrinlisiischen Geschichtsauffassung zu bestreiten, völlig' mißlungen sind und daß kein Land mehr als Deutschland einen so klaren Beweis für die Richtigkeit derselben bildet. 1343 war unser Bürgertum noch demokratisch, eS stimmte mit den Ar- bcitern, die damals noch nicht auf dem Boden des Klassenkampfes standen, in den politischen Zielen überein. Heute ist es, abgesehen von wenigen Idealisten, reaktionär. Genau so ist es in Frankreich. Auch da schlug der bürgerliche Liberalismus in die äußerste Reaktion um, die Bourgeoisie in Frankreich warf sich einem Louis Napoleon in die Arme, wie wenige Johre später in Deutsch- land einem Bismarck. Aber nicht bloß in dem Denken der Bourgeoisie, sondern auch bei den deutschen Arbeitern hat der KapitaliSninS eine Revolution hervorgebracht. Als 1363 Lassalle gegen Schnlze-Dclitzsch auftrat, da haben die Berliner Arbeiter ihn nicht anhören wollen, und wenige Jahre nachher sind dieselben Arbeiter zu Tausenden zur Sorialdemokrasie gekommen. Die Revolution der wirtschaftlichen Ver« hältnisie hat auch' die Geister revolutioniert. Ist das nicht die stärkste Bestätigung der Marxschcn Lehren? Man hat barm gesagt, da Bernstein daS Endziel nicht verleugne, stehe er'vollständig aus unserm Boden, nur das Tempo sei verschieden. Ja, mit der Verschiedenheit des Tempos crgicbt sich auch eine Verschiedenheit der Anschauungen. Auch der Nationallibcrale v. Bennigsen hat 1878 bei der Be« ratimg des Socinlislengesetzes im Reichstage ausgeführt, daß die bürgerliche Gesellschaft'in ihrer heutigen Gestalt nicht ctvig sei; er warf der Eocialdcmokratie nur vor. daß sie den Entwicklungsprozeß gewaltsam beschleunigen wolle und daß sie in einem zu schnellen Tempo vorgehe. Bennigsen stimmt also vollkommen mit Bcnistcin übercin. Im allgemeinen trete ich vollkommen den Ausführungen von Bebel bei, mir in einem Punkte bin ich anderer Meinung. Bebel hat sich bei Besprechung des Teiles feiner Resolution, der von dem Verhältnis zu anderen Parteien handelt, auf den Stntt- garter Beschluß berufen und gesagt, dieser habe den Genossen in Bezug auf die prcußiichcn LaudtagSwahlen vollständig carte blanche gegeben. DaS ist nicht richtig, er hat alles beim alten gelasicn und nur in Bezug auf die kommenden Wahlen in diesem einzelnen Falle den Genossen und Wahlkreisen freie Entscheidung gelassen. Silber er hat weder den Kölner Beschluß. noch den Frankfurter aufgehoben, der alle Kompromisse und Wahlbündnisse verbietet.(Sehr richtig I) Das habe ich aus« drücklich festzustellen gegenüber den Angriffen auf die Berliner, weil sie strikte aus diesem Boden stehen geblieben sind. Bebel hat die TaktikinBayern gebilligt. Ich stehe nun allerdings auf dem Standpunkt, daß bei einem Bündnis, da? mit andern ein- gegangen werden soll, nicht blos das Priucip nicht verraten werden darf da« ist, soviel ich weiß, ausdrücklich niemals der Fall gewesen— sondern auch nicht unser Klassen- k a m p f b o d e n. Damit wären selbst Dutzende von Mandaten,(die wir gewinnen köimten, denn doch viel z» teuer erkauft. ES ist mir als eine Verletzung, der matcrialistischcn GeschichlSauffassitNg ausgedeutet worden, daß ich von der Demoralisation unserer Parteigenossen sprach, die eintreten müsse, wenn unsere Parteigenossen sehen, daß unsere Partei nicht die einzige ist, die für ihre Rechte und Freiheit eintritt, wenn andere Parteien aiS uns gleichwertig empfohlen werden. Das Beispiel mit dem JSlam, das der Vor- redner als unwissenschaftlich hinstellt, ist ein sehr treffendes. Die Bekenner des JSlam haben die absolute feste Ueberzeugnng von der Wahrheit ihrer Lehre,«nd die Ueberzeugnng von der Notwcndigtcit, ei» bestimmtes Ziel zu erkämpfen, giebt eine ungeheure Kraft. Ich erinnere mich, wie einmal, als ich im Reichstag in der Zeit des SocialistengesctzcS von der Redner- tribüne herabstieg, Ludwig B a m b e r g e r zn mir trat und sagte: Sie können noch gnt� reden, Sie haben noch den Glntiben, wir haben ihn nicht. Ja, das � Wort „Glaube" ist hier nicht im religiösen Sinne gemeint, sondern in dem Sinne der absolut festen Ucbcrzrnanng und Zielsicherheit, und wenn wir die nusern Genossen nehmen, so nehmen wir ihnen die Kampfes» rendigkcit(Lebh. Zustimmung), so nehmen wir ihnen die Kampffähigkeit. Wenn ich den Genossen sage, eS ist in der bürgerlichen Gesellschaft gar nicht so schlimm, sie ist ganz gut; wenn Ihr Euch nur als artige Kinder benehmt, so ist sie bereit. Euch Zuckerbrot z« geben und die gebrauchen, so demoralisiert däS, so die kämpfen muß. nimmermehr zum Ziele Peitsche nicht zu kann daS eine Partei, führen. Das ist eS, was meisten empört hat, bei Bernstein die kämpfenden Genossen am daß er erklärt, wir seien durch unsere heftige überstürzende Taktik schuld daran, daß das Bürgertum gegen im« empört ist. Haben wir denn da? Bürgertum feig gemacht? Hat sich nicht Lasialle iiberzengt, daß daS deutsche Bürgertum in seiner Feig- hcit den EmnncipationSkampf, auch mir den einfach bürgerlichen, nicht führen kann? Damals war daS rote Gespenst dem deutschen Bürger« tum ja noch nicht i» seiner greifbaren Gestalt entgegengetreten. (Schluß in der 2. Beilage.) Verantwortlicher Redacteur: Heinrich WeNker in Groß-Lichterfclde. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Ar. 289. 16. Inljrgaug. kil»se i>ts LmÄts" Kerl« MldsblM Domierstllg, 12. Oktober 1899. Z)QvkeikLlg der deutschen Soeialdemokratie. (Schlich aus der 1. Beilage.) Das deutsche Bürgertum, das weder zu Ende des Mittelalter?, ncch zu Ende des vorigen Jahrhunderts, noch 1843 seine eigene Freiheit dem Jniikcmuu abprotzen konnte, sollen wir demoralisiert haben? Wir haben es stets mit Stolz hervor- gehoben, daß in Deutschland die Soeialdemokratie die Mission hat, die Aufgaben zu erfüllen, die in anderen Staaten schon das Bürgertum erfüllt hat. und auszcrdcm die große sociale Umgestaltung durchzuführen. Das hat Bernstein vollkommen vergessen. Wir dürfen nicht bremsen, nicht zurückhalten. Die deutsche Soeialdemokratie ist niemals mit dem Kopf durch die Wand gegangen. Ein Zeitungsartikel, eine heftige Rede — was will das sagen I Aber wo die Soeialdemokratie auf den Boden der Praxis gekommen ist, wo sie im öffentlichen Leben gc- wirkt hat, da haben wir nicht versucht zu erkämpfen, was noch nicht erkämpft werden konnte, da haben wir immer gesagt: dies und dies mutz erstrebt werden, aber heute kann es nicht erreicht werde». Bernstein hat uns also nichts gegeben auch auf der praktischen Seite, er� versucht uns nur viel zu nehmen. Was er sagl� haben ivir alle gewußt und bethätigt. In seiner ganzen Schrift finden Sie auch nicht einen Satz, den Sie nicht schon vorher in der„Frankfurter Zeitung", bei Oppcnhcimer bei demokratischen oder halbdemokratischen Schriftstellern haben lesen können. Das ist es ja, was die Gegner Bernsteins so empört hat, daß er sich plötzlich auf die Seite unserer Gegner stellt, daß er als Zeuge auftritt für die idiotische Behauptung eines Engen Richter, die Soeialdemokratie sei schuld an der herrschenden Reaktion. Nein, schuld ist die Erbärmlichkeit des Bürgertums. Meine Redezeit läuft ab. Nur eine praktische Frage mutz ich noch erledigen. Bebel hat das Verhalten der bayrischen Genossen verteidigt. Hier habe ich ein Wahlflngblatt ans dem ersten pfälzischen Wahlkreis, gerichtet au die Wähler, Mitbürger und Arbeiter. Es wendet sich in der schärfsten Weise gegen die Nntionalliberalen, sagt� nicht ein Wort gegen das Ccnirnm und schließt: Deshalb gebe jeder Wähler seine Stimme de» ihm von der socinldeinokratischen Partei vorgeschlagenen Wahlmänncrn und Ivir iverdcn siegen. Ich rede nicht darüber, daß kein Wort gegen das Zentrum gesagt ist. aber diesem Flugblatt sind die Wahlzettel von lauter Zcntrumsleutcn beigelegt.(Hort! hört!) Unseren social- demokratischen Wählen» wird also zugemutet, um das social- demokratische Programm zur Geltung zu bringen, einen Zentrums- manu zu wählen. Ich frage, welche Verwirrung mutz das in den Köpfen anrichten, und wer kann es den Wählern, die noch ein bißchen katholisch fühlen, verdenken, wenn sie bei der nächsten Wahl, wo sie aufgefordert werden, einen Socialdcmokratcn zu wählen, auch für den Centrmnsmann stimmen und sagen: Ihr halit ihn das vorige Mal empfohlen; schlimmer als damals ist das Centrum heute auch nicht. Genau so ist es bei den preußischen Landtags- b)" b l e n. Auch hier müßten wir, da wir ja ans eigner Macht nicht cm Mandat erringen können, auffordern, für unsre Gegner zu wirken und zu stimmen, die wir bei der nächsten ReichstagSwahl und bei nnsrer ganzen Propaganda bekämpfen müssen. Das wirkt, wie wenn man einer Armee, die kämpft, plötzlich eine Frontueräudcrnng zumutet. Vich habe zu erklären, am liebsten wäre es uns, wenn Bebel den dritten Absatz seiner Resolution zurückzöge; andernfalls beantrage •?-lenn� Abstimmung und werde gegen diesen Absatz stimmen, ich darin e in Verlassen d e s K l a s s c n st a n d p u n k t e S erblicke und e i n B e t r e t e n d e r B r n ck e. d i e un S Bernstein hingelegt hat, um zu den andern Parteien zu kommen. Ich habe, wohl auch im Einverständnis mit Singer, der auf demselben Standpunkt steht wie ich. zu erklären, daß wir, wenn der dritte Abiatz angenommen werden sollte, um die Einheit der Partei auch nach außen zu dokumentieren, für die ganze Resolution stimmen werden. - �rrnstein sagt am Schluß auch, daß das Proletariat noch Nicht reif sei, zu herrschen. Da frage ich: Ist die Klasse, deren �.crtretcr jetzt auf der Anklagebank im Harmlosen- Prozeß sitzen, besser geeignet, den Staat zu regieren, als das Proletariat, wie es heute sll•.��bhaftcr Beifall. Bebel ruft: Das hast Du gut gemacht, Alter!) Wie regiert die Bourgeoisie? Sehen Sic nicht den Tausch-Prozeß, die Jnnkerrevolte, die vbllständige Anarchie in den herrschenden Klassen? ' niC U,'r Z�fbcwußt dastchcu. unserer Partei, die in dieser Ruhe über Probleme und Fragen, die ihre Eristenz angreifen, beraten kann, will man bei dieser Zersetzung und Zerfahrenheit in den Reihen unserer Gegner sagen: Es geht nicht so schnell. �,e Zusammenbruchs- Theorie ist eine falsche I Wer soll r,61?1. tn Deutschland eine Reform im englischen Stile machen? lind darum sage ich: Bernstein hat auch nicht einen einzigen unserer Partelgrundsätze beseitigen können, er hat nur die Richtigkeit dessen, was wir stets von Anfang an bethätigt haben, uns schärfer und klarer zum Bewußtsein gebracht. � Unter der alten Fahne, mit den alten Zielen haben wir wusende von Siegen erfochten, sind wir vorgedrungen! Diesen Kampfboden sollten wir verlassen? Ein Abgehen von unserem Pro- gramm � von unseren Principien hieße in der That das Endziel hinauSri'lckcn, den Sieg verlangsamen. Darum auf für das alte Programm und die alte Taktik!(Stürmischer Beifall.) Die Debatte wird, weil die Mittagspause herangerückt ist, hierauf abgebrochen. Persönlich bemerkt Frau Zetkin: Fendrich habe behauptet, ich hätte in Stuttgart gegen die Würde der Partei verstoßen. Um auch von Würde zu sprechen, lo erachte ich es unter meiner Würde, diese persönliche An- zapfung zurückzuweisen. Ich überlasse es dem Urteile der Delegierten, was schlimmer ist: vielleicht in der Leidenschaftlichkeit des Tempera- rnc"tcä bei der Vertretung seiner Ucberzeugungcn einen Ton an- znichlagcn, der dnrch seine Leidenschaftlichkeit unangenehm ist, oder aus Aerger darüber sofort ciiicn der Grundsätze unseres Programms in der Praxis über Bord zu werfen. Ich überlasse Ihnen weiter das Urteil darüber, ob ich trotz jenes meines Benehmens durch meine Arbeit in der Partei und meine Haltung noch der gleichen Achtung würdig bin, wie Genosse Fendrich. Singer bringt die Frage zur Entscheidung, ob der Einladung der Hannoverschen Genossen zu einem Ausflug am morgigen Nach- mittag gefolgt werden soll. Fast einmütig wird die Einladung mit Dank abgelehnt, da die Arbeitspflicht eine festliche Unterbrechung der Verhandlungen diesmal nicht gestattet. Schluß 1 Uhr. Nachinittags-Sibuilg. M/t Uhr. Den Vorsitz führt Singer. Kaücnstciu-Maiinheim: Die Diskussion hat sich bisher auf eine ganze Reihe von Punkten konzentriert, die nach meiner Meinung nicht ausschlaggebend sind, während andere wichtigere nicht mit der nötigen Aus- fllhrlichkeit behandelt worden. Wie Kautsky das im vorigen Jahre anerkannt hat, verdient Bernstein Dank: Dank erstens dafür, daß er das theoretische Denken in der Partei angeregt hat, daß in die Oede, die jahrelang geherrscht hat, seine Schrift wie eine Bombe ein- geschlagen ist; Dank zweitens dafür, daß er eine Reihe praktischer Fragen, die zum Teil gar nicht ancrkamit, jedenfalls aber nicht in genügender Weife zur Geltung gekommen waren, wieder in den Vordergrund gebracht har; vor allem aber Dank für die Re- aktion, die er verursacht, daß er, der uns in das socialreformerische Fahrwasser hat hiueindrängeil wollen, es nun erst recht zuwege gebracht hat, daß der socialrcvolutionärc Gedanke erst recht von uns klar betont wird.(Bravo I) Unser Programm darf nns natürlich nicht als etwas Unautast- bares gelten, weil zufällig Kautsky, ich will nicht sagen, der Vater aber doch der Hauptvater desselben ist.(Heiterkeit.) Die Ver- clendnugSfrage z. B., über die wir heute streiten, ist in dem ersten, von Bebel und Liebknecht ausgearbeiteten Entwurf mit keinem Wort erwähnt. Ich glaube nicht, daß man so über die Verelendungs- lheorie hinweggehen darf, wie es von feiten einiger Genossen gc- schicht, die in den Wahn des liberalen Spießbürgers verfallen find: wie haben wir es doch so herrlich weit gebracht! Die Frage, ob die Lebenshaltung der Arbeiter gestiegen ist, ist sehr schwer zu cntschcidcu" eine Reihe von Ärbeilerschichtcn hat sich beständig gehoben, auf der anderen Seite begegnen wir ganzen Schichten der Bevölkerung, die in der That fort und fort herab- gedrückt werden. Vcrgcfsen Sie auch nicht die Entwicklung der Großstädte und die damit zusammenhängende Wohnnngs- not, durch die große Bevölkerungsklasscu in ein physisches Elend gestürzt sind, wovon früher nicht die Rede war. Die Lohnstatistik allein beweist ja sehr wenig. Bedenken Sie allein die Ortsverschiebung; ein großer Teil der gesteigerten Ein- kommen dient ja nur zur Steigerung der Grundrente, wandert in die Taschen der Hausbesitzer. Aber eine relative Hebung wird zweifellos durch die Gebrauchs- statisiik erwiesen. Die absolute Masse des Elends mag gestiegen sein, da die Bevölkerung gestiegen ist. aber relativ ist sie gesunken; die frühere Amiahme, die in der Partei zweifellos geherrscht hat und von Marx zum Alisdruck gebracht lvordcn ist, kann nicht auf- recht erhalten bleiben. In den andern Programmentlvürfcn. des Partcivorstandes sowohl wie des Genossen Kampffmeyer, steht nichts davon, steht auch nichts von der alles»mfassenden Konzentration in der Landwirtschast. Dieser Gedanke muß gleichfalls aufgegeben werden. Eine klar erkennbare Tendenz der Äufsaugnng des kleinen Gnindbesitzes durch den großen läßt sich nicht behaupten. Warum sollen ivir uns darauf festlegen? Dagegen hat sich in der Industrie eine völlige Zersetzung der Mittelfchichten vollzogen. Iliid der sogenauntc neue Mittcistand hat, soweit er nicht das Lakaientum der herrschenden Klassen repräsentiert, unter der socia- listischeu Gescllschastsordnnng Aussicht, sich besser zu stehen als jetzt. Man sagt, die Zusammcnbrnchstheorie lasse sich ebensowenig entscheiden wie die Kriscnthcorie. Prophezeien ist schwer, aber in der kapitalistischen Entwickeliing ist die Tendenz zu unheilvollen Krisen vorhanden, die nur auf Kosten der gesellschaftlichen Produktivkräfte durch Kartelle aufgehalten werden können. Die Kartelle führen eine gesteigerte AnSbeutnng der Arbeiter, der Konsument und der Steuerzahler herbei. Die Kartelle mit ihrer dreifachen Ausbeutung sind also durchaus nicht in der Lage, den er- hofften Ausgleich der Gegensätze zu bringen. Ich weise weiter auf die o st asiatische Konkurrenz hin, die wie eine drohende Wolke über der europäischen Industrie schivebt. Heute freuen sich unsere Industriellen über ihren Export nach Ostasicn. Die Zeit aber wird bald kommen, Ivo mit dem Gclde und den Maschinen Europas Ostasicn die deutsche und englische Industrie uiedcrkonkurricrt. Wir sehen schon jetzt das Schicksal der englischen Textilindustrie. Nun ist ja noch die Möglichkeit'vorhanden, daß sich die Kartelle unter ein- ander verbinden und die Produktion regeln. Sie würden so den RodbcrtuSchen Gedanken verwirklichen, daß nicht der Staat, sondern sie es wären, die der Gesellschaft als sociale Beamte dienten. Aber das ist eine Möglichkeit, die in weitem Felde liegt. Es ist gerade so, wie wenn ich sage: Hier habe ich einen Bindfaden, und daran binde ich ein Eichhörnchen an— wenn ich ein Eichhörnchen hätte.(Heiterkeit.) Nun zu den praktischen Vorschlügen Bernsteins. Die Gcwerk- schaften haben sich ihre Anerkennung' errungen. Vor sechs Jahren kauien sie als Hilfcflehende zur Partei, heute werden sie allgenicin anerkannt, es könnte höchstens von einer Ucbcrschätzung der Gewerkschaften die Rede sein. Der politische Kampf ist von uns weit überschätzt worden, es ist das ein- getreten, was Marx mal als parlamentarischen Kretinismus bezeichnet hat. Die klebcrschätzung des rein politischen Kampfes hat sich bitter gerächt. Die Gewerkschaftsbewegung würde ich nicht für so wichtig halten, wenn dadurch nur für die Gegenwart Erfolge erzielt würden. Dann würde ich eS für richtiger halten, Klcinkindcr-Bcwahraustalicn zu begründen.(Heiterkeit.)' Nein, die Gewerkschaften sind ein Kampfmittel für die Socialisicrung der Gesellschaft, sie müssen sich die Beseitigung der Klassen- Gegensätze zum Endziel setzen. ES dürfen aber keine politischen Gegensätze in den Gewerkschaften erzeugt werde». Betrachten Sic nur mal unsere Leipziger Genossen auf' der einen, die Buchdrucker auf der anderen Seite, dann werden Sie finden, daß hier thatsächlich ein Keil in die Arbeiterbewegung hineingetrieben wird. Nun die Frage der Gcnössenschaftcn. Auch hier kann man zu viel thuu, ich halte das nicht für ein Unglück. Es gicbt Genossen- schaftSfanatikcr, wie es GcwcrkschaftSfanätiker giebt. Aber in der Partei fängt man jetzt erst an, das Gciwssenschaftswescn zu beachten. Gewiß ist es nick» Socialismus, aber eine gute Schule zum Socia- lismus; es kommt nur darauf an, daß die rechten Leute an der Spitze stehen, dann werden sie dafür sorgen, daß die eigenen Leute aufwachsen in einem socialistischcn Milieu, wie Vandervelde sagt. Parvns tritt jetzt für die Genossenschaften ein, die Genossin Luxemburg nicht, aber sie scheint sich mit dieser Frage noch nicht recht vertraut gemacht zu haben. Ich wünsche nicht, daß die Partei sich zur Gcnoffenschaftsbewcgnng festlegt, aber sie soll ihr sympathisch gcgcnübertrctcn, sich nicht durch das Wort„Kleinbürgcrei" abschrecken lassen. Kleinbürgerei der aller- schäbigsten Art ist es, wenn mau um einer Anzahl von Wirten und Krämern u»d sonstiger kleiner Zwischcncxistcnzen willen der Emancipation der Konsumenten von dem parasitischen Zwischenhandel entgegenwirkt. Aber eine Reihe von Bernsteinschcn Aussprüchen und Forde- rungen müssen entschieden zurückgewiesen werden. Theorien tonnen nicht entscheidend sein. Nicht b Prozent von uns find durch die Theorie zur Partei gekommen; es steckt ein gut Stück Ideologie in uns allen. Bernstein hat das Wort„Vaterland" in mindestens sehr bedenklichen» und zweideutigem Sinne gebraucht. Wir haben ein viel ethischeres Gefühl zu unserem Vaterlandc als unsere Gegner. Das Junker- tum würde tausendmal lieber Anhängsel Rußlands sein, als arbeitS- berechtigtes Mitglied einer deutschen Demokratie. Wir dürfen nicht vergessen die Kluft, die uns von den Gegnern trennt. Wir sind nicht national im Sinne der Gegner, wir sind international. Die Stellung zu den Hceresfragen beweist doch, daß wir diese Be- strebungen rundweg ablehnen müssen, die weder mit idealen noch mit Reformbestrebungcn, sondern nur mit den Unterdrückungs- beftrebungen etwas zu thun haben. Wollen unsere Gegner keine Zu- geftändnisse in Bezug auf die Hceresfragen machen, so sagen wir ihnen einfach: Damit beweist ihr, daß eure Privilegien euch tausendmal wertvoller sind als das Vaterland, damit beweist ihr, daß ihr die wahren Vaterlandsfcinde sind.(Sehr gut!) David sagt, es kommt auch auf die Bewegung' an. Ganz recht, aber eS kommt auf noch etwa? anderes an, auf daS Tempo der Bewegung, und das wird mit bestimmt durch das Temperament. Wir mllsfen»ms immer bewußt bleiben der ungeheuren Kluft, die heute noch gähnt, wir müssen uns bewußt bleiben, daß diese Kluft nur durch einen radikalen Bruch mit dein Bestehenden beseitigt werden kann. Man hat viel von radikalen Phrasen gesprochen. Nun, ich kenne eine Phrase, die noch viel ekelhafter ist, das ist die opportunistische Phrase.(Sehr wahr!) Daß wir praktisch werden»ud uns nicht auf die Zukunft vertrösten wollen, das braucht man uns nicht erst zu sagen, das ist eine Lächerlich- kcit. Aber auf der anderen Seite müssen wir uns bewußt bleiben, daß das, was wir heute erreichen können, doch nur ein kleiner Teil dessen ist, was wir zu fordern haben. Wir müssen »ins auf den Standpunkt des natürlichen Rechtes stellen,(Glocke des Präsidenten.) Ich bin genötigt, zu schließen. Gestatten Sie mir nur noch, mit aller Schärfe das eine zu betonen: Das, ivaS man Frcßlcgende nennt, was wir aufgeben sollen, das ist unser Priucip, das dürfen wir nicht preisgeben.(Sehr gut!) Wir müsse»»! immer wieder betonen, daß wir nicht erst in hundert Jahren. sondern schon heute Brot für alle schaffen wollen. Noch steht die Macht, wir miisscn sie brechen. Der Birkenbaun» steht noch ungefüllt und zwei Lager heute zcrklüftcn die Welt, und ein Hüben, ein Drüben iiur gilt.(Lebhafter Beifall.) G»tl»wald-Jena: Was Bernstein Neues gesagt hat, ist nicht gut und das Gute ist nicht neu. Verustciu sündigt gegen die Grundregeln der Statistik in geradezu haarsträubender Weise, das haben ihm sogar die aller- primitivsten bürgerlichen Natiounlvkonomcn nachgewiesen. Die Bern- steiniancr wollen jetzt die einzigen Vertreter der Wissenschaftlichkeit sein, gegen die bcgrisflicheOrduuug aber sündigen sie in solcherWeisc, daß nur Julius Wolf als Pendant zu Bernstein noch gelten kann. Sombart hat Wolf in Brauns ganz vorzüglichem„Archiv" so zerpflückt, daß auch der eingefleischteste Marxist es nicht besser hätte machen können.— So steht eS auch mit Bernstein. Durch einige Feuilletons kann man ein wisscnfchaftlichcö Werk wie da? Marxsche Kapital nicht widerlegen. Die Diskussion war bisher recht oberflächlich, besonders hat auch David nach Bcrnsteinschcr Methode' die trivialsten Dinge als etwas ganz Neues vorgeführt, so in dem, was er über Expropriation sagte. Wenn sich David nur historisch etwas mehr gebildet hätte!(Heiterkeit.) Wenn er Marx gelesen hat, so verstehe ich nicht, wie er sich hier hinstellen kann und solche Scherze vortragen!(David ruft dem Redner zu: Sic verstehen es eben nicht!) Nach ruhiger Ueberleguna wird David wohl selbst rcvozicren.(Heiterkeit.) Von Vcrnstcin kann»nid soll man nichts acccptiercn, als das Gute anerkennen, weil es nicht neu ist, das Neue aber a litnius ablehnen und die Arbeiterklasse mit dem bewährten alten Programm zum Siege führe». Molkcnblchr: Nachdem der Herr Vorredner die vom Genossen David vor- getragene Aushölungstheorie gestreift hat, muß ich eine zweite Grund- läge der Davidschen' Anschauimg einer näheren Prüfung unterziehen. Er steht auf falscher Grundlage»ud kommt daher zu falschen Schliifsen. David hat behauptet,' die ökonomische Elitwickelung stelle sich in der Landwirtschaft anders als in der Industrie. Er sagt, in der Landwirtschaft zersplittere man die Großunternehmungen in Klei» u nterneh nnlng e», weil der Kleinbetrieb rentabler sei. David hat hinzugefügt:' In der Industrie ficht man so etwas nicht. In der Industrie sieht man so etwas auch. In dem Augen- blick, wo in der Industrie zum Großbetrieb übergegangen wird, stellt sich als Ucbcrgang eine folchc Zersplitterung der Betriebe ein. (Sehr richtig!) Wenn David das Marxsche„Kapital" gründlicher studiert hätte, dann würde er wissen, daß Marx in der Betrachtung der Hausindustrie diese Erscheinung behandelt hat. Das ist keineswegs ein überwundener Standpunkt. Lesen Sie die Enquete der arbcitsstatistischcn Kommission über die Lage in der KonfettionSbranche. Dort erklärten uns die Unternehmer, die Zcr- splitterüng durch das Zwischcnmcistersystem sei für sie weit profitabler. Aehnlich ist es in der Cignrrenfabrikation. ebenso ist bei einem Theile der Bodenbearbeitung, vor allem beim Gemüsebau, die Zersplitterung des Betriebes von Vorteil. Wo der Kleingrundbesitz möglich_ ist, drängt auch er nach genossenschaftlichen» Zusammenschluß, in Vieh- züchtcreien u. s. w. So wird der Kleinbetrieb nach h»lndert Jahren sicher ein überwundener Standpimkt sein. Die wunderschönen Spelulationen des Dr. Woltmann stimmen für die Aktion einer Kanipfpartci, die wir doch sind, nicht; wir sind doch keine philosophische Schule. Die feindliche Haltung der Partei» zur Gewerkschaftsbewegung war nicht in dem Maße vorhanden, wie rh Dr. Woltmann darstellt. Schon der Allgemeine Deutsche Arbeiter- verein hat die Gründung von Gewerkschaften empfohlen. Ich gehöre nun keineswegs zu den Leuten, welche glauben, daß Ivenn einmal eine Broschüre erscheint wie die Bernsteinsche, dadurch gleich die Partei gründlich korrumpiert wird. Nein, die Partei ist viel zu gesund, als daß sie durch derartige Einflüsse aus ihren Bahnen gedrängt werden könnte. Früher glaubte man ja auch an eine Korruption der Partei. Ich erinnere nur an den Brief von Marx über das Gothaer Pro- gramm. Von 1875 aber bis 1891 ist dies Programm für uus»naß- gebend gewesen und die Partei ist nicht korrumpiert worden. Warum? Weil sie viel mehr auS denZwirtschaftlichen Verhältnissen heraus- wächst, als daß sie von außen zurccht geformt wird. Deshalb wird auch die Bernsteinsche Broschüre nicht korrumpierend wirken können. Es ist notwendig, daß hin und wieder mal derartige Kritiken kommen, aber sie sollten sich mit anderen Fragen beschäftigen und sie sollten besser begründet sein als es bei Bernstein der Fall ist. Schon der eine Umstand, daß Bernstein überall mißverstanden wird, und daß es eigentlich keinen Menschen giebt— ich glaube, Bernstein eingeschlossen— der seine Broschüre genau versteht(Heiterkeit und Beifall), sagt genug. Aber es giebt andere Fragen, in Bezug auf die unser Programm fühlbare� Lücken hat, die unicre Theoretiker ausfüllen könnten, z. B, die Agrarfrage, die Wohnungsfrage. Aber es ist ganz falsch, wenn man die Bewegung selbst auf ein ganz anderes Gebiet drängen will, wie Bernstein den Versuch»nacht, indem er die Genossenschaften jetzt als All- Heilmittel den Arbeiter» empfiehlt. Ich bin audj mit dem bezüglichen Teil der Bebclschen Resolution nicht einverstanden. Der Anfang des vierten Absatzes und sein Schluß sind sehr ver- ständig;'darin wird die völlige Neutralität der Partei gegenüber den Genossenschaften ausgesprochen, ihnen keine ent- scheidende Bedeutung für die Befreiung der Arbeiterklasse aus den Fesseln der Lohnsklaverei beigemessen. Aber das Mittelstück, das schon sehr crescendo sich anhört, könnten wir lieber streichen, dann wird die Resolution zweifellos einheitlicher. Denn wenn die Genossenschaften wirklich ein geeignetes Mittel wären zur Erziehung der Arbeiterklasse zur selbständigen Leitung ihrer An- gclegenheitcn, dann müßten wir sie als notwendiges Poftlilat in unser Programm aufnehmen; ich messeihncn aber diese entscheidende Be- deutung nicht bei. Sic können doch nur in sehr beschränktem Maße den Arbeitern helfen. Mit dem Brimborium der großen Summen, die sie den Arbeitern gebracht haben, kann man doch nicht verschleiern, daß es sich im Grunde ja doch nur um winzige Sümmchen handelt z. B. gegenüber dem Aktienkapital in Deutschland. Wohin kann es führen, wenn wir aufhören sollten, eine politische Partei zu sein. In gewissen Kreisen wird für die Genossenschaften eine Propaganda entfaltet, gegen die die Reklame fürBrandts Schweizer- Pillen oder' Habys Bartbinde gar nichts ist.(Große Heiterkeit. Uu- ruhe.) Dann sollten wir aber a»lch konsequent sein und folgern: Jeder Parteigenosse muß einer Genossenschaft angehören oder er ist ein Verräter an der Gesamtpartci; dann aber würde ein Keil in die Partei getrieben und in verschiedenen Orten Anlaß zu uuhcil- baren Streitigkeiten gegeben werden. Wir erklären ja auch nicht als Partei, wenn sich irgend ein Schuhinachcr selbständig macht, darin liegt eine Förderung des Socialismus oder nicht.' Das ist reine Privatsache. Sehen Arbeiter einen Vorteil darin, gemeinsam einzu- kaufen, so mögen sie ihn ausnutzen. Es ist aber nicht Pflicht der Ge- samthcit, sich daran zu beteiligen. Denn sonst werden die Mißerfolge der Genossenschaften zu Niederlagen der Partei führen.(Sehr richtig!) Wir find nicht für, nicht gegen die Genossenschaften,. sondern behandeln sie als reine Privatsache. Es wäre also gut, wem» wir nur Anfang und Ende der Bcbelschen Resolution annehmen und die Eingeweide herausnehincn. Dann sind solche Mißverständnisse nicht möglich. Es scheint fast, als ob unsere Theoretiker glauben. d.iii hin lind wicdcr dcr Stoff zur TiLfflssion aussteht. Aber wes- halb tie�cb�n sie sich so srhr ans dos spcknlotioc Gcbict hinnnS? Sic sollten sich on dos naher Lieezende holten, und wir innre c§ viel lieber gewesen, Iveiin Bernstein stott bei dein Anfono bei dein Ende des ProqrannnS seine Kritik onjiesetzl bötte, also bei den Fragen, die uns oni nöchstc« liegen und an deren Verwirklichung wir in der ollernöchsten �scit zn denken Hoden. Do sehen Ivir, dos; der lchtc Punkt unseres Progronnns die Forderung der Uedcrnohnic der gcioniten Arbeiter« Versicherung durch doS Strich mit maßgebender Mitwirkung der Arbeiter oir der Verwaltung betrifft. To hätte so Bernsteiii sein Talent als Praktiker beivcisen und zeigen können, wie ivir einen Fortschritt ans dem VcrsichrrnngSwescn erzielen können. To hätte er einmal zeigen können, ob er wirklich der Praktiker ist, für den ihn seine Jünger halten. Wir verlangen ferner im Progrannn die Sicherstellinig des Koalitiousrrchtö. Auch bier hätte Bernstein Gelegenheit gehabt, sich als Praktiker zn er- weisen, er hätte auch für unsere andere Forderung, die rechtliche Glcichsiellrnig der landwirtschastlichm Arbeiter und Dicitstbotcn mit den gewerblichen Arbeitern, die Beseitigung der Gcsindc-Ordninigcn uns einen Weg angeben können. Statt dessen werden uns plötzlich Diitlcl angepriesen, die nnS bereits vor Jahrzehnten von deP Fortschrittspartei angepriesen � sind. Ja, selbst' die Bc- scrtignng der alten Vorurteile ist in der Socioldcmokratic heute nicht mehr nötig. Ich gebe zn, daß man in früheren Zeiten den Konsnnivercinen nnd Genossemchaftcn feindlich gegenüber gestonden hat, nnd zivar weil das die Mittel waren, wodurch die Fortschritts- Partei nnS die Arbeiter scrnhaltcn wollte. Sritdcin aber diese Gc- fahr beseitigt ist, ist die alte Gegnerschaft geschwunden. Wir haben m Sachsen, in Breslan, Slnttgai't n. a. O. prosperierende Konsumvereine. � und es ist den Lenten nicht cinncfallcn. zu glauben, daß sie damit ein Stück SocinliSmiis verwirklicht haben, � sie sehen daS als eine Privatsache an. Tngcgcn haben wir 'gar nichts cmzuwcndcn, sondern wir freuen rmS höchstens, wenn die Unternehmungen prosperieren und dadurch die Möglichkeit gc- geben ist, Genossen Stellungen zn verschaffen, die sonst wegen ihrer Agitation aus den betreffenden Orten vertrieben werden. sSchr wahr!) Aber man soll nicht jetzt plötzlich sagen: Wir können ans dicsnn� Wege die kapitalistische AnSbciitnng über den Szmifcii werfen. ES sind mir z. B. bei der Agitation Acußcnnigcn für solche Konsumvereine Ohre» gekommen,' die zeigen, daß da m der That in einer Weise für diese Vereine agitiert wird, die wir nicht billigen können. Ta wurde zum Beispiel gesagt: Gerade Weil Ihr Socialdinokraten seid, müßt Ihr in die Koiisiimverciiie eintreten, deiiii alles andere schwebt ja in der Lust. Oder cS wurde gesagt: ES giebt mehr Wege, die nach Rom snhrcn, nnd dazu gehört auch die Genossenschaft. Ja, Geiiosscn, das sind Versuche, die Partei z» zersplittern, nnd dem haben wir entgcgciizulrctcu. Wir haben die Gciiofsciischaftcn als Privatangelegeuheite» der Beteiligten zn bc- trachte» und imS nicht frenndlich oder feindlich ihnen gegenüber- ziistello». Das Brrnstcinsche Buch wird ja vielleicht noch längere Zeit Gegenstand der Kritik sein, und derartiges geistiges Leben schadet der Partei nicht, im Gegenteil, cS giebt»cne Noibimgen und damit neue Wärme. Aber die Partei bleibt sich bewußt, daß sie auf dem Wege, ans dein sie ,ctzt marschiert, vmmärts marichicren wird, bis sie das Eiidzicl erreicht bat, und daß sie die alte Taklit und Grinidfordcrmigcu beibehält. i>eoll eine alte Forderung preisgegeben oder eine II nie anfgcnonimc» werden, so haben wir darüber zn debattieren, aber ivir bürseil nicht ohne weiteres die Socialdniiokratie, die als kämpfende Partei dasteht, vom Boden des vffeutlichen Lcbcilö ivcgdräiigcii, damit sie sich schließlich r» irgend einen Sparklub verliert. Solchen Utopie» haben ivir cnt- gogenzntreteil, im übrigen aber marschieren wir ans dem alten Wege vorwärts, ans dem wir schon ein gut Stück zurückgelegt haben. Auf diesem Wege Werden wir unser Ziel erreichen. lStiir- Wischer Beifall.) Hofer- Ostpreiißen: Wenn ich hier als Agrarier das Wort ergreife, so spreche ich zugleich im Name» und im Auftrage der parteigenössischou Guts- desitzer i» Ostpreußen. sHört! hört!) Bernstein schreibt: Für v»e Jiidiistii« möipc der Marxsche Standpunkt»och Gcltimg haben. ftir die Landwirtschaft sei er überwunden. Es ist da» eine schivierigc Frage, aber die indttstriellc Errtwjeklung sollte man nicht so ohne werteres in Bezug ans die Agrarfrage aufgeben. Bernstein sollte »mch Art der Aftronomen forschen, was denn eigentlich die Ursache sl'' dw de» Stern veranlaßt, andere Bahnen zu gehen, als die Wiiienschaft ihm zti gewiesen hatte: vielleicht spielen doch auch bc- züglich der Landwirtsebast andere anßcrgeivöhniiche Ursachen mit. Was macht denn den Großginirdbesitz bei uns nurentabel? Ta ist zunächst die überseeische Konknrrcnz: dnini weiter: die Uebcrzahlnng des Gutes HBebel: Hört! hört!), daiin eine gewisse GroßmainiSsucht, rmmer mehr Boden ansznkarlfen» die in der Folge zn einer nn- uatnrlichen Steigerung der Grnndreiitc führt. iBcbcl: Hört! hört!) Trotz der schlnmnsten Dißkreditienmg dcö Wertes von Grund und Bode» sehen wir ein fortwährciideS Steigen des Bodenpreises. Woran das liegt, ist nicht zn ersehen. Der Kleinbesitzer kmm auf seiner Scholle bleiben,. trotz- dem er ebenso wie der Großgnmdbcsitzer nntcr der gewaltigen über- sceifchen Konkurrenz leidet, weil erseineLebenshaltilug auf das niedrigste Maß zurückführen kann, weil er sich nnd seine Familie in Bezug nns die Arbeitskraft auf daS niißerordeutlichste ansbenten kann, während der Großgrundbesitzer unter der Arbeiternot immer in ehr leidet und eine gcwiise Lebeushaltmig nicht aufgeben kann, wenn es.auch nicht wahr ist, daß die Agrarier von Sekt nnd Allster» leben. Aber rein wirtichaftlich genommen, ist der Großgrundbesitz rentabler als der Kkeinbcsitz. sBebel: Hört! hört!) /m?l" hat ja gestern den Kleinbetrieb geradezu verherrlicht (Bebel: Sehr richtig 1), er sprach von dem Raubban in Amerika als der ersten Stufe des Betriebes; Raubbau kann man auch bei nnS treibe», auch von Kleinbesitzcni, und er wird auch oft getrieben. Dr. David beruft sich ans die Rciitabililnt des Pachibrtviebeö. Genosse Brann. der auch hier NlUvesend ist, hat auf seiner Besitzung von 10LlZ Morgen 8 Arbeitersamilieu beschäftigt. Run denken Sie sich diese 1000 Morgen an 50 Arbeiterfaniilieii verpachtet, dann Würde zweifellos ein größerer Ertrag herauskomme», aber mit welcher Arbeitskraft! Welche Verschtuenduiig wurde da getrieben (Hört I hört I) gegenüber einer einheitlichen Bewirischaftnng mit ans- roichender Arbeitskraft, mit dem Merkmale der niodernen Technik! (Lebhafte Zustiutnnmg.) Ich bestätige eS Bebel auch für die Land- Wirtschaft, daß eS da den Kleinbesitzern bei uns vielfach viel schlechter geht, als den Arbeitcni. und das will viel sagen: eS ist da eine wirtliche Bereleudung.(Hört! hört!) Den Großbesitzonr vorzu- schrcibeu, welche Früchte sie zu bestellen haben, wie David vorschlug, diese langsame Expropriation halte ich für sehr schwierig; daS hieße, den» Hnud den Schwanz stückweise abschneiden. Bei Bernstein spielt d a L ethische Moment eine große Rolle. Er nieiilt, das Gcivissen der Herrschenden sei geweckt. Wer i» einem helle» Zimmer lebt, der vergißt leicht, daß cS auch dunkle Gegenden giebt. lSchr gut!) Kounuc» Sie zu uns»ach Ost- Preußen! Im vorige,» Sommer wurde den Arbeitern mit eilicin Male am Lohn zugelegt, die Arbeiter wurden besser behandelt, ja, die GniSbcsitzer fuhren nach der Ernte Zicacl, um den Lenten bessere Häuser zu bauen. WcShalb thatcn ne das? Denken Sie, daß das zufällig gewesen ist? Weil unsere Wahlagitation vorangegangen ist. darum ist den Leuten daS Gewissen erwacht! (Sehr gut!) � Ich komme zum Schluß. Als Agrarier weiß ich, daß in gcwiffen Zwischenräumen im Felde die Gräben geräumt werden uiüssen, um das Feld in Knltnr zu halten. Auch wir müssen in gcivissen Zwischciiräimicn fcslstcllcn, wo iiiisere Grenzen sind. Die Grenz- gräbc» müssen nen gezogen werden. Durch Annahme der Bebet- scheu Resolution zeigen ivir, wie weit unsere Grenzen gehen, nnd daß»ns eine Kluft von der bürgerlichen Gesellschaft tremit.(Lebhafter Beifall.) Ttolten-Hamburg: Ich will die theoretische Diskussion nicht länger weiter spinne», scmdeni sie mir insoweit streife», als cS für die praltiichc Frage nötig ist, wie wir diese Debatten zu einem gedeihlichen Abschluß brinacu lvnnen. Ich habe meine Ansicht über das Beriisteinsche Buch in der Presse ausgesprochen. Es genügt mir zn erklären, daß ich im allgcmcincn den Staudpunkt teile. den Bebel ansgesprochc» hat. Doch bin ich nicht in allen Einzelheiten mit Bebel einverstanden. Einen Teil dieses Widerspruchs hat Molkeubuhr berciis erledigt. Er betrifft die Genossen- schaftsftage. Ich selber habe weiter beantragt, im Schlußsätze Absatz 0 der Resolution Bebels statt..weder ihr Programm" zu sagen: „w e d c r ihre grundsätzlichen A u ff a s s u n ge n, noch" ilslv. Sic können vielleicht sagen, der Ausdruck.Programm" decke sich mit dem Ausdruck.grundsatzliche Aiissassnngeu". Ganz richtig, aber es handelt sich hier um de» Wortlaut des Programms. Tie Diskussion, die an das Bmistciniche Buch angeknüpft hat nnd vor allem auch die AnSführmigcn KautSkhS lassen es wünschenswert erscheinen, im Wortlaut des Programms einige Aenderungeii zn treffen. Das gilt vor allem für den zweiten Absatz des Programms, in dem nicht zum Ausdruck gebracht ist, daß nebe» den niederdrückenden auch erhebende Ten- denzen für die Arbeiterklasse vorhanden sind und wirken, die zu cincr Erhöhung der LebcnShaltiing des Proleinriats führen. Im Progrannn ist nur die eine Seite der Verelcndungslheorie ausgedrückt. Wer selber in der Bewegmig ist, der weiß doch, daß thaisächlich die Verclendiiiigstheorie früher nicht relativ, sondern absolut aufgefaßt worden ist.(Sehr richtig!) Deshalb wird in nicbt allzu langer Frist nnscr Programm geändert werden müssen. Auch in anderer Bcziehnng wird e-Z vielleicht geschehen müssen: nnd daher können wir in unserer Resolnliv» nicht positiv erklären, wir haben keine Vcranlnssnng zn einer Acndernng unseres Programms. Unser Programm ist 8 Jahre alt; daS Gothaer haben wir allerdings erst nach 10 Jahren geändert, aber dazivischen lagen IL Jahre Socialistengcsetz. Und vergegenwärtigen Sie sich, was zwischen 1801 nnd 1800 liegt. Erstens die Berufs- und Gewerbe- zählmig, die uns erst die Möglichkeit zn Vergleichen giebt, daS Material ztir Beurteilung der Richtung der ökonomischen Entwicklung. Sodann fällt in diese Zeit die nmfangreichc Diskussion' über die Agrarfrage, nnd wenn auch in Breslau der Sache zicinlich schnell ein Ende gemacht wurde, so ist diese Frage damit doch nicht ans der Welt geschafft. Das hat ja auch Kanlsky am klarsten beiviesen durch sein umfangreiches Buch über diese Frage. Darüber sind wir doch alle klar, und auch Kaiitskh stiiiiint»ns bei. daß in der That die Entwickelimg in der Landwirtschaft nicht schablonenniätzig denselben Weg geht wie in der Jndlistrie, und daS muß berücksichtigt werden. Ei» Agrarprogramm wollten wir in Breslau nicht haben, aber Kautsky hat in seinem großen Buche ja schließlich selber ein Agrarprogrannu aufgestellt. iveiin er cS auch nicht wnbr hahen will. DaS ist ein zweiter Gnuid für mich, zu wünschen, daß in der Resolution nicht die Ablehnung einer Abänderung»»seres Programnis, sondern lediglich die Av- ändcrniig unserer grundsätzlichen Auffassung ausgesprochen wird. Die Bemcrknngen des Bedauerns über das Buch von Lern- stein wollen mir recht wenig angebracht erscheinen. Die Partei hat a l l e N r s a ch e, sich � n B e r» st e i n und K a u t s k q z n gratulieren, zn den Dlsklissioncn, zu denen wir ohne Bern- sieins Veranlassung nicht gekvimnen wären. Die theoretischen Diskussionen in der Partei sind lange viel zn viel in den Hiiitergrniid gedrängt worden. Wenn man sich mehr darum küinmcrt, Ivird auch«»irre prineipielle Sielliiiignahme an Festigkeit mehr ge- »viinien. Ich habe gar keine Befürchtung, daß diese Diskussion »nscrcr Agitation irgend welchen Eintrag thun wird. Ich vcr- siehe eS nicht recht, wie KautSky in' seinem nenesteii Buch gegen Bernstein so gewissermaßen einen Schiisuchtsscufzer ausstoßen kann, daß ans diesem Parteitag der DiSkusston ei» Ende gemacht wird.(Bebel: Er hat die meiste Arbeit davon I Heiter- lcit.) DaS ist das Nnglück cincS Manneö, der theoretisch an der Spitze der Partei sieht, aber daranf kann die Partei keine Slücksicht nchntcn. Ich inciuc, daß diese Diskussion sür dieZulunft der Partei sich noch außerordentlich fruchtbar erweise» wird. Freilich an der Art, wie sie zilin Teil geführt wird, hat mir mancherlei nicht gefallen; nnd wenn man sich gegen die Art der Bernsteinschen Kritik au Marx nnd Engels wendet, so glaube ich, daß daran einige auderc Lcnrc nicht ganz ohne Mitschnld sind. Die Art mid Weife, wie man die ersten Ans- lassniigeu Bernsteins kritisierte, entsprechend der Art. wie mau in der Partei überhaupt vielfach zn kritisieren liebt, hat vielleicht dazu bei- getragen, Bernstein in seineni Buch viel weiter nach rechts zn drängen als er gewollt hatte. Bernstein hatte seine Schlußfolge- riuigen ans den'Thatsachcn gezogen, Schlußfolgerungen, die er ans Grund der Marxschcn Theorie nicht begründen lonnte, nnd da nmßte er. da die Angriffe ih» zur Bkgrüildimg zwangen, erst die Marxsche Theorie über den Haufen ivcrfeu. Daß er darin ver- migliickt ist, darin sind wir ja tu der Mehrheit einig. Jetzt hat ja cinc vernünftigere Auffassuirg in der Partei Platz gegriffen, nia» crllärt, der freien wisienschaftlichen DiSknision dürfe ina» keine Schranken ziehen. Freilich, lliosa Luxemburg will daS; sie will die freie theoretische Unicrsilchiiiig gewahrt sein lassen, aber iiiir soiveit sie ans der Griiiidlagc der bisherigen theoretischen und praktischen Auffassiuigeil der Partei sieht.(Heiterkeit.) Eine wissen- schafllichc Forschung ui besiiunntcn Grenzen verstehe ich nicht. Unsere Grundanschaunngcn sollen das Resultat der Wissenschaft sein. aber die Wiffciischaft soll.sich nicht»ach unserer Gruildauschammg richten. Bernstein hat nicht bewiesen, daß die ökonomische Eiltwicklniig in anderer Richtung geht, als ivir angenomuieu haben: aber der Beweis kömite doch vielleicht in Zukunft geführt weichen. Darum soll man sich nicht darauf versteife»; wen» das so ist. so sind wir verloren! Wie«S Kantsky in ähnlicher Weise ans dem Stuttgarter Parteitag gcthan hat. Er sagte, wenn die Zahl der Kapitalisten wirklich stiege, käinen wir nicht a»S Ziel. Nun beweist er aber selbst in sciuem Bliche, daß in der That die Zahl der Kapitalisten gestiegen ist nnd daß das auch Marx bereits gesagt hat. Also mit solchen apodiklischc» Acüßcrungen legt man sich ganz nmivlig fest. Ich habe soviel Vertrauen zu der Kraft des Pro- IclariatS, daß selbst wenn die Verhältnisse sich thcorciiscb sehr viel lingniisiiger gestalten als wir aimchn»cn. es zu seinem Ziel gelangen Ivird. Tie gewaltig nnmerische Nebermacht des ProlctarialS, gegen dessen Wachse» die Zunahme der Kapitalisten nicht in Betracht kommen kann, muß die Kraft und den Willen stärken, dem Zustandc ein Ende zu»lachen, daß die Arbeiter die Parias der Gesellschaft sind. Darauf beruht unsere ZnkmiftShoffnung und dieser Faktor wird sie erfülle».(Lebhafter Beifall.) »• « Ueber den Schluß der Sitzimg erhalten wir folgendes Telegramm, dem morgen anöführ'lichcr Bericht folgen wird: Kantsky wendet sich gegen die von Woktman» nnd David erhobene» Einwände gegen den theoretischen Teil des Programms niid�bchandeN Krisen- nnd VerclendungStheorie und Untergang der Kleinbeiriebc. Er kommt zu dem Schlüsse, daß eine A e n d e r u n g des Programms nicht nötig sei.»Wir wollen die Fahne hoch halten, die wir immer hochgehalten haben, so werden wir siegen, nicht dadurch, daß wir die Palliativmittel in den Vorder- grund stellen." Rosa Luxemburg polemisiert dagegen, die gewerkschaftliche nnd genoffcnschaftliche Bewegung als ein Stück Sccialifiernng onfznfassen. nnd hebt die Bedeutung der Diskussion in der Richtnng her- vor, daß eS sich nicht um abstrakte Theorien und um Bern- stein allein, sondem um eine praktische Richtung in der Partei selbst handele, die seit einem Jahrzehnt beständig wachse. Sie weist auf eine Aenßenmg Vollmars über die Berkürzuiig der Dienstzeit in seiner letzte» Münchener Rede hin. Adler-Harburg bekämpft Davids AnSfnhnmgen über den land- wirtschaftlichen Kleinbetrieb und warnt vor llebcrschätzung der Genossenschaften, denen die Partei mir neutral gegenüber stehen dürfe. Schluß der Sitzung 7 Uhr. » « Folgende Anträge sind noch eingegangen: 61. Wir beantragen, den nächstjährige» Parteitag in Mainz abzuhalten. Streb.'David und LS Genossen. LZ ist Resolution Bebel. Anträge zur Resolution Bebels. 64. Beantragen, im Schlußsatz, Absatz 6, der Resolutibn Bebels statt„weder ihr Programm" zn sagen:„weder ihre grundsätzlichen AuffassiliigeK, noch"' usw. O t t o S t o l t e n. C. Heine. 63. a) Im Absatz 4 hinter dem Wort„Wirtschaftsgenossen- schaften" ist eiiiznfügen:„die ans Organisation des Konsilnis begründet sind." d) Au Absatz 4 am Schluß ist anzuhängen:„Zu verwerfen ist mibedingt die Gründung von Genosseuschaften zur anSschließlichen Organisation gcmciilsain'er Produktion". Adler- Harburg. Antrag zur Taktik. 66. Ans die Tagcsordnnng des Parteitages 1900 wird gesetzt: „Die Taktik der Socialdemokratie bei den Landtagswahlen. Luxe m- bürg. Liebknecht. A n t r i ck. 67. Beantragen, die künftigen Parteitage in den letzten Woche» des September abzuhalten. Vollmar. Wiemcr. W. Roß- köpf. Koqr. Hcrnnann. Eitzinger. I. Säckler. L. Renner. Stadt- Hägen. Siedoiv. Sindermaiin. Fleißncr. Eichhorn. KlecS. Käppler. Bandert. Pickelmaim. Fr. Ebert. Herm. Krapff. Fried. Gniithcroih. Rod. Krause. O. Fröhlich. Segitz. Horn. Ehrhardt. Evers. Seb Witti. Geiß. Molkeubuhr. Dr. Stücklen. 68. Wir beantragen, daß der nächstjährige Parteitag in Nürn- berg stattsindet. Wie'mer und LS Genossen. Abänderungsantrag zu Nr. 65. 6S. h) An Absatz 4 der Resolution Bebels ist folgender Schluß anzuhängen:„Die Gründung ivcitcrer Geiiossenschafien zu gemein- sanier Produktion ist iiur dann enipfchleiiswert, wenn sie gestutzt auf die Kundschaft bestehender Koiisnmgenoffciischaften geschehen kaim". Adler. Die„Harmlose«" vor Gericht. Achter Tag. Vor Eintritt in die Verhaudlungen erklärt Jnstizrat Dr. Seiko, daß die Verteidigung noch die loinmissarische Vernehmung eines in Kassel wohnenden Zeugeil beantragen müsse, v. Knyser behanplet nämlich, daß er am 2. Januar mit diesem Zeugen in seiner Woh- inliig mit Klubkarten gespielt und ziiilächst dessen gesamtes bares Geld nnd noch 1800 L)t. iinbar abgewoiincn, dann aber an ihn sein ganzes Geld in Höhe von mehreren hmidert Mark und noch 1000 M. »»bar verloren habe, ivclch letztere Summe er am nächsten Tage prompt bezahlt habe.— Der Gerichtshof beschließt die kommissarische Bernehuiung dieses Zeugen, außerdem sollen noch kommissarische Veruehuuliigen am Donnerstag in Breslau, am Freitag in FlenS- bürg stattstndcn. Der nochnwlS vorgcrnfene Oberkellner Montaldi erklärt auf Befragen, daß Wvlsf immer den Eindruck eines Gentleman gemacht habe und daß er erst nach Erscheinen des Artikels im„Berliner Tageblatt" einmal die Aelißernug gethan habe: Wolff sei eigentlich „zti nett" getvcsen, um anständig sei» zu köimcn. Allerlei Mitspieler. Die Beiveismisnabme bewegt sich zunächst wieder in den alten Geleisen und dreht sich immer wieder um die Frage, ob den Zeugen beim Spiel im Klub irgend ctivas die Angeklagten Ber- dä-btigendeö vorgekommen ist. ob der Angeklagte v. Kröcher zur Teil- »ahme am Spiel besonders stark animiert hat, ob die Angeklagten aussallend getvoimen habe» sc. je. lieber diese Punkte werden zahlreiche'Offiziere der versck iedenen Waffengatt n n g e>i ans Berlin und auswärtigen Garnisonc», junge Fabrikbesitzer, Wcchtskandidaten und sonstige Vertreter der„goldenen Jngend" vernommen. Ihre Aussagen fallen im ganzen iveiiig oder gar nickit belastend gegen die Angeklagten ans, Wersen aber manch' grelles Licht auf den Lei ch! sinn der jungen Männer, die, ohne mit der Wimper zu zucken, ganze Vermögen am Spieltische vergeudeten. Die Zeugen strnimen darin überein, daß v. Kröcdcr nicht etwa die Rolle des„Schleppers" zn den Spielabenden gespielt habe, sondern daß nian von Kamerad zn Kamerad sich erzählte, wo an den einzelnen Abenden g c j e u t werde, v. Kröcher hat viel gewonnen, aber anch manchmal viel verloren, v. Kayser hat gleich- salls wiederholt verloren und nach der Leknndung mehrerer Zeugen glatt reguliert, v. Schachtiucher ist nn den Spielabenden wenig in die Erscheinung getreten. ES ergiebt sich weiter anS den Zeugen- aussagen, daß bis zur Uebersiedelniig in das Central« Hotel Dr. Koriiblnm gcwisscimaßcn die Führung der Spielgesellschaft hatte. Graf Slosch über de» Uutcrsnchnngsrichter. Ein Student Graf S t o s ch hat einmal im Deutschen Hause in Potsdam LS 000 M. an v. Kröcher und einen Herrn v. Schräder verloren, er hat als damaliger Offizier der Potsdamer Garniso» auch sonst mehrfach im Deutschen Hanse in Potsdam gespielt, unter audercin auch mit dem Prinzen Coburg. Auf Befragen des Rechts- anwaltS Dr. Schwül dt erklärt dieser Zeuge, daß er bis zu seiner Vmichminig vor dem lliitersnchnngsrtchter keineswegs der Ansicht war, daß die Angeklagte!! uufalr gespielt hätten, als er aber nach seiner Vernehmimg das Zimmer dcö Uiltersnchlmgsrichters verlassen, habe er durch die Art nnd Weise der Fragestellungen daS Gefühl gehabt, daß er in der That beim Spiele Galinern in die Hände gefallen nnd gerupft ivordeu sei. Es sei beispielsweise stark betont morden, daß schon Anzeichen des Falschspielens vorliegen, ebenso sei getagt worden, u. Kröcher habe schon zugegeben, daß er immer gewonnen habe. Der Zeuge ivill hiergegen sofort pro- testiert mid gesagt haben, daß er selbst Herrn v. Kröchcr einmal 10 000 M. habe verlieren sehen. Durch diese Bemerknug sei an- ichelliend der Untersuchiulgsrichter eilttänscht gewesen, als Zeuge aber dann hiirznsetztc. daß v. Kröcher auch häufig viel gewonnen habe. hat nach der Ansicht des Zeugen der IlntersilchmigSrichter eine Miene gemacht/ als ob ihm diese Bekuiiduiig genehmer wäre. Der Zeuge bat dann gefürchtet. daß mit Rücksicht auf diese Fragestellungen seine Aussage niiwillkürlicli eine bestimmte Färbung bekommen haben könnte mid hat sich deshalb„ach zwei Tagen wieder zu dein Uiitcrsnchnngseichter begeben. Er hat sich_ das Protokoll nochmals vorlesen lnsseu und sich dadurch überzeugt. daß dasselbe alles so aufgenommen habe, wie er es ausgesagt haben.— Rechtsanwalt Dr. Schwill dt: Es wird dnrchnnS zugegeben, daß da? Protokoll die Antworten des Zeugen auf die a» ihn gerichteten Fragen absolut richtig wiedergegeben hat, aber es wird diesseits augeilommen, daß der Herr Uiltersuchungs« richtet: bei seiner Fragestelluiig vielleicht selbst präoccilpiert war— durch wen, sei dahingestellt— und schon überzeugt ivar, daß die Angellagten daS waren, was ihnen erst bewiesen werden sollte.— Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel verwahrt den Unters nchuiigs- richter entschieden gegen den Vorwurf, daß er präoccupiert gewcien sei.— Der Untersilchiuigsrichter soll dem Zeugen gegeultbergestellt lvcrden. „Kavalier hält allcS." Zeuge Lieutenant a. D. v. O e tz e l hat einmal 30 000 M. an v. Kayicr imd v. Schachtmeyer verloren. Er war ein häusiger Gast an Spieltischen, nicht mir hier, sondern auch in Frankfurt und Monte Carlo, hat mit wechselndem Glück gespielt, aber in Berlin„fast ans- schließlich Pech gehabt", denn er ist„fast nie mit irgend etwas ans dem Lokale gegangen". Der Zeuge hat vor dem UntersiichungSrichter ausgesagt, daß„die Bank, die die drei Angeklagte» hielten, nieinal» ausgeflogen sei", er erklärt jetzt, daß er sich irrtümlich so ausgedrückt haben müsse, es aber jedenfalls nicht so gemeint habe. Der Zeuge giebt zu. daß ihm der Angeklagte v. Schachtmeyer einmal dringend nahe gelegt habe, im Spiel mit ihm nicht so hoch zn setzen, darauf aber erwidert habe„Kavalier hält alles!" Der Zeuge hat die Termine zur Regulierung inne gehalten bis auf de» letzten.— v. Kayser: Beim letzten Termin begründete der Zeuge die Nicht- zahlung damit, daß der Artikel im„Berl. Tageblatt" erschienen sei, worauf ich ihm antwortete: Diese Begründung verbitte ich mir; lomie er nicht zahlen, so bin ich gern bereit, einen späteren Termin anznictzen.— Der Zeuge gicbl zu, dag er dem Angeklagten von Kapier noch 4000 M.� schulde.— Ein Zeuge hat vor dein Unter- suchnngKrichter ausgesagt, das; v. Kcihscr ihn w e g e n Bezahlung von Spielschulden arg„getreten" und ihm wieder- holt gedroht habe, sich eventuell an seinen K o mm a n d e u r zu wenden.— Justizrat Dr. S ello läßt sich durch diesen Zeugen be- statigc», daß dieser„Tretbrief" in demselben Tone gehalten gewesen sei, wie ähnliche Briefe des Zeugen an v. Kayser. Tie Protokolle dcS Untersuchungsrichters. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wird nochmals der Unter- suchnngsrichter, Landgerichtsrat Herr vernommen. Der Zeuge läßt sich über einzelne Punkte des Protokolls aus. zunächst bezüglich des Zeugen v. Gcrsh eim.� Er wiederholte mit Nachdruck, daß mit den Zeugen der Wortlaut sofort ganz genau in eingehender Beratung sixicrt wurde, sobald auch nur aus den Gebcrden der Zeugen die Annahme auftauchen konnte, daß ein Irrtum obwalten könne. Dies sei auch bei dem Zeugen v. Gersheim geschehen— Zeuge v. GerSheim: Er habe nach allem, was ihm gesagt worden war. die Sache so aufgefaßt, daß es sich um'notorische tfalichtpicler handele.— Landgerichtsrat Herr(zum Zeugen): Habe ich solche Acußerung gemacht, daß Sic so etwas annehmen konnten? Ich bestreite dies aufs allcrcntschiedcnstc.— Zeuge v. Gersheim giebt als richtig zu. zn Protokoll gegeben zu haben: Aus der Bekanntschaft mit Hemi v. Kayser weiß ich, daß er so gut lebte, daß im allgemeinen angenommen wurde, erlebe über seine Verhältnisse.— Der Zeuge will dies nur auf v. Kaysers Aufwendungen beim Spick bezogen wissen.— Oberstaatsanwalt: Dann muß der Zeuge doch zugeben, daß, wenn überhaupt ein Irrtum vorliegt, das Mißverständnis lediglich auf seilen des Zeugen liegt, nicht aber auf seilen des Untersuchungsrichters.— Der Zeuge bleibt dabei, daß er ein besonders luxuriöses Leben des Herrn v. Kayser mcht habe zum Ausdruck bringen wollen.— Landgerichtsrat Herr erklärt wiederholt, daß die Aussagen so niedergeschrieben seien, wie sie gemacht worden und zweifellos auch geuieint seien. Präsident: Herr Untersuchungsrichter, es handelt sich mm noch darum, daß v. Stosch behauptet, er sei durch Sie zu der Ansicht gebracht worden, daß er Gaunern in die Hände gefallen sei. Der Zeuge bleibt dabei, daß er aus der ganzen Fragestellung und den Aeußenmgcn des NntersuchnngSrichters die Aüffassnng be- kommen habe, daS Falschspiel sei schon erwiesen.— LandgcrichtSrat Herr: Ich habe die Aussage auch dieses Herrn auf das' gewissen- haftcste aufgenommen, ihm selbstredend gesagt, um was' es sich handelt und daß gewerbsmäßiges Spiel in Frage stehe. Auch der Sachverständige habe ihm natürlich gesagt, ivorauf besonderes Ge- wicht gelegt werde, es fei aber entschieden nicht gesagt worden, daß Falschspiel schon erwiesen sei. Ich kann mit Bestimmtheit sagen, daß ich dem Zeugen solche Mitteilungen oder Belehrungen aus den Akten mcht gemacht habe, aus denen er zn seiner Auffassung kommen 1 lvunte.— Zeuge v. Stosch bleibt dabei, daß er durch die Art der Fragestellung zu der Auffassung gekommen sei.— Zeuge Herr: Das ist dann ein Mißverständnis, welches ich bedanre, aber für unmöglich holte. Rechtsnnwalt Dr. S e l l o: Gegen die im letzten Satze ent- holtcne Unterstellung müsse er den Zeugen, der einen Eid geleistet habe, in Schutz nehme».— Oberstaatsanwalt: Auch der Zeuge Herr hat einen Eid geleistet. Der Zeuge hat hier auch gesagt. «atz sich Ihre Miene verdüstert hätte, als er von den Verlusten des Iprach und wieder erhellte, wenn er von Gewinnen v. Kröchers sprach.— Zeuge Herr: Davon ist mir nichts be rannt. Auf Befragen eines Beisitzers erklärt Landgcrichtsrat Herr, daß er nach einer gewissen Vernehmung allerdings per sönlich der Ueberzeugung war, daß in einem Falle gegen v. Kayser der dringende Verdacht deS Betruges vorlag. Er habe ober keineswegs gesagt, daß der Betrug schon erwiesen sei, DaS Amüsement deö Herrn v. Rcccnm. Der hierauf vernommene Zeuge v. Neeenm sagt nichts Nu günstiges über die Angeklagten aus. Allerdings habe er in der Bor rnrtersiichung gesagt. Herr v. Kayser pflegte zu„senken". DieSthaten aber auch andere Spieler. Herr v. Käufer sei bei der Regulierung mcht auffallend säumig gewesen, v. Kröchcr keime er als einen ivohl- erzogenen, anständigen Manu, v. Schachlmeycr sei in» Spiel keines- wegS irgendwie hervorgetreten, ihn habe es amüsiert, als dieser eines Abends mitzitternder Hand lOM. setzte. Wolfs hat nuch diescrZcuqe für emen reichen Herrn gehalten und als wellgcwaudtc» und kunst- verständigen Menschen kennen gelernt. Er hat nicht gesehen, daß Wolff sich stets besonders an die Angeklagten herangedrängt hat. Zeusie hat im ganze» gegen 80 000 Mark verloren. Nach seiner Ansicht ist v. K r o ch e r l e r ch t zu führen und es sei bedauerlich, daß er nicht in andere Hände gefallen, sonder» durch den leichtsinnigen Verkehr immer niehr I» seiner Spielleidenschaft bestärkt worden sei. Zeiige erklärt, daß er den bekannten Brief des GrafenKvnigöniark nicht als „scherzhaft" aufgefaßt habe. v. Kröchcr habe auch sehr ernst mit ihm darüber konferiert, was er dagegen thim solle, und gesagt, er könne die von ihm schon geplante Reise nach der Riviera drucks„kolossal". Auf Befragen erklärt Graf Egloffstein noib. daß v. Galt nach dessen Behauptung im ganzen 100—120000 M. verloren habe. Nach einer Behauptung des Herrn v. Galt— den der Angeklagte v. Kröcher den„sogenannten" Herrn v. Gali genannt habe, solle v. Kröchcr diesem folgendes zugestanden haben: er habe nach Erscheinen des Artikels Herrn Wolfs' de» dringenden Rat gegeben, sich einige Zeit fernzuhalten, da der Verdächt des Falschspicls gegen ihn aufgetaucht sei. v. Kröcher bestreitet die? entschieden und bekämpft die Glaubwürdigkeit des Barons v. Galt. Zeuge Graf Eglossstcin erklärt zum Schutze desselben, daß die Gattin des östreichischcn Botschafters die Cousine des Herrn v. Galt sei. Der Zeuge betont zum Schluß auf eine bezügliche Frage, daß sein Ab- schied vom Militär seiner Zeit auf sein Gesuch zum Zwecke der Auswanderung erfolgt sei. Die Verhandlung wird darauf bis DonnerStagvonnittag 9 Uhr vertagt. ToltAles« An«ufere Leser! Sollten einige unserer Leser den„Vorwärts" in diesen Tagen etwas verspätet erhalten, so möge dieS durch das späte Eintreffen der unifassenden Berichte vom Parteitag entschuldigt werden. Freie Volksbühne. Die vierte Abteilung hat ihre„Faust"- Aufführung Sonntagnachmittag 2'/« Uhr im Ostcud-Theater. Pnnkt- liches Erscheinen ivird den Mitglieder« zur Pflicht gemacht. Die 6. Abteilung ist geschlossen.— Die Zahlstelle 23 von' Fritz Zubeil befindet sich jetzt Markgrafenstratze 102 beim Restanrateur S a tz.— Die Billels zum Herbstfest am 14. Oktober, Brauerei Friedrichshain, gelangen jetzt in allen Zahlstellen zur Ausgabe a 60 Pf.(Bitte die heutige Annonce im Inseratenteil zu beachten.) Der Vorstand. I. A.: G. Win kl er. Im Harmlosen-Prozest gehen die Zeugenvernehmungen nun etwas schneller vor sich, wenn- gleich man noch immer das Ende der weitschichtigen Verhandinngen nicht absehen kann. Der Oberstaatsanwalt scheint doch auf der Durchnahme des ganzen Pensunis zu bestehen, während man an- fänglich vielfach glaubte, daß er—- da doch nichts wesentlich Neues mehr zn Tage gefördert wird— auf die weitere BelveiSaufiiahme verzichten werde. Auch am Mittwoch wurden wieder eine Menge jüngerer Offiziere und adliger Herren vom Civil vernommen, die alle mitgejeut, ihre 20—30 000 Mark verloren und sich nun, nach Bezahlmig der„Ehren schulden" durch ihre Eltern, mehr oder weniger zurückgezogen haben, Einige der Herren schienen zwar etwas angeärgert zu sein, ober be- sonders Belastendes konnten sie gegen die Angeklagten nicht be- künden. Ueber die Protokollierung in der Voruntersuch, mg beschwerten sich wieder einige der Zeuge», und wieder erschien der Landgerichts rat Herr vor den Schraiikeu. um für seine Protokolle einzutreten chlicßlich einigten sich Richtcrkollegium, Staatsanwaltschaft und Verteidigung darüber, daß auf die Protokolle der Voruntersuchung nicht mehr eiliziigeheu sei und lediglich die Bekundungen der Zeugen in der Hauptverhandlung maßgebend sein sollen. Schon vor einigen Tagen war ja von, Vorsitzenden und vom Oberstaatsanwalt die Mitteilniig gemacht worden, daß entgegen der Richtung, die die Verhandlungei, zeitweilig genommen keineSivegs der Kriminalkommissar v. Mantenffel der Angeklagte sei So ist denn also mm der vielfach angegriffenei, Art der Vorunter slichuiig durch Herrn Manteuffel und der Protokoll! erimg beim Unter- suchiiiigsrichter der Gottesfriede gewährt worden. nicht unternehmen, bevor diese Angelegenheit geordnet sei. v. Kröcher habe mm nicht etwa infolge des Briefes Berlin verlassen. Vorher hatten sie aber gemeinschaftlich eine geharnischte Erlvidening ans den Brief aufgesetzt, und als darauf keine Antwort erfolgte, habe der Zeuge dem Herrn v. Äröcher geraten, nilnrilehr seine Reise anzutreten Dr. S ch>v i n d t: Ist eS vorgekommen, daß Sie mit anderen Herren zur Unterhaltung auch gar' nicht um Geld gespielt haben, sondern um alle möglichen anderen Dinge, wie Osenvorsätze, Sektbccher, Schnapsbecher, Dedikalionen ic.? Der Zeuge bestätigt dies nicht nur für seine Person allein, sondern auch mit Bezug auf die Angeklagten. Graf von und zn Egloffstein (aus der Untersuchungshaft vorgeführt) kann nicht sagen, daß v. Kröcher besonderen Auswand getrieben hat; er sei vielmehr ein „sehr genauer Wirt". Der Zeuge ist einer der Gründer des Klubs gewesen, zu dessen Gründung v. Kröchcr die Initiative ergriffen habe, um größere Garantie gegen das Eiiidriiigcn unbequemer Elemente zu haben. Der Klub sollte nicht ansschliebliÄ ein Spielklub sein. Ein gegliedertes Direktorinm mit spccicllen Funk- tionen für den Einzelnen habe eS nicht gegeben, es sei auch nicht richtig, daß v. Kayser besondere Direktiven für die Einladungen gegeben habe. Die Einladung des Wolff sei auf den W u u s ch d e l Herrn v. Kröchcr zurückzuführen, welcher etwaige Be- denke» durch die Bemerkung zerstreute, daß der Rittmeister Wolff befreundet sei. Das ganze Verhalten durchaus keinen Verdacht erregen. Der dann noch einen Vorfall, de» ihm Baron habe und der ein schlechtes Licht auf v. Krvcher werfen sollte. Danach soll Herr v. Gali eines Abends, um Herrn b. Kröchcr die von diesem übernommene Bank abzunehmen, ein großes Paket blauer Scheine auf eine Karte gesetzt haben. Herr v. Gali will dann gefragt haben, ob Herr v. Kröchcr die Bank halte und der letztere habe dies aber bejaht, nachdem er durch eine gc- schickte Beugung dcS Körpers die entscheidende Karte an- gesehen habe. Der Angeklagte erklärt dies für durchaus ei-simdcn und ei» solches Ansehen der Karten eine technische Un- Möglichkeit. Auch der Zeuge von Rcccum. ein Teilnehmer an den, fraglichen Spiel, tritt der Vchauptung des Barons von Galt entschieden entgegen. Die ganze Gesellschaft habe damals da- gegen protestiert, daß Baron v. Gali den Einsatz zurück» ziehen wollte. Wann wurde v. Kröcher sparsam? Augeil. v. K r ö ch e r: Baron v. Gali gehöre zu denjenigen Personen, die nach dem Erscheinen des„Tageblatt"- Artikels auS Berlin weggegangen sind.— Nach Ansicht dcS Zeugen hat v. Kröcher zu der Zeit, als er Pferd und Wagen hielt, Rennpferde laufen ließ und in der Hohenzollenistraße wohnte, einen LuxuS getrieben, den der Zeuge in der Voruntersuchung„kolossal" genannt hat. Zur Zeit der Begründung des Klubs habe v. Kröcher seine Lebens- Haltung ganz bedeutend eingeschränkt. Rechtsanwalt Dr. Schwindt kämpft nachdrücklich gegen die Berechtigung des Aus- Giesing mit Wolffs konnte Zeuge bekundet v. Gali erzählt Der Betrieb des öffentlichen AnschlagSwesenS ist bekanntlich an die Buchdrnckerei- Firma Nanck u. Hartmaiin vcr pachtet. Der gegenwärtig zivischen der Stadtgemcinde und dieser Firma noch bestehende Vertrag lvurde am l. April 1891 ans 10 Jahre geschloffen, l ä n f t a l s o am 1. A p r i l 1901 ab. Die Erörterung der principiellcn Frage, ob die Stadt den Betrieb des Anschlagswcsens noch weiter an eine» Privatiiiitcrnchmer verpachten oder künftig in eigene Regie übernehmen soll, ist durch einen von der s o c in I d em o k r a t i sch e n Fraktion der Stadtvcrord neten-VersanimIiiiig gestellten Antrag, der die U e b e r n a h in e in st ä d t i s ch e R e g i e herbeiführen will, von neuem eröffnet worden. Es handelt sich bei dieser Forderung un, einen zweifachen Vorteil. Die Ucbernahme des Anschlagswesens durch die Stadt würde nicht nur den, Stadtsäckcl einen erheblichen Geivinn bringen, sonder» sie würde auch der Censur. die die Firma Nanck u. Hartmai», an den ihr zur Veröffentlichuiig nbergebenen Versannnliingö- anzeigen zu üben pflegt, ein Ende niachen. Es ivird sich zeige», ob eS nnscrcii Geiioffcn gelingen ivird, dem Gedmikeu, der ihrem Antrage zu Gnmde liegt, zu»i endlichen Siege zu verhelfen. Wir möchte» bei dieser Gelegenheit daran crinncr», daß sich auch bei den, Zlistaiidekommeii des gegeiNvärtigei, Vertrages, der gegen den früheren schon einen ganz außerordentlichen Fortschritt bedentete, die Mitwirk ii n jZ der socialdemokratischenSladt- verordneten sehr fruchtbringend erwiesen hat. Der bis 1891 bestandene Vertrag verpflichtete die Firma Nauck». Haitmam« ii»r zur Zahlung einer Pachtsmnme von 50000 M. pro Jahr. Für dieses Trinkgeld hatte die Stadtgemeinde einem Privatnnteriiehmer das Recht gegeben, die Straßen der Stadt zu seinen, Vorteil in Anspruch zu nehmen. Den, Vorgehen nnserer Ge- noffcii war es zu danken, daß durch öffentliches Ausschreiben eine Erhöhmig der Pachtsumme auf— 255 000 M. pro Jahr erreicht wurde. Und diese 255 000 M. zahlte fortan dieselbe Firma Nanck n. Hartmann, die vorher 10 Jahre lang nur 50 000 M. pro Jahr gezahlt hatte,— ei» Beweis, daß sie ein großartige« Geschäft dabei gemacht haben muß. Das Mehr von 205 000 M. pro Jahr, das seit 1891 gezahlt worden ist, beläust sich in zehn Jahren auf über zwei Millionen Mark. Sie find dem Stadtsäckel gewonnen ivordcii._ Der Entwurf zn einer Polizeiverordnnng, betreffend die gewerbliche Beschäftigung schulpflichtiger Kinder, slaud gcstcril wiederum in der Sitzuiig der städtischen Schul- deputation zur Beratung. Di« von der Deputation ge- machten Borschläge, wonach Kinder unter 9 Jahren e,»e ErwcrbSthätigkeit überhaupt nicht, Kinder von 9 bis 14 Jahre» im Sommer nicht vor 5V» Uhr, im Winter nicht vor O'/i Uhr morgen», und abends nicht nach 8 Uhr ausübe» dürfe», sind vom kgl. Polizeipräsidium mit der Aenderuiig gebilligt worden, daß eine Beschäftigung der betreffenden Kinder nach 7 Uhr nachmittags nicht mehr eintreten darf, um den Kindern die nötige Zeit zur Erholung zu gewähren. Eine nette moralische Ohrfeige für die freisinnige Stadtverwaltung, daß die Polizei sich »och um einige Grade humaner zeigt, als das kommunale Man- chestertum. Ferner beschloß die Deputation, für die Abfuhr deS Mülls, der Asche jc. von den Grundstücken der unter der Verwaltung der städtischen Schuldeputation stehenden Schulen eine Submission auszuschreiben." Die Trinkhallen in den Straßen Berlins werden feit längerer Zeit nicht weiter vermehrt, und die von früher her be- ftrhenden werden allmählich beseitigt. Dabei wird aber gewartet, bis bei einer Gewerbe-Einstellung oder dem Tode des Inhaber? einer Trinkhalle die Erlaubnis zu ihrem Betriebe von selber erlischt, imd auch in diesem Falle wird noch zur Ab- Wicklung des Geschäfte« eine angemessene Frist bewilligt. Ein anderes Verfahren ist bei der Trinkhalle befolgt worden, die bis zum vorigen Jahre an der S ch l o ß b r ü ck e auf der Seite der Schloßfreihgit stand. Als der Grund und Boden, auf dem diese Trinkhalle errichtet war, nach Abbruch der Schloßsreiheit an die Stadt überging, schloß die städtische Grundeigentums- Deputation mit dem Inhaber der Halle einen Vertrag, der ihn verpflichtete, den Platz, sobald daS im öffentlichen Interesse notwendig erscheine, innerhalb acht Tagen und ohne jeden Anspruch auf Entschädigung zu räume». Auf Grund diewS Vertrages hat die Bude zum 1. Oktober 1898 geräumt und abgebrochen werden müssen. Sie hatte seit 1804 an derselben Stelle gestanden. Der bisherige Jnhager, ein jetzt 72 jähriger Mann, klagt, daß er noch ans seine alten Tage um sein Brot gebracht sei. Er hat seitdem mehrfach versucht, an anderer Stelle einen Bndenstand bewilligt zu erhalten, hat aber abgclvicscii werden müssen. Hinterher hat er sich, um eine angemessene Entschädigung zu erlangen, an den Magistrat und ganz kürzlich auch an die Stadtverordneten-Bersamm- lung gewandt. Die Stadlvcrordnetcn-Versanimlnng hat aber in ihrer letzten Sitzung über seine Eingabe zur Tagesordmmg übergehen müssen, weil ihm nach dem Vertrage eben kein Anspruch auf E»t- schadigung zusteht. Zum Mord in der Skalitzerstraße. Der Mörder der Witwe Joost, Zimmermann Richard Trotzer, hat noch Dienstagabend Selbstmord begangen. Kurz nach 8 Uhr abends hörten ver- schiedene Veivohncr der Häuser an der Treptower Chanffee und Spaziergänger im Park einen Schuß fallen. Da das öfter vor- kommt, so'achteten sie nicht lveiter darauf, wenn auch verschiedeut- lich darüber gesprochen wurde, als später der Raubiiiord in der Skalitzerstraße und die Vermutniig, daß � der Mörder sich selbst das Leben nehmen werde, allgemeiner bekannt lvurde. Die Gegend, aus der der Knall vernoinmen wurde, abzlisiichen, unterließ man. Erst gestern morgen um 6 Uhr fand ein Parkivächter, um was es sich handelte. Er sah am Zaun der Treptower Radrennbahn die Leiche eines MauneS liegen, der sich durch einen Revolverschuß in den Kopf getötet hatte. Der Wächter benachrichtigte den AmtSvorsteher von Treptow, und diese gab sofort eine Depesche an die Berliner Kriminalpolizei, da die Beschreibung, die diese von dem Mörder der Frau Joost gegeben hatte, auf den toten Mann genau paßte. AlSbald ivnrde auch die Mutter TrotzerS a» die Leiche gerufen, die sie sofort erkannte. Mit einem lauten Aufschrei warf sich die unglückliche Mutter auf den toten Sohn und nur mit Mühe gelang es, die F-iffnngslose zu beruhigen. Man brachte die Leiche zunächst ans das GeHöst des Ausschanks der Bock- brauerei an der Treptower Chaussee und von dort später um OVi Uhr in die Leichenhalle des Amtes Treptow. Neben dem Toten lag der Revolver, aus dem er der Frau Joost und sich selbst die tötlichen Kugeln in den Kopf gejagt hatte. Zwei Patronen waren abgeschossen, eine dritte befand sich noch geladen in der Trommel. Der Fund der Leiche mutz sich in gewissen Kreisen merklvürdig schnell herum- gesprochen habe»; denn schon frühzeitig fanden sich an derFmidstelle zahlreiche Leute ein. Die That selbst nun ist durch die nachträglichen Ermittelungen in ein ganz neues Licht gerückt. Die Annahme, daß eS sich um einen Raubmord handele, muß man wohl fallen lassen. Allem Anschein nach liegt vielmehr eine Liebestragödie vor. Bei einer abeiinaligcn Durchsuchung der Woh- »uiig der Ermordeten fand man im Laufe dcS gestrigen Abends das Portemonnaie der Frau mit ihrem Gelde. Die ver- meintlich geraubte Uhr ist dagegen»och nicht wieder zum Vorschein gekommen. Bei der Leiche des Mörders hat man sie nicht gefunden. aber auch kemen Schein über ihre Verpsändung. Es ist also nicht ivohrscheiiilich, daß Trotzer sie geraubt habe. Vermutlich hat Frau Joost sie irgendwo versteckt. Ans einen anderen Gesichtspunkt als eincii Raubmord deutete ein Brief hin. der. wie wir schon erwähnten, bei Frau Joost in einem Bette gefunden lvurde, daß Trotzer kurz vorher benutzt hatte. In dem Briefe, der ohne Umschlag in dem Bette lag, schreibt Trotzer, daß er zu Frau Joost schon bei Lebzeiten ihres Mannes, der vier Jahre lang nervcnleidcnd gewesen sei, in Be» ziehnngen gestanden habe. Da die Frau, dererivegen er sich schon vor zwei Jahren habe erschießen ivollen, nichts mehr von ihm habe wissen wollen, sei er liederlich geworden mid habe keine feste Arbeit mehr angenommen. Er werde jetzt Frau Joost, ihren Sohn und sich selbst nins Leben bringen. Diese Angaben haben»nn in den weseiitlichsten Punkten von andercil Seiten ihre Bestätigung erhalten. Als Trotzer sich vor zwei Jahren eine Kugel in die Brust geschossen hatte, kam das Liebesverhältnis wieder zur Sprache. Daß Trotzer liederlich lvurde, war z»i» Teil wohl eine Folge deS Todes des Joost. Als dieser am 6. März v. I. gestorben war, glaubte Trotzcr mit Rücksicht darauf, daß die Frau sehr fleißig und arbeitsam war und eine schöne Wirtschaft hatte, nicht mehr so viel arbeiten zu braiichcu. Trotzer glaubte später Grund zur Eifersucht zu haben und hat sich daiiil zu der Mordthat hinreißen lassen. Z» dem Mordversuch in der Potödamcrstraße ivird noch mitgeteilt, daß der Uhrmacher Hermann Mahnle gestern Morgen in das Uiitersiickimgsgcfängiiis abgeführt ivorden ist. Mahnte bestritt bei seiner Festnahme zunächst, die Tötung der Bertha Albrecht be- absichtiat zu haben. Er habe sich mit ihr mir aussprachen und sie bewegen wollen, zu ihm zurückzukehren. Da ihm das nicht gelungen sei, so habe er, plötzlich von Wut erfaßt, zum Messer gegriffen. Durch Zeugen ist aber bereits nachgewiesen, daß Mahnke schon am Tage vorher die Gelegenheit, das Mädchen zu überfallen, genau ausgekundschaftet hat, also mit einem fertigen Plan nach der PotSdamerstraße kam Und dgS Messer bereit hielt. Zu einem vollen Geständnis wollte er sich aber auch darauf hin noch nicht bequemen. So viel aber gab er schließlich zu, daß er im allgemeinen die Absicht gehabt habe, das Mädchen umzubringen, wenn eS auf seinen Wunsch nicht eingehe. In cincm Eiscnwareugcschäft nn, Kottbuser Damm versuchte ich gestern abend ein fremder junger Manu, vermutlich ein Aus- täuder, zu erschießen. Er verlangte dort einen Revolver. sprach ober nur gebrochen Deutsch und konnte sich nicht verständige», lvcshalb er sich bald wieder uiiverrichtcter Sache entfernte. Bald darauf erschien er zum zivcitcnmal und wünschte abermals einen Revolver zu kaufen. Der Verkäufer legte ihm mehrere Waffen in Gegenwart eiueS aiidcril Herr» vor, der dabei den Dolmetsch spielte. Unter dem Vorgeben, die Waffe besehen zu ivollen, ging er zur Thür und lud sie schnell mit einer Patrone. Noch bevor die An- ivescndcn wußte», Iva« der junge Mann beginne» wollte, setzte er die Pistole gegen seine linke Schläfe und ichoß sich eine Kugel in den Kopf. Auf Veranlassung der Polizei wurde der schwerverletzte, nicht verliehmniigsfähige Fremde nack dem städtischen Krankenhauie am Urban gebracht. Seine Persönlichkeit ist noch nicht festgestellt ivorden; Ausweispapiere hatte er nicht bei sich. Ein Berliner Schntzmann. Die„Berliner Zeitung' schreibt Eine merkwürdige DiebstahlSaffatre beschäftigt gegenwärtig die hiesige Kriminalpolizei und hat auch Veranlassung zu einer DiSciplinar-Untersuchung gegen einen Schutzmann gegeben. Der Kaufmann M. verzog von der Christinenstr. 41 nach der Lortzing- straße 19. Die von dem Möbelfuhrherrn gestellten drei Arbeiter ver- mochten den eisernen Geldschrank nicht allein zu transportieren. Ehejedoch M. Hilfe beschaffen konnte, erschienen zwei unbekannte kräftige Arbeiter. welche sich bereit erklärten, den Schrank die Treppe hinunter bis zum Wagen und»och der neuen Wohniin g wieder hinauszuschaffen. Herr M. be- willigte den beiden für diese Arbeit 3 M., die Fremden trugen dann auch mit Hilfe der Ziehleute den Geldschrank bis zum Treppenabsatz der ersten Etage, stellten ihn dort nieder, verweigerten den Weiter- tranSport und forderten das vereinbarte Geld. Da der Kanfmcmn sich hierzu nicht verstehen wollte, so eigneten sich die beiden den Untersatz dcS SchrankeS an und trugen ihn fort. M. verfolgte die Arbeiter bis zur Alten Schönhauserstraße und forderte dort einen Schutzmann auf, die Personalien der Diebe festzustellen. Der Beamte w ei g ert e sich jedoch, dies zu thun, und ersuchteHerrnM.. weiterzugehen und„keinen Auflauf" zu verursachen. Die beiden Arbeiter entfernten sich nun schleunigst mit dem Gcldschrankuntersatz und entkamen. Natürlich wurde der Vorgang der Polizei gemeldet, doch ist eS bisher trotz sorgfältiger Recherchen noch nicht gelungen, die beiden Männer zu ermitleli'i. Dagegen konnte der Beamte, der die Flucht ermöglichte. ausfindig gemacht werden.' Durch Sturz auS dem Fenster haben gestern nachmittag zwei ffrauen Selbstmord verübb Die 33 Jahre alte Mäntelnäherin Enima Biedermann, die seit dem 1. Oktober mit ihrer Schivester im 3. Stock des Hofgebäudcs Neue Jakobstr. 20 wohnte, stach sich, als ihre Schwester ausgegangen war. in einem Anfalle vonVerfolgungswnhn in Gegenwart eines zwölfjährigen Knaben, der für die beiden Schwestern kleine Botengänge besorgte, in die linke Brust und stürzte sich dann aus deni Fenster in den Hof hinab. Der Knabe dersuchte vergeblich, sie zurückzuhalten. Sie starb nachmittags um 5 Uhr in der Charits. Um dieselbe Zeit stürzte sich eine Frau, deren Persönlichkeit noch nicht feststeht, aus einem Flurfenster im 3. Stock des Hauses Kaiser F-riedrichstr. 6 zu Schönebcrg auf den zweiten Hof hinab und blieb, bis zur Unkenntlichkeit verletzt, auf dem Pflaster liegen. Die Rettungsgescllschaft brachte sie mit einem Rünzclschcn Wagen in das Elisabeth-Krankcnhaus, wo sie hoffnungslos daniederliegt. Am Hochzeitstage ihres Geliebte» Gift genommc» hat die 6ö Jahre alte geschiedene Frau Henriette H. aus der Elsasserstraffc. Diese hatte seit 6 Jahren mit einem Arzte, der bei ihr zur Miete wohnte, ein Verhältnis und glaubte, daff er sie heiraten werde. Vor einiger Zeit zog jedoch der Arzt von ihr weg und am Donnerstag feierte er seine Hochzeit mit einer anderen. Die Verschmähte suchte nun einen Kutscher, der früher einmal bei ihr wohnte und dann nach der Gartenstrasze zog, auf, klagte ihm ihr Leid ung ging mit ihm nach der Norddeutschen Brauerei, um ihren Kummer zu vergessen. Beide tranken hier mehrere Glas Bier und gingen dann noch in eine andere Wirtschaft, m» mit einigen GlnsGrogk denAbendzn beschlieffcn. Plötzlich erhob sich die Frau, um auszutreten, kam aber nicht wieder. Dcr Kutlchcr mid der Wirt suchten sie und fanden sie ini Toiletteranm liegen. Sie hatte Gift genommen und muffte schleunigst in ein Krankenhaus gebracht werden, wo sie bedenklich darnicderlcgt. Durch ein Glasdach gestürzt und schwer verletzt ist gestern nachmittag der Ites Jahre alte Sohn Fritz des Kutschers Wcndt aus der Lennsstr. 8. Unter dem Fenster der im erste» Stock im Hofe gelegenen Wendischen Wohnung befindet sich ein Geschirraum mit entern Glasdach. Auf dieses stürzte der Kleine, als er mit einem Schwesterchen am Fenster spielte, hinab, brach durch die Scheiben durch und zog sich schwere Schnittwunden am Kopfe, einen Bruch des rechten Oberarmes und innere Verletzungen zu. Die Urania hat auch in diesem Jahre eine Reihe von Vortrags- Chklcn eröffnet, die in unserem Leserkreise Beachtung finden. Es sind i vorgesehen je zehn Vorträge über Experimentalphysik(®r. P. Spie s) Expcrimentalchcmie jDr. G. Raff), Biologie lProf. Dr. C. Müller). Astronomie jG. Mit t). Die Vorträge über Astronomie und Chemie haben bereits begonnen. Am Montag sprach Herr Witt über Schein und. Wahrheit in der Astronomie und zeigte an der Geschichte dieser Wiffcnfchaft, wie von Kopcrnikus und später von Kepler und Newton das Ptoloniäischc Wcltgcbäude gestürzt worden ist und die niathc- matisch beweisbare Wahrheit den Platz des schönen Scheins ein- genommen hat. Eine Reihe Lichtbilder und Experimente illiistricrcn die Grundlvahrhcitcn der neuen Astronomie und trugen dazu bei, auch dem minder vorgebildeten Zuhörer den Vortrag verständlich zu »lachen. Ebenfalls war der am Dienstag von Herrn Ratz gehaltene Experimentalvortrag über die chemischen Urstoffc von hohem Werte Nachdem zunächst die Grenzen zwischen Physik und Chemie skizziert worden waren, setzte Herr Raff den Begriff dcS chemischen Elements auseinander und gab eine verständliche Erläuterung der Atom- und Molekularthcoric, um dann die Ilntcrschiede zwischen Säuren, Basen und Salzen zu demonstrieren. Eine Fülle von Experimenten, durch die namentlich die chemischen Vcrlvandtschaftcn veranschaulicht ivurdcu, erhöhten das Interesse an dem Vortrag. Heute abend 8 Uhr eröffnet Professor Müller den aus zehn Vorträgen bestehenden Cyklus über Biologie mit dem Vortrage «Was wir essen". Fcucrbcricht. Mehrfache Alnrmierungcn, die in den letzten 24 Stunden erfolgten, waren auf unbedeutende Brände zurückzu- fuhren. S ch ö n I e i n st r. 34 war beim Teeren eines Daches der Teer übergekocht. Nach Grüner Weg 20 wurde die Wehr ge- rufen, weil hier Brennmaterial in einem Kessclhause Feuer gefangen hatte.. Dieses konnte noch im Entstehen gedämpft werden. K u r- st r a ff e 38 und L ü tz o w st r. 27 waren Wohnungsbrände zu bc- seitigen. Aufferdcm wurde die Wehr noch in Anspruch genommen, um Wiesenstr. IS ein Pferd aus einer Grube herauszuholen. Alis den Sinchbnrorten. Der VolkSbildungSvcrci» für Britz mid Umgegend feiert am Sonnabend im Landhause. Chaussecstr.!17, sein 9. Stiftungsfest. Zahlreiche Beteiligung tvird erwartet. Schvneberg. Die Stadtverordneten-Versammlung erklärte sich in ihrer letzten Sitzung mit den vom Magistrat gestellten Ab- änderungsauträgen oinverstandeu, wonach auf die Endhaltestelle der Straffen bahn in der Eisenacherstraffe verzichtet werden soll, weil es den beiden in Betracht koiimiendcn Gesellschaften nicht ein- fällt, auf die von der Stadtverordneten- Versammlung vor 14 Tagen gestellten Vediiigungcn einzugehen. In einer Zuschrift, die Klagen darüber enthält, daff die billigeren Abomiemcntspreise der Stadt- und Ringbahn und die geringe Frequenz jener Gegend der Straffenbahn Abbruch thun, beharrt' die Gesellschaft auf ihrem ablehnenden Standpunkt. Die Stadtverordneten- Versammlung stimmte nach längerer Verhandlung dem Antrage des Magistrats zu. Vielleicht sind den bürgerlichen Stadtverordneten bei dieser Gelegen- heit die Augen darüber aufgegangen, daff es seine Bedenken hat, öffentliche Verkehrsstraffen einer einzig den Profit zum Maffstab nehmenden Privatgesellschaft zur Ausbeutung zu überantworten.— Die Versammlung bewilligte ferner 290 M für Fortbildungsschulen und erklärte sich damit einverstanden, daff die städtischen Mittel- und Volksschulen vom 1. April 1900 ab in siebenstufige umgeivandelt werden. Tic Sparkasse der Stadt Schöncberg wird am 12. d. M. in verschiedenen Stadtteilen fünf Amiahmestellen eröffnen, bei denen sowohl auf bestehende wie auf neu auszufertigende Bücher Beträge bis zu je 500 M. eingezahlt werden können. Rückzahlungen werden aber bei diesen Annahmestellen nicht geleistet. Die Sparkasse selbst nimmt Einlagen von 1 bis 10 000 M. auf ein Buch an, und auch auswärts Wohnenden ist die Benutzung der Sparkasse gestattet, welche die Einlagen mit 3 Proz. verzinst. DaS Uebcl der fliegenden Schnlklaffen hat auch in unserer Nachbargemeinde Friedrichsberg-Lichtenberg einen un» erträglichen Umfang angenommen. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung kam zur Sprache, daff es sowohl an Lehrkräften wie an Schulräumen fehlt. Es ist ein Manko von 360 Unterrichtsstunden vorhanden, zu dessen Beseitigung 11 Lehrer und 1 Lehrerin notwendig sind, und zur Zeit wird weiter der Tief- stand des Volksschulwesens durch nicht weniger als elf fliegende Klassen illustriert. Bezeichnend ist das Verhalten der b ü r g e r- l i ch e n Gemeindevertrcter in dieser Frage. Als der Lokal-Schul- inspcktor Pfarrer K nutze zur Beseitigung der s ch r e i e n d st e n Miffstände um sofortige Anstellung von vier Hilfskräften bat, schob die Gemeindevertretung die Anstellung durch den Beschluff auf Kommissionsberatung auf die lange Bank. Die Herren haben sich nämlich gerade die Schiilmiiistände auserkoren, um den Kampf gegen das mittelalterliche Patronatsrecbt de? Ritter- gutes Lichtenberg aufzunehmen. Gewiff ist an sich gegen daS Streben auf Beseitigung des Patrouatsrechtes nichts einzuwenden; sehr fraglich bleibt aber, ob es zu verantworten ist, daff man die Kinder der Arbeiter darum auf das schwerste büßen läfft. Kaltblütig sagte ein freisinniger Redner, wenn es bisher ohne die verlangten Hilfskräfte gegangen sei. werde es auch weiter so gehen, und ferner half er sich mit dem billigen Witz, er traue den Lichten- iberger Schulkindem ebenso viel Schlauheit zu, wie den Berlinern. Wenn dies richtig ist, so ist die Schule am Orte wahrlich nicht dafür verantwortlich zu machen. Auch in der Frage der Rektoren spiegelte sich die Rücksichtslosigkeit,. mit der uamentlich die Gemeindevcrtreter freisinniger jRichlnng die Schule behandeln. deutlich wieder. Den Hnuptlehrern Schröder und Müller hat die Regierung noch nicht definitive, sondern nur vorläufige Rektorats befugnisse gegeben. Als dies getadelt wurde, bemerkte der Ge meindevorsteher, daff die Regierung mit der Bestätigung nicht zögern würde, wenn diese Lehrer, die jetzt das klägliche Gehalt von 1800 M. erhalten, mit dem Minimalsatze von 2000 M. besoldet würden. Die Antwort des freisinnigen Gemeindcvertreters war, da' die Gemeinde sparen müsse und daff die beiden Lehrer mit dem niedrigen Gehalt auch völlig e i n v e r st a n d e n seien. Diese Beispiele sollten die Arbeiterschaft von Lichtenberg Friedrichsberg endlich davon überzeugen, daff es notwendig ist socialdemokratischeBertreteriusDorfparlamen z u senden. Die Grundtvcrtstcncr in den Vororten. Eine Beamtenfran aus Berlin hatte in Nixdorf ein Stück Land geerbt, welches zur Zeit landwirtschaftlich genutzt wird. Wegen dieses Grundstückes wurde sie von der Gemeinde zur Gimidwertsteuer herangezogen, wobei das Grundstück auf 30 000 M. geschätzt wurde. Nach fruchtlosem Einspruch erhob sie Klage und beantragte Herabsetzung der Steuer, da der NutzungSwert und nicht der Vcrkanfswert der Berechnung der Steuer zu Grunde zu legen sei. Das Ober-Verwaltungsgericht entschied aber schliefflich zu Ungunsten der Klägerin. Ein zweites Opfer hat gestern noch die Explosion in der Aniliufabrik zu R u m in e l s b u r g gefordert. Der 43 Jahre alte aus Nushorn im Kreise Fischhausen gebürtige verheiratete Arbeiter Heinrich Stöhn, der zuletzt in Fricdrichsbcrg wohnte, ist auf der Unfallstation 3 gestern nachmittag gestorben. Das Befinden der drei andern Verunglückten, die sich noch auf der Station befiildeii ist auch nicht besonders gut. Man hatte zunächst geglaubt, daff es zu einer Vergiftung der Unglücklichen bei der Verbrühung nicht ge� komincn sei;' diese Annahme hat sich jedoch durch die traurige Eni Wicklung der Dinge als irrig erwiesen. ZluS Liebe zur Betrügcriu und Brandstifterin geworden ist, wie die Untersuchung wegen des Ladenbrandes in Spandau ergeben hat, die Verkäuferin Bertha S o r g a tz, Vorsteherin der Filiale des Kaufmanns Heisel. Sie hat ein Geständnis dahin ab gelegt, daff sie selbst das Feuer angelegt habe, weil sie fürchtete, daff bei der kurz bevorstehenden Inventur die von ihr begangenen Unterschlcife entdeckt werden würden. Diese hatte sie verübt, um ihrem Geliebten Geld geben zu können. In den fünf Monaten, in denen sie mit ihm verkehrte, hat sie ihm ca. 1000 M. zugewendet, die der Geschäftskasse entnommen waren. Von der Brandstiftung hat der Bräutigam keine Kenntnis gehabt und er ist aus der Haft entlassen worden; indes bleibt der Untersuchung vorbehalten, wie weit er von dem unredlichen Erwerb deZ Geldes unterrichtet war. Das junge Mädchen ist die Tochter ehrbarer Leute und sie hat für sich selbst keinen übermäffigcn Aufwand getrieben; die Liebschaft ist ihr zum Verhängnis geworden. Der Bräutigam, der zuletzt Klavier spieler in einem Tingeltangel war, hat die Uiierfahrcnhcit deS bisher ordentlichen Mädchens in schnödester Weise miffbraucht. Durch die Elcktricität getötet wurde gestern vormittag, wie die„N. Z." aus Charlottenburg meldet, in der Kabclfabrik von Dr. Cassirer u. Co. der in der Kantstraffe wohnhafte Techniker Willy L an n. Der junge Mann war mit dem Probieren von Kabeln beschäftigt und soll, wie verlautet, aus eigener Unvorsichtigkeit einem an die Starkstroinleitung angeschlossenen Kabel zu nahe gekommen, dadurch vom elektrischen Strome getroffen und auf der Stelle ge tötet worden sein. Wege» schweren Sittlichkcitsbcrbrcchcns ist vorgestern der 20 Jahre alte Kutscher Otto Bräuer, der seit vier Monaten bei dem Rentner T. in der Pistorinsstr. 9 zu Ncu-Wciffensce angestellt war. festgenommen worden. Ein Schlächter schickte ein achtjähriges Mädchen, das er an KindeSstatt aiigenoinmcu hat, bei Beginn der chulfericn auf Besuch nach Berlin zu einer Schwester, die in der Holzmarktstraffe wohnt. Hier erkrankte das Stind, man wuffte aber nicht recht, was ihm fehle. Erst nach vielem Hin- und Hcrfragcn brachte ein Arzt endlich heraus, ivas vor- gefallen war. Er erstattete sofort Anzeige und der Kutscher wurde unverzüglich verhaftet. Er gestand, daS Kind durch Versprechungen in den Stall gelockt und miffbraucht zu haben. Die weiteren Ermittelungen ergaben, daff das Scheusal sich auch noch gegen ein anderes, 13 Jahre altes Mlidcheit in derselben Weise ver- gangen hat. Das erkrankte Stind muffte in eine Anstalt gebracht werden. Gevidjks-33inkimjg. Ein adeliger Heiratsschwindler stand gestern in der Person des Agenten A r't h u r v o n W i t t,k e n vorjder neunten Strafkammer des Landgerichts I. Der Augeklggte ist moralisch tief gesunken und hat bereits eine Zuchthausstrafe hinter sich. Im Mai d. I. lernte er ein Fräulein G. kennen, und als er erfuhr, daff sie über ein kleines, bei der Deutschen Bank hintcrlegtes Vermögen verfügte, machte er ihr binnen kurzer Zeit einen Heiratsautrag, lvobei er ver- schwieg, daff er bereits seit langer Zeit verheiratet war. Er gab an, daß er Bankdirektor in Königsberg sei, einen gröberen Haushalt führe und ein Pomiy-Gespann besitze. Diese Umstände reizten Frl. G. dermaffen, daff sie ein Verlöbnis mit einem anderen Herrn aufgab, um dem neuen Bewerber den Vorzug zu geben. Sie gerieth vom Regen in die Traufe. Am 7 Juni sollte die Verlobung stattfinden. Tags zuvor halte der Angetlagte es verstanden, sich auf listige Weise in den Besitz einer Quittung mit der Unterschrift des Frl. G. zu setzen. Er hob das Guthaben des Frl. G. bei der Deutschen Bank in Höhe von 3390 Mark ab und besuchte dann ein Lokal mit Damen- Bedienung nach dem anderen. Am folgenden Tage wurde der Schwindel aber bereits entdeckt; von Wittken hatte in der kurzen Zeit bereits 140 Mark verpraßt. Im Termine führte der Angeklagte sonderbare Entscbuldigungsgründe an. Unter anderem behauptete er, daff er das Geld heimiich abgehoben habe, um damit seiner Braut am Verlobungstage eine freudige lieber- raschung zu bereiten. Mildernde Umstände wurden dem Angeklagten versagt, der Gerichtshof verurteilte ihn zu zwei Jahre» Zuchthaus und den üblichen Nebcnstrafen. Wie leichtfertig Uuternchmer mit der Ehre ihrer Arbeiter umspringen, zeigte sich in einer Verhandlung vor der 137. Abteilung des Amtsgericht I, in der Fuhrherr Kopp aus der Elsasscrstraffe, der Inhaber des bekannten Koppschen Krankenwagen-Jnstituts, eine Rolle spielte. Der Kutscher Friedrich Schulz sollte am 19. März d. I. 10 Mark, die er für einen Krankentransport erhalten hatte, unter- schlagen haben. Der Posten figuriette nicht in den Koppschen Büchern, deshalb erstattete Kopp Strafanzeige wegen Unterschlagung. Der Auacklagte bestritt, daß eine Unterschlagung überhaupt möglich sei. da stets zwei Personen einen Krankentransport de- gleiteten; habe er das Geld erhalten, dann habe er es auch ördnungsmäffig abgeliefert. Der Zeuge, Fuhrherr Kopp, bedauerte, daß er Anzeige erstattet habe; er glaube zwar nicht, daff er das Geld erhallen habe, er könne aber auch nicht das Gegenteil positiv behaupten; es seien nämlich schon in früherer Zeit in seinen Bückern Fehler vorgekommen, die Bücher seien leider nicht so korrekt geführt worden, daß er sagen könute, das Geld sei thatsächlich unterschlagen. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten frei und auferlegte die Kosten dem Anzeiger Kopp, da schon nach dessen eigenen Erklärungen eine grobe Fahriässigkeit vorliege, indem Anzeige ohne Grund er- stattet sei.__ SvttteriiiigSübersicht vom 11. Oktober 1899, morgens 8 Uhr. Wetter. Prognose für DonuerStag, den IS. Oktober 1899. Zeitweise nebelig, voriviegend heiter und trocken, ain Tage ziemlich warm, bei mähigen südlichen Winden, Berliner W c t t e r b u r e a u. Marktpreise vo» Berlin am 10. Oktober 1801) nach Eriinttklniigcii des tgl. PolizelpräsidinmS. D.-Ctr. �Weizen »jNoggcn Fnitcr-lLerfle. Hastr gut „ miticl„ „ gering Nicht st roh, Heu j)Erbscn 1)Spciscbohneli„ Minsen Kartosseln, neue Siindsleisch, Keule 1 Ks do. Bauch„ g Erinilielt pro 1ö,4i1 15,30 14,20 15,20 14,40 13,60 4,50 6,80 40,— 50,— 70,— 7,- 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Bulier Eier Karpfen Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse Ikg 60 Stück 1 kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,80 4,50 2,20 2,80 2,60 2, 1,80 2,80 1,40 12,- 1,10 ],- ],- 2,- 2,80 1,20 1,20 1,20 ],- 0,80 1,40 0,80 Stationen Swiiiemde Hamburg Berlin Wiesbaden Miinchcn Wien ÜB °2 ae 766 767 � B S i■? SW SW 768;®53 767 Still 769 SO 770 W Wetter SS B< &"■ Cö ZDunst 3 Nebel Twolkig —Gedeckt 1 wollciil 1 wollciil Stationen R- Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Pari- KS 748 W 750WSW 759 SSW 756 SW 766Still Wetter 2wolkeiil l�bedeckt ZNcbel 3,hlb.bed -Nebel A Ä b-- 5(4 «e, -0 v 14 13 1 14,80 14,10 12,70 14,50 13,70 13,- 4,16 4,- 25,- 25,- 30,- 4,- 1,20 1,- vo» der Cenlralflcfle der Preith. Landwirt» schaftö'kainmcrii— Noticriliigssielle— und itingerechiict vom Potizeiprästdinm für den Doppel-Ceutncr. f) Kleiiihaiidclspreisc. Produkte n markt vom 11. Oktober. Der hiesige Verkehr, dem nach wie vor jede Anregniig fehlt, zeigte schwache Haltung. Weizen und Roggen gaben je 50 Pf. nach. Nur Hafer blieb in guter Frage. Nüböl war im Preise wenig verändert. Am Spiritusmarkt blieb das Geschäft wiederum sehr unbedeutend, doch bewahrt Locoware feste Teud-iiz Gehandelt wurden 10 000 Liter 70« mit 44(+ 0,10). Termine waren wieder ohne Handel. Städtischer Schlachtvieh markt. Berlin, 11. Oktober 1899. Amtlicher Bericht der Direktion. Zum Verkauf standen: 540 Nindcr, 1586 Kälber, 657 Schafe, 10 191 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Plnnd oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfnnd in Pf.): Für Rinder: Ochsen: a) voltfleischige, ausgemästete, höchflen Schlachtwertcs, höchstens 6 Jahre alt 00—00, d) junge fleischige, nickt ausgemästete und ältere anögemästete 00—00; c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 00— 00; d) gering genährte jeden Atters 00—00.— Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachiwertes 00—00; b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 00— 00; c) gering genährte 48—52.— Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ansgeniästete Färsen höchsten Schlachlwerts 00—00; b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 00—00; o) altere atisgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 51— 52; d) mäßig genälirte Kühe imd Färsen 50—51; e) gering genährte Kühe und Färsen 46—49.— Kälber: a) feinste Mastkälber(Vollmilchmast) und beste Sangkälber 75—78, b) mittlere Mastkälbcr und gute Saugkälber 72—74, c) geringe Saugkälber 68—70, d) ältere, gering genährte Fresser 44—47.— Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthamiiicl 63— 66, b) ältere Masthamuiel 55—59, c) mätzig genährte Hammel und Sdiafe(Merzschase) 47—53, d) Holsteiner Niederungsschafe(Lebendgewicht) 26—32.— Schweine: für 100 Pfund mit 20 Proz. Tara, a) voltfieischige der feineren Rassen und deren. Kreuzungen im Alter bis zu 1'/« Jahren 50—51, b) Käser 50, c) fleischige 4g— so, d) gering eiUwickcite 46—48, e) Sauen 44—46.— Der Rinderaustrieb wurde bis auf etwa 25 Stück verlauft. Der Kälberhandel gestaltete sich leb- Haft. Bei den Schafen blieb mir ein Posten Magervieh unvcrkaust. Der Schweinemarkt verlies rege und wurde geräumt. VeimriMkes. Famose Ehrenreparattir. Wie der„Pcmmt. Reichs-Post" auS Polchow mitgeteilt wird, hat gestern früh in der dortigen Heide ein Pistolcndiiell' siattgefundcn zwischen einem als Hauptmann im Artillerie-Regiment Nr. 2 dienenden chilenischen Offizier und einem Licutenant, der bis zum 1. Oktober demselben Regiment angehörte, dann aber in das neue Artillerie-Regiment Nr. 38 versetzt wurde. Der Lieutinaiit soll durch einen Schuß in den Hals lebensgefährlich verletzt sein. Aus Ahrweiler schreibt man der„K. V. Z.": Nachdem in der, Nacht vom Sonntag auf Montag der Frost in den Weinbergen der großen Geinarkuiig Mayschoß erheblichen Schaden angerichtet, ist in der verflossenen Nacht auch in den berühmten Rotweinanlagen von Ahrweiler und Walporzheim das Rebenlaub fast vollständig erftoren. Die großen Rebeubestände des Roscuthales, Thurmberges usw. bieten niit ihren nun schwarz� gefärbten Blättern einen traurigen Anblick. Zur die allgcniciiie Lage des Ahrweinmarktes ist dieses Mißraten des diesjährigen Herbstes wohl kaum von Bedcuwng, da in den Kellern der Winzer vereine noch große Bestände aus früheren Jahr- gängen lagern; für den Einzelwinzcr freilich wird nun vielfach eine recht schlimme Zeit beginnen. AuS München wird berichtet: DaS Oberste Landesgericht hat letzter Instanz den seit 300 Jahren zwischen den Freiherren T h ü n g e n und der Gemeinde B u r g s i n n in Unterftankcn chivcbenden Prozeß dahin entschieden, daff der Gemeinde der stritttge Waldbcsitz endgiltig zugesprochen wird. Zu dem Eisenbahnunglück in Hamburg ist noch mitzuteilen. daff die 19 verletzten Rekruten, die in das Garnisonlazarett in Altona gebracht worden waren, als geheilt jit betrachten sind. 7 Rekruten ind bereits entlassen worden; die übrigen Mannschaften gelangen im Laufe dieser Tage zur Entlassung. Mord. Die hiesige Kriminalpolizei teilt mit: In der Ortschaft L a n z in der Westprignitz ist an einem Studenten der Chemie aus Glatz. Max Mäder, welcher seit dem 2. Oktober bei dem Gastwirt Fritze in Lanz wohnt, am 9. abends ein Raubmordversuch gemacht worden. Dem Mäder wurden von einem Manne mehrere Schläge auf den Kopf versetzt und es wurden ihm ungefähr 250 M. ge- raubt. Der Thäter, welcher sich vielleicht Stuck oder Stucke neuut, ist 1,70 Meter groß, etwa 25 Jahre alt, hat ein blasses, längliches Gesicht und eine schmächtige Figur. Das Haar ist wellig und schwarz, die Stirn ist niedrig, die Augen sind dunkelbraun, der Bart ist kurz geschoren. Er trügt sogenanute Koteletts und einen Anflug von Schnurrbart, beide sind von dunkler Farbe. Der Gang des Mannes ist unsicher. Er spricht schlesischen Dialekt. Er trug ein braunes Jackett, hell- und dunkelblau gestteifte Beinkleider und einen schwarzen Filzhut. Er ist ein Radfahrer. Das Amtsgericht in Lanz hat einen Haftbefehl erlassen und bittet um Festnahme dcS Thüters.. Aus DreSdcn wird berichtet: Bei einem Brande in einer Wohnung im dritten Stockwerk des Dauses Hcchtstr. 65(Proletarier- viertel) sind drei in der Wohnung eingeschlossene Knaben, 5. 3 und l1/* Jahre alt während der A b>v e s e n h e i t ihrer Mutter erstickt. Trieft, 11. Oktober. Die Polizei verhaftete einen angeblichen ■chU'cdischeii Ingenieur Schneider wegen Mädchenhandels. Drei Mädchen, darunter eine Schweizerin, wurden freigelassen. Das gelbe Fieber scheint sich in den Südstaaten der Union allmählich auszubreiten. Am Dienstag sind in Key West 23 Fälle dieser gefährlichen Krankheit vorgekommen. Altcö Silber— anznhciratcn. DaS Regensburger„Heirate- Journal" enthält u. a. folgendes feine Angebot: Heiratsgesnch. Dame. 49 I. alt. 1,64 Meter groß, schlank, hübsch, von jugend- lichem, intelligentem, vornehmem Aussehen, elastisch, guter, ge- simder, sorgsamer, wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und Wirtschaft- lichcr Bildung, mit Vermögen und hübscher Ausstattung, namentlich in altem, echtem Silber ans der Spälrenaissance, wünscht mit einem gesunden, kräftigen, braven und liebevollen Mann zwecks Heirat in Korrespondeiiz zu treten. Offert, bes. die Exped. deS „Heirats-Journal" Regensburg unter Ziffer E. I. 2500. Wohl darum, weil' das Silber gegenwärtig sehr niedrig im Kurse steht, bekommt der Liebhaber des� echten Silberzeugs eine alte, sonst aber.jugendfrische" bessere Hälfte dazu. Wer hat Lust? Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet bis zum 19. d. M. Mom tag-, Dienstag- und Freitagabends von 7»/- Uhr ab statt. I. E. Köpenick. Der Antrag hätte innerhalb drei Monaten nach ge. schloffen« Heirat gestellt werden müssen. Di- Frist ist durch die Novefle, die vom I. Januar ab in«rast tritt, auf ein Jahr vcrläugett. Sie'icn Sie deshalb den Antrag, trotz abgelaufen« Frist, falls wenigstens 235 Marken geklebt find, im Dezember des lausenden Jahres. in Verantwortlicher Nedacieur: Heinrich Wenker in Groß-Lichtersetdc. Für den Inseratenteil veraiitworttich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. gt. 239. 16. tilnjf te JcriDitls" Krlilin MsdlÄ»<«m. 12. Oktober 1899. GemevksikzAftttiszVN« Berlin nud Umgegend. Der Streik der Tcppichweber bei Keibisch dauert undcr- änberr forr. Obgleich Feibisch in fast allen Provinzblättern Tcppich- Weber sucht, so hat er doch bisher wenig Glück gehabt, denn es kommen keine Teppichweber an. Weniger Solidarität als die Arbeiter Schlesiens, wohin stch Feibisch ebenfalls gewandt hat, zeigen in diesem Fall die in der Nähe Berlins liegenden Ortschaften Bernau undNowawes. Aus geummten Orlen sind eine Anzahl Leute, welche zwar nicht Ivebcn können, als Lehrlinge bei Feibisch angetreten. Aber die allen, jetzt im Slrcik stehenden Teppichweber wissen ebenso gut wie Feibisch selbst, daß diese Leute mehr zur Staffage als zur Arbeit in der Fabrik sind und daß diese Leute keine brauchbare Ware fertig stellen können. Circa 15 von den in Streik getretenen Webern haben bereits anderweitig besser lohnende Arbeit angenommen. Zuzug ist fernzuhalten. Ter Vorstand des Tcxtilarbcitcr-Vcrbandcs. Achtung! Die Aussperrung der Packer und Boden- a r b e i t e r bei der Firma L e w y Gebr., Boxhagcn-RnminelSburg, dauert fort. Es ist der Firma gelungen, einige Arbeiter von der Elraße heranzuziehc», jedoch ist die Haltung unter den Ans- gesperrten eine sehr musterhafte. Zuzug ist fernzuhalten. Der Vertraue nsina nu dcrHandelShilfö-Arheitcr Berlins. Der Streik der Töpfer ist ein allgemeiner; bereits am Montag ivaren fast alle Gesellen ausständig.' Fn der Versaminlung der Streikenden wurde beschlossen, daß Privatarbcit nicht ausgeführt werden darf, auch nicht von denjenigen Gesellen, welche für sich selbst arbeiten, widrigenfalls dieselben als Streikbrecher betrachtet werden. Es muß oeshalb noch besonders darauf aufmerksam gemacht werden, weil bei früheren Lohnbeivegungen die Kollegen ,hre Privatarbeit ungestört ausüben konnten. Der Vertrauensmann. Deutsches Reich. Zur Lohubcwcgung der Steinarbcitcr. Der Verband deutscher Sleinmetzgeschäfte hielt am Montag eine Gencralversamm- lung in Leipzig ab, in der beschlossen wurde, daß den Arbeitern in den Strcikgebieten fBcrlin, Schlesien und Sachsen) bis zum 16. Oktober mittags Zeit zu gcivähren ist, um eine Einigung herbeizuführen. Sollte eine Cinignng bis dahin nicht erfolgt sein, so soll am Montag, den 16. Oktober, von mittag ab eine allgemeine AuSsperrnng in allen Steinmctz-Vcrbandsbetrieben im Königreich Sachsen, Provinz Sachsen und den Thüringer Staate» vorgenommen lverden. In Verbandsgeschäften dürfen keine weiteren Leute eingestellt werden, bis in allen Orten, wo gestreikt wird rcsp. ausgesperrt ist, oder wird, alles geregelt ist und vom Verband entsprechende Weisungen gegeben werden. In Berlin haben bereits wieder Verhandlungen des JnnnngsvorftaildeS und GesellcnansschusseS stattgefunden, in tvelcheU sich beide Parteien durch gegenseitige Konzessionen entgegen gekommen sind. In B unzlau sind gleichfalls seit gestern die Verhandlungen wieder anfgenommen worden und dürfte auch dort eine Verständignilg erzielt werden. Falls in den beiden Orten eine Einigung zu stand« kommt, so fällt auch jeder Grund für die Unternehmer in Sachsen, die AuSspemmg aufrecht zu erhalten und dürste denmach der Ausstand sowie die Aussperrung der Stcinarbcitcr voraussichtlich in«ächsier Zeit zum Abschluß kommen. I» Brandcuburg ist es wieder zu einem Handschuh- m a ch e r st r e i k gekommen. Die„Brandenburger Zeitung" berichtet darüber: Nach der Lohnbewegung vom Jahre 1897, wo Haus- und Ueberzeitarbeit abgeschafft wurde, hat cS sich heransgcstellt, daß bei regelrechter Arbeitszeit der Verdienst nicht ausreicht, um den jetzigen Verhältnissen entsprechend auszukommen. Die Handschuhmacher sahen sich deshalb genötigt, den alten Tarif zu kündigen und einen neuen einzureichen. Da oie Fabrikanten bisher nicht' gewillt waren, mit einer Kommission der Handschuhmacher in Verhandinngen zu treten, oblvohl ihnen djcs von feiten der Handschuhmacher angeboten war, sahen sich letztere genötigt, in den Streit zutreten, um ans diese Wcise ihrer Forderung' mehr Nachdruck zu gdlie» und die Fabrikanten zur Anerkennung dieser zu bewegen. Augenblicklich stehen circa 80 Mann im Kampf. Hinzukomnicn in der nächsten Woche noch etwa 20, welche erst den Ablauf ihrer Kiindigungszeit abwarten müssen. Keineswegs notwendig! Die Ehefrau eines Flensburger Werflarbeitcrs ivar wegen einer Privatbelcidigung zu einer Geld- strafe verurteilt worden. Sie ersuchte die StaatSamvaltschaft um Sttasansstand, worauf ihr folgende Antwort zu teil wurde: Staatsanwaltschaft bei dem Königl. Landgericht Flensburg, 23. September 1829. VI Ä. 7. ni 8170. Auf Ihr Gesuch vom 21. d. M. wird Ihnen hierdurch mitgeteilt, daß ich nach erfolgter Prüfung keinen hinreichenden Anlaß gefunden habe, Ihnen den erbetenen Strafausstand behufs raten- weiser TilMiig der Geldstrafe zu gewähren, und zwar namentlich deshalb nicht, weil Ihre bezw. Ihres Ehemannes Schulden auf die keineswegs notwendige Teilnahme des letzteren an ein est Arbeitseinstellung zurückzuführen find. Der Erste Staatsanwalt. I. V.: Schröder. Der Hetr SlaatZanwakt muß schon gestatten, daß die� Arbeiter in diesen Dingen eine andere Auffassung haben; der größte Teil von ihnen erachtet es nicht bloß für notwendig, sich an den Bc- inühnngen zur ErkämpsiiNg besserer Existcnzbedingungcnlanznschließcn, sondern sogar für eine Ehrenpflicht.� Der Ausstand der Lederarbeiter i» Wilster dauert bereits 19 Wochen, ohne daß eine Aenderung zur Beilegung eingetreten wäre. Die Fabrikanten haben geglaubt, daß nach beendigter Ernte die Streikenden selbst, die teilweise in der Ernte beschäftigt waren, in die Fabrik zurückkehren würden und müßten; andererseits glaubten diese Herren genügenden Ersatz anS den Reihen der Reservisten und landwirtschaftlichen Arbeiter zu bekommen. Bis jetzt ist aber noch keiner ihrer Wünsche erfüllt worden. Die Ausständigen zeigen aber noch keine Lust, sich dem Willen der Fabrikanten zu fügen. Bei einer geheimen A b st i in Inn n g über die Frage:„Soll die Arbeit bedingniigsloS ans- genommen lverden", stimmten 428 mit nein, mit ja 1 Person. Das war ein unerwarteter Schlag für die Fabrikanten. Die Herren wollen um jeden Preis die Arbeiter gewerkschaftlich wie politisch rechtlos machen. Mutig kämpfen die Lederarbeiter Wilsters für ihr Koalilionsrecht, gilt es doch, das heiligste Recht der Arbeiterklasse zu wahren. An die Aibcitcrschaft Densichlands richten wir die Bitte,. uns in diesem Kampfe beizustehen durch Zuwendung finanzirllcr Mittel und Kenihaltniig des Zuzugs. Sendungen und Anfragen sind an OSkar Klemm, Herberge Ahrens in Wilster zu richten. Der Tuttliuger Schuhinachevstreik ist zu Gunsten der Arbeiter beendet. Die Arbeiter hatten folgende Forderungen aufgestellt: 1. Die Zurücknahme bor vier Kündigungen; 2. Eiiisetzmig eines ständigen Schiedsgerichts, bestehend aus drei Arbeitgebern und drei Arbeitern; kommt bei ausbrechenden Differenzen bei dieser Instanz leine Einigung zu stände, ist erst das städtische EinigmigSamt zur IiitschcidnNg anznrufeii, ehe eine Arbeitseinstellung oder Aussperrung eintreten kann; 3. während der 10 stündigen Arbeitszeit soll dem Arbeiter erlaubt sein, ein mitgebrachtes halbes Liter Bier trinken zu dürfen, ohne Anspruch � einer bestimmten Vesperzeit; 4. die Zurücknahme der in den letzten Monaten vollzogenen Lohnkiirzinigen; 5. Freigabe der Fournituren der Zwicker oder dafür eine Entschädigung in Höhe von 5 Proz. des Wochenlohnes.— Mach niehrfachen Verhandlungen zwischen den streitenden Parteien selbst und vor dein Einig migsamt, benü lügten die Fabrikanten alle Fordernngdn bis auf die öprozenlige Entschädigung der Zwicker. Die Arbeiter verzidjtete« ans diese letztere Forderung und nahmen die Arbeit wieder auf. Für de« Inhalt der Inserate «ibcrnimmt dl« ylcdaktivn dem Pndlttiim gegenüber keinerlei Acraillwartnng. Tszrnkvv. Donnerstag, 12. Olto der. cpernhans. Oosi fan tntt«. Ansang 7V, Uhr. Schaiispielhaus. Der Burggraf. Anfang-V- Uhr. Arnes. Opern. Theater(Kroll) Geschlossen. Teiilsckirs. HanS. Vorher: Mutter- . herz. Ansang 7>/, Uhr. Scsstiig. AlS ich wiederkain Anfang?>/, Uhr. Berliner. I-a?arisisims. Vorher: Lolotte. Anfang 7 Uhr. Schiller. Die Brohstadtluft. Anfang S Uhr. Neues. Kiwito. Anfang 7i/,Ubr. Westen. Die Reise nach China. Anfang?-/, Uhr.' Dhalia. Der Platzuiajor. 7>/, Uhr. Residenz. Jagdfrcudcn.._ Familien-Souper. Auf. 7»/, Uhr Lniseii. Molch Ca res. Anfang i> Uhr. Coulral. Di« Geisha. . 7i/, Uhr. Ostend. Meltuntergang. . 8 Uhr. Bictoria. Die weiße Henne. fang 7'/, Uhr. Friedrich. WilheluistädtischeS. Die Reife nach der Teufelsinfel. Anfiing 6 Uhr. Metropol. Rund um Berlin. Im Reiche der Seccfsiou! Anfang Uhr. -lpriw. Frau Lima. Specialitäten- Borstellimg. Anfang 7'/, Uhr. Rc-chshallcii. Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Sprcclottchen. Speciali- täicn-Voislcllnng. Ans. 8»/, Uhr. Palmgc- Panopurnni. Specnni- täleu-BorstelUtua. vrania. Äudalidenstr. 57/02. ü agiich adends von ö— 10 Uhu Sternwarte. Stnubeustv. 48/40. Im Theater: Der Steg des Menschen über die Natur. Anfang 8 Uhr. Anfang Boicher: 7-/, Uhr. Anfang Anfang Anfang An- CWtl'-Thtalel' (Wallner- Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: IM« GroKgstadtliift. Schwant in Z Akten von Bluuiciithal und Kadclbnrg. Freitag, abends 8 Uhr: vkv Gr»««nt»«ltlart. Sonnabend, abcudsSUHr: �«re». Crntvnl Ts>enfev Direktion: 1»»» h«r«nor>. Die C�eisiza oder; Eine japanische Thcehaus- gcschtchtc. Operette in Z Akten von Sidney Jones. Anfang 7i/, Uhr. Morgen: Dieselbe Norstellung. Sonntaanachmittag 3 Uhr zu halbe» Preisen: Ter Bi'gclhnndler." Carl Zellcr. Bon Frielirilsi-Wilhtltnjt. Thtattr Lhauzzee�tr. 35,26. Letzte Woche. Nur noch 3 Ausführungen. Abends 8 Uhr: Zui» 37. Male: Die Reise«MrTtvWllstl BurlcSle Abentelicr-Posse rnit Gesang und Tanz in 5 Alten von»»» 1. Bild:?l»f zu Drctzfus. -. Bild: Berbündctc Sltüchte. 3. Bild: SIltentat und Verrat. 4. Bild: Das belagerte Hans. 5. Bild: Tie GertchtsvcrhtMdlnng 6. Bild: Zlpothcofc. Morgen: Dieselbe Borstellung. Sonnabend, den>4. Oktober, nachm. 4 Uhr: Gr. Äindcr-Borstellung. Ter Rattenfänger von Haineln. Zaubermäicheu in 7 Bilder». Es ist dies die letzte Anfjührung des Stückes. Sonntag, den 15. Oktober, nachm. 4 Uhr: Auf allgemeines Berlangen: Der Trompeter von Sättinsteu. TnnkenstraBBe 48/411. Im Theator abends 8 Uhr: „Der Sieg des Menschea über die Natur". Im Hörsaal; Prof. Dr. Müller; „Was wir essen". Biologie I. luvalldcnNtr. 57/ttS: I?.gl. SteriiWMfte. WactimUtai)« 6—10»lie. Passage-Thealer." Beginn des Konierts 6 Uhr, der VorstvIwnA 7 Uhr. Pg88SgK- PsnoplieW gevffnet von früh bis abeudS. fW-fiiit, StiMMtr. r. t.V /�»«tfnricrstraste 132. "•«««. Novität Set Istclfiuifttüimg. Gi.one« Aas'iattnng i üü-k mit Gelang in b Auen(14 Bildern) ooui Dir (iari Weih u. Jos. Till. Musil von M. Fat!. � Anfang 8 Uhr. BorzngSbillclS haben Gültigkeit. Im Tunnel von 7 Uhr au grek- Konzert Morgen: Dieselbe Dorfleklung. Oir-Irn» tsni-teki. � Donnerotag, den lZ.Oktobcr. avendS >, Uhrp Urtea- Xbenck. Ot v m- p 1 f.ch e 2 p j � � aus her Zeit des Kapells Nero. Ctn röm indes Bier- gewann eine 30 Fug hahe Cascade tiiuaustagciid und durch, das Was!»- baisin fahiend. Sturz eines lruzs- xcfangciieii Lennansn, liobtsetob beennonch, aus der Höhe der Cirkus- iuppcl ins Wasler. Tie Seeivwcn, Sgauderdicssiir. Mist Darling. Sportsatt: a) Polo zu Pferde. h) Nachtinüdeii-Reiineii. c) Bicpcle- Wettsahren. Unsere Marine, groncs Bastelt.— Morgen, Freitag: Giostc hiniioristische Vorstellung. Ueti'opo!-7Iieaier. llebrenstr. SZ/Z7. Direktion: Ztialiarel Soltnl«. SMT' Senfationellcr Erfolg! VU � Täglich von 9 Uhr ab: Tdttttd utn Vrrlin. Berliner Lokalrevne v. Julius Freund. Mustt von Julius Eliiiidshofer. 1 Bild: An der Chansonrttciiecke. � 2. Bild: Im Anssiellnugvpark. stürmisches Lache»! Jubtin! Beifall! erregen: S» Uhr: Die Bcrfchwdrung der Berliner Thcatcrdircltorcil. 9« Uhr: DaS ist Berlin, die Stadt der Lieder. Am schönen grünen Strand der Spree. 10 Uhr: Berliner Landpartien. IG° Uhr: Her Eh«-Autoraat. 10'5 Uhr: Die I», Hoinze. 10=" Uht; Mlquel u. die Kf nalvorlage! lO25 Uhr: Das letzte Pferd. 19-° Uhr: Das sind lauter Puppen sich S Pnaoplifum. 10a5 Dia FriedeH,itou(erem Im Haag. jZ" Uhr: Scnsativiictl! Urlounsch: Die Harmlosen i» Moabit. Uhr: Zum Schluß: Mtl sceiihastcr AuSstatWNg: Im Nciche der Teeession. GrostcS Ballett. Vorher: DaS brillante Qkiober-Lprcialit� Programm,«mang 8 Uhr. Sonntag, den IS. Oktober, nochm. 3 Uhr, bei halben Kasfenpreiftn: Berlin lacht! und das gesamte Spcctalitälcn-Programm. CASTANS PANOPTICUM 165. Friedrlchslrasse 165. Un,. I Die heulenden Un„l "Dill und tanzenden NvU! ©fw i sclie 1 au« Ober-Aegypten! jöhni Kröger« Oreyfus Mercier Zola. Palast-Tlieater >MW früher Feen- I'alnst. Burgstrastc 22 Ganz Berlin spricht von dem groben Oktvber-Programm. Ganz Berlin stmmt Üb» die trefflidien Mciftcvtamr am sechsfachen Lnftreck VasilescumT rio. In dieser Vollendmig noch nie dagewesen! Ganz Berlin lacht Über Wtnkler und fröbel in der urkomischen Original- Ausstattungs-Gesmigs-Biirleske Susülltte im Rlidt. Anfang 7>/, Uhr. Sonntags 6 Uhr. KaffeNoffiiiing 1 Stunde vor Anfang. Billet-Borverkauf vorm. 0. 11—1 Uhr. Sonnabend, den 14. Oltodcr: GcsellfchaftS-Zlbcud Vorstellung u. Tanzlräiizchen. Viotonis» C. 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Enfeuible von Meyfel. Aufang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Tageskasse ll-i Uhr. Erfunden von dem Geheimen S a n l t ä t s- rat vr. Carl Mampe, ersetzen die seit eo Jahren bekannten„Vr. Call Kampes bittere Tropfen" in den meisten Berliner Familien eine aanLanotbetee. Die natürliche aromatische Bittere von vr. Mampes bitteren Tropfen wirkt belebend nud vrrdnuungs- befördernd. Es wird wenig alte B e r- l i n e r geben, die den ächten M a m P e (Elesanten-Mnrkep noch nicht keimen. ossa W. Noacks Theater, Brunuenstraste 16. Täglich: Die schöne Uagarin. Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Allen von Well er und Mannstädt. Musik von Steffens. ycdcn Sonntag. Tieustag und Tolttierslag nach der Borstellung: Tanzkränzchen. �lea�ar-Tdealer I. Ranx«s Presdenerstr. 52-53. Ahnenstr. 42-43. Austreten von absolnt erstklasiiges LMlllitateil Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree: Wochentag» 20 Pf. Sonntags 30 Pf. ZSS8L»j Ti« Tircttion: «lohard)Vl»>t1»r. 4«. Täglich allster Sonnabend» Hoffmanns Hord- deutsche Sänger. Anfang wochentags 8 Uhr. Entrce(Vorverlauf) 30 u. 50 Pf. Sonntags 7 Uhr. Elitree 50 u. 75 Pf. Douiierstag und Sonntag nach der Soiree: Tnnz-IärHiiEchcn Maehrs Theater Oranlcnntr. 24. Rosen evö dem SVcil. ÄiisstattungS-BurleSIe. Das großartige Oktober- Programm. Iis»«tesser, Kostüm- Soubrette. dlstr. pauly, C-sntorstonist. Idstt. Döbbrick, Champion-Handstandküuftl. Franziska Haid, Soubrette. Gustav Eulenburg, Humorist. Anfang 8 Uhr. Sonntag» 6 Uhr. Vorzugslarte» an Wochentage» gültig. Tuch.* und Buckskin-Reste spottbillig, Anzngrtst«, Paletot- und Hosenreste. Gelegenheitsläufe. Reste zn Knabenanzügeii. fZblZL� Hösel, Slinnzitpasic 2«. p. W. Grupes Tanz-Institut, Anncnstp.16(ftüher KlilbhauS)c SonntagS-KurfuS per Monat 3 M., DienStagabend-KurfuS p. Monat 4M. Säle und Bereiiiszilmner für Set- sammlungen u. Festlich ketten.[2604C* Achtung! Vereine! Sonnabend. den 18. und 28. November freigeworden. Fest-Säle, Kommandantenstr. 7S (..»ilukl,»,>«,"). 4b Kmpfehlc aNenZFreunden u. Befanntea viiieui Itayrimchbler- und gr. tispcluejeuchäft. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Pf. sowie Abendtisch i. la carte von 30 Pf. an. 2 Bereinsziiiiuier mit Klavier für 20— 50 Personen.» II. t>»ti'ni»»». Nest.,Ritterstr. 128. M-W-Hllt fettige Anzug, 20 M., halt». Zuth., zwei Anproben, saubere Näharbeit, nur unter Garantte für guten Sitz. Wintorpaletot 18 M» echtsarbigcr Eamiuetttagen, warmes, weiches Futter Münzstr. 2ü. Anzugreste. Paletot- und Hosen- reste. Spottbillige Gelegenheitskäufe. 2512L«j Münzstr. 2«, p. I aus Teilzahlung. I Kellermann. Priazcnatr.il?. EMgng VM FltUl. L* Nixdovf. Sorialdemokrat. Nrrein Vorwärts. Den Mitgliedern zur Nachricht, � das; unser langjähriges Mitglied Putzer Wilhelm Hopdt am 10. Oktober verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den IZ. Oktober, nach- mittags Z'/z Uhr»an der Leichen- Halle deS Zicuen Rirdorfer Kirch- Hofes. Rudowerstrahc. aus statt. Ehre seinem Andenken. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 232/13 Der Borstand. Den Kollegen des Central-Bcr- bandrs der Maurer Deutschlands Zahlstelle I Putzer zur Nachricht, daß der Kollege Villi. Holfstädt den 10, d. Mts. gestorben. Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. d. Mrs.. nachniittags iO/z Uhr von der Leichenhalle des Nixdorfcr KirchhoseS, Britz, Nudoivcrstraße, aus statt. Die Kollegen des Gesangvereins werden ersucht, recht zahlreich zu er- scheinen. 134/10 Die örtliche Verwaltung Meli. Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. DonnerStag, den IS. Oktober, abends Ukir, im Lokal LouiscnstädtischcS Äonzerthaus, Zlltc Jakobstr. 87: Bersamml«Ng der Former. Tages-Ordnung: Der gegenwärtigele Ortsverwaltnns:. KlchtunZ!"MZ iap Ariztung! TeMardttter«.-Arbkitermeil. DonnerStag, de» IS. Oktober, abends 8 Uhr, in„Dhieleö Salon", Aruchtstraße Nr. S6a: Meffentl. VevsÄMmlung Tage?-Ordnung: 1. Der Streik bei der Firma Feibisch. Referent Kollege 2. DerschiedcucS. 272/16 Achtung! Töpfer. Achtung! Für die zahlreichen Beweise von Teilnahme und Freundschaft bei dem Hinscheiden meiner teuere» Frau, unserer lieben Mutter, der Frau Marie Jierkko, geb. Deetz, sprechen wir hiermit unseren ticsgeftihlten Dank aus. Die Hinterblieben-». Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, welche meinem geliebten Manne und unserem guten Vater die letzte Ehre erwiesen haben, besonders dem Gesang- verein Gerechtigkeit Westen und dem Holzarbeitcr-Vcrband sagen wir unser» besten Dank. slllb Wwe. P. Schmidt nebst Kindern. IV., Culmstr. 32. Habe mich alS Spccialarzt für Haut-, Hava- und Hohlcchts- Krankheiten niedergelassen. 116/20 Dr. med. D. Rillerband, SW. Friedrichstr. 237 II. Hirschfleisch KS KT täglich irisch ausgeschlachtet. Nerbrndjer ünse öl) n. 55. Kaninchen 70; linsen, Hühner, Katen, Tauben. A. Kitsehl, Dresdcucrstr. 61. Rui Freitag, den IZ. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Lokal des Herrn Stcchcrt, AndreaSstraßc 21: Oeffenkl. NorsemmtUmg der Töpfer Berlins und ltmgeg. Tagcs-Ordnung: Her Stand unseres Streiks. Jeder Kollege ist verpflichtet, zu erscheinen. 193/18 Dze Lohnkommissio». I. A.: H. David. Achtung!"WU Achtung! Soeialdemokratischer Wahwerein für den t. Berliner Ncichstags-Wohlkreis (Gpten). Am Toililteg, bm 15. Mober 1893, in Lonis Kellers Festsälen, Kolliiei'.strnste Nr. 3. StiÜungs Keä bestehend in Auftreten äer Kesellselinit 8trz:ele>vie?. Anfang 4 Mhv-> Don Tthr an T&fiZ. Marmorarbeiter Berlins n. Umgeg. Donnerstag. 1». Oktober, abendS 8 Uhr, bei Cohn, Beuthstr. IS: Oeffentl. VevteunnLUmg Tages-Ordnnng: 1. Bericht der UcbcrwachungS-Konunission. 2. Ber- schiedenes.— Um zahlreiches Erscheinen ersucht 274/18 Her'Vertranensmann. Bei Verstopfung. SZ CD O & CA 'S Cm 'S PQ KUnilich bei allen Apothekern, Hrognistcn nnd jHlneralwasscr-IIHndlern. 117/1* CD CS o Achtnng! KöSliner Hof. Besonderer Umstände halber ist der Doten-Sonntag frei und dlelerhalb an einen großen Verein abzugeben. TeiH.ahinng ivöcbentl. 1 Hark, Plomben 1,50 Mk. 130, Im Hause des „____,______ Schaarwächter. Zahnziehen 1 Mark. Sprechst. 9-7 Uhr,[b Zähne 2 Halt. Heute gehen wir bei Ylnstab Tchnlh nach der Wasserthorstr. 55. Da ist großes Gänse-Auospielen aus dem Billard. 69b ü _ Sonnabend, 14. Oktober, abends 8 thr, Krancrci rS OVilClfflQY Frlcdrlclishain, unter Hltsvirknng des Itcrlincr U vi MvIIvmI. Sinfonie-Orchesters unter Leitung des Dirigenten Herrn Zimmer, der„Typographia", Dirigent Herr Franz Fleth. Aus dem Programm ist hervorzuheben: Ouvertüre zur Oper„Oberon" C.M. v.Weber Feuertaufe aus der„Walküre" Wagner. Vorspiel zur Oper„Lohengrin" Wagner.„Morgenliod" von Rietz.. IJngarisohe Rhapsodie... Liszt.„Pilgerchor aus Tannhäuser" j-lypographia. Wotans Abschied v. Brünhilde Wagner. Ouvertüre zur Oper„Dichter und Bauer". _ Nach dem Konzert: g&- TANZ. ASF Die Billets» 50 Pfennig sind in allen Zahlstellen des Vereins für Iflitglledcp und deren Angehörige zu haben.(Soweit dieselben ausreichen, auch für A'ichtmitglieder.l Nächsten Sonntag IV. Abtcilnng 2', L'hr im Ostend-Theater: Fanst I. Teil. Die III. Serie beginnt am 5. A'oveiuber mit Z!»v Hrejcrs Drama WinierSChBaf im Ostend-Theater. 231/7 Der Vorstand. L A.: ß. Winkler. GVGGGGOOGOGGDGSOGSSGAGOGG ©©®i Fachschule der Maler Berlins. XVII, Semester. Der Unterrichi für das Wintersemester 1899/1900 beginnt am Sonntag, den IZ. Oktober 1833. früh 9 Uhr, im Schnllokal Manteuflelstr. 7, 193/195. Geuieindeschule(Aula). Für Dekoration, Holz- und Marmormalerei. Schnellste Ausbildung nach bewährter, praktischer Lehnnethodc, der Neuzeit entsprechend. Anmeldungen werden bis zum IZ. Oktober in sämtlichen Zahlstellen der Filialen Berlins, vom IS. Oktober an nur in der Fachschule bei der Kommission entgegengenommen. 126/7* Die Fachschnl-Kommisslon. I. St.: Paul Plumo, Choriuerstr. 68. 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