Nnterhaltungsblatt des Horwürts Nr. 133. Freitag, den 11. Juli. 1302 tRecb druck txttioten.) � Dev Manksmann. Roman von Hall Ca ine. Autorifierte Uebersetzung. Käthe nahm aus einer Lade die Ausgchkleider des Mndes, ein Kleid, einen Pelzkragen und eine weiße Kappe. Ihre Finger hatten ein rotes Häubchen in einer Pappschachtel be- rührt;„das nicht," dachte sie und ließ es liegen. Sic breitete die Kleider über einen Stuhl und hob dann das Kind aus der Wiege auf ihren Arm, der ihm als Kiffen diente. Das Kind wachte auf, als sie es herausnahm und fing kläglich zu weinen an. doch sie beruhigte es mit ihren Küssen. „Ich kann mein Herzblatt nun lieben, ohne mich schämen zu müssen," dachte sie.„Sein süßes Gesicht wird mich nicht mehr anklagen." Des Kindes Köpfchen an ihre Wange schmiegend, ueigte sie sich, um nach dem vor ihr liegenden Kleide zu greifen, als ihr Blick auf den leeren Platz in der Wiege fiel, wo das Kind gelegen hatte. Dies erinnerte sie wieder an Pete. Wenn er nach Hause kam und das kleine Nest kalt und leer fand, wie sollte er es überleben? Sie beging einen neuen Raub an ihm. War es nicht schon genug, daß sie selbst ihn verließ? Mußte sie ihm auch noch das Kind nehmen? Er war ja förmlich vernarrt in das Kind. Es war das Licht seiner Augen, die Freude seines Lebens. Es zu verlieren, Würde ein tödlicher Schlag für ihn sein. Konnte wohl aber eine Mutter ihr Kind zurücklassen? Unmöglich l Die volle Flut der Mutterliebe kam über sie, und ihre zärtliche Selbstsucht riß alles andre nieder. „Ich kann nicht," dachte sie,„komme, was da will, ich kann und werde es nicht Verlaffen sie langte nach dem Pelz- kragen des Kindes. „Es würde freilich eine Art Sühne sein," dachte sie wieder. Die Kleine Pete zu lassen, würde das Unrecht, das sie ihm anzuthun im Begriff stand, einigermaßen vergüten. Wenn sie es sich versagte, daß süße Gesicht ihres Kindes Tag für Tag. Stunde für Stunde zu sehen, so war das ja ciire Strafe. und sie verdiente bestraft zu weiden.„Kann ich sie aber ver- lassen?" dachte sie.„Kann ich's? O. welche Mutter vermöchte das? Nein, nein! Nie, nie l Und doch, ich sollte... Ich müßte... O, das ist furchtbar!" Während sie noch voll Todesangst in ihrem Entschluß schwankte, bald an Pete dachte und an das Unrecht, das sie ihm angethan, bald das Kind mit zitternden Armen an die Brust drückte, als ob es ihr jemand entreißen wollte, traf die Kleine zuletzt selbst die Entscheidung. Mit lallendem Munde, wie Nahrung fordernd, schmiegte sie sich an die Mutter, ohne die Augen � zu öffnen und hob das Köpfchen instiuktmäßig zu ihrer Brust empor, die sie ihnr doch noch niemals gereicht hatte. „Ich bin ja nnr eine halbe Mutter." dachte sie. Die höchsten Freuden, die heiligsten Rechte der Mutter- schaft, durch die Mutter und Kind im Geben und Nehnien aufs innigste vemut sind, waren ihr versagt geblieben. „Mein Kind kann auch obne mich leben," dachte sie. „Wenn ich es verlasse, wird es mich nicht einmal vermiffen." Sie brach bei diesem Gedanken fast zusammen und wurde wankend in ihrem Entschluß. „Ja, ich muß sie bei Pete zurücklaffen," dachte sie. Sie legte das Kind halb angekleidet in die Wiege zurück und wiegte es ein, bis es schlief. Dann beugte sie sich über das Bettchcn, wie sich eine Mutter über den kleinen Sarg beugt, der bald für immer geschloffen werden soll. Ihre Thranen rannen auf die Bettdecke nieder.„Mein süßes Kind, mein kleines Käthchcn. Ich soll Dich nie wieder küssen. Dich nie wieder sehen— Du wirft vielleicht zur Jungfrau aufwachsen und von Deiner Mutter nicht? erfahren." Die Uhr tickte laut in der stillen Stube— es fehlten nur noch fünf Minuten au halb acht. „Noch einen 5hiß, mein Liebling. Wenn sie Dir je von mir erzählen und Dir sagen, weil Dich Deine Mutter verließ, so hätte sie Dich nicht lieh gehabt— o, wird sie es dann glauben?— Still!" Ans der Ferne drangen jetzt die Klänge der Musik zu ihr herüber. Sie sah wieder ans die Nhr, es war gleich halb acht. Fast in demselben Augenblick ließ sich auf der Straße das Rollen eines Wagens vernehmen. Er hielt an dem Heckenweg, der zwischen der Kapelle und dem Hinterest Teil des Gartens hinlief. Käthe erhob sich von den Knien und öffnete leise die Thür. Das Haus war für sie ein wahrer Kerker gewesen, aus dem sie floh wie ein entweichender Verbrecher. Ein schriller Pfiff durchschnitt die Luft. Der Peveril fuhr gerade am Quai ab. Durch die Straßen ging ein Geräusch wie wenn ein Wasser über Steingcröll herabstürzt. Es kam von dem Rennen der Stadtbewohner, welche den Festzug sehen wollten. Sie trat hinaus. Der Gatten war so finster und still wie ein Gefängnishof. Kaum daß ein Blatt sich bewegte; der Mond aber brach durch die alten Tannenbäume, als sie ihr trübes Gesicht zum ungetrübten Himmel erhob. Sie stand still und horchte. Die Musik kmn näher. Sie konnte den Schall der großen Troimnel vernehmen. Bnm, dum, bnm! Pete war da. Er half Philipps Triumph mit ver« herrlichen. Es war der Schlag seines großen Herzens. waS sie hörte. Ihr eignes Herz stockte einen Augenblick. Es über» lief sie kalt bei dem Gedanken an den wackcrn Mann, der nichts Besseres verlangte, als sie lieb und wett zu halten, und bei der Ennnornng an den andern, dem sie sich nun auf Gnade und Bannherzigkcit übcrliefette. Die Musik machte eine Pause, und gleich daraus klang es, als platze eine mächtige Rakete in der Luft. Es war das Hochrufen mid Beifall- klatschen der Menge. Dann schlug ein deutlicher Ton an ihr Ohr. Die Uhr im Hause hatte die halbe Stunde an- gezeigt. Nancy würde nun bald zurück sein. Käthe horchte gespamit nach dem Hause zu. Wäre das Kind in diesem Augenblick erwacht, hätte es sich gerührt oder geschrien, so würde sie für iurmer zurückgekehrt sein. So aber eilte sie nur hinein, um sich noch einmal über die Wiege zu werfen.„Leb wohl, mein süßes Kind! Ich lasse Dich bei ihm, weil er Dich herzlich liebt. Du wirst größer werden und ihm immer eine gute, liebe Tochter sein. Leb wohl, mein Täubchen, mcin-Herzensfchatz l Du wirst ihm alles lohnen, was ex mir GuteS gethan. Bist Du doch die Hälfte von mir, mein Liebling! die unschuldige Hälfte. Ja, Du wirst die Sünde der Mutter sühnen. Du wirst alles sein, WaS er glaubt. das ich bin und was ich doch niemals war. Leb wohl, süßeS Käthchcn, mein Kind, mein Liedling, leb wohl, leb wohl!" Sie sprang auf und floh nun endlich aus den Fußzehen wie ein Dieb aus dem Hause, die Thür hinter sich schließend. Als sie die Thür ins Schloß fallen hörte. ergriff sie zugleich die tiefste Niedergeschlagenheit nnd das höchste Eick- zücken, unermeßliche Seeleuqual und das Gefühl der Erlöfuna. Wenn jetzt die kleine Katharine geschrien hätte, so konnte sie nicht Mehr zurückkehren. Die Thür war verschlossen, das Haus war zu, das Gefängnis lag hinter ihr. Nnd hinter ihr lagen auch zehn schivere Monate voll Betrug. Doppelzüngig- keit und Heuchelei. Sie eilte durch den Gatten nach etner Seitenthür der Umfassungsmauer, die auf den Heckenweg führte. Oft strauchelte sie, und der Boden schien unter ihr zu schwanken, als ging? sie auf einer Mccreswoge. Ihr Atem war kurz. ihr Auge schwach, die Schläfen schlugen ihr hörbar. Als sie die Hälfte des Gattens durchschtttten hatte, berührte etwas ihr Kleid, und sie stieß einen schwachen Schrei aus. Petes Hund war es, Dempster. Er blickte zu ihr aus dem dunklen Gebüsch auf. Bei dem Lichte, das durch die Fensterläden fiel, konnte sie seine Flcdermansohren und seine wachsamen Augen sehen. Bum, dum, bnm! Die Musik hatte wieder begonnen. Sie kam nun näher. Philipp, Philipp! Er war jetzt ihre einzige Zuflucht. Alles andre war aus ihrem Leben ausgelöscht. Die Seitcnthür wurde wenig beniitzt, Angeln und Riegel waren eingerostet. DaS Ocffnen ging schwer, sie verletzte sich die Nägel dabei. Bon der andern Seite her vernahm man das leffe Klirren der Kinnkette, und über der Mauer schwebte ein weißer Lichtstreifen aus der brennenden Laterne. - 5c Der Wagen hielt im Hrckenweg, und der Kutscher— Philipps Tiener, Jcm-y Lord— stand an der offenen Wagen- thür. Käthe strauchelte auf dem Tritt und fiel in den Sitz hinein. Die Thür wurde geschlossen. Daun überkam sie ein neuer Gedanke. Er betraf das Kind, Philipp und Pete. Indem sie die Kleine zurückließ, hatte sie uneigennützig zu handeln geglaubt, und doch gerade das gethan, was die schwersten Folgen nach sich ziehen mußte. Es würde Buße und Vergeltung über sie bringen. Halt I halt I Sie wollte noch jetzt wieder umkehren. Ihr Gesicht war am geschlossenen Fenster; sie strengte sich an, den Riemen empor zu ziehen. Der Wagen aber fuhr weiter. Sie hörte das Rollen der Räder. Dann schwanden ihr die Sinne, und fort ging's im Fluge. Vor dem Vallure-Hause hatte sich eine Menschenmenge bersamnielt. welche den Garten, den Zaun, die Straße und die gegenüber liegende Mauer einnahm. Die Musikanten hatten aufgehört zu spielen, das Volk aber jubelte, klatschte in die Hände und brach in Hurra- und Hochrufe aus. An der geöffneten Thür stand Philipp in bloßeni Kopf, und ein Lichtstreifcn, der aus dem Hause fiel, beleuchtete mehr als hundert erregte Gesichter der draußen in der Dunkelheit Vcr- sammelten. Philipp erhob die Hand, zum Zeichen, daß er sprechen wollte, es dauerte aber lange, ehe die nötige Stille eintrat. Kräftige, derbe, fast rohe Zurufe, aus denen aber herzliche Vertraulichkeit und ungezwungenes Wohlwollen sprach, wurden von allen Seiten laut.„Glück auf. Junge I" —„Hoch für Ramsey!"—„Die Christians sollen leben I"— —„Ein Span vom alten Holz I"—„Dcemster Christian der Sechste I"—„Still da— er spricht!"—„Nur frisch drauf los, PhilT—„Sag' ihnen gründlich die Meinung, alter Junge I"—„Stille da. still I" „Mitbürger," sagte Philipp, und seine Stimme klang wie zitternder Glockenton über den: Meere,„Ihr könnt nicht er- messen, wie tief mich Euer Willkommsgruß bewegt. Kaum weiß ich selbst, ob ich im Grunde meines Herzens mehr Stolz oder Beschämung empfinde. Nur beschämt darüber zu sein, hieße Euch beleidigen, und zu stolz darauf zu sein, würde mir nicht zur Ehre gereichen. Ich bin so viel Vertrauens und so guter Kameradschaft nicht wert. Doch,"— er erhob die Hand, um einem Murmeln des Widerspruchs zu begegnen, und tiefe Stille herrschte jetzt in der ganzen Versammlung, „laßt mich den Gedanken aussprechen, welcher uns alle bewegt. Indem Ihr mich so ehrt, denkt Ihr auch noch an andre(„Nein I" „Ja.l") Ihr denkt an meine Familie, vor allem an einen, der dort drüben unter dem Rasen liegt, an meinen Vater, einen zu Grunde gerichteten, gebrochenen, in seinen Erwartungen getäuschten Mann,— Gott gebe ihm Frieden! Ich will es Euch nicht verhehlen, sein Gedächtnis ist mir ein Führer, seine Enttäuschungen ein Warnungszeichen gewesen, seine Hoffnungen waren meine Leuchte, seine Liebe mein Leitstern. In die Tiefe seines Grabes hatte ich meinen Anker geworfen, mochte Glück und Unglück daraus entstehen. Gott verhüte, daß ich zu lange mit einem Toten Hand in Hand gegangen bin. Es war mein Streben, das zurückzugewinnen, was er verloren hat, und dieser Tag ist Zeuge, daß ich zum Teil erreichen durfte, was ich mir vorgesetzt. Gott gebe, daß ich meinen Erfolg nicht zu teuer bezahlt habe." Hie» erhoben sich Rufe von:„Nein, Herr, nein!" Er lächelte trübe und schüttelte den Kopf.„Mitbürger, Ihr glaubt, ich sei würdig des Namens, welchen ich trage. Da ist mein alter Kamerad unter Euch, dessen Vertrauen ein Sporn für mich sein würde, ivenn es mir nicht zum Vorwurf diente—" Seine Stimme schwankte, aber doch schallte sie noch über das Meer von Köpfen hinweg.„Ich will versuchen, meine Pflicht zu erfüllen— von dieser Stunde an werde ich thun, was in meinen Kräften steht. Brüder von Man, helft nur dabei, um der Ehre des Amtes willen, das ich jetzt be- kleide, aus Liebe zu unsrer kleinen Insel, um Euer selbst willen und, ja auch um meinetwillen— helft mir ein guter Mensch und ein gerechter Richter zu sein. Ich weiß, das werdet ihr thun. Sollte es sich aber zeigen," fuhr er mit unsicherer Stinmie fort,„sollte es sich zeigen, daß Ihr Euer Vertrauen übel angebracht habt, sollte ich mich je dieser Ehre unwert eriveisen und dem Eide untreu werden, bei dem ich heute gelobt habe, im Namen Gottes Gerechtigkeit zu üben, ohne Ansehen der Person; sollte ich, statt dem Bedrängten sein Recht zu verschaffen, selber unrecht thun und nichts sein als ein übertünchtes Grab, während Ihr mich für ein starkes 0— Bollwerk hieltet, so seid eingedenk, meine Landsleute, seid eingedenk, ich bitte Euch darum, daß, wie sehr Euch das auch schmerzen mag, es einen giebt, der noch mehr leidet als Ihr, und dieser eine würde ich sein." Der allgemeine Eindruck an diesem Abend war, daß des Dcemsters Rede keine recht glückliche geivesen. Am Schlüsse derselben wurden noch einige schwache Versuche gemacht, die frühere Begeisterung wieder hervorzurufen, doch ward hie und da die Lklage laut, man komme sich vor, als sei man zum Tanze eingeladen und dann mit kaltem Wasser Übergossen heimgeschickt worden. Die Menge hatte erwartet, ein paar Späße zu hören, ein herzliches Wort zur Beglückwünschung und Verherrlichung Raniseys, was sich von selbst verstand, einen kleinen Hieb auf Douglas, Peel und Castletown, ein paar Knalleffekte, ein Knattern und Prasseln wie von Schwärmern, zuletzt ein Brillantfeuer fürs Ganze.„Aber. du lieber Himmel, wie feierlich war der junge Deemster statt dessen gewesen, und wie melancholisch und rätselhaft!" „Still I" sagte Pete.„Wie Ihr doch komisch seid, Leute. Ich bin nur verwundert, daß mau Euch nicht als Hanswürste angeivorben hat. Geht nur nach Hause, reibt Eure Augen aus und nehmt Euch die Worte, die er gesagt hat, zu Herzen. Ich selbst werde sie jedenfalls mein Lebtag nicht vergessen." Bei diesen Worten übergab Pete die große Tronunel dem kleinen Jonaique und wendete sich dem Hause zu. Tante Nan war in der Halle, in einem braunseidencn Kleide, das wie trocknes Farnkraut raschelte. Sie tanzte unr Philipp herum, umarmte ihn, zog sein Gesicht zu dem ihren herab und küßte ihn auf die Stirn. Freudenthränen flössen über ihre runzeligen Wangen, und ihre Stimme schwankte zwischen Lachen und Weinen. „Mein Junge, mein lieber Junge I Meines Jungen Junge! Du lieber Junge meines geliebten Jungen!" Philipp machte sich endlich frei und ging, ohne sich noch einmal umzusehen, in sein Zimmer hinauf. Nun sah Tante Nan Pete in der Thüre stehen. tForlsetzung folgt.) «Nachbru-t verboten.) Die Vöutevin bcinr Duh. Die Zeit des tiefsten sittlichen Versa lies der römischen Bourgeoisie bildete bei den römischen Damen auch eine raffinierte Putzsucht ans, Ivelche die Toilette einer Römerin z» einem ebenso umständliche» und zeitraubenden, ivie lächerlichen Akte machte. Die römische Bonrgeois- dame bei ihrer Toilette zu beobachten ist höchst belustigend, zumal man dabei bemerkt, ivie sich im Grunde der Sache die römische wie die moderne Bonrgcoisdaine völlig ähnlich geblieben sind. Mehr Verfeinerung, das ist alles. Die römischen Sittenschilderer, Geschichtsschreiber, Dichter und Satiriker haben uns von der römischen Dame zahlreiche Schilde- rungen entworfen. Wenn man sie zur Grundlage nimmt, erhält man ein ergötzliche? Bild der Toilette der Römerin. Es ist Tag. Längst ist die heiße Sonne Roms zu ihrer höchsten Höhe gestiegen, als es im Toilettenzimmer der Datne, im ver« schwiegenstcn und lauschigsten Teile dcS Marmorpalastes, lebendig wird.' Die„Herrin" hat sich erhoben. Zitternd steht ein ganzer Schwärm von Sklavinnen um den Lehnsessel inmitten des Gemaches. Er ist mit einem Fußtritt versehen, mit Bildhaner-Arveiten, goldenen Leisten, prächtigen Decken und Polstern geschmückt. Jetzt erscheint die„Herrin". Der alles verschönernde Blick deS Künstlers läßt uns auch die Römerin jener Tage als die Vollendung weiblicher Schönheit erscheinen. In der Wirklichkeit ist's freilich anders gewesen. Diese in ihren Empfindnngcn rohen, sinnlich erregten und dabei durch nächtliche Schwelgereien und Aus- schweifungen verderbten Körper konnten kaum noch schön sein. „Sollte jemand diese Damen", sagt der uiignlante Lncian,„in dem Augenblicke sehen können, Ivo sie sich endlich aus ihrem Morgen- schlafe erheben, so sollte er sicher glauben, er begegne einer Meer- katze oder einem Pavian." Auf die verdorrende Schöne stürzen sich jetzt die Sklavinnen, um mit den Toilettenmittclchcn, wie sie der raffinierte Sinn des Römers erfunden, die verblühten Reize wieder zum Leben zu er- wecken, ein Geschäft, welches mit komiickfeicrlicher Gewissenhaftigkeit besorgt wird und wobei jede Sklavin ihre besonderen Handgriffe zu verrichten hat. Das Gesicht! Ja, ist das überhaupt ein menschliches Gesicht? lim die Haut zart zu erhalten, hat die Dame es am Abend mit in Eselsmilch getauchtem Brotteig beklebt, der nun in trockenem Klumpen daran hängt. Aber bald' ist die unappetitliche Hülle beseitigt, und nun treten die Weiß- und Rotmalerinnen. die Zahn- pntzeriimen, die Angeubrauen- Malerinnen in Thätigkeit. Frisch gemolkene Eselsmilch wird über das Gesicht gestrichen, dann Rot aufgelegt. Bevor eine solche Sklavin der Dame nahetritt, — 5? überzeugt sich die Herrin, daß die Sklabin sie nicht durch. üblen Mundgeruch belästigt. Das geschieht, indem die Sklavin einen Metallspiegel anhaucht, den dann die„Schöne" beriecht. Allerdings hat solche Vorfichtsmahregel ihren guten Grund, denn die Dienerin spuckt in die Schminkfarbe, verreibt sie und schmiert dann diese �appetitliche Masse der Dame ins Gesicht. Durch das Schwärzen der Augenbrauen und Röten der Lippe» entsteht allmählich ein menschliches Gesicht, und nachdem nun noch aus einer Kapsel Elfenbeinzähne genommen und in das zahn- lose Fleisch gesetzt worden sind, würde der Kopf sogar jugendlich aussehen, wenn eben nicht noch eine Hauptsache fehlte: jugendliches Haar. Der Gebrauch falscher Zähne und Haare war schon jenen Bourgeoisdamen ettvas allgemein Bekanntes. Martial führt in seinen Sinngedichten einmal das Zahnpulver redend ein: „Weib, ivas willst du von mir? Ich diene junge» Mädchen; keine gekanften Zähne putz' ich." War das Haar gleich den Zähnen nicht gänzlich falsch, so war es wenigstens gefärbt. Eben haben die römischen Legionen ihre Er- oberungen in Gallien und Gennanien gemacht; germanische Schönheiten mit goldgelben, ins Feuerrot schimmernden Haaren sind auf die römischen Sklaveinnärkte getrieben worden und in kurzer Zeit ist rotblond die Modefarbe der römischen Bonrgeoisdamen geworden. DaS schwarze Haar muß also rot gefärbt iverden. Seit ein paar Tagen hat die Dame bereits ihr Haar mit einer seltenen Salbe eingerieben und dann mit einer Schwcinsblase gleich einer Bademütze überspannt. Jetzt aber nehmen die Diene- rinnen die Blase ab und eine Fülle roter Haare leuchtet hervor, die nun mit ivohlriechendcn Essenzen und Salben«ingerieben, dann mit den heißen Brenneisen bearbeitet iverden. Die ver- räterischcn Alterslinien auf der Stirn bedecke» tief herab- gezogene Locken, während der rote Haar«Urwald zu einem dicken Zopf« und Flechtcngctvinde um den Kopf gewunden ivird. Andre Dienerinnen geben dann der Frisur durch Schmuck- und Hcftnadeln, in kostbarer Goldarbeit mit seltenen Steine» ver- ziert, den nötigen Halt. Während all dieser Verrichtungen hat aber die angejahrte Schöne nicht ruhig dagesessen. Heißes südliches Blut, ein durch üppiges Leben hervorgerufenes launisches Wesen, natürliche Roheit, tiefste Verachtung des Sklaven— dies alles war der Hauptzug im Wesen der„vornehmen" Römerin. Diese durch keine Schranken gebändigten Eigenschaften, im Verein mit den Nachwirkungen nächtlicher Schwelgcrcien, verursachten bei der sich schmückenden„Schönen" fortwährende Wutanfälle, deren unglückliche Opfer die Dienerinnen Waren, ivelche die Dame putzen mußten. Jede Ver- richtung begleitet ihre spitze Zunge mit einer wahren Hochflut gräßlicher Verwünschungen. Nichts ist ihr gut genug. Zitternd verrichten die Sklavinnen ihre Arbeiten, denn bald geht die„Herrin" vom gemeinen Schimpfen zu den rohestcn Quälereien über. Am schlimmsten hat es die Unglückliche, Welche der„Herrin" de» Spiegel halten muß, da- mit sie den Fortgang der Toilettcnarbeiten beobachten kann. Jetzt zerrauft sie schon' den Dienerinnen so das Haar, daß ganze Büschel in ihren Händen bleiben. Dann beginnt sie ihnen tobend und kreischend das Gesicht zu zerkratzen. Nun geht sie zu Faustschlägen über, wobei es eine ausstudierte, allgemein verbreitete Roheit war, den Sklaven mit den Fingerknöcheln in? Gesicht z» schlagen und ihn gar noch dazu die Backen aufblasen zu lassen, damit die Faust reich und sicher traf. Oder sie ergreift eine der Schmuck- und Heftnadeln»>.<> sticht damit die Sklavin blindwütend in Anne und Brust, so daß diese nach be- eudeier Toilette blutrünstig und geschwollen sind. Das war eine allgemeine rohe Sitte. In einer römischen Dichtung heißt es beispielsweise: Strafe die Schmückcnn nicht, mir verhaßt ist. die mit den Nägeln, Kratzt das Gesicht, und den Arm flngs init der Nadel zersticht. lind in einem andren: Denn oft putztest du dich vor meinen Augen. Doch nimmer Schivoll, voni Nadelstich wund, deiner ttyxassis der Arn«. Diese Scenen zeigen die ganze Bestialität der Römer in der Behandlung ihrer Arbeitssklaven und es begreift sich, daß das aus den Fraucngcmächern römischer Paläste oft hervordringende Geheul und sinnlose Toben Aufläufe auf den Straßen verursachte. Großen Wert legte die römische Bourgeoisdame auf die Pflege der Nägel und der Hände. Ein langer schmaler Finger galt als höchste Schönheit. Deshalb ivird auch bei dieser Dame dem Nägel- beschneiden größte Sorgfalt zugewendet. Inzwischen sind auch die Pcrlenschuiire um den dicken Hals des Weibes gereiht worden. Nun erhebt sie sich und läßt sich den Mantel oder die Palla umhängen. Es ist das Hauptsliick der Toilette. Den einen Teil schlingt man unter der rechten Brust herum, den rechten Arm und die ganze rechte Schulter frei lassend, der andre Teil wird über die linke Schulter geworfen und vom linken Arm gehoben. Wie beute die Bourgeoisdame die Schleppe hebt und legt, so wendete die Römerin alle Kunstgriffe an im Halten der Palla. Noch heute zeigen die alten Skulptureir wie dabei auf den zierlichsten Faltcmvurf gesehen wurde. Unsre Römerin steht, von ihren Sklavinnen, mehr aus Angst vor Prügeln als aus Aufrichtigkeit, mit lauten Rufen der Vewundc- rung begrüßt, fertig da. Sie kann hoffen, dem Galan, den sie heute im öffentlichen Bade treffen Will, zu gefallen. Aber eine aber- I— gläubische Furcht heißt ihr, den bewnndernden Sklavinnen Schweigen zu gebiete». Wer wird die Götter reizen I Und so senkt sie dreimal de» Kopf»nd— spuckt sich dreimal in den Busen. Dann tritt sie hinaus in die Vorhalle und läßt sich von ihren Sklavinnen auf das rcichgeschmiickte Trage- bett heben, ans welchem sie, in„verführerischer" Pose sich durch Roms Straßen zum Bade tragen läßt. Dies ist die Arbeit von vier bis sechs baumstarken orientalischen Sklaven, die, prächtig auf- geputzt, der„Herrin" warten. Ehe aber dies Ruhebett gehoben wird, nimmt die geputzte Schöne noch eine Glaskugel von einer Sklavin an, die zum Kühle» der Hände dient und eine andre Sklavin reicht ihr das Lieblingstier, eine mäßig große, unschädliche Schlange, Welche die römischen Mode« damen untcr dem nackten Busen trugen, wegen der angenehmen Kühlung, die diese Tiere verursachten. Ei» Schnippcheuschlagcn mit dem Finger, die Träger nehmen die Tragstangen des Ruhebettes auf ihre Schulter und, umgeben von ihren Dienerinnen, wird die römische Schöne durcki Roms Straßen nach dem Bade getragen.— E. E. Kleines Feuilleton. — Hellmuth EckniannS Schicksal. In der Angelegenheit Thomas Theodor H e i n e- Hellnmth Eckmann geht der„Frank- furter Zeitung" folgendes Schreiben zu: Bade nw eiler, Villa Paul, 8. Juli 1902. Sehr geehrter Herrl Soeben erhalte ich die Nr. 186 Ihres'geschätzten Blattes, worin Sie einen Brief des Herrn T. T. H e in e veröffentlichen. Zwar habe ich die Angelegenheit der Familie meines Mannes übergeben, möchte Ihnen aber doch zn den ebenso unbedachte» wie beleidigenden Anschuldigen dieses Herrn(die er, nebenbei gesagt, erst»ach dem Tode Otto Eckmanns vorzubringen für gut be- fand), folgendes bemerken: Der Fürsprache eines um 12 Jahre älteren Bruders Otto hatte es Hellmuth Eckmann in erster Linie zn verdanken, daß er sich der künstlerischen Laufbahn Widmen konnte, und so Wurde er auch dessen Schüler a>n Berliner Kunstgewerbe- Museum. Wie sehr mein Mann das Talent seines Bruders anerkannte, geht auch daraus hervor, daß er ihn öfters zur Mitarbeitcrschaft heranzog. Im Jahre 98 erkrankte mein Schwager Hellmuth an einem akuten Gchiruleiden und mußte nach Hamb u r g zu seinen Eltern ge- bracht werden, konnte jedoch bis jetzt noch nilbt völlig hergestellt werden, da bei ihm immer noch zeitweise Geistesstörungen auf« treten, so daß ärztliche Autoritäten in Hamburg und Kiel übereiu- stimmend erklärt haben, daß ein Wiederaufnehmen seiner künst- lerischcn Thätigkeit unmöglich sei, weil jede geistige Arbeit strengstens vermieden werden müsse. Mein Schwager ist nie in einer„Irrenanstalt" gewesen, son- dern lebt auf dem Lande bei einem befreundeten Arzt, der ihn mit großer Aufopferung pflegt und bei dem er sich sehr wohl fühlt. In einer gesunderen Periode hatte mein Schwager selbst den Wunsch, Landwirt zu werden, und dieser Wunsch wurde ihm er- füllt; er bekam aber leider nach kurzer Zeit wieder einen Rückfall und sein Znstand hat sich seitdem derart ungünstig gestaltet, daß sein Arzt die größte Vorsicht für geboten hält und jede Ans- regnug, sogar ein Wiedersehen mit Mutter und Geschwistern ver- hindert. Da Herr Heine mit meinem Mann und dessen Bruder Sieg- mund in München viel verkehrt hat, hätte er besser gcthan, sich vorher bei der Familie Eckmann zu informiere», ehe er sich zu einem so ungeheuerlichen Schritt hinreißen ließ. Mit vorzüglicher Hochachtung Mascha Eck mann geb. v. Kretschman. WaS kosten die Bayrcuther Wagncr-Fcstspiele? Von einer den Festspielen nahestehenden Persönlichkeit wird in der „Münchner Zeitung" behauptet, daß man in Bayreuth einen Appell an die große Gemeinde der Kunstfreunde plane, um eine» N a t i o n a l f o n d s zn begründen, aus dem die Mittel zur Er« h a l t u n g d e r F e st s p i e l e in der Zeit fließen sollen, wenn die Richard Wagner-Wcrke. unter ihnen auch„Parsival", Gemeingut werden und zur Aufsühruug freigegeben werden müssen. Damit in jeuer noch etwas fern liegenden Zeit Richard Wagners Erben nichts zusetze», solle heut bereits ein Nationalfonds gesammelt werden. Der Plan ist sehr klug und ganz im Geiste derer, die nur aus den Werken des großen Meisters Nutzen ziehen wollen, denn es sei, so wird weiter behauptet, für denjenigen, der die Verhältnisse, der die Einnahmen und Ausgaben kennt, einfach lächerlich, daß die Festspiele nur Defizit und keinen Nutzen brächten. Gewiß ist, daß zu Zeiten, als der große Meister noch lebte, die Festspiele weniger Ausgaben verursachten, denn die Hanpidarsteller und Darstellerinnen, wie Franz Betz, Albert Ricmann, Winkelmann, Frau Matcrna u. a., verlangten von dem Meister nicht nur kein Honorar für ihre Mit- Wirkung, sondern sie bemühten sich, mit ihrer Kunstbegeisterimg auch andre Künstler fortzureißen, die gegen eine ganz minimale Eni- schädigung, welche nur die Kosten des Aufenthalts deckte, in Bayreuth bei den Festspielen mitwirkten. Thatsächlich war damals die An- Meldung von guten Künstlern und Künstlerinnen, die sich dazu er- boten, unentgeltlich in kleinen Rollen im Chor mitzuwirken, so groß. daß der Meister sogar abweisen mußte. Das war vor zwanzig Jahren, als zum erstenmal die Festspiele stattfanden. Auch bei der zweiten Aufführung ivar der Andrang von Mitwirkenden ein gleich großer. Die Ausgaben waren damals für das Solopersonal minimal, das Orchester bekam, wie auch jetzt, freie Wohnung und die doppelte, öfter dreifache Gage, Ivclche die Musiker in ihrem Engagement er- hielten. DaS Bild änderte sich sofort nach dcS Meisters Tode— cS kamen nur wenige mehr unentgeltlich, und zwar nur solche, welche die Mitwirkung in Bayreuth sozusagen als Reklame benutzten. Die Ausgabe für das Solopersonal schnellte sofort auf 32 000 M. empor. Hierzu kamen noch die Ausgabe» für Chor und Orchester im Be- trage von ca. 3l 000 M. Diese» Ausgaben für den Cyklus der Fest- spiele standen Einnahmcit gegenüber von durchschnittlich 225 000 M! die Neuanschaffungen betrugen später über 80 000 M. Diese Nach- fchafsnngen verblieben als Fundus und man konnte nur einen gc- wissen Betrag für Abnutzungen stellen. Die Ansprüche der Künstler. welche in Bayreuth mitwirken sollten, wurden natürlich mit jedem Jahre großer. denn iveim die früheren Künstler es als eine hohe Ehre betrachteten. unter des Meisters Direktion mitzuivtrkc», so fiel diese Begeisterung fort, nachdem später Siegfried Wagner die Leitung und Direktion übernahm. Die Künstler. Ivelch'e sich verpflichteten, während der Ferien in Bayreuth mitzuwirken, begannen diese Millvirknug als ein nüchternes Geschäft an- zusehen, das ihnen ein möglichst hohes Erträgnis bringen muß. denn auch sie ivnrden in Bayreuth immer nur als für Geld engagierte Mitglieder betrachtet. Die Geschäfte und das Geldverdiencu traten für den Künstler also in den Vordergrund. EL tverde» jetzt für die Mitwirkung in Bayreuth einem Solisten 3, 4. K— 8000 M., im ganzen, nicht, tvie in den Blätter» verzeichnet ist. 150 000 M., sondert» knapp 96 000 M. bezahlt. Cbor- und Orchestcrpersonal ver- schlingen zur Zeit, ebenso wie das artistische Personal, eine Summe von ca. CO 000 M. Nur bei den letzten Festipielen war der Ueber- schuß auf ein Miniminn rcducicrt, da der Ring von den Richard Wagner-Erben vollständig neu hergerichtet wurde. ES könne also von einem Defizit bei dei» Festspielen nicht im Eiilferntesten die Rede sein.— — Wilde Waldmenschcn im Innern von CclcbeS. Ans Briefen der bekannten Cclebesforschcr Dr. Paul und Dr. Fritz Sara sin, die vor einigen Monaten eine neue Reise nach den» ostindischen Archipel angetreten haben, teilt der„GlobuS" mit. daß ihnen eine wichtige völkerkundliche Entdeckung gelungen ist, nämlich das Auffinden Ivilder Waldmcuschen aus Celebcs. Die beiden Forscher hatten schon bei ihrer Ankunft in Makassar vernomiucn, daß in den Bergen von Boni tvildc Menschen leben sollten, die so scheu wären, daß man sie überhaupt nicht zu sehen bekäme; sie betrieben sogar ihren Handel nur des Nachts. Obivohl in Makassar selbst niemand daran glaubte, hielten es die Brüder Sarasin doch sür aebotcn, der Sache auf den Grund zu gehen. Sie borten bei weitere» Nach- forschmigen zunächst, daß diese„To-Ala"(Ala---- Wald) genannten Waldmcuschen im Distrikt von Lamontjong hauste», dessen Rajah über sie die Aufsicht führe; doch feieit es nur in die Wälder geflüchtete Ver- brecher. Dann suchte» die Forscher den Rajah selber auf. der ihnen nach vielem Sträuben, durch Geschenke beivogen, einige To- Ala fangen ließ. ES waren ein Mann, ztvei Frauen und ein Kind. äußerst scheue Menschen, die zivcifcllos einer priimtiuercu Bevöl- kcrnngSschicht von CclebcS angehörten, als alle bis dahin bekannten Rassen. Sie leben in den wilden, ivaldigen Gebirgen von Lamont- jong, pflanzen ctwaS Mais, sind nionogam, können nur bis Eins !ählen und kennen sonderbarerweise die Lüge nicht! Der Rajah ver» icherte, daß die den Gebrüdern Sarasin vorgeführten To- Ala halb zahm wären; eS gäbe aber noch ganz tvildc. die sich mit Stein- wiirfen wehrtet», wenn man sich ihnen nähere. Damals, in» April d. I.. ivare» die beiden Forscher leider verhindert, sich länger in Lamonljong aufzllhaltcn; sie ivollei» aber noch einmal dorthin zurückkehren und den ncucntdecktcn Urstamn» der To- Ala genauer untersuchen.— Bergbau. ie. Der ertragreich st e Bergbau ist derjenige auf Queck- silbcr, aber es giebt nur wcnige Lager des hauptsächlich gnecksiiber- Halligen Minerals auf der Erde, das bekanntlich der Zinnober dar- stellt. Außer Spanien»>ar lange Zeit Peru der stärkste Lieferant für Quecksilber, jedoch kamen die dortigen Minen allmählich in Ver- fall. Jetzt sollen sie in dem Bezirk Hnancavelica wieder ausgenommen werden. Drei der dortigen Quecksilberbergiverke, die bisher als Staatseigentum betrachtet und als solches veniachlässigt wurden, sind jetzt in den Besitz von Privatpersonen übergegangen. Die AnSdehunna der Ziunoberlngcr ist sehr bedeutend und er- streckt sich angeblich ans 80 Kilometer von Nord nach Süd. Die eigentlich reiche» Ablagerungen sind aber nur auf einer Fläche von etwa 35 Kilometer in der Länge und 5 Kilometer in der Breite vor- Händen. J>i dieser Zone giebt es angeblich eine Ader, die für sich allein fast 100 Meter breit ist. Das Bergwerk der Heiligen Barbara, vielleicht das reichste dieser Gegend, hat in der Zeit von t570 bis 1820 über 1V4 Millionen Centner Quecksilber geliefert, von 1820 bis 1-901 aber»in 93 000 Centner. Das zu so vielen»vichtige» Bedürfnissen in Wissenschaft nnd Praxis uotivcudige Mineral könnte durch eine thätige Wiederausirahme des Qtlecksilberbergbaucs in Peru eine erwünschte Verbilligung erfahren.— Verantwortlicher Redacreur: Carl Leid tu Berlin. Technisches. 00. Einst und Jetzt. Der 1874 im Alter von 74 Jahren verstorbene englische Ingenieur F a ir b a i r n teilt mit, daß noch 1810 in allen englischen Fabriken sämtliche Vorrichtungen in Hand- arbeit bestanden. Man kannte damals weder Hobel- noch Fräs- noch Bohrinaschinen, die Drechselbank»ind der Drillichbohrer tvaren in der Hauptsache alles, was dem damaligen Mechaniker zu Gebote stand. Nähmaschinen hätte man, selbst wenn Plan und Zeichnungen vollständig vorgelegen hätten, gar nicht herstellen können. Alle Erfinder seiner Zeit mußten die Maschinen, die sie erdacht, eigenhändig, ohne maschinelle Hilfe anfertigen, wobei sie gcivöhnlich vorher die erforderlichen Werkzeuge zu erfinden und herzustellen hatten. James Watt, der Erfinder der Dampfmaschine, konnte seine erste Maschine nicht recht in Gang bringe», weil es ihm an gmauen Vorrichtungen fehlte; der erste Dnmpfcyliiider, den er gießen ließ, war undicht nnd an dem einen Ende 5 Millimeter weiter als an» ander»». Ein guter Dampfcylinder darf aber in diesen» Punkt höchstens V* Millimeter Unterschied aufweisen. Und»nit welche» Kosten tvaren die Arbeiten verbimden. Das Polieren von Gnßeiseiiflächei», das mit der Hand ausgeführt tvnrde, kostete 10 M. per Onadratfliß. während die heutige Mctall- hobelmaschine eine weit bessere Arbeit sür 10 Pf. liefert. Auch die Stahlschreibseden»,»vie wir sie heute brauche», wurde» durch Hand- arbeit hergestellt. Der Fabrikant Perry bezahlte für die ersten branchbarci» Stahlfedern 5 M. per Stück.— Humoristisches. — Falsche Vermutung. A.:„Ja, Sepp, Ivie schaust Du aus? Hast gewiß auf der Kirmeß gerauft?" B.:„O»a— nur Frieden g e st i f t e t.'— — Maliziös.„Die junge Frau ist wohl sehr wirtschaftlich?" „Na. ich sage Ihnen, die steht den ganzen Tag am Kochherd... bei der Nachbarin!"— — U n a n g e» e h in e A 1» g e>v 0 h n h e i t. Erster Lehrling:„Mein Meister»vmidert sich über alles; bei jeder Gelegenheit schlügt er die Hände über'm Kopf zusaninien." Zlveiter Lehrling:„Meiner schlägt je ooch zusamm', aber da is»neisteus mein Kops d a z»v i 1 cb e— l,.Meggendorfer Blätter.") 1 Notizen. — Die I 0 11 r 1» a l i st c n- H 0 ch s ch n l e an der Bcrner Unibersität wird im kommenden Wintersemester erössiict Werve». Pribatdoceut Dr. Gustav Schmidt wird über„Z e i t 11» g S- r e d a k t i 0 u, A d m i 11 i st r a t i 0 11 S- 11 nd Verlagswesen" lesen.— — Die„Moderne Bühne" im Lessing-Theater sDircktioii Dr. Martin Zickel und Haus Förster) beabsichtigt in der nächsten Spielzeit litterarische Aufführuiigeii zu ver- anstalten; alS Spieltag hierfür ist der Sonnabend festgesetzt.— — A m a l i c» M a te rna. die berühmte Wagner-Säiigerin, die sich vor etwa sechs Jahren von der Bühne zurückgezogen hätte, wird im Herbst nach Wien zurückkehren» mir dort als Gesangs- l e h r e r i 11 zu wirken.— — Patriz H u b c r ist aus dem Verbände der Darmstädter Küiistlerlolonie ausgetreten und wird sciiici» Wohnsitz dauernd in Berlin»ehiiicn.— — Als die höchste Gebirgsbahn nennt der„Prometheus' die Bahn, die von Lima über Sa» Bartolomeo und Matucaua in die Anden führt. In letztgenannter Station hat sie bereits eine Höhe von 2374 Merer erreicht; von hier beständig aussteigend, über- ichrcitct sie aus einer 3 Kilometer langen Galerie in der Paßhöhe (Paso de Galcra) von 4744 Meter die Anden.— — Der T i c r m 0 r d i 11 Afrika. Der Jagdsport in Erythräa muß dem asrikanischcu Wildstaud schon recht arg zu- gesetzt haben, denn der Gouverneur dieser italienischen Kolonie sah Nch veranlaßt, folgende Ausfuhrzölle n u f Tiere zu pro- klamieren: Es ist zu entrichten für Elefanten pro Stück 1300, Rhinozerosse 1300. wilde Eiel 650, ZebraS 650. Büffel und Kluß- pferde 600, Giraffen 700, Riitilopen: Nnbiiche Mendesantilope 600, andere seltenere Antilopen und Gazellen 250. Leoparden 80, Strauße 70, Löwen 130. Gurazza und andere langhaarige Affen 50, Wild- schwciiie und Erdschweine 50, häufig vorkommende Antilopen nud Gazcllenartcn 10 Lire.— — Im abgekürzten Verfahren. Bekanisilich stritt man im Jahre 1848 über die Frage des ReichSobcrhniipteS. Die ver« fchiedensten Ansichten wurden laut. Da tauchte eine Petition ans KüntzelLaii auf, die unzweifelhaft die einfachste Lösung vorschlug. Die Petenten ersuchten nämlich das Frankfurter Parlament unter dem 6. Dezember 1348:„Alle deutschen Souveräne im Römersaale ziisaminenkonmien und sie dann würfeln zulassen. Wem Gott in seiner Allweisheit den höchsten Wurf verleihe. den werde er auch für den Besten halten, daß er Deutschland regiere".— Die nächste Nummer des UnterhaltungSblatteS erscheint am Sonmag, den 13. Juli. Druck und Verlag von Max Badiug in»Berlin.