Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 135. Dienstag, den 15. Juli. 1902 iNachdruck verboten.! ssz Dev MÄNksmsnn« Roman von Hall Caine. Autorisierte Uebersetzung. XVII. In der Schenkstube der Manks-Fee waren an diesem Abend viele Gevattern beisammen, und der Dampf ihrer Pfeifen geriet bei einer Geschichte, die Mr. Jelly erzählte, ins Stocken. „Seltsam genug— dächte ich. Wahrhaftig, ungeheuer seltsam. Man spricht von Nomanbüchern— aber selbst in der„Pilgerfahrt"*) steht nichts, was sich damit vergleichen ließe. Der Sohn des einen Bruders kehrt mit Festzug und Mukbegleitung als Decmster nach Hause zurück und genau zu derselben Zeit wird der Sohn des andern Bruders wie ein Hund aus dem Hause gestoßen." „Höchst merkwürdig," sagte John, der Küster, und andre stimmten ihm bei. Jonaique sah sich rings im Zimmer um, weil er er- wartete, weiter befragt zu werden. Als es aber von niemand außer mit Blicken geschah, sagte er:„Mein Alter hat alles gehört. Er ist schon seit der Zeit des eisernen Christian Schneider in dem großen Hause gewesen." „Das stimmt," sagte Cäsar. „Und er nähte gerade in der Küche an einem Anzug für den alten Herrn, als der böse Handel sich oben zutrug." „Was Sie da sagen..." „Du hast mich beraubt," schrie der Ballawhaine." „Gerechter Himmel," rief Grannie,„das— seinem eignen Sohn?" „Du hast mich betrogen," sagte er,„mich betrogen, mein Geld unterschlagen, nur das Herz gebrochen. Ich habe ein Vermögen an Dich gewendet, und was hast Du mir dafür eingebracht? Dies da, und dies, und dies, offenkundige Fälschungen allesamt." „Gott steh' uns bei!" murmelte Cäsar. „Sie nennen mich einen Geizhals." sagte er.„Es heißt, ich schinde meine Leute bis auf die Knochen. Nun, für wen thue ich's denn? Wem zu liebe? Ich bin Dir in jeder Weise ein gütiger Vater gewesen und ein Narr obendrein, wenn auch nieniand es weiß," sagte er. „Niemand! Hat er gesagt, niemand wüßte es, Mr. Jelly?" fragte Cäsar, die Lippen zusammenkneifend. „Wenn Du mit meinem Vater zu thun gehabt hättest," sagte er,„so würde er Dich schon lange als Lügner und Dieb hinausgeworfen haben."—„Aber Vater," sagte Roß ganz kleinlaut.—„Ein Dieb bist Du, hörst Du wohl," sagte der Ballawhaine,„ein Dieb, der nur jeden Pfennig, den ich hatte, gestohlen und mich zu Grunde gerichtet hat."" „Das hat er gesagt?" fragte Cäsar. „Wort für Wort," bestätigte Jonaique.„Mein Alter horchte an der Küchentreppe, und Roß schlich sich davon wie ein geschlagener Hund." „Und wohin ist er gegangen?" „Zum Teufel wahrscheinlich l" „Nun, für den würde er mit zerbläutem Rücken gut genug sein. Schade, daß der alte Herr nicht den Stock genommen hat," meinte Cäsar.„Doch wo ist der Tauge- mchts hin?" „Mit dem Abcndpakctboot nach England hinüber, sagt man." „Gelobt sei Gott, von dem aller Segen kommt," sagte Cäsar. Ein knurrender Laut kam aus der Ecke hinter einer Wolke von Rauch hervor.„Ihr habt Eure eignen Gründe, das zu sagen, Cäsar," stieß der schwarze Tom mit rauher Stimme hervor.„Die Leute sprachen eine ganze Weile davon, daß er mit jemandes Tochter ebenso durchgehen wollte. wie mit dem Gelde des alten Geizkragens." „Antworte dein Narren nach seiner Narrheit." murmelte Cäsar. Da sprang die Thüre auf und Pete schwankte ins Zimmer herein. #)„The Pilgrim's Progress" von John Bnnyan. Sofort fuhren alle Pfeifen aus dem Munde und Grannies Nadeln hörten auf zu klirren. Pete war noch immer in bloßem Kopf, er sah gespenster- Haft bleich aus, und seine Augen schweiften unstät umher. Doch war er bemüht, sich den Anschein zu geben, als ob nichts geschehen wäre. Mit schrecklichem Lächeln nickte er im Kreise herum, wie der Soldat es zuweilen in der Schlacht thut, in dem Augenblick, da ihn die Kugel getroffen. Dann wendete er sich zu Grannie und bewegte die Lippen, als wollte er etwas sagen, brachte aber keinen Laut hervor. Endlich holte er seine Pfeife heraus, stopfte sie mit dem Zeigefinger, nahm vom Tisch einen Fidibus und ging nach dem Kamin, ihn anzuzünden. „Niemand... von... nieinen... Leuten... hier?" sagte er mit heiserer Stimme und hustete, Wärend die Flamme über den Pfeifenkopf tanzte. „Nein, Pete, nein," sagte Grannie.„Wen kamst Du denn suchen?" „Niemand," antwortete er.„Niemand besonders. O nein," dabei paffte er. bis ihm die Lippen zitterten, obschon die Pfeife keinen Rauch gab.„Bin nur eben hereingekommen, mir die Pfeife anzuzünden. Muß wieder fort. Wiedersehen, Leute. Tag, Grannie, Tag l" Keiner antwortete ihm. Er nickte wieder rundum, lächelte unheimlich, ging mit erzwungener Lässigkeit nach der Thür und schlenderte anscheinend gleichgültig zum Hause hinaus, im Munde die unangebrannte Pfeife und den un- bedeckten Kopf nach der Seite geneigt, als ob er den Hut recht verwogen darauf gestülpt trüge. Als er hinaus war, sahen sich alle mit Furcht und Ver- wundcrung an, als hätten sie bei hellem Tage einen Geist gesehen. Dann brach der schivarze Tom das Stillschweigen. „Leute," sagte er,„das war'ne verdammte Lüge." „Still," fing Cäsar an, doch die Einrede blieb ihm im Halse stecken. „'s geht in Ramsey was vor," fuhr der schwarze Tom fort.„Ich glaube wahrhaftig, daß ich ihm nachgehen muß." „Ich komme mit, Mr. Quilliam." sagte Jonaique. „Auch ich," erklärte John, der Küster. „Und ich— und ich." sagten die andren, und in einer halben Minute war die Stube leer. „Vater," wimmerte Grannie durch die Glasthür,„willst Du nicht lieber die Mähre satteln und sehen, ob Kitty was zugestoßen ist?" „Ich habe eben selbst daran gedacht, Mutter." „Dann rasch. Und der Herr habe Erbarmen mit uns allen!" XVIII. Sobald Pete außer Hörweite war, fing er an zu laufen. In einer halben Stunde war er wieder im Ulmenhause. „Sie wird inzwischen heim gekommen sein." sagte er zu sich selbst, aber er fürchtete sich, der Wahrheit zu plötzlich ins Auge zu sehen. Er schlich sich ans Fenster und horchte an der zerbrochenen Scheibe. Das Kind schrie und Nancy Joe sprach mit sich selbst und schluchzte, während sie die Kleine badete. „Gott segne das prächtige Herzchen. Sie ist so schön wie die Engel im Himmel. Hab' seine Mutter mit meinen Händen wohl hundertmal gebadet. Ja gewiß, vielleicht auch tausend- mal und noch mehr. Eine schöne Mutter I Was für Mütter es auch heutzutage giebt? Man muß ein Herz wie Stein haben, um so ein Kind zu verlassen,'s kann kein Tropfen Natur in ihr sein... Um Gotteswillen, Nancy, was hast Du gesagt! Du sprichst ja von Käthe. Deiner lieben, kleinen, herzigen Kitty und schwärzest sie an! Ach Gott! Du mein Gott!" Pete war außer stände hineinzugehen. Er schlich zur Kajüte im Garten zurück und lehnte sich an die Wand, um Atem zu schöpfen und seine Gedanken zu sammeln. Dann bemerkte er, daß der Hund auf dem Wege war und ihm die lange Zunge zum Halse heraushing. Er hatte aufgehört zu keuchen und fing nun jämmerlich zu winseln an, indem er nach dem dunkleren Teil des Gartens hinlief. „Er will mir etwas sagen," dachte Pete. Ein Karren rasselte eben den Sciteniveg entlang und der Schein der Laterne fiel durch das Gebüsch bis vor Petes Füße. „Das alte Thor muß offen sein," dachte er. Er sah nach und fand es bestätigt; ein neues Licht ging ihm auf. „Sie ist zu Philipp gegangen," sagte er sich.„Sie ist über Claughbane nach Ballnre gegange», mich zu suchen." Fünf Minuten später klopfte er im Ballurehanse an. Er holte stoßweise Atem, große Schweißperlen standen ihm auf der Stirn, noch immer war sein Kopf unbedeckt, aber er hielt sich tapfer, als ob nichts Schlimmes geschehen wäre. Das Mädchen war auf sein Pochen gekommen, eine große, freund- liche Person in schwarzem Kleid, weißer Schürze und schnee- weißer Haube. Pete nickte ihr zu und lächelte sie an. „Ist vielleicht jemand hier gewesen, der mich gesucht hat?" fragte er. „Nein, Herr, n— ein, ich glaube nicht." antwortete das Mädchen, dessen Gesicht ernster wurde, als es Pete näher ansah. Drinnen raschelte es wie Herbstblätter, worauf eine zirpende Stimme herausrief: „Ist's Kapitän Quilliam, Martha?" „Ja, Madam." Nun fand eine Besprechung im Flüsterton an der Thür zum Speisezimmer statt, und Tante Nan kam in die Halle gesegelt. Doch Pete war schon wieder draußen in der Dunkelheit. „Soll ich den Deemster rufen. Pete?" „Ach nein, Madam, nein, nein, es lohnt nicht, ihn zu beunruhigen. Guten Abend, Miß Christian, guten Abend." Tante Nan und Martha standen noch von der Lampe be- leuchtet in der offenen Thür, als das eiserne Gartenthor mit einem Schlage zufiel und Pete quer über die Straße schwankte. Er bog in die Gasse ein, welche unterhalb der Ballurc- schlucht zum Ufer hinab führt.„Es nützt nichts, sich dagegen zu sträuben, wenn es wirklich so ist," dachte er.„Die Ver- wirrung in ihrem Kopfe hat sie dazu getrieben. Arme Frau, armes Herz I" Er hatte gegen die furchtbare Vorstellung angekämpft, aber zuletzt zog ihn die Verzweiflung doch bis an den Hals hinein in den Sumpf. Der Mond stand hinter dem FelSufcr und Pete tappte unsicher durch die Schatten am Fuß der Klippen, wie einer, der nach etwas sucht, das er zu finden fürchtet. Er fand aber nichts und sein stockender Atem machte sich in einem Seufzer Luft. „Gott sei Dank, wenigstens nicht hier," murmelte er. Dann ging er am Ufer bis zum Hafen hin. Die Flut war uoch hoch, die Wellen umspülten ihm die Füße, auf der einen Seite lag das dunkle Meer, von keinem hellen Schein unter- brachen, auf der andren die stille, in den Schlaf sinkende Stadt mit verlöschenden Lichtern. Er erreichte das Ende des Steindammcs bei der Ocff- nung des Hafens, lehnte sich mit dem Rücken an die Seite Leuchtturmes, die nach dem Meer hinausging, und starrte in das graue Wasser, das unter der Rundung des Walles wogte und stöhnte. Eine schwarze Wolke glitt über den Mond, eine erschrockene Graugans kam unter den Damm- stufen hervor und schoß in den Nebelstreifen hinaus. Weiter war nichts zu sehen. Er ging nun am Rande des Quais entlang nach der Stadt zurück und blickte hinab in den Hafen, wenn er an die Stufen kam. Doch sah er nichts von dem Gegenstand, nach welchem er suchte.„Aber damals war hohes Wasser und jetzt ist Ebbezeit," sagte er sich. Er war am Ufer und auf dem Hafendamm niemand begegnet, als er jedoch an den Schuppen vorbeiging, die dem Ankergrund der Dampfschiffe gegenüber standen, traf er mit dem Hafenmeister zusammen, der, den Rock über dem Arm, nach Hause gehen wollte. Er versuchte die Frage an ihn zu richten, die ihm fortwährend auf der Zunge schwebte, aber er wagte es nicht und stammelte nur un- beholfen: „Nichts Neues heut abend, Mr. Ouayle?" „Sind Sie es, Kapitän? Wenn Sie nichts wissen, ich kann Ihnen nichts sagen. Nur unabhängige junge Leute wie Sie erfahren Neuigkeiten, nicht so arme alte Kerle, die an ihren Hafenposten wie mit'nem Ankertau gebunden sind. Ich habe Sie gleichlvohl gehört. Sie machten eine gewaltige Musik diesen Abend. Es muß hoch hergehen in Ballure, wie mir scheint." „Und Ihnen selbst ist nichts Neues begegnet, Daniel? Nein?" „Ausgenommen, daß ich die späten Abfahrten in letzter Zeit herzlich satt habe und froh sein werde, wenn man uns je eher je lieber einen Wellenbrecher baut. Wenn der junge Deemster das für uns durchsetzt, so will ich ihn loben." Sie näherten sich einer Laterne an der Ecke des Markt- Platzes. „Wahrscheinlich wissen Sie schon, daß der junge Ballawhaine mit dem Abendboot nach England gefahren ist? Man sagt. es hat Streit gegeben nrit dem alten Herrn. Doch, Mann— wo haben Sie denn Ihren Hut gelassen?" „Meinen Hut?" fragte Pete, mit der Hand nach dem Kopf fahrend.„O, der ist mir natürlich auf dem Danim draußen weggelveht worden." „Wirklich, Mann! Ist doch nicht eben viel Wind. Sie werden aber nach Hause wollen zur jungen Frau, he, Kapitän?" „Muß wohl!" sagte Pete mit hohlem Lachen. Und der Hafenmeister, der ein Hagestolz war, lachte noch herzlicher und fügte hinzu: „Ihr Ehemänner seid wie Adam; Ihr habt die Rippe Eurer Freiheit verloren, aber dafür eine kleine liebe Frau zur Gefährtin bekommen." „Hahaha l Gute Nacht!" lFortsetzunq folgt.) lNackibruck Vervoten.) Die Vev Vulkane. Trotzdem die vulkanischen Ereignisse zu de» eindrücklichstcn Er« scheinungen des Lebens in und auf der Erde gehören, und dein- zufolge das Interesse und das Nachdenken der Menschen schon vor Jahrtausenden haben erregen müssen, ivcitz man noch heule mit vielen Dingen nicht Bescheid, die sich bei einem vulkanischen Aus- brnch ereignen oder einen solchen herbeiführen. Unzählige Theorien sind darüber aufgestellt worden, aber innner bleibt ein Rest. So hat erst kürzlich der Geologe Gilbert in seinem Vortrage über den Mechanismus der Vulkane erkläre» müsse», das; er sich über die Art, wie die vulkanische Lava die Schichten der Gesteinskruste zu durchbrechen vermag, keine Rechenschaft zu geben im stände sei. Nach dieser Richtung hin verbreitet vielleiäü die Mitteilimg eines andren Forschers einiges Licht, der in der„Science" über die Explosionskraft der Vulkane spricht. Die Hauptrolle ivird dabei in ziemlicher lieber» einstimmung dem Wasser zugewiesen. Es ist aber nach der Meinung von Dr. Gordoil nicht das siedende Wasser oder der Dampf,' dessen Druck für die heftigen Aenhcrungen der vul- kanische» Kraft verantwortlich zu machen ist, sondern erst die Zersetzung deS Wassers in seine Bestandteile, also in Wafler- stoff und Sauerstoff. Mcln mutz sich die Sache so vorstellen, datz das Wasser von der Erdoberfläche in unterirdische Kanäle bis zu der Tiefe hinabdringt, Ivo der eigentliche Ursprung der vulkanischen Thätigkeit zu suchen ist. Dort findet nun eine überaus starke Er» hitzung statt. Das Wasser wird dadurch nicht sogleich zerlegt, sonder» wahrscheinlich zuerst in Dampf verwandelt. Da dieser aber nicht leicht einen Ausweg findet, sondern einer weiteren Erhitzung aus, gesetzt bleibt, so zersetzt er sich eben in Wasserstoff und Sauerstoff. Der Sauerstoff verbrennt, der Wasserstoff aber wird frei und dehnt sich in ungeheurer Kraft aus, die durch die fortgesetzte Er- hitzung von unten her noch dauernd gesteigert wird. Ein solcher Vor» gang würde auch eine Erklärung für das unterirdische Rollen und Rumpeln geben, das in einem Vulkan vor seinem Ausbruch zu höre» ist. Wenn' die Masse der auflagernden Gesteine nicht länger schwer genug ist, um dem bis ins Unmetzbare gewachsenen inneren Druck zu widerstehe», mutz sie nachgeben, und die Folge davon ist eine heftige Explosion oder vielmehr eine stürmische Ausdehnung der ein» gesperrt geweseneu Gase. Diese Ausdehnung erfolgt gleich, zeitig aufwärts, seittvärtS und abwärts in den Richtungen, wo sie auf den geringsten Widerstand stößt. Die Ex- plosion der Gase nach oben hin trifft auf die gewöhnliche Luft und drängt sie fürs erste zurück. Der Luftdruck aber zwingt die verdrängte Luft, wieder in ihre frühere Lage zurückzukehren. Die aus dein Vulkan hcmuSgeschleuderte» Gase bestehen demnach Haupt- sächlich ans überhitztem Wasserstoff, der sich selbstverständlich möglichst schnell mit dem Sauerstoff der Luft zu Wasser zu ver- eiiügcn strebt. Diese Vereinigung erfolgt neuerduigs unter heftigen Explosionen— eine Mischung von atmosphärischer Luft bildet das bekannte Knallgas— und dabei entstehe» die mit jedem Vulkan- außbruch verbundenen Flanimcnerscheinungen und häufigen Ent« ladungen. Der Vorgang nach der erfolgten Explosion im Erdinnern ist also umgekehrt wie der vor der Explosion im Erdinnern voll- zogene. Hier folgte einer Zerlegung des Wassers und einer hestigen Ausdehnung jetzt eine Neubildung von Wasser, verbunden mit einer Zusammenziehung und Verdichtung. Der entstandene Wafferdampf verdichtet sich um die durch die vulkanische Asche zahlreich gelieferten Staubkornchen zu Regentropftn, und die Folge ist ein heftiger Schlainmregen, wie er ebenfalls eine der hauptsächlichsten Begleit- erscheinungen vulkanischer Ausbrüche bildet. Es erklärt sich aus dieser Ausfassung der Umstand, dast die Schlammregen nicht nnniittelbar über dein Krater, sondern erst über die «was weitere Umgebung des Kraters niedergehen. Das Ereignis der Eruption läht sich nun auf demselben Wege noch weiter ver- folgen. Wenn sich der ausstrvniende Wasserstoff mit den» Sauerstoff der Luft zu Wasser verbunden hat, must notwendig eine Zusammen- ziehung und infolgedessen ein luftleerer Raum über dem Vulkan entstehen. Diese Leere aber wird sofort dadurch ausgeglichen, daß die Luft von allen Seiten herzustürzt, um das Gleichgelvicht her- zustellen. Auf dieser Thntsache beruhen die heftigen Wirbel- stümie, die gleichfalls zu den gefürchtetcn Naturereignissen während eines BulkanauSbruchs gehören. Bänme werden ent- wurzelt, ganze Häuser nicdergeweht, den Menschen die Kleider vom Leibe gerissen. Erscheinungen,'wie sie gänzlich auch beim Unter- gang von St. Pierre zu beobachten gewesen sind. Die Kleidung bietet dem in unmittelbarer Nähe eines BulkanausbrnchS befind- lichen Meilschen Schutz, wie etlva der Schirm in der bekannten Sicherheitslampe von Davh. Sie verhindert nämlich die Zersetzung der zwischen der Kleidung und dem Körper befindlichen Lust durch die Wasser- stoffgase. Fällt dieser Schutz jedoch fort, so erfolgt die explosive Vereinigung des Wasserstoffs mit der Luft unmittelbar auf dem menschlichen Körper und bringt ihm schivcre Brandlvunden bei. Die plötzliche Bildung eines luftleeren oder wenigstens stark luftverdünnten Rannies in der Umgebung des Vulkans erklärt auch den plötzlichen Tod der Opfer durch Lustmangel, indem eine Ueberfüllung des Gehirns mit Blut, eine vollständige Lähmung und Erstickung erfolgt. Leider scheint bisher au den Leichen der Opfer der letzten VulkanauSbrüche keine Untersuchung vorgenommen zu sein, um festzustellen, ob der Tod auf diese Weise erfolgt ist.— E. T. Kleines �euillekon» — Heitere Schul- Erinucrnugc». In der.Frankfurter Zeitung" teilt einer der Wirklichkeit entnommene Profcfforen- ausspräche mit, von denen die folgenden hier Platz finden mögen: .Sie babbeln gerade, ivie die Gänse krähen." „Mayer, wenn Sie in die Klasse hereinkommen, meine ich immer, eine Eisenbahn käme daher getrampelt." „Man darf ihn packen, Ivo man will, da kommt ein Blödsinn heraus." „Weil die Esel überall nur zwei Ohren haben, köuucn auch Sie nicht iveiter zählen." „Halten Sic doch Ihr Buch mit Ihren zehn Pfoten fest I" „Ich will nicht mehr sehen, daß mit den Gesichtern nach links oder rechts geblinzelt wird." „Der Ochse kann nicht reden, weil er keine Sprache hat." „Der Mensch ist viel gescheiter als andre Tiere." „Die Kartoffeln sind das nützlichste Getreide." „Wie die Schildkröte(in der bekannten Fabel) aus der Luft fiel, hat sie sich die Rase eingerannt." „Wo der Getreidebau nicht lohnt, wird gewöhnlich Vieh an- gebant." „Wir wissen nicht, ob es auf andren Erdteile» auch Menschen giebt." „Er starb kurz vor seinem Tode." „Die Zunge hängt ihm heraus, so lang lvie ein Jagdhund." „Wenn der Bauer nach Hause kommt, kommt's Vieh heim." „Denken Sie sich ein längliches Quadrat mit runden Ecken." .Cicero donnerte mit seinen Augen auf die Staatsfciude loS." „Alexander ritt inr Indus an der Spitze seiner Flotte." „Zur Zeit des Kurvereins zu Rhense war der Papst Johann XXII. nicht niehr tot." „Mit dem Schlverte in der Hand bahnte sich der Leichnam einen Weg durch Italien." „Der Papst wurde wieder hergestellt, nachdem er früher eine römische Republik geworden war." „Margarete von Anjou war ein ganz anderer Mann als Heinrich VI." „Fast alle katholischen Universiläte» waren Jesuiten." „Der Kaiser war selten krank; aber wenn er krank war, ver- lief die Krankheit immer tödlich." „Sein Tod trat von IS66 bis 1700 ein." „Ohne Bewilligung des Reichstages durfte kein männlicher Thronfolger sterben." „Prinz Eugen konnte nicht mehr viel ausrichten, da er ohnehin schon tot war." „Es wäre am besten gewesen, wenn Friedrich der Graste sich Von dem Schlachthause zurückgezogen hätte." „Friedrich der Grotze schlug mit 20 000 Mann 90 000 östreichische Armeen." „Peter der Große liest die Leichen, solange fie lebten, hängen." „In der Rächt vom 6. zum 8. November fand die Verschwörung statt." „Max II. war der protestantischen Kirche so geneigt, dah es schien, er wollte katholisch werden." „Im vorjährigen Jahrhundert waren die Zustände ganz anders." „Als die Feinde mit ihren Schiffen ins Land hereinfielen, durch« stachen die Holländer die Deiche und setzten das ganze Meer unter Wasser." „Wie der König starb, änderte er seine Politik." „Ludwig XIV. hat erleben müssen, daß er sich selbst und seinen Ruhm überlebte." „Der Geburtstag des Angnstus, der zur Zeit der Geburt Christi regierte, wurde mit Böllerschüffen gefeiert." „Die Frau des Winterkönigs ging in Holland über." „Die Franzosen besetzten Mantua, um den Ocstreichern den Rücke» abzuschneiden." „Unter Ludwig XIV. ivaren die Zierbäume gerade so zugeschnitten wie die Leute am Hofe." „Im Homer kommt oft vor, dast die Götter trinkend und rauchend beisammen sitzen." „Zwei schlesische Schulen, die sich die Poesie zum Vorwurfe machten." „Nachdem Medea den PeliaS getötet hatte, muhte sie mit ihm flüchten." „In Emilia Galotti hätte Marinelli die Orsini zum Fenster hinausjage» sollen." „Der Maler muß sich in die Augen eines Liebhabers ver- setzen." „Die Burg hatte den Ehrgeiz, die schönste zu sein." „In den früheren Kirchcnbauten stand der Pfarrer auf der Kgnzel und die Gläubiger standen drum herum."— „Er hat sich durch Selbstmord enthauptet." „Sie hatten sich mit Stockschlägen belvaffnet." „Wenn der Vater gestorben ist, sagt er zu seinem Sohn: Ucber« nimm Du das Gut I" „Wenn sich ein Mensch den Tod giebt, dann will es keiner ge« Wesen sein." „Die Schüler, die noch zu trocken hinter den Ohren sind, laufen am liebsten dorthin, wo die Wirtschaften zusammenlaufen." „Man sah, wie seine Stirn ein finsteres Gesicht machte." „Ein schlauer Mensch ist mit allen Hunden gepeitscht." „Beim Herein- und Hinausgehen müssen die Thürk» geschlossen bleiben."— — Gefälschte Steinzeit-Fnude. In dieser von uns in Nr. 132 de? Ilnterhaltnngsblattcs berührten Angelegenheit wird der Wiener „Neuen Freien Presse" aus Baden geschrieben: Die vom Bezirks- gerichte in Baden verfügte Beschlagnahme der auf dem Halserriegcl bei Baden gefundenen Beinschnitzcreien, die als vorgeschichtliche Funde bezeichnet wurden, hat großes Aufsehen erregt. Die Erhebungen zur Eruierung des Fälschers werden sehr nachdrücklich betrieben. Viele Anzeichen sprechen dafür, dast diese Fälschungen ganz planmäßig in- scenicrt wurden. Besonders bezeichnend ist, dast mehrere Personen an demselben Tage, an dem der Kustos des Hofmuscums Herr Joseph Szombathy die Funde genau untersuchte, dieselben, obwohl siesiegarnicht gesehen halten, als Fälschungen bezeichneten. Dieser Umstand fällt um so niehr auf, als selbst Kenner, welche die Fundstücke wiederholt gesehen hatten, dieselben für echt hielten. Der Nachtveis, daß die Funde plumpe Fälschungen sind, wäre überhaupt sehr schwierig ge» wesen, wenn nicht die angeblichen prähistorischen Bernsteinperleii ganz unwiderleglich als gefälscht nachgeiviesen worden wärem Die sämtlichen Funde wurden im Laufe einiger Wochen nach den Angaben des Herrn Wichack, der dieselbe» auffand, am Halserriegel, einem langgestrecklen Hügelrücken, der südlich von Baden gelegen ist nnd von dem Bahnkörper der Südbahnstrecke nach Vöslau durchschnitten wird, gemacht. Auf dem südlich vom Bahnkörper gelegenen Teile des Hügels wurde schon im Jahre 1891 eine vorgeschichtliche Ansiedelung konstatiert, und es fanden sich dort auch viele interessante prähistorische Artefacte auS Feuer- und Halbedelsteinen, besonders schöne Pfeile aus Tarneol und Jaspis vor. Auf dem westlich gelegenen Teile des Hügels, der eine große räum- liche Ausdehnung hat und im Jahre 1841 beim Bau der Südbahn gegen 20 Meter tief abgegraben wurde, wurde» bis zu den neuerlichen Funden nur vereinzelte Feuerfteinsplitter und Muttersteine, die noch unbearbeitet waren, gefunden. Die zahlreichen merkwürdigen Knochen- fuude erregten daher um so größeres Aufsehen, da derartige Stücke über- Haupt bis jetzt nicht bekannt waren. Viele Kenner sind der Meinung, daß es. wenn der Fälscher nur etwas geschickter zu Werke gegangen wäre, sehr schlver sein ivürde, die Fälschung festzustellen, da die Ver- Wendung der alten Knochen zu denselben auch den Fachmann irre führen kann. Auffallend ist es, dast die Tiergestaltcn, ivelche auf den Knochen angebracht sind, alle, ivenn auch in priinitivcr Weise, nrwelt- liche» Tierarten nachgebildet sind, die»nr einem Fachkundigen bekannt seil« können. Mehrere Wirbelstücke, die als Anhänger gearbeitet sind, zeigen Fragmeute von Tierköpfen, die nicht näher zu be- stimmen sind. Einzelne Knochen und Gclveihstücke sind mit mehreren Figuren geschniückt und die aus Hirschgewcihstücken und Knochen gearbeiteten Nadeln und Pfriemen sind ganz täuschend den alten prägeschichtlichcn Fundstücke» nachgebilder. Zum Teils find diese Stücke„Bcinkünsteleicn", wie sie bei den Aus» grabungen der Königshöhle bei Bade» gefunden worden sein sollen. Auch diese Funde sind dadurch verdächtig geworden, und es muß erst festgestellt werden, ob sie nicht mit den auf dem Halserriegel ge- machten im Zusammenhang stehen. Jedenfalls tverden die ver« dächtigen Stücke, die sich im städtischen Rollett-Muscum und in den Mnscal-Scimmluügcn des Vereines der NicderöstrcichisKen Landes- freunde befinden, einer genauen Prüfung unterzogen iverden»uissen. Es ist aber auch schon festgestellt, dah sich in beiden Satnmluiigen Fälschungen befinden, die angeblich schon vor inehreren Jahrzehnten gefunden ivnrdcn und mit den jetzt gefundenen Fälschungen eine un- verkenubare Aehnlichkeit haben, obwohl sie von ganz andren Personen gefunden wurden.— Kulturgeschichtliches. — V o in Leben der Lehrer i» der guten alten Zeit giebt eine Abhandlung„Zur Geschichte des Volksschulwesens fm Kapitel Crailsheim", die Pfarrer Dr. Schinid in den„Württcm- bergischen Viertcljahrsheften für Landcsgcschichte" beröfieutlicht, eine anschauliche Vorstellung. Die Vorbildung des Schulmeisters ivar in der Regel gering, llirtcr den 20 Schulmeistern, die in dem IliSS an das Konsistorium in Ansbach erstatteten Bericht vorkommen, sind nur drei, die für ihren Beruf vorgebildet waren. Alle übrigen waren Handiverker oder nur Tagelöhner, die zur Verbesserung ihres Ein- kommens das Schulhalten übernommen hatten. Das abenteuerlichste Leben unter diesen Schulmeistern hatte ei» geborener Crailsheimer, der Schulnieister Johannes Wagner in Grüudelhardt, hinter sich:„Er ist in seiner Jugend in Crailsheim in die lateinische Schule gegangen, und weil sein Vater arm war, hat er ihn gen Neckarsulm gethan, allda er von einem fiirnehmcn Wirt in die Rechenschule geschickt worden, besser schreiben und rechnen zu lernen, der ihn nachmals für einen Kellerjungcn gebraucht; danach ist er gen Wien in Oestreich kommen Und in fürnehmen Wirtschaften 10 Jahre für einen Kellner aufgewartet; als dann im Krieg(er hat dem römischen Kaiser laut seines Abschiedes für einen Furrier dem Obersten Fernberger 108 Monat und 4 Monat unter dem Grafen Maximilian von Wallenstein gedient) und nach seiner Heimkunft hat er seinem Vater helfen arbeiten und Graben machen, bis ihm vor 3 Jahren der Schuldienst hier ist anvertraut worden; er er hat ei» altes, nunmehr betagtes Weib, so vorher. ein Korporal unter den Kaiserlichen gehabt". Ilcber sein Privatleben giebt der Pfarrer ein gntes Zeugnis. Er hat seine Postill und Katcchisinuspredigtcn, so ich ihm gegeben; darinnen liefet er fleißig; im gemeinen Leben ist er nicht zänkisch noch hadersüchtig, im Nhrrichten, Läuten, Schlagen und andern Kirchendiensten fertig»nd richtig, und wen» er etlvan von einem Bauern, dem er eine Supplikation stellt, für seine Müheivaltung ein Trünklein Wein bekommt, gehet er still heim und legt sich in sein Bett, und weil er in der Fremde und langwierigen Krieg etlvas erfahren, wird er demütig und diskret, respektiert seinen Pfarrer, so daß ich ihn wohl leiden mag." Es ist kein Wunder, daß die Kenntnisse dieses Schulmeisters mannigfach zn ivünschen iübrig ließen. Vom Schulmeister von Triensbach berichtet der Pfarrer, daß er seine Schüler so weit bringe, daß sie lesen und einen Namen besser als er schreiben können; weil er selbst in seiner Jugend versäumt worden, kann er im Katechismus nur das wärt- liche Hersagen lehren. Von dem Schulmeister in Wcstgartshausen heißt es, er thue sein Bestes, nur sei er etwas schlecht im Schreiben. Der unmittelbare Uebergang vom Handwerk oder Bauerngcschäft zum Schuldienst auf dem Dorfe erhielt sich bis ins letzte Viertel des 18. Jahrhunderts, ja noch darüber hinaus. 1742 bat um den Schuldienst in Gründelhardt ein Schulmeisterssoh» Reiner, den fein Vater„mit große» Kosten im Schulhalten hatte informieren lassen," seit zwei Jahren ist er Lakai bei einem Hofrat in Ans- bach,„ivcil er bei herannahenden Jahren ist»nd auch schon wegen seiner erlernenden Schneiderprofession in der Fremde vieles er- fahren hat. möchte er sich mit einem Stücklein Brot versehen Ivissei». 1788 bat ein Schulmeister in Ellrichshause» für seinen Sohn, der die Schulmcisterei und Schneiderei erlernt hatte, um eine Anstellung. Dem Schulmeister in Engelhardshausen gab der Dekan 1808 das Zeugnis, er verstehe seine Esse und seinen Ambos weit besser, als ein gntes Schulbuch. Dieser Schulmeister hatte allerdings keine andren Bezüge als 32 Kreuzer für ein Kind von der Winter- schule und von der Sonnnerschule eine geringe Grasnntzung. Bis in das 17. Jahrhundert erhielt sich der Brauch, daß der Schulmeister alljährlich aufs neue um seine» Dienst anhalten oder,>vie der Ans- druck lautete,„die Schlüssel auflegen" mußte. Noch 1072 kündet die Gemeinde von Tiefenbach ihrem Schulnieister ivegen seiner Ver- tveigernng des Schlüsselanfnehmcns anläßlich der Annahme des Gänsehirten den Dienst ans.— Archäologisches. — Für die Treue und Zuverlässigkeit der Berichte H e r o d o t s, die ja oft angezweifelt worden sind, hat ein Fund. der in Susa, der Hauptstadt Persicus, im vergangenen Jahre gemacht worden ist, einen deutlichen Beweis geliefert. Dort fand, nach der „Vosssichen Zeitung", M. de Morgan einen massive» Würfel aus Bronze, 93 Kilogramm schwer, der ans seiner Oberfläche eine griechische Inschrift trug, deren Buchstaben so angeordnet wyre», ßaß sie ununterbrochen bald von rechts nach links, bald von links nach rechts gehen(man nennt das bustroxhsclon). In dieser Inschrift heißt es, daß der Würfel von zwei Einwohnern von Milet dem didyniäischen Apollo geiveiht wurde, dessen Heiligthum im Gebiete von Milet lagerte. Run weiß man, daß der Tempel des didymäischeu Apollo von den Persern zerstört «nd seine Schätze geplündert und weggeführt wurden;»ach Strabo und Pausanins geschah dies im Jahre 479 durch ücerxcs. und die Schätze lvurden»ach Ekbatana geführt; nach Herodot dagegen war Veramwortlicher Redacreur: Earl Leid i» Berlin. Darins der König, der 494 den Tempel plünderte und verbrannte, und die Schätze lvurden nach Susa geführt. Der Fund, den de Morgan gemacht hat, zeigt deutlich, daß Herodot bester unter» richtet ivar als die Geschichtsschreiber, die abweichend von ihm be- richten.— Gesundheitspflege. — Arsenikhaltige englische B i e r e. In dem von Dr. van Hainel Roos und Harmsens in Amsterdam herausgegebenen „Mouatsblatt gegen Verfälschung von Nahrungsmitteln" iverden inter- essnnte Mitteilungen über englisches Bier gemacht. Man wird sich erinnern, daß im vorigen Jahre in England eine förmliche Bestürzung herrschte, nachdem sich zahlreiche Erkrankungen und Todesfälle durch den Genuß arsenikhaltige» Bieres, das mit unreinem Kartoffel- syrup gebraut tvorden war, herausgestellt hatten. Große Massen solchen Bieres fanden den Weg nach dem Festlande, und auch in Holland ivurde iviedcrhvlt Arsenik in englischen Bieren nachgeiviesen. Die englischen Brauer wollte» an das Vorhandensein von Arsenik i» ihrem Bier nicht glauben, bis man ihnen den Giftstoff in der bekannten metallischen Spiegelform selbst vorlegte. Neuerdings sind, tvie im „British Medical Journal" vom 7. Juni von Dr. Woodyatt mitgeteilt wird, wieder einige Vergifttingsfälle durch arseuikhaltigesBier festgestellt worden. Es mag bemerkt werden, daß Arsenik nicht durch arscnikhaltigcn Künstdünger, mit dem die zum Brauen bestimmte Gerste und der Hopfen gedüngt iverden, in das Bier kommt. Früher war die Sache zlveifelhaft, aber die von Prof. Dr. Peterniann, Direktor des belgischen Staatsladoratoriums in Gembloux, angestellten Versuche haben be- lviesen, daß Arsenik im Grund und Boden erst bei einer Menge von 0,1 Proz. giftig ivirkt, und um diese Ziffer zu erreichen, müßten auf das Hektar jährlich wenigstens 1000 Kilogramm Superphosphate mindestens zehn Jahrhunderte lang gebraucht werden. Durch weitere Versuche ist ferner nachgeiviesen ivorden, daß Hopfen, Gerste und Zuckerrüben auch bei Verwendung von arsenikhallendem Kunstdünger keine Spur Arsenik enthielten. Der Arsenikgchalt des Bieres ist also ausschließlich auf die Beifügung unreiner Glukose zurückzuführen. Dr. Hutchinson in London schreibt denn auch die erschreckende Zu- nähme des Krebses in England zu einem guten Teile der Vergiftung durch Arsenik zu. da der iviederholte Gebrauch solcher Genußmittel, auch wenn der Arsenikgchalt nur ganz gering sei, schließlich zerstörende Wirkungen der schlimmsten Art für den Körper herbeiführen müsse.— („Kölnische Zeitung.") Notizen. — Die„Moderne Bühne" wird in ihren Sondervorstellungen u. a. folgende Novitäten bringen:„So ist das Leben" von Frank Wedekind,„Schivaiieniveiß" von August Strindberg,„Die iveiße Fürstin" von Reiner Maria Rilke und„Gestern" von Hugo v. Hoffmannsthal.— — In M e i d l i n g bei Wien soll ein Anzengruber- Theater errichtet werden; man ivill 6000 Anteilscheine zu 100 Kronen ausgeben, um das nötige Kapital zn beschaffen.— — Das Berliner Brettl„Die bösen Buben" ivurde am Sonntag in Karlsbad ausgepfiffen.— —„Pigevols Onkel", eine Operette von Dr. Hugo Felix, wird die ziveite Novität des C e n t r a l- T h e a t e r s in der kommenden Saison sein.— — Karl G o I d m a r k hat die Partitur zu seiner Oper„G ö tz von Berlichingen" fertiggestellt und das Werk der Direktion der Wiener Hosoper übergeben; die Aufführung ivird in diesem Herbst erfolgen.— — Der Wiener Hof-Opernsänger Reiche nberg wurde Ivegen Geistesgeftörtheit unter Kuratel gestellt.— — In der Nähe des serbischen Dorfes Kostolaz an der unteren Donau lvurden im Auftrage des serbischen Nationalmuseunis in diesem Jahre Ausgrabungen an der Stelle der einstigen römischen Stadt Vinunacium vorgenommen. Bereits hat man mehrere Bauten bloßgelegt und hierbei verschiedene wertvolle Gegenstände gefunden. Vor einigen Tagen stieß man auf ein verfaultes Fäßchen, daS 83 Kilogramm römischer K u p f e r m ü uzen enthielt, nach ungefährer Berechnung gegen 63 000 Stück. Die ältesten dieser Münzen sollen aus der Zeit Caracallas stammen.— — Einsturz des Glockenturmes von San Marco in Venedig. Ein Telegramm meldet: Der Glockenturm von San Marco ist heute(14. Juli) früh Ob's Uhr eingestürzt; auch die ihm vorgebaute Loggetta des Sansovino und die anstoßende Ecke des königlichen Palastes sind zerstört. Ein etwa 30 Meter hoher Trümmerhaufen bedeckt die Stätte, wo sich bisher der herrliche Bau erhoben hatte; der Markusplatz und die ganze Umgebung sind mit Steintrümmern und Staub bedeckt.— Der 100 Meter hohe Turm stammte aus dem 12. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert wurde von Sansovino an dem Turme eine reich geschmückte Loggia angebaut. Erst kürzlich hatte eine Kommission von Architekten den Turm be- sucht, da es sich um eine neue Bcmalung desselben handelte. Die ersten Risse lvurden am Sonnabend bemerkt. Ani Montag sollte der Turm gestützt iverden. Die Ursache des Einsturzes ivird auf Unter- Waschung des Erdreichs und Zerstörung des Pfahlwerkes zurück- geführt.— Druck und Verlag vor. Max Bading tu Berlin.