Interhaltnngsblalt des Worwürls Nr� 240. Dienstag, den 22. Juli. 1902 iNachdnill mbotHt.i eo) Vev �MAnksinAnn. Romav von Hall C a i n e. Sulorifterte llebersetzung� IN. Am nöckisten Tage schrie der Ausrufer:„Grcße Ver- samnilung der Fischer, im Zickzack zu Peel, früh morgens, nach Ankunft der Boote— Protest gegen die Hasensteuer." „Das kommt wie gerufen," dachte Pete und preßte die Hand von außen auf seine Brusttasche. Um fünf Uhr nach- mittags ging er zum Hafen hinunter, wo seine„Nickey" am jDuat lag. und rief dem Schiffsführer zu:„Nehmt heut nacht einen überzähligen Mann mit, Mr. Kemish dann sprang er aufs Deck und half das. Boot in die Bucht hinaus bringen. Man mußte es mit Stangen längs des Quais hinschieben, denn der Wasserstand war niedrig und kein Wellenbrecher vor- Händen. Es war erst der Anfang der Heringszeit, aber die Fischerei schon in vollem Gange. Fünfhundert Boote aus allen Teilen der Insel zogen auf den Fang aus. Der Heringsgrund lag an dem Südwestende der Insel. sEhe Petes Boot ihn erreichte, hatte die ganze Flotte sich zu- fammengcschart wie ein Flug Seevögel; die Sonne stand schon tief am Himmel. Sie ging an jenem Abend sehr zornig und rot hinter den Bergen von Mournc unter; gegen Nordwest war der Himmel dunkel und drohend, die runde Linie des Horizonts undeutlich und gebrochen— es gab aber wenig Wind und das Wasser lag ruhig. „Beilegen und los," rief Pete und sie segelten nach dem Teil der Flotte, der dem Lande zunächst lag, gegenüber der Schulter des Calf- mit seinen zwei ineinander fließenden Lichtern. Das Boot wurde mit dem Bug gegen Wind und Flut gebracht, das Netz vom Steuerbord ausgeworfen und der Bug der Linie der schwimmenden Mollags zugewendet; Boot und Netz fingen an, zusanimen weiter zu treiben. Man tischte das Abendessen auf und arbeitete an der Punipe; die Lichter wurden aufgezogen und das kleine Boot ausgeschickt, um mit einem flackernden Licht die bösen Geister ringsum zu verscheuchen; dann sank die Nacht herab, eine finstere Nacht ohne Mond, ohne Sterne, welche die Insel verbarg, so nahe sie war, selbst die sonst weithin sichtbaren Felsen„Henne und Küchlein". Der Mann, der die erste. einstündige Wache hatte, trat ans Steuer; die übrigen gingen Hinunter. Petes Schlafstelle war unter dem Kompaßhäuschcn, wo eine Lanipe brannte, deren Licht auf einen schon mit der Marke versehenen Briefumschlag fiel, den er von Zeit zu Zeit aus der Tasche zog, um die Aufschrift zu lesen. Sie lautete: Kap'tän Pietr Ouilliam Ulmenhaus. Namsey I. 0. Man. Er blickte das Schreiben zärtlich, innig, sehnsüchtig an, und doch mit einer gewissen Scheu, als ob es ein verschlossenes Schatzkästchen wäre und er kaum wüßte, was es enthielte. In der matt erleuchteten Kajüte war es ruhig, der Dampf- kessel spritzte dann und wann Tropfen heißen Wassers um sich herum, das Feuer des Kochherdes brannte immer mehr herunter, die Männer atmeten schwer in ihren verborgenen Schlafstätten und das Meer bespülte das treibende Boot. „Was mag sie wohl schreiben— ich wüßt' es gern. Gott behüte sie!" murmelte er, und dann schlief auch er ein. Zwei Stunden vor dem Fischzug untersuchten sie den Grund, indem sie ein paar der Netze einzogen. Da sie reich- lich Heringe vorfanden, wurde mit dem Horn ein Zeichen ge- geben, daß die Probe gut ausgefallen war. Dann fuhren aus dem Umkreis der schwarzen Tiefe rings umher, in der kein Boot zu sehen war, die Lichter andrer Boote still von hinten heran, bis sie sich zusammen in der Dunkelheit wie eine kleine Stadt mitten im Meer ausnahmen. Als der erste Morgenschein über dem runden Berg- Vorsprung des Calf sichtbar wurde, erwachte die kleine Stadt. Man hörte das Knacken der Gangspille und die Rufe der Leute, wenn die Netze schwer und weiß von Fischen zu den Booten zurück kamen. Als der ganze Fang an Bord gebracht war, knieten die Männer in gewohnter Weise auf dem Deck nieder, das Gesicht in der Mütze verbergend; gleich darauf sprangen sie mit einem lauten Schrei.'(vielleicht einem Fluch) in die Höhe, drehten das Schiff nach dem Wind, hißten die Raasegel und fuhren nach Hause. Der dunkle Nordwest hatte sich inzwischen stark verfinstert und die Wellen gingen hoch. „Zum Frühstück, Jungen!" rief jetzt Pete, der den Kopf aus der Kajütenluke hervorstreckte, und alle bis auf den Mann am Steuer gingen hinunter. Hier stand ein Topf voll der überzähligen Fische, und ein jeder aß seine Warp Heringe.') Der nächtliche Fischzug war ungemein ergiebig gewesen. Einige Boote waren bis zum Rande gefüllt und alle hatten mehr als genug. „Wir werden ein leidliches Geschäft machen, wenn wir guten Absatz finden," sagte Pete. „Wenn wir nur erst wieder zu Hause wären," meinte der Schiffer, und in demselben Augenblick traf eine mächtige Woge mit der Gewalt eines Schmiedehammers die Luvseite des Bootes, und der Kloben am Topp des Mastbaumes fing an zu singen. „Wir wollen heute morgen in Peel anlaufen, Leute." sagte Pete mit gedämpfter Stimme, weil er den Mund voll hatte. „Peel?" sagte der Schiffer und ließ die Unterlippe hängen. „Der Hafen dort ist ja nicht einmal gut genug für'ne frische Brise, geschweige für einen Nordwest." „Ich will zur Fischerversammlung gehen," sagte Pete kurzweg. So legten sie denn um, ehe der Sturm losbrach, und fuhren mit der Flotte weiter, die wie ein Flug Möwen, Boot an Boot gereiht, vor dem Winde dahinschoß. Die Wellen rollten mit Macht heran und bespülten die Gesichter der Männer, die in ihren geölten Leinwandkitteln vor der Schiffs» luke saßen und die Heringe aus den Netzen in den Kielraum schütteten. Ihre eigentliche Arbeit fing aber erst in Peel an. Es war Flutzeit, und einen Wellenbrecher gab es nicht, die Einfahrt zum Hafen war eng, und vierhundert Boote kamen, Schutz zu suchen und ihre Fracht zu landen. Es war eine Scene voller Auf- regung und Verwirrung. Die Menschen schrieen, fluchten und stießen sich; die Boote drängten und quetschten sich knirschend an einander, um die Einfahrt zum Hafen zu gewinnen; man warf immer neue Taue auf den Quai hinüber, wo schon fünfzig um einen Pfosten gewunden waren, oder suchte Anker- grund längs des Felsenufers am Schloßberg, das steil empor- stieg und wenig Sicherheit bot. Es gelang Pete zwar, ans Ufer zu kommen, seine„Nickey" mußte aber mit der halben Flotte wenden und um die Insel herum fahren. Als er ans Land sprang, kam der ratlose Hafenmeister auf ihn zu, der sich bisher vergebens bemüht hatte, durch sein Sprachrohr Befehle in den Wirrwarr zu brüllen.„Um des Himmels willen, Kapitän Quilliam," rief er,„wenn Sie einen Freund haben, der sich unsrer annehmen kann, so gehen Sie uni sieben Uhr zur Versammlung." „DaS war so wie so meine Absicht," sagte Pete, er hatte aber erst noch etwas andres zu thun. Es galt den Plan auszuführen, um dessentwillen er nach Peel gekommen war, und das mußte ganz unbemerkt geschehen. Leise und heim- lich, wie einer, der etwas Verdächtiges thut, sich aber das Ansehen giebt, als habe er nichts Besonderes vor, durchschlich er die Stadt. Er ging hinter dem alten Gerichtshause vorbei, durch die Schloßstraße auf den Marktplatz und quer über diesen hinweg bis zu der Reihe von Kaufläden, welche den Hauptverkehr unterhalten. Bei einer kleinen einfeustrigen Bude, deren Laden noch geschlossen war, während die Thür halb offen stand. blieb er müßig stehen, drehte sich halb auf dem Absatz herum und schaute wie auS bloßer Neugier noch einmal zurück. Drinnen hörte man das Geräusch des Abstempelns; es war das Postamt. Nachdem er sich abermals verstohlen ringsum gesehen, griff er mit zitternder Hand in die Brusttasche, zog den Brief *) Wenn die Fischer ihre Heringe abzählen, sögen sie zu jedem Hundert drei Fische, die sie mit dem Namen Warp bezeichnen. hervor, verbarg ihn hinter seiner großen Handfläche nnd steckte ihn in den Briefkasten. Dann wendete er sich rasch ab und eilte, als fürchte er, verfolgt zu werden, schon im nächsten Augenblick ein steiles, gewundenes Eäßchen hinab, das ans Ufer führte. Es war noch früh ani Morgen, die Kaufläden hatten sich noch nicht geöffnet, nur ans den Fischer- Häusern stiegen kräuselnde Rauchwolken auf; in den stillen Straffen hallte jeder seiner Fußtritte wider. Desto lebhafter ging es auf der Uferstraße zu. Trupp- weise zogen die Fischer in Wasserstiefeln und Wachstaffet- hüten, den geölten Leinwandkittel über den Arm und eine Schnur aufgereihter Heringe in der Hand, vom Hafen auf dem Zickzackweg den Creg-Malin-Felsen hinauf. Er lag am Ende der Bucht, wo Klippen, Strand und Meer eine Art Sack bilden, der dem engen Boden eines Schleppnetzes gleicht. „Es wird nie an die Fischer, immer nur an die Land- Wirte gedacht", sagte der eine. „Jawohl", meinte Pete,„und wir selbst sind zum Teil daran schuld." „Wieso?" fragte jemand. „Das will ich Euch sagen. Als ich von Kimberley heim kam, begegnete ich einem alten Fischer. Sie kennen den Mann, Wilm. auch Sie, Daniel— Phil Nelly von Ramscy. „Wie geht's mit der Fischerei, Phil?" fragte ich.„Hm!" gab er zurück und zuckte die Achseln,„ich bin kein Fischer mehr. Die Frau hält eine Fremdenpcnsion."„Nun, und was thun Sie denn?" fragte ich.„Ich gehe spazieren." Und dabei hatte der Mann, weiß Gott, einen Kragen um und trug einen Stock in der Hand und schwatzte von Zcitungs- anzeigen, um die Insel den Fremden zu empfehlen." Während Pete sprach, hatte sich eine Gruppe der Männer um ihn versammelt.„Und das ist noch gar nicht der Schlimmste," sagte er.„Neulich bin ich fast über Tom Hommy gestolpert— Sie werden doch Tom Hommy kennen, den kleinen tauben Mann, der auf dem Bergweg nach Ballure wohnt. Er lag dort in der Hecke bei der Schenke." „Warum sind Sie nicht mit den Booten draußen, Thomas?" fragte ich ihn.„Weschhalb sollt' ich mit den Booten auschgehen, wenn die Kindersch mehr auf der Schtraffe einnehmen können?" sagte der betrunkene Taugenichts.„Und sind das Eure Buben und Mädchen, die neben den Wagen der Vergnügungsreisenden herlaufen und Purzelbäume schlagen?" fragte ich.„Ja," sagte er,„und sie nehmen mit ihren Bocksprüngen an einem Tage mehr ein, alsch ihr Vater in einer Woche bei den Heringen". „Glaubs gern." sagte einer.—„Der Mann hat so un- recht nicht," ein andrer, und eine mürrische Stimme aus dem Hintergrunde rief:„Der Wohlstand der Insel wächst zusehends seit dem Fremdenbesuch." „Schweigt still, Ihr Leute I Ihr seid den Namen eines Manksmanns nicht wert," donnerte Pete über die Köpfe der andern hinweg.„Die Landwirtschaft ist auf den Hund ge- kommen und die Fischerei zum Teufel gegangen; und wißt Ihr, was nun aus der alten Insel werden wird? Nur noch eine Insel der Wohnungsvermieter und Droschkenkutscher. Es ist nicht mehr die Insel Man, sondern die Insel der Man- chesterleute." Bei diesem letzten Wort brach ein furchtbarer Beifalls- swrm aus. Im nächsten Augenblick wurde Pete schulterhoch über die Menge bis zur höchsten Windung des Zickzackwegcs emporgehoben und gebeten fortzufahren. Fünfhundert Ge- sichtcr sahen zu ihm auf und sandten ihren heißen Atem in die kühle Morgenluft. Die Sonne wölbte von jenseits der Klippen her einen Baldachin von Dunst über ihren Köpfen; aus der Felsspitze schnatterten die Seevögel, und die Weißen Wellen schlugen hoch am Strande empor. „Leute," sagte Pete,„wozu noch viele Worte machen? Was wir heute morgen erlebt haben, spricht deutlich genug. Wir hatten diese Nacht einen richtigen Fischfang, meint Ihr nicht auch? Vierhundert Boote kamen nach Peel, jedes etwa mit zehn Maise wenigstens— das macht viertausend Maise— nicht so?(Rufe: Ja wohl I) Ah, wie schnell Ihr das ausrechnet. Ihr seid gleich bei der Hand, wenn sich's um Geld dreht. Viertausend Maise fix und fertig, die nur aus die Dampfer nach England warteten. Aber konnten wir sie ans Land bringen? Nicht einmal die Hälfte. Die andre Hälfte ist nach andren Häsen gesegelt, wo die Ware zu spät ankommt, um heute noch verschifft zu werden. Die Hälfte muß daher verderben und wieder ins Meer zurückgeschüttet werden. So viel ist den Mankischen Fischern diesen Morgen verloren gegangen, weil sie keine Häfen haben, die ihnen Schutz bieten, und doch spricht man davon, Hafensteuern von ihnen zu erheben." „Bravo! Bravo! Das ist ein Prachtsjunge! Ein ganzer Kerl! Immer zu, Kapitän. Was sollen wir thun?" „Was Ihr thun sollt?" rief Pete.„Das will ich Euch sagen. Heute ist Freitag. Nächsten Donnerstag ist Johannis. Das ist der Tynwaldtag. Kommt nächsten Donnerstag nach St. Johann— es darf keiner fehlen! Kommt in Euren Booten und Euren Fischcrjacken. Laßt den Gouverneur sehen, daß es Euch ernst ist. Sagt:„Gebt uns gegründete Hoff- nung auf bessere Häfen und wir wollen zahlen. Wollt Ihr das nicht, so wollen wir auch nicht; und wenn Ihr versucht, uns zu zwingen, so sind hier zweitausend zur Stelle, die auf- stehen werden wie ein Mann. Fürchtet Euch nicht. Ihr habt ein Recht, kiihn einzustehen für Eure gute Sache. Ich will Euch jemand bringen, der für Euch spricht. Ihr kennt den Mann, den ich meine. Er hat den Fischern schon mehr als einmal freundlich zur Seite gestanden und braucht selbst vor dem vornehmsten Mann, der nach Tynwald kommt, nicht die Mütze zu ziehen." Ein Beschluß war rasch gefaßt. Pete sollte bis zum Tynwaldtag Philipps Mitwirkmig zu gewinnen suchen und nach Port St. Maria gehen, um die Unterstützung der Fischer auf der Südseite der Insel zu erlangen. In der Stadt war es inzwischen lebendig geworden; die Sonne beschien den Strand und die Fischer zogen nach Haus, um zu schlafen. IV. Pete saß schon am selben Abend wieder daheim in seiner Schiffskajüte im Garten; ihni war das Herz nur um so schwerer, weil er ein paar Stunden lang seinen Kummer vergessen hatte. Die Blumen blühten, die Rosen rankten an der Vorhalle hinauf, die Amsel sang vom Gipfel des Baumes. doch wo war seine Käthe— seine Blume, seine Rose, sein Singvögelchen?— Der Sommer kam, ohne zu zögern, un- aufhaltsam; er kam mit seiner Sonne, seinen Liedern, mit all seiner Lieblichkeit— sie aber kam nicht. Die Uhr drinnen im Hause schlug sieben, und Pete lehnte sich, die Pfeife in der Hand, über die Gartenthür. Heute brauchte er aber nicht mit Ungeduld nach der hohen Mütze des Briefträgers auszuschauen und zu warten, welche Richtung er nehmen würde. „Ein Brief für Sie, Mr. Quilliam." Pete, der mit halb geschlossenen Augen im Schein der untergehenden Sonne geschlummert zu haben schien, ermunterte sich bei diesen Worten und machte ein erstauntes Gesicht. „Was? Ist's an mich? Ein Brief, sagen Sie? Ach so, ich weiß schon;" er nahm ihn und drehte ihn in der Hand herum,„wahrscheinlich nur ein paar Zeilen von meiner Frau ... Nanu! So bekomme ich doch noch einen Brief!" und er lachte, als wäre ihm etwas höchst Spaßhaftes be- gcgnet. Er nahm sich alle Zeit, stopfte erst mit dem Finger die Pfeife, zündete sie aufs neue an, zog die Luft durch, daß cS pfiff, that dann einen langen Zug und sagte gelassen: „Wollen doch mal sehen, was sie schreibt." Er öffnete gemächlich den Brief und las einzelne Stellen laut vor sich hin, richtete aber inzwischen an den Postboten. der auf der andern Seite des Thores stand, allerlei Be- merkungen, um ihn festzuhalten.„Wie geht's Ihnen denn. Mr. Kelly?"—„O— hm!— es ist ganz erstaunlich, wie viel wohler ich mich fühle."—„Ja. ein schöner Abend, Mr. Kelly, wirklich recht schon,"—„Ich hab's so behaglich und Onkel Joseph ist auch so gut."—„Ihre Tasche trägt sich heut schiver, sagen Sie?"—„Grüße©rannte und alle Freunde, die sich nach mir erkundigen.'— Nichts von Belang, Mr. Kelly— nichts. Nur eine Zeile, damit sich der Mann keine Gedanken macht. Sie hätte das zwar nicht nötig — o bewahre. Aber was ist es auch weiter? Ihr macht's nichts aus, einen Brief zu schreiben. Sie wird das," und er hielt ihm einen halben Bogen beschriebenes Papier vor die Augen,„in weniger als anderthalb Stunden fertig ge- brächt haben. Wahrhaftig, Sie können mir's glauben." Er warf noch einen Blick in den Brief.„Aber was ist das? R 3. Man macht immer ein R S. hinter einen Brief, Mr. Kelly. „P. S. Ich hoffte, schon früher zurück zu kommen, aber ich konnte nicht fort, weil Onkel Sepp mit mir ins Theater gehen will."„Hahaha l Ein ganzer Kerl, der Onkel Sepp I Aber, nicht wahr, Mr. Kelly," er machte ein ernstes Gesicht—„Sie sagen kein Wort zu Cäsar hiervon—" Der Briefträger hatte Pete mit Luchsaugen beobachtet. „Difien Sic Wohl, Kapitän, was der schwarze Tom sagt?" „Was denn?" fragte Pete mit plötzlich verändertem Tone. „Er sagt, es gäbe gar keinen Onkel Sepp." „Keinen Onkel Sepp?" rief Pete in den höchsten Tönen und zog die Augenbrauen empor. Der Briefträger nickte bestätigend. „Nun, das ist stark." sagte Pete und sah nach oben, als erwarte er, daß sich der Himmel selbst darüber verwundern müsse.„Keinen Onkel Sepp?" wiederholte er mit namcn- losem Erstaunen.„Ist denn der Mensch im Traum? Vielleicht wird er nächstens auch sagen, daß es keine Tante Hannchen giebt." Pete schloß die Augen und öffnete sie dann wieder wie eine neumodische Puppe. Der Postbote blickte fragend auf. „Was— Sie wissen auch nichts von Tante Haintchen, Onkel Sepps Frau? Nein? Wirklich nicht? Wie ist das nur möglich! Tante Hannchen war die beste alte Frau, die jemals gelebt hat. Sie war eine Heilige und ist auch selig gestorben. Für sie hat's freilich keine Theater gegeben. Nein, dazu hätte sie sich nie verstanden. Regelmäßig ging sie in die Kirche und wachte jeden Tag ihres Lebens um Mitter- nacht auf, um ihre Gebete zu sagen. Wahrhaftig, das hat sie gethan. So— also der schwarze Tom sagt, es giebt keinen Onkel Sepp?"