Mnterhaltu.blatt des Worwörls Nr. 143. itag. den 25. Juli. 1302 (Nachdruck verboten.! 63] Dev ZNAnksnlAnn. Roman von Hall C a i n e. Autorisierte Uebersetzung. Als Nancy am nächsten Morgen mit dem Kinde herunter kam, fand sie Pete beschäftigt, mit einem Schraubenzieher die Vorlegckette von der Thüre loszumachen.„Furchtbar alt- modischer Kram, diese Ketten— man muß mit der Zeit fort- schreiten." „Was wollen Sie denn statt dessen anbringen?" fragte Nancy. „Das wird sich finden— Sie werden schon sehen," sagte Pete. Abends um sieben Uhr rauchte Pete wieder an der Gartenthür, als Kelly, der Briefträger, mit einem Paket in braunem Papier herankam.„Ein Paket für Sie, Mr. Quilliam," sagte er mit der schlauen Miene eines Menschen, der etwas weiß, was er nicht merken lassen will. Pete blickte flüchtig auf und machte ein erstauntes Gesicht. „Nicht möglich!" rief er. „Das ist ja wohl Ihr Name?" fuhr der Briefträger fort, und hielt ihm die Adresse hin. Pete warf einen forschenden Blick darauf.„Capt. Pietr Quillianl", das ist richtig..Ulmenhaus', ja, es muß recht sein," sagte er und nahm das Paket behutsam in Empfang. „O�o I" sagte er dann gedehnt, schloß die Augen und nickte mit dem Kopf.„Nun weiß ich's, ein kleines Geschenk von meiner Frau fürs Kind. Wunderbar, wie'ne Mutter an ihr Kleines denkt, Mr. Kelly." Der Briefträger kicherte, deutete mit dem Finger über seine Schulter nach dem Meere zu und sagte: „Warum schreiben Sie ihr denn keine Antwort?" „Wieso?" fuhr Pete heftig auf und zog an dem Bind- faden, daß er fast zerriß. „Sie sollten ihr doch schreiben, wie sich die Kleine befindet, meine ich." Pete sah den Postboten an, als ob ihm eben eine Idee vom Himmel gekommen wäre.„Ich niuß wohl ganz ver- nagelt sein, Mr. Kelly. Können Sie sich vorstellen, daß ich noch nie daran gedacht habe. Ich konime mir vor wie Goliath, als ihm der Stein des kleinen David an die Stirne flog— von selbst wäre mir das nie eingefallen." „Thun Sie es noch, Mr. Quilliam," sagte der Briefträger im Fortgehen. „Das will ich, jawohl, jawohl I" sagte Pete und ging in das Haus. „Eine Schere her, Nancy," rief er und warf das Paket auf den Tisch. „Meiner Treu, ein Paket," rief Nancy. „Und nicht schwer zu erraten, von wem es kommt. Man .braucht nur den Knoten hier anzusehen," sagte Pete mit bedeutsamem Blick. „Was in aller Welt kann es denn sein, Pete?" sagte Nancy. „Ich bin selbst neugierig," meinte Pete.„Papier ist genug darum. Ein Brief? Doch, den wollen wir später ansehen," sagte er von oben herab, und nun zog er das rote Plüschhütchen hervor.„Du liebe Zeit, was ist das für ein Ding!" und er hielt ihn beim Kopf in die Höhe. Nancy schrie erschrocken auf, nahm ihm den Hut aus der Hand und schalt ihn tüchtig aus.„Ihr Männer braucht nur etwas anzufassen, so ist es auch schon zu Schanden gemacht I" rief sie, hob das Kind rasch aus der Wiege und setzte ihm den Hut auf den kleinen runden Kopf. „Ich Hab' mir's doch gleich gedacht," jubelte sie voll Wonne,„Sie mögen mir's glauben oder nicht, aber ich Hab' wahrhastig bei mir gesagt:„Das nächste Mal, wenn Kitty schreibt, wird sie der Kleinen etwas schicken." Und sehen Sie nun— hier ist es!" „Ja. man hat manchmal ein Vorgefühl, Naucy," sagte Pete,„das ist ganz gewiß." Das Kind gluckste, purrte und spielte mit seinen kleinen nackten Zehen ohne auf den herrlichen Kopfputz zu achten. � „Sie dagegen, Pete, Sie reisen nach Peel und nach Douglas und Gott weiß wohin, und haben noch nie daran gedacht, der Kleinen etwas mitzubringen, und Sie wußten doch, daß wir ihr kurze Kleider anziehen wollen." Pete ließ den Llopf hängen und sah aus, als ob er sich schämte. „Ja, nein— das habe ich wirklich rein vergessen," stotterte er. VII. Pete ging aus. um einen Bogen Briefpapier, ein Couvert, eine Feder und eine Briefmarke zu kaufen. Er hatte dies alles zu Hause im Ueberfluß, aber damit war ihm nicht ge- dient. Er suchte eine Menge Läden auf und ließ allenthalben Andeutungen über den Zweck seiner Einkäufe fallen. Schließlich ging er noch zum Barbier am Markt und sagte:„Wollen Sie eine Adresse für mich schreiben, Jonaique?" „Jawohl, sehr gern," sagte der Barbier, indem er mit der Hand die eine Backe des Bviefboten, der. auf dem Stuhle saß, glatt strich, die andre Backe aber eingeseift ließ, während er nach der Feder griff. „Mistreß Peter Quilliam, bei Mister Joseph Quilliam, Esquire, Scotland Road, Liverpool," diktierte ihm Pete. „Welche Nummer, Kapitän?" fragte Jonaique. „Nummer?" wiederholte Pete betroffen.„Der Kuckuck! Welche Nummer ist es denn gleich?" O," sagte er auf gut Glück,„fünfhundertundfünfzehn." „Fünfhundert— wirklich fünf!" sagte der Postbote mit dem halbrasierten Munde. „Fünfhundert!" wiederholte Pete mit Nachdruck.„O, bei denen geht's hoch her!" „Nun, Sie werden's Wohl wissen," meinte der Barbier und schrieb 515. Pete hielt auf dem Heimweg das adressierte Couvert, auf dem schon die Briefmarke klebte, offen in der Hand. „Wischen Sie rasch den Tisch ab," rief er, sobald er ins HauS trat,„ich will an Mtty schreiben. Soll ich sie von Ihnen grüßen, Nancy?" Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, setzte sich Pete vor einem Bogen Briefpapier nieder, räusperte sich ver- nehmlich und wollte eben sein Werk beginnen,»als die Thür aufging und Philipp eintrat. Sein Gesicht war hager und abgezehrt: seine Augen brannten wie von innerem Feuer. „Ich komme, um Dich zu warnen," sagte er,„Du schwebst in großer Gefahr. Eure Kundgebung muß unter- bleiben." „Setze Dich— setze Dich," rief Pete. Philipp schien es nicht zu hören. Er ging mit kurzen, geräuschlosen Schritten aufgeregt hin und her.„Der Gouver- neur hat noch gestern spät abends nach mir geschickt; ich fand ihn sehr aufgebracht.„Deemster," sagte er,„man sagt mir daß es auf Tynwald einen Aufstand geben wird, haben Sie davon gehört?" Ich sagte:„Ja, ich habe von einer Zu- sammenkunft der Fischer in Peel gehört."—„Die Leute sprechen von ihren Rechten," fuhr er fort,„ich will sie aber lehre», daß es ein Recht giebt, das sie zu vergessen scheinen — das Recht des Gouverneurs, die Aufrührer von Tynwald ohne Richter und Jury niederzuschießen."—„Das ist ein sehr altes Vorrecht, Excellenz," sagte ich.„es stammt aus gesetz- loseren Tagen, als es die unsren sind. Sie werden keinen Gebrauch davon machen."—„Da sind Sie im Irrtum," sagte er.„Hören Sie, was ich bereits gethan habe. Ich habe dem Regiment in Castletown den Befehl zugchen lassen, am Tynwaldtage auf dem Tynwaldhüzel zu sein. Jeder Soldat— es sind ihrer dreihundert— erhält zwanzig scharfe Patronen. Sollten nun die Vagabunden es wagen, die Gerichtssitzung zu stören, so brauche ich nur meine H«id zu erheben und sie werden niedergemäht»vie Gras."— „Das kann nicht Ihr Ernst sein," wendete ich ein und Ver- suchte seine hochfahrende Rede leicht zu nehmen.„Urteilen Sie selbst"— und er reichte mir ein Papier. Es war ein Befehl an das fliegende Feldlazarett, die Krankenwagen um Fuß des Berges bereit zu halten, eine Auffordemng an die Aerzte von Douglas, an Ort und Stelle zu sein." „Es scheint, der alte Herr hat eingesehen, daß wir eS ernst meinen,", sagte Pete. — 570— „Wenn Sie einen der RädelSsührer kennen, Deemster," fuhr er fort, und sah mir fest ins Gesicht— offenbar war jemand bei ihm gewesen— es giebt überall Zwischen- träger.. „Das ist nun einmal der Lauf der Welt," meinte Pete. „So sagen Sie ihm, daß ich, so viel an mir liegt, keinem Menschen das Leben nehmen und keinen ins Zuchthaus bringen möchte." Jeder Einwand war umsonst. Der Gouverneur war wütend und sprach im vollsten Ernst. Sein Plan ist zwar Thorheit, wahnwitzige Thorheit— doch gründet er sich auf eine Art gesetzliches Recht. Um Gotteswillen treibe die Sache nicht weiter. Gieb sie ein für allemal auf. Es geht um Leben und Tod. Wenn meine Worte je etwas bei Dir gegolten haben, so thue jetzt, um was ich Dich bitte. Gott weiß, wo ich selbst stehen würde, wenn der Gouverneur das zur Ausführung brächte, womit er droht. Darum mache ein Ende und geh' ab davon. Ich habe vor Sorge darüber nicht schlafen können." Pete hatte ani Tische gesessen und an der Feder gekaut; jetzt sah er mit ruhigem, kühnem Lächeln in Philipps blasses, aufgeregtes Gesicht. „Es ist gut von Dir, Phil— aber, sage mir, haben wir das Recht, dort zu sein, oder nicht?" „Freilich habt Ihr das Recht, aber.. „Zum Henker." rief Pete, die Feder hinwerfend, und schlug mit der Faust auf den Tisch,„dann wollen wir auch hingehen\" „Die Strafe wird Dich treffen, Pete, Dich vor allen; Du wirst der erste sein, der darunter leidet. Du ganz allein I" Pete lächelte wieder.„Thut nichts— ich bin unverbesserlich. Ich bin wie Dan-ny-ClaP, der Schafdieb, als es mit ihm zum Sterben kam.'„Ich gehe dem ewigen Gericht entgegen— was soll ich thun?" fragte Dan.„Gieb alles zurück, was Du gestohlen hast," sagte der Pfarrer.„Dann will ich's lieber daraus ankommen lassen," meinte der alte Schurke. Das Stehlen ist in unsrem Fall auf der andren Seite, Philipp, aber ich will es auch darauf ankonimen lassen. Mag es zuni Tode führen oder zu einem Richterspruch— ich will's darauf ankommen lassen." Philipp senkte den Blick zu Boden.„Du willst Deinen Plan also nicht aufgeben, trotz allem, was ich Dir gesagt habe?" „Doch," sagte Pete,„wenigstens in einem Punkte. Du sollst nicht in Verlegenheit kommen; ich will selbst sür die Fischer das Wort führen. O, ich kann schon reden, wenn man mich in Harnisch bringt. Ich werde mit über der Brust verschränkten Armen hintreten und sagen:„Eure Herrlichkeit", werd ich sagen.„Sie können's nicht thun und werdcn's nicht thun, weil es nicht recht ist l" Doch genug I Zum Henker niit dem ganzen Kram l Sieh her, Phil, sich mal, sieh her I Sie hat die Kleine nicht vergessen— siehst Du wohl? Mit stolzer Miene wies Pete aus das Hütchen, das einem Porzellanhund, der auf dem Kaminsimse stand, anfgestülpt worden war. Petes Briefbogen steckte an dem Bindeband. Philipp sah hin und erkannte sein Patengcschenk. das er dem Kinde gemacht hatte. Er schloß die Augen, es zuckte um seinen Mund, die Adern schwollen ihm auf der Stirnc. „Also das hat sie geschickt?" stammelte er. „Hör nur," sagte Pete, nahm den Brief und las ihn mit wichtiger Miene und großem Nachdruck laut vor:„Für klein Katherinchen von ihrer sie liebenden Mutter... Papa soll sich nicht ängstigen... Grüße an alle teilnehmenden Freunde... die besten Empfehlungen an den Deemster, lvenn er mich nicht vergessen hat." Dann warf er den Brief wie von ungefähr ins Feuer.„Ach, was hat so ein Briefchen zu bedeuten?" sagte er geringschätzig, als die Flamme es ergriff und verzehrte, Philipps blutunterlaufene Augen drohten ihm aus dem Kopfe zu treten. „Nancy hat recht, ein Mann würde an so etwas nie ge- dacht haben, nicht wahr?" sagte Pete, und blickte stolz bald auf den Hut, bald auf Philipp. Philipp antwortete nicht. Ihm war die Kehle wie zu- geschnürt. «Wenn aber eine Frau fortgeht, läßt sie so zu sagen die Augen zurück. Was werd' ich wohl für die Leute zu Hause kaufen? denkt sie, und da kommt denn ein hübsches, warmes Kleidungsstück für das Kindchen. Ach, die Frauen sind gut, lPhiliPP. Sie sind aus purem Gold— Gott segne siel" Philt zum Hau er unschtz -3'fen? Mutzt nach Douglas 'cht noch vorher einen Brief Mute�als müsse er laut aufschreien und stürz Einen Augenblick lang stand - wo iL lete etwas sagen, dann wandte er sich, „D� Je nicht h zurück? ibst Du für mir Phnipp nickte mit dem Kopfe und kehrte um; die Zähne auf einander beißend, setzte er sich an den Tisch und griff nach der Feder. „Was soll ich schreiben?" fragte er endlich. „Soll ich Dir die Wörter vorsagen, Phil? Nun, wenn Du es nicht zu gering achtest—"(Fortsetzung folgt.) Nakttrn»issettsv e ch s e l, baS ist der» n v e r in i t t c l t e Stinimimqswcchsel, der der Ausdruck einer nbiiormen Lnbilitüt des Stiumnui�sstleichgewichteS ist. Es ist derselbe Vorgang, wie bei einer übercuipfindlichc» Waage, bei der die Waagebalken, wenn die Sperrvorrichtung geöffnet ivird, bei der geringsten Belastung zwischen Tief und Hoch in grostem AnS- schlage hin- und herrschnellen. Die Stiininuiig tritt beinahe spontan ohne entsprechenden Anlah, jedenfalls ohne genügende psychologische Ursache beinahe unvermittelt ein, und auf diese Weise können die geringsten Dinge einen labilen Menschen in die größte Ans« regung versetzen, da die Erregbarkeitsschivclle für psychologische Reize abnorm tief liegt. Diese pathologische Labilität der Stimnumg bedingt selbst- verständlich eine analoge Labilität der Handlnngsweise und verhindert auf diese Weise ein gedeihliches Handeln. Auch diese Erscheinung der Laune läßt sich am besten bei pathologischen Individuen beobachte», indem auch hier die krankhafte Heiterkeit oft in gar nicht meßbar kurzer Zeit in krankhafte Heftigkeit und Zorn- nnitigkeit umzuschlagen pflegt. Beim Angeheiterten ist dies wohl eine aNtägliche und bekannte Erscheinung, beim Paralytiker, beim Hysterischen, beim Ncurastheniker und schließlich bei alle» Erschöpfungs- Psychosen»ach Ueberarbeituug oder schweren körperlichen Erkrankungen ist dies dem Arzte ein wohlbekannter Ausdruck krankhaft erhöhter Ansprechbarkeit sHyperästhesie) des Nervensystems, krankhaft herabgesetzter Stabilität der Psyche. Diese reizbaren Menschen werden zlvischen deu ent- gcgengesetztcn Polen hin und her geschleudert und viele von ihnen Ivären bei ihren sonstigen Vorzügen vortreffliche Charaktere, wenn sie nicht das Unglück halten,.von ihrer Laune abzuhängen"..Viele solcher Launenhafter", sagt der Psychiater Forel,.schtvanken ihr Leben lang zlvischen krankhafter Güte und krankhafter Härte". Jnsolvcit ethisch festgegründete Vorstellungen geeignet sind, derlei Stiinmungsschwnnkungen noch das Gleichgelvicht zu halten, ist es Sache der Erziehung, in diesem Sinne einzuwirken, und es zeigt sich an diesem Problem wieder, wie sehr dem Pädagogen die Kenntnis der Hygiene des gesunden und des kranken Seelenlebens von iiöteil ist."— Völkerkunde. — Die Bergfesten Neuseelands. Die.Vossische Zeitung" schreibt: Der um die Erforschung Neuseelands hochverdiente Geologe V. Hochstctter weiß über die frühereu Zwingburgen und Znfluchts- orte gewaltiger und gewaltthätiger Kriegshelden und Häuptlinge des möchtigen Stammes der Maori in seinem umfangreichen Werk.Neu- seeland" folgendes zu berichten: Die Gipfel trugen die ivohl- befestigten Kriegspas, d. h. Waffenplätze oder befestigte Dörfer der Häuptlinge, und am Fuße der Hügel dehnten sich weithin die Plätze der Leibeigenen aus mit den Kumaarfcldern, ivelche sie zu bestelle» hatten. Noch heute sieht man die Ruinen dieser Wohnplätze am Fuße der Berge, am eigentümlichsten vielleicht am Fuße des Monnt Smart, und nicht weniger tragen die Bergtempel selbst die deutlichsten Spuren ihrer früheren Bestimmung. Die Abhänge sind terrajsiert, d. h. ringsum am Abhang sind Terrassen eingeschnitten von 10 bis 15 Fuß Höhe, die man schon auf größere Entfernung wahrnimmt. Auf diesen Terrassen lvaren meist doppelte Pallisadenreihen angc- bracht und tiefe Löcher, die. mit Zlveigen, Schilf und Farnkraut überdeckt. wie man eS bei Wolfsgruben zu machen pflegt, die stümieuden Feinde zu Fall bringen sollten. Andre weniger tiefe Gräben, durch unterirdische Gange nach oben und unten verbunden und mit ge- schickt verborgenen Ausgängen dienten den Verteidigern der Feste zur Staffage und als Schlupfwinkel, von wo sie die Angreifenden überfielen, und in wieder andren Erdlöchern hatten sie die Lebensmittel aufbewahrt. Man staunt mit Recht, Ivenn man sieht, lvie geschickt und verteidigungsfähig die Maoris ihre Festungen anlegten und ivelch kolossale Arbeiten sie mit höchst mangelhaften, aus Holz und Stein verfertigten Werkzeugen, mit Schaufeln aus Holz, mit Hämmern, Meißeln und Bexten aus Stein und mit Messern aus Muschelschalen auszuführen im stände waren. Hinter oll diesen Pallisade» und Gräben an« Abhänge des Berges Ivohnte oben auf den. Gipfel der Häuptling mit seiner Fa>nilie und den Edl:'.'. des Stammes. Heutzutage sind Häuser und Hütten zerstört. die Pallisade» sind spurlos verschwunden, die Maori-Ritterburg liegt in Trümmern. Von dem einst so zahlreichen und mächtigen Stamme sind uur noch wenige Familien übrig, welche an der Orakcibai östlich von Auckland ein kleines Dorf belvohuen. Die Lavahöhlen bei Three Kings, Monnt Smart und Mount Wellington sind erfüllt von den Gerippen der Ilnglücklicheu, die in den zwanziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts in den mörderischen Kriegen, mit welchen der furchtbare Hougi die nördliche Insel überzog, getötet wurde».— Meteorologisches. — Nordlicht- Forschungen. Auf Veranlassung von Professor A. Paulsen in Kopenhagen ist eine dänische Expedition nach Utsjoki, unter 70 Grad nördlicher Breite im äußersten Norden, -rn Finnland entsandt worden, um dort Beobachtungen über Nord- lkchte anzustellen. Während des vergangene» Winters wäre», der .Kölnischen Zeitung" zufolge, daselbst die Nordlichter ziemlich selten, doch gelang eS während mehrerer Erscheinungeu deren Spektren zu photographicren. Auch die Stärke und die tägliche Schivankuug der Lustelektricität wurden regelmäßig gemessen. Zweimal wurden höchst eigenartige Wolken beobachtet und ihre Höhe und Bewegung gemessen. Die erste dieser Wolken schwebte in einer Höhe von 40 Kilomcler über dem Boden, sie zog Berannvortlicher Rebacteur: Carl Leid m Berlin. langsam gegen Osten, kehrte dann aber wieder an ihren scheinbaren Ausgangspunkt zurück. Während dieser Rückwärtsbewegung trennte sich von ihr ein kreisförmiger Teil ab und bewegte sich rasch gegen Süden. Die Farbe dieser Wolke, die um die Mittagsstunde sichtbar wurde, war am Rande rötlich, und diese Farbe ging gegen die Mitte hin in Grün über. Professor Paulsen bemerkt, daß man diese Be- wegung der Wolke schwerlich durch Windströmungen erklären könne, mau müsse vielmehr aniiehme», daß die Ursache der Bewegung mit der Bildung dieser Wolke zusammenfalle und vielleicht in elektrischen Zuständen zu suchen sei. Die in Utsjoki beobachteten Nordlichter schwebten übrigens in noch größere» Höhen als diese Wolke, nämlich durchschnittlich 60— 70 Kilometer über dem Boden.— Technisches. ie. Eine Krankheit des Eisens. Das galvanisierte Eisen(verzinktes Eisenblech), wie es von zahlreichen großen Fabriken Deutschlands und Englands hergestellt wird, soll neuerdings von einer Epidemie befallen sein. In Kaplaud sind in den letzten Wochen verschiedentlich Schiffsladungen solchen Inhalts in einem merkwürdigen und bisher seiner Entstehung»ach nicht auf« geklärten Zustand angekommen. Das Eisen zeigte sich be- deckt mit einein weißen Ueberzug, der mit einem Messer abgekratzt werden konnte und dann ei» iveißcs Pulver darstellte. Dieselbe„Krankheit" von galvanisiertem Eisen ist auch aus andren Weltteilen gemeldet worden, und zwar soll sie sich während des letzten Jahres oder höchstens ivährcnd der letzten zwei Jahre entwickelt haben, da von den großen Firmen übereinstimmend an« gegeben wird, daß die Schiffsladungen früher in tadellosem Zu- stände augelaugt sind. Uebcr die Ursache der höchst unangenehmen Veränderlichkeit des Eisens lassen sich nur Vermutungen äußern. Die Entwicklung des weißen Rostes, der ivahrschciulich durch die Oxydation des Zinks entsteht, wird verschiedentlich einer mangelhaften Reinigung vor der Anwendung des galvanische» Verfahrens zu- geschrieben und einer daraus folgenden Ungleichheit im Niederschlag des Zinks, wodurch die Oberfläche des stellenweise ungeschützten Eisens der iveiteren Wirkung des elektrischen Stroms ausgesetzt tvird oder auch der galvanischen Zersetzung, die stattfindet, wenn zwei Flächen von Zink uur durch eine Feuchtigkeit-schicht getrennt sind, wie es durch den Einfluß von Regen geschehen kann. Keine dieser Erklärungen kann jedoch als ganz genügend bezeichnet werde», und man wird zur Ermittelung der eigentlichen Ursache noch besondere Nachforschungen anstellen müssen.— Humoristisches. — Höhere Töchterschule. Lehrer:„Wie nennt man eine Ehe, Fräulein Else, in der der Mann uur eine Frau hat?" Schülerin:„Eine monotone Ehe."— — Kindermund. Eine Bäuerin kommt mit ihrem Kinde zum Arzt, der an der rechten Wange eine» Säbelhieb hat. Das Kind äußert sich hierüber:„Du, Mutter, der Doktor Hot jo een ver« spruugene Kopp I"—(„Jugend".) Notizen. — Ludwig v. D o czi hat eine Uebertragung von Schiller? Gedichten ins Ungarische soeben beendet. Er beabsichtigt auch Goethes Gedichte ins Ungarische zu übersetzen.— —„ S i l b e r st e i n s Flitterwochen" heißt der Schwank, mit dem am Sonnabend.das Secessions-Theater eröffnet wird.— —. Le Portefeuille", eine Satire von Oktave M i r b e a u wird diesen Winter im„Bunten Theater" zur Aufführung gelangen.— — Im Deutschen Landcs-Theatcr zu Prag soll nächstens ein neues Drama„O r l o w" von Paul Langenscheidt die Erst- aufführuug erleben.— — Die'M alatesta-Trilogied'AnnunzioS, deren erster Teil„Franccsca da Rimini" war. soll noch im Herbst beendet werden. „Parisiua" und„Sigismondo Malatesta", der zweite und dritte Teil der Trilogie, werden dann bereits in diesem Winter in Scene gehen.— — Alberto F r a n ch e t t i arbeitet an einer Oper„Fedora") der Text lehnt sich an de» gleichnamigen Sardouschen Roman an.— c. In dem neuen Konservatorium in B o st o n ist eine Klasse für junge Leute eröffnet, die sich dem musikalischen Jour- nalismns, der Kritik und der Litteratur der Kunst widmen wollen. Die Schüler, die in diese Klasse eintreten wollen, müssen sich vorher einem Examen in der Musiktheorie und den Anfangsgründen der Orcheftration unterziehen.— u. Neuerdings hat man mehrfach die Beobachtung gemacht, daß Zinn in der Kälte sich in eine körnige Masse auflöst. Diese rätselhafte Erscheinung wird noch rätselhafter durch die That- fache, daß die körnige Masse, wen» man sie nur auf 20 Grad erwärmt. wieder in solides plastisches Zinn verwandelt wird. Für den praktischen Gebrauch aber erwächst aus der Kenntnis dieser Launen des Zinns die einfache Lehre, daß man Ziungegeustände vor größerer Kälte schützen mutz, sonst gehen sie entzwei.— Die nächste Nummer des Unterhaltungsblattes erscheint am Sonntag, den 27. Juli. Druck und Vertag von Max Bading in Berlin.