UnteHMungsblatt des Forwüris Nr. 151. Mittwoch, den 6. August. 1902 Tages erst spät erwacht. lag, Grannie mit Nancy «Nachdruck verboten.! 711 Dcv MAttksmsnn. Roman von Hall Caine. Autorisierte Uebersetzung. Philipp ging schneller. Die Stimme schien mit ihm zu gehen. „Ich will mich zusammennehmen," dachte er,„und mich nicht fürchten; der Verstand verläßt den Menschen nicht, bis er sich gestattet, zu glauben, daß er ihn verlassen hat.„Ich werde verrückt," denkt er, schreit dann laut auf und ist in den Klauen des Wahnsinns. Aber, ich weiche nicht von dem ein- mal eingeschlagenen Wege. Wenn ich's jetzt thue, bin ich ver- loren. Der Wahnwitz wird sich �meiner bemächtigen, und ich bin dann sein Sklave auf immer." Ballure lag jetzt hinter ihm, und er hatte die Straße nach Ramsey eingeschlagen. In der Ferne schimmerten die Lichter der Stadt. Die Stimme aber fuhr fort, ihn zu verfolgen, un- ablässig, ausdringlich, mit herrischer Gewalt. Er ging immer schneller. Aber stets schien die Stimme neben ihm herzuschreiten, wie ein Gespenst mit vorsichtigem, geräuschlosem Schritt. Es gab kein Entrinnen. Er hielt plötzlich an und ging langsamer. Seine Knie wankten, ihm war, als ob er auf Wellen träte, doch ging er weiter.„Ich will nicht nachgeben. Ich will mich selbst be- herrschen. Ich will ausführen, was ich beabsichtigte. Ich bin noch nicht wahnsinnig", dachte er. Er war gerade am Thor des Ulmenhauses, und durch einen kräftigen Entschluß angefeuert, schritt er kühn auf die Hausthür los und pochte. xvm. Pete war am Morgen jenes Er hörte, als er noch im Bette unten im Zimmer sprechen. „Ach Gott, steh mir bei, Gott, steh mir bei!" jammerte Nancy zum Erbarmen. „Es war Kelly, der Briefträger", sagte Grannie in kläg- lichem Ton— gerade so hatte sie am Vongen Abend ge- fprochen, während sie aus ihrer Pfeife paffte. „Der Nichtsnutz l" rief Nancy. „Er war diesen Morgen schon vor dem Frühstück bei Cäsar oben." „Da sieht man's!" rief Nancy.„Es giebt doch Menschen in der Welt, die nur darauf brennen, Unheil zu stiften... Wo kann sie denn aber sein? Hat sie sich selbst ein Leid an- gethan?" „Das Hab' ich Cäsar auch gefragt," sagte Grannie. „Wenn sie mit dem jungen Ballawhaine fort ist, warum bist Du denn nicht nach England hinüber gefahren und hast sie zurückgeholt? Hab' ich gesagt." „Und was meinte Cäsar darauf?" „Nein," hat er gesagt—„keinen Schtttt. Wenn sie tot ist. so würden wir's nur um einen Tag früher erfahren, und wenn sie noch lebt, so bleibt sie für uns eine Schande unser Leben lang." „Ach, das arme Ding, das arme Ding!" rief Nancy. „Wenn manche Menschen religiös werden, so haben sie nicht mehr in sich als ein ausgenommener Hering. Sie sind nur noch wert, in den Nauchfang gehängt und geräuchert zu werden." „'s ist wegen des schwarzen Tom. Mädchen," sagte Grannie.„Cäsar fürchtet sich ganz erbärmlich vor dem Laster- maule des Mannes,„'s ist Wasser auf seine Mühle," hat er gesagt.„Er wird mir zu verstehen geben, ich soll erst mein eignes Haus in Ordnung bringen, statt als Prediger vor die Gemeinde zu treten."— Doch wie geht's denn ihrem Mann?" „Pete?" fragte Nancy.„Ach, er war todtmüde letzte Nacht und ist noch nicht unten. Horch, das ist oben sein Schott." „Der arnre Junge I der arme Junge!" klagte Grannie. Das Kind schrie, und gleich darauf fing jemand an, mit dem Fuß auf dem Boden den Takt einer langgezogenen Hymne zu schlagen. Grannie saß vermutlich vor dem Feuer und hiett das Kind auf dem Schoß. „Es muß etwas vorgefallen sein," dachte Pete, während er sich anzog. Einen Augenblick später geschah wirklich etwas Un« erwartetes. Pete zog die Tischschublade und fand dort den Trauring und die Ohrringe, welche Käthe zurückgelassen hatte. In der Stube unten entstand gleichzeitig eine heftige Auf- regung, doch Pete hörte nichts davon. Sein Herz schrie verzweiflungsvoll:„Jetzt kommt das schlimmste! Ich weiß es! Ich fühle es! Herr, hilf mir! Gott verzeihe mir! Amen! Amen I" Cäsar, der Briefträger und der Konstabler waren eben als Abgesandte der„Christen" ins Haus getreten. Der schwarze Tom kam mit ihnen. Er war der Spürhund, der sie aus ihren Löchern herausgeholt hatte. „Mach', daß Du nach Hause kommst, Frau," sagte Cäsar zu Grannie.„Mes ist kein Platz für Dich. Hier wohnt nur die Sünde mit Lug und Trug." „Ich bin hier bei dem' Kinde meiner Tochter," sagte Grannie,„und da gehör' ich hin." „Fort gehst Du, sag' ich Dir," schalt Cäsar,„Du darfst dieses Haus der Schmach nie wieder betreten." „So nimm sie," sagte Grannie, Nancy das Kind gebend. „Freilich ist's eine Schmach, wenn eine Frau ihrem eignen Fleisch und Blut ihr Herz verschließen muß, will sie nicht ihrem Manne den Respekt verweigern"— und sie ging weinend fort. Doch Cäsars pietistische Ansichten schloffen seine natür- lichen Gefühle mit einer Mauer ein.„Und wer Verlässet Häuser, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Aecker um meines Namens willen, der wird's hundertfältig nehmen, sagte Cäsar, indem er einen Blick auf den schwarzen Tom warf- „Gott soll mich bewahren!" rief Nancy.„Wenn mein Mann so was von mir verlangte— der sollte mir kommen.— Hundertfältig, sagt' er, der alte Filz— und wenn's hundertmal hundertfälttg wär'— ich thät's nicht." „Zähme Deine Zunge, Weib l Geh jetzt und ntfe Deinen Herrn hierher", herrschte Cäsar sie an. „Das Hab' ich gar nicht nötig; auch werd' ich meinen Herrn nicht rufen, nein, fällt mir nicht ein," sagte Nancy. „Ich habe ihm etwas zu sagen und bin deshalb weit hergekommen." fuhr Cäsar fort. „Der Teufel kam noch viel weiter her. und es war doch nur eine Lüge, die er brachte," erwiderte Nancy. „Schweigen Sie sttll, Nancy Cain," sagte Cäsar,„und nehmen Sie dem Kinde daS heidnische Ding da vom Kopfe." Es war das rote Hütchen.„Schade um das Geld, das auf dergleichen verschwendet und den Armen entzogen wird." „Ich Hab' das Wort schon vordem gehört, Cäsar Cregeen." sagte Nancy.„Judas Jscharioth hat es zuerst gesprochen, und Sie haben es erst von einem Diebe gestohlen." „Sttll!" donnerte Cäsar, den das Gelächter des schwarzen Tom wütend machte.„Ich will selbst den Mann rufen.— Peter Quilliam l" und er wollte nach der Thüre zum Treppenhaus. „Zurück l" schrie Nancy; sie nahm das Kind wie ein Kiffen auf einen Arm und erhob drohend den andren. „Du wirst doch die Hand nicht gegen den Mann Gottes erheben, Weib," kicherte der schwarze Tom. „Ob ich's thun werde? Nein! Aber gegen den Mann des Teufels!" fuhr Nancy grimmig Heralls und durchbohrte ihn mit ihren Blicken. „Auf das Weib ist überhaupt kein Verlaß," schnarrte der Konstabler.„Sie ist jedenfalls nur eine Ungläubige. Ich habe sie sagen hören, daß sie nicht an den Walfisch glaubt, der den Jonas verschlungen hat." „Ja. das ist der Unterschied zwischen uns," sagte Nancy. „Denn unter euch Manksleuten giebt's manche, die da glauben würden, daß Jonas den Walfisch verschlungen hat— wenn's verlangt wird." Die Thüre öffnete sich jetzt hinter Nancy und Pete trat ins Zimmer herein.„Was giebt's hier, Freunde?" fragte er mit gramerfüllter Sttiume. Cäsar trat vor mit einem gelben Briefumschlag in der Hand.„Was ist das hier?" fragte er. Pete nahm das Couvert und öffnete es. ,„Das ist Ihr Brief, der vom Amt der unbestellbaren Briefe an Sie zurückkommt, nickt wahr?" saate Cäsar. „So?" sagte Pete. „Es giebt niemand des Namens an dem Orte da l" fuhr Cäsar fort. „So?" sagte Pete wieder. „Briefe von England kommen nicht über Peel, aber Ihr erster Brief trug den Stempel von dort, etwa nicht?" „So?" „Pakete von England kommen nicht über Port St. Mary, und doch trug Ihr Paket diesen Stempel— etwa nicht?" „Und was noch?" „Ist die Schrift des inliegenden Briefes etwa nicht Ihre eigene Handschrift, und ist die Adresse auf der Außenseite des Pakets etwa nicht von Ihnen selbst geschrieben?" „Ist das alles?" „Ich glaube, das ist genug, um darauf weitere Schlüsse zu gründen." „Wie geht es dem Onkel Sepp?" kicherte der schwarze Tom. „Ihre Frau ist nicht in Liverpool. Sie wissen nicht, wo sie ist. Sie ist den Weg aller Sünder gegangen," sagte Cäsar. „Sind Sie gekommen, mir das zu sagen?" fragte Pete. „Nein, wir sind gekommen, Ihnen mitzuteilen, daß wir die Frau wegen ihres offenkundigen leichtfertigen Wandels auch von unsrer Liste gestrichen haben. Und wir sind auch gekommen, Sie selbst zu ermahnen, auf Ihr eignes Heil bedacht zu sein. Sie haben uns getäuscht, Mr. Quilliam. Sie haben wider den Geist des Herrn gesündigt und— er warf einen Seitenblick auf den schwarzen Tom— Sie haben Mißachtung über die Ge- meinde gebracht, die Sie für eins ihrer Glieder ansieht. Sie haben Ihr Angesicht nicht abgewendet von dem Wege einer Missethätcrin und das Haupt eines Gotteskindes mit Kummer in die Grube gebracht." Cäsar wurde durch seine selbstzufriedene Frömmigkeit so gerührt, daß er zu schluchzen begann.„Laßt uns unser An- liegen dem Herrn vortragen," sagte er aus die Knie sinkend und betete. „Unser Bruder hat uns getäuscht, o Gott, doch wir ver- geben ihm aus freiem Herzen. Vergieb ihm auch du seine Sünden, so daß er dem höllischen Feuer entrinnt. Siehe deine Magd nicht für eine Tochter Belials an, wo sie auch heute sein mag. Möge es ihr zum Heil gereichen, daß die Schar der Gerechten sie von sich ausstößt. Gewähre ihr, daß sie dies als Barmherzigkeit erkenne, so lange sie noch im sterblichen Leibe wallt, ehe ihre ewige Seele vor das letzte Gericht gerufen wird. Gott stärke deinen Diener. Latz seine natürliche Zärtlichkeit nicht die Schlinge des Voglers unter seinen Füßen sein. Obschon es ihn empfindlich schmerzt bis zu Thränen und Trübsal, so hilf ihm doch das Gewächs, das er an seinem eignen Busen gehegt hat, ausreißen." „Bei meiner Seelei" rief Nancy, mit den Holzschuhen klappernd:„Ist's nicht erstaunlich, daß der Mann sich nicht schämt, seine eigne Tochter bei dem Allmächtigen anzu- schwärzen." „Sei barmherzig, o Gott." fuhr Cäsar fort,„allen Uu- gläubigen und denen, die in heidnischer Finsternis in christlichen Landen leben, den Samstag nicht vom Sonntag unterscheiden und ungemein frech und bös mit der Zunge sind." (Fortsetzung folgt.) cNachdruck verboten.» Rein gefallen/* Skizze von Marie Stahl. „Station Wustcrivitz l Eine Minute Aufenthalt!" Es fehlte eine Sekunde an dieser einen Minurr, da kam»och ein Herr in rasender Eile den Bahnsteig entlang gestürmt, unter dem einen Arm eine Plaidrolle und einen Negenschirm, in der andren Hand ein Köffercheu. Trotzdem ihm alles auswich brachte er es fertig, den Bahnhofs» inspektor anzurennen, über einen Hund zu stolpern und mit seinem Koffer einen Kellner zu stoße». der Wiener Würstchen und Pilsner Bier auf einem Tablett ausbot. Der Inspektor fluchte, der Hund heulte und der Kellner, dessen Vier ans die Würstchen floß, schimpfte, während der Schaffner die nächste Wagcnlhür aufriß, die der Berspätele mit einem verzweifelten Satz nehmen wollte, indem er den Koffer vorauSschlendcrtc. Aber er blieb mit der Plaidrolle in der Thür stecke», durchbohrte den Schaffner fast mit seinem Schirm, der ihm mit einen, freundlichen Schub nachhelfen wollte, so daß dieser zurückprallte, und voraus- sichtlich wäre er auf den Bahnsteig zurückgefallen, wenn nicht eine rettende Hand von innen die Plaidrolle erfaßt«nd ihn vollends hereingezogen hätte. Der Schaffner schlug die Thüre zu und der Zug dampfte ab. Drinnen im Wagen aber lagen der Gerettete und der Retter über einander gefalle» am Boden, dazu Koffer, Plaidrolle und Schirm, teils unter, teils auf ihnen. Beide starrten sich eine Sekunde lang sprachlos an. „Hoppla," sagte endlich der Eindringling, indem er mühsam am Sitz emporkrabbelte,„beinah hätte es ein Malheur gegeben!" „Beinah nennen Sie das I" rief die Dame entrüstet, die immer noch am Boden saß.„Und Sie entschuldigen sich nicht einmall Mußten Sie denn durchaus zu spät kommen? Ist das erhört, sich und andre in Lebensgefahr zu bringen auf solche Weise? Außerdem ist dies ein Damen-Conpce!" Mit einem Ruck schnellte sie jetzt empor, ohne die Hand zu nehmen, die er ihr bot. ,.O, meine Rosen I" rief sie schmerzbewegt, eS zeigte sich nämlich, daß sie sich im Fallen auf einen Strauß herrlicher blühender Rosen gesetzt und diese völlig zerdrückt hatte. Zornig schlenderte sie die Blumen zum Fenster hinaus. „Aber, mein Fräulein, ich bitte tausendmal um Entschuldigung... das kann doch jedem passieren... mußte mir da ein guter Be- kaimter auf dem Wege zur Bahn begegnen, der durchaus noch einen Schoppen schmettern wollte... dabei inachte er mir eine so intcr» essante Mitteilung, daß ich vergaß, auf die Uhr zu achten... bitte also tausendmal um Pardon. Ach, Gott, die schönen Rosen... werde mir erlauben. Ihnen einen Ersatz zu verschaffen. Sie haben sich doch hoffentlich nicht weh gethan?" „Ich danke für Ihren Ersatz, wie können Sie überhaupt von „Ersatz" reden, für die meisten Dinge giebt es keinen Ersatz. Haben Sie das etwa noch nicht erfahren? Dann müßten Sie wenig erlebt haben. Aber eins will ich Ihnen noch sagen. Das kann nicht jedem passieren, daß er auf solche Weise zu spät kommt. Mir könnte es zum Beispiel nicht passieren. Wenn ich es eilig zur Bah» habe, lasse ich mich nicht durch das Geschwätz irgend eines guten Be- kannten aufhalten. Wer das thut, der wird wohl im Lebe» immer und überall zu spät kommen!" „Aber mein Fräulein, erlauben Sie... verzeihen Sie... es giebt doch Gründe, ivelche... man kann unter Umständen... auch ein Mann kann unter Umständen..." „Ach, beivahre, für einen Mann soll es gar keine Umstände geben, wenn er etwa? will!" Johann Ferdinand Rümpel sah sein Gegenüber völlig verdutzt an. Er war ein etwas zur Korpulenz neigender Junggeselle mit einer angehenden Glatze, von sehr fricdferligem Aussehen und rosigem Teint. Sie hätte Modell stehen können zum Typus der„neuen Frau". Mager wie eine Scccssions-Nhmphe, überreif, im Jugendstil gekleidet, mit großer Unabhäiigigkeitsmiene. Der Zug saufte unterdessen durch eine flache, sandige Gegend mit dürftigen Kornfeldern und graugrünen Kiefcrnheiden. „Gott soll mich belvahren!" sagte er etwas kleinlaut,«wenn nian aber doch etivas so Wichtiges erfährt, ctivas so ungeheuer Wichtiges, das kann einem doch, so zu sagen, alle Fassung rauben, daß man etivas andres Wichtiges darüber für den Angenblick vergißt." „Schwachheit!" sagte sie nur geringschätzig. Seine Augen wurden kugelrund vor innerer Erregung. „Aber, mein Fräulein, ivenn Sie sich nun verloben wollten, vom Fleck iveg verloben, nachdem Sie es so lange Jahre überlegt und ans Borsicht so lauge gelassen haben, bis Sie die Taille und die Haare darüber verloren haben..." „Entschuldigen Sie. ich habe ivedcr meine Taille noch meine Haare verloren. Ich trage nur Reforin-Korselt und keinen falschen Zopf." „Nu, ich meine nur so... rch meine ja mich... also.., Sie wollen sich verloben..." „Pardon, ich denke gar nicht daran. Nach dem neue» Bürger- lichen Gesetzbuch hat die Ehe viel Bedenkliches." „Also, ich ivill mich verloben, und da erfahre ich eben von diesem guten Bckaiinten, daß ich im Begriff ivar, der Dame einen Antrag zu machen, die ich gar nicht haben will." „DaS kann allerdings auch nicht jedem passieren I" „Nicht ivahr? Soll man darüber nicht das Gleichgewicht ver- lieren?" „Aber wciin nun der umgekehrte Fall eintritt, wenn nun die Dame, der Sie einen Antrag machen, Sie nicht haben will?" „O, wann» sollte sie mich nicht»vollen? Ich bin ein Mann in geordneten Berhältnissen, in sehr geordneten Verhältnissen. Und ich bin sehr musikalisch. Ich singe in unsern» Gesangverein Vaß-Solo. Natürlich crivarle ich von meiner Frau dasselbe." . Erlauben Sic. Ihre Frau kann doch nicht Baß-Solo singen!" „Aber ich meine ja die guten Berhällnisse. Singen ist nicht durchaus notivendig. Da ist nun ein guter Freund von»nir ge» starben, älter als ich, ein alleinstehender Mann, aber schiverrcich. Eine Nichte in gesetzten Jahreir, die ihin die Wirtschaft führte, soll seine Hanptcrbin sein. Das»väre nun eine passende Frau für»nick ge» ivesen; sie ist ein ordentliches Frauenzimmer und versteht das Ihre zusammenzuhalten. Ein ganz komplettes Franenzinimer, aber von Hause ans arin, ganz arnr. Sonst hätte ich sie»nir ja längst ge- holt, denn gern mögen»vir uns schon lange, sehr lange. Sie nannte mich immer„mein Schäfchen" und„alter, dummer Hans" lind kochte mir immer mein Leibgericht.»Eisbein mit Sauerkraut", wenn ich meinen Freund besuchte. Und das thut man doch nur aus Zu- neigung." »Allerdings!" „Dafür wollte ich sie nun auch vom Fleck weg heiraten. Ach Gott, das hätte gewitz eine glückliche Ehe gegeben. Und meine Mutter hatte ja nun auch nichts mehr dagegen. Da erfahre ich eben, wie ich zur Bahn will, daß sie gar nicht die Erbin ist, sondern eine andre Dame, die Tochter einer Jugendliebe meines Freundes. Die Nichte soll mit einer Kleinigkeit abgefunden sein. Das geht mir recht nahe!" »Ja. wozu reisen Sie denn nun überhaupt hin?" Johann Ferdinand Rümpel riß seine Aeuglein noch weiter auf und sagte: „Ja, Sie haben eigentlich recht, nun hätte ich mich gar nicht so zu übereilen brauchen!" „Sie sind ein gottvoller Mensch!" lachte jetzt die Dame, daß ihr die Thränen hernnterliefen. »Sie brauchen mich gar nicht auszulachen," bemerkte Herr Rümpel sehr piquiert,»ich will mich jetzt nach der andren Erbin er- kundigen. Wenn Sie das Haus meines Freundes Schönstedt geerbt hat, wird sie wohl an Ort und Stelle sein, und ich will sie mir an- sehen. Denn heiraten niuß ich auf jeden Fall, hat meine Mutter gesagt." Die Fremde funkelte ihn plötzlich zornig an.„Soll ich Ihnen sage», Iver ich bin? Ich selbst bin die Tochter jener Jugendliebe, die Hauptcrbin vom alten Schönstedt!" .Allmächtiger!" schrie Herr Rümpel, die Hände zusammen- schlagend,»da bin ich aber reingefallen!" „Ja. reingefallen sind Sie— der ganzen Länge nach ins Conpce!" „Aber, mein liebes Fräulein, das trifft sich ja herlich I Da haben wir uns nun zufällig so nett kennen gelern.. »Ja, wirklich sehr nett." »Sollten Sie nicht vielleicht geneigt sein..." „Ja, ich bin geneigt Ihnen die Wahrheit zu sagen. Wissen Sie, was Sie sind? Sie sind ein Mensch mit niedriger Gesinnung l Sie find in guten Verhältniffcn und lieben ein braves Mädchen, das Ihnen zugelhan ist. Aber Sie heiraten es nicht, weil es arm ist, Sie wollen nur schnöden Mammon heiraten. So wissen Sie denn. daß Ihr Bekannter Sie falsch unterrichtet hat. Henriette hat immer noch einen großen Teil des Schön- stedtschen Vermögens geerbt. Natürlich werde ich sie jetzt vor Ihnen warnen und mir selbst ein warnendes Beispiel daran nehmen. Sie haben sich zwischen zwei Stühle gesetzt, mein Herr! Hier ist Station Prottkau, Jcttchcn wartet auf mich— leben Sie wohl, niein Herr!" Leichtfüßig sprang die schlanke Gestalt auf den Bahnsteig hinrnlS, während Herr Rümpel niedergeschmettert sitzen blieb. Bis er zur Besinnnng kam, war der Zug schon iviedcr abgedampft, er mußte bis zur nächsten Station mitfahren, und da sein Billet in Prottkau ab- gelaufen ivar, Strafe zahle». Außerdem ivar er verurteilt, fünf Stunden ans der kleinen Station Wcgckang iit flacher, öder Haidegcgend zu sitzen, um auf den nächsten Zug zu warten.— Mlsinos Feuillekon. bt. Sven Hcdins neueste Reise. Tibet, das Land der Lamas, und die heilige Stadt Lhassa, der Sitz des Dalai-Lama, ist in den letzten Jahrzehnten niehrfach das ersehnte Ziel europäischer Reisenden gewesen. Es ist noch nicht allzu lange her, daß ein englischer Reisender, Landor, der von Indien ans in Tibet ein- gedrungen, aber Lhassa nicht erreicht hatte. Über die Sitten des Ge- birgSvolkcs die merkwürdigsten und abenteuerlichsten Berichte veröffcnt- lichte. Folternngen mit glühendem Eisen, Blenden der Augen, grausamste Mißhandlungen sollte» sich die Eingeborenen de» Fremden gegenüber haben zu Schulden kommen lassen. Ganz anders klingt der Bericht, den der rühnilichst bekannte schwedische Reisende Sven H c in 11 über seine Reise und über die Tibetaner veröffentlicht. Im Mai 1901 brach er mit einer großen Karawane vom Lap-nor aus und schlug die südliche Richtmig direkt nach der heiligen Stadt Lhassa ein. Er wußte recht ivohl, daß diese von den Tibetaner» nicht nach ihrer heiligen Stadt hineingelassen werden würde; deshalb eilte er ihr voraus und ging nenn Tage laug, als Pilger vcrtleidct, mit nur wenigen Begleitern in Gewaltmärschen vorwärts, seinem Ziele zu. Schon befand er sich nicht mehr weit von den« nördliche» Ufer des Sees Tengri-nor, der nur noch 200 Kilo- Nieter von Lhassa entfernt ist; da aber wurde er von den Tibetanern als Europäer erkannt, und damit war der Weg nach Lhassa ver- sperrt. Er wurde gezwungen, zu seiner Karawane zurückzukehren, und setzte mit dieser die Forschungsreise noch eine Weile in südlicher Richtung fort, wenn auch nicht mehr ans dem gerade» Wege nach Lhassa. Irgendwelche Feindseligkeiten und Belästigungen hatte er hierbei von den Tibetanern, welche die Karawane beständig begleiteten, nicht zu erdulden. Die Erschöpfung der Zugtiere zwang die Reisenden schließlich, nach. Westen umzubiegen und sich nach Kaschmir zu wenden. Das Städtchen Leh in der südliche» Provinz Ladakh wurde am 20. De- zeinber erreicht; die Tiere der Karawane ivaren auf neun Kamele, fünf Maulesel und ein Pferd zusammengeschmolzen. Hätten die Tibetaner sich auf diesem beschwerliche» Marsche feindselig erwiesen, so wäre es den Reisenden wohl schlimm ergangen. Äber im Gegenteil, sie stellten in willigster Weise Leute und Zugtiere zur Verfügung; der Dalai-Lama hatte den Befehl erteilt, den Reisenden Vorschub zu leisten, und dadurch kam Hedin in nahe Berührung mit vornehmen und niedere» Personen der eingeborenen Bevölkerung. Nach den Erfahrungen, die er hierbei gemacht, zieht er Landors Angaben als die eines„Sensationsreisenden" durchaus in Zlveifel und verweist sie in das Gebiet der Phantasie. Von Leh ans wandte sich Hedin, nachdem er einen kurzen Ali- stecher nach Indien gemacht, nordwärts und kam über Jarkent nach Kaschgar, wo seine Reisen am 14. Mai 1902 ihren vorläufigen Ab- schluß fanden. Auf der Tour sowohl in südlicher Richtung durch Tibet als nachher in ivestlicher bis Ladakh wurde vielfach Gebiet durch- zogen, das bisher nicht mir von keinem Europäer, sondern Überhaupt noch von keinem Menschen betreten war. Die geographischen Ergebnisse dieser Reise sind daher sicherlich sehr wertvoll und werden von Hedin in einem besonderen Abschnitt über Tibet bearbeitet werden. Rund ein Jahr hatte diese Reise in An- spruch genommen: aber auch in den voraufgehenden IVe Jahren— die gesamten Reisen unifaßten eine» Zeitraum von 2V2 Jahren— hatte Hedin eine reiche wisienschaftliche Ausbeute erhalten. 1149 Karten hat er mitgebracht, die ziisainmeiigelegt sich über 300 Meter Länge erstrecken. Ehe diese Karten genau verarbeitet sind, kann sein Weg nur ungefähr angegeben werden— werden ja die bisherigen Karten der von Hedin durchzogenen Länder gerade durch seine Forschungen»ichtunerheblichverändertwerden. Im September 1899 war Hedin von Lajlik, östlich von Kaschgar, aufgebrochen und ini Norden der Wüste Takla-Makan entlang ge- zogen. Auf seiner früheren großen Reise in den Jahren 1894—97 ivar er in östlicher Richtung in die Wüste eingedrnngen und hatte bei diesem Unternehmen seine ganze Karawane, beinahe auch das Leben verloren. Später war es ihm geglückt, den westlichen Teil der Wüste in der Richtung von Süden nach Norden zu durchschreiten, wobei er die Ucberreste zweier vom Wüsten- fände verschütteten Städte gefunden hatte. Diesnial zog er zu Wasser auf dem Tarim- Flusse entlang bis Jangi- kul, wo er im Dezember anlangte. Hier schlug die Expedition für längere Zeit einen festen Standort auf, während Hedin eine Reihe von Ausflügen unternahm. Der erste führte ihn wieder in die Wüste Takla-Makan, von der diesmal der westliche Teil in der Richtung nach Süden bis Tjertjen durchquert wurde. Für diesen Teil der Wüste sind ganz besonders hohe Dünen charakteristisch: völlig sandfreie Strecken wechseln mit Dünen von 100 Meter Höhe ab. Ein zweiter Ausflug führte Hedin zu dem alten Bette des jetzt ganz ausgetrockneten Lop-nor; an seinem Nordende fand er die Ruinen vor Häusern und Tempeln, die auch hier das einstmalige Bestehen c'ner blühenden, volkreichen Stadt anzeigten. Der iritte Ausflug, der im Sommer und Herbst 1900 unter- nommeu wurde, erstreckle sich über mehr als drei Monate. In dieser eit wurde eine förmliche Rundreise durch den nordöstlichen Teil von ibct gemacht, die durch absolut unbewohntes und unbekanntes Gebiet flihrte. Eii. andrer Ausflug führte weiter ostwärts in die Lop-Wüste und in die Wüste Kum-tag, die zwischen dem Lop-nor und Sa-tschon liegt: dieser Marsch war ganz besonders mühselig, so fehlte Hedin einmal zwölf Tage lang Wasser. Auf dieser Tour lehrte er, erst nördlich und dann westlich marschierend, noch einmal zu dem alten Lop-nor-Bcckcn und den dort anfgefnndenen Ruinen zurück; die ganze Gegend bis zum gegenwärtigen Lop-nor durchkreuzend, nahm er ein genaues Nivellement auf. Dadurch konnte er feststellen, daß das alte Becken genau so liegt, ivie Freiherr v. NichtHofen seiner Zeit angenommen; ferner fand er seine bei der früheren Reise aus- gesprochene Vermutung bestätigt, daß der See jetzt wieder in rascher Wanderung nach Norden, seinem einstnraligeu Becken zu, be- griffe» ist. Ans diese» geringen Andeiitungen ist schon zn erkennen, daß die wissenschaftlichen Ergebnisse von Hedins Reisen ziemlich bedeutsam sind. Als zufälliges Kiiriosnm mag noch erwähnt werden, daß die gesamte von Hediu vermessene Strecke 10 500 Kilometer beträgt, gerade genau so viel, als er auf seinen früheren Reisen vermessen hat.— ie. Eine sonderbare MeercScrscheiuuug hat der Graf de Reneffe auf einer Reise durch den Indischen Ocean beobachtet und jetzt nach seiner Rückkehr beschrieben. Der seit mehreren Jahren in jenem Mecresgebict reisende Kapitän des Schiffes hat das frag- liche Schauspiel als äußerst selten bezeichnet. Am 30. Januar gegen l/29 Uhr abends»ahm die vollkommen ruhige Meeresfläche eine milchweiße Farbe an, als ob sie mit einer dünnen Schicht von Schnee bedeckt wäre. Es schien über dem Wasser eine Art von Dampf zn lagern, und auf dem Deck des Schiffes konnte ein leiser Niederschlag von Feuchtigkeit bemerkt werden. Am sternenklaren Himmel zeichnete sich im Nordivesten ein leichter Dunst wie von Ncbclwolkcn ab. Durch die weiße Schicht hindurch, die auf deni Meer zn schwimmen schien, konnte man das Meeresleuchten, das seit inchrercn Tagen in schönster Art bemerkbar Ivar, in einigen flimmernden Punkten erkennen. Gegen Mitternacht ging der Mond auf, und in diesem Augenblick nahm das Meer seine gewöhnliche Farbe an. Bei Wiedercrscheinen des Tageslichts jedoch war die lucifce Schicht wieder sichtbar. Vielleicht kam: es zur Aufklärung der Erscheinung dienen, daß die Temperatur des Wassers und der Lust nahezu übereinstimmend war. Das Schiff befand sich zur Zeit in einer Breite von 5 Grad nördlich vom Äequator.— Hygienisches. — In S ch i e r st e i n wurde, wie die„Kölnische Volkszeitung' berichtet, vor einigen Tagen den städtischen Behörden von Wies- baden das»euerbaute Ozon wasser werk übergeben. Das Wasser einer Anzahl längs des Rheinufers gelegener Brunnen, das früher wegen seiner gesundheitsschädlichen Wirkung von der Regierung nicht freigegeben war, wird mittels des Ozon keim- frei gemacht. Bekanntlich erfand Werner Siemens die Ozon- erzeugung in größeren Mengen ans Luft mittels der Elcktricität, indem er die Luft durch einen Raum führte, m welchem ein andauernder Ausgleich hochgespannter Elcltricitätsmengen statt- fand, und so einen Teil des Lustsauerstoffes in Ozon verwandelte. Dieses Verfahren ist im Schiersteiner Wasserwerk in großem Maß- stabe angewandt. Das Wasser rieselt in geschlossenen Türmen über groben Kies und wird dann in fein verteiltem Zustande der Ozon- Wirkung ausgesetzt. Das auf diese Weise von den pathogcnen Keimen befreite Wasier schmeckt wie gutes Qucllwaffer, da sich das Ozon sehr schnell wieder in den gewöhnlichen Sauerstoff der Luft zersetzt. Bevor das Verfahren in Schierstein zur Anwendung kam, haben das Reichs-Gesimdheitnamt sowie das Institut für Infektionskrankheiten, an deffen Spitze Prof. Robert Koch steht, längere Zeit Versuche damit in einer technischen Probe- Anlage gemacht und die einwandsfreie keimtötende Wirkung festgestellt. In den großen Schiersteiner Ozon- Wasserwerken sind ebenfalls vom Kochschen Institut mit glänzendem Erfolge forcierte Versuche über die zerstörende Kraft des Ozons auf jene pathogcnen Bakterien ausgeführt worden, die als Träger der bekannte» Epidemien zur Zeit angesehen werden.— Aus dem Tierreiche. — Eine giftige Meeresschnecke. Glanville Cornch teilt in„Natnre" einen merkwürdigen BergifUmgsfall mit, der im „Prometheus" wiedergegeben wird. Eine Europäerin, Madame B., die seit langem auf den Fidschi-Jnseln wohnt und eines Abends im Hafen von Levuka mit Fischfang beschäftigt war, erhielt von einem Matrosen einen Landkarte»kegel(Conus geographicus)— jene ansehnliche, in Sammlungen häufig vertretene Schnecke—, den derselbe beim Ködersucheu am Strande aufgelesen hatte. Als sie versuchte. mit dem kleinen Finger das Tier aus der Schale zu bringen, fühlte sie stch gestochen, und nach wenigen Augenblicken stellten sich LähmungSerscheinungen ein, die sich erst in der Hand und dem Vorderarm zeigten und dann schnell bis zur Schulter gingen, so daß die Dame eiligst ans Land mußte, wo sie die Sprache verlor, da die Sprachmuskeln, wie fast alle frei- willigen Muskeln des Körpers, den Dienst versagten. Dagegen blieben Herzmuskel und Lunge ganz unberührt, auch das Bewußt- sein blieb erhalten, obwohl zeitweise eine leichte Jdeenverwirrung merlbar war. So bot der Zustand eine gewisse Aehnlichkeit mit dem einer Curare-Vergistung. Erst nach zwei Tagen ivar eine leichte Befferung bemerkbar, die sehr langsam fortschritt und mit Genesung endigte.— Aus dem Pfianzenlebe«. — In der neuesten„Garteuflora" teilt C. Sprenger- Palmi sKalabrien) einige interessante Beobachtungen über die U n v e r w ü st- lichkeit gelv isser Pflanzen nnt. An den Küsten Siziliens werde» von den Stürmen oftmals große oder kleine Agave americana losgerissen und monatelang von der Salzflut umher- getrieben. Man begegnet solchen Pflanzen auf der Oberfläche des Meeres, wenn man an den Küsten der Insel gondelt. Sie werden oft nach 1 bis 2 Jahren endlich den Strudeln der Enge von Mefsina entrissen und hier irgendwo mit halb verfaulten Blättern an die Küste getragen und treiben dann, obwohl sie völlig wurzellos waren, willig iveiter, Ivo man sie pflegt. Der feste Kern der Pflanze blieb gesund. Dieselbe Pflanze liegt ent- wurzelt 2— 3 Jahre unter dem Himmel Südkalabriens im Sonnen- brande des Sommers und allen Unbilden de« Winters ausgesetzt, lebt und wächst ruhig weiter, wenn man sie danach wieder aufrichtet und einpflanzt. Um Palmi giebt es an den felsigen malerischen Küsten prächtige Olivenwälder. In einem Haine wurde vor sechs Jahren ein sehr alter Oelbaum von einem Sturme entwurzelt und umgeworfen; er war zu schwer, um wieder aufgerichtet und weiter kultiviert zu werden, und man ließ ihn liegen. Es wurden ihm alle Aeste abgeschnitten und am Wnrzelhalse der Stamm durchsägt. Aber der Stamm liegt heute noch gesund und grünend auf der Erde, ohne Wurzeln und hat noch da und dort junge, noch grünende Zweige getrieben. Von den Stürmen um- geworfene und völlig entwurzelte Oelbäume werden meistens wieder aufgerichtet, nachdem man alle Aeste'abgeschnitten hat. Sie grünen als- bald weiter und werden bereits nach 3—4 Jahren wieder tragbar. Entwurzelte Feigenbäume bleiben gleichfalls jahrelang am Leben. Die Gärten Palermos, diese paradiesischen Dorados, können davon er- zählen. Alte Platanenftämme, abgeschnitten und wieder gepflanzt, leben und treiben nach einem Jahre junge Zweige. MAms alba darf unbeschadet zweimal des Stammes entlaubt werden und treibt dennoch wieder junges Laub. Cyperus rotaundus ist ein unausrottbares Unkraut. Die dunkelbraunen Knöllchen können drei Jahre im Sonnenbrande an der Erdoberfläche liegen und treiben sofort wieder Wurzeln, ivenn man sie mit Erde bedeckt. Im Waffer treiben sie fünf Monate lang, ohne zu faulen. Alte Bäume der Celtis austraJis durch Brände mitten im Sommer völlig entlaubt und an der Staude verbrannt, grünen bald wieder weiter. Man sollte sie um wertvolle Waldpartien pflanzen, sie würden den Bränden Ein« halt thun. Die Köhler in den Kastanienwäldern Italiens töten alte Bäume durch Winterfeuer und verbrennen oft die Stauden; demioch grünen solche Bäume und werden sehr alt.— Humoristisches. — Hin ausgegeben. Hansherr(zn einem Handwerks�- bnrschen, den er vergebens läuten ließ):„Das ist doch eine boden- lose Unverschämtheit' fortwährend zn läuten; scheren Sie sich zum Teufel, solche ungebildete Menschen läßt man nicht herein!" Hand werksbursche:„Ja sagen Sie mir doch, lieber Herr. wie S i e da hineinkamen?' — Offenherzig. Freundin:„Dein Bräutigam, liebe Rosa, gefällt mir, im Vertrauen gesagt, gar nicht!" Fräulein Rosa:„Wenn es Dein Bräutigam wäre, würde er mir, offen gesagt, auch nicht gefallen I"— — Uebertrumpft. Herr Butzerl ließ bei Ankunft seines achten Sprößlings in einer Anwandlung von Galgenhumor gleich Karten en gros drucken: Laufende Nr__ Name- Die Geburt eines gesunden - beehren sich hiermit anzuzeigen. Hans Butzerl u. Frau, geb. Storch. TuiidHeim, dsn- 19— Nächstes Jahr bekam er— D r i l l i n g e.— („Meggendorfcr Blätter.') Notizen. — Gerhart Hauptmann arbeitet gegenwärtig an dem vierten Akt des„ A r m e n Heinrich'; das Stück soll im nächsten Winter zur Aufführung gelangen. Wie Philo vom Walde in der .Breslauer Zeitung" mitteilt, trägt sich der Dichter mit dem Plane, in S ch r e i b e r h a u ein Nationaltheater zu gründen, worin während der Hochsaison 15 bis 20 Vorstellungen gegeben werden sollen.— — Erschienen: Almanach der„Lu st igen Blätter" für 1303. 128 Seiten. Preis IM.— — Max Lauren ce ist dem neuen Trianon-Theater als Darsteller moderner Charakterrollen für mehrere Jahre der- pflichtet worden.— — Das Th alia- Th e a t er eröffnet die Wintcr-Saison am 16. August mit der Posse„Er und seine Leute".— — Im Neuen königlichen Opern-Theater(Kroll) geht am 30. August„Vöroniqne", dreiakttge Operette von Messager, erstmalig in Scene.— — Die Mor witz-Oper wird ihre Vorstellungen am Mctropol« Theater am 17. August abbrechen.— — Konkurrenz. Cosima Wagner will es nicht dulden, daß die Bayreuther Künstler jetzt schon' für die Festspiele im Prinz« regenten-Theater(München) im Jahre 1303 für höhere H o n o r are engagiert und die Engagements veröffentlicht werden. Sie hat im Namen der Wagnersche'n Erben eine Beschwerde an die Gcheimkanzlei des Prinzregenten gerichtet.— — Auf 20000 schätzt Fritz Stahl(„Verl. Tagbl.") die Zahl der in diesem Jahre in Deutschland zur Ausstellung gelangte» Gemälde, Skulpturen ec. Wohin mit dem Segen? Er giebt den Künstlern den Rat, mit ihren Preisen herabzugehen, damit auch weniger Bemittelte als Käufer auftreten können.— — Die städtische Gemäldesammlung in Elberfeld hat ein wertvolles Gemälde von H a n S T h o m a«Oelbäume bei Tivoli" erworben.— — Wie wasserreich das Vogtland ist, geht u. a. deutlich aus der in dem Statistischen Jahrbuch für 1901 erschienenen Ueberficht über die sächsischen Flüsse mit ihren Zuflüssen hervor. Danach hat die Weiße Elfter, der Hauptfluß dcS VogtlandcS, dazu ohne Pleiße, nicht weniger als 86 direkte Nebenflüsse, und zwar auf dem linken Ufer 47, mif dem rechten 39. Die Nebenflüffe auf dem linken Ufer haben wieder insgesamt 76 Zuflüsse erster Ordnung. 31 zweiter Ordnung, 3 dritter Ordnung. Die Nebenflüsse auf dem rechten Ufer, unter denen die Göltzsch der größte ist, haben zusammen 112 Zuflüsie erster Ordnung, 42 zweiter Ordnung, 40 dritter Orb- nung und 3 vierter Ordnung, davon die Göltzsch allein 24 Zuflüffe erster Ordnung und 13 zweiter Ordnung.— — Auf der Eisenbahn zwischen Berlin und Magdeburg werden, der„Berliner Börsenzeitung" zufolge. gegenwärtig' V e r f u ch e im Schnellfahre» von aus zwei Lok'omosiven und zwei V-Zug« wagen bestehenden Zügen vorgenommen, wobei bisher eine Ge- schwindigkeit von 140 Kilometer in der Stunde erreicht lvurde.—* Verantwortlicher Redactem: Julius Kaliski m Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlm.