Interhaltungsölalt des vorwärts Nr. 152. Donnerstag, den 7. August. 1902 «Nachdruck Diidoleiu 72j Drv ZNo>n!rs?nann. Roman von Holl C a i» c. Autorisierte Utbersetziing. „Lassen Sie das!" rief Nancy,„denn das geht auf mich." Pete hatte bisher still dagestanden, mit halb zorniger, halb jammervoller Miene. ..Ich bitte alle um Verzeihung." sagte er seht,„denn ich will das, was Ihr sagt, nicht in Abrede stellen. Ich bin wie der Fisch, den ein Boot im Schleppuetz hat, das Netz ist über mir zu und ich bin gefangen. Das Spiel ist auS. Ja, ich habe Euch getäuscht und selbst jene Briefe geschrieben. Ich habe keinen Onkel Sepp und keine Tante Hainichen. Meine Frau hat mich verlasse». Ich weiß nicht, wo sie ist und was aus ihr geworden ist. Ich bin geschlagen und bekenne mich für überwunde». Zeichen der Besriedigung wurden laut.„Doch Du fühlst nicht da? Bedlrrfuis der Sündenvergebung, Bruder?" fragte Cäsar. „Nein," sagte Pete,„was ich gethan habe, hielt ich für's beste, und wenn es trotzdeni unrecht war, so wird es mir der Allmächtige vergeben." Cäsar licsj die Untcrlippc hängen. Pete aber richtete sich zu voller Höhe auf und sah sie alle der Reihe nach an, bis seine Augen auf deni Postboten hasten blieben. „Man braucht aber einen Dieb, um einen Dieb zu fangen," sagte er.„Wer von Euch tvar der Dieb, der mich sing? Dielleicht bin ich nur ein ungeschickter Dummkopf ge- Wesen, und Ihr wäret im Vergleich zu mir sehr gerieben und ungemein schlau, doch glaube ich, daß Ihr bei alledeni nicht gewitzigt genug seid." Er hielt das gelbe Couvert empor.„Dieser Brief war versiegelt, als Sie ihn mir gaben, Herr. Wie konnten Sie wissen, was er enthielt?„Von Amts wegen geöffnet," sagen Sie? Es sind aber nicht bloß unbestellbare Briefe, die mit diesen Worten zurückkommen." Der Briefträger fuhr sich mit den Händen in die Haare. „Der Herr weiß Mittel und Wege, sein Werk hinaus- zuführen, nicht wahr, Cäsar? Doch habe ich niemals gehört, daß dazu das Oeffuen der Briefe andrer Leute gehört." Mr. Kelly zwinkerte sich fast seine Luchsaugen aus. Pete warf den Brief und den Umschlag ins Feuer.„Ihr seid gekommcu, mir zu sagen, daß Ihr meine Frau auf Eurer Lislc gestrichen habt. Ganz recht. Ihr könnt mich ebenfalls arissireicheil, und wenn Ihr daS Geld, das ich Euch gegeben. zur Hand habt, fo könnt Ihr auch dieses mit ausstoßen und reine Wirtschaft machen." Der schwarze Toni wollte fast bersten vor unterdrücktem Sachen und mußte sich an der Tischeckc festhalten i Cäfar Ivand und krümmte sich vor seinen forschenden Blicken. „Ihr wißt gar viel ans dem alten Buche und ich nur wenig", sagte Pete,„doch heißt es irgendwo darin: Wer unter Euch ohne Sünde ist. der werfe den ersten Stein auf sie. Ich will mich nicht für einen Heiligen ausgeben, darum überlasse ich's Euch." Die Stimme wollte ihm versagen, doch fuhr er fort: „Ihr macht, wie mir scheint, viel Aufhebens über ein ge- brochenes Gebot, ich aber denke mehr über das gebrochene Herz. Davon steht gclviß auch etwas irgendwo in der Bibel. Die Frau, die von mir gegangen ist, mag tvohl unrecht ge- than haben, das arme Ding! ich sage nicht das Gegenteil. Wenn sie jedoch tvieder zurückkommt, so mögt ihr sie ausstoßen, ich aber werde sie aufnehmen, was auch aus ihr geworden ist— sie mag gethan haben, tvas sie tvill." Er setzte sich auf einen Stuhl vor das Feuer und drehte ihnen den Rücken zu. „Und nun könnt ihr heimgehen. Euch gütlich zu thun," sagte Nancy, sich die Augen trocknend,„und laßt mich die Küche scheuern, ich werde viel Wasser brauchen, damit sie rein wird von so schmutzigen Kerlen, wie ihr seid." Auch Cäsar wischte sich das Auge aus, welches dem schwarzen Tom zunächst war.„Kommt." sagte er mit kläglicher Ergebung,„unser Gang ist vergeblich gewesen. Der Mohr kann seine Haut nicht ändern, noch der Leopard seine Flecken." „Nein, aber er kann sie doch mit einem lleberrock be- decken," sagte Nancy.„Ja, der Floh sticht, nicht wahr, Cäsar? Schilt nicht auf den Tpiegel, wenn Dein Gesicht häßlich ist." Cäsar that, als hätte er sie nicht gehört.„Es ist freilich nicht wahrscheinlich," sagte er, einen Seufzer hinter Petes Rücken ausstoßend,„aber wir wollen doch den Herrn bitten, daß wir eines Tages alle zum Himmel eingehen." „Nicht ich, ich bedank' mich dafür," rief Nancy; mit eures« gleichen möcht' ich nirgends hingehen." Das war selbst für Cäsars Hiobsgeduld zu viel.„Thö- richtes und undankbares Weib," rief er,„das von meinem Brote gegessen und aus meinem Kelche getrunken hat—" „Wollen Sic einen Fluch gegen mich schleudern" fragte Nancy.„Der Tausend! da sind Sie wohl gar von Pharaos Tochter zwischen den Binsen gefunden und zum Propheten gemacht ivorden?" „Lassen Sie sich doch in keinen Wortwechsel mit einer Frauensperson ein. die allein bei einen« lcdigen Manne lebt," sagte Mr. Nipligthly. Nancy schwang daS Kiud von dem rechten auf den linken Arm und versetzte niit der frei gewordenen Hand dem Kon- stabler eins ins Gesicht.„Nimm das als Arznei für Dein schlechtes Herz," rief sie,„und sage dem Dccmster, daß ich Dir's gegeben habe." Dann ivendcte sie sich zu dem Postboten und dem schlvarzcn Tom.„Hinaus mit Dir, Du kleiner Spitzbube. Dein Mund ist ein schmutziger Stadtbrunnen und Deine Zunge der Pinupenschwengel daran. Und Du, große schwarze Spinne, gehe heim und laß Dich begraben: alt genug und schlecht genug bist Du dazu. Fort mit Euch, Ihr Lunipen- pack!" schrie sie und schlug die Thürs hinter ihnen zu, öffnete sie aber noch einmal zu einem Abschiedsgruß.„Und wenn es lvahr ist. daß Ihr zusammen auf dem Wege zum Himmel seid, so laßt es>uich wissen, damit ich sehe, wie mir's in der Hölle gefällt." XIX. Pete saß am Abend neben der Wiege, die er mit dem Fuß schaukelte, und stützte einen Arm auf den Tisch, während seine andre Hand zärtlich mit dem Ringe und der Ohrringen spielte, die er oben in der Schublade gesunder hatte. Da tvard auf einmal heftig an die Thür gepocht— es gab einen hohlen Widerhall, wie wenn man auf einer Sargdeckel klopft. „Herein!" rief Pete. Es war Philipp aber fast hätte man denken können, de« Tod sei eingetreten, so dünn und knöchern waren seine Wangen, so tvild seine Auge» und seine Hände so kalt. Pete war auf alles gefaßt.„Du bist auch dahinter ge- kommen, wie ich sehe, und hast mciile Finten entdeckt," sagte er trotzig.„Du brauchst es mir nicht erst zu sagen— das heißt einen Fisch fangen, den man schon an der Angel hat." „Sei stark, Pete," sagte Philipp.„Es wird ein harter Schlag für Dich sein." Pete blickte mit verändertem Wesen auf.„Sprich cS nur aus, Philipp. Das wäre ein armseliger Mann, der nicht ertragen könnte--" „Ich bringe Dir die traurigste Botschaft," sagte Philipp und setzte sich so weit wie möglich weg von ihm. „Du hast sie gefunden... Du hast sie gesehen... Wo ist sie?" „Sic ist..." fing Philipp an und hielt dann inne. „Nur ivcitcr, Kamerad. Ich Hab' schon mehr Unglück im Leben erfahren." „Kannst Dn's hören?" sagte Philipp.„Sie ist..." und er stockte aufs neue. „Sie ist— wo?" fragte Pete. „Sie ist— tot," sagte Philipp endlich. Pete sprang empor. Philipp stand ebenfalls auf, und die Worte strömten ihm jetzt ivie ein Wassersturz aus dem Munde. „Dies alles ist schon einige Zeit her; ich war aber außer stände, es Dir früher zu sagen. Ich versuchte cS. aber ich konnte nicht. Es war in Douglas... an einem Fieber.., in einer Wohnung... allein... ohne Pflege..." „Warte einen Augenblick I Laß mir Zeit/' sagte Pete. „Seit ich in 5Umbcrlcy eine Kugelwunde bekam, habe ich dann und wann Stiche in der Seite und manchmal stockt mir plötzlich der Atem." Er taumelte nach der Thüre zur Vorhalle, riß sie auf und kam dann keuchend zurück.„Tot, tot! Käthe ist tot!" Nancy kam gerade ans der Küche, und als sie hörte, was er sagte, hob sie beide Hände zum Himmel und stieß einen durchdringenden Schrei aus. Er packte sie bei den Schultern, drehte sie um, drängte sie wieder hinaus, schloß die Thür hinter ihr zu und sagte, die rechte Hand fest auf seine Seite pressend:„Die Frauen sind tapfer, doch wenn der Sturm einen Mann ergreist Er brach ab und murmelte:„Tot, Kitty ist tot!" Das Kind, das bei Nancys Aufschrei erwacht war. wimmerte jetzt kläglich. Pete ging zur Wiege, schaukelte sie mit dem Fuß und lallte dabei mit zitternder Stimme:„Bisch, Kindchen, bisch!" Philipp atmete schwer. Ihm war, als stünde er hart am Rande eines Abgrundes, mit dem Drange, sich hinunter zu stürzen.„Gott verzeih mir's!" sagte er.„Ich könnte mich dafür umbringen. Ich Hab' Dir das Herz gebrochen..." „Fürchte nichts für mich," sagte Pete.„Ich bin ein alter abgetakelter Hulk, der schon manches Wetter gesehen hat, und gehe von innen aus nicht gleich in Stücke. Laß mir nur Zeit. Kamerad— laß mir Zeit." Dann fing er wieder zu murmeln an:„Tot, Kitty tot! Bisch, Kindchen, bisch I Meine Kitty ist tot!" Die Kleine schlief und Pete setzte sich wieder auf seinen Stuhl, nickte nach dem Feuer hin und sagte»in weichem, kindlichem Ton:„Ich Hab' sie gekannt, so lang ich lebe, mußt Du wissen. Sie ist schon mein Liebchen gewesen, als sie noch ein kleines Ding war, und dem Schulmeister eine Maulschelle gab. weil er mich ungerecht schlug. Ein süßes, kleines Mädchen war sie damals. Kamerad, mit ihren braunen Fützchen und ihrem widerspenstigen Haar. Und nun ist sie ein Weib und ist tot. Der Herr erbarme sich meiner!" Er stand aus und fing an, mit schweren Schritten im Zimmer auf und ab zu gehen, als hätte er Blei an den Füßen.„Wie froh und glücklich sie noch war, als ich nach Kimberley abreiste; ich sehe noch ihr hübsches Gesicht in der Morgenstühe am Fenster, ganz Lachen und Mutwillen. Fünf Jahre Hab' ich sie so in meinen Träumen gesehen und nun ist sie tot! Kitty ist tot I Meine Kitty I Gott helfe mir I O Gott, habe Erbarnien mit mir!" Er gab sein unstätes Hirnmdhergehen auf, setzte sich und starrte ins Feuer. Seine Augen waren rot, als strömte alles Herzblut hinein, doch zeigten sie keine Spur einer Thräne. Philipp versuchte nicht, ihn zu trösten. Er hatte ein Gefühl, als müßte ihm jede Silbe in der Kehle stecken bleiben. „Ich verstehe jetzt, wie alles gekommen ist," sagte Pete. «Während ich fort war, hatte sich ihr Herz verändert, und als ich zurückkam, glaubte sie. mir Wort halten zu müssen. Mein armes Lamm! Sie war ja doch nur ein Kind. Ich aber war ein Mann und hätte sehen sollen, wie's stand. Es geht mir wie einem Ertrinkenden; auf einmal kommt nur alles ins Gedächtnis zurück. Ich seh' es jetzt nur zu klar. Es ist aber zu spät. Arme Kitty! Und ich glaubte, daß ich sie so glück- lich machte I Du wirst mir's kaum glauben," fuhr er mit einem hilflosen Blick fort,„doch ich habe nie etwas andres gedacht. Nein, sicher nicht, es verhält sich thatsächlich so. Ich war wie ein Schiffer, der während der ganzen Heimreise an einen: vergoldeten Käfig für das bunte Singvögelchen arbeitet, das er sich irgendwo in den sonnigen Ländern ge- fangen hat; aber wenn er's hineinsetzt, das arme Ding, so wünscht sich's immer nur weit fort." Im Gefühl seiner Erbärnilichkeit saß Philipp da und hörte ihm zu.„Du hast Dir nichts vorzuwerfen." sagte er endlich, den Blick zu Boden senkend.„Du hast alles gethan, Was ein Mann thun konnte. Und auch sie trifft kein Vor- Wurf. Es war die Schuld eines andern. Er ist zwischen Euch getreten. Vielleicht hat er geglaubt, er könne nicht anders— vielleicht überredete er sich, Gott weiß, was er sich vorgelogen hat. Sie aber ist unschuldig. Pete; glaube mir, sie—" Pete schlug mit der Faust schwer auf den Tisch, daß die Ringe, die darauf lagen, in die Höhe schnellten und klirrren.„Was kümmert mich das?" schrie er.„Was frage ich danach. ob sie unschuldig ist oder schuldig? Sie ist tot— nicht wahr? Mehr brauche ich nicht zu wissen. Ver- � wünscht sei der Mann! Sprich mir nicht von ihm. Jetzt! gehört sie mir! Er soll sich nicht mehr zwischen mich und nrein Eigentum drängen!" Es war zu viel für das zerrissene Herz und das gefolterte Hirn. Pete ließ den Kopf auf den Tisch sinken. Sein Zorn war aber sogleich verflogen. Ohne den Kopf zu erheben, streckte er die Hand über die Ringe hinweg und jtastcte nach Philipps Hand, die in der seinen zitterte. Pete hielt es für Teilnahme und schämte sich nur noch mehr. „Laß niir Zeit, Kamerad," sagte er.„Ich werde bald wieder zu mir selber kommen. Mir ist furchtbar wirr im Kopf— ich weiß nicht, ob ich Dich richtig verstanden habe. In Douglas, sagst Du? Doch nicht ganz verlassen? Nicht verlassen und allein? Sie hat Dich aufgesucht— nicht so? Du warst dort, Phil? Du warst selber bei ihr? Es hat ihr an nichts gefehlt?" Philipp antwortete mit heiserer Stimme; sein Blick schweifte noch immer unstüt umher.„Wenn es Dir zu einigem Tröste gereicht— ja, ich war bei ihr, es hat ihr an nichts gefehlt." „Mein armes Mädchen!" sagte Pete.„Schickte sie— hatte sie noch— vielleicht hat sie noch ein paar Worte gesagt im letzten Augenblick?" Philipp griff die Frage auf. Da war endlich etwas. das er ohne Falschheit sagen konnte.„Sie bat um Deine Verzeihung," sagte er.„Sie sagte, ich möchte Dich bitten, so wenig wie möglich an sie zu denken. Dich ihretivegen nicht allzu sehr zu betrüben und sie selbst zu vergessen suchen, damit ihr Vergehen auch vergessen werden möchte." „Und die Kleine— nicht auch etwas für die Kleine?" fragte Pete. „Das war ihr allerbitterster Kummer," sagte Philipp. „Es schmerzte sie so, daß Du sie für eine unnatürliche Mutter halten müßtest.„Meine Katharina! Mein Katharinchen! Mein süßer Engel!" So klagte sie den ganzen Tag." „Ich weiß, ich weiß," sagte Pete, ins Feuer blickend, „sie hat die Kleine um meinetwillen zurückgelassen und sie fehlte ihr dann die ganze Zeit. Armes Ding! Du hast sie getröstet, Philipp? Du hast es ihr leichter gemacht?" »Ich sagte ihr, daß das Kind wohlauf und glücklich wäre.„Er denkt nichts als Gutes und Liebes von Ihnen," sagte ich ihr." „Gottes Frieden sei mit ihr! Mein Liebling, mein Weib!" sagte Pete feierlich. Dann fragte er plötzlich in einem andern Tone:„Weißt Du, wo sie begraben ist?" Philipp zögerte. Er hatte diese Frage nicht voraus ge- sehen. Wie kopflos von ihm. daß er nicht daran gedacht hatte I Doch er konnte nicht mehr zurück; er war jetzt ge- zwungen, weiter zu gehen. Er mußte Lüge an Lüge reihen. „Ja" stotterte er. „Kannst Du mich an ihr Grab führen?" Philipp atmete schiver. Der Schweiß stand ihm auf der Stirne. „Aengstige Dich nicht." sagte Pete,„ich bin wieder Herr über mich. Kannst Du mich an das Grab meiner Frau führen?" „Ja ," sagte Philipp. Der Strom riß ihn mit sich fort. immer weiter dem Rande des Abgrundes zu. Ein Widerstand war unmöglich— er stürzte sich blindlings hinab. Lüge auf Lüge! Lüge auf Lüge! „Dann wollen wir morgen mit der Postkutsche hinüber- fahren," sagte Pete. Philipp erhob sich mit starren Gliedern. Er hatte nur eine Lüge sqgen wollen und doch eine nach der andern sagen müssen.„Wahrhaftig, eine Lüge ist ein Krüppel," sie kann nicht allein stehen.„Gute Nacht, Pete; ich will heimgehen, ich fühle mich nicht wohl heute abend." „Wir wollen die Kutsche morgen früh am Thore Deiner Tante halten lassen," sagte Pete. Sie gingen zusammen bis an die Thüre und standen einen Augenblick in der dunklen, feuchten Nacht. „Die Welt wird furchtbar einsam, Phil, und Du bist alles, was mir geblieben ist— Du und das Kind. Doch will ich nicht jammern. Als ich meine Kugelwunde da unten erhielt, lag ich weit weg auf der großen Ebene, Hunderte von Meilen von jeder Ortschaft entfernt, hinter dem letzten Strauch und dem letzten Grashalm bei totem Gestein, bei Asche und Staub— so weit weg, mau hätte sagen können, am Ende der Welt, ohne jede Aussicht, weder sie wieder zu sehen, noch die alte Insel und die alten Gesichter. So vereinsamt wie damals bin ich jetzt lange nicht. Gute Nacht, alter Freund." Ter Thorweg öffnete sich und schloß sich wieder. Philipp wankte auf der Straße dahin. Er haßte Pete. Diesen treu- herzigen Menschen zu hassen, der ihn in ein Gewirr von Lügen hineingetrieben hatte, war jetzt die einzige Ausflucht seines betäubten Gewissens. Pete ging ins Haus zurück und nmnrielte:„Kitty ist tot! Kitty ist tot!" Er legte die Kette vor die Thür und sagte: „Schließen Sie die Läden. Nancy," dann kehrte er zu seinem Stuhl an der Wiege zurück. (Forlsetzung folgt.» Ijn— olzne Schuhe.") ftolgdtd«- heitrr Ikpisode. die sich nicht olle Tage ereigne» dürfte, tvird»n§ von einen! hiesigen Parteigenossen, der kürzlich in der Tiroler Bergen tun,, mitgeteilt. Ich dnrchstrriste in Begleitung einer Führers ans Nidirnn» die Stubaicr Ferner, kam dabei anch in das berühmte Becherhaus mit feiner hochiuieresjmitcn großartigen Um. gcl>n»g und prächtigen Fernsicht. Es war Eonnabendnachmillags und da die Bergsührer im heiligen Land Tirol an jedem Sonn» und Feiertage i» der Kirche lein und die Messe anhöre» ivollen und es stets so einzurichten loisie». daß die Touristen sich wohl vde übel dieser» Brauche fügen»insien, blieb oii.b mir nichts andre. übrig, als»ntiveder noch a>» Eoinrabendnochui rtag de» süns Stunden weilen Weg zur nächster, Kapelle i» St. M rrti» am Schneebrrg zurückzulegen oder ober ten Lbmachnngen gcu»>ß am Sonntag früh iriir 4 llhr nilszubr echc» und suns Slurche» ioeit meist über den Ferner zu gehe», damit rnerv Führer reu-tze-il.g zur heiligen Messe in St. Marlin eirilrrisen lomrt». Ich emichloß mich, den Maisch noch am Samstag»uSzusübre». bet welcher Gelegenherl von der Botzcr- Scharte ans. die passiert werden rnttßte, die Botzer» Spitze sZLöt) Meters mit lohnenden, rklnsblict ans den llcberthol- und dir Octzlhaler Ferne« genracht luuide. Abends kamen Ivir in der» 235!, Meter übeiur Meer gelegenen St. Martin an, wo ivir in dem niedere» alle» Wirtshaus mit knapper Not Quartier fände». Gegenüber dein Wirtshaus befindet sich eine rni Holzschindel» gedeckte kleine Kapelle, daneben das Verivaltungs- gcbände des I. k. Blei-, Silber- und Zinkcrz-BergwerkcS. das sich da droben befindet, nnd zwischen de» Werkanlggen liegen zerstrent prirnitive Hütten und Logierhäuser. in denen die tzlrbeiterschnsl. nieist Italiener, kampielt. Wegen diesr, Bergarbeiter und-Arbeiterinnen steigt, wenn die Schnrcberhältnissc und das Wetter das gestatten, d. h. während der Sommernronatc, jeden Sonn- und Feierlag ei» Geistlicher ans Nidnaim nach St. Martin hiiinris.»», in dein crlväbnlen Kiichlein eine kurze Predigt z» halten und eine stille heilige Messe zu lesen. Und zu dlcjer» Goiirsdieiisie versammeln sich dann auch die Berg» führcr, die sich mit Tonrislc» auf einer Hochiour in den Stnbaier- Fernern befiiideu. Tie Touristen haben inzwischen daS Vergnügen, entweder in St. Marti», in, Becherhans oder sonsiivo in einer Berg- hüite in Geduld abzuwarten, bis die Herren Fühler ihre Andacht verrichtet haben nnd wieder zn ihren Touristen zurückgekehrt sind. An diesem Brauch Haiini die Leute fest, jede, Frcmdc. der einen Führer braucht, hat dainil zu rechnen und die allen Führer achten streng darani, daß auch die jungen Kollegen, dein Herkomnie» gc- mäß, am Sonntag in der Messe erscheinen Wer dein zuwiderhandelt, kommt in„Verichife". klch saß also abend? i» der WirlSsinbe. wo für die Fremden ei» gedecktes Tischchen bereit stand. An allen andren Tischen saßen die Bergarbeiter Mann an Mann eng auseinander, aßen, tranken und— rauchten einen schandci kalten Kimsirr. Nichlsdrsloivcniger wäre es beinahe gemütlich gewprdc», wenn nicht später inil gioßeni Geräusch noch bicr Touristen angckonimen waren. Die paar Beltcn im Wirtshaus waren belegt inid die Ankonu»- linge waren fertig, d. h. sie vcrsichcrlen,.kccne» Schritt mehr gch'ri zn lännen." Ihre Ausrüstung ivar für sächsische Berggänger, den» Sachse» waren es, gar nicht so übel. Jeder schleppte einen ziemlich schweren Rucksack mit nnd hatte scilie» Sonnen- beziv. Regenschirm dabei. Zwei tvaren außerdem noch mit Bergstöcken versehen, die genial mit einer Schnur am„Schcrm" befestigt waren. Nach langem Verhandeln gelang es, die müden Wanderer im Vcrwaltmigsgcbnnde des k. k. Bergwerkes niiterzubriirgcn, Ivo anch der junge Geistliche logierte, der hcransgekoniincn war, um die Messe zn ieicn. In der Nacht ging starler Rege» nieder, etwas höher log viel Neuschnee. Um 7 lihr früh waren die Sachsen wieder fioit und verschwanden bald von der Aildfläche. Ich ivar erst gegen 8 Uhr aufgestanden, begann doch um 9 llhr der Gottesdienst und vor denen Beeudigulig war der Führer nicht zn haben. Doch als ich meine Schnhe, die ich am Abend in die Küche gegeben hatte, damit sie dort getrocknet nnd gut geschmiert werde», haben wollte, stellte mir das Küchenmädchen airstatt meiner guten, bequemen Bergschuhe ein paar abgenützte Stieselettcn vor die Thüre. Ich niachte auf den Irrtum ausinerkfain, was große Bestürzung hervorrief, hatte doch eine rasch vorgeiiommenc Suche im ganzen Haus ergeben, daß diese schäbigen„Trittlinge" überhaupt das einzige»och zur Verfügung stehende Schuhzeng waren. Und dicie„Stutzen" waren» ganz abgesehen von ihrer sonstigen Beschasien- heit, für meine Füße auch»och merklich zn klein. Ich stand also that- *) AuS der„ M ü» ch e n s r Post". fächlich am Schneeberg ohne— Schuhe, nnd da der Abstieg ins Thal, den ich wegen der eingetretenen schlechten Witterung vorhatte, durch- ans nicht zu den angenehmsten zählt, ging es doch erst durch einen 730 Meter langen dunkel» nnd schmutzige» Tmincl(der zur Thal- befördernng der gewonnene» Erze dient), dann Über Schnee nud Schntlhalde» hinab auf zrnn Teil recht steinigem Boden. Die Tochter des Hauses, ein resolutes Mädcbe», hatte bald heraus, daß nur einer der vier Herren, die drüben im Verivaltungs- gcbände nächtiglc», meine Scknhe mitgenoinmeu haben konnte. Die Schnhe müssen iviedcr her. erklärte das Mädchen kategorisch. Wo ist Ihr Führer, wo sind die Herren hinaus? Mein Führer war sogleich zur Stelle, er saß mit einigen Kameraden, die bei einem H»»dc- ivelter zur Messe schon vom Becherhans helnbcrgekommen ivaren, vor der Hansthür. Und ei» Handelsmann, der vor der Kirche ans einen. Tische seine Waren ausgebreitet hatte(am Freitag Ivar Zahl- tag gewesen), konstatielte. daß die Sachsen nach dem Passeierthal abmarschiert seien: einer davon sei schlecht gegangen, ichr weit durfte» sie noch nicht gekounncn sein. Herr Benedikt— so nmrde hieraus angeordnet—, da nehmen'S die alten Schuh'. lansrn's de» Herren nach nnd bringen'» die richtigen Schuh' zurück. Mein Führcr, Benedikt Krnselbnrger, nicht faul, that, wie ihn, geheißen: er eilte im Laufschritt den Sachten»ach, damit er ja bis zum Beginn des Goiiesdicnstcs wieder da sei. Und ehe das Glöcklein zur Kirche iäuteie, war ich anch schon wieder im Besitze meiner Bcrgfitmhe. Ziemlich weit»Ilten hatte Bcnedikr die Sachsen eingeholt, gestellt und sie u», Herausgab« der verwechselten Schuhe ersucht.„Nee,»nein Kntestcr, da sein Se schon in» Irrtum, wi» Hain sie Alle die rechten Stieseln an," erwiderte der Wortführer ein sehr behäbig ausschauender„gemietlicher" Beamter. Benedilt ließ sich aber nicht irre machen, er»uislerte die„Beene" der Sächser und entdeckte, daß gerade der„GenüeUiche" meine Schnhe trug. Nach lnrzein Widerstreben mußte sich der biedere Sächscr»ud ersetzen. Benedikt zog ihm die.irrtümlich" niitgenonimencn Schnhe von den Läufen nnd' verlangte obendrein eine entsprechende Vergütung für die gehabte Mühe. Der Herr zog das Portemonnaie nnd verab- reichte dem Manne eine ganze Krone. Dann lief Benedikt eilends iviedcr nach St. Martin zurück nnd schwang,»och weit unten im Thal, die eroberten Bcrgschnhe. Der„helle Sachse," der in den größeren Schuhen recht bequem gegangen war, mag sich schön gequält habe» bei dem Weitermarsch in de» engen, eignen Schnhe», die er so schlau ausgetauscht hatte.«- Kleines Feuilleton. - Eine Gemälde AiiSstellmig im VerstcigcrnligSamtc. Tic Wiener„Nene Freie Presse" schreibt: Dienstag ist im Kolowrat. nnd Eminger-Sacllc eine Ausstellung von etwa 300 Gemälden öst< reichischer Künstler, nnd zwar ans deren eignem Besitze stainnieud, erössuet worden. Dieselbe wird während der Monate Angnst und September täglich von 11 bis 5 Uhr allgemein zugänglich sein. Zu- gleich veröffentlicht die Direktion des VersteigernngsamteS ein Programm ihrer Kimstnilsstcllungcii nnd Kulistauklioiieit, und erklärt, daß dieselben hauptsächlich den Zlveck haben, namentlich den jungen heimischen Künstlern ein besseres Absatzgebiet zu eröffnen, als es i» den übrige» Anssicllnngcn nnd im Knnsthandel geboten ist. Wir ent- nehmen diesem Programm folgendes: Der gegenwärtige Zeilpunkt wind« für die Eröffnung dieses Unternehmens geivählt, m» den in Wien weilenden Fremden Gelegenheit zu bieten, in einer Zeit. Ivo ähnliche Ausstellungen nicht veranstaltc, werden, und in welcher das Leben der Großstadt minder pulsiert, ihre Anstnelksalnkeit den heimischeii Künstlern znzuwenden. Die zur Ausstcllimg gelangeuden Werke können von den ausstcNciideu Künstlern verkauft werden. während anfangs Okiober eine Anzahl der verbleibenden Objekte zur Auktion gelangen werde». Die leitenden Intentionen de, Direktion des Versatz- und VerstelgeningsainteS gehen dahin. den prodnciercnden Künstlern eine günstig« Vcrkanfsgelegen- heit zu schaffen. Vielen Knnstlelu. welche sich»och keinen großen Namen gemacht habe», bleibe zur Berwertung ihrer Arbeiten mir der Weg der Beschickung vo» Ausstellungen oder des AubietenS an Kunsthändler, beides seien Donieinvege. Die Zulassnug zu einer Kunstniisslellinig hänge vor allem von dein Urteil einer Juri) ab, welche vielfach schon dcshalv mit ZurÜckweislingen vorgehen iniiffe, iveil die AnSslcllinigsrännie die große Zahl der angcmcldctcn Werke nicht sasicn könnten. Von den zngclasicncn Werken tvird in der Regel höchstens ein Dritteil tbatsächlich verkauft. Schuld daran sei auch die Regellosigkeit der Aiisstelllingspreisc, welche nicht wenig den Erfolg be» einlrächtigt. Nicht minder große Enttänschiinge» finden aber die Maler beim Kunsthändler, für den die Bilder lediglich eine Ware seien, die er mit Gewinn an den Mann bringen lvolle. Die Bilder anfstreveitder Künstler seien für ihn nicht mehr als eine Promesse, welche mir aiisiiahmsivcise Gewinn bringen könne. Er könne mir einen sehr geringen Preis bieten oder er könne die Bilder ohne Risiko, das heißt kommissionsivetse zi»n Verkauf übernehmen. Die Produktion der schaffenden Künstler und die vorhandene Abiatz- Möglichkeit für ihre Werke stehen derzeit mit einander in grellem Widerspruch. Es müsse mm der Mittelstand zur Ueberzeugung gelangen, daß jedes bürgerliche Heim anch zu mäßigen Preisen mit lünstlerischen Welken geichumckt werden könne. Die Lösuna der besikbenden miflihtfliacn Verhälliiisse li>'qe in der Hermizieihmg des Piil'Iilums'sitv Kunst und in der Erinäviqunq der Ansprüche der Künstler. Die Knnstmisstellnng i», Dvrothenm Hude Nim de» Zweck, �nr Lösung dieses Problems beizntrngen. Bilder nller Gntlnngcn, alte und inoderne, billige und hochwertige, werden in unausgesetzter Reihenfolge zur Schau'gestellt und nnsgcboten, so das; sich eine Art von Knnstmarkt herausbilde, in welchem gute Volkskunst eine gute Pflegestalte finden solle.— en. Sic lefctcii Nachrichten vo» der deutschen Tiidpolar- Expedition bringt das zweite Hest der„Bcröflentlichunge» de? Instituts für Meereskunde'. Vo» den lhatsächlichen Feststellungen möge hier das Folgende Erlvähnnng finden. Nach den auf der Fahrt bon Kapstadt nach de» Kcrgnclen durchgeführten Lotungen hält Prosessor v. Drygalski das Vorhandensein einer tiefen Mulde lKcrgnelcn-Muides' im Meeresboden für erwiesen, die in unmittcl- barem Znsannnenhang init dem Südlichen EiSiiwcr steht und jedem falls das kalte PolaNvafler nach den Tropen hinausführt. Ungewöhnlich interessant haben sich die geologischen Beobachtungen gestaltet, die auf der Possessi on-Jnsel durch Dr. Philippi vorgenomwe» wurden. Das Eiland ist aufgebaut ans flachgclagerte» Strömen von basaltischer Lava, die mit Bänke» ans groben vulkanischen Produkten abwechseln i im ganzen ivnrdcn acht Lavaströme aufeinander gezählt. An der Oberfläche zeigte das Gestein die eigentümlichen Runzeln, lvegen derer man von Fladenlava spricht. Die Zivischcnscknchtcn bc- standen ans vulkanischen Anslvürflingen von Fanst- bis Kopfgrvfie.. Das Hauptaugenmerk deS Forschers richtete sich auf einen rötliche» Kegel, der sich einige Kilometer nördlich der WeihnachtSbucht erhob. Es ergab sich, das; er seine Farbe den Masjen von lose» Ans- Ivürflingcu, teiliveise eckiten vulkanischen Bomben, nnS ziegelroter Lava verdankte. Die Erhöhung selbst envies sich als der Rand eines alten Kraters. Bisher unerklärt blieb die eigenlümliche Anordnung des losen vnlkanischcn Materials auf den Gehängen deS Kegels, wo schivarzc und rote Streifen rcgclmäfiig mit einander ab- wechselten. Da diese Slrcisnng wegen der groben Beschaffenheit des Materials nicht wohl durch Winde hervorgebracht sein konnte, so hielt Dr. Philippi die Wirkung eines Erdbebens für die einzig niög- liche Erklärung. Achnliche Erscheinungen sind übrigens auch auf den Kergnclen-Jnsel» gefunden ivorden. Spuren einer Glctscherbildnng konnten nirgends wnhrgenonnnen werden. Die vulkanischen Gesteine der Possessions-Jnsel sind noch sehr frisch und lassen daher vermuten, dafi die vulkanische Tbäligkeit erst seit verhällnismästig kurzer Zeit, vielleicht erst seit ivcnigen Jahrhunderten, erloschen ist. Die auf den Kergnelen so häufigen Fjordbildungen fehlen hier. Dr. Werth hat auf der Possessions-Jnsel in drei Stunden 15 Arten von Blütenpflanzen sammeln können, während bisher von den Crozet-Jnsrln nur fünf solche bekannt gewesen sind. Die Flora zeigt eine bemerkenswerte Veriuandtschaft zu der auf den Kergnelen- Inseln solvie zu der auf den Marion- und Heard-Jnseln. Der Zoologe der Expedition, Professor Vanhöffcn, hat ziemlich eingehend Über die Ticrlvelt des durchfahren»» Meeres und der besuchten Inseln berichtet. Hervorzuheben sind die Bemerkungen iibcr die Pinguine, Albatrosse und Wale. Die von der Kerguelen-Station für den Berliner Zoologischen Garten bestimmten lebenden Tiere fielen leider ein paar Hunde» zum Opfer, die sich vo» ihren Ketten losgerissen hatten. Den Rest des Heftes bildet der meteorologische und der Gesnndheitsbericht. Aus letzterem ist noch zn erwähnen, das; sich das Fleisch der Pinguine und Robben als durchaus gcnicsjbar heraus- gestellt hat, ivas für das Leben im Südpolargebict ein änderst ivcsentlichcr und tvillkonimener Umstand ist.— — Die Tchädlichkeit deS Dachses. Obgleich der DachS schon oft für einen argen Ränder erklärt tvordcn ist, wolle» viele das doch noch immer nicht glauben und halten ihn für ebenso Harm- los, Ivie de» braven Storch. Auch die Schongesetze lassen ihm weit- gehenden Schutz angedeihen. Daß der biedere Grimbart aber durch- ans keine Rücksicht verdient, sondern ein ganz gefährlicher Räuber 'st- zeiht jetzt wieder ein längerer Aufsatz' von Fred Vincent im „Weidmann". Es hcisst darin:„Ich wurde schon frühzeitig darauf aufmerksam gemacht, das; man das Vorkomme» von Dachsen am sichersten au leichten Rinnen und Furchen er- kennen könne, die sich am blande dichter Waldungen, namentlich in feuchten Wiese», vorfinden und eine gclvisse Achnlichkeit mit dem „Gebreche" schwacher Neberlänfer lvon Wildfallen) aufweisen. Ueberall jedoch, Ivo ich auf die'? Anzeichen für das Wurzeln und Stechen der Höhleneinsiedler stich, st-len mir häufig genug aus den benachbarten Acckern zerstörte Gelege I on Feldhühnern auf. oder ich machte die Entdccknng, das; frischges tztc Jnnghasen, die ich am Abend vorher gesehen, urplötzlich verschwunden waren. Allerdings hatte ich damit noch lange nicht die G- vistheit, dast die Dachse, die ich bisher noch nicht zn Gesicht bekam neu, die Schädiger unsrcr Niederjagd aeivesen waren; allein auch dnic Ucbcrzcngung sollte mir bald werden. Ich war an einem schönen Nachmittag ins Revier gegangen und hatte die Büchsflinte mitgenommen. Allein nichts kam mir zn Schns;, und so birschte ich mich gegen Abend sehr vorsichtig durch einen schmalen, dicht mit Unterholz bestandenen Waldstreifen nach einer von Busch- werk durchzogenen Blöfie hinüber, Ivo um diese Tageszeit gewöhnlich einige Riekeu mit ihren Kitzchen zum Aesen austraten. Natürlich wollte ich nicht schießen, sondern die zierlichen Geschöpfchen nur beobachten. Ich war gerade am Rande der Dickung angelangt, da sah ich die Zweige eines kleinen Gestrüpps, etwa zlvanzig Schritte von mir links nach dem Waldrand, sich in verdächtiger Weise bewegen, und ich schob mich daher lautlos einige Schritte weiter vor, um einen Einblick zwischen die Waldbänmc zu erhalten. Und ich halte gar nicht lange zn lvartcn, da erschien dort drüben— jetzt vielleicht 50 Schritte entfernt— der schwarz und tveiß gestreifte Kopf des biederen„Grnwing", der offenbar irgend welchen Raub, und zwar ein schweres Stück, im Fang hielt, um es zn Bau zn tragen... Ich machte Dampf, und kaum spürte Reinekcs BrudcrS-Sohn die Schrote Nr. 4 unter den Borsten, da lies; er seinen Raub los und prasselte murrend durch das Unterholz, davon. Das, was ich aber dort fand, Ivo ihm mein Flintenlanf einen so nncerenioniöse»„Guten Abend" geboten, Ipar ein bereits angeschnittenes Rehkitz! Immerhin wäre eS möglich gewesen, daß Grimbart die Beute einem andren Räuber abgejagt hätte. Als ich aber zivei Tage später mit einigen Herren an dem inzlvijcheu ausgemachten Bau Nachforschungen an- stellte, fanden»vir in der Einfahrtröhre mehrere Lauslnochen eines KitzchcuS.— Aus dem Tierlcbcn. — Wer zerhackt die jungen Tu üben in den Nestern? Ein Mitarbeiter der„Jllnstncite» Tierwelt" lMünche») schreibt: Vor einigen Tage» machte ich ivieder einmal die miau- genehme Enldeckmig, daß die junge» Tauben in zwei Nestern- an den Köpfen und Schnnbeiwaizcn mehr oder weniger verwnndet waren. Die Tierchen waren ctivn zehn Tage alt und saßen dabcr noch als völlig hilf- n»d wehrlose Nesthocker ans ihrem Lager. Ratten lind Mäuse sind in meinem Schlage nie vorhanden; Mäuse sind übrigens auch in dieser Beziehung unschädlich. Ich Iveiß ans Eifahrnng. daß nugcpaartc Täuberiche, also Junggesellen oder Witwer, besonders aber die erstcrvn, solche Flegeleien zu begehen lieben. Sie dringen in die Nislfächer der brütenden Paare, wenn die Eltern der Jungen nicht„zu Hanse" sind, wenn sie einmal ans kürzere Zeit das Nest ohne Wache zurücklassen, um Fultcr oder Wasser zu holen. Dann belästigen sie die Jungen. Diese er- heben sich nach ihrer Art bei Anmihernng eines Feindes im Nest, knacken mit de» Schnäbel» und hacken wohl gar nach dem Eindring- ling. Dadurch noch gereizt, fällt»im so ein Flegel über die armen Dinger her und richtet sie übel zu. Ich hatte cincii Kobnrger Lerchen- Junggesellen im Verdacht, ließ ihn aber leider»och frei, bis ich hinznkomine, wie er gerade wieder im selben Neste sitzt und die Jungen zerfleischt, während der Vater, den er sogar hinanLgebisfen hat, inntloS bor dem Eingang sitzt und„müßig", ivenn a»ch nicht „bewundernd", seine Kinder untergehen ficht. Die Verhaftung er- folgte ja min sofort, aber ivie ich fürchte zn spät, um Unheil zu verhüten; denn der Lümmel hat besonders da« eine der Kleinen so arg zerbissen, daß ich an scinein Aiifkonnncn zweifle.— Man dulde keine »»gepaarten Täuber im Schlage oder man habe wenigstens ein wachsames Auge für jie l— Technisches. cm. Eine R i e s c n t o u n c. Soeben ist in RomanShorn für die Eidgenossenschaft ei» riesiges Alkoholreservoir fertiggestellt ivorden. Dasselbe stellt eine eiserne Tonne dar. die 31-iOOOO Liter zn fasten vermag Der Durchmesser dieses ZkiesciichlindcrS beträgt 20 Meter, das Gewicht der Eiscnteilc llOOOll Kilogramm. Der Mantel ist in acht Etage» aufgebaut und ist im Rcservoiriimern mit 3 Vcrsteifnngs- ringen anS Winkeleifen versehen. Das Fnndaincnt besteht nns einer zwölfeckigen Bclonplalte von I Meter Dicke; diese trägt sowohl das Reservoir als auch das dasselbe mngebcirde Schntzhans. Um das Reservoir zn montieren, bedurfte es nicht weniger als 60000 ans dein Platze selbst geschlagener Nieten. Um den Chlinder hcrm» sind allerlei Mcßinstrmnentc angebracht, zwischen ihm und dem Schntzhans befinden sich schlanke Galerien und oben funktioniert eine Venlilatioiiscinrichlniig Das Wasser zn den Probefüllungen, die die Solidität des Werkes ergeben haben, wurde mit einer eigens hierzu hergestellte» Pnmpanlage— Lokomobile und Ccntrifugalpumpe von etwa 25 bis 30 Pferdekräften dem Bodensee entnommen. Die Zeitdauer einer Füllung betrug nicht weniger als 25 Stunden. Humoristisches. — Scherzfrage. Welcher Unterschied ist zwischen dem Mond und der Steuerbehörde? Antwort: Der Mond nimmt ab und zu, die Steuer- behörde aber immer zu.— — Pietät. A.:„Möchten Sie nicht einmal cincn andren Strand anfsnchcn?" P a r v e n ü:„Nee, der Ostsee lverd' ich nicht untren, bou da Hab' ich früher die Heringe bezogen."— — A ii f dem M a r c u s p l a tz. Der Herr a u S Berlin: „Na ja, lieber Freund, dct is im ja sehr unaiijenchm für den Augen- blick. Aber, alles hat ooch sein Jntcs. N» haben Sc doch mal Platz gekriegt für'ne hübsche Dogen-Sicges-Allee. Co immer: Zweie unten, euer oben. Ick sage Ihnen, det wirkt!"— (.Lustige Blätter.") Verantwortlicher Redactcur: Julius Kaliski in Berlin. Druck»nd Verlag vor. Mar Badiua in Berlin.