Hinterhaltungsblatl des Porwärts Nr. 163. Freitag, den 22. August. 1902 MaSdrock Bsrfioteii.) 83] Dov Msuksmsnn. Nomon von Hall Caine. Autorisierte Uebersetzung. Alles dies kam im Ton dringender Bitte; dann atmete Philipp schneller:„Jemmy, nimm den Wagen von Shimmin und fahre selbst... wenn man in Ramsey das Pferd aus- zuspannen versucht... halte im Gäßchen, das zwischen der Kapelle und dem Ulmenhaus liegt... Im Augenblick, wenn die Tame kommt... Tu hast recht, Käthe, Du kannst nicht länger hier leben... dieses Leben der Täuschung muß enden... Das ist das Krächzen des Nachtraben, der die Schlucht von Ballure hinauf fliegt—" Jem-y-Lord, der das Kopflissen aufschüttelte, ließ es un- geschickt dem Deemster halb übers Geficht fallen und sah Pete voll Entsetzen an. Wollten denn diese grauenhaften Fieber- träume gar nicht aufhören? Wo blieb nur der Doktor? Würde er nicht endlich kommen? Pete war aufgesprungen und blickte betäubt vor sich nieder. Er hatte geglaubt, daß ihm Philipp das Kind geraubt hätte. War es etwa Philipp durch ihn entrissen worden? „Ja, Pete erzählt immer dieselbe Geschichte..... er schreibt Briefe an sich selbst... Ganz einfach und natürlich, auf seine Weise... der arme, alte Pete... er meint's nicht böse... er hat keine Ahnung, daß jedes seiner Worte wie Feuer brennt... Jemmy, setze mir mehr Brandy für die Nacht hin, die Karaffe ist leer—" Pete beugte sich über das Kissen. Plötzlich fuhr er zurück. Philipps Augen standen offen und blickten ihn an. Er konnte sich kaum vorstellen, daß Philipp anders als Auge in Auge zu ihm spräche. „Ich weiß, Philipp, ich weiß," flüsterte der bewußtlose Mann in fliegender Hast; er atmete rasch und laut.„Sag ihm, ich sei tot... ja, ja, das ist's— das ist's.. Grau- sam? Nein, nur gütig...„Die arme Frau." wird er sagen, „ich habe sie einst geliebt, doch hin ist hin!"... Ich wills thun, ich will's thun I" Dann im Tone der Furcht:„Es ist Wahnsinn, Gesichter ins Dunkle zu malen, Stimmen in der Luft zu hören— ist Wahnsinn I" Und nun feierlich, mühsam, mit stockendem Atem:„Dort... dort... an der Mauer—" Große Schweißtropfen standen Pete auf der Stirn. Hatte er nicht geglaubt, von Philipp gemartert worden zusein? Nein, er war's gewesen, der Philipp gemartert hatte. Die Briefe, die Botschaften, die Geschenke— es waren Geißeln und Skorpionen in seiner Hand gewesen. Jedes unschuldige Wort, jeder Blick, jedes Zeichen war ein schmerzender Riemen in dem Marterwerkzeug. Pete fing an, großes Mitleid für Philipp zu empfinden.„Er hat schwer gelitten," dachte Pete. „Er hat dieses Kreuz schon weit genug getragen." „Gute Nacht, Schiffer... ich war zu weit hinaus- gefahren... doch Gott sei gedankt, ich bin wieder zurück—" Diese Worte klangen heiter, froh und hoffnungsvoll; dann folgte im Tone tiefster Trmrer:„Leb' wohl, Philipp, alles ist meine Schuld— ich habe das Herz des einen Mannes gebrochen und verderbe die Seele des andern... ich lasse Dir diese Haarlocke... es ist alles, was ich Dir lassen kann... Lebe wohl! Ich hätte schon längst gehen sollen, doch wirst Du mich deshalb nicht hassen—" Die letzten Worte wurden abgebrochen gestammelt, als wollten sie ihm im Halse stecken bleiben. Dann kam rasch, doch mit schwerem Atem der Ruf:„Käthe, Käthe, Käthe!" wieder und wieder, erst in einem lauten, fleheirden Aufschrei, und dann nach und nach in langer Wehklage hinsterbend. Jem-y-Lord hatte sich nach der Thüre zurückgezogen; er rang die Hände wie ein Weib und flehte zu Gott, daß der Deemster nie aus seiner Bewußtlosigkeit erwachen möchte. „Er hat ihm alles verraten," dachte Jem.„Der Mann wird ihn umbringen." „Ich bin zwischen sie getreten," sagte sich Pete.„Sie war nicht für mich bestimmt. Sie gehörte nicht mir, fondern ihm." Die Bitterkeit war aus Petes Herzen geschwunden.„Und doch hätte ich gewünscht— doch was nützt alles Wünschen?" murmelte er mit gebrochener Stimme, sank auf den Schemel und bedeckte sich das Gesicht mit den Händen. Philipp hatte den Kopf erhoben und stützte sich auf den Ellenbogen. Er sah mit glasigen Augen in die leere Lust, als ob er ein Bild vor sich sähe. „Ja... nein... ja... sagt mir das nicht... das soll Käthe sein?... Es ist ein Irrtum... das ist nicht Käthe... dieses bleiche Gesicht... die hohlen Augen... das elende Weib... auch ist Käthe tot... sie muß ja tot sein— was geht denn mit den Lampen vor?... sie löschen ja aus... obendrein auf der Anklagebank und vor mir... sie dort und ich hier... sie die Gefangene, ich der Richter!" Dies alles rief er in heftiger Erregung und streckte dabei den Arm über Petes gebeugten Kopf aus. „Wenn ich nur ihre Stimme hören könnte... vielleicht wüßte ich dann... o... ich falle... ich sinke um... es ist Käthe, ja. Käthe... o, o!" Philipp hielt ein paar Sekunden inne, als lausche er auf eine Stimme; dann stieß er einen gräßlichen Schrei aus, schloß die Augen und sank auf das Kissen zurück. „Was wird er nun thun?" dachte Jem-y-Lord an der Thür und steckte den Kopf vor.„Soll ich um Hilfe rufen?" Pete hatte die Haarlocke unter seinem Fuße vom Boden aufgehoben und legte sie zurück auf Philipps Brust. „Es steht nichts zwischen ihnen als ich," dachte er,„nur ich allein." „Setzen Sie sich, Herr!" rief jetzt der bewußtlose Mann. Es war nur der letzte Ausbruch des Fieberwahns, doch Pete zitterte und wich zurück. Dann stöhnte Philipp, und feine blauen Lippen zuckten. Er öffnete die Augen. Sie schweiften rasch über das Zimmer und blieben dann mit einem langen, verstörten Blick starr auf Pete haften. Petes eigne Augen waren zu voll von Thränen, um klar sehen zu können, doch bemerkte er gleich- wohl, daß eine Veränderung eingetreten war. Sein Herz klopfte vor Erwartung, und er sah mit ungefälschter Freude auf Philipp herab. Einen Augenblick war alles still, dann hauchte Philipp kaum hörbar:„Was ist... Wer ist das... ist es Pete?" Pete stieß einen Freudenschrei aus:„Er ist wieder bei sich... er ist zu sich gekommen." „Was denn?" fragte Philipp hilflos. „Rege Dich jetzt nicht ans," sagte Pete.«Liege still, mein Junge. Du bist hier in Deiner eignen Stube, und es geht Dir so gut wie nur möglich." „Aber," entgegnete Philipp,„willst Du mir denn nicht..." „Kein Wort weiter, Phil,'s ist nichts. Es ist alles in Ordnung— und Du bist glücklich über den Berg." «Euer Gnaden haben im Fieber gesprochen," sagte Jem-y-Lord. „Still," raunte ihm Pete mit vorgehaltener Hand zu und rief dann in übermütiger Freude:„Willst Du ein Beefsteak, Phil, oder, eine Tasse Thee und einen Hering?" Philipp sah ganz verdutzt aus.„Aber könnt Ihr mir denn nicht helfen?" stammelte er. „Sie wurden im Gerichtshause dhnmächtig, Herr," sagte Jem-y-Lord. „Ach ja!" Es stand ihm alles wieder vor Augen. „So schweigen Sie doch, Sie Dummkopf," flüsterte Pete und versetzte Jem einen heimlichen Rippenstoß. Pete lachte und weinte in einem Atem. In seiner Freude darüber, daß die böse Leidenschaft der- flogen war, gcberdetc sich der große Mensch wie ein Knabe. Er schürte das Feuer zu lodernder Glut an, putzte das Licht mit den Fingern, schrie:„Au weh!" als er sich verbrannt hatte, that einen Luftsprung und schoß dann hierhin und dorthin, wie eine Schwalbe nach einem Regenschauer. Philipp sah ihm zu und verfiel wieder in Schweigen. Ihm war, als kehre er von einer Reise zurück und als müsse während seiner Abwesenheit etwas vorgefallen sein. Das Ge- heimnis, das zu bekennen er sich so lange vergeblich abgemüht hatte, war irgendwie enthüllt worden. Jem-y-Lord schüttelte ihm die Kopfliffen auf.„Weiß er denn?" fragte Philipp.—„Ja," raunte Jemmy ihm zu. „Alles?" „Alles. Sie haben im Fieber gesprochen." »Im Fieber?" stagte Philipp erschrocken. Er machte einen gewaltsamen Versuch, aufzustehen. „Helfen Sie mir. Ich muß fort I Warum haben Sie mich auch hierher gebracht?" „Es ging nicht anders; ich habe es versucht, es zu hindern..." „Ich kann ihn nicht ansehen. Ich fürchte mich. Helfen Sie, stehen Sie mir bei." „Sie sind zu schwach, Herr. Liegen Sie ruhig. Nie- mand soll Ihnen etwas anhaben. Der Arzt wird gleich kommen." Philipp sank zurück: Furcht sprach aus seinen Mienen. „Wasser!" rief er matt. „Hier," sagte Jem-h-Lord, und hob vom Waschtisch den Krug, aus dem er vorher den Schwamm befeuchtet hatte. „Halt!" schrie Pete und schob den Krug fort, so daß die Hälfte des Wassers überfloß.„Ein Mensch, der im Bett liegt, muß Brandy haben, Sie Dummrian. Warte, mein Junge, ich Hab' etwas vom echten Stoff draußen im Speise- � schrank. Nur'nc halbe Minute. Kamerad. Ein guter Tropfen wird Dir nicht schaden." und fort war er. holter-di- polier die Treppe hinunter, wobei er Nancy fast unirannte, die in. Strümpfen herausgeschlichen kam, weil sie Stimmen gehört hatte. Das Kind war in der Wiege erwacht, hatte eins seiner kleinen, dicken Beinchen über der Steppdecke zuin Vorschein gebracht und unterhielt sich vergnügt mit seinen Zehen. „Holla, kleiner Schreihals, bist Du auch da?" lachte Pete es an. Im nächsten Augenblick aber sprang er schon wieder die Treppe hinauf, drei Stufen auf einmal nehmend, die Flasche mit Brandy in der Faust. Inzwischen hatte sich Iem-Y-Lord dem Decinstcr genähert und diesem mit furchtsamer und geheimnisvoller Miene zu- geflüstert:„Trinken Sie's nicht. Herr!" „WaS?" fragte Philipp tonlos. „Den Brandy," sagte Jem. „Wieso?" „Er wird.. fing Jem an, doch schon polterte Pete die Treppe herauf, und der Diener bewegte nur noch die Lippen und hauchte kaum vernehmbar die Worte �„vergiftet sein." Philipp verstand nicht, was er mewte, und eben kam Pete hereingestürzte„Nun geben Sie Ihr Wasser her. Sie alter Schnüffler!" Während Pete den Brandy in ein Glas goß und dann mit Wasser mischte, griff Jem rasch nach einem Stück Zeitungspapier, das er liegen sah. schrieb mit Bleistift ein paar Worte auf den Rand, riß den Fetzen ab und steckte ihn heimlich dem Deemster zu. „Vor Pete soll ich mich fürchten," dachte Philipp.„Das ist gräßlich, widernatürlich l" In diesem Augenblick erklang der Huftritt eines Pferdes auf der Straße. „Der Doktor," rief Jem-y-Lord.„Endlich der Doktor! Warten Sie, Herr, warten Sie." und er lief die Treppe hinab. „Da. nimm es!" rief Pete, das Glas in der Hand, ans Bett tretend.„Trink es aus, mein Junge. Es wird Dich neu beleben,'s ist erster Güte." Pete lachte und weinte: er empfand ein ganz neues Glück, das Glück, wieder ein guter Mensch zu sein. Philipp hielt sich Jem-y-Lords Papier vor die Augen und versuchte zu lesen. „Was hat mir denn Jemmy da gegeben?" sagte er. „Lies Du es, Pete. Mir schwimmt's vor den Augen." Pete nahm das Papier mit der linken Hand i in der rechten hielt er noch immer das Glas. Um das Geschriebene besser zu sehen, kniete er am Kopfende des Bettes nieder und beugte sich nach dem Feuer hin. Dann las er wie ein Schulknabe, der seine Aufgabe hersagt, mit leiernder Stimme die Worte, die Jem-y-Lord aufgeschrieben hatte:„Trinken Sie nicht von dem Brandy. Pete versucht Sie umzubringen." Pete schlug eine gellende Lache auf.„Das ist ja ein köstlicher Spaß," fing er an, konnte aber nicht enden. Sein Lachen verstummte, er riß die Augen weit auf, seine Zunge hing wie gelähnit in dem geöffneten Munde, er wandte den Kopf und starrte mit angstvollem Zweifel in Philipps Gesicht. Philipp arbeitete sich in eine sitzende Stellung.„Gieb mir den Brandy. Pete." Er nahm das Glas aus Petes Hand, hob es an die Lippen, lächelte voll Vertrauen und Zuversicht und trank, ohne zu zaudem. Als der Doktor einen Augenblick später eintrat, hatte Pete schluchzend das Gesicht in die Betttücher vergraben und Philipps Hand ruhte auf seinem Haupt. XI. Früh am nächsten Morgen besuchte Pete Käthe im Ge- fängnis. Er hatte ihr etwas zu sagen, ihr eine Frage vor- zulegen, und war entschlossen, dabei seine eignen Gefühle zu beherrschen, sich tapfer zu zeigen und dem armen Ding wieder Mut zu machen. Innerhalb der Gefängnismauern sah alles kalt und grau aus, und als er dem Schließer in die Zelle folgte, konnte er nicht umhin, sich Küthe vorzustellen, wie er sie einst gekannt, so heiter und froh, so voll von Lust und Leben. Er fand sie jetzt zusanimengeknhiimt auf einem Sitz neben dem n.cu angefachten Feuer in des Gefängniswärters eigner Stube sitzen. Bei seinem Eintritt erhob sie den Kopf mit angsterfüllter Miene i sie sah seine eingefallenen Wangen, die tiefliegenden Augen und den verlvilderten Bart. „Ich bin nicht gekommen, um Dich zu quälen," sagte er. „Ich habe ihm verziehen, und auch Dir will ich vergeben." „Wie gut Du bist," sagte sie furchtsam. „Gut?" Er lachte bitter.„Ich habe ihn umbringen wollen— das belveist, wie gut ich bin. Und es war gerade. als ob alle Teufel der Hölle mich die ganze Nacht durch auf- hetzten. es doch noch zu thun. Vielleicht hatt' ich nicht viel zu vergeben. Ich bin wie eine Fledermaus im Hellen, ich weiß nicht genau, wo ich bin. Wenn's die Leute erfahren, werden Sie mich ivohl auslachen. Vielleicht, daß sie mich für'neu feigen Köter halten. Meinethalben. Der Hund, der zu Kreuze kriecht, wird nie sehr bedauert." Seine Stimme schwankte, so hart und rauh sie auch klang. „Doch bin ich nicht gekommen. Dir das zu sagen. Du wirst diesen Ort bald verlassen, und ich wollte Dich fragen— ich möchte wissen—" Sie hatte sich das Gesicht mit den Händen bedeckt.„Thu' mit mir. was Du ivillst. Pete," sagte sie,„Du bist mein Mann, und ich muß Dir gehorchen." Er sah einen Augenblick auf sie nieder.„Doch kannst Du mich nicht lieben?" „Ich habe Dich hintcrgangcn, und was Du mir auferlegst, will ich thun." „Aber Du kannst mich nicht lieben?" „Ich will Dir in Zukunft ein rechtschaffenes Weib sein, Pete. Das will ich. wahrhaftig, das will ich." „Aber lieben kannst Du mich nicht?" Sie fing an zu weinen. „Das reicht hin." sagte er.„Ich will Dich nicht zwingen." „Wie gut Du bist I" sagte sie wieder. Er lachte noch bitterer als zuvor.„Glaubst Du. es sei mir etwas an Deinem Leibe gelegen, wenn em andrer Dein Herz besitzt? Das Spiel Hab' ich nun, wie mir däucht, lange genug aufgeführt. Gut? Nein. das bin ich wahr- haftig nicht I" Er hatte bisher ins Fener gestarrt. jetzt wendete er den Blick seiner Frau zu. seine Lippen zitterten, sein ganzes Wesen veränderte sich. „Ich bin hart— und will mich kurz fassen. Die Sache ist. daß ich entschlossen bin, etwas zu thun. nur habe ich erft eine Frage an Dich zu richten. Du hast schwer gelitten. Käthe, seit Du von mir gingst. Er hat Dich ein gutes Teil'runter gebracht. Doch sage mir— liebst Du ihn noch?" Sie erbebte und drückte sich dichter an die Wand. „Fürchte Dich nicht. Es ist Frauenart, den Mann zu lieben, der ihnen Uebles gethan hat. Gut gegen sie zu sein. ihnen Dienste zu leisten und Freundlichkeit zu erweisen, gilt nichts. Möglich, daß es Leute giebt. die sie darum tadeln, ich thu' es nicht. Sich hinzugeben mit Leib und Seele, ohne daran zu denken, ob sie dafür irgend etwas erhält— das ist der höchste Ruhm einer Fran. wenn sie jemand liebt. Darum frei heraus, Käthe— liebst Du ihn noch— trotz alledem?" Die Antwort kam in leisem Flüsterton:„Ja." „Mehr braucht's nicht," sagte Pete. Er drückte die Hand auf die Stelle, wo seine alte Wunde war.„Ich hätte es wissen können, daß Du mich niemals lieben würdest. Ich hätte es wissen können," sagte er mit Anstrengung.„Doch glaube nicht, daß ich. wie man zu sagen pflegt, mein Bündel nicht tragen kann. Ich kenne jetzt ineinen Weg— ich weiß nun, was ich zu thun habe." Sie verbarg ihr Gesicht noch immer in den Händen und schluchzte laut; er atniete schnell und schwer. „Noch ein Wort— nur noch ein einziges— wegen des Kindes." „Der kleinen Katharine?" „Hab' ich ein Recht auf sie?" Sie atmete beklommen, aber antwortete nicht! er wieder- holte seine Frage:„Gehört sie mir. Käthe?" Ihre Verwirrung wuchs. Er fragte abermals nüt noch sanfterer Stimme. „Wenn ich die Insel verlassen sollte. Käthe, könnte— müßte ich nicht das Kind mit mir nehmen— dürfte ich es thun?" Jetzt half ihr die Furcht ihre Scham überwinden. „Nimm sie nicht weg I" rief sie.„O, thu's nicht, thu es nicht!" „Ah!" und er preßte die Hand wieder auf seine Seite. „Vielleicht ist das aber nur die Mutterliebe, denn welche Mutter—" Iffortietzung folat.) (TTnd'tinKt nerBoten.) Eine Mandern ng durchs Spaller Hopfen�Ilevicr. i. Geschichtliches und Wirtschaftliches Wen einmal zwischen August und Septcuil'er sein Weg»ach Nürnberg führen sollte, der versäume nicht, auch einen Abstecher ins Spalter Land zu machen. Mau benutzt da.;» die Nürnberg— Münchner Bahnstrecke über Schwabach bis Georgenßginünd. die vcide au der Rcgnitz liegen, und fahrt dann von hier mittels Seknndärbahn in westlicher Richtung bis Spalt. Oder man beginnt gleich von Georgcnsgmünd die Fnßivandcrung: den» von hier ab belvegt man sich schoii im eigentlichen Hopfenlaade, welches vorn uuferue» Slädtchen Spalt Namen und Siegel hat. Zlvar hat man lauge Strecke» leichten Sandbodens zu übelwilideu. nauieullich lvenn mau, was am enipfehlenswerlesten ist, neben dem Geleise entlang geht. Allein so uninteressant ist die Reise nicht. Denn so wenig der vorwiegende sandige Boden auch geeignet sein mag zur Bebauung in, allgemein vkonolnischen Sinne, hat er doch für einen angenehmen Wechsel landschaftlicher Reize Raum geling gelassen. DcrObstbaum, ja selbst die ctzbare Kastanie, gedeihen hier neben Laub- und Nadelwaldbeständc» in üppiger Fruchtfülle und Mannigfaltigkeit, lind datz ehemals mächtige Wälder sich ansbreiteten, Ivo jetzt an der Stange der im« gleich ertragfähigere Hopfen aufwärts rankt, das beweist so manch vercinsaintcr Baumveteran mitten im Gelände, das bclvcist jene uralte Linde unterhalb Grotzweingarte», ans deren ansgesanllem, mächtigem Stamme neun Wurzeln in Fntzcsdickc ausgeschlagen sind und nun dem oberen Baum mit seiner Riescnkrone im- gehindert neue Lebenssäfte zuführen. Aufwärts, abwärts steigt der Wanderer durch prächtige Buche»-, Linden- und Eichen- gehölze, in deren Schalten es sich so angenehm rasten läßt vom beschwerlichen Kreuz und Quer und von Ivo ans dem Auge herrliche Rund- und Fernblicke auf die vom Hopfcngerank. Garten- und Mattengrün emporragenden Dörfer, Schlösser und Weiler sich eröffnen, oder tief durch romantische Schluchten. Der„Druiden- bäum" aber lenkt mit eins unsren Geist ans vergangene Zeiten zurück. Dieser große so geheißene Birnbaum in der Nähe von Spalt bezeichnet nämlich die Stelle, aus der ehedem eine mächtige Eiche stand. In deren Nähe wollen ältere Stadtbewohner noch große Stücke von dem Opferslein heidnischer Germaueii gesehen haben: wie denn auch der ganze Thalkcsscl in ältester Zeit von„heiligen Eichen" umstandeii war und die Eicheuivaldungeii noch bis ins vorige Jahr- hundert hinein bis an die Stadlmancr gereicht haben sollen. Wie ganz Franken, so ist aiieb der Spalter Bezirk reich an Burgen und Schlössern. Schon die Römer halten hier ans den Höhen Sckintzivällc und Kastelle zurückgelassen, die dann in der Folge von manchen wilden Ranbrittergeschlechtcrn zum Sitz erkoren wurden. Es war hier ehedem auch gut hausen. Die Wälder boten Schutz und Wild, der arme Landbcbauer mußte Bieh und Getreide schaffen, und den von Venedig herziehenden Nürnberger Handclslaraivanen war aus dem Hinterhalt oder durch mörderischen Ueberfall manche reiche Beute abzujagen. Kurz, so manch historisches Kapitel steht auch im Spalter Lande mit Blut geschrieben und wird beim Anblick der Burgtrümmer oder restaurierten Schlösser lebendig, in deren Ge- mächern heute friedlichere Kapitalisten zeitweilig hausen. In diese ärmliche, verwilderte, verwüstete Gegend kam einst � es mag ums dritte Viertel des 14. Jahrhunderts gewesen sein, da sicb nichts Genaues feststellen läßt— ein Böhme, dessen Name eben- falls unbekannt geblieben ist, als Geistlicher in das Kollegienstift Spalt. Angeregt durch die auch chronistisch beglaubigte Armut der Bewohner und von der mit der Lage und Beschaffenheit seines böhinischeii Heimatsortes sehr ähnlichen Beschaffenheit des Spalter Bodens, versuchte der Mönch hier die Hopfeiikiilinr. Er ließ zu diesem Zwecke die Fechser(Wurzeltriebej aus Böhmen kommen, unterrichlete die Leute im Anbau und gründete auf solche Weise den eigemlichen Wohlstand des ganzen Bezirks. Schon 1830 wissen Orts- nrtundei! von einem„Hopfengarten" zu berichten. Daß die Güt« des Spalter Hopfens gar bald anerkannt wurde und Weltruf erlangt babcn müsse, dafür spricht die Thatsache, daß die Stadt bereits im Jahre 1538 von ihrem damaligen Schirinherrn, dem Fürstbischof von Eichstätt, zur Sicherung der Echtheit des aus- gezeichneten Gewächses ein Siegel erhielt. Später wurde auch noch einigen Orlichaften des Spalter Bezirks die gleiche Vergünstigung verliehen. Unter den älteren siegelführenden Plätzen waren stets genannt: Avsberg, Abenberg, Enderndorf und Wernfels, deren Siegel- recht, io weit das ermittelt werden konnte, weit über 2(X> Jahre alt sein dürfte: während Großweingarten. Moosbach, Fünfbrviin. Stirn, Obererlbach n»d Georgeusginünd erst zwischen 1753— 1798 siegelberechtigt wurden. Natürlicherweise ging das Gesamtcrträgnis nach Nürnberg, welch' letzteres sich bis heute als die bedeutendste, wenn nicht einzige Hopfencentralc für den Weltmarkt behauptet hat und Ivo schon damals die Jndttslric des Bierbrauens kräftig florierte. Mit den Brauern gerieten die Spalter Hopfenprodnzeuten aber auch frühzeitig in Hader, ivegen Nebervorteilniig, worüber sie 1581 beim Nürnberger Magistrat beredte Klage führten. Sie warfen den Braneru nämlich vor, sie„schlagen und schwingen mit den Wannen den Hopse» dermaßen in das Maß. daß er ans diesem an der Tüllen herwiederspringt," so daß statt 10 Metze» bis 12„hinein- gestopft' Ivürden. Die Brauer aber antworteten ebenso spitzfindig als protzig, cS wären nicht 10, sondern stets ll'/z Metzen aufs Maß gekommen, und wenn die Spalter das nicht liefern wollten, dann sollten sie ihren Hopfen behalten, womit der Streit zum Schaden der kapitalschwachen Bauern ziemlich rasch entschieden war. Indessen ist anch zu bemerken, daß schon zu jener Zeit Käufer anS allen Weltgegcnden nach Nürnberg und Spalt kamen.>iin sich des unübertreffliche» Gewächses zu versichern. Ebenso rechtmäßig darf aber anch behauptet werden, daß die eigenartige vorsichtige Bearbeitung der Gärten, die Pflege der Pflanzen, die Ansscheidiing und das Trocknen des Hopfens nach allein Brauch ein gutes Teil zu seiner durch Prämiiernngen auf allen Weltmärkten festgelegte» europäischen Berühmheit beitrug. Mit dieser rationellen Pflege ging die stetige Ausdehnung oder Verinehriing der Anpflanzung Hand in Hand. Inner- halb eines Zeitraums von 482 Jahren seit Einführung des Hopfcnanbancs. nnuilich bis 1852, waren der Gesamtflnr deS Spalter Bezirks doch erst 1000 Tagwerk Boden für Hopfengärten abgerungen worden. Der jährliche Zuwachs an solchen hatte also dnrchschiiitllich nur 2075 Tagwerk betragen. 1893 gab es aber schon 1300 Tagwerk, woraus sich eine Vermehrung um 17,35 Tagwerk pro Jahr crgiebt. Gegenwärtig ist diese Zahl weit überschritten. Ilnd da mau in der Regel 2000 Siöcke auf ein Tagiverk zurechnet, so kann der Gesamtbcstnnd jetzt auf ungefähr 3 250 000 Stöcke an- geschlagen werden. Die Erträgnisse, auf langjährige Erfahrung ge- gründet, berechnen sich bei einer vollen Ernte auf vier Ccntner pro Tagwerk. Sonach kömilen gegenwärtig 3500 bis 7000 Ceniner jährlich gewonnen werden. In dem Zeit- ranin von 1817 bis 1830 betrug das jährliche Durchschnittsergebnis 2330 Ceniner. Heute ist cS ungefähr auf 3500—4000 Centner zu veranschlagen. Interessant sind die alle Jahre verschiedenen Schwankungen des Preises. Der niedrigste Preis wurde 1828 er- zielt, nämlich nur 3 Gulden für den Centncr. 1830 dagegen wurden bis 350 Gulden, gleich 700 Mark nach heutigem Gelde, pro Centner bezahlt! Als Mißjahr ist das Jahr 1853 mit nur 1025 Centnern »nd als reichstes das Jahr 1855 mit einer Ernte von 4347 Centnern reinen Spalter Stadtgutes bemerkenswert. Stellt man»nn die baren Auslagen für Material und Arbeit dem Durchschnittspreis der letzten Jahre von 90—250 Mark pro Centner gegenüber, so ergiebl sich allerdings nur ein minimaler Gewinn, wenn nicht gar im Einzelfalle eine beträchtliche Einbuße. Schon 1896 mußte das Hundert Stangen mit 30— 38 Mark bezahlt werden. Demnach kostete das Rankenholz pro Tagwerk 300— 750 Mark, denen höchstenfalls durchschnittlich 1000 Mark als Gesamterträgnis gegenüberstehen. Richtig ist ztvar, daß nicht alle Jahre das Stangen- Material durchweg zu'ernencrn. sondern mir zu komplettieren sein wird. Anch der' Extra-Anfwand von Arbeitskräften während der Zeit des Wachstums mag schtverlich groß ins Gewicht fallen. Lediglich die Ernte, Ivelche beim Einzelnen je nach Hopfcnbcständcn in wenigen Tagen, im ganzen in etwa 14 Tagen beendigt zu sein pflegt, erfordert die Eiiistellnug von mehr Arbeitern. Sind die Löhne auch„gestiegen", so dürfen sie. unbeschadet des JanunernS der Produzenten doch als sehr niedrig, wo nicht gar als erbärmlich be- zeichnet werden. Ein Arbeiter erhielt 1896 bei einer Arbeitsdaner von 18 Stunde»— von 5 Uhr morgens bis 11 Uhr nachts, eine kurze fünfmalige Unterbrechung abgerechnet— täglich außer Beköstignng und ärmlichem Nachtquartier nur 80 Pf. bis 1 M. Bei Accordarbeit wurde 5—3 Pf. für das einzelne Pfund der Pflücke bezahlt. Reich- tümer sind da also nicht zu sammeln I Immerhin dürfte auch die Lage der Hopfenproduzcnteu selber keine glänzende genannt werden. Auf rationelle Behandlung des eingebrachten Hopfens abzielende Darren, Pflückapparate, die allerdings noch wenig Eingang gefunden haben usw. mußten beschafft werden, um erstklassige Produkte ab- geben zu können. Andrerseits versuchte man vor sechs Jahren durch eine Petition an die Regierung, der Verleihung des Siegels an Ge- «einten SerNachbml'ezirkeEmHaltMthim. einer, wiemmrsaqt, hierdurch herbeigeführten Entiverning de-Z Spnlter Gewächses cittgegenzittvirken ,md hat nun auch ein Syndikat behufs besserer Bcrwertmig der Er- trägnisie eingerichtet. Judesie» bollzog sich ja längst ei» Nuüchwuiig, klns dem Kleinhandel ist Grobhandel geworden. Die Hop-enbmierii, die früher direkt an die Konsunienten verkaufen konnten, find längst ans den Zwischenhandel angewiesen. Denn dnS gewaltige Herr von b(X> und mehr grotzkmisninuuisch betriebenen Nürnberger Hopsen- firmen zeigt, wie die Anhäufung des Vermögens in einzelnen dieser Familien lehrt, das Bestreben aller kapitalisliseben Nuternehiner, sich auf Kosten der weit ärmeren Produzenten jahraus, jahrein zu be- reichern.— C r n st K r e o w s k i. Kleines JTemllektfn» ck. Neber das Klalschmanl spöttelt Migrtel Zamacois im „Ganlois". Er hat feine Studien in den Bädern gesammelt, in denen sich die reichen Bourgeois herumtreiben. Der Spötter schreibt: „Das Klatschmaul männlichen oder Ivciblichen Geschlellits braucht nicht intelligent sein, es genügt etwas Phantasie und Zeit. Verfügt eS über etwas Frechheit, Logik und Geist, so ist es ei» großartiges Klatschmaul. Ist es dazu noch schtvatzhaft und nnt lleberrednngs- talent begabt, so ist es ein Klatschmaul erster Güte. Dieses letztere ist ein Piychologe und muh es sein, um gründlich alle Feinheiten des HerzeuS zu kennen und allen Liste» der Leidenschaft entgegen- zuwirken.... Moralisch muh das vollkommene Klatschmaul sein: d>»rchlriek»«n. scharfsichtig, beobachtend und geduldig: es mnh vorzüglich sehen können und ei» feines Gehör haben. Kurzsichtige oder Taube sind nur traurige Klatschmäuler. Jedes Klatschmaul hat seine Methode und sein Temperament. Der eine schlicht vom Besondere» ans das Allgemeine, der andre von der menschlichen Gemeinheit im allgemeinen ans die Bcrderbthcit im besondere». Es giebt ein feinfühliges, ein deduktives und ein phnutastisches Klatschmaul. Es giebt geborene und gelegentliche Klatschmäuler, Klatschuränler durch Er- ziehuug, durch Austcckuiig, durch Muhiggaug und durch Feigheit. Das vollendete Klatschmaul ist thätup schöpferisch lind angreifend. Das halbe Klatschmaul begnügt sich damit, zu übertreiben oder zu lolportiere». Das Klalschmaul. das seinen Beruf berfehlt, begnügt sich damit, zu lächeln oder nach Wahl folgende Ausrufe bo» sich zu geben:„Nicht möglich I... Warum nicht gar!... Sind Sie dessen .sicher?... Sie ist sehr gittl.. � Ich ziveifcltc daran!... Ich hätte darauf gcivettet l..." usw. Um gut klatschen zu koimeir, «ruh man fitzen. Der Umfang und die Gründlichkeit eines Ge- schwätzes stehen im Verhältnis zur Bequemlichkeit der Klatschmäuler. Darrun find die Frauen bessere Klatschinäuler als die Männer. Sie setzen sich besser hin und für längere Zeit. Der Beweis ist, dah die Männer fiir sich die unbequeme Bar. die Frauen aber für sich den reizenden?ive o cloak-Thee erfunden haben. Das Klatsch- maul, das sein Geschäft gut versteht, setzt sich nicht beliebig hin. ES kennt die guten Orte am Strand und im Kasino, von wo mau alles sieht, ohne zu sehr gesehen zu werden. Es richtet sich so ein, dah es die KreuzungSstelleu. die Eingänge zu den Kabinen und die Treppeuausgänge überwachen kann. Von seinem Platz sieht es in den Spiclsaal eintreten, ans dem Bad kommen, und sei» Äuge reicht bis hinten zznn Lesesaal. Das vollendete Klatschmaul muh ein Wnuderbares Gedächtnis haben. Es muh nicht nur die Namen aller Abouneute» des Kasinos kennen, sondern auch die vollständigen Ab- stanlnuiuge», die Familienbaude und Berwandlschastsgrade bis zu den lueitlänfigsten VcUvairdtc». Es muh die Mädchennamen der verheirateten Frauen und die Frauenuamcu der geschiedenen leimen. Es mnh auch über die Beschäftigung der Ehemänner, das Benehmen der Fraue». die Mitgift der jungen Mädchen Bescheid wissen, und die kleine„Chroiuque scandaleuse" darf keine Geheimnisse fiir das Klatschmaul baden. lieber jeden Neuoiigokommeucn mnh es sich sofort informieren; vielleicht schlummert in ihm der Stoff zum Klatsch. So ausgerüstet setzt sich das Klatschmaul an seinen Posten und beobachtet. Und cS konstatiert, dah Fräulein B. zwölf Mal in der Gesellschaft desjelbe» jungen Mannes die Terrasse durchmißt, Hehe!... Dah Frau D.. deren Ehemann immer nur Soniiabendsabcuds kommt, de» übrige» Teil der Woche mit Herrn X. flirtet. Hm hm I... Dah Herr G. alle Tage allein im Automobil fortfährt, und zwar genau zu der Stunde, wo Frau G. allein spazieren geht. Haha!... Dah Frau V. und Herr D. immer zur selben Stunde baden und sich abends immer wi« zufällig auf derselben Bank beS Kasino wiederüudeu. Hoho!... Das Klatschmaul konstatiert alle diese Dinge, cS macht seine Kollegen ans Verlobungen und Auf- Hebungen von solche», die bevorstehen sollen, ausmerlsam, auf wahr- schcinliche Eheicheiduugen, auf offenbaren ehelichen Kummer und vorzeitige Tröstung. Kein Itcines Zeichen, kein langer Blick, kein heimliches Lächeln cnlgchl ihm. Es analysiert das„Auf Wieder- sehen" und jeden Händedruck. DaS ist das Klatschmaul erster Güte.— Technrsches. — Calcium metalL Die„Kölnische Zeitung" schreibt: Ein Problem, das sich bis jetzt standhaft allen Versuchen. eS zu lösen, ividerfetzt hat, nämlich die eleltrolytische Herstellung deS Metalls „Calcium" aus dem Kalk, ist jüngst endlich im«lektrometallurgischen 'Jnsiitut in Aachen durch Professor Borchers und einem seiner Schüler, Ingenieur Stockem, gekäst worden. Das Verfahren, das der Gcillimmug des Aluminiums aus Tonerde ähnlich ist, wird dem- nächst in der„Zeitschrift für Elektrochemie" geuancr beschrieben werden. Almninium wird bckcumtlich durch Elektrolyse eines ge- schiuolzcnen Gemisches von Krholith und Tonerde gewonnen. Die Gewinnung des Calciums ist insofern einfacher, als man nur einen Stoff der Elektrolyse zu«ntcrlverfen braucht, das Calcinmchlorid, das entsteht, ivcmi man Salzsäure ans Kalt einwirken lägt, und das bei 800 Grad schmilzt. Einige Unarten des Calciiuns, die dag Aluminium nicht anflvcist, machen besondere Vorrichtungen für die Elektrolyse nötig, zu denen man nach zahlreiche» mihglücktcu Vcr» suchen gelangte. Wir»missen natürlich von ciircr Beschreiblurg des Apparates absehen, aber wohl dürste es weitere Kreise inter- cisteren, welche Aussichten der Besitz dieses Metalls eröffnet. Zur Darstellung metallischer Gegenstände ist eS nicht zi» ver» wenden, denn es ist weich wie Butter im Winter und hält sich an der Luft nicht, da es leicht zu Calcinmoxyd, dem Kalk, verbrennt, auch ohne von anheu erwärmt zu Iverden. Wohl aber wird es weitgehende Amvendung in der chemische», Industrie, be» sonders der orgnnijch-chcmischen, finden. Mai» suchte lange nach eine», billige» Metall, daS stärkere redimierende Eigenschaften bat als Aluininiuin, Magnesimn und Ziirk, aber schwächer als die Metalle Natrinm und Kalium. Dah das Calcium diese Lücke ausfüllt und somit für die organische Technik grohe. Bedeutung hat, ivnhte»na»,, doch war die bisherige DarstcllungSweise so teuer— das Calcium kostete noch vor kurzem 18 000 Mark das Kilo—, dah eine Vcr- Wendung im grohen unmöglich war. Das»e»e Verfahren wird de», Preis ,rm mehr als das SOOO fache herunterdrücken, und es ist noch gar nicht abznsehe»», welche Vorteile der Besitz des billigen Calciums der organischen Chemie bringen wird. Zweitens wird die Eisenindustrie sich sehr für die Erfindung ii»teressiere». Um das Eisen von Phosphor, Schwefel und Sauerstoff zu befreien, machte man zu dem geschmolzene» Eisen Zuschläge von Alunriniuin. Zivar ist das schwach almniniiinihalligc Eise», besser als das Phosphor« und schlveselhaltigc, aber»richt so gut wie das reine Eisen,»vas Zug- und Bruchfestigkeit anlangt. Beivahrheitet sich die Vermutung, dag das Calcium sich in so geringer Menge in dem Eisen löst, daß es seine Eigenschaften nicht verändern kaiu», oder aber schadet das Calcini», auch>r>«im es in»ichrerc», zehntel Prozente» im Eisen vorhanden ist. dein Eise» nicht, so ist der Caleiuinilidustrie eine glänzende Znkunft zi» prophezeien. Aehulich läßt sich auch das de>u Calcium ähnliche Strontiimnnctall darstellen.— HuiuoristischeS. — E i n g e s ch ü ch e r t... Herr Assessor. Sie sind mir als Schwiegcrsoh»« ivillkonnnew" „Aber»och eine Frage, Herr Direktor I Sind Sie in Ihrem Lebe» auch gairz gelviß»üemals Feldwebel gewesen?"— — Berlin W. K o m m e r z i e n r a t Cohn:„Edgar, wenn D» es zum Reservelieutenant bringst, verzeihe ich Dir Deine beiden ui, ehelichen Kinder I"—(,,J»!lend.") Notizen. — Die in Berlin begründete Gesellschaft für Theater» ge schichte will eine Anzahl draniatirrgischer und »hentergeschichtlicher Arbeiten Heinrich Laubes auS Zeitschriften in B u Ä f o r»n herausgeben.— — Sarah Bernhardt wird in der ziveiten Hälft» des Novembers in, Schau spielhauje gastieren. Sie»vird nur in Stücken auftreten, die in Berlin bekannt sind l„CauicIieudame", „Heimat"-c.), da ihr an Vergleichen gelegen ist zwischen ihren Leistungen und denen andrer Schauspielerimieiv— — Das neue Schauspielhaus in Frankfurt a. M. wird am 25. Oktober d. I. eröffnet»verde». Di» Baus», Mine ist um »nehr als 200000 M. überschritten worden.— — Webers„Freischütz" wird demnächst im Dresdener Opernhaus seine 600. Aufführung erleben.— — Josef Hellmcsberger, seit 25 Jahren Professor des Violiuspiels an» Wiener K o n s e r v a t o r i»»»n, hat wegen schlechter Besotdung(2000 Kronen im Jahr) seine E n t» l a s s n» g gen o min e n.— — Mascagui ist seiner Direktor st elle am Konser- vatorimn in Pesaro enthoben»vorden.— t. D i e größte»» Binnenschiffe, die je für den Verkehr ans dem Wasser außerhalb der Weltmeere gebaut»norden sind, ver- kehren jetzt auf den großen auierikauischen Seen. Während des letzte», Jahrzehms hat sich die miUlcre Länge der dort sahrcnde» Frnchldampser nahezu verdoppelt,»vährcnd ihre Ladefähigkeit von 2500 auf 7000 Tonne» gesticgeu ist. Der größte dieser neuen See» dainpfer besitzt eine Länge von 486 Fuß, eine Breite von 50 und «inen Tiefgang von 28 Fuß. Ein solcher Dampfer vermag au- nähernd 6200 Tonnen Waren anfznnehnien.»md seine Baukosten be» lausen sich auf Über eine Million Mari.—__ Die nächste Nummer des tlntcrhaltmjgsbkattes e-ffchemt am Sonniag, den 24. August. Vuauvvortl icher Redau««: Julius Kalis«» u> Vertu». Druck uno Verlag vov Sttag Badiug u» Berlin.