Nr. 341, Kbonnemtnts• Kedingungen: Abonnement»- Preis pränumerando: Pierteljährl. 3L0 Mb, monatl. l,10 Mb, wöchentlich 28 Psg. frei in» Hau». Einzelne Nummer S Psg. Sonntag»- Nummer mit illustrierter Sonntag»- Beilage..TW Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: ZPll Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitung»- Preisliste sür 1899 unter Dr. 7890. Unter Kreuzband für Deutschland und Lesterreich- Ungarn 2 Marl, sür da» übrige Au!land 3 Marl pro Monat. Erscheini täglich»uster Wonlug». PG■!>, Verlinev vollisblakk. 16. Jahrg. Ate Anftrtions-Gebülfr betrügt für die fechigefpaltene Kolonel« zeile oder deren Raum«o Psg., für politische und geiverlschaftltche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Zinfeigeu" jede» Wort 5 Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi»» Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Die Erpcdition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» S Uhr vormittag» gcöstn«. Fernsprecher:»mk l, Nr. 1S0S, Telegramm- Adresse: „Sorlaldemostrat Berlin« Centrawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: L�iV. 19, Beutlz-Straste 2. Sonnabend, den 14, Oktober 1899. Expedition: SW. 19, Beutlz-Skrasze 3. Die Rentabilität der Landwirtschaft. Es wird uns geschrieben: Von cineni Thüringer Bcuier läßt sich die..Deutsche Tages- acitlfttg" wieder cinnial" die schlechte Lage der Landwirtschaft' be- ftätigcn. Der Bauer weist auf Grund' seiner Buchführung nach, das; die Verzinsung namentlich seit dem Abschluß der Handels- Verträge stark zurückgegangen sei. Für die Periode vor dem Abschluß derselben sei ein Uebcrschuß von durchschnittlich l>(J,L3 M. pro Hektar und eine Verzinsung von 2,2C Proz. erzielt worden. Nach Abschluß der Handelsverträge sei dagegen der Ueber- schuß auf 27,92 M. und die Verzinsung aus 1,01 zurückgegangen. Selbst wenn man das totale Mißerntejahr 1893 einerseits und das Hageljahr 1894 andererseits außer Berechnung lasse, so ergebe sich für die erste Periode ein Ucberschuß von 60,76 M. und eine Verzinsung von 2.44 Proz., während für die zweite Periode der Ucberschuß 44,62 M. und die Verzinsung 1,61 Proz. betrage. Der Thüringer Bauer bemerkt zu seinen ziffcnnäßigen Belegen:„Wir haben hier den unwiderlegbaren Beweis, daß der Abschluß der Handelsverträge die Erträge der Landwirtschaft sehr erheblich hcrabgcdrückl hat, so daß nicht selten die Eristcnzfähigkcit verschiedener Wirtschaften in Frage gestellt wurde." Auf Gnuid solcher Verallgemeinerung fordert der Verfasser des Artikels ziemlich unverblümt das Recht der Landwirt schaft auf eine Rente. Wir geben ohne weiteres zu, daß bäuerliche Wirtschaften gegen- wärti� Ivenig Rente abwerfen, aber ist es nicht eine ganz unzulässige Verallgemeinerung, aus dem Umstand, daß ein partieller Teil der Landwirtschaft notleidend ist, gleich zu thun, als ob dies für die gesamte Landwirtschaft zuträfe. So werden gleichfalls in der Züschrift des Thüringer Bauern ganz unvermittelt ivieder die Handelsverträge als die Ursache für den behaupteten Rückgang des Ertrages der Landwirtschaft ausgeschricn. Der Thüringer Bauer ist ferner ungeniert genug, zu behaupten, daß die Landwirte nur ans Furcht, von der gegnerischen Presse mit Sloth beworfen zu Iverden, mit der Angabe thatsächlichcr Wirtschasts- ergebnisse auS der Praxis zurück hielten. Mit dieser Ausflucht soll der� Schein erweckt werden, als ob die Wirtschastsresultate des Thüringer Bauern für die Erträgniste der Landwirtschaft ziemlich maßgebend seien. Man will gerade jetzt vor Abschluß der neuen Handeisverträge noch einmal alles aufbieten, die Lage der Land- wirtsckast in möglichst düsterem Lichte erscheinen zu lassen. Gegen diese durchaus einseitigen Treibereien der Agrarier muß man im Interesse aller Konsumenten, im Interesse von Industrie und Handel mit allem Nachdruck vorgehen. Es ist nicht wahr, daß allgemein die Erträge der Landwirtschaft zurückgegangen sind. Es ist nicht wahr, daß allgemein die Grundrente gesunken ist. ES ist endlich falsch. daß die Handelsverträge auf die Erträge und Renten der Landwirtschaft direkt nachteilig eingewirkt haben. Zum mindesten scheint festzustehen, daß der Großgrundbesitz und der Großbetrieb, daß auch ein Teil der Groß« und Mittelbauern trotz mancher kritischer Momente in der Landwirtschaft und trotz der Handelsverträge mit sehr gutem finanziellen Erfolge gewirtschaftet haben und noch ivirtschaften. Daß bei den Mittel- und Kleinbauern die Verhältnisse ungünstiger liegen, dürfte wohl allgemein zugestanden werden.-Aber an dieser mißlichen Lage sind nicht so' sehr die Weltmarkts- Verhältnisse und die Handelsverträge schuld, als vielmehr unsere verkehrte Agrarpolitik und die Inferiorität dcS Kleinbetriebes dem Großbetrieb gegenüber überhaupt. Wir wenden uns gegen die Ausführungen des Thüringer Bauern in der„Deutschen Tagesztg. ganz besonders deshalb, weil dieser durch seine ziffernmäßigen Aus führungcn, die für seine Wirtschaft zutreffen mögen, den Anschein er wecken will, als ob die Rente allgemein und zwar ganz direkt unter dem Einfluß der Handels- Verträge zurück- gegangen sei. Daß diese Anschauung aber total falsch ist und mit den Thatsachen in Widerspruch steht, dafür wollen auch ivir einige ziffernmäßige Beweise anführen. Wenn die Angaben in der„Deutschen Tageszeitung" zu- träfen, so müßte in denjenigen Ländern, in denen zahlreiche staatliche Domänen verpachtet werden, sich zum mindesten ei» Rückgang der Pacht ergeben, der gleichbedeutend mit einem Rückgang der Rente wäre. Thüringen benachbart liegt das Herzogtum Braunschweig mit seinem ziemlich ausgedehnten Domäiicubcsttz. Zur Zeit zählt man dort nicht weniger als 50 Kammcrgüter mit einem Flächeninhalt von 18 143 Hektar. Es crgicbl sich. daß seit Anfang der 70 er Jahre die Pachtcinnahmen aus diesem Besitz sich verdoppelt haben, daß sie seil 1880 von 874 070 M. auf 1 292 679 M. im Jahre 1898 gestiegen sind. ES ergicbt sich aber ferner noch, daß seit Abschluß her Handelsverträge die Pachteinnahinen noch ebenso weiter steigen. wie vor dcni Abschluß der Handelsverträge. Die Pachtcinnahmen betrugen 1892 1 262 721 M.. im Jahre 1893 aber 1 292 679 M. Noch im jüngsten braunschwcigischcn Etat spricht sich die braun schwcigischc Regierung dahin auS, daß zwar vereinzelte Kammcrdomänen, wie sonst auch, bei ihrer Verpachtung Verluste gebracht hätten, daß aber diese Verluste durch andere. äußerst vorteilhafte Neu- Verpachtungen weit ausgeglichen und in eine Vermehrung der Pacht- einnahmen umgewandelt wurden. In welcher Weise letztere gerade seit dem Jahre 1880 und speciell seit 1892 zugenommen haben, zeigt nachfolgende Uebcrsicht. Es brachten folgende braunschweigische Domänen Pachtcrtrag: Domänen sonderen Gründen zurückgegangen sind, daß aber bei der Gesamt bcrechnung ein Zmvachs' der Pachteinnahmen sich ergiebt. Dainit glauben wir die einseitigen und allgemeine» Folgerungen, die der Thüringer Bauer in' seinem Artikel an die„Deutsche Tageszeitung" zieht, widerlegt zu haben. Alle die jetzigen Versuche, die Lage der Landwirtschaft wieder möglichst schwarz zu malen, bezwecke» gar nichts anderes, als Stinunimg für noch höhere Gctrcidczölle zu machen, als wir sie heute schon haben. Da für eine aber- malige Erhöhung der Zölle bis jetzt keine schlagenden Gründe vor- gebracht werden, so versucht man, seinen Zlvcck mit der Wissenschaft des praktischen Bauern zu erreichen. Bekanntlich hatte Graf Posadowsky seiner Zeit den Landwirten gesagt, sie müßten, falls ihnen sicherer Zollschntz gewährt werden soll, vorher den wissenschaftlichen Nachweis führen, daß unter dem gegenwärtigen Zollschutz ihre Betriebe nicht rentierten. Da dieser BelveiS für die Landwirtschaft doch nicht so leicht erbracht iverden kann, so versucht man nach der Methode des Thüringer Bauern diesen Nach weis zu erbringen: man cxemplificiert von sich auf die gesamte Landwirtschast. Das ist eine alte agitatorische Regel, die bei den Agrariern schon zur Formel geworden s�st. Sie lautet auf den vorliegenden Fall angclvandt: Ich der notleidende Landwirt N. bin die deutsche Landlvirtschaft. Die deutsche Landlvirtschaft ist aber der Staat, folglich muß der Staat, wenn ich für höhere Gctrcidczölle bin, diese bewilligen. Ealvörde Eanipen. Harzburg......... Hcimburg......... Hessen mit dem Vorwerk Hessenbau Marinstuhl......... Walkenricd mit den Vorwerken WiedingShof und Ncuhof.. Warbcrg.......... Wir fügen noch hinzu, daß bei Domänen die Pachtcinnahmen nur selten und dann nur aus be- politische Aebeefichk. Berlin, den 13. Oktober. Nochmals das Ministerium der Unglücksfälle. In dem gestern von uns behandelten Artikel der mi- nisteriellen„Berk. K o r r e s p.", der sich gegen uns richtete, wurde auch gesagt: „Der Vorwurf gegen die Verwaltung, daß sie das Personal übermäßig in Anspruch nehme, treffe im vorliegenden Falle n m s o w e n i g e r zu, als der Bcanite, den allein ein Verschulden an dem Unfall beim Klosterthor möglicherweise treffen könne, zur Zeit des Unfalls 7 Vl Stunden im D i e n st e war. nachdem er vorher 14 Stunden Ruhe genossen hatte." Diese Beweisführung der Miquel-Thielenschen Eisenbahn- Offiziösen ist geradezu verblüffend. Uns dünkt. ein 7 Ve stündiger Dienst auf einer überaus verkehrsreichen Station sei keineswegs wenig. Und selbst geheimrätliche Amts- Weisheit könnte sich sagen, daß es nicht aus die Dienststunden zahl ankommt, die zwischen dem Unfall und dem Dienstbeginn liegt, daß vielmehr die Dienstzeit im allgemeinen und die gesamten Verhältnisse des Dienstes berücksichtigt werden müssen. Wir gestatten uns gegenüber dem Vorwurfe der„Ge- hässigkeit", den uns die„Verl. Korresp." behufs Bemäntelung der Unterlassungssünden der preußischen Eisenbahnverwaltung niacht, den Herrn Eisenbahnminister einmal auf folgenden Artikel aufmerksam zu machen, beziehentlich ihn, sofern der Herr Minister denselben bereits kennen sollte, in Erinnerung zurückzurufen: Der„Notschrei der Station". Vor der Strafkammer in B r a u n s ch w e i g hat sich kürzlich ein Prozeß wegen Gefährdung von Eisenbahntransporten abgespielt, der das besondere Interesse der StationS-Vorstehcr und -Verwalter in Anspruch ninnnt. Der als S a ch v e r st ä n d i g e r vernommene Betriebs controleur, Herr Hugo Schirmcr- Hannover, schilderte die Verhältnisse auf dem Bahirhofe Langelsheim als d u öch a u S u n z u l än g l i ch e. Nach seiner Ansicht sei namentlich dem einzigen Aufsichtöbeamten eine viel zu große Verantwortung aufgebürdet, zumal bei der u n v o r te i l h a f t e n B a h n h o f s a n l a g e. Dem Not« schrei der Station, die seit 1892 sechs Beamte im Etat habe, nach Erhöhung der Beamten» zahl, sei an zuständiger Seite kein Gehör gt schenkt worden, trotzdem die Jahres- Einnahme sich um 140 500 M. und die Züge sich von 39 auf 59 innerhalb 24 Stunden vermehrt hätten. Bei den» durch die Natur der vorherrschenden Umstände gebotenen fortwährendeii Abweichen von der Fahrordnung könne auch von einem selbständigen Handeln des einzelnen Beamten nicht mehr die Rede sein, vielmehr sei hier längst die Ausnahme zur Regel gelvorden. Wir sind überzeugt, daß sich der Brust manches Kollegen beim Lesen dieser Worte ein schwerer Seufzer entrungen hat. der da sagen sollte:„Ganz»icin Fall, auch nieine Notschreie sind nngchört verhallt." Es ist bekannt, daß die Zahl der Stationen nicht gering ist, auf denen außerordentlich schwierige Verhältnisse obwalten, so schivierige Verhältnisse, daß eS nicht mehr möglich ist, streng instruktionSgemäst zu handeln, daß auch dort die Ausnahme zur Regel geworden ist. Daß die Er- fiillung der dienstlichen Pflichten unter solchen Umständen, ge« linde gesagt, recht unbehaglich ist, weiß ein jeder. Wirkliche Arbeitsfrendigkeit kann unmöglich aufkomme», ganz abgesehen von der ständigen Gefahr, mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt zu geraten. Derartige Miststände sind, sprechen wir es nur aus, lediglich darauf zurückzuführen, daß den Notschreien der Stationen' im allgemeinen zu wenig Gehör geschenkt wird, oder mit anderen Worten, daß die Meinung der Stationsvorsteher bei der Behörde nicht diejenige Geltung hat. die ihr zukommt. ES liegt doch auf der Hand, daß kein anderer, und sei er ein noch so tüchtiger Fachmann, die Verhältnisse eines Bahnhofes so genau zu beurteilen und Mängelund Fehler zu erkennen vermag, als der Stationsvorsteher, der über langjährige, reiche Erfahrung verfügt und dort, wo er unter eigener Verantwortung schaltet und waltet, doch wohl am besten Bescheid wistcn muß. Würde man den Gesuchen der Stationsvorsteher um Ver« besserungcn irgend ivelcher Art in umfangreicherem Maße ent- sprechen, wie dies bisher der Fall gewesen ist, so könnte man mit Sicherheit annehmen, daß der Betrieb dadurch ganz erheblich gewinnen, daß manche Unzuträglichkeiten, manche Unfälle, ja sogar manche Ausgaben vermieden würden." Diese„Gehässigkeiten" hat kein Socialistenblatt erfunden. sondern sie stehen an leitender Stelle der„Zeitschrift des Vereins der Stations-Vorsteherilnd Stations- Verwalter der kgl. preußischen Staats-Eisenbahnen" Nr. 8 vom 2. September 1889. Wir befinden uns also mit unserer Kritik des gleicherweise die Beamten wie das Publikum gefährdenden Sparsystems Miguol- Thiclen in sehr guter und sehr sachverständiger Gesellschaft.— Hohenlohe-Miquel. Vollendete Harmonie besteht zwischen Reichsregierung und preußischem Ministeriuni, zwischen Hohenlohe und Miguel. Denen, die es anders wissen wollen, gießt die„N o r d d. A l l g e in. Ztg." offiziöse Belehrung: „Wir haben bisher von der Zeitungsfehde, welche sich zwischen politischen Blättern der verschiedensten Richtungen iibcr ei»« angebliche Krisis innerhalb des S t a a t s m i n i st e r i n n« 4 entsponnen hat. keine Notiz genommen, aus dem einfache» Grund«'. iveil nach unseren zuverlässigen Informationen über die schwebend»» Fragen unterer inneren Politik MeiiiinigSverschieveiiheiten im Schoß« des StaatSministcriums überhaupt nicht bestehen. Wenn einzelne Zeitungen aber so weit gehen, zu behaupte», der Direktor des Litterarischcn Bureaus des Staats- miilisteriiims. Geheimer Regiernngs- Rat Dr. von Falet. habe im Auftrage des Vice» Präsidenten des S t a a t s ni i n i st c r i» m s allein oder in Gemeinschaft mit einem anderen die Redaktion der„Neuen Preußischen Zcituna" aufgesucht und daselbst irgend welche Erklärunaen abgegeben, so erscheint es doch geboten, weiterer Lcgcndcnbildinig entgegen- zutreten. An der ganzen Nachricht, deren tendenziöse Unwahr- hcit übrigens von ciiiigermaßen urteilsfähigen Btnttern leicht hätte erkannt werden können, ist selbstverständlich kein wahres Wort." Wenn Herr v. Falck nicht„im Auftrage" des Herrn v. Miguel zur Friedenskonferenz in der Redaktion der Kreuzzeitung" erschienen ist, so ist er vielleicht ohne Auf- trag gekommen. Und wenn es Herr v. Falck nicht war, so war es ein anderer.« Die Thatsach« der„Friedenskonferenz" st e h t f e st. ihr Resultat bekundete sich in der grotesken Schwenkung des konservativen Hauptorgans, das in bei Nummer vor der Konferenz Miguel als Maßregler der Land- räte angriff, nni am nächsten Morgen den Zweifel am Liebling der Agrarier" zurückzuziehen und sich gegen dep Reichskanzler zu ivenden. Es ist nicht nötig, daß ein Minister, der eine Zeitung auf andere Fährte weisen Witt, einen Geheimrat ausdrücklich beauftragt, der Geheimrat versteht die Wünsche des Ministers so auszuführen, daß dieser, ohne die Wahrheit zu brechen, erklären kann: Ich weiß von nichts. Jedenfalls ist es ein überaus erfreulicher Gedanke, den Reichskanzler und Herrn v. Miguel in seltenem Einverständnis von Leben und Thaten des dahingeschwundenen SeehandlungA« Präsidenten plaudernd zu wissen.— Der Krieg. Gestern nachmittags 5 Uhr wurde in Pretoria das KrlegSrecht verkündet. Man erwartet für heute oder morgen die Pro- k l a m a t i o u des Belagerungszustandes nicht nur für Pretoria, sondern für sämtliche Plätze Tranvaals. Der Wortlaut des Ultimatums, welches vergangenen Montag dem britischen Ver- treter Greene überreicht wurde, ist au den Martern von Pretoria augeschlagen worden. Gleichzeitig wurde Befehl gegeben, daß daS Ultimatum auch in den anderen Städten der beiden Republiken an- geschlagen werde. Die„Times" erfahren, daß der Präsident des Oranje-Freistaates Stejn auf die vom Gouverneur Milncr an ihn gerichteten Anfragen die formelle Mitteilung gemacht hat, daß der Oranje-Frei« st a a t ni i t d e r S ii d ä f r i k a n i s ch e u R e p u b l i k g e m c i n- schaftliche Sache machen wird. Dem„Reuterschen Burcnn wird aus Bloemfoutcin vom 11. Oktober gemeldet: Präsident Stejn erließ eine Proklamation, in welcher er die Bürger des Oranja- Freistaates auffordert, der Schwcstcrrepublik Hilfe zu leisten beim Widerstande gegen den Angriff eines skrupellosen Gegners, welcher schon lange nach einem Vorivande suchte, um die Afrikander zu ver- Nichten. Die Stimmung in England ist jetzt vollständig einheitlich: Eist» rüstung über das' Ultimatum, Ziistimmiliig zu dem Kriege! Die Opposition hat ihren ohnehin nicht besonders scharfen Protest miii vollständig verstummen lassen. Die nationale Petition gegen den Krieg ist bereits zurückgezogen. ASquith sprach gestern in New- burgh. Er trat lediglich für eine großmütige Behandlung Trans-- vaa'ls nach einem siegreichen Feldznge ein.— Der unioiiistische Abgeordnete Court ney sagte in seiner in Liskeard gehalteueii Rede, er bedaure das Ultimatum der Boeren, aber könne es, ehrlich gesprochen, nicht verdammen. Die Wirren im Transvaal hätten durch ein Schiedsgericht beseitigt werden sollen. Die Wähler CoiirtneyS verweigerten ihm ein Vertraue ns- Votum, weshalb er wahrscheinlich sein Mandat niederlegen wird. Was den Krieg selbst anlangt, so scheint der Einfall der oeren in das britische Gebiet sich doch mir sehr langsam zu vollziehen. Die„Times" spötteln über die bisherigen Errungen- schasten der Boeren.„Dailv Mail" sagt, die Besetzung von Laingsnek und Newcastle werde die Boeren nicht daS mindeste nützen; es sei eine höchst unangenehme Ueber- r a s ch u n g für Krüger in Vorbereitung. Die Binuiug- hamer„Post", die oft die Anschauungen ChamberlainS vertritt, er- fährt, nach der Ansicht militärischer Sachverständiger seien die gegen- wärcig in Südafrika stehenden britischen Truppen hinreichend für die Aufgabe, in Transvaal einzufallen und Pretoria ein- »nehmen; die Entsendung eines Armeekorps sei dem Entschluß es Kabinetts, keine Gefahr zu laufen, zuzuschreiben. Trotzdem glauben wir nicht, daß die Sache so einfach vor sich gehen wird. Nicht ohne Gnind hat England durch Verschleppung der Unterhandlungen den Ausbruch des Krieges zu verzögern gesucht. Die Rüstungen- bedursten eben noch einer ganz be- dxiitciide» Vervollkonimiiunq, und auch jetzt sind sie noch Innflc nicht in.•i'tn gtadiitm, daß ein rafcher Sieg zu erwarten ist. Wie sehr die Engländer ihre Streitkräfte zn kom plettiercn suchen, geht aus einem Telegramm hervor, daß das„B. T � aus Amsterdam erhalten hat i dem zufolge rekrutieren die En gl an dl N e g e r s o l d a t e u a»>s Bctschuanaland, um dieselben im Kriege gegen Transvaal zu verwenden. Infolge dessen wird die Transvaal- Regierung ebenfalls die Schwarzen bewaffnen. Zum erstemnal werden also im gegenwärtigen Kriege Schwarze gegen Weiße ver wendet werden. Höchst bezeichnend ist eine Zuschrift, die der Pariser„Matin ans London erhalten hat, wonach sich unter der Munition, welche für Südafrika bestimmt ist, auch eine Anzahl Dum-Dum-Geschoss' befinden. Das ist eine drastische Antwort an die Adresse der Haager Friedensdiplomaten, die den Krieg humanisieren wollten und sich vor allem über die bestiakisch-grausamen Dum- Dum- Geschosse eni rüsteten.— . Der Kriegsschauplatz zerfällt in einen östlichen und einen w e st l i ch e n. Der erstere liegt an der Grenze Natals. Vom elfteren werden einstweilen wohl nur sehr spärlich Nachrichten einlaufen. Sowohl von Wakkerstroom und- Volksrust wie von Harrismith beträgt die Entfernung bis zu der britischen Stellung bei Glencoe etwa sechs Tagesmärsche. Bis jetzt liegt nur die Meldung vor, daß die Boeren die Station Albertina, welche Eigentum der Natal-Staatseiscnbahn ist, aber >m Oranje-Frcistaat liegt, eingenommen haben. Die Boeren des Oranje-Freistaatcs haben Harrismith verlassen, um die Grenze zu überschreiten. Die Erregung in Ladysmith sNatal) nimmt zu? die englischen Truppen sind bereit, auf Befehl sofort vorzugehen. _ Wichtige Ereignisse sind in der nächsten Zeit auf dem w e st lrchen Kriegsschauplatz zu erwarten, an der Grenze zwischen dem Oranje-Freistaat und Transvaal einer- und Wcsigriqua- land und Betschuanaland andererseits. Diese Grenze entlang führt die englische Bahnlinie Kapstadt— Vululvayo, deren Strecke Mafeking— Vryburg— Kimberleh— De Aar die Boeren in ihre Gewalt zu bringen trachten müssen. Gestern ist Cecil Rhades in Kimberleh eingetroffen, das bedeutet, daß gerade auf diesem Kriegsschauplatz die Situation sehr bald ein kritiiches Aussehen ge Winnen wird. Der Telegraphen droht bei Mari bogo, 4l) englische Meilen südlich von Mafeking, ist zer schnitten. Und aus Vryburg(Britisch Bctschuana-Land� wird genieldet. daß daselbst ein gepanzerter Eisenbahn äug zer st ort worden ist. Man befürchtet, daß viel Menschen umgekommen siiid. Das wären die ersten blutigen Opfer, die der Krieg gefordert. Und nun wird unausgesetzt die Flinte schießen und der Säbel hauen. Im nächsten Jahre aber, wenn Väterchen, ivie er angekündigt, wieder die Friedensboten zusammenberuft, werden die Engländer mit den übrigen ruhig und fromm darüber beraten, wie man der Menschheit den ewigen Frieden sichert.— » �» Bloemfontein, 12. Oktober.(Meldung des„Reuterschcn Bureaus".) Das Kriegsrccht ist proklamiert worden. Die Gerichts Höfe sind geschlossen. Präsident Steijn erließ einen kräftigen Ausi ruf an die BurgherS, in dem sie aufgefordert werden, die äußersten Anstrengungen zur Währung der Unabhängigkeit der Republik zu machen. Die Proklamation macht die britischen Unterthanen daran' aufmerksam, daß sie bis zum nächsten Sonnabendnachmittag 6 Uhr den Freistaat zu verlassen haben, doch werden Erlaubnisscheine zum Bleiben ausgestellt. London, 13. Oktober. Das Hauptquartier der Engländer wurde nach Ladysmith verlegt. London, 18. Oktober. Dem„Reuterschcn Bureau" wird aus Ladyimith vom heutigen Tage gemeldet: Truppen des Oranje Freistaats rücken in einer Entfernung von 38 Meilen über den Timwa Paß vor. 70 berittene Jäger wurden zur Verstärkung der Kavallerie Vorposten abgesandt. »» » Deutsches Weich. Ist es erreicht? Endlich haben sich Arbeiter gefunden, die für die Zuchthausvor- läge eintreten. Aus Krefeld wurde dieser Tage berichtet: Sämtliche 416 heute arbeitenden Färber und Mädchen der beiden vom Ausstande betroffenen Großfärbereien richteten eine Eingabe an den Oberbürgermeister, worin sie wegen fortgesetzter Bedrohungen um polizeilichen Schutz und Aufhebunq der Streikposten bitten. Mit wahrer Wollust stürzten sich die„Post",„Köln. Ztg." und andere Unternehmerblätter auf diese Nachricht. Hier hatte man den Kulturbilder aus Schlesien. Bon HanS Wandrer. HI. Ein Marsch durch die Wrbergegend. Hinter Langenbielau erhebt sich das Gebirge in steileren Höhen, auf deren rundlichen Hängen und Halden mächtige Nadelholzgehcge emporstreben. Einige schmale Wege führen durch den eingezäunten gräflichen� Wald nach den hoch liegenden Weberdörfern Hausdorf, Friedrichshain, Steinkunzendorf. Eine halbe Stunde über Langenbiclau— ich hatte bereits mehrere mit Garn bepackte Weberfrauen hinter mir gelassen— zog sich plötzlich in den Schluchten ein Gewitter zusannnen. Zwischen den Bäumen rollten die Wolken und Nebelschivaden hin und her und prallten durcheinander. Jäh öffneten sie sich und aoffen ihren Inhalt über die Bäume, über die mit ihrer Arbeit Heimkehrenden und über die Wege aus. Sofort war der lehmige Boden aufgeweicht und überschwemmt. Die dichten Baumstände boten keinen Schutz gejje» das herabschießende Wasser. Die in schlechten Barchent ge- kleideten Frauen waren schnell durchnäßt und das Garn, das sie in einem Tuch auf den Rücken trugen, triefte von dem Regen, den es aufgesogen hatte.\ Mühsam arbeiteten sie sich die glitschigen, ansteigenden Wege hinauf, mit ihren nackten Füßen am Steingerölle Halt suchend, be- schwert von dem Waffer. Auf einem Baumstumpf saß ein alter Mann, der gleichmütig den Regen über sich schütten ließ: seinen Packen Garn hatte er auf einen andern Baumstuinpf gelegt. Ich blieb bei ihm stehen. Er bot mir gleich, freundlich lächelnd, eine Prise an. Und als ich ihn nach semer Arbeit und nach seiner Familie fragte, da leuchtete es voll Glück in seinem schlaffen, dürren Gesicht auf, und er plauderte, ohne auf den Regen zu achten: „A nu, su arg viel haben wir nich. Aber es gieht jn imma wieder. Der Buchhalter Meente zwar im Summer.'S giebt bald nischt mehr. Dar Harr O e r t e l hält' gesagt,'S ging nich, daß se nuch was aus'm Hause gaben. Aber wie dar Harr Buchhalter verreest war, da Meente Harr Oertel— dar Oertel aus Peterswaldau— ich kriegte immer auch was, ich füllte man keene Angst haben. Un als nu dar Harr Buchhalter wiederkam, da wollt ar uns oock nischt geben. Aber ich sagt ihm, dar Harr Oertel hat gesagt, ich sull immer was haben— un da mußt ar uns ju oock was geben, dann ar hat ju so viel Arbeet, daß ar's ju gar nich schaffen kann. Ju. ju. ich Hab' schun nuch zu thun." „Sind Sie denn auch mit Ihrem Verdienst zufrieden?" „A wenn man immer a Arbeet hat—'s is ju a gar nich so arg. A su' a drei Mark und fiuf Böhm tret ich halt schun nuch zusanimen a de Wuchen über. Aber das Dumme is, daß man imma neu Tag zum Liefern verloofen muß. Bis man runta kummt von Friedrichshain nach'n Fabrikanten— und dann will man buch ooch wieder a Stück Arbeet mit'auf nehme— und das gieht a nich su fix mit da alten wackeligen Kuuchen su'nuf de Berge... Aber meene Alte verdient ju oock noch a wenig mit. Mil'm Spulen hat s« a Wuchen a nuch su a zwölf Böhm... Un a Miete brauchen Beweis, daß der �Grundgedanke des Arbeitswilligengesetzes glänzend gerechtfcrtigk" sei. Das/ war das rechte Material für die zweite Lesung'des Gesetzes, 416 Unterschriften sind gleich 416 scharfen Paronen für Herrm v. is�osadowsky. Daß Posadowsky sie verschießen ivird, ist sicher, und so ivollten atich ivir dazu beitragen, den wahren Thatbestand festzustellc», damit der Minister nicht' wieder zu spät einsehen nmß, daß er rarir wieder P l a tzp a tr o n e n verschossen hat Da ist denn zunächst recht auffällig, warum denn die oben be> zeichneten Blätter sich nicht auch von der Eingabe der Unternehmer depeschieren ließen. Ttie Firma B ü s ch g c n s u. S o h n hat nämlich folgendes Schreiben an den Oberbürgermeister gelangen lassen: Krefeld, 10. Oktober 1899. An den Gehanmrat Herrn Oberbürgermeister Köper Hochwohlgeborcn Krefeld. Wir beehren wns Euer Hochwohlgeborcn eine uns von unseren Arbeitern übergeben? und an Sie gerichtete Eingabe, mit der Bitte zu überreichen, dieser Eingabe nach Möglichkeit zu will fahren.— Vorzüglich aber ein Verbot gegen die die Arbeitswillig keit dieser Personen und mit ihnen von viele» der noch aus ständigen Färber kieeiuträchtigenden Streikposten zu erlassen oder höheren Ortes zu beantragen. Hochachtungsvoll Färberei A.-G. G. BüschgenS u. Sohn gez. A. B üs ch g e n s. » Warum wohl, so fragen wir nochmal?, verschwiegen die genannten Organe die Thatsache von dem Begleitschreiben der Unter- »ehmer? Nahmen sie vielleicht an, es könne dies bei Zweiflern den Eindruck erwecken, als ob etwa die ganze Eingabe von den Unter- nehmcrn in Scene gesetzt worden sei und als seien die Unterschriften nicht ganz freiwillig gegeben? War das der Beweggrund des Todschtvoigens, so war das von den Uiiternchmerbllitlerii, denen es darauf ankommen mußte, die aus Arbeiterkreisem kommenden ZuchthauSschivärmer in vollster Reinheit erscheinen zu lassen, in der That ganz richtig kalkuliert. Diese Rechnung erleidet durch das Begleitschreiben der Unternehmer schon einen argen Stoß. Aber noch mehr. Ucber das Zustandekommen der Eingabe wird uns von Krefeld noch mitgeteilt:„Die große Masse dieser Leute hat die Eingabe unterzeichnet in der Annahme, es handele sich um ein Schreiben an das Streikomitee: sie hat den Eindruck gehabt, als ob mit den Streikenden Verhandlungen angeknüpft werden sollten. Vom Oberbürgermeister- Amt ist ihnen nicht gesprochen worden." Daß die Aäl'eiter derartige Schriftstücke nur zu oft unterzeichnen. ohne recht zu uiisseu, was dafin steht, ist allbekannt. Die Lerhand- lungen vor den Geiverbegerichtcn liefern eine Menge Beispiele, wie Arbeiter häufig genug Reverse, Arbeitsordnungen, Kontrakte ic. unterzeichnen, ohne deren Inhalt genau zu kennen. Um Stellung zu erhalten oder sie nicht zu verlieren, unterschreibt der Arbeitcr vielfach Verträge, über deren Tragweite er sich nicht recht klar ist, und zu spät nmß er bemerken, daß er der Geprellte war. Und ähn- lich kommen auch die Dankadressen, patriotische Kundgebungen und onstige Eingaben zu stände. Zur Eingab« der Arbeiter selbst sei noch bemerkt, daß in der elben geklagt wird über„beleidigende Worte und drohende Blicke." Es werden keinerlei Fälle von Mißhand- lungen oder dergleichen angefübrt, was doch bestimmt geschehen würde, wenn solche vorlägen. Trotz des nie erlahmenden Eifers der Behörden kmnite erst ein Streikender auf Grund des§ 153 zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Noch eins. 416 Arbeits- willige haben die Eingabe unterschrieben, die Zahl der Streikenden beträgt noch nicht 600; da können ivohl die Gewaltthätigkeiten der Mehrheit gegen die Minderheit nicht allzu schwer sein. Viel wird nach allem der Minister mit der Kundgabe der zucht- hausbegeisterten Arbeiter nicht anfangen können. Platzpatronenl—_ Wie Sympathie-Resolutionen für die Znchthansvorlage zu 'tande kommen, das plauderte dieser Tage der Obermeister der Brauns chiveiger Schuhmacher- Zwangsinnung in der naivsten Weise von der Welt aus. Der„Brannschw. Volksfreund" berichtet darüber: Als er die von dem Münchener Geiverbeverein an sämtliche Arbeitgeber- Organisationen zur Annahme ver- andte Resolution für die Zuchthausvorlage erwähnte, sagte er, sich jedenfalls der Tragweite seiner Worie gar nicht bewußt, ganz treuherzig:„Der I n n u n g s v o r st a n d habe im Namen der Jnnungs Mitglieder freudig die Zustimmung z u der Resolution für die Zucht- Hausvorlage nach München gegeben. Die Zeit, bis zu welcher Antwort verlaugt sei, sei zur Einberufung einer Versa»nn> ma halt a nicht zahl'n, ma haben selbst a Häusel. Wie das aber nu oock so iS. ma haben vor a Sticker zwce Jahr bauen missen— 's ivar halt a su schlecht, daS Häusel. Un da haben ma a su viel Schulden vom Bauen, das ma a nich aus nuch ein wisse." Ich fragte ihn, ob er noch keine Altersrente bekäme; er müßte doch reichlich siebzig Jahre alt sein. „A ju, das will ich oock meenen, das bin ich ju. Un nuch a Jahre pechse drieber. Ju. ju; aber ich krieg' keene Rente, ich Hab' halt nie su viel verdient, daß ich a Recht daderzu hätte.-- Ader ich Hab' ju nuch a Sohn, da bei ma wohnt. A bat ma oock su lang treten geholfen— a jn, ich hatt' frieher nuch a Gehilfe. Da Höchen ma aber alle drei Mann a nur su a elf— zwölf Mark in a Wuchen gehabt. Ja, daS war ichun a Verdienst. Aber su a Gehilfe hat auch a Magen un daS iS halt de schivere Not, ju, daS is hall de schwere Not... Ju, ju— nu geht mein Sohn ins Bargwerk; da hat er a Tag zwee Mark, a viel Geld. Un da giebt a da Wuchen sechs Mark ab. Nich, das is buch zu viel? A is buch ka Fremder. Man lull duch an ssinem Suhn a nischt verdienen. Un das wulle ma ja oock nick— aber da Schulden un da Steuern könne ma nich zahlen von meinem Verdienst. A ju, a is a starker Bursch. Aber a ißt a was. A ju, bald nuch amal su viel, als ich mit meinem Weib. Aber das macht wull da schwere Arboet, da kann a oock nich su leben, wie unsereenS. A füll oock nich mehr su viel geben, wann de Schulden bezahlt sein werden. A is a su a guter Jung-- Un a wullt oock nich a Weber bleiden- un nu iS oock su gut. Sunst hätten ma wull's Häusel ju oioch nich mehr. Da gings uns, wie unserm Nachbar. Da is a plötzlich uff un davon un hat a Häusel un a Acker im Stich gelassen — a kunnt da Sorgen drum nich mehr ertragen. A su Habens schun viele gemacht. Ju. ju, da hat a mal eens ausgerechnet, was ma alle verdienen. Un da haben fe nachher oock ausgefunden, daß vor a paar Jahren nuch a 446 Menschen bei uns in Friedrichshain gelebt haben, daß aber dann nur nuch a 356 bei uns wohnen. Da anllern sind de Familien ausgesturben un a ganze Menge sein a auchzekniffen. Un da haben se a ausgerechnet, daß 351 Menschen im ganzen in a Wuchen 469 Mark 60 Pfennige verdienen.— Des heeßt, wenn alle Kleeneu mitarbeeten und wenn ook SromtagS geschuftet wird. A ganze Familie verdient in a Wuchen u u o Mark un fufzig Pfennige. Das heeßt, su im Durchschnitt. )i« meesten haben's nich, da a paar Mannsbilder als Maurer oder immerer auswärts arbeeten; die verdienen ju a ganz Stick'l mehr. u da» daS abgezogen werden muß vom Gesamtvcrdienst. Da war l HauSweberin, die verdiente 208 Mark a Jahr über. Von ihrem Häusel zieht sie a nuch 75 Mark Miete. Dadervon muß sie jährlich 15 Mark an Steuern, Rente UN sunstigen Abgaben entrichten.... A Hmwweber verdient mit seinem Weib a 208 Mark im Jahr. Dadervon zcchlt a 30 Mark Miete und an 3 Mark Abgaben.... A anderer Hausweber hat a mit seinem Weib und seinen fünf Kindern 364 M. im Jahr. Wenn a nu 30 Mark Miete un 4 Mark Abgaben un a SO Mark uf Kleedung for de sieben Menschen abrechnet, bleiben uff a Tag for de ganze Familie noch nich a ganz 67 Pfennige. Da hat also a Mensch uff a Tag auch nich a Böhm, lung zu kurz gewesen. Im übrigen hätten es andere I n n u n g s v o r st ä n d e ebenso gemacht. Ter biedere Ober- Meister war noch ganz verblüfft, als sich ob dieser Nachricht ein Sturm der Entrüstung in der Versammlung erhob. Es wurde verlangt, daß der Obermeister die widerrechtlich gegebene Zustimmung in München rückgängig machen solle, lind als dann mir so überwältigender Majorität(gegen fünf Stimmen von 250 Anwesenden) eine Protestresolution gegen die Zuchthausvorlage und für Erweiterung des Koalilionsrechts der Arbeiter angenommen wurde, da wußte der biedere Meister wenigstens die Konsequenz dieser Stellungnahme seiner Mitglieder zu ziehen. Er wußte, daß es mit seiner'autokratischen Macht zu Ende war und meinte denn auch, es scheine, als ob die Versammlung nicht mit der Handlungsweise des Vorstandes einverstanden sei, und als ihm von allen Seiten lebhaft zugestimmt wurde, stieß er die„schreckliche Drohung" aus, wenn das so wäre, werde man einen Antrag auf Auflösung der Zwangsiiinung einbringen.— Die Novelle zum UufallversicherungSgesei? dürfte dein Bundesrat erst nach Neujahr zugehen. Zur Zeil unterliegen die vom Reichsamt des Innern ausgearbeiteten Abänderungsvorschläge erst der Begutachtung des preußischen Staatsminifteriums. Dasselbe hat also noch reichlich Zeit, alle die von uns neulich mitgeteilten Verböserungen auszumerzen und den dringenden Wünschen der Arbeiter- schaft Rechnung zu tragen. Ob es die Zeit in diesem Sinne ausnutzen wird?— Tie Herner Unruhen beschäftigten am 6. und am 11. b. M. abermals die Bochumer Strafkammer; es wurde gegen neun An- geklagte verhandelt. Verurteilt ivurden ivegen versuchter Nötigung die Bergleute H. K o ch und K. K n h n h e n n e zu je 3 M o n a t e n und Fr. Kreuzer wegen desselben Vergehens und gefährlicher Körperverletzung zu 6 Monaten Gefängnis. Der Fnhrknecht I. Gasp ar.' der am 2. Oktober wegen versuchter Nötigung zu 5 Monaten verurteilt wurde, erhielt am 11. wegen Aulrsizung zum Ungehorsam gegen die Gesetze noch 5 Monate Zusatzstrafe. 6 M o n'a t e bekam Stanislaus P r i n k a aus Bankau wegen Ve- teiligung an einem öffentlichen Aufruhr(Zusammenstoß mit der Polizei am 27. Juni). Von dieser Anklage freigesprochen wurden V. B o g a tz k i und F. P i a s n i. Zum Termin hatten sich nicht gestellt die Angeklagten Ariel und Fries.— Wege» Beleidigung deS LbcrlandeSgerichtS i» Dresden, begangen durch Abdruck einer Kritik desselben auS dem„Vorwärts" gelegentlich des Löbtancr ZuchlhausurteilS, war gegen den verant- wortlichen Rcdactenr der„BreSlauer Bolkswacht", Ge- noffe P a ll l L übe, Anklage erhoben worden. Wegen des gleichen Artikels war bekanntlich auch gegen den inzwischen verstorbenen Genossen Jacobey vom„Vorwärts" Anklage erhoben worden, doch erzielte dieser eine glänzende Freisprechung, da er nach Ansicht des Berliner Gerichts den Beweis der Wahrheit für die inkriminierten Behanpttmgen erbrachte. Die in Sachen Löbe angesetzten Termine vom 2. und 23. Mai wurden ausgehoben, nunmehr aber ist Termin zur Hauptverhandlung gegen Löbe auf den 26. Ollober vor dem BreSiauer Landgericht angesetzt worden.— Neue Flottenfordernngen fürchtet offenbar auch die ..Deutsche Tageszeitung". Sie bringt eine» Artikel, der sich entschieden gegen jede Flotteiivermehrung vor Ablauf des Flotten-Sexennats ausspricht. Vor allein ist sie dadurch unangenehm berührt, daß man in maßgebenden Kreisen bemüht ist, die Not- wendigkeit einer Flotte mit der Notwendigkeit der Getreide« Einfuhr und einer übermäßigen Ausdehnung der Ausfuhr- indnstrie zu begründen. Die Agrarier lieben nicht den Patriotismiis, der mit dem Wasser zusammenhängt.„Deutschlands Zukunft soll auf dem Wasser liegen? Deutschlands Zukunft liegt auf dem Mist."— Sand in die Ange» streuen nennt eine ganze Reihe von bürgerlichen Blättern, z. B. die„ R h e i n i f ch- W e stfäl i f ch e Zeitung" die Behauptung des„Vorwärts", daß die socialdemo- Iratische Partei ein volles Viertel der Gesamtbevölke- rung von Deutschland vertritt, eine Schätzung, die bekanntlich der Vergleich unserer bei der Reichstagswahl abgegebenen Stimmen nnt denen der übrigen Parteien ergiebt. Mit demselben Recht, meint das oben erwähnte, Herrn Krupp sehr nahestehende Organ, mit dem der„Vorwärts" die obige Rechnung aufstellt, könnte er auch behaupten, daß seine Partei alle Deutschen mit Ausnahme der 5�/8 Millionen nichtsocialdemokratischer Wähler vertrete; daS ergäbe doch noch viel imposantere Zahlen. Wenn das Unteruehnierblatt sich über dergleichen Rechenkünste lustig macht, so sei ihm bemerkt, daß gerade uniere Gegner die- 'elben in allem Ernst anzuwenden versucht haben. So z. B. er- nuch nich zehn Pfennige for'n Magen un a Mund. A dritter Weber verdient mit seinem Weib in a Jahr 182 Mark, vun denen a oock an 15 Mark Abgaben zahlen muß. Un was de Ge- meendcborstand war. da hat mit seinem Weib in a Wuchen 3 bis 9 Mark, kriegt aber a mich nebenbei a biffel vun der Gemeende.— Un zu allem knmmt mich, daß ma Häusler a Stand in de Kirchen haben missa. da su a 1 bis 2 Morl lustet. Un Gemeende-Arbeeten, Straßcnuffschütlen un Grabenziehen missa ma oock nuch daderzu machen.... Nu. da könne Se sich denken, daß'S gar su arg nich is mit meenem Häusel. Dar Grund hat ju keenen Wert,'s hat a mal eens ausgerechnet, daß dar Morgen, der alte preußische Morgen, vu» den 4 uffs Heliar geh», a nuch nich a mal 3 Mark kustet.... Ju, da is a oock halt tcen Wunder, wenn teens aushalten will. Nu, ma Alten halte» schun mich su ans— un was su ganz Schwache sind, waben un spulen nuch— da andern gch'n runter in da Fabriken oder in de Bargwerte,'s is ju oock su mit meinem Jungen. Da verdient ju duch wenigstens was vernünftiges, der Kerk l" Er stand munter auf. wie wenn ihm das Gefühl, einen Sohn zu haben, der die Weberei verlassen, einen besonderen Vorzug gebe und ihm Stolz und Kraft verleihe. Aber als wir nun weitergingen. konnte er doch nicht anders, als mich vertraulich in seiner biederen, 'ast kindlichen Art zu fragen: „Aber is oock nich zu viel, daß a sechs Mark a Wuchen ab- giebt?"--- In Steinknnzendorf kam ich an Hütten vorbei, deren alters- .chwache, von angebauten Stützen gehaltene Wände nicht aussahen, nie wenn sie noch Menschen beherbergen könnten. Als ich durch die chief gerutschte Thür eintrat, sah ich, daß noch mehrere Familien hier ihr Heim hatten. Jn der einen Stube saß ein altes Mütterchen am Spulrad. Sie erzählte: „Meen Mann iS a Hulzfäller gewesen. A iS vor a sechs Wuchen gesturben un da muß ich a holt selbst nuch schuften. Ich Hab a Wuchen beim Harrn Oertel su a 80 Pfennig bis a Mark. A mal ivird's oock was'mehr. For a 5 Pfund Weeßgarn krieg ich 40 Pf., or a 5 Pfund Rotgarn 60 Pfennig. Das Rotgarn nmß ich aber elbst stärken un am Ofen trocknen— draußen gießt es ja!" Um den halbzusammengefallenen Ofen hingen auf Hölzern mehrere Reihen Gariisträhnen, die den Raum stark beengten und enen scharfen Chemikaliengeruch ausdünsteten, der Färbereien eigen ist. Die Alte rückte mit ihrem Spulrad dicht ans Fenster,„'S wird halt schun arg finster— un de Lampe darf maa duch auch nich anzünden, das kustet a zu viel." Sie beugte sich über das Gestell und befeuchtete das Garn mit den Lippen— es war gerissen. Während sie eS zusammenknotete. meinte sie:„A su argern mutz man sich mit dem Zeug. Wann's Garn gut ivär, möcht man a mal zwee Mark a Wuchen haben. Aber immer reißt's, immer reißt's!... Da bezahlt man nu zwölf Thaler for a Stuben, a Kammer un a kleens Sttckel Garten— un da bleibt's eenem grab su übrig zu Kartuffeln. Un a schlafen muß man in dem Gestank un a bluS Kartuffeln, Kartuffeln, Kartuffeln I' Ich King zu den anderen Familien überall antworteten sie mir auf meine Fragen nach dem Effen: Kartuffeln l schienen bei der letzte» Stichwnhl im Kreise Teltoiv-BccSlolv allent- halbcn Plakate, wo in fettgedruckten Lettern damit paradiert wurde, dag die erdrückende Majorität der Wahlberechtigte» unseren Kandis daten Zubeil„nicht möge", und das, obgleich Znbeil schon bei der Hanptwabl nur ivcnigc Stimmen zur absoluten Majorität gefehlt hatten. Unsere ebenso ehrliche» wie rechenkundigen Gegner hatten einfach alte die, die sich der Stimme enthalten hatten, als ihre Parteigänger gezählt I Dergleichen Kunststücke sind von unserer Seite» i c gemacht worden. Dagegen versucht sich gerade jenes Blatt damit, indem cS meint, man dürfe behaupten, dag die Social- deinokraten von der deutschen Gesamtbevvlkerung nicht in ehr vertreten, als die zwei Millionen socialde m okrati scher Wähler! Und das, obgleich es doch selbst zugiebt, dag die Socialdemokratie gerade unter den Wählern in den ersten Jahren des wahlfähigen Alters die meisten Anhänger zählt. Da mügte es sich doch selbst sagen, dag all die Arbeiter, die noch nicht 25 Jahre alt sind, auch znm größten Teil der Socialdemokratie angehören, dag es also jene ungeheuerliche Behauptung, die Socialdemokratie besitze höchstens soviel Leute, als für sie gestimmt haben, selbst Lügen straft. Wir haben weder alle Nichtwählcr uns zugeschrieben, noch lassen wir sie uns alle abstreiten. Wir nehmen einfach nur so viel für uns in Anspruch, als uns im Verhältnis zukommt. Rechnungen wie die der„Nhein.-Westf. Ztg." bedeuten nur Sand in die Augen I— Das Blaumachcn— eine Strasthat. Ein Arbeiter, der am Tage der bayrischen Landtagswahl der Fabrik des Herren Konuncrzien- rats Siegle in Friedeusfels in der Oberpfalz, in der er be» fchäftigt war, ferngeblieben war. wurde dcsivegcn sofort entlassen. Er hatte für die socialdemokratische Partei Stimmzettel ausgeschrieben und sonstige Wahlarbeitcn verrichtet. Die Entlassung schien der Gcschäftslcitung eine nicht genügende Sühne, sie erstattete daher anch noch Strafanzeige wegen„Blau machenS am Montag". Er erhielt anch ein Strafmandat auf drei Tage Hast, gegen das natürlich Einspruch erhoben wurde. Dieser hatte auch Erfolg, denn das Amtsgericht Erbendorf fällte ein freisprechendes Urteil. Der Amtsanwalt hat jedoch die Hossnung noch nicht ans- gegeben, den„Blaumachcr" hinler die schwedischen Gardinen zu bringen, denn er hat. wie die„Frank. Tagespost" mitteilt, die Be- rufung zum Landgericht Weiden angemeldet. Man kann gespannt darauf sein, ob das Landgericht sich die Ansicht des Herrn Amts- anwalts zu eigen machen und den Arbeiter auf Grund jener unglanb- lichcn, cbikanösen Bestimmung wegen„Blaumnchens", die der Herr Justizniiuister im Landtage mit so wunderbarer Logik verteidigte, verurteilen wird.— Anö Sachsen-Weimar lvird uns geschrieben: Eine un- wahre Notiz, die auch in unserer Parteiprcsse Aufnahme gefunden hat, ist von der konservativen Presse verbreitet, und läßt den „frommen Wunsch" unserer Reaktionäre, bezüglich der weiteren Be- kämpfnng der Socialdemokratie durchblicken. Dieselbe lautet: „Gegen das Verbot socialdcmokratischer Versammlungen waren für Sonntag in Sachsen-Weimar eine Reihe von Protestversammlungen angesetzt worden. Die Regierung hat aber sämtliche Protest- Versammlungen abermals untersagt. Zugleich wurde dem socialdemokratischen Parteivorstand eröffnet, daß er bei Fort- fetzung seiner gegen die Ruhe und Sicherheit deS Staates gerichteten hetzerischen Thätigkeit strafrechtliche Verfolgung zu ge- wärtigen habe." An der ganzen Geschichte ist kein wahres Wort, indem von einer abermaligen Untersagung deshalb keine Rede sein kann, weil jetzt keine Massen-Versainmlnngen geplant. waren; ob die Regierung auf den Wink, die„strafrechtliche Verfolgung" betreffend eingehen wird, wollen wir vorläufig abwarten, da wir uns trotz alledem in unfern weiteren Maßnahmen nicht beirren lassen werden. München, 12. Oktober.(Bayrischer Landtag.) Die Debatte über die wirtschaftlichen Anträge deS Centrums wurde heute fortgesetzt. In seinem Schlußworte suchte der zweite Hauplantragsteller, Abg. Dr. P i ch l e r, die von den verschiedenen Seiten des HauseS sowie auch vom Ministertische aus gegen die Anträge geäußerten Bedenken zu zerstreuen. Schließlich erfolgte einstimmig die Ueberweisung der Anträge an einen be- sonderen Ausschuß von 23 Mitgliedern. Wegen Mangel an Be- ratungSstoff vertagte sich hierauf das Haus bis nächsten Dienstag, wo der Gesetzentwurf über die Fortsetzung der Grundentlastung in Beratung genommen wird.— AuS der Pfalz. Man nennt die Pfalz reich und gesegnet. Wenn man aber die H u n g e r l v h n e betrachtet, die man den Lehrern der Volksschule bezahlt, so merkt man nicht viel von diesem Reichtum. Bürgerliche Blätter berichteten dieser Tage, daß auf eine in dem Städtchen Landstuhl— der Stadt Franz von Sickingens— In der einen Stube lag auf dem Fußboden lang ausgestreckt ein Mann. „A hat geliefert und da hat a, weil ihm unterwegs naß un kalt gewurdcn iS, n Schnapse! getrunken. A blos eencii eenzigcn, denn es fehlt vum Gelde nur a Fünfer— aber da hat a nu blos a Knfiee vorher im Leibe gehabt— un gestern blos Kaffee un Kar- tnffeln— nn vorgestern— und den Tag vorher a Kartuffcln— da liegt a nu wie a vollgestopftes Schwein I"-- Auf dem Rückwege begleitete mich ein junger Mann. Er war auch Weber, hat aber die Weberei noch rechtzeitig aufgegeben, ehe sie ihn zu sehr aussaugte. Jetzt lebt er vom Zutragen der Zeitungen und Zeitschriften, durchwandert die ganze Gegend und lernt sie gründlich kennen.„Meine Mitgliedschaft im Langenbielauer Wahl- verein hat meinen Blick geschärft I" sagte er stolz. „Ja." fuhr er fort,„die Weber dürfen bei ihrer Kost eben kein Bier trinken. Da würden sie sofort einen Magen- oder Dann- katarrh haben. Schnaps ist das einzige, ivas sie vertragen. Nein. die haben wahrlich kein Geld zum Schivelgen. Daher werden Sie hier auch keine Dirnen finden. Die können hier selbst bei den bescheidensten Ansprüchen nicht auskämmen. Unsere jungen Leute sind genötigt, früh zusammen zu ziehen. ES ist ja aucd nichts dabei, sie heiraten sich später. Aber eine Menge unehelicher Kinder giebt's da erst...." Es wurde imnier dunkler. Mein Begleiter trieb zu schnellerer Gangart.„Es kommt oft vor. daß die von der Lieferung kommenden Weber angefallen werden. Die Räuber sind keine Weber— die sind viel zu gut dazu— das sind solche, die schon in ihrer Jugend nicht regelrecht arbeiten konnten, weil ihnen die dauernde Kraft fehlte." Wir waren jetzt an einer Stelle angelangt, von der Langenbielau mit seinen Ausläufern zu übersehen war. Die Fabriken pfiffen grell— Feierabend; aus den Fenstern leuchteten die Lampen. Nicht weit vom Walde ragte ein Gewirre hoch, wie Berliner Miets- kasewen. „Das ist«ine von Dierig angelegte Kolonie. Die meisten Be- wohner sind Czechen. Er giebt ihnen für die Woche 3 bis 10 M.— wenn'S einmal ganz hoch kommt auch ein wenig mehr— und dann müssen sie bei ihm wohnen, gegen Miete... Bei seinen 4000 Arbeitern kann er nicht mal genug bauen— aber der Graf verkaust ihm nichts vom Wald, in dem er sich eine Villa aufführen lassen möchte. Das ist sein Hauptkummcr, die Villa und nicht genug Arbeiter: darum müssen alle, die bei ihm wohnen, auch ihre Kinder zu ihm schicken. Und die Frauen müssen ja überhaupt kommen bei dem Verdienst. Welche von ihnen kochen will, darf mittags eine halbe Stunde stüher gehen— eine ganze halbe Stunde!-- Aber sehen Sie da I Das graue Haus haben wir für unsere Druckerei gebaut. Wir fanden keine Mietsräume mehr, nun ist es fo besser. Und viele Fabrikanten lassen bei uns drucken. Nur die Geschäftsleute haben Angst, ebenso wie die meisten Arbeiter, die sich nicht offen zu uns bekennen— meist zu Unrecht. So weit haben wir es hier schon, daß einer, der in der Wahl zu uns gehalten, nicht mehr gemaßregelt wird... Und zum Oktober wollen vir unser ivlatt um einen halben Bogen vergrößern!" ausgeschriebene Schullehrcr-Stclle keine Belverbnngen erfolgten. Warum sich die Lehrer so spröde verhielten, sollte bald aufgeklärt werden. Das Gehalt für die Stelle beträgt pro Jahr 300 M.— 2,20 M. auf den Tag. Wer aber denken sollte, solche Stellen wären Aus- nahmen, der irrt sich; diese Hnngerstcllen find in der reichen Pfalz die Gegel und gerade die reichsten Ortschaften bezahlen ihre Lehrer am miserabelsten. Namentlich in der Vorderpfalz. Zur Zeit sind in der bürgerlichen Presse einige Stellen aus- geschrieben, die einen tiefen Blick in das Lehrerelcnd gestatten. In Kapellen, Bezirksamt Bergzabern, ist eine Stelle zu besetzen, wofür ein Gehalt von 720 M. pro Jahr geboten wird. In Kirkel- Neuhans eine Stelle mit 790 M. Hier entschuldigt die Nähe der preußischen Grenze. In Moorlautern bei Kaiierslantern eine solche inkl. der Pensionsbeiträge nnt 770 M. So geht es durch die Bank weiter. Die Anforderungen, die man an die Lehrer stellt, stehen aber in keinem Einklang zur Bezahlung. Viel- fach wird die Prüfnngsnote I oder II verlangt. Note I>! genügt für die Hungerstellcn nicht. Die Volksschule bildet eben anch in der Pfalz wie in Ostclbien und sonstwo das Aschenbrödel der Gesell- schaft. Es herrschen überhaupt ans dem Gebiete der Schule in der Pflalz Zustände, die sich mit denen Ostelbiens ruhig messen dürfen.— Darmstadt, 13. Oktober. Die erste Strafkammer des hiesigen Landgerichts verurteilte heute den verantwortlichen Redactenr der„Frankfurter Zeitung" Giesen zu sechs Monaten Gefängnis und die Redacteure Köpgcn vom„Mainzer Journal" und Malten von den„Mainzer Neuesten Nachrichten" zu je 500 Mark Geldstrafe. Giesen war angeklagt wegen Aufnahme eines Artikels in die„Frankfurter Zeitung", worin der hessischen Regierung vorgeworfen wurde, sie sei notorisch gewöhnt, die fundamentalsten Vorschriften der Verfassung schlank und frei zu übertreten. In dein Artikel wurde ferner behauptet, die Staatsanwaltschaft sei durch höhere Weisung verhindert worden, gegen den früheren Landgerichtsdircktor Küchler Anklage wegen Beihilfe znm Bankrott zu erheben. Die beiden Mainzer Redakteure ivaren wegen Abdrucks dieses Artikels mitangcklagt. Giesen wurde außerdem zur Tragung der Hälfte der Prozeßkosten, Köpgcn und Malten zur Traguug von je einem weiteren Viertel der Kosten verurteilt. Als strafmildernd wurde angeschen, daß Giesen nicht der Verfasser des Artikels war.— Chronik der MajestiitöbeleidigungS-Prozesse. Wegen M a j e st ä t s b e l e i d i g u n g hatte sich Donners- tag die verehelichte Arbeiterin Emilie Friedrich vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II zu verantworten. Die Angeklagte wohnt in Adlershof in einem Hause, in welchem auch die Dachdecker W a r n e i c r scheu Eheleute wohnen. Zwischen den beiden Parteien herrscht seit Jahren bittere Feindschaft. Erst vor einigen Monaten ist Warneier auf Veranlassung der Frau Friedrich zu einer Strafe verurteilt worden. Darauf hat er die letztere wegen Mnjcstäts- belcidigung denunziert. Seiner Angabe nach hat sich Frau Friedrich im Januar 1897 mit seiner Frau heftig gezankt und dabei habe erster« Schimpfworte in Bezug anf den Kaiser ausgestoßen. Die Verhand- lnng fand unter Ausschluß der Lessentlichkeit statt, endete aber ausnahmsweise einmal mit der Freisprechung der Angeklagten, da der Gerichtshof erstens eine genaue Feststellung des Wortlautes der Beleidigungen vermißte und zweitens mit Rücksicht auf das überaus feindliche Verhältnis zwischen den Parteien den Warneierschen Eheleuten nicht so unbedingten Glauben beimaß, daß auf ihr alleiniges Zeugnis hin eine Verurteilung zu rechtfertigen gewesen wäre. Der Verdacht, daß die Denunziation nur aus Rache erfolgt sei,"lasse sich nicht von der Hand weisen. Eine Anklage wcgeu Beleidigung eines Mitgliedes des königlich sächsischen Hauses hat die„Dresdner Rundschau" erhalten, weil sie ein Gedicht der Münchner„Jugend" Nr. 38 abdruckte, das die Gastpredigt des Kaplans Prinzen Max in der Herz Jesukirche in Paris behandelt.— Die Nicdermetzelung einer deutsche» Expedition im Hinterlande von Kamerun wird der„Vossischen Zeitimg" aus London gcnieldet. Es heißt in der Depesche: Der gestern in Liverpool aus Wcstafrika angelangte Dampfer „Niger" überbringt die Meldung über die Niedermetzclnng einer deutschen Expedition im Hinterland von Kamerun. Der Kommissar von Rio del Rey war nnt etwa hundert Mann von Rio bei Reh hinauf nach dem Croßflusse abgegangen, um Ruhestörungen unter den Eingeborenen zu unterdrücken. Als Führer diente der Häuptling aus einem auf dem Wege dorthin gc- legenen Dorfe, der die Expedition in einen Hinterhalt lockte, wo, als sie eine Brücke überschritt, auf sie von Eingeborenen ge« feuert wurde. Der Häuptling wurde von den Deutschen sofort er- schössen. Dann schritten die Eingeborenen zu entschlossenem Angriff auf die Weißen. Die Deutschen kämpften mntvoll, aber da die die Expedition begleitenden Lastträger ihnen wenig oder gar keinen Bei- stand leisteten, unterlagen sie der Uebermacht und wurden bis auf den lxtzten Mann niedergemetzelt. Unter den Gefallenen befindet sich auch Lohmeyr von der Deutschen Handelsgesellschaft. Die AmbaS Bay Trading Company in Liverpool erhielt von ihrem Agenten in Rio del Reh die Bestätigung dieser Meldung.— Zu unserer„Wcltpolttik". Von den Verhältnissen in Kiautschou entivirft eine Zuschrift deS„Hamburger Korresp." ein wenig günstiges Bild. Es !eißt darin; Das Klima ist angcnebm und gesund, mit Ausnahme der Regenzeit(Juli-Augnst), und diese haben wir jetzt gerade Hinter uns. Fiebcrkrankheiten gradierten während dieser Zeit stark, in erster Linie Typhus, Ruhr. Malaria und Herzkrankheiten. Von dreihundert Mann an Land befindlicher Truppen waren durchschnittlich 50 bis 00 krank, und in den letzten Wochen sind acht Mann gestorben, auch liegen noch viele schwerkrank darnieder. Um diese schlimme Zeit möglichst ohne Rachteil zu überstehen, werden die Wirtschaften stark frequentiert und wird stark gekneipt; sagen doch selbst vielfach die Aerzte, das beste Mittel, einer klimatiichen Krankheit vorzubeugen, bestehe in reichlichem Genuß von Spirituosen. Recht zweifelhafter Natur sind hier noch zahlreiche Elemente der Bevölkerung. Zur Zeit spielen hier in erster Linie weggelaufene Matrosen und Bankerottierer aus Europa eine recht große Rolle. Diese Mitteilungen decken sich nnt Meldungen der„Nach- richten aus Kiautschou". die von verschiedenen schweren Ein- brächen aus der letzten Zeit zu erzählen wissen. Das Blatt sieht den Grund für diese unerfreulichen Vorkommnisse in dem NahrungS- maugel, der sich infolge lang anhaltender Dürre im Hinterlande geltend mache. So sieht es in der besten unserer Kolonien aus, die selbst Herr Eugen Richter mit etwas freundlicheren Augen betrachtete! Ostafrikanische Eisenbahnwünsche. Der Ausschuß der Deutschen Kolonialgesellschaft hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, eine erneute Eingabe an den Reichskanzler zu richten, um den Plan der dentsch-ostafrikanische» Centralbahn aus der Phase der vorbereitenden Erwägungen der Verwirklichung entgegenzufüdren. Der Ausschuß wird den Reichskanzler ersuchen, in den nächsten ReichshauShältS-Voranschlag eine erste Rate zur Ausführung de« Plane» einzustellen. Der Afrikarelsende Oskar Banmann ist gestern in Wien nach langem Leiden gestorben. Baumann war lange Jahre im deutschen Kolonialdienste thätig und genoß unter den Afrika- reisenden Ruf und Ansehen. 1836 trat er als Geograph der Lst- schen Konreichigo-Expedition seine erste Afrikareise an. 1388 begab er sich mit HanS Meyer nach Ostafrika, erforschte Usambnra und geriet dabei in die Gefangenschaft des bekannten Araber- führcrs Buschin. Gegen Lösegeld kam er wieder frei. Im Januar 18S0 vollendete er im Anftrage der Deutsch- Ostafrikanischcn Gesellschaft die Erforschung Ilsambaras und bereiste dann das Paregebirge bis zum Kilima-Ndscharo und Norduscguha. Jni Dezember 1890 nach Europa zurück- gekehrt, begab er sich 1891 wieder nach Ostafrika als Leiter einer der von der deutschen Antisllaverei-Lotterie veranstalteten Expeditionen. Er erforschte später die östlichen llfer- länder des Victoria-Nyanza-Sees, ferner die deutsch-ostafrikanischen Inseln, insbesondere Mafia. Abs Schriftsteller hat er sich durch seine Schilderungen aus Deutsch-Ostafrika einen angesehenen Namen ge- macht. In den letzten Jahren fungierte er als östreichischer Konsul in Sansibar. Durch seinen langjährigen Aufeitthalt in den Tropen Ivar sein Nervensystem vollständig zerrüttet worden, sodaß ihn der Tod von schlveren Leiden erlöst hat. Großes Aufsehen erregten die noch im vergangenen Jahre von ihm veröffentlichten„Galgen- skizzen aus Afrika", in denen er gegen verschiedene Afrika- forscher und Beamte der deutschen Kolonialverwaltung schwere An- sckmldignngen erhob. Angeblich sollte eine anitliche Untersuchung erfolgen, jedoch ist über ein Resultat derselben bis jetzt nichts be- kannt geworden. Dr. Esser. In der bekannten Angelegenheit des Asrikareisenden Dr. Esser wird berichtet, daß derselbe unter Belassung seiner Offiziersqualität den schlichten Abschied aus dem Militärdienstverhältnis erhalten hat.— Ausland. Schweiz. Genf, 11. Oktober.(Eig. Ber.) Vorige Woche„entdeckte" der hiesige türkische Generalkonsul ein angeblich gegen das Leben deS SultanS gerichtetes„Komplott", das von den hier wohnenden Jungtürten ausgegangen und in das außer mehreren Franzosen auch noch der hiesige schweizerische Arzt Dr. Lardy verwickelt sein sollten. Der Herr Generalkonsul wandte sich sofort an die Genfer Kantonsregierung behufs Einschreitens, und in der That nahm sie verschiedene Hausdurchsuchungen und Ver- Haftungen vor; von der crsicren wurde auch die Redaktion des hier erscheinenden jungtürkischen„As Osmanli" betroffen. DaS Resultat war aber ein verblüffendes und für den Generalkonsul konipro- mittiercndes. Es stellte sich nämlich heraus, daß das ganze„Koni- plott" nur in der Phantasie der ini Solde deS Generalkonsuls stehenden Spitzel existierte, die offenbar einmal zeigen wollten, daß sie gute Spürnasen haben und ihren Sold nicht umsonst bekommen. Der eine davon, der türkische Spitzel Bahatasi, wurde bereits aus- gewiesen und die drei französischen Spitzel, worunter eine Frau, beschäftigen noch die Polizei. Diese Vorgänge zeigen, wie richtig damals die Auffassung war, als das Projekt der Errichtung des türkischen Generalkonsulats anftauchte, daß es sich dabei weniger um kommerzielle, als vielmehr um polizeiliche Zwecke handele, um Uebcr« wachnng der Jungtürkeii und Etabliernng einer türkischen Spitzel« Wirtschaft. DaS Züricher„VolkSrecht" fordert, daß auch der saubere Konsul, der seine Stellung in so schändlicher Weise mißbrauchte, zur Rechenschaft gezogen werde, andernfalls werde die Schweiz das internationale Spitzel- und Spitzelväter» Geschmeiß nie vom Halse bekommen.— Zürich, 11. Oktober.(Eig. Ber.) Im hiesigen Großen Stadt- rat hat die socialdemokratische Fraktion zu Gunsten der städtischen Arbeiter einen hübschen Erfolg erzielt. Auf ihren Antrag hin wurde nämlich beschlossen, die städtischen Arbeiter nach einjähriger Dienstzeit fest anzustellen mit Monatsgehalt und monatlicher Kündigung. Von ca. 1100 Arbeitern sind gegenwärtig kaum 100 fest angestellt, es werden nun dazu weitere 800 kommen. Sie gewinnen dadurch die Verlängerung der Kündigungsfrist von 14 Tagen auf 4 Wochen, die Verwandlung des Tage- oder Stimdenlohncs in Monatslohn mit lleiner Erhöhung, den Fortbezug des vollen Lohnes während Krankheit und militärischer Dienstzeit, statt der jetzige» 70 Prozent. Die Mehrausgabe für die Stadt bettägt ca. 35 000 Fr. pro Jahr.— Frankreich. Paris, 13. Oktober. Der„Figaro" protestiert gegen eine De- pcsche der„Times" ans Wien, in welcher es heißt, das f r a n z ö- l i s ch- r u s s i s ch e Bündnis gehe seinem Ende entgegen. „Figaro" erklärt, die Verlängerung des Aufenthaltes des Grafen Miirawjew in Paris beweise, daß das Bündnis jetzt lebenskräftiger sei als jemals.— Schweden-Norwegen. Ter NnioniSmuS hat iicuerdings eine kleine Niederlage erlitten. Auf stritten Wunsch Norwegens hat der König seine Em- willigung dazu geben müssen, daß in der norwegischen Handelsflotte die Unionsflagge entfernt und durch die norwegische ersetzt wird. In der schwedischen Handelsflagge bleibt das Unionszeichen einstweilen noch bestehen, ebenso in der gesamten Marine.— Dänemark. Folkething. Erster Tag der B u d g e t b e r a t u n g. Es handelte sich um die wichtige Frage, wie sich die einzelnen Parteien zu dem Verfassungsbruch des MinistcriumS, begangcii durch die Aufwendung einer Summe von Vi Million gegen die Be- Willigimg des" Reichstages, stellen würden. Ehristenfen- Stabil als Vertreter der 13 liberalen Abgeordneten sprach im Sinne deS Mittelflügels seiner Partei; er forderte eine sociale Gesetzgebung, die der Ausgang der Aussperrung als uoiwendig erwiesen habe, und erklärte, daß' die ungesetzlich genommene halbe Million für Militärzwccke eine Beschneidung des Militärbudgets um diese Summe in diesem Jahre zur Folge haben werde. Er wies ferner den Vorschlag ab, zur Erreichung deS neuen ZollgcsetzeS ein Vranntweinsteuergesetz anzunehmen. Dann sprach Bossen für die 21 Moderaten, aber auch zugleich für 10 Konservative, und erklärte, die Regierung sei durchaus berechtigt gewesen, das Geld zu verwenden, wenn sie eö für nötig hielt.„Was sollte sie anders thim?" Und er warnte die Linke, aus einer solchen Frage einen Konflikt zu niachen. Unser Parteigenosse Clausen sprach fiir die 12 socialdemokratischen Vertreter. Er ging namentlich sofort auf die auch von Chriftensen erlvähntc Aussperrung ein und wies die Brutalität des Vor- gehens nach. Der Miiiisterwechsel habe keine Bedeutung gehabt, da die alte Richtung und namentlich der Budgetbrecher Hörring am Ruder geblieben sei. Der konservative Redner D i n e s e n billigte das Vorgehen deS Ministeriums. Spanien. In Barcelona wollen die Händler ihre Läden schließen, um gegen die Steuern zu protestieren. Die Regierung hat gedroht, über Barcelona den Belagerungszustand zu verhängen. wenn jene Absicht wirtlich ausgeführt werden sollte.— Rußland. Reue Maßregeln gegen Finnland. Obgleich der kaiserliche Erlaß, welcher die Abschaffung der firni» ländischen Briefmarken anordnet, erst mit Neujahr 1900 in Kraft tritt, werden schon jetzt alle Briefe, welche mit fimiländischen Marken ver- sehen in das übrige russische Postgebiet gelangen, einfach ver- n i ch t e t.»» Inzwischen bereitet die russische Regierung einen neuen Erlaß vor, welcher da« besondere finnische Münz sy st em abschaffen und durch das rusfische Rubelgeld ersetzen soll. Finnland würde durch die Einführung des im Werte stets schwankenden Rnbel- geldeS eine schwer« wirtschaftliche Schädigung erleiden.— Amerik». � Das Venezuela- Schiedsgericht. Aus Paris wird der .internationalen Korrespondenz" von südamerikanischer Seite ge meldet: Der Schiedsspruch in dem britisch-venezuelischcn Grenzstreit hat m allen Ländern des lateinischen Amerika große Aufregung hervor- gerufen. Man erklärt, daß Nordamerika offen ans die Seite Eng- lands getreten sei und die früher mit so großer Ostentation ver tretenen Interessen der amerikanischen Solidarität völlig preis gegeben habe. England sei durch den Schiedsspruch zum Herrn dcS ganzen venezuelischen Goldlandes geworden und jedenfalls habe sich die nordamerikanische Union für diesen Liebesdienst eine andere feste Rente gesichert.— Ein internationaler Handelskongresi tagt zur Zeit in Philadelphia. 40 Staaten und 300 Handelskammern sind da- selbst vertreten._ Aus der Frnuvnbemegung. Das Kongrcfibuch des Londoner Internationalen Frauen rongrcsscs vom Sommer 1839. Lady Aberdeen, welcher die Redaktion des Kongreßbnches übertragen ist, macht jetzt bekannt, daß das vorhandene Material dreifach den Raum übersteigt, welcher für die Veröffentlichung vorgesehen war. Das Kongreßbuch wird in der stattlicheii Zahl von 7 Bänden erscheinen. Der Preis jeden Bandes ist 2 Schilling 6 Pente. Alle 7 Bände zusammen kosten 1ö Schilling. In Leinewaiid gebunden kostet jeder einzelne Band 3 Schilling 6 Pente, das gesamte Werk 21 Schilling. Bezüglich des Inhalts ist zu bemerken, daß der 1. Band die Berichte über die einzelnen Nationalverbände enthalten wird, der 2. handelt über die Frauen in der Erziehung, Band 3 und 4 über die Frauen in den verschiedenen Berufsarten, Band 5 über die Frauen in der Politik, Band 6 über die Frauen in der Industrie, Band 7 über die Frauen im socialen Leben. GemevkMAfkliifzes. Berlin mit» llmgtgcnd. Die Lage des Streiks der Fcibischschen Teppichiveber ist nach den Ansfühn'iigen, die am Donnerstag in einer öffentlichen Textilarbeiter- Versammlung gemacht wurden, unverändert. Von den Streikenden ist noch niemand wankend geivorden. Die wenigen Streikbrecher, welche Herr Feibisch gefunden hat, sollen ganz im- genügende Arbeitskräfte sein. Die Streikenden sind nach wie vor von der größten Siegeszuversicht erfüllt. Ein vom Verbau ds- vorsitzenden Hübsch gestellter Antrag, das Einignngsamt anzurufen, wurde einstinmrig abgelehnt unter der Begründung, daß Herr Feibisch sich schon früher ans eine dahingehende Aufrage des Gewerbegerichts ablehnend geäußert habe, und die Streikenden gar keine Veranlassung hätten, dem Fabrikanten jetzt entgegen zu kommen. ..„ Achtung, Holzbildhauer! In der am 9. d. M. stattgefnndenen öffentlichen Versammlung wurde der allgemeine Streik nach dreiwöchentlicher Dauer für beendet erklärt, dagegen beschlossen, den partiellen Kanipf energisch fortzuführen und zu' diesem Zivccke die bestehende Lohnkommissiou auch für die Zukunft beizubehalten. Leider ist die bedauerliche Thatsnche zu verzeichnen, daß ein Ter! Kollegen, trotz wiederholter Aufforderung, Bericht über ihre Werkstätten nicht eingesandt, ein anderer Forderungen überhaupt nicht gestellt haben; in einzelnen Fällen, wo als„belvilligt" ge- meldet wurde, wird sogar die Richtigkeit der Angaben angeziveifelt. P f I i ch t jedes einzelnen Kollegen sowie der Holzarbeiter, welche mit Bildhauern zusammenarbeiten, ist es nun, der Kommission von derartigen Fällen unverzüglich Mitteilung zu niacheu; namcnt- lich von der Werkstätten, wo noch die Actordarbeit besteht. Ein Beschluß der Kommission geht dahin, überall, wo trotz zweimaliger Auf- forderung Antlvort nicht einläuft, mit Verhängung der Sperre vor- zugehen. Ferner Iverden die Kollegen an den Beschluß der öffentlichen Versammlung vom 20. v. M.. wöchentlich 50 Pf. zu steuern, erinnert und zu regerer Beteiligung als bisher aufgefordert. Sammellisten sind im Bureau der Kommission sRestaur. Spielberg, Köpnickerstr. 02, Telephon VII, 3932) abzuheben und abzuliefern. Gesperrt sind folgende Werkstätten: Bartz, Friedrichsbcrger- straße 10; Peth, Memelerstr. 31; Brunzloiv, Neue Königstr. 15; Grix. Pallisadcnstr. 57; Kramer, Koppenstr. 60; Gröger, Kottbuser Damm 95; Nenmann. Manteuffelstr. 22; Ozorkewitz. Hochstr. 2; Höhne und Krämer. Krautstr. 52. Die Lohnkonmiission. Achtung! Buchbinder, Falzerinnen! Die Differenzen in der Buchbinderei von'Werner, Ritterstr. 26, sind beigelegt, da der Inhaber die Forderungen der Organisation bewilligt hat. Der Vertrauensmann. Wege» PreffvergehenS hatte sich der Rcdacteur Schmidt von der Fachzcitung„Der Stcinarbeiter" am Mittlvoch, den 12. Oktober, vor dem Schöffengericht Ripdorf zu verantworten. Der Angeklagte brachte im„Steinarbeiter", für Ivelchen er verantwortlich zeichnet, einen Vcrsannnlnngsbericht, in welchem das Verhalten zweier Kollegen kritisiert und von selbigen behauptet wurde, daß sie zum Verräter ihrer Mitkollegen geivorden wären, indem sie unter dem anerkannten Lohntarif arbeiteten. Ferner war ein Beschluß der Versammlung mitgeteilt, wonach beide Kollegen aus dem Verband auszuschließen und keine Beiträge von denselben inehrentgegenzunehinen seien. Der Amtsanwalt hielt eine grobe Beleidigung für vorliegend mid beantragte 60 M. Geldstrafe. Von Schmidt wurde dahin verwiesen, daß er in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß diese Strafe nicht genüge, vielmehr wurde wegen der Schwere der Beleidigung unter Bezug nähme auf die Boykotterklärung auf 100 M. Geldstrafe oder 20 Tage Gefängnis erkannt. Beim Rixdorfer Gcwerkschaftskartell gingen folgende Bei- träge ein: Für die ausständigen Steinarbeiter Deutschlands: Liste 228 durch Palm 5.45. Liste 232 durch Böhler 6,20. Nr. 235 durch Hartmann 6,01. Abgesandt wurden für die Steinarbeitcr. 3. Rate 60,— und für die L e d e r a r b e i t e r in Wilster 4. Rate 40,— M. Weitere Beiträge nimmt entgegen Aug. Nierich, Rixdorf, Steinmetzstr. 85, Hof 2 Tr. Deutsches Reich. Lohnbewegung der Formstecher Deutschlands. Es wird ans geschrieben: Im Mai d. I. beschloß die in Köln a. R. ab« gehaltene Generalversammlung des Ceirtralvereins der deutschen Formstecher und deren Hilfsarbeiter, im Herbst in eine Lohnbewegung einzutreten. Es sind nun auf Grund dieses Beschlusses überall folgende Forderungen gestellt: 1. Zahlung eines Mindestlohnes von 21 M. für Ausgelernte, bei 10 stündiger Arbeitszeit inkl. V« stündiger Frühstücks- und Vesperpause. 2. Zahlung von 15 Proz. Lohn- erhöhung an Gehilfen, deren Lohn bereits' 21 M. und darüber be« trägt. 3. 25 Proz. Zuschlag für Ueberstunde». 4. Auf je 6 Gehilfen nur 1 Lehrling zu halten. In dieser noch so wenig bekannte» Branche herrschen die traurigsten Zustände. Die Lehrzeit beträgt vier Jahre und darüber. Die Gehilfen wie Lehrlinge müssen sich das Werkzeug selber stellen; finden wir doch hier Löhne von 12—13 M. bis höchstens 24. Der Durchschnittslohn beträgt 20 bis 21 M. Die Unternehmer stehen der Organisation meist feindlich gegenüber, ganz besonders eine sog.„Weltfirma", Hiedemann in Köln, welche glaubt, auf Grund ihrer sozusagen Monopolstellung sich alles gegen die Arbeiter herausnehmen zu dürfen. Um der Organisation entgegenzuarbeiten, hat die Firma bereits sich herbei- gelassen, nur den Nichtorganisierten Gehilfen eine Lohnerhöhung zu bewilligen. Betrachtet man den Tapeten-Ring, welcher es verstanden hat, die Preise fast unglaublich in die Höhe zu schrauben für Tapeten, und besteht sich dabei die Lage der Formstecher, diese„Kunsthandwerker", Ivelche die Walzen zum Bedrucken der Tapete herstellen, so muß man sich fragen: Wie ist eS nur möglich, daß in diesem so wenig verzweigten Berufe solche erbärmlichen Zustände herrschen können? In ganz Deutschland finden wir ca. 500 Formstechergehilfen, davon sind organisiert 370, und hoffen die Gehilfen, daß'die Formstcchcreibcsitzer ihre gerechten Forde rungen bewilligen, andernfalls sind dieselben fest entschlossen, den Kanipf aufzunehmen und ihren Forderungen Geltung zu verschaffen. Nähere Auskunft erteilt der Centralvorstand: A. Zeitz, Formstecher, Moritzbcrg bei Hildesheim. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten! Wie Anklagen wegen Verstoßes gegen das BereinSgcsctz zu stände konimen, das mutzten die Bergleute K l a e s und B a y e r d in Emmerslveiler zu ihrer größten Ueberraschnng vor dem Schöffengericht daselbst erfahren. Sie wurden zu 15 M. Geld strafe verurteilt, weil in Ennnersweiler auf Grund der Angaben der Bochumer Polizeibehörde— wo der Bergarbeiter- Verband seinen Sitz hat und alle Mitglieder angemeldet werden müssen— seit drei Monaten eine Zahlstelle des Verbandes mit 185 Mitgliedern bestehe. Die Angeklagten seien die Leiter derselben und hätten eine polizeilich nicht angemeldete Vereinsthätigkeit entlvickelt. In der That sind aber in Emmersweiler nur Einzelmitglieder des Deutschen Berg- und Hüttenarbeiter-Verbandes angemeldet, und wird deshalb gegen das Urteil Berufung eingelegt. In Böblingen streiken bereits seit fünf Wochen die Schuh macher der Firma Wanner. Der Unternehmer will sich zu Ver� Handlungen nicht herbeilassen. Zuzug ist fern zu halten. Ausland. Schwedischer Fabrik- und Grnbenarbeiter-Kougreß. Bei dem Kongreß sind die Verbände der großen Hütten- und Gruben- werke Schwedens(Gränseberg, Malniberg. Kolsna, Snla, Bcrgslag, Nüsby, Atrideberg, Kantorp) vertreten. Die Hauptdebatte drehte sich um den Anschluß' an die Landesorganisation, der ja eigentlich arr dem letzten Ceatral-Gewerkschaftskongreß beschlossen war, der aber schon in der Holzindustrie zu den, großen Konflikt geführt hat. Es wurde eine Resolution angenommen, die den Anschluß des Central- Verbandes ausspricht, aber den Lokalvereinen freie Hand läßt. Ueber die christliche Gewerkschaftsbewegung hielt der katholische M.-Gladbacher Arbeitersekretär Giesberts in Düffeldorf eine Rede, aus der wir einiges Bemerkenswerte wieder geben wollen. Giesberts sagte unter anderem: Die christliche Ge- werkschaftsbewegung habe zwar Erfolge aufzuweisen, sie habe indeß bei den christlichen Arbeitern noch nicht das Interesse hervorrufen können, das sie beanspruchen müsse. Die Schuld mißt er der Träg- hcit bei, die wohl den Druck des wirtschaftlichen Elends fühlt, aber nicht über die Ursachen nachdenkt. Der Arbeiter müsse sich an das Denken gewöhnen. Selbst die christliche Gelverkschaftspresse leide unter der Geistesträgheit. Der Redner betrachtet es nicht als Aufgabe der ch r i st l i ch c n Arbeiter, gegen die Socialdcmokratie anzukämpfen. Diese Partei wäre nicht so groß geworden, wenn sie nicht einen so günstigen Boden auf den socialen Mißständen gefunden, und wenn wir uns riiher gerührt hätten. Es heiße durchaus nichts. einfach zu sagen, die Socialdcmokratie sei dem Christentum icindlich, um sich dann wieder der früheren Unthätigkcit hinzugeben. Man könne es ans diesem Grunde den Arbeitern nicht verdenken, wenn sie zur Socialdemokratie übergehen. müsse ein Recht des Arbeiters sein, die Lohn- und Arbeits- Verhältnisse mit zu regeln. Allerdings möge die Erlangung dieses Rechtes noch in weiter Ferne liegen»ud manchen Streik kosten. In diesem Falle seien alle einsichtigen Soeialpolitiker auf der Seite der Arbeiter. Ferner erklärte Giesberts! es gebe gewisse Fragen und Wege, wo man mit der Socialdcmokratie nicht nur gemeinsam gehen könne, sondern sogar müsse. Er wies in dieser Hinsicht auf das Miteinandergchcn der beiden Bergarbeiter- Verbände und auf den Krefclder Weberstreik hin. Wie man sieht, will Giesberts von der ultraniontanen Hetze gegen die freien Gewerkschaften und die Socialdcmokratie nichts wissen. Schade, daß ein so besonnener Mann noch der Sonder- vrganisation in der Form christlicher Bcrufsvcrciuigungcn das Wort redet, anstatt für die große, allgcnreine Organisalion der Arbeiter einzutreten. Nach allem', was wir in der jüngsten Zeit aus dem Munde des katholischen Arbcitersekrctärs vernommen haben, überragt er mit seinem Urteil über die Arbeiicrbelvegung hoch den Troß jener weltlichen und geistlichen„Soeialpolitiker" im Centrnm, die die Arbeiter lediglich für ihre kirchlichen und politischen Zwecke benutzen wollen und deren Erkenntnis von der Notivendigkcit der gewerkschaftlichen Organisation genau am selben Tage entstanden ist, Ivo sie sahen, wie gefährlich es sei, wenn die organisationsbcdürftigen christlichen Arbeiter sich den unabhängigen Gewerkschaften anschlössen. Kein Wunder daher, wenn Giesberts allein steht und aus den Reihen seiner christlichen Brüder bitter und häßlich angefeindet wird. Hat doch der„Christliche Arbciterfreund", der sich Central- organ der christlichen Arbeitervereinignngcn Westdeutschlands nennt, die Giesbertsschen Aeutzernngen über die paritätischen Gewcrk- schaften als Unsinn und Gefasel bezeichnet. Giesberts kann froh sein, daß er kein Geistlicher ist und nicht unter der Botmäßigkeit des General- VikariatS der Erzdiözese Köln steht, sonst hätte man ihn schon längst abgethan, ähnlich wie seiner Zeit zwei durch ihre ehrliche Arbciterfrcundlicheit unmöglich ge- wordene Kapläne kaltgestellt wurden. LtttteLttehmev-Z�eLbiinde. Der deutsche Verband der Steiuuußknopf-Jndnstrielle» hat beschlossen, dem bestehenden Preiskartell der ösireichischen Fabrikanten beizutreten. Gleichzeitig ivurde beiderseitig eine Preiserhöhung von ca. 10 Proz. für die einschlägigen Knopfarrcn festgesetzt. Vom dänischen Arbeitgeberbund. Wie dänische Blätter melden, soll der Vorsitzende des Bundes sich in der kürzlich ab- gehaltenen Generalversammlung u. a. dahin geäußert haben: Die Vergleichsurkunde sei nur„ein Stück Papier", das durchaus„keine bindende Kraft" habe. Der Arbeiterstand sei der„Feind" der Arbeit- geber, und die Arbeitgeber müßten„ihre Stellung so befestigen, bei Zeiten Wälle und Gräben anlegen anf allen bedrohten Punkten, die Diseiplin stärken, die Kadres verbessern und die Mobilisierung vorbereiten mit dem nächsten Kriege vor Augen. Auch ein Kriegsfonds müsie geschaffen werden." Man sieht, der Vor- sitzende des Arbeitgebervereins spricht bereits ganz wie ein Kriegs- ininister, der den Krieg vorbereitet gegen den Landesfeind. VeepLunurlungett. Zur Lohnbewegung der Töpfer. Die ausständigen Töpfer hielten gestern eine sehr stark besuchte Versammlung in den Andreassälen ab. Nach dem Bericht, den der Vertranensmann David erstattete, ist der Verlauf der Betvegung ein durchaus zufriedenstellender. Der Streik hat einen bedeutenden Umfang angenommen und der Geist der Ausständigen ist ein durchaus guter und kampfesfroher. Zur Kontrolle haben sich bisher 944 Töpfer ge- meldet. Davon sind 824, welche die Arbeit eingestellt haben, und 120, die vor dem Streik schon arbeitslos waren. Die Zahl der Streikenden dürfte aber erheblich größer sein, da nur 106 Arbeitswillige", die zumeist auf Privatarbeit und nur wenige auf Bauten beschäftigt sind, festgestellt werden konnten. 20 Meister haben bereits unterschriftlich erklärt, daß sie bereit sind, den Tarif anzuerkennen. Die Unternehmer hätten ebenfalls für Freitag(gestern) eine Versammlung anberaumt, um zu den aufgestellten Forderungen Stellung zu nehmen. In der hierauf folgenden Diskussion wurde von allen Rednern die Aufrecht- erhalttmg des Generalstreiks befürwortet und die Meinung zum Ausdruck gebracht, daß infolge der Einmütigkeit, die unter den Ausständigen herrscht, die allgemeine Anerkennung deS Tarifs gesicher ist. Für eiiie genügende Unterstützung ist Sorge getragen und die übriger Bauarbeiter haben das Vorgehen gutgeheißen und den Töpferr die Sympathie zugesichert. Im weiteren' wurden die traurigen Lohn- und Arbeitsbedingungen geschildert und darauf hingewiesen, daß di° Unternehmer jedes Entgegenkommen abgelehnt haben und dadurch den Streik erst veranlaßten. Mehrere Redner wünschten, daß der Tarif schließlich durch das Einigungsamt festgelegt werden und für eine bestimmte Dauer Gültigkeit haben soll, damit derselbe nicht von einzelnen Unternehmern bei nächster Gelegenheit gebrochen werden kann. Nach einer längeren, sachlichen Debatte über die Unterstützungs« frage, über die Kontrolle und über die weiteren zu treffenden Maß- nahmen ivurde folgende Resolution beschlossen: In Erwägung, daß die Lage des Streiks eine günstige, wie aus dem Bericht der Lohnkommission hervorgeht, beschließt die heutige Versammlung der streikenden Töpfer Berlins und Umgegend: 1. Der Generalstreik wird mit allen Konsequenzen weiter ge- führt. 2. Die Lohnkommission wird beauftragt, mit aller Energie dahin zu wirken, daß überall, wo dies bis jetzt noch nicht geschehen ist, die Arbeit seitens der in Betracht kommenden Kollegen niedergelegt wird. 3. Die Lohnkommission wird verpflichtet, Aufrufe in der Tagespresse zn erlassen, um die moralische Unterstützung_ der übrigen Bcrnfsgenossen zu erwirkt». 4. Für die ersten sechs Tage tvird keine Streikunterstützung gezahlt. Die Regelung der Unterstützung bleibt einer späteren Versammlung vor- behalten. 5. Jeder Kollege ist verpflichtet, bei der Bau- kontrolle sich der Lohnkommission zur Verfügung zu stellen, über- Haupt den Amveisungen der Kommission nach Kräften Rechnung zu tragen. Außerdem gelangte ein Antrag zur Annahme, nach welchem in denjenigen Vororten, Ivo mindestens 10 Streikende vorhanden sind, auch die Kontrolle und das Abstempeln der Streikkarten in den bekannten Zahlstellen von 9 bis 11 Uhr vorgenommen werden soll, damit für die in den Vororten Wohnenden eine Erleichterung ge- schaffen mid das Ccntralbnrcau entlastet wird. Eine Vcrsauimlnng der Koffcrmachtr, Täschner und Sattler tagle am Donnerstag bei Spiegelberg in der Sebastian- straße. Dieselbe beschäftigte sich mit dem Ausstand bei E i n b r o d t n. K a l b. Aß m a n n schildert die Ursachen dieses Ausstandes. Die Löhne bei der Firma betrugen 18— 25M.: ein Arbeiter, der seit einem halben Jahre ausgelernt hat, erhält 15 M. Einem Arbeiter werden die Krankenkassenbeiträge abgezogen, dem andern nicht. Die einen haben Kündigung, die andern nicht. Außerdem werden die Kollegen mit Namen aus dem Tierreich belegt.„Ochse",„Esel" sind gebräuchliche Ausdrücke. Schlimm steht es auch mit der Reinlichkeit. indem die vorhandenen Handtücher schmutzig und unzureichend sind. Als die Arbeiter nun Abstellung dieser Uebclstände verlangten, wurde Thiele als Beauftragten der Arbeiter gesagt:„Scheren Sie sich zum Teufel!" Thiele ging— aber nicht zum Teufel; er fand andere Arbeit und verzichtete darauf, daß die Kollegen für ihn eintreten. Diese faßten ihre Forderungen schriftlich zusammen und von 15 unterschrieben die Forderungen 10. Kollege Markstein, der diese Forderungen überreichte, erhielt zu seiner Ueberraschung die Mitteilung, daß keine Arbeit für ihn sei. Nunmehr legten 10 Mann die Arbeit nieder, während leider 5 stehen blieben. Einer von diesen, M c w e s, hatte schon in der Werkstattsitzung gegen die Forderungen gestimmt und versucht jetzt, die Streikenden zu provozieren. Ein Kollege von auswärts ist bereits aus- g e w i e s c n. Nunmehr ist den urspünglichen Forderungen noch die der neunstündigen Arbeitszeit hinzugefügt. Die Bemühungen der Firma zurGewinnung vonStreikbrcchenr habenbis jetzt geringen Erfolg gehabt. Im ganzen steht die Sache sehr günstig. In der Diskussion werden noch Einzelheiten von den Zuständen bei Einbrodt u. Kalb geschildert. Es wird dann eine Resolution angenommen, in der den Streikenden die Sympathie der Versammlung aus- gedrückt wird und ihnen jede moralische und materielle Unterstützung zugesagt wird._ Uehke Usifjvulifen und Vepesthen. Transvaal. London, 13. Oktober.(W. T. B.) Das KriegSamt hat /olgende Depesche vom Oberkommandierenden in Kapstadt er- halten: Ein gepanzerter Zug aus Mafeking mit zwei Siebenpfünder- Geschützen, der von hier nach Mafeking abgesandt war, wurde in der letzten Nacht bei Kraai Pan angegriffen, augenscheinlich waren die Schienen entfernt, so daß der Zug ent- gleiste. Die Beeren richteten eine halbe Stunde lang Geschützfeuer auf den Zug und nahmen ihn sodann. Die telegraphische Ver- bindung nach Mafeking ist in Kraai unterbrochen Aus Mafeking sind Frauen und Kinder nach Kapstadt ge- 'andt worden. Die beiden Geschütze gehörten der Kapkolonie und waren leichte Geschütze alten Kalibers. Einzelheiten über Ver- luste an Menschenleben sind noch nicht eingegangen. Alle Personen, die sich im Zuge befanden, wurden gefangen nommen nnt Ausnahme des Lokomotivführers. Breslau, 13. Oktober.(W. T. B.) Der„Schlesischen Ztg." zufolge wurde heute zwischen dem Provinzialausschuß und den Ver- tretern der Staatsrcgicruug ein grundsätzliches Einverständnis über die Frage des Hochwasserschutzes erzielt. Danach wendet der Staat 30 Millionen Mark auf, die Provinzen Schlesien und zum kleinsten Teil Brandenburg zusammen 7'/s Millionen. Die erste Rate der Staatsleistung wird in den nächstjährigen Etat eingestellt. Mit den Regulierungsarbciten wird im nächsten Frühjahr bestimmt begonnen werden. Frankfurt a. M., 13. Oktober.(B. H.) Die„Frankf. Ztg." meldet aus Madrid: In Barcelona, wo der Bürgernieister Robert durch den Anwalt Mila ersetzt worden ist, herrscht große Aufregung. Viele Steuerpflichtige sind entschlossen, nicht zu zahlen und die Läden zu schließen. Voraussichtlich werden heute dort die konstitutionellen Garantien aufgehoben und das Militär Befehl bekommen, jede Stratzenkundgebung schomingslos zu unterdrücken. In Valencia haben die Handelsvereine ebenfalls beschlossen, die Steuer nicht zu zahlen. An der hiesigen Münze werden demnächst 24 Millionen Pesetas in Gold in 20 Pesctas-Stücken geprägt. Stockholm, 13. Oktober.(W. T. B.) In der Resolution des Königs in der Flaggenfrage heißt es zuerst, er müsse als König der Vereinigten Reiche erklären, daß er jede Veränderung des Be- schlnsses mißbillige und beklage, welchen sein Vater am 20. Juni 1844 gefaßt habe, und von dem er noch immer glaube, daß es im Interesse beider Reiche und nicht am wenigsten in demjenigen Norwegens gelegen gewesen wäre, ihn beizubehalten. Die Resolution weist ferner darauf hin, daß der König den Flaggcnbeschlutz des Storthings nicht sanktioniert habe, sondern das Recht nicht besitze, 'eine Zustimmung zur Promulgation des Gesetzes zu verweigern. Die Resolution schließt folgendernraßen: Ich erkläre deshalb, daß die Bestimmung betreffend ein gemeinsames Unions-Flaggenzeichen am 15. Dezember 1899 aufhört, für die Norwegische Handelsflagge zu gelten und schreibe vor, daß mein Beschluß durch ein Allerhöchstes Schreiben dem Kommerz-Kollegium zur Nachricht und zur weiteren nötigen Veranstaltung innerhalb des Geschästskreiscs desselben mit- zuteilen und ein Auszug des Protokolls dem Minister des Aenßcrn zu übergeben ist, damit er den fremden Mächten, den Gesandtschaften und den Konsulaten der Vereinigten Reiche gegenüber die nötigen Schritte thnn kann. Rom, 13. Oktober.(B. H.) Sollte der Vatikan, wie verlautet. dem gematzregelten Erzbischof von Sorrento die gesperrten Bezüge ersetzen, so beabsichtigt die Regiening, durch die Entziehung der Exequatur dem Staate Autorität zu verschaffen. Rom, 13. Oktober.(B. H.) Der König wird, wie offiziell gemeldet wird, in seiner Thronrede auch auf die Verhandlungen mit China und den Krieg zwischen England und Transvaal eingehen. Sofia, 13. Oktober.(B. H.) Das neue Ministerium Jwantschow versichert offiziell, daß eine Aenderung in der bisherigen Politik Bulgariens nicht eintreten wird._ Lerantwortlickier Rcdacteur; Seinricki Wevker in Eroh-Lichterfelde. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und e-erlaz von Max Bading in Berlin. Hierzu 3 Beilage«. ni-at«j. ww 1. Itilmt in Jotuirts" Kerliiltt UMMM. Zoniilibt«), ü. GKIxbtt 1899. Vavkeikkig der detttschen Soeialdeiuokratie. Hannover, den 12. Oktober. Vierter Verhandlnngötaa. Tauscher-Stuttgart: Wenn man ein ganzes Menschenalter ini Klassenkampf gestanden ist nnd es wird einem dann zvgenuitet, man solle eine Front- veründermig mache», dann hat nian das Recht, einige Worte zn sagen. Bernstein mutet uns keine Kleinigkeit, nichts Harmloses zu. Redner bestreitet, daß der kleinbäuerliche Betrieb dem Großbetrieb in der Landwirtschaft gewachsen sei. 10000 schwäbische Kleinbauern balten sich nur dadurch, daß sie hungern. Die Entwicklung der Dinge in Württemberg ist ganz anders, als Bernstein angicbt. Die Verschuldung des schwäbischen Bauernstandes ist von 1882—1885 um 100 Prozent gestiegen. In vcr- schi ebenen ländlichen Orten Württembergs»iinint die Bc- völkerung ab. Die bäuerlichen Fabrikarbeiter existieren in der Broschüre noch innner als Kleinbauern. Die Bauern sind so vcr- schuldet, daß sie sich ans ihrem Anwesen nicht halten können, sondern in die Fabrik gehen müssen, um nicht zu verhungern. Bernstein rät nnS, die Freßlcgcnde aufzugeben, um Anpassungsfähigkeit an die bürgerlichen radikalen Elemente zu gewinnen. Die paar Ethikcr kann er nicht dabei im Auge gehabt haben. Vielleicht hat er an den schäbigen Berliner Freisinn oder an die wiirttem- bergische Volkspartei gedacht. Die württenibergische Volkspartei wird mit Recht königlich württcmbcrgischc Volkspartci genannt; Pfau, einer ihrer Angehörigen, sagt: Die Volkspartei riecht»ach Pomade. Sollen wir uns nun salben und uns der Volkspartei an- bieten? Ich habe als Bube oft einen erstarrten Maikäfer am Bauch gelitzelt, um ihn in Bewegung zu versetzen lHeitcrkcit), aber diese Partei könnte man mit glühenden Eisen kitzeln, ehe sie den Kamp° gegen den Absolutismus aufnimmt. Payer hat erklärt:„Die bürgerliche Deniokratie muß künftighin ihren Anschluß nach rechts und nicht nach links suchen." Wir bleiben eine proletarische Kampf- Partei. Wie es nnt der schwäbische» Volkspartei aussieht, beweist eine Aeußernng eines schwäbischen Fabrikanten, der zur Volks« Partei gehört, in der Kammer:„Wenn das mit dem Fabrik- schütz so weitergeht, so sind wir nicht mehr Herren im eigenen Hause." Ich bin auch nicht der Meinung, daß die Ge- scllschaft bald zusamnwnbrcchen wird. In dieser Beziehung hat uns Bernstein auch nichts Neues gesagt. Als ich in London mit Schlüter und Fischer ein paar Monate war, da haben wir uns gesagt: Wir haben uns getäuscht; die englische Bourgeoisie hat noch'solchc Macht, von einem Znsanmicnbruch kann keine Rede sein. Es pressiert uns auch gar nicht. Wir haben noch Millionen Proletarier zn gewinnen. (Sehr richtig:) Singer: Es ist ein von Schoenlank und Kautskh gestelltes Amendement zur Resolution Bebel eingelaufen. Dasselbe lautet: Im letzten Absatz, Zeile 2 von oben ist nach dem Worte„und" einzufügen: »das heißt. aus der socialdemokratischen Partei eine demokratisch- ocialistische Reformpartei zu werden". Vollmar: Ich habe zur Einleitung meiner Ausführungen ein paar Worte dem Genossen Schoenlank zu widmen. Schoenlank hat aus unserem Wahlhandbuch eine Reihe von Stellen verlesen, wofür ich ihm auch als Verfasier dieses Handbuchs dankbar bin. Ich hoffe nur. daß er mit dem andern Inhalt des Handbuchs ebenfalls einverstanden ist. Im übrigen hat er lediglich de» Beweis geliefert, daß die ganze Debatte über die bayrische Angelegenheit in der Presse spurlos an ihm vorüber gegange» ist, sonst wäre es nicht zu ver- stehen, daß eS einer noch nicht weiß, was ein Konipromitz ist nnd wa» nicht. WaS wir gethan haben, ist einfach das, daß wir eine Korrektur an dem verkehrtesten Wahlrecht von Europa vorgenommen haben.(Sehr richtig!) Ehrhart hat bereits daraus hingewiesen: hätten wir nicht gethan. was wir gethan haben, so wäre der Unterschied allein der, daß dann noch mehr Gegner von uns als heute in der bayrischen Kammer saßen. An Stelle von sechs Socialdcmokratcn säßen sechs National- liberale, die mindestens ebenso schlimm wären wie die Schivarzcn. (Sehr richtig I) Ich rate den anderen Genossen nur, unsere Wahl- Verabredung zu studieren, bis sie dasselbe machen wie wir.(Heiter- keit.) Wenn Schoenlank es für nötig gehalten hat. ein abfälliges Wort über die Gesamtpolitik der bayerischen Genossen auszusprechen, so kann ich mich damit begnügen, ein Citat von Schoenlank zn verlesen, das aus der Zeit stammt, als Schoenlank der lebhafteste Verteidiger der bayrischen Politik war. Im November 18S5 schrieb er in der »Leipziger Volkszeitung": „Mit einem glänzenden Erfolge, den niemand bestreitet, haben unsere bayrischen Genossen, die die Eigenart der Verhältnisse von Grund aus kennen, die Sache der Socialdemokratie gefördert. Ihre Taktik hat sich bewährt, die Partei in Bayern ist bannt einverstanden.— Die Bayern haben eine praktisch revolutionäre Politik getrieben, die einzig richtige nnd die einzig mögliche. Und auf einmal sollte» sie Jrrwischpolitik treiben?"(Heiterkeit.) Diese Aeußerung SchoenlankS stammt allerdings aus derselben Zeit, wo er Kautskh den„Großinquisitor des Dogmatisinus" nannte. lHciterkeit.) Heute hat er sich das wohl überlegt und würde ihn anders nennen. Wenn ich mich nun den allgemeinen Dingen zuwende, so wird cS mir nicht einfallen, den zahlreichen im Ucbermaß vorgeführten Ansichten über Bernsteins Buch, all' diesem Für und Wider noch irgend etwas Weiteres hinzuzufügen. Das ist i» solchem Umfange geschehen, daß ich fast der Meinung bin, daS Maß ist so reichlich voll, daß ein großer Teil der Parteigenossen nicht recht wissen ivird, wo sie die Uebcrfülle des Segens hinbringen kann. (Lebhaste Zustimmung). Durch Schuld von beiden Seiten ist die ganze Taklikfragc ein so unentwirrbares Knäuel gelvorden, daß jedes weitere Hcrumgrcifcn, jedes weitere Nesteln daran die Sache nicht besser, sonder» schlechter machen würde. Diese Art der Behandlung der Sache hat schließlich auch noch den Nachteil, daß durch das fortwährende Hervorhebe» von Details das Gesamtbild aus dem Auge verloren und verschoben worden ist. Erst Auer ist es gewesen, der auf diesen Punkt und auf diesen Zu- sammenhang wieder hingewiesen hat. Der Streit, um den es sich hier handelt, hat keineswegs erst von dem Bcrnsteiuschcn Buch seinen Anfang genommen, sondern bereits im vorigen Jahre, zn einer Zeit, wo daSMlch noch gar nicht geschrieben war. sind bereits dieselben Schlußfolgerungen im voraus gezogen und gefordert Ivorden, daß gegen Bernstein und mit Bern- stein zugleich gegen alle Possibilisteii, Opportunisten, und wie man sie sonst nennt, vorgegangen werde. Allerdings, als dann Bernstein sich dazu bringen ließ— ich hätte mich nicht dazu bringen lassen—, diese seine ketzerischen Ansichten zu systematisieren, da wurde ans das im Ausgehen begriffene Flännnchcn aufs neue Oel gegossen und die Debatte ging von neuem los. Man hat sich in der Debatte nicht aus Bernstein beschränkt, nnd es ist für ihn gewiß eine große Ehre, daß eine Kampfpartci wie die unserige gar nichts besseres zu thun weiß, als eine ganze Woche auf Auseinandersetzungen zu verwenden über eine von ihm ausgesprochene Ansicht. Aber eigentlich ist es nicht schön, daß wir anderen so kurz dabei kommen, daß man nnS andere sozusagen ganz lehr dabei ausgehen läßt, denn sehr wenige Redner und gerade die, von denen man am ersten daS Gegenteil hätte erwarten können, sind auf andere als Bernstein zu sprechen gekommen. Ich fasse meinen Eindruck dahin zusammen, daß kaum jemals in einer Debatte im Laufe der Monate ein so gründlicher Wandel eingetreten ist. Kaum jcnmls ist eine so heiß gekochte Suppe unS schließlich so kalt vorgesetzt ivorden.(Sehr richtig I) Erinnern Sie sich nur, wie großartig und dramatisch uns der jetzige Parteitag von gewissen Richtungen im voraus geschildert ist! Schoenlank sagt, von einem Scheiterhanfcn war keine Rede. Ja Ivohl. � Der Scheiterhaufen war schon da, aber die Zündhölzchen ivollten nicht anbrennen und die Kraft hat nicht ausgereicht, nnS ans den Scheiterhaufen zu Ivetten. Daß Bernstein aus der Partei hinaus sollte, stand bei einer ganzen Reihe von Leuten fest, eS wurde ausdrücklich gesagt, er ist kein Socialdemokrat mehr, Apostata, der Abtrünnige, der Verräter solle hinaus. Mit ihm sollte« aber auch noch andere hinaus. Eine Schriftstellerin in der Partei hat ganz richtig herausgefunden: Was nutzt es, ivenii man Bernstein an den Kragen geht und die große Anzahl von Bernsteinen, die praktisch thätig sind, ungeschoren läßt? Die ganze Richtung der kleinen, aber einflußreichen Gruppe, wie sie genainit ist, Auer, Schippe!. Heine, ich ganz selbstverständlich— ich stehe ja jedes Jahr auf der ProskriptiouSlifte(Heiterkeit), es ist bisher meiner Gesundheit ganz gut angeschlagen, ich beschwere mich durchaus nicht darüber— wir alle sollten ani Kragen gc- nonuncn werden, ein Strafgericht sollte der Parteitag sein, es sollte eine reinliche Scheidung eintreten, es sollte für alle Zukunft allem OpportrniiSiuuS, welche Gestalt er immer habe, ein Riegel vorgeschoben, es sollte die„reine" Auffassung zum Parteigesetz gc- macht werden. So ist man mit tausend hochgcschwellten Segeln hinausgezogen, und als es dann zur Schlacht kam, ivas ist eigent. lich zurückgeblieben? Man hat festgestellt, daß eigentlich niemand in diesem Saale mit allem, was Bernstein geschrieben hat, einver standen ist. Ich glaube, daß Bernstein, der doch wahrhastig kein thörichtcr Mensch ist, selbst nicht vermutet, daß man nnt allein. tvas er über Theorie und Praxis sagt, ciiivcrstandcn ist. Ich teile eine ganz Reihe von Ansichten aus seinem Buche nicht, besonders nicht seine Ansicht in Bezug aus den Liberalismus. Er sieht nach dieser Richtung hin zweifellos durch die englische Brille Es habe» übrigens andere, größere Männer auch durch die englische Brille gesehen, nur hat man sich da nicht gescheut, zu beweise», was sich schließlich doch nicht hat ausrecht erhallen lassen. Aber wenn dem so ist. so ist das doch nicht Bernsteins Schuld, der, weil er sich für die Partei geopfert hat, im Exil sitzt nnd dadurch außer Zusammenhang mit uns gebracht ist und sich nicht mehr in vollkommener llebercinstiinmnng mit der Partei befindet und vieles falsch aufsasscu kann. Auf der anderen Seite werden Sie mir zugeben müssen, daß eine ganze Reihe von Dingen, die Bernstein in seinem Buch erwähnt, richtig sind, und daß er uns auch da, Ivo die Richtigkeit nicht vollständig nach- gewiesen ist. Ivenigstcns zum Denken Anlaß giebt, und das ist etwas. ivas sich nicht von jeder Schrift sagen läßt, auch nicht von jeder die von uns verbreitet und angepriesen wird. Man berück sichtige doch die thntsächlichcu Verhältnisse. Das, waS uns an dem Buch gefällt, nehmen wir, und ivas uns nicht paßt, daS legcl wir als Irrtum beiseite, genau so, wie wir es mit andern Büchern macheu. Es ist überhaupt traurig, daß es Leute giebt. die jede Partcischrift für ein Evangelium und für der Weisheit letzten Schluß halten. Nein jedes Buch soll erst zum eigenen Denken anregen. Es lag also gar keine Veranlassung vor. ein so fnrckitbar großes Aufhebens von dem Buch und von der in ihm steckenden Gefahr zu machen. Ich habe ivohl stets bewiesen, daß niemand ferner davon sein kann, dein Volke zu schmeicheln als ich, denn das halte ich für ctivas Niedriges, aber da-.- muß ich doch sagen, daß ich ein größeres Zutrauen in die Masse unserer Parteigenossen habe, als viele andere, die da glauben, daß der Tugendpfad zu eng ist für uns, daß mit Leichtigkeit ein Schritt rechts oder links die Leute von uns abbringt.(Beifall.) Wenn ich also auch gegen Bernstein kritisch bin tvie gegen jeden anderen, so iviedcrhole ich gleichwohl, daß in dem Buche viel Gutes steckt und es wird vielleichr später, wenn erst mal der Kamps de« Tages vorüber ist, noch mancher finden, daß er ans dem Buch viel Gutes lernen kau». Das steht jedenfalls fest, daß Bernstein, was mau auch gegen seine Anschanungen eiuivenden kann, auf dem Grundgedanken»uferet Principien sieht und deshalb noch unser Parteigenosse ist, ebenso gut wie diejenigen, die sich heraus- genommen haben, ihn, die Partcigenosscnschaft abzusprechen.(Leb hafter Beifall.) Es ist geradezu eine Freude für mich getvesen, aus der Presse, namentlich ans dem„Vorwärts" zu ersehen, daß man in einer ganzen Reihe von Orten in Versammlungen, die sich gegen Bernstein ausgesprochen haben, doch immer wiederholt hat: Bcrusteiu ist Parteigenosse. Wir iverden die freie Forschung nicht eindämmen.(Ledebour: Das haben wir auch nicht gethan!) So, aber ich ivciß einen andern, der einen Autrag fonnuliert hat, wonach die Forschnugsfrciheit nur soweit aufrecht erhalten iverden soll, als sie sich ans unserem Boden bewegt. (Ledebour: Wer denn?) Es scheint, daß Sie Ihre nächsten Zeitungen nicht mal lesen.(Heiterkeit.) Eine urreaktionärere Forde- rung als diese ist in der Socialdemokratie noch nie gestellt worden. Allerdings auf diesem Parteitage ist jene Forderung nicht mehr ans- getaucht und mit einer Generalabrechnung mit uns anderen ist nun schon gar keine Rede mehr. Wir haben gestern ja das Vergnügen ge- habt, hier eine Parteigenossin zu hören, die die gewaltigste Vorlämpferin der von mir gekennzeichneten Gruppe ist. Sie iverden sich erinnern, in welchem Geiste ihre Artikel geschrieben sind, und nun vergleichen Sie daniit einmal die Art und Weise ihres Auftretens an dieser Stelle.(Sehr gut!) Das was lvir gehört haben, war ja ein reiner akademischer Vortrag; mit herzgewinnender Milde bat sie sich ans- gesprochen nnd zum Schluß nur noch den zaghaften Wunsch und die Hoffnung gehabt, daß Bernsteins Richtung nicht weiter erstarken möge. Ich»mß sagen: eine solche Bescheidenheit hätte ich wahr- hastig hinter der betreffenden Rednerin nach den bisherigen Er- fahrnngen nicht vermutet. Für uns andere ist eS natürlich eine Beruhigung, daß es uns erlaubt ist, wieder so zu handeln, wie lvir eö für richtig halten und wir nur mit Zustimmung unserer Genossin bis jetzt gehandelt haben nnd daß sie nicht darauf dringen will, daß dieser naturgemäßen Taktik durch einen Strohhalm Einhalt gethan lvird. Aber ich kann nur sagen, daß, nm ein solches Windei zu legen, ein so großes Gegacker nicht notwendig war.(Heiterkeit, Glocke des Präsidenten.) Singer(unterbrechend): Der Redner hat zwar keinen Namen genannt, aber doch so direkt auf die Rednerin hingewiesen, daß ich ihn doch bitten muß, derartige Ausdrücke zn vermeiden, Ivorin er einer Rednerin in ihrem Auftreten den Vorwurf des Gegackers macht. (Stürmische Heiterkeit.) t>. Bollmar(fortfahrend): Ich bin zwar zn lange im Parlament, als daß ich einen Ordnungsruf allzu krumm nehme, lven» er auch nur ein indirekter ist. Aber in diesem Falle ist mir blutig Unrecht geschehen.(Heiterkeit.) Es ist mir gar nicht eingefallen, aus eine bestimmte Person das physische Gackern anzuwenden, sondern ich habe lediglich eine sprichwörtliche Wendung gebraucht, und daS Gackern soll nur bedeuten den großen Lärm, den großen Sunims. das Drum und Dran, und nachher das bescheidene Auftreten hier! Aber lassen lvir das beiseite. Das wenigstens steht fest, daß er erneute Angriff der Parteireiniger und«Eiferer bei dieser Gelegenheit in einer Weise von uns abgeschlagen ist, wie es stüher selbst aus dem Stuttgarter Pmieitag auch nicht annähernd der Fall gewesen ist. Die betreffen- den Pancigenossen sollten daraus doch die Lehre ziehen, daß es endlich an der Zeit wäre, diese uralte Rederei von der BerstMtpstlNg, vom Opportunismus, von den Gefahren, die rings um uns süid, zu nuterlassen, schon aus dem Grunde, weil sie auf die Dauer der Partei zu langlveilig lvird. DieMasse unserer Parteigenossen arbeitet unausgesetzt, sie ist opferwillig nach jeder Richtung hin, um die Interessen des Prole- tariatS und der Arbeiterklasse zu fördern, um ihre eigene Lage zu heben. Eine derartige Partei hätte wohl etwas Besseres zu thun, als sich fortgesetzt zum Tummelplatz von theoretische» Streisigkeiten zn machen, wobei.eine ganze Menge Rechthaberei, Haarspalterei und Silbenstechcrei mit unterläuft.(Sehr richtig!) Wenn diese Katz- balgcreieu noch lauge so fortgehen, dann wird schließlich die Wissen» schafr allen Kredit verlieren, dann werden sich die Arbeiter sagen: haben wir denn gar nichts anderes zu thun, als über jede Theorie, die irgend einem im Kopfe herumgeht, zu streiten und uns uns dadurch die Kraft nehmen zu lassen für andere wichtigere Dinge? Diejenigen, die das angeht, sollten auf diesem Parteitage lernen, daß es jetzt endlich an der Zeit wäre, von diesen Dingen abzulassen. Worin besteht denn der furchtbar große Gegen- satz, den man zwischen uns konstruiert hat? Ich glaube, daß es in diescin Saale und außerhalb dieses SaalcS in unserer Partei niemanden giebt, der an der Partei zweifelt. Cr kann an Dogmen glauben oder au Anschanmigeu, die augenblicklich Mode sind— denn auch darin spielt die Mode eine große Rolle— aber am Wesen der Partei habe ich noch keinen zweifeln sehen, Es ist gesagt, Bernsteins Schrift sei geeignet, uns den Kampf zu verekeln. Wenn man doch nur nicht jede Sache so unvernünftig übertreiben ivolltc. Man sagt, wer angstmcicrt, dient der Reaktion. Gelvitz! Aber icb füge hinzu, Ivas einst ein französischer Socialist nach der Komnullic ausgesprochen: Wer dem Volke falsche Revolntions- legenden erzählt, wirlt ebenso schädlich tvie derjenige, der einem fortfahrcndcii Segler falsche Karten mir ans den Weg geben würde. (Sehr Ivahr!> Jeder einzige weiß, wie einmal Engels in einem Brief an Tnrati sich ausgedrückt hat, daß wir in der gegenwärtigen Bewegung mich die zukünftige zu vertreten haben. Aber ebenso sicher ist es, daß man durch das fortwährende Gerede, man köiliic i» der heutigen Gesellschaft gar» » i ch t s e r r e i ch e n, ivas der Mühe wert sei, lähmend aus die Arbeiterbewegung einwirken muß,(Sehr richtig!) Das allcrschliminste und thörichtste Mittel ist aber das, welches diejenigen anwenden, die fort und fort so thun, als ob eS zwei K lassen von Parteigenossen bei miS giebt, Auer hat darauf schon hingclviesci: und es in seiner drastischen Art es etwas anders dargestellt, als icb es Ihnen darstellen will. Mau spricht davon, daß es auf der einen Seite Opportuuisieu, auf der audcreu Seite pro- lctarische Revolutionäre giebt— das Wort Socialdcmokrateii ist ja den Vertretern dieser Richinng nicht mehr gut genug, sie müssen sich ein neues Wort bilden und es recht oft lviederholen. Diese Teilung in zwei Gruppen ist das allerverkehrteste, »ainentlich wenn man ivill, daß die eine Gruppe zur Uuterwerfuug gebracht iverden soll oder wenn mau sagt, es muß zu einer rein- licheu Scheidimg konimcn. Ja wahrhastig! DaS könnte misereu Gegnern sehr gut gefalle», wen» die Partei, die niemals bis jetzt hat besiegt lverden können, sich so in der unverantwortlichsten Weise schwäche» würde. Ich habe gar kein Hehl daraus gemacht, daß auch mir verschiedenes an manchen Dingen und Personen in der Partei nicht gefällt; ich halle es nur nicht für richtig, daS fortwähreud auf öffciitlichcin Markte zu predigen, sondern ich denke mir mein Teil dabei nnd traue ans die Kräftentivicklmig, die ganz von selbst, ob es die Leute lvollcn oder nicht, schließlich die Sache zum rechten Ende führen wird. Die Einheit der Socialdemokratie ist die notlvcndige'Boranssetzung unserer Erfolge. Deshalb trete ich stets für die Einheit ein, deshalb bin ich ans allen Parteitagen da» gegen ailfgctrcten, daß mau eine künstliche Machtprobe zwischen den verschiedenen Anschaiiungeu herbeizuführen sucht, und ich hoffe, daß endlich einmal von denen, die lviedcrholt die Machtprobe� herbei- süliren ivollten, davon abgelassen tvird. Sollte das nicht sein, sollte diese verdnnunte Art anhalten,' ans jeder kleincii Meümngs- Verschiedenheit einen großen llnterschicd in der ganzen Welt- nuschammg zn konstruieren, sollte dieser Streit fort- daucrii. dann könnte allerdings einmal der Masse der Parteigenossen die bisher bewiesene Langmut ausgehen, lind sie könnte jenen Leuten, nm die es sich dreht, zeigen, daß die Partei die Machtmittel hat— nicht die Mittel der Beschlüsse, sonder» die Mittel, die aus der öffentlichen Volksmeinung hervor- gehe»— ihnen das abzngcivöhneii. Ich und meine Parteigenossen sind vollkommen mit der Bebclschen Resolution einverstanden. Wir sind zufrieden mit dem darin ausgedrückten Gedanken und iverden deshalb mit Vergnügen cinstimmig dafür eintreten.(Stürmischer Beifall.) Singer: Vier genügend nutcrstntzte Schlnßaiilrnge liegen vor. Zur Begründnng weist Baker-Hamburg darauf hin. daß beide Teile gcniigcud zum Wort gelangt sind, Der Antrag ans Schluß der Debatte lvird fast einstimmig ay» genommen. Es folgen persönliche Bemerkungen. Liebknecht: Genossen I Man hat den Debatten einen persönlichen Charakter dadurch zn geben versucht, daß man persönliche Aenßerungen hier in einer Weise vorgebracht hat, die geeignet war, an das Mitleid zu appellieren. Ich habe nnn i» Bezug ans die Pieschener Rede schon gestern richtiggestellt, tvaS richtigzustellen war. Heute ist mir nun gclvisscrmaßcii lliuvahrhcit vorgeworfen worden. Ich habe gestern schon gesagt, ich habe Bernstein nicht einen Strohredactenr genannt und das hat auch nicht darin geftaiidcn. Kein Wort hat davon im Bericht gestanden. Es ist auch nicht wahr, daß ich es als Almosen bezeichnet habe, daß ihm die Herausgabe der Lassalleschen Schriften übertragen worden ist. Ehrhart hat den Bericht hier ver- lesen nnd es stand nicht da. Diese beide» Thatsachen stelle ich fest. Wenn jemand sagt, da?, waS in dem gedrängten Bericht steht, ist nicht das, was er gesprochen hat, so ist wohl jeder Parteigenosse verpflichtet, daS zn glauben,(Sehr wahr!) Das erfordert der ein- fache Anstand, Ich habe gestern bereits erklärt und wiederhole es heule, daß ich gegenüber der Legende von Bernsteins Wissenschaft» tichkeit nur gesagt habe, es ist nicht richtig, daß er eine der größten wissenschaftlichen Autoritäten der Partei ist. Ich habe lvei'ter ei» klärt, daß der Geist, der im„Socialdemokrat" steckte, nicht der Geist eines einzelnen Mannes ist, sondern der Geist der gesamten kämpfenden Partei. Das habe ich gesagt, nnd das ist die Wahrheilr Wenn mau dann weiter versucht hat, die Redacteure der „Sächsischen Arbeiter-Zeitniia" in Konflikt mit mir zu bringen, so erinnert mich das an jene Leute, die, wenn zwei verschiedene Aus» sagen vor Gericht gemacht lverden, gleich einen Meineid konstatieren. Nein, es liegt hier bona klckos vor. Ehrhart hat mir, weil ich den bayrischen Kuhhandel erst nach» träglich vcmrteiltc, vorgelvorfen, ich hätte mich dadurch der Mithilfe zu einem Verbrechen schuldig gemacht. Ich gehe nicht soweit, jenes Vergehen als ei» Verbrechen zn erklären, ich würde es aber, wäh- rcnd sie im Kampfe sind, auch tvcn» sie meiner Meinung nach nicht richtig kämpfen, für taktlos halten, ihnen in den Rücken zu fallen. Das wäre einfach eine Schmach, ein Verbrechen gegen die Partei» disciplin.(Sehr wahr!) Was nun meine Behauptung betrifft, daß dem von mir vorgelegten Flugblatt Stimmzettel für das Centrum beilagen. so staimnt diese Behauptung von einem Parteigenossen aus Speyer, der mir schreibt: „Hier dieses Flugblatt, das mit Ccntnnns-Stimnlzctteln belegt war und von Genossen verbreitet wurde," Ich lege den Brief auf den Tisch des Hauses nieder. Ich habe also auch hierin die absolute Wahrheit gesagt.(Zustimmnug.) Dann wird mir der Vorwurf gc- macht, daß ich' früher einmal bei einer Wahl aufgefordert hätte, für einen Volksparteiler zu stimmen. Am Tage bor der Nachwahl kam jemand zu mir und teilte mir mit, daß, wenn unsere Geuossen sich der Stimmabgabe enthielten, der reaktionäre Kandidat gewählt würde. Es war absolut nicht mehr möglich, persönlich am Orte Nachforschungen anzustellen, und deshalb habe ich dem Betreffenden ein paar Worte geschrieben, Ivorin ich unsere Genossen ersuchte, für das kleinere Uebel zu stimmen. Es handelte sich damals nicht nm ein Kompromiß, sondern um eine Stichwahl und die Befolgung der in Taktik, die wir überall bei Stichivahlcn befolgt haben. Die Sache hat nachher zn einer Polemik im„Sozialdemokrat" geführt, wurde mir von den Maiitihcimern ein Nüsfel erteilt, und ich erklärte datz ich den Rüffel zwar annehme, daß es mir aber nicht möglich war, bei der Äürze der Zeit mich mit de» Mannheinier Genossen in Verbindung zu setzen.(Beifall.) Ledebour: Was ich auf die Provokationen und Insinuationen des Genossen Nucr(Sehr richtig!), deren Absicht und Zweck so durchsichtig (Sehr gut!), zu erwidern hatte, ist durch Liebknecht bereits erledigt (Sehr richtig!) Frau Zetkin: Genosse Auer hat sich wieder als freiwilliger Staatsanwalt der Socialdemokratic gefühlt.(Sehr gut!) Mir fiel dabei ein, was zu Napoleon I. einmal sein Polizciministcr Touche gesagt hat: „Sire, geben Sic mir von dem Menschen nur eine Zeile, und ich bringe ihn an den Galgen!"(Sehr gut!) An de» Galgen kann ich Auer nicht bringen, aber ich will mich gern in die Jammcrccke stellen(Heiterkeit), wo in diesem Jahrhundert aufgeklärter Natur die Kctzerrichter und Schciterhnufenerbauer stehen. Er hat behauptet, daß ich den Ausschluß einzelner Personen gefördert habe. In der„Gleichheit" hat aber ganz etwas anderes gestanden. Da ist eine solche Auffassung der„reinlichen Scheidung" als Ltindlichkcit dezeichnet und gesagt, daß es sich um eine reinliche Scheidung der Grundlinien und um ihre Festlegung in der Art handelt/ daß über ihr Wesen und über die Taktik der Partei kein Zweifel mehr möglich ist. Jeder einzelne Partcigenoss hat es dann mit sich abzumachen, ob er auf Grund der so präcisierten Grundanschauungen der Socialdemokratic noch angehört oder nicht.(Sehr richtig!) Mit einem schönen, warinen Pathos, das der Genosse Auer nur in seltenen Momenten aufzu wenden für notwendig erachtet(Sehr gut!), hat er sich dagegen ge wandt, daß man einen supponierten Bernstein an Stelle des wirk lichen Bernstein setzt. In demselben Augenblick aber hat er eine supponierte Zetkin an Stelle der wirklichen Zetkin gesetzt und die von ihm so verabscheute Interpretation angewendet.(Sehr gut/ Wenn sich Auer so als Staatsanwalt fühlt, dann soll er auch die Pflicht des Bürgerlichen Staatsanwalts erfüllen und das Material hier vollständig vorlegen.(Beifall.) Kautsky: Genosse Auer hat Ihnen eine sehr gruselige Geschichte erzählt. Er hatte mich heute morgen gefragt, ob Bebel mir schon seinen Kartellträgcr geschickt hat. Tie Beleidigung, die nur mit Blut ge rochen werden konnte, sollte in dem Passus meiner Rede liegen, dem ich Engels gegen den Borwurf idiotischen Prophezciens ver teidigte. Dadurch hätte ich Bebel, der sich auf solches Prophc seien eingelassen, des Idiotismus beschuldigt. Ich war sehr er- schrocken, als ich davon erfuhr; meine Angst' legte sich, als ich die Bcbelsche Prophezeiung las. Ich will Ihnen auseinandersetzen. worum es sich handelte. Freund Auer war freilich so liebcnsivürdig. diese Auseinandersetzung von vornherein zn diskreditieren und zu verdächtigen, indem er mit seiner liebenswürdigen Bonhonne ver- sicherte, nach ihm werde schon einer kommen, der beweise, daß er unrecht Hobe, offenbar ein Rabulist, der schivarz in weiß verwandeln kann. � Hören Sie nun, was ich gesagt. Wenn Cmgels den Kladderadatsch, die große sociale Revolution, für ein bestimmtes Jahr vor- ausgesagt hätte, so wäre das Idiotismus gewesen; Engels habe das eben nicht gesagt. Ich habe den Wortlaut seines Briefes nicht im Gedächtnis, aber soweit ich mich erinnere, hat Engels, angeregt durch die Februarwahlen, gemeint, wenn die Entwicklung so weiter ginge, hätten wir vielleicht schon gegen Ende des Jahrhunderts einen großen politischen Umschwung zu erivarten, so daß das Jubeljahr der Revolution von 1848 ein Revolntionsjahr würde. Das ist ein Ausdruck starken Optimismus, aber nicht Idiotismus. Das hatte ich gesagt. Was hat aber nun Bebel prophezeit? Die Stelle befindet sich im Protokoll des Erfurter Kongresses. Dort heißt es(S. 232):„Ich mache kein Hehl daraus, ich habe mich riesig gefreut, als kürzlich mein Freund Engels in seinem bekannten Brief im„Socialiste", den auch unsere Presse veröffentlichte, einen Um- schwung der Dinge von Grund aus(Zwischenruf Davids:„von Grund aus"; Bebel ruft:„Staatsanwalt!") gegen das Jahr 18S3 in Ausficht stellte." Das ist es, was Bebel sagte. Einem Redner kann leichter eine Entgleisung passieren, als einem Schriftsteller. Hätte Bebel sich schiefer ausgedrückt als Engels, so hätten wir da eben eine Kongreß Redcblüte vor uns. Aber Bebel hat sich ganz vorsichtig ausgedrückt. Bon keinem Kladderadatsch, von keiner großen socialen Revolution ist die Rede, sondern von einem Umschwung der Dinge, und die Zeitbestimmung ist keineswegs eine apodiktische, für jeden verständ- iiche, der sich des damals allgemein bekannten Briefes erinnerte, auf den sich Bebel bezog. Schon diese Bezugnahme verbietet es, Bebels Ausspruch anders aufzufassen, als Engels Brief. Ist dieser nicht idiotisch, dann ist es fluch jener nicht und umgekehrt. Es ist daher völlig ungerechtfertigt, den Ausspruch i» Gegensatz zum Briefe zu bringen. Wenn Gegner den Bebelschen Ausspruch in möglichst lächerlichem Sinne zu deuten suchen, überrascht mich das nicht. Seit einiger Zeit herrscht aber in manchen Partcikreisen auch die Mode, jeden für einen Dogmen- fanitiker und Rabulisten zu erklären, der nicht völlig unzweideutige Ausdrücke unserer Denker»röglichst vernünftig aufzufassen sucht. Ist das Rabulisterei, dann will ich gern zu den Rabulisten gezählt werden. Das entgegengesetzte Verfahren überlasse ich Genossen Auer, demselben Auer, der eben in so beweglichen Worten an unsere Kameradschaft, unsere Solidarität und Loyalität appelliert hat. Etadthagen i Mir ist nicht eingefallen die Betonung des Endziels als einer Art von Zaubermittel, mit dem jeder Wahlkreis erobert werden müsse. Alle diese Mätzchen, wie das von dem Fahnen- «nhängsel, habe ich nicht gemacht. Tinger: Ich bitte, einem Parteigenossen gegenüber nicht von Mätzchen zu sprechen. _ Stadthagen: Wenn Auer mich auffordert, Namen zu nennen bezüglich der Richtung, die einen gebildeten Diskutierklub statt einer revolutionären Partei haben möchte, so muß ich das ablehnen, weil ich es für illoyal und_ unsocialdemokratisch halte, mit Namen zu operieren, gegen Personen statt gegen die Sache vorzugehen. Die Sache liegt aber so klar, daß auch Auer sie sehr gut kennt. Rosa Luxemburg: Vollmar hat mich der Ketzerrichterei bezichtigt auf Grund eines Antrages im dritten Berliner Wahlverein, durch den ich die Freiheit ider Kritik hätte unterdrücken wollen. Es ist nicht den Thatsachcn entsprechend, Ivenn er von einem Antrag spricht, den ich .gestellt haben soll. Es handelte sich um eine Heine'schc Resolution, die vom Parteitag die Freiheit einer unbe- schränkten Kritik forderte. Dazu bemerkte ich folgendes: Wenn Sie unter der Freiheit der Kritik nichts weiter verstehen wollen, .als was jeder Mensch darunter versteht, so ist der Antrag nicht nur etwas ganz Ueberslüssiges, sondern direkt eine Ohrfeige für den Parteitag und die Partei. Ich sagte, keine einzige Partei giebt es, die die Freiheit der Kritik m so ausgiebigem Maße ge- �währt wie die unselige. Wenn Sie aber darunter ver- stehen sollten, daß die Partei im Namen der Freiheit der Kritik kein Recht haben sollte, zu gewissen Meinungen und Kritiken der letzten Zeit nicht Stellung zu nehmen und durch Majoritätsbeschluß zu erklären: wir stehen nicht auf diesem Stand- punkte.— so muß ich dagegen protestieren, denn wir sind nicht ein Diskutierklub, sondern eine politische Kampfpartei, die bestimmte .Grundanschauungen haben muß.(Lachen.) Shrhart: Ich habe mich soeben überzeugt, daß der Mann, der Liebknecht den Brief geschickt hat. bereits vor zwei Jahren in Speyer auS der Partei ausgeschlossen ist(hört l hört!). Zweitens: daß Liebknecht keine Zeit hatte, wegen des Klopfer sich mit der Partei auseinander- zusetzen, ist nicht richtig; er ist zweimal von Mannheim nach Offen- bach gefahren und hat erst dann ein Flugblatt mitgebracht. Ferner ist cS unrichtig, daß unsere Taktik damals gewesen sei, die Frei- sinnigen zn unterstützen, sondern daß wir bei der Stichwahl uns der Stimme enthielten. Es ist auch nicht richtig, daß dieser Fall eine Polemik im„Socialdemokrat" veranlaßt hat, im Gegenteil, unsre Beschwerde wurde unterschlagen und wir haben deshalb sogar das Abonnement auf den„Socialdemokrat" aufzugeben. In St. Gallen habe ich allerdings gesagt: wir müssen ruppiger werden. Das würde ich auch noch einmal sagen, wenn wir wieder unter einem Ausnahmegesetz leben und zahm sein wollten. Dr. Trtbid: Stadthagen hat mich gezwungen, von dem festen Vorsatz, nicht mehr das Wort zu nehmen', abzugehen. Er meinte, ich hätte durch meine Agitation im Mainzer Wahlkreise den schweren Verlust mitvcrschnldet. Er hat zwar soeben ge- sagt, er habe nicht behauptet, daß seine principicn- reine Agitation unter allen Ilmständen ein Zaubermittcl sei; aber den Mainzer Fall hat er in dieser Beziehung gerade auf mich ange- wendet. Das trifft nicht nur meine Ehre, sondern die Ehre der an dem Mainzer Wahlkampf beteiligten Genossen. Wir haben den Kreis 1836 verloren, Sie wissen, was vorausgegangen ist. Wenn Sie dem Mangel an Principienklarheit in der Agitation schuld geben, dann wenden Sie sich an de» ganzen Generalstab der Partei, der damals im Kreise agitierte, Bebel und Liebknecht an der Spitze, dann wenden Sie sich vor allem an Ihren Mitantragstcller Molkenbuhr. Der Wahlkreis ging verloren, weil diesmal nicht die Nationalliberalen, sondern das Centrum in die Stichwahl kam; aber das. worauf c-Z ankommt, unser Stimmenzuwachs, war ein ganz mächtiger. Ich gebe Ihnen zu erwägen, ob solche Angriffe, wie die von Stadthagen, geeignet sind, uns die Agitation in Mainz zn erleichtern. Ich bezeichne diese Unterschiebuiig— ich kenne keinen anderen Ausdruck dafür— als eine leichtfertige Verdächtigung. Singer: Eine derartige Aeußernng ist unzulässig. Auer: Ich habe zu erklären, daß ich Stadthagen nicht aufgefordert habe, Namen zn nenne»; ich habe nur gesagt, er solle uns das Exemplar eines Parteigenossen, der an Stelle der Revoliitionierung der Massen die Partei in einen Lesezirkel gelehrter und intelligenter Leute zusammenfassen möchte, auf den Tisch des Hauses legen. So lange er das nicht kann, glaube ich nicht, daß es solche Genossen giclit. Was Kautsky und mein angeblich illoyales Verhalten in Bezug auf die Kladderadatsch-Behnuptn'ng betrifft, eine Behauptung. die mir gegenüber mündlich und schriftlich vertreten ist. so kann ich nur das eine erwidern; Wenn Kautsky behauptet, daß alles, was ich Ihnen nach dieser Richtung erzählt habe, nicht wahr ist— mm dann. Parteigenossen, ich nehme von dieser Erklärung Akt, ich halte damit den Wechselbalg: Kladderadatsch für erledigt, aber gelebt hat er.(Große Heiterkeit.) Ledebour har auf meine Anzapfung er- klärt, daß er die von mir vorgebrachte Angelegenheit durch die Aeußernng Liebknechts für sich und für die Redaktion der„Sächsischen Arbeiterzeitung" für erledigt erachte und auf mich überhaupt nicht mehr eingehe. Wahrscheinlich bin ich Luft für ihn. Ich nehme Akt von dieser Erklärung Ledebours, daß er die Erklärung von Lieb- knccht in allen Teilen für richtig hält. Liebknecht hat erklärt, der Bericht ist falsch, damit ist erwiesen, daß das Blatt, dessen Chef Ledebour ist, in einer so wichtigen Frage einen gefälschten, dem Wesen und Inhalt nach unrichtigen Bericht gebracht hat.(Zustim- mung und Widerspruch.) Die Genossin Zetkin meint, ich hätte daS Bedürfnis gehabt, eine neue Zetkin zu konstruieren. Sie irren sich. Ich habe an der wirklichen Genossin Zetkin mehr als reichlich genug und habe gar kein Bedürfnis mehr, mir eine neue zurecht zu machen.(Stürmische Heiterkeit und Unruhe.) Ich habe nicht gegen eine supponierte Zetkin polemisiert, sondern mich in meinen Ausführungen auf That- achen gestützt. Die Genossin Zetkin hat in ihrem Blatt unter ausdrücklicher Nennung meines Namens in Verbindung mit Schippet, Heine und Vollmar gesagt:„Hat die Verttetung der Gesamlpanci in einer Resolution festgelegt, welche Grundsätze ftir das Sein und Thun der Socialdemokratie ausschlaggebend sind, so ist eS Sache jeder einzelnen opportunistelnden Person, mit ihrem Gewiffen auszumachen, ob sie der Partei angehören kann oder nicht. Ich dächte. das ist sehr deutlich, lind in einer Berliner Versammlung hat sie direkt im Anschluß an die Namen Vollmar, Auer, Heine und Schippel, welche als die Träger des Opportniiismus und der Politik, mit der aufgeräumt werden müsse, genannt waren, den Satz ausgesprochen:„Wenn die Gegen- sätze so' schroff zu Tage treten, dann ist eine reinliche Scheidung im Interesse der Partei besser als ein fauler Friede und ein Vertuschen." Nun wenn das alles nicht das heißt, ivas ich gesagt und behauptet habe, dann haben die Worte keinen Sinn mehr. Ich verlange nur, daß Sie zu Ihren Worten stehen und nicht mehr hinter unserem Rücken herhetzen.(Lebhafter Beifall und große Unruhe.) Hewc-Berlin: Ich verzichte aufs Wort. Vollmar: Ich habe der Genossin Luxemburg vorgeworfen, sie habe den urreaktionären Versuch gemacht, die Freiheit der Kritik und der Forschung in der Partei zu unterbinden. Darauf hat die Angegriffene hier eine Erklärung abgegeben, die schon durch ihre Länge die Vor- 'tellung erwecken mutzte, daß da eine Auslegung beabsichtigt wird. die dem ursprünglichen Sinne nicht entsprechen kann.(Unruhe.) Ich habe glücklicher Weise das Material zur Hand. Es sind das drei Notizen; die eine stammt ans dem Bericht des„Vorwärts", die zweite von dem in der Versammlung anwesend gelvesenen Genossen Heine, die dritte von dem Vorsitzenden jener Versammlung, dem Vertrauensmann des Wahlkreises. Ich glaube also, wenn diese drei Erklärungen im wesentlichen übereinstimmen, Iverden sie Ihnen' wohl glaubwürdig erscheinen müssen. Es war eine Resolution eingebracht, i» der u. a. gesagt war, daß die Freiheit der wissenschaftlichen Diskussion in der Partei gewähr- leistet bleiben müsse. Daraufhin ist nun jene Aeußernng der Frau Luxemburg gefallen, die nach dem„Vorwärts" so lautet: es solle die Freiheit der Wissenschaft insoweit gewährleistet bleiben, als die Diskussion sich auf dem allgemeinen grundsätzlichen Boden der Partei bewegt. Die Nottz von Heine geht dahin,„sofern sie sich auf dem bisherigen Boden bewegt", und die Notiz des Borsitzenden lautet„sofern sie sich auf dem Boden der bisherigen Praxis bewegt". In der Sache selbst stimmen die drei Notizen überein. Es' handelt sich thaisächlich um eine Einschränkung der wissenschaftlichen Forschung, denn soweit erkennen ja auch die Ultra- montanen und Konservativen die Freiheit der Wilsenschaft an. Die wirkliche Freiheit der Wissenschaft darf aber an nichts gebunden sein. Wer an dieser Freiheit rührt, den nenne ich keinen Revolutionär, sondern einen Reaktionär, und dabei bleibt es!(Beifall.) Liebknecht: Daß der Brieffchreiber aus der Partei ausgeschlossen ist. habe ich nicht gewußt, aber es wird sich ja bald zeigen, ob er oder E h r h a r t recht hat. Ob es im„Socialdemokrat" eine Polemik im gewöhnlichen Sinne war, weiß ich nicht. Es war eine sehr lange Korrespondenz darüber, die Sache wurde schließlich erledigt. Wenn Auer gegenüber der„Sächsischen Arbeiterzeitung" gesagt hat: Wenn das wahr ist, was ich gesagt habe, habe sie falsch berichtet, wobei das Wort falsch etwas an Fälschung erinnert, so will ich Auer, der auch etwas von Journalistik versteht, sagen; Wenn wir unfern besten Berichterstatter in der Partei nehmen und ihn eine über zweistündige Rede kurz zusammengedrängt wiedergeben lassen, jeder sehen muß, daß eine ganze Anzahl von Nüancierungen nicht richtig ist, auch manches falsch ist. Kein Berichterstatter in der ganzen Welt kann Nuancen uudTon einer Rede vollkommen wiedergeben. Im übrigen will ich nur sagen, daß es sehr schlecht um eine Sache bestellt sein muß, die bloß durch derarttge persönliche Momente sich zu halten sucht. Eichhur«-Dresden: Ich habe mit demselben Recht das Wort verlangt, wie Ledebour, al« Redacteur der„Sächsischen Arbeiterzeitung". Ich hätte ja verzichten können, nachdem Liebknecht gesagt hat. daß der Berichk über die Pieschener Versammlung in der Hauptsache richtig ist. Ich bin der Berichterstatter und wie gesagt, soweit es, ohne zu stenographieren, möglich ist, stimmt der Bericht. Das werden nicht nur zwei Pieschcncr Parteigenossen hier bezeugen, sondern auch die Redaktion der„Säck'sischen Arbeiterzeitung, Ledebour und Hönisch, der mir die Richtigkeit des Berichtes bestätigt hat. Ledebour hat ihn vor der Drucklegung gelesen, denn er hat einen Satz, den ich nicht geschrieben hatte, hincinkorrigierten; Ter Satz lautet:„Sie sind ja, sagte der Redner, in Dresden zu beglückwünschen, daß Sie hier ein Blatt haben, das den Schild der Partei rein erhält und für die Wahrung des Programms und der Taktik der Partei eintritt." Frau Zetkin: Wer mich kennt, weiß, daß ich nicht zn den philosophischen Naturen gehöre, die sich hinter„Wenn" und„Aber" verklausuliert, sondern eine Kampfnatur bin. die ans ihrem Herzen keine Mörder- grübe macht. Wenn ich den Ausschluß einer Persönlichkeit gefordert hätte, so hätte ich das klipp und klar ausgesprochen. Auer hat mit seiner Liebensivürdigkeit erklärt, daß er eine Zetkin genug habe. Das könnte man auch als Aufforderung auffassen, mich auS der Partei hinauszuweism(Oh, oh I) Ich werde in der Partei meiner Ueberzengnng gemäß weiter kämpfen, auch wenn ich Auer nicht gefalle. Rosa Luxemburg: Ich habe den Bericht im„Vorwärts" ausdrücklich berichtigt; ich habe die Nummer augenblicklich nicht hier. Außer der„Leipziger Volkszeitung" hat auch die„Frankfurter Zeitung" die Berichtigung abgedruckt, die dieselbe Beschuldigung gegen mich erhoben hatte, wie Vollmar.(Hört! hört!) Ledebour: Die Benierkungen Eichhorns waren vollkommen über- flüssig(Heiterkeit); er war in keiner Weise angegriffen. Singer: Gegen die Notwendigkeit oder Ueberflüssigkeit einer persönlichen Bemerkung haben Sic nicht zu polemisieren. Ledebour: Ich stelle noch einmal fest, daß von einer Fälschung des Berichts»ich: die Rede sein kann, sondern nur von Irrtümern. wie sie jedem Berichterstatter passieren können._ Für die Richtigkeit eines solchen Berichts kann man selbstverständlich nicht die Garantie übernehmen. Es ist also unmöglich, Genaues festzustellen. Wenn unter diesen llmftändcu der Redner wiederholt ertlärt, er habe diesen oder jenen Ausdruck nicht gebraucht, so ist es einfach Aiislandspflicht, das zu acecpticren.(Sehr richtig!) Jedes weitere Wort hierüber verträgt sich nicht mit den Pflichten, die man nicht nur als Parteigenosse,' sondern auch als Mensch hat. Vollmar: Ich habe glücklicherweise die Berichtigung von Fran Luxemburg zur Hand. In dieser Berichtigung ist dem Sinne nach genau dasselbe gesagt.(Llixcinburg: Lesen Sie sie nur ganz vor!) Ich rede nicht zu Ihnen, Fran Luxemburg, sondern zu den Partcigenoffen.(llnruhe.) In dieser Erklärung sagt sie, der„Vorwärts"_ habe sie Unsinn reden lassen ,' das habe sie nicht gesagt, sondern sie habe gesagt:„Demgemäß sei der letzte Passus, wenn er überhaupt bestehen bleibe, etwa so zu formutieren: „daß die Verimmukuilg die Freiheit der Diskussion in der Partei gewahrt wissen ivill. mfofern sich diese Diskussion auf dem all- gemeinen grnndsätzlicheir Boden der Partei bewegt." Also genau das, was ick gesagt habe. Wenn Frau Luxemburg sagt, es habe mir nur nickit gepaßt, weil sie gegen die Bayern aufgetreten sei, so kann ick erklären, daß das nicht der Fall ist. Denn es ist mir ganz gleichgültig, ivas sie darüber denkt.— Damit schließen die heutigen Verhandlungen. Schluß 3 Uhr. Fünfter Verhandlmigötag. Hannooer, 12. Oktober. V o r m i t t a g s s i tz u n g. 9'/4 Uhr. Den Vorsitz führt Singer. Eine Zimmerer-Versaminlung in Dresden teilt dem Parteitag eine Resolution mit, in der sie ihr Bedauern über die Ablehnung der Anträge des ö. und 6. sächsischen Landtags-Wahlkreises und der Resolution Ledebour ausspricht. Singer teilt mit, daß die Anträge 16 und 17 zurück- gezogen siiid. Bor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Liebknecht: Da ich gestern Abend in einer Volksversammlung zn sprechen hatte, war es mir nicht mehr möglich, auf die persönliche Bemerkung des Genossen Eichhorn zu antworten. Seine Bemerkung kam: meine frühere Acnßerung in keiner Weise beeinflussen, denn ich habe gar nicht gesagt, daß der Bericht der„Sächsischen Arbeiter-Zeitting" ein falicher war, ich habe zugegeben, daß er bona Lcko abgefaßt ist, nur die Nuancen des Tons enthält er nicht. Ich habe mich in jener Versammlung in schärfster Weis« gegen die Bernsteinsche Lehre ge- wandt, ich habe leidenschaftlich gesprochen, aber ich habe auSdrück- lich erklärt: Bernstein ist stets mein Freund gewesen, er hat ehrlich gehandelt, ich will ihn nicht verletzen. Außerdem ist ja auch daS mir hauptsächlich vorgeworfene Wort„Strohredakteur" in jenem Bericht gar nicht enthalten. Wen» ich nicht protestiert habe gegen das. was man mich sagen ließ, so geschah das einfach, weil ich weiß, wie schwer es ist, den Inhalt einer längeren Rede in einem gedrängten Bericht zusammenzufassen. Ich habe es bedauert, daß die Debatte so per- jönlich geworden. ist, nun, ich habe den gehässigen Ton nicht in die Debatte hineingebracht, daS ist von anderer Seite geschehen.(Sehr richtig I) Ich habe niemanden verletzt. Wie vorsichtig man in der Wiedergabe einer Aeußernng sein muß, das sollte doch gerade Auer am besten wissen,(Sehr wahr!) denn er hat gestern aus dem Um- schwung, von dem Bebel gesprochen hat, eine Umwälzung gemacht, einen Kladderadatsch.(Bebel: Laß mich das doch sagen I) Und das ist weit schlimmer als die Pointirnngen und Verschärfungen im Bericht der.Sächs. Arbeiterztg."(Beifall). Das Schlußwort als Referent über Punkt 5 der Tagesordnung hat. Bebel: Parteigenoffeu! Ich werde mich bemühen, Ihre Geduld möglichst wenig in Anspruch zn nehmen. Nachdem ich in meinem ersten Referat in einer mich selbst erschreckenden Weise so außerordentlich an Ihre Geduld appellierte, wäre es ja gerade Pflichtvergeffenheit, wollte ich jetzt etioas Aehnliches thun. Aber ich habe auch keine Veranlassung dazu. Ich betrachte die Debatte sachlich als vollkommen er- schöpft. Ich habe heute eine dreifache Aufgabe: ich bin genötigt, auf eine ganze Reihe von pen'önlichen Anzapfungen und Angriffen, die namentlich im Laufe des gestrigen Abends in einer sehr bedenk- lichen(Lebhafte Zustimmung), die Würde des Parteitages meines Erachtens nicht hebenden Wei(e erfolgt find, zurückzinveisen. Zweitens werde ich eine Reihe von Irrtümern, die meinen Gegnern in der Debatte in Bezug auf meine Ausführungen passiert sind, richttgstellen müffen. Drittens werde ich in möglichster Kürze meine Stellung präcisieren zn den Bemängelungen, die an meiner Resolutton ge- macht find und zu den Anträgen. Soll ich mit ganz wenig Worten im allgemeinen den Eindruck schildern, den die Debatte in ihrem sachlichen Teil auf mich gemacht hat. so glaube ich wohl ohne Widerspruch konstatteren zu dürfen. daß, was' unsere principielle Auffassung, unsere Grundonschauungen, Grundforderungen, wie fie im Programm niedergelegt find, betrifft, innerhalb dieses ParteikampseS keine Meinungsverschiedenheiten bestehen, daß wir auch in Bezug auf daS Endziel alle einig sind. Wenigstens ist keine Aeußernng gefallen, die das Gegen« teil annehmen ließe. Stärkere Meinungsverschiedenheiten find aller- dings vorhanden und werden mehr oder weniger immer vorhanden fem in Bezug auf die Wirksamkeit»md Bedeutung der Mittel und Wege, die von un» eingeschlagen werden, um zur Durchführung unserer Aufgabe», wie fie im Programm niedergelegt sind, zu ge« langen. Insbesondere ist ja die Auffassung der Benistciu-Broschiire über die Genossenschaften in ihrer angeblichen Bedeutung für die Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse, von der groszen Mehrheit des Parteitages abgewiesen worden. Aber das sind Anschauungen, über die sich streiten läßt, die jedenfalls die Priudpicn unserer Partei in keiner Weise schädigen können. Im weiteren aber hat auch die Debatte ergeben, das; in Bezug ouf den Punkt, der die erste Veranlassung zu diesen Verhandlungen auf dem Parteitag war, die Bernsteiiischcn Ausführungen in seiner bekannten Schrift und in den vor und nach ihr erschienenen Artikel von keinem einzigen Redner, wenn ich richtig aufgefaßt habe, vollständig gebilligt worden. Im Gegenteil hat ein großer Teil derjenigen unter uns, die für Bernstein iii die Schranken traten, ausdrücklich erklärt, daß er bald mit diesem, bald mit jenem Punkte, zum Teil sehr wichtigen Punkten, nicht einverstanden sei; und insbesondere habe ich keinen Redner gehört, der auch nur den Versuch gemacht hätte, nachzuweisen, daß die Ausführungen, die Bern- stein in seiner Broschüre über die bürgerliche Gesellschaft, die bürgerlichen Parteien, die bürgerlichen Elcmciite, von ihm geteilt werden. Aus diesem Umstand erklärt es sich ja auch, daß die Redner meist damit schließen konnten: unter so bewandten Umständen haben wir keinen Grund, gegen die Bebelsche Resolution zu stimmen.— so daß Aussicht vor- Händen ist, daß sie cinstiminig angenommen wird. Ich gestehe, daß ich von vornherein, als ich meine Resolution entworfen hatte, mir sagte, das kann möglicherweise das Resultat der Verhandlungen sein. Ich ging so weit, daß ich nachher als ich hierher nach Hannover' fuhr, mir sagte, es wäre nichts Ucbcrraschcndes, wenn Bernstein selbst erklärt, daß er dieie Resolution stimmen könnte, mit kleinen Vorbehalten, wie auch Auer solche gestern andeutete, deren Sin» nicht ganz verstäub lich war. Bernstein gegenüber— ich muß das offen aussprechen— stelle ich ans einem Ständpunkte, wo mich nichts mehr von ihm wundert: ich habe das ja in meiner Rede auch sehr deutlich durch blicken lassen. Ich meine aber allerdings, daß, wenn die Bernsteinianer— um diese stollektivbezeichnung beizubehalten— wohl in die Lage konnncu konnten, für meine Resolution zu stimmen, Beruftem doch die Zustimmung etwas schwerer sein muß, als denen, die nicht ganz auf seinem Staudpunkte stehen. Wenn nicine Resolution in ihrem Eingänge sagt:«Die bis« hcrige Enlwickeluiig der bürgerlichen Gesellschaft giebt der Partei keine Veranlassung, ihre Gnuidanschauungen über diese aufzugeben oder zu ändern"— so steht dieser Satz in direktem Gegensatz zu den Bcrustcinschen AnSführmtgen in seinem Buche.(Sehr richtig!) und wenn er erklärt, daß er diesen Satz acceptiere, so giebt er damit die Grundlage seiner Anschauungen preis.(David:'Ganz falsch!) Und wenn er zu einer Reihe anderer Punkte auch seine Zustimmung giebt, dann muß man schließlich fragen: Wozu der Lärm? Wozu die häßliche Erregung der Leidenschaften, wenn die ganze Geschichte ausgeht wie das Hornberger Schietzen, wenn wir ein Herz und eine Seele find? Im zweiten Satz— und der richtet sich ganz direkt gegen Bernstein— heißt es in meiner Resolution:.Die Partei steht nach wie vor ans den: Boden des Klassenkampfes, wonach die Befreiung der Arbeiterkiaffe nur ihr eigenes Werk sein kann.- Nach der ganzen Auffaffung, die Bcmstein in seiner Schrift vom Bürgertum entwickelt hat, mutzte er logisch zu der Ansicht kommen, die er auch in dem bekannten Artikel des „Vorwärts" formulierte, daß er sagte: So ist der Satz falsch. es kann nur heißen:„in erster Linie". Ich habe aber mit Vorbedacht und Absicht in scharfen» Gegensatz zu Bcnisteins Ans« fiihrungen gerade die Worte, daß die Befreiung der Arbeiterklasse nur ihr eigenes Werk sein kann, aufgenommen, iveil ich in Verbindung»nit dem übrigen Inhalt des Programmes hier klar erkeiruen lasten wollte, daß so angcnehin und lieb' uns Elemente aus anderen Klassen sind, wenn sie zu unS kommen, die Befreiung der Arbeiterklasse doch nur ihr eigenes Werk sein kann. Wenn nun Bernstein auch diesen Satz acceptiert, dann wird bei einer künftig einmal eintreten sollenden Programinrcvision dieser Satz unter keinen Umständen mehr von irgend einer Seite in Frage gestellt werden können, so wie er heute im Programm steht. Ich will aber auch meine»», daß die Motivierung in meinem driften Absätze es Bernstein schwer machen muß, für ihn zu stimmen. In ganz besonderem Umstände aber ist daS in Bezug allf den vierten Absatz der Fall, der von der Bedeutung der W i r t s ch a f t S genösse nfchaften haiidelt.(Sehr richtig I) Da haben ihn» ja seine Freunde das größte Lob gespendet, da hatte er ja sozusagen eine epochemachende Erfindung geinacht(Heiterkeit), nämlich die. daß neben der Partei und den Gewerkschaften als Klassenorganisation des Proletariats eine mindestens gleichlvertige Klasienorganijation in den Wirtschaftsgenostenschaften gegeben sei, die die Partei nach ollen Richtilngcn hin ausbilden müsse, um, wie er behauptet, die ökonomische Macht der Arbeiterklasse zu stärken und damit um so leichter die politische Macht zu erobern. Nun sage ich nicht nur, die Partei steht den Genossenschaften neritral gegenüber, sondern setze noch»veiter hinzu:„sie erachtet die Gründung'solcher Genossen« schaften. vorausgesetzt, daß die nötigen Vorbedingungen vorhanden sind, als geeignet, in der wirtschaftlichen Lage ihrer Mitglieder Verbeste- ruiigcn herbeizuführen"— was ja kein Mensch bestreiten kann, wenn sie auch minimal sind, auch nach Bandervclde höchstens 8 Prozent des Lohnes ausmachen ich erkläre ausdrücklich, daß»vir sie nicht anders ansehen können, wie jede Organisation der Arbeiter zur Wahrung und Förderung der Partei-Jntcressen, aber für die Befreiung der Arbeiterklasse aus den Fesseln der Lohnsklaverei können wir ihnen keine Bedeutung beimessen. Das ist die denkbar schärfste Gcgenformulierung gegen die Bernsteinsche Auffastung vom uostenschaftSiveseu, und wenn Bernstein auch bei diesem Punkt sagt, den, könne er zustimmen. dai»n tritt bei mir etwas ein, was man sonst in Fällen großer Ueberraschung zu sagen pflegt: Da bleibt einem der Verstand stehen! � Endlich, wenn ich sage, daß wir weder unsere Gnnid auschauungeu, noch unsere Taktik, noch den Namen ändern— spcciell gesagt: wir Iverden das nicht, waS Beriistein will, eine demokratisch-socialjstische Reformpartei(Beifall), also in principicllcn» Gegensatz zu dem bisherigen Wesen unserer Partei, die wir eine revolutionäre Partei sind! Das hat niemand ab- gelehnt— wenn er auch da nachgiebt, auch bei diesen nach meiner Auffastung allerbedenklichsten Vorschlägen, dann ist das auck» das stärkste,»uns man annehmen kann. Und zuiu Ucberfluß»vird auch noch mit Nachdruck gesagt, daß wir jeden Versuch energisch zurückweisen, unsere Stellung gegenüber der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung und den bürgerlichen Parteien zu verschleiern oder zu verrücke»». Paßt den Freunden Bernsteins nicht da» Wort.verschleiern", so werden sie doch zugeben müssen, daß er eS sich große Mühe und ciuen großen Raum in seinem Buche hat kosten lassen, nachzuweisen, daß unsere Stellung zu den bürgerlichen Par- teiei» eine wesentlich andere sein muß. als sie bisher aufgefaßt wurde: und wenn auch das Bernstein acceptiert, gut, dann sagt er: ich gebe alles preis,»vas ich in meiner Broschüre ausgeführt habe (Beifall und Widerspruch), ich kehre zu Euch zurück! Da sage ich: es gilt auch bei uns das Wort: Ueber einen Sünder, der Buße thut, haben wir eme größere Freude, als über ueunundneunzig Gerechte!(Heiterkeit und Beifall.) Aber die Leute aus bürgerlichen Parteien, die Franz Oppeuheimer. die Raphael May. die socialpolitischen Profefioreu, die„Frankfurter Ztg.", die alle daS Auftreten Bcnisteins mit Jubel begrüßte»», die Ivcrdei» jetzt nach der neuesten Erklärung von Bernstein in eine sehr döse Patsche gebracht.(Heiterkeit.) Die wissen ja jetzt nicht mehr ein»och auS. Ich komme nun zu der für' mich nicht gerade freudigen Erörterung der persönlichen Angriffe. Ich glaube doch, daß ich im großen und ganzen in meinem Referate keine Veranlassung dazu gegeben haben.(Sehr wahr!) Aber selbst»venu man geglaubt hat. daß ich mir in der Beurteilui»g Bernsteins Parteilichkeit und und noch schlimmeres habe zu schlilden koinmen lasten, daß ich ihn, wie Auer mich gestern anklagte, sogar als einen vollständigen Ignoranten hingestellt habe, dann wäre«S doch von feiten meiner Angreifer viel richtiger gewesen, mir sachlich das nachzulveisen und mich nicht in dem Ton noch weiter zu übertreffen, den sie mir niit Unrecht zu»» Vorwurf mache» �Lebhafte Zustimmlnig), nicht in Leiden- schaftlichkeit auszubrechen oder in Anklagen, die mit uusern» Gegenstand garnicht im Zusammenhang stehen. Specill A u e r ist so iveit gegangen, Privatgesprache, die zehn Jahre zurückliegen, an die Oeffent'lichkeit zu zerren. Parteigenossen! Selbst zugegeben, das, was mir da als Irrtum passiert ist, sei richtig— und ich bestreite ja gar nicht, daß ich mehrfach, sogar in» Reichstage, von einem Llladderndatsch gc- sprochen habe— ist dem» das, daß der Kladderadatsch bis heute noch nicht eingetroffen ist, wie ich anuahm. ein Verbrechen? Ist das etwas, das geeignet ist, mich in der Achtung meiner Parteigenossen herabzusetzen?(Heine: Das hat keiner behauptet!) Gewiß, der Form nach wenigstens. Das sollten Sie als Jurist doch begriffen haben.(Sehr gut! Leb' hafte Zustiininung). Gesagt ist das nicht, aber die Tendenz steckt darin.(Sehr richtig!> Ich kann mich ja irren, aber ich habe den Eindruck gehabt lZurnf: Wir alle!)— ich bitte Sie dringend, Partei« genossen, seien Sic ruhig!— ich habe den Eindruck gehabt, daß man, weil mau nichts besseres gegen mich vorzubringen wußte, gewissermaßcu um mich zu diskreditieren, diese ollen Kaiuellen hier aufwärmt.(Sehr richtig!) Gewiß, ich habe»»»ich in meinen Prophezeiungen geirrt. Ein altes Sprichwort sagt: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Nlii», dafür habe ich gerade genug gebüßt. Nicht nur. daß ich von Parteigenossen hier und da spöttische Be' incrknngen zu hören bekommen habe,, auch in der gegiierischen Presse hat man mich verspottet, und spcciell Auer, dcsscii Naturell ja überhaupt dazu neigt, wenn er einen geeigneten Gegenstand hat. seinen SarkaSmus und Witz an ihm auszulassen, hat sich in ausgiebigster Weise an»uir gerieben. Vor etwa einem Jahre hat er in einer Vor- san, mlung i» Berlin nachzulveisen gesucht, was Liebknecht und ich uns für Widersprüche hätten zu schlilden kommen lassen, er hat da über den „Kladderadatsch" zmn großen Gaudium der Gegner gehöhnt. Wie jubelte da die„Krcnz-Zeituug" über„den großen Staatsmann Äncr, der gegen die Idioten und Halbidioten in der Partei losgezogen war I Ich meine. Auer hätte sich an dieser Bethätignng deS Spottes über»»eine Person genug sein lassen sollen. Hier war die Sache nicht am Platze. Und wenn er nun gar in der Hitze des Ge fechts mich grimmig anblickt und mir'zuruft: Falls Du da? leugnest, so mache ich Dich darauf aufmerksam, daß Du vor zehn Jahren in Privatgcsprächen mit mir Dich dahin geäußert hast? — wenn er solche Privatgcspräche hier heranzieht, so antworte ich, daß das bisher unter anständigen Leuten nicht gerade für fair gc- gölten hat.(Sehr wahr!) Nachdem ich aber gesehen habe, baß Auer, der nicht nur mein Kollege im Vorstand und in der Fraktion sondern auch»»ein Freund ist, Privatunterhaltungen so aus- nutzt, werde ich in Zukunft mit privaten Aeußerungen ihin gegenüber sehr vorsichtig sein. Das ist die Lehre, die ich aus diesem Vorgang ziehe. Auer hat mir und Frau Zetkin-gestc.»! ge hörig den Text gelesen und dabei— das ist ja auch eine seiner lieben Geivohnheitcn, die»vir auf einer ganzen Reihe von Partei tagen schon zu kosten bekommen haben— versucht, die Dinge recht drastisch und sarkastisch beleuchtet. Er spekuliert förnilich auf die LachmuSkeln gewisser Kreise, selbst auf die Gefahr hin. den Eindruck zu erwecken, daß es ihm nicht ernst um die Sache ist.(Sehr richtig!) So hat er z. B. gestcn» den sehr geschmacklose» Ausdruck von dem Endziel gebraucht, das an der Fahne bammelt, und eine ganze Reihe anderer Ausdrücke, von denen ich glaube, sie würden im Interesse der Partei besser unterblieben sein. (Zustimmung.) Ich werde mm im weiteren nachweisen, wie weit die Beschuldigung berechtigt ist, daß ich Bernstein unrecht gethan habe. Zunächst eine allgenleine Bemerkung. Ich habe in der Einleitung»neiuer Rede die- Karlsniher Genossen angegriffen, weil sie eS für nötig hielten, in einer Resolution den Parteitag zu er- suchen, er möge seine Würde wahren. Ich bin in der fatalen Lage, den Karlsniher Genosien Abbitte leisten zu Müssen.(Heiterkeit und Beifall.) Die Debatte stand, soweit sie sachlich war, auf der Höhe. Ich kann ruhig sagen: Es giebt keine Partei in der Welt, auch unsere Bruderparteie» eingeschlossen, die eine solche Debatte zu machen im stände»väre. Das änderte sich aber, als Auer in die Debatte eingriff(Sehr gut l) und Kollmar ihm folgte. (Sehr richtig!) Da begannen die persönlichen Angriffe, die fast den Charakter der Gehässigkeit annahmen.,(Leb- hafte Zustimmung.) Psychologisch bann ich mir die Sache erklären. Es wäre zwar ein Gebot der Klugheit gewesen, und Auer ist ein sehr kluger Mann, nicht selbst in den Fehler zu verfallen, der anderen zuin Vorwurf gemacht wird.(Sehr richtig!> Parteigenossen I Manche von»ms hatten die Befürchtung, es»verde auf diesem Parteitag zu sehr heftigen Angriffen kommen, nach den scharfen und schroffen Aeußerungen, die dem Parteitag vorangingen und mit Recht die Entrüstung der Partei erregt haben.(Sehr richtig.) Ich denke dabei an die Genossin Luxemburg, die übrigens so viel Selbstüberwindung besessen hat— und das gereicht ihr zur Ehre— der Redaktion des'„Bottvärts" öffentlich Abbitte zu leisten. Aber diese Geuossen, und ich rechne dazu auch Liebknecht. von denen man glaubte, sie würden die Diskussion auf persönliches Gebiet führen, haben in höchst sachlicher und rribiger Weise hier gesprochen(Sehr richtig I), daß wir uns darüber frelien konnten. Aber die Art, wie Auer und Vollmar polemisierten, machten ganz den Eindruck, als hätten sie sich geärgert. d diese Personen so sachlich gesprochen hatten.(Bravo!) Diese Art macht allerdings einen peinlichen Eindruck(Sehr richtig!), nicht so sehr bei»mS, denn mich geniert das nicht, als namentlich nach außen I(Sehr wahr!) Vollmar begann seine Rede damit, daß er sagte, man sei Bernstein Dank schuldig, daß er eine so schöne Debatte angeregt habe. Kaum aber hatte er das gesprochen, da er- eiferte er sich darüber, daß die Debatte einen solchen Umfang an- genommen hätte und verstieg sich schließlich zu der förmlichen Darlegung:„Hört! Wenn das so weiter geht, dann sollt Ihr mal sehen,»vas da wird". Es ist doch ein Widerspruch, ivenn jemand, der immer von oben herunter in vornehmer und sachlicher Weise urteilen will und das von anderen so nachdrücklich zu ver- langen weiß, nun den Schein erlveckt, als sei man geärgert, daß andere sich die Freiheit der Meinung nehmen, die nian selbst beausprucht.(Sehr gut!) Es mag ja geiviß unangenchn» sein für Leute, die ihre Ruhe haben»vollen(Sehr gut!), daß einzelne da find, die nörgeln und störgcln,»vie man so sagt. Ich will die Form durchaus nicht gutheißen, in der diese Kritik sich zuweilen be- ivcgt, aber es ist ganz gut. daß es auch in unseren» Karpfenteiche Hechte giebt.(Große Heiterkeit.) Wir sind der bürgerlichen Gesell- 'chast gegenüber die Hechte, aber doch macht sich unter unS häufig etwas Karpfenuatur bemerkbar(Heiterkeit) und da bin ich ganz ftoh, daß eö Hechtnatnren giebt, allerdings nicht immer sroh. Heiterkeit.) Was mich an Auer gefreut hat. war, daß er Gelegenheit ge- nommen hat, klipp und klar seiner Verehrung für Marx und Engels, 'ür die„Alten" zum Ausdruck zu bringen,„von denen»vir alle noch viel zu lernen hätten". Ich freue mich um so mehr darüber, als ich selber über diese Stellung im Unklaren war. Hat Auer, der gestern von den„Kirchenvätern" und Dogmen sprach, friiher doch auch von den„Päpsten" gesprochen. Ich erinnere daran, daß uns die„Franks. Zeitung" ben Genossen Auer gelegentlich der Benistein-Frage als ein über den Wassern schwebendes Wesen voll olympischer Ruhe ge- childert hat. der da erklärt habe, er habe in seinem Leben noch keinen Satz aus Marx'„Kapital" gelesen._ Nun»vußte ich ja, daß das direkt unwahr ist, aber vielleicht stützte sich die„Frankfurter Zeittmg" doch auf irgend eine Aeußerung Auers. Ich freue mich deshalb doppelt, oaß Auer in dieser Beziehung klaren Tisch für seine Person gemacht hat. Ich bitte»hn nur, noch einen Schritt»veiter zu gehen und zu erklären,> daß nun, nachdem eS keine Päpste mehr giebt. auch keine Kirchenväter mehr vorhmiden find.(Heiterleit.) Mein Freund Kautsky gilt als so ein Kirchenvater xar exoeUence. Diejenigen, die sein letztes Buch _ elesen haben, seit Jahren die beste wissenschaftliche Leistung in der Partei, können nunmehr unniöglich be- haupten. daß KautSky ein Kirchenvater fei. ES wäre über- Haupt sehr angebracht und ich habe die dringende Litte an die Partei« j genossen, nicht durch derartige Scherzworte den Gegnern ein Gaudium zu bereiten.(Sehr gut!) Auer hat dann weiter noch einen Satz zum besten gegeben, den er an Bernstein geschrieben hat. Ich vernrute, er hat den Satz hier mehr des Effektes wegen geäußert, als daß er selbst daran glaubt. I Er will nämlich au Bernstein geschrieben haben:„Du bist ein Esel. So was sagt man nicht, so ivas thnt niaii!" So wie er sich hier über die Beriisteinschen Vorschläge geäußert hat, kann er das gar nicht geschrieben haben.(Sehr richtig.) Er ist ein viel zu guter Parteigenosse, viel zu viel von Klassenkampf-Beivußtsein erfüllt, als daß er das thnt, was Bernstein befürwortet.(Sehr richtig.) Nu» noch ein Wort über den„Kladderadatsch". Auer sagt, er ist tot: ich will ihn doch aufleben lassen. Es ist nur ein ehrliches Bedürfnis, mich darüber auszusprechen. Ich bin von der Ansicht ausgegaiigei», und habe sie auch heute noch, daß»vir einmal iir eine Periode unserer Entwicklung gelangen werden, eine Periode, die ich irrtümlicherweise bereits als an- gefangen ansah, ivenn die Produktionsmittel der Gesellschaft einen solchen Grad von Vollkommenheit erreicht haben, daß für die ungeheure Ausdehnung der Produktion kein Absatzgebiet mehr vorhanden ist, so daß eine Periode chronischer Krisen eintritt, wo die kleineren und mittleren Betriebe schließlich zusainmen- brechen und aus dieser Situation, in der sich nicht nur die Arbeiter- kreise, sondern auch ein großer Teil der Unternehmer befinden, die allgemeiiie Ueberzeugung entsteht, so kann eS nicht mehr weiter gehen, die Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft ist absolut unhaltbar,»vir»nüssen zur Schaffung einer neuen Grund- läge uns entschließen. Das habe' ich unter dem Wort „Kladderadatsch"—„Znsamnlcnbrüche", wenn Sie wollen— verstanden und verstehe es auch heute noch. Nur daß auf eine Periode der Krise, die 1890 eintrat und 18S5 ihren Höhepunkt erreichte, eine Prosperitätsepoche von einer Dauer und Höhe eingetreten ist, die niemand voraussah. Aber kommen wird jene Periode und wird dam» in um so höherem Grade daS bestätigen, was ich unter.Kladderadatsch verstehe. Ich habe das Wort Kladderadatsch nicht mehr gebraucht von dem Augcublick an— das Kompliment will ich Herrn v. Stunun machen — als Stumm bei einer Gelegenheit im Reichstage, wo ich nicht mehr zu antworten in der Lage war, den Ausdruck so aus- faßte, als hätte ich ihn in dein Sinne gebraucht, es kommt eine große Revolution, wo die Partei auf die Barrikaden steigt und-die gesamte Gesellschäft in gewaltsamer Weise zertrümmert, Bei dem Einflüsse des Herrn v. Stumm in geivisscu Kreisen und der Gefährlichkeit seiner Eiiiflüfteruugen dort sagte ich niir: d» übernimmst damit eine Verantwortung der Partei gegenüber, die du nicht im staube bist zu tragen. So ist, wie gesagt, ohne daß ich meine Ueberzeugung irgendwie geändert hätte, der Ausdruck meiner- scits verschwunden. Nun ist mir vorgeworfen worden, nicht nur von Auer, sondern auch von Woltmann und in gewissen, Sinne von David, ich hätte mich in meiner Rede zu weit hinreißen lassen, zu Schärfen Bernstein gegenüber und hätte ihm geradezu die Denkfähigkeit abgesprochen'. Auer sagte, ich hätte ihn als Ignoranten hingestellt, dein das geringste historische Wissen abginge: und als weiteren Beleg für die Falschheit meiner Auffaffling äußerte er: Engels hätte ihii sonst nicht zu seinen» Testaments- Vollstrecker erwählt. Da derselbe Satz auch von Fischer öffentlich zur Verteidigung Bernsteins aufgestellt ivorden ist, bin ich ge- nötigt, hier eine kleine Auseinäudersetzung zu machen, die zwischen mir und Bernstein in den letzten vierzehn Tagen erst gespielt hat. Ich bin neben Bernstein von Engels mit der Testamentsvoll- strecknng betraut worden, und als ich der Bernsteinschen Wandlung gewiß zu sein glaubte, habe ich ihm geschrieben:„Höre, lieber Ede — wir reden uns nach ivie vor mit den» Frenndesdu an—, Du hast eine Wandlung gemacht, die in vollkommenem Gegensatz zu dem steht, was mau Marxisnuis iieiiiit, und da Marx und Engels gar iiicht zu trennen sind, also auch zu Engels. Tu bist nun Testmuentsvollstrccker. Ich habe mich im vorigen Jahre damit einverstanden erklärt, daß Du die Bearbeitting des Kapitals und damit auch eine Marx-Biographie übernimmst. Erlaube mir:— nach der Stellung, die Du einnimmst, halte ick Dich dazu für vollkommen unqualifiziert. Dem» die Voraussetzung ist, daß derjenige, der den litterarischen Nachlaß eines andern bearbeiten soll, doch selbstverständlich mit dem Grundgedanken und der geistigen Entivicklung desselben übereinstimmen muß: sonst ivird er dorff ein Kritiker, der, statt ihn gebührend zu beurteilen, ihn verurteilt." Ich erinnere an gewisse Dinge»n der Lassallc- Ausgabe von Bernstein.(Sehr richtig I) Ich sagte weiter: „Du hast z»var in Deiner Schrift gesagt. Engels habe von deiner Waudlnng gewußt. Erlaube, Du irrst Dich. Wäre das wahr, dann hätte bei dem intimen Briefverkehr, in dem nicht»»ur ich, sondern auch Kautsky mit Engels stand, wo es gar keine Geheimnisse gab, eine so auffällige Thatsache, wie eine so vollständige Wandlung, unS nicht verschwiegen bleiben können: das wäre undeuk- bar. Und ganz»»denkbar ist eS, daß Engels dich in dem Beivnßtseiii, daß Du ganz andere Grundanschauungen hast, zun» Testamentsvollstrecker gemacht hätte. Denn heute, lieber Ede, das mnßt Du zugeben, bist Du ein Gegner von Engels, und wenn er noch lebte, würde seine Schrift gegen Dich ganz anders ausgefallen sein, als die Kantskys." ES kommt hinzu, Kautsky hat»vicderholt Bernstein ersucht, ihn» die Stelle mitzuteilen, die augeblich beiveise, daß Engels um seine Wandlung wisse: auch ich habe das Ersuchen an ihn gerichtet, aber Bernstein hat nicht den getingstei» Beweis zu führen versucht. Ich habe noch hinzugefügt: „Est ist ja auch um deswegen unmöglich, weil Du bis zu Ende des Jahres 1896. also bis ivs Jahre nach dem Tode Engels, voll- kommen im Marxistischen Sinne in der„Neuen Zeit" geschrieben hast. Dann hättest Du dock» geheuchelt, ganz andere Anschanuiigen vertreten, als Du hast, und das nehme ich bei Dir nicht an. Soivett das. Allein wie sieht es aus mit dem Vorivurf der Ignoranz, des Mangels an historischen Kenntnissen? Ich habe, als ich auf die Verelendungstheorie zn sprechen kam, gesagt: es sei doch im höchsten Grade merkwürdig, daß nachdem Kautsky nachgetviesen, daß Marx und Engels etwas ganz anderes über die Verelendung behauptet habeuals Bernstein ihnen unterschiebt, und Bern- stein sagt: nein,' Du irrst Dich, Kautsky»un zum Beweis die Worte von Engels über die Verelendungstheorie abdrucken nuißte, die den Nachweis in der klarsten Weise erbrachten— da citterte ich das drastische Wort des alten Ziegler: ihr habt da? Deuten verloren! Ich habe im Eingang»nemer Rede in vollkommener Anerkennung der Thätigkeit Bernsteins als Redakteur deS„Socialdemoftat" ge- dacht und der großartigen Leistungen für die Partei, ich habe ihn als den Theoretiker des Marxismus bezeichnet. Ich habe gesagt: in der Abweisung der Freßlegeude ist Bernstein dahin gekommen, daß er das Denken verlernt hat. Denn wie kann er behaupten, daß es in der ganzen geschichtlichen Entwickelung kein Beispiel einer socialen Expropriation gebe, und nun habe ich die Ereignisse der letzten Jahrhunderte von der Reformation bis zur großen Sklavenbefreiung dargestellt. Da habe ich ihm nicht Unwissenheit vorgeworfen, sondern Vergeßlichkeit: ich habe darauf hingewiesen, wie ihm die Idee von der„Freßlegeude"— übrigens auch ein geschmackvoller Ausdruck— geradezu Sckeu- klappe» vorlegt, ihn nicht mehr befähigt, die historischen That- fachen in Vergleich zu stellen mit dem, ivas er behauptet. Das war der Gedankengang meiner Rede, konnte kein anderer sein. Ebensowenig habe ich Bernstein die Behauptung untergelegt, der große Besreinngskampf fiir die Abschaffimg der Sklaverei in den Vereinigten Staaten sei durch daS gute Herz der Bourgeoisie vor- geschrieben. Ich habe gesagt,'Bernstein redet heute so viel von dem guten Herzen, von dem Gerechtigkeitsgefühl der Bourgeoisie, und ivie»venig davon, daß alle diese ideologischen Behauptungen von Religion, Vaterlandsliebe usw. nur dazu dienen, un» die wahre Natur der Bourgeoisie in ihrem Klassenkampfe zu verschleiern und vor der großen Masse zu verdecken (Sehr richttg!) Da kann doch kein Zweifel sein; ein solcher Gedankengang, vor zehn Jahren ausgesprochen, würde gerade von Bernstein die aNerschärsfte Zurückweisung erfahren haben. Also auch in dieser Beziehung ist meine Aeußerung durchaus korrekt gewesen. Und wenn ich weiter erklärt habe, daß es ein ganz unerhörter Angriff sei, wenn Bernstein erklärt, daß heute die Sache sa flehe, daß man au-Z Marx und Engels alles beweisen könne, zumal er ein Mann, der früher gleich mir nicht nur ein Freund der beiden großen Toten, sondern auch ihr Schüler geivesen, so halte ich das voll- kommen aufrecht. Auer hat gestern durch ein längeres Citat aus Bernstein zu beweisen versucht, daß der Sinn der Worte ein anderer sei. Daß meine Auffassung richtig ist, beweist aber Bernstein auf Seite 30 und 31 seines Buches, wo die Rede ist von dem„schreienden Wider- spruch zwischen Wissenschaft und Programm", von„intellek- tuellen Fehlern". Er fordert nun eine Auflösung der inneren Widersprüche in der Theorie. Nun, ich bin hierhergekommen in dem ehrlichen Bestreben, zu untersuchen, ob nicht doch etwas in den Gruiidanschauunge» vorhanden ist, was zu modifizieren ist. Wir haben es ja oft gcthan, ivarum nicht auch wieder? Und wenn Woltniann sagt, wenn man das nicht einsehen wolle, dann liege das an unserer Art zu denken— um das beliebte Wort zu gebrauchen,„dialektisch" zu denken—: nun, ich bin gar nicht dieser orthodoxe Mann, für den mich Woltmann und andere halten. Wenn es einen Menschen in dieser Versammlung giebt, der in seinem doch recht leidlich langen Leben eine ganze Reihe von Wandlungen durchgemacht hat, dann bin ich es; ich erinnere an meine Haltung in der Frage der Wahlbeteiligung. Ich habe meine Bemerkungen über Bernstein in dem bedingten Sinne gemacht, daß er gewissermaßen einen Schnitt in sein Leben gemacht' hat, daß er gar nicht an das erinnert sein wollte, was hinter ihin lag— das Denken verlernt hat. Es ist mir dann von Pens, auf dessen Einwürfe ich sonst nicht weiter einzugehen der Mühe lvcrt halte, als ein Beweis meiner ganz nierkwürdigen Verfassung angeführt worden, ich hätte in Berlin gesagt: wir känien eher zum Socialismus, ehe eine wesent liche Forderung unseres Programms verwirklicht wäre. Nun hat ober gerade Pens gestern die Nichtigkeit meiner Auffassung bestätigt. Im ersten Punkte unseres Programnis fordern wir dos allgemeine gleiche direkte Wahlrecht für alle gesetzgebende» Körperschaften und Kommunen Wenn das eingeführt wird, so ist das geradezu eine Nevohition in unserem politischen Leben. Wir haben' jetzt 20, 30 Jahre für die Erweiterung des Wahlrechts gekämpft; und mit äußerst geringem Erfolge. Ich sage mir ganz offen: wenn der Widerstand so weitergeht, so weiß ich nicht, wie man ihn einmal wird brechen können Was ich darüber denke, wie er mal gebrochen werden könnte, das will ich hier ans guten Gründen nicht aussprechen. Aber, wenn so der Widerstand fortgesetzt wird, wenn gedroht wird, lieber den Staatsstreich zu niachen und die jetzigen Rechte anfi zuHeben, statt sie zu erweitern, so muß ich doch als denkfähigcr Mensch sagen: wenn es so weiter geht, so kann sehr woh� eine Katastrophe eintreten.(Sehr richtig!) Die ge schäftliche Entwickelung spricht für und nicht gegen die Katastrophe. die wir gar nicht wollen, die manche fürchten, für die andere aber ihr Leben einsetzen, weil sie sich sagen: Hol' der Teufel das bißchen Leben, ehe es so weiter geht! Den Gedanken kann ich haben, und dieser Dedanke lag mir zu Grunde. Und was sagt nun Peus gestern? Er stimmt ganz und gar der Davidschen Aushöhluugs-Theorie zu, daß jede staatliche und polizeiliche Maßregel zu Gunsten der Arbeiterklasse oder einzelncr Schichten derselben bereits ein Schritt zur Socialisierung dcr Gescllschaft sei. Nun, wenn das richtig ist, so sind wir ja schon mitten in der Socialisierung begriffen. Es ist doch überhaupt lächerlich, aus dem Zusammenhang gerissene Aenßerungen ans einer langen Rede hier zum Beweis von, ich weiß nicht, was anzuführen. Woltmann hat mir dann noch speciell vorgeworfen, meine Rede sei mehr an das Gefühl als an de» Verstand der Parteigenossen gerichtet geivesen. Ich halte inich selbst nicht für einen Gefühls- menschen, und � ich habe den Eindruck, als ob mir meine nächsten Freunde dies oft mit großem Recht zum Vorwurf machen, aber daß ich in meinen Reden an das Gefühl appelliere, hat mir bisher von meinen Gegnern noch nienrand gesagt, und wer den Aufbau meiner Reden kennt, wer da weijz, wie ich namentlich auch bei meiner letzten Rede vorgegangen bin, der kann das gar nicht sagen. Wenn ich mit einem Gegner polemisiere, so suche ich mir möglichst viel Thatsachenmaterial herbeizuschaffen, daö dessen Argumente fast erdrückt, und wenn es mir weiter möglich ist. das Thatsachenniaterial noch durch Zahlen zu verstärke», so rücke ich mit ganzen Batterien Zahlen an, denn ein Quentchen Thatsache ist besscr als ein ganzes Pfund Theorie. Das Dritte ist, daß ich für meine Anschauungen Leute sprechen lasse, die sonst nicht auf meinem Stand Punkt stehen, aber in dem speciellen Punkte mir zustimmen. So habe ich auch diesmal eine ganze Anzahl bürgerlicher Oekonomen gegen Bernstein angeführt. Viertens endlich war ich in der Lage, eine Reihe Bernsteinscher Ausführungen über Marx und den Marxisnius zu widerlegen durch Anführung von Belegstellen aus ihren Schriften. Diese vier Dinge tvarcn nicht nur das Gerippe, sondern auch das Gefüllscl meiner Rede. Sie werden mir also zugeben, daß ich an den Verstand und nicht an das Gefühl appelliert habe. Meine Ausführungen über die Vereleudungstheorie hat David als„geradezu groben Unfug" bezeichnet. Es scheint, daß Genosse David in dem Begriff des groben Unfugs selbst unsere kühnsten Staatsanwälte noch überbietet.(Sehr gut!) Genosse David, ich appelliere an Ihre Objektivität, auf die ich tvirllich fest baue; ich habe den Beweis in folgender Weise geführt: Einmal habe ich aus de» Schriften von Marx und Engels vom Kommunistischen Manifest au bis in die letzten Jahre ihres Lebens nachgewiesen, daß sie eine total andere Auffassung der Verelendungs theorie hatten, daß also die von Ihnen und anderen vertretene An schanung grundfalsch ist. Aber abgesehen davon, habe ich Ihnen b* wiesen, daß auch heute noch weite Schichten social elend sind. Ich habe ja Citate bürgerlicher Schriftsteller dafür beigebracht, daß heute in der Thnt in zunehmendem Maße physisches und sociales Elend existiert. Ich brauche Sic bloß an die große Zahl der kleinen Gewerbetreibenden zu erinnern, die in einen» Zeit- räum von vierzig Jahren verschwunden sind. Ja, bis so ein Mann seine Existenz verliert und endlich ins Pro lctariat versinkt, was für Seelenkämpse, ivas für Schmerz, was für Verzweiflung muß er bis dahin erleiden?(Sehr richtig!) Ich habe weiter ausgeführt, wie ein großer Teil unseres kleine» Banernstandes nur durch große Entbehrungen noch seine Existenz aufrecht erhält. Was für ein Maß von Sorge und Kummer auch hier!(Sehr wahr!) In Schlveinfurth in' Bayern z. B. ist in 1�/» Jahren eine blühende Industrie, die Gußstahlindustrie, vollständig zu Grunde gegangen, in der 1600 Arbeiter für sich»md ihre Familien Brot fanden. In der Textilindustrie herrscht heut» bereits eine permanente Ueberproduktion. Was für eine Fülle von Elend verbirgt sich dahinter! Unsere Schuhmacher können lchon seit Jahren höchstens noch Abivehrstreiks führen, um ihr kümmerliches Leben zu erhalten. Die ganze Tabakindustrie mit ihren Hunderttausenden von Arbeitern ist in' einem Stadium, Ivo von einer Erhebung keine Rede mehr sein kann, sie versinken in sociales Elend. Und dann das sehr wichtige Gebiet der Ueberproduktion an Intelligenzen! Die Thatsache. daß die heutige bürgerliche Gesellschaft auf dem Gebiet der geistigen Thätig- keit eine Unsumme von Leute produziert, die nachher keine feste Stellung finden können, läßt sich doch nicht bestreiten. Denken Sie ferner an die elende Bezahlung unserer Techniker, unserer Philologen usw.. an das Elend in unseren Künstlerlreisen I Es ist ja geradezu schauder- Haft. Das, was ich ausgeführt habe, war nicht grober Unftig, es war eins der besten Argumente in meiner Rede. Weiter hat Genosse Woltmann Bernstein darin recht gegeben, daß Marx an die Ausarbeitung des„Kapital" mit einer zuvor voll- ständig fertigen These herangegangen sei. Ich kann, offen gestanden, nicht meine Verwunderung darüber unterdrücken, daß Woltniann diese kühne Behauptung noch jetzt aufstellt, nachdem die Kautskysche Schrift er- schiene» ist. Kautsky hat das, was Marx selbst über seinen Studien- gang mitgeteilt hat, im Auszüge wiedergegeben. Will man nicht annehmen, daß Marx sich über seinen eigenen Entwicklungsgang »n großer Täuschung befand oder daß er gar wider besseres Wissen seine Behauptungen aufgestellt hat, so muß man loyaler- weise annehmen, daß er recht hat, und darf ihn nicht etwas unterstellen. Auf die Angaben Kautskhs war Bemstem mit der Antwort bereit, auch darin täusche sich Marx. Marx sei ini Irrtum wenn er glaube, sein Entwicklungsgang sei so gewesen: nein, er sei so, wie es Bernstein annehme. Ja, da hört doch wirklich jede Dis kussion auf. Wie war denn die Sache? Marx kam 1842—43 als Redacteur der„Rheinischen Zeitung" in die Verlegenheit, über so genannte niaterielle Interessen mitsprechen zu müssen. Er hatte bereits mit Glanz sein Examen bestanden, setzte sich aber gleichwohl aufs neue auf die Hosen und studierte. So kam cr zu den Anschauungen, wie er sie in den„Deutsch-französischen Jahrbüchern" dargelegt hat. Er sagt dann selbst wörtlich:„Die Herausgabe der„Neuen Rheinischen Zeitung" 1843 und 1849 und die spater erfolgten Ereignisse unterbrachen meine ökonomischen Studien, die erst 1850 in London wieder aufgenommen werden konnten. Das ungeheure Material für Geschichte der politischen Ökonomie, das im Britischen Museum anfgchänft ist, der günstige Standpunkt, den London für die Beobachtung der bürgen lichen Gesellschaft gewährt, endlich das neue Entwicklnngs- stadinm, worin letztere mit der Entdeckung des kalifornischen und australischen Goldes einzutreten schien, bestimmten mich, ganz von vorne wieder anzufangen und mich durch das neue Material kritisch durchzuarbeiten." Ja, wenn Woltmann nach dieser Dar stellung von Marx noch seine Behauptung aufrecht erhalten kann so behaupte ich, daß auch Woltmann alles, das er veröffentlicht hat, nur unter einer im voraus feststehenden These fabriziert. Gewiß, jeder, der schriftstellerisch etwas leistet, hat bereits ein Ziel im Auge. Glauben Sie denn, daß ich. als ich an die Ausarbeitung nieines Buches ging, mir nicht klar darüber war, was ich schreiben wollte? Gewiß wußte ich, was das Endziel sein solle, aber ich sagte nur: Jetzt gilt es, das zu beweisen. Damit ist natürlich nicht ausgesprochen, daß Marx und Engels unfehlbar gewesen sind und keine Widersprüche begangen haben. Ich erinnere nur, wie falsch Engels das Ende des Jahr- Hunderts beurteilt hat. wie falsch er über die Entwicklung Ruß- lands, über die orientalische Frage genrteilt hat. Und ebenso Marx. Das ist doch etwas ganz Gewöhnliches, das passiert alle Tage. Ich habe dies einmal beständige geistige Mauserung genannt. Aber in dem Punkte, um den es sich hier handelt, haben Marx und Engels ihre Ansichten nicht geändert. Die Loyalität einem Toten gegenüber erfordert es doch, daß nian das, was er zuletzt aus- gesprochen hat, als seine Ansicht betrachtet.(Beifall.) Nun noch etwas über die Agrarfrage. David hat es als un- richtig bezeichnet, daß die kleinen' Fetzchcn Land, die vor den Thoren unserer Großstadt liegen, in der Statistik als landwirffchaft liche Betriebe aufgeführt sind. Er sagt, das sei Bauland. Die Gemeinde mag ja für ihre Sten'erzwecke das als Van land betrachten, aber in der Rcichsstatistik sind es landwirtschaftliche Betriebe. Schoenlank, der amtlich an der Statistik mitgewirkt hat, hat mir das selbst niitgetcilt. Ganz besonders hat es mich gefreut, daß Hofer in Ucbereinstinimung mit mir die optimistischen Anschauungen Davids über den kleinen und mitteb bäuerlichen Betrieb nicht teilt. Interessant war mir auch sein Nach- weis, wie irrationell der Kleinbetrieb ist, wie die scheinbar höheren Erträge täuschen, da sie nur auf einer Verschwendung von Arbeits- kraft benihen. Das schließt natürlich nicht ans, daß in manchen Gegenden mit ausnahmsweise gutem Boden auch mal ein Teil dieser kleinbäuerlichen Betriebe sich in social- vorzüglicher Lage bc findet. Aber das ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme, und die Ausnahme bestätigt bekanntlich die Regel. Wir sehen ja überall das Bestreben, den Großbetrieb möglichst zu erweitern, wir sehen, wie unsere reiche Bourgeoisie Gut für Gut ankauft, um die Ertragsfähigkeit zu steigern. Natürlich darf man dann nicht in der Weise wirtschaften wie unsere Junker. Ganz besonders gefreut hat es mich, daß der Großgrundbesitzer Hofcr ganz ruhig sagt: wenn wir expropriieren, so fchueiden wir nicht dem Hunde den Schwanz stückweise ab, sondern auf einmal. Und er gab zu, daß er das lediglich aus der Erkenntnis der natürlichen Notwendigkeit heraus gesagt hat. Ich komme nun zu den Gewerkschaften. David sagt, ich hätte ihre Schwäche behauptet. Woltmann erklärt, ich hätte gesagt, sie gelangten auf einen toten Punkt, Elm meint, ich sei überhaupt ein zweifelhafter Bruder in Bezug ans die Gewerkschaften. Auer und ich stehen bei ihm in demselben Geruch, beide zu Unrecht. Als 1863 Schweitzer zum erstenmale eine Gewerkschafts- bewegung großen Stils ins Leben rief, da kam ich an die Spitze eines Arbeiter-Verbandes, der bald 15 000 Mitglieder umfaßte und agitierte mit äußerster Krafür dafür. Wir begingen mir damals den Fehler, das Hans voni Dache ans an- i ufangen und mit internationalen Gewerkschaften zu beginnen. Wenige Jahre später wurde unser Verband von der sächsischen Regierung totgeschlagen. So waren meine Anschauungen über die Gewerk- schaften und so sind sie geblieben. Jedes Jahr habe ich, vom letzten abgesehen, in großen Gewerkschaftsvcrsauim- lungen am 1. Mai gesprochen. Häufig wurde ich darum angegangen, in Gewerkschaften zu sprechen. Ich darf es als persönliches Verdienst in Anspruch nehmen, daß eine Arbeiterschaft, die sich in traurigster Lage befindet, die Bäckerei- arbciter, endlich erwacht ist(Bravo!) und jetzt eine ansehnliche Ge- werkschaft bildet. Es ist nicht hübsch, noch weiter mit der Verdächtigung vorzutreten, Auer und Bebel seien den Gewerkschaften gegenüber Zweifel- hafte Leute. Aber ich bin nicht in dem Sinne ein begeisterter Verehrer der Gewerkschaften, daß ich die Augen schließe.(Sehr richtig!) Ich habe in Köln nur allerlei Bedenken dazu geäußert, daß die GeWerk- 'chaftsbewcgung den Umfang in Deutschland erhalten wird, den sie haben sollte, weil den deutschen Gewerkschaften der Anreiz fehlt, den die englischen Gewerkschaften haben, die Krankenversicherung usw. lSehr richtig!) Und weiter habe ich gesagt: Täuschen wir uns nicht, die Macht der großen Untcriiehuierkoalitionen, diese Konzentration von 100 Großbetrieben in einen gemeinsamen Riesen- betrieb, in einen Leviathan, wie die Wcbbs lagen, wird es den Gewerkschaften sehr schwer machen, dagegen anzukämpfen. Und darum age ich, ist der politiiche Kampf nötig, und die Expropriation der Expropriateure das entscheidende Mittel, um mit dieser Macht auf- zuräumen.(Sehr richtig!) Nun zu den G e n o s s c n s ch a f t e n. Da stehen sich entgegen- gesetzte Anschauungen gegenüber, Molkcnbnhr auf der einen,' Elm »nd Katzenstein auf der andern Seite. Wenn jkatzenstein die Ausnutzung der Genossenschaften im Partciinteresse gefordert hat, so erwidere ich ihn»: wir können das nicht, weil wir es nicht dürfen, weil uns die Gesetzgebung daran hindert. Wir können nur sagen, daß die Partei ihnen neutral gegenüber teht. Selbst wenn wir anders wollten, könnten wir nicht. Wir haben ja Handelsgesellschaften: Buchhandlungen, Di-uckereien. Aber sie gehören Privatpersonen, die nicniand hindern kann zu sagen: Wir geben die Ueberschüsse der Partei. Anders liegt eS bei den Genossenschaften. Da hat die Gesetzgebung direkt einen Riegel vorgeschoben, den wir in keiner Weise beseitigen können. WaS die Bedeutung der Genossenschaften für die künftigen Kämpfe anlangt, so habe ich dem, was Auer darüber gesagt hat, kein Wort hinzuzufügen. Katzcnstein hat gesagt, ich hätte mich im Reichstage wegwerfend über die Konsum- vereine geäußert. Ist»nir nicht eingefallen. Ich habe mich nur gegen die Antisemiten gewehrt, die die Partei für manche Er- 'cheinungen in den Konsumvereinen verantwortlich zu machen trachteten. Ich habe erklärt, daß uns als Partei die Konsum- vereine gar nichts weiter angingen. Müßten wir doch sonst ür alle Fehler, die vorkommen, die Berantwortuiiß übernehmen, ür die Dividendenjägerei, die schlechten ArbeltSbedingungen. Das lehnen wir ab. Als Partei dürfe» wir eine andere Stellung nicht einnehmen. Da suchen wir den Konsumvereinen nnr den gesetz- lichen Schutz zu verschaffen, den sie brauchen. Wir er- klären, daß die kleinen Geschäftsleute keinen Anspruch darauf haben, daß der Staat ihnen ihr Einkommen garantirt.(Sehr richtig!) Nun noch einige Worte zu meiner Resolution und den dazu gestellten Amendements. ES ist beantragt, im vierten Absatz die Worte: ie erachtet" bis„Angelegenheiten" zu streichen; es wird darin eine Art Sympathieerklärung siir die Genossenschaften erblickt, die aus- gemerzt werden soll. Wenn Molkenbuhr in berechtigte Gereiztheit über die Art geraten ist, wie von Elm mit eine»» Feuereifer, einer Begeisterung, einem Idealismus, den ich kaum verstehe, für seine „Produktion" eintritt, in der er den archimedischen� Punkt entdeckt zu haben glaubt, von dem au? die bürgerliche Gesellschaft aus den Angeln zu heben ist. so begreife ich das. Wenn Elm so weit gegangen ist, wie Molkcnbnhr behauptet, daß er in Hamburg behauptet hat, jeder Socialdcmokrat sei verpflichtet, die Genossenschaft zu unterstützen, so wird dem durch deii Satz meiner Resolution ein Ende gemacht. Es wird darin ausgedrückt, daß die Partei den Genossenschaften neutral gegenübersteht und daß es die freie lleberzeugnngssache jedes einzelnen ist. ob er sich den Genossen- schaften anschließen will oder nicht, genau so gut, wie jeder, der es will, auch Jmpfgegner sein darf oder Anhänger des nassen Strumpfes.(Heiterkeit.) So liegt c? auch im allerhöchsten Interesse der Gewerkschaften, wenn sie sich möglichst fern von der politischen Partei halten. Wie wollen Sie sonst die katholischen Arbeiter gewiimen? Aus den Gewerkschaften muß alle Politik heraus.(Lebhafte Zustimmung). Die Gewcrkschafis- bewegung ist nicht socialdemokratisch, sie ist eine proletarische Klaffenbewegnng. Wenn wir die Sätze über die Genossen- schaften streichen wollten, so wäre das ein großer Fehler.(Zustimmung.) Wie bin ich denn zu dem Zusatz gekommen? Nicht ans eigener Entschließung. ES hat mich dazu neben dem Bernsteinschen Buch auch die Agitation gebracht, die in Hamburg und anderwärts in dieser Richtung getrieben wird. Da habe ich gesagt: wenn früher direkt gegen die Genasscnjchaftcn Stellung genommen wurde, so ist das zu weitgehend. Wir können, ohne uns etwas zu vergeben, sagen: die Gründimg von Genossenschaften, wenn dazu die nötigen Vorbedingungen vorhanden sind, wenn es in vorsichtiger Weise geschieht, kann eine Vcrbesscrmig in der wirtschaftlichen Lage der Arbciter herbeiführen. Das bestreitet niemand; also accepticren Sie den Satz. Das ist keine sogenannte Sympathie- Erklärung. Wir haben in der Partei Leute, die in den Konsumvereinen Geniales geleistet haben. Wer hätte es dem kleinen Fell angesehen, daß er in der Leitung des Leipziger Konsumvereins ein solches kaufmännisches Genie entwickeln würde! Wenn unsere Leute ctivas lernen, den Verwaltungs- Mechanismus verstehen, dann ist das ein Vorteil, ich gebe zu, ein Vorteil für die Znknnft. Je tüchtiger und gebildeter— um den sehr viel mißverstandenen Ausdruck zu gebrauchen— wir in allen diesen Richtungen unsere Genossen geschult haben, um so leichter können wir schließlich an da" Werk der Socialisierung dcr Wirtschaft gehen. Von diesem, aber auch nur von diesem Gesichtspunkte aus schreibe ich den Genosscnschnsten eine Bedcntnng bei; namentlich betone ich: sie haben keine entscheidende Bedeutung für die Befreiung der Arbeiter- klaffe aus den Fesseln der Lohnsklaverei. David fragt, was ich mit der„entscheidenden Bedeutung" sagen will. Lieber David, da will ich nichts weiter sagen, als daß ich nicht glaube an die sogenannte„sociale Dreieinigkeit": politische, Gewerkschafts- und Genossenfchaftsbewcgnng. Ich will gar nicht schwören— kann ja auch hier für mich der Tag von Damaskus kommen(Heiterkeit)—; aber heute glaube ich nicht daran, wie ich überhaupt nicht an eine heilige Dreieinigkeit glaube(Heiterkeit)— ja das ist meine Privatsache. Ihr legt eine Hanptentschcidung in die Sache hinein, und es soll ausgesprochen werden, daß nach dem Stand derDinge ihrdiesc Bedeutung nicht beiliegt. Deshalb bitte ich Sie. erstens diesen Satz aufrechtzuerhalten, und zweitens die Resolution Adler abzulehnen, die vorschreibt, die und die Genossenschaften sollen nicht begründet werden. Zu einem Beschluß sind wir nicht autorisiert(Sehr richtig I), wir sind hier kein Genossenschaftskongrcß. Adler kann recht haben; auch ich stehe den Produkiivgenossen- schaften mißtrauisch gegenüber. Ich kenne die Verhältnisse, ich bin sogar für eine solche Genossenschaft einmal Stadtreisender gewesen, habe allerdings fchlechte Geschäfte gemacht(Heiterkeit); aber gebranntes Kind scheut das Feuer. Das geht uns hier gar nichts an, lehnen Sie den Antrag Adler ab. Mit ganz besonderem Nachdruck hat Liebknecht gegen den Punkt in meiner Resolution polemisiert, der unsere Stellung zu den bürgerlichen Parteien betrifft. Ich habe gehört, wen» dieser Passus angenommen wird, eine Anzahl Genossen, Ber- liner, sich die Frage vorlegen wollen, ob sie dann nicht lieber die ganze Resolution ablehnen sollen. Ich will keine Pression jetzt ausüben, Sie mögen es sich überlegen, ob Sie die Verantwortung dafür übernehmen wollen, daß hinterher der Eindruck erweckt wird da ja bekanntlich über Motive nicht abgestimmt wird—, daß Sie eigentlich Bernsteinianer seien.(Heiterkeit.) Aber im Grunde genommen können auch die Radikalsten unter den Radikalen nur gegen den einen Satz sein:„sobald es sich um Stärkung der Partei bei Wahlen handelt"; alles übrige ist seit 30 Jahren stehende Praxis in unserer Partei im Parlamente und sonst. Aber eigentlich ist es auch bezüglich der Wahlen der Fall, wenn es' auch Liebknecht nicht zugeben will. Er selber hat in hohem Maße dazu beigetragen, daß dieser Standpunkt auf dem Stuttgarter Parteitag zum Beschluß erhoben wurde. Ein solches Wahlbündnis, sagt er, wo auf der einen Seite Social- demokraten, auf der anderen Seite bürgerliche Demokraten zu wählen »nd. ist eine Preisgabe unseres Klaffenkampf-Standpnnktes� die mit noch so viel Mandaten nicht gut gemacht lvcrden kann. Ich habe mich durch die Fassung des Absatzes III meiner Resolution bemüht, alles aufzubieten, um denen, die Liebknechts Ansicht sind, die Zu- timlnung möglich zu machen. Die Fassung zeigt doch deutlich, wie ein solches Zlisanimengehen gemeint ist. Vojttmar hat gestern zu Gunsten des bayrischen Vorgehens ausgeführt, daß sei kein Kompromiß gewesen. Nehmen sie es mir nichtsiibel, wenn ich das als Kasuistik be- zeichne! Es war ein Kompromiß, denn zwei Parteien sind zusammen- gegangen, die sich sonst gegenseitig anfS heftigste bekämpfen. HcrrLieber hat ja erst kürzlich— das Wort war nach Berlin gerichtet— ge- sagt, die Socialdeinokratie ist unser Todfeind. Gewiß, niit dem Centrum werden wir den letzten Kampf führen, und mit vollen» Er- folge. Die Bayern haben ein Kompromiß geschlossen, aber niemand, der aufrichtig ist, kann sagen, daß sie ein Princip dabei preisgegeben oder Grundsätze verletzt haben.(Sehr richtig!) � � t Peus bat gestern davon gesprochen, daß die Vollmarsche Takti- gesiegt, und meine Taktik, die er in Gegensatz dazu bringt, voll- ständig Schiffbruch gelitten habe. Was ist denn die Vollmarsche Taktik? Wir haben ja mit Vollmar wiederholt sehr lange Auseinandersetzungen über seinen Standpunkt gehabt. In Erfurt z. B. unterhielten wir uns über den von ihm in Wort und Schrift entwickelten Standpunkt, wir sollten klug sein ohne Preisgabe des Endziels, das noch in� sehr weiter Ferne liegt, wir sollten praktisch werden und uns auf be- stimmte Forderungen beschränken. Diese Forderungen wäre» 1. Weitcrfiihrung des ArbeiterschutzeS, 2. Erringung eines wirklichen VereiiiignngsrcchtS, 3. Enthaltung jeder staatlichen Einmcngnng zu Gunsten des einen Teils, 4. Gesetzgebung Über die industriellen „Ringe" und 5. Beseitigung der Lcbcnsinittelzölle. Diese fünf Punkte sollten guasi das Aktionsprogramm der Partei bilde». Außerdem lagen eine Reihe von Acnßcrnngcn von ihn» übcr dcn KurS Caprivi vor, die an über den Liberalismus erinnern, ihm und Bernstein eine große guten Willen die offene Hand" seiner Anschauung. Dagegen haben dazu eine Resolution beantragt, zu Oertcl-Nürnbcrg einen Zusatz beantragte, der eine gewisse persönliche Spitze gegen Vollmar enthielt. Vollmar erklärte, er stehe ganz auf dem Boden der Resolution, mir die persönliche Spitze könne er nicht annehmen, sonst könne er— so sagte er, wenn er es auch nicht direkt ausgesprochen hat— nicht mehr in der Partei bleiben. Wir haben dam» die persönliche Spitze gestrichen, und die Resolution wurdeUeinstimmig angenommen. Heute ist nichts in dem Auftreten Vollmars mehr vorhanden, was ihn, denn Vorwurf niachen kann, daß er noch die Taktik von 1831 vertritt. Worin besteht also der Sieg der Vollmarsche» Taktik, von der Peus spricht? Meine Taktik könnt? gar nicht in Frage kommen, da ich eine von der der Gesamtpartef abweichende gar iiicht vertreten habe. (Schluß in der 2. Beilage.) die Bcrnstcinsche Auffassung wie ja überhaupt zwische» Sympathie besteht.„Dcnp Das war die Quinteffenz wir Front gemacht. Ich habe der im Laufe der Debatte Verantwortlicher Redacteur: Heinrich lvdetzter in Groß-Lichterfelde. Kür den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke w Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. |lt. 241. 16. InJtpiij. " Sttlim öollislilntt. Somlmd, 14. Nkloder 1899. pavfcifsig; der deutschen Socialdettlokratie. (Schlug aus der 1. Beilage.) Und was die Taktik der Bayern betrifft, so sind doch die Bayern nicht bahnbrechend, sondern die Badenser, die schon im vorigen Jahre mit gutein oder bösem Beispiel vorangegangen sind Das sind die Bannerträger dieser„opportunistischen Politik", sie haben zuerst den„Kuhhandel" betrieben und die Hauptstadt des Lmidcs erobert zum groffen Entsetzen des Grogherzogs, der ja bei jeder Gelegenheit die bekauntcn Reden gegen uns hält. Damit haben sie aber nichts gcthan,� was gegen das Princip oder auch nur gegen die Taktik der Partei verstößt. Wenn das alles ivahr wäre, was Liebknecht als die Wirkung einer solchen„Kuhhandels-Politik" bezeichnet hat, so hätte doch Liebknecht als Wächter des Princips und der Reinheit der Kampfesweise der Partei auch nicht die Stuttgarter Resolution an- nehmen dürfe». Stuttgart bildete den Snndcnfall für Liebknecht in Bezug auf die Verteidigung des Princips.(Heiterkeit.) Denn die Stuttgarter Resolution gab den Parteigenossen in Preußen die feier- lichc Vollmacht, sich mit andere» Parteien in Verbindung zu setzen, weil eine definitive Stellungnahme bei der Kürze der Zeit nicht mehr möglich war.?rinc!pÜ8 obsta! heißt es hier. Fürchtet den ersten Schritt!„Wenn Dich erst ein Dutzend hat, dann hat Dich auch die ganze Stadt". Infolge der Stuttgarter Resolution konnten unsere Parteigenossen in Breslau und Hannover und in andern Städten im vorigen Jahre mit den Liberalen bei den Landtagswahlen zusammen- gehen, wobei nicht einmal die Anfstcllnng eines socialdcmokratischcn Kandidaten in Frage kam. Das sage ich ganz offen: So christlich ent- sagend bin ich nicht, daß ich meinem Gegner helfe, ohne selbst etwas davon zu haben. 9!ein, ich sage: Hier hast Du ctivas, gieb mir etwa? dafür! Das ist wenigstens ein ehrliches Geschäft.(Hcite- kcit.) Anders hätten wir in absehbarer Zeit gar keine Aussicht, in den preußischen Landtag zu kommen.(Sehr richtig!) Könnten wir durch eine solche Taktik auch nur zlvci Hechte in den Karpfenteich des preußischen Landtages bekommen, so wäre das ein kolossaler Erfolg. Die Kritik, die dort an manchen Dingen geübt tvcrdcn könnte, die sonst nirgends möglich ist. halte ich für sehr wichtig.(Zustimmung.) Also die preußischen Kreise, die sich an den Laudtagswahlcn beteiligt haben, haben weit mehr gethan als die Bayern. War das kein Verrat am Princip. Ivnr das kein Aufgeben des Klassenstandpunktes, dann kann es auch kein Schaden sein, wenn eS zum zweitenmal so gemacht ivird. Wenn Liebknecht und andere durch ihren Antrag es dahin bringen tvollen, daß wir auf dem nächsten Parteitag nochmals über unsere Stellung zur Frage der Beteiligung au den Landtagswahle» debattieren— offen gesagt, hängt mir das jetzt schon zum Halse hinaus— aber wenn sie einen Beschluß darüber herbeiführen tvollen, dann erleben sie eine Niederlage, ivie sie eklatanter nicht gedacht werden kann.(Zubeil: Erst ablvarten!) Gewiß, Ihr seid brave und tüchtige Genossen, Ihr Berliner, aber gerade heraus: Ich will heute die Geschichte zum Klappen bringen, ich bin des trockenen Tons nun satt. Tritt der Parteitag in dieser Beziehung auf Seite der Berliner, so ist die Sache erledigt, und ich rühre sie nicht mehr auf. Beschließt aber umgekehrt der Parteitag gemäß dem dritten Absatz meiner Resolution, dann habe ich das volle Vertrauen in die Loyalität der Berliner und der übrigen Genossen, die darin einen schiveren Fehler erblicken, daß sie trotzdem sogen;„Gut I Es ist uns sehr unangcnchni, wir ärgern uns darüber, aber wir fügen uns. Ich vertraue besonders, daß es dann nicht zu so bösem, pnrteiverräterischem Verfahren kommt, ivie in in Leipzig(Sehr richtig!), wo Genossen gegen einen wiederholt gefaßten feierlichen Beschluß des Parteitages in so schwerer Weise sündigten. Das ist nicht nur ein böses Beispiel für die guten Sitten, sondern auch ein Vorgang, der das Gandium unserer Gegner hervorgerufen(Sehr wahr!), der die Partei diskreditiert, ihre Aktionsfähigkeit in Sachsen lahm gelegt hat. (Lebhafte Zustimmung.) Auch in dieser Beziehung sollte der Partei- tag ganze Arbeit machen und den Leipziger Genossen wegen ihres Verhaltens einen gehörigen Denkzettel in Form eines Rüffels erteilen.(Sehr richtig!) Sie haben es verdient. Entweder wir sind eine Partei, die zusammenarbeiten will, dann heißt es parieren und in Reih' und Glied stehen. Das Gegenteil bedeutet die Auflösung der Partei. Dann könnte ja auch Bernstein sagen: Ihr habt zwar jetzt eine Resolution gefaßt, die gegen mich geht. Ich habe sie auch acceptiert, aber bei näherer Ueberlcgung sehe ich, daß es nicht geht, ich fange von neuem an! Dann würde Bernstein doch in eine verflucht böse Position kommen.(Zuruf: Wo bleibt da die Freiheit der Forschung?) Nein, verehrte Genossen, die freie Forschung auf streng wissenschaftlichein Gebiet, wie der materialistischen Geschichtsauffassung, der Dialektik, der Werttheorie und dergleichen haben wir aus unserer Diskussion nicht ansgeschiede», darüber kann nach wie vor weiter geforscht werden. Aber mit den praktischen Fordeningen der Partie hat die freie wissenschaftliche Forschung nichts zu thiiu. Also, Genossen, ich bin der Meinung, daß wir zweifellos den Stuttgarter Beschluß für uns haben, daß, Iveun der Stuttgarter Beschluß kein Verbrechen war, auch die in der Sache gleichlautende Kehrseite von heute nicht als Ver- brechen angesehen werden kann. Ob ich den Antrag Stadthagen- Molkcnbnhr befürworten darf, darüber bin ich im Zweifel. Dem Inhalt nach sympathisiere ich ja mit diesem Antrage, aber der Form nach halte ich ihn für verfehlt. Er scheint mir in das Ganze nicht recht hineinzupassen. Ich glaube auch, daß man durch derartige Verhaltungsmaßregeln sehr wenig erreicht. Dann könnte hier jemand, dein es bloß um Nörgeleien zu thun ist, einnial sagen: Du hast hier einen Vortrag über indirekte Steuern gehalten und dabei nicht über das Endziel gesprochen, wie es der Hannoversche Beschluß will. Ebenso könnte über jedes Flugblatt, in dein das Endziel nicht erwähnt ist. ein Ketzergericht veranstaltet werden. Schoenlank und 22 andere Genossen schlagen vor, in, letzten Absatz meiner Resolution gewissermaßen noch zur Er- läuterung die Worte aufzunehmen:„Das heißi aus der social- dcinokratischcn Partei eine demokratisch- socialistische Reformpartei zu machen". Da Bernstein direkt vorgeschlagen hat, daß wir diese» Namen aceepticren sollen, Iveil er eigentlich dem Wesen niiserer Partei entspricht und weil Ivir einen Namen haben, der uns heute gar nicht mehr zukäme, so halte ich es allerdings für gut, diese Er- läuterung meiner Resolution hinzuzufügen, und ich bitte, daß Sie die von mir beantragte Resolution mit diesem Zusatz möglichst ein- stimmig annehmen. Nicht deshalb bitte ich Sic um die einmütige Annahme meiner Resolution, Iveil ich glaube, daß wir alle in völliger Harmonie und einheitlicher Ucberzengung diesen Saal verlassen Iverden.(Heiterkeit.) Ach, darüber täusche ich mich gar uicht. So ist es nicht, und so soll es auch nicht sein.(Sehr richtig!) Das wäre ja langweilig. Schon aus einem rein ästhetischen Bedürfnis heraus wäre mir das nicht recht.(Heiterkeit.) Unterschiede in den Anschauungen in der Be- urtcilnna taktischer Fragen werden immer vorhanden sein, dafür sorge» die Unterschiede im Erkenntinsverinögen, im Temperament und in der Lebenslage des Einzelnen, die immer wieder Meinungsverschiedenheiten erzeugen. In der Sache aber haben diese dreicinhalbtägigen Erörterungen be- kündet, daß keine wesentlichen M ein un g s verschie den« h e i t e n über die großen Grundlagen unserer Auffassung bestehen. Und darum bitte ich Sie im Interesse des Eindrucks nach außen und auf die Partei um möglichst einstimmige Annahme der Resolution. (Lebhafter Beifall.) Singer teilt mit, daß die Anträge 65, 69 und 702 zurückgezogen sind, ebenso in Antrag 52 die Abschnitte a b und ck. Dagegen ist zu c desselben Antrags nachträglich ein Znsatzantrag gestellt. Ebenso ist von Katzenstein und Ledcbonr ein neues Amendement eingebracht worden, welches wünscht, daß in den Absatz 1 der Bebclschcn Resolution die Worte eingeschoben werden:«insbesondere nicht in der von Bernstein empfohlenen Richtung auszubilden". Singer stellt die Frage an den Parteitag, ob es geschäfts- ordnungsmäßig zulässig ist, nach Schluß der Diskussion noch neue Anträge einzubringen. Der Parteitag erklärt dies fast einmütig für unzulässig, nachdem Katzenstein erklärt hatte, daß die Absicht bei Einbringung dieses Amendements gewesen sei, eine verschiedene Auslegung' der Bebeischen Resolution zu verhindern. Singer bittet um Vorschläge für die Wahl der Parteileitung. Die Vorschlagsliste wird gedruckt. ES folgen persönliche Bemerkungen: Pens- Dessau: Wenn Genosse Bebel sich darüber beschwert fühlt, daß ich eine einzelne Aenßcrnng von ihm herausgegriffen habe, um daran nicinc Kritik anzuknüpfen, so ist es doch unmöglich, immer die ganze Rede zu wiederholen. Ich habe aber die Aeußcrung nicht e n t st e l l t. Sie ging dahin, daß Bebel in der Berliner Rede gesagt hat, daß es möglich sei, daß wir die ganze socialistische Gesellschaft verwirklicht haben werden, che eine von diesen von unS an den heutigen Staat gerichteten Forderungen erfüllt ist.(Bebel: Das war ein Zeitungsbericht.) Das ist ganz etwas anderes, als was Bebel nach seinen Ausführungen von heute morgen gesagt haben will, das ist das gerade Gegenteil, denn er meinte, ich Härte ihm dadurch recht gegeben, daß ich die Entwicklnug der socialistische» Gesellschaft schon in der teilweise» Verwirklichung unserer Gcgenwartsfordcrungc» fände. Wenn Bebel die Gcgeuivartsforderungen heute so wie ich bewertet, so ist damit die Entwicklung seit 1391, wie ich sie eben be- hauptcte, auch bei Bebel bewiesen. Wenn er im übrigen(Unruhe der Versanmilung)(?) als gleichbedeutend mit sachlicher Widerlegung meiner Ausführungen hinstellte, so ist daS nicht die Anschauung, der wir sonst in der Partei huldigen. Andererseits ist eS allerdings leider richtig, daß in unserer Partei nicht jeder dasselbe sagen dürfe, was ein anderer zu sagen sich erlauben könne.(Unruhe.) Schoenlank: Meine persönliche Bemerkung soll mir ein kleines Versehen richtig stellen, das Bebel passiert ist. Er hat darin vollkommen recht, daß die Zwergbetriebe, von denen er gesprochen, bei der Vcrnssstatistik von 1895 mitgezählt worden sind. Ich iveiß das aber nicht aus einer amtliche» Thätigtcit bei dieser Statistik, sondern als Mitglied einer Kommission des Reichstages. v. Ell»: Bebels Ausführungen über meine Person mußten den Eindruck erwecken, als hätte ich einmal behauptet, er und Auer hätten keine Sympathie für die Gewerkschaftsbewegung. Ich will nur feststellen, daß ich so etwas nicht gesagt habe. Das Einzige ist. daß ich zeitweilig bei ihm den Eindruck hatte, als gelvährc er nicht der gcwcrkschaft- lichen Beweguug die ihr gebührende Gleichschätzung der politischen gegenüber. Auch seine Angaben über meine Stellung zu den Genossen- schaften sind falsch. Ich habe keineswegs erklärt, oder in Artikeln behauptet, jeder Hamburger Genosse sei verpflichtet, der„Pro- duktion" beizutreten.. Jcki habe nur auf die hohe Bedeutung der Gcnossenschastcn für die Gewerkschaftsbewegung hingewiesen. Dieser Meinung bin ich auch heute, daraus erklärt sich meine Begeisterung für die Genossenschaften. Ich habe nie verlangt, daß die Partei als solche offiziell Genossenschaften gründe. Auer: Parteigenossen! Bebel hat mir den Vorwurf gemacht, daß ich ans Privatgesprächen, die lange Jahre zurückliegen. Einzelheiten vorgebracht hätte. Es ist das richtig. Ich null auch dahingestellt sein lnsseu, ob es korrekt im strengsten Sinne ist, das zn thun; ich selbst neige der Meinung zn, daß es nicht korrekt ist.'Ich darf aber für mich als Entschuldigung anführen, daß ich nur so ganz nebenher sagte, daß abgesehen von parlamentarischen Erklärungen ja auch in persönlichen Gesprächen die Ausführungen wiederholt ge macht, und daß daher von einer Ableugnung nicht die Rede sein könne(Unruhe. Bebel: Den Versuch habe ich nie gemacht!) Aber das dahingestellt, ist es doch eigentümlich,' daß derselbe Bebel in demselben Atemzuge, wo er mir einen Vorwurf daraus macht, daß ich auf Privatäußernngcn hin gewiesen habe, in den gleichen Fehler verfällt und eine Privat änßeruug von mir, in der ich Engels und Marx als Päpste be- zeichnet habe, hier vorbringt. Es ist mir im Leben nicht eingefallen. in öffentlichen Versammlungen eine solche Bemerkung zu machen: aber ich leugne nicht, daß unter uns in Privatuntcrhaltungcn in scherzhafter Weise auch dieser Ausdruck von nur gefallen sein kann. Bebel meinte ferner, ich hätte meine Ausfühnmge» gemacht, um ihn zu diskreditieren. Dem stelle ich die Frage an Bebel ent- gegen: hatte er, als er gestützt auf ein Eitat aus der„Kreuz Zeitung" von meiner Staatsinannschast sprach, mich damit distrcditieren wollen? Mir ist es nicht entfernt eingefallen, ihn bis- kreditieren zu wollen, und ich setze als selbstverständlich voraus, daß als er hier seine Witze über niein StaatSmannstum, auf das ich gar keinen Anspruch gemacht habe, machte, er auch nicht die Absicht hatte, mich zu diskreditieren. Dann entrüstete er sich darüber und er suchte damit die Sentimentalität gegen mich in Bewegung zu bringen, daß ich von dem Endziel der Partei nicht nnt dem gebührenden Respekt gesprochen habe. Nun, Parteigenossen, mir sind meine Ausführungen gar nicht mehr wörtlich in Erinnerung. Was mich aber zu ihnen ver- anlaßte, das war die Darstellung deS Genossen Stadthagen, als seien diejenigen Kandidaten und Agitatoren, die mit dem Endziel in den Wahlkampf gegangen seien, siegreich gewesen, während die- enigcn, die in dem Wahlkampf unterlegen sind, das dem Ilmstand zu danken hätten, daß sie das Endziel versteckt, nicht in den Vorder- grund gestellt hätten. Dagegen habe ich polemisiert, und wenn ich nunmehr in etwas drastischer Weise vielleicht die Art und Weise, wie tadthagen beliebte, das Endziel und wieder das Endziel und noch einmal das Endziel uns vorzuhalten, beleuchtete, so galt das der Darstellung Stadthagens und nicht unserem Endziel. Wen» man nicht mißverstehen will, konnte man mich gar nicht mißverstehen. lind nun noch ein Weiteres. Bebel ist ganz verwundert, daß nüt dem Eingreifen Auers in die Diskussion sie einen persönlichen Charakter erhielt,(Sehr richtig!>— gewiß, sehr richtig! Ich will Ihnen auch gleich sagen, warum das richtig ist. Es ist sogar ganz selbstverständ- lich, es konnte gar nicht anders sein. Ich will nur noch bemerken, daß Wollmar dieselbe Schuld mit aufgebürdet wird, und ich glaube auch nicht, daß Vollmar es irgendwie leugnen wird, daß, nachdem er einmal zum Wort kam, auch die persönliche Seite erörtert werden mußte. Parteigenossen l Seit Wochen und Monaten— ich habe dafür den Beweis beigebracht— wurde meine Person in diese Diskussion hineingezogen in einer durchaus nicht mißzuverstehenden Absicht, nämlich in der, mich als einen derjenigen Genossen der Gesamtpartei zu denun- zieren, die das Bestreben haben, die Arbeiterbewegung vom Boden des Klassenkampfes ab- und hinüberzu- ühren auf den Kampfboden, wo wir mit bürgerlichen Parteien gleichstehen. Seit Wochen und Monaten wurde weiter angekündigt, daß wir nns in Hannover treffen, daß wir. die Auer. Bernstein, Schippe!, Heine usw. da Rechenschaft zu stehen haben, daß man mit uns ins Gericht gehen werde usw. Das ist seit Wochen und Monaten geschehen von den verschiedensten Seiten in hervorragenden Parteiblättcrn. Und min mit einem Mal dies Schauspiel, daß alle diese Ankläger, daß alle die persönlichen Vertreter dieser Heraus- forderungen einer nach dem anderen hier auf die Tribüne ge- treten sind, daß sie uns mit akademischen Abhandlnnge». deren Vorzüglichkeit ich keineswegs bestreite, unterhalten haben, daß sie sich aber einer wie der andere gedrückt haben un> die Sache(Lebhafte Znstimmung), von der sie uns anküiidigten. daß sie zur Entscheidung gebracht iverden sollte, lind, Parteigenossen, ich hatte nicht die Absicht, den persönlichen Teil der Angelegenheit hier zn provozieren; ich habe aber auch nicht Angst vor dieser persönlichen Auseinandersetzung. Und auch als unsere Ankläger Auge in Auge uns gegenüberstandeii, da verschwand die Anklage, d i e Ankläger kniffen— anders kann ich nicht sagen. Ich sagte: gut denn! wenn alles, was geschehen ist, heute nicht mehr wahr sein soll, dann bin ich der letzte, der die persönliche Auseinandersetzung hier zum Austrag bringt. Ich war einer derjenigen, die gestern mittag für den Schluß der Diskussion stimmten und habe mir damit den Mund verboten- und ich war nicht wenig überrascht, als, ivie ich nach Wiedereröffnung der Nachmittagssitzung hierher kam, man mir mitteilte, daß der Voruiittagsbcschluß nicht mehr gelte, daß die Dis- kussion fortgesetzt werde und ich nun auch reden müsse. Nachdem ich also zum Reden gezwungen wurde, da allerdings habe ich nieine Person verteidigt, da allerdings habe ich die Dinge zur Sprache gebracht, die seit Wochen und Monaten gegen mich und meine persönliche Ehre, gegen meine Ehre als Parteigenosse ausgesprochen waren.(Lebhafter Beifall und Widerspruch.) Parteigenossen! Darüber mögen Sie nun urteilen. wie Sie wollen, das ist meine Sache, und meine Devise ist auch. daß im Kampf der Hieb immer die beste Verteidigung ist.(Stür- Mischer Beifall und Zischen.) Liebknecht: Bebel hat behauptet, ich hätte durch Zustimmung zum Stutt- garter Beschluß de» ersten Sündenfall begangen. Wenn das ein Sündenfall gewesen ist. so wäre ich durch Fallstricke, die mir gelegt ivnrdeil, dazu verleitet ivorden. Denn als die Resolution vorgelegt wurde, da wurde ausdrücklich ausgesprochen, der Stand der Dinge bliebe, ivie er bisher gewesen sei. Es kann nur wegen der Kürze der Zeit kein �einheitlicher Beschluß über die Billi- gung des Hamburger j Beschlusses gefaßt werden. Aber die Kölner Resolution, die in Hamburg bestätigt wurde, und die sich gegen Koinpromisse und Wghlbündiiisse ivandtc, bleibe nnberührt. Das haben die Genossen ja auch begriffen und erst hiiiteiiiiach haben andere gesagt: weil hier nicht ausdrücklich erklärt ist, daß dem so ist. darum ist iinS carte blanche gegeben. Das ist nicht der Fall. Der Beschlui; gegen Wahlbündnisse ist noch in Kraft und die Berliner Genossen haben recht gehabt. Singer: Das letzte ist keine persönliche Beinerkmig gegen Bebel. Datiid spricht in einer zu Protokoll gegebenen Erklärung sein Bedauern darüber aus, daß es ihm nicht mehr möglich sei, die Gründe dafür anziigcbcn. iveshalb er vom Bernsteiuschen Standpunkt aus für die Resolution Bebel stinimen könne. Singer: Wir kommen ilunmehr zur Abstimmung. Bebel: Ich bitte ums Wort zu einer persönlichen Bemerkniig. Singer: Ich kann Ihnen das Wort nicht mehr erteilen. DaS Resultat der Abstiuiniuiig ist folgendes: Zunächst werden die Anträge auf Drucklegung der Rede» von Bebel und KautSky abgelehnt. lieber die einzelucn Absätze der Resolution Bebel wird getrennt abgestimmt. Absatz I und II werden a n g e n o m in e n. lieber Absatz III ist die Abstiniunnlg eine namentliche. Es stimmen 205 Delegierte mit Ja, 34 mit Nein, der Absatz ist also angc- >i o m in e ii. Mit Nein stimmen: Adler-Harburg, Er'i't-Berliii, EverS- HildcSheim. Ewald-Berlin, Franke-Bcrlin, Giker-Arnstadt, Görke- Charlvtleiibnrg, Grenz-Leipzig. Hauschild-Wcißensce, Hinz-Berlin, Ad. Hoffmann-Berlin, Hoffinann-Pankow, Hoppe-Rixdorf, Koblenzer- Berlin, Krapff-Hnstcdt, Lcdebour-DreSden. Lcid-Berlin, Liebknecht, Lubnotv-Brannschweig, Meuzel-Bcrlin, Millarg-Bcrlin, Ostkamp- Essen, Reubcr-OhligS, Rietz-Bcrlin, Schmidt-Velten, Gnst. Schmidt- Berlin, Dr. Schoenlank, Schräder- Bramsche, Schubert« Schöneberg, Scllin-Charloltenburg, Singer, Georg Waguer-Berlin, Frau Wengels- Berlin, Zubeil-Berlin. Mit Ja stimineu u. a. Rosa Luxemburg, Stadthagen, Frau Zetkin, Täterow-Berlin und Metzner-Berlin. Zu Absatz IV liegt der Antrag 79 auf Streichung der Worte„sie erachtet" bis„aber" vor. Dieser Antrag wird abgelehnt und der Absatz IV in seiner ursprünglichen Fassung angenommen, ebenso Absatz V. Im Absatz VI hat Bebel das Wort„Programm" umgeändert in die Worte„Grundsätze und Grundforderungen". Ferner liegt hierzu das Amendement Schoenlank vor, hinzuzufügen„d. h. au« der socialdemokratischen Partei eine demökratisch-soeialistische Reform- Partei zu machen". Mit diesem Amendement wird Absatz VI an- g e n o m m c n. Die Gesaintabstimnunig über die so geänderte Resolution ist eine namciitlichc. DaS Resultat ist die Annahme der R e s o» l u t i o n mit 210 gegen 21 Stimmen bei einer Stimmenthaltung. Mit Nein stimmen: Blimie-Hamburg, Böhle-Straßburg, Ewald- Berlin, Franke-Berlin, Grenz-Leipzig. Hinz-Berlin, Ad. Hoffmann- Berlin, Hoppe-Rixdorf, Krapff-Hasiedt, Lubnow-Braunschweig, Menzel- Berlin, Molkeubuhr, Ostkamp-Essen, Rietz-Berlin, Gnst. Schmidt» Berlin, Dr. Schveiilank, Schubert-Schöneberg, Sellin-Charlottenbnrg. Ad. Wagncr-Beriin, Winterberg-Krefeld, Zubeil-Berlin. Der Abstimmung enthält sich Äatzenstein-Mannheiin. Mit Ja stinimen u. a. Singer, Liebknecht, Millarg-Berlin, Rosa Luxemburg, Leid-Berlin, Ledcbour, Görke-Charlottenburg, Ernst- Berlin, Frau Wengels. Durch Annahme der Resolution sind die Anträge 43, 44, 46, 40 und 52 erledigt. Es werden nunmehr der Bericht der Controleure und in An- schluß daran der Bericht der Nenner-Kommission über die eingelaufenen Beschwerden entgegengenommen. Meister: Ich habe schon bei Erstattung unseres Berichtes angedeutet, da� nachträglich noch eine Beschwerde eingegangen ist. Es betrifft dies das frühere Mitglied unserer Partei Schreck in Bielefeld, der seinerzeit freiwillig ausgetreten ist, dann von Bielefeld nach Kassel übersiedelte und jetzt nach Bielefeld zurückkehrte und iiunmehr wieder seine Aufnahme in die Partei beantragte. Die Bielefelder Genossen sind der Meinung, die dortigen Verhältnisse lassen es heute noch wünschenswert erscheinen,' daß Schreck der Partei nicht angehöre, und lehnten daS Gesuch mit großer Mehrheit ab. Der Parteivorstaud ivieS eine Beschwerde Sckrecks zurück. Die Controleure sind nun der Meinung: wenn es sich um einen Ausschluß handelte, dann würden wir uns zur Entscheidung für kompetent erachten! die Frage der Aufnahme ist aber Sache der dortigen Genossen. Wir empfehlen deni Parteitag, dieser unserer Auffassung, welche auch der Parteivorstaud der Beschwerde Schreck« gegenüber vertreten hat, sich anzuschließen und damit die Beschwerde als erledigt zu betrachten. Der Parteitag erhebt diesen Antrag zum Beschluß. Im Austrage' der Neuuer-Kommission referierte über die ihr zur Untersuchung übertviesenen Streitfälle: Brühne: Der erste Fall betrifft den früheren Genossen P e i n d o r f- Hamburg. Derselbe war mit großer Mehrheit auS dem dortigen Wahlvereiii des 3. Kreises ausgeschlossen worden, be, chwerte sich beim Parteivorstaud. dieser lehnte ein Eintreten ad. auch wir nahmen mit dem Parteivorstand an, daß bei der aus- gezeichneten Organisation und DiSeiplin der Hamburger Genossen die Angelegenheit formal und materiell völlig geregelt sei. Wii chlagen Ihnen deshalb Uebergang zur Tagesordnung über den Fall Peindorf vor. Der Parteitag beschließt demgemäß. Brühne geht auf den zweiten Fall ein: Tic Affaire Lütqciiau. Dcr Fall ist d-u Gcnosscn znr Gcniigc bcktumt. Zwar hat nicht Llltgcnau selber Beschwerde erhoben, sondern die Ncnner-Kommission hat auf Anregung des Delegierten aus Essen sich mit der Angelegenheit befaßt. Bekanntlich hat der Parteivorstand die Entlassung Lütgenaus seiner Zeit verfügt, weil er die Verantwortung nicht länger mehr glaubte tragen zu können für eine fernere Partcilhütigkeir Lütgcuaus. Unter Zuzichnng der Delegierte» aus dem Ruhrrcvier »nd der Genossen Auer, Gcrisch und Psannkuch hoben ivir die Sache nochmals untersucht, weil die Genossen aus dem Ruhrrevicr vcr- langten, daß der Parteitag endgültig Stellung nehme. Lütgcnau bälr immer noch Verjanimlmigen ab und hat noch einen gewissen Anhang. Wir können— und zwar im Interesse Lütgenaus— die Einzelheiten, die zu seiner Entfernung führten, hier nicht öfseutlich erörtern, aber Sic dürfen zu der von Ihnen gewählten Neuner- Kommission da? Zutrauen habe». daß sie ohne Vorurteil und nach gründlicher Prüfung der Sachlage ihren Beschluß gefaßt hat. Von vorn- herein wollen wir— entgegen vielfach verbreiteter Ansfassnng— betonen, daß der bekannte P r ü g e Ist r a f e n- Ar t i k e l für das Vorgehen des Parteivorstandcs gar nicht maßgebend war. ob gleich wir alle einstimmig den Artikel mißbilligen. Wir können Ihnen aber als e i n st i m m i g e n Beschluß der Kommission folgende Resolution vorschlagen: Erklärung. Die Neuner- Kommission hat, der Anregung deö Delegierten für den Wahlkreis Essen folgend, sich»nit der Angelegenheit Lütgcnau beschäftigt. Da Lütgcnau selbst Beschwerde über die vom Parteivorstande gegen ihn getroffenen Maßnahmen nicht führt, hat die Kommission die anwesenden Delegierten aus dem Nuhrgcbiet: die Vertreter der Wahlkreise Dortmund-Hörde, Bochum, Elsen, Lüdenscheid und Hagen, sowie einige Mitglieder der Parteileitung über die An gelegcnhcit vernommen. Die Kommission hat nun aus den erhaltenen Mitteilungen nicht mir die Ueberzeugung gewonnen, daß der vom Parteivorstand gefaßte Beschluß: die Verantwortung für jede fernere Parteithätigkeit Lütgenaus abzulehnen, vollständig begründet und berechtigt ist, sie schlagt vielmehr ein- stimmig dem Parteitag vor, zu erklären: Eine Reihe von Handlungen Lütgenaus waren derart, daß er durSaus unwürdig ist, noch irgend welche Vertrauens stellnng in der Partei zu bekleiden. Die Kommission konstatiert, daß, bei einstimmiger Verurteilung der dort ausgesprochenen Ansichten, der Artikel über die Prügel- strafe nicht den Anlaß zum Vorgehen gegen Lütgcnau gegeben hat. Lcdrbour: Ich verstehe nicht, wie wir hier eine Entscheidung in einer Sache fassen sollen, deren Einzelheiten wir nicht kennen; ich habe volles Zutrauen in die Loyalität der Kommission und deren gerechtes Urteil; aber formell sind wir gar nicht in der Lage, ein Urteil zu fällen; wir können höchstens den Bericht der Kommission mit Befriedigung entgegennehmen. Bebel: Die Kommission mußte nach Kenntnisnahme der Einzel heiten die vorgelegte Erklärung beschließen. Genosse Ledebour hat vielleicht in' Bezug auf die formale Seite recht; es ist eine merkwürdige Zumutung, einen Genossen jeder Parteithätigkeit für unwürdig zu erklären. Aber Sie müssen doch auch bedenken, daß der Parteivorstand die Sache des g e n a u e st e n untersucht und ein Maß von Nachsicht und Geduld dabei verraten hat, daß ich schließlich erklärte, wir können nunmehr ein ferneres Zu sehen nicht mehr verantworten. Hier können wir die Einzelheiten nicht erörtern, und zwar, wie ich ausdrück- lich hervorheben will, weil dadurch Lütgen au ge radezu ruiniert würde; auch eine Reihe anderer Dinge würden in keinem schönen Lichte erscheinen. Tannt aber die Sache endlich einmal endgültig aus der Welt geschafft wird, und zwar im Interesse der Pariei, müssen wir dem Beschluß der Kommission zuslimnien. Ostkamp(Essen): In der ganzen Parteigeschichte ist wohl kein Fall bekannt, der trotz aller Beschlüsse der in Betracht kommenden Instanzen doch gar nicht zur Ruhe kommen will. Denn Lütgcnau hat es immer wieder verstanden, die Sachlage zu verschieben und es so hinzustellen, als ob der Beschluß des Partcivorstandes nur ans perfönlicher Animosität gegen ihn gefaßt sei. Der Parteitag hat nun dem Drängen der Genossen ans dem Ruhrbecken nachgegeben und die Sache nochmals mit uns Delegierten aus dem Ruhrgebicl geregelt— und daß war ja auch notwendig, denn eben jetzt ist Lütgenau wieder vom socialdemokratischen Wahlverein in Düsseldorf zu Vorträgen engagiert worden— und die Delegierten aus Essen und dem Ruhrrevier find einmütig für die Resolution der Rcunerkommission. Ledebour: Ich stelle folgenden Antrag:„Nach Anhörung des Konimissionsberickts geht der Parteitag über die Frqge Lütgenau zur Tagesordnung über." So gerechtfertigt auch die Wünsche der Genossen aus dem Rnhrrevier sind und obwohl auch nach meiner Ueberzeugung Lütgenau kein Unrecht geschieht, acht es doch nicht an, daß eine Körperschaft, wie der Parteitag, einen fonnell verurteilenden Beschluß faßt, ohne das Material zu kennen. Das ist ein gefähr- licher Präcedenzfall und das widerspricht jedem Rechtsgefühl. Wiuterberg erklärt sich gegen den Antrag Ledebour. Toleranz ist eine schöne Sache, aber unter Umständen ein Verbrechen. Ich erinnere an den Fall Schumacher in Solingen. Da ist der Vorstand auch viel zu lange tolerant gewesen. Wird jetzt nicht eingegriffen, so haben wir bald in Dortmund dieselben Zustände wie in Solingen. (Sehr richtig.) Wir dürfen nicht schweigen, sonst geht Lütgenau wieder damit hausieren.(Sehr richtig!) Auer: Der Antrag Ledebour wäre verständlich und diskutier- bar, wenn der Antrag der Kommission nicht vorhanden war. Lütgenau hat wiederholt erklärt, sein Recht erlangen zu wollen. Er hat den Parteivorstand vor die Provinzialkonferenz zu Schwelm geladen. Der Vorstand konnte dorthin nicht kommen und lud nun Lütgenau vor diesen Parteitag. Lütgenau hat sich nicht gerührt und nichts vorgebracht. Wenn darauf hier von irgend einer Seite angeregt Ivorden wäre, über den Fall Lütgenau zur TagaSordnmig überzugehen, da er sich selber nicht bennitzigt gefühtt hat, sich zu melden, so hätte sich darüber reden lassen. Jetzt liegt die Sache anders. Der Parteitag ist in die Lütgenau-Frage Angetreten. Nach Lage der Dinge und besonders im Interesse Lütgeuaus war es angebracht, die Dinge nicht öffentlich zu erörtern. Die Kommission hat sich daraufhin mit der Sache beschäftigt und einen Antrag ein- gereicht. Nunmehr läßt sich nicht mehr sagen, wir wollen über den Antrag der Kommission zur Tagesordnung gehen. Er nmß acceptiert oder abgelehnt werden.(Zuslünmuiig.) Die Dinge liegen jetzt so: ehe der bisherige Parteivorstand den Antrag Ledebour auf Uebergang zur Tagesordnung annimmt, eher sind wir dereit zu reden und vor aller Oeffentlichkeit zu sagen, um waö es sich handelt. Folgender Antrag Stalten ist eingelaufen:„Im Vertrauen auf die Gewissenhaftigkeit der Untersuchung der Neunerkommission und weil ein« öffentliche Erörterung der ganzen Angelegenheit aus Rechts- und moralischen Gründen unangebracht erscheint, erklärt der Parteitag seine Zustimmung zur Entscheidung der Kommission.' Ein Schlußantrag wird angenommen. In seinem Schlußworte drückt trag Stötten angenommen. Darin liegt auch die Annahme des Kommissionsantragcs. Brühne: Schließlich haben wir noch den Fall Braunschweig. Darüber ist ein Flugblatt verbreitet worden, das die Delegierten gelesen werden haben. Darin erklärt die eine Braunschweiger Richtung, der in Stuttgart aufgegeben war, ihren Sondcrvcrcin aufzugeben, daß ihr Verein noch in gleicher Stärke weiter besteht. Die Richtung verlangt, daß wir uns'nochmals mit der Streitigkeit beschäftigen sollen. Wir halten das für völlig überflüssig und schlagen Ueber- gang zur Tagesordnung vor. Singer macht darauf aufmerksam, daß die Kommission vom Parteitage gar nicht den Austrag hatte, sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen.(Brühne: Mehrere Genossen hatten darum gebeten). Wir sind der Kommission ja dankar, daß sie sich mit der Sache be- faßt hat, aber es war doch gefährlich, weil dann auch die andere Seite hätte gehört werden müsse». In der Hoffnung, das uns die Braunschweiger Angelegenheit im nächsten Jahre wrviert werden wird(Große Heiterkeit), schließe ich die Verhandlung über diese Angelegenheit. Singer: Folgende Erklärungen liegen zu Protokoll vor: Bitte zu Protokoll zu nehmen: „Wir protestieren hiernnt gegen die Annahme, daß wir uns durch unsere endgültige Abstimmung über die Resolution Bebel für die Beteiligung an den preußischen Landtags- Wahlen erklären. Diese Frage stand nicht ans der Tagesordnung und auch aus dem Wortlaut des Absatzes 3 der Resolution Bebel geht nicht hervor, daß es sich um die Frage der preußischen Landtagswahlen handelt.' Eugen Ernst. Mary Wengels. Karl Leid. Rudolf Millarg. C. Hoffmann. Otto Görcke. Hauffchild. Arthur Stadthagcn. W. Liebknecht. Singer. Wir Unterzeichneten erklären zu Protokoll zu nehmen:„daß wir auf dem Standpunkt der Resolution Bebel mit Ausnahme des Absatzes 3 stehen, somit gegen Bernstein auf das schärfste uns erklären, aber gegen die Gesamtresolution gestimmt haben, wegen der Auslegung Bebels des Absatzes 3 in seinem Schlußwort". F. Hoppe. Zubcil. A. Hoffmann. I. Scknnidt. A. Sellin. Schubert. Ferdinand Ewald. O. Franke. M. Menzel. Außerdem erklärt K a tz e n st e i n zn Protokoll: „Ich bin mit der Resolution Bebel, wie ich sie verstehe, (Heiterkeit) einverstanden. Ich habe mich der Abstimmung ent- halten, weil ich bei der verschiedenen Auslegung der Resolution seitens der verschiedenen Richtungen, in der Resolution keine Klärung der Streitpunkte erblicke."(Heiterkeit.) Lipinöki teilt namens der Mandatsprüfungs- Kommission noch mit, daß eine nachträgliche Beschwerde aus Kobnrg gegen das Mandat von Anton Walter wegen Mangels konkreter Thatsache» durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen sei. Der Parteitag beschließt demgemäß. Ein Autrag Baudcrt, den Punkt„Militarismus" mit Rücksicht darauf, daß in der eben angenommenen Bebelschen Resolution schon die Befolgung der bisherigen Taktik in Militärfragen beschlossen ist. von der Tagesordnung abzusetzen, wird, nachdem B a ud ert den- selben begründet und Frau Luxemburg sich dagegen aus- gesprochen' hat, mit großer Mehrheit abgelehnt. Es tritt die Mittagspause ein. Schluß IVa Uhr. Nachmittags-Titzling. SVa Uhr. Den Vorsitz führt Blume. Zur Verhandlung gelangt Punkt Ci der Tagesordnung: E r- örterung über Punkt' 3 des Prog�ramms, Militär- frage. Mit zur Verhandlung stehen die Anträge 41 und 42*) und die Resolution Geyer(abgedruckt„Vorwärts" Nr. 240, S. 2,) Geyer: Mit Rücksicht auf die große Ausdehnung der vorhergegangenen Debatte werde ich gedrängt, kurz referieren. Es giebt ja Stimmen. die die Behandlung dieser Angelegenheit auf diesem Parteitage nicht für notwendig halten. Aber wenn Sie die Erscheinungen seit dem vorigen Parteitage betrachten, werden Sie zugeben, daß eine Besprechung notwendig ist, um die Jn Stuttgart nicht ganz herbeigeführte Klärung zu schaffen und der Diskussion eine andere Richtung zn geben, als sie in letzter Zeit angenommen. Punkt 3 des Programms, betreffend die HcereSfrage ist ein Teil unserer Gegcnwartsfordcrungen, die allerdings von Bedeutung sind im Kampfe um unser Endziel wenn man hier meint, Pflock um Pflock zurückstecken zu können, so bedeutet das eine Verlangsamung des Tempos im Kampfe um das Endziel. Nun herrscht ja in Bezug aus den Militarismus, die lieber- Wucherung aller öffentlichen Angelegenheiten durch die militärischen Rücksichten, die sich auch immer tiefer in das Privatleben fortsetzt. gewiß volle Einigkeit in der Partei. Den Socialdemokraten möchte ich sehen, der diesen Militarismus nicht bekämpfen wollte. Selbst bürgerliche Zeitungen, wie da?„Leipziger Tageblatt" haben 'a über den UiiteroffizierSton geklagt. ES ist ein Kenw zeichen unserer Verwaltungen in Staat und Gemeinde». daß der Geist der militärischen Subordination darin vorherrscht, die auch eine unerträgliche Art des Verkehrs der Unteroeaniten mit dem Publikum zur Folge haben. Auch in den Fabriken hat sich dieser Unteroffizierton breit gemacht und macht sich in der Behandlung der Arbeiter durch ihre Vorgesetzten fühlbar. Der Ton des Reserve- lieutenants ist in der Gesellschaft maßgebend. Den größten Ein flutz auf die Civiljustiz übt die B'ilitärjusttz, infolge der Zweiteilung der Justiz in eine Militärjujliz und eine für die simplen Bürger. Zweierlei Recht erschüttert die Gerechtigkeit. Auch in der Gesetzgebung 'pielt der Militarismus die erste Rolle. Die Militärforderungen haben überall den Vorrang, für sie wird der ganze Apparat, der der Re gierung zu Gebote steht, in Bewegung gesetzt, durch Geheimniskrämerei sucht man sie vielfach durchzudrücken. Der Militarismus ist die Ursache der Finanznot ini Reiche und er verschlingt drei Fünftel des Reichsbudgets. Die herrschenden Klassen haben keine bessere Stütze im Kampfe gegen die aufstrebenden Klassen des Volles als das Heer, darum bewilligen sie alles; aber die Lasten werden dem Volke in Brühne sein volles Einverständnis zum Antrage Stollen aus und be« kämpft nochmals den Antrag Ledebour: Wenn er auch nur den dritten Teil des Materials könnte, das wir haben, würde er seinen Antrag nicht gestellt haben. Mag er sich beim Parteivorstand erkundigen. Es wird gewiß jedem Delegierten schiver fallen, gegen einen befähigten Mann, den wir gebrauchen können, so vorzugehen, wie wir es gegen Lütgenau thun müssen. Aber wir verlangen Disziplin und wir ver- langen von jedem Parteigenossen, daß er den moralischen Stand- Punkt nicht verläßt.(Bravo!) Der Antrag Ledebour wird daraus abgelehnt und der An« ') 41. Parteigenosse E. Mergner-Jena:„In Erwägung daß das Parteiprogramm zwar kein Dogma, aber an dcffcn Stelle oder einzelnen Punkten desselben bis heute und auch in absehbarer Zeit nichts Besseres gestellt werden kann; in fernerer Erwägung, daß gegen einen der wesentlichen Punkte des Programms, und zwar Punkt 3 desselben, Abschaffung der stehenden Heere, Erziehung zur allgemeinen Wahrhaftigkeit, sich der Abg. Max Schippet schwer ver- gangen, wolle der Parteitag beschließen, obengenannten Reichstags Abgeordneten Max Schippe! als nicht mehr zur socialdemokratischen Arbeiterpartei gehörend zu betrachten und denselben aus der Partei auszuschließen." 42. Patteigenossen in Magdeburg:„In stttktem Gegensatz zu Schippeis Ausführungen in den„Socialistischen Monatsheften" und der„Neuen Zeit" ist auf das entschiedenste für die Aufrechterhaltung und Propagierung des dtttten Absatzes unserer Gegenwartsforde- rungen einzutteten:„Erziehung zur allgemeinen Wehrhaftigkeit, Vollswehr an Stelle der stehenden Heere. Entscheidung über Ktteg und Ftteden durch die Volksvettretung. Schlichtung aller internatio- nalen Streitigkeiten auf schiedsgerichtlichem Wege." Die stehenden Heere bergen, je länger, je mehr in allen Staaten die größten Gefahren für die Völker, ihre Geschicke und die Demokratisierung ihrer polittschen Zustände. Die Demokratie kann nimmermehr unter dem Militarismus gedeihen oder geschaffen werden, wofür Frankreich seit Jahr und Tag einen klassischen Beleg liefett, sondern sie ist nur noch möglich und erreichbar unter dem jeden StaatSstteich anSschließcnden Milizsystem. Es ist daher unverftändlich, wie ein Sottaldemokrat, noch dazu ein BettrauenSmann der Pattei, der seit Jahren Vertreter eines ReichStagS-Wahlkreike» ist, über baS zu er- kämpfende Mlizsystem spötteln und zur Einrichtung der stehenden Heere sich sympathisch stellen kann.' neuern Steuern auferlegt. Wenn auch Ersparnisse angeregt werden. wie z. B. von feiten des ObcrstlieutcnantS a. D. Rudolf Kraft, so wird doch auf der ganzen bürgerlichen Linie an dem System des stehenden Heeres festgehalten. Daß alle Pntteigcnofscn, wenn einige von ihnen gelegentlich auch einmal eine andere Meinung äußerten, als andere, die Bewilligung von Forderungen des Militarismus ablehnten, ist selbstverständlich, aber es sind Aeußerungen einzelner Genossen laut geworden, die die Vermutung erregen können, als wünschen sie� daß mit dieser bisherigen Haltung gebrochen werde. Den ersten Anlaß zu dieser Vermutung gab die bekannte Aenßcrung Schippcls ans dem Parteitage in Hamburg, die lebhaften Widerspruch hervorrief. Auer verteidigte und entschuldigte Schippel, nachdem dieser eine Rcchtfettigung versucht hatte,' die abermals den lauten Widerspruch hervor- rief und in der er sich dagegen verwahrt hatte, den Soldaten für den Fall eines möglichen Krieges schlechte Flinten und Gewehre in die Hand zu geben. Auer erklätte, daß, wenn wegen der Aeußerung Schippcls Abrechnung gc- halten werden solle, mit einer ganzen Reihe von Partei- genossen, unter anderen Bebel, Liebknecht und ihm, Ab- rechnung gehalten werden müsse. Er fragte, ob es nicht dasselbe fei. wenn Bebel Uniformen bewilligen wolle, die die Soldaten nicht schon durch ihre äußere Erscheinung zur Zielscheibe des Feindes mache. Er fragte, ob man die Soldaten mit Stöcken ausgerüstet gegen den Feind schicken solle; er crinnerte an die Bewilligung des warmen Abendbrotes für die Soldaten und erklärte schließlich: Schippel habe grundsätzlich die Gegner- schaft gegen den Militarismus und die Ablehnung von Bewilligungen betont. Soviel vom Hamburger Parteitage. Daneben liefen andere Aeußerungen. Auer sagte am 9. Februar 1898 in Hannover in einer Wahlversammlung:„Es kann Regierungen geben, denen wir überhaupt nichts bewilligen können, solange wir nicht als gleichberechtigter Faktor im parlameiitarischen und öffentlichen Leben anerkannt werden. Wird die Arbeiterklasse aber als gleichberechtigt anerkannt, so wachsen damit die Ausgaben dieser Klasse und ihre Verantwortung, und es ist sehr Ivohl möglich, daß wir von dem Zeit- Punkt an, da man die Arbeiter als gleichberechtigte Klasse ansieht, auch mit uns werden reden lassen über Flottcnfragcn. Zur Zeit müssen wir jeden Mann und jeden Groschen ablehnen." In Berlin riefen ähnliche Aeußerungen Heines gleich- falls starken Widerspruch hervor, sie liefen darauf hinaus, principicll bewilligen wir nichts, aber es kann euch einmal die Zeit kommen. Er sprach von dein viel gemißbrauchten Schlagwotte Militarismus: dieser Regierung nicht einen Mann und einen Groschen, auch nicht das, was für die Annee unbedingt nötig fei, aber in jedem ein- zelnen Falle muß man prüfen, ob' es nicht berechtigt sei, politische, namentlich militätische Bewilligungen als politisches Kampsmittel zu verwenden, ohne in verwerflichen'Opportunismus zu verfallen. Nur einige allgemeinere Grundsätze kann man hierüber aufftellen, unnötige Mililärforderungen müsse man überhaupt und immer ablehnen, nicht deshalb, weil es Militärforderungen sind, sondern weil sie eine Verschleuderung von Staatsgeldcrn bedeuten würden. Ebenso dürfe man nilbis bewilligen, was unserem Ziele der Fort- bildung des heutigen Armcesystems zur Miliz entgegenwirken würde. Daneben aber gebe es militärische Aufwendungen', die an sich zur Verteidigung der Nation nötig sind«nd unseren Idealen und Grund- sähen indifferent gegenüberstehen, dazu würden neue Geschütze gc- hören(Hört, hört!); solche Forderungen könnte auch der Social- dcmokrai, wenn er als genügende Gegenleistung wertvolle Volks- freiheiten erzielte, dafür bewilligen. Bei uns herrscht Meinungsfreiheit, aber sind solche Aeußerungen geboren in einer Zeit, da es auf die Einheit der Pattei ankömmt? (Sehr richtig!) Mir ist das zu viel Zulunftsmusik, ich halte sie n ichr für nötig, und es ist begreiflich, wenn man scharfe Kritik und vielleicht auch vcrdächiigcnde Aeußerungen hervorruft. Genosse Heine hat mir soeben noch eine weitere Stelle in jener seiner Rede angestrichen, ich verlese sie:„Das wird auch so bleiben, so lange unsere Regierung sich auf die Neaklioiisparteien stützt, und ich für meine Person hatte es für sehr wahrscheinlich, daß darin in den nächsten Jahrzehnten keine Aenderung eintreten wird. Deshalb fürchte ich, daß keiner von uns es je praktisch erleben wird, einen solchen Handel abzuschließen, Ivodurch wir für militättsche Be- Ivilliginigen Volksrechtc eintauschen. Wir werden dieser Regierung nie etwas bewilligen können, einfach weil sie uns keinen ent- sprechenden Preis in Voltsrechten zahlen wird." Wenn wir erst „nacb Jahrzehnten" in die Lage kommen, einen solchen Handel abzuschließe», ist es dann nölig, jetzt darüber in Wahlvcriamm- lungen zu reden?(Bebel: Sehr wahr!) Solche Aeußerungen sind nur geeignet, Verwirrung in unseren Reihen zu stiften.(Sehr richtig l) Auch die praktische Konstellation der Parteien muß in Betracht ge- zogen werden. Wozu jetzt Erörterungen anstellen, die den Anschein erwecken könnten, als wollten wir uns— anbieten?(Sehr wahr!) Wir sind zu den Bewilligungen nicht nötig; wenn bürgerliche Patteien Opposition machen, wissen sie, weshalb sie es thun. Wenn die Socialdemokratie einmal eine dominierendere Stellung einnehmen sollte, dann könnten wir überzeugt sein, werden sich alle anderen Parteien gegen uns so fest zuianimenscklicßen, daß es dann auch nicht nötig sein wird, mit solchen Bewilligungen Verwirrungen in der Partei' hervorzurufen. Jedenfalls werden wir unsere Stellung dann schon zu sinden wissen; lassen wir das Urteil bis dahin reifen. Jetzt die Bewilligungsfrage anzuschneiden, halte ich für überflüssig. In den Paneikreisen ist oftmals die Frage aufgetaucht, wie wir handeln werden, wenn wir stärker werden. Diese Frage zu beantworten ist jetzt unmöglich: aber wer solche Fragen anschneidet, darf sich nicht wundern, wenn eine leb» hafte kritische Diskussion entsteht und man dem betreffenden Pattei« genossen sagt, es scheint so, alS sollte die Partei geschoben, auf eine andere Bahn gedrängt werden, daß sie eine andere Stellung zum Militarismus nehmen soll als bisher. Soviel über diese Frage. Nochmals über Punkt 3 des Pro- gramms. Er fordert:„Erziehung zur allgemeinen Wehrhaftigkeit; Volkswehr an Stelle der stehenden Heere; Eulscheidung über Ktteg und Ftteden durch die Voltsverlretmig; Schlichtung aller inter- nationalen Streitigkeiten ans schiedsgettchtlichem Wege." Wohlgcmerkt, diese Forderungen stellt die Partei an den gegenwärtige» Staat, wir drängen damit auf eine Demokratisierung der Gesellschaft hin. Ob sie verwirklicht werden, ist eine andere Frage, aber wir halten sie für erfüllbar: natürlich setzt das eine gewisse Grenze der Ent- Wicklung voraus, in der die Gegner einsehen, daß diesen Forde- rungen nachgegeben werden muß. Aber sie sind zu verwirklichen, damit wird die Grundlage des vürgerliche» Staates noch nicht be« seitigt, aber wir halten diese Forderungen für die Kämpfe der Partei zur Herbeiführung des Endzieles für nötig. Das Wesen der Bolls- wehr ist weit entfernt von deni des stehenden Heeres. Der Drill, das Paradesysiem, die willenlose ttntcrordnung, im Gefolge davon die Mißhandlungen, der bis zur Selbstverhcrrlichung über« trieben« Autoritätskultus dürfen ihr nicht anhaften. Für eine Volkswehr darf auch kein besonderes Recht gelten, sondern die bürgerliche Justiz. Eine Volkswehr darf auch die Fühlung mit dem Volke nicht verlieren. Das stehende Heer wird in Gegensatz zum Volle gebracht; eine Volkswehr soll die Verteidigung gegen feind« liche Angriffe allerdings führen, aber nicht zur Unterdrückung der eigenen Volksgenossen dienen. Sie darf auch nicht zur wittschast- lichen und finanziellen Bedrückung des Volkes ftihren. Um eine solche Volkswehr dem Volke zu geben, bedarf es natürlich auch einer anderen Jugenderziehung, als wir sie jetzt haben. Der militättsche Dttll ist zetzt auch schon in den Schulen; es giebt viele Lehrer, die vom Geiste des Militarismus beseelt sind. Dieser Dttll muß aus der Schule heraus. Die Hebung der Schule bedingt eine geistige Hebung, und dann wird auch das Urteil de« Volkes über' die sogenannte Rotwendigkett der Kriege ein ganz anderes sein, als wie sie heute dem Volke eiugetrichtett wird. Wenn wir diese Forderungen für notwendig halten, dann muß es um so auffälliger sein, wenn e» innerhalb unserer Pattei Leute flicbt, die an ihre Stelle etwas anderes setzen Walsen. Eine Ab- brockelung an Punkt 3 des Progranmis würde eine Verlan�samung des ÄanipfeS nm das Endziel bedeuten: und wenn der Gedanke in der Partei Platz griffe, daß man das stehende Hccrsystem nicht bc- scitigcn wolle, daß man gelegentlich diesem Shstein Bewilligungen machen könne, um dafür Vorteile einznhciinscn auf politischem Gebiete, dann würden wir unseren Kampf zurückschrauben, würden in den Augen der Gegner einen Rückgang verzeichnen und dadurch die Kraft ihres AngrigS gegen»ns stärken. Nun, dahin ivird es ja nicht kommen; aber was hat cS denn zu bedeuten, wenn die Forderungen in Punkt 3 des Programms so angegriffen werden, wie es Schippet gcthan hat? Im Novemberheft der„Socialistischcn Monatshefte" hat er seine» be- kannten Jsegrim-Artikel veröffentlicht:„War Friedrich Engels miliz- glaubig?" In der Einleitung spricht er bei Beurteilung der allgemeinen Auffassung des Militarismus seitens der Socialdeinokratie von sonder« baren Schivänncm, verblüffender Kritiklosigkeit, von einem heiligen Eifer, halbivahre und hnlbverdante Schlagwortc sofort zu einem System aufznbancn, voll einer neuen Auflage des alten Bürger- gardistciiidcals, vom militärischen Fachmann iyw. In diesem Artikel unternimmt cS Schippel, den Beweis zu führen, daß EugelS nicht „milizgläubig" gelvefcn, daff er sich eher dafür erwärmt habe, dag das stehende Heersyslcm ausgebaut werde, und Mick den Vorschlag gemacht habe, eine kürzere Dienstzeit für das stehende Heer ein- zuführe». Gewig, das hat Engels gctban, aber er hat dabei nicht das Milizsystcnt a»S den Augen gelassen; gerade das Gegenteil. Und ich bin geradezu erstaunt darüber, ivie Schippel aus Engels eine Allffassnng heranslesen konnte, die schnurstracks das Gegenteil von dem darstellt, was Engels in Wirklichkeit erklärt hat. Zu einer Broschijre, die eine Samiiilmlg von Artikeln darstellte, die er im„Vorwärts" 1833 veröffentlicht hatte,„Kann Europa abrüsten", schrieb Engels cine knappe, gedrängte Vorrede, in der aber der ganze Geist dieser Artikel zur Erscheinung komnit; er kann gar nicht drastischer und schäl fer zum Ausdruck kommen. Er sagt von diesen Artikeln:„Ich gehe darin von der Voraussetzung ans, die sich mehr und niehr allgemeine Anerkennung erobert: dag das System der stehenden Heere in ganz Europa auf die Spitze getrieben ist in einem Grad, wo es entweder die Völker durch die Militärlast ökonomisch ruinieren, oder in einen allgemeinen Vernichtungskrieg ans- arten m»g, es sei denn, die stehenden Heere werden rechtzeitig nmgewaiidelt in eine aus allgemeiner Vollsbewaffnimg beruhenden Miliz." Ich verweise nebenbei auf die auffällige ähnliche Kcnil- zcichunng der muitärische» Last in dem bekannten Zaren-Manifest. Engels erklärt dann weiter, dag er den Nachweis zu führen versucht, dag diese Umwandlung schon jetzt möglich ist, auch für die heutigen Regierungen und unter der heutigen politischen Lage. Von dieser Lage ausgehend schlage er einstweilen nur solche Mittel vor, die jede heutige Regierung ohne Gefahr der Landes- sichcrheit aunehincn könne; die Herabsetzung der Dienstzeit durch intcrnationalcn Vertrag sei der kürzeste Weg, um den all- geineinen Uebergnug vom stehenden Heer zu der als Miliz organisierten Volksbewaffnung zu vermitteln. Zuni Schluß hcisit es: Indem ich � die gymnastische und militärische Ausbildung der gesamten männlichen Jugend zu einer wesentlichen Bediiignng des Ucbergangs zum neuen System mache, schließe ich die Verwechslung des hier vorgeschlagenen MilizsystemS mit irgend welcher jetzt bestehenden Milizf z. B. der schweizerischen, ausdrück- lich ans. Für mich geht daraus klar hervor, daß Friedrich Engels nie- mals von dem Gedanken abgegangen ist, ei» Milizsystem zu schaffen. Was sagt nun Schippel? Er citicrt Engels folgendernraßc»: Hier liegt in der That der Punkt des Archiniedes: internationale Festsetzung, zwischen den Großmächten des Kontinents, des Maximums der aktiven Dienstzeit bei der Fahne für alle Waffengattungen, meinetwegen zuerst auf zwei Jahre(es war 1893), aber mit dem Vor- behalt sofortiger weiterer Herabsetzung, sobald man sich von der Möglich- kcit überzeugt. Solveit citiert Schippel Engels, aber die sechs darauf folgenden Worte:„aber mit dem Milizsystcin als Endziel" läßt er weg sHört I hört!), uni dann behaupten zu können, Engels ivollte nicht das Milizsystem als Endziel.(Höt-t! hört!) Ich habe die Auf- gäbe, Ihnen das ganz objektiv vorzuführen, um Ihnen zu zeigen, wie Schippel operiert. Schippel schließt:„Man sieht, daß sich Engels die Erziehung zur allgemeinen Wcyrhnftigkeit, die unser Parteiprogramm fordert, ganz anders dachte, wie die Miliz- gläubigen, Wasserheiligen iliid Mehlpappapostcl. Doch auch für die Partei wird es schließlich wie im Siegfried heißen: Fort mit dem Brei— ich brauche ihn nicht! Ans Pappe schmicd' ich kein Schwert. Da fragt nian sich, wenn solche Dinge geschrieben werden, ist es dann �Schippel darum zu thun, die Forderung 3 des Pro- grannns zu ändern? Davon liest man in allen seinen Aenßernngcn nichts und er hat sich insofern mit Recht gegen diese Unterstellungen verwahrt. Wozu, frage ich dann, die Aufwerfung dieser Frage? Was will dann Schippel? Wenn ich etwas für nicht mehr zeit- gemäß halte und kritisiere eS, wie er es hier kritisiert hat, dann habe ich doch die Verpflichkuiig, Vorschläge zu machen, ivas Besseres an Stelle des Bisherigen treten soll. Schippel hat nichts dergleichen gethan, er hat nur seine Kritik geübt, und zwar in einer Weise, die bei den Parteigenossen nicht nur das höchste Aufsehen, sondern auch die lcbhaslcste Mißbilligung fand, und die Genossen hatten recht. In dieser Art und Weise darf in der Partei nicht weiter diskutiert lvcrden, dürfen ihre Forderungen nicht angegriffen oder die Ansichten einzelner Genossen kritisiert, unrichtig citiert werden, damit sie dann besser kritisiert werden können. Ich bin weit entfernt, den Ketzer- richtcr gegen Schippel spielen zu wollen, aber ich sage: Ehe man so auf feine Partei einhant, muß man wissen, ob man ihr etwas Besseres vorschlagen kann. Und dann unterläßt man auch den hoch- fahrenden und beleidigenden Ton, wie er in den Eingangsworten gebraucht ist. Die ganze Partei ist herabsetzt.(Sehr wahr.) Ich will Schippel durchaus nicht beleidigen, aber che ich dazu komme, meine eigene Partei so herabzusetzen, so schimpflich zu behandeln, würde ich mich fragen, ob ich dieser Partei nngehvrcn kann(Sehr wahr I), denn mit der Ehre meiner Partei setze ich auch meine eigene Ehre herab. lLebhafter Beifall.) Verdient die Partei, waS ick ihr anlhne. ist ist sie mir nicht mehr wert, dann ist auch meines Bleibens in ihr nicht mehr; eine Partei, die mir wert ist, behandele ich auch achtungsvoll und setze ich nicht vor meinen Gegnern herab lLebhafter Beifall!). und wenn ich dazu fähig wäre, würde ich nicht »vagen, vor meine Partei zu treten, um mich verantworten zu mLsien. So wünde ich handeln. Was Schippel thut, ist seine Sache. sSehr ricknig!) Wenn diese Diskussion so weiter geht, dann ist es ja ganz erklärlich, wenn»vcite Partcikreise mißvergnügt sind, ganz erklärlich, daß man von Leuten, die so die Partei herabkritisicren, annimmt, sie haben die Absicht, die Partei in andere Bahnen zu dränge»». Das ist auch meine persönliche Ansicht;»venu Genosten, die das tbun, sich darüber verwundern, denn ist mir nur verivunderlich, daß Sie sich darüber»vundern. lieber die weiteren Forderungen des Punktes 3 ist innerhalb der Partei nicht diskutiert worden. Wir halten daran fest. Früher bicß es:„Enti'cheidinig über Krieg und Frieden durch das Volk". Wir haben dasür gesetzt„durch die Volksvertretung", aus praktischen Gründen, da im gegebenen Falle die Volkverlretnug in der Lage ist. schneller als das ganze Volk die Entscheidung zu treffen, und je mehr Zeit man gewinnt, desto besser wird die Gefahr ab- gewendet. Der Redner weift zum Schluß seine« Referates auf den gelegentlich dcr Jsegrimm-Deballe im„Hamburger Echo" erschienenen Artikel hin, bittet um Annahme seiner Resolution und wünscht, daß die Debatte sich nicht aus das persönliche Gebiet verlieren möge, daniit die Partei keinen Schaden erleide. lLebhafter Beifall.) Nach Geyer verteidigt Schippel, dem unbeschränkte Redezeit bewilligt wurde, in anderthalbstündiger Rede seinen Standpunkt. Hierauf beginnt die Diskussion, in der Luxemburg, Baudert, Schocn- lank und Auer das Wort ergreifen. Luxemburg, Zetkin, Ledebonr und Ad. Hoffmann stellen den Antrag, die Darlegungen SchippelS al« in Widerspruch mit den Partei-A», schauungen stehend zu erklären. Morgen wird die Debatte fortgefetzt. •• 74. Der Parteitag erinnert die Genossinnen und Genossen an den Beschluß deS Golhaer Parteitages, überall dort weibliche Ver- trauenspersonen der Genossinnen zu»vählen, wo die Thätigkcit der- selben zur Förderung einer planmäßigen Agitation unter dein»vcib- lichcu Proletariat nötig erscheint. C. Zetkin. Lily Braun. Louise Zictz. Mary WcngclS. Rosa Luxemburg. 73. Der Parteitag fordert die Genossinnen und Genossen auf, in thatkräftigcr Weise eine in nächster Zeit zu entfaltende allgemeine Agitation der Genossinnen für den ivcitcrcn Ausbau des gesetzlichen Arbcitcrinnenschutzes zu unterstützen und für folgende Forderungen einzutreten: 1. Absolutes Verbot der Nachtarbeit für Frauen. 2. Verbot der Verwcndung von Frauen bei allen Beschäf- tigungsarten, welche dem»veiblichcn Organismus besonders schädlich sind. 3. Einführung des gesetzliche» Achtstundentages für die Arbeite- rinnen. 4. Freigabe des Sonnabcndnachmittags für die Arbeiterin»»«»». 5. Ausdehnung der Schutzbcstimmungen für Schivangere»»nd Wöchnerinncn auf mindestens 1 Monat vor und 2 Monate nach der Entbindung; Beseitigung der Ausuahmebeivilligungen von diesen Bestimmungen auf Grund eines ärztlichen Zeug- nisses. 6. Ausdehnung der gesetzlichen Schutzbestiinmungen auf die HauS- iudnstrie. 7. Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren. 8. Sicherimg völliger Koalitionsfreiheit für die Arbeiterinnen. 9. Aktives und passives Wahlrecht der Arbeiterinnen zu den Gelverbegcrichtcn. C. Z e t k i i». L i l h B r a u n. Nmnmmmles. Zur Frage der Verbillignng deS Leuchtgases. Die Stadt- verordneten Ullstein und Genossen haben folgenden Antrag in der Stadtverordneteu-Versammlung eingebracht: Die Stadtverordneten- Versammlung wolle beschließen: den Magistrat zu ersuchen: 1. ihr noch rcchtzcilig für das nächste Etatsjahr cine Vorlage zugehen zu- gehen zu lassen, durch»vclche der Preis für das Leuchtgas unter Zugrundelegung eines Einheitspreises herabgesetzt wird, 2. mit der Einführung von Gasantoniaten vorzugehen. Mit der neue» Betricbs-Kraukcnkasse der Stadtgemeinde Berlin hat die G e>v e r b e d e p u t a t i o n,»vie in letzter Nummer schon mitgeteilt, sich vorgestern beschäftigt. Nach dem Statuten- Entwnrf sollen die Mitglieder für die Bemessung der Höhe der Bei- träge und der Kassenleistungen nach der Höhe ihres Verdienstes, ohne Rücksicht aus Alter und Geschlecht, in sechs Klassen cingeieilt Ivcrdcn. Der durchschnittliche Tagelohn soll bis auf weiteres fest- gesetzt»verde»»: für die I. Klasse aus 4 M., IL Klaffe auf 3 M., III. Klasse auf 2 50 M., IV. Klasse auf 2 M., V. Klasse auf 1,50 M. und VI. Klasse auf 0,80 M. Im Falle der Erivcrbs- Unfähigkeit soll den erkrankten Mitgliedern vom dritten Tage nach dem Tage der Erkrankung ab für jeden Arbeitstag ei» Krankengeld in Höhe der Hälfte des durchschnittlichen Tage- lohns geivähtt»verde»». Die Krankenunterstiitzung endet spätestens mit dem Ablauf der 39. Woche nach Beginn der Krankheit beziv. der Erwerbsunfähigkeit. Abgelehnt wurden verschiedene soeialdem akratische Anträge, die dahin gingen, die Krankemmtelfftützung schon vom Tage des Beginns der Krankheit beziv. Arbciisunfähigkcit ab zu gewähren, und die Bestinnmuig zu streichen, welche bestinimt. daß bei solchen Mitgliedern, die anderivcitig noch versichert sind, die Unterstützung in Krankheitsfällen bis auf den Betrag des durchschnittlichen täg- liehen täglichen Arbeitsverdienstes gekürzt wird. Eine lebhafte Debatte entstand noch bei Z 27, welcher bestimmt, daß dcrVorsitzende der Kasse und der 1. und 2. stellvertretende Vorsitzende ans unbestinunte Zeit von» Magistrat ernannt, sechs Beisitzer aber ans die Dauer von zivci Jahren von der Generalversanimiung gcivähl» »verde»» sollen. Einer der slellvertretenden Vorsitzenden soll zugleich als Rcudant der Kasse fungieren. Socialden»otratische Anträge hierzu,»vclche die Rechte der Mitglieder erlveitern solllcn, wurden ebenfalls abgelehnt. Angenommeu»nuu.u jedoch die von uuscrn Parteigenossen Tutzan'er und Borg»» an» gcstelllcu Anträge,»vclche die Streichung des ß 12 Abs. 2 und 7 des Statuts verlangten. Der eine Absatz bestimmte, daß solchen Mitgliedern, welche die Kasse durch eine mit Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestrafte Haild- lung geschädigt haben, das Krankengeld auf 12 Monate zu entziehen sei. Der andere Absatz»vollte solchen Mitgliedern das Krankengeld entziehen, die sich infolge von Schlägereien ec. eine Krankheit zu- gezogen hatten. Ter Stadtperordncte Banuigarten hat seine Absicht, ans der Stadtverordnclen-Versainmlung auszuscheiden, ausgegeben und behält sein Mandat bei. Der Kausmanu Fricke hat aus seinem Nachlasse der Stadt Berlin ein Legat von 100 000 M. zur Verwendung zu»verschiedenen Zlvcckcn bestimmt. Das Magistratskollcgium hat beschlossen, bei der Stadtverordneten-Versaiiimlung die Annahme des Legats zu befür- Worten. Hinsichtlich deS freizulegenden Geländes des Köfluischen Rathauses soll nach Beschluß deS Magistratskollegii die Gesamt- baustclle von 1251 Quadratmeter in einen» Siück oder auch in zivei Parzellen von 023 Quadratmeter und 628 Quadratmeter öffentlich zum Verkauf ausgcboten werden. Ferner soll ein Fluchtlinienplan ausgelegt»verdcn, welcher die Bauflucht des alten Rathauses in der Weste abändert, daß von der Roßstraße nach der Brcitcnstraße eine bequemere Zugnnglichkeit erzielt wird Gleichzeitig wird auch von dem Grundstück Breitestraße 20. Ecke Scharnstraße, ein Stück ab- geschnitten werden, um den Uebergang nach der Breitenstraße besser zu gestalten._ Tokales. Tie Parteigenossen deS ersten Wahlkreises veranstalten am Sonntag einen Ausflug nach Treptow, Ivo durch das Ricsenrohr der Mond beobachtet»verdcn soll. Der Vortrag beginnt präcise 5 Uhr; Treffpunkt 3 Uhr im Restaurant Karpfenteich. Nach dem Vortrage gemütliches Beisammensein im selben Lokal. Zahlreichen Besuch erwartet der Vorstand. Die GrSffuniig des Winter- Semesters der Arbeiter- BilduugSschule findet Mitte Oktober in der Reue» Noßstr. 3, Hof patterre, statt. Beginn der einzelnen Kurse: Montag, den 16. Oktober: Natur-Erkeuntnis. Vortragender: Schriftst. W. Bölsche.— Donnerstag, den 19. Oktober: Nationalökonomie. Vortragender: Dr. C. Sckimidt.— Freitag, den 20. Oktober:„Geschickte der großen fran- zösischen Revolution." Vortragender: Dr. R. Steiner.— Jeder Kursus erstreckt sich auf 10 Abende und beginnt pünktlich um 9 Uhr und endet pünktlich um r/ell Uhr.— Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8 bis 9 Uhr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 26 Pf.; das Schul- geld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 M. Der erste Abend eines jeden Kursus steht jedermann zum unentgeltlichen Besuch frei.— Aufuahme» finden statt im Schullokal Neue Roßstr. 3, Hof parterre, und in folgenden Zahlstellen: Gottfried Schulz, Admiralftr. 40a; Reul, Barnimstr. 42; Schiller, Rosenthalerstr. 57, und be» Krause, Müllerstr. 7a. Die Stadtverordneten-Wahl am Sonntag wieder beseittgt! Ain Donnerstag hatte die Stadtverordneten-Bersammlung in einer Anwandlung von Großmitt der«rbetterschaft die Gelegenheit ge- geben, ihr Wahlrecht unter den durch da» Erkenntnis des Ober- VerwaltungsgerichtS erschwerten Umständen ausüben zu können. DieS Stück Gerechtigkeit erschien aber dem noch immer freifinnig genannten Magisttat bedenklich und somit hat er in seiner Sitzung vom Freitag den Beschluß der Stadtverordneten-Bersammlung. die Wahlhandlung in der dritten Abteilung am Sonntag, den 5. No- vember, vornehmen zu lassen, wieder beseitigt. Diese liberale Musterleistung»vird aus den» Noten Hause in folgender Meldung kundgegeben: Infolge der Obcr-Vcr>valtungSgerichtS-Entscheidnng hat nun- mehr der Magistrat endgültig beschlossen, nin eine Ungültigkcits- erklärung zu vermeiden, von der Teilung der Wahlbezirke in Abstimmungsbezirke bei den in» November bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen abzusehen und den Wahlakt in jedem Wahlbezirke in»nöglichst großen Lokalen und nur vor dem Gesamtvorstande vornehmen zu lassen. Dem Be« schlusse der Stadtverordneten- Versainmlung, den Wahl- tenniu für die III. Abteilung auf Sonntag zu verlegen, ist daS Magistratskollegium nicht beigetreten, vielmehr ist beschlossen worden, die Wahl am Montag, den 6. November er. vorzunehmen, jedoch mit der Aenderung, daß der Wahlakt statt von 9 Uhr vorinittags bis 7 Uhr abends, von 9 Uhr vomiittags bis 8 Uhr abends vollzogen werden solle; eS ist dies gegen früher eine Verlängcrnng um 1 Stunde. Irgend ein Grund für diesen Beschluß, gegen den ein praktisch wirksamer Appell nicht gut möglich ist. Ivird nicht mitgeteilt. Wozu auch? Liegen die Gründe doch beißend klar vor Augen I Die Arbeiterschaft hat schon manchen Schlag ihrer Gegner pariert und wird auch in diesein Falle Opfermut genug besitzen, uin die Hoffnung gewisser Liberalen, daß daö spärliche Wahlrecht der dritten Abteilung illusorisch»verde, gründlich zu Nichte machen. Thue jeder doppelt seine Pflicht, dmutt am Montag, den S. November trotz der erschwerten Umstände dem herrschenden Kominunalfreisiin» die richtige Antivort zu teil»verde I In, Harmlose, i-Prozest »verde» ain heutigen Sonnabend die Zeugenvernehmungen jedenfalls zu Ende gehe». Am Freitag wurden»nieder eine Menge Leute ver nommen,»lm über da» Treiben am Jeu-Tstch Auskunft zu geben, oder um den Lebeilsauflvand der Angeklagten festzustellen. So er- schien beispielsiveise der Schneider des Herrn v. Kröcher. Er hat dem jungen Herrn in einein Jahre für 2000 M. Garderobe geliefert; darunter befindet sich unter anderem eine 500—600 M. kostende Ausrüstimg zu den Hoffagden im Gnmclvald, die der junge Herr mitgeritten hat. Uebrigens giebt der Schneide, ineister Herrn v. Kröcher das beste Zeugnis und charakterisiert ihn als einen früher sogar sehr soliden jungen Mann. Von den vernvinuienen Mitspielern ist hervorzuheben ein Diamanthändler Nix, der den Verlust von 50 000 M. an die Hann- losen betrauert, uud ein früherer Ritttneister Giesecke, nicht un« bekannt ans antisemitischen Versammlungen, der mit dem jüdischen Falschspieler Wolff sckon seit 20 Jahren bekannt ist und noch jetzt mit ihm in Gesckäftsbeziehungen steht. Aeußerst ckarakteristisch war ain Freitagmorgen eine Unterhaltung zivischen dem Vorsitzenden und dem Angeklagten v. K a y s e r. Es war bei der Vernehmung eines Zeugen, an den Herr v. Kahser eine große Menge Fragen richtete. Endlich fuhr der Vorsitzende dazivischcn:„Na.»vie viel Fragen»vollen Sie eigentlich noch stellen, Herr v. Kayscr?" Und eS erfolgte die kurze Aullvort:„So viel, »vie ich gerade zu meiner Verteidigung nötig habe!" Mancher, der an den sonst in Gericktssälen üblichen Ver- kehr gcivöhnt ist, crlvartete min»vohl, daß sich irgend etlvas ereignen würde. Aber es ereignete sich gar nichts. Der Vorsitzende schtvieg und Herr v. Kayscr stellte seine Fragen»veiter. Wir»vollen nun durchaus nicht sagen, daß Herr v. Kahser mit seiner Antlvoi't in» Unrecht gelvefcn»väre. Denn der Angeklagte bat nach der Strnsprozcß-Ordiiung daS Recht der Fragestellung an den Zeugen und das>,»eitere Recht, sich Über die Bekundmig jcdcS Zcnqen zu äußern. Aber Ivo anders, als in diesem Prozeß gegen Aristokraten,»st es soitst erhört, daß ei» Gerichtspräsident sick von cincin Angeklagten so schlagend abfertigen läßt? Jeder andere Angeklagte ans den Klassen, die nicht in der Lage sind, in»vüste» Spielnächten das Ven>»ögen ihrer Eltern zu vergenden,»väre von» Vorsitzenden in der energischsten Weise angefahren und zurcchtgerüffclt»vordcn. Hier geschah nichts, und die Ängeilagten erfreuen sich der unbeschränkten Verteidigungs- frcihcit. Wir betone»» noch einmal daS Recht des Herrn v. Kahser. Aber»vir erivartcn, daß dieser Prozeß erzieherisch auf die Gerichte und die StaatLanlvälte»virken»verde, daß in Zu- kniist auch andere Angeklagte so höflich behandelt»verde»», wie es hier mit Recht de» jungen Adligen geschieht. Wir erivarten dies selbst dann,»vcnn die Angeklagten— weit davon eiltfernt, einen hochadligen Stammbaum zu haben— lediglich eine anständige politische Gesinnung einsetzen können, lvegen deren sie vor die Schranken des Strafgerichts gefordert worden sind. Bis jetzt ist leider noch vorgekommen, daß solche Leute nn grünen Polizei- ivagei» befördert wurden, ja außerhalb Berlins sogar, daß sie mit Ketten gefesselt zu Fuß durch die Straßen ttanSportiert worden, sind. Bestrafungen wegen nicht rechtzeitiger oder unterlassener Ver- »vendimg von Jnval»ditäts marken kamen im Verwaltungs- jähr 1898 in 1739 Fällen vor. und zwar schivankten die Strafbeträge. wie ans dem letzten Verivaltnngsbericht der Versicherungsanstalt Berlin bcrvorgcht, zivischen 1 bis 100 M. J»n ganzen»vurden für 2557 männliche und 1782 weibliche Arbeitnehmer Marken nicht geklebt. Die im Markenkleben lässigen Arbeitgeber sind unter allen Berufen zu finden, vorzüglich'st der H a n d e l s st a n d stark vertreten, denn fast ein Drittel der Strafen trafen Kaufleute, Händler u. dgl. Auch Fleischer, Bäcker, Schneider und sonstige Arbeiter aus der Nahrnngs« mittel- und Bekleidungsindustrie scheinen in vielen Fällen von dem Kleben iiichts zu hallen, da über 350 Strafmandate sie bestrafen. Unter den»veiblichcn Arbeitgebern find in erster Linie die Damen ohne Beruf, die das Kleben vergesse»». Was die Arbeitnehmer betrifft, so ist es auffallend, daß trotz deS schon mehrjährigen Bestehens des Klebegcsetzcs, noch immer für so viele Dienst- boten keine Marken verlvendet»vurden. Unter den 1782 Arbeiterinnen. für die Marken nicht verwendet wurden, befände»» sich 720 Dienstmädchen. Auch für Gehilfen beiderlei Geschlechts sind in 1640 beziehentlich 764 Fällen Marien nicht regelmäßig geklebt worden. Die Strafen erfolgten zum allergrößten Teile auf die An- zeigen der Kontrollbeamten der Versicherungsanstalt hin. In 25 Fällen beschwerten sich die Arbeitnehmer bei den unteren Ver- waltungsbehörden, in»vetteren 162 bei der Polizei oder den Ver- fichermigsanstalten selbst. Gegen den Strafbescheid wurde bei», Reichs-Versicherungsamt in 131 Fällen Beschlverde eingelegt, von denen aber nur 9 eine Berücksichtigung fanden. Die Blüte der Ratio«. Ans dem Spielerprozeß wird noch die folgende kleine Episode mitgeteilt: An einem der Spielabende war Herr A. in ziemlich animiertem Zustande bei Hecht erschienen. Er wurde derartig„angeschossen", daß Herr v. Kayser, tiefgerührt ob dieses Mißgesckicks. einsprang und erklärte, für ihn spielen zu wollen. Das Glück war ihn» thatsächlich hold und er g.- wann 4-6000 Mark. Darauf stand er auf, packte semen Freund A. zusainmen, setzte sich mit ihm in eine Droschke und fuhr ihn nach Hause. Mit den» guten Gewissen eines Wohl- thäters der Menschheit ttank hierauf!Herr v. Kayscr in einer Bar einen Schnaps»nd kehrte sodann wieder zu Hecht zurück. Wer beschreibt sein Erstaunen, als er. in daS Lokal eintretend, seinen Freund, den er längst schlafend glaubte, wieder».»ranügt beim Jeu sitzen sieht l«. verlor an diesem Abend 10 000 M. und er- klärte vor Gericht, daß er sich seit jener Nacht das Spielen definitiv abgelvvhnt habe. Diese Jeubrüderschaft ist ganz die rechte Sorte, um in späteren Jahren den Kampf für Ordnung, Religion und Sitte zu markieren und in der Bedrückung der auch sie ernährenden Arbeiterschaft dem Unternehmertum Handlangerdienste zu leisten. Der Magistrat zeigt doch noch Wagenuit. In der gestrigen Magistratssitzung hat das Kollegium beschlossen, gegen daS Er- renntnis deS Bezirks- Ausschusses in der Friedhofs- cnigclegenheit im Fricdrichshain beim Oberverwaltungs- Gericht Berufung einzulegen. Tie leudenlahme» Versichcruiige» freisinniger Blätter, daß der Kommunal-Liberalismns auf Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts zur S t a d t V e r o r d n e t e n- V e r s a m m l u n g bedacht sei, werden auch von der„Kreuz-Zeitiing" verhöhnt. Das stockkonservative Blatt schreibt:„Aus den Vorgängen in der vor- letzten Sitzung der Berliner Stadtverordneten darf' nicht etwa ent- nommen werden, daß die Freisinnigen die Beseitigung jenes Systems(der Dreiklassenwahl) ernsthaft wünschen. Das' können sie schon deshalb nicht, weil sie wissen, daß sie unter der Herrschaft des allgemeinen gleichen Wahlrechtes -- und dieses wäre ja das einzige, das sie an Stelle des bisherigen in Vorschlag bringen könnten— in den meisten Gc- nieindc-Vertretnngen der Großstädte ihren maßgebenden Einfluß verlieren würden. Aber sie wissen sehr wohl, daß für das Zu- standekommcn einer derartigen„Reform" keine Aussicht vorhanden ist, und ihnen demnach die Befürwortung derselben keinen Schaden bringen kann." Die„Kreuz-Zeitung" ist ehrlicher als die Liberalen und tritt mit Leib und Seele für Konservierung der gegenwärtigen Ungerechtigkeit ein. Ihr einziger Kummer ist, daß zur Zeit selbst höhere Beamte niit dem Proletariat zusanimen in der dritten Klasse wählen müssen. Vier Millionen für die Hochbahngesellschaft. Hiesige Blätter berichten:„Im Ministerium der öffentlichen Arbeiten hat in voriger Woche eine Besprechung mit Vertretern der drei Städte Berlin, Schöncberg und Charlottenburg, sowie der Hochbahngesellschaft statt- gefunden, die darauf abzielte, nicht nur den Nollend'orfplatz, sondern auch die ganze Bülowstraße von der Hochbahn freizuhalten. Die Untcrnchmcrfirma ließ dabei erklären, daß sie bereit sei, die Hochbahn auf dem Gelände der Potsdamer Bahn vor der Bülowstraße zur Unterpflasterbahn hinabzuführen, wenn die drei Städte zu den Mehrkosten dieser Ausführung einen entsprechenden Zuschuß von gegen vier Millionen Mark bewilligen würden. Es würde dann die Bahn daS Gelände der Potsdamer Bahn schon als Untergrundbahn verlassen und als solche die ganze Bülowstraße entlang»ach Charlottenburg führen. Der Plan fand allseitige Zustimmung, und die Vertreter der drei Städte erklärten, daß diele voraussichtlich auf die Beitragszahlung eingehen würden, von der auf Berlin 2�/2 Millionen, auf Charlottcnbnrg etwa 700 000 und auf Schöneberg gegen 300 000 M. entfallen würden. Für den Fall aber, daß dieser Vorschlag scheitern sollte, schlug der Vertreter Schönebergs namens des dortige» Magistrats vor, die Hinüberführring der' Bahn in der Bülowstraße von der Frobcu- straße zur Ziethcnstraße erfolgen zu lassen, und zwar unter Blockierung der Ziethenstraße, deren ganze Straßenbreite zu Schöncberg gehört. Auch dieses zweite' Projekt würde die Hochbahngesellschaft auszuführen bereit sein. Ter Schönebergcr Magistrat hat schon der Stadtverordnetcn-Versammlnng eine Vorlage zugehen lasse», wonach er die Bewilligung des zur Durchführung der Unterpflasterbahn zu übernehmenden Bcitragsantcils bis zur Höhe von 300 000 M. beantragt. Wie bereit auch die Umwohner der Bülowstraße und des Nollendorfplatzes sind, für deren Freihaltung Geldopfcr zu bringen, zeigt das Ergebnis einer zur Beschaffung der Beitragssumme unter den beteiligten Schönebergcr Besitzern sofort ins Werk gesetzten Sammlung. Diese hat in den wenigen Tagen bereits über 40 000 M. erbracht. Und auch unter den Char- lottcnburger Besitzern ist man eifrig dabei, einen Zuschuß zu den Kosten aufzubringen. Die Entscheidung darüber, ob die Bülowstraße von der Hochbahn freigehalten werden' soll, liegt jetzt wieder bei der Stadt Berlin." Berlin hat wohl alle Ursache, sich das Projekt sehr genau an- zusehen und zu prüfen, ob die vornehmlich von den sonst doch nicht sehr empfindsamen Hauswirten erhobenen ästhetischen Bedenken gegen die von der Hochbahn zu befürchtende Verunzierung eines als vor- nehm geltenden Stadtteils auch wirklich gerechtfertigt und lauteren Charakters sind.■ Unter betäubendem Lärm tagte vorgestern die General- Versammlung der„Großen Berliner".' Es handelte sich um den Beuteantcil an den neuen Aktien, die in Höhe von 22 875 000 M. ausgegeben werden sollen. Während der Aufsichtsrat den Kurs der neuen Aktien auf 120 festgesetzt hatte, wollten die Aktionäre sie für 103� haben. Schließlich gab der Aufsichtsrat nach. Es wurde konstatiert, daß alle Aktionäre mit der Geschäftsführung der Direktion einverstanden seien. Wenn doch das Publikum und vor allem das ausgebeutete Personal dasselbe sagen könnte! Wie„Herrschaften" unter der Gesinde-Ordnnug nnt der Ehre eines Dienstmädchens umspringen, lehrt folgender Fall. Bei dem Schlächtermeister F. im Osten' der Stadt war am 1. Oktober die 17jährige Tochter eines Droschkenkutschers in Stellung getreten. Als das Mädchen vier Tage bei der Herrschaft im Dienst war, trug die Madame ihm auf, mit einem verschlossenen Briefe nach dem Haus- arzt zu gehen und sich darauf untersuchen zn lassen, ob es in anderen Ilmständen sei. Das Mädchen wies das Ansinnen mit Entrüstung zurück und ging, als die Schlächtermadam trotzdem auf ihrem Ver- langen bestand, in der Angst zu ihrem Vater. Dieser führte seine Tochter zu einer Hebanime und brachte das Mädchen dann mit dem Atteste zu der Herrschaft zurück, daß der Verdacht der Madame in keiner Weise zutreffe. Die Schlächtcrsfrau rief jetzt den Arzt ins Haus und nunmehr wurde das Mädchen gezwungen, sich der von der Herrschaft verlangten Prozedur zu unterziehen. Erst als auch der Arzt bestätigte, daß der erhobene Verdacht ungerechtfertigt sei, ließ die Herrschaft von weiteren Verdächtigungen ab. Die fünfte Ziehung der großen Berliner Pferdelotterie, die Donnerstag im„Kaiserhof" stattfand, ist nach der„Berl. Ztg." deswegen ungültig, weil ein Los, das aus der Trommel auf den Boden geraten war, erst nachträglich wieder in die Trommel hineingethan wurde. Einen bösen Abschlnst fand gestern abend eine Gesellschaft, die der 56 Jahre alte Rentier, frühere Schlächtermeister Karl A. in seiner Wohnung in der Mittelstraße gab. Gegen 11 Uhr wollte A., der ziemlich viel getrunken hatte, noch in eine in demselben Hanse gelegene Weinstube hinuntergehen. Seine Frau war dagegen und es kam zwischen den Eheleuten zu einem heftigen Wortwechsel. Diesem machte A. dadurch ein Ende, daß er in die Küche ging. Als er auf- fallend lange wegblieb, sah man sich nach ihm um und fand ihn schwerverletzt wieder. Der Mann hatte sich mit einem Schlächter- Niesser einen Schnitt in den Hals beigebracht und den Unterleib durchstochen. Als seine Frau sah, welche Folgen der Streit gehabt hatte, wollte sie sich zum Fenster hinausstürzen und mußte mit Ge- malt zurückgehalten werden. Ein Arzt, der sich in der Gesellschaft befand, verband den Verwundeten und ließ ihn dann in ein Krauken- haus bringen. Zwei Zusammeustöste zwischen elektrischen Strastenbahu- wagen fanden Donnerstagabend in der achten Swnde statt. Ein großer Accumulatorenwagen der Linie Gesundbrunnen-Spittelmarkt« Krcuzberg rannte, vom Gesundbrunnen kommend, in der Brunnen« straße bei der Anklamerstraße einen Vollwagen an und beschädigte dabei seine Bremsen so schwer, daß keine mehr wirkte, weder die elektrische noch die Handbremse. Der Koloß machte nun eine tolle Fahrt. Unaufhaltsam sauste er von der Höhe der Anklamerstraße die Brunnenstraße hinunter, über die Jnvalidenstraße hinweg nach dem Rosenthaler Thore zu. Der Führer sprang ab, weil er doch nicht helfen konnte und bei einem neuen Zusammenstoße sein Leben gefährdet hätte. mental-Borträgen Physik". von Dr. F. Spies über„Ausgewählte Kapitel der zun, da an Aus den Nachbarorten. Rixdorf. Die Gewerkschaften zc. werden hierdurch ersucht Dienstag, den 24. d. M., keine Versammlungen einzuberufen, diesem Tage eine Parteiversammlung stattfindet. Pankow. Wie erinnerlich, wurde im April d. I. in einer Sitzung der Gemeindevertretung die Errichtung einer g e w e r b- lichen Fortbildungsschule unter nichtigen Gründen ab- gelehnt. Auf besondere Verfügung des Regiernngspräsidenten mußte sich die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung nochmals mit dieser Frage beschäftigen. Als Vertreter der königl. Regierung waren anwesend Herr Direktor Lachner und Regicrungsasscfior v. Sege- feldt. Die Herren legten in längeren Ausführungen die Vorteile einer Fortbildungsschule dar und betonten, daß die Regierung eine Beihilfe zu den Kosten leisten»volle. Nach langer Debatte wurde die Angelegenheit nochmals einer Kommission über- wiesen. Es ist beschämend, daß die.hiesige Gemeindevertretung erst durch Vertreter der Regierung auf ihre Pflicht aufmerksam gemacht werden muß, insbesondere, wenn man in Betracht zieht, welche Auf- Wendungen für die hiesige Realschule gemacht werden. Sache der Arbeiterschaft Pankows»väre es, zu dieser Frage Stellung Unten am Rosenthaler Thor hielt auf demselben Geleise ein Motor- »vagen der Linie Gesnndbruiinen— Moritzplatz— Kreuzberg mit einem Auhängelvagen. Ter Schaffner des Anhängewagens sah das Un getüm herankommen und rettete sich durch Abspringen. llmnittclbar darauf erfolgte auch schon unter geivaltigcm Krachen der Zusammenstoß. Den, Sammlerivagen Ivurde die ganze Vorder feite eingedrückt und der Anhäiigclvagcir zivischcn den beiden Motorlvagen v o l I st ä n d i g z e r t r ü ,n m e r t. Die Trümmer gerieten, da der Anhängeivagen durch die Licht- und BremS- leitung mit den Sammlern verbunden»var, durch Kurzschluß in Brand. Auch der in der Bremse stehende Motorivagen»vnrde stark beschädigt. Alle drei»vurdcn mif ein totes Geleise und später nach dem Bahnhof in der Ackerstraße geschafft. Verletzt wurden z>v e i Personen. Der Arbeiter Schmidt, der ans der Eisen- fabrik von Hein u. Lehmann in Reinickendorf nach seiner in der Barnimstraße gelegenen Wohnung fuhr, zog sich eine neun Centi- meter lange klaffende Kopfivunde zu, der Tapeziereruieister Brese ans»der Nnppinerstr. 3 einen Bruch des linken Unterarmes. Die Verletzten wurden auf der Rettungsivache in der Kastanicnallce ver- bunden und begaben sich dann in ihre Wohmingen. Die wenigen Fahrgäste des durchgehenden Wagens kamen mit dein bloßen Schrecken davon. Während noch das Personal und andere Zeugen über diesen Unfall polizeilich vernommen Ivurden, lief die Kunde von einem z Iv e i t e n Z u s a n» m e n st o ß e ein. An der Ecke der Müller und Gerichtstraße liegt die Endhaltestelle der Straßenbahnlinie Miillcrstraßc— Schlcsischer Bahnhof und Miillcrstraße— Hascnheide sFichtestraße). Die Wagen fahren, wenn sie eine neue Fahrt an- treten, über eine Schleife vom Ankuufls- auf das Abfahrtsgcleise hinüber. Bei einem solchen Wechsel rannte nun Donnerstagabend ein Motorivagen der Linie Müllcrstraßc—-Fichtestraße auf einen anderen derselben Linie, der sich gerade in der Weiche befand, niit großer Wucht auf und»varf ihn ans den Schienen heraus bis dicht äil den Bnrgcrstcig. Die Scheiben beider Wagen gingen in tausend Scherben. Dein angerannten Wagen»vnrde die vordere Plattform zertrümmert. Verletzt ivurde niemand. Es dauerte geraume Zeit, bis man den entgleisten Koloß durch Niicinanderkoppclnng ver- schicdencr Wagen»vieder auf die Schienen gezogen hatte. Ein bedenkliches Manöver»vird von einer Anzahl von Hausbesitzern in Berlin und den Vororten bei Abschlüssen von Mietsvcrträgcn sür das kvimncndc Jahr im Hinblick auf das alsdann in Kraft tretende Bürgerliche Gesetzbuch verübt. Von verschiedenen Leiten»vird nämlich übereinstimineud berichtet, daß bei dem Ab- chlusse von Mietsvcrträgcn zum 1. Oktober die betresienden Haus« bcsitzer den Mietern erklärt haben, das neue Bürgerliche Gesetz- buch verlange unbedingt auch die Unterschrift der Ehefrau unter dem Mietsvcrtragc neben der des Ehemannes. Dies ist aber u n lv a h r.' Leider haben sich die betreffenden Mieter vielfach verblüffen lassen und haben ihre Ehefrauen veranlaßt, ihre Unterschrift ebenfalls nntcr den Miets- vertrag zn setzen. Es handelt sich bei diesen, Manöver der Hans- bcsitzer mir dar,»»,, eine Bestimmung durchzudrücken, Ivclche auf dem Verbandstage der Ha, isbesitze,'vereine in Elberfeld in den sogenannten einheitliche»', dem neuen Bürgerlichen Gcsetzbuchc angepaßten Miels- vertrag aufgcnommcn wurde, natürlich zu Ungunsten der Mieter. Wer sich über die Rechtsverhältnisse näher unterrichten»vill, mag den Vertrag des Syndikus des Vereins Berliner Wohiningsinietcr. Rechtsanwalt Paul Michaelis, darüber nachlesen. Der Sond'erabdrnck desselben ist erhältlich ans dem Vercinsburcan Solmsstr. 30. Die Frage wird auch in der nächsten Vcrsanmilung des Vereins Berliner Wohinmgsmicter,»vorüber noch nähere Mitteilung erfolgt, behandelt »vcrden.' Der von, Verein herausgegebene, cbci'ifalls im Vereins burcau vorrätige Mictsvcrtrag ist.»vie uns der Verein mitteilt, der einzige von allen in Berlin erschicneiicil gedruckten Verträgen, der den» Sinne des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches»virklich entspricht. AnS Furcht vor dem Militärdienst ist der 21 Jahre alte Drucker Albert F. aus Alt-Moabit ins Wasser gegangen. Der junge Mann sollte gestern Freitag nach Königsberg fahren,»», dort heute bei der Artillerie einzutreten. Er»var seit anderthalb Jahren in der Buchdruckerci von v. Perbandt u. Komp. in der Lindenstr. 2 bc- schäftigt und ivurde dort vorgestern Abend um 7 Uhr mit einem sehr guten Zeugnis entlassen. Als er in der Gastivirtschaft von Frciberg in deniselbcn Hanse sich verabschiedete,»var er in einer sehr traurigen Stimmung. Mit cincm eigentümlichen Ausdruck bestellte er einci, Abschicdsschoppcn. Wie der Abschied gemeint»var, erfuhr man gestern morgen. F. war in Plötzensee in den Schiffahrtskanal gesprungen und ivurde niorgcns als Leiche»vieder gefunden und gelandet. Von einem Omnibus zermalmen ließ sich gestern nachmittag der 56 Jahre alte Schlosser Wilhelm Ulsch. Der Mann arbeitete in einer Fabrik in Tegel und wurde dort am vergangenen Sonnabend entlasse»,,»vcil er sich mit dem Meister über die Beschaffenheit seiner Arbeit gezankt hatte. Gestern morgen um 8 Uhr ging er zu», Arbeitsnachweis, scheint aber keine Beschäftigung erhalten zn haben. Nachmittags um 4 Uhr»varf er sich vor de», Hanse Gipsstraße 15 vor einen Omnibus der Linie Stettincr Bahnhof— Oranienplatz. Bevor der Kutscher halten konnte,»var der Mann schon tot. Die Räder gingen über ihn hinlveg und zermalmten ihm den Brustkasten. Ein trauriger Unfall, bei dem ein Menschenleben zn Grunde gegangen ist, rief vorgestern vormittag in der Landsbergerstraße� einen großen Auflauf hervor. Drei Fensterputzer von der Moussyschen Anstalt in der Elisabcthstraße 10»varen an der Katharincnstraße, wo die Landsbcrgcrstraßc sehr eng ist, einem Pfcrdcbahmvngen der Linie Dönhoffplatz— Friedrichsberg mit ihren, mit Leitern beladcneu Handlvagen im Wege und»vichen trotz»viedcrholtcn Lüntens des Kutschers nicht aus.' Darüber ergtinimte ein Fahrgast, der von, beini Kutscher stand, so sehr, daß er dessen Peitsche ergriff und nach den Fensterputzern schlug. Nach einer andern Darstellung soll er erst einen unbeabsichtigten Stoß mit einer Leiter bekommen haben. Wie dem auch sei, der Ausgang»var jedenfalls sehr traurig. Der von der Peitsche getroffene Fensterputzer Albert Galolvsky. ein un- verheirateter Mann von 28 Jahren, der in der Elisabcthstraße 29 »vohnte, wandte sich um, ohne still zu stehen, stolperte mid fiel vor die Räder des PferdebahmvagenS. Tiefe gingen über ihn himvcg, oblvohl der Kutscher aus Leibeskräften bremste, und zermalmten ihn, den Brustkasten. Mehrere Rippen brachen dem Ilnglücklichcn und ein Knochenstück drang ihm in die Lunge ein. Der Verunglückte ivurde in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht und starb hier bald nach der Einliefe, rmg. Der Fahrgast, der den verhängnisvollen Peitschenhieb geführt hatte, verschwand in dem Auflauf und entkam. Die Kriminalpolizei hat ihn noch nicht ermittelt. Es scheint ein Maler zu sein, der mit seinem Werkzeug zur Arbeit ging. Heute Sonnabend beginnt in der Urania eine Reihe von Erpcri- zu nehmen und einen Druck auf die Errichtung der Fortbildungsschnlc anszunben.— Aus Anlaß der geplanten Er« richtung eines Amtsgerichts ist eine geradezu Ividcrivärtige Spekulation unter den in Betracht kolninenden Grundbesitzern hervor- gerufen worden. Während einige Besitzer schon vor längerer Zeit durch Ankauf von Hinterland sich geeignete Terrains schnscn, haben andere,»vohl in der Hoffnung, daß der Wert ihrer Grundsiückc steigt, die nötige Bebanungsfläche umsonst angeboten. Haben die Mieten in Pankoiv schon jetzt eine respektable Höhe erreicht, so»verde» in- folge derartiger Spekulation die Mieter»veiter bluten müssen. Gevitszks""Teilung. De», Staatssekretär von PodbielSki und das Reichs-Postamt beleidigt zu haben,»vird der Redacteur der„Tribüne", Genosse Otto May in Erfurt, beschuldigt. Er hatte in einen, Artikel, der sich mit der Defraudation eines Postbeamten befaßte, den Vorgesetzten die Schuld an dem Vergehci, auf- gebürdet,»vcil sie ihn zu schlecht bezahlt hätten. Das ,Sl>sle», der fiskalischen PlnSmachcrei"»var insbesondere angegriffen. Das Landgericht Erfurt hat jedoch am 17. August den Angeklagten freigesprochen.— Auf die Revision des Staatsanwaits hob das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück, da zu Unrecht eine Beleidigung nicht an- genommen lvordcn sei! Soll denn nun vom Landgericht„fest- gestellt"»verde», daß die elenden Gehälter der Postimterbeamten genügend sind? Gefängiiisstrase ans MildeningSgriiiide». Ein wahres Jammerbild bot sich gestern i», Schivurgcrichtssaale des Land- gcrichts I. Von zlvci Beamten ivurde ein Mann mit Ivachsbleichen, Gesicht und tiefliegenden Augen in den Saal getrage»,. Die Schivind- sucht hatte bei dem Kranken so große Fortschritte gcniacht, daß er seinen mir aus Haut und Knochen bcstcheiiden Körper nicht mehr aufrecht zu halten vcrniochte. Es»var der Arbeiter Wilhelm Schröter, welcher der vorsätzlichen Brandstiftung beschuldigt»var. Das Geständnis, das er ablegte, konnte nur im Flüitertone abgegeben»vcrden. Der Angeklagte hat einst beffere Tage gesehen. Er»var Landivirt, verarmte ohne sein Verschulden und nnißte sein Besitztum aufgeben. Wie die meisten Schiffbrüchigen, zog er nach Berlin imd ernährte sich und seine ans vier Köpfen be- tchende Familie als Arbeiter. Da kam die bö»'e schleichende Krank- heit, die ihn in seiner Thatkraft lähmte, ihn schließlich arbeitsunfähig machte und ihn zivang, die Arnicnvcrivaltiuig in Anspruch zu nehmen. Im Aligust dieses JährcS war die Not aufs höchste gestiegen. Der Angeklagte hatte niit seiner Ehefrau eine kleine Wohnung in der Bredoivstraße inne. Am Vormittag des 11. Augnst schickte er seine Ehefrau nach dem kleinen Tiergarten. Etlva � eine tnnde später kau, der Angeklagte nach und beide saßen nun auf einer Bank in der Nähe der Feuerwache.� Es mochte »vieder eine Stunde vergaiigen sein, da ivurde die Feiierivehr alarinicrt. Ein kleiner Zug jagte nach der Bredoivstraße zn. Die Feiierivehr kam gleich»vieder zurück, sie hatte die Fenersgefahr in Ivciiigen Minuten beseitigt. Es hatte in der Wohnung des An- geklagten gebrannt. Hansüclvohner hatten durch die Ritzen der Wohnnng Ranch hervordringen sehen. Die »vehr hatte die Thür eingeschlagen und einen kleinen aus wertlosen Sachen Herd gefunden. Ein Eimer Wasser Feuer zu löschen. Der Angeklagte ivurde herbeigerufene Feuer« inmitten der Stube aufgebauten Brand- genügte, un, � das noch an demselben Tage verhaftet. In seiner Ärusttasche führte er seine Feuer- versichennigs-Police bei sich, die zu einer Zeit ausgestellt»var, als der Angeklagte noch Sachen sein eigen nannte. Wie er zugab, »vollte er die Versicherungsgesellschaft betrügen. Der Verteidiger Rcchts'anivalt Eisenma'nn führte aus, daß auf Grund der BelvciSaiifiiahme»vohl schwerlich das Gebäude selbst durch daS kleine Feuer gefährdet»var. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten, der alles apathisch über sich ergehen ließ, auch nur de? Bcrsicherlingsbctrngcs sür schuldig. Der Gerichtshof erkannte auf die zulässig niedrigste Strafe— sechs Monate Gefängnis,»vovon zlvei Monate durch die llntersnchungShaft für verbüßt erachtet Ivurden. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Felisch, hob hervor, daß das Gericht nebenbei auf eine Geldstrafe hätte erkennen können, es sei aber davon Abstand genommen lvordcn,»veil dies bei der traurigen Lage deS Angeklagten nicht Gerechtigkeit, sondern Grausam« keit geivcscn»väre! Devin ifitzte-s. Eholera? Während von Portugal und Rußland aus die Pest droht, kommen solvohl ans Holland als aus der Türkei Nachrichten vom Ansbruch der Cholera. Ein Telegramm ans Amsterdam, 12. Oktober, besagt: Ein hiesiges Blatt meldet, daß in PaaSloo jNordoberyssel) ein Fall von asiatischer Cholera mit tötlichem AuS« gange vorgekommen sei. Es ist jedoch noch nicht festgestellt, ob eS sich i» der That um asiaffsche Cholera handelt. Ferner»vird auS K o n st a n t i n o p e l, 12. Oktober, depeschiert: Gestern kamen in Bassorah fünf Todesfälle und ein neuer Er- krankungSsall an der Cholera vor. Der SanitätSrat ordnete eine zehntägige Quarantäne für die Hcrkünfte aus Bassorah an. Nene Ha,'»»lose. Die Lübecker Kriminalpolizei überraschte im„Hotel Germania" 10 Personen bei verbotenem Glücksspiel. Ein Teilnehmer ivurde»vegcn Falschspiels verhaftet, die übrigen sind auf freiem Fuß belassen! Die Kasse ist beschlagnahmt worden. In Kochanowitz, Kreis Lublinitz, sind neun Bauerngüter nebst der gesamten Ernte niedergebrannt. Mit Feuer spielend: Kinder verursachten die Feuersbrunst. Professor Häckcl verunglückt. Die„Franks. Ztg." meldet aus o m: Professor Höckel fiel vorgern auf einem Ansfluge von. Maul- tiere und verletzte sich leicht. Später wurde er nach dem Hospital in Rom gebracht. der katholischen Kirche in Osnabrück Fünf Maurer ivurden verletzt. Bei den, Nenba» ist ein Gerüst eingestürzt. Schiffskollision. Aus London wird berichtet: Der von Calais kommende Kaimldanipfer„Victoria" stieß Freitag früh bei der Einfahrt in den Hafen von Dover mit den, Frachtdainpfcr„Elsivick" zusammen. Beide Schiffe wurden schiver beschädigt. Die Passagiere ivurden gelandet.— Der Dampfer„Mlle de Douvrcs",»velcher Donnersiag un, Mitternacht von Ostende nach Dover abgegangen »var. erlitt mitten in, Kanal schiveren Maschinenschaden und mußt» umkehren. Tie Wiedcrverheiratung der Kronprinzessin Stephanie. der Witlvc des Kronpriiize» Rudolf, mit einem einfachen ungarischen Grafen beschäftigt zur Zeit alles,»vaS hoffähig ist oder sich so ge« bcrdet. Das Berliner„Kleine Journal", das' sich beständig seiner allerdings etlvas dunklen Beziehung zu Hofkreisen in geheiinniS- vollen Ändcuwngcn rühmt, brachte bereits einen rührenden Artikel über das gute Herz des Kaisers Franz Josef, der, um daS Glück seiner Schwiegertochter nicht zu zerstören, in edler Selbst« Verleugnung die„Mesalliance" erlaubt habe, natürlich unter der selbstverständlichen Bedingung, daß die Prinzessin, di» so»veit unter ihren Stand herunterliebt, aus � ihrer bisherigen majestätischen Gemeinschaft freiwillig ausscheide. ES scheint aber doch, daß das ruhmreiche Haus HabSburg seiner erhabenen Würde so»veit»ncht vergessen könne. Die belgische Königsfamili,». der die liebende Kronprinzessin der Geburt nach angehört, läßt melden, daß ihr von der konipromittierenden Wiedervcrheiratung nichts bekannt sei. Wie»vird nun dieser tragische Konflikt zivischcn Neigung und Standesehre, der in der vorniärzlichen Zeit stets ein sehr dankbares Sujet in der schönen Litteratur abgab, unmittelbar vor Ausgang des XIX. Jahrhunderts enden! � Verantwortlicher Redacteur: Heinrich tLetzter in Äroß-Lichterfelde. Kür den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke tu Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. St. 241. 16. zKeilm ilkü.Imiilts" Kttlmr NcksblÄ Soilllllbtild, 14. Oktober 1899. Die„Harmlosen" vor Gericht. Zehnter Tag. Der Vorsitzende erörtert zunächst eine Reihe noch unerledigter Anträge der Verteidigung und die notwendigen kommissarischen Ver-> nehmungen._ Nechtsanlvalt Dr. S ch Iv i n d t verharrt bei dem An- trage, die sämtlichen auf� die Spieleraffaire bezüglichen Artikel des ..Verl. Tagebl." zu verlesen, um zu beweisen, wie die öffentliche Meinimg durch diese Artikel seiner Zeit beeinflustt worden ist.— Auf Antrag des Justizrats Dr. Sello soll auch noch ein Zeuge vernommen werden, der bekunden soll, dast, die Corpsbriider des Angeklagten v. Kayser trotz des Strafverfahrens treu zu ihm halten.— Rechtsanwalt Dr. Schachtel beantragt einen Gcrichtsbeschlust darüber, ob die Verteidigung nicht das Recht habe» sollte, mit Rücksicht auf den grostcn Umfang dieses Prozesses schon während der Verhandlung das Protokoll einzusehen.— Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel hält dies für unzulässig, so lange das Protokoll noch nicht unterschrieben ist.— Dr. S ch a ch t e l: Die Verteidigung hält auch das noch unfertige Protokoll für einen Teil der Akten, die nach Sckilust der Noruntcrsnchung der Verteidigung zugänglich sein sollen. Der Gerichtshof behält' sich die Beschluß- fassung vor. Ter Pump beim Schucider. Als erster Zeuge wird heute der Schneidermeister Schwarz vernommen, der für die Familie v. Kröchcr seit langer Zeit arbeitet. General v. Kröcher hat dem Zeugen einmal nahe gelegt, daß er seinem Aeltesten, der ihm Sorge mache, weil er spiele, zum Guten raten möge. Im Vertrauen hat der alte Herr dann hinzu- gesetzt, daß er ja schließlich im Notfalle bezahle, daß der Sohn aber nicht ohne weiteres darauf pochen solle. Einige Zeit darauf ist der Angeklagte v. Kröchcr mit seinem Bruder bei dem Zeugen gewesen und hat ihn in großer Aufregung bestürmt, ihm 2000 M. zn leihen, da er Spielverluste gehabt habe und keinem Vater jetzt nicht kommen dürfe, weil er dicseni erst kurz vorher gebeichtet und quasi das Versprechen gegeben habe, nicht mehr zu spielen. Da dem Zeugen nahe gelegt wurde, daß sich cvent. der Angeklagte v. Kröcher eine Kugel durch den 5kopf schießen müßte, oder der Vater an g e b r o ch c n e>n Herzen sterben würde, so hat der Zeuge die 2000 M. hergegeben und in zwei Raten zurückerhalten.— Oberstaatsanwalt: Von welchem Gelbe erfolgte die Rückzahlung?— v. K r ö ch e r: Aus Spiclgewinn ist die ja auch aus dem Spiel herrührende Schuld bc- glichen worden. Justizrath Dr. Sello läßt sich durch den gestern vernommenen Zeugen v. I a n t a bestätigen, daß auch dieser früher Spielvcrluste durch spätere Spielgewinne gedeckt hat.— Der Oberstaatsanwalt stellt durch Befragen des Angetl. v. Kröchcr fest, daß dieser für die Zeit Januar— April 1899 die Wohnung in der Hohcnzollcrustraßc 311 bezahlen und schon die zweite Wohnung in der Friedrich �ilhclnistrage geniietct, also ein Vierteljahr lang zwei große Wohnungen zu bezahlen hatte.— Angekl. v. K r ö ch e r erklärt dies damit, daß er damals eine schwere Brustfellentzündung und Operation durchgemacht hatte und nach dem Süden gehen sollte. Da sei dann die Spieleraffaire dazwischen gekommen und er habe nicht in die alte Wohnung zurückkehren wollen. Reue Mitspieler. Lieutenant v. Schatz, der alsdann vernonunene Zeuge, ist, wenn er ans der Durchreise durch Berlin kam, wiederholt in dem Spielerkreise gewesen. Eines Abends, als v. Kröcher die Bank hielt, hat er an diesen 7000 M. verloren; er hatte nur 1000 SW. bat bei sich und da hat ihm v. Kröchcr nach und»ach einige Tausend Mark zum Weiterspieleii geliehen. Er ist noch Schuldner des Angc- klagten v. Kröcher in Höhe von 4000 M. und von diesem keincsivegs bedrängt worden. Der Zeuge hat einmal den Gewinn des Ange- klagten v. Kröcher an jenem Abend auf 15—20000 M. geschätzt, er hat an einem anderen Abend, wo v. Kröcher nicht anwesend war. auch wieder 10 000 M. verloren und beziffert seinen Gesamtverlust mis dem Spiel mit den verschiedenen Personen ans ettva 8000 M. Er hat sämtliche Teilnehmer der Spielabende für ehrenwerte Herren gehalten. Auf Befragen der Verteidiger giebt Zeuge v. Schatz zu, daß er hoch setzte, ein riskanter Spieler ivar und so hoch Iveiter spielte, um sich„herauszuschießen", wenn er tief drin war.— Rechtsanlvalt Dr. S ch w i n d t betont, daß diese Feststellnngcn nur erfolgen, um zu zeigen, daß die Angeklagten nicht anders g e- setzt haben, wie die meisten Herren aus diesem Milieu. Lieutenant v. Frischen hat an einem Abend von Herrn b Kröcher 5000 M. g e w 0 n n e n; die Regnlierung hat ganz glatt stattgefunden, v. Ä a y s e r hat er nur als einen sehr coulantcn Spieler kennen gelernt, der im Juni 1897 auch sehr viel Pech und sehr viel verloren habe. Kornblum hat auf diesen Zeugen «keinen angenehmen Eindruck" gemacht. Briefe an Manteuffel. Der Oberlientenant v. H e p p k e gehört zn denjenigen Zeugen. die in der Voruntersuchung und in seinen Antworten auf die durch Herrn v. Manteuffel brieflich ihm unterbreiteten Fragen eine höchst ungünstige Schilderung von den Angeklagte» entwerfen und eine ganze Reihe anscheinend belastender Thatsawen angegeben hat. Auf die seitens der Angeklagten und der Verteidiger an ihn gerichteten zahlreichen Fragen schränkt der Zeuge diese Aussagen in vielen Punkten erheblich ein.— Dem Zeugen wird sein au Herrn v. Manteuffel auf dessen Fragen gerichteter Brief vorgehalten. Er bleibt dabei, daß damals die Auskunft von ihm im besten Glauben erteilt worden sei; doch habe er damals die Sache schwärzer an- gesehen. Warum die Harmlosen verhaftet wurden. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel: Es kommt der Anklage- Behörde auf die Feststellung dieser Widersprüche und auch darauf an, daß damals, zur Zeit der Verhaftung der Angeklagten, die diesen bekannten Herren eine schlechte Meinung von ihnen hatten.— Rechtsanlvalt Dr. Schachtel: Es ist ja ichon festgestellt. daß zahlreiche Zeugen durch den ganzen Gang der Boruntersuchung in gleicher Weise so präoccupiert waren, daß sie nur auf die bc- lastenden Momente ihrerseits Gelvicht legten. Wenn übrigens fort- gesetzt auf die Protokolle und derartige Briefe an Herrn v. Manteuffel zurückgegriffen lvird, dann müssen lvir die ganze Reihe von Zeugen nochmals vorladen lassen, um sie noch einmal genau zu befragen, lvie sie zu ihren belastenden Aussagen gekonnnen sind.— Ober- staatsanwalt Dr. Jsenbiel: Die Vorhaltungen geschehen wesent- lich aus dem Grunde, um zu zeigen, lvie anders die Zeugen früher ausgesagt haben und um zu rechtfertigen, daß so scharf gegen die Angeklagten vorgegangen werden mußte, denn sonst würde nian' nach dem' Gange der Hauptverhandlung es in der Oeffentlichkeit für unbegreiflich halten, warum die Angeklagten in Haft genommen wurden.— Auf Befragen des Dr. Schachtel bekundet der Zeuge v. H., daß auch in dem Briefe an ihn Herr v. Manteuffel die Unterschrift gebraucht hat „Kai. Kriminnl-Kommissar und Hauptmann der Garoc-Landlvehr- Fcldartillerie".— Rechtsanlvalt Dr. Schachtel: Welche Militär- b e h ö r d e hat Herrn v. M. den Auftrag gegeben, sich mit den als Zeugen zu vernehmenden Offizieren in Verbindung zu setzen?— v. Manteuffel: Wir hatten Zweifel, ob wir befugt seien, die Herren zur Rücksprache aufzufordern, ohne daß alles durch die Militärbehörde gehe. Oberstaatsamvalt Drescher hatte dann aber die Mitteilung gemacht, daß nach einer von ihm an maß- gebender Stelle gehaltenen Rücksprache dies gc- schehcn könne.— Rechtsanlvalt Dr. Schachtel: In den Akten findet sich von alledem nicht das mindeste vor und man kann sich deshalb nur wundern, daß in der Oeffentlichkeit daraus bestimmte Schlüsse gezogen werden. Tie Garderobe ciueö„auffallend solide» Offiziers". Es lvird dann noch einmal der Schneidermeister Schwarz über die Anzüge vernommen, die er für de» Angeklagten v. Kröchcr geliefert hat. Es ergiebt sich, daß die Lieferungen sehr umfangreich ivaren und sich auf Militär- und Civilbcdürsnisse des Angeklagten erstreckten. In der ersten JahrcSrcchuung figurieren u. a.: eine Jagd-Equipierung für 000 M.. eine Teimis-Equipierinig. ein Militärpelz usw. Der Angeklagte v. Kröcher erklärt dazu, daß er den Jagd-Anzug haben mußte, weil in seinem Reginient das Jagdreitcn geivissermaßen als Dienst auf- gefaßt wurde und er ai! den Grunewald- Jagden k. thcil nahm. Auch die TenniS-EquiPicrung habe er haben m ü s s e 11. llebrigens gehörte dies zur ersten OffizicrS-Equipicrtuig, die sein Vater bezahlt habe. Es sei doch wohl ciiilclichteud, daß er als junger Fähnrich nicht die Spielcrtrcise besucht und soviel Gewinn eingestrichen haben könne, tun daraus die Osfiziers-Eqnipierung seinerseits zn bezahlen. Er beruft sich auf das Zeugnis des Schneidermeisters, daß er als Fähnrich ein„auffallend solider junger Mann" gewesen sei.— Der Zeuge bestätigt dies; nachher sei es anders geworden, nachher habe der General v. K. manchmal seinen Kuinmer darüber ausgedrückt, daß der Sohn spiele. Die Pinke. Nach der Mittagspause stellt der ObcrstaatSanlvalt nochmals die Frage zur Erörterung, ob die Angeklagten als die„Direktoren" des „Klubs" zn betrachten seien.— Die Angeklagten vertreten den Stand- pnnlt, daß kein Klub und kein Dircitorinm bestand und auch keine „Danerkartcn" auf kürzere oder längere Zeit ausgegeben worden seien. Als mau in das Ceutralhotcl übersiedelte, seien die abendliche» Kosten viel größer geworden als bei Hecht, es mußten von jedem Teil- nehincr 30 M. in die Pinke gezahlt werden und zur Bcqucinlichleit und Erleichterung derjenigen, die häufiger kamen, sei dann die Ein- rtchtnng getroffen worden, daß diese auf einmal lOO M. einzahlen konnten. Nach Auskunft des Sachverständigen Grafen Ncveutlotv besteht auch in Badcu-Badcn und im Klub zu Hciligcndaunn die Ein- richtung, daß während der Rennen in ähnlicher Weise der Zutritt zu de» Spiclabendcn erleichtert lvird.— Oberstaatsamvalt Dr. Isen- b icl stellt ferner durch Befragen fest, daß v. Kröchcr int Jahre 1897 Reisen nach Aachen, Ostende. Namur, Paris, Wiesbaden, wieder Paris nnd Monte Carlo gemacht hat und im Jahre 1893 zn seiner Erholung in Tirol, dann in Hamburg, Ostende, Wiesbaden und Nizza gewesen ist. Der Herr Nittmeistcr. Unter den alsdann lvicdcr vernommenen zahlreichen Zeugen, die über die Interna der Spielcrgcsellschaft aussagen, befindet sich auch der Zeuge Rittmeister d. L. G i e s c ck c, der mit Wolfs näher bekannt gclvescn sein soll und mit diesem in dem Spiclcrkrcisc verkehrte. Er hat Wolff schon im Jahre 1881 auf den Rennplätzen kennen gelernt, als dieser damals mit Reuter verkehrte. Er ivill dann zlvar gehört haben, daß»tan Wolff suchte und ein Verfahren wegen gewerbS- mäßigen Glücksspiels gegen ihn schwebte, er ist aber schließlich der Meinung gewesen, daß Wolff es verstanden habe, sich um eine Strafe h e r u m z u d r ü'ck c n. Jedenfalls habe er nicht mit Sicherheit gewußt, daß Wolff verurteilt worden lvar. Von der Verurteilung Wolfis zu Zuchthaus und seinen sonstigen Strafen ivill Zeuge nichts gclvußt haben. Er ist dann mehrere Jahre im Auslände gewesen- nnd hat Wolff erst int Jahre 1895 oder 1890 in Berlin zufällig lvicder getroffen. In den Spiclcrlrcisen habe er vor Wolff nicht gcivarnt, ivcil er ihn hier in anderen Verhältnissen wieder getroffen habe; c r h a b e sich d e s b a l b nicht bewogen gefühlt, den Mann bloßzustellen und z n ruinieren. Der Zeuge hat an Wolff noch heute ein Darlehn von 10 000 Marl zn verzinsen und hat vor zivanzig Jahren auch einmal eine finanzielle Verpflichtung Reuter gegen- über gehabt. Nach seinen Bekundungen haben ivedcr die Angeklagten noch Wolff irgcndtvie anders gespielt, wie alle anderen Spieler.— Präs.: Sie sind doch nur Rittmeister der Landivehr, sollen aber mit einem gewissen Nachdruck als«Herr Rittmeister" vorgestellt worden sein.— Zeuge: Bekanntlich ist ja hier die T i t e l s u ch t besonders groß. Ein Titel lvird einem ja immer angehängt, mindestens ist man doch„Herr Doktor". (Heiterkeit.)— Justizrat S e ll 0: Steht nicht auf Ihren Visiten- karten auch die Bemerkung:„Rittmeister der Landw.- Kav.?"— Zeuge: Ja.— R.-A. Dr. Schachtel: Ich mache darauf aufmerksam, daß auch auf den Visitenkarten des Herrn v. Manteuffel steht: Kgl. Kriminalkonimissar nnd Hauptntann der Reserve des II. Garde-Art.- ReginientS"(Heiterkeit). Ansgctragcnc Spieler. Ans den weiteren Zeugenaussagen ist iin allgemeinen folgendes hervorzuheben: Uebereinstinmieud sagen die Zeugen aus. das; ihnen an den Spielabenden nichts Verdächtiges aufgefallen sei, die meisten haben schließlich mit Verlust abgeschnitten. Wiederholt lvird festgestellt, daß alle drei Angeklagte gewoniten aber auch— in cinzclltcn Fällen sogar bedeutend— verloren haben, specicll wird dem Angeklagten' v. � Kayser bestätigt, daß dieser im Victoria- Hotel mehrmals sehr int Pech lvar. Die Teiliichmcr an den Spiclabendcn waren, lvie v. Kayser bei einer Gelegenheit betont,„alle ausgetragene Spiele r". Die Annahme der Anklage, daß v. Kröcher ganz besonders zur Teilnahme am Spiel angereizt tuid die Leute gelvisfermaßen in den Klub „geschleppt" habe, lvird durch die Zeugen nicht bestätigt, dagegen lässen sich die Angcklagtcit durch Befragung der Zeugen immer wieder bestätigen, daß sie bei Neguliernng der Spiel-Gcwi>il:c und«Verluste coulant vorgegangen sind. Bei einem Zeugen, der ein junger Offizier ist und' auch„sehr vicl"� verloren� hak, weist die Verteidigung darauf hin, daß dieser gleichfalls nur einen geringen Zuschuß hatte und sich de n n 0 ch auch Rennpferde, ein kostspieliges„Verhältnis" u. d e r g l. hielt. Ein junger Kausmann, der eine Zeit laug den Spiclerkreisen angehört hat, beziffert seinen Gesauitverlust an die verschiedensten Personen auf 50 000 M.— Der Angekl. v. Schacht- meyer tritt bei allen diesen Erörterungen ziemlich in den Hinter- grund. Bezüglich seiner Person stellt RechtLanwalt P i n c u s durch eine immer wiederkehrende, kurze Frage ungezählte Male fest, daß Klient den Zeugen gar nicht oder nur sehr wenig bekannt ist. Die Beiveisaufnahme wird Sonnabend fortgesetzt. "OWeizeit Marktpreise von Berlin am Oktober 189S nach Ermittelilnaen des kgl. PolizeivtSsidiiuits- D.-Ctr. »)!livggeti Fmicr-Gerste„ Hafer gut „ inillel .. gering Richlslroh He»„ s) Erbsen 4)Spciseboh»e»„ Minsen„ Aartosseln, neue Rindsleisch, Keule 1 kg 60. Bnnch„ •) Eninttelt vro 10,40 15,30 14,40 15,20 14,40 13,60 4,50 7,10 40,— 50,— 70- l'«0 1,20 Tonne Schlveinesleisch Kalbfleisch Halnulelsleisch Butler Eier Karpsen Aale. Zandtr Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 1 CO gli'ul 1 kg 14,80 14,10 12,80 14,50 13,70 13,- 4,- 4,- 25,- 25,- 30,- 4,- 1,20 ],- von der Cenlralslelle der Prent!. Landwirt« per Schock l.CO 1,60 1,60 2,80 4,50 2 20 2,80 2,60 1,80 2,80 1,40 12,- 1,10 1,- 1,- 2,- 2,80 1,30 1,20 1,20 1,- 0,80 1,40 0,80 2,- schallökatiiiuern- Nolicrungsslellc- und itmgercchnct vom Polizeiprapdiitin für den Doppcl-Cciitlicr. fi) Klcinhandelspreiie. Produ kten markt vom 13. Oktober. Weizen»nd Noggcn waren am hcutigcit Verkehr je 0,50 M. billiger zn babcn. Reichlich angeboten war namentlich sndriiisischer Roggen. Die Umsätze blieben beschräii.'t. Hafer gab für nahe Sichten etwas nach, spätere Licfcrltngs fristen behaupteten ihre Preise. Rtibol blieb fest. Mailiefeemigcit 0,20 M. höher bezahlt. Am Spiritus markt verstanden sich die Abgebet von Barwate nach dem gestrigen uutsatzlosen Berlehr zu einer PreiSermWgnlig für 70er um 0,10 M. auf 43,00. Umgesetzt wurden jedoch nur 5000 L. Termine blieben nach wie vor vhnc Handel. rStttefiiUftklibetUcht vom 13. Oktober 1809, moiftCitB 8 Uhr. IS i I Stationeu§» 1 || e?—. I T! Weiler 1 5 |gl| i II Swilienidt. 747 SSW 1 5 wolkig Homburg I 748 WSWl 4 wollig Berlin 748 WSW 4 bedeckt I Wiesdade» 754 WSW 6|iuoltcii[ Miniche» I 756 S W i 2 bedeckt Wie» j 758, SO I 2, Nebel Stalioiicii Haparanda PelcrSbiirg Eork Abetdeeu Paris S- 74C|S 758 SSO 764N 751 WNW 753ISW BSetter-Prognosc für Eoininbeiid, de» 14. Oktober 1809. EtwaS kühler, vielfach heiter, zeitweise wollig bei ziemlich frischen westlichen Winde»! keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t c r b u r e a u. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 15. Oktober, vorm. 8'/, Uhr, im oberen Saal des„Englischen Gartens", Alerandcrstt aste 27c, Versaimultiitg: Freireligiöse Vorlesung.— Um 1 01/, Uhr vormittags ebcw daselbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille: Das Vaterunser. I. Vater iniser, der Du bist im Himmel. Geheiligt werde Dein Name.— Gäste, Damen nnd Herren, sehr wtllkoumten.— Montag, den 18. Oktober, abends SV» lU)r, ebendaselbst: Beschliehcude Bersamnilmig. Humanistische Gemeinde. Mohrcnstraste 47, im oberen Saale de? Brandenburger Hauses: Sonntag, den 15. Oktober, vormittags lO'Vllhr: Vortrag dco Herrn Dr. R. Pcnzig: Das ErziehinigSmittel. Gäste, Damen und Herren, haben freien Zutritt. Centralverein der im Zldrefieuweseu nnd verwandten Branchen Beschäftigte». Berlin. Heute avciid 8 Uhr bei A. Kerncheu, Wallstr. 57: Versautmlnug. Bund Tentschcr Bodenreformer. 10. Jahres- HatiptversaunnlunA heute nachmittag 6 Uhr, Dorotheenstr. 7, I. Geschäfts- imd Agitations- berichtc. Die Not der deutscheii Landwirtschaft und die Bodenreform. Ref.: A. Pohlmaii-Hoheuafpe. Gäste willkommen. A»gcnieiiie Kranken- niid Tterbckasse der Metallarbeiter. Filiale lliuuimclsbnrg Heute abend 8r/z Uhr bei Bcudliiig, Goethe- und Kaiitstrahen Eckc: Mitgliederversammlung. Vortrag über das neue Unfall- gcsetz. Kassenbericht. Slbrccyimitg vom StistungSsest. Jmtcre Kasten- aiigclegenhciten._ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprcchjtnnde findet bis zum 19. d. M. Montag-, Dienstag und Freitagabends von 7V- Uhr ab statt. «. R. 73. Nein. F. H. Da wäre eine lange Abhandlung notwendig; läßt sich tm Briefkasten nicht erledigen. BS. St. 30. Wenden Sic sich mit Ihrer Anfrage an das Reichs- Marine-Amt, Berlin W., Leipziger Platz 13. Zwei BScttrndc. A. ist üi Konkurs geraten und infolge dessen ist das Mandat ans Grund des Gesetzes ohne weiteres erloschen, ohne daß es noch eines bcsoiidcreit AberkeninlnasverfahreuS bedarf. D. Sch. Der am t. Juli 1889 in Altona eingeutelttdete Stadteil Ottenleit mag jetzt etwa 35 000 Einwohner zählen. Verband der Bau-, Erd- und gcnierblichc» Hilfsarbeiter Teutschlands. (Zahl stelle III.) Ten Kollegen zur Nachricht, daß viiier Mitglied, der Bauarbeiter frkiiMim Schumann ini Alter von 38 Jahren an der Liiiigeiientziindung verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 15. d. M., nachm. 4 Uhr. von der Leichenhalle des Pauls- Kirchhofes (Plötzenlee) aus statt. Rege Beteiligung erwartet 1Z8b_ Der Vorstand. Eine lehr leistungsfähige, kapital- kräftiac Werkzeug- u.-Maschinen- fabrik in Berlin such» die Fabrt- katio» und den Bertried gc- fchätzter Ncnheitcu oder Artikel für Wasscnfabrikatiou. Adressen mit genauer Angabe oub O. P. 8488 an Rudolf Moste, Frankfurter- straße 33. 117/3» Am 11. d. M. entschlief nach langen, schweren Leiden unser lieber Bruder und Schwager 138b psul Schmidt im 25. Lebensjahre. Dies zeigt tief- betrübt an im Namen der trauernden Hinterbliebenen Otto Schmidt. Berlin, i. Ott. 1899. Gi>eiseita»ftr.4. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 15. b. M., nachm. 3>/z Uhr, von der Leichenhalle des Heiligen Kreuz-Kirchhofes-Vkariendorf aus statt, Arbeiter-Radfahrer-Vereill „Berlin". Heute 8>/z Uhr abends Kottbuser Brücke nach Nixdorf. Morgen 6 Uhr: Weddingplatz nach Neu-Ruppin(75 Kitt.). 1 Uhr: Weddingplatz bis Kremmen, Donnerstag: Versauimliuig III, Schönleinstr. 8. 22/1 Zluftcrordcntliche General-Uersammlung der OrtS-Krankcukaffe der Gelb- und Zinnaiefier findet am Sonntag, de» ÄS. d. M« vormittags 10 Uhr, tut Lokale des Herrn Fauter, Jnselstr. 10, statt, wozu sämtliche Herren Arbeitgeber, welche ein Drittel aus eigenen Mitteln zur Kaste zahlen, und sämtliche groß- lährigen Kastenmitgliedcr, welche der Kasie angehöre», hiermit eingeladen sind. TageS-Ordnung: 1. Wahl von 24 Vertretern der Arbeitgeber. 2. Wahl von 48 Vertretern der Arbeitnehmer. 3. Lerfchiedeiies. Berlin, den 12. Oktober 1899. 125b)_ Ter Borstand. Achtung! Köslincr Hof. Besonderer Umstände halber ist der Dotrn-Sonntag frei nnd dieserhalb an eine» großen Verein abzugeben. KnuPPhahn(Seelorelle) pro Pfund 25—30 Pfg. Rotaeungen pro Pfund 30—35 Pfg. Schellfisch, Cahliau, Seelachs, Seehecht, See-Aal, Heilbutt, Scholle etc. Ferner: Ciei'ttnchcvte nnd inavinicrte SCeflSCbe, ebenl'alls billig, empfiehlt die Deutsche Oarnpffischepei-Gesellschaft„Nordsee". sowie! Hanpt-FIliale: I Berlin C. 32, Bahnhof Uörse, Bogen 9—10. Ko. II. Charlottenbnrx. Wiliiiertidoi-revstr. 10,11, am Wilhelmsplatz. No. III Berlin KW., LUneburgerstrasse, Ecke Paulstr., Stadtbahnbog.388/9(Contrallagerel). Ko. IV. Im SchlcHiüchen Bahnhof Madaiatr. SS. Ko. V. Berlin K.(Wedding),, Bclnlckendorfcratr. 1, Eingang Schulzendorferstrasse. Ko. VI. Prinscenstr. SO, zwischen Borltzplatz n. Rltterstrassc. Seeflsch-KochbUcher erhalten Kiinfor umsonst. (2677L*( F-tr>cii Inhalt der Juscraie iilierninimt die Ncdakiiön dem Pilbüklini gegenüber keinerlei Äernnlilinrinng. EhvNkvL. Sonnabend, 11 Oktober. Opernhaus. Tanuhänscr und der Sängerkrieg aus der Wartburg. Ansang 7�,� Uhr. Tchanspielhaus. Splitter und Ballen. Aufailg 7»/z Uhr. Neues Opern- Theater(Kroll) Geschlossen. Deutsches. DaZ FriedenSsest. An- fang 7»/. Uhr. Lessing. Als ich wiederkam. Slnfang 7Vz Uhr. Berliner. Dolly. Anfang 7t/, Uhr Schiller. Nora. Anfang 8 Uhr. Neues. Colinette. Anfang 7t/., Uhr. Weste«. Der Troubadour. Anfang f'/z Uhr. Dhalia. Der Platzmajor. Ansang �7t/z Uhr. Residenz. Jagdfrmden. Vorher: . Fauiilien-SoUper. Auf. Hl* Uhr. Lnise». Molly Earrö. Anfang 8 Uhr. Central. Die Geisha. Anfang "V- Uhr. Ostend. Weltuntergang. Anfang 8 Uhr. Victoria. Die weihe Henne. An- sang 7t/z Uhr. Friedrich- Wtlhclmstädtisches. Der Klub der Harmlosen. Alt- fang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindcr-Vorstellnnz Der Rattenfänger von Hameln. Metropol. Rund um Berlin. Im Reiche der Secession!'Anfang 8 Uhr. Apollo. Fran Luna. Specialitäten- Varstclluiig. Anfang 7l/z Uhr. ReichShalle». Stcttiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Palast. Spreelottchen. Specials- taten-Vorstellnng. Auf. 8»/, Uhr. Passage- Panapltknin. Special!- läirn-Borslellnng. Urania. Hnbalidenstr. ll7/NS. Täglich abends von b— lb Uhr: Slcruivarte. Danbenstr. 18/49. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Anfang 8 Uhr. Schiktt'-Thtlittt (Wallncr-Thcalcrt. Sonnabend, a b e» d s 8 U h r: >'«1-». Schauspiel in 2 Akten v. Henrik Ibsen So nntag, nachmittags 8 Uhr Rom«« nnd Julia. Sonntag, n beiii) S 8 Uhr: DI« llaitbcnlorclie. Montag, abends 8 Uhr: Di« C<«oiii«»t9liUiuft. Crnkvn I T firnfct' Direktion: Josä Ferenezy. D i o CB e i»3 Ij a oder:(fiiic japanische Xhcehaus gcschichte. Operette in 3 Alten von Stdncy Jones. Slnfang 7l/z Uhr. Morgen: Dieletbc Vorstellung. Sonntaaiiachmittag 8 Uhr zu halben Preisen: Der Bogelhändler. Von Carl Zeller. Lsiriiii-lMU'l Weiß. Theater. Gr. ikrankfurterstraste lltiZ. vrosser Frkolg. rossnctor LelksII! Der Weltutttergattg. Grones Ausstattuilgsstück mit Gesang in 3 Akten(13 Bildern) vom Dir. Carl Mein u. Jos. Dill. Musik von M. Fall. Anfang 8 Uhr. Ntllt, lebeilde Dekoratiollell. Elhöllt Kostiliiie! 1. Bitd: Elektrische Werkstätlen. S. Bild: Marinor- Pruntsaal des Niagarahotels. 3. Bild: In« Reiche der Liebe. (Roseiihain). 4. Bild: Bahnhofshalle in Bnenos Aires bei Abenhbeienchtung. b. Bild: Ein Eifcnbahndainiil. 8. Bild: Die Drüininer»es vxprestzngrs. 7. Bild: Pnlnicnlandschaft. 8. Aelsenplatcau mit Aussicht a»f den Akonkazua nnd seine Zahnradbahii. S. Bild: Der Komet. ll>. Bild: Der Meteorrege». il. Bild: Die Rieieiiluftauto- «lobilc. 13. Biid: Der Zilsammenstost mit dem Monde. 13. Bild: Die Wunder des RiagarafallS. Parkett«« Pf. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntaguachmittag: Frei» Volksbühne. Raast. Cirkus Busch. Sonnabend, den 14. Oktober, abends 7'/, Uhr: High I ii« Abend. Unsere Marine. Grones Ballett. vis SeelüWtn. Wnndcrdressur. Polo iu Pferde. Bicycle Wettrennen. Die Orig.-Melster-Dreffnrc» d. Dir. Sueeb. Ol y ur p i fch e Spiele ans der Zeit des Kaisers Nero. Ein römisches Vier- geipann eine 30 Fug hohe Eascade liinaufjagend und durch das Wasser- da in ii fahrend. Sturz eines triegs- gesangciicn Lermene»,»ebterloli brenne!, Ii, ans der Höhe der Cirlns- tnppel ins Wasser. Morgen Sonntag, den 15. Oktober: Zwei grosse Vorstellungen, nachmittag» 4 Uhr und abends 7>/z Uhr. Nach- mittags 4 Uhr: Die Teelam»'». Urania Täuibenstrasse 48/Ji>. — Im Theater abends 8 Uhr:— „Der Sieg des Menschen über die Natur". Im Hörsaal; Dr. P. Spie«:„Uober Kraft und Masse." (Experimentalphysik I.) liivulideiititr. 57/ ßä: Steru wairte. NachmiHags 5— 10 Uhr, Passage-tiiealer.'" Beginn des Konzerts ö Uhr, der r- VorstellniiA 7 Uhr. Psssklljk- tagiieum geöss'net von friiy bis abends. CASTÄNS IPANOPTICUMI 165. Friedrlchstraese 163. iloi, I Die heulenden«l0M| "DU! und tanzenden»DU! ©envlsclie ! ans Ober-Aegypten! jOhm Kruger# Dreyfiis| Mercier* Zola. zriMlh-Wilhtlmst. Theater Chauseeeetr. 25 26. Heilte. Sonnabend, nach»!. 4 Uhr: Grosse Aiiidcr-Vorsteliniig"?lM Ter Nättcnfüngcr von Hameln. Zauberinärchcn in 7 Bildern von Dr. Gustav Braun. (Es ist dies die letzte Ailfsühnlllg des Stückes.) Preise d. Plätze zur Linder-Borstellinig: Galerie tv Pf. 2. Rang u. 2. Rang Sperrsitz 20 Pf. II. Parkett 30 Pf. 1. Rang Ballon 30 Pf. I. Parlett 40 Pf. Fauteiill u. Tribüne 50 Pf. l.Raiig-Loge VOPf. Parkett-Loge75Pf. Orchester- n. Fremdcii-Logc l M. Abends 8 Uhr: Abends 8 Uhr: Zu»! ersten male: Der.Klub der Harmlose». Grosses Berliner Sensationsstück in 5 Akten von Verden. 1. Bild: Verspielt. 2. Bild: Auf dem Metropol- Ball. 3. Bild: Falscher Verdacht. 4. Bild: Im Klub der Harmlose», ö. Bild: In Moabit. Morgen. nachmitiagS 4 Uhr: Auf allgciiieincs Verlangen: Der Trompeter von Täkkingen. Abends 8 Uhr: Der Alib der Hiiriiiloseil. Die für..Die Reise nach der Teufels- inscl" ansgeftcbcnru Bons haben mich heute Gültigkeit. Metropol-Theater. Behrenstr. 53/57. Direktion: Richnrd Schulz. gy Sciifationellcr Erfolg! Täglich von Om Uhr ab: Mund uur Dorlitt. Berliner Lokalrcvue v. Jillins Freund. Musik von Julius EinödShofer. 1. 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Allstreleil vo» alisoliit erstklilssigeil SptmlMt» Ansang: Wochentags 8 Uhr.«omitags S Uhr. Sntr«: Wochentags 30 Pf. Sonntag» 30 Pf. 23ii8fi*] Die Direktion: kl I e b» r d Vlnlller. �jiaUa-'kdeatör. kel.AmtlVa 6440. Dreedeneretr. 73/73. Zltiu 35. Male; Der Platzmajor. Thomas, Tieischer, Heimerding, Junkermann. Im 2, Akt: Gr. Mntoskop-Derzeit. Aufailg 7t/z Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Apollo-Tlieater. Abends 9 Uhr: Frau Lima mit dem sensationellen Luftballett; „CMgolatts". Otto Reimer The Barras Ciiavila Yumata Tiero Blossoms Francis Gerard etc. etc. etc. Kasseneröftnunw O'/a Uhr. Anfang der Vorstellung y/z Uhr. Vorverkauf täglich IraTheater nnd beim„KUnstlerdank", Unter den Uinden 69. Palast-Theater SW"" früher__ Feen- Falast, Bnrgslrasse 2Ä. Sonnabend, den 14. Oktober: Das grosse erstklassige O k t o b e r-P r o g r a», in. Um 8l'„ Uhr. Um s'/z Uhr. Susanne im Vitk Orig.-Aiisstattmigs-Gesaugs-BurleSke Um 10 Uhr: Um 10 Uhr: Die mierrcichbaren Mcistertnnier am _ sechsfachen Lliftrcck._ Drei Vasilcscu."TÖQ Dazu daS gesamte erfolgreiche Scbausplel- u Speclallläten-Personal. Nach der Vorstellung um 11 Uhr: IW Gcscllschaftö-Zlbcnd'Wi nnd T n n z. Besucher der Vorstellung: Frel-Tanz. Ans. 7l/z Uhr. Kassencröfsnung 6Uhr. Entree für Vorstellung u. Tanz 50 Pf. Ehren- und VorzugSkarten sind gültig. Allitiing! SsuaFkeäivF. Ailiiung! z«iilit«s, d» IZ. Uiiite, ilchMG z Iljr, in ksjW«tiisiin, LcntDr. U-H: OokSutlioki« Wei'sainmlnug! deo Vauarveikev Verlins«. A«ngeg. TageS-Ordnung Um rege Beteiligung ersucht scrttkrnlrr Nichkung) : 1. Der Stand unserer Lohnbewegung. 2. Zisk 43/7 skussion. 3. Verschiedenes. Di« riolmhomuiission. Neichshalle«. Täglich: Stettitler Sänger (Bkeysel. Pietro. Vrittou. Sieidl, Krone, K i r ch m a t> e r, Schneider und Schräder). Zum Schlnss: St»«ckes Pfingstfuhrt. Ensemble von Mensel. Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11—1 Uhr. Weiß-u.Vaiirislh-Bitt-Lskal von kaut Litfin, Slrasimannstr. 23.(1435 Vereinszimmer. Franz. Billard. Heute sowie jeden Sonnabend: Grosses Gänse-Ausspielen auf dem Bil.larb in Fcbnus l.nst. Friedrichsbcrgerstr. II. Auch ist � beiiie Zahltag für den Verband der Mübelpolierer. 145b �aussDiivi Kottbnsersti'. 4 a. Täglich ausser Sonnabends Hoffiiiauns Hord- deulsche Sänger. Anfang wochentags 8 Uhr. Entree(Vorverkauf) 30 u. 50 Pf. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 u. 75 Pf. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Tmiz-Kriiiizchcn Maehrs Theater Oranicnstr. 21. Roseil ans de»! Ziidtii. AuSstattungs-Burleske. Das grossartige Oktober- Programm. Flsa blosser, Kostüm- Soubrette. Mstr. Pauly, Eontorsionlst. Hjtr. Döbbrick, Champion-Handstandkünstl. Franziska Held, Soubrette. Gustav Eulenburg, Humorist. Anfang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Vorzugskarten an Wochentagen gültig. 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JüdiffcrentiSmliS in der gewerkschaftlichen Organisation. 2. Diskussion. 3. Wahl eines 1. Bevollmächtigten und eines Schriftführers. 4. Berscliiedenes. Erscheinen aller Mitglieder erwünscht._ Ter Vorstand. Perm her Maschiilisteil, Heizer«ilh Berilssgeuossell Scriins und Umgegend. Sonntag, den IS. ds. Mts.. nachm. 5 llssr in Cohns Festsaien Benthstrasse 19/80 Ordeutl. Geuevolvevsomminttg TageS-Ordnung: 138/17 Kasieubericht. Bericht der Revisoren. Anträge. Verschiedenes. Der Verstand. Orts-Kraukenkasse für das Gewerbe der Tischler lillh Pioliosorte-Arbeiter zu Berlin. Sonntag, den LS. d. M., vormittags 19 Uhr: Mitglieder- Versammlungen. TageS-Ordnung: „Wahl der Vertreter zu den General-Versammlungen." Diejenigen Mitglieder, welche im Bezirk des Kassierers Scholz be- schäfttgt sind, wählen bei Habel, Bergmaniistr. 6/7, 44 Delegierte; diejenigen im Bezirk deS Kassierers Krüh« iu Raabes Salon, Kolbergcrstr. 23, 40 Delegierte;_____ diejenigen im Bezirk des Kassierers Post im Lokal„Süd-Osi", Waldemarsir. 75, 72 Delegierte; diejenigen im Bezirk deS Kassierers Schulze bei Stechert, Andreas- strasse 21, 61 Delegierte. Freiwillige Mitglieder, welche ihre Beiträge aas der Kasse bezahlen, wählen in dem Bezirk, in welchem sie wohnen._ fMP" Mitgliedsbuch legitimiert."MP Die Mitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Versamm- lungen pünttlich eröffnet werden. A rbeitgeber-Bersammlnng Dienstag, den&1. Oktober, abends 8 llhr, im Dresdener Gnrten, Tresdcnerstrasse Rr. 45. TageS-Ordnung: Wahl von SS Vertretern zu den Generalversammlungen. 1316_ Der Vorstand. Vttblmd der in Buchbindereien, der Peipier- lind Leder- Galcmteriewarett-Jndustrie beschäft. Arbeiter uild Arbeiterinnen Dentschlands. Zahlstelle Berlin. Dienstag, den 17, Oktober 1899, abends SVa Uhr, in Fenersteins oberem Saal, Alte Jakobftr. 75: Oldriitlillie GeiieralDelsammlllNg. Tages-Ordnnng: l. Geschilfts- und Kassenbericht. 2. Die llrabstimmung. 3. Bcrl andsangelegrnheiteu nnd Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersucht 25/12 Die OrtsTorirnltnnff. Mitgliedsbuch legitimiert! In der Versammlung gelangen die Formulare zur Urabstimmung zur Ausgabe. Sonnabend, den Li. Oktober 1899. abendS 8V, Uhr i Besuch der Treptow-Sternwarte. Alles Nähere flehe.Buchb.-Ztg." Billets a 75 Pf. sind w der Ber- sammlung. sowie im Bureau zu haben. Dreffpunkt: am(singang zur Sternwatte in Treptow._ Verband der Möbelpolierer. Da immer mehr Briefe retour kommen, werden hiermit sämtliche Mitglieder erincht, ihre Raulen, genaue Wohnung, Bucbnummer und wann tn den Verband eingetreten, heute abend in den Zahlstellen oder am Montag. den iL. Oktoder, abendS 7—8 Uhr,«oppensir. SO abzugeben. Daselbst MM" Genrral-'Vorfntttmlung."ML TageS- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. L. Wahl. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. Näheres besagen die Handzettel, welch« heute in den Zahlstellen zu haben sind. Sonntag, den LS. Oktober, vormittags 19 llhr. Besichtigung des»cngebanten Gelverkschaftshanses am tkngel-Ufer. Den Kollegen, welche bereits Karten zur ärztlichen Untersuchung erhalten haben, diene zur Kenntnis, dass Herr Dr. Becker morgen ausserhalb in Anspruch genommen ist. Die Untersuchung wird am 3. Dezember geschlossen. 147/18_ Der Vorstand. Kttderrahmenmacher Montag, den 19. d. M.. abends 8»/, Uhr, in den..Armin hallen", Komniandautenstrasse»9: (Dcffcntl. Versannnlung aller in der Bilderrahmeubranche beschäftigten Personen. Der wichtigen Tagesordnnng wegen ist da» Erscheinen aller Kollegen durchaus notwendig.(44/21 Der Vertrauensmann. der Frachtstrasse. Reelle billigste Preise. Gegründet 1879. 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