cc. Daö Auslösche» der Petroleumlampe. Im Gnmde ist die Petroleumlampe ein ganz U!PefährlichcS Möber Was bei ibr verbrennt, ist berltastes Pelrolenm; der Docht, der durch die Tülle in das Pctrolenmbassin hinabreicht und dort in da? flüssige Ocl eintaucht, sangt dasselbe in die Höhe, am oberen Ende vergast es und verbrennt.' In den, Mähe, Ivie das Petroleum in den, Bassin vcr- schwindet, füllt sich der leere Naun, in demselben teils mit Petroleum- dampf, teils mit Luft, welche selbst durch eine Tülle, die von, Docht gut ausgefüllt wird, hinabgcprcbt ivird. Dieses Gemisch stellt ein explosives Gcmenge dar, und sobald es niit einer Flamme var,„lietier Herr, die Homöopathen haben ein Vorzug- liches Princip:„Gleiches ivird durch Gleiches geheilt." Die Ali,- pathen ivenden doch auch Pocken gegen Pocken an, und Pastenr impfte doch auch gegen Tollivnt. Wozu aber all diese Beispiele? Ich werde Ihnen eine» Fall erzählen, den ich mit angesehen habe und ivobei ein Mensch von seiner eingebildeten Angst durch thatsächliche Gefahr geheilt lunrde." Nach dieser Einleitung steckte mein Freund sich eine Cigarre an und fuhr fort: „Zum erstenmal sah ich die Alpen vor zlvanzig Jahren, als ich nach Thnsis kam. Einige Tage nach meiner Ankunft in diesem Städtchen machte ich mit einer Gesellschaft einen kleinen Spazier- gang. Bei dieser Gelegenheit erlebte ich einen solchen Schrecken, daß ich Thnsis sofort ganz verstimmt verließ und einige Jahre lang keine Berge sehen konnte. An jenem Ausfluge nahmen sechs Personen teil; es Ivarcn zwei Polen, ein Deutscher, ein Engländer und zwei Französinnen dabei, die alle m demselben Hotel wohnten. Wir nahmen keinen Führer, da der Engländer die Gegend kannte; auch schien die Spitze, zn der ivir hinaufklettern ivolltcn, so leicht ersteigbar lvie dieser Stuhl, der mitten im Zimmer steht. Diirch das Fernrohr bemerkte ich am Abhang des BergeS zlvar Quer- und Längsrisse, da diese aber nur klein waren, dachte ich nicht an sie. Es wunderte mich sogar, daß wir schon um nenn Uhr morgens ans den: Hotel aufbrachen; da ich aber nicht verraten wollte, daß ich vom Gebirge nicht viel Ahnung hatte, machte ich keinerlei Bemerkungen und benahni mich unterwegs lvie ein Tourist, der das Hinialaya- Gebirge durchquert hat. Das ver- schaffte niir allgemeine Achtmig und die besondere Gunst des Deut« schen. Letzteres beruhte auf Gegenseitigkeit, denn es war ein außer- ordentlich angenehmer Mensch, der aber leider einen Fehler hatte: er litt a>» Kopfschivindel. Unterivegs ging es sehr lustig zu: alle, auch der Engländer, Ivaren ausgelassen wie Kinder, nur ich war ernst, während der Deutsche bei jedem Abhang rückwärts sah und Stellen� aus Virgil citicrte. Er hielt das für die beste Art, die Aufmerksamkeit von Dingen abzulenken, die man nicht sehen mag. „Haben Sie auch hier das Gefühl des Schwindels?" fragte ich. „Ja," entgegnete er schnell,„aber sprechen wir nicht davon, sonst kann ich keinen Schritt iveiter gehen." Ich hielt inne, während der Deutsche immer lauter Virgil deklamierte und sich immer häufiger umsah. Einmal faßte er mich sogar bei der Hand und flüsterte mir ins Ohr:„Ihre Ruhe flößt mir Mut ein. Wenn Sie nicht mit wären, würde ich zurückbleiben müssen oder... das Genick brechen..." Kalter Schlveiß bedeckte meine Stirn, da mein Seekenzustano in vollstem Gegensatz zu dem stand, was mein armer Gefährte von mir dachte. Vor allem beunruhigte es mich sehr, daß der Berg, den>v:r be- steigen wollten, trotz des ziveistündigen Spaziergangs gar nicht näher- rückte! cS schien mir, als ob er stets etwa eine Meile entfernt bliebe. Aber meine Verlegenheit wurde am größte», als der Berg, zu dem wir wollten, verschwand, und ich an seiner Stelle eine Un- menge Erde und Felsen erblickte, die tief unten begannen und— bis an die Sterne reichten. Die Wand, die wir hinauf kletterten, glich einer riesenhaften Treppe, deren Stufen mehrere hundert Schritt hoch waren. Wen» ich unterhalb einer solchen Stufe stand, dachte ich. es wäre bereits der Gipfel, doch nach einer viertelstündigen Wanderung überzeugte ich mich, daß wir nicht den Gipfel, sondern eine»ene Stufe erreicht hatte» oder auch eine» neuen ttebcrgang zu einer neue» Stufe. So ging's ohne Ende. Indessen wurde der Weg imnier wilder. Es verschwanden die Wälder, das Gras, die Sträucher, selbst der feste Boden. Wir schritten über Steinhanfen, die immer größer und lockerer wurden. Immer dichter umdrängten uns die riesigen Berggipfel, die rings von Wolken umkleidet waren, und die Schluchten, denen bläulicher Dunst entstieg. Zuweilen glätteten sich die Falten der Berge; ihre großen Stufen und Terrassen verschwanden, statt ihrer sah ich eine schräge Wand, die meinen Füße» entglitt und steil zu den saphierblanen Wäldern hinablief, die tief unten schlummerten. Als ich für einen Augenblick vergaß, daß ich oben war, schien es mir, daß ich ans ebener Erde stehe, die plötzlich unter meinen Füßen weicht, während ein Teil bis zum Himmel emporsteigt und der andre in die Tiefe hinabfällt. Mir schwindelte; um nicht abzustürzen, packte ich den vor inir gehende» Deutschen. Er beschleunigte den Schritt, und bald kamen wir an eine weniger steile Stelle. .Ich danke Ihnen.. flüsterte er und drilckte mir fest die Hand.„Jetzt geht's mir besier... Sie haben mir das Leben gerettet..." Ich erstarrte vor Staunen. Die vor uns schreitenden Damen zogen ihre Kleider und Schleifen zurccht, die sich nach ihrer Meinung nicht ästhetisch genug legten. „Eine furchtbare Hitze!" sagte die eine. „Welch schlechter Weg!" klagte ihre Kameradin. Nach einer Viertelstunde ruhigere» Weges hörte die Wand, an der wir entlaug gingen, auf. Ich sah. daß wir von allen Seiten von nackten oder schneebedeckten Berggipfeln umgeben waren, daß zwischen uns und ihnen nichts als Luft lag. Ich weiß nicht warmn, aber ich fühlte in diesem Augenblick einen ruhigen Stolz und eine gegenstandslose Begeisterung. „Wir sind ans dem Gipfel," sagte der Engländer, sich vor den Danicn verneigend, und steckte eine Cigarre an. „Welch prächtige Aussicht!' riefen beide Damen. Sie nahmen kteine Spiegel aus der Tasche heraus und brachten das ein wenig verwirrte Haar in Ordnung. „Zwei Uhr l" bemerkte mein Landsmann.«Zum Teufel ist das Mittag- und vielleicht auch das Abendbrot..." Der Deutsche setzte sich; das Geficht znr Erde gebückt begann er Virgil zu deklamieren. „Sehen Sie Thusis s" fragte er ihn.„Es sieht aus, wie ein paar Erbsen." „Ich sehe nichts nnd will nichts sehen," entgegnete er.„Vor allein weiß ich nicht, ob ich von hier heruiitcrkomme!" Der Engländer bemerkte, wie bleich er war, schüttelte den Kopf und reichte ihm eine Flasche Cognak. Der Kranke trank davon, ruhte ein wenig und es wurde ihm besser. Wir blieben eine Viertelstnnde ruhig sitzen, doch plötzlich erhob sich ei» zienilich starker Wind. Ich blickte»ach der Richtung von Thnsis und sah eine sonderbare Erscheinung. In der tiefen Schlucht, die zu unsren Füßen lag, hatte der bläuliche Nebel eine hellere Farbe angenomnreu. Allmählich ging er in zartestes Blau über und wurde schließlich ganz weiß. Dan» begann er schnell alle Thäler auszufüllen, so daß es schien, als ob wir von einen, Milchmeer um« geben wären, auf dessen Oberfläche Berggipfel schwanuneu. Allmählich drangen diese tiefer hinein nnd versanken im Meer. Ich sah ganz dentlirt, eine Bewegung zwischen dem Nebel und de» Bergen, aber ich erschrak, als ich bemerkte, daß der Gipfel, auf dem ivir standen, hinunterznfalle» begann... Ich hätte schwören können, daß ivir auf eine sich vor uns ausbreitende Wolke in rasendem Sturz hinunterfiele». „Was bedeutet das?' fragte eine der Damen den Engländer. „Der Nebel steigt," entgegnete er etwas verstinnnt.„Wir müssen hinunter." fügte er hinzu. „Also nicht wir fallen, sondeni der Nebel steigt zu uns nufl" dachte ich sehr beruhigt. Aber die Wolken fliegen schnell. Kaum hatten wir uns von unsren Plätzen erhoben, als der Nebel uns bereits von alle» Seiten umgab; es lvnrde so dunkel, daß man niebt drei Schritte weit sehen konnte. An den Händen und auf dem Gesicht fühlten wir Feuchtig- keit, dann begann es zu regnen und zu schneien— so dichte Flocken fielen, wie sonst während eines Schneesturmes. Trotzdem gingen wir, einander an den Händen haltend, weiter, denn der Weg war ungefährlich, und der Engländer kannte ihn genau. Manchmal glitten die nasse» Steine unter den Füße» ab, dann rutschten wir unter großem Gelächter einige Meter hinunter. Am lautesten lachte der Deutsche, der in die beste Stimmung ge- kommen war seit dem Augenblick, als der Nebel die steile Wand und die darunterliegende» Abhänge verdeckte. Bei einer dieser Rutschpartie» waren wir nicht zwei oder drei, sondeni etlva dreißig Meter tiefer gekommen. Die Damen begannen bereits zn schreien, da aber wurde unsre Fahrt wieder kaugsamer; bald fühlten ivir einen harten Felsen unter den Füßen. Der Deutsche erhob sich zu allererst und tvollte recht vergnügt iveitergehen. Aber der Engländer hielt ihn zurück. „Verzeihen Sie", sagte er. ich muß mich erst orientieren, wo wir sind." Tastend machte er einige Schritte, verschwand aber bald im Nebel. „Hol ho!..." Als er zurückkehrte, bemerkten wir eine Unruhe auf seinem Antlitz. „Vielleicht können Sie eineii Kompaß gebrauchen?" fragte mein Landsmann. „Gewiß, zeigen Sie ihn her!" erwiderte der Engländer und ergriff ungeduldig den kleinen Kompaß, den der Pole an der Uhr- kette trug. Der Engländer drehte de» Kompaß hin und her, schüttelte den Kopf, schließlich schnalzte er mit der Zmige und sagte lächelnd zu den Damen: „Wir niüssen warten, bis der Nebel vorüber ist." Uns aber flüsterte er zu: „Wir haben uns verirrt; jetzt sind wir auf einem ganz andren Teil des Berges..." „Wie hoch sind wir denn?" fragte der Deutsche. „Vielleicht auf der Hälfte des Weges; übrigens... wer kann's wissen?" „Ist hier vielleicht irgendwo«in Abhang?" fragte der Deutschs wieder. „Auch dafür flehe ich nicht ein," entgeguete der Engländer.„In jedem Fall sind die Wände dieses Felsens sehr steil." Die Damen saßen verstimmt da. „Schade, daß wir keine Chokolade kochen können," sagte eine von ihnen. Es war schon vier Uhr durch, als von der Seite ein starker Wind wehte mid für einen Augenblick den Horizont freigab. Ein Schauer lief n»r über den Rücken. Ich sah, daß ivir auf einer etwa zehn Meter breiten Felswand saßen. Hinter uns stand die steile, mit glatten Steinen bedeckte Bergwand, die»ran unmöglich hinauf klettern konnte, während vor uns tief unten das Thal lag...t Von einen» Hinabsteigen ins Thal konnte nicht die Rede sein, denn an dieser Stelle fiel die felsige Bergwand fast senkrecht hinab... „Wann gehen wir weiter?" fragte eine der Danren. „Wenn der Nebel sich verzogen hat", antivortete der Engländer. „Und wenn er bis zur Nacht nicht weicht?" „Dann übernachte» wir hier." „Sie scherzen?" „Durchaus nicht," entgegnete er ernst.„Wir sind in die Falle geraten und müssen jetzt geduldig sein." „So gebe» Sie doch irgendivelche Zeichen," bemerkte die andre. „Die Gegend ist doch nicht öde, vielleicht hört es jemand..." „Das wollen wir soeben thun." Mein LandSmaim hatte einen Revolver, n»t den» er ins Thal hinunter zu schießen begann. Aber der Knall war so schlvach, daß ich zweifelte, ob ihn jemand hörte. (Schluß folgt.) Kleines JTemllekon. — Ein reimfiichtiger Schüler. Die„Münchencr Neueste» Nachrichten" berichten: Ein schwäbischer Bezirks-Schulinspcktor be- merkte an einenr etwa elfjährigen Knaben, daß dieser in der Prüfung ganz mcrkivürdigerwcise auf eine gestellte Frage einen Vers machte. Er machte den Ortsschullehrer darauf aufmerksam, der er- klärte, daß dies sehr oft im Unterricht vorkomme. Der Inspektor er- bat sich ei» paar Proben an Namen der Ortsbewohner. Der Lehrer sagte zu dem Poeten:„Eduard. Dein Nachbar heißt Franzen, kannst Du darauf im.Reim" antworten?" und er erhielt die prompte Antwort: „Mein Nachbar, der heißt Franzen— Wenn Prüfung ans, dann schnallen wir de» Ranzen I" „Nicht übel", brunnnte der Inspektor.„Noch so ein Beispiel, Herr Lehrer!" Der Lehrer sagt:„Eduard I Der Herr Schultheiß hier heißt Giesel." Anttvort: „Der Schultheiß hier heißt Giesel, Hat oft zerriss'ne Stiefel." Der anwesende Dorfniagnat wurde etwas rot und lächelte. In» spektor:„Nun, Eduard, Du bist ja ein recht Ivackerer Dichter, aber auf meinen Namen tvirst Du wohl nichts reime» können, ich heiße nämlich Münster". Und Eduard sagt ohne Bedenken» „Der Inspektor, der heißt Wunster, Und was er thut, verhunzt er l" Der Inspektor hatte genug von der Prüfung diese? OrtSi. genies l— �