Nr. 177. Watt des Donnerstag, den 11. September. 1902 (Nachdruck nerbureiu 5] Die Sketdk. Roman von Nicolaus Krauß. Vor, hinter, neben Lene tappte, sprang und lief es. Besaunte grüßten, eilten voraus oder fielen zurückbleibend wieder in ihren langsam würdigen Bürgerschritt. Allüberall Geschwätz, Geschrei und Lachen. Eine Schar bloßfüßiger Buben raste, wie die wilde Jagd, dem Walde zu. Dem Kleinen gab's einen Riß. Er blieb stehen und blickte mit zwinkernden Augen den Glücklichen nach. Im nächsten Augenblick schritt er wieder fein sittsam vor seiner stostfrau einher. „Gott g'seg'n's!... Der richtige blaue Montag!... Alle Schuster sind auskommen...„Und wenn ich alle Jahr meine Hosen nur einmal anzieh', ins Schützcnlager muß ich!" Hab' ich unlängst einen sagen hören.... Der Unsrige ist auch dabei. Haben Sie ihn g'sch'n, Herr Nitschelwitzer?" Der angehende Lehrer begnügte sich mit einem kurzen Nicken. So ein Schuster! Von der Sorte gab es in Eger hunderte. „... Und seine zwei großen Buben! Die hauen schon ordentlich drauf I... Und die Mutter fährt auf die Markt'... Lene mußte abbrechen. Den ganzen Weg entlang standen die Ausflügler, schrieen Hoch und Vivat und schauten nach dem Flusse, an dessen Ufer die Wellen klatschend schlugen. Die Eger herauf arbeiteten sich drei vollbesetzte, an einander gekoppelte Kähne; im Bug des vordersten stand ein Hornist der Feuer- wehr und blies nnt vollen Backen andächtig ein Lied. Die am Ufer stutzten, dann hatten viele es sofort heraus: Es war das Lciblicd des Brezelbäck. Und allsogleich fielen sie ein in den Gesang derer in den Kähnen: „Und war's auch mir ein einzig Wort..' O laß, o laß mich selig Ivandern..." Tie in den Booten erhoben sich, die Kähne schaukelten, der eine schien sich quer legen zu wollen. Lene wurde ängstlich. „Sie werden umkippen I" „Dann schwimnicn sie auf dem See wie— Enten." bnininite Nitschelwitzer in den Bart. Er war ärgerlich. Schuster, Schneider, Bäckcnneistcr!... Er hätte es sich sagen können!... Aber nur vorwärts, damit die Geschichte endlich ein Ende hatte!... Wenn er allein gegangen, wie die andern Studenten, wäre er längst draußen... Die Kahnfahrer legten an und stiegen aus. Na, endlich ging's schneller: Alle wollten hinter dem Hornisten drein... Auf halber Höhe überholte Lene eine kleine, runde Frau. Ihr Gesicht glühte, aber nnt tapferen Schritten stapfte sie aufwärts. Als sie Lene erblickte, ließ sie ihr aufgerafftes Kleid fallen und griff nach der Bekannten, wie um sich zu halten. Erst allmählich kam ihr der Atem. Im Weitergehen stöhnte sie: „Hab's net mehr daheim ausg'halten... Schon seit früh, seit der Schützenmesse... ist er dnrnßen... mein Alter... der Martin... in Uniform.... Und er trinkt zu viel... wenn ich net da bin... Und dann... weiß er wieder... acht Tag net... wem er an- g'hört!... Frau Försterin,'s ist ein Kreuz nüt den Mannsbildern!... Essen Sie auch die Bratwürst gern'..." Lene blickte zu ihrer Semmellieferautin hinab, die sich in ihren Arm gehängt hatte. „Wie ein fettes, sauberes Schwcinchcn I" dachte. sie und verzog den Mund. Mau hörte schon die Musik. In der Lindenallee war der Duft schier betäubend. Und endlich lag es da, umzirrt von grünem Fichtenwald: Siechenhaus. Vor dem hellen, freund- lichen Hause Weiße Tsche und Stühle, dann der Holzpavillon der Schützenkapelle, auf dem Rasen, unter jungen Eschen und Linden, kunstlos zusammengeschlagene Tische und Bänke, Bretterbuden, Buschenschänkcn und Bratwurstbratereien. Der ganze Platz wimmelte von Menschen. Alle tranken, aßen. schrien und schwitzten, Schützen und einfache Bürger. 5knapp am Wege lagerte eine Schar Studenten, die aus Prag und Wien schon in die Ferien gekommen. Auf bloßer Erde. Das Horn kreiste, dann sangen sie wieder. Ein Wall von Menschen- lcibern umgab sie. Die Bäckersfrau drängte: „Da, auf dem Wege rechts hinüber!... Ich fall' um, wenn ich nichts hineinbekomm'.... Ich muß was essen!... Sehen Sie, da ist schon der Kletterbaum! Um sechs geht's los... Für drei Gulden ist Zeug dran, sagt der Martin... So... Rechts!... Rechts!... Da bleiben»vir! Da sind die Wärst' und's Bier net weit!..." Die geräumige, nach dem Platze hin offene Bretter- bude war nicht stark besetzt. Die Bäckersfrau fiel auf die Bank, riß die Hutbänder auf und nestelte an Mieder und Rock. „Da wären wir! Na, alsdann!!" Sie holte einigemal tief Atem, stand auf und schlug mit Händen und Armen. „Jetzt konunen die Bratwürstl'!... Wie viel Paar soll ich denn mitbringen?..." Ihr Blick ging in die Runde. Lene und Nitschelwitzer schwiegen, das Kleine nickte eifrig. „Seh' schon, was hall recht ist," fuhr die Märtel-Bäckin fort.„Zahlt jeder, was er verzehrt." Jetzt nickte das Kleine nicht mehr. Nach einer Weile kam die Bäckersfrau mit einem Zeitungs- bogen voll Würsten und Brotschnitten zurück. Der halbe Tisch war voll. Die Bratwürste waren zu zweien und dreien mit Holzdrähten aneinander gepflockt. „Greifen Sie zu!" Die Bäckiu kaute schon und hielt eine Brotscheibe unter das Kinn. „Delikat!... A Ge— nuß!... Net lctschig!... Rein herzhaft!... DaS macht der Rost I... Das Schützen- lager ist geraten!... Sie l..." Sie tippte Nitschelwitzer auf den Arm. „Sie Herr... Herr... Wollen S' net a Bier holen? Eins... zivei... drei... vier... Legen Sie's derweil aus, wir rechnen dann ab.. Nitschelwitzer blickte erst auf seine Kostfrau; als diese nickte, ging er. Die Bäckersfrau aß langsam, bedächtig, jeden Bissen kostete sie aus. Das stachelte den Appetit der andern. Nicht ein Wort wurde laut. Das Kleine ließ keinen Blick von dem Wurstvorrat, und wenn wieder ein Paar verschwunden war. seufzte er auf. Die Märtel-Bäckin spülte den letzten Bissen mit einem Trunk hinab, wischte sich den Mund und stand schon auf den Füßen. „So! Und nun muß ich doch nach meinem Mann schauen!... Die Leute wollen morgen wieder frisches Brot und Kipferln.. Adje, Frau Försterin!... Wir sehen uns noch, eh''s Gehen angeht..." Weg war sie. „Sie hat das Bier nicht bezahlt," brummte Nitschel- witzer. „Und wir sind die Bratwürst' schuldig geblieben!... Lassen Sie nur... da kommen wir nicht zu kurz... Hat's geschmeckt, Kleiner?..." „€>, Kostfrau!..." Der Kleine Wuschelte sich an Lene heran, wie ein Kücken an die Bruthenne. „Sie werden sich unisehen wollen," meinte Lene zu Nitschelwitzer.„Gehen Sie nur! Wenn Sie einen von den Unsrigen sehen, schicken Sie ihn her!..." Der Lehramtskandidat erhob sich. Im Gehen schmunzelte er. Die Auslagen für Bier mußte ihm die Kostfrau ersetzen. So kostete ihm die Geschichte nicht einen Kreuzer. Und zu Hause würde es wohl auch noch ein Nachtmahl geben.... Er zog eine Cigarre, die er schon acht Tage in der Tasche herumtrug, hervor und setzte sie in Brand. Lene lehnte sich zurück- Ihr Blick glitt über die Fest- wiese. Da wimmelte es noch ärger als zuvor. Das aß und trank, als hätte es einen bodenlosen Sack statt eines Magens ini Leibe. Zlvischen Tischen und Bänken drängten sich Schützen in Uniform; die Feldmützen fnfeen den Braven im Nacken. und die langen Säbel wollten immer wieder zwischen die Beine. Vom Waldrand her zog in blauen Wolken der Brat- ivnrstdampf. Zu Lenes Linken hatte eine Familie Platz genommen. Vater, Mutter und drei kleine Mädchen. Die Frau legte immer wieder die Hand auf den Arm ihres Mannes und sagte:„Aber Joseph, trink doch nicht soviel!" Der licsz sich nicht stören. Als er wieder einen Trunk gethan und die Hand spürte, gab er seiner Schulter einen Ruck und knurrte: „Tu willst mir's Trinken verbieten, mir, dem Schornstein- fegenncister Bavert k" Er sah seine Frau spöttisch an. „Zii'.ngicßer, Schwcrtfeger, Bürstenbinder und wir haben seit jeher den größten Turscht g'habt in der Egcrstadt... Dabei bleibts!..." Die Frau erhaschte daS Bierglas, leerte es und lachte: „Wenn Du trinkst, kann's mir schmecken!..." Den drei Mädchen stand wie ans Kommando der Mund «uf.:. Lcne blickte zur Seite. Es war etwas in ihr, das jubelte. Am liebsten hätte sie ansgesanchzt. Das war ja schier wie in Konradsreuth! Da, drüben, über dem senscn- rcisen Korn, has leise wellte in langen Wogen, der Spittel- Hof, von Bäumen umbnscht, daß nur da eine weiße Ecke, dort der First eines roten Ziegeldaches hcrvorlngtc. Drunten der glitzernde Fluß, eingefaßt von hellen Wegen und kleinen Hänsern, die sich unter die Felsen zu verkriechen schienen; das fkiimnerndc Wehr und dann die Stadt, lieber der Nahm und dein weißen Schützenhanse die Bastei, die alte Burg mit ihrem schwarzem Römerturin.' dahinter durcheiuandergcschobcn die hohen, steilen Ziegeldächer, überragt von den spitzen, von Dohlen umflogenen Türmen der Nicolai- und Franziskaner- ktrche, dem Turme des Nathauses. ans dem miau das Ziffer- blalt ganz deutlich unterscheiden konnte. Ganz hinten die hohen, weiten Bogen des Viadukts, über den ein Zug nach Sachsen glitt, lind das Gmizc umspannt von einem Rahmen ginner Fichten.. iForlicrzunq focht.) 'iStaitDnid ocißotfn.) JTit drn Von BoleSlaiv PruS. Autorisierte Uclicrsctzung aus dem Polnische». (Schlich.) Per Nebel Ivtirdc immer dickner. Die Danicit hilllkeii sich in Tücher" und sahen tra da, währens der Deutsche i» höchster Erregung ans iind ab ging. Plötzlich fahtc er inicki bei der Hand und snhrlc mich zur Seite. Sein Gcncht trug. eine» iviiden AnZbrnck. „2>e.:> Herr," sagte er mit veränderter Sliimne,„ich iveih, dah ivie über einem Abhang, sitze»; luem, ich ihn auch nicht sehe, suhle ich bei dein bloszen Gedmike» einen solchen Schwindel, dah... ich eS nicht länger«uk-Zhaltc...' „AtaS ivvllcu'Sie also lhini?" fragte ich erst.nliit. „Ich stürze mich Himmler! Lieber sterbe ich, als dah ich diese Qualen länger ertrage... Ich teile cS mir Jhiien mit; die andern brauchen nichts zu ivine»...". .Sind Sie von Sinilen?" „Ja, ich fühle, dah ich von Sinnen bin..." Iii diesem Augenblick näherte sich der Engländer, und bevor ich zur Besiiliiu'ng kam. hatie er den Nasenden gepackt. Er Ivollte ihm die Hände binde», und mir rief er mit halblauter Stimme zu: „Werfen Sie ihm ein Tuch über de» Kopf!" Aber der Unglückliche ritz sich los, slietz u»S beide fort und lief links die Wand entlang. Nach einer Weile hörten wir einen schweren Sturz und das ge- dämpfte Getöse rollender Steine... „Was ist dort geschehen?" rief eine der Damen, als sie den Lärm vernahm. „Nichts." eiilgcgiiete der Engländer dumpf.«Unser Kamerad versucht, den Berg zu besteigen.. Und zu mir flüsterte er: „Kein Wort davon, sonst folgen ihm die übrigen. In solch einem Augenblick ist die Tollheil eine ansteckende Krankheit, Eine peinliche Lage..." Er nahm einen kräftigen Schluck Coguac. gab auch mir zu trinken, und däim begann er mit hübscher Tenorstiumie eine Arie anS einer Opereltc zu singen Die Gesichter der verstimmten Kranzöstiineii klärten sich und die Damen begainien ebenfalls zu singen. Sogar mein Landsmann vergatz das Mittag und stimmte mit falschem Patz ein, der die Melodie fortwährend stärkte. Rur ich schwieg erstaunt und erschreckt. Dieser Gesang über dein Abgrund, nach einem solchen entsetzlichen stfall liefe mich den übermenschlichen Mut, aber auch den Ernst der Lage erkennen. »Singen Sie!" rief mir eine der Damen zu.»Das ist das beste Mittel gegen Langeweile und Kälte." „Vielleicht werden die Bergleute dadurch ans ims aufmerksam/ fügte die andre hiitzn. Und sie begainien zn dreien eine neue, noch lustigere Arie. Diesmal schrie aber niein Landsmaiiii in seiner Sprache, ohne sich z» geniere», aber, auch ohne verstände» zu werden„Der Teufel hole Dich, Engländer, znsannncn mit Deinem Berg! Wenn ich die Schweizer nicht fürchtete, so würde ich Dich anstatt Kalbfleisch zu Mittag verspeisen!" Der Engländer waiidte ihm sehr höflich sein bleiches Gesicht zu und schlug den Takt mit der Hand. Da... hörten ivir plötzlich eine Stiuime von tmtcii. Der Engländer sprang auf und lies dorthin, von wo der Deutsche abgestürzt war. .Hop! Hop!" rief man von oben. «Hopl Hop!" antlvortetcn wir im Chor. Die beiden Damen kiitztcn sich vor Freude. »Ich bin nicht tot!" rief die Stünnw..Steigen Sie hier herunicr I Ein famoser Weg!" Erstaunt erkamite» wir die Stimme misreS Deutschen. „Von dieser Stelle kömieu die Herren hcnmterspringen, eS ist kaum einige Meter hoch... Die Dame» mutz man aber aus die Schulter»chnie»." schrie der Dentsche. „Gott sei Taul!" rief mein Landsmann;.wenigstens komme ich benle noch zu meinem Abendbrot!" Und er sprang in den Nebel hinein. Wieder hörten tvir die Steine rollen und die Stimme des LaildsiiianneS schimpfen: „Der Kuckuck hole ihn mit solchem Weg I... Wahrscheinlich habe ich mir den Futz verstaucht l" Dann hörten wir unten eine Unterhaltung. Die bciddn mutzten einander schon gefunden haben. Wir gingcit alle der Reihe nach hinnnter. trotz des Wider- spruchs der Daiiien, die aiif leinen Fall auf die Schulter» des Engländers klettern wollten. Echlietzlich besannen sie sich jedoch. Der Felsen bildete nämlich an dieser Stelle eine Art Schlvelle, die drei bis vier Meter hoch Ivar; man mutzte entiveder hiiiniltcrspringcn oder mit Hilfe einer unten- stehenden Person hinniitergche». Nachdem wir den fatale» Felsblock verlassen halten, befanden wir uns ans einem steilen Abhang, der von oben bis uiiteu mit Steinen beschüttet Ivar. So gingen wir nicht, sondern fiesen in grötzter Hast»nd lärmend, alle vier an die Hände gcfatzt: die Damen in der Mitte, der Engländer und ich zu beiden Seite». Vor uns, ein ivenig zur Seite, sahen wir im Nebel zwei Schatten sich vorwärts bewegen: meinen Landsmann n»d den mihrateneit Selbstmörder. Trotz der bedeutenden Geschivindigkeit liefe» wir mehrere Miiuiten de» steilen Abhang himmter. Je tiefer ivir jedoch kamen, desto durchsichtiger wurde der Nebel; endlich sahen wir das Thal. Als wir eine Viertelftniide später alle aus der Wiese zusannnen- trafen, fatzte der Engländer den Deutschen unter mid sagte zu de« Damen; „Wissen Sie, datz dieser Mensch sich vor einer Siimde toten ivollte?" Der Selbstmörder ging beschämt zur Seite, und als die Französsnneii sahen, mit' welchem Eriist der Eiiglünder sprach, de- gaiinen sie zu lachen. Selbst mein Landsmann hielt es für einen guten Witz. Als tvir aber den Fall erzählten, begann eine der Damen zu weinen, und die andre bekam einen Wcinkrampf. Thatsächlich berdaiiklc» tvir dem augenblicklichen Wahnsinn uissieS Kameraden nnscr Leben. Denn der Fclsblock hing über einem Ab- grund, und nur von dort ans, Ivo der Deutsche Hitniiiterspraitg, konnte mau ins Thal steige», ohne sich der Todesgefahr ausziisetzen. Uebrigens verlief sein.Abenteuer ziemlich einfach. Als er sich vom Felsen hinabstürzte, traf er auf eine Schicht Steine; um seinem unerträgÜchen Kopfschivindel schneller ein Ende zu machen, lies er blindlings vor sich hin. Nach einigen Minnteii hatte er die Zone des Nebels hinter sich»nd er sah— den gefahrlosen Weg. Sobald er sich von der Erschütterung erholt hatte, kletterte er nicht ohne Mühe wieder hinauf, um uns den Weg zu weisen. „Wollen Sie glauben," schloß mein Freund,„datz der Deutsche seit diesem Vorfall nicht mehr an Kopfschivindel leidet!... Er ist sogar Mitglied des Alpcnklubs geworden, und heute finde ich seinen Namen in den Listen der Touristen, die die höchsten Berge be- steigen... Kleines �euillekon. es. Kontvaktbrüchig. Ellies Tages kam Elli mit einem strahleiiden Gesicht nach HanS. sie hatte ein Kätzchen gefuiidcn, ein allerliebstes kleines Ding. Halbverhungert hatte eS zwischen den Kisten und Körben des Fatrilbodens ljermiigelegen, es gehörte niemand»»d keiner luoNte es. Elli war Feuer und Flamme:„Ich nehm se, ich zieh se mir grüß.* „'s kost' bloß so ville Milch," meinte die Mutier bedenklich. „Ich trink' weniger in'»Kaffee," jnmmelte Elli,„ach Mütterchen, Mntterchc», sag doch man nicht nee, se is so niedlich." „Und so» Kntzeken fristt ja nicht viel," redete der Vater zu, er hatte die Katze schon auf dem Schoß und ließ sie nach der Sofa- bominel haschen. „lind später maust se auch, Mütterchen." „Denn müssen wir se auf alle Fälle behalten," entschied Mütterchen und lachte. So blieb das Kätzchen denn im Hause. Es war wirklich ein ausgesucht niedliches Kätzchen, griesclgrau mit weißen Handschuhen, weißem Vorhemd und weißem Scheitel, und dabei schmeichlerisch und zuthunlich. Wem» Vater Mcchclke den Hof fegte, spielte es um den Besen herum, und»venu die Mutter Strümpfe stopfte, haschte es nach dem Wollknäuel, am meisten aber hing es au Elli. Es sprang ihr auf die Schulter, wenn sie bei Tisch saß. und rieb das»oeichc Fellchcn an ihren Wangen. ES kuschelte sich in ihren Schoß und saß auf dem Fensterbrett,»venu das Mädchen aus der Fabrik heim kouunen mußte: eS war aber auch ElliS Verzug. Sie sparte ihm die Brocken vom eignen Frühstück, sie teilte mittags mit ihm den kargen Bissen Fleisch. Sie liebte ihr Kätzchen. Es war ein neues Etwas mit ihm in ihr Dasein gekommen, in dieses armselige Lanfmädchendaseiu, das morgens in dumpfigen Fabrik- säleu begann und abends in der engen Portierwohnung ans dem dritten Hofe schloß. Sie hatte etwas, auf das sie sich freuen konnte. Wenn sie Trepp ab Trepp ans lies vom Comploir nach dem Keller und vom Keller nach dem Boden,»venu ihr manchmal die Zeit lang wurde im grauen Einerlei des eivige» Werkcltagcö, dann dachte sie an den langen lauen Sommcrabend, Ivo sie auf der Kellertreppe mit der Mizzi spielen konnte. Und das graue Einerlei wurde plötzlich licht, und die Zeit, die so langsam sckilich, flog»vic der Wind. Denn Elli Ivar noch Kind mit ihren vierzehn Jahren und ein Weniges schuf ihr eine Kinderfrcnde. Und so gingen der Sommer und die großen Ferien nud der Scp- tembcr kam»nid eines schonen Morgens sagte Bater Mcchclle: „Kannst« heut»ich früher kommen. Ellichc», und mal recht pünktlich? Du ivecßt doch, daß De mußt mit helfen rnftraaen, Kendlers kommen nach Haus." Lendler. Maurermeister und Nenlier, war der Hanswirt, er kam mit seiner Frau aus Ziiluoivitz vom Bade. „Wer schon kommen," nickte Elli und fuhr dem Kätzchen zum Abschied Über den Rücken. Sic kam sehr pünktlich. Sie war den ganze» Weg gerannt. Sic nahm sich kaum Zeit, ein paar Happen zu essen. Dann lief sie nach der Hausthür. Da stand der Vater schon und wartete und fast in» gleichen Augenblick fuhr die Gepäckdroschke vor. „Da wären wir. Mcchclke", sagte der Rentier»nd sprang ans dem Wagen.„Nu nehmen Sie mal den großen Koffer. Tag. Elli, D» kannst Dir die Kartons nehmen! Kon»», Amanda." Damit »paudte er sich»vieder z» seiner Frau und ivolllc ihr ans dein Wagen helfen. Allein Amanda, die Frau Wirtin, blieb aus dem Trittbrett stehen, gestikulierte mit den» Sonucnschirin nach den» Hausflur und schrie in allen Tönen höchsten Entsetzens:.Pustel, mein Pustel, die Katze, die olle Katze! Sc springt ihm ja auf'n Kopff schmeißt doch nial die olle Katze raus." „Miczi..." Elli schrie auf, ließ die Kartons in den Straßen- schmutz fallen und stürmte auf de» Hansflur. Hundegekläff. Katzen- gcfanch. Frau Aniandns Spitz, der vorangesprungen, nud Ellis Kätzchen, daS ihm nachgeschlichen, setzten in»vitdcr Jagd die Treppe hinauf und hinunter. „Mieze!"„Pusselchen!"„Meine Mieze!" „Bringt doch die Katze iveg".„Wer schafft denn hier Katzen an? Verfluchtes Biest,»virste machen, daß du rauskominst!" Alles schrie und lief durcheinander. „Aber es is ja aieinc Katze!" jammerte Elli. Sic kam gerade recht, niii die quiekende Miezi aufzunehmen, die unter einem Fuß- tritt des HailSivirtS die Treppe herunterflog. „Blutig hat sie'»» gekratzt. daS Scheusal 1" schrie die Wirtin nud bedeckte ihren Spitz mit Küssen. „Jott nee! lind se konnnt ja sonst»ie nach vorn," suchte Vater Mcchclke zu beruhigen. „Lassen Se doch»»an, Frau Lcndlern, se is ja bloß Ellichc» nachjcrennt." „Raus nmß se," schrie der Wirt:„Ihre Katze? Wie konnnen Sie',» zu'ncr Katze, ohne mich zu fragen? Das iS'n Kontraklbrnch, Haustiere Hab' ich verboten." „Jott.'s is doch man Ellichens, und... und..." Vater Mechelke fuhr sich mit der Hand durch das graue Haar, er flog am ganzen Leibe:„Nee, Herr Lcndler. und»vie Sie m« Ihren Spitz, so hat»in unser Etlichen ihre einzige Freude und..." „RanS muß se I" schrie der Wirt über's Geländer.„Heut noch schaffen Se das Biest ans'm Haus! Das is'» Koutraktbruch:»veiin se morgen noch hier is. fliegen Sie'»» Ersten." „Schnicißcn Se ic ins Wasser," fauchte die Wirtill,„»vir haben ja'» Kanal nah' und's is bald Abend. Kriegen»vir n» überhaupt bald nusre Koffer?"-- „Und ich jeb se»ich I Und ich jcb se»ich, und»ec... ncc, »ncine Mieze." Elli preßte das Kätzchen an ihre Brust. Sie stand in der hintersten Kellerecke, fie jammerte und schrie. „Ellichen," stammelte der Alte,„nee»in laß doch man. Ellichen... und ich thn ihr ja auch in'n Sack mit Sterne... und nee, Ellichen, Du..." er schluchzte selber, aber da»»» auf einmal packte ihn die Wut, jene sinnlose Wut, die von innen herausbricht u>»d sich blind über das ergießt,»uas am nächsten ist. Er schluckte die. Thräuen herunter»ud rüttelte sie:„Giebste die Katze her, dumnie Jöhre, oder»villste lieber, daß Dein oller Vater auf seine ollen Daqe betteln geht?" Und willculos ließ Elli ihm das Kätzchen.— ie. Daö Verderbe» der Speisen beim Gctvittcr. Es ist eine bekannte Thatsnchc, daß Speisen»nd Getränke»vährcnd eines Geivittcrs leicht verderben oder, wie der technische Ausdruck der deutschen Sprache lautet,„»»»schlagen." Bier»vird schal, Milch sauer, und sogar das Fleisch znlvcilcn niigenießbar. Zur Erklärung dieser anffallenden Wirkung des Gewitters ist viel Nachdenken anfgelvandt lvordcn. Unter andrem hat»»au vermutet, daß die Bildung von Lizon infolge der elcktrischeu Eutladuiigen etlvas damit zu thini habe oder daß die Erzeugung von salpetrigerSänre fürjcueVorgäiige verantlvorllichzu uiachcu sei. Es ist jedoch nicht lvahrscheinlich, daß die Atmosphäre während eines Geivittcrs chemische Veräiideruugci» von erheblichem Betrag erleidet. Ueberdies»nützte man aiiliehuien, daß die Gegen- »vart von Ozon oder salpetrigerSänre eher erhaltend auf die Speisen »virlte, da beide Stoffe kräftige Kcimtöter sind. Endlich»väre, selbst »ven» das Ozon die Verderbnis der Speisen veranlassen könnte, die davon Ivähreud eines Geivittcrs gebildete Menge viel zu klein, ni» vcrhälluiSuläßig große Bestände von Bier und Milch sauer»verde»» zu lassen. Beim Fleisch kann die Einivirkiing von Ozon, d. h, von überschüssigen» Sauerstoff, den Vorgang überhaupt nicht er- llärci». Wahrscheinlich ist er gar nicht mit niiinittelbaren chemischen Ein.wilknngcn in Verbindung zu bringen, sondern lediglich mit der Störung des clckirischcn GleichgelvichtS. Jeder Körper ans der Erde befindet sich in eine»» gelvissen eleltrischcn Znstand, der durch elektrische Vorgänge in der Unigebniig beeinfluß»»vird. Pcrsoucu, die sich in der Nähe eines niedergehenden Blitzes befinden, fühlen häufig einen schweren Schlag, obgleich die Eulladung sie gar nicht getroffen hat. Das sind die allbekaiunc» Ericheimlüge» der elektrischen Induktion, Eine derartige elektrische Erschütterung müssen mm auch die Gegenstände erleide», die beim Gclvittcr dein Verderben anheimfalle»», und sie könnte als der Einfluß zu einer chemischen Umwälzung oder als ein Reiz auf die in jeden» Körper vorhandciicn Bakterie» ailfgefaßt»verde»», die nun ihrerjeils die Veräuderiuigeu in dcu Stvffen herbeiführe». Obgleich letztere während eines Geivittcrs besonders auffällig und häufig»verde», sv trete» sie»nzivcifelhast auch zu andern Zeiten ein,»vcnn keine clcltiischen Störniigc» wahniehmbar sind, sogar bei völlig klarem Himmel. Elektrische Spalinnngcn bestehen eben stets in oer Luft. Gclvöhnlich erreichen sie ihren größte»» Betrag einige Stunde» nach Sonueiianfgang, nchmcn dann ivilgesetzt ab,»verde» einige Stunden vor Sonncunutergluig am schlvöchsten, steige» dann»vieder bis zu einigen Stunde» nach Svmicmmtcrgaiig nud gelangen auf ein ziveilcS Miiiiiiiniii vor Tagesanbruch. DaS sind die regelmäßigen Veränderungen der eleltrischcn Spannung in der Luft, die»vährend eines Gelvilierö nur nnregcliiinßiger»ad schneller erfolgen. UcbrigcnS hat das Gefühl des UnivohlsriuS, daS bei vielen Menschen»vährend eines Geivittcrs ciutrilt und in Kopfschnicrzeu, nervösem Unbehagen und Niedergeschlagenheit besteht, in den nämlichen Einivirkungen seinen Grund,»vie das Verderben der Speisen.— Völkerkunde. — Die Reinlichkeit der Chinesen gilt allgemein nicht für übergroß, die Teilnehmer an den letzten europäischen Expeditionen nach den» hiniinlislhen Reich ivisscn davon manches Slückchc» zir erzählen. Wie bei jeden», der eiiie Reise thut, scheint aber auch in diesem Falle etlvas Ucbertreibung initzuspiclcn. Der französische Militärarzt Dr. Coullaud, der sich lange in China ans- hielt, sucht dessen Belvohncr, so»veit es eben geht, in den„Annales d'Hhgiüue Publique" vor der Mitivelt„rcinzuivaschen". Nach ihn» ist ciuc der nnffälligstc» Erscheinungen in hhgienischcr Hinsicht bei den Söhnen des Himniels die peinliche Mund- und Ohrcnpflege. Die Franc», Mandarinen, Bürger, Kanflcute und selbst die Bauern tragen häufig am ersten Knopf ihres Geivandcs ein kleines Besteck, das aus einem silbenici» Zahnstocher und einem silbernen Ohrlöffcl besteht, oft aber auch noch»veitere Werkzeuge zur Entfernniig von Speiseresten aus denr Gebisse, zur Nagel- pflege nsiv. enthält. Jeden Morgen und»ach jeder Mahlzeit spülen sich die Chiiicsc» mit abgelochte»» Wasser oder Thee den Mund aus. Sic besitzen zu dem Zivcck ein aus zivei übereinander stehenden Tassen znsauimciigesetzteS Gesäß, von dem die obere als Spül-, die riutcre als Spncknapf dient. Ein alter Brauch verlangt, daß bei einem Mahle die Teilnehmer sich das Gesicht»nit einem in»varmeS Wasser getauchte» Tuch abivaschcu. Dabei geht's� nun gerade nicht besonders säuberlich z», denn das Handtuch dient häufig für sämtliche Gäste. Nachdcn» der eine sich damit gereinigt,»vobci zuweilen auch die Nase nicht z» kurz kommt, reicht er es seinem Nachbar, der sick» damit begnügt. cS vor dem Gebranch von neuein mit heißem Wasser zu befeuchte». Fast»n sämtlichen Städte» NordchinaS findet man ein Badehaus, dessen Besuchern gegen einen ganz geringen Preis eine Badcivanne mit warmein Wasser und ein Hand- tuch zur Verfügung gestellt inerdm Ans der Wrnme bcgicbt er sich in einen anstoßenden Nanm, der als Schwitzbad dient und wo sich andern ein größeres Wasserbecken befindet. Die Badenden begnügen sich meistens mit dem Eintauchen ins Wasser oder berieseln sich nur damit, denn Seife gilt als Luxusartikel, den sich nur die Reichen leisten köimen. Die Kundschaft der Bade-Austalten besteht aus wohlhabenderen Leuten, Gelehrten, Kanfleuten usw. Jedes Badchaus besitzt seinen Haarkünstler und seinen Fußpfleger. Besonders der letztere ist im Nagel- und Hühneraugen- schneiden sehr geschickt. Die Fußärzte treiben auch ihr Gewerbe im Umherziehen und kündigen auf den Straßen ihr Erscheinen durch Klappern an. Ihre Gebühren sind gleichfalls sehr gering. Einen besonderen Wert legen die Chinesen bekanntlich ans ihre Zöpfe. Die Angehörigen der besseren Stände lassen sich alle zivei Tage den Kopf scheren und den Zopf kämmen und ein Chinese, der mir alle acht Tage seinen Haarputz erneuert, muß schon sehr arm sein. Daher die große Zahl der chinesischen Haarkünstler. Von den Barbieren de- treiben die einen ihr Geschäft zu Hanse, die andern ans der Straße oder in der Wohnung ihrer Kunden. Die umherziehenden Haar- schercr führen die nötigen Geräte zum Wassertvärmen usw. in zwei runden Schachteln bei sich und stcüen sich zur Ansübung ihrer Arbeit mit Vorliebe unter Thoren oder im Schatten von Tempeln auf. Ihr Schermcsser hat eine dem Schädel ent- sprechende konkave Form. Gegen eine kleine Sondervergütung übernehmen sie auch die Massage des Kunden. Sie reiben dabei die Haut mit einer hölzernen Rolle nnd llopfcu dann im Takt mit der flachen Hand die Nacken- und Nückenmuskeln des Knuden. Die Bonzen tragen den Kopf völlig geschoren. Auch de» Kindern werden die Schädel rasiert, nur läßt man, je nach dem Geschmack des Vaters, hier und da einen Haarbüschel bei ihnen stehen. Zn hohen Festen, besonders zu Neujahr, lasse» sich sämtliche Chinesen ganz besonders fein scheren, so daß die Barbiere zn diesen Zeiten die Hände voll haben.—(„Kölnische Zeitung'.) Hygienisches. eu. M e ssi n g v e r g i f i« n g. Das schöne gelbe Metall, das jetzt freilich ettvns aus der Mode gekommen ist. aber doch noch für unzählige Geräte verwandt wird, jene Mischung von Kupfer und Zink, die tvir Messing nennen, fordert bei seiner Bearbeitung manches Opfer an Leben und Gesundheit. Die Krankheit der Messingschmelzer ist seit langen, bekannt, tveuiger Aufmerksamkeit aber hat man der Gefahr durch die Einatmung von Mcssingstaub gewidmet. Die üblen Folgen der Mesfiugbehandlung äußern sich bei den Arbeitern immer in so übereinstimmender Art, daß daraus auf die Wirkung eines bestimmten Giftes zu schließen ist. Das Leide» beginnt mit Bleichsucht und Ilebelkeit, dann folgt eine zunehmende Abzehrung. Es stellt sich Zittern der Muskeln ein nebst Wer- dauungsstörniigen, metallischer Geschmack in« Munde und ei» unangenehmer metallischer Geruch des Atems, ferner Nervosität, Schwäche und starkes Schwitzen bei Froftgefühl. Ein besonderes Anzeichen ist die grünliche Färbung an den' Wurzeln der Zähne, an den Gaumen und an de» Haaren. Bei alten Messingnrbeitem nimmt sogar der Schlveiß eine deutlich grünliche Farbe an. Die Meinnug der Aerzte ist bisher noib geteilt mit Rücksicht darauf, ob das Kupfer oder das Zink im Messing für diese Krankheit ver- antwortlich zu machen sei, doch ist das erster? wahrscheinlicher wegen der Aehnlichkeit in den Erscheinungen der Messing- und der Kupfer- Vergiftung. DaS Gift wirkt am schärfste» ans die Organe der Atmimg und der Verdauung ein, indem der feine Staub einerseits in die LttNge gelangt und dort schließlich eine ichlviudsnchtähnliche Erkrankung(Fibroic) erzeugt, andrerseits mit den Speisen in den Magen gelangt und den Magensaft vergiftet. Als Heilmittel wird hauptsächlich ein andres Gift, der Phosphor. angewandt, doch sollte man sich weniger auf dessen heilende Wirkung verlassen, als vielmehr dem Entstehen der Krankheit vorbeugen. Dazu ist vor allem die strenge Durch- führuug folgender Vorschriften nötig: Die Aufwirbelmig von Staub muß in den Werkstätten durch häufiges Sprengen und andere Mittel vermieden werden. Die Arbeiter sollten nur unter dem Schutz einer Maske(Respirator) arbeiten, sie müssen sich oft die Hände und das Gesicht ivaschcn, namentlich vor den, Essen, auch darf Uiemals in den Arveitsräumen selbst gegessen werden.— Aus dem Tierreiche. — Die Farben der Flußkrebse wechseln stark nach der Oertlichlcit ihres Vorkommen?, zwischen braun, olivenfarbig, schivnrz« grünlich, bläulich und rot. Es kommt dies daher, daß ihr Chitin- Panzer einen dunklen Farbstoff neben dem roten enthält, der diesen gewöhnlich verdeckt. Kochendes Wasser zieht de» dunklen Farbstoff aus, so daß die Krebse beim Koche» rot werden> verdünnter Alkohol(Vrnuntlvcin) thut dasselbe schon in der Kälte, nnd in alten Zeiten, wo man sich uin etivas Tierquälerei keine Gcwissensbisie machte, brachte man manchmal lebende rote Krebse auf den Tisch. denen man durch Waschen mit Branntwein den dunklen Farbstoff genommen hatte. An manchen Orten kommen auch Krebse vor. bei denen sich der dunkle Farbstoff gar nicht entwickelt und die daher schon im lebenden Zustande rot aussehen, so»ach Tschudi in der Dünner bei Sololhurn und in einem Bach bei Ölten in der Schlveiz, nnd man weiß, daß sich diese rote Abart dort seit Jahrhunderten erhalten hat. Wie W. I. Kent im„American Naturalist" mitteilt� kommen dieselben Karbenrassen auch beim nordamerikanischen Flußkrebs(Csmbarus) vor, und es ist klar, daß es sich hüben und drüben bei den dunkle» Varietäten um Schutzfärbungen handelt, denn ans bläulichem Thon findet man bläuliche und auf schwarzem Grunde schwärzliche Varietäten. Auch rötliche kommen dort in weniger tiefen schnell fließenden Gewässern vor, ohne daß ein rötlicher Grund vor- Händen ist. Diese rötliche Färbung schreibt Kent der Einwirkung der� Sonnenstrahlen zu, denn er sah dunkle Krebse aller Schattierungen in besonnten Aquarien rot werden. Man muß sie jedoch allmählich an das hellere Licht gewöhnen, denn die schwärzlichen, bläulichen und grünlichen Krebse der tieferen Gewässer fürchten das Licht sehr; aber allmählich kommen sie hervor nnd werden, wenn man den Behälter dann mehr nnd mehr in die Sonne bringt, erst braun und dann rötlich. Doch es vergehen darüber Monate, und es dauert ebenso lauge, bis Krebse verschiedener Färbung in Aquarien, deren Boden mit Hellem Saude bedeckt ist, gran tverden, lveun sie vor direktem Sonnenlichte geschützt sind. Diese Versuche wurden mit Eambarus immunis angestellt, aber Camdarus diogenes verhält sich ähnlich. Seine Jungen kommen im Frühjahre dunkel und mit verschiedenen Tönungen aus de» Schlupf- winkeln am Boden der Flüsse hervor und werden im Sommer unter dem Einflüsse des stärkeren Lichtes rot. In Teichen, wo die er- wachse»«» Krebse schwärzlich nnd blauschwarz waren, beobachtete Kent aber auch ganz junge Krebse, die rot waren. Diese nahmen nach zwei Monaten den dunklen To» der Alten an. � („Prometheus".) Humoristisches. — Boshaft.„Mensch, was trägst Du denn da für einen feudalen Paletot?" „Aeh, nicht wahr, janz aparter Stoff— Jewcbe aus Kamels- haaren— ivie sitzt er mir denn?" „Wie angewachsen."— —„F e i n" erzogen.„Ach, Mama, sieh nur, wie lieb sich die Kleineu dort an ihre Mutter anschmiegen!... Das können halt auch nur ordinärer Leute Kinder thun I"— — F r e u n d l i che Auskunft. Sommerfrischler: „Ihr habt da ein paar schöne, fette Schweine. Womit erreicht Ihr den» das?' Bauer:„Ja. mei' I Thun alleweil fressen, liegen'n ganzen Tag am Bauch und arbeiten nix— akr'at so wie d' Sommerfrischler!"— („Lustige Blätter".) Notizen. — Josef LanffS neues Drama„Der H c c r o h»i e' erlebt am 20. September, mit Adolf Klein i» der männlichen Hauptrolle, im Lessing-Theater seine Erstaufführung.— — DaS Dresdener H o f th e a t e r(Schanspielhans) hat „I in Taubenschlag", ein Lustspiel von I e r o m e K. Jerome, deutsch von Wilhelm Wolters, zur Anffühnmg angenommen. Die- selbe Bühne bringt in diesem Winter noch folgende Novitäten: „Walpurgistag" von MaxHalbe,„Die Gerechtig- k e i t" von Otto Ernst.„Opferfener" von Karl Gjellerup.„Unsterblichkeit" von K ö n i g s b r n n- Schaup,„Die Asche nbachS" von F e r d. G i in ni e r t h a l, „Don G i l" von Friedrich Adler,„DieMikofch- Mali" von Karl Torresani. Schließlich sollen in diesem Jahre zum erstenmal zehn Volks-Vorstellungen von Klassikern und Nachklassikern an Sountagnachmittageu für die Arveiterkreise Dresdens zu ganz billigen Preisen gegeben werden.— —„Der Landsknecht", eine Operette von Franz Wert her, gelangt am tt,. September im Dresdener Residcuz-Theater zur erste» Aufführimg.— c. Ei» Skandal bei einem Sängerfest. Die Stadt Genf hatte vekanntlich im vorigen Monat einen internationale» Wettbewerb für Gesangvereine organisiert. L3ö Vereine nahmen daran teil, und der Wettbeiverb wurde nach ettva vierzehutägigen Prüfungen beendet. Jetzt aber erfährt man, wie der„Gaulois" berichtet, daß die siegreichen Vereine ihren Triumph— Berufssänger» verdankt haben, die besonders— und heimlich— für diese Gelegenheit engagiert waren. Diese Berufssänger haben die ersten Preise natürlich ohne Schwierigkeit davongetragen. Aber einer von ihnen, der bei der Verteilung der Preise in klingender Münze zu kurz gekommen zu sein glaubte, hat die Geschichte jetzt verraten. — In der Düsseldorfer deutsch- nationalen Kunstausstellung sind bisher für 420 000 M. Kunstwerke verkauft worden.— Verantwortlicher Redacicur: Carl Leid in Berlin. Bruck und Verlag von Max Babing in Berlin.