Unterhaltungsblatt des Horwärts Nr� Z78. Freitag, den 12. September. 1902 iNalbdruit oerfioten.) e] Die Skndk. Roman von Nicolaus Krauß. Lcne war mählich ins Träumen gekommen. Es war doch eine schöne Zeit gewesen, drauhen in Konradsreuth, als sie sich eingelebt hatte in den Wald und die Menschen!... Gruber!... Was war er ihr geworden in den letzten Jahren, nachdem der erste Sturm mit den„Waldräubern" sich gelegt hatte?!... Sie schloß die Augen. Alles!... Ach, er war ein Mann? in sich geschlossen und ohne Wanken. An dem man sich aufrichten konnte, jeder- zeit, und der wie Eisen hielt. Freundlich mit jedem, teilnehmend, aber doch wieder Herr für und über sich, selbst der Frau gegenüber. Er hatte sie sehen ge- lehrt, und all das Menschenthun war ihr verständlich geworden. Er hing am Leben, aber davor stand ihm die Ehre. Er hatte sie stolz gemacht, zielsicher und selbstbewußt. Jeder Lebenslage deuchte sie sich gewachsen, sie wußte, was er gcthan haben würde. In der Stadt hatte sie viele Männer gesesien, und wenn sie auch ihre Jugend- und Kindererinneruugen zurückrief, es gab keinen Vergleich. Seine hellen Augen mit dem kurzen, geraden Blick, die klaren, von keiner Leiden- schaft überwältigten Züge... Die Fran spürte am Arme ein Ziehen. Des Kleinen Augen wiesen über den Tisch. Da kam schon eine Hand herüber, breit, groß, quapplig wie ihr Besitzer. Lene kannte den angegrauten Mann, einen Stadtbediensteten, so eine Art Fak- totnni des Bürgermeisters. In der ganzen Stadt lachte man über sein:.Ich und der Herr Bürgermeister und der Stadtrat haben beschlossen..." Das war sein Alltägliches. Das andre hörten nur die Franzensbader Kurgäste, wenn er sie durchs Museum führte: „Sehen Sie. meine Herrschaften, hier hat einstnrals Walleusteins Bett gestanden. Leider Gottes haben es die Käferlein und Mottechen schon längst mit Putz und Stingcl zusammengefressen l..." Ter Würdevolle mit dem glatten, roten Gesicht war Lene zuwider. Der aber war heute in bester Stimmung. Wie Ocl kam es ihm über die Lippen: „Aber, das ist schön, Frau Förstcnn, daß Sie sich unser gltberühnites Schützenlagcr nicht haben entgehen lassen I... Ja, unser Schützcncorps! Man sieht doch gleich, daß unser Egcr einst reichsunmittclbar gewesen... Ja. Frau Försterin, reichsuumitrelbar I Das gicbt so etwas... so etwas... na. wie soll ich sagen... Ja, wir können auf unsre Vater- stadt schon stolz sein." Er sah Lenes leeres Glas. „Darf ich?... Wollen Frau Försterin noch einen Trunk thun?.. Lcne verneinte. „Dann... wenn Sie erlauben, werde ich mir eins holen..." Als er wiederkam, war er schon viel vertraulicher. Er nahm umständlich Platz, um seinen schwarzen Schoßrock zu schonen, hielt das Glas gegen das Licht und gustierte:„Nicht übel!" Dann trank er. „Weißen Bier! Zu dem muß man schon Sie sagen! Ein Ge— nnß! Giebt's denn wo so gutes Bier, wie bei uns? So gut und so viel gesund?..." Er versuchte seine Hand auf Lenes Arm zn legen, hatte aber dainit kein Glück. Sofort steckte er die Würde des Stadt- beamten auf. „Ja. was ich sagen wollte... Ihr Gesuch, Frau Försterin, ist uns zugegangen, und wir... sind ganz und gar nicht abgeneigt... wie der Herr Bürgermeister ganz richtig bemerkte: Der alte Gruber hat uns so viel Wald er- halten... es ist nur billig, ja..." Er that einen Zug, uud abermals schlug seine Stim- mung um. „Ja, der Förster Grnbcr l... Ein tüchtiger Mann, alle Achtung!" Er sah Lene in die Augen. „Wollen Sie denn für immer allein bleiben?" „Ich?... Allein?... Ich Hab' ja meine Studenten!... „Das sind doch Fremde! Ich meine es anders... Eine junge Frau hat, wenn das Trauerjahr um ist, doch auch andre Gedanken..." Lene kam der Zorn. So ein Fettwanst wollte sich mit Gruber in Vergleich stellen. Spöttisch sagte sie: „So ein altes Reff wie ich?..." „Frau Försterin!" Der Dicke sprang auf. „Einen weiß ich, der Sie sofort vom Fleck wegnimmt.. „Auch ohne Pension?" Einen Augenblick zögerte er. „Auch ohne Pension I..." Hinter der Bretterbude schrie eine grobe Stimme: „Seff. der Herr Bürgermeister ruft!..." Er mußte alle seine Leibeskräfte zusammennehmen, aber seine Würde hielt der Stadt-Seff aufrecht. „Adje, Frau Försterin... Ich frag' wieder an.., jetzt ruft die Pflicht..." Als er fort war. konnte Lene nicht mehr an sich halten. Mochrcn sie alle die Köpfe wenden, sie mußt«, lachen... Der?... Wie breitbeinig er dahin stieg, als nran ihn rief— der Knecht!... Herrgott, er sollte nur noch einmal kommen... In die Luft wäre der Gruber mit so eiuew Fettsack gefahren... Mit einem Satz war das Kleine über den Tisch. „Franz!... Köhler!..." Der ließ sich nicht halten. Die Kostfrau bog sich vor. Draußen, vor dein Kletterbaum, stand das Annerl mit seiner Großnmtter. der alten Frau Berger. Das städtisch heraus- gepuyte Mädchen und das vornübergebeugte Taglöhnerwcib boten einen eigentümlichen Kontrast. Lene rief die Alte an, sie kam sofort. „Endli, daß ma wieder wer Bekanntes trifft!.. Sie hatte schon ihre Geldtasche heraus und grub nach Kreuzern. „Ein Paar muß ich essen... und ein Bier dazu!.. Als sie sich versorgt hatte, plauderte sie: „Die Lola ist laug schon heraus... mit der Ascher Fabrikantenfrau, selbstverständlich!... Sie haben Pferd und Wagen. Da sag' ich zum Annerl: Keh'n wir auch... Uud der Herr Scharnagl hat uns versprochen, auch auf unser Zeug Obacht zu geben..." „Unser„Pfarrer"?" „Ja. A tüchtiger Bursch'. Ich kenn' seine Leut'... Aber, Frau Försterin. in ihr kenn' ich mich nct mehr aus..." „In ihr?..." „Ach, ja!" Die Alte knurrte ordentlich. Die Hauptmanns- witwe, die gnädige Frau von Bartelmus, meine Tochter, mein' ich... Das arme Annerl. die sieht nichts Gutes I... Uird sie hat doch ihre Versorgung, die Tabaktrafik, und verdient einen Haufen Geld und braucht keinen Finger krumm zu machen, sie hat doch die Mädeln im Laden!... Denken S' an mich, die will noch einmal heiraten!... Jeden Tag geht sie aus, und die Fabrikantenwciber, die aufgetakelten und dann die Männer, alte und junge— eine Sünd' und Schaud' ist's... Mir quillt oft der Bissen im Mund... Frau Försterin, ich sag' Ihnen..." „Aber Frau Berger I..." Die Musik setzte mit aller Kraft ein. Wie im Cirkus, wenn der Nudelbrettschimmcl kommt, klang es. Um den Klctterbaum hatte sich ein Ring gebildet. Schützen machten die Ordner und drängten die Menge zurück; ini Eifer griffen sie oft ins Leere und torkelten. Im Ring gab ein langbärtigcr Schützeuharrptmann einem Rudel bloßfüßigcr Buben seine Anweisungen. Eine Hand sährt enipor, ein Schlag der türkischen Trommel, die Jungen stürzen nach dem Kletrerbaum. Der Ding ist dick uud glatt. Einer nach dem andern will hinauf. Die einen verzweifeln nach den ersten Griffen. Andre wollen in die Hand spucken, da sausen sie schon hinab. Rasselndes Lachen schlägt ihnen' entgegen, uud beschämt drücken sie sich durch die Reihen. Aber wenige komnien vorwärts: langsam zwar und nach vielen Pausen, aber man merkt doch deutlich die Rucke. Der und jener dreht den Kopf, uni nach dem N eisen zu sehen, an dein die Preise hängen. Tie Zu- schauer werden ungeduldig. „Vorwärts, Dicker l... Furcht' dich net!... Ach siud die Knackwurst' gut!..." „Zipfel, dalketer, hinauf sollst du, net ruutcrwärts 1" „Wetten, daß keiner'nauf kommt!.. „Das sieht ein Dummer I" Drei hingen noch, der eine wie eine reife Pflaume; da fuhr er schon zur Tiefe. Im Nu hatte das Kleine seine Stiefel von den Füßen; das Annerl hielt die Hände hin. um sie ihm aufzubewahren. Der kleine Gymnasiast ging sehr langsam durch den Saud des Weges, dann that er einen Satz bis zum Baume hin und nahm ihn herzhaft in Angriff. Anfangs kam er nur langsam vorwärts; der Kletterbaum wurde dünner, jetzt ging's schon schneller. Da hingen ihm die beiden Vordermänner im Wege. Dem einen wich er aus und überholte ihn auf der entgegen- gesetzten Seite. Der andre hatte sich vorgesehen. An dem war nicht vorbeizukommen. Im letzten Augenblick sah das Kleine immer wieder seinen Weg verstellt. Die Spannung der Zuschauer war auf's Höchste gestiegen; ganz still war es geworden. Plötzlich klammerte der Gymnasiast die Füße so fest um den Stamm, daß er fast saß. Und mit beiden Händen faßte er seffien Konkurrenten rücklvärts an der Weste. Jni ersten Schrecken drückte sich der fest an de»- Vauni. Das Kleine rückte und griff niit den Händen über jenen hinaus. Ein Schwung, et war über ihm und schob darauf los. Drunten toste der Beifall. Als er die Hand nach den Preisen aus- streckte, fiel die Musik mit einem Tusch ein. Er hatte eine Wurst zwischen den Fingern und riß. Die Knackwurst blieb ihm in der Hand, der Reifen aber neigte sich und stürzte mit all den Taschentüchern,„Wecken" und Pfefferkuchen hinab, eine Beute der Jungen und Alten.— Einige Minuten später saß der Gymnasiast wieder neben seiner Kostfrau in der Bretterbude. Das Annerl biß mit spitzen Zähnen an einer Knackwurst. Da sagte die alte Berger: „Eine teuere Wurst!... Du hättest ja bei einem Haar den Hals brechen können, mein Bub!" Das'Kleine sah das Annerl, dann seine Kostfrau an. Mit milden Fingern strich ihm Lenc über das Blondhaar. Und stolze Röte schoß dem Jungen über das ganze Gesicht---- ' Vom Nachbartisch drangen laute Stimmen. Einer, dem Aussehen nach ein Krämer, erzählte: „Ja,'s Avancenient bei den Schützen war großartig!... Den jungen Dieter haben s' zum Lieutenant gemacht! Er war zu schivach zum Militär, und er füßelt, als wollt' er mit der großen Zeh den Weg suchen. Aber sein Vater ist der reiche Kaufmann— alsdann?!... Der Taffet-Matz.. „Taffet-Matz?" „Ja, der Flickschneider ist G'freiter worden! Weil er Schillers Glocke von vor- und von rückwärts auslvendig kann. Dreißig Jähr war er Gemeiner. Als ihm seine Rangerhöhung mitgeteilt wurde, schrie er aus dem Glied heraus:„Jessas, Jeffas, der schönste Tag meines Lebens I" „Civilist I" „Selbstverständlich! Der kleine, dicke Fnnken-Schn ster hat ihnen's G'wehr hingeschmissen... Korporal wollte er werden. Es wurde ihm aber nicht bewilligt.„Was?" schrie er,„nach Karlsbad und Marienbad liefere ich meine Schuh, die Sachsen siud mit meiner Arbeit zufrieden, und bei Euch soll ich als Gemeiner absterben? Da habt's Euren Prügel!..." „Kriegsartikel I Kriegsartikcl I" Beide lachten.— Zur Bretterbude herein kam der Vogt geschossen. Er drehte sofort den Kopf nach rückwärts und rief:„Ist schon da I" Noch zwei von Lenes Studenten kreisten heran. Ein aufgeschossener, strohblonder, fünfzehnjähriger Gymnasiast mit einer etwas hängenden Unterlippe, und der Matz. Der „Doppelte" that großartig. Die Backen flogen nur so, drei Finger der rechten Hand hielt er in der Westentasche. Lcne wandte sich an den Blonden: „Wie ist's denn, Netsch, habt Ihr schon was gegessen?" Gleich fuhr der Lchrersbub dazwischen: „Aber, Kostfran I Wie können Sie nur so was denken! Gar keine Spur! Und der Hunger! Mein Magen quärgelt schon, wie net g'schcid..." Lene griff nach der Geldtasche. «Da, Vogt, kaufen S' ein! Jeden von Euch Zweien ein Paar und Brot und Bier... Der Matz braucht ja nichts, der hat zwei Zwanziger von seinem Doktor bekommen.. „Einer ist schon hin, Frau Tont'-... Und ich Hab' doch keinen Nachmittagkaffee gekriegt..." „Also meinetwegen!... Ich und Frau Berger trinkest auch noch ein Glas..." Während des Essens schwieg die Zunge des Kuttenplaner Lchrerbuben auch nicht einen Augenblick. Bald sprach er zu seinen Kameraden, dann wieder zu seiner Kostfran; ein Wort, das von draußen hereinklang, fing er aus und hängte seine Spaßctteln dran. „Die Professoren sind schier alle heraußenl Das schwärmt ordentlich! Heute kann man kein Cigarrl riskieren!" „Ich Hab' den Nitschelwitzer rauchen sehen," meinte der Matz, mit beiden Backen kauend. „Ja, der Nitschelwitzer, der hat's gut I Ter ist schon ein alter Ding! Wenn der mit seiner Braut am helllichten Tag tanzt, sagt ihm keiner was..." (Fortsetzung folgt.) «Nachdruck verboten.) Die SLtrdittett-Ittdttstvie Frsnkreiiszs. Die Sardicneiifischcrci Frankreichs war schon zu Vcgiini des 18. Jahrhunderls eine sehr bedeutende, aber erst seit Einführung der Büchsen-Sardincil hat sie eine iiilcriianollale Berühmtheit er- langt. Die Sardine gehört zn der großen Familie der Heringe und ist die wichtigste Vertreterin derselben in den südlichen Küstemneeren Europas. Sie wird in konserviertem Zustande als der wohl- schmeckendste aller heringsartigcn Fische geschätzt und namentlich au der»ordfranzösischcn Stiiste gefangen. Der Fischfang beginnt in Frankreich zur Laichzeit, also z» Anfang des Monats Juni. Sobald die Fischer an der Küste der Bretagne zahlreiche Scharen von Tüinnilertauben über der See bc- merken, und zahlreiche Mövcn in kurzen Zivischenräuinen in die Tiefe tnnchen sehen, werden die Segelboote ansgerüstcl. Die Boote fiisscn gewöhnlich ein Dutzend Tonne» imd werden mit 6— 10 Personen bemannt. Nnr der Kapitän und der Steuermann sind Fischer ooi» Beruf; die übrigen Gehilfen sind Handarbeiter. Landlcnte, Winzer zc. Alle in der Sardiiieufischerei beschäftigten Boote sind registriert und tragen ihre Rummern in großen ivcißcn Ziffern an beiden Seiten des Bugs, soivie mehrere Buchstabe», ivclche anzeigen, ivclcher Stadt die Boote zngehören. Ellva zivci Fuß unterhalb der Nceling befindet sich eine große Plattform, auf luclche die Fische geschüttet Iverden. Der ganze Fangapparat besteht ans dichtinaschigc» Retzen von 300 bis löliO Fuß Länge. Der obere Rand Ivird durch Korkstücke an der Wasser- Oberfläche schwcbeiid erhalten, während der untere Rand mit Blei» geuüchte» beschwert ist, die dasNetz straff spannen. Die Netze sind grünlichgrau im Tone des Wassers gefärbt, damit sie den Fischen nicht gleich sichtbar werden.' Der Anstrich erfüllt zugleich den Zweck, die Netze dauerhafter z» machen. Eine Schicht öliger, ans der Meeresoberfläche schwimmender Substanz, soivie eine beträchtliche Menge kleiner im Wasser schwebender Schuppen von metallischem Glanz verraten die Anwesenheit des Fisches. Das Boot wird nun, damit es nicht von der Strömung sortgetrieben lverde, durch leichte Nuderschläge über dem Fischschwarm erhallen und das Netz nnSgeworse». Der Palron steht im Heck, streut mit vollen Händen den Köder ins Meer, der dazü bestimmt ist. die Fische an den gastlichen Ort zn fesseln. Bald sieht man Nene Mengen Schuppen emporsteigen, währeiid das Netz durch die von allen Seiten herbeiströmenden Scharen lebhaft bewegt Ivird. Bei der Sardincnfischerci spielt der Köder eine fast ebenso wichtige Rolle wie die Netze. Bei keiner andren Netzfischerci der Welt wird in so ansgedehntcm Maße Köder vcrlvendet. Es ist bemerkenswert, daß Frankreich hinsichtlich dieses unentbehrlichen Artikels vollständig von andren Ländern abhängig ist, und daß die Sardinensijcherei eng verknüpft ist mit dem Fang andrer als Köder dienender Fischarten in fernen Ländern. Der jetzt ver- wendete Köder besteht in dem gesalzenen Rogen des Kabeljans, obgleich auch der Rogen des Schellfisches, des Dorsches, des Pollacks, des Herings, der Makrele und vieler andrer Fische verwendet wird. Seit mindestens zwei Jahrbundertc» ist Kabeljaurogen von Nor- Ivege» importiert ivorden; dieses Land hat stets den größten Teil des Sardinenköders geliefert. Andre Lieferanten des Köders sind Holland, Neu-Fundland und die Vereinigten Staaten. Das Werfen des Köders, von dessen richtigem Gebraiich zum großen Teil der Erfolg der Fischerei abhängt, geschieht stets durch den Patron. Wenn die Fische an die Oberfläche gekommen sind, so lvirst er den Köder stets in der Weise, daß die Fische, um diese» zu erreichen, dem Netze zuschwimmen müssen und so gefangen werden. Wen» sie dann ins Netz gegangen sind, wird dieses eingeholt und zugeschnürt, die Segct werden' gehißt und das Boot, ysyrnit seinen Kurs»ach dem nächsten Hafen, wo die stets reiche Beute auf das Deck geschüttet wird. Es ist eine eigentümliche Thatsache, daß man selten eine lebende Sardine aus dem Wasser zieht; geschieht dies doch eimiial, so stirbt sie fast augenblicklich. Es wird aber lein Eis oder sonstiges Konserviernngsmittel fiir die Fische angewandt; sie erreichen den Hafen in gnter Beschaffenheit und befinden sich schon oft ein bis zwei Stunde» nach dem Fange in den Konserven- fabriken. Von den LSO-SM Fischerbooten, die während der Fangzeit in Belle-Jsle ausgeriistet werden, gehören 200 zum Hafen von Palais, die übrigen nach Sauzon. Diese beiden Hafen bilden zugleich die Hanpt-Snrdinenbörsen. Jedes Boot erzielt einen Ertrag von nn- gefnhr 8000—10 000 Fischen, und inan berechnet den Markt- preis nach der niit den ersten Schissen eingebrachten Menge. Auf den Molen warten schon die Vertreter der großen Konserven- Handelshäuser, nur ihre Einkäufe zu»lachen. Ist dieses Geschäft erledigt, so werden die Sardinen zu je 200 Stück in Körbe gezählt und sogleich von den Fischern nach den Konserven- fabriken befördert. Wenn die Fische in der Konservenfabrik an- ikonnnen, werden sie ans großen Tischen ausgebreitet und mit ein wenig Salz bestreut. Die Frauen, ivelche die Köpfe und Eingeweide der Fische eiitfcmen. verrichten ihre Arbeit mit großer Ge- schlvindigkeit. Die Fischchen fallen in einen bereitstehenden Korb; die Abfälltcile werden an die Landlente zum Düngen ihrer Felder verkauft. Gleich nach dein Ausweiden sortiert man die Fische nach der Größe, worauf sie in große mit Salzlake gefüllte Behälter kommen. In dieser Lake bleiben die Fische �/s bis 1 Stunde, je nach Größe, Qualität und Witterung. Darauf werden sie in kleine Wcidcnkörbe gebracht und gewaschen. Während des Waschcns bleiben die Fische in den Körbe», die durch das Wasser gezogen werden. Dieses wenige Sekunden in Anspruch nehmende Verfahren entfernt alles nnauf- gelöste Salz, lose Schuppen usw. Nach sorgfältigem Waschen und Spülen der Fische werden sie, jedes Stück von dem andern isoliert, auf besondere Draht- Vorrichtungen, sogenannte„Noste", gelegt und sofort zum Trocknen an die frische Lust gestellt. Ist das Wetter aber regnerisch oder auch»nr feucht und nebelig, so ist das Trocknen unmöglich und die Fische sind verloren. Sie sind dann gerade noch als Dnngstoff, aber sonst absolut nicht verwendbar. Vielfach haben die Nosie auch die Gestalt von Drahtkörben mit mehrere» Fächer», deren Wandungen schräggestcllt sind. Die Sardinen iverde» in diesen Fächern mit den Schwänzenden nach oben untergebracht und hierauf die Körbe an den Trockcngerüstc» aufgehängt. Man hat sich vielfach bemüht, den großen Schäden, ivelche durch feuchte Wittcrnng hervorgerufen werden, zu begegnen. So hat z. V. das Haus Amicux zu Sauzon, welches 3550 Leute beschäftigt zu diesem Zivecke einen großen mechanische» Trockenapparat beschafft, welcher sich sehr gut bewährt. �Es. ist dies, ein riesiger Ventilator, der durch Dampskraft betrieben wild. Die Sar- dincn werden einige Augenblicke einem starken Lnststrom ausgesetzt, um unmittelbar danach, auf den Nosten ruhend, in große Pfannen niit siedendem Olivenöl eingetaucht zu werden. Diese Manipulation dauert je nach der Größe der Fische drei bis fünf Minuten. Damit das Olivenöl seinen natürlichen Geschmack behält, wird es nicht über offenein Feuer erwärmt, sondern es wird überhitzter Dampf durch das Ocl hindnrchgeleitct. Da die Fische zuvor ganz trocken Ware». so absorbieren sie bei dieser Manipulation einen großen Teil des Oclcs, ivclchcs von Zeit zu Zeit ersetzt werden»inß. Nach dem Sieden werden die Sardinen»rt den Nosten zum Abtropfe» aufgestellt und nach dem Trocknen in Büchsen verlegt. Diese Büchsen gelangen dann in den Oelranni. Ivo die Lücken zwischen den Fischen mit frischem Olivenöl ausgefüllt werden. Auch die Gewürze, Tomatensance und Sardellenpaste, welchen die französische Sardincnbercitung hauptsächlich ihren Wellruf verdankt, werden hier beigefügt. Die Fabrikanten verwenden zwei Arten Ocl zum Einlegen der Sardinen in Büchsen,»nmlich Olivenöl und Erdnußöl. Obtvvhl die französischen Konserven- Fabrikanten angeblich nur diese beiden Oele verwenden und ivohl emch größtenteils überzeugt sind, renies Oliven- und Erdnußöl von den Händler» zu er- halten, soll doch mehrfach eine Verfälschung dieser Produkte durch das ivohlfeile Bannnvollsamcnöl vorkommen. Genau ist man über diesen Punkt noch nicht unterrichtet. Die Amerikaner bringen allerdings ihren bedeutenden Export an Bamnivollsanienöl nach Frankreich mit der Sardinenindustric in Beziehung, doch fehlt der klare Beweis, daß ihre Verinntungcn zutreffend sind. Jedenfalls ist es inlcresiant, zu konstatieren, daß während des fiskalischen Jahres 1899 die Vereinigten Staaten nahezu 17 Millionen Gallonen Bamnivollsanienöl im Werte von 16 Millionen Mark exportierten. Das Erdnußöl wird in ausgedehntem Maße verivendet, um der Nachfrage des AnslandeS, iiamcutlich Amerikas,»ach einer billigen Sardine zu entsprechen. Die meisten der billigeren fran- zösischcn Sardinen, ivelche nach Amerika exportiert iverde», sind in Erdnußöl eingelegt, welches thatsächlich geschmacklos ist. Es gicbt noch versckiiedcne andre Ingredienzien, ivelche nian den Oclsardinen zusetzt. Um sie Ivohlschmeckender oder pikanter zu machen. Einige der allerbesten Sorten Iverde» mit geschmolzener Butter guter Qualität statt mit Ocl bereitet, doch sind diese zumeist speciell für den französischen Markt bestimmt. Auf Schiene» laufende Wagen befördern die Büchsen nach dem Lötzimnier, Ivo Arbeiter mittels Lötkolben die Deckel befestigen. Die Büchsen werden, um die eltva in ihnen eingeschlossenen Mikroben zu gerslören, in große, mit kochendem Wasser gefüllte Pfannen ge- bracht, in diesen dem Kochprozetz nuierlvorfen, hierauf in Säge, späncn getrocknet und genau untersucht. Die Nntersuchilng erfolgt durch einen besonders sorgfältigen, gewissenhaften Beamten, durch dessen Hände jede Büchse geht. Zeigt sich ein Fehler in der Lötung. so wird das Stück zurückgewiesen und nach dem Abfallranm befördert. Der Inhalt einer solchen Büchse hat keinen NahrniigSwcrt. Die tadellosen Stücke werden zu je 100 in Kisten verpackt und in dieser Form in den Handel gebracht. Für die besten französischen Büchsensardineit, darüber kann kein Zweifel bestehen, wird»nr absolut reines Olivenöl verwendet. Diese Sardine» halten sich 10 Jahre oder noch länger in gnter Beschaffeil» hcit.—_' Fred Hood. Kleines Feuillekon. ck. AnstralischeS Buschlcbcn vor fünfzig Jahre». Fesselnde «Skizzen und Eindrücke" aus dem Leben im australischen Busch, tvie es vor fünfzig Jahren noch war, bietet ein soeben i» London er- schicncnes Buch Australian Girlhood" von Mrs. Campbell Praed. Gerade dieser Kontrast der Bilder zu dem heutige» Leben in dem Koutincnt gicbt eine lebhafte Vorstellung von der märchen- haften Entivicklung. die das neue Australien im Laufe eines halben Jahrhunderts durchgemacht hat. Seit jener Zeit ist der alte Pionier, wie er in dem Buche noch beschrieben wird, fast ganz ausgestorben, und die Erforschuilg Auslralicns hat ihre Geheimnisse»nd ihre Schrecken verloren. Es liest sich sehr merkwürdig. wie damals eine Expedition arrangiert wurde:«Die Pioniere führten eine Gefolgschaft von vorläufig entlassenen Sträf- lingen, die die Regierung auslieh. Wenn der Pionier nach einem neuen Lande ausbrechen wollte, versammelte er seine Sträf- liuge uin sich nnd sagte:„Gefährten, wir ziehen ins Innere. Wenn einer von Euch das lliitcrnchmen scheut, so laßt es mich tvie Männer wisse», und ich iverde andre bekommen; wenn Ihr aber zu uns haltet, so iverde ich zu Euch hallen, Euch gute Nationen geben und 100 M. jährlich, so lange, wie Ihr Euch danach benehint." Sehr wenige scheuten vor dem Wagnis zurück, eiuige zeigten sich als wahre Helden, nnd viele bekamen auf diese Art ihren EntlassnngS- schein und schließlich ihre Freiheit. Die Pioniere zogen wie Abrahnni und Lot mit ihren Heerde». Oft litten sie schivere Not durch Wassermangel und kamen im Busch um.„Ich erinnere mich, daß wahrend einer Dürre einige Männer»ach Norden zogen und mehrere Tage später zurückkamen, nachdem sie fast verdurstet waren. Sie wußte», daß ein Teich 60 Meilen von dem Orte ihres Aufbruchs entfernt war; aber als sie ihn fanden, war kein Wasser darin. Alles Wasser in ihre» Beuteln war Stunde» vorher ansgetriniken, und die Pferde waren erschöpft. Vor und hinter ihnen drohte der Tod. Sie wußten, daß sie beim Weitergehen den Fluß finden würden, der sich in viele Arme teilt, und sie konnten ein trockenes Bett enllang gehen, während einige hundert Aards von ihnen in cinenr andern Bett Wasser Ivar, ohne daß sie eS iviißten. Die Leute gingen vorwärts, und ihre Leiden wurden schreck- Uch. Die Pferde konnten nicht grasen, und die Männer raitchten schweigend, bis einer allmählich ruhig zu phantasieren begann und viel über sein Weib sprach. Dann wurde er wilder und riß seine Kleider ab, was Menschen inimcr thnn, wenn der Durst-Wahnsinn sie ergreift I nach diesem Stadium lege» sie sich hin, und die blauen Ameisen bekommen sie. Gegen Sonnennntcrgniig spitzten die Pferde plötzlich die Ohren nnd gingen frischer vorivärts. Vor ihiien war ein Teich,»ind Menschen und Pferde tranken nnd schwelgten darin. Ich erinnere mich noch recht gut, ivie sie den Geschmack und Geruch des Wassers als etivas Paradiesisches beschrieben, und tvie es bis zu den Fingerspitzen und Zehen wie durch die Poren eines Schwaunncs zu gehen schien." Eines der schrecklichsten Er» rignisse, nn die Mrs. Praed sich erinnert, trat ein, als sie schon verheiratet Ivar. Es ivar das Schicksal einer Gesellschaft, die aus einer Fran, ihrem Mann, einem Gefährten und einem Kind bestand, die mit ihrem Gepäck in eiiiei» blanen Laken umher zogen. Sie hatten keine Wasserbeutel und wurden durstig, „Das Kind schrie und wurde schwer auf de» Armen zu tragen— es ivar zwei oder dreijährig nnd ging nur kurze Strecken an der Hand der Mutter. Die Männer machten sich auf die Suche nach Wasser; da sie aber nicht zurückkehrten, entschloß die Frau sich, ihnen nach- zugehen. Sie band das Kind also an einen Gumniibaum nnd ging durch den Wald, in der Meinmig, daß sie leicht ihren Weg zurück- finden würde. Sie zeichnete die Bäume aber nicht; diese sahen ihr dann alle ganz gleicki alls,»nd nach einer Weile wußte sie, daß sie im Busch verloren war. Die Männer hatten ans ihrer fruchtlosen Suche»ach Wasser den Weg auch nicht gezeichnet und tvarcn ohne Kompaß. Einen Tag und eine Nacht wanderten sie nmher und kamen schließlich zu einer kleinen Ortschaft. Nun zogen Leute auf der Suche nach Fran und Kind aus. Letzteres fand man auch bald, aber Soldatennmeisen hatten das hilflose Kind angegriffen und seine Haut buchstäblich aufgefressen. Was von dem Kinde noch übrig war, begrub man unter dem Gunimibaum, Inzwischen hatte ein Hirt die fast verdurstende Mutter in der Nähe der Ortschaft gesnnden. Er brachte sie dorthin, und sie erzählte ihre Geschichte. Als die Männer von ihrer Suche zurückkehrten, platzte ein Schwarzer, der voranritt, mit der Mitteilung von dem, was sie entdeckt hatten, heraus. Da verlor die Frau den Verstand und starb bald darauf im Jrrenhause." Zn den frühesten Erinnerungen der SScrfafTcrin gehört die nn cincit.Corrodorce", den Tanz der Ein- geborncn. von dem sie folgende malerische Schilderung entivirfl: „Die Feuer brannten in regelmäßigen Entfernungen, und in drei oder vier Reihen standen an erster Stelle die nackten bemalten Krieger mit Papageien- und Kakadufedern auf dem Kopfe und ivertloien Perlen um den Hals; sie schlvangcn die Speere über ihren Köpfen. Dann kamen die Alten und hinter ihnen die alten Weiber, die unter Begleitung eines Tamtam und verschiedener Manltrommeln einen monotonen, mißtönenden Chor sangen. Jetzt ist der Gesang klagend, dann schwillt er zn einem Triumphgeschrei an. Die Hänpt- linge vorn scheinen die Vorstellung zu leite». Einige sind bemalt, sodaß sie Skelette darstellen, andre mit spiralförmigen Schleifen, die sich wie Riesenschlangen um ihren Körper winden. Sie schivenke» die Speere und stoßen rauhe Schreie aus. Jetzt tritt eine kleine Gesellschaft Tapferer in die Arena. Sie halten die Schilde vor sich, machen schlängelnde Bewegungen, sehen wachsam und schlau von einer Seite zur andern, beugen sich, als ob sie unter Thorwegcn durchgehen müßte» und flüstern zusammen. Es bedeutet sicherlich die Probe eines nächtlichen Angriffs auf die Station eines Weiße». Dann springen sie seitwärts auf scheinbar Schlafende, die mit schläfrigen Gebärde» aufstehen, Schrecken und Bestürzung zeigen und »ach schivachem Widerstand um Gnade bitten...."— c. Ein großer Walfischfang. Hillswich, ein kleiner Sommer- anfenthalt ans den Shctlands-Juscln, war am Sonnabend der Schauplatz einer großen Walfischjagd. 166 Ungeheuer der Tiefe waren an die Küste getrieben und wurden auf dem Strande ge- schlachtet. Große Walfischschwärnre sind i» dieser Jahreszeit in den nördlichen Meeren häufig; da ein solcher Schwann sich der Insel näherte, ergriffen die Fischer sogleich schnelle Maßregeln, um Nutzen ans ihren Besuchern zu ziehen. Boote wurden in �die See gelassen, und es war ein aufregendes Schauspiel, wie es den Fischern gelang, die Tiere ans Ufer zu treiben. Dann begann das Schlachten. Meffer, Harpunen und Waffen jeder Art wurden herbeigebracht, und als man nachher zählte, hatten 166 Tiere, von 7 Fuß bis zu 3S Fuß Länge, ihre Kühnheit mit dein Leben bezahlen müsse». Es sind Heringswalfische, die nur einige 20 Tons Oel im Werte von etwa 1200 M. geben werden. Die Kosten, das Oel hcraiisznzichcn, werden den Nutzen drS Fanges sehr mindern. Früher war es Brauch, daß der Eigentümer, auf dessen Larid Walfische ans Ufer getrieben wurden, ei» Drittel des Gelvinns beanspruchte. Dieser» Anspruch wurde aber oft Widerstand geleistet, und im Jahre 1880 entschied dos Gericht, daß diese Forderung ungesetzlich tväre.— Physiologisches. cc. Neber da? Sehen n, i t u rr g l e i ch e n A II g e n. In der neueste» Nummer des„Archivs für Physiologie' lvcrden inter- esiante Miiteilungen über da? Verhalten ungleicher Augen gemacht, wonach man erkennt, daß es vermutlich bedeutend mehr Menschen giebt, die ungleiche Augen haben, als man gewöhnlich vennutet. Meistens wird der betreffende Träger dieser Abnormität nicht dadurch gestört, die von beiden Auge» gelieferten Bilder ergänze» sich viel- mehr genau so, wie ivenn die Augen normal tväre». Erst bei be- soliderer Prüfung fällt die Ungleichheit ans. Auch der Versaffer jener Mitteilung, Banmann, Ivnrde sich der Kiirzsichtigkeit seines rechten AugcS erst bewußt, als er Soldat geworden war und rechts zielen und schießen sollte. Er hatte sich bis dahin für nornialsichtig gehalten, da offenbar das weniger scharfe Bild, daS vom kurz- sichtigen rechten Auge geliefert wird, sich stets dem schärferen des andern Auges untergeordnet hatte. Die Thatsache ivnrde durch folgende Versuche noch erhärtet. Es wurde ein Opernglas beim Sehen benutzt und für das rechte Auge eingestellt. Beim Durch- sehen mit beiden Augen war durchaus kein störender Einfluß zu bemerken. Wurde das Glas für das linke Auge eingestellt, so war der Erfolg derselbe, jedesmal ordnete sich das weniger scharfe Bild dem schärferen unter. Man konnte das Opern- glas nun aber für beide Angen verschieden einstellen, so daß in jedem ein scharfes Bild enlstand; der Erfolg war mm nicht ettva ein besonders gutes»nd deutliches Sehen, sondern Banmann mußte von dem Versuch, mit beide» Augen zu sehen, sehr bald abstehen, Iveil die Augen heftig zu schmerzen begannen. Offenbar ivar der Grund der, daß die Bilder in dew beiden Augen, wenn auch gleich scharf, nunmehr aber bo» nn- gleicher Größe waren. In den früheren Fällen ist das scharfe Bild eindringlicher als das gleich große unscharfe? dieses stört daher gar nicht, sondern tritt ergänzend hinzu; jetzt dagegen sind die ungleich großen Bilder gleich eindringlich, so daß keines in der Warnehmnng bevorzugt tvird. Beide Angen stehen Nim in heftigem Wettstreit, ihre Wahmehinmigen zur Geltung zu bringen, und der Versuch, sie zu verschmelzen, rief dir Empfindung des Schmerzes hervor.— Technisches. — Eine Eifenbahnbrücke von 2700 Meter Länge. In der Wochen ignift„Prometheus' wird über eine Eisenbahnbrücke derichtet, die Aber den Godavari-Fluß in Indien führt. Man baute fast drei Jahre au der Brücke. Seit kurzem wird sie von Eisenbahn» zügen befahren.„Die an der Ostkiiste Vorderindiens entlang von Madras nach Calcutta führende East Coast-Eifenbahn überschreitet bei Rajamahcudri den von West-Gbats herabkommenden Godavari 64 Kilometer von seiner Mündung. Der Godavari, nächst dem Ganges«nd dem Indus der mächtigste Strom Jiidiens. SZeramworruaier ReOacieur: Carl Leid in Berlin. hat hier bei Hochwasser eine Breite von 2750 Meter und eine Stromgcschwiiidigkeit von 1.2 bis 3,8 Meter in der Sekunde. Die Hauptstiömung befindet sich in der Mitte des breiten Strombettes. Das in Indien häufig beim Brückenbau angewandte Verfahren, den Strom durch Herstellung eines vertieften Kanals ein- zneiigeii, um scinc Breite zu verniindern und auf diese Weise die Länge der Brücke zu verkürzen, war hier ausgeschlossen, man war also ge- zwuiigen, den Strom in seiner ganzen Breite zu überbrücken. WaS iinu die Bauart der Brücke betraf, so konnte iiian dem Beispiele anierikanischer Ingenieure folgen, die Spannungen von 120 bis 130 Meter bevorzugen, uni die Anzahl der Brückenpfeiler zu vermindern. Aber eine solche Brücke iviirde es nötig gemacht haben, englische Fabriken zur Herstellung des eisernen Oberbaues in Anspruch zu nehmen; iiiaii hatte jedoch Grund, dies, Ivenn irgend möglich, zu vcriiiciden, uiid die Brücke allein mit Hilfe inländischer Fabriken und Arbeiter herzustellen. Da es in Indien an geschickten Maurern und Arbeitern nicht man- gelt, so betrachtete man den Ausbau einer größeren Anzahl ge- manerter Brückenpfeiler als den geringeren Uebclstand, weil kürzere Briickenjoche i» Indien selbst aus Eisen hergestellt werden konnte». Die Bauverhaltnisse im Godavari waren insofern für den Pfcilervau nicht vesonders ungünstig» als mir einige Pfeiler in tiefem Wasser zu stehen kamen, die Mehrzahl der Pfeiler konnte, wenn man den Bau in der langen Zeit deS niedrigen Wassers ausführte, in flachem Wasser erbaut werden, so daß der größere Teil des PfeilennaiicrwcrkS über Wasser fiel. Diese Erivägiiiigen führten zur Wahl von Oeffmmgea zwischen den Pfeiler» von 45,7 Meter; für die Pfeiler genügt eine obere Breite von 3 Meter. Auf diese Weise ergab sich eine Brücke von 56 Strompfeilern mid eine Länge derselben zivischcn den beiden Ufcrpfcilern von 2743 Meter; dazu kam eine kurze Flntbriicke an den Ufern, so daß die Brücke eine Ge- samtlänge von 2772 Meter erreichte. Die Gründiiiigsarbeiten für die Pfeiler wurden imlerLnftdruck in Tniicherkastenmisgesilhrt, die. je nach der Wasserticsc, eine Höhe von 5—15 Meter hatten. Die offenen Schachte von 7—12 Meter Tiefe wurden, je nach Erfordern, ausgehoben und dann mit Betomnasse gefüllt. Die Brücke ist nur cingelcisig und hat daber in der Eisenkonstniklion, die ans parallelen Gitterträgern be- steht, mir 4,9 Meter Breite. Diese Baiiart»nd die verhältnismäßig geringe Länge der einzelnen Brückenjoche gestatteten es, die Parallel- träger der letzteren fertig herbeizuschaffen mid einzeln auf ihre Lager zu heben. Der Quer- und Wiiidverbaud konnte in dieselben ein« gebaut werden, als sie auf den Pfeilern lagen, so daß ein eigent- lichcs Moiitagegcrüst gar nicht erforderlich war.— Humoristisches. — Schlau. Zwei Schnorrer, die sich Zeit ihre? Lebens nicht ausstehen komitcu, ireffeu fich in Karlsbad in einem Restaurant, in dem eine Zigeuuerkavclle aufspielt. Der Saal ist gedrängt voll und den beiden bleibt schließlich nichts übrig, als sich an einen und den- selben Tisch zu setzen. Wütend sehen sie sich au und sie sind nahe daran, auf einander loszufahren. Do kommt ein brauner Zigeuner zu ihrem Tisch und reicht den Teller, um abzniaimueln. Der eine greift ärgerlich in die Tasche und wirft einen Kreuzer darauf. Der andre aber schniunzelt jetzt behaglich und sagt: „W i r zwei gehören z u s a m m' I...'(„Jugend.') Notizen« —„David n n d Goliath', eine.heroische' Komödie von A d o l f P a n l. ist vom Deutschen Theater zur Aufsührinig angeiioniiiien worden.— — H e r m a ii n B a h r S Komödie„Der K r a m p n s' wird im Kleinen Theater(„Schall und Stauch') mit Max Reinhardt in der Titelrolle aufgeführt werden.— — Im Weimarer Hostbeater ivird als erste Novität der Wintersaison das Lnslspicl„Schnapphähne' von Walter B l o e in in Seene geben.— — G or kis neuestes Drama„In den Tiefen' sollte dem- nächst im Moskauer Thealer die erste Anssührmig erleben. Bei näherem Zusehen erschien aber der Direllion der NealiSliinS. mit dem in dem Stücke das.rnisische Volksleben geschildert ist. so.brutal', daß sie sich Himer die Ccnsur verkroch und die Proven auf unbestimmt» Zeit vertagte.— — Für den Frankfurter S ä n g e r f e st- S t r e i t 1003 wird eine besondre Festballc erbaut, die 8000 Zuhörer, 1600 Sänger und 120 Musiker fassen kann.— — In dem KongSberger Silber b ergtverk(Norwegen) ist ein S i l b c r k l ii in p e ii. gefunden worden, der mit dein Gestein 160 Kilogramm wiegt und gegen 100 K i l o g r a in m N e i n s i l b c r ergeben wird.— — Lt e k l a m e- K ii n st. Der Schweizer Hotelier» Verein hat ein PreiS-Ansschreiben, eine„Jdeen- Äonlurrenz', zur allgemeinen Hebung des Fremden» Verkehrs in der Schweiz erlassen. Ausgesetzt sind 1000 Fr. »nd 500 Fr. Hnnplbedingmig ist, daß die Reklame die gesanile Schlvciz umfaßt, ohne Bevorzugung einer beioiidercn Gegend. Eingaben sind bis Ende September dem Centralbureau deS schweizerischen Hotclicr-Vereins ciiiznreichcu.—__ Die nächste Stummer des UnrerhaltuiigsvIalleS erscheint am Sonmag. den 14. September. Dru-t und Vertag von Max Badiuz m Berlin.