Nnterhalümgsblatt des orwärts Nr. 181. Mitttvoch. den 17. September. 1902 (Nachdruck verboten.» s. Die Stadl. Roman von Nicolaus Krauß. Lcne war ordentlich in Erregung geraten, ihr Gesicht glühte. Ter alte Herr hob lächelnd den Finger. „Sie werden doch nicht auch trommeln wollen, Frau Försterin?..." Lene atmete tief. „Nein, Herr Bürgermeister I Ich trink' keinen Säuer- ling. Und dann wär's auch für jeden Schlag schad'. Die heutigen Frauen verschenken ihre Wahlvollmachten und lassen damit machen,>vas man will. Wer sich prügeln läßt, ver- dient's." Ter Bürgenneister war wieder ernst geworden. „Haben Sie noch nichts vom Brezelbäck gehört?" Lene hatte das Gefühl, als erwarte man von ihr ein Urteil. Nicht ihr eignes allein. Wie die Frauen über den Agitator dächten, schien man wissen zu wollen. Zögernd erwiderte sie: „Man redet Verschiedenes. Ich kenne ihn nicht, weiß nicht einmal, wie er aussieht..." Em leises Neigen des ehrwürdigen Hauptes, die Vitt- stellerin war in Gnaden entlassen. Ans dem Marktplatze lief Lene einer alten Bekannten in die Anne. Sie hatte ihr. deren Mann gern etwas Gutes aß, von Konradsreuth aus manchen Hafen und Rehschlegel in die Küche geliefert. Das magere Frauchen war noch hin- fälliger geworden, nur das rote Mal auf der rechten Wange brannte wie ehedem. „Gott, sie kommt schon oben herein!" dachte Lene, da sah sie die schwimmenden Augen der andern. Und um sie auf andre Gedanken zu bringen, fragte sie, spöttisch lächelnd: „Hat's cpper gar schon wieder ein Unglück gegeben, Frau Radi?" Die gab keine Antwort. Große Thränen rollten ihr über die schmalen Wangen. Ihr Mund zuckte. Endlich brachte sie hervor: „Ich halt's nimmer aus... Frau Försterin!.. Es ist zu schwer!" Und wieder schlug eine Zähre die andre. Lene kannte den Kummer der Unglücklichen. Er, ihr Mann, groß und stark, ein wahrer Riese, sie schwächlich von Jugend aus, eines jener verhätschelten Wesen, denen jeder Wind einen Schnupfen bringt, ein scharfer Blick, ein grobes, brutales Wort die Ueberlegung raubt. Ihm schlug alles zum Guten aus, während sie mehr und mehr verkümmerte. Sie schien schon so weit zu sein, daß sie ihren Gram hegte. Wenn sie nichts zu klagen, zu jammern, nichts zu be- weinen gehabt hätte, wäre sie noch unglücklicher gewesen, als sie sich jetzt fühlte. Lene wußte, daß da jede Tröstung vergeblich war. Die andere hörte nur die Bestätigung heraus, daß sie wirklich unglücklich war, bedauerte sich selbst und weinte um so eifriger. Lene that die Frau leid. Aber sie erinnerte sich ihres Vürnehmeus und sagte: „Frau Radl, wenn es nicht eüvas ganz Eiliges ist... ich Hab' wirklich keine Zeit l..." Die andre sah erst eine Weile wie verloren vor sich hin; als Lene ausschritt, schloß sie sich ihr an. Mit ungleichmäßigen, bald langsamen, dann wieder schnelleren Schritten haspelte sie neben der noch immer schlanken Försterin einher. Der Marktplatz war leer. Auf deu schwarzen Kling- steinen lag prall die Julisonue und ließ sich graulveiß aus- glsinzen. Eintönig, wie Regentropfen vom Dache, fielen die Worte von deu Lippen der Unglücklichen. „Einer Mcnschenseele mnß man doch sein Leid klagen I... Seit»vir damals die Schlächterei aufgaben, mag er mich nimmer. Um die Kinder kümmert er sich auch nicht... Immer ist er draußen aus den Feldern.... Ach ja, er stammt ja von den Bauern, und es macht ihm Freude, das Herumwirtschaften... aber seine Frau verachtet man doch nicht!... Ich Hab' ihm nichts gethan.... Das Geschäft Hab' ich ihm zugebracht und Geld.... Und jetzt... da ich alt werde..." Ihre Thränen kamen wieder stromweise. Plötzlich krallte sie ihre Finger in Lenes Aermel. Sie schrie es fast: „Er hält's mit der Magd!... Sicher weiß ich es! Ich laß mich nicht für'n Narr'n halten!... Ich bin nicht so dumm!..." Sie waren bis zum Bronnen des Röhrkasten- Wastel gekommen. Die Försterin blickte hinüber. Das steinerne Stadtwahrzeichen machte im mitleidslosen Sonnenlicht einen arg verwitterten Eindruck. Recht müde sah der Wastel aus; als wollte er in die Knie sinken, trotz der eisernen Lanze, auf die er sich stützte. Lene war es unbehaglich. Wurden denn alle zu Wasch- läppen? Sie wandte sich ihrer Gefährtin zu; herb klang ihre Stimme. „Ich wüßte, was ich thät', wenn nur so was passieren würde!'.. In seiner Gegenwart würd' ich ihr die Schande auf den Kopf zusagen; ein paar Ohrfeigen bekäm' sie nnd hinaus müßte sie, sofort und auf der Stell'... Wissen Sie's sicher? Haben Sie was g'hört oder g'sehen?" „Wird wohl sein... Er thut ja alles, was sie will... G'sehen Hab' ich g'rad nichts..." Lene, deren braune Augen ganz hell geworden waren vor Zorn, funkelte die Frau an: „Wissen Sie was, Frau Radl?"... Gehen Sie nach Hause! Sie sehen Mücken, sag' ich Ihnen! Das ist alles Einbildung, was Sie daher geredet haben... Gehen Sie nach Hanse, schauen Sie auf Ihre Wirtschaft und Ihre Kinder, das andre wird sich schon geben... Adje, ich habe wirklich keine Zeit!..." Die Andere haschte nach ihrer Hand. „Sie haben mich wirklich getröstet, Frau Försterin, ich..." „Gehen Sie nur nach Haus'! Zu danken giebt's da nichts!" Sie sah ihr nach, wie sie den Markt hinabeilte und dachte: Jetzt hat das einen Mann, gesunde Kinder und Geld und ver- bittert sich so das Leben. Da ist's wie beim Matthäus mit dem Eis. Find' er kein's, so macht er ein's... Lene überschritt die Bahnhofstraße. Die hatte sich schön herausgemacht in den letzten Jahren. Von Konradsreuth her waren sie immer auf einer andren Seite, bei der Aktien- brauerei vorbei und durch den einen Rathausbogen nach der Stadt gekommen. Sie erinnerte sich: Hier Ivaren früher bis zum Bahnhof hinaus Gärten, und wieder Gärten, kleine Häuser, denen man von der Straße aus aufs Dach steigen konnte, wüste Schuttabladeplätze gewesen. Jetzt erschien die breite Straße fast geschlossen. Neben- und Querstraßen hatte man augelegt, auch sie waren zum Teil schon ausgebaut. Und überall hohe Häuser mit hellen Fenstern und großen Läden, deren Schausenster gefüllt waren mit allen möglichen Waren. Die Straße hinauf rumpelte ein krebsroter Sprengwagen. Hinten ging ein alter Mann und schlenderte den Schlauch nach rechts und links, daß die Tropfen bis auf beide Trottoirs flogen. Endlich hatte Lene das Haus gefunden, in dem der Professor wohnte. Sie stieg die zwei Treppen hinauf und klingelte. Ein kaum den Kinderschuhen entwachsenes Dienst- mädcheu öffnete und fragte/ nachdem sie die Fremde gemustert, was sie wünsche. Den Herrn Professor Jacob sprechen. Nicht vorher auch die Frau Professor! Nein, nur den Herrn. Ja, der fei augenblicklich in seinem Studierzimmer nnd wolle da mtchr gern gestört werden. Aber sie werde gehen und fragen. Nach einer Weile kam das Mädchen zurück und öffnete weit die Glasthür, ivelche den Korridor abschloß. „Der Herr Professor lassen bitten." Lene fand den kleinen, bebrillten Mann. am Schreibtisch. Er hätte augenscheinlich Hefte korrigiert. In dein karg möblierten Zimmer, dessen zwei offene Fenster nach einem Hofe ginge», ous dem die Krone einer Kastanie heraufragte, roch es stark nach Tabak. In einer Ecke lehnte eine lange Burschenpfeife, aus deren Kops leichter Rauch in dünnen Fäden emporstieg. Der Professor trug einen leichten, trotz der Hitze ganz zugeknöpften„Jägerrock", von dem der blonde, ins Rötliche spielende Vollbart sich scharf abhob. Mit einer Handbewegung, die für seine geringe Körpergröße etwas zu weit gezogen und wuchtig war, sagte er: „Darf ich Ihnen einen Strihl anbieten?" Lene setzte sich. Während sie ihn einen Nugenblick auf- merksam ansah, dachte sie: Stimmt, es ist schon der mit den „Tieren". „Womit kann ich Ihnen dienen?" „Mein Name ist Gruber. Ich bin die Tante und Kost- srau des Studenten Fritz Gruber... Er ist in der achten Klasse... und ich möchte mich erkundigen...." Uebcr das sonst etwas verwaschene Antlitz des Schul- Monarchen senkte sich sofort die strenge Maske der Autorität. Er kramte auf dem Schreibtisch, fand ein zierliches, in rotes Leder gebundenes Notizbuch und blätterte. „Fritz Gruber... Ja... wohl, wohl!... Er wird die Matura schon bestehen. Seine schriftlichen Arbeiten waren gut.:. Er kann sogar ein sehr schönes Zeugnis erhalten!..." Plötzlich wandte er sich wieder herum und blickte die Frau, deren Gesicht vor Freude glänzte, streng und scharf an. „Ja... aber zufrieden sind wir mit ihm nicht." „Herr Professor!..." Er hob die Hand und machte eine Bewegung, als wollte er mitten in die Luft einen Punkt setzen. „Es ist etwas in ihm, das jeder Disciplin Hohn spricht.. Die Wurzel liegt in dem verdammten— entschuldigen I— Starrsinn der Egerländgr. Der ist einer für sich. Er folgt dem Lehrer nur soweit, als er will. Was ihm nicht Paßt, weist er ab. Selbst die Person des Lehrers. Das wirkt ver- letzend, beleidigend!... Sehen Sie, ich weiß die deutschen Stammeseigentümlichkeiten. sehr gut zu schätzen— ich bin deutschnational bis auf die Knochen— aber ich bin berufen. dem Staate tüchtige Beamte heranzuziehen. Und die müssen Disciplin im Leibe haben I" Lene war ganz heiß geworden. Mehr und mehr beschlich sie die Furcht, daß ihrem Verwandten im letzten Augenblick eine Gefahr drohe. „Aber, Herr Professor, der Fritz will ja gar kein Beamter werden I" Der Professor hatte einige Schritte in das Zimmer hinein gemacht. Jetzt blieb er stehen und wandte sich. „Das geht uns nichts an! Darauf könneil wir uns nicht einlassen! Wir haben unfern Lehrplan und unsre Vorschriften; an diese'müssen wir uns halten. Wo käme auch die Zeit her. jeden Schüler, sagen wir einmal, nach seinen Anlagen und seinem Eharakter gemäß zu behandeln. Das Gymnasium ist keine Brutanstalt für Genies!..." „Mein verstorbener Mann war andrer Ansicht." Er war wieder zu seinem Sessel zurückgekehrt. Sein Kopf schnellte in die Höhe. „Was»" „Er sagte, nicht einmal von den Bäunien im Walde sei einer so zu behandeln, wie der andre. Was dem einen nütze, sei sür den andern der Untergang. Einem jungen, einzeln stehenden Laubbaum mit starker Krone und dünnem Schafte würde jeder eine Stütze geben, während zum Beispiel bei der Fichte..." Der Professor hatte die Frau einige Sekunden lang ans- merksani betrachtet. Jetzt unterbrach er sie, seine Rede ging im reinen Plauderton: „Sagen Sie einmal Frau... Frau..." „... Gruber.. „Frau Gruber— entschuldigen!— Haben wir uns nicht schon einmal gesehen?" „Wart', Lump, jetzt Hab' ich Dich I" dachte Lene. Aber beinahe gleichgültig antlvortete sie: „Es ist mir auch schon so vorgekonimen... Mein Mann war Förster in Konradsreuth. Ja, jetzt Hab' ich's I... Als der Herr Graumann die Jagd hatte, haben Sie uns auch einmal beehrt, Herr Professor..." Sie sah ihm voll in die Augen. Eine leichte Röte stieg ihm ins Antlitz. „Sehen Sie!... Sehen Sie!... Ja, waS ich noch fragen wollte.. Er hatte einen Bleistift ergriffen und tippte mit dem runden Beinknöpfchen einigemale auf den Tischrand. ,:Ja... Hat der Vater des Burschen— den Fritz Gruber meine ich— Vermögen?" „Der Vater ist tot. Etwas Geld ist da, aber nicht viel, Fritz will auf der Universität dazu verdienen..." Der Professor, den es ärgerte, daß er sich beinahe hätte einschüchtern lassen, brach los: „Da haben wir's ja!... Jetzt, Frau Gruber, kann ich Ihnen sehr genau sagen, was aus dem Herrn Fritz wird: Entweder ein Roter oder ein erzrcaktionärer Schwarzgelber. Ich prophezeie: Ein Roter." Lene schüttelte leise den Kopf, sie verstand nicht, was der Professor Mit den beiden Bezeichnungen sagen wollte. Der aber fuhr fort: „Jawohl, ein Roter!... Er ist ein sehr talentierter, ein sehr fleißiger Bursche, aber er wird weder in Prag, noch in Wien weder ein Stipendium noch eine gut bezahlte Stunde bekommen. Und das muß ihn verbittern, und..." „Ja... Warum?... Warum?" „Er bekomnit von uns eine schlechte Sittenklasse." Lene war emporgeschnellt. Ihr Gesicht war weiß wie Kalk. „Der Fritz? I... Hat er was angestellt?" „Dieser Uebermut muß gedämpft werden!... Und dann... Wissen Sie denn wirklich nichts?" Die Frau starrte ihn noch immer fassungslos an. „Aber Sie sind doch seine Kostfran I... Und die... Frau wohnt doch in Ihrem Hause!... Der Herr Professor Votier hat sie schon auf allen möglichen Feld- und Wald- wegen zusammen gesehen... Es ist ja der reine Skandal!..'. Alle Welt redet darüber..." Mit einer gewaltigen Willensanstrengung'bezwang'Lene das Zittern. Hier mußte sie sich ganz einsetzen, wenn es noch etwas helfen sollte. Mit vor Zorn und Entrüstung rauher Stimme, aber vollständig Herrin ihrer selbst, entgegnete sie: „Ich soll nicht gesund weggehen, wenn ich davon etwas gewußt habe!... Der Fritz ist brav, aber weich... unerfahren... er ist im Walde aufgewachsen und hat die sich abschließende Gruber- Natur... Ich kann mir's schon denken... Als eine Auszeichnung hat er es empfunden, daß diese Frau Von sich mit ihni abgegeben hat... Und sie... die... hat mit ihm gespielt, wie mit einer Katze... Aber... daß nichts Ernstes vorgekommen, dafür, Herr Professor, lege ich die Hand ins Feuer!... Und das Gerede?... Geredet wird immer... Wie ist damals geredet und gelacht worden, als aus einer Jagd ein Stadtherr zwei Rehböcke als „Tiere" ansprach..." iFortsetzimg folgt.) (Nlichdnick vcrbolcn.) Auf dov Vevgfivotzo. Die Bergstraße ist ei» alter Kalturbode», der schon z» Zeiten der Nvacer tvegc» seiner Fruchtbarkeit berühnit ivar. Im Mittelalter»och tveitcr gehegt und gepflegt, hat er sich imuier uiehr zu einem Dorado der Obstzucht entivickelt. Mcrian vergleicht ihn I64S»>it einem lustigen Garte», durchzöge» von klaren, forellenrciche» Bäche», belebt von allerlei Wildbret und besetzt mit köstliche» Fruchtbäinnen. Oft von feindliche» Scharen verwüstet, insbesondere von bayrischen, schtvedischen und Tillyschc» Truppen inr Dreißigjährigen Kriege und von den französischen Banden unter Turenne, hat die Natur im Verein mit dem Fleiße der Bewohner immer wieder die geschlagenen Wunden geheilt und»ach ivie vor ihren unerschöpflichen Segen gespendet. Heidelberg bildet zur Bergstraße ein würdiges Präludium. Es versetzt in die rechte Stimmung, um den Wandcrstab zu ergreifen und weiter in das schöne Land zu ziehen. Die Dörfer und Städtchen, die Burgen und Schlösser, die rebcnunlkränzten Hügel locken mit der Gewalt einer verführerischen Zauberin. In wenige» Minuten ist man in Handschuhsheim, das halb ver« steckt zwischen Kirschbäumen liegt. Und nun nehmen die Obstbäume bis Eberstadt, drei Kilometer von Darmstadt, kein Ende mehr. Aepfel bilden den Hauptumfang dieser Kultur. Mag Württemberg auch den Ehrenplatz unter den Obstdistrikten Deutschlands einnehmen, da die Summe seiner Apfelbäume mehr als dreiundeinhalb Millionen be- trägt, so gebührt der Bergstraße doch insofern der Vorzug, als nebe» den Aepfel» auch Birnen, Nüsse, Kirschen, Zlvetschen, Mirabellen. Reineclauden, Mispeln, Aprikosen und Pfirsiche in stattlicher Menge geerntet werden. In manchen Gärten werden sogar Mandelbäume nnt reichen. Fruchtertrage gezogen, nicht zu vergessen die zahmen Kastanienbäume, die vortreffliche Maronen liefern. Am Hoch- und Halbstamin und am Spalier hängen in gesegneten Jahren die F> iichte in ireficifßfte. Vodcn«»d filimn, pomologische Kunst und Erfakrung Huben diesen Reichtinn hervorgebracht. Im Juni und Juli prangen die Kirschen an den Bäumen, vor- nehmtich in der näheren Umgebung der Heidelberger Flur, und zivar in den edelsten Sorten— die rote Frühtirsche, die gclbrote Zucker- kirsche, die große schwarze Köuigskirsche und die kostbare kleine Gaibergcrkirsche, die mit ihren roten Stielen noch im August au den Bäumen hängt. Im Durchschnitt ivird der Ertrag eines Kirsch- baumes sehr niedrig mit zivei Mark berechnet, aber iver da in Handschuhshcim herumhört, wird erfahren, daß manche Bäume einen Ertrag von zehn bis zwanzig Mark liefern, denn die Heidel- bergcr zahlen im Klcinverkauf fünfzehn bis zwanzig Pfennig für das Pfund. Ueberhnupt sind die Einnahmen aus der Obstknltnr recht er- giebige; sie sind ans dem Beerenobst, das in steigendem Umfange kultiviert wird, wegen der größeren Beständigkeit der Ernte» und der zunehmenden Berlvendnng zu Beerenweinen, sogar ausgezeichnet. Jeder Bauer, jeder Arbeiter und Handiverker, jeder Bcänrte und Rentier ist in diesem Distrikt Obstznchter. Der Heidelberger Pro- feisor mag ein noch so großer Bücherwurm sein und in den Wissen- schaftcn aufgehen, aber er bat seinen Obstgarten, in dem er pflanzt, pfropft, düngt, bewässert, beschneidet, Ungeziefer ver- tilgt, sliiht, aufbindet und erntet. So manche Profcssorenfrau kann es in pnnkto Obstknltnr mit dein gediegensten Pomologen aufnehmen. Und bei den andern Leuten ist es ebenso � das Obstznchtcn steckt ihnen geradezu im Blute und gehört zu ihre» liebsten Beschäftigungen. Zum Npfelbanm sieht man init einer Verehrung empor, ivie etlva der Bewohner Aeghptens und der Wüste zur nahrungspendenden Dattelpalme. Was vom Baume fällt, ivird zu Most verarbeitet,»nd dieser ist nicht schlecht, wenn er auch den Vergleich mit dem Traubenmost nicht aushalten kann. Die gepflückten Aepfel wandern meist in die Hand des Großanskänfers, der sie kahn- oder waggonweise in die weite Welt sendet, es sei denn, daß es sich um Tafelobst handelt, das in Postkoüis versandt ivird. Und nun die Trauben. Fast nnunterbroche» ziehen sich die Reb- stöcke an der rechten Seite der Landstraße wohlgeordiiet i» Reih' und Glied hin. Rebslnck an Rcbstück, gepflegt mit geradez» mütterlicher Zärtlichkeit, wie sich denn auch das Bestreben, den wertvollen Besitz so crtragSfähig als möglich zu machen, in der ganzen Behandlung der Rebe knndgiebt. Nicht ein Pflänzchen Unkraut ist zwischen den Stöcken zu entdecken, jeder Stock ist sauber gehäufelt und jeder Trieb sorglich aufgebunden, so daß er Luft und Licht hat. Es sieht ans, als ob grüne Regimenter in Parade aufmarschiert seien, um Vörden, Wanderer die Honneurs zu machen. Im Juni beginnt die Blüte, und ist sie vorüber, so ivird im Juli bei trochencm, sonnigem Wetter die Bearbeitung des Bodens zum dritte» Male äüfgenomme'u, das Anheften der Triebe fortgesetzt und jeder Stock znur zweiten Male mit Knpferkalkbrühe gespritzt. Hin und ivieder sieht man dein Wachstum eines zurückgebliebenen Nebstückes mit Chilisalpeterdüngnng nachhelfen. Ist der August herangekommen, so ivird zwischen den Stöcken noch gejätet oder gehackt nnd gespritzt. Was die Ernte bringen ivird, ist nun zu übersehen. Sorgenvoll richtet sich der Blick»ach dem Himmel— viel Regen bringt die Traube nicht zur Reife nnd gicbt saure Beeren, allzuviel Sonnen- schein und Hitze dörren die Beeren aus; fällt»och unmittelbar vor der Lese starker Regen, so geraten die Beeren ins Faule». Für Weißivein, der die Hauptrolle spielt, komint fast ansnahnis- loS die Rieslingsrebe in Betracht, für die sehr beschränkten Rot- iveine die Spütbnrgunderrcbe. Erst im Okiober, oft sogar erst zu Anfang November wird mit der Lese begonnen. Dann giebt eS viele Arbeit, aber sie Ivird gern geleistet, denn es gilt Schätze ein- znheimsen. Allein in jenem, hinter Laudenbach beginnenden Teile der Bergstraße, der zum Großherzogtum Hessen gehört, sind auf der 7GS Hektar großen Weinbanfläche in jedem der letzien zehn Jahre durch- schnittlich 7680 Hektoliter Wein im Werte von 337 000 M. gewonnen worden. Bei Heppenheim, vor dcnr sich auf rcbeninnkränzter Höhe der mächtige Turm der Starkenburg erhebt, bei Bensheini mit seinen alten Befestigungen nnd bei Auerbach, über dem das 1674 von den Franzosen unter Tnrenne zerstörte Schloß liegt, befiiidcn sich die Hauptlager. Der Wcinhandcl floriert besonders in Bens- beim, ivas aber' nicht ausschließt, daß auch in andren Orten der Bergstraße ein lebhaftes Geschäft in Wein gemacht ivird. An den Stammtischen ivird natürlich viel von Wein und auch von der Obst- kultur geredet. Wer zuhört, kann etwas lernen, denn man ist in diesen Dinge» vortrefflich boschlagen. Bei einem gute» Schoppen oder einem Viertel-Liter, der je nach der Qualität mit 15 bis 25 Pf. berechnet ivird, läßt sich hier des Lebens Unverstand vor- trefflich ertragen. Zur Zeit werden in idyllischen Nrstern an der Bergstraße die Keltergerätschaften. Fässer und Keller revidiert. Mancher Wagen, beladen mit leeren alten nnd»enen Fässer», zieht schwerfällig vor- über. Das Faß ist jetzt von größter Wichtigkeit nnd für eine hin- reichende Anzahl von ihnen niuß gesorgt werden. An neue Fässer geht man nicht gern heran, da sie dem Wein schlecht bekommen. Die Dauben sind von Eichenholz, und in dem Holz befinden sich lösliche Stoffe, die durch sorgfältiges Auslaugen und Ausbrühen ent- fernt werde» müssen. Aber wie sorgfältig das auch geschehen mag, so nehmen in ihnen feine Weine einen leichten Beigeschmack an, den die Zunge des Kenners sofort heransmerkt. Einen Steinbcrger, Johannisberger, Markobrunner oder ähnliche edle Rheiinveintropfen »vird man daher nie in neue Fässer füllen, und wer es möglich »lache» kann, benutzt selbst für die gewöhnlichsten Weine gebrauchte Fässer. Auch diese iverden zuvor gründlich ansgeivasche», vornehm- lich, um zu verhindern, daß sich Schivcfelivasser'stoff bildet nnd den Wein im Geschmack verdirbt. Die Fässer iverden nämlich wiederholt ausgeschwefelt, und ist abgetropfter Schwefel in ihnen zurück- geblieben, so geht er mit dem gähreuden Wein die unlieb- same verderbliche Verbindung ein. Die Entfernung irgendwelcher Schivefclreste ans dem Faß ist daher vor dem Einfüllen'des Weines dringend geboten. Bei der Wanderung über die Bergstraße und ihren prächtigen Seitenthälern muß der Naturfreund mit den besten Vorsätzen ge- wappnet sein, denn der gastlichen Stätten, in denen das edle Naß als Most und Wein sehr zuvorkommend kredenzt Ivird, giebt es gar viele. Dossenheim, Schriesheim, Leutershausen, Groß-, Hohen- und Lützensachsen, Sulzbach, Hemsbach nnd ivie alle die andren traulichen Nester heiße» mögen, halten den WanderSniann fest. Vornehmlich ist Lützensachsen ein ge- fährlicher Ort, denn Ivie Circe den Odyssens nnd seine Genossen, so umgarnt uns hier mit siegreicher Gewalt ein äußerst „süffiger' Rotivei». Die drei Sachsendörfer, früher insgesamt „Sassinhcim" genannt, sind ivegen ihres Roten iveit nnd breit ge- schätzt.' Schon vor einein Jahrtausend soll er an diesen Stätten von Mönchen, die fürsorglich Reben gepflanzt hatten, getrunken worden sei». Auch Weinberg muß man liebgewinnen, weniger wegen seines StahlivasscrS, als wegen seiner Bacchnsgaben. Hier öffnet sich auch das Thal der Weschnitz, die i» Jngendkraft auS dem Odenwald heransspringt. An den schönen Landschastsbildern und dem guten Bergsträßler. wird jeder seine lichte Freude haben.— Heinrich' G ö ck i n g. Kleines Feuilleton. ml. Ncgcuhumor. Ebenso verregnet wie der heurige Sommer ivar der des Jahres 1856. Die Berliner verloren darob jedoch ihren Humor nicht. Das Vergnügungslokal„Borussia". Weinbergsweg 6/7, veranstaltete am 30. Angnst des genannten Jahres ein„Großes N e g c n- F e st" mit folgendem„nassen" Programm: E r st e r Teil. Mittagskühle, Marsch von Wassermann. Ouvertüre zu: Der Wasserträger, von Eimer. Spritzfahrten. Walzer von Skabcll. Hngelkörncr-Qnadrille von Frost. Schneegestöber-Polka von Kühl. Z iv e i t e r Teil. Die Snndflnt, granäo Fantaisie peur Orchester temporaire von Donch. 1. Satz: ES beginnt z» regnen. 2. Satz: Es regnet. 3. Satz: Es regnet. 4. Satz nnd Finale: ES regnet»och. Scene»nd Arie ans der unvollendeten Oper: Die Jungfrau im See, von Stnrzbach. Wind-Galopp von Anna Janaß. Ucberschivcimnungs-Polka-Maznrka von Onellenreich. Finale ans der Oper: Moses, von Stab. „Wasser, Wasser", Originnl-Dichtnng von Dr. Naß mit Orchester» Begleitung. Melodie ivird vorgespielt. Dritter Teil. Nassauer, Marsch von Feuchtersleben. Noch ein Wölkchen, Walzer von Dniikelmann. Du hast mich zu Grunde gerichtet, Polka-Maznrka von Somnicr. Blitz-Galopp von Zeus.— — Ein wachsender Gletscher. Ter„Frankfurter Zeitung" wird geschrieben: Die schweizerische natnrforschende Gesellschaft und der Schiveizer Alpcnklnb lassen gemeinsam seit einer Reihe von Jahren genane Messniigen über die Bewegung der Gletscher vor- nehmen. Besonders systematisch und sorgfältig ivird diese Arbeit am Rhonegletscher durchgeführt. Wie man weiß, sind die Gletscher im Schweizer Hochgebirge, der Rhonegletscher stärker als alle andern, in stetem Rückgänge begriffen. Deshalb fällt es nun auf, daß ein Firnfeld, der Steingletscher am Snstenpaß, nach den neuesten Messungen stark im Vorrücken begriffen ist. Die letzte Messung ist Sonnabend, den 6. September, vorgenommen worden nnd man hat dabei auf der ganzen Linie ein Vorrücken von 4—5 Metern konstatiert. Diese Erscheinung ist um so auffallender, als der Steinglctscher bis jetzt ivie die übrigen Schweizergletscher auch im Rückgänge begriffen war. Es wird sich in der Zukunft zeigen, ob dieses Vorrücken den Beginn einer neuen Wachstnnis- Periode bedeutet, oder ob es»nr den anßergcivöhnlichen Witternngs- Verhältnissen dieses Frühjahrs zugeschrieben werden muß. Wenn das letztere der Fall sein sollte', so müßte man ähnliche Er- scheinnngen ivohl auch an den übrigen Schiveizer Gletschern nach- weisen können.— Theater. oe. Im Central'Thcater«»tcrhalten die Herren Kren und S ch v n f e I d vom Thalia-Theater während dieses Monats eine Art Filiale. Das Rcperioirc ivirliclt ei» l'ivche» bunt durcheinander; vor>iestcrn die alte Wiener Schnurre„Drei Paar Schuhe", ciester» ein Stück ans der Gecrend des Residenz-Theaters. An dieser bereits bor zwei Jahren aufgesiihrten Posse haben sechs thcaterkundige Herren, darunter die beiden Direktoren, ihre» Schlveij; qeopfcrt; und ivas da unter dem Titel„Wie man Männer fesselt" zu stände kam, gab sich leidlich pikant und unterhaltend. Die allerliebste Geschichte von der eifersüchtigen Frau, die ihren ans Abwege geratenen Mann dadurch kuriert, daß sie keck in gemischter Gesellschaft seine Pfade kreuzt. Das zündet zumeist, besonders Ivcnil eine so einschmeichelnde Musik wie die von Victor Roger in den Lücken aushilft. Unter den Mitwirkenden haben neben guten Bekannten wie Herr G r ü n f e l d und Frl. W a» n 0 V i u s einige neue Kräfte mit Glück bestanden. So Frl. Marie Manci als Ballcttfee, die nur im Anfang ein bisichen ängstlich auftrat, besonders aber Frl. Pepi Weiß. Mit temperamentvollem Behagen gab diese Künstlerin die gekränkte Gattin, die bei der gefeierten Tänzerin in der Gcheimknnst der Koketterie erfolgreich Unterricht nimmt. Eine der beste» Soubrette» ans der Glanzzeit des Adolph Ernst-Theaters, Frau Josephine D o r a, trat als komische Alte auf. Sie spielte drollig wie früher, aber doch stimmte solche Mahnung an die Vergänglichkeit alles Irdischen zur Wehmut.— Aus dem Tierleben. — Neb er die Entwicklung und die Lebens- weise der Borkenkäfer sprach dieser Tage Dr. Hagedorn im „Verein für naturivissenschnftliche Uuterhaltnng" in Hamburg. Der „Hamburger Korrespondent" berichtet über den Vortrag: Die Borken- käfcr sind kleine, beinahe ivalzenförmige Käfer von gelber, branner bis schwarzer, nie metallischer Färbung. Sie brüten fast durchweg in Hvlzpflanzen, aber auch in diesen ivieder nur in den verholzten Teilen, und legen ihre Eier stets in.Muttergänge", d. h. in Höhlungen mit kreisrunden Eingängen, de» Bohrlöcher», die der hierbei mit seinem ganzen Körper in die Pflanze ein- dringende Käfer nagt. Die Muttergänge sind in ihrer ganzen Länge gleich iveit, lvalzenförniig, der Dicke des Käfers entiprechend. und linear oder unregelmäßig. Im erstereu Falle nagt das Weilchen rechts und links im Gange kleine Grübchen für die Aufnahme der einzeln abgelegten Eier, und von diesen Eiergräbchen gehen dann mit der Entwicklung und dem Wachstum der Larven die rechtwinklig auf den Muttergang gerichteten Larvengänge ab. Diese nun sind im Beginn schmal, verbreitern" sich aber mit zunehmendem Wachstum der Larven, sodaß sie am Ende am breitesten sind. Hier findet auch die Vcrpnppnng der Larve statt, in der Puppen- wiege, die entweder in der Rinde oder an der Grenze von Rinde und Holz gelegen, einen ovalen Umriß zeigt oder mit einer runden Oeffnnng senkrecht in das Holz eindringt. Diese Fraßfiguren, die durch das Zusammenwirken von Mutterkäfer» und Larven gebildet werden, sind so»»gemein charakteristisch, daß nicht allein für den nur einigermaßen Geübten ein Borkenkäferfraß von jedem andren Insektenfraß sofort unterscheidbar ist, sondern auch in den meisten Fällen ans der Gestalt der Fraßfigur nnd der befallenen Holzart auf die Art, der der Thäler angehört, geschlossen werden kann. Je nachdem von dem Bohr- loch nur ein Gang abgeht oder mehrere, spricht man von einarmigen oder mehrarinige» Mnttergängen, ferner je nach der Richtung, die der Mnttergang zur Längsachse des Baumes hat, von Längs- oder Qnergängen. Fraßfiguren, bei denen mehrere einzelne Mnttergänge von einem gemeinsamen, central gelegenen Räume sNainnietkannner) abgehen, nennt man Sterngänge. Dies Gesagte gilt für die Rinden- brüter, d. h. diejenige» Borkenkäfer, die ihr Bohrloch höchstens bis auf das Holz treiben, während bei den Holzbrütern, die in das Holz eindringen, andre Verhältnisse statthaben.— Aus dem Pflanzenleben. — Kultur der Lilien. Lilie» kann man im Herbst nnd im Frühjahr pflanzen, die beste Pflanzzeit ist aber der Herbst. Man tvählc freiliegende Beete, nicht solche, welche an einer Wand oder Mauer sich hinziehen, tvcil dort die Lilien sehr leicht verbrennen und ein krankhaftes Ansscheu bekommen. Die Erde niutz locker, hunins- und dnngrcich sein, frischer Dung ist jedoch unter allen Umständen zu vermeiden. Bei zu fester und bündiger Erde sucht »nan ihr durch Zusehen von Saud oder Sägespänen jene Be- schasscnheit zu geben, tvclche zum guten Gedeihen dieser Herr- lichcn Pflanzengattnng notwendig ist. Erst nachdem das Land i» zivcckcuriprcchendcr Weise vorbereitet wurde, legt man die Zwiebel» mit 30 Centimcter Abstand 25—30 Centn» eter tief. Je leichter nnd trockener der Boden und je größer die Ziviebel, desto tiefer muß die- selbe gepflanzt iverdc». Die einzige Schuld, wenn dieselben nicht gedeihen nnd nicht zum Blühen kommen wollen, ist die flache Lage der Ziviebcl. In ihrer Heimat stehen die Lilien meistens unter einer dichten Grasnarbe. Es ist deshalb ratsam, die damit bepflanzten Beete im Frühjahr noch mit kurzstengligen oder teppichbildendeu Blumen, wie Reseda, Bellis, Lobelien usw. zu bepflanzen. Hierdurch hält via» die brennenden Sonnenstrahlen von der Erde ab. Beginne» nach der Blüte die Stengel nnd Blätter sich gelb zu färben, so schneide man die Stengel dicht über der Erde ab, damit sie keine Same» ansetzen, Ivodurch die Ziviebcln unnötig geschwächt tverden. Im Winter läßt man die Ziviebel ruhig in der Erde und bedeckt sie niit etwas Laub oder Fichtenreifig. Um einen schönen Flor nnd kräftige, fort- pflanznngsfählge Zwiebeln zu erzielen, ist es nötig, daß die Lilien mehrere Jahre ungestört stehen bleiben. Nur alle 3— 4 Jahre, wenn die vorhandenen Nahrungsstoffe des Beetes aufgebraucht sind, hebe man die Zwiebeln sorgfältig heraus, teile nnd reinige sie von Brut» zwiebeln nnd pflanze sie auf ein neues Beet, ivelches ei» Jahr zuvor gut gedüngt worden ist.—(„Nerthus.") Humoristisches. — Raffiniert.„Ja, Erna, Du weißt Dir aber auch gar nicht zu helfe»! Wenn mich auf der Straße ein mir»»sympathischer Herr verfolgt, gehe ich einfach inS nächstgelegene Standesamt, nnd— weg i st e r."— — Verlockend. Tourist(zum Reisegefährten):„Du, jetzt ist's aber Zeit, daß ivir an ein Wirtshaus komme»... seitdem wir durch die Hopfenfelder gegangen sind, kann ich's vor Durst»innner aushalten!"— — Borsch nappt. Fremder(der von dein Diener einer befreundeten Familie an der Bahn abgeholt wird):„Sic suchten ja so lange... hat Ihnen Ihr Herr keine Beschreibung von mir ge- geben?" Diener(verlegen):„O doch... aber es sind halt mehrere Herren niit roten Nasen angekommen I"— („Meggendorfer Blätter.') Notizen. — Marx Möller hat eine neue deutsche Bühnenfassung der „Sakuntala" von Kalisada beendet.— — Alexander Moszkowskys Einakter„Die Eni- h ii I l n n g des Heine-Denkmals in Berlin' gelangt demnächst im Bunten Theater zur Anfführnng.— — Georg Hirschfelds Schauspiel„Die Mütter" tvird in diesem Winter in russischer Sprache im Neuen Theater in Petersburg gespielt.— —„Kunsthyänen' heißt ein Schauspiel von Paul A I t h o f, das von, Wiener deutschen Volkstheater zur Aufführung angenommen ivorden ist.— — B j ö r n s o n s Drama„Der König' wurde im Ratio nal-Theater zu Christiania mit großem Erfolg aufgeführt.— —«Das Glockenspiel', ein Ballett von Massenet, tvird im Oktober erstmalig im Opernhause gegeben werden.— — Franz WertherS Operette„Der Landsknecht' erzielte bei der ersten Aufführung im Dresdener Residenz- Theater einen großen Erfolg.— — M a s ca g» i bleibt Direktor in Pesaro. Der Präfekt von Pesaro hat den Beschluß der Stadtverordneten über die Absetzung Mascagnis als Direktor des Lhcenms von Pesaro ver- worfc».— —„Mein Onkel', eine Operette von Hugo Felix, tvird noch in dieser Saison im Central-Theater ihre Erst- aufführung erleben.— — lieber die Abhängigkeit des Frnhlingseintrittes von der geographischen Breite i» Deutschland läßt sich, wie der'«Globus' einer Abhandlung von Ihne in den„Phänolog. Mitteil, der ober- hessischen Gesellsch. f. Naturkunde" entnimmt, folgender Satz auf- stellen: Mit der Zunahme der geographischen Breite um 1 Grad verzögert sich der Eintritt des Frühlings um ctivas über 4 Tage. Dieses ist zivar zunächst nur für den mittleren Teil von Deutschland nachgewiesen, dürfte aber für ganz Deutschland nnd Mitteleuropa gelten, vielleicht die höheren Gebirgslagen ausgenommen. Auf Grund einer früheren llntersuchnng wurde der Einfluß der geographischen Länge ermittelt: An nicht zu hoch gelegenen Osten Mitteleuropas verspätet sich für je ltl Km. Längenznnahme von West nach Ost der Frühlingseintritt um 0,95 Tag. Der Frühling zieht demnach bei»ms von SSW. nach NNO. ein.— cc. D i e S t r ö m ri n g im Eismeere. G. Bogant be- richtet über die schivimmenden Fässer, die zur llntersuchnng der Strömung im Eismeere«nsgeivorfen ivurden. Es sind das Tonne» von ganz bestimmter Form, welche mit ivasserdichtem Stoff bezogen sind. Sie enthalten wissenschaftliche Angaben nebst Datum nnd Ort der Absendnng in cuglischcr, deutscher, nvrivcgischer und französischer Sprache. Man begann mit der Absendnng im Jahre 1899 von einem von San Francisco ausgehenden Kutter ans. Heute hat man 35 in der Behringstraße wieder aufgefangen, sie brauchten also 3— S-Jahre, um das Polarmeer zu durchschwimmen.— Verantwortlicher iHeoacicur; Carl Leid in Berlin. Druck und Verlag von Max Buding in Berlin.