Mnterhaltungsblatt des Vorwärks Nr. 186. Mittwoch, den 24. September. 1902 «Nachdruck verboten.« 14z Die Stadt. Roman von Nicolaus Krauß. V. Lene nahm auf dem Sofa Platz und sah sich um. Das war dasselbe Zimmer wie oben ihre große Stube. Etwas anders sah es freilich aus. als ihre„Studenten- kaserne". Das seltsam gedämpfte Licht kam Wohl von den schweren, roten Vorhängen, den zugezogenen Halbgardinen und dem gelben, spiegelblank gewichsten Fußboden... Und wie stark es nach Moschus roch l... Lüftete denn die gar nie? 'Nein, die Möbel stimmten nicht zueinander! In der Mitte der große, runde Tisch mit den drei Polster- stuhlen, deren gelbe Ripsseide schon stark verschossen erschien; zwischen den Fenstern die beiden Hockerln mit dem Bambus- tischchen; drüben an der Wand das Pianino, darüber ein alter Reitersäbel und zwei Pistolen; der Glasschrank aus poliertem Nußbaum, ein alter, über und über mit Eisen- bändern beschlagener Koffer, das ganz moderne Sofa— richtig, es war blauer Baumwollensamt l— und die blaßblau ge- tünchten, weiß patronisierten Wände... Lene schüttelte den Kopf. Wenn die früher als Putzmacherin ihre Hüte auch so zusammenbaute, hatte sie wohl den Sommer über in Franzens- bad nicht viel Geschäfte gemacht! Vielleicht that sie ihr aber doch unrecht.... Die alten Sachen mochten von dem Hauptniann stammen, und sie wollte sich von ihnen nicht trennen, weil sie ihrem Mann gehört hatten. Das andre hatte sie nach und nach zugekauft. Der Hauptmann l... Die alte Frau Berger nannte ihn nur den„Kommiß- knöpf". Nichts habe er gehabt, da ihn die Lola geheiratet, als seine Pension und den Adelstitcl, den man ihm gegeben, als man ihn fortgeschickt. Ein sonderbarer Heiliger!... Den ganzen Tag sei er im Zimmer pfeifend auf und ab gegangen. Und habe man etwas gesagt, dann habe er auch noch geflucht, so grauslich, und nicht einmal verstanden habe man es. Es würde wohl Ungrifch gewesen sein... Na, nach zwei Jahren sei er gestorben, und da sei die Lola wenigstens zu der Tabaktrafik gekommen! Das war fünf Jahre her, und sie niochte damals Ende der Zivanziger gewesen sein... Der gelbe mit großen Blumen bedruckte Kattunvorhang, der den Alkoven abschloß, wurde zurückgeschoben, die Frau Hauptmann trat herein. Mit gehobenen Armen kani sie zwischen dem runden Tisch und dem Piano herum, der aus einem bunten 5tasäimirshawl geschnittene Morgenrock hielt die vollen Formen sttaff zusammen. „Entschuldigen Sie nur, daß ich Sie habe warten lassen, Frau Försterin..." Frau Lola von Bartelmus stieß absichtlich etwas mit der Zunge an; sie hielt das für fein, und dann mußte sie dabei langsanier sprechen und fiel nicht so leicht in den Dialekt. Sie zog einen Hocker zum Sofa heran. „Wir waren gestern in der Reunion in Franzcnsbad... Sehr fein... sehr nett.. „Aber vor zwei Uhr kommt man da nie zu Bett.. Lene hatte ihr stumm zugehört. Gott, die schminkte sich ja I... Und der Moschus!... Die Augen waren müd... Aber das schöne blonde Haar!... Nein, haßlich war sie nicht. Frau von Bartelmus blickte auf ihre Hände... Was wollte die Förstcrin?... Die machte ja Augen, schier wie ein Beichtvater!... „Man sieht Sic ja so selten, Frau Grubcr l" Lene reckte sich. Ihre Stimme klang gepreßt, als müßte sie sich mit Gewalt zurückhalten. „Ich habe zu thun... Wenn man Studenten hat.. Frau Lola seufzte. „Ich tvollt', ich könnte mich auch lvieder um etivaS sorgen... und arbeiten... Die Trafik geht ja wie eine Maschine..." Lene sah die gepflegten, weichen Hände der Frau. „Arbeiten?... Mit diesen Fingern?...." Fast barsch sagte sie: „Ich war vorgestern bei Professor Jakob." „Bei Jakob?..° Dem Deutschnationalen?" Sie äffte: „Das hehre, deutsche Weib, meine Herren l.. Wissen Sie, was seine Parteigenossen von ihm sagen?..... Unser kleinster Mann, aber unser größtes Maul!"... So ein Quackerer!" „Er sprach auch von Ihnen. Frau Bartelmus." Ein Blick von unten herauf, in dem etwas Schielendes lag, traf Lene. „Will er mir eine Liebeserklärung machen?" „Er sprach von einer Konferenz, in der Professor Botter mitteilte, daß er den Gymnasiasten Fritz Gruber auf allen möglichen Wegen und Stegen, meistens in den Abendstunden. mit einer Frau getroffen hätte... mit Ihnen, Frau von Bartelmus!..." Die Witwe schnellte enipor. Also deshalb war die Kostfrau gekommen I... Aus- spioniert hatte man sie?... Diese Duckmäuser!... Sie vergaß ganz auf ihren„seinen" Sprechton. „Mit mir?... Ja, ist denn das was Slljlcchtes?... Ihre Töchter laufen mit den Studenten am hellen Tag herum! Ihre Weiber seh' ich alle Tage in Franzensbad l... Und mir wollen sie vorsichreiben..." „Es ist doch etwas andres... Sie sind eine junge Witwe, die..." „Der Lump von einem Botter!... Schon wie er noch Student war, ist er mir nachgestiegen und wollte mit mir „gehen"... Ablaufen Hab' ich ihn lassen, das verdrehte Regenschirmgestell!..." „Sie wollten Fritz eine schlechte Sittenklasse geben... und da wäre sein Studium verdorben gewesen..." Die Witwe blickte erschrocken auf. Lene erhob sich. „Geben Sic ihn frei, Frau von Bartelmus!" Die andre versuchte zu lachen. „Freigeben?... Den Fritz?... Ist denn die ganze Welt verrückt?... Weil er mit mir spazieren gegangen und hier den Aschern einigemal etwas vorgespielt hat?..." „Ein junger Bursch faßt das ganz anders auf... Geben Sie ihn frei, ich bitte Sie darum!" Sie faßte die andre an beiden Händen. Ucber die Witwe kam es wie ein Sinnen. „Wenn man so lang an einen alten Mann gebunden war... Sic müssen es ja selbst wissen, Frau Grubcr..." „Das weiß ich nicht I... Ich habe meinen Mann aus Liebe geheiratet..." Frau von Bartelmus legte den Kopf auf die Seite. Ihre Augen funkelten. „So?!... Na ja. jetzt geht mir ein Licht auf I... Sie sind eifersüchtig!..." Lene schoß alles Blut zu Kopf... So eine freche Person!... Ihre Stimme klang vor Zorn ganz heiser. „Wollen Sie ihn freigeben?" „Er gefällt Ihnen also auch, der Fritz?" „Ich frage Sie noch einmal!,.." „Hätt' mir's denken können!... Diese Schwarz- köpfigen!... Und wenn ich nun nicht will?" „Dann werd' ich Sie zwingen!" Die Witwe spürte einen Druck an den Gelenken, daß sie mit einem Schrei vornüber knickte. „Lassen Sie mich aus!... Was wollen Sie denn!... Sie Furie!... Ich schrei' l... Jessas I..." Lene schüttelte sie. .„Nur noch einmal, wenn ich Sic seh'... mit dem Burschen... Zu Schanden... mach' ich Sie... vor'der ganzen Welt... Sie... Sie..." Lenes Stimme war vor Wut ganz erstorben. Sie ließ die hysterisch Schluchzende zu Boden gleiten und ging zur Thür hinaus.-- Auf der Treppe wurde Lene von einigro> meist ein Umschlag seiner Stimmniig ein. und an> Abend saß er über dem Glase imd nickte»nd sah und hörte nichts mehr. Seine Fra» war tot! aber er hatte ein paar Töchter, und ich hielt mich zum Teil ihretwegen dort ans. Besonders die älteste, die siebzehn Jahr« alt sein koinitc und Bittoria. hieß, ivar eine vollloinnicne Schönheit. In dem stolzen. etwas blasse» Gesicht strahlte» ei» paar wnuderbare Auge», und der Kopf mit dem reichen, schiminernd schwarzen Haar, in dein stets ein silberner Pfeil steckte, saß so seltsam vornehm ans dem Halse. Ihre schlanke, juiigfräuliche Figur hatte cinr Formcnfülle. die ihrer Er scheinung etivas JiiiponicrcndcS verlieh. Sie glich einer jungen Inno. eheJupiterS Auge» ans sie fielen. Aber es ivar zugleich etivas pikantes Kaltes in dieser Schönheit. Die Stirn war wie die einer steinernen Jung- frau und die Zuge überhaupt seilsam bestimmt»nd kalt, während die ivarnre» Lippen, wein« sie lächelte, wieder gerade vom Gegenteil zeugten. Sie ging meistens ernst umher»nd besorgte die Bedienung der Gäste, für ihre Schwester ivar sie wie eine Mutter. Offenbar durfte der Vater ihr gegenüber sich nicht viel heranS- nehmen. Mir fiel eS nicht ein, ihr direkt die Kur z» machen, ob- schon ich genügrnd für sie schwärmte und einmal sogar die Erlaubnis bekam, ihr Porträt zu malen. Ihre Hände ivarcn überaus schön und fein gesonnt, wie ich eS selten gesehen habe, und sdnS will jiir einen alten glonr-Beivohner etwas sagen. Aber die Füße ivaren— daS muß ich einräumen— zu groß. Es hat überhaupt den Anschein, als wären die Römerinnen dazu geboren, auf Piedcftalcii zu stehen i denn sie haben fast alle große Fuße nnd zudem ziemlich roh modellierte. Ihre Verhältnisse ivaren, wie gesagt, nicht besonders gut; aber bei den ikircheiifestc» erschien sie kostbar geschmncki.»nd eS herrschte nur eine Meinung darüber, daß sie das schönste Mädchen in Perrigro war. Die Schönheit hat, besonders in Italien, ihre» eignen privilegierten Adel, es war immer ein freier Ronm ringsrrnrher, Ivo sie und ihre Schivestcr am Boden knieten. Sie ging stets sehr ernst umher, und ich erfuhr, das hätte seinen Grnnd darin, daß sie gewissenmaßen gezwungen werden sollte, den reichen Bankier Bertnecio vom Markte zu heiraten. Er kam alle Sonntage in die Ostcria„nd hatte dann meist ein Päckchen sür Viktoria mit, das sie indessen nie öst'nete>0 lange er da lvar. Er saß gern mit einem Glas Wein bei dem Allen im hiuseren Zimmer, während sie sie ruhig bediente und ihnen feine Sache» vorsetzte; aber irgendwelche Licbkosinigen konnte ich nie zivischen den beiden bemerken. Er wartete wohl ganz ruhig auf den Tag in« Herbst, an dem die Trauung stattfinden sollte. Er war ei» ziemlich dicker, scheinbar gutmütiger Mann von etwa vierzig Jahren; aber wer ihn genauer ansah, hätte vielleicht gefunden, daß ziemlich viel Schlauheit in diesem runden, unbedentenden Gesicht lag. Er stand mit allen Geistlichen des Ortes aus besonders gutem Fuß. nnd man sagte, sie benutzten ihn in ihren geheimen Geld- geschnfte». er sollte auch den größten Teil seines Vermögens durch leine Verbindungen mit ihnen erworben habe». Wie Vittoria sich in der Kirche bei große» Kirchenfesten ans- zeichnete, spielte der Bankier Bertnecio. wen» er barhäuptig nnd schwitzend in der Sonne dahinschritt, eine große Roll« in der Pro- zessio». bei der er immer ein« der großen Fahnen neben dem Syndikus trug. Die Priester hatte» denn auch bei dieser Verlobung ihre Hand im Spiele gehabt»nid erreicht, rvas der väterlichen Antorilä! lanm gelungen iväre. Schräg der Osleria gegenüber wohnte, ein Spezereibändler. Sein Sohn, Andrea Bekmorrte, war gerade diesen Sommer zum Priester geweiht. Man sagte, sei» Vater hätte eine Zeitlang viel Kummer mit ihm gehabt; er wäre i» Rom in den Verdacht ge» komme», für die nationale Sache zu schivännen Ustd wäre aus das schwarze Brett gesetzt. Er ivar«in Jngendgcspiele Vittorias und kam bisweilen in die Osteria hinein, aber immer nur für Augenblicke. Er war ein hübsch« Mann von einigen zwanzig Jahren mit seltsam unterdrückt leiden» schafilichcin Ausdruck in den, mageren, schmalen Gesicht Trotz seiner Priestcrtracht»lachte er einen etivaS weltlichen, stutzerhaften Eindruck. Als er das erste Mal in die Osteria hineinkam— er war gerade am Tage vorher von Rom heimgekehrt—, goß Vittoria die Snpp« über, die sie mir reichen sollte. Er sah anffirllend ernst ans Ich bemerkte während der kurzen Zeil, da er drinnen war und mit dem Wirt sprach, daß Vittoria ganz bleich bei der Cucina stand. aber ich sab nicht, daß sie sich etiva grüßten. Eines Tages. als ich vor»rciiicl Staffelei saß, in der Rah« des offenen Fensters, nnd ein Ivenig in Gedanke» versunken war. fiel eine Reite ans den oberen Rand der gegen den Sonnenschein halbgcichlossene» Jalousie nnsres Vis-a-vis herab Sie blieb dort eincu Augenblick hängen, bis eine Hand sie rasch hineinzog. Ich hatte den Eindruck, daß der Betreffende dort drüben nicht bemerkt zu werden wünschte. Aber die Nelke war offenbar vom Fenster meines Schlafzimmers aus geworfen, das ein Weilchen später Vittoria. ganz ruhig vor sich hinsrruimeiid. mit einiger Bettiväjch« auf dein An» verließ Es ivar ein nnbcdentender Vorfall nnd daher dachte ich nicht weiter darüber nach. Seitdem sah ich Vittorin oft mit einer Nelke im Haar � diese Blunic wird als republikanisches Zeichen gebraucht— aber unten in der Osteria trug sie niemals eine solche Blnnre. Eines Nachts, als ich ivach lag. ivar es mir ganz deutlich, als hörte ich das Fenster draußen in» Flur bei der Sufzngeinrichtuiig. womit der Wasscreiiiicr aufgezogen wurde, leise aufgeben und dann Schritte, die über de» Flur hinschlichen. Als ich Licht anzündete und durch die Thür hinaussah, stand lAttoria im Nachlkleide am Fenster. Es war mir auch als hätte ich dort eine rasche Beivegniig gesehen, aber sie stand nun ganz ruhig. mir beschäftigt, es wieder zuzumachen. Sie lächelte mir ein wenig zu und sagte: „Ich hörte daS Fenster ans-«nd zuschlagen und entsann mich. daß ich gestern abend vergessen hätte, es znzumachen.' Ihr Haar ivar nnfgelöst, und in dem malten Schein« meines Lichtes sah sie seltai» schön ans. Es kanr mir seitdcni öfters während der Nacht so vor alZ hörte ich gerade denselben leisen Laut des ausgehenden Fensters, aber aus einer Art Instinkt dachte ich nicht daran, nachznsehcir. Eine Nacht aber— eS lvar etwa drei Wochen vor meiner Ab- reise— entstand draußen auf dem Flur plötzliih lauter Lärm. Ich hörte die grobe Stimme des WirtcS und die hohe, feine des Dienst» mädchcns.' An meiner Thür flogen eilige Schnltc vorbei, wie wenn jemand stiichtete. nnd als ich schnell die Thür öffnete, hörte ich. daß das Ta» in heftiger Bcivcgnng ivar. Gleich darauf kam Vittoria. das Dienstmädchen, und der Wirt mit Lichtern angelaufen— Vittoria voran. Sie sah offenbar erschreckt nnd erregt aus; aber ihr Licht erlosch in der Eile zufällig, so daß sie stehen bleiben mußten, rnn es wieder anzuzünden, und sie hielt sich eine» Augenblick auf.»m mir zu er- zählen, ivas vorgefallen wäre. Der Wirt hatte, ivie er das oft that, nachdem die Osteria geschlossen ivar. vorläufig«inen kleinen Abcndschlummer mit dein Kopf in den Arincn auf der Tischplatte abgehallen; als er dann im Dunkeln mit seiner kleiiien Lampe hinauf ging, ivar dieselbe oben auf der Treppe plötzlich ausgeblnse» worden, und das Dienstmädchen hatte beim Schein eines Streichholzes, das sie schnell anrieb, beut- lich eine junge, große Mannsperson iir dunklem Rock vorbeischweben gesehen. Diese Sache wurde niemals aufgeklärt. Nur hieß es unten in der Osteria. man hätte.Fanfulla" im Hause gesehen, und später wollte das Dienstmädchen ihn öfter bemerkt haben. .Fanfulla" ist eine Art Gespenst oder Kohpld. Er erscheint als hübscher, jnnger Mann, und es fürchtet ihn eigentlich niemand, als die Dnenna einer jungen Signora oder ein lästiger Liebhaber, dein er Possen zu spielen pflegt; bisweilen geht es ja auch ein wenig über die Eltern her. Es ist nnr der alte Liebesgott in moderner Kleidung. Er ist unschädlich und bringt gern Glück und Hockzeit. Ich konnte aber am Tage daraus es nicht unterlassen, durch das Fenster bei dein Zngtan hinauszusehen. Das Tan lief unterhalb dicht an zwei kleinen Balkons entlang, die etwa in Manneshöhe über einander angebracht waren, und vom Nachbarhause ging ein niedriges Dach aus, von dein man mit einiger Geschicklichkeit Ivohl das Tau erfassen konnte und auf einen der Balkons hinaufgelangen. Aber das Ganze war eine halsbrecherische Geschichte. Seltsamerweise ivar der Wassereiiner halb plattgedrückt. Vittoria klopfte ihn selbst zurecht, als sie es sah. und war sehr zornig auf das Dienstmädchen, daß sie ihn so nachlässig vo>» oben herabließ.— Ich bin noch jeht sehr bekannt in Perugia. verlebte dort mehrere Sonimer und begrüßte bisweilen auch Vittoria Bertuccio, wie sie nun hieß. Sie machten ein großes Hans, und Bertuccio stand, wie es hieß, ganz unterm Pantoffel seiner Frau. Sie ivar eine der frömmsten Dame» der Stadt und stand an der Spitze aller öffent- lichen Veranstaltungen und Sannnlnngen für Kirche» und kirchliche Feste. Der Priester, ihr Jngendgespiele. war ihr Leichtvater, und sie schien ihren Via»» aus der Gunst der Geistlichkeit verdrängt zu haben. Damals, als ich ihn im Wagen neben seiner stolzen Frau sitzen sab. sah er mir so gedrückt, kränklich und alles andre eher, als glücklich ans. Die Bevölkerung in Perugia stand damals— waS später eine so furchtbare Vergeltung über die Stadt hervorrufen sollte— in Rom wegen ihrer garribaldischcn Sympathien in schlechtem Lichte. Der Priester Andrea Belmonte wurde plötzlich nach Leoin be- rufe», infolg« eines neuen Verdachtes nationaler Verbindungen, und man sagte, daß der Bankier Bertuccio der Angeber gewesen sei. Einige Zeit später hieß cS. anch der Lautier wäre übel an- gekonnneu: die Geistliche» wären durch die»frommen Bckcimtuisse" i'ciuer Frau bei ihrem neuen Beichtvater hinler eine Reihe Be« trügereie» gekommen, die er bei den Geschäften vorgenommen, ivelche er heimlich für die Geistlichen besorgte, ohne daß sie ihir jedoch öffentlich anklagen durften. Man entsinnt sich ans den Zeitungen deS berüchtigten, furcht« baren Blutbades in Perugia im Jahre 1859. Die Bevölkerung hatte gegen die Truppen des Papstes gekämpft, und die Schiveizer mordeten hernach wie ivilde Tiere in den Gassen Kinder und Er- wachsen? ohne Unterschied. Vor mehreren Häusern waren Sichcrheitswachcn aufgestellt, darunter auch vor dem Bertuccios. Aber dennoch wurde er in seinem eignen Flur erschossen. (Schluß folgt) Kleines Feuilleton» bt. Die deutschen Naturforscher und Nerztc, die sich im Herbst jedes Jahres aus allen Teilen Deutschlands zu ernster, wissen- schaftlicher Aussprache, unterbrochen vo» heiteren Feste», zusammen« finde», sind heuer in Karlsbad in Böhmen zusammengetreten. Am Sonntag brachte die Eisenbahn mit sedem Zuge immer neue Gäste auS Oestrcich. aus Süddeutschland, ans Norddenlschland, die am Abend bei schönem Konzert im Schützenhause empfangen wurden Man rechnet daraus, daß etwa 3000 Personen an diesem wissenschaftlichen Kongreß teilnehmen werden; die erste Teilnebmerlistc. die bereits Sonntag früh gedruckt vorlag, weist schon 500 Namen auf. Die am Abend sich drängende Menge beweist, daß diese Zahl jetzt schon vcr- dreifncht ist, und es ist tvohl anzunehmen, daß sie sich bis übermorgen noch einmal verdoppeln wird. Uebt doch Karlsbad an sich schon eine große Anziehungskraft ans. und die Einwohner von Karlsbad überbieten sich in liebcnslvürdigcn Veranstaltungen, es den Gästen behaglich z» machen, de» vornehmsten wissenschaftlichen Kongreß Deulschlands in würdiger Weise zu be« Herberge». lleberblickt man die Liste der festlichen Veranstaltungen, die an keinem Tage der Woche fehlen, so könnte man beinahe meinen, daß die gesamte Versammlung lediglich zu frohen Festen, nicht zu irgend einer ernste» Arbeit einberufen ist. Zweifellos trifft dies anch für einen große» Teil der Teilnehmer zu. Namentlich die Acrzte haben in der letzten Zeit so viele Special- kongresse abgehalten. daß vielen dieser allgemeine Kongreß als eine Notwendigkeit in wissenschaftlichem Interesse nicht erscheint. Wir haben eine jVersainmlung der Chirurgen, der Anthropologen, der Ophthalmologen und ivie die ärztlichen Disciplincn alle heißen, Versammlungen, auf denen recht fleißig gearbeitet wird, und nach all dieser Arbeit kommt nun der allgemeine Kongreß mit seinen Ver- gnügungen. Glücklicherweise denkt nur eine Minderzahl so; die Mehrzahl hält an diesem Kongreß fest und besucht ihn, um den Zu- sammenhang der Medizin mit der allgemeinen Naturwissenschaft nicht fallen zu lasten, und gerade in den letzten Jahre» hat sich gegen- über der weitgehenden Spccialifierung in Fachwissenschaften ein sehr energischer Zug nach Zusammenfassung wieder geltend gemacht, der auch äußerlich beim Programm des Kongrestes in die Erscheinung tritt. Die zwei allgemeinen Versammlungen für alle Teilnehmer sind beibehalten worden: von den dort zu haltenden Vorträgen heben wir den über den Bau deS Eiweiß-Moleküls, über Eleklrotcchniks über Reo- Lamarckismus hervor, ivelch letzterer die wieder brennend gewordene Frage nach den treibenden Kräften der Entwickelung und Artbildung behandeln wird. Daneben aber ist eine Gcsamlsitzung aller Gruppen vorgesehen, wesentlich also noch eine dritte allgemeine Versammlung, in welcher, lvie in Karlsbad natürlich, die heißen Quellen von verschiedeneu Seit«!» aus beleuchtet werde» sollen. Für die Specialarbeit in den Abteilungen sind ebenfalls eine. reiche Fülle vo» Vortrage» augcmeldct. Die ernste Arbeit wird also bei aller Festesfreude keincstvcgs zu kurz kommen.— tb. Die Neberfahrt. Langsam mit schweren Nnderschlägen kam das Fährboot vom andern Ufer her. Es ivar leer, aber hier an der Waldecke stand der ganze Landungssteg voller Passagiere. Eine bunt gemischte Gesellschaft. Junge Mädchen in hellen Land- partie-Kleidern, ein Herr und ältere Danren. Dazwischen ein Mann mit einer Kiepe und ein paar Frauen mit schweren Tragkörben. Sie hatten Pilze gesaminelt, ein frischer, würziger Duft von Pfestcrlinge» schwebte»im sie her. Die jungen Mädchen dalberten am Waster hin, sie schrien und kreischten und lachten, stießen sich an und kicherten wieder in die Taschentücher, ohne daß man eigentlich recht klug wurde warum. Eine dicke Dame mit einer lila Seidenbluse stand vorn am äußersten Ende des Steges. Sie schrie hell auf, als das Fährboot näher kam:.Oswald, das sieht ja so morsch aus,— Oswald, da steige ich nicht ein— paß' ans, wir gehen unter." .Aber. Tanle," sagte eine junge Frau hochmütig verächtlich— .hier auf der Spree, wenn es noch die Ostsee wäre, denk' mal, wie wir nach Rügen fuhren." .Aber das war doch'n Dampfer, und das sieht so morsch aus." Die Lilnblusige that ganz unglücklich—.Oswald, uee— ich will lieber laufen, wir geh'» unter." .Fett schwimmt oben"— sagte.Oswald" lakonisch. Es war offenbar der Gatte. Knirschend schob sich das Fährboot an die Bohlen. Der Fähr- mann warf den Strick»in de» Balken. Es war ein alter Mann mit spärlichem Granbart und wcttcrgebräimtem, verrunzeltem Gesicht; er stand auf und bot der Lilablusigcn hilfreich die Hand. Sie zögerte aber noch. .Ist es auch ganz gewiß nicht morsch, Sie? Wenn es nn sinkt?" .Einsteigen," schrien die jungen Mädchen und drängten nach. Die Lilablusige flog mit einem Wuppdich in das Boot, daß es von rechts nach iinks schwankte. Sie kreischte auf. aber ihr Gekreisch erstarb im allgemeinen Tumult. Die andern stürmten nach. DaS Boot ging ans und nieder wie eine Wippe. Die jungen Mädchen liefen nach dem Hinterteil, setzten sich und sprangen wieder auf, schaukelten, ivaS das Zeug hielt und quietschten' um die Wette. Die Lilablusige hielt sich an»Oswald" und sprang vor Entsetzen gleichfalls hin und her. .Hinsetzen!" rief der Fährmann— denken Se denn,'s Boot is'» Tanzplatz?" Dabei kann man doch»ich rudern." Er hatte das Boot losgemacht, schwerfällig glitt es auf den Strom hinaus. .Nuj wer'» Se man nich grob"— meinte OSwald,.was iS denn das für'n Betragen?" Er zog seine Lilablusige aber doch aus die Bank:.Jetzt sitze stille." .Ich fiircht' mir so— es sind solche Wellen." .Aber Tante." wiederholte die junge Frau,.das ist doch gar nichts, als wir nach Rügen fuhren—" Ihre weitere Rede versank in eine», Lachen, die jungen Mädchen quietschten wieder mal. Die Himmelblaue bohrte nrit ihrem Sonnen« schirm im Boden:.Hach, seht mal durch die Ritzen, da ist Wasser." „Ja da ist Wasser I" „Da ist wirklich Waster l" „DaS konimt wohl von unten durch— hnh Gott." .Das is'n Leck." schrie die Lilablnsige und sprang wieder ans;„Oswald, wir sinken, ich steige aus." „Steigen Se nnr". sagte der Mann mit der Kiepe, ,Se können ja nachschwimmen." Die Pilzfranen lachten. „Warten Sie doch, bis Sie gefragt werden." Die Lilablusige war wütend. .Hinsetzen", rief der Fährmann zum zweitenmal. Fräulein, Sie dahinten, nich über Bord biegen,—- denn neigt sich der Kahn." .D». das gilt Dir, Lina", sagte die Himmelblaue zu ihrer rosen- rote» Nachbarin, die das Wasser durch die Finger spülen ließ. „Laß ihn doch, waS der schon zu sagen hat. Es ist so romantisch." Die Rosenrote neigte sich noch tiefer über den Kahn. Er hing ganz nach links.„Aber datt iS doch..." murrte eine von den Pilzfranen. „Dem ollen Mann de Arbeet so schlver zu machen I" Der Fährmann sprach nicht, aber er keuchte, dann zog er Plötz- lich die Ruder ein und sagte ernst:.Fräulein, fassen Se lieber nich heut ins Wasser,'s is'»e Leiche angetrieben, die zieht Ihnen nach." „Huch, was ist?" Lina saß aus einmal kerzengerade. .'ne Leiche is angetrieben,'» Ertrunkener." „Hach und ich versteh', Sie sagen'ne Lerche." Die Rosenrote wollte sich cmsschiitten lior Lachen. Die andren quietschten wieder mit:„'ne Lerche I"—„nein'ne Leiche I"—„'ne Lerchenleiche." „Aber Kinder seid doch nicht so albern." Es war die Himmel- blaue, die Vernunft predigte, sie stickte aber selber fast vor Lachen. „Js's wahr?" fragte eine Pilzfrau,„hat sich mal Ivedder Eener bersöft?" „Bei der Muhle liegt er, in de Binsen haben s'n gefunden." Der Fährmann zeigte»ach links. „Hört doch,'s is wirklich einer ertrunken." Die jungen Mädchen stießen sich an. „Nein, er hat sich ertränkt." „Warum den», ans unglücklicher Liebe?" „Gewiß, warum denn' sonst. Ach den woll'n wir uns doch ansehn." „Wird tvohl Geld unterschlagen haben," meinte Oswald be- häbig,„so ist's immer, erst stehlen und nachher ins Wasser." .'n oller Mann ivar's mit'» grauen Bart?" fragte die eine Pilzfrau,„denn wird's wohl der sein, der neulich ins Strandschloß ansprach, der soll>vat gesagt haben von in de Spree jehen, iveil er so lauge schon nischt verdient hat. Der hat's aus Not gethan." „Das ist ja aber graulich," jammerte die Lilablusige mit einem furchtsamen Blick auf die Spree. „Fahrscheine, bitte," rief der Fährmann. Das Boot schob sich an den Steg. Die jungen Mädchen waren wieder die ersten, juchzend liefen sie die Dorfstraße hinauf. „Ich denke. Du ivillst'n Dir ansehn, Lina?" „Ach, wenn er's bloß ans Not gethan hat--- das ist doch gar nicht poetisch." Und wieder klangen die lachenden Stimmen:„'ne Lerche— 'ne Leiche— nein'ne Leribcnleiche l" „Gänse!" sagte der Fährmann und steckte sich seine Pfeife an.— Theater. Buntes Theater. N o v i t ä t e n a b e n d. Bis zu der Schlußnummer behauptete sich eine freundliche, beifallslnstige Stimmung. Die Meteniersche Burleske„Der Hund", mit der der Abend begann, ivar eine Persiflage auf die kleinen Despoten, die hinter dem Schalter thronend, das Publikum durch ihre Grobheit und majestätische Langsamkeit oft zur Verzweiflung bringe». Die Geschichte erinnert an eine Posscnsceue CurotilineS auf dem Postbureau. Hier ist das Steuerbnreau Schauplatz der „Handlung". Geduldig harrt das Volk der Steuerzahler, bis es dem Herrn Beamten genehm sei» wird, das Fenster in die Höhe zu schieben. Nur der zur Hundesteuer ein- geschätzte, kribbelköpfige, kleine Herr, der keinen Hund besitzt, kann nicht Nnhe halten. Er drängt sich vor, er stachelt das Volk auf, ja das Bewußtsein seiner gerechten Sache raubt ihm am Ende die schuldige Bcamteu-Ehrfurcht. Schließlich verfällt er in einen kleinen Tobsuchtsanfall und wird unter thätiger Beihilfe seiner phlegmatischen Leidensgenossen ans dem Lokal befördert. Marcel S a l z e r war sehr kömisch in dieser Rolle. Wäre nur der an sich ja ganz muntere Einfall nicht so sehr ins Breite gezogen. Die paar Pointen verloren durch die Wiederholung alle Würze. Viel stärker wirkte der„bunte Teil", in gutem Deutsch„das Variete". Nicht, daß es nnter den neuen Liedern der B o z e n a B r a d s k h und den Couplets der T i n y Senders Schlager gegeben hätte! Der Text war matt und nnbedeutcnd, ohne über« rascheude Wendungen, selbst da, wo eine scharfe satirische Tendenz hervortrat. Aber die freie, flotte Anmut der Bradsly und die ver- schwitzte, derbe Drolerie der Senders ließ das vergessen. Sie brachten Verve und Leben selbst in diese Nichtigkeiten hinein. Fräu- lein B o k k e n Lasso» trug ihre italienischen Lieder mit gefällig- shmpathischer Eigenart vor und Marcel Salzer, der diesmal lauter Schnurren erzählte, war vorzüglich bei Laune. Aber welche schlinmie Enttäuschung brachte die Haupt- und Schlußnummer, das„Heine-Denkmal" von Alexander Moszkowski. Daß die Satire in das Ländchen von Serenissimus und Kindcrmann verlegt werden inußte, war bei unsren Ccnfurverhältnisien wohl nicht zu umgehen. Aber darum hätte es immer noch eine Satire bleiben könne». Oder war auch das nicht möglich, so hätte mau den großen, unvergänglichen Namen Heines respektieren und schweigen sollen l Wie die Sache jetzt herausgckommen, kann mau nicht einmal an Leu Ernst der satirischen Absicht— von dem Vollbringe» ganz zu schweigen— glauben. Die Parodie auf die inoderncu Denlmals- enthüllungen ist schwach und lahm, und läuft zum Schluß in einen ganz unglaublich öden und zerfahrenen Posienulk hinaus. Die beiden Grenadiere fingen ein Preußenlied und voltigieren dann in die berühmte Melodie des kleiiicu Cohn hinüber, die Loreley erscheint als Barrisondame usw. usw. Zu guterletzt kommt noch der Schah von Persien auf die Bühne gehumpelt. Von allen Ilebcrbrettlsündeu seit der Gründung war diese wohl die schlimmste. Es wurde auch nach blecht und Billigkeit gezischt.— elt. Ans Dem Tierleb eu. lieber das Chamäleon plaudert R. F l u r s ch ü tz in der Wochenschrift„Nerthuö": Beim Chamäleon ist cS für den Terrarien- freund ganz besonders wichtig, kerngesunde Individuen zu erhalten, soll nicht der Erfolg von vornherein in Frage gestellt werden. Außer nach Veranuvortlicher Revacieur: Carl Leid m Berlin. dem allgemeinen Aussehen, Beweglichkeit und Freßlnst läßt sich meinen Beobachtungen nach aus der Schlafstellung der Tiere mit fast unbedingter Sicherheit auf die Gesundheit derselben schließen. Ein gesundes Chamäleon schläft fest an seine Unterlage gedrückt, mit gewölbtem Rücken; Tiere, welche lang aus- gestreckt mit erhobenem Kopfe oder gar auf die Vorderbeine auf- gerichtet, wie nach Luft ringend, schlafen, sind immer krank. Nicht unerwähnt will ich lasten, daß Männchen und Weibchen sehr leicht zu unterscheiden sind. Beim männlichen Chamäleon erscheint die Schwanzwurzel von der Seite gesehen sehr breit und fleischig, beim Weibchen sehr dünn. Anfangs September(die Paarungszeit der Chamäleone), beginnen einzelne Männchcn sich mit besonders lebhaften Farben zu schmücken, während sie bis dahin mehr oder weniger dunkel und schlicht gefärbt waren, zeigen sie jetzt einen lebhaft hellgrünen Grundton, auf dem sich kräftig schwarze und iveiße Zeichnungen abheben. Be« gegnen sich zwei Rivalen, so blähen sie die Kehlsäcke auf, platten ihren Leib scheibenförmig ab und vollführen zunächst eigentümlich schaukelnde Veiveguugen in der Längsrichtung, wobei gewöhnlich ein Vorderbein unter' die Kehle gelegt wird— ein höchst eigentümlicher Anblick— und fahren dann mit aufgerissenem Rachen und unter wütendem Fauchen auf einander zu, stoßen sich mit den Kopfleiste» und beißen mit solcher Erbitterung und Nachdruck blindlings auf einander ein, daß man thatsächlich meint, es müsse jeden Augenblick Blut fließen, verfolgen sich auch wohl durch die ganze Länge des Terrarinms und ruhen nicht eher, bis einer der Kämpfer sich in einen sicheren Schlupfwinkel zurückziehen konnte. Natürlich ent- wickelt die Gesellschaft auch einen sehr gesegneten Appetit, ich füttere jetzt hauptsächlich mit Grashüpfern und den kleineren Heupfcrdche», die auf allen trockenen Wiesen massenhaft zu finden sind. immerhin verschmähen einzelne Feinschmecker auch diese knusperige Kost und lassen sich nur durch Schmetterlinge und Fliegen reizen.'Mehlwürmer werde» völlig ignoriert und seien die Futter- näpfe noch so groß und auffällig. Sollte, wie ja doch zu erwarten. im Spätherbst die Freßlnst nachlasten, so muß zur Zwangsfüttcrung geschritten werde», indem man den Tieren Fischfleisch, getötete Insekten oder geschabtes Rindfleisch ins Maul schiebt. Einmal muß es doch gelinge», diese Tiere in unsren Terrarien durch den Winter zu bringen, sie verdienen die aufgewandte Mühe reichlich.— Humoristisches. — Zweifel. Forstmeister:„Dem Kerl habe ich aber gründlich die Wahrheit gesagt!" Slam m g a st:„Ei— können S i e das auch?"— — Ländliches Verschönerungsmittel. Fremder: „Ist Ihr Dörfchen aber nett! Haben Sie hier eine» so rührige» B e r s ch ö n e r n n g s v e r e i n?' Bauer:„Dös net, aber mir san alle g u a t ver- assekuriert!"— — Aus w e g. M a n n:„Denke Dir. in der Zerstreutheit habe ich auch den Meier zu Deiner Geburtstagsfeier eingeladen; wie mache ich das nur rückgängig?" Frau:„Pump ihm zwanzig Mark, dann kommt er gewiß nicht!"—(„Mcggcndorfer Blätter.") Notizen. — Max Halbe hat seine Komödie„Amerikafahrer" umgearbeitet; das Stück wird noch in dieser Spielzeit von einer Berliner Bühne aufgeführt werden.— — Infolge Pa ul Lindaus Ausscheidens aus der Direktion des Berliner Theaters(l. Mai 1903) ist die artistische Leitung dieser Bühne dem bisherigen Oberregisteur Alfred Halm, die v e r w a I t u n g s t c ch u i j ch e Leitung Otto Graul übertragen worden.— — Auch im I n t i m e u Theater werden vom Oktober ab Sonntags Nachmittagsvorstellungen zu volkstümlichen Preise» veranstaltet werden. Auzeugrubers„Doppelselb st- m o r d" wird diese Vorstellungen eröffnen.— — Die nächste Novität des Lessing-Theaters ist Ludwig Fuldas Lustspiel„ K a l t w a s s e r"; die erste Aufsührung ist für Sonnabend, 4. Oktober, augesetzt.— — Wildenbruchs Drama„König Laiirin" wird am 1. November seine Erstaufführung im S ch a u s p i e l h a u s e erleben.— —„Im bunten Kleid", ein Lustspiel von Franz v. S ch ö u t h a n und Freiherr» v. Schlicht, wird am 3. Oktober zum erstenmal im S ch a u s p i e l h a u s e in Scene gehen.— — Björnsons„Paul Lange und kota Parsberg" hatte bei der Erstaufführung im Leipziger Schauspielhaus einen starke» Erfolg.— —„Nächstenliebe" heißt ein neues Schauspiel von Gunuar Helberg, das in Chrisliania und in Kopenhagen dem- nächst zur Aufführung gelange» wird.— — H u i» m e l s Oper„Beichte" erzielte bei ihrer Erst- nufführung im Schweriner H o f th e a t e r eine» Erfolg.— Druck uuo Verlag uor. Max Badiug tu Berlin.