■ Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 192. Donnerstag, den 2. Oktober. 1902 (Nachdruck verboten.) S0) Die Stadt. Roman von Nicolaus Kranß. Tra'.lfcon klopfte es. Ein alter Briefträger, dessen Ober- körpcr nach vorn und links, wo er die schwere Tasche trug, überhing, kam herein. Er wischte sich den Schweiß mit eineßi roten Schnupftuch und knurrte in seinen weißen Bart. „Etwas aus Bayern... G'hört's Ihne»?... Alsdann!" Er wandte sich eilfertig. ,.D e r Durst!..." Lene betrachtete den Brief und die bayrische Marke. Wer konnte ihr von da schreiben?... München!... Sie wußte niemand... Eine Frauenhand war es nicht. So schrieb man auf dem Gericht, in den Aemtern, wo es Leute gab, die ihr Leben lang nichts anders thaten al-Z schreiben... Sie nahm die Schere, schnitt den Umschlag durch und begann zu lesen. Langsam und bedächtig, wie es ihre Art war. Schon der Anfang machte sie stutzen. Mit einein Male fuhr es ihr siedend heiß nach den Schläfen, ihre Augen wurden groß, ein Ruck ging durch ihren ftörper. Plötzlich warf sie den Brief zu Boden. „Einer wie der andere!... Aeh!" Sie erhob sich und ging erregt im Zimmer auf und ab. Gab's denn in der Stadt gar keine andern Weiber, da sie zt, ihr kamen, einer nach dem andern?!... Sie hatte ihnen doch keinen Grund dazu gegeben!... Weil sie eine Witfrau war, glaubten sie, sie zittere danach... diese!... Was mußte das für eine Gesellschaft sein!... Pfui! Wie ekelhaft!... Sie pfiff darauf!... Sie stand am Fenster und blickte nach dem Wasserstrahl des Brunnens, der mit schier eintöniger Regelmäßigkeit in das Becken siel. Das Wasser eilte, langsam stiegen die Luft- blasen zur Oberfläche. Eigentlich... warum ärgerte sie sich denn?... Weil sie den Männern gefiel?und die sie heiraten wollten?... Gewiß. es waren armselige, alte Krauterer... aber manche hätte dock mit allen zehn Fingern zugegriffen... Sie... brauchte nur nein zu sagen und die Sache war erledigt.- Wenn sie nicht wollte, kam ihr keiner an den Leib. Also!... Den Stadt-�eff hatte sie expediert, Plank ihre Meinung ins Gesicht gesagt... der... dritte war noch schneller und einfacher abzuferiigeit. Sie nahm den Brief auf, setzte sich und strich ihn auf den Knieeil glatt. Und sie las ihn wieder und ein drittes Mal und merkte es nicht, daß sie sich die Worte fast laut vorsagte. „Geehrte Frau! Entschuldigen Sie, wenn das Nachfolgende etwas trocken und geradheraus klingt: ich bin im Abfassen derartiger Schriftstücke etwas unbewandert. Ich komme mit einer Bitte. Wie Sie wissen oder gehört haben werden, besitze ich ein schönes Haus, eine gutgeaende Schäurtz, eine anständige Pension. Bares Geld ist auch da. Wenn' Ihnen die Bierschänke nicht paßt, kann sie verpachtet werden. Mit. dem„Kerl" selbst ist freilich kein großer Staat niehr zu macheu. Er ist stark in den fünszigjeni und nicht mehr jest auf den Füßen. Aber er hat Sie gern, sehr gern. Und' er bittet Sie hiermit um Ihre Hand. Ansprüche macht er keine. Ihr Wille, Ihr Wunsch wird ihm immer Gesetz sein, soweit man es unter vernünftigen Menschen billigerweise verlangen kann. Ich gehe für acht Tage in die Berge und fahre noch einmal nach München zurück, ehe ich nach Hause komme. Erscheint Ihnen mein Antrag des Ueberlcgens wert, dann schreiben Sie mir, bitte, nicht. Glauben Sic aber„Nein" sagen zu müssen, dann erwarte ich mein Urteil hier, poste restaute. Ihr ergebener > Christof Sttirm." Wieder erglühte sie: aber Zorn und Entriistung waren verschwunden. So konnte nur einer schreiben, der es ehrlich meinte. Ein einziges Mal hatte sie ihn gesprochen, wegen ihrer Pension, er hatte keinen schlechten Eindruck gemacht. Tie fahle Gesichtsfarbe würde auch verschwinden, wenn er nur erst ans dem Bierdunst und Tabaksdampf heraus war. Lene ließ die Hand mit dem Briefe sinken und starrte vor sich hin. Und eine lockende Vision stieg vor ihr empör. Sie sah sich als die Frau eines reichen Bürgers, gleich- gestellt und glcichgeachtct jenen Frauen, deren Männer die Stadt regierten. Eine Bürgersfran von Eger!... Einst hatten diese gewetteifcrt nut Fürstinnen in Tracht und Pracht!... Auch sie würde in isammet und Seide gehen, Dienstboten würden ihr alle Arbeit abnehmen, und hinter ihr würde man tuscheln und erzählen von dem armen Waisen- kinde, dessen Vater in der Eger ertrunken, von der ehemaligen Försterin von Konradsreuth... „lind Gruber!" Ter verführerische Schein verblich. Sie schlug beide Hände vor das Antlitz. „Nein!... Er soll seine Antwort haben!..." Und Lene ging an ihre Arbeit.-- Mit dem Schreiben wurde es nichts. Diesen Tag nicht und auch nicht am folgenden. In der reifen Frau war etwas erwacht, von dem sie sich keine Rechenschaft geben konnte. Ein Sehnen, das kein Ziel wußte, manchmal aber so stark wurde, daß sie die Augen schlo, um nicht vom Schwindel überwältigt zu werden. Ihr Kovf glühte, die Hände fühlten sich heiß an, ab und zu lief ein Prickeln über den ganzen Körper. Bor ihren Augen stand das Bild eines Brachfeldes: von der Hitze in große Schollen zerrissen, lechzte es nach Regen. Und die beständige Unruhe! Sie belauerte sich und merkte, daß ihre Bewegungen fahrig, der Gang ungleich. manchmal wie springend, geworden. Sie war nicht mehr im stände, eine Arbeit in einem Zuge zu Ende zu führen. Vor- stellungen kamen, Bilder, deren sie sich schämte, um sie im nächsten Augenblick zurückzuwünschen. In ihrer Angst griff sie zum Rosenkranz. Wenig Perlen rollten ab, dann ruhten die Hände unthätig im Scho e, die brennenden Augen starrten ins Leere. Die Hitze hielt an. Seit Menschengedenken hatte man Ende August nicht eine solche Glut erlebt. Wenn Lene einmal hinunterkam, hörte sie erzählen, daß das ganze Land zu einer Scholle zusammengebacken sei. kein Pflug greife an. Die Weiber klagten, ihre Männer seien aus den Wirtshäusern gar nicht mehr herauszubringen. Und Rauferei und verbeulte Köpfe gäbe es allüberall. Was würden das für Wahlen werden! Lene hielt Tag und Nacht Fenster und Thüren offen, an ein Schlafen war nicht zu denken. Als läge sie auf einem glühenden Rost, kam es ihr vor. Und die Gerüche! Alles, was diese alten Gebäude im Laufe der Jahrhunderte ein- gesogen, wurde frei, erweckte Vorstellungen von Krieg. Hungersnot und Pest, wildem, fremdem Gesindel, das sengend und mordend durchs Land zog, und marterte den Leib, der aufstöhnte vor trockener Hitze. Lene schlug sich die Brust und biß sich in die Arme, es wäre ihr wohler gewesen, wenn sie rinnendes Blut g'cseheu halte. Ab und zu ließ die Ekregung etwas nach. Dann begann sie zu kramen. Kästen und Schränke und Koffer riß sie auf nutz warf'alles' mif einen Haufen/ um dann jedes einzelne Stück wieder herauszusuchen und an feinen Platz zu legen. IhrftanzeS Leben zog dabei an ihrem'Geistc vorüber. Da, dieses hölzerne Püppchen stammte noch ans ihrem Vaterbanse: immer hatte sie es wie ihren Augapfel gehütet, und nicht einmal die Kinder des Onkels in Mühlesfcn hatten es anfassen dürfen. Die Docke Garn, deren Fäden schon anfingen, brüchig zu werden, hatte sie im Streicher-Hof gc- spönnen. Auf welche Weise mochte der Lump von einem abgehallsten Bauer zu Grunde gegangen sein?... Den Stoß feine Leinwand hatte sie, als sie im Hofe am Bülil Großmagd gewesen, für ihr eigenes Geld weben lassen. Ihr Hochzeits- Hemd hatte sie davon geschnitten, und zu einem Sterbepfaid würde es auch noch reichen... Ein Stopfholz und ein Näh- kästcken aus Zirbelkicferholz hatte ihr Grübet im ersten Iahte geschenkt, als sie noch nicht Frau war.... „Gniber!" ®te liefe plötzlich alles fallen, und begann iveiter zu filchen und zu wühlen mit zitternden Händen. In dem alten Gebetbuch mußte es sein..,, „Ja!" Das vergilbte Blättchen, wie oft hatte er es ihr gezeigt! Da, über dem Kapuzmerkloster, das kleine Häuschen, das nur noch aussah, wie ein brauner Fleck, war sein Vaterhaus. Als Buben hatten sie immer den Patern im Gemüsegarten ge- Holsen, beim Pflanzen, Unkrautjäten und Wassertragen, und hatten sich dann satt essen dürfen an den schwarzen Johannis- beeren, die an allen Steigen wuchsen. Wie gut die geschmeckt hätten! Nie mehr im Leben hätte er solche bekommen! Sie schlug ein Blatt um und nahm die kleine Silhouette heraus, trat zur Kvmmode, über der Grubers Bild in schmalem Rähmchen hing und verglich. Das war seine starke, gerade Nase, der kurze, etwas hängende Schnurrbart und das energische Kinn. Nur viel jünger mußte er damals gewesen sein, als der Schattenriß geschnitten wurde. So in den Vierzigern.... Lene kam ins Sinnen. Wenn... in dem Alter... Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, düstere Glut lohte in ihren Augen. Und ohne daß sie es wollte, zerknüllte sie mit einem Griff die Silhouette, daß das trockene Papier raschelte. Als sie das hörte, schlug ihre Stimmung sofort um; Thränen schössen ihr aus den Augen, und während sie das Bildchen zu glätten vernichte und es immer wieder küzte, schluchzte sie: „Verzeih' mir, Vater... Ja?... Verzeih' mir!... Und rat' mir, Bater... ich weiß mir nicht mehr zu helfen!..." An einem Abend kam ein junger Bursche zu Lene herauf, lachte schon zur Thür herein und nahm gleich auf der Bank Platz, als wäre er zu Hause. „Einen schönen Gruß von der Mutter und da schickt sie die„Interessen"." Er fuhr in die Hosentasche und zählte mit seinen dicken Fingern sechs Silbergulden auf die Tischplatte. Tann schüttelte er das Beinkleid, es klapperte noch darin. Lene sah ihn mit großen Augen an. „Ja� wie ist mir denn?... Du... Sie... bist doch net der Stobitzer Anton?" „Akkurat derselbige... aus Gaßnitz." „Und da bist Du jetzt'reinkommen, wo's auf die Nacht zugeht?" Ter Bursche zeigte alle seine Zähne. „Aber, Frau Försterin, ich bin doch schon langhin der Stadt!... Zwei Jahr' Hab' ich schon ausg'lernt!... Schlosser bin ich!" Lene nahm ihrem Gast gegenüber Platz. „Richtig!... Tie Mntter hat mir davon erzählt... Wie geht's ihr denn?" „Vor vierzehn Tagen war ich daheim. Schimpfen und schmettern thut sie noch wie sonst...'s G'schäft geht halbwegs. Vom Kaiserwald her wird jetzt wieder viel g'sahren, und die Fuhrleut' haben Durst. Wenn S' zur Kirchweih eine schöne Gans brauchen, hat die Mutter g'sagt, sollen Sie's nur sagen: kosten thut sie nichts..." Lene stellte sich die kleine, resolute Wirtin vor; sie war eine Witfrau wie sie, hatte eine Stube voll Kinder und war doch jederzeit zu einem Scherz oder Spaß ausgelegt... Wer ein solches Temperament haben könnte!... „Ist nichts Neues? Draußen, mein ich..." Der Schlosser nickte gravitätisch. „Eine ganz große Neuigkeit! Die ganze Gemeine war auf: die Riedelmatze hat wieder g'heiratet!... So eine alte Heugeigen, hat die Mutter g'sagt, ist schon Großmutter und probiert's noch einmal!" Lene war zusammengezuckt. Sie kannte die Frau ganz gut. Wenn sie in den ersten Jahren ihrer Ehe einen Rat brauchte, von ihr hatte sie ihn immer bekommen. „Wer ist er denn?... Ter Knecht?" „Gar keine Red'... So billig thut's die net!... Vohmami-Franz heißt er. vor a paar Jahren hat er bei uns a Wirtschaftl kauft. Stammen thut er von droben her. aus'm Wald... Hatzenreuth heißt's... Er wird halt in den Vierzigern sein... Und die Alte hat ihrer Tochter den Hof verschreiben lassen und ist zu ihrem Mann auf's Wirt schastl zogen." (Fortsetzung folgt); (Nachdruck verboten.) Sine Trauung. Von Leon Xanrof. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen Das Krankenzimmer macht einen feierlichen, festlichen Eindruck, als ob es der Schauplatz irgend einer freudigen Begebenheit wäre. Aber nur auf den ersten Blick. Wenn man genauer zusieht, verrät sich seine eigentliche Bestimmung doch durch dieses und jenes: ein Möbel, das. fortgerückt, um einer Chaiselongue Platz zu machen, jetzt eine andcrs gefärbte Stelle an der Wand sehen läßt, welche das Auge unwillkürlich auf sich zieht; ein Tischchen im Hintergründe, voll kleiner Arzneiflaschen, die, nur schlecht verdeckt, ihre roten, grünen und weißen Papierfahnen erkennen lassen; ein gezwungenes Lächeln auf allen Gesichtern, welches eine tiefe Angst nicht zu verbergen vermag. 0 Der bleiche Mann im Bett, bleicher als die weißen Betttücher; die Frau zu seinen Häupten, welche zärtlich seine magere Hand streichelt; die beiden jungen Mädchen, welche mit leichten, schwebenden Schritten jeden Augenblick an die Thürc eilen und wieder zurück- kommen— sie alle warten ängstlich, fieberhast. Der Arzt, welcher vor dem Fenster steht, und die vier Nachbarn, welche man um ihr Erscheinen gebeten hat, und welche nun in ihrem Sonntagsstaat verlege» dasitzen, schweigen tiefbewegt. Der M a n n �uiigcduldig, in klagendem Ton):„Aber warum kommt der Maire nicht?... Luciel" L u c i e(das ältere der beiden jungen Mädchen, nähert sich mit einer sanften, gleichsam gedämpften Lebhaftigkeit dem Bett): „Vater!" Der Mann:„Bist Du auch sicher, daß alle Formalitäten erfüllt sind?" Lucie:„Ja, Vater, sei unbesorgt, es ist alles in Ordnung!" Der Mann: Donnerwetter, wenn man zur Trauung geht, ist man ganz natürlich etwas«»ufgeregt... Aber ich versichere Ihnen, es ist keine Gefahr vorhanden, und Sie werden sich schon wieder herausmachen, ja!" Der Mann(niit glühenden Augen):„Sie... Sie glauben wirklich?" Der Arzt(lächelnd):„Wenn ich es Ihnen versichere!... (Er entfernt sich vom Bett, leise zu Lucie): Vielleicht könnte man den Maire holen lassen... Ist die Mairie weit von hier?" Lucie(ebenso):„Eine Viertelstunde..." Der Arzt(entmutigt):„Tann ist es zwecklos... Er wurde doch zu spät kommen. Es bleibt uns nichts übrig, als zu warten. Vielleicht ist er schon unterwegs..." Schweigen lagert über dem Zimmer. Lucie ist von neuem an die Thürc gegangen und bleibt dort stehen, das Taschentuch an die Augen gedrückt,«o verfließen zehn Minuten— zehn Jahrhunderte. Endlich schlägt die Korridorglocke an. Bei diesem Ton erzittern alle Herzen und beginnen hastiger zu schlagen. Tann tritt Lucie ein, gefolgt von dem Maire» dem Sekretär und einem Gerichtsdiencr, der die Akten trägt. Der Maire(erfaßt mit einem Blick die Situation und fühlt, daß er sich beeilen muß):„Guten Tag, nicinc Damen... meine Herren... Ja, danke, dieser Tisch steht hier sehr gut... Wollen Sic, bitte, die Thüren öffnen lassen, mein Fräulein. DaS Gesetz verlangt c»... ■ Der Mann(wie verwandelt, während man dem Beamten gehorcht):„Ach, Herr Maire! Was für Angst habe ich ausgestanden, sie könnten zu spät kommen... Was für Furcht habe ich gehabt, ich könnte sterben, bevor ich wieder gut gemacht... bevor ich ihnen meinen Namen gegeben, sie ehrlich gemacht habe... meine Kinder, meine lieben Töchter, und(zärtlich die Hand drückend, welche die seinige noch immer umschlossen hält)sie, die lapfere Gefährtin meines Lebens... Denken Sie nur, wenn ich gestorben wäre, ohne..." Der Maire(sanft):„Na, na... nur Ruhe!... So weit sind wir doch noch nicht... Sie sehen ja ganz ausgezeichnet aus und..." Der Mann:„Ja, ja. der Doktor hat mir gesagt, ich brauche noch nicht zu sterbe»... nicht ivahr, Herr Doktor? Aber trotzdem wünsche ich, daß Sie uns ohne Verzug zusammengeben... Ich habe zu große Angst gehabt... Denken Sie docli! Wenn ich sie ganz allein zurückgelassen hätte, ohne Vermögen, ohne ehrlichen Namen, ohne Zusluchtssrätte... llnd das alles aus Feigheit, aus Furcht vor der Welt, vor meiner Familie, einem Haufen gleichgültiger Menschen... Nein, nein... Ich will auf der Stelle getraut werden...(mit sKwächerer Stimme) auf der Stelle.. �(Er sinkt lächelnd und schwer atmend in die Kissen zurück.) Der Arzt(unruhig und leise zum Beamten):»Beeilen Sie sich. Herr Mairel" Der Maire(zu den Zeugen):»Wir schreiten zur Ehe- schließungl(Er liest hastig die Formeln, die Gesetzesparagraphen vor und kommt zu den Namen.) Juliette Maria Colombet, sind Sie gewillt, den hier anwesenden Paul Eduard Dorthier zum Ehegatten zu nehmen?" Die Frau(mit thrünenerstickter Stimme):»Ja, Herr Maire..." Der Maire:„Paul Eduard Dorthier, sind Sie gewillt, die hier anwesende Juliette Maria Colombet zum Ehcwcibe zu nehmen?" Schweigen. Ein schreckliche? Schweigen, welches sich wie eine Centnerlast auf alle Herzen wälzt. Ter Mann im Bette, immer lächelnd, mit starren, unbelvcglichen Augen, bleibt stumm. DerS.-lrctär(leise):„Aber Herr Maire, er ist ja tot!" Die Frau(will sich verzweifelt über den Kranken werfen): »Mein Gotrl" Die Töchter:»Vaterl Vater!" Der Maire(hält sie mit einer kurzen, gebieterischen Hand- beloegung zurück. In leicht verändertem, aber entschlossenen Ton): »Ich bitte Siel...(Nach einem Augenblick der Ucberlegung wendet er sich an die Zeugen und sagt, ein wenig bläh von dem, was er zu tbun im Begriff steht, aber stark im Bewußtsein seiner moralisch richtigen Handlungsweise):„Obgleich das„Ja" nur schwach gewesen ist, haben Sie es doch alle gehört, nicht wahr, meine Herren?..." Der Arzt(ebenfalls etwas bleich):„Aber... gewitzt..." Ein Zeuge(nach kurzer Ueberlcgung):„Ja, Herr Maire..." Tie drei andern Zeugen neigen bejahend die Köpfe. Der Sekretär(leise):„Indessen, Herr Maire..." Der Maire(ohne aus ihn zu hören, feierlich):„Im Namen des Gesetzes, die Ehe ist geschlossen!..." Die Frau(wirft sich über ihren Gatten):„Pauli... Paul... Antworte mir!" Die Töchter:„Vater!... Vater!..." Der Maire< sich die Stirnc trocknend, zu den Zeugen): „Wenn Sie jetzt die Güte haben wollen, zu unterschreiben, meine Herren!" Der Sekretär(nimmt den Maire beiseite; in ironischem, mißbilligendem Tone):„Ich enthalte mich einer Beurteilung Ihrer Handlungsweise, Herr Maire; aber ich fiirchtc, Sie haben da eine Ungesetzlichkeit begangen. Denn ich mutz Ihnen nur sagen: ich für meine Person habe das vom Gesetz verlangte„Ja" nicht gehört." Der Maire(ihn fest anblickend):„Sie haben es nicht ge- hört? Das wundert mich... Wo waren Sie denn?" Der Sekretär(erstaunt):„Wo ich war? Nun... hier im Zimmer, neben Ihnen... Und ich versichere Ihnen, ich habe sehr gute Ohren!" Der Maire(mit einem letzten Blick in das vom Tode ver- änderte Gesicht, streng):„Gute Ohren, mein Herr? Mit den Ohren gab's hier nichts zu hören... Mit Ihrem Herzen hätten Sie das „Ja" hören müssen!..."_ (Nachdruck verboten.) Hiis dcnHuualen dceHlkobolisrnus In München wurde dieser Tage gegenüber den allzu schwarz- seherischen Meinungen übereifriger Anhänger der Mätzigkeits- bewegung von geschichtskundiger Seite darauf hiugewiesen, es sei historisch noch gar nicht erwiesen, daß der Alkoholismus i« nnsrer Zeit zugenommen hätte. Für die Nichtigkeit dieser Bemerkung läßt sich, soweit das deutsche Volk in Bewacht kommt, aus alle» Zeit- räumen seiner Geschichte eine Umnasse auch kulturhistorisch sehr interessanter Thatsachc» anführen, die bei den Deutschen ver- ganqcuer Epochen eine äußerst stark entwickelte Vorliebe für Gerstensaft und Tranbenblut annehmen lassen. Mit dem Hinweis auf das. ehrwürdige Alter der Neigung zu alkoholischen Ausschweifungen soll selbstverständlich keine Lanze zu Gunsten der Umnäßigkeit gebrochen, sondern nur gegenüber über- triebeneu Befürchtungen darauf aufmerksam gemacht werden, daß, wenn all' die Unglücksprophezciungeu der Alkoholgegner richtig wären, eigentlich das ganze deutsche Volk längst durch und durch verseucht und entartet sein müßte. Denn schon die alten Gernianen leisteten im Trinken ganz Respektables. Das bekannte Verschon über sie, wonach sie zu beiden Ufern des Rheins auf Bärenhäuten lagen und immer noch eins tranken, geht in seinem Kern auf ein paar Stellen in der„Germania" des Römers Tacitus zurück, die um so zuverlässiger sind, als der Geschichtschreibcr des Cäsarisnms im übrigen seinen entarteten Landsleuten die sittenreinen, wald- ursprünglichen Barbaren gern als Tugcndspiegel vorhält. In diesem Punkte vermag er eS nicht; denn bei den Germanen „ist es ftir niemanden schimpflich, Tag und Nacht nn- ausgesetzt zu trinken". Und sie zechen sogar, wenn sie über politische Dinge beratschlagen. Da kommt es dann häufig zu Streitigkeiten und Schlägereien, zu Mord und Totschlag. Die nchn- lichen schönen Trinksitten finden sich ein paar Jahrhunderte später, in der Bölkerwanderungszeit. So giebt es von einem lateinischen Dichter der Zeit im 6. Jahrhundert, als Italien in den Händen der Ostgoten war, einen poetischen Stoßseufzer„Ueber die barbarischen Gelage", der wegen der eingesprengten gotischen Worte unter den altdeutschen Sprachdenkmälern mit aufgeführt wird:„Unter dem gotischen„Heil"-Nuf, dem unaufhörlichen:„Laßt uns schöpfen und essen und winken" verstummt die edlere Dichwmg." Wenig später beschreibt Venantius Fortnnatus, Bischof von Poiwers, eine ftänkische Trinkgescllschast also;„Sänger sangen Lieder und spielten die Harfe dazu. Umher saßen die Zuhörer bei ahornen Bechern und tranken wie Rasende Gesundheiten um die Wette. Wer nicht mitmachte, ward für einen Thoren gehalten. Man mußte sich glück- lich preisen, nach dem Trinken noch zu leben." Anderswo Ivird von den Franken berichtet, daß sie ihre Zeit mit unmäßigem Trinken ausfüllten, daß auch die Frauen stark tränken, und daß die Lebens- ordimng der Männer sich nach den Tränken des Tages, vom Morgen- bis zum Schlaf- oder Nachttrunk regelte. Die Bekehrung' der Deutschen zum Christentum hat an diesen Zuständen nichts Erheb- lichcs geändert. Im Gegenteil sehen wir aus einem Kapitular Karls des Großen von blO, daß gleich den Laien auch die Mönche, Welt- geistlichen und Priester dem Bacchus und Gambrinus unmäßig huldigten. Wie derKönig gewisse Brüderschaften verbot, die das kommeut- mäßige Sausen zum Lebenszweck hatten, so suchte er auch dem Klerus solidere Gewohnheiten aufzunpttgen: aber ohne besonderen Erfolg. Was man im Mittelalter unter Maßhalten im Trinken verstand, ersieht man z. B. daraus, daß im 10. Jahrhundert jeder Mönch des berühmten Klosters St. Gallen täglich als sein ihm rechtmäßig zustehendes Deputat ö Maß Bier zugeteilt bekam. Wie es am Ende des Mittelalters specicll hier in Berlin um die Mäßigkeit bestellt war, zeigt ergötzlich ein Brief des gelehrten süddeutschen Humanisten Johann von Tritheim, dessen Name vielen aus Alexis'„Hosen des Herrn von Bredow" bekannt sein wird. Er schreibt 1503 aus Berlin über die Berliner:„Die Ausschweifung im Trinken wird von ihnen nicht ftir ein Laster gehalten. Doch giebt es auch viele, die sich dieses Lasters enchalten, und die Einwanderer aus Franken und Schwaben sind, wie ich oft bemerkt habe, mehr dem Trunk ergeben, als die Einheimischen." Ein andermal schreibt er über Brandenburg im allgemeinen:„Die wenigen Bauern, die es hat, sind sehr faul und ziehen den Trunk und Müssiggang der Arbeit vor. Man kann von den Märkern sagen/ daß sie durch die vielen Festtage und durch ihre Faulheit zur Armut gebracht werden uud durch das viele Fasten und den Trunk ihren Tod beschleunigen, indem sie hierin die übrigen Deutschen übertreffen. Das Leben in der Mark besteht in nichts als Essen und Trinken." Das haben die Junker nachher den Märkern gründlich abgewöhnt, und so hat bekanntlich auch im übrigen Deutschland der Adel das Saufen nach Kräften zu einem vornehmen Reservat ge- macht. Seine Methode, das Volk zur Mäßigkeit zu erziehen, wird fteilich auch der eifrigste Anti-Alkoholiker kaum billigen. Die erste Hälfte des 10. Jahrhunderts aber war in der That, soweit die deutsche Zunge klingt, die Blüte-Epoche des Alkoholismus. Das bleibt unbestteitbare Tharsache, mag nian auch vieles von den bezüglichen Aeutzerungen zeitgenössischer Schriftsteller als silten- richterliche Ncbcrtteibung in Abzug bringen. Luther war bekanntlich kein Weinverächter; aber er schreibt doch in seiner Auslegung des 101. Psalms:„ES nmtz ein jeglich Land seinen eignen Teufel haben — unser deutscher Teufel wird ein guter Weinschlauch sein und muß „Sauf" heißen. Und„Wider Hans Worst" läßt er sich vernehmen: „Es ist leider ganz Deutschland mit Saufen geplagt. Wir predigen und schreiben darüber, cS hilft aber leider nicht viel. Es ist ein alt, bös Herkommen in deutschen Landen, wie der Römer Cornelius (TacituL) schreibt, hat zugenommen und nimmt noch zu." Besonders das kommentmäßige Trinken wirkte verderblich, das damals nicht auf Studenten und ihre Nachäffer beschränkt, sondern in allen Schichten der Nation verbreitet war. Man erfährt dies schon aus dem Titel eines Schristchens, das 1320 in Bamberg er- schien:„Vom Zuwinken. Neue Laster und Mißbräuchc, die erfolgen aus dem schändlichen Zutrinken, daniit jetzt ganz teutsch Nation befleckt und veracht ist". Näheres darüber bringt Matthaeus Friedrichs Büchlein„Wider den Sauffteuscl"(1322):„Es üben solche Laster jetzt nicht allein die Mannspersonen, sondern auch die Weiber, nicht allein die Alten, sondern auch die jungen Kinder, die können allbereits einander ein Halbes zutrinken. Die Eltern lehren's wohl auch ihre Kinder.„Nu laß sehen," spricht der Vater zum Söhnlein,„was Du kannst, bringe ihm ein Halbes oder Ganzes." Und über das alles hat man solches Lasters der Trunkenheit kein Hehl, sondern man kitzelt sich damit, als hätte man gar wohl gehandelt. Ja, rühmen es auch herrlich und sagt einer zum andern:„Lieber, ich wollte, daß Du nächteu bei uns gewesen wärst; wir waren recht fröhlich, da ließen wir das Rädlein herumgehen, es durfte keiner nüchtern davonkommen. Ich soff sie endlich alle darnieder. Der fiel ans die Bank, jener gänzlich hinunter. Da solltest Du Wunder gesehen haben!" Ganz ähnlich skizziert Sebastian Braut im„Narrenschisf"(gegen 1500) ein Saufgelage: „Viele würden sehr bald weise sein, Wenn Weisheit steckte in deni Wein, Die in sich gießen spat und früh. Je einer trinkt dem andern zu: „Ich bring' dir eins!— Ich kitzle dich?—*) Das kommt dir zu!"— Der spricht:„Wart', ich Will wehr'n mich, bis wir beid' sind voll!" D a in i t ist Narren jetzo wohl!"... *) Fordre zum Trinken heraus. Zwei Verse seien noch zum Schluß aus diesem weitläufigen Kapitel Braute �Bon Völlerei und Prassen" herausgegriffen» die zwar eine große Uebertreibung in sich schließen, aber durch das i» ihnen sleckende Körnchen Wahrheit doch zu denken geben: „Der Mensch könnt' frei, kein Knecht»nehr sein, Wenn Trunkenheit nicht war' und Wein,"—vo geheizt wird. Zuweilen kann wirkliche Abhilfe nur durch einen Umbau geschaffen werden, im andren Fall ist wenigstens eine Ver- ständiguug zwischen den Bewohnern der einzelnen Stockwerke not- wendig. Wichtig ist vor allem, daß die Fenerungsthüren während des Heizens mir wenig geöffnet werden und beim Nichthcizen voll- ständig geschlossen bleiben. Die Putzthüren des Kamins müssen selbstverständlich immer" geschlossen sein. Wenn in der im Keller be- fiudlichen Waschküche die Kesselfeuerung geheizt wird, so dürfen nie- nials die Putzthüren zur Abführung der Wasserdämpse durch den Kamin nach außen geöffnet werden i das nutzt einmal wenig und führt leicht zum Rauchen von Oefen an andren Stellen des Hauses. Bei Unterbrechung der Wäscherei sind die Fcuerungs- thüren sofort zu schließen. Bei den Kochherden ist noch mehr als bei den Zimmeröfen aus Reinigung zu ackitcn. Die Abzugsröhren müssen leicht zugänglich sein, und nötigenfalls muß die Haus- fran selbst das Putzen vornehmen können. Diese Notwendigkeit hängt damit zusammen, daß für die Herdheizung hauptsächlich flammende Brennstoffe angewandt werden, die mehr Ruß und lockere Asche geben, Ast es mffiche.r. ob zm Herd der nötige Zug herrscht, so sollte vor dessen Heizung an die wenig geöffnete Feucrthür ein brennendes Licht gehalten werden. Wird die Flamme nach außen geblasen, so fehlt es-an Zug. Ein schwaches Holzfeucr im Kamiu selbst tami rasch Abhilfe gewähren. Am wirtsainsten ist es, wenn es in der tjlnjCrert Mündung des Kamins selbst angezünder werdeil kann. Bon den Stilbenöscn gilt im allgemeinen dasselbe wie vom Kochherd. Bei der Anwendung von Anthracit ist nainentlich zu beachten, daß dieser Brennstoff Salzdämpfe abgiebt, deren Nieder- schlag das Abzugsrohr ganz verstopfe» kaini. Ein starkes Holzfeuer niacht das Rohr wieder frei. Das Nachfüllen von Brennstoffen soll immer möglichst rasch geschehen. Bei Oeffnung der Feucrthür ist die tiefere Aschenthür zu schließen. Die Gefährlichkeit von Klappen im Rauchrohr ist unendlich oft schon erwähnt worden, und glücklicherweise sind sie wenigstens in den größeren Städten durch allgemcine Verordnung verboten. Die Dichtung der Kachelöfen muß zeitweilig nachgesehen und nötigenfalls ergänzt Werdern Will man die Summe ans diesen wichtigen Ausführungen ziehen, so ergicbt sich in erster Linie als dringend wünschenswert die Befestigung der gemeinsamen Kamme für mehrere Stockwerke desselben Hauses. Was die Bau- ordnung in Wien erreicht hat, sollte für andre Städte vorbildlich werden, nämlich die Anlage besonderer Kamine für jeden Stock eines Gebäudes.—_______________ Lcrautwortlichcr Redacteur: Earl Lei» in Berlin.— Druck und Verlag: Ans dein Tierleben. — T o d e s m u t i g e R e b h ü h n e r. Der„Täglichen Rundschau" wird geschrieben: Es ist eine jedem Jäger sattsam bekannte Er« scheimmg, daß Rebhühner ihre junge Brut durch vorgetäuschtes „Kranksein" der Anfmerksamkeit irgend eines Störenfrieds zu eist- ziehen suchen: eine Taktik, welche fast immer von Erfolg gekrönt ist. Uebcrlaut gickernd und„mit zerschossenem Flügel" nahe dem Boden hinflatternd, steht die sorgliche Alte— oder, was wohl häufiger ist, der Hahn— vor dem Hunde oder Menschen auf, welcher in den Kartoffeln der kleinen Familie plötzlich zu dicht auf den Leib gerückt ist: dem nach einem zarten Wild- braten lüsternen Fuchse oder der„mausenden" Katze gegen- über wird natürlich das gleiche Manöver ausgeführt. Andre um ihre mniründige Nachkommenschaft besorgte Vögel ver- fahren bekanntlich in ähnlicher Weise. Nun war ich aber mit mehreren Jagdgenossen kürzlich Zeuge einer solchen Bethättgung rührendster und aufopferndster Elternliebe, wie sie noch keinem von uns aus zieinlich langer Waidniannslaufbahn vorgeroimnen war und uns alle iil gerechtes Staunen versetzte. Der Jagdwageu rollte ans der Chaussee nach R. dahin; meine Hündin lag zu meinen Füßen; der Himd eines Bekannten galoppierte voran-., bald rechts, bald links am Weggraben eine Rase voll Wind holend. Plötzlich entsteht ein Mordsgezeter: der Kutscher pariert die Gäule und ruft:„Da, dal" Wir richten uns auf und sind Zeugen folgender Scene.„Nstnrod" ist rechts am Chausseegraben einer Rebhnhnfamilie gefährlich dicht mifgerück. und da es für die Kleinen kein Entrinnen mehr gab, so stürzten sich die beiden Alte»— in des Wortes eigenster Bedeutung— dem vermeintlichen Räuber ihrer Kinder mit Todesverachtung entgegen: hüpfend und flügelschlagend, eigenartige Töne von sich gebeno. gingen sie mit„Laufschritt, marsch! manch!" gegen den ganz ver- dutzten Pointer vor, trieben ihn vom Graben zurück und verfolgien den mit eingekniffener Rute zurückweichenden unter den Hälsen der Pferde dura, weit über die Chaussee fort. Ich muß gestehen, daß ivir zunächst einen, Augenblick sprachlos waren. Dann ersolgre ein kräftiges Rufen: Pftn, Nimrod! Schone! und dergleichen mehr, obgleich nichts von alledem eigentlich nötig war, da der Hund gar nicht daran dachte, irgendwie angreifend vorzugehen; er war viel zu sehr eingeschüchtert durch die Hühner, die ihm mebr- mals geradezu an den Kopf„sprangen", als wollten sie ihn die Spitze ihrer Schnäbel fühlen lassen. Erst als sich der Hund von hinten her dem Wagen näherte, strichen die beiden wackern Graue» davon und dem Lnvinenschlage zn, wohin ihre Lütten inzwischen Deckung genommen hatten.— Hnmoristisches. — A u s den Berichten eines Gendarmen.„Als ich hinkam, gab ich dein Verhafteten den Zweck meines Daseins kund." „Da der basigen Behörde der Name des Getöteten nicht be- kaimt ist, wird die verehrlrche Jeuscite um Auskunft ersucht." „Er behauptete, ich sei so dumm, daß ich nicht wisse, wie viel Stroh ich in meinen: Hirne habe, was aber absolut unwahr ist." „Er hieb so unbarmherzig ans den Ochsen ei», daß es der gehorsamst linterzeichnete nicht mehr aushalten konnte."— („Jugend.") Notizen. — K l i n g c r s„B c e t h o v e n" wird Ende diese? Monats bei Keller u. R e i n e r zur Ausstellung gebracht werden.— e. Eine illustrierte Ausgabe von G o r k i s Werken wird iu M o S k a u vorbereitet.— —„ L e b c n S k ü n st l e r" heißt ein neues Schauspiel von Richard Boß. das am 8. Oktober im Münchener SldA», Theater erstmalig in Scene gehen wird.— — Die Leitung des. Städtebnnd-Theatcrs- für den Harz imd� Mi t t e l j a ch s e u ist dem.Theater-» Direktor Hassmann in Nordhause.n übertragen worden.—. — Der erste Unterhalt u n g S a b c n d des B.er e im s' f ü r BolkSunterhaltungen findet am IL. Oktober im Bechskeiu« Saale, Linkskr. 42, statt.— � — Die Premiere von Massen eis„ O n NKt v n r r 0 i s o" im Opernhause ist ans den!>. Oktober angesetzt. Am selben Abend geht auch U r i ch S Oper„Das Glockenspiel" erstmalig in Scene.— — In N y k j ö b i n g auf Seeland(Dänemark) ist dieser Tage ein sogenannter„ S o n tt c» lv a g c n" ausgegraben worden. Eiir solcher Somtenwagen wurde als Opfer den Göttern in einem einsam gelegenen Moore hingelegt, nach J£ttte der alten Germanen ganz zerbrochen und zerstört und die»stücke hingeworfen. Die Bruch- stücke bestehen aus dem unteren Teile eines Wagens aus Bronze mit drei Paar Rädern und einem 10 Zoll langen Pferde, das eine Sonnenscheibe zieht. Diese ist ans der einen Seite mit Gold belegt, ungefähr>0 Zoll breit und mit reichen Kreis- und Spiral- ornameittcn versehen. Die Gruppe stammt aus der älteren Bronze« zeit. Der Fund wurde dem Narionalinuseum einverleibt.—_ Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer 6c Co., Berlin ZV