Unterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 199. Sonntag, den 12. Oktober. 1902 Nachdruck verboten. 5] Der Qnhcnteicb. Noman von Gertrud Franke-Schievelbein. Da sprang Richard der Riegel von der Brust. Fort war der letzte Nebelrest. Das Glück stand sieghaft da, wie die Sonne. Gr überschüttete sie mit Zärtlichkeiten.„Mein Lieb! Mein Alles!" stammelte er zwischen seinen Küssen.„Es kam mir nur so über den Kopf!— Was kann ich Dir denn bieten? — Dieses armselige Loch! diese Wirtschaft!— Und hier draußen— wie aus der Welt!— Und, Gott, Lene,— das schlimmste: diese Menschen!" Sie entzog sich ihm endlich, da er nicht nachließ mit be- dauernden, tröstenden Liebesbeweisen. Ihr Haar war zer- zaust, ihre Wangen rotgeküßt. Sie sah ihn mit lächelnder Frage an. „Diese Menschen?" „Ich begreif's nicht, daß Du so mit ihnen umzugehen ver- siehst! Mir wär's nicht möglich!" „Aber Richard!" „Und das Kind. Gott, ga, ein ganz liebe? Ding! Aber küssen—!" Sie schüttelte nachdenklich den Kopf.„Ich Hab' es lieb gehabt im ersten Augenblick. Es hat so etwas unbeschreiblich Rührendes." ,Ia, ja." murmelte er mit tragikomischem Gesicht. „Alles ganz recht. Aber dag das nun unser nächster— ja unser einziger„Umgang" sein soll—" Lene mußte über ihn lachen. Und dann zog sie ihn mu Ohrläppchen zu sich heran und flüsterte:„Wir haben ja uns. Was brauchen wir Umgang?" Er wirbelte nachdenklich seinen Bart. «Ja. ja, natürlich." sagte er vor sich hin.„Du, auf Deiner Drosselburg. Die Bergluft, die hohen Bäume— die beiden alten Prachtmenschen— alles hoch, groß, befreiend—" sie nickte. Ein leiser Seufzer stieg ihr aus der Brrlsll Das Heimweh, das Jochen prophezeiht hatte, meldete sich. „Und selbst die niederen Leute: Jochen, die alte„Achuste", die Swbeumagd mit ihren sechzig Jahren, alles Originale. verfilzt und verwachsen mit dem alten Eulennest, wie der Epheu mit dem Wartturm—" „Ja, murmelte sie,„Menschen." Und die Thränen fliegen ihr in die Augen. Es hatte einen herzbrechenden Ab- schied von dem alten Hausinventar gegeben. „Aber wir hier unten, wir Gesellschaftsmenschen, können nicht so Patriarchalisch drunter und drüber leben. Besonders ein Mann!— Na»vahrhastig, zu gut bin ich inir ja nicht, um mit dem Schuster und der Gemüsefrau zu fraternisieren. Aber—" Er war ungeduldig aufgesprungen und ging mit großen Schritten durchs Zimmer. Er hatte ein paar hastige, cnergische�Bewegungen an sich, die sich oft»viederholteu. Wenn er das Taschentuch aus der Brusttasche zog und sich damit schnell über's'Gesicht fuhr, oder wem» er den Rock auf der Brust zusammennahm, oder mit den Fingern durch sein dickes, widerspenstiges Haar strich, das lvar so ganz er selbst, daß man ihn daran erkennen konnte, von»veiten», auch ohne sein Gesicht zu sehen. Und so. von innerer Erregung getrieben, sprach er noch eine Weile über das Kapitel»veiter,»vährend sie still und»»ach- denklich in ihren Schoß blickte. „Bergiß auch nicht, Lene," begann er. bor ihr stehen bleibend,„unsre Lage. Wir haben ein Geheimnis zu hüten. Die Steigenberg und wenn sie ein»vcißer Rabe»väre unter ihresgleichen— klatschen thut sie doch. Sich mit der Freund- schaft der„Frau Dokiorn" großthun— ohne Zweifel! Also: Distanz! Halte sie Dir voin Leibe! Und vergiß nie die fromme Lüge, die ich ihr aufgebunden habe: daß»vir schon seit dem Herbst verheiratet wären—" Lene blickte empor, groß, traurig.„Gott, Richard— mußte denn das sein?" „Es mußte sei», Lene! Tu bist also so lange bei Ver- wandten auf Besuch gewesen. Vergiß das keinen Augenblick. Verschnapp Dich nicht! Es könnte unsre ganze Existenz kosten—" Jetzt kam die Angst, d'e sie schon ein wenig überwunden hatte, wieder über sie unö umschnürte ihre Brust, daß sie wie erstickend nach Luft rang. Er sah es. Und er wußte,»vas er ihr aufgepackt hatte. Ihre durchsichtig klare Natur— und nun eine ganze Kette von Vertuschungen und Verhehlungen! Sie that ihm so un- säglich leid, daß er zu ihr stürzte und sie feurig in seine Arme schloß. Sie war sein Opfer. Er hatte sich vermessen, die Ver- antwortrmg für ihre gemeinsame Schuld auf sich zu nehmen. E r mußte ihr durc»helfen. „Lene!" rief er, sich cinporrichtend und sie mit sich in die Höhe ziehend,„Lene, es hilft nichts! Durch müssen»vir»»»»n »nal! Nun lad' auch Du Courage! Komm, sei mein starkes Weib! Glaub' an mich, an unser»» Stern! ßs glückt uns sehen!" Sie stand fest an ihn geschmiegt»md blickte ihm tief»n die Äugen. .„ES ist ja nicht llaß die Existenzfrage, Leire?" rief er feurig.„Un Höheret, Besseres, um mein Lebeilswerk handelt sich's. Vollmenschen erziehen—" „Ach, Richf-'b, gerade Dein Amt! Makellos sein— Ver'ild sein— wie ein Priester—" „Sind wir etwa keine Menschen? Mit Sinnen in»d Leidenschaften ausgestattete Geschöpfe?" rief er,»vährend ihm das Feuer über die Stirn lief. „Ja. ja— aber—" sie schüttelte den Kopf. „Ui»d ein Augenblick der Sclbstvergessenheit sollte unser ganzes Leben vernichten köm»en?" Er flammte auf. Es»var ihm, als hebe sein reiner, ehr- licher Wille ihn empor. Aus seinen kleinen, scharfen, tief uirtcr der vorspringenden Stirn gebetteten Augen sprangen Fuule». „Lene!" rief er. ihre Hai»d pressend, daß es sie schmerzte, „was meinst Du: nicht mal bedauern kann ich's— das, was geschehen ist!" Sie nickte. Das wußte sie schon. „Nicht weil ich mir ein Recht nahm, das mir zustand. Nein, Lene. Weil ich ein andrer, ein besserer, ein voll- kommenerer Mensch geivorden bin seitde»n. Was wußte ich denn vorher von»„Menschlichen"? Jetzt liegt das Leben auf- geschlagen vor mir»vie ein Buch. Wie ich meine Jrmgens jetzt verstehe, Lene! Die j»lngen, ringei»den Kräfte, die Leiden- sckaften, Kämpfe, Nöte. Wer zur Freiheit erziehen»vill, muß sich selber frei geiuacht haben." „Und bist Du's?" „Noch nicht, Lene. Aber laß uns nur noch über diesen Berg. Ich fchwör's in Deine Hand: den Glauben an mich und meine Ailfgabe und vor allem an die Güte der Menschen- nahir will ich nicht verlieren, bis ich gesiegt habe— oder," setzte er nach einer Weile mit gerunzelter Stirn hinzu,„ehe ich nicht wund und»vaffenlos am Boden liege." « t « Wie gut, daß es Frühling war! Sie empfai»den es mit jedem Tage von neuem. Es wurde immer lichter und wärmer. In dem Garten- land, das die Steige»»berg mit ihren beiden Buben bestellte, »vich die wüste Unordnung allmählich, und in sauberen, qerad- linigei» Beeten entfaltete»» sich die jungen Gemüsepflanzen. Die Obstbäume blühten, daß Lene a»ls ihrem Fenster»vie auf ein Meer von weißem und rosigem Schaum hinabblickte. Und in dem mächtigen Lindenbaun», der das Dach des kleinen Hauses überragte, war das Starenpärchen»viedcr eingekehrt und Pfiff»ii»d"jubilierte von früh bis spät, daß jeden» das Herz in Frühlingswonne aufging. Die Lei»e n»it ihrer heiligen Hoffnung ging wie in einen» »vachen Traum durch all die Werdepracht. Das große Wunder, das sich an ihr vollzog, erfüllte sie mit Schauern der Ehrfurcht vor sich selber/ mit tiefem, sinnendem Ernst, mit ahnungsvollem Jribel vor der Zeit der Erfüllung. Je näher die Zeit rückte, desto ruhiger wurde sie. Die Angst vor einer vorzeitigen Entdßckuug, die sie im Anfairg ihrer Me ttodfi manchmal geqnaÜ hatie, verblaute vor der qroizen Gewißheit der Leiden, die ihrer warteten. Und seltsam, das Schuldgefühl war in ihr ausgelöscht wie mit einem Schwamm. i'iichts mehr von Kleinmut, Bedenken, zermürbender Sorge. Sie hätte sich geschämt, wenn sie einen Gedanken daran ver- schwendet hätte, einen Gedanken ihrem Mann, ihrem Kinde entzogen hätte. Sie waren glückliche Menschen, die beiden im grüneil, blühenden t'cciü Vergrabenen. Richard Volkmar wußte, wo er Frieden und Behagen fand, warme, grüßende Augen, sorgende Hände, wenn er müde und unfroh von seineni an Arbeit und Aerger reichen Anit nach Hause ging. Die Leue mit ihrer Ruhe und Festigkeit hatte ihm schon immer-gut gethan. Jetzt, wo sie so sicher und unbeirrt, wie getragen von ihrer neuen Würde, ihren Weg ging, wurde sie ihm oft zum inneren Halt. Sein Mut richtete sich auf an ihrer Zuversicht. Und wenn ihm einmal die Besorgnis vor einer Entdeckung kommen wollte, so dachte er: was thut's? Ich habe s i e und auch bald unser Kind, llnd sollte mir der Brotkorb höher gehängt werden— mit meinem guten Kopf und meinen starken Armen werd' ich uns schon durchs Leben bringen! Er hatte sich doch ein bißchen davor gefürchtet, nach fötlkök auffallend überstürzten Heirat wieder unter den Kollekten und vor seinen Schülern zu erscheinen. Neugierigen Fragen, Neckereien, gutmütigem Spott, wie sie üblich waren bei der- artigen Anlässen, fühlte er sich nicht gewachsen. Aber nierkwürdig— niemand trat ihm damit zu nahe. Bloß der Kollege Bittrich. der ein unverbesserlicher Eyniker, und dessen unglückliche Ehe stadtbekannt war, konnte eine un- zarte Anspielung nicht unterdrücken. Aber der Blick, mit dem der sonst so gutmütige Volkmar den Witz aufnahm, ließ Bittrich die Lust vergehen, einen zweiten zn riskiereen. Eines Tages, als Volkmar gerade das Gymnasium be- trat, kam ihm Kornelic Urban, die Tochter des Direktors, ent- gegen, trotz der Morgenfrühe tadellos elegant, frisch, sauber, wie aus dem Ei geschält. Das helle Frühlingskleid saß prall auf ihrer schönen Büste, umspannte schlank die vollhüstige Gestalt. Die blonden Löckchen sahen anmutig unter dem olumen- ' geschmückten Hm hervor. Wie immer, war er fast betroffen von der Tadellosigkeit, der über jede Kritik erhabenen Korrektheit ihrer Erscheinung. Hinter ihr ging das hübsche Dienst- mädchen in geradezu schreiender Sauberkeit de? hellen Kattun- kleidcs, der weißen Schürze, des Rüschenhäubchens. Henkel- korb und Fischncv. die sie trug, verrieten,, daß ein Einkauf auf dem Markt beabsichtigt war. Gerade an der Tbür stieß Volkmar aus sie. und da es ganz unvermutet geschah, schlug ihm eine jähe Röte übers Ge- ficht. Allerlei Erinnerungen und Gedanken schössen ihm durch den Kops, machten ihn linkisch und verlegen. Deutlich hatte er gesehen, wie Kornelie bei seinem Anblick zusammengefahren war und einen Augenblick, wie nach einer Stütze suchend, nach dem Thürpsosten getastet_ hatte._ Ihr regelmäßiges, etwas unbewegliches Gesicht war sehr blaß ge- worden. Mit einem hastigen Gruß, einem gestammelten„Guten Morgen, gnädiges Fräulein!" wollte er an ihr vorübereilen. Aber ihr mochte dieses auffallend absichtliche, beinah unhöf- liche Davonlaufen Volkmars vor dem Dienstmädchen Pein- lich sein. Mit bewundernswürdiger Selbstbeherrschung hatte sie ihre Erregung überwunden. Sie lächelte� Ein zartes Rosa verbreitete sich über ihre weiße Haut. Sie streckte ihm die Hand engcgen.„Meine herzlichste Gratulation, Herr Doktor," sagte sie mit etwas knapper Stimme. Richard verneigte sich.„Ich danke, gnädiges Fräu- lein—" dann eine Pause, die beiden eine Ewigkeit dünkte. Das Dienstmädchen begann zu lächeln. „Wie gefällt es Ihrer Frau Gemahlin hier?" fragte Kornelie endlich sehr höflich. Und Richard wußte wieder nichts zu sagen, als sein blod- sinniges:„Ich danke, gnädiges Fräulein!" Er fühlte aber selber, daß er etwas hinzufügen müsse. Und so sagte er, schon halb auf der Flucht:„Sie wird sich bald einleben, hoffe ich." „O gewiß," lächelte Kornelie verbindlich.„Es ist ja so hübsch bei uns. Darf ich um eine Empfehlung bitten?" Richard verneigte sich, wie befreit aufatmend, als die beiden Frauengestalten verschwunden waren. .(Zortsehung folgt.) Zonntagsplaiiäere?» Au Z den Diktaten des Meinnngschef s.*) Die Absicht der Boerengenerale. nach Berlin zu kommen, bestärkt die leuenden Kreise nur in der imgünstigen Meinung, die unterrichtete Männer entgegen den Phantasien einer unüaren und un- wissenden Boerenschwärmerei langst über dieses sogenannte Volk und ihre sogenannte Helden gehabt haben. Habsucht, Beschränktheit, Feig- heit, Fntrigantcnuun und vor allem eine empörende llndankbarkeit keimzeichnet das Boll, das eigentlich nur als eine Horoe von Frei- Kentern aufzufassen ist. In militärischen Kreisen ist man längst über die Fabel vom Boerrnkrieg zur Tagesordnung übergegangen. Es handelte sich in Wahrheit nicht um einen Krieg, geschweige denn einen Volkskrieg, sondern un« einen dauernden organisierten Zustand der Räuberei und der meuchlerischen lieberfälle, lvodnrch allerdings dem tapferen englischen Heere, das berufen war,£rd- nung, Christentum und Kultur nach Transvaal zu tragen, lange Zeit hindurch das Leben schwer und das Sterben leicht gemacht wurde. Wenn unter solchen Ilmständen und angesichts dieser imzweifel- hasten Tbatsachen die Räuber und Mörder jetzt nach Berlin kommen, um, nachdem ihr Aufstand mißglückt, die öffentliche Wohlthätigkeit in Anspruch zn nehmen, so ist das eine Dreistigkeit, die gebührend zurückgeivicsen werden muß. Seit wann haben Verbrecher, denen die Vollendung des Berbrcchcllä tnWlMt ist, dncu Wpruch auf Schadensersatz? Außerdem aber ist der offensichtliche Zweck dieser taltloscn Reise der, Mißtrauen und Zioicttncht zwischen uns und dem bereits seit dem Jahre 1897 so iuiiin befreniideten England zu säen. Das ist nicht zn dulden und diese Jntrigncn sind zu durchkreuzen: man wird den Generalen schon an der Grenze den Rat geben, deutschen Boden zu meiden. Die lange irregeleitete Ocffentlichkeit aber erkennt nun endlich das innerste Wesen des BoerentumS. Das also ist der Dank, so steht man jetzt ein, für die unsägliche Liebe und Teilnahme, die man den Leuten verschwenderisch dargeboten hat I Die Verblendung der Boereimarren geht so weit, daß hier und da allen Ernstes die Forderung erhoben wird. Seine Majestät der Kaiser solle die Generale in Audienz cinpfangen. Die Thüre Seiner Majestät wird niemals den treulosen Feinde» Englands sich öffnen. Die Krüger, Leyds, Bolha, De Wct— und wie sie alle heißen mögen— werden vergeblich bitten, wenn sie eS wagen sollten, das Ansinnen einer Audienz zu stellen. Es ist bedauerlich, daß die Anregung unsrer Bocrcnphantasien bereits in der angesehenen Presse Englands Aeußerimgen bervor- gernfcn hat, welche die Loyalität und Aufrichtigkeit unsrer Politik in Zweifel ziehen. Wir begreifen den Unmut der hervorragenden englischen Organe, aber»vir möchten ihnen doch auf das bündigste versicher», daß die in Frage kommenden deutschen Blätter nicht die mindeste Achtung und Beachtung genießen, und daß niemand die Ausbrüche ihrer Bocrcnmanic ernst nimmt. Es Wäre dringend zn wünschen, daß die gesainte anständige deutsche Presse gegen solchen Mißbrauch der Preßsreiheit, wie er in einzelnen Organen sein imheil- volles Wesen treibt, Widerspruch erbeb:, ein Mißbrauch, der die feinen Fäden unsrer auswärtigen Politik in Unordnung bringt. nnsre Beziehungen zu England vergiftet und den Weltsticdcn bedroht. Wie wir übrigens hören, wird man die Boerengenerale, sollten sie es wagen, nach Deutschland oder gar nach Berlin zn kommen. unverzüglich als lästige Ausländer ausweisen, linste Geduld hat auch einmal eiu Ende. «» » Ein rheinisches Blatt bringt die Meldung, daß Seine Majestät der Kaiser die Generale zn sich eingeladen hat. Au dieser plumpen Tatnrcnnachricht ist nur so viel wahr, daß die Generale einen natürlich mißlungenen Versuch gemacht haben,, zum Ohr Seiner iKajcsiät vorzudringen. •> Wie wir schon neulich andeuteten und wie wir jetzt ans sicherster Onelle bestätigen können. Wird der Kaiser in Berlin die Boeren- generale empsaugen. Der hochherzige Entschluß Seiner Majestät wird in der ganzen Welt Anerkennung und Bewunderung finden. Es war lange der Wunsch des Kaisers, die tapferen Helden, die durch ihren Mut, ihre Zähigkeit, ihre Frcihcitsliebe und die staimcns- Ivette Genialität ihrer Kriegsführung seine tiefste Teilnahme und *) Es ist bekannt, daß die unabhängige bürgerliche Presse in allen Fragen der auswärtigen Politik nur ihre selbständigen Uebcrzeugmigcn äpßett. Um diese Selbständigkeit zu wahren und damit ja nickt cimnal ein tückischer Zufall eine verdächtige Uebcrein- srinmnmg zwischen ihren Ansichten und denen des MeimmgSchefs des amtlichen Preßvureaus herbeinihrt, gebrauchen die Blätter die Vor- ficht, zweimal täglich sich persönlich nach dem geistig m Befinden des Meinungschefs zu erkundigen. Danach läßt sich dann die eigne Selbständigkeit um so schärfer und schroffer demonsrttcren.— Die obigen Ausführungen sind den Bulletins entnommen, die man int Preßbureau lediglich zum eignen Vergnügen diktiett. Zwischen den einzelnen Abschiiitten ist eine Pause von ein bis drei Tagen zu denken. Das Ganze wirkt wie die erschütternde Tragödie der Un» dankbarlcit. Joe. fein Hoves Interesse erregt haben, kennen zu lernen. lind so hat der M'crifcr, als die Generale u,m ihren Wunsch unterbreiteten, ihm in der liebenswürdigsten Weise Erfüllung zugesagt. Es ist zu hoffen, dag auch das deutsche Volk, insonderheit Berlin, dem Beispiel des kaiserlichen Herrn folgen und die Generate mit allen Ehren empfangen wird. Es ist in» Plan, bei der Berliner Stadwerwaltung die Ausschmückung des Brandenburger ThoreS anzuregei». Man denkt daran, die Säulen in den National- färben Transvaals zu übcnnalen. »» Einzelne englische Blätter überbieten sich in pöbelhastei» An- griffen und Beschimpfungen Deutschlands, weil die heldcimrütigen Bocrengenerale in Berlin einen würdigen nud jubelnden Empfang finden werden. Wir bestreiten den» aufgeregten englischen Vetter das Recht, sich in unsre inneren Angelegenheiten zu mischen. Deutsch- land kann empfangen, wen eS will. Wir lassen uns keine Vorschriften von einem Volle inachen, das ja allerdings allen Anlas; haben mag, den Generalen zu zürnen, weil es diesen paar Männern gelang, das mächtige britische Weltreich an den Rand des Abgrunds zu drängen. Wir sind Herren im eignen Hause. Wir hätten umsonst die deutsche Einheit mit Blut und Eisen geschmiedet, umsonst in drei grossen Kriegen gesiegt, umsonst rauschte der Hohenzollcrn-Aar über upsrem Lande, � wenn wir uns den Launen und Befehlen der engli- scheu Zeitungsschreiber fügen sollten. Wir möchten diesen ehrcn- wcrlcn Leillcn dringclld cmpfthicn, Wenn sis an Zahnschmerzen leiden, sich die Gistzähne ausziehen zu lassen. s» Die Ausschreitungen gewisser deutscher Blätter haben leider »vicdcr dazu geführt,_ das; die öffciuliche Meinung England sich in ziemlich erregter Weise über den bevorstehenden Enipfang der Boeren- generale auslässt. _ Um die offenbar jenseits dcS Kanals herrschenden Missverständ- »lisse zu beseitigen, sei auf Grund erstklassiger Information zur ciidgültigcu Aufklärung deS klaren und einfachen Sachverhalts das ss-olgcndc festgestellt: Seine Majestät der Kaiser empfängt selbstverständlich die Generale nicht in ihrer früheren Eigenschaft als Kriegsführer eines England verfeindeten Volkes, sonder» u» ihrem neuen Charatier als treue Untcrthanen Seiner Majestät des Königs Eduard VII. Es iväre eine unverzeihliche Uuhöflichleit, wem» mau sich deutscherseits weigern Iviirde, Uutcrthancn des so intim besreundetea Herrschers zu eiirpfaiigen. Um auch die lcsste Spur eiueS möglichen Mistverständnisses anSznschliessc», ist Vorsorge getroffen, dass die Generale nur dann Zutritt erhalten, wenn sie ausdrücklich von ihrem Könige die Er- laubnis nachsuchen und erwirken, dass ihr Besuch am Berliner Hofe genehm und erwünscht sei. Angesichts dieser im'weidnitigcn Thassachen wird niemand mehr zu bezweifeln ivagcn, dass die Audienz nichts ist wie eine feinsinmge Huldigung für den glänzenden Sieg Englands, gewiffermassen die letzte feierliche Besiegelnng der so erfolgreich herbeigeführten neuen Vergrößerung der eugl-scheu Macht. * Gegenüber der nicht enden wollenden Beunrnhigiong der öffcut- lichcn Meinung in England wiederholen wir nochmals»msre Er- klärung, dass, wie längst bekannt ist, niemals daran gedacht worden ist, die Bverengenerale in Berlin zu entpfangeu, ja. dass ihnen die Audienz ausdrücklich pcriocigcrt worden ist. Was an den umlaufenden Gerüchten wahr ist, besteht lediglich in dem winzigen Ken»,' dass Seine Majestät die Bocrcngencralc auffordern ließ, ihn zu besuchen. Anfangs waren die Bverengenerale auch geneigt, der Einladmig Folge zu leisten. Dann aber lehnten sie ab. Somit ist der Plan gescheitert. Wir wiederholen: Bon einer Audienz war und konnte niemals, in keinem Augenblick, die Rede sein. Alle etwaigen Aspirationen der Bocrcngencralc mustten mit Rücksicht auf unser so umigeS Verhältnis zu England zurückgewiesen werden. » SS Das unerhörte Beiichn»ci» der Boerengcnerale, die das überaus edle Anerbieten des deutschen Kaisers so brutal, ja geradezu taktlos zurückwiesen, hat in allen nationalciripfindenden Kreisen einen ein- zigen Auffchrci der Empörung hervorgerufen. Selbst die alldeutschen Schwärmer haben jetzt eingesehen, dass gegenüber einem solchen Ueüennass frevelhafter Undankbarkeit nur ein Mittel gcvoten ist: kalte Verachtung. Wir können nur wiederholen, was wir vor vierzehn Tagen so zutreffend schrieben:„Die lange irregeleitete Leffentlichkeit erkennt nun endlich das innerste Wesen des Boeren- tums. Das also ist der Dank, so sieht man jetzt ein, für die»n- säglichc Liebe und Tcilnahinc, die man den Leuten verschwenderisch dargeboten hat!" Wahrlich, dies Volk ist nicht wert, den Ehrennamen englischer Untcrthanen zu tragen. Nachbemerkung. Soeben erfahre ich, dass der Geheim- sekretär. dem Herr Hamann die obigen überzeugten und über- zeugenden lichtvollen Darlegungen diktiert hat, wegen geistiger Ueberanstrengung eine Heilanstalt aufsuchen mußte. Der bcdauerns- werte Mensch bildet sich ein, dreißig offiziöse Zeittuigsschreiber ver- schluckt zu haben.—'.Joe. Kleines feirilleton. tff. Der Schandfleck. Er war in jener Stimmung, wo mm» mn liebsten die ganze Welt umarmt. Immer drei Stufen auf einmal sprang er die Treppe hinauf. Dabei pfiff er laut und lustig vor sich hin, er pfiff noch, als er auf dem Korridor stand und Joppe und Hut au den Ständer hing. „Aber Otto," sagte die große Schwester, die geöffnet hatte. „man pfeift doch nicht durch das Haus, Ivas ist denn das für ein pöbelhaftes Betragen." „Ra, Hab' Dich man«ich wejcn pöbelhaft, der Meester hat mich mächtig jelobt, da werd' ich woll noch vcrjnügt sein können." „Das lernt er in der Werkstatt," höhnte der Gymnasiast, der auch mit auf den Korridor gekommen ivar. ..Assel" „Otto, sei doch nicht so ordinär, das ist ja schrecklich mit Dir. Du kannst übrigens gleich nach der Berliner Stube gehen, ich Hab' Dir Dein Abendbrot zurechtgestellt." „Aber Ihr sitzt ja vorn?" Der junge Mann sah nach den Zimmern rccüts, aus denen ein Lichtschein drang. „Onkel Fritz ist da," sagte Luise, Du brauchst aber nicht erst rein zu kommen, wir haben ihm schon gesagt, daß Du immer müde aus dem Geschäft kommst und Dich gleich schlafen legst." „Zch bin Ml gNl nicht müde. Otflcl Fritz ist dal Hurrat Nee, da muß ich erst guten Tag sagen." Er stürmte den Korridor entlang. In der guten Stube saß die Familie zufammen�iiiid plauderte. Als iCtto die Thüte aufrlss, entstand ei» verlegenes tt-chtueigeii. Er schien es aber nicht zu bemerken, cr stürmte gerade auf den Gast zu und hielt ihm die Hand hin: „Hurra, Onkcl Fritze, lauge uich jesehnl Und denn denken sc ich wer' schlafen geh», wenn Du da bist." Der alte Herr auf dem Sofa nahm des Neffen Hand, es lag aber nichts Herzliches in seiner Stimme:„So, das ist Otto? Groß und stämmig bist Tu geworden!" „Das macht de Arbccr, Lnkell" Otto schwenkte die Arme wie im Vollgefühl seiner Jugendkraft.„Was denkst'», Onkcl, die schweren Bretter heben und sägen und hobeln... aber heul hat der Meester mich jelobt und jcsagt, ich werd' mal'n düchtigcr Tischler." „Otto, wie sprichst Tu denn," mahnte die Mutter,„Meester und düchtig... Tu bist hier nicht beim Pöbel." „Das lernt er in der Werkstatt," sagte der Vater; cr sagte es niit demselben höhnischen Tonsall, mit dem vorhin der Gymnasiast gesprochen. „Tischler wirst Du also?" fragte der Onkel.„Aber Karl bleibt doch beim Jus?" „Ter tbuts nicht untern» Rechtsanwalt," sagte der Vater stolz. «Ja unser Karl ist strebsam." «Strebsam sind die Benekens sonst alle," meinte Oulel Frit- etwas spitzig. „Ich will auch ein tüchtiger Mees— Meister werden," sagt- Otto. ES antwortete ihm aber niemand. Er sah von einem zum andern; ein Schatten flog über sein Gesicht. Er ging langsam nach der Thür:„Ja denn wer' ich nu doch man erst essen und schlafen geh», gute Nacht." Es hielt ihn keiner. Eine lange Pause. Dam» räusperte sich Onkel Fritz:„Hm, ja... aber sagt mal, locnn cr auch sonst nicht begabt ist, aber gerade Tischler, es isl doch eigentlich so gut wie Arbeiter, mußr' cr denn gerade Tischler werden?" „Es war doch das. ivozu cr Talent und Lust hat. Und außer- dem wird er Kunsttischler." Die Mutter suchte zu begütigen, aber der Vater lachte grimmig auf:„Nee, sag' man: Tischler. Wir sind ja unter uns. lind das muß mein Sohn seinl" Er schlug mit der Faust auf den Tisck'.„Zum Lernen zu dumm, bloß zum Handwerk nicht. Und fühlt sich auch noch wohl dabei. Muß man sich nicht schämen, solchen Sohn zu haben?"— ck. Eil» Schauerroman. Zu all den schönen Dingen, über deren Verschwinden zu llagcn heutzutage Mode geworden ist, gehört auch der Schauerroman. Tas stellt der untrügliche E r n e st B l n in in seinem letzte»„Journal d'un Vaudcvilliste" webmütig fest, wenn cr sich auch damit tröstet, daß er eines Tages ii» seinem Glänze wieder auferstehen wird. Und dann erzählte cr eine eigene Erfahrring auf diesem Gebiete:„Ich habe ein Geständnis zu macheu. Es ist lange mein geheimer Ehrgeiz gewesen, der Verfasser einer dieser endlosen Romane zu werden, die so viele Geschlechter unlerhalten haben. Zu der Zeit, als ich mir Ponson du Tcrrail, dem Meister auf diesen» Gebiet, verkehrte, kam mir eines Morgens der Gedanke, ihm Kon- kurrcnz zu machen. Ich überlegte also einen Plan, und als ich ihn genügend cnlwickelt zu haben glaubte, suchte ich Ponson du Terrail auf, um ihn um seinen Rat zu bitten. Er hörte mich mit väterlichem Wohlwollen an und sagte:„Wieviel Feuilletons wollen Sie denn daraus machen?"„Wenigstens hundert."„Ich sehe aber nur eins.'" „Ohol"„Um hundert Feuilletons zu machen, dazu gehört mehr Phantasie, als Sie zu haben scheinen, besonders darf mau kein Sujet haben."„Ach!"„Oder ein sehr einfaches, das nicht stört; ick; werda Ihnen eins geben, au» dem sie bequem 30 EEl) Zeilen schindca Bnnen. Es ist eine beschichte, die ich gestern in meinem Hause erlebt habe. Der Wirr ist gekommen, um seine Mieten selbst ein- zuziehen, und hat auch einen ganz oben wohnenden liebenswürdigen Bobemien besucht', dieser ist ein schlechter Zahler, hat auch nicht be- zahlt, und der Wirr ist fluchend ohne Geld davon gegangen. Beim Heruntergehen hat er einen Fehltritt gethan, ist zwei oder drei Treppen heruntergepurzelt und natürlich auf seine Beine gefallen— da ist esl"„Das ist alles?"„Ja!"„Und daraus kann ich LS 000 Zeilen schinden?"„Vollkommen. Zunächst stirbt der Wirt an seinem Fall, und man klagt natürlich den Bohemien an, ihn ab- fichtlich die Treppe Hinuntergestosten zu haben. Im Laufe der Unter- suchung stellt sich heraus, dast er ein uneheliches Kind ist, aber wessen? Man sucht, die Witwe des Wirtes sucht auch und entdeckt aus den Papieren des Verschiedenen, dast der unschuldige Bohemien— denn natürlich ist er unschuldig— ein uneheliches Kind des Wirtes ist. »Unglücklicher, Du hast Deinen Vater ermordet," ruft sie ihm in seinem Gefängnis zu.„Das ist schon sehr interessant."„Bestürzung des Bohemien, der sich vergeblich zu verteidigen sucht', er war mit einem jungen Mädchen verlobt, die an seine Schuld nicht glauben kann; sie widmet sich der Ehrenrettung des jungen Mannes, dessen Frau sie werden sollte! Vor allein gilt es den Schuldigen zu finden, denn es ist einer dal"„Das Geländer der Treppe."„Nein, em andrer Mieter, der den Wirt seiner Mieten berauben wollte, ihn mit einem Messerstich traf, dann plünderte und ihn die Treppe hinunterrollen lieh, damit man an einen Todessturz glauben sollte!"„Das ist sehr geschickt ersonnen."„Wie soll man nur ahnen, dast dieser Mieter der Mörder ist? Er gilt für reich, bat eine glänzende Stellung: bei der nächsten Wahl wird er vielleicht Abgeordneter."„Er auch?"„Das junge Mädchen verliert den Mut nicht; allein, als Mann verkleidet, durcheilt sie die gewöhnlichsten Pariser Spelunken, wo sie den wahren Mörder zu entdecken hofft. Eines Tages bleibt sie bestürzt vor einem Wesen stehen, das eine Bande Misscthäter befehligt. Dieses Wesen ist der Mieter und Mörder, der reiche Nachbar ihres armen Bräutigams."„Das ist ein derber Theatcrcoup."„Sie hier," sagt sie.„Sie kennen mich?" fragt der zntünftige Abgeordnete.„Ja, ich kenne Sie."„Dann beklage ich Sie, dast Sic mich erkannt haben," sagt der Mörder. Und dabei giebt er seinen Gefährten ein Zeichen, sie bemächtigen sich des jungen Mädchens, öffnen eine Fallthür und befördern die unglückliche Braut in einen Keller, wo sie so viele Zeilen, wie Sie wollen, bleibt."„10 000 Zeilen!"„Das ist über- trieben, aber es kann schliehlich lange dauern." Zuerst wird sie fast Hungers sterben."„Und eS wird Ratten geben: das giebt Zeilen, viele Ratten."„Sie wird zu enttveichen suchen, aber ihre Kräfte und ihre Nägel dabei verbrauchen. Die Person, die sie endlich retten wird, ist die Witwe des Wirtes. Diese sammelt nämlich gern Grund- stücke, wird auch eines Tages dieses Grundstück kaufen und bei der Besichtigung das lebte Stöhnen des armen Mädchens hören! Man wird die Thür einstosten, und die Wirtin wird in ihr, die sie glücklich befreit, ihre eigne Tochter, ihr uneheliches Kind erkennen!"„Das sind dann schon zwei."„In einem Schauerroman kann es niemals zu viel uneheliche Kinder geben! Nun ordnet sich natürlich alles; der Verräter wird bestraft, der Unschuldige befreit, die Liebenden heiraten sich und erben alle Grundstücke der Wirtin."„Das ist wunderbar." „Und nun brauchen Sic sich nur noch an die Arbeit zu machen,' sagte du Terrail lachend. Ich habe es gethan, aber nach dem ersten Feuilleton glaubte ich, in allen Ereignissen den Stoff zu einer Operette zu sehen, die ich Gott sei Dank ebensowenig wie den Roman beendet habe. Ich glaube nur, daß die Operette Ivahrscheinlicher erschienen wäre— wegen der Musik."— Hygienisches. ie. Alkoholschwangere Luft. ES ist kaum Zweifel- Haft, dast die Luft in Destillationen, Wein- und Spritkellern sowie auch in Trinkstuben zu Zeiten erhebliche Mengen von Alkohol ent- halten must, und es ensreht daraus die Frage, ob der Aufenthalt in solchen Räumen in dieser Hinsicht gesundheitsschädlich werden kann. Wo Wein oder Sprit aufbewahrt wird, macht sich stets eine Art von alkoholischem Geruch bemerkbar, und dieser Umstand beweist schon ohne eine Bestätigung durch chemische Analyse, dast die Luft die flüchtigen Bestandteile aus den Spirituosen aufnitmnt. ES fehlt auch nicht an Beobachtungen über die Wirkungen einer derart mit Alkohol geschwängerten Atmosphäre. Ein Gang durch die ungeheuren Keller der Londoner Docks, wo Spirituosen in Tausenden von Fässern auf- gespeichert find, bringt zunächst einen auffallenden und nicht unangenehm erregenden Einflust auf das Befinden mit sich, dem aber Müdig- keit, Kopfschmerz und Uebelbefinden folgen. Ebenso ergeht es einem Fremden beim ersten Besuch der grostcn Sherry-Bodegas in Süd- Spanien. Zunächst stellt sich auch dorr ein gewisses Gefühl der Erheiterung ein. begleitet von einer Beschleunigung des Pulses, danach eine Art von Betäubring, ein Gefühl der Schlväche und Kopfweh. Die Luft in den grasten Lagereien in der Gegend von Cognac macht manchen geradezu krank. Ilm der Art der Luf.'oergiftung auf den Grund zu gehen, must man bedenken, dast die flüchtigsten Bestand- teile der Spirituosen, wie Aether und überhaupt die am meisten be- täubenden„Geister" zunächst in die Luft übergehen müssen._ Daher ist es erklärlich, dast die Einatmung der Luft in Lagcreien von Sherry schwerere Folgen hat, als bei Gegenwart anderer Spiri- tuose», denn Sherry ist ein Wein von höchstem Aethergehalt. Eine Frage von besonderer Wichtigkeit ist natürlich, ob der längere Ruf- enthalt in Räumen mit einer derartigen Atmosphäre auch eine nach- Verantwortlicher Redakteur: Earl Leid in Verlin.— haltige Schädigung der Geftmdbeit zur Folge haben kann. Ganz be» stimmte Beobachtungen liegen darüber nicht vor, es ist aber wohl wahrscheinlich, dast eine Verschlechterung des Befindens dadurch ent» stehen kann. Gastwirte und„bar maicks" leiden jedenfalls durch die fortgesetzte Einatmung einer alkoholgeschwängerten Lust, jedoch ist die Beeinträchtigung ihrer Gesundheit von der sonstigen Einwirkung ihrer Umgebung nicht gut zu trennen. Immerhin ist es festgestellt, daß die Lust in einer Destillation nicht weniger als eine Unze von Normal- Weingeist oder eine halbe Unze von absolutem Alkohol in 5 Kubikfust enthalten kann. Diese Menge ist verhältnismäßig so groß, dast der Aufenthalt in einer solchen Atmosphäre von etwa acht Stunden schon zur Einatmung von so viel Alkohol führen must. dast eine Einlvirkung auf das Befinden nicht ausbleiben kann. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dast der Alkohol durch die Lungen sehr schnell Zutritt zum SäftckrciSlauf erhält. Es sollte also dafür gesorgt werden, dast solche Räume besonders gut ventiliert werden.— Humoristisches. — Verwöhnt. Bäuerin(zu ihrem Mann):„Geh', Hias, mach''s Fensler aus, unser Sohn kommt aus der Stadt—- der i S die verfeinert' Lebensweis' g'wöhnt 1"— — Vielseitig. Richter:..... Also ihren Beruf. Zeugin! Was find Sic?" Zeugin:„Im Winter bin i' daheim!" Richter:„Gut. Und im Sonmier?" Zeugin:„Must i' dces sagen?" Richter:„Natürlich— und zwar ganz genau!' Zeugin:„Bei Tag bin i' d'runten bei'ni Bergwirt'S„Echo" und nachts d'roben beim Burgwirt die„weihe Dame"!"— — W a ld l in Verlegenheit.„Meine Herren," Hub der Herr Förster an.„heute must ich Ihnen eine lustige Geschichte er- zählen. Sie handelt aber diesmal nicht von meinem Waldl, sondern vom Waldl des Rechnungsrates Nullerl. den Sie ja alle als Somrtagsjäger kennen.— Also neulich lud mich der Rechnungs- rat fiir den Sonntag zur Hasenjagd ein.... Sie wissen, meine Herren, dast er nie etwas trifft: diesmal aber geschah das Un- erhörte: Nullerl schost— sage und schreibe: schost— einen Hasen! Vor Freude zitternd, befiehlt er seinen, Waldl, den Hasen zu apportteren; Waldl lernst hin, schaut den Hasen an. schaut— von siirchtbaren Zweifeln gequält— seinen Herrn an, schaut m i ch an, packt dam, plötzlich de» Hasen und bringt ihn-- mir!... Das Gesicht des RechnnngSrateS können Sie sich vorstellen. meine Herr'n!"—(„Fliegende Blätter.") Notizen. — Die Halbmonatsschrift„Dokumente der Frauen" ist in dem Verlag von H. Seemanns Na;ch:f. in Leipzig übergegangen; redigiert werden wird das Blatt fortan von Helene Stöcker.— — DaS Schauspielhaus bringt morgen Eduard Tempelteys Tragödie„K l y r ä m n e st r a" neu einstudiert zur Aufführung.— — TaS Werkmannsche Volks st ück„Die Kreuz» wegstürmer" wird gleichzeitig am Berliner Theater und am Wiener Raimund-Theater zur Auf- führung gelangen.— — Richard V o st' s neues Drama„Ein Lebens- i ü n st l e r" erzielte bei der Erstaufführung im Münchener Residenz.-Theater nur einen Achtungserfolg.— — Die Oeffentlichkeit der General-Proben in den Pariser Theatern ist wiederhergestellt worden.— —„DerletzteJona s". eine neue Operette von Rudolf Dellinger. Text von Ascher und Pähl, wird noch in dieser Spielzeit im D r es d e n e r R e s i d e n z- T h e a t e r in Scene gehen.— — Direktor Gabor Steiner ans Wien wird mit seinem Operetten-Ensemble vom 13. Februar bis Mai im Central-Theater gastieren. Er wird einige Neuheiten bringen:„Gräfin Pepi" von Johann Strauß,„Die Elevin" von Pagin u. a.— — Wertvolle Dokumente von der Reise Dar lv ins in den Jahren 1331 bis 1830 sind der Linneschen Gesellschaft von Neu-Südwales zum Geschenk gemacht worden. Die Samnilung ent- hält eine Anzahl von Originalzeichnungen von Covington, dem Be- gleiter Darwins, die Ansichten der verschiedenen von dem großen Naturforscher besuchten Insel» und Plätze lviedergeben, ferner das Tagebuch des Künstlers, das einen genauen Bericht der Reiseerlebnisse liefert. Endlich befinden sich noch dabei zahlreiche Briese Darwins.— Druck und Beclaz: Vorwärts Buchdruckerei und Vsrlngsanstall Paul Singer& Co., Berlin SW