Mnlerhaltungsblatt des Horwärts Nr. 212. Donnerstag, den 30. Oktober. 1902 isi Nachdruck verVoten. Oer(lnkenteicb. Roman von Gertrud Franke-Schievelbein. Vor Lenes Ohren brauste das Blut wie Sturmgeheul. Dann wurde es seltsam still und leer in ihrem jlopf. Weißer Nebel, weißes Nichts. Nur ein dämmernder, sich allmählich losringender Gedanke. ..Siehst Du, siehst Du?" Ein herzzerreißendes Lächeln guckte um ihre weißen �Lippen.„Das Hab' ich ja gleich gesagt. Aber Du— Du wolltest es nicht glauben. Und, siehst Du, wenn ich nun stürbe—" „Dummes Zeug!" brauste er auf. Die Reue hatte ihn schon gepackt. Die alte Liebe regte sich. „Oder," murmelte sie, auf ihr Ziel losgehend wie Winkelried auf den Lanzenwald, den er sich in die Brust drückte,„oder Du würdest auf eine andre Weise— wieder frei." „Lenel" schrie er gequält,„wir beide gehören nun'mal Zusammen! Wir haben das Verbrechen begangen, Leben zu erwecken. Deshalb müssen wir, wie zwei zusammen- geschmiedete Totschläger, bis ans Ende auf unsrer Galeere miteinander aushalten." „Nicht wahr, in der Stadt haben sie eine schlechte Meinung von mir?" fragte sie leise. Er dachte daran, daß sie sie für eine Verworfene hielten. „Das Weib kommt in diesen Dingen immer schlechter fort." sagte er achselzuckend. „Sie machten's vielleicht glimpflicher mit Dir, wenn ich nicht da war," flüsterte sie kaum verständlich. Die Stimme war ibr wie gestorben in der Bnist. „Nun ja, dem Manne verzeiht man eher," rief er un. geduldig.„Aber nun ist's genug. Nun komm' endlich über die Sache fort!" „Gut," sagte sie mit festem, starkem Ton. Sie waren zu Hause und gingen still und arbeitsam nebeneinander hin wie sonst. Richard bereitete sich auf den uächüen Schnltag vor und las in seinen Fachzeitschriften. Lene versorgte Mann und Kind, that die Wirtschaftsarbeit und nähte für den Kleinen ein neues Kittelchen. Alles sah Harm- los, alltäglich und friedlich aus. Die junge Frau schien un- verändert rußig und ernst wie immer. Aber sie selbst kannte sich nicht mehr, sie war sich wie eine Fremde mit ihren neuen, fremden Gedanken. Sie wußte jetzt, was Verzweiflung ist. Es war bei ihr kein wildes, rasendes Aufbegehren, kein Schreien und Toben und Hadern. Das lag nicht in ihrer Natur, die immer Maß und Ziel hielt. Es war die schlimmste Form der Verzweiflung, die klar bewußte, ohne Illusion. ohne den Hoffnungsst'.nken: Tu täuschest Dich, es kann ja noch gut werden. Die Art, die die großen Entschlüsse gebiert, die Kräfte erweckt und reift, von denen man selber keine Ahnung bat, Kräfte, vor denen einem graust, wenn sie aus dunkler Tiefe aufsteigen und Leben gewinnen, und die bebende Seele ausfüllen. Der Gedanke, der ab und zu in Lene aufgetaucht war wie eine Wahnidee, die vor der Rückkehr der Vernunft sich spurlos verflüchtigt, er trat auf einmal als Allesbeherrscher, als Forderung auf, vor der es kein Zurückweichen gab. Er saß in ihrer Seele wie ein Dorn. Bei allem, was sie anfaßte, was sie begann, stach sie sich blutig an ihm. Sie wollte lesen, um ibu auf eine Weile loszuwerden. Aber als sie nun endlich still saß, wurde es schlimmer als zuvor. Und dann kam die Nacht, die stille, schwarze, endlose Nacht. Richard, von der Anstrengung des langen Marsches über- müdet, schlief, kaum daß er in den Kissen lag. Von der gegenüberliegenden Wand tönten seine kräftigen, regelmäßigen Atemzüge. Dicht neben ihrem Bett stand der Wagen des Kleinen. Unhörbar hob und senkte sich die zarte Brust. Sie mußte sich tief zu ihm hinabbeugen: dann streifte sein süßer Hauch ihr Gesicht. Eine feine Wärme stieg von ihm auf, und sie trank die Lebensregungen des geliebten Geschöpfes in sich hinein wie einen Seeleubalsam. Wenn sie das nicht gehabt hätte, sie wäre gestorben in den Qualen dieser Nacht Ganz still, wie abgeschieden, die Hände auf der Brust gefaltet, lang ausgestreckt, daß ihre Füße die Betllvand berührten, lag sie Stunde um Stunde. Es war eine Nacht, die sie nie wieder vergaß in ihrem Leben. Die große That wollte in ihr geboren werden, und sie lag und rang und kämpfte. Und immer wieder versagte ihr die Kraft dazu, und immer aufs neue begannen Kämpfe und Schmerzen, bei denen ihr die Seele aus den Fugen geheil wollte. Aber einmal mußte es doch geschehen. So ging es ja nicht weiter mit ihnen. Sie sah es klar und deutlich: er verwand die Schande einer Abstrafung nie. Auch ihr würde er es nie verzeihen, daß sie die Ursache seiner Pönitenz geworden war. Das lag in seiner Natur. Jetzt schon— da noch nichts entschieden war und er sich oft.übermenschlichen Zwang anthat, sie nicht ent- gelten zu lassen, was ihm da draußen im großen Unkenteich geschah—, schon jetzt lebte er neben ihr in stummem Groll, in unbewußter Feindseligkeit. Wie sollte das erst werden, wenn das Schlinime kam, das er so qualvoll gespannt erwartete? Und wenn dann die Not käme, wenn sie brotlos würden und er mit Lohnarbeit sie alle erhalten sollte? Er— ein solcher Mensch! Er, der ganz gewiß ein Reformator geworden wäre in seinem Fach� einer von den großen Menschheitslehrern. Nein, eS mußte sein. Sie durfte ihm keine Fessel werden. Alles wurde gut, nahm für ihn ein besseres Gesicht an, wenn sie aus seinem Leben verschwände. Ja, vielleicht— und das leuchtete auf einmal in ihr auf wie eine Feuers- brunst, so daß sie emvorfuhr und kerzengerade, mit klopfendem Herzen im Bette saß—, vielleicht fiel das Urteil günstiger aus, vielleicht nahmen sie ihn zu Gnaden auf, wenn er sie incht länger als Ballast mitschleppte. Mit klappernden Zähnen, zitternd vor Frost, saß sie im dünnen Nachthemd aufrecht in der kalten Kammer. Sie merkte es gar nicht, daß sie fror, über dem inneren Frieren, dem kalten, starren Entsetzen, das ihr durchs Herz kroch. Immer gewisser wußte sie, was sie zu thun habe. Immer näher rückte ihr der furchtbare Entschluß. Sie horchte auf ihn. Es schien ihr fast Wahnsinn, ihn ernsthaft zu bedenken. Wer ihr das hente früh gesagt hätte, daß sie dazu fähig sei, den hätte sie ausgelacht. Aber wie sie's auch bedachte, wie sie ihre Lage angriff—, alles übrige blieb verworren, unausführbar, ein Chaos von Kämpfen, Sorgen, Bitternissen. Dies einzige brachte Klar- veit, Lösung aller Wirren. Und immer wieder kam sie zu ihm zurück. Sie fand schon zu leben für sich und das Kind. Wer so lange auf eignen Füßen gestanden hat wie sie, dem ist nicht bange, wo er sein bißchen Brot findet. Die alten Bodcnsteins, das wußte sie, würden sie mit offenen Armen aufnehmen. Und wenn die einmal nicht mehr waren, so fand sich Rat. Und Richard war dann frei. Seine Uebereilung, seine kurze, thörichte Ehe würde bald genug vergessen werden. Sein Leben, das jetzt so verpftischt und verfahren vor ihm lag, wurde vielleicht wieder eben und glatt und erfolgreich. Tann dachte er ihrer freundlich, als einer Toten, die zur rechten Zeit Platz gemacht hatte. Er blieb ihr dankbar. Die schönen Jahre ihre Liebe blieben doch das Beste in seinem Leben! Und als sie das dachte, sich dazu durchgerungen hatte, da war's ihr. als müsse ihr das Herz brechen, als müsse sie laut hinausschreien. Und ob sie auch die beideu Fäuste auf ihre Lippen preßte, ein lauter, röchelnder Wchelaut stieg ihr doch aus der Brust. Richard ermunterte sich halb. Er murmelte undeutlich etwas in den Bart. Dann warf er sich auf die andre Seite und schlief bald wieder. Aber es war ein unruhiges, träum- reiches Schlafen. Sie hörte ihn seufzen und flüstern, und einmal stöhnte er tief und angstvoll, als presse ihm ein Alp- druck die Brust zusammen. Da zündete sie leise die kleine Nachtlampe an. Sie sehnte sich unsinnig nach seinem Anblick. Leise erhob sie sich, schlich auf bloßen Füßen zu seinem Bett und, das Lämpchen mit der Hand beschattend, stand sie zitternd vor ihm und trank jeden seiner Züge wie ein Verschmachtender in sich hinein. f ö f! ft eS nicht! Ach kmm es nicht!" sagte sie tonlos bor sich lzin.„So nicht! Nein! Das ist ja nicht menschen- möglich!" Und dann sah sie die fahle Blässe seines Gesichts, die dunklen Brauen, wie im Schmerz zusanunengezogcn, da» zer- wühlte, tief in die Stirn hängende Haar. Was war ans diesem blühenden, ledenstrohenden Menschen geworden in den wenigen Monaten ihrer Ehe! Und ans einmal wurde es ganz still in ihr. Jetzt war sie mit sich im reinen. Ter graste Entschlust war gereift, und mit ihn: suhlte sie ihre 5i rüste wachsen. Nun gab es reinen Ztveifel mehr in ihr, kein Schwanken, kein Zaudern. Sie würde es thun, so sicher, wie sie ihn liebte! Und leise fiel sie in die Kniee und berührte seine auf der Bettdecke liegende Hand mit ihren Lippen. Dann warf sie noch einen Blick auf. das ruhig schlummernde Kind.„Dich behalt' ich ja," flüsterte sie.„Das ist genug. Damit läßt sich's schon im Leben auskommen." Sie kroch ins Bett, löschte das Licht und zog die Decke über sich. Ihr war's zumute, wie in der Nacht, nachdem ihr Bater nach schwerem Leiden gestorben war. Ihm ist nun wohl, hatte sie gedacht. Und ob eS m i r weh thnt, was kommt's darauf an? Die schweren Augen sanken ihr zu, ihre Gedanken ver- wirrten sich. Ter Erlöser Schlaf stahl sich in ihre Seele. ♦ Und auch am nächsten Tage war's ihr, als wenn ein lieber Toter im Haus stände. Ein Schmerz, der ihr das Herz zerfraß, der bei allem. was sie in die Hand nahm, bei jedem Gedanken an den Ver- lorenen neu hervorbrechen wollte. Und immer die Sehnsucht: Ach. wär' doch alles ein böser Traum! Könntest Du er- wachen und alles wie sonst finden! Tie Erinnerung � an wonnige, warme Stunden, unausgenutztc, ohne Bewußtsein gelebte Stunden! O, was hätte sie ihm alles zuliebe thun wollen, wenn sie geahnt hätte, wie bald schon— Und über allem das starre: Unabänderlich! Füge Dich! Trag's! Als sie beim Morgenkaffee einander gegenübersaßen— die Lampe brannte, das Ferwr knisterte im Ofen, aber es lag noch frostige Kühle im Zimnrer—, da kam ihr plötzlich der Gedanke: wer wird's ihm warin und behaglich machen, wenn Dn fortgehst? Wer wird ihm seinen Kaffee einschenken, all die kleinen Handreichungen machen, an die er gewöhnt ist? Es schien ihr unmöglich, daß sie diese kleinen Frauen- Pflichten nicht mehr erfüllte. Wenn sie als seine Magd hätte bei ihm bleiben können! Eine solche Bewegung ging über ihr Gesicht, daß er sie erstaunt ansah.„Was hast Du?" Sie schüttelte den Kopf.„Nichts." Er vertiefte sich wieder in sein Buch. Nein, das mußte denn auch noch sein. Er war ja doch so lange allein fertig geworden. Und einer, der sich aus Lebensgefahr reitet, achtet der ein Paar Schrunden, Schinerzen, gebrochene Glieder? Sie sah ihn an mit hungrigen Augen. Ihr schien er der höchste, vollkommenste, der einzige Mensch. Sein Gesicht, das viele unschön fai'.den, das dicke Haar über der breiten, niedrigen Stirn, die Leidenslinie, die sich von den Nasenflügeln zu den Mundwinkeln tiefgekerbt herabzog, jede seiner energischen, ruckweiscn Bewegungen waren für sie untrennbare, teure Einzelheiten einer geliebten Persönlichkeit. Seine frauenzarten Hände, in denen doch so ' viel Charaktcrkraft und Geist steckte, hätte sie an ihre Brust drücken, mit Küssen bedecken mögen. Und dann ging er. Sie hing ihm den Mantel um, brachte ihm den Hut: sie reichte ihm die Hand, die er flüchtig drückte. Und nun war sie allein. Mit fieberhafter Hast ging sie ans Werk. Sie schrieb an Frau von Bodenstein, daß sie in einigen Tagen käme mit den» Kinde, und einen Koffer mit Wäsche und Kleidungsstücke!! voraussenden werde. Dies schien ihr das Richtige. Sie wollte nicht von vorn- herein bei den alten Freunden den Verdacht erwecken, daß sie verstoßen oder geflohen sei. Sie wußte, daß sie dort jederzeit ihren alten Platz einnehmen könne. Später war dann noch Zeit genug, alles zu erzählen. Darauf begann sie einzupacken. Ihre bescheidene üleidung und die des Kindes. Das für die Fahrt Nötige tbat sie in ein Handkösserchen, nin alles bereit zu haben. Mit »inem so jungen Kinds zu reisen, im Winter,, war keine leichte Aufgabe. Dann schncb sie eine Karle an h'en Spediteur, der ihre Sachen herausoesyrdert hatte in den Reul�daß am Nachmittag der Koffer abgeholt würde. i In der Eile hatte sie den Reis anbrennen lassen. Richard, der ausgehungert nach Hanse kam und heftig über die Speisen herfallen wollte, schob den Teller nach dem ersten Bissen von sich. (Forischu.ig stlat.), „feuersnot." Ein heller Sonnenschein in der traurigen Dämmerung unsrer Konzerte und Theatermustken rhut«et; und daß mit vor-zcsrern (Dienstag) im Q p e� n h a u s einen solchen hatten, dafür sei dein Meister R i ch a rch Str ans; Dank ciud Ehre gebracht, seine Musik zu dem„Einggcdicht" in einem Akt:»Feuersnot" ist die Leistung eines, der so viel kann, lme lange keiner vor und neben ihm. und der etwas kann, das bisher kaum noch einer übcrhauvt gekonnt hat. Die Singdichtung selber, angeregt und ivohl auch revidiert von dein.Komponisten, im übrigen ein Werk des vielsiichenden Er» st von W o l z o g e n, giebt uns endlich einmal ein ordentliches Opernpoem, nicht ohne einiges Forcierte und weitaus nicht zur vollen Größe cinporgereifr, dorn ein individuell dichterisches Werk, das man nicht so leicht mit den üolichen Texten und Textchen verlvechsctn wird. Im ältesten München, am Sonnwcudkage, gerät die holz- sammelnde Kinderschar auch an das Haus eines geheimnisvollen Jüngling?, Kunrad der Ebner genannt. Wie er aus seinen Träumen heraus unter die Menge tritt und, ein neues Leben spürend, sein HauS den Holzsuchern überläßt, rühren sich sein Herz und das von Diemut, der Lütge rmeisterSlochter; er rauht ihr öffentlich einen Kuß. Rache: Diemut läßt ihn in cincin Fichiorb bis nahe an sich hinauf- kommen und dann in der Mitte vor ihrem Httgs schmachten. Eine niederländisch« Tage, die dieser Dichtung, doch ohne das Milieu jenes Festes, das Vorbild gegeben, berichtet nun, daß der Jüngling herad- geholt wird und sich zu einem Zauberer flüchtet. Der macht alles Licht in der Stadt verlöschen und giebt es erst wieder, als auf seil« Geheiß die Jungfrau sich vor der Bürgerschaft ausgekleidet Hai und an einer aus ihrem Rücken schießenden Flamme die Lichter wieder anzünden läßt. Nnsre Dichtung verzichtete auf die Wirkung und den Sinn dieses Ausganges, zog aber das epische Vorbild dramatisch straffer zusammen: Kunrad verfinstert von dem Korb aus die Stadt. und erst Dicmuts hingebende Liebe entzündet wieder die Lichter. Von dem Zauberer ist nur so viel geblieben, daß Kunrad aus der Höhe herab erzählt, er habe die Finsternis cherausbeschworcn zur Strafe für das Vorgehen der Stadl gegen seinen Vorgänger Meister ReichHart— alias Richard Wagner, dessen Münchencr Schicksale hier gemeint sind. Dicmuts Sinucswandlung geschieht durch Kunrads Sm:g, der in den Worten gipfelt: »All Wärme quillt vom Weibe, All Licht von Liebe star.unt— Aus heiß-jung-fraulichem Leibe Einzig das Feuer euch neu erflammt." Soweit ist der Text wirklich drainarisch geworden. Den tiefen Zug einer ungewöhnlichen Demütigung hat er allerdings aufgegeben, wahrscheinlich nur aus technischen Tricot-Griindrir; daß ein schon vorher zwischen Ja und Nein schlvanlcndes Mädchen schließlich doch zngi-eist, ist nicht eben eine besondere Pointe. Und daß Kunrad kerne. plastische Persönlichkeit, vielmehr nur ein Spreckimedium ist, sieht man ebenfalls bald. So ist die Dichtung dort am schwächsten, wo sie um der Hauptsache willen am stärksten sein sollte, und entschädigt uuv dafür durch ihre Starten in all dem, was drum und dran hängt. So ist aber auch die Vertonung darauf hingewiesen, groß zu sein in dem ganzen Um und Auf und nicht eben so groß zu sein im innersten Kern. Einfache, elementare Züge, die uns den jungen Zaubcrmeistcr als eine klare, großlinige Natur zeichnen, sind«Nr gerade noch zu konstatieren: die musikalische Zeichnung der Jndi- vidualität DiemtttS kommt über eine hübsch« Romantik wenig hinaus; eine tiefpackei.de, innige Wärme quillt weder da noch dort hervor; und der entscheidende Wendepnnit des Ganzen: die Scistaglrajr jener Vcrspointe iiunrads, ist verhältnismäßig am mattesten ge- raten. Und um diese Kerne des Ganzen herum ist eine Kompositions- kirnst entfaltet, so einzig, daß wir in der ganzen Geschichte der Musik nichts dem Aehnlichcs wissen: die Fähigkeit eines alifs höchste charakterisierenden scharfen Humors. Nicht der weiche warme Humor Haydns und andrer älterer, sondern eine ganz eigne Kraft der satirischen, spöttischen, triumphierenden Lustigkeit I Was da der Kom- ponist au Epoitchören und Eniriistungsgesängen, an Jronisicrungen biederer und unbiederer Philisterhaftigleit leistet; wie er Münchener Bockbierliedcr in das Gestnge der Leine hineinlontrapunltiert; wie er die Neckereien von Diemuts Gespielinnen vertont und dergleichen mehr: das ist so schlechterdings original und überreich, daß lvic Straußens eigentliche Bedeutung ohne weiteres hier entdeckt hätten, tvenn nicht schon in seinen bisherigen Werken all das eulenspiegelige Philisterschlachten sich als sein Eigenartigstes erwiesen hätte. Man bergseich« in dem Lievesdnett die prächtigen Stellen, in denen Diemut spöttisch wird, Uli: iceu vis ans Konvenkionelle streisendm Steslk» ihres CiüMenkoMmens. anl mm wird die spccisische Stärke des Meisters erkannt haben. daZ kompositionStcchnischc Können Sä) ritt für Schritt zu belvnndern gicbt, vor allem in dem Hören der Episode von der Finsternis, bedarf kam» noch einer Erwähnung. Und das; in all dem überwältigend interessanten �Charakterisieren, kurz gesagt, das Herz leer ausgeht; dag der helle Sonnenschein, von dem wir sprachen,»ach einem schtver vermcidbarcn Vergleich leuchtet und glänzt, aber nicht wärmt: das ist wohl nach allem, tva» wir bisher tum N. S traust kennen, ebenfalls nichts Neues mehr. Das Elend des gewöhnlichen Opcrnspielcs wird vor solchen Meisterwerken noch klarer als sonst. TaS offene Orchester schlägt den Gesang, und sein helles Licht zerstört den Eindruck, den die Finsternis auf der Bühne machen soll. Ter Zuschauerraum ist nicht unabhängig noch dunkel genug, um daS Bühnenbild ganz abgeschlossen wirken zn lassen, und doch nicht hell genug, dast man sich das Ein- dringen in den Ucberreichtum des Äcries durch ein Mitlesen des Textes usw. erleichtern töiuüc. Und schlicstlich ist es ganz numög- lich, über ein solches Prodult nach c i n maligcr.i Hören sofort ab- schlicstend zu urteilen. Anderswo, in artistisch verständigeren Landen, steht die Generalprobe den Vertretern der Presse offen, oder es lästt sich mindestens das Interesse der Oefscntlichkcit für die Forderung eines solche» Zutritts gewinnen. In Berlin scheint derlei vergeblich zu sein. Tie Äufführuiig war im ganzen würdig und im einzelnen so verschiedentlich, dast ivir dabei lange verweilen könnten. Die Barytonrollc Knnrods war Herrn B e r g e r anvertraut. An sorg- samer Mühe und manchen schönen Ausgestaltungen fehlte es nicht; alles in allem reicht dieser Künstler doch nicht oder noch nicht an solche Schwierigkeiten heran, und jene Stelle von„All Wärme" wurde unter seiner Behandlung erst recht nicht markant. Fräulein D c st i n n als Ticmut und zahlreiche andre trugen mit an dem durch aufricotigen Beifall belohnten Verdienst der Aufführung.� Ein anscheinend ganz neues Ballett von Saint-Saens, „Javotie", liest den Abend füllen. Soviel Straust an Unge- wohnlichem, zumal im Springen von Harmonie zu Harmonie leistet, so viel leistet Saint-Saens an Glatten? und Bequemem. Der Gegensah war in allen? überraschend. Nicht als ob er durcha?!s zu Ungunsten der von uns schon öfter angedeuteten Kunst des Franzosen ausfiele; die Musik ist gehaltvoll und von einer uns daheim nicht eben ganz gclä?lfigen Anmut und Leich?füstigke?t; doch für ein näheres Erläutern des Gegensatzes sehlen uns Raum und Zeit.— sz. Kleines feuiUeton. cy. Renerr Phrmnidenfirschungr«. Allbekannt ist das geflügelte Wort,????t den? Napoleon vor der Schlacht bei den Pyramide?? leine Truppen zum Äanyis gegen die llteirersniaren der Mameluk«, anfeuerte:„Von den Gips-!?? dieser Pyramiden schauen vierzig Jahr- hunderte a?!f(Euch hernieder". D?e,c respektable Zisser langt noch nicht e??m?cil; dem? die großen Pyramiden von Gizeh, die Napoleon weinte, sind von Königen der vierte» Ty?iastie erbaut: es sind die Grabstätten der Pharaone?? Chusn, Chafra u>?d Menkarira. oder wie der Grieche Herodot sie??cnnt, Cheol>§. Chesren und MykerinoS, deren Lebenszeit die Aegyptologen in die erste Hälfte des dri.ren Jahrtauseilds vor Christo setzen. Aber noch viel weiter ka??n man die merkwürdigen Denkmäler eines DcspotiönruS, der die Arbeitskraft seiner U??terlhancn Zur Herstellung gigantischer Grabmäler froirden lassen komrte, heute zurückverfolgen. Vor un- gesähr zehn Jamcn is? das Grab des Königs MencS entdeckt worden, des ersten Pharao???» von Ober- und ll??teraghpten?gen befreit waren, ?nit völliger Sicherheit rctonsiruierc??. lieber ei??c große Ran?pc ka?>????an in einen Hof, der auf beiden Seiten von Magaziiten eingefaßt war, von da in einen mächtigen Säulc??hof. Jede rnzelne von den sechzehn GrattUsäulen stellte ein Papyrusbündel dar, lote es atiS dem Wasser hervorwächst. Das darauf lagernde Dach war in der Mitte offen, so daß eS iu den Tempel hineinregncn lo?li?te: das Wasser sa????>?elte sich in einen? Bassin, das eine?? Abfluß i??s Freie hatte. Toi» de», Sänleithos aus führte ein e>?ger Gai?g ins Allerheiligste. Von den arch?tckto???schen Ftmdcn in den Tettchelruinen ist außer Säu!e??trü!m??srn?lnd Reliefs besonders ein vortrefflich ausgeführter, aber unvollcltdcter Löwenkopf bemerkenswert, der MaimcShöhe hat. Auster den? eigentlichen Te-npel wurde auch ein auSgedehlttcS Gräber- seid in den Kreis der Ausgrabungsthätigkeit einbezogen, das teils direkt zum Tempel gehört, teils in seil?er Nachbarschaft liegt. Dabei wurde?, Funde gei??acht, die noch wertvoller sind, als die sin Te?npel selbst und gleich letzteren in den Besitz des Berliner Muse?ln?ö über- gegangen sind. Vollstä??dig erhalte??- Särge nrit M?ln?ien a?is allen Perioden des ägyptischen Altertunts, vo?n allen Reich bis zu?: griechischen Zeit.?vurde?? a??s Tageslicht gefördert. Ein Ma?n'.stript. daS ciiren? der Toten ans hellenischer Zeit mitgegeben ivar u??d Vv.r de??? Vortragenden z?u» Teil bergröstcrt als Lichtbild vorgeführt wurde, stellt zweifellos die wertvollste Ausbeute der ganzen Aus- graüungScampagne dar. Es enthält nämlich Dichl?i?'.gen des griechische?? Lyrikers u??d Ko?nponiste?, Timotheos' vo?? Milet �gestorben 327 v. Chr.), der die zwölfsaitige Kithara ers??i?dcn hat: von sei????? poetischen Werke?: war bisher rtichts Vorhände??. Das ist bekan??llich??icht die erste Bereicheruilg u?rsres Besitzes an litte- rarischen Erzeugnisse»? des klassischen Altertums, die wir ägyptischen Gräber?? verdanke??. Aristoteles' Schrift über die StantSvcrsaffung der Athener ist bei solchen Ausgralmngen entdeckt loorde??, weiter M?n??a?>?be!? deö Heroirdas?lnd Gedichte vo?? Bacchylides,??nd nu?, ist das Ti?nothetls?uanuskript hinztigekonnne??. Wer weist, was in Zukunft uns noch a?? u??!vicderbr?nglich verloren geglaubten Geistes- denkmälern des klassischen Altertunts aus de?? Gpabfeldcrn des Pyramideulcutdes»viedergegebcn werden wird. De?n Ti?»?o:he??ssu.»!> von Abussir tverdeu hoffenUich»och weitere folgen.— Theater. Berliner T h a t e r.„R?? h m l o s e H e l d e??". Bier dra« matische Balladen???it einen? Borspiel von Paul Busson, itiscenicrt von Alfred Halm.— ES ivar ein schl???????er Abe??d. Das stolze Wort: Rnh?nlose Helde?? weist i??S kl??begre!?zte hinaus. Dast cS?hrer U??zählige sind, die den Katnpf für Recht, für Wahr- hcit und Freikeit, die für daS, was ihrer Seele als das Menschlich- G:?te schien. Glück??nd Leben geopfert, das eben giebt de?» Ge- danken seine tr???mphierende Größe, sci??e Kraft????d Erhabcitheik. Die Dichtung, die ihn feiert? will,????ist von de?n Gestühl dieses Grettzenlose?? gm?z erfüllt sein, sie n???st z?m? HytitnitS werden, der an keiiterlei Schra??ke gebi!??den über Völker?!??d Zeiten ftei dahin schlvebt. Ruh?nlose Helden— und dann ei?? Einaktcrcyklus hinterdrein, in dem bestenfalls vier oder fünf dergleichen Helde?? auftreten können, das ni??????t sich an der Große der Idee ge???effen, von vorhcrein absurd a»?s. Der Titel ist geschn?ackloS. Leider aber bei Herr?? B?ision der Titel nicht allein. Schon das allegorische Vorspiel, in den? der Dichter de?? Tod, den Trcmin, die Unterwelt herbei bemüht, versiintmt durch ei??e feierliche Verworrenheit. Der Zusanm?c??ha?ig zwischen den? a??spr??chsvo>len Prolog ui?d de???, ivaö folgt, ist schlechterdings ganz äi-sterlich. Zwischen den vier Stückche?? aber— die weder dramanjch noch balladenhast??'.il de?n neue:? Ranten„Trantatische Ballade??" getaust sind— existiert überhaupt keine Spur ei??er ii???eren Beziehtmg. Ganz ivahllos sind ein paar Opferhandlungen oh??e Glicbermtg??nd ohne Steigerttng neben einander hingestellt. Am ehesten erzielte ??och das erste Bild„Leben um Leben" ei??ige Wirluitg. Vor den Tyrai???cn M??ley Bey(Herr P i t t s ch a u gab ihn a?lsgezeich??et), ?verde?? z>vci rebellische Scheiks, Bluwsreu??de, gefangen hingeschleppt. Eine?? ivill er töte??, der a??dre mag nnbehelligr zu seine??? Stain?n z??rückkehren. DaS Los soll zwischen ihnen entscheiden. Der Aeltcre de?n M??ley Bey, arglistig prüfend, zuflüstert, lvie die Lose verreilt sind, greift, u??? de?? Freund zu rette??, nach dc?n Todeslos. Mm? denkt n?t Schillers„Bürgschaft", aber lvie«tiendlich überzengender ist da der Opfernmt. Dort ftihlt.!?a?t eine i?n»ere Nolloendigkeit, hier nicht. Dast Hassan seine Kei??llnis nicht beilutzen darf, ist klar, aber Ivarttm verschweigt er de??? Fre????de,>v!?s er iveiß. oder war????? lästt er jenein nicht de?? Vortritt bei der Wahl. Die Uebergipfeluitg des Opfersinnö, i?? der sich Vnsso?? hier wie auch später ge- fällt, stärkt iricht, sonder?? sie schwächt naturgemäß bei? Eindruck. Immerhin, diese«ccnen hatten doch einen Zusantmen» hang, sie wirrten??icht direkt peinlich in ihrer Unnatur. tvare?? nicht so von alle,?? Si???? für das Bühue?????ögliche verlasse« wie die andren Stücke: wie„Die Flüchtlinge". Ivo ein russisches Mädchen um ihre nihilistische?» Genossen zu retten, eine?? ekelhaste?? alten Lüstling beschwört, n?it falschen Pässe» auszuhelfen?l??d sich. als dieser d<.???n den Loh?? seiner That begehrt, fl??gs den Dolch ins Herz stößt; wie.Coe??rdan?e",»vo ein unendlich treuer Liebhaber in ein Uhrgehäuse hineinkriecht und, hier verborgen, von dem an- getrunkenen iannibalischen Gemahl erschossen wird, ohne mit einen? Laut sich zu verraten, oder gar wie die letzte blutdürstig patriotische Scene ans den Freiheitskriegen. Der Schulmeister, der sich zun? Schein als Franzosensteu??d aufspielt und den das ga??ze Dorf deshalb verachtet, hat den feindlichen Heerhaufcn in eine?? Engpaß gelockt. Von vor?? und hinten rücken die Freischärler an. Der Kcipiui» aber,— man sollte meine??, er hätte unter selche?? Um?tä??den wirtlich a??dres zu th??>?— lästt sich in ei?? anSsührliches Gespräch;nrt de??? falschen Führer ein. Er soll eine?? Weg weisen, ans de?»? die Truppe entko?n???en kann. Sonst muß er sterben, sterben durch die stau- zösischen Bajo??ettc, und zugleich wird sein Name, da kein Zeuge seines verschlagene?? Planes lebt,???it der Sch???ach des La??deS- Verräters behastet bleiben. Auch, das ist das sonderbarste, durch Rührung sucht man ihm hcimkonunm. Er m3g? an die Mütter und Arauen denken, die um die Gefallenen trauern werden. Alles um- sonst. Der Schulmeister bleibt seiner Rächerrolle treu und wird alö letzter der ruhrnlosen Helden zum Tode hinter die Coulisse» ab- geführt, der Kapitän sagt:„Seltsam." Und da der Feind inzwischen angerückt ist, hebt, wie der Vorhang eben fallen will, ein stirchtbareS Gewehrgeknatter an. Das Publikum blieb ungerührt und eilte, schnell heranszukonunen. Nach den beiden Zwischendramen hatte der obligate Preinierenbeifall sogar mit starkem Zischen zu kämpfen.— -ckt. Kunst. vir. Ueber ein wiedergewonnenes griechische? M e i st e r lv e r k, das dem Meeresgründe entrissen worden ist. wird einem englischen Blatte aus Athen berichtet: Die auf dem Meeres- gründe m der Nähe der Insel Antt-Cythera, südlich vom Kap Nkatapan gefundene Bronzestattte des Hermes ist jetzt von M. Andre, dem bekannten französischen Sachverständigen, zusan, mengesetzt worden. Andrs bat seine schwierige Arbeit so vorzüglich ausgeführt, das; man schwer daran glauben kann, daß die Slawe aus zahl- reichen Bruchstücken rekonstruiert ist. Der Hermes, der etwas über Lebensgröße ist, gehört zu den schönsten griechischen Kunstwerken; er ist der einzige, der mit dem 1877 in Olympia gefmidenen berühmten Hermes des Praxiteles rivalisieren kann. Abgesehen von seiner seltenen Schönheit hat dieses Bildwerk dadurch einen besonderen Wert, daß es das einzige vorhandene Beispiel einer zweifellos originalen Bronzestanie aus dem vierten Jahrhundert vor Christo ist. Es wurden noch viele andre Bronzen und Marmorbildwerke von verschiedenem Wert an derselben Stelle gefunden und von Tauchern an die Oberfläche gebracht. Die Bronzen haben zun, größten Teil der Thättgkeil deS Wassers und der Zerstörung durch Schalenttere loiderstanden und sind sehr gut erhalten; aber die zahlreichen Marmorskulpwrcn sind mit einer Ausnahme so zerfressen, daß sie für das Auge abstoßend wirken und keinen Wert»«ehr haben. Man hat auch Ueberreste des Schiffes gefunden, in den, diese Ladung von Kunstschätze» transportiert wurde und das beb den stürnrilcheu Seen, die die südlichen Küsten Griechenlaichs heimsuchen. Schiffbruch erlitt. Die kostbare Schiffsladung war sicherlich die Beute eines römischen Eroberers zur Ausschmückung seines italienischen Hauses; man glaubt allgemein, daß sie Sulla gehörte.— Böllerkunde. — Kastengeist in Indien. Bei einer Hochzeitsparti« auf der Insel Ceylon kam es zu einem eigenartigen Abenteuer, das ein scharfes Schlaglicht auf die noch immer streng festgehaltenen Kasten- Vorurteile wirft. Ein Mann der Hinnakaste verheiratete im Juni dieses Jahres seineu Sohn mit einem Mädchen der gleichen Kaste aus Bolwalana bei Negonibo. Als der Bräutigam und die Braut in einem Aufzuge, an dein sich ettva 100 Mitglieder ihrer Kaste beteiligten und der aus 17 Karre», die schön geschmückt waren, ein Dorf, Wallanagoda. den Hauptort der Salagamakaste, die etwas höher steht als die Hinna. passieren wollte, entstand ein Aufenthalt. Die Hinnas waschen für die Salagamas; als sie nun. angethan mit prächtigen Kleidern, mit Kämmen im Haar und Sandalen an den Füßen, herankamen, ärgerte das die Salagamas, zumal sie unter den Klängen eines aus einer Geige und einigen Trommeln bestehenden Orchesters herannahten. ES»inimelte sich eine Anzahl von etwa 200 Salagamas»nd be- 'ctzten eine Brücke, über die der Hochzeitszug sich bewege» mußte. K'ie gaben den Weg nicht frei und stellten hierfür die Bedingung, daß die Hinnas erst ihre schönen Kleider, ihre Kämme und Sandalen ablegen und ihre Kapelle schweigen lassen sollten; sie sollten still vorüberziehen, wie es einer nntergeordiieten Kaste gezieme. Die Hinnas aber waren der Meinung, daß englischer Besitz freies Laiid sei, inid weigerten sich, nachzugeben. Sie hielten ihre 17 Karren an und warteten auf bessere Zeiten, da sie es auf einen bandgreiflickien Konflikt nicht an- kommen laffen wollten. Sie suchten»ach dem Dorfältesten, dieser aber ließ sich längere Zeit hindurch nicht sehen, so daß die Hinnas an der Seite der Landstraße ihre Karren auffuhren, in denen sie übernachteten. Aber auch am folgenden und um übernächsten Tage hatten sie nicht mehr Glück. Endlich am vierten Tage erschien die Obrigkeit und öffnete den, Hochzeitszug einen Weg. Mt der Ver- pflegnng der Hochzeitsgäste scheint es nicht besonder? gut gestand'» zu haben, sie lvaren auf die lvenigen.Erfrischungen" angewiesen, die sie sich mitgenommen hatten, und auf zwei Flaschen Palmwein. Gleichwohl setzte sich der Zug unter lautem Gesang der ihn be- gleitenden Damen und klingendem Spiel der Musildande stöhlich in Bewegung. Indessen war in dem Haute des Bräutigams ei» großes Festmahl gerüstet gewesen, das nun vier Tage auf seine Ver- tilgung warten mußte.— Technisches. Schmiedefeuer ohne Rauch. In Amerika ist neuer- dingS von einer großen Finna in Buffalo ein System der Schmied- effen in Anwendung gebracht worden, das besondere Beachtung verdient. Die Einrichttmg besteht aus einem ganz geschlossenen Kasten mit einer Verttefung für das Kohlenfeuer gewöhnlicher Art. Der Ventilator bläst aber nicht Luft von unten nach oben, sondern fangt die Lust durch die Düse von oben nach unten und befördert sie bann in den Kamin. Auf diese Weise erhält man allerdings keine ■Äerannvortlicher Redakteur: ttarl Lei» in Berlin.— Druck und Verlag: Stichflamme wie sonst bei den gebräuchlichen Schmiedefeuern. aber die Gesainttvirknng in Bezug auf schnelle Verbrennung durch gesteigerten Zug ist dieselbe, besonder? wenn der Zug ein genügend kräftiger ist. Die Vorteile dieser Konstruktion liegen auf der Hand. Der Raum lvird nicht durch Ranch erfüllt. Es besteht die Möglichkeit, die Este an einer genügend hellen Stelle de» Raums nnterzubriiigen. besonders da eine Be« schattnng durch den Rauchfang ausgeschlossen ist. Ohne Zweifel dürfte sich die Neuerung auch für Lvtseuer gut eignen, besonders da grade der Wegfall der Sttchflamnie für das Löten durchaus günstig ist und so eine ungleichmäßige Erhitzung der Teile vernneden wird. Von diesem Gesichtspunkt aus ist die Neuerung für Automobil- und Fahrradfabrikauten von besondrer Wichtigkeit.— �.Technische Rundschau,"j Humoristisches. — Eine kalte Mamsell. Er:„Ach lassen Sie mich mein glühendes Herz zu Ihren Füßen niederlegen!" Sie:„Bitte sehr, meine Füße sind so wie so immer eis« kalt!"— — Ein Grobian.„Ach, Walter, wie entzückend ist eS doch, so ferne vom Alltagsgetriebe in dieser herrlichen Gegend zu segeln. Unsre Sprache ist zu arm, um solchen Gefühlen Ausdruck zu geben! Komm, wir wollen es durch Küsse thun!" „Ree, da kriegt man so'ne pappige Schnauze von!"— — I m Luftkurort. Fremder(auf dem Bahnhof): „Warum reißen denn die Leute, welche da zum Coup» hinaus sehen, alle den Mund so auf?" Schaffner:„Ja, wissen Sie, das sind die Kurgäste, welche abfahren-- die schnappen zum letztenmal Luft!"— („Lustige Blätter".) Notizen. — Der Bauernfeld-PreiS(2000 Kronen) ist diesmal Gustav Frenssen für seinen Ronian„Jörn Uhl" ver« liehen worden. Außerdem sollen Stephan Miloiv, Victor Leon, Richard Nordmann und I. I. David mit Ehrengaben bedacht werden.— — Monatshefte für Lithographie und das gesamte graphische Kunstgewerbe. Berlin, Verlag von Bruno Heßling. Heft 1. Preis 2 M.— Diese neugegründete Zeitschrift verfolgt den Zweck,„die Lithographie als Kunstgewerbe auf eine höhere«stufe zu heben und künitlerischeS Empstnden uild Ge- schmuck linter den Lithographen und verwandten Gewerben zu ver- breiten. Sie sucht dieses Ziel in erster Linie durch Darbietung origineller Zeichnungen, wie sie im geschäftlichen Betriebe Haupt- sächlich vorkommen, zu erreichen, daneben aber auch durch Schrift und Bild die ästhetischen Grundsätze einzuprägen und Interesse für die Kunst im allgemeinen zu wecken." Jedes Heft enthält vier bis fünf Tafeln nüt Vortagen, die den Abonnenten zur freien Verfügung stehen, sowie 1—2 Bogen Text. Herausgeber und technischer Leiter ist der Kunstmaler Ä K»ab in Verlin.— — Im Dresdener Hoftheater findet das geplante Gastspiel der Sarah Bernhardt wegen ihrer hohen Geld- forderuug nicht statt. Aus demselben Grunde wird es auch ia Leipzig nichts.— —„Die Möwe", ein Schauspiel von Anton Tschechow, erlebt am Sonnabend" im Breslauer Lobe-Tdeater sein« erste deutsch« Aufführung. Auch Strindbergs„Paria" geht an diesem Tage zum erstenmal auf einer deutschen Bühne daselbst iu Scene.— — Di« Berliner Sezession eröffnet am 18. November ihre 6. A u s st e 1 l u n g, die besonders die zeichnenden Künste berücklichttgen wird. Außer Pastellen. Ryuarellen, Zeich- nungen und Werken der vervielfältigenden Kunst werden auch Skulpturen ausgestellt werde».— — Aus der W a f f e n s a m m l ii n g de? Wiener kunst« historischen Musen m s ist das Schwert Stephan Fadingers. des Führers im oberöstteichischen Bauernkr.eg (1028—1827) g e st o h l e n worden.— — Ilm die Wanderung der Fische in der Nordsee zu erforschen, haben die Leiter der Biologischen Anstalt ans Helgo- land eine große Anzahl lebender Fische, größtenteils Schollen, mit einem Abzeichen versehen»nd in der Umgegend von Helgoland und an andren Stellen der Nordsee wieder ausgesetzt._ Die Marke ist aus Aluininium, mit dem Zeichen II 02 und einer laufenden Nummer verseben. Sie ist an den Fischen so befestigt, daß ein Ring nahe der Schwanzfloffe durch den Rücken gezogen ist.— — Ein Riesenanker wird gegenwärtig in den Werkstätten des Arsenals von Cbarleston(Nordamerika) geschmiedet: er wiegt etwas mehr als acht Tonnen oder 160 Ceutner mid kostet nahezu 8000 M. Seine Gesanttlänge beträgt t,ö3 Meter und seine Breite von Spitze zu Spitze 2.89 Bieter. Die Kette, welche ihn zu tragen besttmmt ist, wird reichlich 500 Meter, also ein halbes Kilometer lang sein.—_____ Sorwärts Sachdruckerei und VerlagZnnstalt Paul Singer sc Co.. Berlin ti\V.