Zlnltthaltimgsblatt des Horivkrts Nr. 228. Sonntag, dert�L� November, 1902 (Nachdruck verboten.) 4) frau Pilatus. Von OscarMadsen. Autorisierte Uebersetzung von Ida Anders, Eftne so niedrige Rache konnte sich also der schwachköpfige Assessor nicht versagen— weil sein Verhör zu weniger als nichts geführt hatte, trotz des Arrestes, der ja ausgehoben werden mußte, spätestens nach Verlauf von drei Tagen, so sicher, wie die Sonne aus Gerechte und Ungerechte scheint. lieber diesen Punkt war Winther leinen Augenblick im Zweifel. Rache— nur Rache war dies! Ein übermütiges, ver- höhnendes, knabenhaftes Herausstecken der Zunge über seine Menschenwürde seitens eines getäuschten Untersuchungsrichters; daß noch etwas andres dahinter stecken konnte, darüber dachte der Assistent Winther, übermannt von Zorn und Entrüsttmg, gar nicht erst nach. Einige wenige Minuten verstrichen, der„Schrank" wurde von neuem geöffnet. Der Polizeibeamte winkte. „Kommen Sie rzun heraus, Winther." Der Bankbeamte schäumte: „Sie sind wohl vielleicht so freundlich, Herr Winther zu sagen; die Possen hier stellen uns nicht auf gleichen Fuß." „Gott bewahre, Gott bewahre," sagte der Polizeibeamte spitz.„Haben Sie die Güte, mir zu folgen, jetzt ist gewiß Ihr Bett für hellte Nacht gemacht." Winther folgte ihm durch die weitläufigen Gänge des Rathauses, wo so spät abends kein Mensch zu erblicken war. Unterwegs fragte er: „Ist es zu viel verlangt, daß meine Frau von dem hier Nnterrichtet wird? Meine Telephonnummer ist 2316." „Ich werde telephonieren, Herr Winther." „Danke." „Na, die Frau war wohl vorbereitet..." Die Stiinme des kleinen Lassen klang ein bißchen niilder, aks Zeichen dafür, daß es doch ztvischen Polizeibcamten und andren Sterblichen gemeinsame Gefühle giebt. „Nein, das war sie nicht." sagte Winther,„und wenn Sie es nicht also brüsk sagen wollten... ein bißchen schonend..." „Gewiß, Herr Winther..." Sie wareil in das Souterrain des Rathauses gelangt lind blieben vor einer Thür aus ungestrichenem Holze stehen, der Grenze zwischen dem Rathause und dem Gefängnisgebäude: durch einen unterirdischen Gang waren beide verbunden. Hier empfingen ein paar blauuniformierte, schlüssel- rasselnde Gefängniswärter den Gefangenen, der Polizeibeamte Lassen nickte ihm flüchtig zu und blickte ihm nach, bis er lind sein Wächter in dem Tunnelgang verschwanden. V. Oben in der Kanimer war Assessor Krog im Begriff, seine Papiere zusammenzlipacken und die unlfangreichen, beschriebenen Bogen in seiner großen schwarzen Mappe zu bergen. Mit mürrischer Miene spülte er den Rest seines Porters hinunter. Er war nicht zufrieden init der Ausbeute des Tages, obschon eine neue Festnahme ja iminerhin ein neuer Triumph war. Das kleine Schlußverhör, das er mit dem Arrestanten Möller improvisiert hatte, der im Triumph genommen und durch die Tonnerbotschaft beglückt werden sollte:„Ihr Mit- schuldiger Winther ist festgenommen", hatte zu gar nichts geführt. Möller war hartnäckig bei seiner früheren Erklärung geblieben und auch das kleine, fix berechnete Arrangement drüben bei den„Schränken" hatte nicht den geringsten Effekt gemacht, und aus das war doch der Assessor Krog so stolz ge- Wesen, als er darauf kam, gerade wie durch eine Eingebung von oben! Er nickte dem Protokollführer kurz zu, that als ob er die Beisitzer gar nicht sähe, wozu er ja auch seine Gründe haben konnte, verließ das Kriminalgericht und steuerte mit der Mappe unter dem Arm die Treppe hinunter, hinaus aus dem dunklen Rathause. Mit der Pferdebahn fuhr er nach Hause zu seiner kleinen, gemütlichen Villa an der Ostbrücke. Unterwegs war ihm nicht ganz sicher zu Mute. Die Scene, die er eben zu Ende gespielt hatte, beunruhigte ihn nicht iin geringsten. Keine Idee. In der Beziehung war Assessor Krog vollkommen ge- stählt. Er hatte soviel Menschen ins Loch gesteckt zum„Be- kennen"! Das war eine Taktik, die in der Regel ihre Wirkung that. Natürlich konnte es vorkommen... das war selten... sehr selten..., daß er das Pech hatte, einem Unschuldigen Un- recht zu thun, dann schlugen die Blätter Alarm... Aber Assessor Krog verachtete die Blätter aus Princip, und das war klug gethan. Von seinem Standpunkte aus. Nein, etwas ganz andres war es, das nun seine Gedanken beschäftigte. Am liebsten schüttelte er schon die Rathauslust auf der Schwelle des Kriminalgerichts ab. Er dachte schlecht und recht an das peinliche eheliche Ge- zänk, das ziemlich sicher seiner harrte, wenn er nach Hause ham. Groß gegenüber allen andren Menschen, war Assessor Krog doch Einer gegenüber klein. Seine in jeder andren Beziehung vortreffliche Gattin hatte nämlich einen schlimmen Fehler. Sie konnte oder wollte nicht begreifen, weshalb seine gerichtliche Thätigkeit nie in einer bestimmten Stundenanzahl und mit dem Glockenschlage abgeschlossen werden konnte. In dieser Beziehung— sagte sich der Assessor manchmal mit dem Lächeln des litterarisch ge- bildeten Mannes— war sie wirklich ein Seitenstück zu der kleinen neuvermählten Richterfrau in irgend einem Balzacschen Werke, die zu ihrem Manne auf das Gericht kommt und die Thüre ein wenig öffnet: „Hör'mal, Bauvan, beeil' Dich ein bißchen mit Deinem Rechtsprechen. Wir wollen doch in Gesellschaft..." Wenn er ihr widersprach, die Pflichten und Bedürfnisse des Dienstes hervorhob, dann hatte dies nur zur Folge, daß sie einen der gräßlichsten hysterischen Anfälle bekam, die er nicht erttagen konnte, wie gestählt er auch war. Und auch diesmal verrechnete er sich nicht. Es war eine gelinde Sündslut bitterer und spitzer Worte» die ihm überspülte, sowie er nur über seine Schwelle trat. Die kleine, schöne fünfundzwanzigjährige und jung- verheiratete Frau Krog war eifersüchtig bis zur Raserei. Und wie gut sie auch Bescheid wußte— oder Bescheid wissen mußte— sobald sie aus einem oder dem andren Grunde hitzig gestimmt war, hielt sie es für das klarste unter der Sonne. daß ihr liebes, kleines„Kriminalgericht" ans verbotenen Wegen gegangen war. Tie Verhöre, denen sie ihn bei solchen Ge- legenheiten unterwarf, konnten beinahe seine eignen ausstechen. Obschon, beim Himmel, ihr vierzigjähriger, vor der Zeit ge- alterter und comptoirstaubiger Mann wahrlich keinen fremden Göttern huldigte— wenn er nicht gerade der Göttin der Ge- rechtigkeit, der strengen Frau Justitia, huldigte! Das Essen war halbkalt. Und Assessor Krog setzte sich stumpf und verdrießlich zu Tisch, während er den verdammten Schlingel verwünschte, der ihn durch sein hartnäckiges Leugnen so lange aufgehalten und der überdies seinen Hausfrieden gestört hatte. Aeußerst bissig ließ ihn die Frau wisseu, das; er es eigent- lich gewiß selbst verdiente, in eines seiner dunklen Cachots ge- steckt zu werden. Erst beim Kaffee thaute die eisige Stimmung zwischen den Gatten auf. „Ich habe heute einen recht guten Tag gehabt," vertraute der Assessor seiner besänftigten Frau an und faßte sie liebevoll unter das Kinn. „So. mein Freund? In der Vankbetrugs-Eeschichte?" Krog nickte. „Ja. Ich habe wieder einen in Untersuchungshaft. Einen Mitschuldigen... verstehst Du?" „Gestand er?" „Wo willst Du hin?... Dann hätte ich ihn ja gleich richtig arretieren lassen können. Nein, so gut kam's nicht. Das ist ein ausgemachter Spitzbube. Er leugnete alles, drei, vier Stunden hinter einander. Da bekam ich es satt und ließ ihn festsetzen. Morgen ist er mürbe... ganz bestimmt." Frau Krog schmiegte sich in dem Sofa schmeichelnd an ihren Mann und küßte ihn zärtlich: „Du kleines, süßes, liebes, kluges„Kriminalgericht" l* VI. Einige Stunden später lagen Assessor Krog und seine Frml und schwatzten behaglich in dem breiten Doppelbett. „Oswald," sagte sie zu ihrem Manne— und diese kleine Vornamensbezeichnung war stets der Gipfelpunkt ihrer Zärt- lichkeit gegenüber dem eingetrockneten Juristen, einem echten Juristen, in dessen Augen selbst der Ausdruck..Hymensketten" einen eigentümlich klirrenden Klang haben mußte, wie von halbrostigen Handschellen—,„Oswald!" wiederholte sie. „Ja, Süße." „Mir fällt gerade ctivas ein." „Was kann das wohl sein, Du kleine Schönheit?" „Ja, Tu—" und sie kroch noch näher an ihn heran.„Zu- weilen denke ich eigentlich, es ist ein fürchterlicher Gedanke, mit Dir verheiratet zu sein." „Danke." Der Untersuchungsrichter wurde sichtlich in seiner Mannes- würde verletzt und zog sich ein bißchen in das Bett zurück. Aber die kleine Zrau verfolgte ihn. Sie pflanzte ein Augenblickchen ihren Mund dicht unter sein Ohr. Und als sie merkte, daß diese kluge Maßregel half, fuhr sie fort:„Du darfst nicht böse über das werden, was ich jetzt sage. Aber manchmal ist mir wirklich ganz unheimlich, wenn Du nach Hause kommst und mir so froh und stolz erzählst, was Du im Laufe des Tages ausgerichtet hast. Es überkommt mich manchmal so lächerlich— gerade als ob ich selbst was mit den Entscheidungen zu thun habe, die Du triffst." Der Assessor lachte ein wenig uberlegen. „Tanke schön. Nein, weist Du, mein Pusselchen: Meine Arbeit mußt Tu mir wirklich selbst überlassen. Da ist die Ehre mein." „Ja, die Ehre." Die junge Frau lag und starrte bedächtig zur Decke. „Aber dann die Verantwortung," fügte sie bald darauf in grübelnden Tone hinzu. „Die Verantwortung?" Assessor Krog setzte sich— auf den einen Ellbogen ge- stützt— einen Augenblick halb auf— und blickte sie sicher an, ehe er antwortete: „Auch die ist selbstverständlich mein— einzig und allein mein." Eine Minute verstrich in Schiveigen. Tann ertönte es von Frau Krog:„Bist Tu dessen auch ganz sicher?" „Absolut. Ich weiß gar nicht, was Du mit der Frage meinst?" „Tie Gedanken sind es, die manchmal kommen und mich stören. Sind wir beide ernstlich mit einander verbunden— wie es Eheleute sein sollten—, dann steckt wohl im Grunde Deiner Entschlüsse auch ein Teilchen von mir. Ja, ich kann es nicht so recht klar machen, was ich meine.. llud sie suchte ein Weilchen nach Worten und sagte dann: „Ich kann nicht darüber fortkommen, daß ein Teil der Verantworttiilg, sowohl wenn Du recht handelst— wie wenn Tu nicht recht handelst— auf mich fällt." Krog schalt: „Ach, gewiß nicht! Was sind das für närrische Grübeleien? Wie kannst Tu Dich mit solchen Einbildungen plagen?" „Nein, das ist natürlich dumm von mir." „Dumm ist ein starkes Wort. Aber eiw bißchen im- vernünftig, wir wollen sagen unvernünftig— und überflüssig." Frau Krog schwieg ein wenig. Dann rief sie mit Plötz- licher Kraft: „Ach. Oswald, hättest Du Dir nur eine andre Lebens- stcllung gewählt!" Assessor Krog wurde verdrießlich, seine Lebensstellung war ja gerade sein Stolz, fast seine Eitelkeit. Und er gab eine mürrische Erwiderung: „Du denkst vielleicht, daß ein Untersuchungsrichter sich gar nicht verheiraten darf? Wir sollten im Cölibat leben wie die Mönche und wie die Priester in alten Zeiten?" „Das gerade nicht." Sie sprach ein wenig zögernd. Dann sprang sie plötzlich in einen andren Gedankengang hinein. „In alten Zeiten, sagst Du. Es war einmal in alten Zeiten ein Mann, der hieß— Pontius Pilatus." „Ja, das weiß ich wohl." Assessor Krog lachte leise. „Er war ja auch verheiratet-., nicht wahr?" Krog wurde aufmerksam. „Ja.». es heißt so." „Und wird da nicht erzählt, daß seine Gattin— in der Nacht, als er Jesus Christus verurteilte— einen Boten zu ihm sandte und ihm sagen ließ: Thue diesem Unschuldigen nichts zu Leide. Denn sein Bild hat mich in schweren Träumen verfolgt.." it Fortsetzung folgt. 1s 8onntagsp!auäerei. Der alte Schlachtruf von dein Hunde, den man totschlagen müsse, weil er ein Rezensent sei, kreischt wieder durch die Lande. Aver die Litteratenschwächlichkeit unsrer Tage bekennt sich nicht mehr zu dem offenen Mut, jeden dcrarttgen Hund totzuschlagen, sondern scheidet die gittcn, lieben Schoßhündlein von den räudigen Gaffen- kötern, die treuherzig leckenden Bernhardiner von den fletschenden Bulldoggen. Nur die schlimmen Bestien sollen gelyncht werden, die guten, klug apporticrenden aber dürfen nach wie vor Lobgesänge bellen und schützend die schaffende Kunst gegen Messerstecher und Schimpfer verteidigen. Oder unbildlich: Rur die rohe Kritik ist schändlich, die andre aber ist Gott wohlgefällig und duftet edel. Die edle Kritik, wie kaum nötig zu sagen, arbeitet für die im Reu- bau befindliche Firma Rudolf Moffe, hingegen die rohe in den cbambres söparös des Scherlschen Betriebes tobt, dort wo die farbigsten Individualitäten des Tages schwelgen dürfen, ohne Rücksicht ans den durch einen Strich getrennten Inseratenteil. Hermann Sudermann war es, der bei Rudolf Moffe den Kampf gegen die Verrohung der Theatcrlrittl eröffnete, vornehmlich der Hermann Sudermanu gewidmeten Kritik. Er fand es beispielsweise unflätig, wem, irgend ein Schuft de» außerhalb der Litteratur hochanständigen Familiennamen Blnincnthal verleumderisch in ein Blnamcnthal verästelte. Nnd dergleichen inehr. Ich bin nicht sicher, ob es nicht eine ähnliche Gemeinheit ist, wenn ich gestehe, daß ich mir Sudermann aus meinem Dasein fortdenken kann, ohne den mindesten Verlust zu empfinden. Ja, ich bin sogar mit einem guten Kameraden völlig verfeindet, seitdem er mich durch ein Freibillet nöttgte, des Dichters.Heimat" und seine geniale Mag da zmn dienen Mal zu begrüßen. Indessen zum Glück stellt Sudcnnann nur Theaterslücke und nicht Kanonen her, und so brauche ich nicht zu befürchten, daß morgen ein Staatsanwalt im öffentlichen Interesse wegen meiner schnöden Verdächtigung und Beleidigung des envähnten Theatraliker? die ganze Unterhaltungsbeilage von der Maschine weg stnfiscieren läßt. Ich verteidige also stech die Roheit, daß ich meine Geburt nicht etwa deshalb segne, weil sie mich zum stcitgenossen des geschätzten Autors gemacht hat. Aber seine in drei Feuilletons des.Berliner Tageblatt" gefammeltenRoheitS- Materialien ivaren— das kann ich nicht leugnen— eine Völker- psychologisch bedeutsame That. Denn sie bewiesen, daß selbst ein Berliner Theaterstittker aus der Zimmerstraße nicht im stände wäre, die Rolle eines Mitgliedes des Wiener RcichSrats mit einigem Ge- lingen zu spielen. Man kann wirklich nicht mehr ordentlich schimpfen, und alle die von Sudermann aufgehäuften Ekclworte find im Grunde doch nur zimperliche Verkleidungen der einen Kernbehauptung: „Sudern, ann schreibt schlechte Stücke mit ungeheurem Erfolg. Das erste ist ein Fehler seiner Begabung, das zweite aber ein moralisches Verbrechen." Die vom Dichter eingestampften Kritiker rccenfierten nun ihren grimmen Reccnsentcn m,d kitzelten den Anwalt einer anständigen Krittk mit nesselhaarigen Vetcueruiigei, einer ausschweifenden Miß- achtung. Die Kritiker fochten im Namen der Kunst, der Autor im Namen der ehrlichen Arbeit, des Anstands und der bürgerlichen Ehre. Also der ewige Streit zwischen de» schaffcndei, Künstler,, und den neidgelbcn unfruchtbaren Recensenten? Ach nein 1 Es ist eine Ewigkcitslüge. daß kritisiere,, leichter sei als besser machen. Kritisieren ist nämlich schwerer. Die deutsche Litteratur hat nur zwei, drei Krittler großen Stils hervorgebracht, aber Dutzende von bedeutenden Dichtern. Man wird dadurch nicht zu einem schöpferischen Geist, daß man aufs erste Blatt seiner Bücher ein PersouenverzeichuiS drucken läßt und seine Phantasie links imd rechts vom Schauspieler schweifen läßt. Und man wird dadurch nicht zun, sterilen Nörgler, daß man über Kunst Tieffiimiges zu sagen weiß. Wir haben die Gewerbe- frciheit, auch in der Litteratur. Niemand fordert einen Befähigung?- Nachweis für's Stückeschreiben. Aber auch niemand erhält dadnrä, einen höheren Rang, daß er seinen schreibenden Genius just auf Tantiemen trainiert. Man begnüge sich mit den, Vorteil, daß die öffentlichen Schaustelluilgei, der Schriftstellerei den höchsten Markt- wert haben, es liegt aber in dieser Bcthätignng kein Anlaß zu be- sonderer Einschätzung und Annuisumg. Sndermann hat mit seinen, Feldzug gegen die rohen Recensierer nichts andres bewiesen, als daß er kein feinlletonislisches Talent hat und von der lächerlichen Einbildung des Theatralikers gedunsen ist, dem die Bretter die Welt bedeuten. In, Grunde ist der ganze in Berlin entbrannte Kampf zwischen beliebten Bühnenautoren und unbeliebten Kritikern ein geheimes Compagniegeschäft. ES wird der Anschein erweckt, als ob es sich in derlei Theaterstagen um ernsteste Welstrobleme handelt, und der Marktwert der Ware wird so abermals gesteigert. Ich rede nicht von den wenigen Dichtern, die eine Nawrgewalr zwingt, ihr Herz in der mächttgen, weithinhallenden Sprache des Dramas zu künden. Aber ist jemand deshalb ein Dichter, weil ihn ein Thcaterdiretto? «uffürirt' Huf keinem Gebiete littcrarischen Schaffen? kann die völliac Poesielosigkeit so leicht zur Geltung kommen, wie in dem lüaenocn. schminkenden Rampenlicht. Wer gar nichts kann und weiß, bat immer noch das Zeug zu einem beliebten Theaterschriftstcllcr. Selbst der durchgefallcnste Bühnenautor wird mit der Zeit zum be- richmleii Mann. Jede Schnnercrei. die man dialogisch gliedert. ist eine Villa wert und eine hübsche Rente dazu. Wer aber fragt nach ernsten Romanen, in denen denen sich eine dichterische Persönlichkeit viel reicher und steier entfalten kann als in dem hnndertfällig beengten Theaterstück? Weh' den Armen, deren Seelen gar lyrisch verbluten I Latzt sie betteln gehen, ivenn sie hungrig find! Das in einem ganzen arbeitsreichen Leben geschaffene Werk eines tiefen Denkers wird von einen, Dutzend Fachgelehrten gelesen, und die Kosten für Druck. Satz. Papier und buchhündlerischen Vertrieb hat der unglückliche PH, losoph obendrein zu wagen. So Du aber zun, Volke nur zwischen'/.ß und 10 Uhr abends redest, so bist Du sofort ein he,-vorragender Kerl. der bei jedem Tanzvergnügen und jeder schönen Leiche in allen Zeitungen unter den Aiuvcsenden bemerkt lvird. Zum Heil für die Autoren find auch die rohesten Kritiker- Teilhaber des BühncnbanIacschastS. denn die Thcaterei findet gerade in ihnen die wirksamsten Agenten. Die Recensenten leben von den schlechten Stücken. Sie find es, die Abend fiir Abend dem Publikum einreden, es gäbe nichts Wichtigeres in der Welt, als die witzige Untersuchung, wie witzlos«in Bühnenschmarreu sei. Sogar die Nachtruhe opfern die arme» Leute, nur um noch fürs erste Morgen, blatt die Kunst gegen ihre thätlichen Angreifer zu verteidigen. Sie find die Herolde der Eitelkeit und fröhnen der Begierde, noch in dem blindesten Spiegel ihre eigne Herrlichkeit zu beim», dem Wie die Littcraturprosessoren an den Universitäten fiir teures Geld in behaglicher Fülle sich als die Unternehmer der toten,.zumeist ver- hungerten Litteraturhcldcn fühlen— diese haben nur gelitten und gc- dichtet, damit der Profeffor später an ihren Leichen sich wärmen kaim— so üben die Recensenten dasselbe Handlverk in Hinsicht aus die Lebenden, denen es allerdings, soweit sie aus der Bühne ackern, besser geht als den aeschästSunkundigen Hungerleidern der Bergmigcnheit: ein Gewerbebetrieb im Herunterziehen, für den nicht'einmal ein Hausicrschein gelöst zu werden braucht. So find die Aanicnden unlöslich mit einander verbunden, und darum»infiten die Angegriffenen aus die einzige wirksanie Anttvort verzichten, die hätte'lauten sollen:„Lieber Sudermann, nicht um den Anstand oder die Gemeinheit der Kritik handelt es sich, sondern um ihre Bcthätigung überhaupt. Das ist unsre Schuld, daß wir überhaupt reeensieren, daß wir jeden, Quark nachlaufen und an dem Blödesten unser,, Witz wetzen. Die Borgänge auf dem Theater gehören unter die vermischten Rcportcrnotizcn vom Tage. Und nur ivenn die Kunst, und wäre es eine irrende Kunst, uns ruft, werde» wir schreiben und kritisieren und dam, lvird der Künstlew uns nicht zu schelten haben. Wir sind nicht ganz im klaren, ob wir Dich, lieber Slidermann, noch einmal wanken werden, indem wir Dich nemu»,. Sudermann aber könnte, wenn er mcht zufällig der litterarisch gesteifte Sudermann wäre, den Höhnenden heiter antworten: ...Kinder, thnt doch nicht so. Ihr brcm,t ja darauf, daß ich schlechte Stücke schreibe. Sonsten habt Ihr ja nichts, womit Ihr Euch durch dieses teure Dasein schlagen könnt. Ich bin Eurer Ernährer. Also lasset uns weiter mit einander kämpfen bis zim, letzten BlutSwopkei, — des Publikums."... • m • Das letzte Ueberbrettl wird demnächst abfaulen. Die Seuche ist somit erloschen. Als vor Jahr und Tag der luftige Ehemann gen Himmel hopste, als loollte er ewig leben und springen, rührte ich leise an, Totenglöcklein. Das Ende ist noch schneller und elender gclommcn, als ich damals glaubte. Wir kehren»oieder zum gänzlich unlitterarischen Bariets zurück, zu den Schlangen- menschen, Röckcschüttlerinnen und MuSkelmonswen. Das Brettl ist an der llebersättigung zu Grunde gegangen, inmitten eines schmerzlichen Hungers nach ivirklicher Brettlkunst. ES hätte den Beruf haben sollen, das Gelächter des Tages aus- zufangen, was eben in der politischen und socialen Welt sich begeben, als grimme Morithaten zu karikieren. Die öffentlichen Personen mußten dort in grellen, Spaß die ernsthaften Tollheiten ihrer Wirklichkeit hinrichten. Hier mochte die Freiheit Recht sprechen, die sroh« Zukunft lockend scherzen, die irnbelümmerte Verminst den Unsinn züchtigen: Das Künstlcrlachen als höchste Instanz über das muffige Regiment der Dunkelmänner und Sklavcnvogte l Nichts von alledem geschah. Man pflegte den anspruchsvolleren Polterabcndscherz, den girrenden Liebesschnack, die gcfeffelte grinsende zeitlose Zote, allenfalls ein bißchen drolligen Ulk von ewigem UnfinnSgehalt. Die Sache ward immer harmloser und zeit- fremder, und das rauschende Gewiebe des Tages versank draußen, abseits, in ungenutzter Kraft. So kam das Brettel um. Wer trägt die Schuld? Mangelt es an Talenten? Die Witz- blätter Iveisen Wisches Leben. Fehlt es an einen, empfänglichen Publikum? Die Leute recken sich in den Ausstattungsstücken der Watton-Theater die Hälse nach aktuellen Anspielungen aus und das zahn, sie und dümmste politische Wort spritzt die von Banichs Schneider- glänz Ermatteten wieder ninnter. Das Schicksal des Brettels ist ein Denkmal deutscher Unfreiheit. Es ist an den Polizeimißhandlungen gestorben. Wie geringfügig ist es vergleichsweise, Ivenn Redakteure gefesselt über die Straße geschleppt, Häftlinge geprügelt oder Damen in Reforinwacht verhastet werden. Hier stirbt die Kultur selbst an der Polizei. Das Lachen wird zertreten, und der lebendige Tag der Kunst aelvaltsmn cnt- wendet. Der Büttel, nordet den Schalk, der doch der' tapfere Führer ist zu allen guten und frohen Dinge». Wem, ich den, nächst einmal Fraktion werden sollte, werde ich sofort interpellieren, was der Herr Reichskanzler.zu thnn gedenke. um die verfassungsmäßige Freiheit der Rede und Schrift der gewalr- samcn Polizeikontrolls zu entziehen, und das Recht aus fruchtbar ge- staltendeS Lachen zu schützen.—(.Joe. Kleines feuiUetorn oe. Frost. Als die Kinder a», Morgen auf die Straße kamen, war das Waffer neben dem Brunnen gefroren. Auf Dächern und Zäunen blinkte der Rauhreif, messerscharf fuhr der Wind um die Ecken. Die ganze Luft lvar voll schneidenden Frostes, die Kinder schien er aber nicht zu stören. Es waren offenbar„bessere Kinder", sie trugen Pelzmützen und warnigefütterte Mäntelchen. Müssen und Boas, da kann der Wind nicht hindurch, und so sahen sie denn nur die erste Schlidder- bahn und stürmten jubelnd daraus los. War das eine Lust, so auf und ab zu gleiten. Die schweren Schulmappen drückten gar nicht mehr, die Augen glänzten, die hellen Stimmen der Jungcns übertönten noch den Straßenlärm. „Schliddern denn da die Kinder schon?" fragte oben in einer Bel-Etagc ein junges Mädchen. Sie wollte gerade die Gardinen aufziehen und hatte dabei den hellen Klingklang unten gehört. Reugierig hastig riß sie das Fenster auf und beugte sich hinaus, auch ihre Augen leuchteten auf:„Ja, sie schliddern, Papachcn, Papachen, nun giebt es Eisbahn, es hat gefroren." „Merke ich. mach das Fenster zu." rief der alte Herr von, Kaffcetisch her,„da kommt ja ein Fuder Kälte herein." »Schauderhaft kalt ist est" Sic hatte das Fenster schon wieder geschlossen und kam an den Tisch zurück. Fröstelnd legte sie die Hände um die heiße Kaffeetasse, ihr ganzes Gesicht strahlte:»Eis- bahn. Papachcn, Eisbahn. Ivenn es so weiter friert, haben«vir sie morgen! lind weißt Du auch, was Du mir versprochen hast, Papachm?" Sie zwinkerte ihm mit den Augen zu. „Nichts weiß ich. gar nichts weiß ich. Was soll ich denn wissen?" Er machte ein böses Brummgesicht, aber um seine Mund- Winkel zuckte es wie verhaltenes Lachen, und sie sah das Lachen, und nun juchzte sie auch schon und saß auf seinem Schoß und legre die Arme um seinen Hals:»Ach, Du weißt nichts. Papachen? Gerade weißt Du's:'n neues Pelzwerk sollt' ich triegcn,'» Skunks- muff und'ne Boa für die Eisbahn. Du hast es mir versprochen. Papachen." ..Hob' ich's versprochen? Na. na hör' mal. dann mutz ich wohl Wort halten, und..." sie schloß ihm den Mund mit Küssen. »lind ich bekomm's. Papachen? Ach, Du liebes, einziges. goldenes Papachen, aber heut' noch; ja? Ich kann's mir doch heul' holen? Es ist ja so kalt..." »Anständig kalt ist's geworden," sagte der dicke Rentier. Er hatte die Spatzen auf dem Balkon gefüttert und kam jetzt wieder in das Eckzimmer zurück.»Der Wind pfeift ja. Tonnerwetter, sogar die Brorkrummen frieren; laß>nan Auguste Hanfkörner mit- bringen, damit die Vögel wenigstens etwas haben; aber laß gleich fünf Pfund holen." »Ich Hab' es ihr schon gesagt," nickte die kleine Frau. Sie war ebenso rund und wohlgenährt wie der Herr Gemahl.»Ja, ja, der Frost, und so früh schon, im November schon, nun können wir wieder was in den Ofen stecken." »Aber ordentlich! Kachel' man rinl" Er hatte sich die Pfeife angezündet und ging behaglich im Zimmer aus und ab.„Steck' in jeden Ofen's Doppelte!'ne warme Stube ist'S mindeste, was der Mensch im Winter haben mutz." «Ja, ja, dann rück' nur auch Geld'raus." Sie lachte ihm zu. »In jeden Ofen's Toppelte, dann werden unsre Kohlen lange reichen." . Schad't jar nischt, Muttcrl Wenn's man warin�wird, kommt s nich auf'n paar Dhaler an. Sich' mal. da sind se." Er war o» das Fenster getreten und wies auf den Balkon, wo sich die Spatzen um ihre Itrümcl rauften. Ein ganzes Weilchen standen sie neben- einander und sahen den Vögeln zu. Die kleine Frau seufzte:„Ja, ja. die armen Dinger, alles hartgefroren, tveirn nun die Kälte an- hält? Was soll'a dann eigentlich werden?" Wenn nun die Kälte anhält, was soll'n dann eigentlich werden?... Unten auf dem Bauplatz lvar's. da standen stc und sahen sich an, in den verwettcrten Gesichtern zuckte es wie Vcrztvcislung. Alles gefroren, die Arbeit ruht. Keine Arbeit, kein Lohn, kein Brot. Und wenn nun die Kälte anhält?.., Drüben beim Brunnen schliddern die Kinder. Die hellen Knabenstiinmen tönen jubelnd durch den sonnenklaren Winter- morgen:„Bahn freit"— Bergbau. U. N e n e ii t d e ck t e Salpeter selber im„T h a l e des Tode s". Große Salpeterfclder, die viel aiiSgedchMr als Sie Chiles fein sollen, sind in Kalifornien im»Thale des Todes" ent- deckt worden. Da die Nachricht nun auch offiziell bestätigt ist, begeben sich Hunderte von Bergleuren und Erzfchlürfern in jene Einöden. Die unter Führung von Professor Gilbert E. Bailey ausgefandte Ex- pedition fand Salpeterablagerungen, die für viele kommende Jahre die Welt damit versorgen tonnen. Die Ablagerungen liegen 13v bis 145 englische Meilen von Daggett, 110 bis 130 Meilen von Rands- bürg und 45 bis 70 Meilen von Ballarat. Sie erstrecken sich über ein Gebiet von mehr als 25 Meilen Länge und 15 Meilen Breite. Der nächste Ort in der Gegend der Salpeterlager, an dem es Wasser qiebt, ist 35 Meilen davon entfernt; es sind Schachte bis zu 45 Fuß Tiefe gemacht worden, ohne dag man auf Feuchtigkeit stieß. Man glaubt, daß im nächsten Winter das Salpetersieber allgemein werden wird. Da große Geldauslagen nötig sind, um Expeditionen dorthin aus- zuschicke», iind die Chancen des Einzelnen nicht groß. Bis jetzt kennt man die wirkliche Ausdehnung der Salpeterlager noch nicht genau. „Alle bis jetzt entdeckten Salpeterlager," sagte Professor Bailey, „liegen im nördlichen Teil der Grafschaft San Bernadino und er- strecken sich bis in den südlichen Teil der Grafschaft Jnyo. Man findet sie an den Küstenlinien entlang, die die Grenze des Todes- thales, wie es während der Eocänzeit war, bezeichnen. Einen Be- griff von dem möglichen Wert der Felder erhält man bei Betrachtung des Natronsalpeters, der in Flözen von sechs bis zwölf Fuß Dicke liegt. Die Thatsache, daß es in Kalifornien Salpeter giebt, ist viel- leicht schon zwanzig Jahre bekannt; aber man maß den ersten Ent- deckungen keine Bedeutung bei. Ein Hindernis war es auch, daß man keine genauen Analysen erhalten konnte. Die Salpeterlager in Kalifornien ähneln denen in Chile sehr, der Salpeter beider Länder wurde unter denselben geologische» Bedingungen gebildet, in beiden Ländern ist er ein besonderes Produkt ihrer großen Wüstengegenden. Bailey entwirft ein farbiges Bild von der geheimnisvollen Wüste. „Wenn die Natur in gewisier Beziehung unfreundlich gewesen ist, so war sie andrerseits verschwenderisch mit ihren Gaben. Das Thal ist gelb vom Sand und schwarz von Lava, aber die Soda-, Salz- und Boraxlager, die sich darin befinden, schimmern schneeweiß. Jede Spitze, jede Schlucht und jede Schicht hat ihre eigne Farbe, und nicht zwei gleichen einander genau. Sie variiren vom reinsten Marmorweiß zum Lavaschwarz, vom hellsten Grün zum dunkelsten Karmin, vom zarten Crem zum Purpur. Glanz und Dunkelheit der Farben sind gemischt und kontrastieren in prächtigen Massen, die jeder Beschreibung spotten. Es ist das Land der Gegensätze; eine wirkliche Wüste, aber voller Reichtum; eine Gegend des Todes, aber für eine Hälfte des Jahres einer der gesundesten Orte; ein Ort, wo die Temperatur von 120 Grad Fahrenheit im Schatten bis 40 Grad unter Null während des Jahres springt, wo im Durchschnitt kein Regen fällt, und dann wieder Wolkenbrüche in einer Stunde die Natur verändern. Dort findet man Seen auf den Bergspitzen; die Flüsse bewahren ihr Dasein nur durch Verstecken unter dem Kies und kommen nur an die Oberfläche, wenn sie durch die Felsbarriere dazu gezwungen sind. Es ist ein dürres Land, in dem die Menschen an ungestilltem Durst sterben. Es ist als wasserlose Wüste bekannt, und doch sind seine Quellen die Lieblingsaufenthaltsorte der aus- wandernden Gänse und Enten. Die Bergzüge und Ebenen sind völlige Wüsten, ohne Bäume und Wasser, doch an vielen Quellen ist Wasser genug, um das Land zu bewässern. Die eingerickiteten Farmen sind wirkliche Oasen und entzücken den müden Wanderer und versorgen ihn mit neuen Vorräten an Obst, Gemüse und Heu."— Technisches. gr. Photographische E n t w i ck l u n g s m a s ch i n e. Bisher galt das Entwickeln phorographischer Ausnahmen als eine so peinliche Arbeit, daß man wohl kaum auf den Gedanken kam, diese Thätigkeit maschinell zu bewirken. In der letzten Sitzung des Photographischen Vereins zu Berlin wurde aber eine Entwicklungsmaschine für Kodak-Films vorgeführt, die größeres Interesse verdient. Bekanntlich arbeiten viele photographische Auf- nahme-Apparate mit sogenannten Films, worunter man ein langes Band für sechs oder zwölf Aufnahmen versteht, welches sich als licht- empfindliches Präparat um eine Rolle spult. Die gewöhnliche Ent- Wicklung derartiger Bänder geschieht meist in der Weise, daß man ein solches Band an den Enden mit je einer Hand anfaßt und es auf und nieder durch eine Schale mit einem Entwickler usw. zieht, was in Anbetracht der Länge eines solchen lichtempfindlichen Streifens für 12 Aufnahmen ziemlich anstrengend ist. Die vorgeführte kleine Maschine, die man bequem in einem Kästchen, welches etwas größer als eine normale Cigarrenkiste ist und naturgemäß mit der Größe der Aufnahme-Apparate wächst, bei sich führen kann, erledigt nun die bei Tages- oder künstlichem Licht vornehmbaren EntwicklungS- arbeiten in einfachster Weise. Diese Entwicklungsmaschine hat die Gestalt eines zweiteiligen Vlechkastens, der zwei Achsen besitzt, die außen je eine Kurbel haben; an der einen Seite ist außerdem eine Befestigungsvorrichtung zur Aufnahme der Filmsrolle vorgesehen. Die beiden Achsen sind mit einem langen rotgefärbten Celluloidstreifen verbunden. Man arbeitet nun mit der' Maschine in der Weise, daß man den schwarzen, schützenden Papierftreifen der Filmsspule an der einen Achse, von der man vorher das Celluloidband abgehakt hat, befestigt und teil- weise aufwickelt; jetzt wird das rote Celluloidband wieder an dieser Spindel angehakt und mit dem lichtempfindlichen Streifen herum- gedreht, nachdem man zuvor den Entwickler in diesen Teil des Blech- Verantwortlicher Redakteur: Earl Leid in Berlin.— Druck und Verlag: gefäßes gegossen und den Deckel hinaufgelegt hat. Durch fortge- setztes Kurbeln während etwa 4 bis 5 Minuten wird jetz der Films- streifen durch den Entwickler gezogen. Um die innige Berührung der lichtempfindlichen Schicht mit dem Entwickler auch sicher zu er- reichen, ist das Celluloidband an beiden Seiten mit einem gerippten Gummistreifen versehen, so daß der Entwickler überall ungehinderten Zutritt zu der Oberfläche des Films hat. Unter Benutzung eines be- sonderen Entwicklers wird, wie vorgenommene Versuche zeigten, eine gleichmäßige Entwicklung erreicht, ganz gleichgültig, ob Zeit- und Momentaufnahmen auf einem solchen Film in bunter Reihe wechseln. Nach 4 bis 5 Minuten wird der Enwickler ausgegossen. Wasser in die Entwicklungsmaschine gethan und durch Drehen an der Kurbel ein kurzes Waschen vorgenoinmen. Hat man dann das Wasser wieder entfernt und eine Fixierlösung in den Apparat gethan. so wird in der eben erwähnten Weise weiter verfahren. Nunmehr wird die Fixierlösung ausgegossen und ein gründliches Waschen der Films durch wiederholtes Erneuern des Wassers und etwa 5 Minuten langem Drehen an der Kurbel erreicht. Wenn auch dieser kleine Apparat hauptsächlich für Amateurphotographen großen Wert haben dürste, da er ja das lästige Arbeiten in der photographischen Tunkelkamnier, solveit wenigstens Filmsaufnahinen in Frage kommen, vollständig erspart. so hat er sicherlich auch für viele Fälle praktischen Wert für die Berufsphotographen.— Humoristisches. — Zeitgemäß. Käuferin:„Sind die Eier ganz frisch?" t ä n d l e r:„Ob sie frisch sind I... Wenn Sie sich gefälligst elephon bemühen»vollen, dann können Sie die Hennen noch gackern hören, die sie eben gelegt haben I"— — In der Kunstgeiverbe-Schule. Professor: ..... So, hier haben Sie eine interessante Blume! Davon machen Sie mir jetzt eine moderne Zimmereinrichtung!"— — Ein Schlaumeier. Vor dem Theater steht eine große Menge Menschen, die auf Einlaß warten. Da kommt ein Mann und klappert mit einem Schlüsselbund. Alle machen erivartuugsvoll Platz. Er gelangt unbehindert zur Thür, steckt die Schlüssel— in seine Tasche und wartet ebenfalls, als Erster an der Thüre» bis sie geöffnet wird.—(„Fliegende Blätter".) Notizen. — Eine Björn son-Biographie von Chr. Colli» er- scheint zum 70. Geburtstag des Dichters(8. Dezeinber) bei Albert Langen in München.— — Eine Robert Schumann- Biographie, ans der Feder von Hermann Albert, erscheint reichsilluswiert im Verlag „Harmonie"(Berlin). Pr. 4M.— — Im Verlage von Simon Bernsteens in Kopenhagen erscheint denmächst in einer Auflage von 760 numerierten Exemplaren, das erste gedruckte Buch Gutenbergs in deutscher Sprache:„Die Mahnung", wie es meist genannt wird, oder, wie der Titel voll- ständiger lautet, die„Mahnung der Christenheit wider die Türken". Das Buch erscheint, nach dem einzigen Ereinplare in der Münchener Staatsbibliothek, zum erstenmal vollständig herausgegeben, mit Er- läuterungen von Johannes Neuhaus. Unter den Drucken Guten- bergs nimmt die 1454 entstandene„Mahnung"— neun Seiten in Ouarto— einen hervorragenden Platz em. Aus dem Drucke er- fahren wir seine Technik und sehen, wie reif die Erfindung schon ge- worden war, da die ersten Bücher erschienen.„Die Mahnung" ist unter den letzteren besonders wichtig, weil darin zum erstenmal die gegossenen Typen austreten.— — Otto E r n st S„Flachs mann als Erzieher� ist vom hiesigen Schauspielhaus übernommen ivorden.— — Frank Wedekindö vieraktige Tragödie„Erdgeist" wird noch in diesem Monat im Kleinen Theater aufgeführt werden.— — Kapell m ei st erEinöds hofer veranstaltet am Montag in seinen populären Konzerten im Reuen Konzert- haus einen Komponistenabend.an dem zumeist Kompositionen von Strauß(Johann, Josef und Eduard) auf dem Programm stehen werden.— — Elsa Laura v. Wolzogen ist brettlflüchtig geworden; sie wird am 7. Dezember im Beethovensaal ein Konzert veranstalten.— —„Eine Sitzung deö Deutschen Reichstages', betitelt sich ein umfangreiches Gemälde, das gegenwärtig in Berlin der Vollendung entgegengeht. Der Münchener Maler Georg Waltenberger arbeitet seit zwei Jahren an diesem Werke.— — Bei der P r e i ö v e r t e i l u n g für die eingereichten Ent- würfe zum RathanSbau in EberSwalde erhielten: den 1. Preis(3000 M.) die Architekten Cremer u. Wolffenstein. Berlin; den 2. Preis(2000 M.) die Architekten Köhler u. Kranz, Charlotten- bürg; den 3. Preis(1500 M.) Karl Roemert, Berlin.— — o. Die Gnindung einer jüdischen Universität planen, nach einer Londoner Zeitung, die Führer der Zionistenbewegung. jüdische Geldleute sollen schon 1 000 000 Fr. für die Kosten des Planes, der im ganzen etwa 12000000 Fr. erfordert, garantiert haben. Gleichzeitig ist ein Plan im Gange, eine vollständige Ge- schichte des jüdischen Volke« vorzubereiten.—_ Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.