Hinterhallungsblatt des Borivärts Nr. 242._ Freitag, den 12. Dezember. 1902 (Nachdruck verboten.) 51 Im Kreife» Erzählung von W a c l a w Sie'roczewski. Deutsch von Rosa Schapire. Alexander senkte die Augenlider, seine Lippen zitterten. „Du hast im Leben wenigstens etwas gehabt. Jetzt bleibt Dir das Kind. Ich habe nichts gehabt." „Laß's gut sein!" „Was wirst Du nun anfangen? Willst Du einreichen, daß sie Dich näher an der Stadt ansiedeln?" „Kaum, daran habe ich nicht gedacht. Meine Pläne sind die gleichen: Ackerbau.. Was könnte man hier andres thun?" Jakob zog die Schultern hoch. „Ich glaube nicht, daß sie Land hergeben werden." „Wenn Du nicht einmal glaubst, daß sie hier etwas geben, dann erst recht nicht in der Nähe der Stadt.." „In der Nähe der Stadt giebt's mehr Menschen: man kann eher bekommen, was man braucht, und Du wirst jetzt viel mehr brauchen." _„Versteht sich, besser wär's schon. Aber wozu Luft- schlösser bauen? Ehe Antwort aufs Gesuch kommt, vergehen Monate. Sie können's abschlagen, und sie thun's sicker, und ich Hab' unterdessen Difkder ein Jahr verloren. Der Frühling steht vor der Thür— und ich kann wieder nicht säen. Außerdem ist so ein Umzug immer nnt Kosten und Verlusten verbunden. Man kann all diese Kleinigkeiten nicht mit- nehmen, die scheinbar nichts bedeuten und aus denen schließlich die ganze Wirtschaft besteht. Ucbrigens, ofsen gesagt, ich bleib' lieber hier. Hier bekomme ich mehr Land, wenn sie endlich dazu bereit sind. Ich werde eine Mühle bauen, viel säen und einen Mehlhandel ansangen. Konkurrenz giebt's keine, hier mahlen sie alle ihr Getreide mit Handmühlen und säen wenig. Die Mehlpreise sind hoch, man könnte etwas für später zurücklegen." „Du glaubst, daß Du so lange hier bleiben wirst?" fragte Jakob mit einem gewissen inneren Schrecken. „Wer weiß.." „Und vielleicht rentiert sich die Geschichte nicht. Du wirst Arbeiter halten müssen, billig einkaufen, teuer verkaufen und schlechte Löhne zahlen. Fürchtest Du nicht, daß Du unter solchen Bedingungen das letzte verlierst.. die Seele." „Was soll sie mir?.. Verlierst Du Deine etwa nicht?" Jakob wollte antworten, aber Alexander unterbrach ihn. „Mein Lieber, wir haben gegeben, was wir hatten, der Rest ist unser, und es ist nur ein trauriger Rest. Wenn wir Almosen von den Jakuten annehmen, sind wir dann nicht in einer falschen Lage?.. Verlieren wir dann nicht eben diese Seele, um die Du Dich sorgst?" Jakob war andrer Meinung, aber er schwieg. Wieder- holte er doch jedem, der ihn nur anhören wollte: leben wie ein Hund— und er selbst gab dies Beispiel— nichts verlangen, keine besonderen Gesetze und Ausnahmebestimmungen für sich erwarten und— aushalten, nur aushalten! Er sah ein, daß dies über die Kraft der meisten ging, die schon so müde geworden waren. Diese paar Rubel Zuschuß von der Regierung reichten ja nicht für die allerbescheidcnsten Be- dürfnisse. Das Fehlende mußte man eben mit Hunger zu- flicken, und darauf konnte sich ja Alexander unter den jetzigen Verhältnissen durchaus nicht einlassen. Also wozu streiten und ihm Unangenehmes sagen? „Glaubst Tu, daß mir das nicht schon zuwider ist?" fuhr Alexander fort.„So oft der Aufseher Butter bringt, Milch und Mehl, die krünichen- und tropfenweise zusammen- gespart sind bei armen Teufeln, die vielleicht noch weniger haben als ich, ist mir's, als wenn ich einen Schlag ins Gesicht bekäme. Nie hatte ich den Mut, mich zu überzeugen, ob Gavickt und Qualität den Zusagen der Gemeinde entsprechen. Schließlich bestehlen der Kniaz*) und der Aufseher mich und die Gemeinde, geben mir weniger als sie bekommen und ver- tauschen bessere Sachen gegen schlechtere. Nie hat's gereicht! •) Der Rang eines Kniaz entspricht ungefähr dem eine» Torf- schulzen. Und jedes Vierteljahr dieser Kampf ums Almosen, dieser er- niedrigende Handel! Daß die Jakuten danach streben, ihre Abgaben zu verringern, ist ja selbstverständlich. Solche wie mich haben sie zu Hunderten auf dem Halse, und eines schönen Tages muß das ein Ende nehmen, denn sie füttern die An- siedler nicht aus Menschenliebe, sondern aus Furcht und Gewohnheit. Im Augenblicke, wo sie sich überzeugt haben, daß ihnen von uns aus nichts droht, werden sie sich weigern. Hatten wir etwa keine Beispiele? Haben sie Dir nicht das Haus verweigert? lind wenn's einmal zu Ende sein soll, dann je früher, je besser. Heute habe ich noch Mittel, noch Kraft. Und um aus einem verwunschenen Kreise zu treten, muß man beinahe immer Gewalt anwenden. Und es ist notwendig, da gilt kein Ueberlegen mehr und keine Er- wägungen. Ich will wieder ins Leben zurück und darum muß ich Land haben. Wenn sie wütend sind, einerlei, sie werden schon wieder gut werden. Ich lwbe ein Recht darauf und lass' nicht locker, l!�"igens ist mein Kind ebenso gut wie das andrer Leute," f..e er mit Nachdruck hinzu. Jakob saß niit gesenktem Llopfe. Er fühlte, daß eine Mauer sich zwischen ihnen aufrichtete, die durch Erwägungen, durch Gründe nicht niederzureißen war. Er schwieg, aber es war ihm traurig zu Mute. „Der häusliche Herd!,. Immer das gleiche," sagte er sich in Gedanken. Sie setzten ihr Gespräch nicht länger fort, schüttelten einander die Hand und gingen schlafen. Alexander stand wie immer zuerst auf. Er brauchte nicht viel Schlaf. Er sah nach dem Pwrd, gab ihm Heu, hackte Holz, machte Feuer an, setzte Theewasser auf, machte das Brot zurecht und Jakob und Zosia schliefen immer noch: so setzte er sich neben den Herd und achtete auf das Brot, das er röstete. Ajax lag ihm zu Füßen, blinzelte mit den Augen und hatte seinen großen Kopf vom Feuer weggewandt. Plötzlich spitzte er die Ohren, öffnete die Augen und knurrte. Die Thür ging leise auf. „Halte den Hund fest. Fremder!" „Still, Du weckst das Kiich.. Ajax pst!'' Bescheiden und unterwürfig trat ein in Lumpen gehüllter Jakute, mit großem!kopf und auffallend vorstehenden Augen, ins Zimmer. „Wie geht's Dir? Was giebt's Neues? Erzähle, setz' Dich!" begrüßte ihn Alexander, der ihm die Hand ge- geben hatte. „Was soll's geben? Nichts Neues!" „?lch, etwa? giebt's immer. Setz' Dich! Ist der Zasiedatiel schon da?" „Ja," antwortete der Jakute nachlässig.„Dumme Menschen, sehr dumme Menschen!" Unmerklich hielt er mit seinen großen Augen, die ihm den Spitznamen„Froschauge" eingetragen hatten, Umschau im Zimmer. „Hast Dein Mädel mitgebracht?" fragte er flüsternd. „Ja!" "Und wirst Land verlangen?" 'Alexander bückte sich, ohne zu antworten, über sein Brot, das er in der Pfanne zurechtschob. „Du glaubst wohl, ich mißgönn' Dir's," sagte der Jakute. „Nimm, was Du kannst, das wird ein gutes Stück Brot geben. Die Erde hier ist fruchtbar, sehr fruchtbar! Wir armen Hungerleider werden auch unser Brot bei Dir finden. Es wird Arbeit geben und Geld." „Höre.„Froschauge", weißt Du nicht, wer mir hier einen Trog machen könnte? Groß genug, um das Kind zu baden und Wäsche zu waschen." „Solch'nen Trog konnte auch ich machen." „Und einen Kahn?" „lind einen Kahn?" � „Was willst Du damit? Das wird viel Geld kosten. Einen wirklichen Kahn kann niemand machen als Tusa." „Hast Du mir den Pflug gemacht?" „Ja, er trocknet schon. Tu kannst ihn haben." „Bring' ihn mir. Jetzt kann ich nicht viel aus dem Haus geben." „Schön! Werd' ilm bringen. Hör', Liksandra, meme Frau schickt ein Gastgeschenk für Dein Mäderl. Dem.Kinde wkrd die Milch fehlen. Arme kleine Waise!" Bei diesen Worten langte er unter seinem Mantel ein kleines aus Birken- rinde geflochtenes Eimerchcn hervor und gab es ihm. „Papa, wer ist das?" rief Zosia mit ihrem kleinen Vogel- stimmchen. Sie saß aufrecht in den Kissen und betrachtete auf- merksam den Jakuten. Ter Vater nahm sie auf den Arm, trug sie zum Feuer und begann sie anzuziehen. Ihre gold- blonden Haare, das weiße, europäische Hemdchen, die kleinen Grübchenhändc und ihr kirschrotes Mäulchen, all das interessierte den Nachbar. Er kam näher und berührte mit seinen groben, schwarzen Fingern den Körper und die Kleider der Kleinen. „Was ißt sie denn?" fragte er nachdenklich. „Was wir alle essen." „Ach! ach!" seufzte er.„Hör' mal, Fremder, hast Tu bielleicht Thee und Salz mitgebracht? Ich habe Salz sehr nötig. Tie Kälber haben Turchfall; zwei sind mir gefallen." „Salz brauche ich selbst. Ich war nicht in der Stadt. Tu wirst Kapitou bitten müssen. Weißt Tu nicht, ob er Seife hat?" „Wer kann das wissen? Wird schon welche haben. Sind za reiche Leute, vielleicht waschen sie sich sogar." Alexander zog Zosia an und weckte Jakob. ..Steh' auf. Langschläfer! Ter Thee ist fertig!" „Ich bin schon lange wach," versicherte Jakob. „Pure Einbildung. Du hast so geschnarcht, daß„Frosch- mige" erschrocken ist und geglaubt hat, Ajax belle." „Wartet nicht auf mich." Er zog sich langsam an, während sie sich unterdessen zu Tische sehten. „Komm' später wieder,„Froschauge", ich bitr' Dich, und bring' eine eiserne Stange mit. Man muß das ins Eis ge- schlagene Loch reinigen. Es ist zugefroren, während ich fort war. Und mit der Art kann man kein Wasser kriegen," sagte Alexander zum Jakuten, der sich zum Ausbruch rüstete. „Bring' Maja her oder noch besser, schick' sie gleich, ich muß zu Kapiton fahren." „Vergiß nicht, Salz für mich mitzubringen." „Ich will daran denken. Schick' Maja sofort." Bald darauf kam Maja,..Froschauges" zehnjähriges Mädel, eine hübsche, aber unglaublich schmutzige und ab- gerissene kleine Jakutin. „Auf das Kind hätte auch ich achten können. Wozu ist sie gekommen?" protestierte Jakob. „Heute ist der erste Tag, sie wird sich langweilen. Laß sie sich eingewöhnen und die Menschen hier kennen lernen," rechtfertigte sich Alexander. Er befahl Maja, sich zu waschen, schenkte ihr eines seiner Hemden unter der Bedingung, daß sie es sofort anziehe und legte ihr ans Herz, auf Zosia zu achten. Die kleinen Mädchen baten sich aus, ihn bis zum See be- gleiten zu dürfen. Das Thal, in dessen westlichem Winkel Alexanders Jurte Platz gefunden, bestand aus einer weiten Ebene. Ein langer See, schmal wie ein Fluß, teilte es in zwei Hälften. Ter- jenige Teil, den Alexander bewohnte, war fast ganz von einem nassen„Kaltus" mit ungeheuren Büscheln überwuchert. Die Büschel ragten lvie runde Pflastersteine eines schlecht ge- pflasterten Platzes aus dem Schnee hervor. Am jenseitigen Ufer deS Sees dehnten sich ebene, weißlich schimmernde Wiesen ans, dann Gestrüpp, Werder und Haine; einzelne Heuschober hoben sich scharf ab von dem schwarzen Zaun, der sie umgab. Die eine Seite des Thales begrenzte im Halbkreise ein dunkler Wald, darüber ragten in der Ferne Bergketten in ver- schwimmenden Linien. Der Forst um Alexanders Ansiedelung stieß nicht an den Wald; er stand abgesondert für sich da, wie ein schönes an den Rand eines Abgrundes hingeworfenes Waldbougnet. Der Himmel, der darüber hing, durchbrach wie ein Fenster den dunklen Waldesring und ließ das Auge in die Ferne schweifen. Und gern kehrte der Blick nach diesem Punkte zurück. War es doch ein beständig wechselndes Bild, ob im Nebel weiße Dünste ausstiegen, im Sturm der Schnee sich zusammenballte oder kleine Wölkchen am Himmel trieben. An, schönsten aber war der zartblaue Himmel, klar wie eine Thräna und doch undurchdringlich und un- endlich weit. Das eine Ende des Sees berührte den Abhang und drohte sich dareii' zu ergießen im Augenblicke, wo das Ufer stärker unterwühlt wäre, das andre verlor sich im Walde. ?lnf derselben i�eite. wo Alexanders Ansiedelung stand, etwa eine Melle entfern r. erhob sicb am �eeufcr Froschauges Jurte. Ter Weg zu ihr führte im Winter über den gefrorenen See. Tie Jurte umgaben Zäune und einige armselige Wirtschaftsgebäude. Vonl Hain, der sie beschattete, zog sich längs des Sees eine Reihe von Bäumen, die eiiL.� schönen, natürlichen Arkadengang bildeten. Zwischen den DHuncn schimmerte der Wald in der Ferne, und die sich wie ein Band schlängelnde Straße. In Froschauges Ansiedelung tränkte Alexander sein Pferd nnd ritt auf die gegenüberliegende Wiese, die iw der Frühlingssonne glänzte. Ueber dem Schnee zitterte die warme Morgenluft, und der Boden glänzte im Sonnenschein in tausendfarbigen' Lichtern. Wronh, durchkältet, riß un- geduldig am Zügel.. Alexander schlug ein schnelleres Temvo an. Er jagte über die Wiesen und ließ im Galopp das elende, kleine Tors hinter sich, aber aus einer der Jurten kam eine junge Jakutin heraus, die das Hundegebell vor die Thür gelockt hatte. Wrony warf sich wiehernd zur Seite, der Klang des silbernen Gehänges, das ihre Haare schmückte, hatte das Pferd erschreckt. „Liksandra? Litsandra!" rief sie und setzte über den Zaun.„Warte!" (Fortsetzung folgt.) (Rachdruck Verbote!!.) (ZefimäKeLtspflege. Tie praktische Bedeutung der Gesundheitspflege im öffentlichen Leben ist zwar schon von den ältesten Kulturvölkern anerkannt worden, jedoch war«S der modernen Zeit vorbehalten, sie auf allen Gebieten zum Durchbruch zu bringen. Die Notlocndigkeit gemein-- sanier Abwehr feindlicher Angriffe und gemeinsamen Schutzes gegen diese, welche überall der(rntioirfelung staatlicher Organisationen zu Grunde lag. mußte schließlich auch dazu führen, auf dieselbe gciueinsame Weise diejenigen Einflüsie. zu belämpft». welche das gesundheitliche Befinden der Gesamtheit störten. Da- bei war von der Allgemeinheit immer nicht bloß der nngesunde Zustand an sick,. sondern aucki der Stblendrian der Einzelnen zu bekämpfen, der diesen ungesunden Zustand nährte. Bereits die Staatsmänner der ältesten Staaten haben die Förderung der öffentlichen Gesundheit als eine wesentliche Aufgabe ihrer Wirksamkeit bettachtet. Man braucht nur zu erinnern an das alte Aegypten und den alten israelittschen Staat mit ihrer organisierten Belämpfung des epidemischen Aussatzes und der sexuellen Ansteckungs« lraukheiten, der Abwehr der schädlichen Folgen der Unreinlikbleit, der tli- matischen Fehler; nur zu erinnern an die vielen gesetzlichen Bestimmungen bezüglich Kleider, Nahrung, Bäder. Waschimgen, Wohnftäxten. Bestand doch schon bei den Aegyplcrn die öffentliche Fleischschau, und den gut befundenen Rindern wurde, wie Hcrodot berichtet, ein Papierftteiscn um das Horn gewickelt sowie ein Siegel aus Thonerde darauf ge- drückt. Auch die Griechen hatten bereits sehr früh eine öffentliche Gesundheitspflege. Die großartigen Trinkwafferleitungen wie die Stadlreinigungöbauten legen Zeugnis ab, wie man in Rom die praktischen Aulgaben öffentlicher Gesundheitspflege zu lösen suchte. Unter Auguswö wurden sogar baupolizeiliche Vorsciirisiei, in Bezug auf die Maximalhöhe der Häuser erlaffcn. Die öffentlichen Bäder zeigten schon durch die Art der Anlage, daß sie auf den großartigen Massengebrauch eingerichtet waren. Das Christentum, welches das Recht des FudividiniinS in höherem Grade betonte, hcnimte auch durch seine asketische Richtung vielfach, >vie die wissenschaftliche Entwicklung der Naturforschung überhaupt, 10 auch die öffentliche Gesundheitspflege. Wie ein Gelehrter zu- treffend sagte:„Die Asien! erklärte dem Körper überhaupt grund- ätzlich den Krieg; er ist ihr nur ein feindseliges Gefängnis des Geistes, alle organischen Instinkte und Triebe sind vom Bösen." Auf die öffentliche Gesundheitspflege war dies von einer schlimmet» Wirkung und so wurde denn bald die Gesellschaft von den schlimnisten Seuchen heimgesucht, ohne daß sie sich derselben zu erwehren vermochte, lind diese Seuchen galten dann als eine Sttafe Gottes. Für die Verachtung deS „Fleischlichen" gab cS drastische Beispiele. Die 1077 gestorbene heilige Agnes versagte sich aus Frömmigkeit jedes Bad, die heilige Margaretha wusch sich aus dem gleichen Grund« gar nicht mehr. Die Nonnen des Klosters Gcisenfeld erhielten einen scharfen kirchlichen Tadel, weil sie sich aller 14 Tage badeten. Im 11. Jahr- hundert verbot eine päpstliche Bulle, Sonntags zu baden oder das Gesicht zu waschen. Erst die Kreuzfahrer brachten ans dem Orient wieder die Gewohnheit regelmäßigen Badens zurück. In die schmutzigen Städte, m die winkligen Straßen und die engen Wohnungen kam erst allmählich wieder mehr Reinlichkeit. All- gemeines Ctairnen erweckte es, als 1368 die Nürnberger ihre Straßen zu pflastern begannen und nicht miitder bettachtete man es als Betoeis eines unerhörten ReinlichleitSttiebeö, als 1367 der Magisttat von Mühlberg a. d. Elbe bestimmte:„Der Mist soll nit länger auf dem tWarkt liegen denn 14 Tag, darauf länger nur mit Urlaub der Bürger und oes Richters, bei 72 Den. Sttafe." All- zemein stand in den Straßen der Städte das Wasser in tinkendcn Tümpeln, die FänlniSstoffe wurden zwischen den Hänsern aufgeworfen, auf den Straßen wälzten sich die Schweine nnd die Jauche sickerte durch den Boden in das Grundwasier, von da in die Brunnen und lourde so von dcn�Mcnschen gcttnnken. Die Friedhöfe lazcn mitten in den Städten; m einer total verpesteten Luft, deren Abströmen die winklige Bauart der Srädle und die hohen Sladtmaucrn verhinderten, hausten die Menschen und wurden natürlich von schreck- lichen und unaufhörlichen Krankheitszuständcn heimgesucht, die sich zu verheerenden Seuchen steigerten. Die Sterblichkeit erreichte eine nie gekannte Höhe. In Berlin begann erst mit dem Anfange deS 19. Jahrhunderts die Geburtenzahl die Todesfälle zu überwiegen und wie andre Städte so erhielt sich auch Berlin bloß durch seinen Zuzug vom Lande. Diese Seuchen aber erzwangen allmählich eine systematische öffentliche Gesundheitspflege. In Deutschland muhte 1429 Kaiser Sigismund eine Verordnung erlassen, welche die Reichsstädte zwang, gegen die Pcstnot besoldete Stadtärzte anzustellen. In Nürnberg wurden seit dein Anfange des 19. Jahrhunderts die öffentlichen Brauhäuser unter Aufsicht gestellt, über die Beschaffenheit von Brot, Bier, Wein, über die Reinhaltung von Häusern und Straffen, Kleidern und Bettzeug von Kranken wurden Verordnungen erlassen. Unter den deutichen Staaten ging zuerst Vrcuffen vor. Die Pest, die von Ungarn her drohte, machte zu Anfang deS 18. Jahrhunderts die Stiftung deS„Collegium Sanitatis" notwendig. 1675 wurde überdies ein„CoUogivun medicum" begründet und zu gleicher Zeit begannen die Magistrate der Städte, darunter auch Berlin, KrciSphysikcr zu wählen. Dieses Recht wurde erst 1819 den Städten wieder genommen und ging dann auf den Staat über. Seit 1762 hatte jede Provinz ihr Sanitätskollcgium in Berlin saff daö Obcr-Sanitätökollegium, dein eine ausführliche Instruktion von 1786 die Aufsicht über alle nötigen Anstalten bei epidemischen Krankheiten und„über alles, was die Erhaltung der Gesundheit und Abwendung allgemeiner Krankheitsursachen unter Menschen und Vieh betrifft", übertrug. Berlin selbst bemühte sich, wie andre Städte, frühzeitig, die öffentliche Gesundheit zu heben. Hierhin gehören auch die ? ahlreichen Vorschriften für die Gewerke über die Bc- chaffenheit der zum Verkauf zu bringenden Waren. Es gehören ferner hierhin die zahlreichen Vorschriften des Berliner Handelsrechts, das Lagen! von Waren, das Verkaufsrecht. Berlin nahm für sich das Recht' in Anspruch, von den auf der Spree oder auf den durch die Stadt laufenden Straffen durchgeführten Waren, gleichviel wohin sie bestimmt waren, das vorweg zu kaufen, was man bedurfte. Die Stadt sickerte so den Belvohnern gute und frische Ware, ein wesentlicher Bestandteil des Wohlbefindens der Bevölkerung. Auch die Zünfte versuchten durch gewiffe Vorschriften für bessere Nahrungöiniitxl zu sorgen. Dagegen dauerte es loie andcrloärts so auch in Berlin lange, bis mit dem Schlendrian des Einzelnen m der Viehhaltung gebrochen und das letzte Rüffcltier aus den Straffen vertrieben war, wo eS sonst die üblen Abwässer vor den Häusern zu Schlamm getreten und gewühlt und sich dann so lange grunzend darin gewälzt hatte, bis die Sonne den Schlamm trocknete. Im 16. Jahrhundert erschienen zu Berlin bereits einige Ver- ordnungen der kurfürstlichen Regierung, betteffend die Uebcrtvachung der Heilanstalten, Apotheken und Arzneiprcise. Das im 17. Jahr- hundert begründete Berliner Collegiruri medicum leitete die zweck- und sachgemäße Ausbildung der Studierenden aller Zweige der Heilkunde, cS prüfte daö gesamte Heilpersoual ein- schließlich der Bader, Bruchärzte, Scharfrichter und sonstiger Specia- listen jener Zeit; bcauffichtigte überdies auch deren Thättgkcit. Es revidierte die Apotheken, überwachte den ungesetzlichen Verkehr mit Arzneimitteln und die Kurpfuscherei. 1694 arbeitete ein Clollcgmm medicum den Entwurf einer Mcdizinalordnung aus über die Pflichten und Rechte der Aerzte, Apotheker, Hebammen und Barbiere, die noch heute durck) ihre verständnisvolle Behandlung der Sache Bewunderung erregt. Dieser Entwurf wurde 1725 zur Grundlage eines Medizinal-Edittes der preußischen Regierung. In einein Edikte wird darüber Klage geführt,„daß in der Medizin, Chirurgie und Pharniacie allerhand schwierige Verordnungen und höchst gefährliche Miffbräuche annoch beibleiben", auch.daß sich Leute von allerhand Stand, Professionen und Handwerker finden, Ivelche sich zum größten Verderb und Nachteil des innerlichen und äußerlichen Kurierens anmaßen, ja gar Medikamente selbstens präparieren und solche an die Patienten austeilen und verkauffen, und dadurch viele Menschen um ihre Gesundheit und Leben bringen". Deshalb fände man es höchst nötig,„daß ein solches in der Medizin eingeschlichenes Unwesen und Mißbrauch ein vor allemahl gäntz- lich abgeschaffet werde". Tie Folge war die Gründung daö Ober-Oollogiurn medicum in Berlin, der Provinzial-Collogia modica. Durch dieses Reskript wurde weiter die Zahl der Apotheken in Berlin auf„neun Teutsche und dreh Französische" rcduciert, der- aestalt, daß„in Berlin die dreh älteste Deutsche privilegierte, in Cölln zwcy, auf dem Friedrichs-Werder eine, auf der Friedrichs- Stadt eine, auf der Dorotheen-Stadt eine, und auf der Königs- Stadt eine Apotheke hinkünfftig seyii, und darneben die drei Frantzö- fische Apotheken und mehr nicht, wo sie schon wohnen, bleiben." Dann verbot die Verordnung, abgesehen von diesen privilegierten Apotheken, den Handel mit Medikamenten,„nachdem sich auch allerlei Leute, denen daö Medicinalwesen gar nichts an- gehet, als Buchdrucker, Buchhändler, Zuckerbäcker, Kaufleute, Ärähmer und dergleichen sich unterstanden, mit Arzeneyen zu handeln, auch viele Manns- und Frauenspersonen, denen das Artzcncy- und Apokhelcrwcscn im geringsten nichts angehet, allerlei Medicamcnte selbst praeparicren und solche unter dem Schein der Gutthättgkeit austheflen". Auch den„Marktschreiern" ging die Vorordnung zu Leibe: „NebrigenS soll denen auf den Jahrmärkten herumziehenden Bruch- schneidern und Zahn-Acrtzten, auch Wurzel-Krähmern garnicht erlaubet sehn, oeffenilich auszustehen und feil zu haben, wenn sie nicht besonders privilegiert sind". Unterlagt wurde ferner„allen Ltndiosis Hedicinae, allen Predigern sowohl in Städten, als auf dem Lande, allen Chymisten, Laboranten. Branntweinbrennern. Stöhrern von allerlei Professionen, Schäfern, alten Weibern und Segcnsprechern" das Ver- kaufen von„zauberischen und abergläubischen Mitteln", den„Scharf- richtern und deren Anhang alles innere und äußere Kurieren",„denen ans dem Lande herumziehenden Wasser- und Llitaeten-Krähmern, Siebmachern" das Handeln mit„Medicamcnten", wobei noch die Verschärfung eintrat, daß die Behörden sie ihnen einfach weg- nehmen sollten. Man sieht aber daraus, wie viele Wohlthäter der Menschheit damals umhcrwanderten, von denen jeder Einzelne sein untrügliches Mittel gegen alle KrankheitSzustände besaß. Mit dem Beginn deS 19. Jahrhunderts erkannte der Staat immer mehr die Notwendigkeit an, die Fürsorge für die öffcntlicheu gesundheitlichen Zustände zu übernehmen. 1893 wurde beim Ministerium deS Innern eine besondere Abteilung für Medizinal- Wesen ins Leben gerufen. Räch der Begründung des Deutschen Reiches wurden dann die Maßregeln der Medizinal- und Veterinär- Polizei der Beaufsichtigung seitens des Reiches und einer Gesetzgebung überwiesen, wodurch gesetzliche Bestimmungen dieser Art für alle deutschen Staaten rechtsgültig gemacht wurden. An der Spitze dieses ganzen Systems steht heute das Rcichs-Gesundheitsamt. Aber daneben haben auch die Städte ihr Bestreben, die besten öffentlichen Gesundheitszustände zu schaffen, fortgesetzt, und wer das Berlin von heute mit dem in alten Abbildungen, Chroniken, Werken aller Art geschilderte Berlin von ehedem vergleicht, sieht den rascheren Fortschritt, den wir gemacht haben und noch machen. Einer durchgreifenden öffentlichen Gesundheitspflege steht freilich das kapitalistische Privateigentum und das Elend des Proletariats hemmend gegenüber. Erst wenn die Gesellschaft beides beseitigt hat, wird die gesundheitliche Fürsorge der Gesellschaft für den Einzelnen und für dtc Gesamtheit bcffere Zustände schaffen.— It. kleines f cmllcton. k.„Tie Geschichte Venezuelas ist. seitdem das schöne Land entdeckt worden ist, eine fortgesetzte Reihe von Grausamkeiten, Metzeleien, Kriegen und Revolutionen mit kurzen Pausen des Friedens und Ge- deihens. Es ist die aufrührerischte aller leiteinisch- amerikanischen Republiken, und obgleich es der Schauplatz der ersten Civilisation auf dem amerikanischen Festlande lvar und sich als erstes Land für die bürgerliche Freiheit erklärte, hat seine Bevölkerung sehr wenig von Beidem genießen dürfen." In diesem Urteil, schreiben die„Daily Ne'os", faßt W. E. Curtis die Geschichte des Landes zusammen. DaS schöne Land ist etwas über eine Million Quadratkilometer groß und wird vonl947 Flüssen, darunter dem mächtigen Orinoko, bewässert. Es hat 32 natürliche Häfen und 59 Buchten, deren größte, der Maracaibosee, über 2999 Ouadrattncilcn groß ist. Im Innern zeigt es ein Naturwunder, einen fast 1799 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen See. Etwa ein Drittel des Gebietes ist Acker-, fast die Hälfte Weideland und das übrige hat Waldbestand. Große Rinderherden durchziehen das Land. ES lassen sich deutlich drei klimatische Zonen unterscheiden, und man hat die Wahl des ewigen Sommers oder ewigen Winters. Unter andern! wachsen Bananen, AnanaS, Zuckerrohr, Palmen, Kokosnüsse und Orckiideen in Venezuela. „Eine Reise den Orinoko hinauf auf einem der guten Dampfer, die den Aankees gehören, ist so bezaubernd wie eine Nilreisc und kann von New Aork in etwa sechs Wochen für 1299 bis 1699 M. gemacht werden," sagt Curtis. Ter Kongreß, der die Legislative darstellt, hat zwei Abteilungen, den Senat und das Abgeordnetenbaus; die Senatoren werden von den Abgeordneten gewählt. Tie Mitglieder des Abgeordnetenhauses werden vom Volk gewählt, und zwar einer auf 35 999. Senatoren und Volksvertreter versammeln sich vereint und ballottiercn für scchSzchn aus ihrer Zahl, die als Bundesrat thätig sind, der wieder den Präsidenten wählt. Der Präsident wohnt im„Gelben Hause". der„Casa Amarilla". Venezuela ist berühmt durch seine Revolutionen. deren Art der amerikanische Konsul in La Guaira sehr sarkastisch schilderte.„Wir haben hier oft welche," sagte er.„Das Leben in diesem Lande ist so grausam langweilig, daß sie fast die einzige Er- regung während des Jahres sind. Das lvird folgendermaßen ge- mackit: Wenn ein Mann findet, daß eine genügende Zahl Freunde zu ihm halten, besticht er einiges Kriegsvolt zu 19 Cents pro Kovf und steht dann an der Spitze eines Heeres. Damit marschiert er in ein großes Thal in der Nähe der Stadt und erwartet die Ankiinft der Regicrungstruppen. Wenn diese nun kommen, ziehen sie mit allen Generalen auf die andre Seite des Thalcs. Sie sind ganz sicher, da beide Seiten des ThalcS nicht in Schußweite von einander liegen. Am frühen Bormittag, che die Sonne zu heiß brennt, geben beide Seiten eine Salve auf einander ab, wenden sich dann um und stürzen in die Stadt. Die Seite, die zuerst hereinkommt, ergreift alle Druck- pressen und veröffentlicht den Bericht von einem glänzenden Sieg. Gewinnen die Empörer, so werden die Freunde des Führers mit Stellen im öffentlichen Dienst belohnt, an Stelle ihrer besiegten Vor- gängcr, und der Staatsschatz wird geleert. Die Empörer, die von der entfernteren Seite des Thalcs kommen, haben es nicht so leicht. — 968— in bte Stadt wechseln."— zu kommen; sonst würde die Regierung noch öfters Technisches. es. Die e l e k t r i s ch e S ch r e i b in a s ch i n e. Obgleich die — Pfirsichbinimc au3 Kernen zu erzielen. Obergärtncr Schreibmaschine ohnehin als die erfolgreichste technische Leistung der A. S l i w a schreibt in der Wochenschrist„Nerthus" sMtona-Ottensen, I letzten beiden Jahrzehnte bezeichnet werden kann, ist man mit dem Chr. Adolfs): Die Psirsichbaumzucht aus Kernen hat viele Vorteile, � Erreichten noch immer nicht zufrieden. Das neueste auf diesem Ge- aber auch mehrere Schattenseiten. Man gewinnt dabei häufig] biete ist die Anwendung der Elektricität auf die Schreibmaschine. Die Sorten, die fast nichts tragen und ganz anders als die Muttersorten Schnelligkeit, die Bequemlichkeit und die Leichtigkeit des ArbcitenS geartet find, andre sind mir als Unterlage zum Veredeln zu ge- brauchen. Doch auch gute Sorten gewinnt man aus Kernen, sind doch unsre sämtlichen besseren Sorten auS Kernen gezogen. Aus Kernen gezogene Pfirsichbäume sind meistens auch härter als veredelte und leiden auch nicht so an Gummifluß. Auf leichtem Sandboden sind die auf Pfirsichunterlagen veredelten besser, wachsen kräftig und leiden weniger als in kräftigem und Garten- soll dadurch noch weiter gesteigert werden, indem ein Teil der Arbeits- kraft durch einen Elektromotor übernommen wird. Selbstverständlich kann es der menschlichen Hand nicht abgenommen werden, die Tasten anzuschlagen, aber während jetzt ein erheblicher Druck dazu gehört, namentlich wenn zu einer gleichzeitigen Erzeugung mehrerer Kopien gearbeitet wird, soll künftig durch Vcrmittelung der Elektricität ein Niederdrücken der Tasten um den geringen Betrag von 3 Millimeter boden. Pfirsichkerne zur Anzucht guter, wagbarer Bäume darf man genügen. Das Anschlagen der Hebel übernimmt dann der elekwische nur von den besten, dankbachen Socien wählen, den Winter über.Strom, ebenso das Verschieben des Wagens zum Uebergehen auf eine müssen sie in Erde aufbewabrt tverden. Sie werden vor Eintritt neue Zeile, das Unterstreichen und sonsttge Verrichtungen, des Frostes, zur Zeit des Blätterabfalls, in die Erde gelegt. Vorher müssen sie aber einzeln ausgebreiter werden, damit die den Kernen an- haftenden Fleischteile trocknen. Man legt die Kerne am besten in die bisher durch zeitraubende und kraftkostende Handgriffe ausgeführt werden mußten. Der Elektromotor läßt sich auf das genaueste einstellen, so daß der Druck der Typenhebel auf das Papier in gewünschter Stärke einen Korb7 schüttet Erde über sie, dann"Steine(einzeln neben ein- ausfallen kann. Das bedingt den tveiteren Vorzug, daß die Schrift ander), dann wieder Erde und wieder Steine, bis der Korb voll ist. � eine Gleichmäßigkeit erhält, wie sie durch die menschliche Hand gar Dieser wird etwa 40— öl) Ccntimeter tief in die Erde eingegraben nicht bewirkt werden kann. Außerdem wird das Schreiben auch sehr und bleibt hier bis zum Frühjahr, zur Aussaatzeit der andren viel schneller vor sich gehen, weil die Hand die Tasten der Maschine ------------ überhaupt nicht mehr zu verlassen braucht. Erst dann wird die Hand- habung der Tasten gleich denen eines Klaviers zur Wahrheit werden, da zum Beginn einer neuen Zeile nur ein kleiner Knopf gedrückt zu Sämereien. Jeder einzelne Pfirsichkern wird alsdann aufgeklopft. Man legt ihn zu diesem Zweck auf einen Stein oder harten Gegen- stand, die Naht stets nach oben gerichtet; schon beim leichten Anklopfen„__ gehen beide Schalen ganz leicht und' glatt vom Kerne los. tverden braucht, um den Motor zu der Verrichtung zu veranlassen, die Die Kerne werden mit Ihren Schalenhälsten auf ein Beet gelegt— V'JC v:- v-------------'— S-"'— und zwar mit der Spitze nach unten, weil sich dort die Wurzel bildet. Durch das Aufklopfen wird die Keimfähigkeit auf 80 bis 90 Proz. erböht. Die Keime kommen 3—5 Centimetcr tief unter die Erde. Wenn das Bäumchen ein Jahr alt ist, wird es an Ort und Stelle verpflanzt und auf fünf bis sechs Augen zurückgeschnittcn, damit sich im zweiten Jahre die Krone bildet und dein Bäumchen dann die Form gegeben werden kann, als Spalier oder eine andre. Alsdann werden die Bäume regelmäßig im Schnitt gehalten.— u. Schuft der Schaufenster gegen das Beschlagen. Die schönsten Schaufensterdekorattonen werden zwecklos, wenn das Fenster bc- schlägt. Niemand kann dann etwas erblicken' Man schützt sich nun gegen das Beschlagen, wie auch gegen das Vereisen der Schaufenster vielfach dadurch, daß man an ihrem unteren Rand eine Reihe von Gasflammen brennen läßt; das verbietet sich aber überall da, wo leicht entzündliche Gegenstände im Schaufenster befestigt sind, die von den offenen Gasflammen in Brand gesteckt werden können. Hier, wie übrigens auch sonst, ist das beste Mittel gegen das Beschlagen der Schaufenster, daß man die Temperatur im Schaufenster der der Außenlust möglichst gleich macht. Um diesen Zweck zu erreichen, genügt es, an den oberen und unteren Rahmen des Schau- fensters je nach seiner Breite in Abständen von je 10—15 Centimeter kreisrunde Löcher von etwa 2 Centimeter Durchmesser einzubohren, die man übrigens in der wärmeren Jahreszeit, wo sie überflüssig sind, durch Korkstopfcn verschließen kann. Durch die oberen Löcher kann die wärmere Luft stets abströmen, durch die unteren Löcher fließt die kalte Luft der Straße beständig herein, und diese Lust- ströimmgen verhindern das Beschlagen der Schaufenster.— Litterarisches. c. k.„Verworfene." Novellen von Hans Ostwald (Berlin. Julius Bard).— Es ist ein sonderbares Buch, denn es er- i.ählt von allerhand sonderbaren Leuten. Bon Ausgestoßencn. im Elend Verkommenen, von Pechvögeln und Unglücksraben, die das ..Glück" mied oder die es leichtfüßig verpaßten, in den Wind schlugen, kurz, es erzählt von Pennbrüdern, Stromern und solchen, die es werden, von Leuten, die„am Wege sterben"... Ein warmer Ton des Miterlebens liegt über den Geschichten, manchmal auch jener Humor, der an der äußersten Grenze eines verfehlten Daseins in armen Menschenseelen aufleuchtet, die nichts mehr wünschen und er- warten und nichts mehr zu verlieren haben. Viel der Geschichten sind es nicht und die meisten tragen kaum mehr als das Merkmal der Skizze, der, wenn ich so sagen soll, gebrochenen Melodie zur Schau. S? J sie. impressionistisch. Blitzbilder: ähnlich dem Leben jener.I)uuul........ bisher nur durch die Hand vorgenommen werden konnte. Es wird im allgemeinen zugegeben, daß bei der Arbeit auf der Schreibmaschine etwa die Hälfte der Zeit durch die Bedienung des Wagens zur Ein- richtung der Zeile verbraucht wird. Tie neue Maschine würde also eine große Zeitersparnis bedingen und gleichzeittg auch die Hand- habung zu einer weit weniger ermüdenden machen.— Humoristisches. — Deutlich. Erna:„Na, Malche», was würdest Du thun, wenn Du so Klavierspielen könntest wie ich?" Malchen:„Dann würde ich Klavierunterricht nehmen."— — Ein unglücklicher Passagier.(Im Schlaftvagen.) Der im unteren Bett:„O je, o je!" Der im oberen Bett(wacht auf):„Herr, fehlt Ihnen etwas?° Der im unteren:„Ach Gott! Anah I O jemine! Ach, ach!" Der im oberen:„Aber Sie ächzen ja so ftirchtbar I Sind Sie krank? Kann man Ihnen vielleicht helfen?" Der im unteren:„Nein. Mir kann kein Mensch helfen. Ich fahre schon diedrttteNacht imfalschenZuge!"— („Lustige Blätter.") Notizen. — Gundaccar v. S u t t n e r, der Gatte Bertha v. SuttnerS, ist, 52 Jahre alt, gestorben; er schrieb Romane und ethnologische Novellen, die zu einem großen Teil im Kaukasus spielen.— — Die Neue Freie Volksbühne bringt am 14. und 21. Dezember(nachmittags ilß Uhr) Carl Hauptmanns dreiakttges Schauspiel„Marianne" im Belle-Alliance« Theater zur Aufführung. Paula Ricger vom Neuen Theater spielt die Titelrolle.— — Ein neues Schauspiel von Richard Skowro�nnek .Waterkant" ist vom Schauspielhause zur Aufführung angenommen worden.— —„Pastot Hansen", ein Schauspiel von Ernst Möller, erlebt am 20. Dezember im N e u e n T h e a t e r die Erstaufführung. — Die königliche Oper in Budapest bringt als erste Bühne am 16. Dezember Goldmarks neue Oper„Götz von Berlichingen" heraus.—,... — Der Friedenspreis der Nobel-Stiftung ist nicht Professor von Martens in Petersburg, sondern Elia D u c o m m u n und Dr. Albert Gobat, beide in B e r n, zu- gefallen. Ducommun hat seit 1890 unentgeltlich das internationale Friedensbureau geleitet. Gobat ist seit zehn Jahren Vorsitzender Spur zurücklaßt. Diese„Verworfenen" zählen aber nicht zur Kategorie der Gefahrlichen, tterisch Gemeinen, in deren schwarzer Seele längst jede menschliche Regung erstarb. Sondern es sind gutmütige Käme- raden, die freundschaftlich mit einander gehen, weil sie das gleiche Los tragen. Die weite Erde ist ihr Haus, die Landstraße ihr Revier, der Himmel, ob heiter, ob regendicht verhangen, ob frostig starrend oder sonnig lächelnd, ist ihr Dach. Vögel singen hoch oben und im Buschwerk, und Käfer ziehen und Grillen zirpen im Grase... Auch einige andre Menschen gehen da vorüber, Männer und Weiber, aus besserer, aus gesicherter Sphäre, sündhaft wie die übrigen alle, tveil sie Menschen sind. Wer wird nicht bei den Geschichten„der Ber- tommcnen",„Menschen vom Wege".„Entwurzelt",„Die Erinnerung" länger verweilen? Wem werden da nicht die Barfüßcrgeschichten eines Maxim Gorki in den Sinn kommen? Tort der Rusie. Hier ein Deutscher.„Barfüßer": ein wurzelstarkes Talent, das aus der Tiefe Die nächste Nummer de» UnterhaltungSblatteS erscheint am des Selbsterlebten schöpft.__ Mehr bedarf's nicht.—_ Sonntag, den 14. Dezember.___ Berautwortlicher ReSalieur: Eart LeiS in Berlm.— Druck und Vertag: Vorwärts Buchdruckcret und VerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SVt> — Sämtliche Gletscher des Obcrengadins sind, wie man der„Frankfurter Zeitung" schreibt, im �S ch w i n d e n oc- griffen; der Roseggletscher ist seit der letzten Mepung um 24,1 Meter zurilckgegangen, der Mortratschgletscher um 13,3 Meter, doch zeigt dieser Gletscher an einer Stelle ein Vorrücken von 7 Metern. Der Palügletscher ist auf der ganzen Linie zurückgegangen, und zwar um durchschnittlich 14,6 Meter; der Fornogletscher ist durchichnitt- lich um 14,2 Meter znrückgeivichcn und an zwei Stellen um 6.5 Meter vorgerückt. Der Piennogletschcr ist um 11 Meter ge- schwunden.—.. — Für die Juwelen einer unlängst verstorbenen P a r t> e r Schauspielerin gingen bei der Versteigerung nicht weniger als 1 214 578 Frank ein.—_