Hlnterhaltungsblatt des Horwärts M. 244. Dienstag, den 16. Dezember. 1902 7] Im Krcifc, (Nachdruck rcvbotcn.) Erzählung von W a c l a w Sieroczewski. Deutsch von Rosa S ch a p i r e. Alerander betrachtete da* Gesicht de* Mörders mit Ent- setzen. Dieser schien gleichgültig; nur bei den letzten Worten des Beamten lohte ein unheimliches Licht in seinen griin- lichen Augen auf. „Führt ihn hinaus!" Die Ketten klirrten, lind der Gefangene ging von den Jakuten gestosien hinaus. „So'ne Canaille!.. So lebt unsereins! Da glaubst Du, Du hast alles erledigt! Woher denn!.. Gewist wird irgend eine neue Sauerei raustommen. Wie oft war ich in diesem Jahre wegen dieser Schweinehunde hier! Verschiaen wir sie etwa her? Dder sind wir keine Menschen? Mein ganzes Gehalt verbrauch' ich ja für Reisespesen.. Ostern war ich nicht'mal zu Hause.. ohne Frau, ohne Kind.. Uiw wozu?.. Tot sind sie und verschwunden.. Wer hat was davon, wenn's auch noch herauskommt, wie's zugegangen ist? Werden sie etwa auferstehen? Gewist, man hat Sachen ge- funden. Palkin hat Leute bezeichnet. Na, auch gut!" fügte er leise hinzu.„Ist es etwa schwer, so einen wilden Jakuten in Verwirrung zu bringen? Tic widersprechen sich ja selbst! Und darum eine ganze Gemeinde ruinieren!.. Wer soll denn Abgaben bezahlen? Und wozu? Wer bat was davon? Na, Alerander Jivanowicz, unterschreiben Sie!" fügte er hinzu und schob Alexander das Protokoll hin,„Ich habe Jan Palnn gesehen, aber ihm ein Nachtguartier abgeschlagen, da ich keinen Platz hatte".. Name und Unterschrift.. Und nun zu Tisch.. Aufgetragen!. Ich hoffe, die Herren werden mit mir essen." �„Könnte man nicht, Jnoccnty Wasiliewicz, auch meine Sache heute erledigen?.. wegen des Ackerbodens," fragte Alexander, indem er sich zu Tische setzte. Ter Zasiedatiel schenkte ihm ein. „Ich rate Ihnen, lassen Sie die Sache ruhen! Ich weist, das; Ihre Sache schlimm ist, bis z» einem gewissen Grade sogar schwer, aber.. die Leute hier sind gereizt! Wie gesagt, das ist mein Rat.. Und dagegen verspreche ich Ihnen, dast die Unterstützung an Viktualicn aufgebessert werden soll. Dann werden alle Teile befriedigt sein. Der Grund der Klage ist hinfällig— Ihre Einkünfte vergrößert." Alexanders Gesicht war mit einer heißen Blutivelle über- gössen. „Darum bandelt es sich nicht. Im Gegenteil: ich möchte ganz auf jakutische Unterstützung verzichten. Ich verlange uubedingt Ackerboden. Es wurde mir von der Stadt nur geschrieben, daß Sie entsprechende Verfügungen von der Ne- gicrnng bekommen haben." „So! Also auf anMchem Wege," anstvortete der Be- amte merklich kühler.„Schön! Kniaz, wo ist der Kniaz?" rief er auf jakutisch. Ter Kniaz. der mit den Jakuten am andren Tische aß, ftcmd auf und wischte sich den Mund. „Da bin ich." Er stand da und neigte seinen runden, kurzgeschorenen Kopf zuvorkommend vor dem Beamten. „Was befehlen Sie?" „Wie steht's mit dem Ackerland für.. diesen Herrn?" „Wir haben beim Gouverneur eingereicht, antwortete der Jakute ausweichend. „Das Hab' ich gehört," unterbrach ihn Alexander,„aber das gehört nicht zur Sache. Gebt mir erst, was mir zukommt, und dann beklagt Euch." „Er hat sich eine Tochter herverschrieven, und sein Freund lebt bei ihm, der nicht zu unsrer Gemeinde gehört." „Das mit der Tochter— da macht Ihr ja Unsinn, aber wegen Jakob Stefanowicz ist in der That eine Verfügung ge- kommen." Er befahl dein Schreiber, das fragliche Dokument her- auszusuchen und händigte es Jakob ein. Der las lange und seine Hand zitterte. Unter Androhung einer beschämenden Strafe wurde ihm befohlen, sofort nach dem ihm bezeichneten Platze ziirückzutehre». Der Zasiedatiel suchte ihren Blicken auszuweichen, während der Kniaz schadenfroh lächelte. „Sehen Sie, meine Herren," begann der Zasiedatiel wieder,„wie das alles kompliziert ist? Ihr verbreitet die Ansicht, daß alle Menschen gleich sind.. Nun?.. Natürlich werde ich mich nicht an die Verfügung halten. Wenn wir uns genau anS Gesetz halten wollten.. Na! Na! Aber wer ist verantwortlich, wenn man gefragt wird? Im stillen vermag ich viel. Aber nicht anders. Je stiller, desto besser. Und wenn es Skandale giebt.. Das thut mir sehr leid, aber dann wasch' ich meine Hände." „In diesem Fall muß es Skandal geben. Sonderbar! Sie verweigern uns das, was uns dem Gesetze nach zukommt, und auf eigne Verantwortung wollen Sie uns eine Erleichte- rung verschaffen." „Das kommt daher, sehen Sie, daß die Gesetze nicht für Sie geschrieben sind," antwortete der Beamte mit zwei- deutigem Lächeln. „Na, wozu Streit," sagte der Kniaz begütigend lind setzte sich in Alexanders Nähe auf die Bank.„Wir haben bis heute keinen Streit gehabt und wollen uns auch in Zukunft vertragen. Ich denke, die Gemeinde wird Ihren Wunsch er- füllen, wenn er in der That gesetzlich ist. Aber warum die Elle? Auf den Feldern liegt Schnee, bis zur Saat ist noch weit. Anfang Frühling wird's eine Versammlung geben, und dann werden wir Ihre Ansprüche prüfen und regeln.. Einverstanden?" fragte er und sah den Zasiedatiel vielsagend an. Der nickte zustimmend mit dein.Kopfe. „Ja, ja. warten Sie bis zum Frühling, und jetzt will ich Ihre Unterstützung vergrößern. So wird alles ohne Lärm.. ohne,. Kombinationen.. in Ehren geben." Alexander sah in Jakobs blast gewordenes Gesicht und lächelte bitter. „Wie lange, Jnoccnty Wasiliewicz, wollen Sic hier bleiben?" „Weiß der Himmel, wann ich endlich fertig bin! Ich möchte so schnell als möglich fort; in vier bis fünf Tagen." Ter Aufseher kam in die Jurte und flüsterte dem Kniaz etwas ins Ohr. Die Anwesenden begannen das Zimmer zu verlassen. Nur die Beamten, der Kniaz, Alexander und Jakob blieben. Ter Zasiedatiel sah sie bedeutungsvoll an und schien dem Gespräch ein Ende machen zu wollen. Sie merkten, wo das hinaus wollte und gingen. Die Dämmerung kam, der Weg war schlecht; und um sich nicht zu verirren, war Eile geboten, damit sie wenigstens die Hälfte des Weges vor Anbruch der Nacht zurücklegen konnten. Tie hungrigen Pferde trabten schnell. Die Männer schwiegen die ganze Zeit. Als sie Froschauges Jurte erreicht hatten, war es schon ganz finster. Vielleicht hätten sie ohne das rötliche Licht, das durch die Fenster schimmerte, nicht ein- »Ml das niedrige Gebäude im Dunkeln gesehen. Alexander sah zum Fenster hinein, das nach der Seite des Stalles ans- gedeckt war. Froschauge war arm und wohnte mit dem Viel, zusammen. Vor dem Feuer auf einem niedrigen Schemel sas; Zosia und stützte das Köpfchen auf dem Ellbogen. Ihre Freundin Maja stand an einem großen Milchkessel und paßte auf. daß der Brei, an dem sie fleißig rührte, nicht übcrtoche. So oft sie den Lössel hineinsteckte, leckte sie ihn sorgfältig wieder ab, damit nichts umkäme. Das war kein geringes Vorrecht für ihren ewig leeren Magen, darum hatte sie auch eine sehr ernste Miene aufgesetzt und schien von der Wichtig keit ihrer Aufgabe ganz erfüllt zu sein. Ihr kleiner, nur not- dürftig mit Lumpen bedeckter Körper, die mageren Händchen und das drmkle, niedliche Gesicht mit den großen, silbernen Ohrringen hob sich phantastisch vom dunklen Hintergrunde und der hellen Flamme ab. Froschauge saß in einer Ecke und aus dein Dunkel ragte nur sein Fuß mit der spitzen Sara') be- kleidet hervor. Seine Frau war nicht zu sehen, man konnte nur das Knattern der Felle hören, die sie rein machte. „Papa! Papa!" Zosia sprang jubelnd auf, als Alexander sich in der Thür zeigte. IV. „Fremder! Hör' mal. Fremder! Halte den Hund fest und setz' Theewasser auf!" riefen die Jakutinneu, die lachend *)(iiii HxirtH'i', rindZledcrncr Stiefel mit scharfer Spitze und abgenähten Fallen auf dem Oberleder. Einheimische? Erzeugnis. — 974— an die Thiire klopften. Ajax bellte drinnen wie verrückt und Zosia weinte erschrocken. Alexander war nicht zu Hause, er suchte im Forst nach einem Stück Holz, das er zum Pfluge brauchte. Aber als das Rufen der Frauen in Geschrei überging und der Hund wütend einstimmte, lief er in Sätzen erschrocken nach Hause. Die Thiire stand ans; die Mädchen auf der hohen Fensterbank gegen die Wand gedrängt, suchten ihre Röcke vor Ajax' Zähnen zu schützen. Auf der Schwelle stand Zosia verweint und er- schrocken. „Was macht Ihr denn hier?" „Halte den Hund fest!.. den Hund!.. Abscheulicher Mensch! Nehmen gnte Leute ihre Gäste so auf?.. Der Hund hat uns beinahe zerrissen." „Warum habt Ihr auch die Thiire geöffnet, lose Mädels?" „Und warum bist Dil nicht gekommen? Glaubst Tu, das; wir so dumm seien? Ehe wir geöffnet haben, sind wir auf die Fensterbank geklettert. Der Hund ist aber bös, Gott, Gott! Wozu brauchst Tu solch einen bösen Hund? Hast Tu etwa Angst? Ich dachte. Du habest vor niemand Angst!" Während Toj das sagte, öffnete sie ihren Mantel, legte die Mütze ab und setzte sich auf den Rand der Bank, ihre Ge- fährtin jedoch rührte sich nicht vom Fleck. Noch waren sie blast vom ausgestandenen Schrecken, aber sie lachten schon. Alexander brachte das Feuer in Gang und setzte den Theekessel auf. „Was giebt's, Toj?" „Nichts Neues! Was sollte es auch geben? Jakob ist fort, er fuhr an uns vorbei, ich hab's wohl gesehen. Was macht Ihr uns Jakuten zu schaffen, Ihr Leute ans dem Süden." „Schon wieder was los?" „Immer dasselbe: da wird geschwatzt und die Leute werden eingesperrt. Und die Frauen weinen, das; sie kaum noch aus den Augen sehen können! Alle hat er angeschwärzt, der Lumpenterl! Den Sohn vom Gilten Nochczogoj hat der Zasiedatiel eingesperrt. Man hat Sachen bei ihm gefunden. Ter Zasiedatiel ist böse, trinkt Schnaps.. Es steht schlimm!" „Wann fährt er denn fort?" „Weist ich nicht. Du hast eine schöne Tochter, Liksandra. Ist sie wohl ihrer Mutter ähnlich?.. Wirtlich, goldene Haare und die Augen klar wie der Himmel! Fürchte Dich nicht, Kleine, komm' zu mir! Wir sind gute Freunde, Dein Vater und ich, wenn er auch ein Herr ist und ich eine schwarze Jakutin." Sie neigte sich zärtlich über das Kind, das sein Köpfchen an sie lehnte. „Ein weiches Körperchen und feine Kleider., Ihr seid schöiw Menschen im Süden!" „Anstatt Unsinn zu schwatzen, Toj," unterbrach Alexander,„solltest Du lieber Nadel und Faden nehmen und die Löcher im Kleide der Kleinen flicken. Und Deine Freundin könnte unterdessen Brot backen. Wir wollen Thee trinken. Hier ist Faden und Mehl." (Fortsetzung folgt.) ♦ Maurerarbeiten bei Kälte. Man schreibt unS: In der Sonntags-Nummer dcZ„Vorwärts" Ivlirde unter der Ueberschrift„Fortführung der Bauarbeiten im Winter" eine beachteilswerte Pudlikation gebracht. Das darin erwähnte Verfahren der Umhüllung des eigeuüichcu Baues mit einem Holzbau, der bei strengem Frost natürlich geheizt werden mühte, hat gewiß viel für sich; er dürfte aber in unserer Zeit, wo uian die Baukosten in jeder Hinsicht hcrabzndrücken sucht, lvohl nur langsam und in seltenen Fällen zur Ausführung gelangen. Wir wollen daher der Aufforderung jenes Aufrufes, Mittel und Wege zur Weiterführung von Bauarbeiten im Winter anzugeben, nachkommen, indem wir die Aufmerksamkeit auf ein Verfahren lenken, das sich bei der Anwendung von Cementmörtel bereits bewährt hat. Für das Bauwesen ist das Verhalten von Cementmörtel bei Frosibeauspruchung von großer Wichtigkeit, und die mannigfachen Ersahrungen in der Praxis, sowie die Versuche verschiedener Forscher haben, wenn auch nicht erschöpfend, so doch soweit Aufschluß gegeben, daß man tvciß, daß Mörtel aus Portland-Cement, wenn er ein gewisses Alter erreicht hat, im All- gemeinen dem Frost widersteht, daß aber der Abbinde- und der Erhärtungsprozeß durch die Kälte verzögert, beziehungsweise so lange unterbrochen wird, bis die Temperatur ihm gestattet, seinen Ab- bindeverlauf wieder aufzunehmen. Muß man daher bei Maurer- arbeiten mir einer längeren Frostzest rechnen und sind die Arbeiten eilig, so thut man gut, seine Zuflucht z». künstlichen Mitteln zu nehmen, die geeignet sind, das Abbinden zu beschleunigen. Eines dieser Verfahren besteht, ivie die„Thonindustrie-Ztg." schon vor längerer Zeit berichtete, in der Verwendung lauwarmen Wassers, in welchem cälcmicrte Soda gelöst ist. Diese ist teurer als die kristallisierte, aber es lvird doch im allgemeinen wohlfeiler, weil man nur etwas mehr als ein Drittel davon braucht. Eine französische Eisenbahn-Gesellschaft Hat dieses Mittel während des Baues der Eisenbahnlinie von Toulon nach Nancy, namcmlich bei den Böschungsarbeiten mir Erfolg angewandt. Da man mit außer- ordentlich unbeständigen Terrains zu thun hatte, war es nicht mög- lich, bis zum Frühjahr mit dem Beginn der Bauarbeiten zu warten, ohne sich bedenklichen Einstürzen auszusetzen. Andererseits bot der Frost eine günstige Gelegenheit zum Festhalten der Erbmassen, so daß man an Blendwerk sparen konnte. Zu diesem Zwecke wurde auf 12 Kilogramm Wasser 1 Kilogramm wasserfreie Soda verwandt. Diese Mischung genügt bei Frost von 10— 15 Grad Celsius vollkommen. Bei größerer Kälte lvnr man gezwungen, die Sodamenge beträchtlich zu erhöhen, so daß, bei der Herstellung des Mauerwerkes eines Sammclgrabens bei Cotcs de Präs, der Gehalt an Soda ber- doppelr wurde. In diesem Falle wurde das Abbinden derart be- schlcunigt, daß man mit derselben Vorsicht verfahren mußte, wie bei schnellbindenden Ccmcntcu. Bei weniger scharfen Frösten kann man mit dem Gehalt an Soda bis ans 1 Kilogramm auf 15 Liter Wasser hinuntergehen; cS scheint indessen nicht ratsam, den Zusatz noch mehr zu verringern. Der Versuch ist indessen nicht gemacht worden, da man im Winter immerhin damit zu rechnen hat, daß mehr oder minprr plötzlich eine Erhöhung der Kälte eintreten kann. Wenn nun auch die Anwendung dieses Verfahrens eine Er- höhung der Baukosten mit sich bringt, so sind die Mehrausgaben jedoch unbcdeuicnd im Vergleich zu der dadurch geschaffenen Mög- lichkeit, Maurerarbeiten auch bei Frostwetter forrsetzen zu können. ic vorhin erwähnte Eisenbahn-Gesellschaft hat während der Winter- arbeiten i» fünf Jahren allein 27 000 Kilo Soda verbraucht und dabei die Ucbcrzcngung gewonnen, daß die dadurch herbeigeführten Ausgaben ihre Rechtfertigung in den damit gewonnenen Jeirersparnisseii und in der Vermeidung von Unfällen gefunden haben. ' Aus Vorstehendem dürfte also hervorgehen, daß im Princip das Mauern mit Cementmörtel bei Frostwetter als gelöst zu betrachten ist, lvcnngleich man natürlich bei der Verwendung von Soda zu Kunst- bauten vorsichtiger vorzugehen hat, als bei der Herstellung gewöhn- lichen Mauerwerkes. Die Frage, ob sich derart hcrgesrellte Bauarbeiten ebenso gut bewähren, wie solche, die ohne Sodazusatz ver- richtet wurden, kann natürlich erst nach vielen Jahren, wenn um- fangrcicheS Material zu Vergleichszweckcn zur Vekfügung sieht, be- antwortet werden. Bei der sranzösischen Eise»bahn- G esellscha ft sind bisher Klagen über die Haltbarkeit des mit Sodazusatz hergestellten �Mauerwerkes nicht bekannt geworden, obgleich diese Arbeiten bis zum Jahre 1800 zurückreichen. Jedenfalls wäre es wünschenswert, wenn der Staat mit seinen reichen Mitteln recht bald die Frage der Herstellung von Mauerwerk verschiedener Art bei Frostwettcr unter Anwendung zweckmäßiger Zusätze zu den Mörtelarten durch Versuche lösen ließ. Die mechanisch- technische Versuchsanstalt zu Charlottcnburg, die bekanntlich schon oft amtlich mit der Prüfung vieler technischer Probleme betraut loorden ist, dürfte für derartige Maßnahmen die geeigneteste Stelle sein. Bei dem großen socialpolilischcn Nutzen, welchen die Lösung des Problems der Errichtung von Mauerwerk bei Frostwetter hätte, indem dann eine wesentliche Verminderung der Beschünigungslosigkeit der Bauarbeiter im Winter erzielt würde, lvird es Sache der öffentlichen Meinung sein, die umgehende Bewilligung öffentlicher Mittel zu derartigen Versuchen zu fordern und durchzusetzen.— Kleines feuilleton. — Wie mau seinen Kanarienvogel behandeln soll, setzt G. Leese- m a n u in der Wochenschrift„Ncrthus" auseinander. Wer in den Besitz eines Bogels gelangt, hat sich zunächst nach einem Käfig um- zusehen. Bei der Wahl desselben sei man vorsichtig. Der schönste Salonkäfig ist noch lange nicht der beste und pratrischte Käfig. Ruude und achteckige Käfige siiid zu verwerfen, weil in ihnen der Bogel die Drehkrankheit bekommen kann und sie demselben Verhältnis- mäßig zu wenig Bewegungsfreiheit bieten. Die beste Form des Käfigs ist die gclvöhnliche rechteckige Grundform. Mctallkäfigc find im allgemeinen den Holzkäfigen vorzuziehen, weil sich in ihnen die Milben nicht so leicht einnisten können, jedoch find solche aus Messing- oder Kiivfcrdraht unter keinen Umständen zu dulden. Es bildet sich an denselben leicht Grünspan, und dadurch werden sie dem Vogel schädlich. Bei einem»täfig ist auch vor allen Dingen darauf zu achten, daß Futter und Wassernapf so beschaffen oder so angebracht sind, das; der Vogel den Inhalt derselben mit seinen Exkrementen nicht beschmutzt. Dies ist leider nur bei den wenigsten»täsigen der Fall. Den Sitzstangen wird vielfach zu wenig Aufmerksamkeit ge- schenkt; entweder sind dieselben zu dünn, oder sie sind aus ge- drehtem Hartholz, gewöhnlich Buchenholz, hergestellt. In beiden Fällen aber wird dem Vogel das Sitzen recht unbequAn gemacht. Für die Sitzstangen gebraucht man am besten� gewöhnliches astfreies Tannenholz, ans welchem man oval-rimde Stäbchen schneidet, die IVs- 2 Tentimeter breit und 1—1,5 Centimeter dick sind. Die Zahl derselben richtet sich natürlich nach der Grösie deck ÄäfigS. Sie sind als Querstäbe so anzubringen, daß der Vogel in seinen Be- mcgungeil die ganze Länge des Käfigs ausnutzen kann, ohne jedoch beim Sitzen die Seitenwände des Käfigs irgendwie zu berühren. Der edle Kanarienvogel, sei eS ein„Harzer" oder ein„Dresdener", (neue Gesangsrichtung), kann unter keinen Umständen Zuglust vertragen. Daher darf man den Käfig nicht ins Fenster stellen z auch hänge nian ihn nicht in unmittelbare Nähe einer Thür, sondern wähle eine geschützte Wand steine Auszcnlvand) oder eine Ecke, wo man den Käfig etwa in einer Höhe von 1,80 Meter anbringt. Wenn morgens beim Reinigen der Zimmer gelüftet werden soll, stelle man den Käfig so lange in ein andres Zimmer oder decke ihn behutsam zu. Das wichtigste bei der Be- bandlung des edlen Kanarienvogels ist eine zweckmäßige Fütterung. Den Hauptbestandteil des Futters bildet guter Sommerrübsen. Dieser ist leider ein rarer Artikel, den man nicht beim ersten besten Höker, sondern nur in Specialgeschästen bekommt. Man lasse es sich nicht verdrießen, wenn man hier auch 5— 10 Psi pro Pfund mehr zahlen muß. Guten Rübsen erkennt man an dem süßlichen Geschmack, der an den der Walnußkerne er- innert. Eine besondere Vorliebe hat der.Kanarienvogel nicht für den Rübsen. sondern er stißt lieber andre Sämereien. Dadurch darf man sich aber nicht zu einer falschen Fütterungs- Methode verleiten lassen und dem Vogel den Rübsen gänzlich cnt- ziehen. Rübsen allein ist zwar kaum im stände, den.Kanarienvogel auf die Dauer kräftig und gesangslustig zu erhalten, vielmehr vcr- langt er ein paarmal wöchentlich kleine Zugaben von Ei- oder Misch- futter. Von einein hartgekochten Ei nehme inail ein Stückchen von der Größe einer kleinen Haselnuß und zerreibe es, ehe man es dem Vogel giebt. Sehr zu empfehlen ist es, das Ei mit etivas Zwieback jinög- lichst ohne Hefe) zu vermischen, weil es auf diese Weise leichter ver- baulich gemacht wird. Vor einem Anfeuchten desselben hüte man sich, da das üble Folgen haben kann. Das MischstUter, auch Sing- sutter genannt, ist iii allen Vogelfutter-Handlungcir zu haben und besteht zur Hauptsache aus Kaiiaricnsaat, Hanf, geschältem Hafer, Leinsamen, Hirse und Mohn. Man gebe nicht zuviel davon; ein kleines Fingerhütchen voll zur Zeit ist reichlich genug. Eine große Freude bereitet man seinen, Kanarienvogel, ivenn man demselben hin und wieder ein klein tvenig Grllnfuttcr lVogelmiere, Kreuzkraut, Salat, Löwenzahn) oder ein Stückchen Apfel reicht. ES ist dabei aber sehr zu beachten, daß das Grllnfuttcr dem Vogel niemals iin feuchten Zustande ge- geben werden darf. Daher pflücke man es nicht morgens, solange noch der Tau auf den Blättern liegt, oder unmittelbar nach den, Regen. Kuchen, Zucker und andre Näschereien sind kein Kanaricn- futter. Das Trinktvasser muß dein Vogel täglich stisch und nicht zu kalt gereicht werden; auch ist der Napf jedesmal auszuspülen. Da sich aber trotzdem ein schlammiger Bodensatz bildet, so ist das Gefäß ab und zu in Sodawasser auszukochen. Von großer Wichttgkeit für die Erhaltung des Vogels ist auch das Baden. Da die Trinknäpfe für diesen Zweck in der Regel zu klein sind, muß man ein Bade- Häuschen an, Käfig anbringen. Sollte der Vogel sich anfangs wasserscheu zeigen, so liegt es eben nur daran, daß er fich nicht gettaut ins Badehäuschen hinein zu gehen. Diese Scheu wird er aber bald überwinden und nachher mit um so größerem Behagen im Wasser herumplätscheru. Im Winter n,uß das Wasser stubcntvarm gegeben werden. Daß in jeder Beziehung auf peinliche Sauberkeit gehalten werden muß, ist wohl eine selbstverständliche Forderung. Der Boden des Käfigs ist mindestens zweimal wöchentlich zu reinigen und mit frischem Sand zu versehen. Die Sitzstäbe müssen alle 8 oder 14 Tage herausgenommen werden. Aber selbst bei der größten Sauberkeit ivird es nicht möglich sein, den Vogel gänzlich von de» Milben, diesen Plagegeistern der Vögel ,_ frei zn halten. Dies Ungeziefer hält sich an, Tage in den kleinsten Schlupf- ivinkeln des Käfigs versteckt und fällt nachts über den Vogel her, um ihm das Blut auszusaugen. An, leichtesten erkennt man das Vorhandensein der Milbe» daran, daß der Vogel während des Schlafes unruhig sitzt. Ein häufigeres Auskochen des Käfigs, sowie da-s Einstreuen von gutem Insektenpulver in die Ritzen des Käfigs sind die besten Mittel, diese ungebetenen Gäste zu vcr- nichten. Während der Mauser bedarf der Kanarienvogel einer besonders sorfälttgen Pflege. Eine kräftige Fütterung ltäglich Eiftltter I) ist das beste Mittel, mn diesen BerjüngungSprozeß zu beschleunigen. Während derselben ist der Vogel besonders empfindlich gegen Zug und verlangt eine möglichst warme und gleichmäßige Temperatur. Es ist nicht ratsam, dem Vogel während dieser Zeit einen andren Platz anzuweisen, da er sonst leicht in der Mauser stecken bleibt. Wie tvichttg aber der Feder- Wechsel für den Vogel ist, geht schon daraus hervor, daß Vögel, die nicht gemausert haben, in der Hecke wegen Impotenz nicht zu gebrauchen sind. Es empfiehlt sich, ein Sttick Sepiaschalevar dieser Tage auf 08 Grad Celsius gestiegen. Die Außentemperatur betrug— 20 Grad Celsius, so daß die eintahrendeu Arbeiter in verhältnismäßig kurzer Zeit einen Temperaturunterschied von 70 Grad zu erdulden hätten.— c.„H o f- H u ii d e m a l e r i n." Wie ans London berichtet wird, kündigt das letzte Hofbullettn an, daß Miß Elisabeth Magill„die Ehre gehabt hat, ein Bild von Jack, dem Hunde Seiner Majestät des Königs, zu malen und das Bild Seiner Majestät zu überreichen, die es anzunehmen geruht hat".—_ zorwätts Buchdruckerei und Verlagsanstalt-Paul Singer He Ev., Berlin SW.