HlnttthaltungMatt des Horwärts Nr. 6. Freitag, den 9. Januar. 1903 (Nachdruck uevbolen.) Oer JVIüllerhanncö, Roman ailh der Eifcl von Clara V i e l> i g. Draußen tummelten sich die Frau und die Magd in der Küche, ein 5tnecht wurde auch zur Hilfe gerufen. Der mußte Holzkloben ins Herdloch stopfen und frisch�anfeucnt. Rahm wurde abgeschöpft und Eier geschlagen; mit hochroten Backen stand Tina am Feuer, und dabei ängstete der Gedanke sie: was wollte der Laufcld vom Hannes? Der kam nicht in guter Absicht! Sie hatte immer Angst. Drinnen saß der Lanfeld auf dem Kanapee, bequem angelehnt und musterte die Einrichtung. Er war noch kein alter Mann, einer mit frischfarbenem Gesicht und blanken Augen. aber docki ein gut Stück älter als Hanne?; und er sah auf den mit deni Ucbergewicht. das ein ganz solides Besitztum gicbt. Miillerhannes fühlte das und blies sich auf. Sie redeten hin und ber, vom Wetter, von der Ernte, von der Kirmes und vom Viehstand. Ancb von der Politik. Sie kriegten bald das Zanken. Jakob Laufcld war kein Verbissener, der kaum die Lippen von einander brachte, nur ab und zu ein Wort fallen ließ, als lohne es ibm nicht recht vor dem Hannes, der nichts wert war. wie die Maarfeldener alle. Selbst ihr Pastor war nicht besser. Zuckten nicht der Herr Dcchant und die andren Amtsbriidcr über den Arnold«? Cremec die Achseln, der in niedergetretenen Bastschuhen lief und den Bauern nachts die Weiden, am Maar stehlen sollst' für seine Körbeflechterei? Auf Maarselden lies; Hannes nichts kommen, da? war ja seiner Mühle benachbart, lind der Cremer. das arnie Männchen? Da sollte doch die geistliche Obrigkeit, die selber im Fett saß. den besser stellen. Wenn er Beginn Winters dem Alten nicht eine Fuhre Holz vor die Pfarre schickte und ab und zu einen Sack Hobelspäne, mußte der frieren. Und das bißchen, was.seine Wirtschafterin, da? Engelche, für die Körbe erlöste, war ihm Wohl zu gönnen, dein Roldcs, dem spaßigen Männchen. Den Laufeld, was er auch dachte, entsetzte doch diese respektlose Rede. Gut, daß jetzt die Magd mit den a.old- geränderten Tassen tan: und Frau Tina einen Berg frischer Waffel» hereinbrachte. Da langte der Lauseld wacker zu und trank auch ver- schiedene Schnäpse: dann, als� er so recht diu, satt und befriedigt war, legte er die flache Hand ans den Tisch und sagte: „Ja. wat ich eweit noch sagen woiu' ich kündigen Euch die Hippethek. Martini muß ich mein Geld haben." Hannes sah ihn ganz verdutzt an— Hypothek■— kündigen— zu Martini— war der Lanfeld schon besoffen? Die Hypothek, die schon seit mehr als zwanzig Jahren ans der Mühle stand—?l „Ha, ha, boho—■ hohobooo!" Aber Jakob Laufeld blieb ganz ernsthaft, erhob sich und knöpfte seine Weste zn, die er sich während des Schmauses ein wenig gelockert. „Seid e so freundlich, Müller, laßt' anspannen. Eweil fahren ich." „Bleibt doch noch, bleibt dach en halb Stund'." nötigte der Hausherr.„Ich bau noch.des Berntastter in: Keller, den müssen wir noch ehs probieren." Aber der andre bestand darauf, forlznfabren. Dem Knecht, der das Pferd gefüttert und jetzt das Chaischen vor die Thür brachte, gab er fünf Pfennig Trinkgeld. Dann, schon mit einem Fuß auf den WagentriU. die Peitsche in der Hand, drehte er den Kopf noch einmal halb herum und sprach so über die Schlüter: „Also aus Martini— eweil wißt Jhr't.- Bringt nur bat Geld selber, et soll mir angenehm sein. Ick» hau auch da? Bernkastler im Keller. He, willstc geh«, hahrü"— er.schlug aus den Gaul—„adjüs! Bis Martini— Gut Zettl" Fort rollte das Chaischen, und Müllerhakmes sah ihm nach mit offenem Miude und weit aufgerissene,: Augen. Er kam sich ganz dumm vor—• was hatte der Laufeld ge- dummer Spaß, warum sollte der ihm denn auf einmal die Hypothek kündigen?! Da legte sich cme zitternde Hand auf seinen Arm—• er sah um— seine Frau stand bei ihm und schaute ihn ans angst- lichen Augen an. „Ich han't gehört,— ach Jesus, Hannes,— den Laufeld künd't Dir die Hypothek— wie viel i§ et dann? Kannste se zahlen?!" „Ne," fuhr eS ihm heraus; aber als er ihre Angst sah, machte er sich groß:„No, leicht! Wat meinste denn, bin ich en Hungerleider, de«et piep sagen darf, wenn andre Vögel pfeifen?! Ich sage Dir, den kriegt sein Geld auf Martini bei Heller und Pfennig. Dat i? mer akkurat recht mit der Kündigung, da hau ich auch kein Ambra") mehr mit den Zinsen!" Sie glaubte es ihm nicht— er sah's au ihrem Gesicht, da packte ihn der Aeger.' Wie durfte sie an ihm zweifeln? „Mach' net c so cn deierlich Visasch, wie Maria am Kreuz? Kotzdonner noch ehS, steht«et so da, wie die Katz. wann* donnert!" Er herrschte sie gewaltig an; sie war sein Herrschelt gewohnt, manche Thräne hatte sie sckon still darum vergossen, aber beut' war's zn arg. Und die Sorge dabei im Herzen! Laut aufweinend, hielt sie sich die Schürze vor? Gesicht und lies davon, ins Han-Z, in die Kammer. Dort kniete sie nieder vorm Mntteraottesbild. „Sankt Martluit'S kommt zn Pferd und macht den Bauer alert"— Bliillerbainies mußte nun doch daran glauben, die gekündigte Hypothek zn bezahlen; es ging ibm diesen Martini. wie so vielen andren Bäuerlein. die mit Not und Mühe ihre paar Groscken zum Zahlrag znsammenschrapen. Der Laufeld wollte um keinen Preis warte», er hatte noch was Schriftliches geschickt, lind Hannes, in dem dumpfen Gefühl, daß jener ihm nicht wohlwolle, hatte auch gar keinen Versuch gemacht, ihn zur Rücknahme der Kündigung oder wemgstens zu einem Aufschub zu bewegen. Da? sollte ihm einfallen, dem Laufeld gute Worte geben! Vor dem einen Kratzfuß machen— nein, niemals. Des Hannes Gesicht sah trotzig ans, als er am Vormittag de? elften November gen Manderscheid fuhr. Das Thal war eng; noch hakten sich die Nebel darin nicht gelüftet; sie hockten auf dem gewundenen Pfad und hingen um die vorspringenden Nasen der Felsen, wie nasse Schleierfetzen. Jetzt war altes Grün dahin. Die Brombeeren und wilden Rosenhecken hielten nur hier und da noch ein letztes rostbraunes Blatt, eine ver- schrumpfte Hagebutte fest; widerlich schrie ein Häher ans dem dürren Eichcnbnsch. Ein ganzer Schwann hungriger Krähen scheute ans vom Peitschenknall und strebte mit schwerfälligem Schlagen der nassen Flügel den winzigen Saatstreischeu auf der Höbe zn. Wild brauste die Kleine Kyll. Das war kein Vach mehr, das war eiiuFluß, der die Wiesen rechts und links über fchwemnzte, fast die Breite des ganzen Thälchens einnahm und kaum die Straße freiließ. Des Mühl'enhaiines Stirn umwölkte sich. Hier unten, dort jenseits, da wo der Rosenberg abstürzt und seine Geröll- Halde in ein sammetweiches Uferland übergeht, baute sich einer an— ein Mittler! Schon stand das Haus unter Dach— nächsten Sommer war's wohl beziehbar schon zeigte sich das Gestühl fürS große Rad. und ei» paar riefige Mühlsteine lagen schon auf den: Hof. Und hier, tausend Schritt bachaufivärtttz kam noch ein zweiter Müller zu»oohneu,' der Bruder von: unten:— der eine eine Schneidemühle, der andre eine Mahl- miilile—: schöne Aussicht das!—.: HauueS blickte. grimmig drein. Da? war jä eine ganz infame Frechheit, sich ihm so ans die Nase zn setzen! Wie koimten die sich unterstehen? War er nicht da, er. der Müller- hänne?�!. Für so viel Mühlen war kein Verdienst vier zn Land. Und das Wasser würden sie ihm abfangen! Wenn? mit dem Zufluß aus dem Maar knapp geworden, hatte er doch immer sein giit Teil ans der Kleinen Kyll gekriegt, nun sollte ihm die auf einmal nicht mehr allein gehören?! No, wart, da? wollte er ihnen zeigen, was es heißt, dm Miillerhannes ■) emtzarra*. schikanieren. Tas ließ er sich nicht gefallen, und sollte er vor Gericht gehen! Zornig hieö er auf die Pferde ein, weiter, weiter, daß er nur nichts mehr von dem Aergcrnis sah. Heut' waren vcide Gimte eingespannt, trotzdem der Weg nicht weit und sie daheim schlecht zu entbehren gelvescu. Ei was, die Leute konnten eben einen Tag länger auf ihr Mehl tvarteu, lästig genug, daß man's ihnen vors Halls fahrert mußte— der Laufeld war einspännig gekommen, nun kam er dem heut' zweispännig. Fiiriiehm genug sah's aus, das gelb- lackierte ühabcheu, und alles Lcderzeug blank gewichst, das hiieniciiMig mit Silber beschlagen! Müllerhäniws schmunzelte: ja, die Manderscheider würden Angeu machen, attnrat, wie gestern die Wittlicher! Tort war er gewesen und hatte sich auf der Sparbank die dreitausend Thaler geholt, die dieser ihm als iielie Hypothek auf die Mühle gegeben. Zweitausend Thaler hatte ihm der Schwiegervater horgestreckt, aber erst tiach langem Zureden und Anhalteil— die Tina hatte extra drum an die Mosel hernnterfahren müssen. Wahrhaftig, es war nicht angenehm, zu jemand„Tanke" zu sagen. Tas brauchte man wenigstens bei der Bank nicht, die kriegte ja Sicherheit in der Hypothek z das war gar keine Gefälligkeit, das war eben ein Geschäft l Befriedigt war Hannes gestern durch Wittlich gefahren, die drei Tausend im Sack, aller Sorgen ledig. Tie Gäule waren dahin gestoben, als hätten sie statt des Bluts Feuer im Leib. Das Pflaster hatte Funken gesprüht unter ihren Husen. Hui, durch die Gassen, daß Groß und Klein an die Thurm eilte und die Mädchen rasch die Gardinchen von den Fenstern bei Seite rissen. Er hatte allen zugewinkt. Sein rundes Ge sich blühte in einem jovialen Lachen, die Straße im grauen Novcmbcrlicht wurde hell davon.„Kncktclhei, den Müller- Hannes, den Müllerhannes!" Tas hörte er gern. Heut' konte er die frohe Laune von gestern nicht finden. Hatte der Wein, de» er im Wittlicher Gasthaus zur Traube ge- trunken, ihm den Kopf schwer gemacht� Er fühlte einen im- geheuren Brand. No, nur ein halb Ständchen Geduld, dann ivac er oben in Manderscheid, da gabs was zum löschen. Schon fingen die großen Kehren an, die langsam zum Plateau hinaufführen. Es war derselbe Weg, den er einst in hochzeitlicher Seligkeit mit seinem jungen Weib hinunter gefahren. Ta hatte der Mond silberne Rosen gestreut, und alle Wunder der Mainacht hatten sich geoffenbart. Er erinnerte sich hcnt' nicht mehr daran. Aber wie damals guckte er hinüber zum Mosenkopf, der sich jetzt in ganzer Mächtigkeit über dem Vorland niedrer Höhen erhob. Ter trug noch immer kein stolzeS Halls auf dem Buckel, von dem illan hinuilterspucken konnte auf die Welt. Aber— des Müllerhannes finstres Gesicht hellte sich ein wenig auf— das würde schon kommen.'S würde schon noch kommen, warum die Hoffnung aufgeben, wenn man stark ist und in den besten Iahren und— wenn mau noch mal was zu erwarten hat?! Nicht, daß er dem alten Kiuinscrer an der Mosel das Leben mißgönnte, nein, nein, es war nur schon, daß mau noch mal einen gehörigeil Batzen kriegte. Was der immer von schlechten Zeiten stöhnte, war einfach nicht zu glauben: nnd auf der Tma ihr Gerede war erst gar nichts zu geben. Die sah alles schwarz. Hatte sie nicht gesagt, eS käme dem Alten sehr sauer an, ab sie mit den zlveitausend Thalern heimkehrte? Ach, was war die für eine Wehklage geworden, eine Tuinscl) noch dazn! Wenn sie durchs Haus ging, bewegte sie oft still die Lippen, da betete sie bei sich. War das nicht Ziim ärgern? ZZine Betschwester hatte er doch nicht zu freien gedacht, sondern eine junge Frische voll Lebenslnst. Hübsch war sie auch nicht iildjr, klapperdürr; und seit sie ein paar nial Malheur gehabt, kränkelte sie. War? nicht eine Schande, nur die Franz im Haus nnd keinen. Sohn?! „Verflixt!" Ter starke Mann sah an sich herunter und streifte die kräftigen Lenden— nein, an ihm lags nicht, er hätte Jungen in die Welt setzeil können, wie weiland der Erzvater Jacob, zwölf an der Zahl, ein gewaltiges Geschlecht, dae die Welt bevölkert. Ein Gefühlt, das er bis jetzt noch nie so deutlich empfunden, erhob sich plötzlich in ihm. Wars Enttäuschung, Zorn, Haß gegen die Schwache? Nein, nein, die Tina war ein kreuzbraves Weib, sie hatte keiueu Willen und that, wie er be- fahl. Aber Empörung war doch in ihn?. Ja, Empörung! Warum gebar sie ihn« keinm Sohn, einen gesunden, stralllinm. so einen, wie er selber war! Die Fränz war hübsch mjb kräftig, ließ sich ganz gut an, aber was solls mit emeni Mädel, kann die einmal regieren? *} Bcivischcster.- sAorrsctznng folgt. (Süichmuk uar&dtiti) r>cidmfche BUtdebre» Die gewaltige Naturerscheinung des Gewitters übt noch innner auf die Nerven zahlreicher Menschen einen uulviderstchlictien Anreiz. der die Empfindungen des Schreckens und der Furcht auslöst. Ter Dichter hat gut singen: «Wenn der uralte, Heilige Pater Mit gelassener Hand Aus rollenden Wolken. Segnende Blitze lieber die Erde sack, Küß' ich' den letzten Saum seines Kleides, Kindliche Schauer Treu in der Brust." Deshalb haben biele Bewunderer der Goethescheu Muse in den Augenblicken, da die himmlische Artillerie donnert, doch weder für die' erhabene Schönheit de» Naturschauspiels,»och für seine luft- reinigende Kraft ein Auge bor lauter zähncschlotterndem Schrecken. Solche überwältigende Wirkungen hat das große Phänomen des Gewitters noch heute, obwohl es in cibilisicrten Ländern kaum noch einen Menschen geben lvird, der nicht wenigstens eine dunkle Vorstellung hätte von der natürlichen Erklärung für Donner und Blitz und von der modernen Vorkehrung zur Beseitigung der thatsächlich vorhandenen Gefahr. Viel mächtiger noch war der Eindruck, den die Erscheinungen des Gewitters ans den Menschen machten, che man wußte, daß sie einen AuSglcichSprozcß zwischen der Elcttricität der Atmosphäre und der- jcnigcn der Erde darstelle». Ehe eine wissenschaftliche Erklärung möglich war, schrieb man dem Gewitter einen überirdischen, übcr- natürlichcn Ursprung zu. So erklärt eS sich, daß überall auf dem Erdenrund in dein mythologischen Borstelliingslreis der Natnrreligioncn Donner und Blitz eine große Rolle spielen alS Bethätiguug sei es eines allgc- meinen Himmelsgottcs. sei es eines besonderen Donner- und Blitz- gmtes. Bei den alten Indern z. B. war der HimtuelSgott Jndra zugleich der Gewittcrgott. der mit dem Donnerkeil den Wolken- Verschluß spaltet. In einem Vedaliede heißt es darüber: „Mit beiden Händen Jndra den Keil ergriff; Wie n scharfes Messer zum Wurf er schärfet ihn, Zum Drachenmord er schärfet ihn.... Ganz leicht, o Jndra, die Wasser frei du gabst, Wie Wagen sie entsendend hin zum Meer» Wie Wagen strebend nach dem Preis." Diesem Moment sahen die Bewohner deS aus Gewitterregen in so hohem Maße angewiesenen Landes natürlich mit Verlangen entgegen, und darum gab es im alten Indien besondere Sprüche, um den segensreichen Blitz, der nur dem Berrucksten verderblich wird» in nuvdringender, ungefährlicher Gestalt tünstlich hcrbcizuzanbem; ein solcher Blitzzaubcr lautet also: „Verehrung sei dem Blitze, dir! Verehrung dir, dem Donner, auch! Verehrung sei dem Steine(Doniierieil), die, Mit dem du ans den Böse» wirfst!" Das Schlendern der Donnerkeile war auch eine.Hauptfunktion des griechische» Himmclsgottes ZeuS, zu dessen ständigen Attribnlcn auf bildliche» Darstellungen der als gezackter Feuervfeil gedachte Blitz gehört. Mit dem Donnerkeil erschlägt er Sterbliche, die er strafen ivill. Seinen Lieblingen auf Erden dagegen donnert und blitzt er zum günstigen Vorzeichen kommenden Glückes. Dem Odhsseus läßt er bei Homer auf die Bitte um ein Zeiche» seinen Donner vom glänz- erhellte» Olympos erschalle». Eine Magd des vlelgcwandten Dulders deutet die Sache gleich richtig: „Vater Jeus, der du Göltcr und sterbliche Menschen beherrschest. Traun, laut donnertest du vorn Stcrnengewölbe des Himmels; Doch ist»irgtiids Gcivölk: du gcivährst tvohl einem ein Zeichen!" DaS war in hellenischer Jrühzcit; aber noch in der geschichtlichen Epoche des pcrilleischcn Zeitalters im 5. Jahrhundert v. Ehr. be- lhütiglc sich der griechische Donnergott in ähnlicher Weise gegenüber dem großen Bildhauer PhidiaS. Als dieser Künstler scinc wunder- bare Zeusstatue vollendet und in Olympia aufgestellt Halle, bat er den Goit um ei» Zeichen, daß ihm das Werk gefalle. Ta ließ Zeus 'einen Donnerkeil durch das offene Dach des olympischen Tempels niederfahrcn, wenn wir der frommen Soge glauben wollen. Anderswo gab es besondere Donnergötter. Bei den Peruanern existierten zur Zeit der Erobcning durch die Spanier besondere. Tempel dcö Donnergottes, dessen Name Jllapa gleichzeitig die Be- deutung Donner, Blitz und Donnerkeil hatte. Fromme Spanier zogen aus diesem dreifachen Wortsinn den kühnen Schluß, daß die Peruaner ursprünglich sich zur Dreieinigkeit bekannt hakten, deren hoher Sinn erst durch die höllischen Künste satanischer Gewalten in heidnischen ltnsinn verkehrt worden sei:„Der Teufel stahl, soviel er konnte," meint der Geschichtsschreiber Herrera mit rechtgläubiger Entrüstung. Im alten Babylon führte der Donnergott den Namen. Bark», was soviel wie Blitzvas denn ungefähr ans einer Höhe steht mit dem Zelt aus der blitzfreien Haut eines„Mccrkalbes". worunter »ach PliniuS in Rom ängstliche Leute bei einem Donnerwetter gern sich verkrochen. Interessanter wäre, wenn wir etwas von den Mitteln wüßten, deren sich die ctruslischcn Fulgnratoren bedienten, um den Blitz herabzuziehen. Alexander von Humboldt vedcmm im„Kosmos" das gänzliche Fehlen diesbezüglscher Nachrichten, weil möglicherweise in dem Wust abergläubische» llitzsiuns ein bißchen wirkliche Natur- erkemitniS gesteckt hat, das zur Vorgeschichte des Blitzableiters ge- hören würde. Daß dem klassischen Altertum die Beziehungen zwischen Blitz und leitenden Metallen nicht ganz nnbelamtt waren, geht aus einer gleichfalls von Humboldt angezogenen Stelle des griechischen Ge- schichtsschreibers MtesiaS hervor, der um 400 v. Chr. als Leibarzt des pcrfischen Großtönigs Artaxerxes Mnemon in Snsa gelebt hat; er berichtet, er habe zwei eiserne Schwerter besessen, M schenke des Schahs und seiner Mutter Parysatis, die. in die Erde gepflanzt, Blitzstrahlen abwendeten. Die Wirkung habe er selbst konftaiiereii können, da der König zweimal vor seinen Augen das Experiment ge- macht habe. Mag bei der Kürze dieser Nachricht erheblicher Zweifel bleiben, zumal Ktesias nicht gerade zu den glaubwürdigsten Schriftstellern gehört,— sicher ist doch, daß dem Altertum Borrichtnngen nicht ganz unbekannt Ware», die dem heutigen Blibableitec sehr nahe kommen. Ter verstorbene deutsche Aegyptologe Heinrich Brugsch-Pascha hat nämlich durch Uebcrsetzung einer Anzahl von Hieroglypheninschristen auS der Ptolomäerzcit lvon ea. 300 v. Ehr. ab) bewiesen, daß die zohen, beflaggten Masibäume, die zu den äg>?ptischen Tempeln ge- hörten, wenigstens in dieser Epoche griechische» Einflusses dem Zivecke dienten, das Einschlagen von Blitzen zu verhüten, und deshalb an der Spitze mit Kupfer beschlagen waren. In einer Inschrift des rempels von Eds» heißt es:„Ties ist der hohe Pylonbau des Gottes von Edfii. am Hauprsitzc des leuchtenden Horns. Mastbäume bc» linden sich paarweise an ihrem Platze, um das llngewlltcr an der Hinnnclihöhc zu schneiden.. An einer andern Stelle wird diese Beschreibung so ergänzt:«Ihre Mastbäume aus dem Aschholze reichen bis zum Himmelsgewölbe und sind mit Kupfer deS Laude? beschlagen." Iii Tendern bei Theben waren die Thorbauten d«S Tempels nach einer Juscurift mit vier hohen Masten versehen, deren Spitzen mit Kupfer beschlagen waren,«um zu brechen das Unwetter vom Himmel". Nach diesen und ähnliche» Stellen kann kein Zlvcifcl bestehen, daß am Nil in den letzte» Jahrhunderten vor Chriüo thar- sächlich eine primitive Art Blitzableiter bekannt war. Qb dem nun eine griechische Entdeckung oder ägyptische Be- obachtuugcn zu Gründe lagen, die alten abergläubischen Vorstellungen sind nicht durch diese empirisch festgestellten Thatsachen verdrängt worden, und auch die Vorrichtung selber ist total in Vergessenheit geraten, so daß Fraiilti» nicht irgend welche Vorläufer des Blitz- ablciters weiter cmwickclrc, als er„dem Himmel den Blitz entriß". Bis weit in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts hinein waltete in Teutschland der ärgste Aberglauben in Bezug ans die Gewitter- crscheinungcn ob. Der Gort Donar ward freilich nach Einführung des Christentums zu einem heidnischen„Unhold", der aber deshalb dem Bolle nicht für etwas Unwirkliches galt. Das erklärt die populäre Vorstellung, Donner und Blitz seien ein Wert höllischer Mächte, ein Tenfelospuk, der sich durch Weihungcn, vor allein dm Schall geweihter Glocken vertreiben lasse. Das lateinische Motto, das Schiller über seine„Glocke" gesetzt hat:„Tic Lebenden rufe, die Tote» beklage, die Blitze breche ich", kehrt auf zahllosen älteren Glocken als Iiischrist wieder, manchmal auch dcnlsch, wie aus der Lützenlirchener Glocke von 1519;„Tente Johann heiße» ich, in die cre Götz lüden ich, den Tucvcl vcrdryven ich. den levendichen r»essen ich, de dode» beclacn ich, Donnerweder wenden ich; Jan van Nuilte gois mich." Um die Blitze abzuwenden. läutete man früher bei Ge- wittern die Glocken: in manchen Gegenden mag es hier und da noch jetzt vorkommen; jedenfalls ist das„Donnerwetterläuten" noch nicht lange ausgestorben. Einen mertlvürdige» Zusammenswß des alten Aberglaubens mit der moderucn wissenschastliche» Anffassung der Blitzerschcinung. die seit Franklins Eiildeckung zur Geltuiig gelangt ist, hat die Ge- schichte der>�tadt Düsseldorf zu verzeichnen. Der Kursürst Karl Theodor von der Pfalz hatte noch in einer Vcrordinmg vom 17. Febr. 1780 soweit Rücksicht auf die Vorurteile seiner bergischen Unter» thancn genommen, daß er das Donnerwetterläuten gestattete, ob- ivohl für die Glöckner damit beträchtliche Lebensgefahr dcrlniipst war. Schon im folgenden Jahre aber geriet die Regierung dadurch in Konflikt mit dem ererbten Aberglauben der Düsseldorfer Be- völkcrung, daß sie alle öffentlichen Gebäude von Düsseldorf mit Blitz» ableiter» Jranklinschen Systems versehen ließ. Verbohrter Fanatis- mnS sah darin eine Verkürzung der göttlichen Strasgelvalt und brachte einen Aufruhr zu stände, der die Blitzableiter zerstören wollte und das Einschreiten der bewaffneten Macht zur Folge hatte. Wirk- samer war eine in Massen verbreitete Broschüre deS Professors Hemmer, die alle Einwürfe gegen die Blitzableiter in populärer Sprache widerlegte. TaS Voll ließ darauf zunächst die weiteren Anlagen ruhig geschehen. Als dann aber im Sommer 1783 ein schweres Gewitter in Düsseldorf großen Schaden anrichtete und dem Aberglauben für eine Strafe Gottes galt, führte ocr allgemeine Unwille zu neuen Kralvallcn, bei denen wieder Blut floß. Die Re gicrung ließ durch Beruehmung von Zeugen feststellen, daß die. Lffentlichen Gebäude und vor allem der Pulverturiu nur durch die Blitzableiter vor Schaden behütet worden seien. Noch längere Zeit aber mußten die verhaßten Anlagen durch militärische Bcwc.chung vor Beschädigung und Zerstörung geschützt werden. Der Düsseldorfer Blitzaiifruhr ist ivohl der machtvollste Widerstand, den die alt- heidnische Blitztheorie der modernen naturwissenschaftlichen geleistet hat.—.' Dr. A. Conrad y. kleines feuilleton. est. Frauen als Seeleute. In Bristol wurde bor einiger Zeit zu allgemeiner Urberraschung entdeckt, daß ein junges Mädchen sich von dort immer als gemeiner Matrose einschiffte. Es ist jedoch keine so große Seltenheit, daß Frauen zur Tee gehen. Etwa um dieselbe Zeit kam der östreichische Dampfer„Zora" von Alexandrctta in Philadelphia mit einer„Bemannung" von türkischen Frauen an. die nach der Aussage deS Kapitäns vorzügliche Matrosen ivarcn. Erst in den letzte» Wochen unterzeichnete der französische Marineminislcr wieder die Erlaubnis für eine Frau auS einem normannischen Fischerdorf, sich an Bord einer Fischerschmack alS Mitglied der Schiffoinannschaft einzuschiffen. Diese Erlaubnis war. wie berichtet wurde, die 03., die von dem Marincminisier während des vergangenen JahreS unterzeichnet wurde. An der bretonifchcn Ztüste. verdienen im ganzen gegen 3000 Frauen ihren Lebensunterhalt auf diese Weise. Jede muß eine offizielle Erlaubnis haben, ehe sie ihren gefährlichen und beschwerlichen Beruf annimmt; dann aber nimmt sie in Bezug auf de» Lohn und die Arbeit dieselbe Stelle wie ihre Gefährten ein. Nur in einer sehr wichtigen Hinsicht steht sie unter ihren männlichen Mitarbeitern; sie erhält ein zweites ofsi- zielles Dokument, in dem ihr ausdrücklich verboten ist, jemals»ack, der begehrten Stellung des Kapitäns eines kleinen Kanffahrers zn streben. In Norwegen, Schlvcdcn und Finnland schiffen sich Frauen häufig als Matrosen ein, ohne daß Einwendungen gemacht ivcrdc«, und sie leisten Vorzügliches, während in Dänemark viele Frauen vom Staate als Piloten gebraucht werden. In ihren kleinen Booten gehen sie weil in die See hinaus ankommenden Schiffen entgegen, dann klettern sie über Bord, und nachdem sie ihr offizielles Diplom gezeigt Häven, steuern sie das Schiff geschickt in den Hafen. Alle Mädchen auf der Insel Himla bei RhoduS sind, wie eine Londoner Revue bendnct, kühne und geschickte Seeleute und überdies Vorzug- Ische Taucher. Sic müssen zur See geben, ivenn sie nach dem Ehe- stand streben, denn sie dürfen erst dann heiraten, ivenn sie ivenigstens drei Seereifen mitgcmackt und eine besondere Art Schwämme auZ einer �'stimmten Tiefe mitgebracht haben. Die Bctvohrier der Insel leben nämlich alle von der Schwammfischerci. Auch in Santa Barbara giebt es eine Kolonie weiblicher Seeleute, darunter drei- zehn Schwestern, die die Töchter einer Biutter sind. Letztere ist nie- mal? zur See gewesen, aber seit LI Jahren bewacht sie den dortigen Leuchtturm, und während jener langen Zeit ist sie jeden Abend zum Turm hinaufgestiegen und hat nachts das Feuer bewacht. Jetzt ist sie sehr alt und schwach, aber sie weigert sich hartnäckig, ihre Stellung aufzugeben.„Meine Töchter," sagt die alte Frau,„haben einen sehr gefährlichen Beruf. Ali mir ist es, die Gefahr so weit wie mög- lich dadurch zu vermindern, dah ick, so lange ich lebe, das Leucht- feucr brennend erhalte". In Uolohama halten die meisten ein- geborenen Wirte von Logier- und Kosthausern weibliche Mannschaften zum Einschiffen auf Küstendampfcrn, wenn cS an Mannschaften fehlt. Sie gehen ilicht in die Takelung, sollen aber für jede andre Arbeit, sogar für die Heizung und als Kohlentrimmer vorzüglich sein. In ihrer freien Zeit am Ufer nehmen sie häufig einen Kohlen- kontbakt und sind in dieser schweren Arbeit sogar den Männern über- legen. Es giebt aber auch viele Beispiele, das; Frauen allein Schiffe geführt haben, wenn sie durch den Druck der Verhältnisse dazu gc- zwungen tvarcn. Ein thpifcher Fall dafür ist der der Brigantine „Mookburg", die im Herbst des Jahres 1877 auf einer Reise von Ehina nach Australien von der Eholcra betroffen wurde. Nur die Frau des Kapitäns entging der Krankheit, und sie wurde noch dadurch gehemmt, das; sie einen Säugling zu nähren und warten lwtie. Trotzdem steuerte sie das Schiff nach Brisbane, was eine Reise von sieben Wochen Tauer bedeutet; während sie die Arbeit der ganz«, Mannschaft verrichtete, pflegte sie in ihren freien Augen- blicken mich noch die Krckükrn.— kl. lieber das Gähne«, welches uns bei längerem chusnterlsameii Anhören oder Ansehen einer langweiligen Sache befällt, ja welches auch durch läugere anstrengende Aufmerkscunkcit ans einen inter- essauten Gegenstand erfolgen kann, sind die Meinungen noch geteilt. Thatsache ist eS. daß Ermüdung des Nervcnsbstcms und Lufihungcr die erste Veranlassung zun, Gähnen bieten. Aber auch Hunger- und Krankheitsgefühl zwingen zum Gähnen; ebenso neigen Personen, welche an Ohnmächte» oder Krainvfanfällcn leiden, vor Eintritt derselben zu häufigem Gähnen. Eine gewisse Schwäche in der Muskulatur des KopfeS zwängt schon zum Gähnen, wenn nur vom Gähnen gesprochen lvird. ebenso entsteht dasselbe durch eine gewisse Jdeenasiociation beim Anblick eines Gähnenden. Körperliche Anstrengungen führen ebenfalls, zum Gähnen. Das Gähnen geschieht durch ein tiefes lind langsames Einatmen mit weitgeoffneteni Munde, Ivobei der Gaumensegel star! gehoben,.die Stinunritze und Brust sehr erweitert ist. Den, kranchf- artigen Gähnen folgt bisweilen ein langsames, häufiger aber ein kurzes, äustönendes Ausatmen. Sticht.zu selten ist öftere? Gähnen der Vorbote des SchlafruhebedürfinsseS.— Kulturgeschichtliches. � k. Eine„Religion des Mordes DaS Treiben der ThugS, der religiösen Fanatiker in Indien, die einen Geheimbund von Raubmördern bildeten, kennzeichnet folgende Mitteilung cincS M'.rnrbeiterS der„Revue": Ein Bibliothekar des britischen MuseuntS hat rnir vor einiger Zeit eines der merlivurdigsten Dokumente gezeigt, die jemals von der Äartagraf'hie hergestellt wurden. Es tvar�die berühmte.Karte de? Kapitäns Paton, der im Jahre 1880 die Idee hatte, seiner Regierung einer malerische Bezeichnung der Orte zu geben, in denen die TbngS ihre Opfer erwürgten und ver- gruben. Es gab da-Thatsacheu, die die Phantasie eine? Edgar Poe hätten anregen können. Nngefiihr VLVV Morde tvarcn von 4Y Personen begangen, die in ihrem Batcrlande allgemein geachtet wurden. An ihrer Spitze stand der ehrwürdige Buhram, auf dessen Anteil VL1 Morde fallen, die er während der 4V Jahre seiner religiösen Thätig- ieit in der Probinz Oudh begangen hat. Aach ihm kommt ein ge- wisicr Ramsor. der 608 Personen erwürgt hat. Fassii 5than hat ntir !>V8 Personen erinordct, aber er hat diese Zahl in LV Jahren er- reicht. Er hakt also den Rekord von L» Morden jährlich. Aus Jincknbnr den Schwarzen fallen L1V, auf Alatrar L77. aiif ÜAuck- doornee Ail Erdrosselungen. Wenn man diese Totcnliste durchsieht, sieige man von dieser. Hohe auf LG 1V oder sogar nur l> Morde jähriich herab, die zu Ehren der Göttin Kali ausgeführt winden.... Die? war zweifellos der Höhepunkt der Religion Kalis, die ihre Anhänger nicht nur die Kunst der Erdrosselung lehrte, sondern ihre Diener auch den lmheilvollen Augen der Aichtglänhsgni verbarg.— Technisches. Eine St est c i u n g i in E i f e ri b a h it- S i g n a l Iv e s e n. die zunächst auf einer kürzen Swccke der Ehirago-Ost Jllinois-Eisen- bah» versuchsweise eingeführt worden ist. wird vom„Elektrotechnischen Anzeiger" beschrieben. Die Erfindung ist namenttich insofern bemerkenswert, als sie von sämtlichen bisher in Anwendung gekommenen Verfahren grundsätzlich verschieden ist. Wer sich ein »oenig mit dem Eisenbahnwesen beschäftigt bat. weist, das; eine Eisenbahnlinie in eine Anzahl von' Blockstrecken eingeteilt ist. die gegeneinander durch Signale geschützt werden nmfsen, damit die nottvendigste Forderung gewahrt bleibt, das; sich höchstens ans je einer Blockstrecke ein Zug befinden darf. Tie Signale, die dem Führer des fahrenden Zuges» die nötige!» Weisungen erteilen und nach deren Stellung er erkennt, ob er weiter fahren darf oder halten nulst, werden bisher bekanntlich auf besonderen Masten angebracht und durch die Stellung eines Hebels oder durch die Farbe von Lampen gegeben. Bei dem neuen Sttstem, das vom Ingenieur Miller herrührt, werden dagegen die Zeichen von Lampen abgelesen. die sich ans der Lokomotive selbst befinden. Der Lokomotivführer hat ans seinem Stand zwei Glühlainpen vor sich, eine weihe und eine rote, von denen immer nur eine brennen kann. So lange die iveiste Lainpe brennt, lveist er. dast das Geleise wenigstens zwei Blockstrecken vor seinen» Zuge frei ist; leuchtet die rote Lampe auf. während die weihe erlischt, so erfährt er dadurch, dast sich in der zweiten Blockstrecke vor»hin ein Zug befindet. Bleiben beide Lanipen dunkel, so ist das ebenfalls als ein Zeichen der Gefahr aufzufassen. Der Betrieb dieses Systems kann begreiflicherweise nur dad»irch er- reicht werden, dast die Lokomolive in eine elektrische Verbindung mit der Blockstation gesetzt lvird, was d»»rch Schienen- leibing leicht erzielt»verde»» kann. Das eine Leitungscnde lvird mit den Rädern der Lokomotive verbunden, das andre mit einem der Tenderräder, das gegen den übrigen Zug isoliert»vird, DaS Erglühe»» der einen oder der andre»» Laii»pc beim Passieren einer Station dauert fort, bis die nächste Station erreicht lvird, so dast z. B. das rote Licht aus der Lokomotive so lange in Thätigkeit bleibt, bis der Zug an der nächsten Station angelangt ist, wo dann enttvcdcr die Fortdauer der Gefahr angezeigt, oder durch Aufglühen der lvcisten Lampe das Signal„freie Fahrt" gegeben lvird. Auster der Batterie a»lf der Blockstation wird zur Sicherheit auch noch der Maschine selbst eine solche mit- gegeben. Jeder in einem gewissen Block befindliche Eisenbahnzug schaltet»lickt mir die Batterie der zunächst hinter ihm liegenden Blockstation um, sondern auch noch diejenige der dahinter liegenden zweiten. Da? Hai den großen Vorteil, dast der Führer eines Zuges stets citie ganze Blockstrecke vor sich hat. iim den Zug zum Stehen zu bringen, nachdem er das WarmiiigSsignal durch die rote Lampe erhalten hat. Da? Hineinfahren in die gefährdete Strecke ist dadurch bedeutend erschwert worden.— Humoristisches. — Praktische Arithmetik. Lehrer(m der Elementarschule:„Wer kann niir sagen, wie viel ist zwei»nal sechzig?" Moriz(rufend):„Eine Mark zwanzig!"— — In der Leihbibliothek. Dame;„Ich hätte gern etwas von Nietzsche, was können Sie mir da empfehlen?" E o m in i S:„Vielleiait„Jenseits von Gnt und Böse" oder „Jarathliswa?" Dame:„Ack> geben Sie mir„Zarathustra". E o in m i s(nach längerem Suchen):„Zarathustra ist aber äugen- blicklich nicht da." Dame:„Na, dann nächstes Mal. Für heute geben Sic mir dann etwas andres. Ist das„ Gänse liest" von der Esch- struth da?"— — S ch lv ä bisch« Weisheit. Bauer:„Wisset Sc,'s besckite Jäckle für so a kalts JahreSzeitle ischt eben e Cognälle!" („Jugend".) Notizen. — Otto Ernst's Scbauspicl„Die Gerechtigkeit" geht am 1. Februar erstmalig im S ch a u s p i e l h a il s e in Scene. Am selben Abend erlebt auch StobitzerS Einakter„Seeluft" da- selbst die Erstaufführung.— — Die Nene freie V ol k S b ü h n e bringt in diesem Monat am 11., 18. und LS.(jedesmal nachmittags l/,ß Uhr) das in Berlin noch nicht gegebene sociale Drama„Schlagende Wetter" von En g en i c dclla Grazie im Belle- Alliance- Theater znr Ausführung).— — Joseph WerkmannS ,. K r e n z w c g st ü r»n er" hatte bei seiner Erstanstührung im Hamburger'Stadttheater einen freundlichen Erfolg.— — Mufitdircktor B e r g e r ans Berlin ist zum Aachsolger Fritz Stei Ubachs in M c i n i n g e n ernannt worden.— — Die Berliner N a t i o n a l g a l e r i e hat ein Bild Wilhelm T r ü b n c r S, das P o r t r ä t des M a n n e s. i m grünen Sessel, angekauft.— — Im Staate Queensland(Australien) giebt es nach den eben veröffentlichten Angaben des Ackerbauministers 031 arte- siscke Brunnen, gegen 571 im Jabre 1808. lieber 000 sind auf Staatskosten hergestellt. Die durchschnittliche Tiefe der Boh- rungcu beträgt. 100 Meter. die Gesamttiefe 378 Kilometer. Der tägliche Wasierausflust belätift sich a»f 15'/� Mill. Hektoliter. Die gröfite erreichte Tiefe beträgt 1100 Meter.— Die nächste Nummer des Uuterhaltungsblattes erscheült am Sonntag, den 11. Januar. VcrrZNttvoriücher Redatteue: Carl Leid in Beiiin.— Druck n»» Vertag: Vorwäri» VitchdiiuU'ici««■> BerlägsairstM Paut Singer sc Eo., Bertin SV.