Nnterhaltungsblatt des Vorwärts 3?r. 14. Mittwoch, den 21. Januar. 1903 pjndjbiucf verboten.) lt] Der JVIliUerbaiiiicö. Roman aus der Eifel von Clara Viebig. IX. MüllerhanneS saß in seiner Stube, beide Ellenbogen aufgestützt und den Ltopf zwischen die Fäuste gestemmt. Vor ihm lag der Hund, schob ihm ab und zu die Schnauze aufs Knie und leckte ihm die Hose; aber sein Herr war heut' zu keinem Scherz aufgelegt, lieber dem Kanapee säst der junge Hannes in der schmucken Uniform auf dem sich bäumenden Schecken, aber auch dahin warf der Herr heut' keinen Blick. Er mutzte denken— denken. Nun war Martini ins Land geritten— draußen wirbelte der Schnee— er hatte die fälligen Hypothekenzinsen nicht zahlen kömien.«- „Kreuzdonnerwetterparaplei!" Einen Fluch stietz er aus rmd bis; die Zähne aufeinander. Datz ihn auch sein Freund, der Schmitz von Wittlich, im Stich gelassen! Wer hätte das je gedacht! Also man der- spricht etwas— hoch und heilig— und dann denkt man gar nicht daran, es zu halten?! Hannes drückte sich die Fäuste gegen die Stirn— war's möglich? Das wollte ihm nicht in den Sinn. Sie hatten doch mit einander getrunken, wie zwei Brüder, ein Herz und eine Seele— und der hatte gesagt: „Ich legen en gut Wort ein— ich-—" und hatte sich dabei auf die Brust geschlagen—„brauchst die Zinsen nicht zu zahlen, Müllerhannes!" Jawohl— mit den Achseln hatte der jetzt nur gezuckt und war verlegen gewesen und hatte von gar nichts mehr zu wissen vorgegeben. Ilnd heute, heute in aller Frühe— Hannes sprang auf und ging unruhig, mit schweren Schritten in der Stube auf und nieder— war ihm ein amtliches Schreiben ins Haus gekommen— leichenblatz war die Tina geworden, als sie's Siegel gesehen— die Bank verlangte Sicherheit für die fehlenden Zinsen, sonst— Er wagte es nicht auszudenken. Mit einem Satz war er am Fenster, legte die heitze Stirn an die Scheiben und starrte hinaus auf den Hof. Da stand sein Holz. Bretter, hochauf- gestapelt— ein rechter, hoher Haufen— haushoch, das war immer sein Stolz gewesen— verkauft waren sie noch nicht, nicht einmal bestellt, auch die Bestellungen fingen ihm ja die Hallunken oben am Bach ab, so gut wie das Wasser,— und daneben, noch in den Ketten, wie die Gäule sie auf den Hof geschleppt, lagerten die Stämme, die er auf der letzten Holz- auktion im Kunowald gesteigert. Sie ruhten unterm Schnee, wie tote Niesen. Dazumal war's ein herrlicher Sommertag, — die beiden oben vom Vach waren auch dabei getvesen— da hatte er sich verleiten lassen, eigentlich mehr zu steigern, als er gebrauchte. Was hatten die beiden für Gesichter ge- schnitten, als er sie mit seinem Steigern in die Höhe trieb und dann doch noch ihr Angebot überbot. Noch jetzt mutzte er darüber lachen. „Haha!" Schönes Holz, teures Holz— aber mochte es denn hin- gehen als Sicherheit für die nicht bezahlten Zinsen! Mit dem Verkauf anderswohin schien's ja doch nicht zu glücken— wie verhext war'S mit dem Wein! An der Mosel hatten sie schon seit Jahren keinen tüchtigen Fässerbedarf— da war's denn egal, wer die Hand auf daS Holz da legte: mochte die Bank es immer nehmen, die Beiden oben am Bach waren ja doch drum gepritschtl Das freute ihn. Und hierüber fing er an zu vergessen, was ihn drückte. Am Mittag war Hannes ganz guter Laune; er närrte sich mit dem Hund und auch mit der Fränz, die gurrte wie eine Lachtaube. Weitz Gott, von ihrer Mutter hatte sie's Lachen nicht gelernt! Die saß da, wie die reine Trübsal, stocherte im Essen und brachte keinen Bissen über die Lippen. Das boste den Mann. Warum war das Weib nur immer so— andre Weibsbilder waren doch wohlgemut?! Immer diese Miene, wie: Gott erbarm dich! und heut' wieder rotgeweinte Augen — warum denn? „Wann't Wasser wieder knapp wird in der Mühl', kann's Du ja aushelfen," sagte er, es klang noch wie gutmütiger Spott, aber schon grollte ein kommender Zorn darin. Fränz prustete laut heraus. Tina erwiderte nichts, aber sie stand vom Tisch auf, ganz griinlich-blatz; und als die Magd nachher in die Küche kam, stand die Frau am Schuttstein lmd stöhnte. „Tina, Tina," schrie der Herr innen. Sie schüttelte ab- wehrend den Kopf. Da mutzte die Magd hineingehen»nd melden, datz der Frau die Galle übergelaufen sei. „Et is ihr übel geworden," sagte sie. Hannes ließ anspannen— jua» sollte er zu Haus? ES litt ihn nicht. Er hieß das gute Silbergeschirr nehmen— nun gerade, allen zum Trotz— und als der Knecht Einwendungen machte: Das saubere Chaischen bei dem unsauberen Wege? fuhr er dem grob über's Maul. Das waren seine Chaise und seine Pferde und gingen keinen andren Menschen was au. Er fuhr im Galopp gen Manderscheid. Heut' nicht auf Umwegen durch die Schluchten, sondern stracks das Thal ent- lang, an den beiden Muhle» vorüber, die breite, weithin ficht- bare Serpentine hinauf. Wen brauchte er zu scheuen? Niemand. Als er dicht bei den Mühlen vorbeikam, klatschte er recht auffällig mit der Peitsche: es zeigten sich denn auch einige Gesichter hinter den Fenstern und das beruhigte ihn. Ja, gafft nur, gafft— das schönste Holz Hab' ich doch! Er vergaß darüber, auf das sich flugs drehende Mühlrad zu schauen, und überhörte das Rauschen und Brausen des Wehrs. Müllerhannes fuhr schnell hinauf gen Manderscheid. Jetzt war die Zeit gekommen, heut' gerad' der rechte Tag dazu, tvit allem reinen Tisch zu niachen. Das Gesicht, mit dem er nach deni Mosenkopf blickte, war trotzig. Der schaute heut' auch finster mit seiner schwarzen Lavakuppe, über der ein düsterer Wolkenball hing. Schwer drückte der Berg das Thal und hing dräuend über den weißen Mühlen im Grund. Ja. wartet nur, wartet Ihr da, Euch wird der Bürger- meister schon mores lehren. Der alte Dällmer war ein braver Mann und liebte die Eifel, und die darin geboren, der würde ihm schon guten Rat geben und ihm zu seinem Recht verhelfen, des war der Hannes gewiß. So fuhr er rasselnd vor, schallte Hocherhobeneil Kopfes die Gasse zum Hause des Laufeld hinüber und schritt dann hallen- den Schrittes in die Bürgermeisterei von Manderscheid. Der Bürgermeister war ihm immer wohlgesinnt gewesen — war der doch selber ein Eifelsohn, einer aus altem Bauern- blut, groß wie ein Bauer, dazu breitschultrig, mit einem Stier- nackcn—• hellt', als er ihm am Pult gegenüber saß, dünkte dem Hannes seine Miene nicht so freundlich. Aber der Herr mochte initzgestimmt sein— was hat auch so ein Bürgermeister nicht alles für Scherereien! Rasch entschlossen und ohne viel Umschweife brachte er sein Anliegen vor. Die zwei Müller, ober ihm, an der Kleinen Kyll, der Herr Bürgermeister wußte schon, die zwei neuen, die mutzten fort, die nahmen ihni daS Wasser, die singen ihm die Forellen, die— kurz und gut, das ging nicht an, weg mutzten sie! Er hatte sich in Eifer geredet und seine Augen sprühten. Als er geendet, sah er erwartungsvoll drein. Der Dallmer mutzte doch gleich ihm jetzt entrüstet anfspringell und mit der Hand aufs Pult schlagen: fort müssen die! Ter war doch ein Gerechter! Aber nichts von dem. Ein gewisses Mitleid war in dem Blick, den der Bürgermeister auf den Müller richtete. „Gemach, gemach." sagte er,„immer langsam! Erzähl' mir noch chs die Geschicht'!" Und der Hannes erzählte noch einmal. Er verhehlte es nicht: die andren mahlten.alles Korn und schilitten alle Bretter, er hatte das Nachsehen. Und doch gehörte das Wasser ihm, ihm ganz allein! „Uli dat Wasser— wie is et damit— habt Ihr dat gepocht?" Hannes lachte.„Ne." „Bezahlt?"... „Ne." HanneS war ganz verblüfft. Wie komisch der Herr Bürgermeister fragte? So war es doch schon seit Leb- zeiten gewesen, seit fünfzig Jahr, seit hundert, vielleicht seit tausend. Das Wasser gehört der Maarfeldcncr Mühl' wie dem Bauer die Eifel, um darauf zu leben, wie der Mücke die Luft, um darin zu tanzen. „Ihr seid falsch bericht',4* sprach der Burgermeister und druckte den Auffahrenden auf den Stuhl nieder.„Et is mir leid, Müllerhannes, aber ich zweifeln, wat Ihr da.Euer Recht nennt, dat Ihr dat kriegt. Wat man so gemeinhin„Recht" nennt, is net immer Recht, Ihr—" „Ich werden doch noch et Recht auf mein Wasser hau," brauste Hannes auf. „Et is net Euer Wasser—»ersieht Ihr? Die Kleine Kyll hört dem Fiskus, un alle, die Steuer zahlen und die Er- laubnis nachholen—" „Ae wat, Fiskus hin. Fiskus her, der Bach is mein— ich wohnen dran, eso lang ich leben, meine Voreltern han dran gewöhnt, so lang se lebten, folglich hört der Bach uns. Da sagen Se mir nix dawider, Herr Bürgemeister, ich glauben et doch net. Det war' ja akkerat eso, als wenn den Herrgott auf eimal sagen thät: runter von der Erd', Ihr habt nix drauf zu suchen! Ne, Herr Bürgemeister, der Bach is mein, un die Kerls han nix dran zu suchen!" „O Tu Protz!" Der Bürgermeister schüttelte den Kopf. „Warum einigt Ihr Euch net gütlich. Ihr drei? Wann Ihr den Leut' en gut Wort gebt, sperren se Euch sicher dat Wasser net ab." „En gut Wort— da bin ich sonst nie dawider, Herr Bürgemeister— aber ich werden doch net bitten, wo ich zu fordern han!" Er reckte sich in seiner ganzen Massigkeit, das Blut, das ihm zu Kopf gewallt, füllte schwellend die Ader an seiner Stirn und färbte sie blau. Er fuhr mit der Hand nach den Augen— es war ihm plötzlich dunkel geworden vor dem Blick, schwarze Fliegen tanzten ihm vor der Pupille. Wie ein Schwindel erfaßte es ihn, und in seinen Ohren rauschte es. Mühsam stand er auf, die Stuhllehne umklammernd. „Ich klagen!" „Wat is Euch?" Ter Bürgermeister sah ihn ganz besorgt an.„Ihr fahrt alleweil in de Chais', Müller, geht lieber per pette«, dat is Euch gesunder. Ihr seid zu dickflüssig!" „Olau!" Nun lachte Hannes schon wieder, aber es war ein fremder Klang in seinem Lachen.„Wann mer fahren kann, wird mer doch net laufen." Ein paar Augenblicke stand er in Gedanken verloren, dann fragte er noch einmal:„Also Herr Bürgemeister, Ihr thätet net klagen an meiner Stell'?" „Ne." „No,— dann adjüs!" Hannes drehte sich kurz ab und ging zur Thür. Da wendete er sich aber doch noch einmal. er hatte etwas vergessen,„lln wann den Laufeld auf mich fchimpft, wann hän sagt, ich war' en Schuldenmacher, einen, den unter Kuratel gestellt müßt werden— o, den Lauskerl, den Lump!— Herr Bürgemeister, sollen ich da auch net klagen?!" Seine Stimme war nicht mehr laut, sie war heiser ge- worden; der starke Mann zitterte vor Erregung. Wieder wurde der Blick des Bürgermeisters trübe— ein Mitleid war drin und ein Schmerz— ach, der da, der ließ sich nicht raten! Ter war wie so mancher, wie so manches hier zu Land, ungebändigt und roh, nicht unter richtiger Hand ge- Wesen— schade d'rum? Bürgermeister Dallmer seufzte-- gerad' tönte die Glocke der Kirche drein— er schüttelte den Kopf: auch die schaffte es nicht, nein! „Hannes," rief er,„laßt Euch doch raten, laßt doch den Laufeld schwätzen— wer weiß, ob es wahr is— einigt Euch gütlich mit Euren Konkurrenten— Mann, hört auf mich!" (Fortsetzung folgt.). fitachdruck verboten) Zhcc. Im Verhältnis zur gewaltigen Bevölkerung der Erde sind die Nahrungsmittel nicht sehr verschiedenartig. Die Geschichte der Kultur beweist sogar, daß die Verschiedenartigkeit immer geringer wird, und daß gewisse NahrungZ- und Genußmittel unter Verdrängung andrer, die nur von lokaler oder provinzieller Bedeutung waren, international geworden find. Kartoffeln und Mais haben ihren Siegeszug durch die Welt angetreten, und von Kaffee und Thee läßt sich dasselbe sagen. Die Gründe liegen in den gesteigerten Verkehrsverhältnissen, in der Zunahme des Handels, in der fachwissenschaftlichen Beeinflussung des Ackerbaues und in den Fortschritten der Chemie, die den Nährwert der Nahrungs- und Genußmittel feststellt. Kaffee und Thee galten im 13. Jahrhundert in Europa noch als Luxusgetränke, die zu genießen sich nur wenige begüterte Personen getrauten, und heute gehören sie zu den bevorzugtesten Getränken des Volkes, ohne die auszukommen kaum möglich wäre. Aber in Europa nicht allein, sondern mich in den andren Erdteilen haben sich schon längst Millionen von Menschen mit dem Genuß von Kaffee und Thee eng befreundet, mag der Bezug dieser Artikel auch aus weiter fterne erfolgen. Engländer. Russen. Skandinavier. Amerikaner, Chinesen und Japaner trinken Thee, wir Deutsche bevorzugen den Kaffee. Immer- hin hat sich in.Deutschland der Thcevcrbrauch seit 1834 fast ver- doppelt: damals entfielen auf den Kopf der Bevölkerung V.V7 Pfund Thee, im Jahre 1900 aber schon 0,12 Pfund. Es hängt diese Zu- nähme mit der wachsenden Bewegung gegen den Mißbrauch geistiger Getränke und mit der Steigerung der Theeproduktton in den asia- tischen Ländern zusammen. Vornehmlich haben die Engländer ein gewaltiges Mehr in den Theehandel geworfen, nämlich den Ceylon- thee, der vor einem Jahrzehnt noch gänzlich unbekannt war. nun aber durch die Energie englischer Geschäftsleute eine immer größere Verbreitung in der ganzen Welt gefunden hat. Andre Gründe mögen die Empfehlungen unsrer Aerzte, die den Theegenuß beim Frühstück für erheblich verdarnmgSbefördernder als den Käsfeegenuß halten. Aber trotz der eingetretenen Steigerung will der deutsche Thee- verbrauch wenig bedeuten gegenüber demjenigen Englands, wo er sich im Jahre 1900 auf 0,10 Pfund für den Kopf der Bevölkerung belief. Noch mehr springt der Unterschied bei einein Vergleich des Gesaint- Verbrauchs inS Auge: in Teutschland hat er in eben demselben Jahre 1900 nur 6 719 000 Pfund, in England hingegen 249 792 000 Pfnnd betragen. Und England wird übertrumpft von Australien. denn hier entfielen auf den Kopf der Bevölkerung nicht weniger als 7,81 Pfund Thee. Es wird also in diesen Ländern vierzig- bis fünfzigmal mehr Thee getrunken als bei uns, eine Erscheinung, die sich wesentlich dadurch erklärt, daß England in seinem indischen Kolonialreiche große Theeplantagen besitzt, auch den überseeischen Theehandel in Händen hat und in dem Theegenuß ein ausgezeichnetes Schutzmittel gegen die Gefahren des feuchten, nebelreichen Klimas findet. Die Länder, die für die Theeproduktton in Betracht kommen, sind China, Japan mit Formosa, Java und Indien mit Ceylon. China steht noch immer an der Spitze. Hier wird der Thee schon seit undenklichen Zeiten in zahllosen Varietäten gebaut, die ebenso unter- schieden werden, wie bei uns der Wein. Die einzelnen Korten unter- scheiden sich durch frühere oder spätere Ernte, das Sortieren der Blätter, die Art des Röstens, die künstlich gedrehte Form der Blätter und gewisse Vcrsahrungsweisen, die gewöhnlich ein Geheimnis des Pflanzers bilden. Nicht immer ist eine Theesorte im nächsten Jahre von gleicher Güte, vielmehr kann sie bester oder schlechter sein, je nachdem unter dem Einfluste der Witterung die Ernte ausgefallen ist. Gemeinhin gelten als gute chinesische«sorten Oolong und Souchong, von denen dieser eine sorgsältiger behandelte Abart des Congou ist. Diese Namen weisen nicht etwa auf die T ist ritte hin, wo der Thee gebaut wird, vielmehr bedeutet Oolong„schwarzer Drache", Congou „Lohn der Arbeit" und Souchong„kleine Sorte". In der Ausfuhr bilden Oolong und Souchong nur einen geringen Prozentsatz. Das gleiche gilt von der feinsten Sorte, dem Pecco. Die Bedeutung von Pecco ist so viel als„weißer Flaum", und die Bezeichnung ist insofern gerechtfertigt, als dieser Thee auf seinen Blättern mit feinen, weiße» Härchen bedeckt ist. In der ganzen chinesischen Ausfuhr macht der Pecco höchstens ein Prozent aus. Wenn nichtsdestoweniger die Menge des Pecco im Handel größer erscheint, so liegt das an den Nachahmungen: durch starkes Parfümieren sucht man gernigwcrtigen Sorten den wnnderbaren Dust des echten Pecco zu verleihen und sie unter dieser stolzen Flagge segeln zu lassen; aber zum Verräter ihrer niederen Herkunft wird ihr schlechter Geschmack. AIS Haupttheemärkte in China gellen die vertragsmäßig ge- öffneten Häfen Foochow, Hankow und Ningpo. Wer größere Posten Thee kaufen will, zieht einen sogenannten„Theeschmecker" zu Rate. also einen Sachverständigen, der mit feiner Zunge die zahlreichen Sorten prüft und genau weiß, wie der Geschmack bezüglich des Theos bei den verschiedenen Nationen beschaffen ist. Die Amerikaner lieben die herberen Sorten nebst der grünen Art, während die Europäer Congou und ähnliche Sorten, asio schwarzen Thee. bevorzugen. Der„grüne" Thee ist lediglich schwarzer Thee, der mittels eines künstlichen Färbemittels grün gefärbt ist. Da das Mittel durchaus ungefährlich ist, so ist der Feldzug, der vor einigen Jahrzehnten von England ans gegen den grünen Thee unternommen wurde und zu dem Schlagwort„death in a teapot"— Tod im Theetopf— führte. völlig ungerechtfertigt gewesen und wahrscheinlich nur geschäftlichen Interessen entsprungen. Immerhin ist die Fabrikatton von grünem Thee erheblich zurückgegangen: sie beträgt jetzt kaum noch 10 Proz. der gesamten chinesischen Ausfuhr. Die Chinesen selbst trinken keinen grünen, fondern nur schwarzen Thee und bevorzugen überhaupt nicht geröstete, fondern nur an der Sonne gedörrte Sorten, die dem Ge- schmack des Auslandes nicht entsprechen. Echte Thee-Gourmets pflegen den Thee so stark zu trinken, daß er eine braunschwarze gallert- arttge Masse von geradezu berauschender Wirkung bildet. Milch und Zucker werden nicht hinzugesetzt, wohl aber wird, wenn der Thee nicht gar zu dickflüssig ist, eine Jasminblüte hineingetaucht, deren Duft dem Getränk ein eigenartiges Aroma verleiht. Die ärmere Klasse begnügt sich natürlich unt schwächer angesetztem Thee und auch mit minderwertigen Sorten. In dieser leichteren Form ist er ein wirkliches Nationalgetränk, das an Stelle des gewöhnlichen Wassers tritt und während der heißen Sommertage zur Erquickung für jeder- mann in großen Trögen in Städten und Dörfern bereit steht und unentgeltich zu entnehmen ist. Auch in Javan steht der Thee hoch m Gunst. Einer der bcrühm« testen Bezirke für Theekultur ist der von Kyoto, wo der Anbau von Thee schon seit dem 12. Jahrhundert betrieben wird. Neuerdings find die Japaner, nachdem sie durch den letzten Krieg mit China in den Besitz der Insel Formosa gelangt sind, eifrig bestrebt, auch dort die Theetultur. die schon vor dem Kriege sehr bedeutend war. noch mehr zu fördern. Im Thechandel spielt Formosa längst eine hervorragende Rolle, und sein Markt ist um so beliebter, als hier die ausländischen Käufer mit den Pflanzern in direkte Verbindung treten können, während in China wegen der entfernten Lage der Pflanzungen von den Theemärkten Mittelspersonen notwendig sind, die häufig das Ge- schüft erschweren und verteuern. Bezeichnend für die Verehrung, die die Japaner dem Thee be- zeugen, sind auch die feierlichen Theegesellschaften, die chanoyas, die zu den geselligen Freuden der japanischen Tamen gehören und bei denen das Theebereiten unter sehr strengen und ernsten Ceremonicn geschieht. Zur guten Erziehung einer Dame ist es un- bedingt erforderlich, daß sie bei solchen Gesellschaften den Thee nach uraltem Brauche anzurichten versteht, und es wird ihr daher diese Kunst schon frühzeitig von kundigen Lehrerinnen mit den höchsten Feinheiten beigebracht. Erforderlich zuin Anrichten sind ein mit glühenden Kohlen gestillter Untersatz, ein großer Vronzekessel zum .Nochen dcS Wassers, ein feines Gefäß aus rotem Lack zum Nach- gießen des kalten Wassers, ein langgcstieltes Schöpseimerchen. ein mit einem Elfenbeindeckelchen versehenes Töschen, in dem sich pulverisierter Thee befindet, und Stcingutschalen, aus denen ge- trunken wird. Alle Hantierungen mit den einzelnen Geräten werden mit möglichst graziöser Stellung der Finger und in genau vorge- schriebenen Bewegungen ausgeführt. Langsam beschreibt die Hand einen Bogen, ergreift dann das Gerät, hält es erst eine Weile senk- recht-und führt es nun wagerecht vor die Stirn, um endlich die eigentliche Verrichtnug vorzunehmen. Besonders wichtige Hand- lungen sind das Einfüllen einer kleinen Menge von Theepulver in die Schale, das Aufgießen des heißen Wassers und das Quirlen mit einem Pinsel aus gespaltenen Bambusstäben, das so lange geschieht, bis der aufgegossene Thee schäumt. Alsdann erst kann er getrunken werden. Zu diesem Zweck umfaßt der Gast die Schale mit beiden Händen, führt sie langsam zun, Munde und leert sie in drei Zügen. jedesmal an einer andren Stelle ansetzend. Soweit der ostasiatische Thee aus China stammt, wird er auf den, Seewege nach Australien, Amerika und Europa oder auf dem Landwege nach Rußlmid transportiert. Die Russen, deren Thee- verbrauch sich im Jahre 1900 auf 116 532 000 Pfund bclief, nennen den über Land transportierten Thee„Lederthec", den über See transportierten hingegen„Schilfthee". Der Grund liegt in der Ver- Packung. Es sind nämlich die Kisten mit Lederthce in Häute, mit dem Haar nach innen, eingenäht, während der Schilfthee eine Em- ballagc aus Schilf erhält. Die Behauptung der Russen, daß der Lcdcrthcc sein feines Aroma länger bewahre und von feinerem Geschmack als der Schilf- thee fei. dieser hingegen«in starkes, scharfes Aroma besitze und durch den Seetransport gelitten habe, trifft zu. Der Schilfthee wird denn auch nur im Süden und Westen Rußlands getrunken, aber im ge- samten übrigen Reiche der Lederthee, den man auch wohl als ..Karawanenthee" bezeichnet. Seine gewöhnlichste Sorte ist der Ziegelthec, den die Chinesen aus dem Abfall des schwarzen Baichow- Thees herstellen. Auf der Messe in Nishni werden an Ziegelthec für mehr als fünf Millionen Rubel abgesetzt. Auch ein bereits in China gepreßter Thee in Form viertelpsündigcr Tafeln kommt in den Handel und findet, da er trinkbar ist, sein« Abnehmer. Weniger zahlreich sind die Liebhaber des englischen Cehlonthees. Zwar be- fitzt er ein kräftiges, würziges Aroma, aber er hinterläßt einen starken Rückstand. Man benutzt ihn in Russtand zur Mischung mit chinesischem Thee und in Gegenden, deren Trinkwasser hart ist. ES liegt auf der Hand, daß die große sibirisch-mandschurische Eisenbahn, wenn erst ihr Betrieb auf der ganzen Linie von Wladi- wostok bis zum Baikalsee und lvciter bis nach Tschcljabinsk ein völlig geregelter ist, dem bisherigen, außerordentlich umständlichen Land- transport des LedertheeS ein Ende bereiten wird. Man wird den Thee von Hankow zu Schiff nach Wladiwostok schaffen und ihn hier zur Bahn bringen, die ihn ohne Umfrachtung direkt nach Moskau führt. Hiermit werden auch Stapekplätze wie Kjachta und TomSk an Bedeutung erheblich einbüßen, eine Wandlung, die sich zum Nach- teil dieser Städte schon jetzt bemerkbar macht Vielleicht wird sogar eine Vcrbilligung des Thees eintreten, wenn die Bahnfracht nicht so hoch kommt Ivie der Landtransport, der jetzt den Thee um das Doppelte des Einkaufspreises verteuert. Qb die Messe von Nishni unter den veränderten Transporwerhältnissen ihre Bedeutung für den Absatz von Thee beibehalten wird, läßt sich borerst nicht sagen. Wahrscheinlich sind die Tage ihres Glanzes gezählt, und zwar zu Gunsten Moskaus, wo schon längst die Grvßfirmcn des russischen Theehandels, die den Thee ins Reich und auch ins Ausland senden, ihren Sitz Hecken. Der Versand von der alten Zarenstadt aus ge- schieht in kleinen Paketen von einein bis ein achtel Pfund. Für Sendungen nach dem Auslande wird eine Rückerstattung des Zolles im Betrage von 13 Rubel Gold für das Pud(gleich 16,38 Kilo) gewährt. In diesem Falle werden die Pakete mit der Regierungs- bandcrole versehen, so daß sich im Auslande der aus Rußland bezogene Thee sicher erkennen läßt. Erheblich einfacher ist der Transport des Thees, den die Eng- länder aus China. Formosa, Indien und Ceylon beziehen. Von den Hasenplätzen Asiens fahren die Seeschiffe mit ihrer lvertvollen Ladung direkt bis London, wo die gesamte Menge in den Docks aufgestapelt wird. Hier finden im Jahre mehrere große Theeauktioncn statt, auf denen kolossale Werte umgesetzt werden. Die Bieter find nicht allein englische Firmen, sondern auch solche fremder Nationen. Das Gebot erfolgt auf Grund ausliegender Proben, zu deren Beurteilung langjährige Erfahrung erforderlich ist.—> Georg Büß. kleines feuilleton. re. Ein Brieffchnüfflcr. In Deutschland ist die Verletzung des Briefgeheimnisses durch die Staatsregierung kaum je in so aus- gedehntem Matze betrieben worden, wie in den Zeiten der Demagogen- riecherei und der heiligen Alliance unter der Aegide des preutzischen Ministers Nagler, der von 1823—46 als Generalpostmeister des preutzischen Staates fungierte und auherdem von 1824— 35 preuhischer Bundestags- Gesandter in Frankfurt a. M. war. Zeit- weilig geradezu die rechte Hand Friedrich Wilhelms IV., verdient er wegen allerlei Verdienste dauernden Rachruhm. Da ist z. B. seine hartnäckige Opposition gegen den Bau von Eisen- bahnen zu nennen, weiter in mehr als einen, Fall genialer Hercinfall auf die einfältigsten Schwindeleien von Lockspitzeln. Am meisten aber leistete er im Durchschnüffeln von Briefen, worin er äugen- scheinlich seine wichtigste Aufgabe als Generalpostmeister erblickte. „An die albernen Brieferöffnungsskrupel," so stellt Nagler noch im August 1842 seinen grundsätzlichen Standpunkt fest,„habe ich mich nie angeschlossen und der dummen Bosheit Geschwätz dieser Art überlassen". Den Meister der edlen Kunst verehrte er in einem S ristlichen Bundesbruder von der heiligen Alliance, in dem russischen rotzfürsten Konstantin. Nagler erzählte gerne, wie dieser wackere Moskowiter ihm einmal in einer weitläufigen Unterhaltung über das interessante Thema mitgeteilt hatte, daß er wahrscheinlich die ausgesuchteste Sammlung von unterschlagenen Briefen besitze; er habe sie in Maroquin binden lassen und sie machten in 33 Bänden seine Kabinettsbibliothel und intereffanteste Lektüre aus. Hinter dem erlauchten Vorbilde nun bemühte Nagler sich nicht zurück- zubleiben. Ueberall satzen in den preutzischen Postämtern seine Leute, deren Aufgabe es war, die Briefe zu perlustrieren, zu„durch- leuchten", und wenn von öffentlichem Interesse, zu„interzipieren", abzufangen und an den obersten Leiter des organisierten Brief- diebstahls weiterzubesördern. In Saarbrücken zum Beispiel satz ein gewisser Opfermann, der die Depeschen der ftanzöfischen Regierung an ihren Berliner Gesandten erbrach und bedeutsame Briefe an Nagler sandte. Nach der Juli- revolutton von 1830, als ein legittmistischer Kreuzzug gegen Frankreich in der Mache war, errichtete Nagler an den Grenzen, in Köln, Trier und Saarlouis,„Neuigleitsbureaus", in denen alle von Frank- reich kommenden Briefschaften systematisch durchschnüffelt wurden. Im eigenen Lande wurde nicht nur die Korrespondenz möglicher- loeise„staatSgesährlicher" Personen kontrolliert, sondern auch die der preutzischen Beamten bis in die höchsten Regionen hinauf. Als Nagler als Bundestags-Gcsandter in Frankfurt weilte. hielt er es nicht für einen Raub, die Briefe des eigenen Gesaicktschasts- Personals erbrechen zu lasien. Und zwar nicht etwa blotz gelegentlich, sondern regelmäßig.„Ein für allemal steht fest", so instruiert er am 21. Juli 1833 sein vertrautes Werkzeug, den Hoftat Kelchner,„datz Sie lvie früher die Post- und Kurierpakete öffnen und die Briefe die darin sind, befördern... Senden Sie die Berichte jedesmal weiter und melden mir den Inhalt nur ganz im allgemeinen." Man kann sich also nicht wundern, von dem Ge- sandtschastssekretär Kombst zu erfahren, in Raglers Haus sei von „einem Mitgliede der Gesandtschaft in Gegenwart und unter Beifall der andren ausgesprochen worden: datz es ein glücklicher Tag für das Personal sein werde, wo man in scheinbarer Trauer der Leiche des gegenwärtigen Chefs zu folgen haben werde." Das Perlusttieren wurde auch bei allen Briefen von und an preußische Gesandte im Auslande gründlichst besorgt. Der Gesandte beim päpstlichen Stuhl, der berühmte Geschichtsschreiber Niebuhr, Nagt darüber mehr als einmal. So schreibt er einmal von Rom an seine Freundin Hensler:.Es sind sogar die Schreiben der geist- lichen Behörden, die ich bekomme, plunsti geöffnet und werden unter- wegs aufgehalten, worüber ich bei meinem Ministerium bittere Klage geführt habe; es geschieht vermutlich zu Frankftutt." Ein andermal an dieselbe:„Ich schrieb Dir vor vierzehn Tagen unter Einschluß und will hoffen, daß der Brief so dem Brieferbrechungs-Comptoir zu Frankfurt entgangen sein wird; denn Deine Briefe werden mir unterschlagen." Eine kleine Schattenseite entdeckte übrigens Nagler selbst gelegentlich an seinem famosen Spionagesystem; er befürchtete nämlich vermutiich nicht ohne Grund, datz seine fingerfertigen Helfershelfer daS zur lieben Gewohnheit gewordene Schnüffeln auch an seiner eignen Korrespondenz beweiben möchten. In einrtn Brief an Kelchner tröstet er sich damit:„Bis jetzt sind Ihre Briefe mir unversehrt zugekommen." Sonst hätte man am Ende die Entdeckung gemacht, daß Nagler seine aus unterschlagenen Briefen heraus- geschnüffelten Informationen auch dazu benutzte, an der Börse Geschästchcn zu machen. Auf derartige Manipulationen verstand er sich nämlich aus dem ff. Zur Zeit der Belagerung von Antwerpen durch die Franzosen(1832), als es noch zweifelhaft war. ob Chassä die Stadt bombardieren werde, erhielt Nagler Plötz- lich einen Kurier mit der Nachricht, Antwerpen stehe in Flammen. Infolge des ausgesprengten Gerüchts feien— so erzählt Kombst— die holländischen Papiere in Frankfurt beträchtlich gefallen. Nagler babe in Gemeinschaft ,nit Rotschild(von ihm lmeflick„Amschelchen" genannt) aus dem Umstände so guten Nutzen gezogen. dost er, als nach zwei Tagen die Nachricht sich als fette Ente erwies, einen hübschen Profit einsackte. Den frommen Naglcr hat der sonst gntpreustische Varnhagen von Ense gcwih mit im Auge gehabt, alS er am 8. März 1840 über die Werkzeuge der gottseligen Politik der heiligen Alliance in Preußen das drastische Urteil seinen Tagebüchern einverleibte:„Gewiß hat keine Diplomatte eine solche Reihe schlechter und erbärmlicher Subjekte aufzuweisen. als die preußische in den letzten zwanzig Jahren. Verbrecher und Dummkopfe, Schufte, Wichte. Abenteurer, Lumpen in beliebiger Ab- stufung..." k. Im Krater des Pclee während eines Ausbruchs. Einen außerordentlichen Mut hat der amerikanische Geologe G. C. Cnrtis bewiesen, der als erster den Fuß ans den Krater der S einfriere setzte und als erster den Gipfel des Mont Pelee erreichte. Er machte den Aufstieg sogar, während der Krater noch in Thätigkeit war. Im „Centurn?)?agazine" beschreibt er, was er vom Rande des Kraters des Mont Pelee aus sah:„ES war eine abgerundete Aschenkuppe, über die wir an einem scharfen Abhang von tll) bis 50 Fuß hinab in eine Masse von Dämpfen sehen konnten. Ter innere Abhang war mit einer leichten pulverförmiaen schwefligen Menge bedeckt und fiel steil ab. Erstickender Schwefel drang uns in den Hals, und wir mußten uns« Augen gegen die beißende Säure schließen. Ter frische Wind in unsrem Rücken machte es uns zwar schwer, in die Asche zu graben, um Fuß zu fassen, aber er brachte auch ein ständiges Gegen- gift gegen die Ausdünstungen. Stürmisch stiegen weißliche Ballen zusammengerollten Dampfes ständig aus dem Abgrund wie in einem speienden Schornstein empor. Im Schutze eines großen ausgeworfenen Bruchstückes auf dem Rande lagen wir und bebten bei dem Platzregen. Plötzlich kam von unten ein mächtiges wiederhallendes Donnern, ein Rollen wie von einer großen dahinrasenden Lokomotive: die sich Unndenden Dämpfe öffneten sich, und es wuchsen dunklere Massen unter ihnen herauf. Dann krachte es lvie beim Sprengen großer Felsen, und eS klang, als ob Massen einen Steiubruchabhang hinunterrollten. Taraus kam ein drei Minuten währendes Klirren wie von zerbrechendem Porzellan oder wie das Zerschmettern ferner Granitblöcke, das immer schwächer nud gedämpfter wurde und schließ- lich aufhörte. Ilm uns fiel Staub, Schwcfelwolken sprangen heraus und wurden dann fortgeblasen. Wir blieben zwei Stunden auf dieser grimmigen Feuerlinie und horchten auf die Kanonade in dem ge- hcimnisvollen Abgrund..." Bei einem folgenden Aufstieg drang er mit seinen Gefährten in den Krater des Mont Pelee hinein:„In diesem unerforschten Grund mit dem Durcheinander von Nebel, Regen. Dampf und Staub und dem Dröhnen des Krater? zu unfren Füßen konnte man nur die «vichtigsten Thatsachen aufschreiben. Aus meinem vom Regen durch- lveichten Taschenbuch entnehme ich daher direkt folgende Notizen: 8450 Fuß Schwefeldämpse. Mit Blöcken bestreute Oberfläche. In der Luft Staub. Brüllen ausbrechender Felsen. Brechen von Felsen. Feinpulverisierter Schwefelniederschlag, wie auf der östlichen Seite des Kraters. 2,38 nachmittags: Großer donnernder Ausbruch: läßt allmählich nach. Fortgesetzter Regen: bläst heftig. Schwefeldämpfe. Stürzende Felsen. 2,50: Noch schwere Wolken. Das Bersten und Fallen von Felsen hält an. Bleiben auf der Innenseite des Kraters. Die schlversten Schläge kommen von dl. 00 Grad W. durch Vergleich von Beobachtungen. Brauner Staub mischt sich mit dem Dampf der Kraterwolke. Ständiger Ausbruch, der an Stärke verschieden ist. 8,33: Ein Krachen. Fühlen die Hitze davon. 3.52: Zunahme der Explosionen." Bei der Rückkehr entkam er mit seiner Gesellschaft knapp einem Schlammstrom, den er folgendermaßen beschreibt:„Mit befttgem Erddonnern stürzte ein sinkender Wall einer schtvärzlichen Masse mit fürchterlicher Eile gegen die Seite deS Hohlweges, sprang zum entgegengesetzten Abhang und riß ihn nieder. Er schwaickte wie ein schwerer Frachtzug von einer Seite zur andren, er sprang und schwankte und riß die Erde wie Papier fort. Dieser Katarakt von Erde und Wasser schoß und stürmte das Thal herab, und seine kochende Masse trug das Geröll oben. Der Grund wurde ordentlich geschüttelt, es war ein betäubendes Donnern und die Erdstöße um uns dauerten ständig. Wir sahen die Wälle lvie in einem bösen Trauin fort- schmelzen:«and, Kiesel und Felsmassen flogen in die Luft vor dem Sturm, fielen in die rasende Flut und wurden lvie Spreu davongetragen. Ter Strom, der nur knöcheltief war, als»vir ihn vor zwei Minuten gekreuzt hatten, war nun eine schwarze Masse tämpfenden Wassers mit Schlamm und Felsen, die zehn bis fünfzehn Fug hoch loar."— Litterarisches. c- k.„Sechzehn Jahre", von Karl Larscn. München. Albert Langen.— Karl Larsen, der Verfasier des ebenfalls durch den Langenschen Verlag unsren deutschen Lesern zugänglich gemachten Romans„Spießbürger", giebt diesmal die Geschichte eines Mädchens von sechszehn Jahren. Das ist an sich lvcnig oder nichts. Denn was könnte das Großes sein, was so ei» junges Menschcnding, .halb Jungfrau erst und noch ein Kind, erfährt? Beate Stcffcnsen wächst also im Hause ihrer Mutter, einer vom Manne, der ehemals dänischer Offizier gewesen war und sich 1804 mehrfach im Kriege ausgezeichnet hatte, böswillig verlassenen Frau heran. Eine viel ältere Schwester ist ihre Freundin. Den Vater hat sie kaum persön- lich gekannt. Aber als sie nun heranwächst, bewahrt sie ihm eine Verantwortlicher Redatteur: Earl Leid in Berlin.— besondere Zuneigung. Nichts wußte sie von ihm, als daß er bei jedermann sehr beliebt gewesen war. Ob auch bei den Frauen, das erfährt sie erst von Schulkaincradinncn— nicht von Mutter und Schwester— kurz vor der Konfirmation. Sie soll Lehrerin werden. Deshalb wird sie nun nach Kopenhagen geschickt, um das Seminar zu besuchen. Sic wohnt hier bei der Familie eines Tischlermeisters, der als Soldat ihren Vater sehr gut gekannt und demselben bis auf diesen Tag enthusiastische Verehrung bewahrt hat. Da ist auch ein Advokatur-Asscssor im Hause. Er hat zwar nichts in seinem Wesen, was Frauen anzieht, aber er ist der einzige jüngere Mann hier. Man lernt sich bei der gemeinschaftlichen Familicntasel kennen, spielt ab und zu ein Gcduldsvielchen, plaudert auch wohl einmal, und die Hauptsache: man wohnt ja Wand an Wand. Da keimt schließlich in jedem Backfischherzchen so tvas empor, was die Menschen„Liebe" nennen. Beate weiß also eines Tage?, daß sie den Assessor liebt. Daß er sich ihr nun erkläre, ist natürlich ihr ganzes Sinnen— und Hoffen. Allein als er ihr schließlich ein Geständnis macht, da ist es nur die Beate aus allen Himmln ihrer Schwärmerei reißende Mitteilung, daß er sich mit einer Stadtdame heute verlobt habe... Am liebsten möchte sie jetzt sterben. Aber da junge Mädchenherzen niemals an ihrer Backfischliebelei den Tod zu finden pflegen, sondern nun erst recht auf den richtigen„Zukünftigen" hoffen oder wenigstens von solchen Idealen träumen, so schickt sich Beate drein. Der Assessor ist rasch überwunden— und sie bewährt sich als ein gesundes Mädchen, aus dem später ein ganz„brillantes Frauenzimmer" werden kann. Wie gesagt: diese Lebens- und„Liebes"gcschichte wäre an sich ganz belanglos, wenn Larsen nicht doch ein anziehendes Gemälde hätte schaffen können. Der Reiz desselben besteht in der ungemein liebevollen Schilderung des Alltags- und Kleinlebens, das diese Menschen führen. Da lebt und webt alles, selbst das Ilnschein- barste bekommt Bedeutung. Gesunde, durch nichts angekränkelte Kraft des Leibes wie des Gemüts ist diesen Leuteir eigen. Derb, frisch, herb ist auch ihre Sprache. Mathilde Manns Uebersehung giebt des Autors originelle Schreibweise— bis auf einige etwas un- g-lenke Satzglieder, die sicherlich nicht auf LarsenZ Konto fallen— vorzüglich wieder.— Humoristisches. — Aus einer Bürgermeisterrede. Bürger- nr e i st e r:..... Steht fest zu mir, Mitbürger. Das nenne ich wahre, herrliche Eintracht, wenn die Bürger ihren« erwählten Oberhaupt willig folgen wie eine Herde Schäflein ihrem— ihrem..." Mitbürger einfallend:„Hammel! Hammel!"— — Zeitbild.„He, guter Freund, was schleppt Ihr denn da den Berg hinauf?" „Im k l o a n e n Faßl a Bier: im großen a Tinten fürS AnsichtSkartelschreiben!"— — Abgeführt. Herr:„In diesem Album stehen ja lauter Dummheiten!" Mädchen:„Run. da Ivird eS Ihnen nicht schwer sein, auch waS'reinzuschreiben I"— („Mcggendorfer Blätter".) Notizen. — Jenny Groß vom Lessing-Theater ist vom September d. I. an für das Residenz-Theater verpflichtet worden.— — Die Reue freie Volksbühne eröffnet am kommenden Sonntag ihre dritte Abteilung. Zur Aufführung gelangt wieder„Schlagende Wetter" von Eugenie delleGrazie (Belle-Alliaucc-Thcater. Nachmittags 2'/z Uhr).— — Max Halbes Draina„Mütter Erde" erzielte bei seiner Aufführung im Münchener Schauspiel hause einen starken Erfolg.— — Adel'ina Patti hat eine K o n z e r t t o u r n e durch die Vereinigten Staaten abgeschlossen. Sie giebt 60 Konzerte und bekommt für jeden A b e n d 5000 D o l l a r, außerdem noch 50 Pro z. des Ueberschusses, ivenn die Einnahmen für das Konzert 7500 Dollar übersteigen.— Biichereinlauf. - L e o n i d A n d r e j c w:„Es lo a r c n e i n n« a l". Novellen. Berlin. Neufeld u. Henius.— — Maxim Gorki:„Der rote WaSka". Novellen. Berlin. Neufeld u. Henius.— — Karl Larsen:„WaS sieh st Du aber den Splitter--". Roman. Berlin und Stuttgart. Axel Juncker.— — Maxim Gorki:„Ein wildes Mädchen". Roman. Neufeld u. HeuiuS.— — Richard Le Mang:„Fabrikant Hart mann". Drama. Dresden und Leipzig. Karl Rcißner.— — Moritz N e ck e r:„Franz Grillparzers Leben und Schaffen". Leipzig. Max Hesses Verlag.— — F. Plehn:„Anleitung zur Brillcnbestimmung in einfachen Fällen für Optiker und Mechaniker". Berlin. Verlag der Administration der Fachzeitschrift»Der Mechaniker".— Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckem und Verlngsanftall Pmii Singer& Co., Berlin BW.