Hwterhaltungsblatt des Horwürts Nr. 23. Dienstag, den 3. Februar. 1903 (Nachdruck verboten.) 23] Der JVIüUerbannes» Roman aus der Eifel von Clara Viebig. Sie hielt sich steif und blickte halb trotzig, halb verlegen aus ihren sainrnetschivarzen Augen. Nun merkte er ihr Widerstreben.„Wat is bat dann mit Dir?" sagte er Plötzlich argwöhnisch,„Du freust Dich»et, wann Dein Vadder heim- kommt, he?!" Sie schwieg. „He Du?" schon wurde er zornig,„nii, is't bald gefällig? Wat sticht Dir im Kopp, he?" Er faßte sie am Zopf und zog sie daran. Noch lvar es Spaß, aber es that schon weh. Sie schwieg und sah ihn stumm, trotzig an; aber um ihre Lippen zuckte es verräterisch wie im verhaltenen Weinen. „Nu, Ivird et bald geantwort?"— Frau Tina sah mit Schrecken, tvie ihm das Blut zu Kopf wallte—„thu Dei Maul auf— red 1" Jetzt brachen der Fränz die Thrnnen aus, sie ließen sich nicht mehr herunterschlucken, mit einem Ruck hielt sie sich die Schürze vors Gesicht und dann heulte sie kindisch laut heraus. „Koizdonncr noch chs— da soll doch en Kreizgcwitter dreinschlagen— kaum kömmt mau nach Haus, wird geheult. Dat haste von Deiner Modder, die kann auch nix andres" — ein wütender Seitenblick streifte die Frau—„im Mo mang Hörste auf!" Er riß dem Kind die Schürze vom Gesicht. Und nun brüllte er es an und stampfte dabei mit dem Fuß, nein, er trampelte mit beiden Füßen:„Heul wo de willst, aber eweil nct hei in der Stub'— anttvort, warum biste e so bubsterzig— warum freuste Dich net— he, warum net, Du Landsluder infamichtes!" „Hannes, Mann," mischte sich die Mutter ein,„laß se doch!" Was würde die Fränz sagen? I Sie zitterte vor der Antwort des Kindes und wußte doch nicht recht warum. „Jcsses, Mann, laß se doch gehn!" „Halt Dein Maul—", das warf er nur so zur Seite hin, als halte er sie gar keiner Beachtung wert. Sein ganzes Interesse gehörte der Tochter, Die Halbwüchsige hatte mit Weinen aufgehört, der Schlucker stieß sie noch, aber sie zwang ihn; eine jähe Röte schlug ihr ins Gesicht und nun schrie sie's heraus in ver- zweifelten!. Trotz, halb in Angst, halb in Pein— ihre dünne Mädchenstimme gellte: „Ich freue mich net. Den— den— Joseph sagt, ivann den Vadder im Bulles gcsess' hat, dann es hän et net wert, dat mcr sich freuen thut l" „Fränz, Fränz!" Ganz entsetzt sprang die Mutter zu und wollte der Tochter den Mund zuhalten. Aber ihr Mann riß sie zurück.„Laß et reden, laß et reden, dat Fränz l So— also darum— freuen thuste Dich net— so?" sagte er leidlich ruhig. Die Brille riß er ab und schleuderte sie auf den Tisch; er mußte die Tochter nah sehen, ganz nah— selbst ein Glas war zuviel zwischen ihnen. Mit einem Ruck zog er sie zu sich heran und starrte ihr ins Gesicht mit einem suchenden Blick: war da was von ihm? Ja, da war viel von ihm l � Was Frau Tina bestimmt erwartete, traf nicht ein— er schlug die Fränz nicht. Er ließ sie los init einem tiefen Auf- atmen. Er lachte sogar. Sollte sie dem Frieden trauen? Die Frau wußte es nicht recht, das Gesicht des Mannes schaute so seltsain drein; am liebsten hätte sie die Tochter hinausgeschickt, aber der Vater hieß sie, sich neben ihn setzen. „Also, wann einen im Bulles gesess' hat, is hän't net wert, dat mer sich freut, wann hän kömmt— o du schnipp- schnappig Dingen!" Er sagte es fast wohlgelaunt, die wachsende Verlegenheit des Kindes, das nun, erschrocken über das, was es gesagt, an seinen Fingern zog und zerrte, machte ihm schier Spaß. Er narrte sie: „Ei, kuck an, wat dat Fränz e so klug is— mer freut sich net, e so— dat hat Dir ein Josef gesagt— hoho,— wat es dat dann für ein Josef, he?" „Ei, den Laufelds Josef zu Mauderscheid," sagte sie im- schuldig. �Wat— den? I" Er schrie auf. Das war nicht mehr der Schrei eines Menschen, es>var der eines wilden Tieres. Erschrocken fing die Fränz wieder an zu weinen— ei, was hatte sie denn Dummes gesagt, daß der Vater auf ein- mal Ivicder so bös war? Wnr der Josef zu Manderscheid nicht schon so ein großer Junge, vcni sie glauben mußte?! Der Vater hielt sie gepackt und rüttelte sie hin und her, daß alles an ihr flog, ihre Zähne schlugen und schmerzhaft auf die Zunge bissen. „Den Josef, den Laufelds Josef", heulte er,„also da her bläst den Wind? Josef— Laufelds Josef— o die Kanalje— bis in't Haus schleicht se ei'm. Landsluder Du", er rüttelte die Tochter stärker, woher kennst den Biwak?"*) „Sie sein als immer Erbeln**) suchen gewest in dein Manderscheider Busch, de Kinder—" mischte sich angstvoll die Mutter ein,— un letzten Herbst Bronibecren un Haselnüß'— Jcsses Maria, ich weiß et net!" „Ich sagen Dir," schrie der Vater und seine Hand fiel schwer auf der Fränz flaumige Wange—„wann der Josef noch ehs ein Wort zu Dir sagt, ein einzig Wort— untersteh Dich, spaug' ihm in't Gesicht, dem Biwak! Den Alten, den Schleicher, den Halunk', den Betrüger, den— den—" Die Worte fehlten ihm—„den is an allem schuld'. Verflucht den Tag, wo den hei in de Mühl' kam, verflucht— verflucht—!" In ohnmächtiger Wut lallte er nur noch:„Ver- flucht, verflucht!" „Jesses, Mann— Maria erbarm dich— o Jesses, Mann!" Er hörte nicht das Jammern der Frau; die Tochter hatte er nun losgelassen, mit geschlossenen Augen stand er, beide Fäuste vor die Stirn gedrückt.„Den— den—" immer das eine Wort:„Verflucht— verflucht— verflucht!" „Jesses, Mann I" Frau Tina rang die Hände— wußte er denn nicht: Von wo der Fluch ausgeht, geht er auch wieder hin? l Sie wagte es, nach seinen Fäusten zu fassen, sie hing sich an ihn:„Fluch' net, fluch' net,— Hannes, Du fluchst Dir selber!" Er stieß sie zurück. Der Stoß war heftig; sie taumelte in eine Ecke, halb ohnmächtig lag sie da auf den Knien. Frenz war aufkreischend aus der Stube entflohen.--- So finster sank die Nacht, als sei nie ein Licht in der Mühle gewesen. Der Müller warf sich in sein Bett und stöhnte vor Hitze. So hatte er noch nie geflucht, wie diese Nacht. Aber es erleichterte ihn nicht. Das große Mühlenrad. das draußen so still hing, das ging hier um— rauschend, rasend, geschwind— hier in seinem Kopf. Er stöhnte und hielt sich den glühenden Schädel. Wie sich das Rad drehte, drehte, und mit ihm die Jahre k Ein Jahr um das andre— von den Radschaufeln floß das Wasser— Segen war's nicht, was von den Jahren ab- troff. Viel Verdruß, viel Kummer— ja— der Müller setzt sich Plötzlich im Bett auf: horch, klang nicht ein Winseln?— ja, nicht nur der Laufeld, nein, die ganze Welt hatte sich gegen ihn verschworen, sie sei verflucht! Die Kuckucksuhr rief.„Jesses, schon half hint!"**) Horch, wieder das Winseln. War's der Hund?„Nero!" Ein dumpfes Knurren antwortete. Langsam kam das Tier unterm Bett vor, dehnte sich, schüttelte sich und legte die Tatzen auf den Bcttrand. „Nein, der hatte geschlafen, der war's nicht gewesen. „Nero, paß auf, kß, kß, Kätzchen I" Die glühenden Hundeaugen funkelten durch die nächtliche Finsternis— aber kein Anschlagen wurde laut,— was, was lvar denn? Der Mann tappte nach dem Feuerzeug, das Phosphorhölzchen zischte auf, nun brannte die Talgkerze. Der Hund war langsam in die Mitte des Zimmers gegangen, nun lag er platt auf der Diele, die Schnauze furchtsam auf •) Strolch. -) Erdbeeren. **) Mitternacht. die Vorderpfoten gedrückt und blinzelte scheu mit trüben Augen. „Pfui. Nero, bang? I Faß, kß, kß I" Da hob der Hund den Kopf, reckte ihn empor zur niedrigen Balkendecke und stieß ein leis wehklagendes Hcnlen aus. Den Mann überlief ein Schauer. Wie gelähmt lag er im Schweiß, wie er's hundertmal am Tage zu thun gewohnt, in fast gedankenlosem Kommandoton, so rief er auch jetzt: „Tina, Tina i" Wenn er doch nicht so allein wäre. Nun lag er schon seit lange hier in der Stube im Erdgeschoß wie ein Lediger — oben in der Giebelstube hausten die Frau und die Franz— das mußte anders werden,!var das eine Manier, ihn so nmttcrselig allein zu lassen? „Tina, Tina!" Es war das erste Mal. Wj, sie nicht willig war. Sie kam nicht. Aber doch, jetzt ein Sichregcn über ihn in der Giebelstube, ein Hin und Her über die Dielen von nackten Füßen. Eine Thür knarrte. Und nun ein unterdrückter Jammer- laut, aber doch durchdringend schrecklich durch das ganze Haus. „Kotzdonner noch ehs!" Hannes Ivarf die schweren Füße aus den: Bett, er torkelte zur Thür, über den Flur, tappend suchte er die Stiege— da fiel ein Lichtschein von oben her- unter. Im kurzen Röckchcn, mit nackten Beinchcn stand die Kleine am Trcppenkopf und schirmte ihr flackerndes Kerzen- stümpfchen. „Vadder, Vaddcr," sagte sie zitternd und guckte mit den wissenden Augen des Dorfkindes dem Mann in das blöd- erschrockene Gesicht:„Die Modder ist schlecht worden, wit, wit, geh, für de Weis-Frau zu rufen!" XIV. Der Müllerhannes war selber gerannt. Vergebens hatte er nach dem Knecht gerufen, der war gewöhnt an schlaffe Zucht und hatte sich in der Frühlingsnacht sofort zinn Liebchen geschlichen. Die Magd ivar nicht abkömmlich, er mußte schon selber laufen. Und er lief, als gälte es das Leben. Ins Ungeheuerliche verzerrt und verschoben, ragten die blinkten Kraterberge gegen den mattgcstirnten Nachthimmel, schweigend ruhte das Maar, ein Windchen fuhr über seinen bleiernen Spiegel, säuselte in dem Wcidcnkranz seines Ufers lrnd schüttelte dann die vom Tau schwer geneigten Bäumchcn ani Straßenrand. Jedes Tröpfchen, das versprühte, traf des Mannes Stirn, wie ein Feuerfunke. Kühlung, ach nur Kühlung! Er keuchte und pustete. Die Angst trieb ihn— lvenn der Frau was passiert?! Sonst hatte er nie Angst um sie gehabt— wenn auch ein paarmal schon Malheur dabei gewesen und die Hoffnung in nichts zerronnen, die Frau war immer leidlich davongekommen — aber diesmal, diesmal?>— Vor seinen Ohren rauschte es; wie durch eine dicke Mauer, von weit, weither drang ein Ton zu ihm:„Rühr' mich nct an!" O Jescs Maria I Er gab sich eins vor den Kopf und dann rannte er mit schlenkernden Annen wie ein Sinilloser, wie ein Gehetzter. Der Ailblick des Dorfes beruhigte ihn etwas. Seine Gedanken glätteten sich: ivarum nlußte denn gleich alles schlecht gehn? Alle Tage ivcrdeil Kinder geboren, und die Mütter überstehen's, und sind schon nach wenig Tagen wieder auf, müssen gar auf den Acker, und das brauchte die Tina doch nicht, die konnte ja ruhen. Liegen bleiben sollte sie, so lange es ihr gefiel, sich gemächlich rasten, während die linde Luft zum Fenster Blumeilduft aus dem Gärtchcn hereinwehte, und vor der Thür in der Sonne die große Franz dm kleinen Bruder wiegte. Ja, so sollte es sein! (Fortsetzung folgt.)] JVaturwirfcnrcbaftUchc Qcbcr licht. Von Gurt Grottewitz. Als vor etwa anderthalb Jahren ein neueS der Giraffe verwandtes Säugetier, die Okapia, bekannt wurde, da muhte man sich niit einigem Staunen fragen, wie es denn möglich sei, dah ein so auf- fälliges und immerhin großes Tier bisher übersehen werden konnte. Denn wen» mit irgend einer Klaffe von Lebewesen, so glaubte man voch gerade mit den, Säugetieren einigermaßen im Reinen zu sein. Indes kann man sich immerhin noch auf uiancherlei Ucberrafchnngcn selbst auf diesem Gebiete gefaßt machen. Glauben manche doch, daß sich vielleicht in Südamerika noch eines der großeil Riefensaultiere lebend auffinden werde, deren mächtige, aus dem Spättertiär stcnn- inende Skelette auf höchst abenteuerliche Gestalten schließen lassen. Auch die Wüsten Centralasicns, Gebiete des tropischen Afrikas und das Amazonenstromgebict könnten noch größere Säugetiere bergen, falls diese auf einen engen Wohnungsbczirk beschränkt wären. Die Wissenschaft bon den Säugetieren kann freilich auch noch dadurch eine Erweiterung erfahren, daß zwar bereits entdeckte, aber noch wenig bekannte Säuger näher erforscht werden. Man kann zwar nicht hoffen, den räthselhastcn Woitotete, den Vertreter einer uralten, jetzt ausgestorbenen Säugerklasse, der bereits einmal von einem Naturforscher flüchtig gesehen worden ist, so bald wieder vor Augen zu bekommen. Aber auch außer diesem auf Neuseeland lebenden Tiere mag es noch manches weniger bekannte Säugetier geben, das erst bei näherer Bekanntschaft ein größeres Interesse erwecken würde. Das ist ja auch bei dem Przewalski-Pferd der Fall gewesen, dessen eigentliche Bedeutung für die Wifsenschast erst seit kurzem erkannt worden ist, obwohl es schon im Jahre 1379 entdeckt wurde. Denn erst durch die neuesten Untersuchungen von W. Salensky einerseits und Th. Noack andrerseits ist es endgültig festgestellt worden, daß jenes Tier eine neue, wilde Pferdeart darstellt. Man hatte in der Annahme, daß alle Wildvferde längst ausgeftorven seien, dieses mongolische Wildpferd für ein verwildertes Haustier gehalten. Darum hatte man ihm auch keine allzugroße Aufmerksamkeit zugewendet. Bis vor wenigen Jahren stützte sich die ganze Kenntnis des TiercS überhaupt nur auf wenige Felle und Skelette. In der allerletzten Zeit find jedoch auch einige Exemplare in europäische Tiergärten ge- kommen und jüngst hat gar eine von C. Hagenbeck in Hamburg aus- gerüstete Erpedition ein paar Dutzend der interessanten Tiere nacki der alten Hansastadt gebracht. Daß wir es i» diesem Falle nicht mitcincm Halbesel, sondern mit einer echten Pfcrdcart zu thun haben, geht daraus hervor, daß es hornlose Stellen, sogenannte Kastanien an Vorder- wie Hinterbeinen besitzt, und daß sein Schwanz auch an der Basis mit längeren Haaren ausgestattet ist. Darin gleicht eS dem zahmen Pferd, übrigens wiehert es auch gleich diesem, während Halbesel, Esel und Zebrapferde nur schreien. Allein das Przewalski- Pferd erhält nun noch ein besonderes Interesse dadurch, daß eS ohne Zweifel Merkmale besitzt, die echte Pferde und Eseltiere(Halbesel, Esel, Zebras) miteinander verbinden, und daß es darum der gemein- samen Stammform um eine Stufe näher steht. Ter Schwanz des Wildpfcrdcs trägt im Gegensatz zu dem der Halbesel auch an der Wurzel langes Haar, allein dieses ist doch nickst so lang und so wcicki wie an der Spitze. Das Wildpferd besitzt auch einen dunklen Schulter- streifen, wie er niemals bei Hauspferden vorkommt. Andre Eigen- tümlichkciten, die es aufweist, der Besch von nur fünf Lendenwirbeln, ein dunkler Rückenstreifen, Ouerstreifung an den Beinen kommen gelegentlich auch bei uusrem Hauspferd vor. Doch da sie den Esel- tieren in der Regel zukommen und das Wildpserd seiner Totalgestalt nach ohne Zweifel ein echtes Pferd ist, so kann man schließen, daß jene Eigentümlichkeiten einst die gemeinsamen Vorfahren von Pferd und Eseltieren charakterisiert habe. Ohne Zweifel ist das mongolische Wildpferd ein Vorfahre unsrcs Hanstieres. es braucht allerdings nicht der direkte Ahnherr des letzteren zu sein, aber jedenfalls steht es einem solchen unmittelbaren Vorfahren sehr nahe. Noack, der(„Zoolog. Anzeiger" 1902, 26. S. 105) den Schädel des Tieres mit dem eines etwas älteren deutschen Pferdes, einer mittelgroßen Ponyrasse, fast gänzlich übereinstimmend findet, hält das mongolische Wildpferd für den Ahnherrn der kleinen Ponyrasjc. Das Przclvalsti-Pferd gleicht auch in der Größe einem kleinen Pony, es ist gelbbraun bis rotbraun gefärbt, je nachdem es in der Steppe, auf niedrigen Bergen oder im Hochgebirge der Dschungarei lebt. Sein Kopf ist ziemlich fein gebaut, so wie bei nnsrem Hans- tierc. das Maul hat kurze, wulstige Lippen, die nicht fest aufeinander schließen. Die Ohren sind klein, das dunkle Auge munter und klug. Tie Rückenlinie ist ziemlich gerade, der Widerrist nur wenig erhöht. Die Hagcnbecksche Erpcdition fand das Przewalski-Pferd noch in großen Herden an. Es machte keineswegs den Eindruck, als ob das Tier im Aussterben fei. Es kommt noch in Herden von 1000 Stuck vor. Bon den Mongolen wird den Tieren eifrig nachgestellt, und besonders viele junge Tiere, die leichter zu fangen sind und deren Fleisch sehr geschätzt ist, fallen diesen Nachstellungen zum Opfer. Tie Herde wird von einem alten Hengst geführt, der um das Wohl der ihm anvertrauten Schar sehr besorgt ist. Die Tiere ruhen am Tage und gehen abends aus die Weide und zur Tränke. Sie sind nur sehr schwer zu zähmen, in einigen Fällen ist indes die Domcsti- kation doch gelungen. So kann man denn bcrests jetzt sagen, daß das mongolische Wildpferd in der Hauptsache bekannt ist, und daß man auch seine Bedeutung nunmehr richtig würdigt. Immerhin ist die genaue verlvaudrschaftlichc Stellung sowohl zu Unsrcm Hauspfcrd als zu den ausgestorbenen Wildpferdcn noch weiter aufzuklären. lieber eine kleine Antilopenart Afrikas, die bisher immerhin selten beobachtet worden ist, berichtet L. I. Morean im„Naturaliste" (1. Okt. 1902). Mit den Rindern und Schafen zusammen bilden die Antilopen die Familie der Hornticre. Sie sind eine sehr formen- reiche Gruppe, denn nur einige Arten haben den schönen bekannten Gazellentypus, andre gleichen in ihrer äußeren Gestalt mehr den Rindern, andre den Schafen, noch andre gar den Pferden. Die kleine Antilopenart, um die es sich hier handelt, ist zwar ein gewandtes leichtes Tier, aber sie ist zugleich ein wahrer Zwerg von Horntier. Sie lvird nur etwa 13 Centimeter hoch. Diese Antilope, die Morean nach eigenen Beobachinngen in ihrer Heimat, dem Somalilande in L/stasrika, schildert, führt den Namen Bcni-Jsracl oder Windspiel- mitilope. Sic kommt dort in drei Varietäten vor. Ihr Fell ist rot, doch enthält es zum Teil auch graue Hame. Hörner besitzt nur daS männliche Tier, diese sind ziemlich klein. Oben sind sie rund, in der unteren Hälfte dagegen dreikantig. Im Gebitz haben alle Horntiere daS Gemeinsame, daß im Oberkiefer die Schneide- und Eckzähne fehlen. Auch bei der Windspicl-Antilopc ist das der Fall. Die unteren Schneidezähne haben aber bei ihr eine eigentümliche Forin, die allerdings auch bei einigen andren Antilopen wiederkehrt. Die mittelsten Schneidezähne werden nämlich nach unten zu dreieckig, sie zeichnen sich außerdem durch besondere Größe aus, dagegen sind die äußeren Schneidezähne schmal und platt wie ein Messer. Die Antilope hält sich während der heißen Zeit des Tages in dein dornigen Gestrüpp auf, das hier und da das Wüstcnland überzogen hat. An: Morgen und am Abend verlassen die Tiere das Gebüsch und laufen immer dieselben Strecken ab. Wenn sie stillstehen, sind sie nur vom geübtesten Auge zu erkennen. Tie Tiere leben in Paaren, nur selten kommt es bor, daß zwei oder drei Paare sich vereinigen. Tie Wind- spicl-Antilope bevorzugt die ebenen Gegenden; da es große Wärme liebt, so meidet es die höher gelegenen Plateaus. Moreau sah aller- Vings ein Tier auch in einer Äcereshöhe von 1720 Metern, doch nimmt er an, daß es sich hierher nur verlaufen habe. Die Antilope kommt in der Wüste Jssa, zwischen dem roten Meere und Abessinien noch sehr häufig� vor. Den Transport nach Europa und die Gc- fangcnschaft erträgt sie nur selten, daher bekommt man sie in unsren Tiergärten kaum zu sehen. Die Windspicl-Antilopc liefert auch ein genießbares Fleisch. Inzwischen sind nun auch über die neucntdcckie Giraffenart, die Okapia, neue Thatsachen gewonnen worden. Im Kongo-Museum in Arüpel sind nämlich ein fast vollständiges Skelett eines erlvachsencn männlichen und das Fell eines weiblichen Tieres angelangt. I. E. Forsyth Major, der mit der Bearbeitung dieser Dokumente be- auftragt worden ist. giebt in den„k'roceeclings" der Londoner Zoologischen Gesellschaft einen vorläufigen Bericht darüber. Das intereffante Huftier, das äußerlich kaum den Eindruck einer Giraffe macht, ist doch ohne Zweifel ein Vertreter der Wiederkmierfainilie der„Abschüssigen". Das Merkmal, das der Fmnilic den Namen gegeben hat. der nach hinten zu sich stark neigende Rücken, kommt, wie sich an den neuen Dokumenten erkennen läßt, auch der Okapia zu. Ja selbst ihr Hals ist ziemlich lang. In der Schädelbildung gleicht sie sehr aufsällig der Giraffe und besitzt doch zugleich Eigentümlich- keiten, die dem alten ausgestorbenen Samothcrium, cincit Vorfahren der Giraffe, zukommcit. Sic weist demnach ursprünglichere Merk- male auf als diese und steht also verwandtschaftlich zwischen beiden. Wie bei der Giraffe, so fehlen� auch bei der Okapia die Aftcrklau»!. Die erstcre besitzt auf der Stirn zwei von der Haut überzogene Knochenzapfen. Diese hatte mmi an den bisher bekannt gelvordeucn Schädeln nicht bcobachtc» können. Sie gehörten nämlich jungen Tieren air� bei denen sich die Zapfen noch nicht ausgebildet hatten. An dem Schädel des erwachsenen männlichen Tieres wurden nun Knochcitzapfen von drei Zoll Länge vorgefunden. Ihre äußerste Spitze hat ein poliertes Aussehen, so daß man vermuten kann, daß die Horner ein wenig aus der Haut hervorragen. Von dem weiblichen Tier ist zwar nur das Fell vorhanden, aber in diesem fanden sich ebenfalls Knochenzapfen, die jedoch ctloas kleiner waren. Wenn man nun über den Körperbau der Okapia jetzt ziemlich gut unterrichtet ist, so fehlt doch über ihre Lebensweise fast noch jede Nachricht. Es ist ja anzunehmen, daß man in kurzer Zeit auch in dieser Beziehung Klarheit über das interessante Tier bekommen wird, vorderhand ist eigentlich nur ihr Aufenthaltsort bekannt. Es lebt in weiten dichten Wäldern am Semliki, der den Albert-Edward-See mit dem Albcrt-Nyanza verbindet. Hier in dem feuchten, heißen Klima, das für den europäischen Forscher ja nicht besonders vcr- lockaid sein wird, soll die Okapia noch in reicher Anzahl vorhanden sein. Jetzt, nachdem die Wissenschaft die hohe Bedeutung dieses Tieres erkannt hat, würde cS wohl auch das schlimmste Fiebcrklima kaum verhindern, daß irgend ein beherzter?Nann, um die seltene Beute zu holen, sein Leben für die Forschung in die Schanze schlägt.— Kleines feullleton. tli. Am Bahndamm. Wie ein langer Strich zieht sich der Bahndamm durch das Blachfcld. Es giebt nichts Stumpferes, als dieses Blachfcld und diesen langen, langen Strich. Wollte ein Maler die Oede malen, so müßte sie aussehen. Feld zur Rechten und zur Linken, Feld und Feld, armseliges Rübenland, Kartoffelacker und Moorwiese; hier und da blinkt ein Wässerchen, eine Krüppclwcide schlenkert ihre Zweige drüber her; weit in der Ferne dämmert Wald.,. 5ticfernhcidc. Links hinüber liegt die Stadt. Sie liegt in einem Meer von Dunst und Rauch. Sie liegt da wie ein Ungeheuer, breittatzig fauchend aus hohen Schloten. Aus der Stadt kommt der Bahndamm und geht nach dem fernen Wald— der schluckt ihn auf. Uebcr den Bahndamm fahren viele Züge; von früh bis in die Nacht donnern sie darüber hin. Züge aller Arten und Klassen: Vor- vrtzüge und Fernzüge, der Luxuszug. der die Welt durchrast, und der Bummelzug, der an jedem Nest hält. Sie kommen und schwinden und an ihre Scheiben drängen sich Gesichter, Gesichter und/z Kilogramm) übermittelt, worunter sich 100 Stücke reinen GoldeS befinden. Der größte Klumpen wiegt 22 Pfd.(ein russisches Pfund gleicki 0,410 Kilograimn), sein Wert beträgt 20 000 Rubel.— Vorwärts Buchdruckerei und Berlagsanslalt Paul Singer Sc Co., Berlin S W.