Hl«ttthalt«ngsblatt des Vorwärts Nr. 29. Mittwoch, den 11. Februar. 1909 (Nnchdruck vnbotcn.) Der l�üUerkannes. Roman ans der Eifel von Clara Vicbig. Tio Welt war am Morgen noch immer weiß, viel weißer noch, als am gestrigen Abend. Und es schneite in einem fort. Von den Weiden waren nun auch die Schöpse verschtmmden, die alten Bäume waren ganz und gar ertrunken in deni Meer von Schnee. Und der Pfad auch. Ob hoch, ob nieder, ob .Hügel, ob Mulde— alles eine glatte Schneebreite. Müllerhannes stand unschlüssig am Fenster— nun es Tag geworden, draußen die Ärähen flogen und in der Küche die Franz sang, fühlte er nicht mehr so sehr das Verlangen nach seinem Alten, die Bequemlichkeit hielt ihn zurück. Sollte er in seine hohen Stiefel fahren, den Spaten zur.�and nehmen: sich mühselig allein erst einen Weg bahnen, was sonst die Knechte für ihn gethan, und dann nach all' der Plage sich noch neugierigen Blicken aussetzen?! So blieb er. Aber als allmählich die Stunden vorrückten, der Kuckuck <— er hatte den Pendel selber wieder angestoßen—- drei Uhr nachmittag rief, als noch immer, noch immer die Flocken gleich- mäßig sanken rnid niemand bei der Mühle vorbeikam, fiel ihn eine Angst an. Der Vater würde wieder nicht kommen ihm grauste vor der langen, einsamen Rächt. Jetzt machte er sich rasch auf. So rasch war er sonst nie in die Stiefel gekommen, bei seiner Leibesfülle ward ilnn's Bücken sauer. Tie Thür wollte nicht auf, so schwer staute sich außen der Schnee gegen, aber mit aller Kraft schaffte er sich Bahn, llm's Haus herum ging's noch, aber hinter'm bliebet bei den Weiden war kein Durchkommen. Bis an die Schultern sank der große Mann ein. Hier führte sonst der Weg durch eine Senkung hinaus zur Landstraße— diese Mulde war jetzt recht ein Schneelager geworden.?Rit Anstrengnng nur arbeitete Hannes sich wieder heraus. Atick dem Nero war's außer'm Spaß der war wie sein Herr, Anstrengung liebte er nicht,— das Fell sträubend kläffte er wütend den leidigen Schnee an und kratzte mit allen vier Pranken. Hannes faßte ihn am Halsband und gedachte sich von dem starken Tier ein wenig ziehen zu lassen, aber der Köter parierte heute gar tiickst, lvollte nicht vom Fleck, machte zuletzt feige Kehrt und rannte beulend ins Haus zurück. Dahin folgte ihm gar bald sein Herr— nein, da war kein Durch- kommen heute! Dazu blendete ihn die unendliche Weiße; gegen die blaue Brille flogen ihm die Flocken- o weh, nun kam schon wieder die verhaßte Nacht!— Drei Tage. lag die Mühle ganz eingeschneit, der dritte Tag brachte endlich klingenden Frost, das Schneien hörte auf, der erste Schlitten passierte. Aber er fuhr nicht vorbei, merk- würdigerweise bielt er. Franz stand im Flur und starrte mit offenem Mund, an ihrer Schürze zupfend. Eigentlich war sie sich so nicht schön genug, aber sie durfte doch nicht fehlen— in den todeinsamen Tagen des lautlos fallenden Schnees hatte sie geträumt, ge- träumt,>vie iit den Nächten, in denen sie nicht schlafen konnte vor'm Drängen der unausgenutzten Kraft, vor'm Rumoren der nicht misgearbeiteten Vollsäfte— denn jetzt—• wie eine Erleuchtung war es über sie gekoinmen, in jähem Wechsel wurde sie rot und blaß: der Trab des Pferdchens, das muntere Schellengeläute— jetzt, jetzt kam wohl die goldene Kutsch'?! Fast zitternd wartete sie. Ter Ortsvorsteher stieg aus. „Fs den Vadder zu Haus?" fragte er furz. Sie zuckte zusammen, unsanft geweckt: was wollte der, der Kerl mit dem einfältigen Alltagsgesicht?! „Wo soll hän dann sein?" antwortete sie schnippisch; gerade, daß sie dem Besucher die Stubcnthür wies. Der Ortsvorsteher trat ein: da saß der Müller am Tisch in seiner gewohnten Stellung, den Kopf zwischen die auf- gestennnten Arme gestützt. So saß Hannes nun schon am belllichten Morgen— er boste sich, daß sein Alter ihn so ganz im Stich ließ. Aha, da war ja wohl einer aus Maarfelden! So recht erkannte er das Gesicht nicht mehr, erst als es Ifcin dicht gegenüber war— der Ortsvorsteher?! Was wollte der hier?! Dbeins Nikla guckte sich unruhig in der Stube um, und dann sagte er: „Dein' Alten is elveil doch heir, Müllerhannes?" „Mein' Alten— heir? Ne!" „Aber bän war doch hier die letzten zwei Täg'?" „Die letzten Täg'— ne. Vor drei Täg' war hän zuletzt hier, dann»et mehr." „Dann net mehr?!" Es lvar etwas merklvürdiges in dem Ton, mit dem der Dhein fragte. Hannes hob plötzlich den Kops aus den Händen und sah den andren an: „Ne. Kreizdonnerparaplei, wat fragste eweil e so gackig?" Er war ungeduldig geworden, heftig, und rot iiber's ganze Gesicht hinab bis zun Stiernacken, der in einer großen Fett- falte über den Rockkragen schwappte. „No, iio," beruhigte der andre,„ich fragen ja nur!" „Der Alten is kein Wickelditz. im ich kann hän net hüten! Geh' beim nach cm kucken, da liegt hän in der Heija."') „Da liegt bän net," sagte der Dhein bestimnit.„Für- orniggcsten bat bän sich ans den Weg gemacht,•— hierhin— et war schons Abend— de Mutter bat bän net geh'n lassen woll'n:„bleib', et is am Schneien!" Aber hän hat gesagt: Meine Jung' is am warten! 1l» hat sich aufgemacht. De Mutter hat aufgeseß' bis half bint dann hat se sich schlafen gelegt. Se dacht: den Vadder bleibt in der Mühl', bei dem Sauwetter! Aber eweil is Bahn, mer kann wieder durch, un eweil schickt de Mudder mich, ich soll hän abhole kommen, den Vadder, für wieder heimzufahren, und eweil—" Er stockte und wischte sich mit der Hand über die harte Stirn, auf die ihm jetzt kalter Schweiß in ein paar Tropfen trat. „Schrei net e so— schrei net e so," stotterte er erschüttert. Hannes war aufgesprungen, einen einzigen Schrei hatte er ausgestoßen, aber einen durchdringenden, lauten. Mit beiden Fäusten trommelte er sich jetzt gegen die gedunsene Stirn:„Hannes, Du, Du, wo is hän. wo is hän?!" Fränz kam hcreingelaufen.„No, wat is denn als wieder?" Aber als der Dhein ihr Bescheid that, schwand ihre ärgerliche Gleichgültigkeit. Der Großvater wurde vermißt? Jesus, wenn der alte Mann im Schnee stecken geblieben war! Ach, der arme, alte Großvater! In einem Hui flog's ihr durch den Kopf: wie der ihr immer allen'Willen gethan— Fratzen hatte er mit ihr geschniten vor der großen Glaskugel• o weh, o weh, der lag wohl irgendwo im Schnee, vom Wege abgeirrt und erfroren! Der angeborene Schauer vor dem Tod lief durch ihr junges Blut. Sie starrte mit weit aufgerissenen Augen, und dann konnte sie doch nicht genug von dem Schrecklichen hören. Wirklich, der Großvater war vom Haus weggegangen, durch all' den Schnee, hierhin?! Hier würde er nie mehr ankommen! O je, o je! Sie fand wenigstens Worte des Jammers, und dann fand sie auch Thränen. Hannes fand keines von beiden. Mit einem Gesicht wie aus Stein stiert er vor sich hin, wieder in seiner altgewohnten Stellung, die Ellbogen auf den Tisch gestützt, den Kopf zwischen die Hände gestemmt. Der Ortsvorsteher, dem selber der blasse Schrecken auf dem Gesichte stand, redete auf ihn ein; sie wollten ja suchen, ohne Rast, überall, alle Mann des Dorfes sollten aufgeboten werden, die würden es gern thun, der alte Matthes hatte ihnen immer so leid gethan. „Leid gethan?!" Einen verzweifelten Blick warf Hannes auf den jetzt leeren Platz, sich gegenüber, dann, eh' die andren ihn dran hindern konnten, war er aufgesprungen. Beide Fäuste hebend, schlug er sie ins Fenster, durch das er an jenem Abend nach seinem Alten ausgeschaut— Blut rieselte, Blut und klirrende Scherben sprangen hinaus in den weißen Schnee. „Vadder! Vadder!" XVII. Der Herr Noldes hatte sich's nicht nehmen lassen, er rückte selber, trotz allen Zeterns des Engelche, trotz feines alllvinter» " i Wiege. Mitternacht. lichen bösen Katarrhs, den er mit Vrombeerwein kurierte, trotz seiner steifen Beine und der hohen Jahre, init aus. den Per- mißten zu suchen. Teil fand man nicht. Als das Suchen nun schon tagelang ging, murrten einige — ja, wenn der MattheS ein Saufsack gewesen wäre, da konnte es wohl vorkommen, das; so einer von. Weg abgeriet, einschlief und verfror, aber wie sollte der Miihlenmatrhes wohl in die Binsen am Maar kommen, oder in die Abflußgräben der be- eisten Wiesen, oder gar hinauf ins Gestrüpp und in die Hohlen- löcher der Hänge? M that wahrhaftig nicht not, hernmzu- kriechen, als wolle mau eine Sau ausheben! Und überhaupt, ivas hatte der alte Esel draußen zu suchen gehabt, wenn so ein Schnee siel? Tem Herrn Neides half sein Anfeuern nicht viel; er brachte das mit gar zu bittender Stimme vor— die Bauernschädel wollten koinmandiert sein. Juleht suchte» nur er selber noch und der Thein. Da gesellte sich der Miillerhaunes zu ihnen. Als ob der etwas sehen könnte nüt seinen halbblinden Augen! Als aber die beiden Letzten auch endlich heimgegangen waren, suchte Hannes noch allein weiter, von seinem Nero gc leitet, stolperte planlos durch den Schnee und kam nicht nach Hause, bis die Franz ihn holte. Dann war er von Schweiß durchnäßt, sank beim Tisch auf den Scheinet und rang nach Lust..Er konnte es nicht glauben, daß sein Alter tot sei— nein, er wollte es nicht glauben, er wollte nicht! Der durste nicht tot sein, der durste nicht!--- Maria Lichtmeß war vorbei, Petri Stnhlscier schon in Sicht— Miillerhaunes suchte immer noch. Eigensinnig bc- harrte er dabei, was auch die andren dawider sprachen. Selbst die alle Frau des Matthes dachte nicht mehr an ein Wiedersehen hienicden mit ihrem alten Ehemann. Mit einem jähe» Ruck war ihr Lebensbaum herausgerissen worden aus der vieljährige» Iweisainkeit- � nun, da sie den Nnck einmal überstanden, erleichterte ihr die Stumpfheit des Alters das Einwurzeln in der Einsamkeit. Die Torsweibcr besuchten fleißig ihr Häuschen, mit denen koiiiite sie janimern; nnb inbrünstig zu beten hatte sie auch. für die ohne Büß' und Ren' dahingegangene arme Seel' im Fegefeuer. Sie batte ihr gewohmes Dach über dein Kopf, ihr gewohntes Bett, ihren«asfee, ihren Weck— all das half ihr. Beim Müllerhannes war's anders, und der bekam auch keinen Besuch, oder er hatte einmal tvelchen bekommen, war der znin zweitenmal nicht wieder erschienen. Es fand sich keiiieujn die Rolle, beim Tische zu sitzen und sich stnimn mit dem Stumme» anzustieren. So am Tisch, den Kopf in die Hände gestützt, fand ihn auch der Herr Noldes. Der hatte lange trank gelegen an seinem Katarrh, den er durchs Waten im Schnee verstärkt, nun war er aber wieder ans den Beinen und sein erster Ausgang galt dem Müllerhannes. P011 dem wurde viel im Dorf ge- munkelt, als würde es niemand wundern, hinge der sich eines Tages ans, oder ließe er das Mühlrad sich über den Leib geheil. Der Geistliche, seinen mürben Perpel') iinternt Arm— aufgespannt hätte er den bei Leibe nicht, dazu war er viel zu schad— trat ein in die Mühleustube. Hier war lange kein Fenster aufgewesen; die zerbrochene Scheibe war mit per- gamentnenl Papier verklebt. Eine dunstige Dumpfheit schlug dem ans der frischen Lust Kommenden entgegen. Es sah hier etwas wüst ans— alles schien in diesem einen Raum zusammeilgepfercht. Verwundert sah sich der Pfarrer um. Die Fräuz, die ihn hereingeführt, fing den Blick auf und zuckte die Achseln: „Uns Dach is kaput, et drippt durch— zum Frühjahr wird et neu gemacht!" (Fortsetzung folgt.).' INochdriuk verboten.) 8eUerie. Eine der mit recht am meisten beliebten Gemüsearten ist und bleibt die Sellerieknolle; ich will gleich vorweg bemerken, dag man dnrchauZ nicht nötig hat, sie, wie da-Z in manchen Gegenden Deutsch- lands vorwiegend der Fall ist, stets nur zu Salatzivccken zu ver- wenden. Ter Wert des Selleries für Küche und Tisch ist schon des- wegen so hoch zu stellen, weil man ihn einen sehr beträchtlichen Teil des Jahres zur Verfügung hat. Sobald der Herbst beginnt, sind die oft wie ein Kindskopf großen, fleischigen Knollen überall in den Gemüsehandlungen oder auf dem Markt und in den Hallen erhält- *) Regenschirm.- [ich. Von außen gesehen struppig in ihrem Wurzelgcwirr. mit Rarben übersät und meist schmutzig durch die ihnen noch anhastendc Moor- erde, biete» sie, von dieser unscheinbaren Hülle befreit, ein gar löst- lichcS, aromatisch duftendes und oft mit dem Blütenschnee an Zart- heit wetteiferndes Fleisch. Dabei ist Sellerie so wohlfeil, daß ihn sich selbst der ärmste Haushalt reichlich und wiederholt zu leisten im stände ist. kleberdies wohnt diesem Gemüse eine ganz bestimmte hygienische Kraft inne: alles Gründe, die uns veranlassen müssen, dem Sellerie besondere'Aufmerksamkeit zuzuwenden und seiner Ver- Wertung zu gastronomischen Zwecken so entschieden lvie möglich das Wort zu reden. Man unterscheidet, je nachdem man den Hauviwert ans das Er- zielen von Wurzeln oder Stengeln legt, Knollen- und Bleichscllcrie. Der crstcre wird vorzugsweise aus germanischem Boden angc- baut, in sein Lob stimmen, was bekanmlich nicht immer der Fall, alle deutschen Stämme mit grosticr Einhelligkeit ein. Der Bleich- sellerie, an dem die langen, fleischigen Blattteile nach Ansicht der Weisen der Küche die Hauptsache bilden, wird dagegen in den romanischen Staaten, daneben aber auch in England und Holland bevorzugt. Selbstverständlich muh auch die Kultur bei den ver- schicdenen Arten ihnen entsprechend gestaltet sein. Wenn die kleinen Pflänzchen im Frühjahr die zmn Versetzen nötige Größe erreicht haben, bringt man sie, durch ziemlich bemichtlicke Abstände von einander getrennt, i» Rillen, die zuerst offen bleiben, und dann all- mählich mit gelockerte Erde angefüllt werden. Zmn Gedeihen brauchen die Gemüsepflanzen reichlickre Belvasscrung; jedwedes Un- traut ringsum muh sorgsam fortgejätet werden. Das aiaratteristische Bleichen wird erst im Herbst vorgenommen: sobald also die Blätter hinreichend lang geworden sind. Dies geschieht derart, dag man sie durch Strohbänder, die jedoch nur lose hcriungesclilungcn werden dürfen, gewissermaßen zu kleinen Büschen aneinander gesellt und dann die Erde in der Umgebung allmählich so hoch anhäuft, daß nur die spitzen der Blätter unbedeckt und sichtbar bleiben. Nack! einigen Woche» sind die Stengel vollständig gebleicht, demnach für die Verwertmig zu Kuchenzioecken reis. Doch soll man die Stauden möglichst in ihrer schützenden Hülle belassen, ja, sie sogar gegen etwaigen Frost durch sorgsames Bedecken mit reichlicher Sirohschicht schirmen. Aeuerdings Hai sich der Bleichsellerie auch in stets wachsendem Grade die Gunst des dcurschcn Haushalts zst �Mierben gesucht. Man baut ihn fleißig an. und er findet regen Absatz. Die einfachste Art und Weise, ihn zu genießen, besteht darin, dag mau von den gc- bleichten Stengeln die äußere Schale abzieht und sie dann roh zum Rachtisch verzehrt. Eine Prise Salz genügt als Würze— etwa wie. dies bei de» verschiedenen Rettigarten beliebt ist. Ebenso kann man aus den ihrer Schale befreite» Stengel» mit Zuhitscnahme von Essig und Del einen sehr schmackhaften Salat herstellen. In Eng- laiid igt man die zarten, Ivcißcn Stengel besonders gern zum.'wse. llebrigenS ziehen Feinschmecker Zivergpflanzen, die also Verhältnis- mäßig kleinere Stiele liefern werden, den größeren Arten mit stark entwickelter Verästung vor: in jedem Falle ist über die Kultur des BleichsellerieS bei uns noch lange nicht das letzte Wort gefproche» worden. Rcucrdings sucht man das Bleichen durch Umgeben der Pflanzen mit Brcttgchäuscn oder Ueberftülpen von großen Blumentöpfen zu erzielen. Was den Knollciiscllcric betrisfl, so sind Hauptbcdingungen für sein gutes Gedeihen, daß er gleichfalls reichlich gedüngt, ganz bcson- ders aber früh gepflanzt loird. Sein Wert liegt selbstverständlich in der großen, fleischigen Knolle: je zarter und ivemger diese von holzigem Geäder durchzogen ist, um so besser läßt sie sich in der Küche verwerte». Man hat nun mannigfache Methoden heraus- finden wollen, durch die die Knollen eine besondere Größe erreichen sollten. Ein sehr gutes Mittel besteht darin, daß man die Spitze der Wurzel und einen Teil der Blätter abschneidet— die sogen. Herzblätter müssen jedoch unter allen Umständen unverletzt bleiben. Die so hcrgcrichtcten Pflanzen bringt man nun an eine schattige Stelle, loa sie etwa bis an das Herz in die Erde gesetzt werden. Sobald sie hier ungefähr einen Monat verblieben sind, pflanzt man sie. aber ohne nochmaliges Zustutze», in einen Boden, der nicht nur sehr fett, sondern auch überaus sorgsam bearbeitet ist. In lies dürfen sie lvicderum nicht in die Erde kommen, etwa so, daß das Herz nicht. von ihr berührt wird. Nun folgt unausgesetzt die größte Pflege von feiten des Züchters. Herrscht trockenes Wetter, muß fleißig begossen lvcrden; doch darf man die Pflanzen nicht überbrause». die Erde soll vielmehr rings um die Wurzel herum mit Feuchtigkeit gesättigt sein. Später bedient man sich zum Begießen der Jauche oder des flüssigen Düngers;.zugleich ist jedes Unkraut im Umkreise zu beseitigen, damit durch dieses dem Boden keine Kraft entzogen iverde. Zur Verdickung der Knolle trägt nicht»»wesentlich bei, wem» man im Hochsommer die äußeren Blätter glatt an ihr wegnimmt: Luft und Sonne vermögen dann besser einzulvirken. Zu empfehle» ist ferner, daß man die Erde ungefähr bis zur Hälfte der Knolle ringsul» forträumt, die Wurzel an den Seiten abschneidet, mit einem groben Lappen mehrmals herumfährt und zum Schluß die fort- geschaffte Erde wieder aufhäuft. Zu Beginn des Herbstes ist dann die erivünschte Größe eingetreten, die Frucht langer, emsiger Sorgsalt erzielt. llebrigenS weichen die Ansichten der verschiedenen Züchter von einander av. So wollen einige von dem steten Behäufeln, wie es hier und dort beliebt ist, ganz und gar nichts wissen. Mit den Scllcrictöpse» weiß die Hausfrau mancherlei an- zusangen. Zusammen mit Möhre, Porree und Petcrsilienwurzel inlkn sie eine wohlschmeckende Wikze. wenn es sich darum handelt, eine möglichst kräftige Bouillon zu erziele». UedrigcnS bedarf man dazu nicht einmal des Fleisches: man kocht das eben erwähnte Wurzel- werk, nachdem es hinreichend zerteilt worden, kurzweg in entsprechend gesalzenem Wasser weich, sögt die nötige Menge des hier besonders verwendbaren Liebigs Fleisch- Extrakt hinzu, läszt das Ganze nochmals durchkochen und erhält dann eine Bouillon, deren Wert in der rauhen Jahreszeit nicht genug geschäht werden kann. Es fällt mir nicht schwer, dabei auf das eine oder audre Gemüse zu verzichten, allein Ärllerie darf unter keinen Umständen fehlen. Bin ich in Verlegen- heit wegen eines SalateZ, so säubere ich schnell Sellerieknollen, koche sie in Salzwasser weich und lasse sie erkalten. Run schneide ich Scheiben daraus, die. mit Essig und Oel hinreichend befeuchtet und durch eine fein gehackte Schalotte gewürzt, bckanulich ein ganz löst- liches Gericht geben. Für Abwechselung empfiehlt sich, zwischen die Selleriescheibcn zart gehobelten Rotkohl zu mischen; dadurch erfährt der Geschmack ein pikante Nuance, und das Auge weidet sich an dem schmucken Aussehen solcher Schüssel. Neuerdings bindet man die Selleriestücke auch durch eine Mayouuaiscsaucc; wenn diese richtig iit und gute Iuthatc» dazu verwendet sind, lägt sich dagegen kaum etwas einwenden. Ebenso kann holländische Sauce auf gleiche Weise als Tunke oder Bindemittel in Betracht kommen. Sellerie als Gemüse verdient jedoch nicht minder Bcachtinit» als die bisher aufgezählten Rezepte für Salatcrzcugimg. Ich dämpfe die geschälte» und in �ckzeibeil geteilten Sellerieköpfe in einer Bouillon weich, erziele mit einer Mehlschwitze, aus Butter gewonnen, oder noch besser mit geriebener«euuncl, die in jener knusprig gc- röstet worden, eine Tunke, würze das Ganze mit ein wenig Muskat- rmsz und verschaffe mir aus diese Weise ebenso bequem wie billig ein durchaus wohlschmeZendes Gemüsegericht. Ueberaus gehaltvoll ist das Wasser, worin die Knolle gekocht wurde. Auf dem Lande weis; man, dag eS, anhaltend getrunken, ei» sicher wirkenden Mittel gegen Rheumatisinns und Gicht bildet; ebenso wird dadurch Nervenschwäche vermindert. Juni Waschen des Kopfes benützt, befreit es diese» von den lästigen Schuppen und stärkt den Haarvodcn. Aber selbst wenn man sich der Heilkraft des Selleriewafsers gegenüber ungläubig verhält, sollte man es darum dock) nicht»ntzlos verkomme» lassen und schlechtweg fortgichcn. Durch ein feines Haarsieb getrieben und nochmals auf den Herd gebracht, lägt man Graupen oder Reis darin weichkocheu und bindet nun den Absud durch eine Mehlschwitze oder zieht ihn mit Eidotter av, so gewinnt man eine Tuvpe. wie sie schmackhafter und kräftiger — zugleich Jbeiiuemcr und billiger— kaum hergestellt werden dürfte. Der Sellerie ist als Kulliirpslauze übrigens uralt. Schon im l. Jahrhundert vor Christi wird seiner von hellenischen Schrift- stellcrn gedacht, und ebenso kainite man ihn sebr gut im Rom der Cäsaren. Jedoch wurde er allein dcskvegen geschätzt, weil man aus den ihm iunelvohncnde» hygienischen Eigenschaften Nutzen zog: man ast die Knolle gcwissermaszen, um sich zu belebe»; dann erhoffte man, nicht anders wie zum Teil heute, dadurch Genesmig von einer etwaigen Erkrankung der Nieren. Jn der Küche Ivnszte man dagegen ganz und gar nichts mit ihm anzufangen. Selbst das Mittelalter verharrt andauernd in gleicher Unkenntnis. Eni im 17. Jahrhundert taucht die aromatisch duftende, fleischige Wurzel, von Italien kommend, in Frankreich auf, gelangt nach Denlschkand und den Niederlanden und schlicglich»acli London. Jhren hohen Wert hat man zuerst in Frankreich cmdeckl; aber inltivicrt wird der Sellerie > keute wohl vorwiegend auf deutschem Boden, wenigstens, wie ich bereits oben sagte, als Wurzelgemüse, während die Bewohner andrer Länder recht und schlecht eigentlich nur„Krautesser" geblieben sind.— Hildegard Ort h. kleines feuilleton. so. Sven Hcdi» über seine neueste Reise, jn der Uraniä sTaubcnstratze) sprach am Montagabend Sven Hedin über seine letzte Entdeckungsreise nach dem Hochplateau in Ecntralasicn, die ihm während der Jahre 18Ü9— 1902 von Kaschgar durch das Tariin- decken und die Wüste Taila Mala», die Lobwüste und die Wüste Gobi auf gröütentcils unbctrctcncn Pfaden führte und nach einem zweimaligen Vorstoß in der Richtung auf Lhasa, die geheimnisvolle Hauptstadt des für Europäer verbotenen Landes Tibet, wieder in Kaschgar endigte. Die Ausführungen des berühmten Schweden, der das Deutsche geläufig,«venu auch mit starkem ausländischen Accent sprach, waren mit trockenem Humor gewürzt und wirkten in ihrer von jeder Ruhmredigkeit freien Anspruchslosigkeit um so vorteilhafter, als gleichzeitig eine Menge vortrefflicher Lichtbilder»ach Photo- graphien des Forschers die Entbehrungen und Gefahren der Expe- dition eindringlich vor Auge» führten. Von Kaschgar ging die Fahrt ans einer jener primitiven Fähren. wie sie dort landesüblich sind, 2000 Kilometer weit den mächtigen Tarimflns; hinnnter: zwei aufeinander gestellte Kisten Warden der Schreibtisch, an dem Sven Hedin diese ganze Strecke kartographisch aufgenommen hat. Bald gelangte die Expedition auf ihrem flüssigen Pfade in uubevölkerte Gegenden: zu beiden Ufer» boten dickste Ur- Wälder dem Auge einen reizvolle» Anblick dar. Nach der Vereinigung mit zwei großen Nebenslüssen fährt der Strom in offene Landschaft. Der Darin» ist jetzt mit zahlreichen großen Schlamin- und Sand- bänkeu durchsetzt und weist eine Masse von Krümmungen auf, so daß nur langsam wciicrzukommen ist. Eines Tages müssen, um 180 Meter ostwärts vorzuschicitcu. 1440 Meter aus dem Fluß zurück- gelegt werden; nur ein Neuntel fehlte zum vollkommenen Kreis. Am 12. Ottober 1899 fror es zum erste» Mal, und Ende Oktober begann der Fluß an ruhigen Stellen dünnes Ei-Z zu zeige». An-- fang November wird eS empfindlich kalt. Die Fähre, die nachts an Land gezogen wird, friert allemal in dünncm Eis ein. Mitte des Monats muh sie jeden Morgen losgehaucn werden. Eile wird nötig, wenn die aus dem Landweg entsandte Expeditionslaralvana am Treffpunkt erreicht werden soll; daher wird die Fahrt jetzt immer- bis 3 Uhr nachts fortgesetzt. Auf den llfer» erstrecken sich nnab- sehbar die Sanddünen der Wüste Taila Matan. Jede Spur von Leben verschwindet, bis die Expedition ans die ersten Eingeborenen der Lobnor-Gegcud stößt, die durch Sven Hcdins Photographien nicht gerade als Typen menschlicher Schönheit erwiesen werden. Die Wälder werden dünner. Das Eis wird immer stärker. Es war die höchste Zeit, daß das Zusammentreffen mit der Karawane erfochtc. Die Reise geht mm auf dem Landweg quer durch die Wüste, eine sehr gefährliche Sache wegen der Trockenheit. Jetzt aber ist'es Winter. Bier Kamele»ragen Eis, zwei Holzstücke,»ur eins Proviant und Pelze. Sven Hedin harte tei» Zelt bei sich, sondern schlief immer im Freien— bei 33 Grad inner Null. Dabei»»»unterbrochener Sturm, der den Sand auswirvcltc, so daß beständige Dämmerung herrschte. Daher konnte Sven Hcdi» mir zwei Photographien voi» der traurig öden und eintönigen Landschaft ausnehmen, die zwanzig Tagemärsche lang nur ans einem Meer von Sanddünen bestand.- Hier hat der Forscher bei einer früheren Reise seine ganze Karawane eingebüßt: alle Kamele und zwei Mann blieben iot. Diesmal ging alles gut. Erwünscht kamen Schneefälle zu Anfang Januar 1900, die frisches Wasser ergaben. Nachts war Sven Hedin immer über- schneit, so daß er von de» Dienern ausgeschaufelt werden mußte, Wenn rr so am Lagerfeuer saß, hatte er von vorne 30 Grad Hitze, im Rücken 30 Grad Kälte. Von dieser Dnrchqnernng der Wüste Taila Makan nach seinem Hauptquartier in Janjikvl zurückgekehrt. machte er sich alsbald mit einer neuen Karawane zur Untersuchung der Lovwüste auf. Dem Laus des Kumdarja folgend, stieß er ans die Ruinen einer allen Stadr. Jn dieser Wüste ergab die Jag» auf wilde Kamele vom zweihöckerigen batiriaiüschen Typus, die hier zahlreich in wunderschöne» Exemplaren vorkommen, gmc Nahrung. Die Rückkehr nach Janjiiöl geschah aus Einbäumer, die ans einem Pappelstamm geschnitzt sind. Während der fünfundzlvanziglägigen Fahrt wurden abenks Milliarden von Mücken und Moskitos eine abscheuliche Plage. Na l» der llcbcnvinterung in Janjiiöl ging die nächste ExpedUio» aus den» Tariin ostwärts. Ter Strom fließt hier am Fuß der Sauddünei» dahin, die bis zu 89.5 Meter hoch sind. Zu beide» Seiten dehnen sich vieisach große, schilfvcioack-scne Lagunen aus. Dem Karagurai» oder schivarzen Sturm mit knapper Not entronnen, gelangt die- Expedition nach dem Fischerdorf Tschcglikni, Ivo sich der Fluß in Sümpfen verliert. Tie nächste Reise ging ins östliche Tibet, wo die Karawane, 0 Mann, 7 Kamele, 12 Pferde, l Maultier und 1U Schafe stark, 1800.Kilometer zurücklegt. Der Weg südwärts führt quer über die von Hochthälern diirchschnutenen parallelen GebirgS- inten. Ein Paß war zu überschreiten, der 300 Meter höher war als der Roiublanc. Am 21. Anglist 1900 lagerte die Expedition am nördlichen llfer eines sehr ausgedehnten Salzsees, den Sven Hcdi» mit einem Ruderer auf eine»» Einbau»» kreuzte, während die Karawane das Gewässer umging. Aus dem Rückivcg nach dem Hauptquartier in Temirlik ward«in wilder?)a!! erlegt. Zahlreich komme» hier in Herden von 10— 12 Stück Kulanen(Wildcselj vor. Den 20. Oktober 1900 fand die Aulnnfr ii» Temirlik statt» von Ivo dann wiederholt ncne Exkursionen angetreten wurden. Ter erste Tag dieses Jahrhunderts fand de» Forscher am User eines tleincn Backes. Ivo er mit den ersten Mongolen von Tsaidan zusammentraf. Er»nachte eine Rundreise»im eii» mächtiges Glctschcrmassiv. TaS Gebirge war sehr pittoresk und voll von dunklen Hohlioegen; die Källe betrug bis zu 32 Grad und ward durch heftigen Wind besonders empfindlich. An, 27. Januar ging es nordwärts, um die Wüste Govi von Süden her zu durchqueren. Nach zehn Tagen lvard eine Quelle erreicht, Ivo der EiSvorrat erneuert ward. Schließlich kam die Karawane aber durch Wasser- maugcl i» eine sehr kritische Lage, vis Spuren von wilden Kainclm zu einer Quelle hinführten. Bo» da ging es nach Süden zu der Stelle, lvo in« Vorjahre die Ruinen gefimdci» worden waren. Am Fuße eines verfallenen Turmes aus gebrannten Ziegel» lagcric Sven Hedin. Bon dem 18 Meter hohen Gemäuer eröffnete sich eine wunderbare Aussicht über die unendliche, trostlose Wüste, 19 gut erhaltene, wem» auch trümmerhafte Häuser wurden entdeckt, Jn einem Hanse wurden chinesisehc Manuskripte gefunden, die»neistei» auf Papier, einige auf Holz, die aus den Jahren 201— 70 n. Ehr. stammen und Lokalcmgclcgenhcitcn behandeln. Außerdem kamen gut gelungene Hokzskulpturen, vor allem Buddhabildcr, zum Vorschein, weiter chinesische Münzen, Lampen uslv. Karrcnrädcr bezeugten, daß man vor sechzehuhundcrt Jahren zu Wage» durch die damals fruchtbare Gegend reiste, die jetzt vollkommen sterile Wüste ist und mir mit Lebensgefahr durchquert werden kann. Durch sorgfältige. Erforschung des ganzen höchst interessanten Gebiets hat Sven Hedin endgültig festgestellt, daß der Lobnor ein ambulanter See ist, daß er bald im südlichen, bald im nördlichen Teil der Wüste liegt. Die folgende Expedition Sven Hcdins galt der Stadt des Dalai Lama: Lhasa. Ein mongolischer Priester begleitete die Karawane, um als Dolmetsch zu dienen. Der Marsch ivar mit großen Mühsalen verbunden. Go war z. B. ei» Gebiet zu passieren, das aus einem Labyrinth von kleinen, unglaublich weiche« Hügeln bestand, worin die Tiere bis an die Knie einsanken: an einem Tag«; gingen 1l! Esel verloren, die im Boden versanken. Nach einem Monat kam man in eine wildreiebe Gegend, wo Wildscbafe und Orongo- Antilopen geschossen wurden. Bei Lager 08 sliesi die Expedition auf drei tibetanische Jäger, die südwärts eilten, um den nächsten Häuptlingen das Naben der Expedition zu melden. Bon Lager 44 ging Sven Hedin, während alles übrige zurückblieb, mit einem Kosaken und dem niongolischen Lama gegen Lhasa vor: als Psiger verkleidet verließen sie am 27. Juli Ibvl das Hauptquartier; Sven Hedin lieh sich den Kopf und die Oberlippe kahl abrasieren, setzte die mongolische Brille auf und lies; sich braun färben, so daß er ziemlich echt aussah. In der zweiten Nacht wurden ihnen von be- litteneu Tibetanern zwei ihrer besten Pferde gestohlen. Bon da ab ward nachts Wache gehalten, kein Vergnügen bei unablässig strömendem Regen. Am fünften Tage ward ein schwarzes Zelt tibetanischer Romaden erreicht, dessen Eigentümer die drei Reisenden gastfreundlich aufnahm. Ani neunten Tage wurden sie von einigen Tibetanern für gefangen erklärt und muhten Halt machen. Nachts war das Lager Sven Hedins von 37 Wachtfeuern der tibetanischen Posten rings umgeben. Dann erschienen einige Lamas mit der Mit- teilung, das; sie Eilboten zum nächsten Statthalter gesandt hätten, der nun selber kommen Iverde. Nach etlichen Tagen erschien denn auch der Gouverneur Kambabombo mit 00 Soldaten und erklärte kategorisch, wenn die Reisenden einen Schritt weiter machten in derselben Richtung, so solle ihnen das den Kopf kosten. Sie muhten also Kambabombo mit Proviant und Pferden beschenkt und von tibetanischem Militär eskortiert, zur Karawane zurückkehren. Der kühne Schwede versuchte es aber von neuem, diesmal mit der ganzen Karatvane. Nach ein paar Tagen war er wieder von Militär umgeben, zog aber weiter gen Lhasa. Am Nfer eines Sees trafen sie auf zwei Sendboten ans der Hauptstadt, die l>00 Mann Kavallerie bei sieh hatten. Die beiden waren Mitglieder des heiligen Svnod von Lhasa. Die Lieblingsgeste des einen war die Handbewegung, wodurch das Äopfabsckmeiden markiert zu werden pflegt. Bon der ganzen Horde belvacht, geht eS also westwärts der indischen Grenze zu. Je mehr man sich ihr nähert, um so kleiner wird das bewaffnete Gefolge. Die Karawane ging allmählich zu Grunde. Mitte November 1901 war nur noch ein Drittel übrig. Sie hatten aber zahme?)als, die der Dalai Lama zur Verfügung gestellt hatte. Es ward sehr kalt: 19. Dezember 27 Grad unter Null. So gelangt Sven Hedin nach der indischen Stadt Leh mit den alten Königs- bürgen, macht einen Abstecher über den Himalaya nach Indien, Ivo er drei Monate bleibt, und langt über das Karakorumgebirge, das er aus einem Pah von 19 200 Zuh Höhe überschreitet, an dem ur- sprünglichen Ausgangspunkt, Kaschgar, wieder an. Drei Jahre und zwei Tage hat die ganze Reise gedauert. Sie hat den Ruf des toeltbekannten Schweden als eines der kühnsten und erfolgreichsten Forschmigsreisenden aller Zeiten neu gefestigt und die Wissenschaft um unschätzbares Material bereichert.— —■ WaS der Stadt Köln ein Thenterbillet kostet. Diese Jrage, schreibt man der„Frankfurter Zeitung", bat ein Mathematikus in einem Kölner Lokalblatt zu beantworten gesucht. Die Erwerbung des Alten und des Neuen StadttheaterS nebst Ausstattung beläuft sicki auf rund 0 Millionen Mark. Die Verzinsung und Amortisation dieser Summe zu 9 Pro.;., die Jnstandhaltnug. Versicherung. Neu- auschaffung usw. zu 21/n Pro,;, gerechnet, belasten die Theater die Stadt für die nächsten 30 Jahre mit jährlich 400 000 M. Als Einnahmen gehen ab 40 000 Mark Packt für die Theater, 29 000 M. für die beiden Restaurants, 9000 M. für Neben- einnahmen, zusammen 70000 M.. so das; der jährliche Zuschus; 380000 M. beträgt. Nun zählt das alte Theater 1077, das neue 1800 Plätze, das macht für jeden Platz 109 M. Zuschus;. Finden im Jahre 290 Borsiellungen statt, bei denen durchschnittlich die Hälfte der Plätze besetzt ist, was bei der bekannten Misere im alten Theater gut gerechnet ist, so bezahlt die Stadt jedem Besucher allabendlich 90 Pf. auf seinen Platz drauf. Berteilt man aber diesen Zuschus; nach Maßgabe der Platzpreise, so kommen auf die teuren Plätze Wie Parkett, Balkon täglich je 2,90 M. städtischer Zuschuß!— Litterarisches. -n. Jüdischer A l m a n a ch 5663. Berlin. Jüdischer Verlag. Zionistische Litteraten haben in diesem Buche einen ersten Versuch gemacht, östliches und westliches Judentum in einem Abbild ihres künstlerischen SckasfenS einem unbefangenen Leserkreise vor- zuführen. Man darf diesen Versuch als gelungen bezeichnen. Der Almanach giebt vom Besten das Beste. Namentlich ist auf die Auswahl der Illustrationen— E. M. Lilien hat den künst- lerifchen Teil des Almanachö redigiert— hinzuweisen. Jozef Israels, Max Liebermann, Lesser Ury und L. Pasternak sind mit Zeichnungen, Landschaften und Seenen aus dem jüdischen Volksleben vertreten. Im textlichen Teil, der das Zionistische vielleicht etwas zu scharf betont, finden wir als Mitarbeiter den bekannten Wiener Zionisten Dr. Theodor Herzl, die Dichter Anton Lindner, Georg Hirschfeld und.Hugo Salus und den Allerweltsmann Dr. Alfred Nossig, der eine Studie aus dem Gebiete der altjüdischen Verfassung beigesteuert hat(„Der große Sanhedrin"). Die Redaktion des littera- rischen Teiles lag in Händen Berthold Feiwels.— Verantwortlicher Redakteur:<5arl Leid in Berlin.— Druck und Verlag: Aus dem Tierleben. — Die Blaufüchse der Priby low- Inseln. Seit dem Winter 1897/98 hatte man auf der Insel St. George versucht, die Ausbeute an den teuer bezahlten Blaufuchsfellen dadurch zil steigern, das; man alle gefangenen lveiblichen Tiere freilies; und nur die Männchen verminderte. Man hoffte, das in Monogamie lebende Tier dadurch zur Polygamie zu verführen. Ein neuer Bericht von 1901 zeigt, daß man bis dahin noch keinen merklichen Erfolg gehabt hat, denn in diesem Jahre wurden noch 014 Männchen neben 090 Weibchen gefangen, so daß die Zahl der letzteren die der ersteren nur um 70 5tvpfe übertraf. Da die fteigelassenen Tiere jedesmal vorher gezeichnet werden, kann ein Irrtum in der Zählung kaum unterlaufen. Der Blaufuchs wirft bis zu 13 Jungen; rechnete man auch nur, daß jedesmal zwei davon am Leben bleiben lvürden, so durfte man in der Fangzeit 1900/01 auf 2000 Weibchen rechnen. Mit demselben Mißerfolg ist dieses Experiment auch auf den Semidi- Inseln und auf St. Paul gemacht worden. Obwohl man die Blau- füchse auf letzterer Insel noch reichlich fütterte, mußte man eine Abnahme der Zahl und eine Verschlechterung der Felle konstatieren. Walter I. Lembkey und F. A. Lueas, die diesen Mißerfolg in der Zeitschrist„Seienee" darlegen, wissen keine ausreichende Erklärung dafiir.—(„Prometheus".) Humoristisches. — Ein nobler Chef. Chef:„Heute können die Herren einmal um sechs Uhr fortgehen, weil mein Namenstag ist." Buchhalter:„Wird schwer gehen, Herr Kommerzienrat, e-Z ist nämlich schon acht Uhr."— — Ihre Ansicht. Bauer:„Da guck'nauf, Sllte, a Luftballon I lind Leut' sitzen aa drin." Bäuerin:„Heiliger Sixtus, müsf'n die leicht sei'."— — Galgenhumor.„Aber, Mellich, Deine Stiefel klaffen ja vorne weit auf!" „Ja, meine Hühneraugen haben einen so durch» bohrenden Blick."— („Meggeudorfer Blätter".) Notizen. — Die Freie Volksbühne bringt für die 8. Serie ihrer Vorstellungen im Metropol- Theater die in Berlin noch nicht auf- geführte Komödie„Heide n" von Bernhard Shaw vom 8. März ab zur Aufführung.— — Otto E r n st' s Schauspiel„Gerechtigkeit" wird am 20. Februar erstmalig im S ch auspielhause gegeben werden.— —„Kleinigkeiten", fünf Einakter von Ferdinand v. H o r u st c i n, fanden bei der ersten Aufführung im Münchener R e s i d e n z- T h e a t e r eine geteilte Aufnahme.— — Charpentiers Oper„L o u i s e" geht am 4. März erstmalig im O p e r ii h a u s e in Seeue.— — Das neunte Philharmonische K o nz ert(Dirigent Arthur Nikisch) findet am 23. Februar in der Philharmonie statt; Solist des Abends ist Raoul Pugno.—• — Bei Ca s sirer findet eine Ausstellung alt- japanischer K u n st>v e r k e(aus Berliner Privatbesitz) statt. Dr. Oskar Münsterberg wird zum Verständnis japanischer Kunstwerke am 12. und 19. Februar(abends 3'/» Uhr) in den AuSstellungS- räumen zwei Vorträge halten. Der Eintrittspreis zu den Vorträgen beträgt je 1 M., für beide zusammen 1,90 M.— — Die Abendausstellung im L i ck t h o f de S K u n st- ge werbe- Musen ms ist vor einigen Tagen geschlossen worden. Der Versuch war ein Mißerfolg. Die Ausstellung brachte es in den letzten Wochen selten auf ein Dutzend Besucher.— —„Fälschungen B ö ck l i n s ch e r Bilder". Die Redaktion der„Kunst für Alle"(München) erläßt folgende Erklärung: „Durch die Zeitungen sind in letzter Zeit Nachrichten gegangen, das: mit Fälschungen Böcklinscher Bilder ein großer Handel getrieben werde. Es hat das aus unsrem Leserkreise Anfragen zur Folge gehabt, wie es sich mit dieser Behauptung verhalte. Wir stellen deshalb auf Grund eingehender Sachkenntnis folgendes fest: Von einem Handel mit Fälschungen Böcklins ist uns nichts bekannt. Richtig ist nur, daß im letzten Lebensjahre Arnold Böcklins der Sohn Carlo auf seinen Wunsch bei einigen Wiederholungen berühmter Sujets mitgearbeitet hat. ES handelte sich dabei nur um folgende Bilder:„Schweigen im Walde",„Toteninsel", „Spiel der Wellen",„Heiliger Hain". Die Wiederholungen hat Arnold Böcklin als die seinigen anerkannt dadurch. das; er sie. bis auf das„Spiel der Wellen", welches er in unfertigem Zustande hinterließ, eigenhändig signierte. Nie sind neue Motive unter Zuhilfenahme fremder Mitarbeit entstanden und unter Arnold Böcklins Namen hinausgegeben. Die Gewissenhaftigkeit der Familie Böcklin ist in diesem Falle selbst so weit gegangen, daß Earlo Böcklin nach dem Tode des Meisters überhaupt keinen Pinsel- strich mehr an den Wiederholungen gethan hat. Beweis dafür ist die Thatsache, das; die Kopie vom„Spiel der Wellen", an der nur tvenig fehlte, unfertig an den Besteller abgeliefert tvurde."— t. Neue Kohlenlager sind vor kurzem in Nk e x i k o ent« deckt worden. Bohrungen ini Bezirk von Mazas haben das Vor- handensein von Kohle bei El Gallo erwiesen, deren Qualität aus» gezeichnet sein soll.—____ vorwärts Buchdruck erei und VerlagSaiistalt Paul Singer& Co., Berlin SW.