Wnterhaltungsvlatt des Vorwärts Nr. 36. Freitag, den 20. Februar. 1903 (Nttchdiiirl onüotcn.) 30] Der JVIüUerhanneö, Nomon ouv dcr Eifel von Clara Viebig. Hannes lauschte auch. Wenn ein Bicnchen surrte, da-? hörte er; wenn sich ein Blatt regte, das hörte er auch. Immer waren da neue Stimmen. Am Abend kannte er sie noch nicht, den nächsten Morgen waren sie ihm schon vertraut. Neues kam ihm über Nacht. .. trr hatte gestern, al? er seine Bank gesucht, noch in die Nesseln gefaßt, und ak> er heut vorsichtig nach dem Sit; ge- tastet, um sich n.icht wieder zy brennen, hatte er eine Blume zwischen den Fingern gefühlt, die schlank, mit vielen Stengeln, an der Hauswand emporgeschossen. Was war das für eine Blume, wie hieß sie? Das wußte er nicht, aber daß sie weiß war, das wußte er. Nur eine weiße Blume hat so feine Blütenblättchen, nur eine weiße kann so lind duften, und reibt man sie, so wie zarter Seifenschaum zwischen den Fingern zergehen. Und griine, schmale Blättchen hatte sie ani Stengel. eins rechts, eins links, immer so weiter hinauf, von der Wurzel bis zur Blütendolde. Wo war sie hergekommen in aller Schnelle zwischen Abend und Morgenröte?! Hatte die Fränz sie hingepflanzt?! O nein, sie war geboren worden aus im- merklichen Knospe»— ja, der Herr Noldes hatte schon recht: Es geschehen noch Wunder heutzutag,— man muß sie nur sehen! Und der Blinde sah sie. � In heißen Sommernächten war's in der Hütte, in der einzigen Stube, wo dicht dabei die Ziege sich unablässig an der Stallwand schabte und die Hühner im Traum gackerten? unerträglich schwül. Dann saß die Fränz bei ihm draußen. „Ha, en Stärnschnauz,"') schrie sie dann wohl Plötzlich auf und wünschte sich rasch was. Und: Ha, en Stärnschnauz!" schrie der Blinde ihr nach. Er sah den funkelnden Flimmer oben am Himmel— hatte er den denn nicht tausendmal gc- sehen, wenn er mit seinem Ehaischen fröhlich heimfuhr durch die heimatliche Bcrgslur? Aber so leuchtend war nie ein Stern niedergeschossen, wie jetzt dieser durch seine nächtliche Dunkel- heit— einen langen Schweif zog der hinter sich her von lauter Erinnerungen und blieb dann liegen hinterm vertrauten Mühlendach. Ja, die Mühle, die Mühle! Wie sie dastand im grünen Wiesenthal am Maarbach, ganz ohnegleichen! Ach. die Mühle, die Mühle! Und während die Fränz, von der harten Arbeit des Tages ermüdet, den 5topf gegen die Schulter des Vaters fallen ließ und fest schlief, bekam Müllerhannes sehnsüchtige Gedanken. Aber auch wenn die Fränz wach gewesen, hätte er sie der nicht verraten. Tie würde ihn ja nie und nimmer so weit allein gehen lassen— und er mußte hin, ja, er mußte! Ganz heimlich mußte er hin, wie ein Bursch' zu seiner Liebsten— wie die jetzt wohl aussah, nun sie so gar allein war? WaS würde sie sagen zu ihm, was würde er sprechen zu ihr? Mühle, Mühle, seh' ich dich wieder, o du Mühle, du Mühle! In dieser Nacht schlief Hannes nicht, aber er warf sich nicht, ruhig lag er— Pst, Pst, daß die Fränz nur seine Heimlichkeiten nicht merkte! Voller Ungeduld lauerte er darauf, bis sich die Tochter den nächsten Morgen anschickte, mit Spaten und Hacke auf den Acker zu gehen. Da arbeitete sie hangabwärts hinter dem Hause, vor dem Hause saß der Blinde. Aber kaum hatte er ihre Schritte verhallen gehört, stand er niir schlauem Lächeln ans. O, keine Sorg', den Weg würde er schon finden? Erst hügclab auf glitschigem, kurzem Moosrasen, dann ans drei großen Steinen über den Vach— hei, das war wohl geglückt! Waren die Füße auch naß— er stand doch drüben. Aengstlich stand er und lauschte— kam die Fränz ihm auch nicht nach? Horch— rief sie da nicht?! Nein, es war nur der Wind— Westwind— weich fühlte er ihn auf der linken Wange. •), Sternschnuppe, Nun durch den Busch hinaus, hier sich an der jungen Buche gehalten— ei wie biegsam war die noch, und das Stämmchen so glatt, noch kein Riß in der Rinde— jetzt hier an der Eiche— aber die war schon älter, mau fühlte es gleich an der genarbten Borke. Hopla— jetzt über die Kiefer gestolpert, warum streckte die denn auch die knorrigen Wurzeln in die Luft? Ei ja, das arme Ding— der Blinde bückte sich und fühlte nach— es hatte einen schlechten Stand, nicht spatentief Erde, um die Wurzeln drein zu versenken, nur klippiges Schiefergeröll— man kann's nicht begreifen, wie die so arm leben kann! Horch, da ist der Baunipicker, der Specht— der Kerl hat Hunger— wie emsig er klopft— alle müssen sie heraus, die Larven und Maden aus der Baumrinde— jetzt klopft er hier, jetzt klopft er da. Und nun fangen zwei Häher an zu zanken, sie flattern, daß man die schönen, himmelblauen Flügel- binden sieht, sträuben die hellbraunen Schöpfe— gleich werden sie sich hacken, daß die Federn fliegen. Aber weiter, weiter, nur nicht so lang zugeguckt. Brombeeren hielten den Blinden fest und zerstachen ihm Hände und Gesicht. „Bramel», verflirte, halt' mich net auf!" Immer rechts mußte man sich halten— immer rechts— daß der Felshang rechts bleibt und links unten im Grund die kleine.Kyll. So— nun ist der Weg glücklich erreicht. der tiefspurige Holzweg, auf dem die Ochsen in den Wald fahren, die gefällten Stämme heimzuschleifen.„Hallo!"-— Still! Der Blinde schlug sich erschrocken auf den Mund— Pst, nicht so laut! Wie ein Dieb schlich er weiter. Jetzt ging's viel rascher — ei, nun hatte er ja schönen ebenen Weg unter den Füßen. Er gewahrte gar nicht all das Geröll, das unter seinen Schuhen knirschte, die Schiefcrslückchcn, die abgrundtief hinunter- prasselten. Mit der Rechten konnte er sich den Gang entlang tasten, und abwärts ging's jetzt geschwind. Jetzt eine Ecke— holla— rief da nicht eine Stimme?! «Müllerhannes!—■—" „Ich kommen ja schon!" Mit mächtigen Sätzen stürmte der dahin, er strauchelte, er fiel, er raffte sich auf— wo war der Weg? da, da! Wiesen— Hecken— einsame Ackerflur. Nun konnte er nicht mehr irren— die Stimme, die Stimme, sie lockte und murmelte, sie führte ihn. Am Maarbach entlang kani der Müllerhannes zur Mühle.--- Was half es der Fränz, daß sie, die in tausend Aengsten den Vater gesucht, ihm, als er endlich heimkehrte, berechtigte Vorwürfe machte? Kaum war sie andren Tages zu ihrer Arbeit gegangen, stahl auch er sich wieder von dannen. So ließ sie ihn denn gewähren. Und er ging immer sicherer und sicherer seinen einsamen Weg.-- Das Wasser im Maarbach rann, Welle um Welle, Tropfen um Tropfen, wie es immer geronnen. Ter Müllerhannes hörte es rauschen. ,, c. Er hatte sich ein Plätzchen erkoren, so versteckt, daß nur er e? finden konnte. Erst mußte man von der Straße, die gen Maarfelden führt, links heruntertappen— noch war der Mühlenweg da, aber er war verrast, und die weißen Steine, die ihn eingefaßt und den mutigen Pferdchen vorm Chaischen den Schritt vorgezeichnet, lagen halb iinsichtbar unter der wilden Knschelnr)-Hecke— dann hinein in die Hausthur, deren verrostete Klinke schwer dem Druck nachgab, aber ver- schlössen war sie nicht, der Schlüssel fehlte— wer sollte denn auch hier etwas stehlen? Alles, was im Haus nicht met- und nageltest, war za fortgetragen, verstreut in die Welt; der eine zu Manderscheid hatte dies auf der Auktion erstanden, der andre zu Bettenfeld das, der dritte vielleicht zu Bleckhausen jenes. Am schwersten war das Klavierchcn abgegangen. Die Müller an der Kyll. die gleich die Hand auf das wertvollste, die gesamte Mühlen- einrichtung, gelegt, wollten vom Klavierchen nichts wissen. Sie waren doch keine Tagediebe, die Zeit hatten, auf emer Draht- kommod' Tideldum zu machen! Wer wohl das Klavierchen gekauft?. Das hatte Hanne» ') Stachelbeeren. gern gewußt. Hier— hier hatte es gestanden, als es neu in die Mühle gekommen, hier in der guten Stub'! Und wo war das Gewehr am grünen Gurt geblieben? Und wo der junge Hannes aus dem Schecken, der überm Kanapee hing?! Der Blinde, der die Ecken durchsuchte und au den Wänden hinauftastete, so hoch er reichen konnte, fand sein Jugend- bildnis nicht mehr— das hätte die Fränz doch mitnehmen müssen,'s war unrecht von ihr, daß sie das so wenig geachtet; nun lag's irgendwo im Gerllmpel! Er wollte zornig werden, aber er besann sich: die hatte es ja nur vergessen dazumal in all der Not der Zeit— nein, kein Wort auf die Fränz, die war brav! Da hat gar mancher einen Sohn, auf den er schon stolz ist— n was, Sohn!— Ter alte Mann schüttelte den Kopf und seufzte tief: war er nicht auch ein söhn gewesen, aus den der Vater stolz war?— und der rackert sich noch nicht halb so ab, ist nicht immer stets bei der Arbeit, wie alleweil jetzt die Fränz! Und es war der doch auch nicht an der Wiege gesungen. Ihre Wieg'— ja, ja, hier hatte sie gestanden, hier in der Eck—'s war doch schon immer ein staatsches Mädel ge- wesen, die Fränz, schon als sie noch im Stecht'issen lag— da könnt' mau lange suchen, eh' man eine fand, die ihr glich. Von der Mutter hatte sie's nicht— ach die Tina, ein kreuz- braves Weib war sie— aber nein, für ihn war sie nicht ge- wesen, eine zarte Blume schickt sich für den Garten, auf einen Äcrg aber schickt sie sich nicht. Die war ihm an der Brust ver- gangen, zerdrückt. Die Fränz war andrer Art, mehr von der seinen, so wie— so wie— ei, weshalb fiel ihm nur jetzt manches Mal sein Schatz ein, den er vor laugen, langen Jahren gehabt? Schwarze Haare, schwarze Augen und das Feuer im Blut und die Kraft in den Knochen und der starke Sinn,— die ähnelten sich, aber die Fränz, die hielt mehr an sich, der würde das heiße Blut so leicht keinen Possen spielen, das machte, sie hatte eine gar keusche Mutter gehabt. „Verzeih' mer, Tina," sagte der Einsame plötzlich laut und faltete die Hände, wie man thut, wenn mau bei einem Grabe steht,—„e so war' dat Fränz doch net geworden, wann dat schwarze Seph' sein' Mutter gewesen wär'— sei bedankt, Tina!" Da rührte es sich seltsam im leeren Haus— horch!— Der blinde Mann lauschte— nur ein Hauch! Aber er spürte ihn. In Gedanken verloren kauerte er sich nieder. Ein Feld- stein, roh behauen, hatte sich gelöst aus dem Mauergefuge, nach innenwärts war er niedergestürzt mit Lehm und Verputz; auf ihm nahm Hannes jetzt seinen Sitz, ließ den Stecken fallen und stützte das Hairpt in beide Hände. Er sann und sann. rings um sich die Leere, er allein übrig geblieben vom Leben der vollen, der reichen, den fürnehmen Mühlen— jetzt ein Bettler auf einem Stein! Ter Schmerz überkam ihn. Ausheulen hätte er mögen wie ein Hlind sich das Haar zerraufen, gegen die Wände mit Fäusten schlagen. Meine Mühl', meine Mühl'! Wer hatte sie ihm genommen? Der Laufeld, die Müller, die Gläubiger, die er nicht zahlen gekonnt? Och, die! Ein geringschätzendes Lächeln zog für einen Augenblick seine Mundwinkel herunter. Die wären dazu alle nicht stark genug gewesen— und der Mühlstein hatte es auch nicht gemacht, von dem die Frau alleweil sprach, daß der ihr drohend über dem Kopse hing— nein, nein, er, der Kerl hier mit den starken Fäusten, er; er— hatte er sie nicht selber von sich geschmissen?! Das traf ihn wie ein Blitz— den hatte er jetzt grell den Horizont erleuchten sehen, trotz all der Dunkelheit seines Blicks. Tief, tief duckte sich der Blinde und bückte den Rücken, wie einer, der bereit ist. eine Last zu tragen. Draußen murmelte der Bach, und im vertrockneten Graben unterm toten Mühlrad sang eine Unke. Die hütete dort wohl einen Schatz unter ihrem großen Stein:„Unk— unk— wer den Schatz hebt, wird reicher wie ein König,— unk, unk— aber der Stein will erst gesucht sein, erst gesucht mit Geduld, und wenn gefunden, dann abgewälzt mit Geduld — immer mit Geduld— unk— unk!" Der eintönige Unkenruf schläfert ein. Der Bach singt ein Wiegenlied. Kein Wind regt sich, auch die Grillen im ver- lassenen Gemäuer halten Ruh'. Wie verzaubert liegt der versunkene Garten, die verlassene Mühle im Sonnen- schein.--- Da hörte der Müllerhannes wieder sein Mühlrad gehen, rauschend, geschwind, und sah das Wasser perlend von den Radschaufeln fließen. Aus seiner Uhr schrie's lustig„Kuckuck!" In seiner Mahlstube klapperten die Gänge, das Läutewerk läutete, und seine Knechte sangen dazu; sie sangen das Lied, das der Noldes das letzte Mal auf dem Klavierchen gespielt. Ha, war das schön!--- Müllerhannes sah und hörte viel. Tie Vögel sprachen und alle Wellen im Bach. Bald hingen am Himmel die Wolken schwer, bald segelten sie leicht durch lichtes Blau. War der Himmel dick, dann hingen die Blätter der Bäume schlaff, welk glitten sie durch seine Hand, kein Windhauch half sie aufrichten; die Vögel piepten ängstlich, die Blumen im Gras neigten die Köpfe. Aber wehte der Eifelwind frisch über die Berge, alles Grau am Himmel verjagend, dann schwangeil sich Lerchen trillernd über den Rain, Baum und Kraut strömten eine herbe Würze aus, dann rann auch durch des Blinden Glieder ein neues Leben. Mit dem Sommer schritt er durch die Felder, seine Hand streifte die reifenden Nehren— den Herbst sah er kommen, seine Hand fühlte es den Blättern au, daß sie sich braun färbten. Die Schwalben, die sich auf dem Telegraphendraht der Chaussee sammelten, sagten ihm Lebewohl, die Brombeeren strichen ihm mit ihren bereiften Ranken über Hände und Ge- ficht; bald würde er den ersten Schnee sehen. Der Blinde hatte keine Zeit, nach dem zu fragen, was die Well des Dorfes bewegte. Was ging's ihn an, daß die sleißigeil Müller noch anbauten, daß ail den dunklen Abendeil das neue elektrische Licht wie ein Stern über ihren Mühlen strahlte? Was kümmerte es ihn, daß der Laufeld mager ge- worden, trotz all feines Reichtums, und die Leute davon zu erzählen wußten, wie garstig der Joseph gegen seinen Vater sei; nicht rasch genug konnte der ans Geld kommen, der Alte saß ihm viel zu lang und viel zu fest darauf. Böse Wort- Wechsel sollte es geben in dem stattlicheil Haus dicht bei der Kirch'. Ter Junge war frech— der Alte eigensinnig; und die Schwiegertochter, die der Joseph ins Haus zu bringen ge- dachte, aus einer Familie, die den lieben Gott einen guten Mann sein ließ, sich aber kein Gewisseil draus machte, Freitags mit vollen Backen Fleisch zll kauen, stand dem frommen Lau- seid noch lange nicht an. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck iierdoten.) Die poftkutfche. Skizze von Emil Rosenow. Ter Zug hatte bereits den Bahnhof verlassen, aber die Post- kutsche stand noch immer vor dem Stationsgebäude. An der nächsten Haltestelle kreuzten die Züge; da wartete die Post noch auf die Fahr- gäste des andren. Ter Postkutscher stand mit den Bahnleutcn zu- sammen und stritt heftig, daß die Zweig-Bahn, die man zu bauen beabsichtige, sich niemals rentieren werde. Er verdiene oft nicht den Hafer für die Pferde, weil die Bauern und kleinen Leute höchstens 'mal Sonntags die Törfer verließen, Wochentags aber nicht aus den Häusern hinauskämen. Das werde die Eisenbahn auch nicht ändern. Derweilen platschte der Regen hernieder. Die Gäule standen, die Köpfe gesenkt, den Schwanz eingezogen, knicknickig und schläfrig da, während die dreckbespritzte Kutsche förmlich zusehends mit ihren hohen Rädern in den aufweichenden Lehmboden sank. Die Fahr- gäste, ein paar Frauen, ein Bauer, der Kantor, die bereits im Innern der Kutsche saßen, schimpften, daß man so lange warten müsse. Konnten denn nicht zwei Kutschen gehen? Zu jedem Zuge eine? He? Mußte man denn auf diesen versoffenen Dingcrich von Kutscher warten, bis es ihm patzt, abzufahren? Endlich fuhr der zweite Zug ein. Die Weiber reckte» die Hälse. Zwei Personen stiegen aus. Also doch. Da konnte man sich ja heute wieder'mal schön drängeln, denn gerade zwei Plätze waren noch unbesetzt. Und zum Unglück war der eine der Ankömmlinge der dicke Viehhändler Lauteuschlager. Der brauchte Platz für Dreie. Der andre, der Strumpfwirker Thiele, brauchte um so weniger Raum; aber schließlich wollte jeder doch seinen Platz haben. Der dicke Lautenschlager schien übrigens denselben Gedanken zu haben. Als er aus dem 3. Klasse-Abtcil herausklettertc, warf er einen Blick auf die Postkutsche, hatte auch sofort die Personenzahl erfaßt und brummclte etwas vor sich hin. Tann blickte er die Wagenreihe hinauf; als er aus der 4. Klasse den Strumpfwirker aussteigen sah, ging er mit ein paar langen Schritten zu der Kutsche hinüber. Der Thiele hatte es nicht eilig und so kam der Viehhändler zuerst an und kletterte keuchend in das Innere. „Ta— a— gl" sagte er. „Tag, Herr Lautenschlager." Er setzte sich breit hin, daß er die beiden leeren Plätze einnahm. mit der festen Absicht, auch nicht ein Haar breit wegzurücken. Mochten die andren rücken oder mochte der Hungerleider zusehen, wo er bliebe. Die andren reckten die Hälse, zu sehen, was nun werden würde. Der Thiele aber nahm sich Zeit. Er kam langsam heran, lüftete bescheiden den Hut, blickte in den Wagen und trat dann, die Hände in den Hosentaschen, wieder in den Regen zurück. Na, wird er denn nicht mitfahren? Aha, am Ende wird er zun, Autscher auf den Bock steigen? Der Kutscher kam und kassierte umständlich das Fahrgeld ein. Tann schwang er sich auf den Kutschersitz, der von einem mächtigen Lcderdach beschirmt wurde. Die Fahrgäste hörten, wie der Thiele mit ihm unterhandelte. „Was? Umsonst? Tu hast woll'neu Affen! Wenn De keen Geld hast, denn muhte ä'm loofen. Da könnt''ch fcheene mit'm Posthalt'r ze thun kriege», wenn ich jeden Lump mitnchm'n wollte, der de noch nich' cmol die paar Groschen Postgcld hat... Huoppl" Die in der Kutsche hattcn's gehört. Wie aus einem Munde kam's:„Er hat kee' Geld." „Hml" machte der dicke Lautenschlagcr,„das wär' noch schenner. Mir müffen's bezahlen un' der will umsonst fahren. Wie ich noch kee' Geld hatte, mußt'ch ooch loofen." Tie Kutsche fuhr schwerfällig durch den Lehm und den Berg hinan. Wohl eine Stunde lang hatte sie so im langsamsten Schritt zu fahren, bis sie die Höhe des Berges erreicht hatte. Dann ging's Trab ins Thal hinunter. Ter Strumpfwirker ging dicht hinter der Postkutsche. Sic schützte ihn wenigstens etwas gegen den Regen, den der Wind den Berg hinuntertrieb. Aber er war dennoch bald bis auf die Haut durchnäht. Mit seinem schmalen, verhungerten Gesicht, seinem dürftigen Rock, seiner hilflosen Armut war er für die in der Kutsche ein dankbarer Gesprächsstoff. Zuerst die Frauen. „'s is' doch schlimm für den armen Menschen, in dem Regen- lvcddcr zu loofen.'s Wasser is' schon durch." „Er kann seinen Rock glei' nehm'n nn' ausringcn." „Er hat's so schonn uff d'r Brust. Er kann sich leichte'n Tod holen." Ter Bauer sagte zu allem nur:„Jo so. Jo jo." Ter Kantor aber hängte den Gebildeten heraus. „Bei den schlechten Zeiten sollte von Staatswcgen ganz anders vorgesorgt werden. Der Staat mühte Karten ausgeben, dah jeder, wo'S nich' bezahlen kann, monatlich einmal hin und zurück mit der Post fahren kann. Oder mit d'r Eisenbahn, oder mit dem Schiff... daß's egal. Jawohl, lind die Unzufriedenheit, wo unter der ärmeren Bevölkerungsklaffe is', würde dann auch uffhören. Denn alle Unzufriedenheit kommt daher, dah die einen fahren und die andren loofen müssen... also." Ter dicke Viehhändler Lautenschlager rückte seine Geldkatze zurecht, warf dem Kantor einen schiefen Blick zu und knurrte: „Nu," krähte der Kantor,„was die Reichen sind, die, wo crschtc Klasse fahren, die mühten ä'm'neu Zuschlag bezahlen und für den Zuschlag würden die Karten für die bedürftige Klasse gekooft." Der Lautenschlager hätte dem Kantor am liebsten eine herunter- gehauen. Aber er bezwang sich und schwieg mit verdrießlicher Miene, während der Kantor seine Verkehrsrcformprojckte weitschweifig aus- einandersetzte. „Hm," meinte plötzlich eine der Frauen,„dadr'bci wird d'r Thicle-Strumpswirker inimer nässer." Sie sahen hinaus. In der That, an dem Manne, der da hinter der Postkutsche her im Strahenkoth trottete, war jeder Faden nah. Vom Hut troff ihm das Wasser auf die Nase und lief unaufhörlich auf den Bode» hinab. Mitleidige Bemerkungen. Der arme Mensch. Er hatte sicher noch eine Stunde zu laufen. Er werde krank nach Hause kommen. Endlich that der Bauer das, was er vernünftigerweise bereits drunten an der Bahn hätte thun sollen. Er kramte aus der Westen- tasche einen Groschen hervor und kalkulierte: „M'r sein ihrer Sechst. Wenn mir e' jed's cenen Groschen ga'm, so ha'ni m'r sür denn Thiele's Fahrgeld zesammcn un''r kann 'nein in de Postkutsche." Da änderten sich mit einem Male die Mienen. Die Frauen wollten zwar zusammenlegen, wenn's sein mühte; der Verkehrs- Politiker aber, der Kantor, rückte sich steif zurccht und meinte:„Der Thiele sei doch eigentlich ein ihm wildfremder Mensch und wie er dazu komme... er könne schon des Princips wegen nicht mitthun." Der Viehhändler aber knurrte den Bauer an:„Wann De cso vccl Gald Host, dah De für annere's Fahrgeld zahlst, nach'r lamen- tier' doch nich' egal, dah meine Ferkeln ze dheier Ivär'n... Soll'n m'r uns quetschen lassen, hä? Ich rick' nich' zu. Wo'ch sitz', sitz''ch. Loof Du doch durch den Re'n un' last denn Lump uff Deinen Platz hocken." Mit einem Male gaben sie ihm alle recht. Dann entstand Schweigen. Rur ab und zu schielte'mal jemand hinaus, ob der Thiele noch da sei. Die Post hatte das erste Dorf erreicht und hielt an. Der Kantor, die Frauen, der Bauer stiegen aus. Der dicke Lautenschlagcr blieb allein sitzen. Der Thiele trottete noch immer hinterher. Ab und zu warf er dem Viehhändler einen wütenden Blick zu, so dah dieser furchtsam in das Innere des Wagens rückte. Dort hörte er, wie der Thiele vor sich hin schimpfte: „Lump. Dingcrich. Des kann'n überhaupt dheier ze steh'n kommen. Wann'ch ooch loofen mutz, bin'ch doch kei Lump. Der soll sich fierseh'n mit seine Worte." Verdammt. Der Thiele hatte also sein Schimpfen gehört. Zum Glück hatte der kein Geld zum Klagen und muhte sich schimpfen lassen. Aber den reichen Lautcnschlager ärgerte es doch, dah der Strumpfwirker auftrumpfte. Als jetzt die Postkutsche die Höhe erreicht hatte und die Gäule in schnellerem Schritt gingen, bekam er Kurage. Jetzt würde gleich die Strohe fallen und dann war man dem Thiele aus dein Gesichtskreis. Er rückte lvieder zum Schlag. guckte hinaus und frug höhnisch: „Nu, Thiele, gift'st Dich wohl, dah De loofen muht, hä?" „Nee, Herr Lautenschlager." sagte der Thiele blitzig.'„aber e' Lump bin'ch nich', des könn'n Se sich cmal merken." „Host rächt, host rächt," höhnte der Viehhändler,„aber nu past' uff. Jtze wer''ch d'r emol eeneii gutten Spruch mit uff den Wagk ga'm: Des menschliche Leben is' eene Postkutsche. Die, wo's Gald ha'm, sitzen drinne, un' die, wo keen's ha'm, müssen durch den Dreck loofen. Da nitzt D'r all' Deine Wut nischt. Sorg', des; De Gald kriegst, dann kannste ooch in d'r Kutsche sitzen. Un' sorg', deh De vecl kriegst, dann beste wing'r ha'm die annern. deste ncehre müssen durch den Dreck loofen un' deste kommoder sitzte in d'r Kutsche... Tag ooch." Die Kutsche kam ins Rollen und lief flink den Berg hinunter. Aus dem Innern scholl das höhnische Gelächter des Viehhändlers. Der Arbeiter aber trottete über die aufgeweichte Straße, ballte die frostigen Hände in den Taschen und biß die Lippen aufeinander.— Kleines feullleton» ee. Streckenarbeiter. Grau und trübe lag der Februarmorgen über der Heide. Es war häßliches Wetter, naßkalt und neblich. Aus den Waldwicsen stieg der graue Dunst in dichten Schwaden. Er zog durch das Kiefernholz und über die Bahnschienen; in seinen dicken Schleiern verlor sich auch das Nächstliegende und verschwamm in zcr- risscncn, unbestimmten Formen. Lautlose Stille über der Heide, ab und zu ein Knarren im Holz. ein leiser knisternder Laut, wenn von den Eichen die dürren Blätter fielen. An der Walbecke, da Ivo die Schienen von mehreren Bahngclcisen beinahe uncnttvirrbar durcheinander laufen, arbeitete eine Kolonne von sechs Männern: junge und ältere, und auch ein ganz alter. Die Schienen waren eine Strecke Weges aufgerissen. Große Holzschwcllen lagen in dem steinigen Sand. Die Männer nahmen ganze Schippen voll Sand und warfen ihn auf die Holzschwellen. Knirschend fuhr der Stahl in den Kies, mit dumpfem Poltern rollten die Schollen herab. Es geschah wie im Takt: Eins: das Knirschen; zwei: das Poltern... Knirschen, Poltern... eins, zwei, eins, zwei... Die Männer hatten die Röcke ausgezogen. Sie arbeiteten in losen Strickjacke» und Wollhcmden. Sie keuchten trotz der rauhen Luft. Nur in den Pausen, wenn sie aussetzten, schauderten sie fröstelnd zusammen; auf ihre von der Anstrengung erhitzten Körper siel der Nebel wie Eis. Sie arbeiteten schweigend. Hin und wieder nur hob einer den Kopf und lauschte i» den Nebel, dann wurden auch die andern auf- merksam. Der kleine Schmächtige fragte beinahe angstvoll: „Kommt er?" „Nee, noch nich... is ja noch jarnich soweit. Is ja man knapp über dreiviertel neune." Der Graubart zog eine alte verbeulte Uhr: „Der Posensche, wat der erste is, kommt Punkt voll." „Aber manchmal auch'n paar Minuten früher, bei dem per- dämmten Nebel sieht man ja nichts." Der kleine Schmächtige warf einen scheuen Blick in den grauen Dunst. „Hörst'n Zug aber reichlich vorher und kannst beiseite loofen. Hast wohl Angst? Julius hat Angst." Sie lachten alle miteinander und sahen den kleinen Schmächtigen spottend an. Der schrie aber ans:„Da kommt er..." und sprang entsetzt auf die Böschung. Die klebrigen lachten noch lauter:„Menschens- kind, dett is doch keen Zug nich." „Dctt war ja bloh'n Hase." „'N Hase über'n Weg gcloofcn, na den» man Prosit" Der Rothaarige nahm einen Schluck ans seiner Flasche. „Ter Tag fängt ja jut an." TaS sollte wie Scherz klingen. ES antwortete aber keiner darauf, nur der gleichmäßige Takt der Schippen klang wieder: Eins, zwei... eins. zwei... Julius, der kleine Schmächtige, sagte endlich:„Nein, weih Jott, ick habe keene Angst nich. aber mit de Züge so um neune rum. dett iL doch'ne volle Sache. Links der Posensche und rechts der BreS- lauer, und denn noch der Vorortszug von Berlin... Und dctt so alle drei Minuten vor oder nach volll Man wcctz kaum, wohin man loofen soll." �,. „Ach jewih weeh man's. beim Posenschcn nach links und beim Breslaucr an de jrohe Fichte. Und wenn der Borortszug kommt. an de Böschung." Der Rothaarige erörterte die Frage so genau, als könnte überhaupt keiner dabei fehlen. Die andern antworteten:„Ja, gewiß" und„na. natürlich. DaS klang aber einsilbig. Der Graubart meinte finster:„Dctt ,s überhaupt schon'nc Arbeit zwischen de Schienen. Wenn man ooch aufpaßt, een Fehltritt, imd aus is et. Man steht immer w,c mit ecncn Fuß ins Irak." „Ja. dctt steht man wahrhastigl" „Man kann sich so leicht irren." „Und noch dazu in den ollen Nebel.".....< Ihre Stimmen klangen fast im Chor mit dem Aufklatschen der Sandschollen � Der eine meinte:„Und dett allcnZ für so'n Hunger- geld, kaum dett lnan mit de Frau's Leben hat/' „So schlecht wird überhaupt kcener bezahlt, tvie wir bei de Nahne>" „'S einzige is noch, dett man de Arbeit rcgelmähig hat." „Ja, dett is's einzige. Und de Knochen verfriert mau sich dabei und holt sich's Reißen auf seine ollen Tage." „Wenn man»ich schon vorher unter'n Zug kommt!" „Jawoll, wenn man nich schon vorher unter'n Zug kommt." Sic horchten gespannt in den Nebel. Der Rothaarige hob die Schippc wieder:„Aber Menschenskinder, red't doch keen Stuß;'s ivar ja jar keen Hase,'s war ja bloß'n wildes Karnickel." „Als ob man daran noch jedacht hätte." Die andern lachten durcheinander. „'s war doch'n Hase," sagte Julius,„aber ivenn es auch drei Hasen waren, laßt sie laufen". Er lachte mit den andern. Da rief plötzlich einer:„Tie Züge. die Züge..." „Der Poscusche... der Breslauer... Se kommen ja heute zusammen! Rennt! Rennt!" In rasenden Sätzen stürzten sie über die Schienen, rechts hin, links hin— die Böschung hinab. Ein Donnern, ein Poltern, ein Fauchen und Stöhnen... Daun wieder alles still... An der Walbecke vcrflatterten die letzten Dampfwolken der hastenden Züge. Die Männer standen wieder an der Arbeit. Der Graubart sah den Zügen nach, er nickte vor sich hin:„Kinder, um de Wahrheit zu sagen, ick Hab' ooch immer Bange vor de neunte Stunde. Na, heut' is se überstanden!"... „Ja, heut' is se überstände» 1" Sie sagten es alle wie von »wem Alp befreit und schippten weiter...— Geographisches. sc. Eine Forschungsreise ist durch eine größere Zahl von Geologen und Geographen auf der teilweise noch immer wenig bekannten Halbinsel Labrador ausgeführt worden. Die Expedition war ini Sommer ISOO auf einem kleinen Schiff aufgebrochen, um die Nordostküstc der Halbinsel von dem Nordeingang der Belle Jslc- Straße bis zur Nachvak-Bai zu erkunden Air der Spitze des Unter uehmens stand Professor Delabarrc von der Brown-Univcrsität. Die Reisenden hatten mit schweren Hindernissen zu kämpfen. Schon am Ausgang der Belle JSle-Straße trafen sie auf dichtes Treibeis, das in einem Band von 40 Kilometer Breite die Küste belagerte und daL Schiff eine rolle Woche zurückhielt. Erst dann konnten sie die eigentliche Küste von Labrador erreichen. Wegen der fortgesetzten Nordwinde ging ancki Ivcitcrhin die Fahrt sehr langsam von statten. Im übrigen erwies sich aber die Annahme, daß die Küste von starken und häufigen Stürmen heimgesucht lmirde, als unzutreffend, da uamcntlich auch oft völlige Windstille herrschte.. Jtvei Teilnehmer der Expedition dnrckscknitten dann das Küstengebiet vom Hebron- Hafen bis zur Nachvak-Bai zu Fuß. Da? Gelände mar sehr hügelig, von tiefen Küstcnthälern durchschnitten. Die kleine Karawane konnte tn einer vollen Woche kaum SV- Kilometer zurücklegen, obgleich der höchste Punkt des Gebiets nicht über 043 Meter gemessen wurde, während sich in der Umgebung der Nachbak-Bncht Höhen von 1300 bis 1500 Meter finden. Interessant ist die Mitteilung, daß erst die Bucht von Hebron unter 58 Grad die Grenze immergrüner Bäume bildet. Nach der letzten Volkszählung hatte die Küste von Labrador eine Bevölkerung von nur 3100 Seelen, und nördlich von der Hamilton- Einfahrt sollen noch nicht 100 Menschen wohnen. Sie leben ausschließlich von den Ergebnissen der Jagd und des Fisch- fanges. Im Frühjahr und Sommer freilich wird die Küste von Neu- Fundland durch eine sehr zahlreiche Flotte von Scehundjügern und Dorffischern besucht. Zu jenen wenigen Einwohnern kommen dann bielleicht noch 1000 Eskimos, die in kleinen Gemeinden um die Posten der Hndson-Bai-Compauy wohnen.— Wasser widerstandsfähig. Diese letztere Beobachtung ist erst in neuester Zeit durch Dr. Tcutolt gemacht und ist von großer Be- deutung, da hierdurch die Anschauungen über die Verbrcitungswege der Seuche eine wesentliche Umwälzung erfahren haben. Denn nun ist sicher, daß sich in dem vielfach zur Berieselung der Gruben be- nutzten Sumpfwasscr die Wurmlarven befinden können. Nicht die Eier, nicht die ausgewachsenen Würmer, sondern die eingekapselten Larven sind die Seuchcnvcrbrciter. Diese aber befinden sich im Grubenschlamm, im BericfclungSwaffcr, tverdcn entweder durch die beschmutzten Hände dem Munde zugeführt oder direkt mit dem Be- rieselungswasser verschluckt und können anck, was von bcdcutnngs- voller Wichtigkeit ist, in die Waschkaue verschleppt iverdcn. Zu be- denken ist, daß in einem Kotteilchen von etwa Stcckiiadelkopfgröße mehr als 100 Eier gefunden sind, und aus jedem Ei kann sich unter den oben geschilderten günstigen Verhältnissen die gefährliche Larve entlvickeln. Gelangt nun diese Larve in den menschlichen Darm, so entsteht der Wurm, der sich an der Darmwand festbeißt, den Be- fallenen blutarm macht und auch das Blut desselben vergiftet. Ein Wurmkranker kann 1000 und mehr Würmer beherbergen. Die Folgen des Behcrbcrgens dieser Parasiten sind Blutarmut, Wasser- sucht, Siechtum, Kräftevcrfall, unter bestimmten Umständen Erblindung. Tie Krankheit ist also als eine ernste, nicht selten tötlich verlaufende aufzufassen.— Humoristisches. Riede rboarisch! Trent in Wirt sein Lokal Is hemit Maschkera-Ball Und da genga ma hi. Mei Schatzerl und i I Und i tanz' niit mein Schatzcrl— Du, dö hat D'r Pratzcrl! Du, dö hat D'r Wadl!— Du, dös is a Madl! Und so frisch is's und g'sund, Hat an kerschrot'n�Nrmd, Umadum is's schö rund— Und Iviagt zwoahundcrt Pfund I That'S a dreihundert wiag'n— Mir moebat» Bcrgniag'n: Ziag i dö umanand, Hab' i was in da Hand! Duliäh— Dideldum— Und so roas'n ma rum Bein Wirt, heunt auf d'Nacht, Daß da Tanzbod'n kracht! Dideldum Und dös Ander Bal' ua d'Musi pausiert, Na werd glei schnabuliert: So a Schweinerns mit Kraut Und mit Kuödl— dös haut! A dreiviertel Pfund Kas' Is mein Schatzerl a Gschpaß— Und sie schwoabt»a scho nach Mit'» Bier, suust werd's schwach l Nacha geht's Wieda a, Bis ma schier uiinma ka, Weil oan's. Schnaufa bageht— Aber au» lass' ma not! Um a Drei in der Fruah Schberrt da Wirt ebba zua— Aber» Schatzerl und i, Mir zwoa wiss'n, Ivohi I Mir zwoa wiss'n scho, wo! Und schö warm is's im Schtroh Und schö woach is's iin Heu— In der Fruah um a Drei! Duliäh— wißt's eh'! Wem's nöt g'fallt, der soll's sag'n— Nacha werd a daschlag'nl— (Aus der Faschings nummer der Mi'mchener„Jugend".) Medizinisches. — lieber die Wurmkrankheit lesen wir in der „Socialen Praxis"(Herausgeber: Professor E. Franckc. Verlag bmi Duncker it. Humblot, Leipzig): Die Zeitungen bringen t» der letzten Zeit fortwährend beunruhigende Mitteilungen über das ausgedehnte Vorkommen dieser Erkrankung bei den Bergarbeitern. Die Wurmkrankheit wird durch einen Parasiten berursaefit, dessen wissenschaftlicher Namen Anchyloskonuim duodenale ist. Der männliche Wurm erreicht im ausgewachsenen Zustande eine Länge von 0— S, der weibliche eine solche von 10— 18 Millimeter. Er kommt nur beim Menschen vor(Ivcnigstcns ist er bisher noch bei keinem Tiere nachgewiesen worden) und mutz, um zu gedeihen, in »form einer eingekapselten Larve in den Magen, von da in den Darm gelangen. Hier wächst der Wurm sich schnell aus. die Weibchen werden befruchtet und setzen ihre Eier massenhaft ab. Diese Eier gelangen mit dem Kote dcS Erkrankten ins Freie. Wird der Kot an einer trockenen(gleichgültig ob kalten oder warmen) Stelle ab- gesondert, so gehen die Eier ein. Kommen sie aber an einen warmen, schlammigen, dem Lichte möglichst entzogenen Platz, dann entwickeln sich aus den Eiern schon in zwei bis drei Tagen die Larven. Bleiben diese unter günstigen Verhältnissen(25— 28 Grad Eelsius: feuchte Die nächste Nummer des Unterhaltungsblattes erscheint am Warme, dunkle Orte!), so häuten sie sich und sind nun selbst gegen> Sonntag, den 22. Februar._____ Verantwortlicher Redatlcur: Carl Leid in Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Notizen. — SSoit I o h II Henry Mackays Anthologie„Freu Ilde und Gefährten", 1000 Bieisterdichtungcn auf einzelnen Blättern, giebt jetzt der Verlag Schuster u. Löffler(Berlin) das einzelne ' l a t t für einen Pfennig ab.— — Im Theater des Westens geht am 4. März Robert Planquettcs neue Operette„Die Sparmamsell" in Scene.— — Für KlingerS Beet hoben ist, wie die„Kunsthalle" schreibt, die 5t aufs u m m c noch lange nicht gedeckt. Durch ein Eintrittsgeld von 3 M. hofft man die Summe allmählich ailfzubringen.— — Nach neuen französischen Forschungen ist der T s ch a d s e e ein Wasserbecken von 300.Kilometern Länge und 130 Kilometern Breite. Es neigt sich nach Westen, so daß es nach dieser Richtung an Tiefe zunimmt; während im Osten die Wasserfläche meistens nicht über 1,50 Meter tief ist. stößt man im Westen auf Stellen von 7 bis 8 Nietern Tiefe. Auf dem Tschadsee liegen ungefähr 80 Inseln verstreut. Viele find bewohnt. Im ganzen hausen auf ihnen 50000 Eingeborene.— c. Alte Silber in inen in Hinter-Jndie n. Wie aus Kalkutta berichtet wird, untersuchen Lord Herschell, Kincaid und Sterne die alten Silbcrminen in der Wildnis der Schan-Hochländer, 40 Meilen von Lashio entfernt, die früher von Chinesen bearbeitet wurden. Sie haben die Ueberreste von 4000 gemauerten Häusern und O'efen gefunden, außerdem Steinbrücken und Schleusen, was auf eine große Industrie hindeutet, die zerstört wurde, äks die Barbarei der Schans über diese Gegend kann Der Bezirk enthält noch reichlich Silber-, Blei-, Zink- und.Kupferlager. Die Schans oder Laos wohnen an den Grenzen Birmas und SiamS.—