Unterhaltungsvlatt des Jorwürts Nr. 45. Donnerstag, den 5. März. L903 (Nachdruck verboten.) Das Geld Roman von Emile Zola. Nie hatte Saccard die Börse aus der Vogelperspektive in so merkwürdiger Ansicht erblickt, mit den vier schiesen Ebenen ihres mächtigen Zinkdaches, überragt von einem starrenden Wald von Röhren. Die Spitzen der Blitzableiter richteten sich wie riesig lange Spiege drohend himmelwärts. Das Gebäude selbst war nur ein steinerner Würfel mit den regelmäßigen Streifen der Säulen, ein schmutziggrauer, nackter Steinwürfel, über dem eine zerfetzte Fahne flatterte. Einen eigentümlichen, verblüffenden Anblick boten Stufen und Säulengang, welche von schwarzen Ameisen gesprenkelt schienen, als sei der ganze Ameisenhaufen in Aufruhr und von einer hochgradigen Aufregung hin und her bewegt, die von solcher Höhe aus unbegreiflich schien und Mitleid erregen mußte. „Wie winzig klein erscheint dies alles!" begann Saccard wieder.„Man meint, mit einem Griff könnte man sie alle in die Hand schließen." Dan" fügte er mit Rücksicht auf die Anschauungen des andren lächelnd hinzu: „Wann fegen Sie denn alles dieses mit einem Fußtritt zusammen?" Sigismund zuckte mit den Achseln. „Wozu denn? Ihr arbeitet ja selbst an Eurem Zu- sammensturz!" Nach und nach wurde er initteilsamcr, und der Mund ging ihm über von dem Gegenstände, der sein Denken erfüllte. Durch sein Bedürfnis, andre zu bekehren, geriet er beim ge- ringstcu Wort in weitläufige Auseinandersetzungen über sein System. „Ja wohl! Ihr alle arbeitet ahnungslos für uns. Ihr seid da ein paar Usurpatoren, welche die Masse des Volkes deS Eigentums berauben; wenn Ihr vollgesogen seid, dann brauchen wir nur E n ch zu enteignen... Jeder Wucher, jede Centralisierung führt zum Kollektivismus. Ihr gebt uns praktische Belehrungen, gerade so wie die Großgrundbesitzer, welche die Stückchen Feld an sich bringen, wie die großen Kredit- und Warenhäuser, die jegliche Konkurrenz überbieten und vom Untergang der kleinen Banken und der kleineu Läden sich mästen, ein langsames, aber sicheres Vorwärts- schreiten zur neuen Gesellschaftsordnung vorbereiten... Wir warten, bis alles in den Fugen kracht, bis die jetzige Produktionsweise zu den unerträglichsten Mißständen ihrer äußersten Schlußfolgerungen geführt hat.. Dann werden Bürger und Bauern von selbst mit uns zusammenstehen." Saccard hatte aufmerksam gelauscht. „Aber erklären Sie mir doch endlich," versetzte er,„was ist eigentlich Ihr Kollektivismus?" „Kollektivismus ist die Umgestaltung der Privat- kapitalien, die vom Konkurrenzkrieg leben, zu einem einheit- lichcn Gesellschaftskapital� das durch gemeinsame?lrbeit aller in Betrieb gesetzt wird... Denken Sie sich einmal eine Ge- sellschaft, in welcher die Produktionswerkzeugc Eigentum, aller sind, in welcher jeder nach seiner geistigen und körperlichen Kraft arbeitet, und die Erzeugnisse dieser gemeinsamen Arbeit einem jeden je nach seinen Leistungen zugeteilt werden. Nichts ist einfacher, nicht wahr? Gemeinsame Produktion in nationalen Fabriken, Baliplätzen und Werkstätten, Tausch und Zahlung iu natura. Ist ein Ueberfluß an Erzeugnissen vorhanden, so bringt man sie in öffentliche Lagerhäuser, aus denen sie wieder entnommen werden, um etwaigen Not- fällen abzuhelfen. Es ist einfach eine zu ziehende Bilanz. Und so wird mit einem Arthieb der verfaulte Baum gefällt. Keine Konkurrenz, kein Privatkapital mehr, folglich keinerlei Geschäfte mehr, kein Handel, keine Börse. Der Gedanke an Gewinn hat gar keinen Sinn mehr, die Quellen der Spekulation, der ohne Arbeit erworbenen Renten« sind versiegt." „Oho," unterbrach Saccard,„das würde die Gewohn- Helten vieler Leute heidenmäßig verändern! Aber die, welche heute Renten besitzen, was fangen Sie mit denen an? Zum Beispiel mit Gundermann, nehmen Sie ihm seine Milliarde?" „Durchaus nicht, wir sind keine Räuber. Wir würden ihm seine Milliarde, seine gesamten Werte, seine Rententitel nüt Genußscheincil abkaufen, die in einzelne Jahresrenten eingeteilt sind. Und nun denken Sie sich dieses ungeheure Kapital solchermaßen durch einen erssickenden Reichtum an Verbrauchsmitteln ersetzt! In weniger als hundert Jahren wären die Nachkommen Ihres Herrn Gundermann so gut wie die andren Bürger zu eigenhändiger Arbeit gezwungen; weil sich schließlich doch die Jahresrenten erschöpfen und sie ihre notgedrungenen Ersparnisse nicht kapitalisieren könnten, selbst wenn man das Erbschaftsrecht unversehrt beibehält. Ich sage Ihnen, auf diese Weise werden mit einem Schlage nicht bloß die einzelnen Geschäfte, die Aktiengesellschaften, die Vereinigungen von Privatkapitalien hinweggefegt, sondern auch alle mittelbaren Rentcnquellen, alle Kreditsysteme. Wucher, Mict, und Bodenzins... Das einzige Wertmaß ist nur noch die Arbeit. Der Arbeitslohn fällt naturgemäß weg, da er im jetzigen Kapitalistenstaat dem genauen Ertrag der Arbeit nicht entspricht und er niemals darstellt, was eigentlich dem Arbeiter zum täglichen Unterhalt durchaus not- wendig ist. Anzuerkennen ist freilich, daß die jetzige Staats- ordnung allein daran schuld ist, daß auch der ehrlichste Arbeit- geber wohl oder übel dem harten Gebot der Konkurrenz folgen und seine Arbeiter ausbeuten muß, wenn er bestehen will. Unsre gesamte Gesellschaftsordnung ist umzuwerfen... O Gundermann, der unter der Last seiner Genußscheinc er- stickt! O Gundermanns Erben, die nicht alles aufzehren können und an die andren abgeben und dann die Hacke oder das Handwerkszeug in die Hand nehmen müssen!" Hier lachte Sigismund herzlich auf, wie ein spielender Schulknabe. Noch immer stand er am Fenster und blickte auf die Börse, in welcher der schwarze Ameiscnhaufe der Spieler wimmelte. Eine fliegende Röte stieg zu seinen Wangen herauf; seine einzige Unterhaltung war, sich so die spaßhafte Ironie der morgigen Gerechtigkeit auszudenken. Saccards Unbehagen wuchs. Wie, wenn dieser wachende Träumer dennoch wahr sprach, wenn er die Zukunft erriet? Was er auseinandersetzte, schien ganz klar und vernünftig. „Ach was!" murmelte er, um sich zu beruhigen,„alles bies kommt morgen noch nicht!" „Gewiß nicht!" erwiderte der junge Mann, der wieder ernst und müde geworben war.„Wir stehen in der Zeit des Uebergangs und der Agitation. Vielleicht kommt es zn re- volutionären Thätlichkeiten, sie sind ja oft unvermeidlich. Aber die Uebertreibungen und Aufwallungen sind nur vor- übergehend... O, ich verheimliche mir nicht die unmittel- baren großen Schwierigkeiten! Diese große erträumte Zu- kunft sieht unmöglich aus; man bringt es nicht fertig, den Leuten einen vernünftigen Begriff von der Gesellschaft der Zukunft beizubringen, von dieser Gesellschaft der gerechten Arbeit, deren Sitten von den rinsrigen grundverschieden sein werden. Es ist wie eine andre Welt auf ciueni andren Planeten... Und dann muß man wohl bekennen: die Neu- ordnung steht nicht fertig da, wir tasten immer noch herum. Ich, der ich nicht viel mehr schlafen kann, ich erschöpfe meine Nächte damit. Zuni Beispiel kann man uns gewiß sagen: „Wenn die Tinge sind, wie sie jetzt sind, so hat die Logik der menschlichen Thatcu sie dazu gemacht. Daher welche Riesen- arbeit, den Fluß zu einer Quelle zusammenzuführen und in ein andres Thal zu leiten!"... Allerdings verdankt der jetzige Ecsellschaftszustand sein jahrhundertelanges Blühen dem individualistischen Grundsatz, der durch Wettbewerb und per- sönliches Interesse des Einzelnen zu einer stcts� erneuten Produktionsfähigkeit angetrieben wird. Wird nun jemals der Kollektivismus zu gleicher Fruchtbarkeit gelangen?� Ferner, durch welche Mittel könnte er die Produktionsfähigkeit des Arbeiters beschleunigen« wenn einmal der Gedanke an Ge- winn zerstört ist? Hier liegt für mich der Zweifel, die Angst, die schwache Stelle, für welche wir unverdrossen kämpfen müssen, wenn wir haben wollen, daß der Sieg des Socialismus einstens sich hier entscheidet. Aber siegen müssen wir, weil wir die Gerechtigkeit sind!... Hier, sehen Sie dieses Denknial vor Ihren Augen, sehen Sie es?" „Die Börse?" sagte Saccard.„Freilich, sehe ich sie." — 1 „Nun, es wäre eine Dummheit, sie in die Luft zu sprengen, weil sie anderswo wieder aufgebaut würde. Allein ich sage Ihnen zum voraus, sie wird von selbst in die Luft fliegen, wenn der Staat sie enteignet hat und logischerweise das einzige und allgemeine nationale Bankhaus geworden ist. Wer weiß; dann wird sie vielleicht für unfre allzugroßen Reichtümer als öffentliches Lagerhaus dienen, oder als eine der Korn- und Vorratskammern, aus welchen unfre Enkel- söhne reiche Mittel für ihre Festlichkeiten schöpfen werden!" Mit weitausholender Geberde eröffnete Sigismund die Aussicht auf diese künftige allgemeine Wohlfahrt. So sehr hatte ihn das Gespräch aufgeregt, daß er jetzt von einem neuen Hustenanfall erschüttert ward. Er setzte sich wieder an seinen Tisch, die Ellbogen fest auf seine Papiere gestemmt, den Kopf in den Händen, um das Röcheln zu ersticken, das ihm schier die Kehle zerriß. Diesmal aber war der Anfall nicht zil stillen. Plötzlich that sich die Thürs auf, und Busch, der die Mächain entlassen hatte, stürzte verstört herein, als habe ihn dieser schreckliche Husten selbst hart mitgenommen. Sofort neigte er sich zu seinein Bruder herab und schlang seine langen Arme um ihn, wie um einen Knaben, dessen Schmerzen man schineichelnd einlullt. „Nun, lieber Kleiner, was hast Tu scholl wieder, daß Dil ersticken willst? Weißt Tu, ich verlange, daß Du einen Arzt kommen lässest! Das ist ja unverniinftig. Tu wirst sicherlich wieder zu viel gesprochen haben!" Und er warf einen bösen Seitenblick auf Saccard, der immer noch mitten im Zimmer stand, heftig erschüttert durch alles, was er aus dem Munde dieses so feurigen und so kranken Menschen vernommen hatte, der von seinem Dach- fenster aus ein böses Los auf die Börse werfen wollte, mit seinen dummen Geschichten von allgemeinem Hinwegfegen und von allgemeinem Wiederaufbauen. „Ich danke Ihnen, ich gehe," sagte der Besucher, den es ins Freie zu kommen drängte.„Schicken Sic mir meinen Brief mit den paar Zeilen Uebersetzuug... Ich erwarte noch andre, wir wollen alles zusammen abmachen." Aber der Ailfall war vorüber, und Busch hielt ihn noch einen Augenblick zurück. „Ach, was ich noch sagen wollte! Die Frau, die soeben hier war, hat Sie ehemals gekannt: o, es ist lange her!" „So? Wo denn?" „Im Jahre 1832, in der Nue de la Harpe." Trotz seiiler Selbstbeherrschung wurde Saccard bleich, ein nervöses Zucken zerrte an seinem Mund. Nicht als ob er in diesem Augenblick sich an die.Kleine erinnerte, die er auf der Treppe überfallen hatte, aber die Erinnerung an die elenden Anfangsjahre war ihm jederzeit höchst unangenehm. „Nue de la Harpe! Ja, ich habe nur acht Tage dort ge- wohnt, bei meiner Ankunft in Paris, bis ich eine Wohnung hatte!... Auf Wiedersehen!" „Auf Wiedersehen!" wiederholte Busch scharf. Er sah irrtümlich in dieser Verlegenheit ein stummes Geständnis und suchte schon, auf welche ergiebige Art er jenes Albenteuer ausbaiten wollte. Als Saccard wieder auf der Straße stand, lenkte er seine Schritte unwillkürlich wieder zum Börsenplatz. Es schauerte ihn noch: er schaute nicht einmal auf die kleine Frau Conili, deren hübsches, blondes Gesicht an der Thüre des Papierladens lächelte. Auf dem Börsenplatz war die Erregung gestiegeir: das Geschrei der Spieler hallte mit der entfesselten Heftigkeit einer Hochflut an den Gehwegen wider, auf denen eS von Leuten wimmelte. Es war der letzte Aufschrei um dreiviertel auf drei Ilhr, der Kampf um die Schlußkurse, das wütende Ringen, wer mit vollen Händen von dannen gehen sollte. Als er an der Ecke der Börsenstraße der Säulenhalle gegenüberstand, meinte er im bunten Gewühl unter den Säulen den Baissier Moser und den Haussier Pillcrault zu erkennen, die mit einander stritten, während er aus dem Hintergrund des großen Saales die schrille Stimme des Maklers Mazaud zu vernehmen glaubte, hie und da durch die lauten Worte Nathansohns übertönt, der bei der Coulisse unter der Ahr stand. Fast hätte ein Wagen, der dicht an die Gosse heranfuhr, ihn über und über bespritzt. Massias sprang heraus, noch che der Kutscher hielt, erklomm die Stufen mit einem Satze und brachte atemlos eine letzte Order. Saccard stand immer noch regungslos da: die Augen auf das Gewühl dort oben gerichtet, kaute er seinen Lebens- gang wieder, gepeinigt durch die Erinnerung an feine Anfangs- zeit, welche Büschs Frage wachgerufen hatte. Er gedachte 18— der Rue de la Harpe und der Rue Saint-Iacques, in denen er mit krunimgetretenen Stiefeln herumgelaufen, ein beute- süchtiger Eroberer, der zur Unterwerfung von Paris aus- gezogen und nunmehr gelandet war. Und neue Wut ergriff ihn beim Gedanken, daß er es noch nicht unterworfen hatte, daß er wieder einmal auf das Pflaster geworfen war�-ouf den Reichtum lauernd, unbefriedigt, von einem Heißhunger nach Genüssen gequält, wie er ihn noch nie empfunden hatte. Dieser verrückte Sigismund sagte ganz richtig: von der Arbeit kann man nicht leben, die Elenden und die Dummköpfe allein arbeiten, um die andren zu niästen. Das Spiel ist das einzig Richtige, das Spiel, welches über Nacht nkit einem Schlage Wohlstand, Luxus, Wohlleben, das volle und ganze Leben giebt! Wenn die alte Gesellschaft doch eines Tages zusammen- stürzen sollte, könnte nicht ein Mann wie er noch vor dem großen Endkrach Zeit und Raum zur Befriedigung seiner Gelüste finden? Jetzt wurde Saccard von einem Vorübergehenden ge- streift, der sich nicht einmal umsah, um sich zu entschuldigen. Er erkannte Gundermann, der seinen kleinen Gesundheits- spaziergang machte, und sah ihn in einen Konditorladen ein- treten, aus welchem der Finanzkönig seinen Enkelinnen hie und da eine Bonbonschachtel für einen Frank mitbrachte. Dieser Rippenstoß in diesem Augenblick, da seine Fieberhitze den höchsten Grad erreicht hatte, seitdeni er so um die Börse herumlief, war der letzte Antrieb, der Peitschenschlag, unter dem er sich zum festen Entschluß aufraffte. Er hatte den Platz vollends umzingelt, er wollte jetzt den Sturm wagen. Es war der Schwur eines erbarmungslosen Kampfes.. Nun wollte er Frankreich nicht verlassen und seinem Bruder Trotz bieten: den letzten Truncpf wollte er ausspielen, den aller- verwegensten Streich wagen, der ihn zum Zwingherrn über Paris aufwerfen, oder mit zerschmetterten Rippen in die Gosse, schleudern sollte. (Fortsetzung folgt.) l�atunvillenscbaMkKe Oeber ficht. Von Cu rt G rottelvrtz. Auf einem quer durchgesägten Bauinstamm erkennt man eine große Anzahl konzentrischer Kreise, die sogenannten Jahresringe. Jedermann>veitz, daß solch' ein einzelner Ring die Holzmasse dar- stellt, die in einem Jahre von dem Baume erzeugt wird. Jährlich nimmt der Umfang des Stammes um solch' einen Ring zu. Sehen wir uns nun einmal den ganzen Querschnitt eines Baumes an, so bilden zwar die Jahresringe den Haupttcil, allein wir können außer ihnen, zumal mit bewaffnetem Auge, noch mehrere Zonen erkennen, Teile oder Organe des Stammes, die für die Lebcnsvorgänge des Baumes von größter Bedeutung sind. Gerade solch' ein Querschnitt legt die ganze Lebens- und Körperökonomie der Pflanze offen, da ja ein Baum in der ganzen Länge seines Stammes, seiner Beste und Triebe gleichartig gebaut ist. Die Jahresringe sind nun für das Leben der Pflanze gerade von der geringsten Bedeutung. Sie sind so stark verholzt, daß sie ihre ursprünglichen Funktionen fast ganz aufgegeben haben und fast nur noch zur Festigung, zur Versteifung der gewaltigen Baumpflanze dienen. Das gilt besonders für die alten Jahresringe, während in den jüngeren die Gefäßstränge noch lebendig sind, in denen die Bewegung des Wassers vor sich geht. Ter Teil, von dem das eigentliche Leben und Wachstum des Stammes wie der ganzen Pflanze ausgeht, liegt vor dem äußersten Jahresringe, er heißt Cambium. Die Zellen des Cambiums sind in fortwährender Teilung begriffen, sie vermehren sich und vermitteln daher das Wachstum des Stammes. Auch das Cambium bildet eine geschlossene Zone ringS um den äußersten Jahresring. Nach innen zu findet es seine Zellen für den Aufbau des Holzkörpers, nach außen zu baut es den sogenannten Siebteil auf. So bildet es nach der Achsenseite des Stammes hin den Jahresring. Der Siebteil dagegen besteht aus einem System von Gefäßsträngen, in denen die Leitung der Baustoffe vor sich geht. Ueberhaupt ist daS Cambium mit seinem Holzteil und Siebteil ein zusammenhängendes Gesätzbündel-System, ja auch die sämtlichen Jahresringe sind ursprünglich Vereinigungen von Gefäßsträngen. Neben dem gesamten Leiiuugsgctvcbc giebt es nun noch ein Grundgcwebe, das man dem Fleisch, dem Muskelgewebe der Tiers etwa vergleichen könnte, während das Leitungsgewebe dem Ver- dauungs- und Gefäßsystem entsprechen möchte. Schließlich giebt es »och ein Hantgcwebe, das die Oberhaut des Stammes mit ihrer Kork- und Borlcbildung aufbaut. Das Grundgewebe des Stammes ist durch die Gefäßbündelzonen in zwei Schichten zerteilt. Die eine Schicht liegt direkt unter der Oberhaut, sie ist die eigentliche oder primäre Rinde. Im gewöhnlichen Leben rechnet man auch den Sieb» teil noch zur Rinde. Die andre Schicht des GrundgewebeS liegt im Mittelpunkte des Querschnittes, sie heißt das Mark. Allerdings ziehen sich von der Markschicht einzelne Strahlen durch die Jahres- ringe hindurch bis zur Rinde hin. So ist denn die Anordnung der verschiedenen Schichten auf dem Querschnitt eines Baumstammes die folgende. Im Mittelpunkt ist das Mark, dann folgen die einzelnen Jahresringe, an sie schlicht sich direkt das noch im Wachstum be- findliche Gcfähsystem(Holzteil, Cambium und Siebteil) an, darauf folgt die Rinde und schliehlich das Hautgewebe. Wie jedes Organ im Körper der Tiere, so hat auch jeder Gc- webeteil im Stamme des Baumes seine eigne Aufgabe, seine eignen Lebens- und Thätigkeitsgesehe. Die Erforschung der letzteren ist noch keineswegs zum Abschluh gekommen. In jüngster Zeit sind auf diesem Gebiete manche wichtige Untersuchungen ausgeführt worden. So hat S. Simon in den Berichten d. d. bot. Gesellschaft(1902. S. 229) eine Arbeit über den Bau des Holzkörpers und sein« biologische Be- deutung verösfentlicht. Er verglich verwandte und unter denselben Bedingungen erwachsene Holzpflanzcn miteinander, von denen die eine Art immer sommergrün, die andre immergrün war. also z. B. die laubabwerfende Heidelbeere und die immergrüne Preiselbeere. Er fand dabei, dah bei den laubabwerfenden Pflanzen das Mark und die Markstrahlen bedeutend mehr ausgebildet sind als bei den immer- grünen. Simon hatte dieses Ergebnis erwartet, denn es stimmt mit unsrer Auffassung über die Lorgänge im Holzkörpcr überein. Das Mark und die Markstrahlen sind nämlich Speichergewcbe, in denen die Pflanze Reservestoffe, besonders Stärke, aufhäuft. Die immer- grünen Gewächse bedürfen nun dieser Aufspeicherung nicht so dringend, da ihre Blätter zu jeder Jahreszeit ihre Aufgabe, Kohlen- säure zu assimilieren, erfüllen können. Die für den Lebensprozeh nötigen Kohlehydrate werden also von diesen Pflanzen fast immer erzeugt. Bei den sommergrünen Gewächsen dagegen ruht die Assi- milation ein halbes Jahr, während sie des Laubes entbehren, voll- ständig. Nun ruht während dieser Zeit allerdings ihr Lebensprozeh ebenfalls fast gänzlich. Aber gerade im Frühjahr, wenn die gewaltige Masse von Laub neu gebildet wird, bedürfen die sommergrünen Ge- Hölzarten groher Mengen von Reservestoffen. Die Knospen schwellen, und in ihnen werden bereits Blätter und ganze Triebe vorgebildet. Allein zu der Zeit hat der Laubbaum noch keine wirk- lichen Blätter, welche Baustoffe erzeugen könnten. So ist er denn auf das Material angewiesen, welches in dem Mark aufgespeichert liegt. Nun könnten ja schliehlich die immergrünen Gewächse für jeden Fall auch eine Menge Reservestoffe aufspeichern, denn an trüben Tagen und im Winter geht ja auch bei ihnen die Assimilation der Blätter nur langsam von statten. Allein jeder Baum muh doch mit seinen Kräften sehr sparsam sein. Er hat zunächst genug damit zu thun, den Jahresring, also jenes System von Lcitungsröhren anzu- legen, in denen sich das Wasser, der Nahrungssaft und die in d'cr Pflanze selbst erzeugten Baustoffe bewegen. Sobald der Jahresring den Wachstumsbedürfnissen des Baumes entspricht, muh dieser dafür sorgen, den neu angelegten Leitungssträngen Festigkeit zu geben. Denn solch' ein riesiger Körperbau, wie ihn ein Baum besitzt, soll ja viele Jahre, eventuell gar Jahrhunderte und Jahrtausende lang den Stürmen widerstehen. Dazu ist es nötig, dah das Leitungssystem feste, harte Stützen bekommt. Sobald dieses also angelegt ist. vcr- wendet der Baum seine Kraft dazu, Hartgcwebe, zumal Bastfasern zu erzeugen, welche die Leitungsbahncn umgeben und ihnen eine grohe Festigkeit verleihen. Den harten, holzigen Charakter bekommt er eben durch die Bildung des Hartgewebcs. Junge Triebe sind zum Beispiel zunächst ganz weich und krautig. Die Verholzung tritt erst später ein. Dies ist namentlich bei Laubbäumen der Fall, da diese ja einen erheblichen Teil ihrer Kraft zunächst für die Ausbildung des Speichergewebes verwenden müssen. Die immergrünen Bäume können dagegen viel besser für ihr Festigungsgcwebe sorgen. Dieses ist denn meist reichlicher entwickelt und zeigt eine gröhcre Regclmähig- kcit. Bei den sommergrünen Gehölzen ist das Festigungsgewebe viel unregelmähiger ausgebildet, cä findet sich vor allein im Spätholz, auch die Leitrmgsbahnen sind hier ungleichmähiger, die im Frühjahr gebildeten sind sehr grotz, weil ja zu dieser Zeit der LcbcnSprozch des Baumes am regsten ist. ES ist noch immer nicht recht klar, wodurch die Bewegung der in den Leitungsbahnen des Holzes befindlichen Saftmassen vcranlaht wird. Man muh bedenken, dah der Saft sich meist nach oben bewegt. Welche Kraft treibt ihn in die Höhe? Man hat als Ursache dieser Bewegung die Verdampfung des Wassers in den Blättern angeschen. Durch die Transpiration geht schnell eine Menge Wasser verloren. ES entstehen dadurch in den Gefähsträngen, deren Wandungen für Gase sehr undurchgängig sind, luftleere Räume, in die sich der von unten kommende Saft ergießen muh. Nun hat man aber gefunden, dah in den Gefähcn ein negativer Druck herrscht, also ein Druck. der geringer ist als der der Atmosphäre. Und zwar herrscht dieser Druck immer, obwohl doch bei mangelnder Transpiration ein Aus- gleich in den Druckdifferenzen stattfinden sollte. Jetzt hat H. Dcvaux eine neue Erklärung für das Vorhandensein eines negativen Drucks in den Holzgefähcn gefunden. Er konnte diesen nämlich auch dann feststellen, wenn die Wasserverdampfung in den Blättern ganz unter- blecht. Die Luftverdünnung entsteht also nicht durch die Transpiration, sondern, wie H. Dcvaux annimmt, durch die Atmung. Die Pflanze braucht Sauerstoff und diesen entzieht sie der in den Gefäßen vorhandenen Lust. Dadurch wird diese, wie der Forscher durch genaue Berechnungen feststellt, verdünnt, die sauerstoffarme Luft ist leichter als die atmosphärische Luft, der Luftdruck im Innern der Gefähbahncn ist also geringer als„eine Atmosphäre", er ist> negativ. Die Annahme Dcvaux' erhält dadurch noch eine Bestäti- gung, dah der negative Druck um so schwächer wird, je langsamer die Atmung vor sich geht. So ist es denn die Atmung, welche einen negativen Druck in den Gefähsträngen des Holzes hervorbringt und ivelche dadurch die Veranlassung giebt zu der Bewegung der Saftmasse» im Innern des Leitungssystems. Die Baustoffe, die der Baun, nicht sofort verwendet, sondern für spätere Zeiten in Bereitschaft hält, werden, wie bereits erwähnt. in dem Mark aufgespeichert. In diesem bilden sich zur Aufbewahrung der Reservestosfc noch besondere Organe aus, die sogenannten Dia- phragmen. Solche Organe gehen aus den Markzellen hervor, indem diese sich verdicken und so aneinanderschlietzen, dah sie starke Gewebe- Platten bilden. Die Diaphragmen sind in letzter Zeit von Alexander Magocsy-Dietz zum Gegenstande einer eingehenden Untersuchung in> den Math. u. naturw. Berichten aus Ungarn(Bd. XVII, S. 131)1 gemacht worden. Danach haben diese Organe bei den einzelnen Arten und namentlich Gattungen von Holzgewächsen eine verschiedene Form. K daß diese auch dazu benutzt werden kann, jene in zweifelhafte» Fällen zu unterscheiden. Bei den Pflanzen, die Diaphragmen aus- bilden, übernehmen diese nach und nach allein die Ausgabe der Nahruiigsauftpeichernng. da das Mark hier f-b««sftst-st. ijw» Winter findet man in den Diaphragmen sehr viel Stärke, die im Frühjahr verbraucht wird. Im Sommer dienen die Organe als Wasserreservoire. Allein sie sind nicht nur für die Ernährung der Pflanzen von Bedeutung, sondern sie habe» außerdem noch andre Aufgaben zu erfüllen. In den jungen Trieben dienen sie zur Ver- steifung, sie geben diesen in den ersten Jahren die nötige Festigkeit.- Schliehlich dienen sie noch dazu, einen Wschluh in dem Mark zu bilden, um daS Eindringen von Wasser und die Entstehung vo» Fäulnis zu verhindern. Wenn nämlich ein Zweig durchgebrochen wird, so hält das Diaphragma das Wasser ab, es läßt dieses nicht in das Mark eindringen und erweist sich sonnt als Schutzorgan. Was wir an einem Baum das Holz nennen, ist also ei» Konglomerat von sehr verschiedenartigem Gewebe. Die holzige Grundsubstanz jedoch, die den Holzkörpcr unsrer Bäume bildet, be- steht aus den sogenannten Holz- oder Libriformfasern, die den Bast- fasern sehr ähnlich sind. Tic Libriformfasern sind sehr langgestreckte. mit Lust erfüllte, verholzte Zellen. Sie bilden gewissermaßen das Gerüst, durch welches die Gefähstränge gestützt werden. Die Libri- formfasern sind auf den Holzteil des Gefäßsystems beschränkt, sie treten jedoch hier nicht nur bei Gehölzen, sondern häufig auch bei krautartigcn Pflanzen, wenn auch in geringerer Menge, auf. Aus- nahmswcise hat sie L. A. Boodle, wie er in den„Annals of Botany'*1 (Vol. XVI Nr. 61) mitteilt, auch in dem Siebtest der Sonnenblume gefunden. Einen holzartigen Eindruck macht auch der Kork und die Borke, allein diese enthalten keineswegs Holzfasern. Sie gehöre» zu dem Hautgcwebe, das an die Rinde angrenzend den Stamm der Bäume nach außen hin abschlicht. Das Hautgcwebe bildet kein sa einheitliches System wie das Grundgewebe und das Leitungssystem, es wird vielmehr in manchen Fällen von eigenartigen Bildungen der Rinde bceinfluht. Für gewöhnlich besteht das Hautgewcbc einer Pflanze in der Oberhaut, Epidermis, die noch von einer dünnen ab- schließenden Schicht, der Cuticula, überlagert ist. Aber nicht einmal die Bildung der letzteren geht immer von Zellen des Hautgewebes aus vor sich. O. Damm hat in einer Arbeit über die Epidermis bei den Dicotylcdoncn(Beihefte zum bot. Centralblatt, Bd. IX. 219)1 festgestellt, dah in vielen Fällen die Oberhaut durch ein Cnticular- gcwcbc ersetzt wird, das von den Rindcnzellcn gebildet wird. Vo» den äußeren Zellen des Rindcngcwebes wird auch der Kork gebildet. der übrigens fast bei allen Holzgcwächsen vorhanden ist. bei manchen aber, wie z. B. bei der Kork-Eiche und dem Kork-Baum, in besonders reichem Matze entwickelt ist. Bei der Birke bestehen die weihen Häute, die sich vom Stamni leicht losschälen lassen, aus Kork. Ter Kork wird gebildet von platten Zellen, die sehr dicht an einander: schlichen und für Wasser ganz undurchdringlich sind. Oft geht die, Korkbildung von inneren Teilen der Rinde aus, es entsteht dann ringsum im Grundgewcbc des Stammes eine zusammenhängende Korkschicht. Da diese kein Wasser durchlätzt, so werden alle Gewebe- Elemente, die sich nach dem Stammumfang zu an die Schicht an- schließen, von der Nahrungszufuhr abgesperrt und dadurch zum Ab- sterben gebracht. Die abgestorbenen Gcwcbctcile sind die Borke, wie sie z. B. von der Platane in dicken Fetzen abgeivcrfcn wird und wie! sie bei der Kiefer in übereinander lagernden Platten vorhanden ist.- So läßt uns denn der Querschnitt eines Baumstammes, der uns be? oberflächlicher Betrachtung kaum mehr als die Jahresringe zeigte. bei genauerer Untersuchung einen tiefen Einblick in den reich- gegliederten Körperbau der Holzpflanzen thun.— kleines feuilleton. K. Die vulkanischr Thätigkeit des Mont-Pelö hat seit den großen Ausbrüchen, die Martinique zwischen dem 3. Mai und den» 3V. August vorigen Jahres verwüsteten, nicht einen einzigen Tag auf- gehört. Lacroix, der die Arbeiten der stanzösischen wissenschaftlichen Expedition leitet, hat an die Pariser„Acadbmie des Sciences" wieder einen Bericht gesandt, der neue und interessante Einzelheiten über diese Thätigkeit enthält, und dem eine Anzahl, neriwürdiger Photo- graphien beigegeben sind. Der Gipfel des Berges ist betrachtlich verändert. Die Lacroin-Spitze, der stühcre Gipfel ist zum Arn eingefallen, der Lac des PalmisteS ist vollständig angefüllt, und ein ungehenrcr Kegel von wcitzglnheiiden Felsen hat sich von dem — 180— Mittelpunkt des Kraters erhoben. Dieser steigt noch beständig, da er durch inneren Druck aufwärts getrieben wird, und an seinen Seiten befinden sich große Spalten. Dieser Kegel wird von den Geologen ein ..Cumulo-Vulkan" genannt: cS ist eine Art riesiger halbfliissiger Masse, aus deren Rissen Lava, vulkanische Sprenggeschosse und gas- förmige Massen mit Asche und Steinblöcken vermischt entweichen. Nachts bietet der Vulkan einen grandiosen Anblick. Der Kegel erscheint vollständig erleuchtet. Man kann deutlich die weißglühende Masse unterscheiden, wie sie im Innern aufsteigt, während aus der Basis des Kegels Fcuerschauer auftauchen, hervorgebracht durch das Herausschietzen der Steinblöcke, die in die Rivisre Blanche fallen. Wenn die Hefttgkeit der vulkanischen Kräfte zunimmt, bricht manchmal eine wirkliche Feuerkaskade über den Kegel herunter. Eine andre schreckliche Naturerscheinung, die in ziemlich kurzen Zwischen- räumen zu sehen ist, sind die Gasausbrüche oder„feurigen Wolken". Der Ausbruch an: 16. Dezember kostete M. Lacroix und den Mit- ifllevern oer erxpcvuw» auf dem Dampf«-„J-mffroy" beinahe das Leben. Wie das immer der Fall ist, war dieser Ausbruch plötzlich und schnell gekommen. Aus dem Vulkan kamen einige warnende Acußerungen, eine Wolke karmesinroten Rauches ans einer Spalte an der Basis des Kegels, und dann brach plötzlich eine Riesen- Wolke rötlich-braunen Dampfes hervor und stürzte das Thal der Riviere Blanche entlang auf das Meer zu, mit einer Schnelligkeit von 96 Kilometer in der Stunde. Beim Auf- steigen nahm die Wolke an Größe zu und bedeckte die ganzen 6 Kilometer zwischen dem Vulkan und dem Meere, während sie eine 4666 Meter hohe Säule in die Luft schleuderte. Dann breitete sie sich bis zum Meere hin aus und verschwand all- mählich. Der ganze Vorfall dauerte nicht fünf Minuten. Während der Dampfer mit vollster Geschwindigkeit aufs Meer hinausfuhr, nahm Lacroix eine Reihe Photographien auf, die so zusagen die Kinematographie dieses schrecklichen Ausbruchs bilden. Er schreibt darüber in einem Brief an Michel Lövy vom französischen Institut folgendes:„Sie werden anbei eine Reihe von Photographien finden, die während der letzten drei Minuten des Abstieges dieser Feuerwolke gemacht wurden. Wir hätten uns in der Feuer- »volle befunden, wenn eine Telephonnachricht mich nicht eine Viertelstunde länger, als ich erwartet hatte, in Carbet gehalten hätte; denn wir Ivollten einen in die Riviere Blanche gc- fetzten Apparat holen, als der Ausbruch stattfand. Es ivar das erste- mal, daß die Mannschaft deS„Jouffroy" etwas Derartiges sah. Keilt Augenblick wurde verloren, die Maschinen arbeiteten mit voller Schnelligkeit achten», alle Oeffnungen auf dem Schiff wurden ge- schlösse»»,»nid die ganze Mannschaft»vurde auf die Feuerstation gerufen. ES tvar sehr aufregend, dieses Wunder aus so großer Nähe zu sehen, besonders als»vir ein Fischerboot in der Wolke verschwinden sahen. Zum Glück»vor es fünf Meilen vom Laild, und die Mannschaft kam mit einem Regen von kalter Asche und Steinen davon...." — Indianische Kupferbergwerke. Holmes hat in» Auftrage der Smithsonian Institution die Gegend des prähistorischen Kupscrberg- baucs der Indianer besucht und speziell eine Exkursioi» nach der an Kupfer reichen JSle royale im Lake superior gemacht. Er fand hier mitten in de»» verlassenen Grubcnfeldem einer moderne»»' Kupfer- bcrgbau-Gesellschast ein alte? Jndianer-Berglverk, das große Mengen von beschädigten schweren Steinhäntmern voi» eilten» Gewicht bis zu 66 Psiilid in seinem Schutt enthielt. Es gelang Holmes nicht, an- stoßende.Kupferadern oder Stücke von Kupfer zu finden i auch fehlten Spllren, die auf eine»veiterc Bearbeitung des Kupfers in Werkstätten hin- »Viesen; wahrscheinlich wurden die loSgehämmcrten Kupferstücke »veiter transporttert und erst in den Jndiancrdörfern in die ge- »vünschte Form gebracht. Zahlreiche Stücke Kohle deuteten darauf hm, daß Feuer zum Aufschließen des harten Gesteins benutzt»vurde. Ein weiterer Besuch des kupferrcichcn Distrikts Ontonayon am Süd- Ufer des lake superior, bei Nockland, zeigte ganz ähnliche Verhält- ilisse»oie auf Jsle rohale. Die Steinhämmer»Viesen etwas häufiger Rinnen zum Herumsührei» eines biegsamen Holzstückes und zlir Befesttgung an den Stiel auf als dort. Die Spuren alter Jlldianer-Bergbauarbeit sind außerordentlich»veit verbreitet und der moderne Bergbau hat dort kaum Kupfer gesimden an Stellei», Ivo nicht schon vor langer Zeit der Indianer auf Kupfer gegraben hätte.—(„Umschau".) Medizinisches. »o. Die Gelatine in der Heilkunde. In Deutschland und Frairkreich haben sich die Aerzte seit einigen Jahren der Be- Handlung von Blutungen mit Gelatinelösungen zugewandt. Hervor- ragend bemerkenswert sind in dieser Beziehung die Versuche, die im Sanatorium Nordrach im Schlvarzwald gemacht worden sind und jetzt von dem dortigen Assistentei», Dr. Tickell, im „Lancet" besprochen werden. Es handelt sich dabei im be- sonderen um die Stilluitg von Lungenblutungen,»vie sie bei Schlvindsllchtigen im späteren Stadium der Krankheit allstreten. -räe Stillung dieser Blutungen lvird von den Aerzten als eine der bedeutsamsten Aufgaben bettachtet, die zur Erhaltung des Lebens zur etwaigen Wiederherstellung überhaupt zu leisten sind. Früher wurde zu diesem Zlvcck am meisten Morphium empfohlen, das bei Einspritzung unter die Haut zur Beruhigung der geistigen Aufregung, des Husteits und der Herzthätigkeit und damit auck auf eme Zusammenziehung der kleineren Gefäße hinwirkt. Aber die Anwendung von Morphium ist nicht unbedenklich, weil es die Atemnot durch Zurückhaltung des Blutes in der Luftröhre, steigern kam», auch bietet es keine Sicherheit für die endgiiltige Uitterdrückung der Blutung»md versagt in schwereren Fällen gänzlich. Die Gelatine hat i»un bei Einspritzungen»mter die.Haut z»var deit großen Vorzug vor den» Morphium gezeigt, daß sie die Blutung zum Stillstand bringt, aber es treten wieder airdre ungünstige Neben- umstände ein. Zunächst ist die Einspritzung voir einem lebhaften Schmerzgefühl begleitet, das sich über größere Teile des Körpers verbreitet, indem die eingespritzte Lösung eine Spaimung in de»» Gelveben hervornift. Außerdem schadet sie nicht selten der Haut, sodaß der Kranke das Bett hüten muß.»oas gerade für die Be- Handlung der Schlvindsucht ganz unerlvünscht ist. Ist die Gelatine nicht sorgfältig von Keimen befreit, so können Ansteckungen mit Starrttampf erfolgen,»vie sie thatsächlich vorgekonunen sind. Endlich aber, und das ist die un- angenchniste Nebei»>virkung, führt die Gelatine-Einspritzung immer zu einer Steigerung der Körpertemperatur, die bis zu 14 Tagen an- halten kaitn ui»d dann den Kranken selbstverständlich in erheblichem Grade schwächt. Jedenfalls darf diese Kur ausschließlich in Kranken- Häusern oder Anstalten,»»icht aber in der Privatpraris vorgenoirmren werden. Uebrigens hat sich die Einspritzung von Gelatine immerhin noch in andren Fällen bewährt, iiainentlich beim Blutbrechen von Neugeborenen, das sehr oft tödlich verläuft, während nach den bis- herigen Prüfungen die Gelatine ein sicheres Rettungsmittel bietet. Auch gegen die Blutungen bei Schivindfüchttge» kann die Gelatine»ach den neuesten in Nordrach gesammelten Erfahrnngeir ihrer gefährliche»» NebeMvirftingen entkleidet»verde»»,»venu sie»»icht unter die Haut, soitdem in den Darm eingespritzt lvird. Dr. Tickell ftihrt ein mlffalleiides Beispiel dafür an. Ein Kranker litt dermaßen an Blutungen, daß ein tödlicher Ausgang binnen kurzer Zeit»»>»- vermcidlich schien. Trotzdem die Bluttlng sich über eine Woche fast täglich eingestellt hatte, blieb sie am Tage nach der Einspritzung der Gelatine bereits aus, und mnerhalb der nächsten drei Tage ver- schwanden auch die Blutspuren aus dem Auswurf. Nachdem die Einspritzungen noch einige Tage fortgesetzt»varei», blieb die Besserung des Befindens eine dauernde. Ermutigt durch diesen Erfolg,»vurde die gleiche Behandlung noch an andren Kranken vorgenommen, und immer mit demselben Ergebnis. Sie hat den großen Vorteil, ganz schmerzlos zu sein, keine Ansteckrmgsgefahr zu biettn»»nd auch die Temperattir nicht zu steigern.— Humoristisches. — Wahres G eschichtchen. Zwei Bedieitstete der k. bayri- scheu Staatseisenbahn»varen in eii»cn Wortlvcchsel geraten. Zuletzt sagte der eine zu dem andern: „Mit Dir streit' i mi' überHaupts i»in»mer— Du bist ja noch dümmer als unser Winterfahrplan!"— — Erkannt. B o ch er(armer Jude!:„Herr Kommerzieirrat- leben, Hab' ich gekmrnt Ihre Danten und Ihren Herrn Onkel, Hab' ich sehr gut gekannt Ihren Herrn Papa und Ihren seligen Herrn Groißpapa..." Kommerzienrat:„Sagen Se ii»er lieber glaich,»vas Se »voll'»», aber klettern Se mer nix auf mainen Stammbaum herum."— („Jugend".) — Je nachde m. Fremde:„Was gicbt's denn zu essen? Kein Geflügel oder so»vas?" D o r f»v irtin:„Vorhin is a Automobilist vorbei, i»vcrd' amal ins Dorf schau'n,»vas er überfahren hat."— Notizen. — Eine Rabelais-Gefellfchaft in Frankreich. Nach den» Muster der Goethe-Gesellschaft in Deutschland und der Shakespearc-Gcscllschast in Englai»d hat sich,»vie die„Frankfurter Zeitung" berichtet, in Frankeich eine Anzahl von Gelehrten zum gemeinschaftlichen Studium der Biographie und der Werke von Rabelais verciiligt. Begründer»md Leiter der Gesellschaft ist Abel Lefranc.— — Im Schiller-Theater wird demnächst das dreiaktige Lustspiel„Don G i l" von Friedrich Adler, die freie Be- arbeitung eurer Komödie des altspanischen Dichters Tirso de Molina, zun» erstenmal in Berlin zur Aufführung gelangen.— — Wilhelm T r ü b n e r übersiedelt zun» 1. November von Franksiirt a. M. nach Karlsruhe. Er»vird hier als Lehrer der Malerei an der Akademie»virken.— — Für 44 666 erlegte Kreuzottern sind in» Regierungsbezirk KöSlin im letzten Verlvaltiingsjahre etwa 16 666 M. für Prämien verausgabt worden.— — Das moderne Babel. Nach den Angaben des Pro- fessors Karl D. Buck von der Chicagoer Universität kann C h i c a g o als das„moderne Babel" bezeichnet»oerden. Es»verde»» insgesamt 46 Sprachen in der Stadt gesprochen, davon vierzehn von mehr als je 16 666 Menschen. Chicago ist die zlveitgrößte czechische Stadt der Welt, die drittgrößte schwedische und die fünftgrößte deutsche. Zeituirgen erscheinen in zehn verschiedenen Sprachen. Unter den fremden Kolonien in Chicago besteht eine aus Isländern, eine andre aus Basken und eine dritte aus Bretonen. Verantwortlicher Redakteur: Carl Leid in Berlin.— Druck und Verlas: Lorivärts Buchdruckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin S\V.