t Nr. 346. Adeinitmeitts-Dedingungea: Abonnements-PreiZ pränumerando! vierteljährl. 3L0 Mk., monatl. I.W Ml., «vöchentltch 28 Pfg. sret tn« Hau». «injelne Nummer 5 Plg. Sonntag», Nummer mit illustrierter Sonntag», veilage„Die Neue Welt" w Psg. Post, Abonnement: ZL0 Marl pro Quartal. Singetragen tn der Post- Zeitung», Preisliste für lSSV unter Nr. 7020» Unter«reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland s Marl pro Monat. Arsch, inl täglich ausser Mionlig«. Devliner Volksblakk. 16, Jahrg. Dt» Kstserttons-Clebühr beträgt für die sechzgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum«0 Psg.. für politische und gewerlschastliche Derein»- und VersammlungS-Anzeigen 20 Psg. „ZUeine Anieigeu" jede» Wort 5 Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» t Uhr nachmittag» in derExpedttton abgegeben werden. Die Erpcdttton ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen btSSUHr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Hr. 1508. Telegramm-Adresse: „SortaldemoKrat Berlin1' Centralorgan der sociizldemokratischen Kartei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth-Strasze 2. Freitag, den Ä6. Oktober 1899. Expedition: SW. 19, Beutlz-Strafze 3. Uferlose Flottenpläne. Das persönliche Regiment, das in der deutschen Politik den Monarchisten mancherlei Unzuträglichkeiten bringt, trägt erfreulicherweise eine Art Heilmittel gegen sich selbst in sich. Die Offenheit, mit der der deutsche Kaiser seine An- schauungen verkündet. läßt dräuende Gefahren zeitig er- kennen und erlaubt Gegenwehr der Andersdenkenden, ehe es ZU spät ist. Die vorletzte Rede des Kaisers, die er beim Stapellauf des Schlachtschiffes„Karl der Große" am Mittwoch hielt, kündigt gewaltigeMarineforderungender Reichs- regierung an und leitet neue heftig st e Kämpfe um Flottenbauten und„Weltpolitik" ein. Es wurde stets bestritten, daß es in den regierenden Kreisen„uferlose Flottenpläne" gebe. Indem jetzt der Kaiser erklärt, daß alle die wiederholten und außerordentlichen Be- willigungen von Marineforderungen ihm einer„beharrlichen Verweigerung seiner Wünsche" gleichkommen— will man auch da noch eine sgewisse Berechtigung jenes Wortes bestreiten? Will man daran noch zweifeln, da einflußreichste Kreise mit den Staatssekretären des Reichs- Marineanits unzufrieden waren, weil sie nicht noch weiter gehende Vorlagen por dem Parlament vertreten mochten? Es ist bekannt, daß Wilhelm II. neben den mannig faltigen sonstigen Interessen. denen sein Enthusiasmus gilt. eine besondere Neigung für eine Politik des„größeren Deutschland" und die zur Durchführung einer solchen Politik nöttgen Marinevermchrungen Hab. Schon bei seiner Thronbesteigung erließ der Kaiser einen besonderen Befehl für die Marine, in dem er ausführte: „Die Marine weiß, daß es mich nicht nur mit großer Freude erfüllt hat, ihr durch ein äußeres Baud anzugehören, sondern daß mich seit frühester Jugend in voller Uebercinstimmung mit meinem lieben Bruder, dem Prinzen Heinrich von Preußen, ein lebhaftes und warmes Interesse mit ihr ver-- bindet." Dieses lebhafte und warme Interesse des Kaisers wirkte dann bald in die praktische Politik über. Zwar hat der Kaiser in einigen seiner Reden die Meinung ausgesprochen, daß die deutsche Marine zwar klein sei, daß sie aber dennoch stärker sei als andere Marinen durch ihre Tüchtig- keit. Doch dies war ihm offenbar kein genügender Trost, im allgemeinen durchklingt seine Reden und � sein Wirken seit seinem Regierungsantritt der Gedanke: Mehr, viel mehr Kriegsschiffe! Bekannt sind die zahlreichen Aussprüche des Kaisers, die seine großen Hoffnungen weitgreifender, die Meere be- herrschender Macht Deutschlands bekundeten.„Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser" und„Der Dreizack gehört in unsere Faust"— das wurden geflügelte Worte für unsere Alldeutschen und Ueberseepolitiker. Wohl nichts aber, vielleicht selbst der„Umsturz" nicht, konnte den Kaiser so er zürnen, als die Ablehnung einer Marineforderung: im April 1897, als der Reichstag einige Abstriche an den bedeutenden Forderungen der Regierung vernahm, depeschierte der Kaiser an den Prinzen Heinrich: „Das ist die traurige Folge des Verhaltens jener Vater» l a n d s I o s e ii Gesellen, die die Beschaffung der für das Deutsche Reich notwendigen Kriegsschiffe zu hintertreiben wissen. Ich werde aber nicht rasten in dem Bestreben, meine Ma- rinc auf die gleiche Höhe zu bringen, deren sich die Armee erfreut." Noch höher scheint des Kaisers Marine-Jnteresse gestiegen zu sein, als es ihm gelungen war, neue koloniale Er- Werbungen zumachen. Mit der Vermehrung derKriegsschiffe steigert sich naturgemäß der Drang nach fernen Besitzungen; mit deren Erwerbung erscheinen wiederum neue Schiffs- Vermehrungen nötig. Seit jener Zeit beschäftigte sich der Kaiser niehr als je mit vergleichender Marinekunde: er fertigte eigen- händig Tabellen und Tafeln an, führte sie Mitgliedern des Reichstags in seinem Schlosse vor oder ließ sie in der Wandelhalle des Reichstags-Gebäudes aufstellen: aus alledem sollte sich zeigen, daß das Ausland uns weit voraus sei in den Kriegsschiff-Rüstungen und wie not es thue, ihm nach- zusolgen. Und schließlich hat der Kaiser seine Flottenbewertung noch dadurch erhöht, daß er den Zusammenhang zivischen Flotten- Vermehrung und der Erhaltung desWeltfriedens fand. Im Anschluß an das Manifest des russischen Zaren erklärte der Kaiser noch jüngst:„Eine Vermehrung der Flotte ist in Wirklichkeit der beste Friedens- kongreß". Thatsächlich sind denn auch die Marine< Rüstungen in Deutschland wahrhaft sprunghaft in die Höhe gestiegen. Seit der Thronbesteigung Wilhelms II. erfolgte ein rapider Auf- stieg in den fortlaufenden wie in den einmaligen Ausgaben für die Marine. � bis schließlich das Tirpitzsche Flottengesetz von 1898 eine Bewilligung auf sechs Jahre hinaus von fast einer Milliarde brachte. Das alles ist nach der Rede des Kaisers noch nicht genug gewesen. Es' soll so wenig gelten, daß der Kaiser Grund zu haben meint zu bitterer Klage gegen die Reichstags- Parteien. Den agrarischen Konservativen, welche nur mit einem nassen Auge die Entwicklung Deutschlands zum Handels- staate sehen, dem Centrum, das den Marinesorderungen zu Liebe seine Vergangenheit ausgab und seine früheren Grund- sätze Prostituierte, wird nun erklärt, sie hätten viel mehr thun müssen als sie thaten. Der Kaiser hat nicht angedeutet, wie groß denn eine Flotte sein müßte, die seinen Wünschen entspricht. Aber weit zurück liegt die noch vom Reichskanzler Caprivi vertretene Anschauung, daß Deutschland eine Flotte brauche, genügend zum Schutz seiner Küsten. Längst ist auch die Be- schränkung auf den Schutz des deutschen Handels ein über- wundener Standpunkt geworden. Es handelt sich um ein ganz anderes, um imposante Machtentfaltung auf dem Welt- meere, inOstasien, inAfrika, in den Gewässern des Stillen Oceans. Nicht schützen soll die Schlachtflotte nur, sie soll befähigt sein,- offensiv vorzustoßen, mit den Schlachtflotten anderer Staaten, der großen Seemächte, zu rivalisieren, sie soll weltpolitische Entscheidungen auf der hohen See herbeiführen. Der Unmut des Kaisers wegen des ungenügenden Flottenbestandes wird erst erklärlich, wenn seine Ziele erkannt werden. Vor einigen Monaten erst sagte der Kaiser in Brunsbüttel: „Es ist mein Grundsatz, überall, wo ich kann, neue Punkte zu finde», au denen wir einsetzen können, an denen in späteren Zeiten unsere Kinder und Enkel sich ausbauen und das zu nutze machen können, was wir ihnen erworben haben." „Neue Punkte" auf dem Erdenrund gewinnen— das ist in des Kaisers gestriger Rede die„große, weltbewegende Frage", für die das Interesse und politische Verständnis unter den Deutschen zu langsam wachse. Als im vorigen Frühjahr die Regierung die Festlegung des Flottenbaues für eine Reihe von Jahren forderte, ver- anlaßte sie vertrauensvolle Gemüter zu der Annahme, daß das deutsche Volk wenigstens auf 6 Jahre Ruhe vor dem Moloch Marinismus haben solle. Weniger Vertrauensvolle allerdings meinten sofort, der Reichstag Iverde gebunden und um sein Etatsrecht gebracht, aber die Regierung werde sich nicht gebunden erachten. Unser Parteigenosse Bebel sagte denn auch im Dezember 1898:„Jedenfalls steht ein neuer Flotten plan am Horizont." Durch die Rede des Kaisers erscheint dieser neue Flottenplan nun be- reits hoch über den Horizont emporgewachsen. Hat man denn nun aber überhaupt einen klar aus- gearbeiteten Plan?, Welche Flotte ersehnt denn der Kaiser? Und wie soll sich die deutsche Politik als„Weltpolitik" gc stalten? Das Marine-Dioskurenpaar L e v y von Halle und Adolf von Wenckstern hat uns gezeigt, wohin die Wünsche des Marine-Enthusiasmus zielen. Herr v. Wenckstern, Privatdocent der Berliner Universität, verlangte in seiner kürzlich erschienenen Schrift nicht weniger als eine Schlachtflotte von 57 Linienschiffen, 15 großen und 36 kleinen Kreuzern. Die einmaligen Kosten hierfür be rechnet er auf rund 1700 Millionen Mark, das Ja h res- b u d g c t nach Fertigstellung dieser Flotte auf Millionen Mark. Und die„B e r l. Pol. Na ch r.", das offiziöse Organ des Ministers v. Mi qu e l, bemerkten zu diesen phantastischen Forderungen: „Dieser schon von anderer Seite ausgesprochene und durch A. v. Wenckstern neu beleuchlere Gedanke wird auf der Tagesordnung der öffentlichen Meinung bleiben, bis cr eine endgültige Erfüllung gefunden hat." Die Kruppschen„Berl. Neuest. Nachr.", voller Lust nach neuen Kanonen- und Panzerplatten-Bestellungen, fordern bereits den Reichstag auf, das Flottenge setz so ab- zuändern, daß die bereits bewilligten Schiffsbauten in kürzerer als der gesetzlich festgestellten Frist vollendet werden und Raum werde zu neuen baldigen Bewilligungen. Ebenso führt die„ P o st" aus: „Wie an das Volk in seiner Gesamtheit, so richtet sich die kaiserliche Mahnung, in einer an großen Aufgaben reichen Zeit nicht kleinlichen Sinnes erfunden zu iverden und nicht den freien Blick für hohe Ziele durch Hingabe an verbissenen Partei- Hader beengen zu lajsen, insbesondere an den Reichstag, der in erster Linie in den des Vaterlandes Wohl und Wehe be- dingenden Fragen mitzusprechen hat. An ihm ist eö, durch Ab- kürzung des Plaues zum AnSban der Flotte zu beweisen, daß er bereit ist, dem Vaterlande alles zu geben, was ihm zur Be- hanptuna seiner Stellung und seines Ansehens, zur glänzenden Ent- faltung seiner produktiven und kommerziellen Kräfte unbedingt notwendig ist. Die nationalen Parteien zumal sollten die Mahnung zum Zusammenschlüsse der nationalen Kräfte im Volke beherzigen und entschieden für eine Politik der Samm- lung eintreten." So verbindet sich für die„Post" mit dem Gedanken der . Weltpolitik" der Gedanke der Zuchthauspolitik, der ja die„Sammlung" gilt. Im inneren Deutschland soll nach dem Verlangen dieser Preßorgane für die Arbeiterklasse, die mit der Waffe des Koalitionsrechts Anteil am nationalen Reich- tum, an den Kulturgütern erringen will, das Zucht- Haus erbaut werden und nach außen soll eine glanzvolle Weltpolitik in Scene gesetzt werden. Durch Knebelung der Arbeiterklasse wird im Lande das Verderben gesät und durch Unternehmungen in allen Winkeln des Erdrundes werden Fährlichkeiten über Fährlich- leiten vorbereitet. Da der agrarische Monarchist Klapper nicht, ohne vom Majestätsbeleidigungs-Paragraphen ergriffen zu werden, Kritik üben durste, so kann die Weltpolitik, welcher der Kaiser nachgeht, auch von uns schwer gewürdigt werden. Aber auch die bildcr- reichsten Reden des deutschen Herrschers werden das deutsche arbeitende Volk nicht sür jene Weltpolitik gewinnen, deren Mißerfolg ebenso gewiß ist, als der Mißerfolg unserer bis- herigen Kolonialpolitik. Wohl soll das deuffche Volk Weltpolitik treiben, aber nicht jene der Wettrüstungen zuLande und zu Wasser, jene Eroberungs- Politik, die überall auf dem Erdball Länderfetzen sammelt. Die weltpolitische Aufgabe, die unserem Volke von der Geschichte und durch seine besondere Geistesart gestellt ist, ist nicht in fernen Meeren zu lösen, sondern hier in der Heimat, wo es gilt, mit anderen Nationen zu wetteifern in den Werken der Kultur, ihnen voranzueilen im Wettkampf um die materielle Hebung und geistigen Erhöhung des eigenen Volkes und der Menschheit._ Dolitifilsze Mvbevfi�zk» Berlin, den 19. Oktober. Die Hamburger Flottenrede wird von den amtlichen Stellen offenbar für außerordentlich bedeutungsvoll gehalten. Der„Reichs-Anzeiger" hat sie bereits am Mittwoch in einer Extraausgabe gedruckt, wenn auch nicht an seine Abonnenten verbreitet. Die Morgenblätter begnügten sich, abgesehen vom„Vor- wärts", zumeist mit der einfachen Wiedergabe des Wortlauts. Das freisinnige„Berliner Tageblatt", das für den Liberalismus Regierungsfähigkeit erträumt, seitdem die Kon- servativen von der Hofliste gestrichen, hatte zu der„flammenden Rede" kurz hinzugefügt, man werde„gerade im gegenwärtigen Augenblicke den Ausdruck des Bedauerns darüber, daß nicht schon vor zehn Jahren der Wunsch des Monarchen nach einer großen deutschen Flotte auf Verständnis gestoßen, in mehr als einer Beziehung bedeutungsvoll finden". Von den Abendblättern äußerte sich am charakteristischten die„ K r e u z- Z e i t u n g", indem sie— schwieg. Das arme Organ der Junker weiß aus bekannten Gründen nicht, was es sagen soll; sind doch die Agrarier im Grunde ihres Herzens auch Gegner jeder großen Flottenmehrung, und ist es doch nicht angenehm für ein so königstrcues Blatt, immer wieder gegen seinen König zu agitieren. Kaum nötig zu sagen, daß oie„Berliner Neuesten Nach- richten" und die„Post" begierig den Gedanken aufgreifen; das bringt das Geschäft dieser Blätter, welche die an neuen Schiffen materiell stark beteiligten Firmen Krupp und Stumm vertreten, so mit sich. Auch der fromme„ R e i ch s b o t e", der immer auf den Wegen des Fürsten zu wandeln beflissen ist, billigt die Rede ohne Vorbehalt. Dagegen ist die bündlerische„Deutsche Tages-Zeitung" sehr bedenklich. Mit dem„Vorivärts" meint sie, die Wendung über die beharr- liche Verweigerung von Verstärkungen erwecke fast den Anschein, als ob der Kaiser mit seiner Ausfassung von der Notwendigkeit der Flotteuvermehrung innerhalb der Regierung auf Widerstand gestoßen sei, denn der Reichstag habe nur hin und wieder einige kleine Forderungen ab- gestrichen, in der Hauptsache aber alles bewilligt. Die offiziösen Federn der Regierung haben sich bisher nicht gerührt: sie haben sich offenbar von ihrer lleberraschuug noch nicht erholt. Die katholische„Germania" hat die Ueberzeugung, daß der Kaiser die bestehende Vereinbarung zwischen Regierung undReichstag über den weiteren Ausbau derFIotte zu respektieren wissen werde, wenn auch seine Wünsche weiter gehen mögen. Was der Reichstag bewilligen mußte und bewilligen konnte, habe er nicht verweigert. Neben sachlichen Entscheiduugs- gründen hätten parteipolitische Erwägungen niemals den Ausschlag gegeben, es sei denn in dem bekannten konservativen Ausspruch;„Kein Kanitz. keine Käh n e." Das rheinische Centrumsblatt, die„Kölnische Volksztg." glaubt, daß in der gestrigen Rede des Kaisers in Hamburg ein Fingerzeig zu erblicken sei für die Richtung, in welcher der neue Kurs weiter gesteuert werden soll. Man erinnert sich, daß Miquel es sei, welcher über das deutsche Parteiwesen wiederholt sich in ähnlicher Weise geäußert hat. Insoweit erscheine die Kaiserrede als eine in diesem Augenblick besonders beachtenswerte Zustimmung zur Miquelschen Politik. Be- züglich der kaiserlichen Betonung der Notwendigkeit der Verstärkung der deutschen Flotte sagt das Organ: Die deutsche Flotte müsse verstärkt werden: aber bei einer Bestimmung des Tempos wirkten finanzpolitische Erwägungen mit. Der deutsche Reichstag habe entschieden die LeistungS- fähigkeit des Volkes im Auge zu behalten. Man ersieht aus diesen Aeußerungen, daß durch die Hamburger Kaiserrede die Verwirrung der inneren Lage sich nach der Abflauung der Kanalkrisis aufs neue gesteigert hat.— Autoritäten- Sturz. Die„Kreuz-Zeitung" gesteht jetzt zu, daß sie in der Tbat unsere„praktische Tagespolitik" meint, wenn sie den Philistern Angst vor dem Endziel einflößt. Der Hinweis auf die Gefahr der praktischen Arbeit genüge vollständig, um vor weiterem ruhigen Gewährenlassen zu warnen: „Soweit die Konservativen diese Behauptung des„Vorivärts" angeht, können wir bestätigen, daß wir in dem„praktischen Wirken" der Socialdemokratie, in der Verbreitung d e S K l a s s e n h a s s e s, in der Untergrabung jeglichen A u t o r i t ä t s b e w u tz t s e i n s. in der E r w c ck u n g der Unzufriedenheit und der Sammlung aller' Miß- vergnügten unter der roten Fahne allerdings eine g r v ß e <Ä e f n h r. aber nicht eine Eefnhr für»>» s c r e Jntcrcsscn, son- drr» für unser Saterland erlilicken." Dan, die Kmikerschaft»ieiiials etlvas für ihre Interessen tln'.t, sondern lediglich mit hinunlischer Selbstlosigkeit dein Vatcrlande dient, ist eine hannlose Versicherung, an deren Echtheit zu zweifeln niiudestenS Gotteslästerung wäre. Davon abgesehen aber, wird uns die„�enz-Zeitnug" weiter zu- gestehen, dag wir nur von unseren vcrfassuugStuäßigcn Rechten streng gesetzlichen Gebrauch inacheit, iveuu ivir uuS boiuüycn, geistige Auskläruug und starke Organisation— im Interesse nnfercS Volkes und der Menschheit— in die Massen zn bringe». Gegen solche Macht des Geiste» ist mm einmal auch in dem Snmps der„Kreuz-Zeiinug" kein Kraut gewachsen, und es muß wohl schon die Schuld an den Klassen und den Nutorttätcn, die wir bekämpfen, liegen, wcmi wir solche Erfolge erzielen. Indes man sollte mich unsere Verdienste nicht überschätzen und gerade die„Krcnz-Zcittlng" sollte ihre eigenen Leistungen hinter den nnsrigen nicht allzu bescheiden verschwinden lasten. Wie wenig haben wir in den von Natur und erblich gutgesinnten Kreisen für die Untergrabung der Autorität und die Erwecknng der Unznsricdcnhcit bisher wirken können im Vergleich zu den riesigen Erfolgen der konservativen Agrardernagogen, die das ganze ebenso bc- sitzende wie mißvergnügte Landvolk unter ihre blaue Rebellen- sahne gesammelt haben, die mit einer nnvergleichlichen Kraft den höchsten Autontäten— man denke an die Dortiunnder Reden, die Kanalablehnmrg und die demonstrierenden Land- rate— ihre gläubigsten Anhänger entfremdet haben, und die in wenigen Wochen mehr zur Erweckung der Unzufriedenheit beigetragen habe», als wir Umstürzler viclleidst in ebensoviel Monaten und Jahren. � Sicht die„Kreuz-Zeitung" in diesem ihren Thun eine Gefahr für das Vaterland, so möge sie gegen sich selbst ans- uahniegesetzliche Gewaltmaßregeln beantragen; sie darf sicher sein, daß Ivir, soviel an uns liegt, dahin streben werden, sie vor derartigen Brutalitäten zu schützen, selbst wenn sie sie gegen sich selbst fordern.— *« Deutsches Weich. Zur Kaiscmdc. Kaiser Wilhelm behauptet, daß in den ersten 8 Jahren seiner Negicruug, d. h. 1888—1897, ihm die Verstärkung der Flotte bc- Harriich verweigert worden wäre. Nnn sind aber gerade— wie die . Fr eis. Ztg." schreibt— in Viesen ersten acht Jahren der Nc- gicrnngSzci't Kaiser Wilhelms II. die Ausgaben im Extra- O rd i uariuiil des Marinc-EtatZ mehr als verdoppelt worden gegen die vorhergehenden acht Jahre. In den vorhergehenden acht Jahren haben diese Ausgaben zusainmen 03 Millionen betragen, in den ersten acht Jahren der NegicrungSzcit Kaiser Wilhelms II. dagegen LZit Millionen Mark. Während Kaiser Wilhelm II. bchallpict. daß in den acht Jahre» 1889 bis 1697 die Flotte keine Verstärkimg erfahren hat, ergeben die Schiffs listen, daß in diesen acht Jahren vom Stapel gelaufen sind nicht weniger als 7 P a n z e r l i n i e n- schiffe, 8 Küsten Panzerschiffe, 6 große Kreuzer, 19 kleine Kreuzer, 38 Torpedo schiffe mrd die Kastcr- Archt„Hohciizollcm". Tiefe Schisse erheischten für ihre Fcrtigstcllimg im ganzen 275 Millionen Mark. Entsprechend der daraus folgenden Verstärkung der Flotte waren die f o r t d a n e r ir d c n Ausgaben der Mnrinevcrivaltnng, welche im letzten Negicrnngs- jähr Kaiser Wilhelms I. unr 14 Millionen Mark betrugen, nach acht Jahren im EtntSjahr 1899 schon auf 40 Millionen Mark cuigewachscu. Die P er s o n a Ist är k e der Marine hatte in dieser Zeil eine Erhöhung von 15 573 Manu auf 21835 Mann erfahre». Armee- und Marine- Ausgabe». In den letzten acht Jahren der NegieruiigSzcit Kaiser Wilhelms I. find an lanfenden und cümmligen Arn gaben für Armee und Marine 4114 Millionen Mark.ausgegeben worden. I u den ersten acht Iah reu der Regicnmgszcit Kaiser Wilhelms II. betrugen diese Ausgaben 5!)Sti Millionen Mark, irwren also 1K12 Millionen Mark höher als in den letzten acht Jahren der NcgieruugSzeit Kaiser Wilhelms I. Wesentlich infolge dieser Erhöhung der Militär- und Marine- Aus- gaben ist die Reichsschuld um 1400 Millionen Mark ge- wachse». Die RcichSschnld hat sich seit dem Tode Kaifer�WilhelmS I. bis 1897 verdreifacht; sie betrug damals 721 Millionen Mark und bclief sich schon am 1. April 1397 auf 2142 Millionen Mark. Dabei ist die Belastung mit Ret ch S st c u e r n, welche sich im Jahre 1833/89 auf nur 307 Millionen Mark bcliefen, in den ersten 8 Jahren der Regiernngszeit Kaiser Wilhelms II., also bis 1696, auf 7O0 Millionen Mark jährlich angewachsen. Vom Freisinn. Da? Organ deS aufrechten und honclten Bürgertums, die „V o fsi s ch e Z e i llin g", ist nnn glücklich so loeit gekounnen, sich den vollen Beifall der von Stuinin imd Krupp gediiligencn Presse zn ucrschaffc». Für jeden, der noch ein bißchen wirklichen Liberalis- inuS sich bewahrt hat. ist folgende SchlußsolgcnmgSkctte über- zeugend: Die Besserung der LebenShaltimg der Arbeiter ist die irnchtigstc lulnircllc Forderung. Diese Besienmg kann nur dnrch Organisationen der Arbeiter, in lebter Linie-mittels Streiks, herbei- geführt worden. Damit der günstige Erfolg erreicht wird, müssen die Arbeiter möglichst sämtlich orgaiiisiert sein, und es ist vor allein ver- derblich, wenn sie durch das unsolidanschc Verhalten von Arbeitskollege» um den Erlrag ihrer Mühe» gebracht werden. Infolge dessen ksr eö im Jutcrcsse der Kultur bedauerlich, daß durch sogeuamite Arbeits- willige die fortgeschrittenen Arbeitet in ihren Bemühungen gehemmt werden, wie es verzeihlich ist, wenn hie und da die'orgmiister-ten Arbeiter in der sociale» Notwehr gegen die Arbeitswillige» zn weit gehen. Dn§ einzige redliche Mittel, solche» Ausschreitungen vorzn- bongen, ist die a u S» a h m s l o s e Organisation aller Arbeiter. die Erstarkinig des Gewisiciis der Solidarität, und es ist mithin die Aufgabe jedes ivirklichen Liberale», aus diese umfassende Organisation hiiiznarbeiten. In diesem Gedankenkreis zwingender Schlußfolgerungen, die man zugeben mutz, wenn man einmal die erste Voraussetzung aceeptiert. den kulturellen Wert einer Helnmg deS ArbeitrrjtandeS. bewegt sich ungefähr Lujo Brentano. lind lvas schreibt nun die freisiiilligc„Vossin" gegen den Münchcner Gelehrte»? Der Geist der glorreichen PosadowSky-Denkschrift ist über sie gekommen und sie tnallt die folgenden Patronen loS: Wir wollen doch betonen, daß der Zweck, die Arbeits- lv i l l i g e n zu schützen, durchaus derunsrige ist... Wir sind keineswegs der Ansicht, daß jedesmal. wenn eine ArbcitSciustcllimg ausbricht, das Recht auf feiten der Arbeiter ist, und daß daS Ziel, einen höheren Lobn zu erzwingen, mNer alle» Ilmfländeii gebilligt werden muß... Aber selbst dann, wenn eine Arbeitseiustelliiug für gerecht gehalten werde» muh, ist derjenige Arbeiter, der seine Arbeit zu den allen»nzureichendeii Bcdiugnugen sortsrlit, formal in seinem guten Rechte, und in vielen Källcn verdient er niiscre Sympathien. Ter Regel nach wird die Sache so liegen, daß er ein krankes Familicnglicd im Hause hat, oder von ähnlicher Rot geplagt ist, n»d lieber seine Familie mit dem bisherigen Lohn kümmerlich erhalte», als sie einem Mangel aussetzen will, der schweres Leid über ihn und sie heraufbeschwören kann. „Der Arveltcr, der nach berkündigtem Ausstände seine Arbeit einstellt... darf nicht Gewalt b>>- fen. nicht droben und nicht beleidigen. Wir kvuucn imS nie; c linngl der Ansicht Brentanos aiischließeii, daß ihm die Wabni hmimg berechtigter Jutcresien als mildernder llmstaud zur Seite steht, wenn er sich in der an- gedciiieten Richtung strafbar macht. „Soweit wir Gelegenheit gehabt haben, von ciiizelnc» konkreten Fällen der AnSschrritiingen bei Arbeitseiiiftcllmigcn Kenntnis z»«elimcu, haben wir stets den Eindruit go- Wonnen, daß die Arbeitswilligen brave und bcsonneiic Menschen tvirnn, und daß ihre Angreifcp mit Ztoheit ge- handelt haben. Es mag ein Zufall scni, daß wir solch« Erfahriiiigrn gesaunuelt haben; vielleicht haben andere entgegen- gesetzte Erfahinngen gesammelt. Aber solche Erfahnnigen, nne wir sie gemacht haben, kommen doch auch bor. Wir bekennen unS also ganz entschieden zu dem Grundsätze, daß der Arbeitswillige gegen Alisschreitungeu der Ausständigen geschützt werden muß Aber wir fügen dem hinzii, daß der Arbeitswillige schon jetzt dnrch das Gesetz so gut geschützt ist wie daö Gesetz in solchen Dingen eben schütze» innii. Das Straf» gesetz allein thnt es nicht; Polizei und Strafgesetz müssen zn- jamiucii wirken. Picilcicht löuntc die Polizei bei bedeutrudeu Arbeitsciiistellniigen und bei hervortretender Neigung zu Aiisschrettiiiige« etwas mehr am Platze sein. Aber auch die beste Polizei und die strengste Handhabung de» Strafgesetzes werden mir in seltenen Kalle» im stand« sein, eine» klnfiig mit der Wurzel ouSziirotteii." WaS hier daS freisimiige Blatt schreibt, übertrifft noch weit die Tenksclirift. die noch immerhin einen Anlanf genommen hat. ein paar Thatsaclien beizubringen. Die„Vossiii" begnügt sich, nach dem Vorbild niedrigster ftlalscbbnsen, ihre persönlichen Ersalunngen zum besten zn geben, daß die Arbeitswilligen brave und besonnene Mensche», die streikenden Angreifer rohe Patrone sind. DaS Blatt des Exgenoffcu Stephann hat überhaupt ein imüber- trefflich weiches Gemüt. Nicht nur, daß es echt freisinnig nach mehr Polizei rnst, es widmet seine Sympathien, auch wenn es einen Streik für berechtigt hält, denen, die de» Mißerfolg deS Streiks herbeiführen, weil sie ihren Kameraden heimtückisch in den Rückeu fallen. Wohlgcmcrkt: diese Sympathic-Erklänmg für die Arbeitswilligen gestattet sich das Blatt ausdrücklich unter der VoraiiSsetzung cincS an sich gerechten Ausstandes. Es versetzt sich mitleidig in die Seele eines Arbeitswilligen, der in kurzsichtiger Feigheit seine Kameraden verrät, weil er für seine Familie Not befürchtet. Aber c-Z lächelt falt über das wirkliche M a s s e n e l e n d, das hereinbricht über die Arbeiterfamilien, die zwar einen an sich gerechten Streik begonnen, ihn aber verloren haben, weil jene Arbeitswilligen— an ihre Familien dachten. ES mindert nicht die Jämmerlichkeit der freisinnigen AiiSlasmug, daß das Blatt sich gegen die ZnchthauSvorlage erklärt, weil die jetzigen Strafen ausreichend seien. In dem Sündenregister deS Freisinns darf diese RiiSlassimg einen hervorragenden Platz bc« aiisprnchni.—_ Konservative und Ecntrnm. Tic„Kreuz- Zeiiimg' hatte neulich dem Cciitnn»— so weit ist es mit dieser„deniokratischcn" Partei gekommen— den schüchternen Antrag eine* Kartellschliisse« gemacht. Die„Krenz-Zeitimg" hatte in einem Artikel einer CcittrmnS- Korrespondenz den Beweis zn sehen geglaubt,„daß es auch im E e n t r n m gewichtige Stimmen gicbt, die von einer unbedingt feindseligen H a I t n» g zu den Konservativen nichts wissen wollen, sondern verlangen, daß beide Parteien aus den- j c n i g e ii Gebieten, in denen ihre A n s ch a u u« g e n sich berühren, friedlich mit einander arbeite n." Das gemeinsame Gebiet ist natürlich die Schule imd was mit ihr znscniiiiinihäilgt. Die katholische„Germania" weist ihrerseits die Werbung nicht ganz zurück. Niemand im Erntrum habe eine„im- bedingt feindselige" Haliimg zu den Konservativen,„wie es auch ielbstberständlich ist. daß Eciitnini und Konservative ans denjenigen Gebieten, in denen ihre Auschauimgeu sachlich sich berühren, friedlich mit einander arbeiten. Die Cculrumspartei hat dicS stets bewiesen Z leider aber könncii wir von der konservativen Partei nicht dasselbe sagen." Damit ist die„Gmuania" wieder auf daS im Eelitrum sehr beliebte Thema der erst zu erfüllenden„Vorbediiiguugcu" gc- laugt: „Wir wurden der Bcrsichcruug der„Krenz-Zeiiimg". daß die Konservativen dem CeiUrum gegenüber de» Staudpuiilt der G l c i ch b e r e ch t i g ii ii g, aber nicht in Worten, sondern wirk- l i ch beobachten, beispielsweise dann mehr Glauben schenleii können, wenn die„Llrciiz-Zeiluiig" einmal offen erklären wurde. daß nach ihrem Dafürhalten ein Ceutrumsmanri ebcnsogul Minister— auch KiiltiiSniinistcr— werden könne, als ein konserva- tivcr oder freikonservatiber Beamter. Wcim die„Kr.-Ztg." einmal dem Gedanken einer solchen Gleichberechtigung deS CenttnmS Ausdruck giebt, ivas auch höheren Orts nicht ohne Eindruck bleibe» würde, dann würde» ivir schon eher geneigt sei», ihren Berfichorilltgcii über daS Anerkenuttiis der Gleichberechtigung Glauben und Bertranen zu schenken." Die„Germania" verlangt also einen iiltranioiitaiicn Kultus» minister, dann ist sie für eine loiiscrvaliv-rcaktioiiäre Politik zu baben. Für die Beurteilung des CciilriimS, über das mau nicht selten Jlliisioiien hegt, ist dicjcö Glaubciisbelcniituis deS„Germania"- Flügels wohl zu beachten.— Ncbcr den Znsammcnhanq von Religion und Technik hat der Kaiser bei der Himdcrtjabrscier der technischen Hochschule in Charloltciibnrg sich wie folgt geäußert: „Daß durch die wissenschaftlichen Bestrebungen der Hochschule» der innige Fiisanuueiihaug mit der Praxis nicht bcciiiträchngl werden darf und die Technischen Hochschulen bemüht sein werden ans der anregenden Berührung mit dem Leben fortdauernd neue Kraft imd Nahrung zu ziehen, dafür diciien als Wahrzeichen die Standbilder der beiden Männer, die fottmi die Front dieses Hauses schmücken werden. So lange sie die Trimierniig an diese Männer festhalten und ihrem Vorbilde nacheifern, wird die deutsche Technik im Wettkampf der Nationen allezeit ehrenvoll bestehen. In dem Berhältni« der Technischen Hochschulen zu den anderen obersten Uitterrichtsstätten aber giebt es keine Jiitereffcn« gcgensätze und keinen anderen Eifer als den, daß eine jede von ihnen und jedes Glied derselben an seinem Teile den Forderiiiigeu, die da? Leben und die Risicnschast stellen, voll gerecht werde, ein- gedenk der Gocthcschcii Worte: Gleich sei keiner dem andern; doch gleich sei jeder dem Höchsten! Wie das zu machen? ES sei jeder vollendet in sich! Bleiben die Technischen Hochschulen, welche in dem zn Ende gehenden Säciilnm zu so schöner Blüte sich entwickelt haben. dieser Mahnung getreu, so wird das kommende Jahrhundert sie Ivohl gerüstet finden, auch den Aufgabe» gerecht zu werden, welche die fortschreitende kulturelle Entwicklung in immer steigendem Maße an die Technik stellt. Stamicnerregcnd sind die Erfolge der Technik in unseren Tagen, aber sie waren nnr dadurch möglich, daß der Schöpfer Himmels«nd der Erde den Meitfchen die Fähig- kctt und das Streben verliehen hat, tmmcr tiefer t» die Ge- heiinuiffe seiner Schöpfung einzudringen und die Kräfte und die Gesetze der Nawr immer mehr zu erkennen, nm sie dem Wohle der Menschbeit dienstbar zu machen. So führt, wie jede echte NZtsscnschaft, auch die Technik immer wieder zuriiik auf den Ursprung aller Tinge, den aUmächttgeu Schöpfer, und in demütigem Dank müssen wir un« vor ihm beugen. Nur ans diesem Boden, ans dem auch der verewigte Kaiser Wilhelm der Große lebte und wirkte, kann auch das Streben imscrcr Wissenschaften von dauerndem Erfolge. begleitet i'ein. Halte» SiS, Lehrer und Lernende, daran fest, so wird Ihrer Arbeit Gottes Segen nicht fehlen. Die von der Orthodoxie viel gelästerte, namentlich unsere Natur« wisscuschastlcr beherrschende mechanistische Weltanschauung«rweist sich, dieser Kaisrrrede zufolge, mir als eine Wirkung der monotheistischen Tcleologie, dcö frommen Glaubens an eine überweltliche Technik, die alle Zwecke im voraus festgelegt hat.— Heinrich XXll. EL ist bekannt, daß der Beherrscher de« Fürsten- timis I'.euß ä. L. eifersüchtig über die Unversehrtheit seines beson- deren Herrscherliiels wacht. Das geht auch aus der Prägung der reußilcheu Miinzni hervor. In der NcichStagssitzung vom 17. November 1871 hatte Bismarck den Antrag des Grafen Münster, eS solle auf die Rückseite der G e I d stiuk e nicht das B i l d ii i S der einzelnen Landes- f ü r st e n. sondern das des Kaisers geprägt werden, ans Rücksicht ans die dynastische Empfindlichkeit zu Fall gebracht. Während kein deutscher Fürst auf den Geldmünzcii an seine Souveränität erinnert, läßt der Fürst von Neuß ä. L., wie die„Nhein.-Weslf. Zeitung" auf- merksam macht, auf den Geldmiiiizen sein Porträt durch folgende Worte einrahmen:„Heinrich XXII. v. G. G. Alt. L. Souv. Fürst Reuß"; d.h.:„Heinrick, XXll. von Gottes Gnaden LeltererLiieie Souveräner Fürst Reuß." Bei der heuligen Zeitsliimmmg dürfte das Beispiel des zwei- nndzlvaiizigsten Heinrich, der koiisegncntcrlvcise nicht von der Anzahl der regierten Oiiadratkilomctcr abhängig macht, am Ende Nachahmung finden.— Warum? Am letzten Sonntag sollten in Glauchau in Sachse» die Wahlen ziiw Gclvcrbegcricht vorgcnammen werden; der Wnhitermin ist natürlich schon lange bekannt gemacht. Am Sonn- abend, also einen Tag zuvor, verbietet die Krcishanpttnmmschaft plötzlich die Wahl mit der Begründung, daß eine ältere Verordnung bestehe, nach der die Bornahme solcher Wahlen deS SomilagS nichr gestatiet fei. Alle Beteiligten, Arbeiter wie Iliitcniehmcr, haben daS größte Interesse daran, daß die Wahl des Sonntags vorgenommen wird, weil sie dann ihr Wahlrecht ohne Vcrnachläjsigung ihrer Geschäfte auZüben können; warum wird ihnen das verwehrt? Ein konservativer sächsischer Landtags- Abgeordneter, Dr. Schober aus Leipzig, fitzt seit Jahren amcheinend zu Unrecht im Landtag. Schober ist nämlich öftreichi scher Gciierallonsnl. Daraus hin ist sein Mandat jetzt von den Liberalen aiigefochtcu worden und sie köimen sich dabei ans die Anschaiiimg der sächsischen Ttaatsregicrimg stützen. Die„Dresdner Zcitmig" macht nämlich auf eine sächsische Ministcrialberordimng vom Jahre 1892 aüfinerk« sam, wonach die Konsuln, auch die Wahlkonsiiln, als Beamte des ernennenden Staates anzusehen find. Diese Verordnnng ist vom jetzigen Minister des Innern gezeichnet und wird deshalb von ihm auch nicht desavouiert werden kömien. Danach ist Herr Schober, der dem sächsischen Landtage seit 1893 an- gehört, nicht wählbar: er ist von vornherein nicht wählbar gewesen und er'müßte jetzt sein Mandat sofort niederlegen. Waren doch die Konservativen so sehr besorgt um die Wah« rmig deS geictzlichcii Rechtes, als sie Liebknechts Mandat anfochten, als er angeblich seinen Wohnsitz in Sachsen aufgegeben hatte. Liebknechts Mandat wurde im Frühjahr 1893 ans Beranlassimg der Konservativen kassiert, imd im Herbst 1893 wurde der gar nicht wählbare konservative Herr aufgestellt und gewählt. Wo blieb da die Sorge um die Wahrung des Rechts bei den Konservativen? „Gcsährdnug des Tentschtilii-.S" liegt nach einem Beschlusit deS Beut Heuer Amtsgerichts vor. wenn gegen Polen wegen Vereins- gcsctz-llcbcilrctuiig verhandell wird, und deshalb beschließt es auf den Antrag deS AintSailwaltS und gegen den Wunsch der Angeklagten, den Slnsschluft der Ocffentlichkeit! So geschehen in Beickhcn O.-S. dieser Tage in einer Strafsache gegen den Redacteur des „statolik", Dombck, und den Kanfmaim Pictruschka. Ver- urteilt wurden D. imd P. zu 90 resp. 45 M. Geldstrafe. Das Deutschtum hat glücklicherweise infolge jenes Gerichtsbeschlusses keinen Schaden genommen.— Vkiinchcn, 18. Oktolirr. Abgeordnetenkammer, sißg. 83«.) Das llLettreuuen um die Glinst der Bauern nahm heute seinen Fort- gang. Eeutmm, Bancrnbmid und Liberale suchen sich dabei gegenseitig den vtaiig abzulaufen. Mit unerhörter Dreistigkeit fordern die Redner dieser ehremperteu Parteien nahezu die gesamten Uebevschiisse für die Ab- lösimg der BodenzinSlnsten. Einzig der Pfälzer Dr. D e i n h a rd erklärte, daß er sowohl gegen den Ausschuß als auch gegen die RegiernngSvorlage stimmen werde, da er eine bessere Benvendung der llebcrschüsie für geboten halte. Minister v. Riedel erinnerte sich heute plötzlich, daß auch noch andere Stände existieren und große Lasten zu tragen haben, die oft viel drückender cmpluildeli würden wie die Bodenzinse. Nach einem Hinweise ans die übrigen StaatsanSgaben fragte der schlaue Finanz- darcm noch, woher er denn die Mittel für die Dnrchfühnuig der wirlschaftSpolitisckicn Anträge des CenttnmS uchmcn soll, weim seine ganzen Ueberschilsse zur Tilgung der Bodenzinse verlangt werden.— An meinen Pöbel! In einem jüngst erschienenen Buche „Zweierlei T»ch" erzählt ein ehemaliger Offizier, daß er daS folgende Gedicht des Königs Friedrich Wilhelm IV. in einer höfischen Vorstellung, der Friedrich Wilhelm beiwohnte, gesungen bade. Die Verse kanten: Was predig: der Pöbel von V o? k S m a j e st ä t, Von BolkSremment nnS trüb imd spät? Hurra! Kamerad! Maisch, marsch, Kamerad! DaS leidet lein p r e u ß'> ch e r Soldat, hurra! DaS leider kein prcnßswcr Soldat! Hat Preußen der Pöbel einst groß gemacht? Nein! F r i e d r i ch. der domicrnde König der Schlacht I Hurra, Kamerad i Marsch, marich, Kamerad l lind mir ihm der prenß'sche Soldat, hurra! Und mit ihm der prcnßsche Soldat! Erlöste der Pöbel bei Leipzig die Welt? Nein I F r i e d r i ch W i I h e l m. der standhafte Held! Hurra, Kamerad! Marich, marsch, Kamerad I Iliid mit ihm der prenß'sche Saldat, hurra! lind mit ihm der prenß'sche Soldat! L, Friedrich Wilhelm, so tieb und teuer? Mein König, wann führst Tu uns wieder ins Feuer? Hurra. Kamerad! Marsch, marsch. Kamerad! Wie sehnt sich der prenß'sche Soldat, hurra 1 Wie sehnt sich der pmiß'sche Soldat! Und sterb' ich für meinen König allhier. Giebt droben der größte König'Quartier l � Hurra, Kamerad j Marsch, marsch. Kamerad!.. Ich sterbe als prenß'jch« Soldai, hurra I Ich sterbe als preuß'fcher Soldat. Als die Verse ailSgesiiilgen waren, ließ der König den Kadetten zu sich rufen und bekannte vor dem ganzen Ailditorumi: „Meine Herren, jene Verse, die Sie soeben so schön haben vor« tragen hören, sind von mir selb st verfaßt worden, in einer der schivcrstcn Stimden meines LebenS, in jener Stunde, als ich nach meinem Ritt durch Berlin, nach der Niederwerfung de« Aufstandes in das Schloß zurückkehrte. Die„Volls-Ztg." stellt dem gegenüber fest, daß dieses Gedicht an demselben Tage entstanden ist. an dem Friedrich Wilhelm erklärt bat, wie glücklich er sich fühle, als Bamierträger der deutschen Ideen vor sein Volk hinzutreten, daß der König sich irrte, wenn rr von Niederwerftmg des Anfftandes sprach. Der Aufstand ist nicht niedergeworfen worden, sondern die Truppen find, ehe es dazu kam, zurückgezogen worden. Im übrigen zeigt das Gedicht, das; der Geschichtsunterricht der tiiniglichcii Prinzen unter Friedrich Wilhelm III. recht mangelhaft gewesen ist. Chronik der MajcstätöbelcldiguugS-Prozcsse. MajestätSbeleidigung, Widerstand gegen die StaatSgeivalt und Verursachung rubestvrenden Lämis wurde dem Handelsmann Karl N a d d a tz aus Berlin zur Last gelegt, der Donnerstag vor der ersten Strafkammer am Landgericht II stand. Der Angeklagte be- fand sich am Abend dcS 6. September in Britz. Er war stark be- trunken und niachte auf der Straxe große» Lcirm, so daß die Polizei requiriert werden mutzte. Als ein Gendarm in Sicht kam, sagte» ihm mehrere Personen:.Machen Sie, datz Sie wegkommen! Jetzt kommt die Polizei l* Naddatz schrie jedoch:„Und wenn der Kaiser selber kommt——— 1" Den Schlußsatz bildete eine schwere Beleidigung. Der Gendarnr hatte die Acutzernng ge- hört und schritt zur Verhaftung des Excedcnten. N. widersetzte sich seiner Verhaftung energisch und machte dadurch sein Matz voll. Die Strafkammer, welche unter Ansschlutz der Ocfsentlichkeit verhandelte, nahm auf die Trunkenheit des Mannes Rücksicht und erkannte wegen sämtlicher Delikte nur auf drei Monate Gefängnis und eine Woche Haft. Die Haftstrafe wurde auf die Un'tcrsuchnngs- Haft angerechnet. Wegen MajestätSbeleidigung wurde der Tapezierermeister Henke im Monat Mai von der dritten Strafkammer des Landgerichts I in Berlin zu einer Gefängnisstrafe vou zwei Monaten verurteilt. Er wurde trotz seines Lengneus und trotz der Bekundung niehrerer Zeugen, datz der Angeklagte sich an allen patriotischen Festlichkeiten beteiligt und sich stets als loyaler Bürger gezeigt habe, für über- silhrt erachtet, in etwas angetrunkenem Zustande eine unziemliche Acutzernng mit Bezug auf den Kaiser gethan zu haben. Sein Bcr- leidiger hat mit Erfolg Revision eingelegt, den» da§ Reichsgericht hat das Urteil aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Ver- Handlung an die Voriustanz zurückgewiesen. Ausrand. Ocstreich-Ungarn. Czcchischc Uurnhcn. Prag, 19. Oktober. Die Polizcidircktion erlietz heute eine Knud- machnng, welche vor weiteren Ausschreitungen lvarnt und erklärt, mit allen, selbst den schärfsten Mitteln für die Aufrechtcrhaltnng der Ruhe und Ordnung einschreiten zu lvollen. Im ganzin sind 23 TichcrhritStvachlcute gestern von Steinen getroffen morden. Bisher wurden 14 Perfoilen verhaftet. Nach amtlichen Mitteilnngen werden vom Lande Demonstra- tionc» in folgenden Slädten gemeldet: Gi?in, Jung- Bunzlau, Czaslan, Auttenbera, Neustadt o. D., Moldau, Rakonicz, Lau», Strakonitz, Neu- Strakemitz. In Laun nahmen die Demo»« strationen den Charakter antisemitischer Exzesse a». ES wurden bei mehreren israelitischen Familien 60 Fenster» s ch c i b c n eingeschlagen. Zur Wiederherstellung und Auf- rrchterhaltnng der Ordnung wurde« sofort 2ö Mann Gcndarnicne dorthin beordert. AuS Strnkowitz und Nen-Stralowitz wird gemeldet, daß ivährend der Dcmonstratiouen die Reichsadler und Aufschriften auf den Briefkästen besudelt wurden. Trcbitsch in Mähren, 19. Oktober. Die Kinidgebungen gegen die Aufhebimg der Sprachcuverordmingen wiederholten sich gestern im grötzcren Matze. Die Gendarmerie schritt ein und nahm vier Verhaftungen vor. Die Ruhe war bald ivicder hergestellt. Brünn, 19. Oktober. Nach Berichren aus Prerau, Protznitz, Trebitsch, Boskowitz und Kojetein fandern gestern, bczicbungsivcisc vorgestern Kundgebungen� statt. In Perm, zog am 17. d. M. nach dem Schlüsse einer Versammlung eine Menschenmenge nnter Ad- singen nalionaler Lieder durch die Straßen. Da die Menge der Aufforderung, auZcinäiidcrziigchen. keine Folge leistete, und sich auch das Einschreiten der Gendarmerie als nicht zureichend crwicS, rückte Kavallerie vor. Aus dem Publikum»mrde» gegen die Pferde Knallkapseln geschleudert, deren Explosion zur Folge hatte. datz die Pferde in die Menge sprengten, wobei einige Perionen zu Bvoei, geworfen wurden. Drei Personen wurden leicht, eine Person schwer verletzt. Ans Befehl des Vezirkshauptmaniw zog sieb die Kavallerie zurück. Die Menge begab sich sodann tnippweise ans den Stadtplatz»nd auf den Zierotinplatz, Ivo die Fenster der von Israeliten bewohnten Hänser zertrümmert wurden. Der Bürger- meister erlietz gestern eine Kundmachung, in der vor Ausschreitnngei, gewarnt wird.— Frankreich. PariS, 19. Oktober. Ter Senator Bcrcnger erklärte einem Redactcur de»„TeinpS", die Nntcrsuchnng in der Komplott- affaire werde am Sonnabend beendet sein. Der Prozetz vor dem Senat werde zwischen dem 8. nnd 10. November stattfinden. und 12 bis IS Angeklagte würden dem StaatsgerichtShofe über- wiesen werden. Amerika. Rio de Janeiro» 19. Oktober. Es wird von amtlicher Seite zugegeben, daß die Beulcupcst in S a n t o S aufgetreten ist.— NommunAles. Stadtverordneten- Versammlung. S0. Sitzung vom Donnerstag, den 19. Oktober. nachmittagSSUHr. In den AuSschutz zur Vorberatnng der Vorlage wegen elektri« scher Beleuchtung einiger Wege des Tiergartens sind auch die Stadt- verordnete» Herzfeldt und G. Schulz deputiert. Der zum dritten KommuiiallaudtngS-Abgeorduetcii'Stcllvcrtreter gewählte Stadtv. D i n f e hat, wie vorauszusehen war, die Wahl abgelehnt. Um 6 Uhr wird die anderweitige Wahl vorgenommc» werde». Den Vorsitz in der heutigen Sitzung führt der Vorsteher-Stell- Vertreter Michelet. Dr. Langerhans ist erkrankt. Im April 1900 steht die Feier deS 50 jährigen Bestehens deö Friedrichs«Gymnasiums und des Friedrichs- Realgymnasiums bevor. Zur Herausgabe von Festschristen und zur Deckung der Kosten für den Festakt werde» 2900 M., außerdem zur Bezahlung eines Goldrahmens für ein Oelbild König Friedrich« des Großen, welches ein Lehrer dem Friedrichs- Gymnasium schenken will. 150 M. beantragt. Zur Beschaffung des Mobiliars �ür die neuen städtischen Bibliothekräume Zimmer st ratze 91 sind 2500 Mark erforderlich, welche aus den Ersparnissen des Fonds von 20000 M. für die bauliche Einrichtung entnonmien werden solle». Die Vcrsannnlung beschlieht in beiden Angelegenheiten ohne Debatte»ach den Magistratsaiilrägen. Zum 3. Äomimnial-Landtagsabgeordneten-Stellvertreter wird mit 62 von 73 gültigen Stimmen(20 Zettel sind unbeschrieben) Stadtv. R o s c n o w gewählt. Für die städtische Blindenpflege soll eine besondere Ver- waltnngsdeplltation geschaffen werden, bestehend aus 2 Magistratsmitglieder,,. 2 Stadtverordneten. 8«ümerdeputierten. Ihre Aufgabe ist. sorgen für die Ausfühniiig und Verwaltung der Becker' scheu Sttslnng(von 730 000 M. zu einem Asyl für betagte Blinde), für die Blindeiibeichästigungs- Anstalt und für die Blindenschule und die Fortbildungsschule für Blinde: bezüglich der letzteren beiden soll sie unter der gesetzlich gcord- nctcn Mitwirkung der Schuldeputation dahin' wirken, datz die für Blinde sonst bestehenden Stiftungen und Vereine möglichst miteinander und mit der Stadtgemcinde in Uebereiiistimmung ar- beiten. Stadtv. Alb. Schulze beantragt AilSschutzberatung, da ihm die Vertretung der Versammlung in der Deputation nicht genügt. Stadw. K a l i s ck erachtet auch die Frage der zlikünftigen Ver- waltung der hierhcrgehörigen Stiftungen und Vermächtnisse näherer Prüfung für bedürftig. Die Vorlage geht an einen AuSschutz. Der Stadtv. Ullstein, unterstützt von der neuen Fraktion der Linken, hat folgenden Antrag eingebracht: Den Magistrat zu ersuchen: 1. der Versammlung noch rechtzeitig für das nächste Etatsjahr eine Vorlage zugehen zu lasse», durch welche der Preis für das Leuchtgas unter Zugrundelegung eines Einheitspreises herabgesetzt wird. 2. mit der Einführung von Gasautomaten vorzngcheu. Stadtv. Ullstein: Unser Antrag soll die Frage der GaspreiS- ennätzigung in schnelleren Flutz bringen. Seit 12 Jahren haben wir eine Preisdifferenz für Koch- und für Leuchtgas: zur Zeit kostet das Kochgas 10, das Leuchtgas unverändert 16 Pf. pro Kubikmeter. Der Preis des Leuchtgases ist uns stets als zu hoch erschienen. Die Differenzierung hat insofern etwas Unnatürliches, als sie zu der ganz irrationellen Anlage doppelter Leitnngen nötigt. Andererseits crgiebt der neueste Abschlutz unserer Gaswerke den kolossalen Ucbcrschntz von 6 Millionen; eS werden am Gas 100 Proz. ver- dient. Diese riesige Snnime stammt vornehiiilich aus den Taschen derjenigen, welche am wenigsten in der Lage sind, solche Lasten zu trage», der mittleren und kleinen Gewerbetreibende»; denn die Grotzbetriebe bedienen sich mehr und mehr des ekeltrischen Licbtcs. Für jene Kreise stellt sich der hohe LcuchtgaspreiS mehr nnd mehr als eine drückende indirekte Kommunalsteuer dar, schon wegen des monopolartige» Charakters, den die städtischen Gaswerke nnd die englische Gasgescllschaft tragen. Eine Herabsetzung thut unlsomchr not, nackidem seiner Zeit die Reform der städtischen Geiverbestener gescheitert ist. WaS wir brauchen, ist ein Einheitspreis. Die Höhe desselben zu normieren, wird Sache des Ausschusses sein, der hierfür niederzusetzen wäre. Persönlich halte ich für uuangezeigt und unbillig, den Preis des gewerblichen Gases, nachdem er auf' 10 Pf. herabgesetzt ist, wieder zu erhöhen. Wir verdienen ja auch bei 10 Pf. noch reichlich, wie die Abschlüsse zeigen. Außerdem ist ja der Gaskousum»och ganz erheblicher Steigerung fähig, so auf dem Wege der Eiliführimg von Gasautomaten. die wir ebenfalls in unserm Antrage in den Vordergrund stellen.(Beifall.) Stadtrat N a m S l a u: Datz gegenwärtig am Gase ein Nutzen von 100 Proz. erzielt wird, trifft nicht zu. Der Gewinn deS letzten Geschäftsjahres beträgt 5, nicht 6 Millionen(denn in letzterer Zahl sind 1200 000 M. Neste ans dem Vorjahr mit enthalten), und zwar ans einem Geschäft, welches mit 20 Millionen arbeitet, also nur höchstens 25 Proz. Einen Betrieb wie diesen kann doch die Stadt nur übernehmen, wenn sich daraus eine Ein- iiahnicqllelle für die Allgemeinheit ergiebt. Wir wollen das Geschäft betreiben, wenn wir daran verdiene» können. Das können wir aber bei 10 Pf. Einheitspreis überhaupt nicht mehr. ES lväre», wenn wir die 82 Millionen Kiibikmetcr Leuchtgas für 10 statt 16 Pf. abgegeben hätten, netto 5 Millionen weniger einaekoniiiicn, ein Ucbcrschntz also gar nicht niehr vorhanden gewesen. Die Kohlen« preise steige», die Löhne sind dauernd im Steigen, die Berwertling der Nebenprodukte wird i ininer niilohnciider: die Tendenz ist also eine weichende. Die Stcigcrimgsfähigkeit des Konsums gebe ich zu, aber damit erreichen wir keinen höheren Ucbcr- s ch ii h. Von ciiieni Einheitspreis von lOPf. kann also gar keine Rede sei». Auf dein Gebiete der Gasaiitomaten ist bei uns miermüdlich gearbeitet worden: datz wir noch nicht weiter find, liegt an unfern niigüiistigen Verhältnissen. Unsere kleine Nickelmüiize ist dafür sehr iiiigeeignet: die Konstruktion richtiger Aiitoniaten bietet große Schivicrigkciten. Stadtv. Singer: Die Beratung dieses Antrages kann heute hinsichtlich ihres Erfolges mir akademisch sein, weil jedes thntsächliche Material zur Enkfcheidimg der Frage fehlt. Will der Antragsteller dlotz eine platonische Demonstration zn Gimstcii des Einheitspreises herbeiführen, so läßt sich dagegen nichts sagen: diesem Gedankeii sind wir näher zn treten sehr geneigt. Aber schon die Anssiihruiige» des MagistratSvertreterS haben ims gezeigt, wie weit wir von der Erfüllmig dieses WlinscheS noch entfernt sind, zumal von Km Einheitspreis von 10 Pf. Für diesen hat sich Herr Ullstein»»r für seine Person erklärt: er wird also durch seine Fraktion nicht gedeckt. Ich bin in der glücklichen Lage(Grotzc Heiterkeit) und vertrete diese Fordcrliiig also noch radikaler als die Antragsteller. Die Beweis« fuhrung deS Magistratsvertreters, datz wir das Gas nicht mit 100 Proz. Gewinn vertaiifcii, hält nicht stand. Ist die Zahl richtig, datz unS der Kubikmeter Gas 8 Pf. kostet iind nehmen wir 16, so sind daS 100 Proz.. ebenso wenn wir 20 Millionen erhalten für etivaS, waS nnS nur 10 Millionen kostet. Aber dicscS ist überhaupt ein niützigcr Streit. Gewitz soll bei ciiicin solchen Kommnnalbctrieb auch ein Nutzen für die Allgemeinheit bleibe», aber d i esc r N n tz e n darf sich nicht zu einer drückenden indirekten Steuer niiLgestalteii, tu i e e S beim Gase bereits der Fall i st. Für den kleinen und mittleren Gewerbetreibende» wird durch den Preis von 16 Pf. ein viel höherer Teil frincs GcsthäftSgeivmn» absorbiert als für den grvtzcn. Bei dem so niitzervrdentlich hoben Ueberschntz unserer Gasanstalten müssen daher auch für diw Leuchtgas cntfprcchcndc Ermätzigniigeu eingeführt werben. Ev ist keineswegs gleichgültig, ob wir mehr abfetzen, wenn wir bei 10 Pfg. nichts verdienen.' Mit der steigenden Produktionsmenge steigen die Herstellungskosten keineswegs porl'ortional. Auch die pessimistische Anffafsuiig binsichtlich der Nebenprodukte scheint mir nicht begründet. Einer Leuchrgasverbilligung aber auf Kosten der Konsmiicntcn des Kochgascs niüssen wir aufs ciilschicdeuste entgegen- treten. Ob eS angängig war,»nit dem KochgaSpreiS ans 10 Pf. hcrabzugchcn, hätte man früher erwäge» müssen; nachdem dieser Preis einmal festgesetzt ist, halte ich die Erhöhmig desselben für ein verfehltes Expcrimctit. das Ihnen mitAccht dieUiizusriedenhcitdcriveitesteiiKreise erwerben würde. Sie ständen ja auch als die blamierten Europäer da. wenn Sie eine im Interesse nnd zur Eeleichterung des Mittelstände» beschlossene sociale Matzregcl wieder rückgängig machen wollten. Dazu wird sich der Magistrat wohl nicht verstehen. Nach den von mir jüngst cingezogcncir viclsachen Erkundigungen in Familien uitd Betrieben lugt gerade bei 10 Pf. die Grenze, wo man mil Gas noch vorteilhaft kocht. Ein derartiger Rückschritt wäre ja auch im- erhört und ohne Vorgang: dazu müßten ganz andere zwingende Gründe vorhanden sein. Wir köniien den Lenchtgosvervrauchern sehr wohl cnt- gegenkontmen. ohne daS Kochgas zu vcrlcueru. Die Uiibcqucmlichkeilcit für die Verwaltung würde man wohl noch einige Zeit lang in den Kauf nehmen können. Gehen Sie von 16 auf 12, 13 oder 14. Pf., tvenn e>- zunächst nicht anders sein kann; führt die Konsumerhöhung zu weiterem Gewinn, dann kann weiter herabgegangen werden, bis wir vielleicht wirtlich auf 10 Pf. komme». Derer, die blotz Kochgas konsumieren und für Leuchtgas oder gar elektrisches Licht nichts übrig habcli, sind doch nicht wenige. Nnd warum wollen Sie nicht stufenweise eine Verbilltgnng eintreten lasten dergestalt, datz Sie den Gewerbe- treibenden, die weniger verbrauchen, eine grötzere Ermäßigung g.währen?(Bewegmig: Stufe: Das ist neu I Eine Strafe auf den Konfuin I) Wenn es neu ist, so ist es auch gut. ES giebt also doch zahlreiche Wege zur gerechten AiiSgleichiiiig der Jiitercffcn. Aber der Wicdererhvduiig des KochgaSpreifcS können wir nimmer- inehr zustimmen. Von der Aufstellung von Automaten verspreche ich mir, wie einmal bei uns die Berhältiiist'e liegen, nicht viel, namentlich wenn die Aufstellung noch mit Kosten verknüpft wäre, waS ja freilich anscheinend nicht beabsichtigt wird. Wir hoffe», oatz in der Ausschutzberatung unseren Gesichtspunkten volle Würdi- gling zu teil werden wird. Stadtv. Ja codi: Vor etwa einem Jahre hat daS GaS« kuratorium den Einheitspreis von 12 Pf. vorgeschlagen. Der Magistrat hat das abgelehnt und anheimgegeben, Rabatte zu gewähren. Darauf'hat sich wieder das Kuratorium nickt einlassen mögen. Die Frage bedarf einer radikalen Lösung. Die Technik wird noch mehr als bisher eine entscheidende Rolle zu spielen baben. wie ja die Einsühning deS Glühlichts schon eine er- heblichc Verbilligung mit sich gebracht hat. Ein Einheitssatz ist mit allen Kräften anzustreben. Die Rücksicht auf die 11 OOOKoiifnmenteii. die blotz KochgaS abnehmen, kann nicht ausschlaggebend sein, den» sie konsumieren uilr 3 Mill. Kubikmeter Kochgas von den 24 Millionen, die insgesamt an Gas geliefert werden. Der kleine Aufschlag von 2 Ps. kann doch gegenüber den sonstigen Vorteilen der Sparsam- keit lmd Sauberkeit kaum in Betracht kommen: auch hängt der Effekt einer solchen Erhöhung sehr von den Konjunkturen für die übrigen Breimmaterialicii ab. Stadtv. D e t e r: Von allen Seiten wird heute bedauert, datz nsdjt schon früher ein Einheitspreis fixiert worden ist. wie es s. Z. mein Antrag gewollt hat. Wenn wir zu einer gedeihliche» Eni- wicklniig der Gasanstalten gelangen wollen� werden wir über eine Erhöhung des Kochgaspieiscs nicht hinwegkommen. Der Herstellungspreis kalkuliert sich thatsächlich auf nicht mehr als 6 Pf., wir würden also den Einheitspreis von 12 Pf. sehr gut ein- führen können nnd damit zugleich der Bürgerschaft einen erheblichen Nutzen zuweiiden. Der berechnete Ausfall von einer Million würde sich in einigen wenigen Jahren ausgeglichen haben.(Beifall.) Stadtv. M o m m s e n hält zur Zeit mit Singer einen EinheitS- preis nicht für gangbar. Der Beschlutz der Herabsetziing des Kochgas» Preises auf 10 Pf. habe vor vier Jahren die Erreichiliig des Zieles deS Einheitspreises um mindestens 10 Jahre verzögert. Gerade lveil es die kleiiisteu Konslimeuten sind, solle man jetzt nicht den KochgaSpreiS erhöhen— nicht auS den Gründen des Kollegen Singer komme er zu dieser Auffassung, sonder» weil die Stadt nicht mil den Preisen so ivillkürlich wirtschaften dürfe, sich vielmehr mit einem stabilen Preise einrichten müsse. Hier zeige sich wieder einmal, wie falsch es ist, solche Be- triebe von Stadt wegen zu betreiben: bei Privatbetrieb hätten wir wahrscheinlich längst den Preis vou 10 Pf. Das beste wäre ja die Verpachtung unserer Gaswerke.(Beweguilg und Heiterkeit.) Lachen Sie nur, die Rechiilmg giebt m i r recht! Stadtv. Hugo Sachs sieht die Idee der Verpachtuilg weniger freundlich an. da er sich die Idealfigur eines Pächters nicht mit der Leichtigkeit wie der Vorredner konstruieren kann. Das Publikum habe nicht so Interesse an einer Ennätzigung. als an einer einheitlichen Preisfestsetzung. Festgenagelt werden müsse die seltsame Theorie des. Herrn Singer, den weniger Konslimiercndcn und weniger Besitzenden billigere Preise zn gewähren; das sei eine Steuer auf den Konsum und widerspreche durchaus dem„kaufmännischen" Betriebe, den man ja auch von jener Seite so oft für' die Gaswerke befürwortet habe. Der Antrag wird einem Ansschlitz überivieseu. Der Magistrat hat in Gemätzheit des oberverwaktiingSgericht- lichcn Erckeiintiiiffes vom 8. d. Mts. die schon bekannt gegebene Teiliing der Bezirke für die Wah I der Stadtverordneten der dritten Abteilung wieder aufgehoben. Die Wahlen sollen für jeden Wahlbezirk in einem Wahllokale nnter einem Wahlvorstaiid abgehalten werden. Dem Antrage der Nersanimlinig, die Wahl am S o ii n t n g. den 5. November, vornehmen zn lassen, „töiiiien wir", so heitzt eZ in dem zur Kenntnisnahme vorliegenden magistratlichen Schreiben,„nicht entsprechen; dagegen haben wir beschlossen, die Wahlzeit um gine Stunde— also bis abends 8 Uhr — zn verlängern." Stadtv. Singer: Es ist doch sehr verwiiuderlich. datz der Magistrat verschmäht, uns ftir die Ablehimng unseres Antrags seine Gründe mitzuteilen. Solche Miitetlung ist doch lvahriich gegenüber der wiederholten Bctoiiiiiig der Notwendigkeit der Einigkeit beider konnminalen Behörden nicht zu viel verlangt. Seine Gründe iverden doch nicht etwa so schlecht sein, datz er sie nicht anzuführen wagt. Das es etwa an uubesoldeten Komnulualbeninten fehlen� möchte, die den Soinilag zu opfern bereit sind, oder daß man große Lokale nicht bekommen töniie. diese„Gründe" werden ihn doch nicht bestimmt haben? Seine Weigerung ivird jedenfalls die Wirkniig haben, datz die übcrgrotze Zahl der Wähler III. Abteilung an der AllSübung ihres Wahlrechts ver- hindert wird durch die thatsächlichcn Verhältnisse. Trotz der Zeit.von.9 bis 8 Uhr bleiben für den Arbeiter nur drei Stinidcii für die Wahl übrig, ganz abgesehen davon, datz, wenn blotz in eine m Lokal geivählt werden darf, der Weg für viele Wähler sich verlängert. Ob der Magistrat angenehm davon berührt ist, datz er hier das Loa gerade der„Krenz-Zeituiig" und nur dieser Zeitung erntet, weiß ich nicht; lvohl aber habe» wir zu verlangen, datz der Magistrat auch bei seinen Be- schlüfsen sich den Bedürfnissen der Bevölkerung anpatzt und nicht üb.r die Mcimmg der Versammlung so kurz� hinweggchr. Eine Acn« derung ist ja»ichl mehr möglich; aber es mutz rniSgesprochen werden, daß der Magistrat einzig und allein die Verailtlvortllug für alles trägt, ivaS daraus crivachscn kann, datz am späten Abend Hunderte von Wählern znsa>niiientreffen und in der Er- rrgung des Augenblicks, vielleicht in der Gefahr, abgewiesen zu werden, zn Dingen konimeu, die wir alle nicht wünschen rönnen, und die' zu vermeiden waren, ivenn man unseoem Rate gefolgt iväre. Ich wünsche schließlich, datz die Wahlvorsteher niigcwiesen werden, alle Leute, welche um 8 Uhr am Wahllokale sind,»och znr Wahl zuzulassen, auch wenn sie noch nicht darin sind. (Widerspruch.) Das geht ganz gut. Ueberfüllnngen werden ja auf iciiien Fall zu vermeide» iein. Stadtral Böhm: Ter Rlagistrat trägt selbstverständlich die Vcranlivortting für die Abwicklung der Wahlgcschäste nnd auch für die Ablehiinng des Versaimnluugs- Antrages. Die Gründe dafür sind dieselben, die ich vor 8 Tagen entwickelte. W.r bis 8 Uhr im Wahllokale ist, wird znr Abstimmung noch zugelassen, deugleichen nach meiner Meiiliiilg, ivcr sich in niimittclbarer Nähe örS Lokals, etwa auf einem umfriedeten Hof, befindet. Anders wäre eS, wen» das Lokal direkt an der Straße liegt. Stadtv. R ö h l i ch freut sich mit eiiiem großen Teil seiner Fraktion, datz der Magistrat dem Antrage, die Wahl am Sonntag vorzunehinen, mit Rücksicht ans die Sonntagsruhe, die Kommunal- beamten und die Niliilien nicht stattgegeben hat. Die Vorlage wird zur Kenntnis genommen. Schluß 8a/« Uhr._ Einen beachtlichen Erfolg erstritten unsere Parteigenossen in Anhalt-Dcffan. Die Polizei legte bisher das dortige Vcrciusgesetz so aus, datz Frauen und Minderjährige an öffentlichen politiichen Vcrsainmlnngcn nicht teilnehmen durften. Gegen eine auf Grund dieser Anschauung erlassene Polizcistrafe wurde die Entscheidung deS Gerichts angerufen und das Schöffengericht in Harzgcrode entschied dahin, datz Frauen und Minderjährige nur von der Teiliiahine an den Vcrsanimluiigcn politischer V e r e i n e, nicht aber von öffent- lichen Versaninllnngeil ausgeschloffen sind. Es hob die erkaunten Polizeistrafen auf. Totenlistc der Partei. In Grotz-Ottersleben bei Magdeburg starb die Parteigenossin Koch. Die Verstorbene war ein langsährigcs Mitglied de« Verbandes der Fabrik- und Landarbeiter und nahm an den gewerkschaftlichen sowie politischen Regungen des Proletariats regen Anteil. Ihrem Manne war sie in den vielen wirtschaftlichen Kämpfen, in die er gezogen, eine starke Stütze und ihren Kiuder» eine gute, sorgsame Mutter. Die Parteigenossen von Magdeburg und Umgegend ehrten sie durch außerordentlich zahlreiche Beteiligung an ihrem Leichenbegängnis. Poliieilichr», Gprichtllches ustu. Wegen Beleidig«»!} der Dresdner Polizei wurde Genosse K. Hänisch in Dresden m seiner Eigenschaft als verantlvortlicker Redakteur der„Sächstscken Arbciter-Ztg." zn zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Beleidigung soll in verschiedenen Ausdrücken eines Artikels liegen, in dem die seiner Zeit auck von uns berichtete Be- Handlung eine« sich als Anarchistin geberdenden Fräuleins Jiiile durch die Dresdner Polizei scharf kritisiert worden war. Fräulein Jmle war bekanntlich»ach einer Versammlungsrede, in der sie gar nichts Strafbares gesagt satte, anderen Tags früh aus ihrer Wohnung zur Polizei geholt, dort über alles mögliche auSgeftagt und schließ« lich phoiographiert worden. Dieser Thatbestand wurde auch vor Gericht erwiese», nur wurde auch gleichzeitig festgestellt, datz Fräulein Jmle ihrer photographischen Alifliahme nicht widersprochen hatte. Das Gericht erklärte übrigens, die Polizei sei zu ihrem Verfahren gegenüber den„gemeingefährlichen Bestrebungen' der Jmle be- rechttgt gewesen. Schlietzlich wurde Hönisch noch zu 75 M. Geldstrafe verurteilt, weil er dein Besitzer, Drucker und Redakteur de»„Meinener Tage- "IcittcS", einem Herrn Klinkicht. der einen Mord auf die Thät!�« keit der Soeialdemokratie zurückgeführt hatte, dafür ordentlich auf die schmutzigen Finger klopfte. � Der Genosse Rakntt in Königsberg, verantwortlicher Ne- daeteur des dortigen Parteiblattes, ivurde zu öl) M. Geldstrafe verurteilt, weil er einen Polizeikommissar Marks beleidigt haben soll. Er hatte über eine Gerichtsvcrhaiidlnng berichtet, in der es sich um eine dem Marks zugeschriebene, von diesem aber bestrittene ungehörige Aeutzeruug gegen einen Arrestanten handelte. Das Gericht halte in diesem Falle gegen Marks entschieden und als bewiesen angenommen, daß er diese Aeußeruug gethan habe. In dem Bericht über diese Verhandlung sah die Staatsanwaltschaft eine Beleidigung und ihr Vertreter beantragte dafür zwei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte auf Freisprechung. Ferner hatte Rakutt behauptet, daß Marks entnommene Zeitungen nicht bezahlt habe. Auch dafür bean- tragte der Staatsanwalt zwei Monate Gefängnis, das Gericht er- kannte aber nur auf öl) M. Geldstrafe. — Die Bochumer Strafkammer verhandelte in zwei Fällen gegen den Redactcur Genossen Wolf vom„Volksblatt*. Durch einen Artikel mit der Spitzmarke:„Und wieder ein Prügelpädagoge", hatte sich der Lehrer Dürwald-Eikel beleidigt gefühlt. Der Staatsanwalt beantragte 200®?. Geldstrafe; das Gericht erkannte auf 00 M.Geld- strafe. Die zweite Sache betraf einen Artikel:„Ungesetzliche Abkehr- scheine", durch den die Zeche„Julia" beleidigt sein sollte. Genosse Wolf hatte daS Verhalten der Zeche, die verschiedenen Arbeiten in das Führungsattest hineingeschrieben hatte, daß sie Streikführer gewesen seien, als ungesetzlich bezeichnet. Das Gericht entschied aber auf Grund eines Gutachtens des Berghauptmanns Täglichsbeck, daß das Verhalten der Zeche korrekt tväre, weil nicht die Gewerbc-Ordmmg, sondern das Bergrecht zuständig sei. Der Staatsanwalt beantragte einen Monat Gefängnis. Das Urteil lautete auf 200 M. Geldstrafe. — Die Dortmuudcr Strafkammer sprach den Redacteur Genossen Block von der Anklage der Verbreitung unzüchtiger Schriften frei. Beanstandet war von der StnatSamvaltschaft der Roman der„Nhein.-Westf. Arbeiter-Zeitung":„Die Zurichterin von Franz Held. Die Erzählung schildert, wie die Not manche Konfektionsarbeiterin zur Prostitution treibt. GeiVVvlrsllszoif'tliiszrs. Berlin und Umgegend. Die Berbandsleitung der hiesigen Maurer veranstaltete am i. Oktober eine Baukonl rolle, welche die Feststellung der bau ausführenden Unternehmer und deren Bauten, die Anzahl der Maurer, die Lohnhöhe und die Beschaffenheit der Baubuden und Aborte umfaßte. Insgesamt kontrolliert lvurdeu bei 422 Unter- nehmern auf 098 Banstellen 7834 Maurer. Von erstcrcn gehörten 184 Arbeitgeber mit 300 Baustellen dem Bund an. Von den 7834®?ann bekamen 737 Maurer pro Stunde 05 Pf., 983---ß2>/2Pf., 5736=00 Pf., 77 unter 00 Pf., ans 14 Bauten mit 242 Maurern wurde die Arbeit in Aecord ausgeführt und bei 54 war die Lohn- höhe nicht angegeben. Die Aeeordarbeit verteilt sich auf 6 Bundes- Mitglieder mit 128 und 8 Nichtniitglieder des Arbeitgeberbundes mit 114 Maurern. Die Aeeordarbeit hat in den letzten drei Jahren eine beständige Steigerung erfahren. Folgende Aufstellung wird dies ver- anschaulichen: Am 28. Juli 1897 arbeiteten auf 3 Bauten 00 Maurer im Aeeord . 9. Nov. 1897.... 4.. 78„..„ , 30. Marz 1898..„ 1„ 15„„„ „ 22. Nov. 1898.„ 7„ 131„„„ „ 30. Mai 1899„„ 9„ 160„„„ „ 4. Okt. 1899..„ 14„ 242...... Diese Aeeordmaurer stehen den anerkannten Organisationen der hiesigen Manrerschnft feindlich gegenüber, weil dieses Arbeitssystem eine sehr verderbliche Wirkung auf unser Gewerbe ausübt. Die Aeeordmaurer stehen auch dem am 24. Juni geschlossenen Einigungs- vertrage fern und verhöhnen denselben, und trotzdem sehen wir, daß die große Hälfte derselben gerade von Mitgliedern des Arbeitgeber- bundes, d. h. von unserem Kontrahenten am Vertrage, beschäftigt werden. Das ist kein ehrliches Halten des Vertrages.— Bekanntlich ist dir tägliche Arbeitszeit von der Achtzehner- Kommission, mit Zu- slimmung der Versammlungen von seiten der Arbeitgeber sowohl als auch der Maurer, vom 1. Oktober ab auf 8>/s Stunden fest- gesetzt worden. In ivie weit diese Bestimmung innegehalten tvird, zeigt folgendes Bild: Gefimdeir wurden insgesamt 233 Bauten, wo 8l/s Stunden, und 393 Bauten, Ivo noch 9 Stunde» täglich ge- arbeitet wurde. Hiervon entfielen auf Mitglieder des Arbeitgeber- bundes 140 Bauten mit SVz- und 192 Bauteil mit 9stiiudiger Arbeitszeit. Auch an dieser Stelle richte» wir an die Manrerschaft Berlins und der Umgegend die dringende Aufforderung, daß sie im Interesse ihrer selbst für die strikte Einhaltung der Vertrags- bestimmungen Sorge zu tragen haben. Bei 77 Bauten wurde die Frage über die Daner der Arbeitszeit nicht beantwortet. Die iveitcr oben angegebenen 77 Maurer, welche unter 00 Pf. pro Stunde arbeiten, rekrutieren sich teils ans Fabrik- maurern, teils aus Kanalisationsmaurern, welch beide Gruppen nur heute sehr schwer an die Organisation zu fesseln sind, bleiben also nur 24 Kollegen, welche infolge hohen Alters oder Invalidität minderleistungsfähig sind und daher 2�/2—5 Pf. pro Stunde weniger Lohn bekommen. Mithin ist der Einwand der Vertragsgegner in unseren Reihen, daß durch diesen Passus im Vertrage nur Klassen- löhne gezeitigt würden, völlig hinfällig, insbesondere, als die Grenzen unseres Streikgebietes nicht enger, sondern um ein Bedeutendes erweitert ivorden sind. Was nun den Zustand der Baubuden anbetrifft, so ist festgestellt worden, daß wohl die Verhältnisse in dieser Beziehung bedeutend verbessert worden sind. Nichtsdestoweniger sind trotz dem Vertrage 123 Bauten gefunden worden, wo die Baubude nicht die festgesetzten 10 Ccutimeter über der Terrainhöhe des Hofes, fondern noch tiefer als letzterer lag und dem Regenwasser die beste Gelegenheit gegeben ivurde, die Bude auszufüllen. In 219 Buden war kein hölzerner Fußboden. In 30 Fällen war das Dach nicht ivasscrdicht, in 152 Fällen war die Bude nicht zugfrei und in 352 Fällen war ein Verbandskasten nicht vorhanden. Die Aborte genügten in 240 Fällen nicht den vertraglichen Bestimmungen. Hieran waren die Mitglieder des Arbeitgeber-Bimdcs mir folgenden Zahlen beteiligt: Zu tiefe Lage der Bude in 04, ohne hölzernen Fußboden in 100, unt undichtem Dach 14, zugige Bude in 70 Fällen. Außerdem fehlten auf 107 Bauten die Verbandskästen und in 122 Fällen genügte der Abort nicht den Vertragsbestimmungen.— Zum Schluß geben wir noch unseren Berufsgenossen bekannt, daß vom 10. Oktober bis zum 15. November die tägliche Arbeitszeit eben- falls 8l/8 Stunden beträgt und zwar ist abends 5 Uhr Feierabend zu machen. Vesper fällt in dieser Zeit weg. Wir ersuchen die Kollegen, daß alle Fälle, wo diese Arbeitszeit von den Arbeitgebern nicht befolgt wird, an unS zu itzeldcn sind. Die' Verbandsleitung. I. A.: KarlPanser, Neu-Cölln a. W. 1. Deutsches Reich. Achtung, Metallarbeiter! In nachstehenden Betrieben be- finden sich die Kollegen im Ausstand: F. F. A. Schulze; Gerecke; Butzke. Aktiengesellschaft: Spinn u. Sohn: Ende u. Devos; Speck; Teichelmann; Bernhard Joseph; Frister; Aktiengesellschaft Gladenbeck; Eitner; Muskulus; Spcyrer u. Comp.; Schwidlinski; I. Hand; Schiller; Nürnberg; Kramine; Knoll; Martin u. Piltzing. Die Firma Andrees jun., Salzwedclcrstraßc, ist gesperrt, da selbige Streikarbeit für F. F. A. Schulze, Fchrbellinerstraße, an- fertigt. Zuzug von Formern, Klempnern, Gürtlern, Drückern, Drehern, Schlossern, Schleifern, Eise- I euren und sonstigen®? e t a l l a r b e i t e r n ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Der Tarif der Buchdrucker ist noch immer nicht in allen Ofstcinen Deutschlands durchgeführt, namentlich sind es die Klein- orte, welche der Durchführung Schwierigkeiten machen. Die Gehilfen- Vertreter im Tnrifamt und Tarifausschnß fordcnr denn im„Kor- respondent" auf, die Säumigen möchten einen erneuten Vorstoß machen. Am 28. Oktober soll in allen Offieiueu, wo der Tarif noch nicht eingeführt ist, dies verlangt und im Falle der Nichtbewilligung die einzige Konsequenz der Kündigung gezogen werden. Zur oberschlrsischcu Bergarbeitcr-Betvegung wird uns ge- schrieben: In Z a b o r z e wurde Sonntag, den 10. d. M. eine Versammlung des oberschlcsischen christlichen Bergarbeiter-VerbandeS, die über die Erhöhung der Löhne auf den oberschlesischen Gruben beraten wollte, aufgelöst. Zur Dämpfung der Streikstimmung dürfte das kaum viel beitragen. Wieder ein Strcrkprozcs, in Lüneburg. Vor der dortigen Strafkammer spielte sich dieser Tage ein Prozeß ab, in welchem als Angeklagte zwei Maurer fungierten, welche während des letzten Manrerstreiks Arbeitswillige belästigt hatten. Zwischen den Angeklagten und den Arbeitswilligen entspann sich in einer Wirtschaft ein Streit, in dessen Verlauf die Worte„Streikbrecher" und„Plunner" fielen, welche Worte die Arbeitsivilligen auf sich bezogen. Schließlich verließen die letzteren das Lokal. Die Auge- klagten gingen hinterdrein und es kam zu Schlägereien. Der eine Angeklagte hatte den Arbeitsivilligen mit dem Spazierstock über den Kopf geschlagen, der andere mit dem Schirm den zweiten an die Nase, daß sie blutete. Die Arbeitswilligen waren dann entflohen. Diese Thatsache steht durch Zeugenaussage fest. Der Staatsanwalt beantragte für Schlichting 7 und für Bertge 0 Monate Gefängnis. Das Urteil lautete für jeden der beiden Angeklagten auf 4 Monate Gefängnis. Bei Festsetzung des Strafmaßes ivnrde den Angeklagten der Schutz des 8 193(Wahrnehmung berechtigter Interessen) zu- gebilligt. Derartige Vorgänge sind im Interesse der Arbeiterschaft auf- tiefste zu bedauern. Nicht allein, daß auf solche Weise die In differenten nicht gewonnen werden,— diese Vorgänge werden von den Scharfmachern auch stets gehörig aufgebauscht und tveidlich aus geschlachtet im Interesse des ZuchthauskurscS. Was aber anderer- seits ans dem Urteil auch wieder von neuem bestätigt wird, das ist die Thatsache, daß die bestehenden Gesetzesbestimmungen vollständig ausreiche», derartige Ungehörigkeiten zu treffen. Mit vier Monaten Gefängnis ist der Schlag mit dem Spazierstock ivahrhaftig genügend gesühnt. In Zwickau ivurde der Maurer K. zu drei Monaten G e f ä n g n i s verurteilt, weil er während des Maurerstreiks als Streik postenfteher arbeitswillige Maurer arg belästigt und bedroht habe. Der Krieg. Die letzten Meldungen zeigen, daß für Donnerstag eine größere Schlacht vor Ladysmith erwartet wurde. Vom Mittwoch wird aus Ladysmith telegraphisch gemeldet: Die britischen Truppen kamen heute in der Nähe von Äetonhomcs etwa 16 Meilen von hier in Berührung mit dem Feind e. Britische Kavallerie- Patrouillen sind seit Mittag im Gefecht mit den Boeren; das Gefecht entwickelte sich im Laufe dcS Nachmittags weiter. Die Hauptschlacht tvird morgen erwartet. Einige Boeren-Abteilungen, welche mit der östlichen Hauptmacht der Boeren von New Castle gegen Dundee vorrückten, haben sich von dieser abgezweigt und sind auf dem Wege, sich mit der be- deutenden am Dooruberg bei der Landmaus-Drift stehenden Streit- macht zu vereinigen Letzterer Punkt ist 12 englische Meilen ostwärts von Dundee. Offenbar beabsichtigen die Boeren eine Umgehung der englischen Stellung. Ein B o e r e n s p i o n, der zahlreiche Schriftstücke bei sich trug und in der Kavallerie von Natal Dienste genommen hatte, wurde verhaftet. Er soll standrechtlich erschossen werden. Es liegen in L o u d o n noch keine vollständigen Meldungen über die angebliche Ncbcrgabc von Mafckiug vor. Die Blatter er- warten aber stündlich eine solche Nachricht. Wie eine Depesche der„Cape Times" aus Kimberley meldet, ist zuverlässiger Mitteilung aus M a f e k i n g zufolge ein gepanzerter Zug, welcher die nördlichen Stellungen der Boeren rckvgnoseierte, am Sonnabend auf eine Abteilung von 500 Boeren gestoßen. Letztere erlitten schwere V e r l u st e, auf englischer Seite wurden 2 Mann getötet und 14 verwundet, darunter zwei schwer. „Daily Telegraph" sagt, die Verluste der Boeren vor Mafeking seien auf Grund' ausführlicher Meldungen größer gewesen, als jene bei Majuba-Hill in den Jahren 1881 und 1884. Anderes als diese Nachrichten auS englischer Quelle meldet ein Telegramm aus Pretoria: Die offiziöse„VolkSstem" meldet, daß das britische Lager bei Ramathlabama(zwölf uglischc Meilen nördlich von Mafeking) von den Boeren ge- u o m m c n und zerstört worden i st. Tie Verluste der Boeren seien ziemlich groß, die britischen unbekannt. Die„Volksstem" sagt ferner, daß, obwohl die Scharmützel vor Mafeking überall für die Boeren erfolgreich verlaufen seien, die Verluste sich doch auf 00 Tote und Verwundete belaufen. DaS englische Parlament. London, 19. Oktober. sW. T. B.) Oberhaus. Der Premier- minister Marquis of Salisbury verliest die königliche Botschaft, be- treffend die Einberufung der Rkiliz und beantragt eine Adresse au die Königin, in welcher der Dank des Hauses für die Botschaft aus- gesprochen wird. Die Adresse wird angenommen; sodann vertagt sich das Haus bis zum nächsten Donnerstag. London, 19. Oktober.v a h l e» denken und die leidige Thatsache in Betracht ziehen, daß bei diesen doch wohl profan zu nennenden Handlungen an einem nach religiöser Auffassung heiligen Ort gerade unter den Berliner Frommen recht hätzliche Leidenschaften zu Tage getreten sind. ES ist ja möglich, daß diese Vorgänge die Kirche geschädigt haben, aber daS lag doch wahrlich nicht an dem Umstand, daß der Sonntag als Wahltag benutzt wurde, sondern an dem zum Teil über alle Begriffe häßlichen Gebnhren der frommen Agitatoren, da? sich ebenso abschreckend an Wochentagen bemerkbar gemacht haben würde. Nun stehen aber doch die Stadtverordnetenwahlen an sich zu der Kirche in gar keiner Beziehung, und daher kann die Wahl- Handlung zu dieser Körperschaft auf die Kirche weder fördernd noch schädigend einwirken. Wozu der Lärm also? Die.Kreuz-Zeitung" ist ein Blatt, das bei jeder Gelegenheit betont, daß ihm die Interessen der Kirche besonders am Herzen liegen und das daher vielfach auch als Sprachrohr kirchlicher Kreise angesehen wird. Wenn ein solches Blatt unverfroren mit der Behauptung auftritt, daß die Ver- kümmerung des so wie so schon spärlichen proletarischen Wahlrechts, wie sie in der Ablehnung des bekannten Beschlusses der Stadt- verordneten-Versammlung leider erfolgt ist, ein der Kirche dienliches und wohlgefälliges Werk sei, so muß das auch solche Bevölkerungsschichten, die noch nicht völlig mit religiösen Dingen gebrochen haben, gegen die Kirche einnehmen. Zu untersuchen, ob die A r b e i t e r f e i n d l i ch k e i t, die hier von der„Kreuz-Zeitung" der Kirche insinuiert wird, in dem modernen Wesen dieser Institution begründet ist, ist hier nicht der Platz. UnS fällt es nicht ein. sämtliche Glieder der Kirche mit dem als skrupellosen Agitator der reaktionären Großindustrie be- kannten Prediger Hülle auf eine Stufe zu stellen. Doch mögen die„edlen Herren von der Kirche" sich nicht wundern und der„Kreuz-Zeitung" ihren Dank abstatten, wenn sie sehen, wie die Arbeiterschaft immer mehr von M i ß t r a n e n gegen alles erfüllt wird, was mit der Religion und deren Hütern in Zusammenhang steht._ Zur Kennzeichnung deS KlasicnwahlrcchtS. Die„Verl. Ztg." schreibt: Zu welchen geradezu grotesken Erscheinungen der Pluto- krattsche Charakter unseres kommunalen Dreiklassen-Wahlrechts in Verbindung mit der Indifferenz der Wähler' führt, zeigt folgender Vorfall. Zu denjenigen Mitgliedern der Stadtverordneten- Versammlung, die durch die Nencinteilung der Wahlbezirke obdachlos geworden sind, gehört der Stadtverordnete Mertens. Herr Mertens ist in der' 1. Abteilung der Lniscnstadt gewählt tvorden, und da sein Wahlbezirk mit einem anderen zusammengelegt worden ist, so ist ihm und seinen beiden Leidens- geführten der im Hansaviertcl neugcbildcte Bezirk dieser Abteilniig überwiesen worden. Herr Mertens scheidet mit Ablauf dieses Jahres aus, und die Wähler erster Abteilung im Hansaviertel waren nun vor die Frage gestellt, ob sie Herrn Mertens als ihren Vertreter acceptiercn wollten. Sie sind etwa 30 an der Zahl, allesamt zur Wählcrversanmilung eingeladen worden, erschienen ivar aber nur einer, der Ginberuser der Versammlung, der zugleich Stadt- verordneter ist, und dieser stellte e i n st i m m i g Herrn Mertens als Kandidaten ans! Ob er sich vorher eine Kandidalenrcde halte» ließ, wissen ivir nicht. Krankenversicherung der HauSkNdnstriellen. Der Ausschuß der Stadtvcrordncten-Vcrsnmmliing zur Vorbcratnng der Magistrats vorläge betreffend die Ausdehnung der Krankenversichcrungspflicht auf die HanSindnstricllcn ans Antrag unseres Parteigenossen B o r g m a n n mit sieben gegen eine Stimme beschlossen, die Ver sammlnng möge den Magistrat auffordern, in gemischter Deputation mit der Stadtverordnetcn-Bersammlnng über den baldigen Erlaß eines OrtSstatuts betreffend die Ausdehnung der Krankenversicherung auf die Hausindustrie zu beraten. Hoffentlich wird nnnmchr diese wichtige Angelegenheit ctwaS energischer als bisher gefördert. Vestrafte Schnoddcrigkcit. Im Verlaufe einer von der Kammer 1 des Gewerbcgerichts geführten Verhandlung äußerte der Vorsitzende T e ch o w zu dem Konfektionär Löwen- stein von der Firma B ru ck u. L ö w en st e i n: die Thatsache, daß von der Finna öfter Zuschneider ohne Kündigung fortgingen, lasse den Schluß zn. daß die Firma wohl nicht genügend hohe Löhne zahle. Darauf erklärte Herr Löwenstein: Ich verbitte mir das; Ihnen steht darüber gar kein llrteil z u. ob die von mir gezahlten Löhne genügend hoch sind. Der Richter crmahnte darauf Herrn Lölvenstein, sich eines anderen Tones zu befleißigen. Herr Lölvenstein erwiderte, daß er sich durchaus korrekt verhalten habe. Nnnmchr verurteilte die Kammer den korrekten Konfektionär wegen Ungebühr vor Gerächt zu einer Geld- st r a f e von 10 M. Naivität der Provinziale». Ueber ihre erste Begegnung mit einem Berliner Schutzmann tritt der„National-Zeitnng" eine Leserin von außerhalb folgendes mit:„Voll Begeisterung betrat ich die Schwelle Berlins und hoffte eine kurze Zeit, die ich in den Grenzen der Kaiserstadt verleben durfte, nur mit den angenehmsten Erinnerungen zn füllen. Doch es kam ander?. Am 16. Oktober, morgens 12, Sv Uhr. kam ich am Lehrter Bahnhof an und mußte mich schleunigst nach dem Anhalter Bahnhof begeben, ohne jede Ahnung seiner Lage und Entfernung. Ich war in großer Sorge. Da erschien mir wie ein rettender Engel der berühmte„Berliner Schutzmann". Vertrauens- und hoffnungsvoll flötete ich ihn an und fragte so höflich, wie nur eine junge Dame das vermag:„Bitte, wie komme ich von hier zum Anhalter Bahnhof?"—„Zu Fuß!" war seine ironisch grinsende Antwort, die mich von den Höhen meiner Begeisterung herabstürzte und mich eilenden FnßcS diesem personifizierten Sarkasmns entfliehen hieß. Ich hatte Rat erwartet und fand kalten Spott. Ich habe immer geglaubt, daß ein Schutz- mann kein„U z m a n n" sein sollte!" Die offiziöse„Nordd. Allg. Ztg.", die diese Charakteristik ab- druckt, ist so boshaft, folgendes hinzuzufügen:„Die Dame muß unter einem besonderen Unglücksstern geboren sein, daß sie auf eine» so unhöflichen Schutzmann stieß, denn unsere Schutzleute sind ja wegen ihrer Zuvorkommenheit gegen Rat- suchende bekannt." Die Dampf-Strasienbahn ist nicht mehr! Zu Anfang dieser Woche hat sie ihre vorgeschriebene Reise vom Nollendorfplatz über Wilmersdorf, Schmargendorf nach Hundekehle pustend und schnaubend noch einmal vollendet, dann aber that sie ihren letzten Seufzer. Ihre Tage waren schon gezählt, als die Westliche Berliner Vorort- bahn mit ihrer Umwandlung in clekttischen Betrieb in den letzten Monaten in rascher Aufeinanderfolge vorzugehen begann. Und doch kam daS Ende des DanipfbahnbelriebeS schneller als man geahnt und als die Bahndirektion eigentlich beabsichtigt hatte. Es handelt sich nämlich um keine ganz freiwillige Einstellung deS Betriebes, vielmehr haben, dem„Teltower Kreisblatt" zufolge, ausständige Heizer der Dampfbahn den LebenSfaden gekürzt. Den Heizern sagte dies und jenes in derBedienung des alten Vehikels nicht mehr zu. und als sie ihre Wünsche von der Direktion abgelehnt sahen, wandten sie sich von bannen und die verlassenen ausgedienten Dampfbahnwagen mußten nun den letzten Gang in den Schuppen antreten. An ihre Stelle ist nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, sofort der moderne elektrische Straßen- bahnwagen getreten, sondern die alte Dampfbahn ist einstweilen durch den Pserdebahnbetrieb abgelöst worden. Somit scheint eS, daß sich Pferdebahnkutscher zu Streikbrecherdiensten hergegeben haben. Ein Ballon des deutschen Verein? zur Förderung der Luft- ch i f f a h r t, der am Dienstag um 9 Uhr vormittags in Berlin bei nebligem Wetter und fast völliger Windstille austtieg, landete gegen 5 Uhr abends am Fuße des Thüringer Waldes im Groß- Herzogtum Weimar. Die Nebclschicht reichte nur 160 Meter hoch. Gegen Mittag ballte sich unter den, Ballon der Nebel zu Wolken, über welchen, wie in der letzten Zeit mehrfach beobachtet, eine höhere Temperatur herrschte, als an der Erde. In der Nähe des Schieß- Platzes Kummersdorf konnten die Luftschiffer daS Sausen der Geschosse hören. Durch Putzsucht zur Diebin geworden ist die 15 Jahre alte Verkäuferin M., die in einem Knopfwaren-Geschäft in der Nieder- Wallstraße angestellt war. Ihre geringen Einnahmen reichten nicht auS, um die Kosten, die sie für Putz aufwendete, zu bestreiten. Vor einiger Zeit schickte der Geschäftsinhaber sie mit einem Tausendmarl- schein weg, den sie bei der Post einzahlen sollte. Weinend kam sie zurück und erzählte, daß sie den Schein verloren habe. Ein Inserat in der Zei- tung, das den Verlust anzeigte, hatte keinen Erfolg. Der Verdacht, das Geld veruntreut zu haben, lenkte sich auf die M., als den anderen Verkäufcrimien auffiel, daß diese noch mehr Aufwand trieb. Zugleich nahm auch der Chef wahr, daß ihm öfter kleines Geld aus der Billettasche des Ueberziehers verschwand. Das geschah auch vorgestern nachmittag wieder. Nun waren aber die Zehnpfennigstücke gezeichnet worden. Einer Verabredung gemäß wandte sich der Chef an die erste Buchhalterin, um sich ein Fünfzigpfennigstück wechseln zu lassen. Die Buchhalterin konnte angeblich nicht wechseln und ließ sich das Kleingeld von der Berkäuferin M. geben. Dabei kamen denn die gezeichneten Stücke zum Vorschein. Nunmehr machte der Geschäftsmann auch wegen des Tausendmarkscheins Anzeige. Zum Prozeß gegen die„Harmlosen" wird dem„Berliner Tageblatt" aus Breslau die Meldung übermittelt, daß gegen den in diesem Prozeß als Zeugen aufgetretenen Vicekonsul Ferdinand MooS eine Anzeige wegen Betruges und Meineides bei der Berliner Staatsanwaltschaft erstattet worden sei. Das rücksichtslose Schncllfahren der Postwagen in den Straßen der Stadt hat gestern vormittag gegen 11 llhr einen Zu« sammenstoß zwischen einem Packetpostwagen und einem elektrischen Straßenbahnwagen veranlaßt. Der ans der Wilmsstraße kommende zweispännige Postwagen kreuzte zu der angegbenen Zeit kurz vor einen, vom 5kreuzberg kommenden elektrische» Wagen der Linie Kreuzbcrg— Gesundbrnniien den Fahrdamm der Bärwaldstratze. Der Führer des gelben Wagens hatte aber die Distanz nicht gut be- rechnet, denn der hcranbrausende Straßenbahnwagen erfaßte noch ein Hinterrad des Postgefährtes und zertrünimerte es vollständig. Personen sind glücklicherweise nicht verletzt. In eine entsetzliche Lage geriet in der Nacht zu gestern der Burcanvorsteher Lappöhn, als er gegen 12 llhr an der Ecke der Frieden- und Weinstraße die Vorderplattform eines in der Fahrt be- findlichen Ringbahnwagens verließ. Er glitt aus und stürzte so un- glücklich, daß er mit dem linken Fuß zwischen Schutzvorrichtung und Getriebe des Sammelwagens geriet. Alle Bemühungen, ihn zu be- freien, erwiesen sich als vergeblich. Es wurde die Hilfe der Feuer- wehr in Anspruch genommen. Erst mußte aber die gesamte Schutz- Vorrichtung abgeschraubt werden, eine Arbeit, die nahezu eine Stunde in Anspruch nah»,, bevor daS RcttungSwcrk vollzogen werden konnte. L. wurde sodann mittels Droschke nach dem Krankenhanse Friedrichs« Hain gebracht. Der Knochen des llnterschenkels war völlig zernralmt, so daß zu einer Amputation des verletzten Fußes geschritten werden mußte. Gin brenneltder Wagen auf offener Straße verursachte Donnerstagabend einen großen Auflauf in der Oranienstraße. Auf dem Hofe des Geschäfts von Lubasch war ein Einspännerwagen mit Holztvolle beladen, die auf noch nicht ermittelte Weise auf der Straße Feuer fing. Obgleich im Nu die ganze Ladung in Flammen stand, gelaug es doch, das Pferd auszuspannen, worauf.der brennende Wagen nach dem freien Platze an der Oranien- und Kommandanten- straße gezogen wurde. Von eine», halben Dutzend öffentlichen Meldern ans wurde die Feuerwehr alarmiert, und so kam es, daß fast alle Züge der 2., 3. und 5. Kompagnie herbeieilten, um sofort wieder Kehrt zu machen, da das Feuer bald abgelöscht war. Die Ladung ist eingeäschert. Das Programm der Lehrsiätte XO.(Königstadtl der Volkshochschule Hiiiiiboldt-Zlkademie ist erschienen. Dasielbe enthält die auS- fiihrlichci, Anzeigen von acht„Boüstiimlichen Vortragsreihen" aus verschiedenen Wisiensgedieten, welche im Königstädttschen Realgymnasium, Elisabethstrabe öT/öü, in den späteren Abendstunden für Männer und Frauen vo», 23. Oktober ab gehalten werden; die Hörgebühr für die sechssNmdige Vortragsreihe beträgt, um allen Klassen die Beteiligung zu ermöglichen, nur-0 Ps.. für die doppelstiindige Reihe über den elektrischen Strom mit Experimentell 1 M., während Einzelkarten zu 20 Pf. pro Stunde ausgegeben werden. Die Programme, 8 Seite» stark, sind unentgeltlich in dem Burea,� Th. Fröhlichs Buchhandlung, Landsbergerstr. 32, bei dem Schulbiener Herrn Voigt und bei W. ,,. S. Loewentyal, Buchdruckerei, Gritnstr. 4, erhältlich.— In der Ö ehrst ütte 8.( L u i s e n st a d t) beginnen an den nächsten Abenden noch eine Anzahl interessanter Vortragscyklen Prinzenstr. bl: die Programme gratis im Bureau. Selniar Hahnes Buchhandlung, Prinzen« strage 64.- In der L e h r st ä t t e �V. eröstner Mr. Ch. Marelle seinen Cyklus übet„Litterature frarnjaiso" erst diesen Freitagabend 7 bis 8 Uhr, Zutritt frei, nachdem der Vortrag am vorigen Freitag wegen Miß» verställdntS ausgefallen war. Urania. Professor G. Fritfch, der langjährige Forschungsreisen kn Afrika iiiitcrnomnicil hat und vornehmlich ein genauer Kenner der süd- afrilaiiischen Vcrbältnisse ist, wird am Mittwoch, den 26. d. M., im großen Theateriaale der Urania einen Vortrag über„Transvaal" halten und ein Bild der Entwicklung der südafrilanischen Bauernrepubliken von ihren Anfängen bis zur Gegenwart geben. Der Vottrag wird durch zahlreiche Lichtbilder erläutert werden. Fcncrbcricht. In den letzten beiden Tagen wurde die Feuer- wehr wenig in Anspruch genommen. Mittwochabend 7 Uhr wurde sie nach L i'n d e n st r. 78 gerufen, wo ein Kcllerbrand abzulöschen war, der Kisten und Packmaterial einäscherte. Gleichzeitig erfolgte Alarm nach S e v d e l st r. 9, wo in einer Hutschmnckfabrik Papp« kartons nebst Inhalt Feuer gefangen hatten. Da die Feuermeldung von mehreren Slcllen aus erging, wurde Mittelfe,-er angenommen, weshalb auch zwei Dampfspritzei, herbeieilten, die jedoch sofort wieder abrücken konnten. Hobclspähne brannten nachmittags Turm st r. 57 in Moabit, während Weinbergsweg IIb Papier und Kartons Feuer gefangen hatten._ Sl»S den Nachbarorten. Die Kretskonferenz der Partcigrnoffe» deS Wahlkreise« Teltow- Beeskow- Charlottenburg wird am Sonntag. den 29. Oktober, nachmittags 1 Uhr. bei Thomas, Rixdorf, Hermann- straße 50(Apollo-Sälej abgehalten. Tagesordnung: 1. Be- richt des Kreis-VertraucnSmannes und der Revisoren. 2. Neuwahlen. 3. Die Beschlüsse der Brandenburger Provinzial-Konferenz und deS Hannoverschen Parteitages. Referent: Gen. Fritz Zubeil. 4. Die Lehren der Wahlstatistik. Referent: Gen. P a u I H i r s ch. 5. Ver- schiedenes.— ES wird auf den§ 3 des Organisations-Statttts des Kreises aufmerksam gemacht, wonach jeder Ort bis zu drei Dcle- gierten entsenden kann, jedoch müssen dieselben politisch organisiert, in öffentlichen Parteiversammlungen gewählt und mit Mandaten ver- sehen sein. Die Konferenz wird pünktlich eröffnet. Der Vertrauens- mann: Wilhelm Eberhardt. Charlottenburg. Wilmersdorfer- straße 33». Britz. Sonntag findet bei Güldner. Rudowerstraße 63. eine Volksversammlung statt, in welcher Reichstags-Abgeordneter "ritz Zubeil über das umgeänderte Jnvaliditätsgesetz spricht. erner erfolgt die Neuwahl des Vertrauensmannes. Auch werden Sonntag, vormittag 7 Uhr, Handzettel verbreitet, woran sich die Parteigenosien recht zahlreich und pünktlich beteiligen wollen. Treffpunkt bei Karl Dorn, Bürgerstraße 4. Der Vertrauensmann. Schöneberg. Wir machen die Genossinnen und Genossen auf die am Soimtagiiachmittag 6 Uhr im Lokale von E. Obst, Grüne- waldstr. 110, stattfindende Volksversammlung aufmerksam, in welcher Parteigenosse Dr. Lux einen Vortrag halten wird. Nach dem Vortrage findet ein gemütliches Vcisammensciil mit Tanz statt. Schönebcrg. Für die bevorstehenden Stadtverordncten-Wahlcn im 5., 12. und 13. Bezirk findet Sonntag früh 7'/» Uhr eine Flu g- blattverbreilung statt. Die Genossen wollen sich zahlreich in einem der hier bezeichneten Lokale einfinden: Obsh Grunewald- stratze 110, Letz, Hans und Wielandstratzen-Ecke. Charlottcubnrg. Den Parteigenossen hiermit zur Kenntnis, datz am Sonntag, morgens 8 Uhr, eine Flugblatt-Ver- b r c i t u n g von folgenden Lokalen ans stattfindet, und zwar für: I. Bezirk: Pasche, PotSdamcrstr. 43: II. Bezirk: Leder, Bismarck- strafie 74; III. Bezirk: Gimpel, OSnabrückcrstr. 1 und Dörre, Wall- strafic 90 s IV, Bezirk: Kant, Pestalozzistr. öS; V. Bezirk: Wernicke, BiSmarckstr. 34;>1. Bezirk: Nottger, Lcibnizstr. 3; VII. Bezirk: Bredlow, Ansbacherstr. 31. Rixdorf. Die Stadtverordnetcn-Vcrsammlnng hatte gestern zunächst„u einem Antrag des Magistrats ans Aufhebung des Orts- statuts vom 11. Dezember 1879 Stellung zu nehmen. Nach diesem Ortsstatut ist für den Bezirk Rixdorf die Erlaubnis zum Betriebe der G a st w i r t s ch a f t oder zum Ausschänken von Wein, Vier oder anderen, nicht unter die Gattung von Branntwein oder Spiritus fallenden geistige» Getränken von dem Nachweise eines vorhandenen Bedürfnisses abhängig, ss-iir die Aushebung des Statuts beruft sich der Magistrat auf die Nützlichkeit der Gewerbcfrciheit. Er führt ans, daß jede Einschränkung der Gewerbcfrciheit dem ge- dcihlichcn Wachstum der Städte hinderlich sei. Nach kurzer Debatte wurde einstimmig die Aufhebung des Orts statuts beschlossen.— Für den nennten Schiedsmannsbezirk, umfassend Hermannstrafie 1 bis 103 und 193 bis 253, die Wanzlickstrafie, die Sclchowerstrahe, die Weiscstraszc, Herrfurtstrafie und Lichtcnrader- strafie wurde Schlnchtcrmcister Seitmann, Hermannstr. 53, ge- wählt. Zun: Mitglicde der Armenkommission für den 7. Kommissions- bezirk bestimmte die Versammlung den Eigentümer B e r g k, Hermannstr. 21o.— Nach Erledigung einiger Straficnsachcn be- antragte Stadtvcrordncten-Vorfteher S a n d e r, in einer Eingabe die zuständigen Behörden darum zu ersuchen, den sogenannten Guts- bezirk Hasenheidc der Stadt Rixdorf einzuverleiben. Es handelt sich in der Hauptsache um die Südseite der Straße Hasenhcide mit ihrem Hintcrlande, die in kommunaler Beziehung zu Tcmpelhof gehört. Retzerau(Soc.) warnte vor Ueberstürzmig. Durch die Einverleibung bekäme man im MilitärfiSkns einen bösen Nachbar.— Herr Beiß wünschte die Niedcrsctzung einer Kommission. Bürgermeister B o d d i n trat für eine sofortige Entschließung ein, weil sich gerade jetzt das Ministerium mit der Vorbereitung eines Gesetzes beschäftige, das die Angliederung dieses dem eigentlichen Tempclhof so fernen Gcmcindctcilcs an eine Nachbargemeinde bc- zwecke.— Der Antrag wurde schließlich fast einstimmig a n- genommen. In Schöncbcrg sind diejenigen Hausbesitzer, die auf Grund einer ihnen früher erteilten Erlaubnis das Dachgeschoß ihrer Häuser zu Atelierzwecken eingerichtet haben, von der Polizeibehörde aufgefordert worden, die Ateliers bis zun» 1. April nächsten JahreS zu beseitigen. Die etwa 50 in Betracht kommenden Hausbesitzer wollen im Vcrwaltungsstrcitverfahren diese Verfügung anfechte». Die elektrische Straßenbahn Berlin-�Pankow, welche jetzt ihren vorläufigen Endpunkt an der Ecke der Elsasscr- und Garten- straße hat, wird am Sonnabend ihre Fahrten bis zur Georgeustraßc ausdehnen. Ruchlosigkeit. In einer der letzten Nächte sind auf dem Kirch- Hof in Lichtenberg etwa dreißig Tafeln. Kreuze und andere Gedenkzeichen von ruchlosen Frevlern umgestürzt und teilweise zer- schlagen worden. Auf Ermittlung der Thäter ist eine Belohnung von 100 M. vom Gemeindevorsteher ausgesetzt worden. Sociale Vcchkspflcrle. Von der Brauerei« und Mälzerei- BcrnfSgcuosscnschaft erhalten wir folgende Zuschrift: Zu der am 11. Oktober 1899 vcr- öffentlichten RckurSentschcidung ist zu erwähnen, daß der bei dem Malzfabrikanten M. in B. angestellte und bei dem Bau einer clcktri- scheu Anlage verunglückte Obcrmälzcr Z. nicht um seine Unfallrentc gekommen ist. Die Brauerei» und Mälzerei-Berufsgenossenschaft, Sektion VI sBerlin), sowie das Schiedsgericht, hatten den Verletzten seiner Zeit allerdings mit seinem Anspruch abgewiesen, weil sie der Meinung waren, daß die Berufsgcnosscnschafl' der Feinmcchaiiit für den Unfall einzutreten habe. Als dann das schiedsgerichtliche uudRckurS- verfahren gegen die BerufSgenossenschaft der Feinmechanik schwebte, hatte schon die Brauerei- und Mälzcrei-Berufsgenossenschaft im Oktober 1898 bis zur endgültigen Regelung des Rechtsstreits die vorläufige Fürsorge für den Verletzten übernommen. Nach- dem nun im Erkenntnis des Rcichs-VersicherungSamtS die Branerei- lind Mälzcrei-BerufSgenossenschaft als solche bezeichnet worden war, welche für den Fall einzutreten hätte, wurde dem p. Z. durch Be- scheid vom 14. Juli 1899 endgültig die Höhe der ihm be- willigten Rente bekannt gegeben und ihm für die bereits verflossene Zeit, d. h. vom Beginn der 14. Woche ab, die Rente nachgezahlt. Geciäsks-Bcilunfl. Der seit Mittwoch vor dem Schwurgericht des Landgerichts I unter Vorsitz deS LandgcrichtS-DirektorS Fetisch verhandelte Straf« Prozeß gegen den früheren städtischen Steuercrheber Albert Domack hat eine ganze Reihe psychologisch und juristisch inter- essanter Momente zu Tage gefördert und schließlich ein vorzeitiges Ende gefunden. Der Angeklagte war beschuldigt, Steuergelder im Betrage von über 9000 M. unterschlagen und zur Vcrdeckung der Unterschlagungen die Register gefälscht zu haben. Domack, der auf der Anklagebank den Eindruck eines schwer Iranken Menschen machte, hat zwei Feldzüge mitgemacht und wurde im Jahre 1875 als Stcucrcrhebcr des Magistrats angestellt. Leute, die ihir kennen, geben ihm das Zeugnis, daß er ein pflichtgetreuer, umgänglicher Beamter gewesen ist, bis ein Gemüt durch ein un- glückliches Ereignis verdüstert wurde. Er hatte nämlich im Jahre 1890 das Unglück, unter dem falschen Verdachte, ein Sittlich- keitsverbrecheu begangen zu haben, unschuldig in Haft ge- nommen zu werden, und diese Thatsache scheint auf seinen Seelen- zustand von den verhängnisvollsten Folgen gewesen zu sein. Sein ganzes Wesen hat sich seitdem geändert, er ließ auch in starkem Maße den Alkohol auf seine Nerven wirken, und eS ist festgestellt, daß er oft mehr als 8 Schnäpse und 8 Gläser Bier täglich zu sich nahm. Verderblich scheint es für ihn auch gewesen zu sein, daß er mit seinem damaligen Borgesetzten, dem Bureau- Assistenten B r u n o w, sehr intim war und diesem, der sehr leicht- sinnig gewesen sein soll, anscheinend wiederholt mit Geldern aus der Verlegenheit geholfen hat. Am 31. August 1898 erhielt der Vor- gesetzte Brunows einen aus Osternothafcn abgesandten Brief Brunvws, in welchem letzterer den Domack beschuldigte, 18 000 M. unterschlagen und die darauf bezüglichen Protokolle verfälscht zu haben. Brunow bekannte sich als Mitwisser dieser Strafthaten und deutete an, daß er, um nicht mit Domack bestraft zu werden. sich töten werde. Thatsächlich ist dann am 9. September Brunows Leiche bei Swinemünde von der See an das Land gespült worden. Es wurde eine sofottige Revision der Domackschen Proto- kolle angeordnet und da dieselben ergaben, daß zahlreiche Beträge unterschlagen worden sein müssen und die aufgeriisenen Löcher durch allerlei Manipulationen zu verstopfen versucht worden war, so wurde Domack in Haft genommen. Er entschuldigte sich damit, daß er an Gedächtnisschwäche leide, durch die große Arbeitslast, die auf ihm ruhte, vielfach da? Opfer von Vcrlvechslungen und Nachlässigkeiten geworden sei und daß er dem � Brunow ein größeres Darlehn gegeben habe. Auf der anderen Seite ist dagegen fest- gestellt worden, datz er auf den Rennplätzen von Hoppegarten, Karlshorst, Westend und Weißcnsee verkehrt und auch viel ge- wettet hat. In der Hanptverhandlung kam es nun wesentlich darauf an, den Geisteszustand des Angeklagten festzustellen. da sich nach dieser Richtung hin lebhaste Zweifel geltend gemacht hatten. Domack ist von dem Oberarzt der kgl. Charitee, Prof. Dr. Köppen und auch durch den Gerichtsphysikns Dr. S t ö r>n e r untersucht worden und beide Herren wohnten als Sachverständige der Verhandlung bei. Das Gutachten ging ziemlich übereinstimmend dahin, daß zivar ganz bestimmte Zweifel an der geistigen Gesundheit des Augeklagten er- hoben werden können, der körperliche Befund aber noch nicht ge- nügende Anhaltspunkte dafür gebe, daß der Angeklagte thatsächlich an Gehirnerweichung leide. Auf Grund neuer Momente trat gestern Dr. Störmcr ans eigenem Antriebe vor den Gerichtshof und erklärte, daß die neuen Ermittelungen mit zwingender Notwendigkeit dazu führen müßten, sein erste? vorläufiges Gutachten abzuändern. Er er- klärte, daß das jetzt vorliegende Material nicht nur ausreiche, sondern geradezu zu dem Schluß zwinge: Der Angeklagte ist geisteskrank imd war es schon zur Zeit der That, so daß er im Sinne deS Z 51 nicht verantwortlich zu machen ist. Der als Sachverständiger bereits entlassene, nunmehr aber wieder herbei- citicrtc Professor Dr. K o e p p e n äußerte sich nicht mit derselben Bestimmtheit, betonte aber, daß die von ihm bereits hervorgehobenen Zweifel durch die neue» Momente noch wesentlich verstärkt worden seien. Nach diesem Gutachten der Sachverständigen schien die Ver- nehmnng der zahlreich erschienenen Zeugen überflüssig, denn Staatsanwalt und Verteidiger gaben der Ansicht Ausdruck, daß der Angeklagte hiernach unbedenklich freizusprechen sei. Auch der Vorsitzende glaubte, daß er— da ein negativer Spruch zu erwarten war— ohne weitere Zengcn- verhandlung den Geschworenen die Schnldfragcn, in denen die Einzel- sällc getrennt aufgeführt waren, unterbreiten könne. Zu allgemeinem Staunen sprachen aber die Geschworenen den Angeklagten i n ein c m zur Verhandlung gekommenen Falle schuldig und erklärten sich zur Beantwortung der übrigen Fragen außer stände, da ihnen die Unterlagen zu einer Entschcidnng fehlten. Da in den Fragen eine„fortgesetzte Handlung" angenommen war, die durch einen Fall natürlich nicht erschöpft fein konnte, so hielten die Prozcßbeteiligten diesen Spruch übereinstimmend für einen sachlich unzulänglichen und die Geschworenen mußten sich nochmals zur Beratung zurückziehen. Der Vorsitzende gab ihnen mit auf den Weg, daß nach der Judikatur de? Reichsgerichts schon ein begründeter Zweifel an der ZurechmMgSfähigkcit zu einem Frei- spruche genüge. Tic Goschivorencn verstanden sich aber auch jetzt nicht dazu, die Schuldfrage zu verneinen, sondern verlangten weitere Beweisaufnahme. Nunmehr erklärten Prof. Köppen und Dr. Störnier, daß der Angeklagte unter keinen Umständen verhandlungsfähig sei und seine Geisteskrankheit sicher bald zunehmen ivcrdc. Dr. Störmcr meinte: Wer an die Vcrhandlungsfähigkcit dieses Kranken glaubt, müßte auch andieUnsterblichkeit der Menschen glauben. StaatSanWaltnnd Ver- leidiger beantragten hierauf vorläufige E i n st e l l u n g d e S Verfahrens, auf die der Gerichtshof auch erkannte. Auf de» Antrag des Dr. D a v i d s o h n wurde der Angeklagte aus der Haft cnt- lassen. In dein Strafverfahren gegen den„ReichSglöckiier" Joachim G c h l s e n scheint es nur langsam vorwärts zu gehen. Vor länger als drei Wochen wurde die Anklage ivegcn Beleidigung des Char- lottcnburger Magistrats vor dem' Landgericht. II verhandelt, der Ter»iiii aber schließlich vertagt und beschlossen, dem Angeklagten seine beschlagnahmten Papiere, die er zu seiner Verteidigung bedarf, auszuhändigen. Dies i st noch nicht geschehen. Sein Ver- teidigcr, Rechtsanwalt Dr. Schöps hat nun den Antrag gestellt, die Beschlagnahme der Papiere überhaupt aufzuheben. Eine brutale Misthandlnng seines Untergebenen führte den Droschkcnfnhrhcrru Julius Arndt aus der Quitzoivstraße wegen ge- fährlichcr Körperverletzung auf die Anklagebank vor der 129. Ab- teilung des Amtsgerichts I. Als der Angeklagte eines Abends auf sein Gehöft kam, fand er dortsclbst eines seiner Pferde liegen, welche? der betreffende Droschkenkutscher nach seiner Behanptnug so ab- gehetzt hatte, daß cS nach etwa 10 Minnrcn vcrcndctc. Das regte den Angeklagten natürlich auf i als dann nach einiger Zeil der Droschken- lutfchcr Pähl von der Tour nach Hause kam, stürzte er ans ihn zu und schrie ihn an:„Na, Sic konnten wohl auch wieder nicht»ach Hanse finden! Kommen Sie vom Bock herunter!" Da es dem Angeklagten zu lange dauerte, che Pähl— der seine Beine in eine Decke gewickelt gehabt hatte— herunterkam, packte er ihn am Kragen und zog ihn vom Bock herunter. Dann ergriff er die Pferdclcine und schlug mit demjenigen Teile, an welchem sich die Schnalle» bc- finden, fortgesetzt auf Pähls Kops ein, daß dieser stark blutete. DaS ärztliche Attest stellte namentlich Verletzungen und Schwellungen von Augen und Ohren fest: der Gemißhandelic hatte auch Fieber gehabt, so daß eine Zeitlang der Ausbruch einer Gehirnerschütterung befürchtet worden war. Der Sraatsamvalt beantragte 200 Matt Geld- strafe, während Rechtsanwalt Hans Hoffmann als Verteidiger für eine mildere Strafe plaidicrte. Der Gerichtshof hielt jedoch nicht einmal das beantragte Strafmaß für ausreichend, sondern erkannte auf 300 M. Geldstrafe. Es handle sich um eine so rohe Mißhandlung eines Untergebenen, daß der Gerichtshof lange ge- schwankt habe, ob er nicht auf Freiheitsstrafe erkennen solle; er habe schließlich davon abgeichc», um nicht die s o c i a l e S t e l l u n g deS Angeklagten zu untergrabe» Möchten die Richter doch auch aus solchen Erwägungen milder urteile», wenn Arbeiter auf der Anklagebank stehen. Diese werden in de» meiste» Fällen durch eine Gefängnisstrafe viel empfindlicher in ihrer«socialen Stellung" geschädigt als wohlhabende Leute. Ein zritgemäster Maifeier- Prozeß. Der Kistcnfabrikant Bernhard F u h g in der Köpenickerstraße 154 entließ am 2. Mai d. I. sämtliche Arbeiter, die den 1. Mai gefeiert hatten, darunter befanden fich auch alte Leute, die seit Jahren bei ihm in Arbeit gestanden hatten. An Stelle eines der Entlassenen nahm der Kisten- zuschneider Wilhelm B e r n a r d an; der Klcmpuergeselle Ewald Völle!, der früher mit Bernard bei Wiesenthal in Friedrichsberg gearbeitet hatte und für Wiesenthal am 4. Mai d. I. in dem Gebäude, wo sich auch die Fabrik von Fuhg befindet, bei einem Pianofabrikanten Kisten abgeladen hatte, Hörle dort von seinem Kollegen bei Fuhg, daß sie wegen der Maifeier entlassen seien. Er hörte, daß Bernard sich nicht gescheut habe, in ihre Arbeitsstelle zu reden. Während dieser Unterhaltung kam Bernard ans der Fabrik. Völkel ließ sich in seiner Empörung über das Verhalten des Bernard dazu hinreißen, ihm zuzurufen:„Mach' daß Du wegkommst, Du......., das werde ich Dir noch besorgen." Bernard denunzierte den Völkel, der Staatsanwalt erhob öffentliche Klage wegen Beleidigung, und Völkel, ein nn- bestrafter Arbeiter, wurde vom Schöffengericht unter Vorsitz deS Amtsrichters H e i tz wegen Beleidigung mit 14 Tagen Gefäng- nis bestrast. Die Sache kam gestern wiederum vor der 5. Straf« kammer des Landsgerichts I unter Vorsitz deS LandgerichtödircktorS Franke in der Berufsinstanz zur Verhandlung. Der Thatbestand wurde wie oben dargestellt erwiesen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Herzfeld wies darauf hin, daß die Form dcr Aeußerung des B. dem Mangel der formalen Bildung desselben zu gute zu halten, und der Beweggrund derselben in verletztem Kollcginlitätsgefühl und verletztem StandcSinteresse und StandeSehre zu suchen' sei. Bei einem solchem Motiv, das sonst als nicht unehrenhaft und strafmildernd angesehen werde, müsse die 14tägige Gefängnisstrafe deS Angeklagten als zn hoch und zu hart erscheinen. Man möge ihn. wie es, wenn eine solche Beleidigung im Privatklagcverfahrcn verfolgt würde, üblich sei, zu einer kleinen Geldstrafe verurteilen. Der Staatsanwalt meinte, daß Bernard beleidigt worden sei, weil er gearbeitet habe und diejenigen, welche arbeiten wollten, müßten energisch geschützt, diejenigen aber, welche sie daran zu verhindern suchten, strenge bestraft werden. Er beantrage die Verwerfung der Berufung. Der Verteidiger erwiderte, es habe nur der Unternehmer. welcher seine alten Arbeiter, die bereit zu arbeiten waren, entließ, ebenso der Zeuge Bernard, welcher einen ihrer Plätze ein- genommen habe, andere an der Arbeit verhindert.— Nach ganz kurzer Beratung verkündete daS Gericht die Eni- scheiduug, daß die Berufung zu v e r>v e r f c it sei. Von einer Verletzung des Interesses und der Ehre des Arbeiterstandes durch den Zeugen Bernard könne nicht die Rede sein, denn nicht alle Arbeiter wollten den 1. Mai feiern. Die Absicht des Angeklagten sei dahin gegangen, dem Bernard Furcht einzuflößen, so daß er die Stelle auf- gebe. Das Wesentliche an seiner Aenßernng sei nicht die Beleidigung, sondern die Drohung. Zivci Wochen Gefängnis seien daher, obgleich der Angeklagte»nbestraft sei, eine angemessene Strafe. Vevfctmntlungvn. Maurer. Am Dienstag tagte in Cohns Festsälen eine gut« besuchte Mitgliederversammlung der Zahlstelle Berlin II des Central- Verbandes deutscher Maurer. Winzler hielt eine» beifällig aufgenommenen Vortrag über„Das Recht auf Arbeit". Au der Tis- kussion beteiligten sich S ch n l z, Muck und Zöllner im Sinne des Referats. Sodann gab Panser das Resultat der am 4. Oktober stattgehabten Baukontrolle bekannt. Von allen Rednern wurde das laue Verhalten und die Interesselosigkeit gerügt, welche ein großer Teil der hiesigen Maurer an der June- Haltung der Vertragsbestimmungen haben. Im Interesse der All- geincinhcit liege eS vor allen Dingen, daß die festgesetzte Arbeitszeit, welche jetzt 8'/2 Stunden täglich beträgt, von allen Kollegen inne- gehalten werden müsse. Es wurde den Kollegen aufgegeben, überall. wo die vertragsmäßige Arbeitszeit nicht innegehalten wird, dieselbe von den Arbeitgebern zu fordern. Ein schwerer Verstoß gegen die Vcrtragsbestimmimgcn trifft auch der Leitung des Arbeit- gebcrb'undcs, da dieselbe nicht mit gehörigem Nachdruck in dieser Beziehung gewirkt hat und ist die Vertretung der Arbeitnehmer in der Achtzchner- Kommission beauftragt, die Nnrneir der Arbeitgeber, der Bauten und die auf letzteren be- stehenden Mißstände dem Bund zu übermitteln mit der Forderung, für Abhilfe Sorge zu tragen, widrigenfalls wir daS Nichtcingreifen deS Bundes als groben Verstoß gegen den Vertrag betrachten werden, wofür letzterer auch die Konsequenzen zu tragen hat. Das Resultat der Bankontrolle ist in der heutigen Nummer dieses BlattcS unter „GcwcrkschaflicheS" zu finden. Nixdorf. Seine diesmalige Generalversammlung hielt der socialdcinokratische Verein„Vorwärts" im Gröplerschen Lokale, Berg- straße 147, am 10. Oktober ab. Nach Eröffnung derselben macht der Vorsitzende die traurige Mitteilung, daß der Tod schon wieder ein dem Verein seit Gründung desselben angehörendes Mitglied, den Genossen H o f st ä d t, entrisse» hat; derselbe gehörte seiner Zeit dem „Allgemeinen deutschen Arbcitcr-Vcrein" an. Die Anwesenden ehren daS Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen. Hierauf giebt der Vorsitzende seine» Bericht. Nach demselhen wurden zwei Generalversammlungen, vier Mitgliederversannn- lnugcn. sechs Vorstandssitzungen und drei außerordentliche Sitzungen abgehalten. Durch den Tod schieden zwei Mitglieder aus. Gleichzeitig macht der Vorsitzende die Mitteilung, daß der Vorstand das'„Buch der Erfindungen" angekauft habe, was die Versammlung gutheißt. Aus dem Bericht des Kassierers ist hervor- zuhcbcn, daß dem Verein 601 Mitglieder angehören. Eie Einnahmen betrugen 449,85 M.. die Ausgaben 201,95 M., es bleibt mithin ein Bestand von 247,90 M. Wnrbs, Bibliothekar, giebt einen lieber- blick über die Bibliothek und muß konstatieren, daß leider die Frequenz derselben zurückgegangen ist. Im iveiteren teilt er mit, daß die Anschaffung eines Bibliothekspindcs not- wendig geworden ist und' ersucht die Versammlung um Beschaffung eines solchen. Die Summe von 60 Mark wird dazu bewilligt.— Schulz, der Revisor, konstatiert, daß er leider nur allein den Markenbcstand und die Bücher deS Kassierers revidiert und alles in bester Ordnung befunden habe, er beantragt daher, dem Kassierer Dccharge zu erteilen, welchem die Versammlung stattgiebt. Gleichzeitig bittet er. 150 M. zur Agitation zu über- weisen, was geschieht.' Es erhält nun zu seinem Vortrage über „Materialistische Geschichtsanffassung" Paul Jahn da? Wort. Derselbe erledigt sich des schwierigen Themas zur vollen Zufriedenheit seiner Zuhörer. Eine Diskussion fand nicht statt. Inzwischen war ein Antrag eingegangen, an Stelle der ihres Amtes müden Re« visorcn zwei andere zn wählen. Die Wahl fiel auf Rosen bauin und Schweizer. Klein giebt bekannt, daß das diesjährige Stiftungsfest am 18. November im Apollo-Theater stattfindet und BilletS sich schon im Umlauf befinden. Ein Antrag, das Parteitags Protokoll an die Mitglieder gratis zu verteilen, findet durch Zurück- »ahme desselben seine Erledigung. Vecinifllszkcs- Riesige Betrügereien sind in Leipzig von dem Fabrikanten Neuer begangen worden. Seine Verhaftung macht einer ganzen Reihe von Betrügereien und Fälschungen ein Ende, durch welche der bis dahin geachtete Man» seine Geschäftsfreunde um etwa 500 000 Mark geschädigt hat. Der Verhaftete ist Mitinhaber des großen Fabrik- Etablifiements von Neuer n. Ko. in Leipzig-Lindenau, einer Buntpapier- Fabrik allerersten Ranges auf dem Kon- tinent. Während er für sehr reich galt, befand er sich schon seit Jahren in schivcrer finanzieller Bedrängnis und griff,»in nicht Konkurs anmelden zu müssen, zu dein Mittel der Wechsel- r e i t e r e i. Sein Helfershelfer dabei war u. a. auch der Agent Ottomar A p e l ans C h a r l o t t e n b u r g, der die wertlose» Acccpte bei Berliner Hänsern unterzubringe» wußte und so viele hiesige Firmen arg schädigte. Ilm seine bedenklichen Operationen zu verschleiern, führte Neuer falsche Bücher. Der Staatsanwalt hat die Beschlagnahme sämtlicher Geschäftsbücher lind Korrespondenzen vcr- fügt und Apel durch die Kriminalpolizei von Charlottenburg ver- haften lassen. Weitcrc Verhaftungen stehen bevor. Ei» seltsames Eisenbahnunglütt ereignete sich dem„Berliner Tageblatt" zufolge am Miltivochnachmittag auf der Linie Berlin- Stettin. Als der gegen 4 Uhr nachmittags von hier abgelassene Zug in der Nähe der Station Schönermark angelangt war. passierte kurz vor demselben eine dem Lieutenant Kühn in Frauenhagen ge- hörige Pferdeherde auf einem Uebcrgauge das Bahngeleise. Der Maschincnführer vermochte nicht mehr, den Zug zum Stehen zu bringen, so daß der Train in die Herde hineinfuhr, wobei neun Fohlen niedergerissen und völlig zermalmt wurden. Der Unfall hielt etwa IVs Stunden den Zug auf, tvelcher sodann die Unglücks- stelle erst nach erfolgter Auswechselung der Lokomotive verlassen konnte. Ein sociales Drama von erschütternder Gewalt fand dieser Tage in Jastrow, einem kleinen Städtchen der Provinz Posen, seinen Abschluß. Im Sommer d. I. stand der Sattler Gchrke aus Jastrow mir seiner Ehefrau vor dem Schwurgericht in Schneidcmühl unter der Aullage, daS zwei Jahre alte Kind der beiden mit Morphium vergiftet zu haben. Die Eheleute Gehrke ivaren ohne eigene Schuld in Nahrnngssorgen geraten und suchten sich und ihr Kind durch Gift um das Leben zu bringen. Sie wurden jedoch durch ärztliche Kunst gerettet, während das Kind vcr- starb. Das Schwurgericht verurteilte die beiden zu je einem Jahre Gefängnis. Der hochgradig schwindsüchtige Ehemann wurde vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen, so daß er in der„Frei- heit" sterben konnte. Zu seiner vor einigen Tagen erfolgten Be- stattung wurde auch die Gattin aus dem Gefängnis beurlaubt. Als die Arme allein ohne Gatten und Kind vom Friedhof zurückkehrte. wurde sie von Verzweiflung erfaßt und stürzte sich ins Wasser, um im Tode Vergessen ihrer Leiden zn suchen und zu finden. So fiel infolge unserer trefflichen socialen Verhältnisse eine ganze Familie einem tragischen Geschick anHeim. Briefkasten der Redaklion. Di« juristische Sprechstunde findet Montag, DienStag und Freitag vo» 6—8 tthr abends statt. N. D. 50. Leider bätte eine Klage gegen den nnrichigen Mieter oder gegn den Vermieter kaum Aussicht aus Erfolg.— TV. L. 130. Sie tonnen aus Grund einer schriftlichen Vollmacht Ihren Bruder vor dem Gcwcrbegericht BcrttElen. Die Vollmacht braucht nur dann— gerichtlich oder notariell— beglaubigt zu werden, wenn der Gegner dies verlangt. Solches Verlangen ist sehr selten.— X. 7. Kommen Sie zur Sprechstunde. — Th. Sch. An dieser Stelle, im lokalen Teil, bei Gelegenheit vieler Be- riuitc über die Stadtverordneteu-Vcrsammlungen und an andern Stellen ist diese Frage wiederholt eingehend besprochen. Die Wahlberechtigung verliert, wer Ärmenunterstützung erhalten hat. Krankeiinnterstützung und Nicht- entilung der KranleiiverPfleguiig ist nach richtiger Ansicht keine Armen- Unterstützung. Der Magistrat und mit ihm das Ober- Verwaltungsgericht ist jedoch..ntgcgengesctzter Ansicht. Zur Zeit schweben abermals wegen dieser Frage mehrere Verwalwngsstreitklagen. So lange das Ober-VerwaltnngS- geeicht und der Magistrat auf ihrem Standpunkt beharren und io lange nicht durch die Stadlverordneten-Vcrsammlung im Verein mit dem Magistrat An anderer Modus bezüglich der Aufnahme von Kranken, sür die nicht im Voraus bezahlt wird, vereinbart ist, ist denen, die nicht s Pfand- �areS besitzen, abzuraten, ihre Kranken Haus schuld in Raten zu tilgen, weil diese Tilgung in Raten die Beeinträchtigung des Wahlrechts nach Ansicht de? Ober- LcrwaltnngSgerichts nicht aushebt. — ts. B. 7. Jawohl: er erhält dann diejenige Art Rente, die die höhere ist. D. 91. Nein: die Bestimmungen des Vertrages allein sind mabgebcud. Wohl aber ist eine Klage gegen den Arzt zulässig, die von ihm Ersiilliing seiner vertraglichen Verpflichtungen verlangt.— A. F. 100. Heirat bricht in. Gebiete der allprensstschcn Gesinde-Ordnung einen Gcsinde-Vertrag nicht. Heirat übt ans einen Gcsinde-Vertrag nur folgende Wirkungen ans: Erhält weibliches Gesinde vor dem Antritt der Dienstzeit Gelegenheit zu heiraten, so kann es ein anderes taugliches Dienstmädchen an seiner Stelle stellen. Ist es hierzu anster stände, so umst das städtische Gesinde dennoch den Dienst auf ein Vierteljahr antreten. Erhält während des Dienstes männliches oder weibliches Gesinde durch Heirat„zur Anstellung einer rigencn Wirtschaft vortcilhasteste Gelegenheit, die es durch Ansdaucruug der Mictszcit versäumen müstte", so kann es nur vorzeitig kündigen, also, wen» der Gcsinde-Bcrrrag ans ein Jahr vom 1. April 1S99 ab abgeschlossen ist, unter Einhaltung einer Scchswochenfrist zum l. Juli, 1. Oktober oder 1. Januar kündige». Ist über die Dauer der Dienstzeit nichts vereinbart, io gilt der Vertrags bei städtischem Gesinde als aus ein Vierteljahr geschlosicn, vcr- längert sich jedoch nnr dieselbe Zeit, falls nicht unter Einhaltung einer Sechs- wochensrist(oder einer etwa vereinbarten kürzeren Fristj gekündigt ist. Haben Sie nichts anderes vereinbart, mühten Sic also bis zum 1. Jan. 1990 aushalten. OrtK-Kranloilkussc tiSln-Ehrenfcld. Die Antwort auf Ihre Anfrage ist bereits im„Vorwärts" vom lli. September unter Orrs-Krankenkasse K. E. gegeben.— O. K. Der Anspruch ans Unterstützung der Familienangehörigen zn F r i e d c n s ü b ir n g e n eingezogener Mannschaften >st bei der Gemeindebehörde des Orts zu erheben, an dem der Einberufene zur Zeit vor der Ucbung seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort hatte. ES genügt etwa folgendes Schreiben:„Au den Magistrat(Gcmcindevorstand) von... Ich bin(war) vom... bis.. zu einer Reserve-(Landlvehr-) Ucbung eingezogen. Ich beanspruche für meine Familie die ihr zustehende Unterstützung. Meine Familie besteht ans meiner Frau und... Kindern. Die Kinder sind geboren: Hedwig am..., August am... usw.(Datum, Name, Wohnung.) Ter Anspruch erlischt, wenn er nicht spätestens binnen 4 Wochen nach Beendigung der Ucbung erhoben wird. Die tägliche Unter- stütznng beträgt für die Ehefrau 30 Proz., für jedes Kind unter 1ö Jahren l0 Pro».,' insgesamt aber sür die ganze Familie höchstens 6» Proz. des ortsüblichen Tagelohus. Solche Unterstützungen sind keine Armen-Unter- stützlingen. Wo der ortsübliche Tagelohn 3 M. beträgt, beträgt also der höchste Satz 1,30 M.; wo er 2,70 M. beträgt: 1,62 M. täglich. — Abraham 1878. I. Ob jemand in N. vor 2 Jahren wegen Majeftäts- beleidigung bestraft ist, können wir Ihnen nicht mitteilen. 2. Soweit die Btresseuden etwas zn verlangen hatten, stand ihnen Geldcntschädigung zu. Wenn Sie in einem Einzelfalle etwas wissen wolle», so legen Sie diesen dar. — 77. A. 1—3. Gültige Taxen sür Hebammen existieren nicht. 6 bis 12 M. für eine Entbindung und 1—3 M. sür jeden Gang werden als an- geiucssen erachtet. 4. Ja.— B. O. 1. und 2. Da der Wohnsitz des Mädchens und der Schwängerungsort in Sachsen liegt, so haften Sie und der andere für die Alimeute. 3. Taxen gicbt es weder für Sachsen,»och sür Preußen. 12,50— lö M. bis zum 6., 15—18 M. bis zum vollendeten 1V. Lebensjahr werden alö angeniessen erachtet.— R. N. 20. 1. Der Ehemann erhielte die Hälfte des gemeinschaftlichen Vermögens. 2. Die Betreffende braucht nur an das Gericht zu schreiben, daß sie krank ist. Testament zu machen wünscht und deshalb Abfendung der Deputation beantragt. Die Kosten betragen etwa 3V Mark. — Gersdorf. Sie richten an den Vorstand der Bernfsgcnosicnschaft den Antrag, Ihnen die Hinterbliebenen-Zkcnte zu gewähren.— Finting Ch. Legen Sic wegen der Bummelei der Bernssgcnossenfchast Beschwerde beim Rcichs-VersichcrungSamt ein.— L. K. 13. Sie brauchen die Gegenstände nnr gegen Zahlung der vollen 30 M. zurückgeben.— I. V. 109. Die Art der Trauung ist gleichgültig.— H. B.. Golüftrnsie. Zinsen können Sie nur verlangen, wenn sie fchristlich vereinbart sind. Waren Zinsen schriftlich vereinbart, so sind die auf länger als 5 Jahre zurückliegenden verjährt.— W. N. 10. Nein.— 1000. Nein. rgtlteruiigSübcrsicht tiom 19. Oktober 1899, morgens 8 tthr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden 'München Wien --.2 E3- 762 I 769,'OSO '"ESäO 770s SW 771;NNO Wctter SS c* i" »Regen iwoUcnl Molkig �heiter ?ivultenl Wcttcr-Prognose für Freitag, de» 80. Oktober 1899. Etwas wärmer, zeitweise heiter, vorherrschend wolkig, bei mäßigen West» lichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterb nreau. Morktpreise von Berlin am 18. Oktober 18SS nach Ermiltelnngen deS kgl. PolizeiprästdmuiS. D.-Ctr. »jWelze» *)Rofl(lcn Fnttcr-Gerste„ Hafer gut , iniilel gering Richistroh„ Hcn t) Stlsien sijSpeisebohnen„ t)Li»sen Kariofseln, neue., Rindsleijch, Keule 1 Iig da. Bauch„ ') ErmiUelt pro 15,30 15,30 14,40 15,20 14,40 13,60 4,50 7,20 40,— 50,- 70,- 7,- 1,60 1,20 Tonne Schweinellrisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebs« Ib« 00 Stück 1kg per Schock 1,60 1,80 1,60 2,80 4,50 2,20 2,80 2,60 2,- 1,80 2,80 1,40 12,- 1,10 1,- 1,— 2,- 2,80 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2,- 14,70 14,- 12,80 14,50 13,70 13,- i- 4,- 25,- 25,— 30,- 4,- 1,20 1 ,- von der Ccnlralflclle der Prenß. Landwirt- schastskainmern—?!ol>ernngsslclle—»nd umgerechnet vom Pollzeiprästdinm für den Toppcl-Ccnlner, 1°) Kleinhandelspreise. P r o d u it en m a r kt vom 19. Oktober. Getreide verkehrt in sesier Grundtendenz, da feste AuSlnudsmelduiigcn vorliegen. Tancrnd malt bleibt nur Paris, welches beute wiederum außergewöhnlich niedrige PreiSnotiernngen meldete. Bei uns war Weizen und Roggcn je 0,50 M. höher gehalten, eine gröbere Preissteigerung wurde durch vermehrte und billigere rnsstsche Roggcil-Osierlcn, beschränkten Mchlgbfotz verhindert. Mehrere Kahnladnngcn Roggen wurden zu 152 M. gehandelt. Hafer lag still, wenig verändert. Rüböl nominell fest. Spiritus blieb fest bei stillem Geschäft. 10 000 Liter loco 70er wurden mit 43,60 M.(-j-O.lOM.) gehandelt Am Terminmarlt war wieder wenig zu thnn. K a r t o f i e l f a b r i k a t e. Rohe reingcwaschcnc Kartoffelstärke 11,20 M. netto Kasse. Prima reine Kartoffelstärke disponibel und Oktober-November 21 M. Prima Stärke und Mehl, Mittel-Qualität 20 bis 20,25 M. Per 100 Kilogramm. Eier-Bericht vom 19. Oktober. Normale Eier je nach Qualität von 3,10—3,55 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität vv» 2,20—2,30 M. per Schock. Tendenz: ruhig. Für de» Inhalt der Inserate übcniimuit die Redaktion dem Pubtiknin gegenüber keinerlei VcrantN'ortuiig. Tllrntvv. Freitag, 20. Oktober. Opernhaus. Die Afrikauerin. An- fang 7V2 Uhr. Schauspielhaus. Julius Cäsar. Anfang 7'/? Uhr. Deutsches. Chrono von Bergerac. Anfang 7Vi Uhr. Lesfing. Als ich wiederkam... Anfang 71/, Uhr. Berliner. Dolly. Anfang 7l/2llhr. Schiller. Viel Lärmen um nichts. Anfang 8 Uhr. NcucS. Ein unbeschriebenes Blatt. Ansang 7»/, Uhr. Weste». Zar und Zimmermann. Anfang 7Vi Uhr. Thalia. Der Platzmajor. Anfang 7V, Uhr. Residenz. Jagdfreudcu. Vorher: Familicn-Sviiper. Ans. 7V, Uhr. Luise». Molly Carrs. Anfang 8 Uhr. Central. Die Geisha. Anfang 7Vz Uhr. Ostend. Weltuntergang. Ansang 8 Uhr. Bictoria. Die weiße Henne. Am fang 71/5 Uhr. J Friedrich- Wilhclnistädtischrs. Der Klub der Harmlosen. An- fang 8 Uhr. Bclle-Alliance. Geschlossen. Metropol. Rund um Berlin. Im Reiche der Sccession! Ansang 8 Uhr. vpollo. Frau Lima. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 7Vj Uhr. Reichshalle». Stcttiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Palast. Spreclottchen. Speciali- täten-Vorstettung. Ans. 8Vz Uhr. Passage< Pnnoptitnui. Speciali- täten-Aorftellnua. Urania. Juvaltdenslr. ü7/» Große Kinder-Norstcllnng zu kleinen Preisen: Schuccrvittchen und die 7 Zwerge. Zaubcrmärcheir in 8 Bildern. Preise d. Plätze zur Kinder-Vorstellung: Galerie lO Pf. 2. Rang tt. 2. Rang Sperrsitz 20 Pf. II. Parkett 30 Pf. l.Rangu. l.Rangdalk. 30 Pf. I. Parkett 40 Ps. Fauteuil u. Tribüne 50 Pf. I Rang-Loge bOPf. Parkett-Loge75Pf. Orchester- u. Frcmden-Luge 1 M. Soirntagnachurittag 4 Uhr zu kleinen Preisen: sstzm-lii 8tnai't. Itarict- spiel in 5 Akten v. Friedrich».Schiller. Crtttvcil-Ttzentvv Direltioir: Jose sserencsx. Dir O r i s tz cr. Ankang 1'/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntagnachmittag 3 Uhr zn halben Preisen: BZaldurcister von Johann Strauß. l'glgSt-IllLgtkI' Bnrsisiraftc SS. Direktion: Winkler und Fröbel. Ganz Berlin spricht von dem Oktober-Programm. Ganz Berlin staunt über die trefflicherr Mcistertnnier anr sechsfachen Lirftrcck. Ili'ei VnsilcMcn in dieser Vollcndrrug noch nie dagewesen Ganz Berlin lacht über V/Inklee und Fröbel in der urkomischen Gesangs- BnrleSke SnslUtne im Bade. Ansang 7>/z Uhr. IrTrst Kassencröffnmrg 6 Uhr."TJSQ «inct-Borverkanf»ovnt. v. 11—1 Uhr. Jeden Sonnabend nttd Sanntag nach der Vorstellung um 11 Uhr: G r v st c r T a n z. Morgen, abends 'Abend. 7>/z Uhr: Gala- Neichshalleu. Täglich: Stettiner Sänger (Mensel. Pletro. Britto», Stridi, Krone, K i r ch m»per, Schneidrr und Schräder). Heute, Freitag: Neues Programm. Zum Schluß: Ein jcrpiiflttr Wlihltp. Burleske voir Meysel. Anfang 8 Uhr. Tageskasse U— 1 Uhr. Sonnabend und folgende Tage Zum Schluß: Ztillßes Mngstslihrt Apollo-Illkgw'. �.denäs 9 lltrr: init C�U'ota in der Titelrolle. Ferner-: The Gothams das bcrüliinte amerlknn, komische VTokal- Konzert. Olto keuller Chavlta— Yumata Tlero— Barra- Truppe— Biossoms— Lea Durand* Francis Gerard „CpJrlgolatis" etc. etc. etc. Anfang der Vorstellung 7)/- Uhr. Vorverkauf täglich ImTneater und beim„Künstlerdank", Unter den Linden 69. W. Noacks Theater, Bruiiiienslraße 16. Der Uilteillikscher Schauspiet in b Akten v. Erich Rieck. Morgen, Sonnabend, wegen Prrvatsestlichkeit keine Vorstellung. �Uca�ar-Theater Variete I. Ranges Dresdenerstr. 52-53. Annenstr. 42-43. Anstrettu noii tlbsoliit erstklassigen Tpecialitäten Ansairo: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf. Sonntags 30 Ps. 236SL*1 Die Direktion: Richard Winkle r. U TritiIieii«ti-n8Kc 4.S'41>. — Im Theater abends 8 Uhr:— „Der Sieg des VIensohon über die Natur." Invalidcnstr. 57/!>8: Sternwarte. Kachmlttags 5—10 Uhr. CASTANS" IPANOPTICÜMI 165. Frledrlchsirasse 165. Neu! isclhe CirkiiN Itnscli. Freitag, den 20. Oktober, ab.7VzUhr: Gr. humortstischc Vorstellung. Ol n nr- p r j ch e Spiele. Römisches Vier- gespamr eine 30 Fuß hohe Kaskade hürausjagend und durch das Wasser- basstn fahrend. Sturz aus der Höhe der Cirtustuppel ins Wasser. Auftr. des berühmten Schnlrciters hkcnsleur Mance mit seinem Wunberpscrd Kon plus Ultra. Eharivari v. 100 Clowns, männliche u. weibliche. Schntreitcrin Lata Lee. Tic Scelöwc». Clown INIsIcv m. s. singenden Pony u. scirrer ballspielerrdeir Dogge. Gedr. Fermane, Nachtigallcnductt. Gigcrtktown L'antet als Zauberer. fn�Aize-IdeAtur. Anfang dcö Konzerts 6 Uhr. der Vorstellung 7 U h r. tz-assage- ? anop tt c um. Zk«n: /lnokomiolzli. lVltlLKW. Kotthnserstl». da. Täglid) außer Sonnabends kvssMANNL KVI'li- lleulsede Zänljei'. Anfang wochentags 6 Uhr. Sonntags«>/, Uhr. tleiite /um I. Zlale: MAHiiiiiigsloseil. Nsshrs Theater Oranleustr. 24. Rosen ans üem SiiDcn. AuSstattungS-BurteSke. Das großartige Oktober- Programm FIsa Messer, Kosini»- Soubrette. Mstr. Panly, Comvrsionist. Mstr. Döbbrick, CHampton-Handftandkstnstl. Franziska Held, Saubrette. Gustav Eulenburg, Humorist. Ansang S Uhr. Sonntags 6 Uhr. 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Tages Ordnung: Bericht der Vertrauensleute, der Prestkommission, Lokalkommlssiou uud Agitatiouskommission der Provinz Brandenburg und Neuwahl der- selben. Berichterstattung von der Brandenburger Parteikonferenz und dem Parteitag. Zahlreiches Erscheinen der Parteigenossen erwarten Die Merirauenaleuie* 213/8 Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute, fttcitng, nbciids 8>/z Uhr. bei OoNn, Benthstr. Sv-Sl. Sitzung«1er Rrts-UemaitunK. Sonntng, den 22. Oktober, vormittags IN Nhr, bei Hcrzbcrg, Alte Jakobstr. 75: Tersannuluiig' der Einsetzer. To gcS' Ordnung: 1. Vortrng. 2, Diskussion. 3. Bericht und Abrechnung der Tarif- Vcratilligs-Koiiimispon. i. VcrbaudSongelcgcnhcitcn. 277/3 5W" Jeder Einsetzer ist verpflichtet, in der Verlamniliiiig zu erscheinen IUI' öeaelilttllg sür 8üli um! 8UM: In folgenden Lokalen.sind noch Zahlstellen für den Deutschen Holz- arbcilcr-Vcrband eingerichtet und werden jeden Sonnabend von 3—10 Uhr abends Beiträge cnlgegengcnottinien: 1. Kottbitserdninni 3,? bei Schmidt. _ 2. Reich eiibcrg erst r. 83 bei Longe._ Soniitog, de» 32. Oktober. vorniiltagS Iv Uhr. im Lokal Hoffmann, Alexairderftr 27 o;_ General-Verfammlnug bts AertiilS znr WahrNg hcr Znttrtsstil der Maurer Berlins nnd Umgegend. Tagcs-Ordnring: Abrechnung des Kassierers vom 3. Onartal 1883 und Bericht der Revisoren. 2. Bericht des Borstandeö über seine halbjährige Thätigkeit(April-Septeinber). 3. Diskussion. 4. Bericht des AnSschniseS »nd des Bibliothekars, ö. Neuwahl des gesamten Vorstandes, Ergän.zungs- Wahl eines Revisors und des Ansicht»sseS. 6. Verschiedenes. 128/20 BV Mitgliedsbiich legitimiert."NE __ Der Borstand. I. A.: 0.»erkortb. Bril'tuid der in Vuchbindtreien, der Papier- und Lcder- GalanterieN'areii-Jndnstrie beschnft. Arbeiter nnd Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. 8»iiiinben/, Uhr am Eingang der Sterinvartc. 2-/13 Zalilrciche Beicilinnlig erivnrler_ f in donnerndes Doch Misere»! Freunde Ernst Jahn. Blüchcrstr. 21. zum-0. Wiegenfeste widuiet das Trink-Kollegium. f2k3b Eriist, lad gießen! oeutseder »elküM'deiter-Vei'Iinmi tVorvaliungiztell» k«r»n). Am DienStag früh starb unser langjähriges Mitglied, der Schlosser Franz Madre. Ehre seinem Anden len Die Becrdigiiug siudet heute Fxi- tagnachmittag 4 Uhr von der Leichen- haue des Heil. Kreuz-Kirchhofes in Mariendorf ans statt.' 114/13 Tie Ortsvcrtvaltiiiig. Parteigenossen des Mabikreises Ceitoui- Deeskoiv- Storkow-lltzariottenbnrg. Sonntag, den 2L». Oktober, nachmittagö I Uhr, bei Thomas f Nixdorf, Hcrinannstrafte 50,(Apollo Säle): Kreis-Konferenz. Tages-Ocdiiling: Berecht des KreiZ-Vertrauensmannes und der Revljorer». Neuwahlen. Die Beschlüsie der Brandenburger Provin-Io'.-Kcnserenz und bei Hannoverschen Parteitages. Referent: Gen. Sadeil. Die Lehren der Wahlstatistik Referent: Gen.?nal Hirsch. Verschiedenes. wird auf den§ 3 des Organisations> StaluiS des KreijeS aus- merksani gemacht, wonach jeder Ort bis zu drei Delegierten entsenden kann. jedoch müssen dieselben politisch organisiert, in össentlichen Parleiverjamm- lungen gewählt und mit Mandaten versehen fein. Die Konserenz wird vünkiUch crössnet. Der Kreis-VerkauenSmann: Vklldetm cdsrdoriit, 204/S Charlottenburg, Wümersdorjerstr. 38 a._ X. 2. 3. 6. ES Uerbnud der Mler. Tliuemrer »»d vcrw. Bcrnssgenosse» tFiliale Berlin I). 8o»nahvn«I, Uen St. Oktober er., abends 8'/, Uhr, im„£ n g 1 1 s c h e n. H o f Xcuc Koss-Str. 3, Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Dortrag: Die wirtschajtlichen Ausgaben der modernen Stadtgemeindc. Referent: Gen. Pöreod. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 1ö7/1- Um zahlreiches und püullltches Erscheinen bittet Der Vorstand. Achtung!"MW Verband des technischen Viihnen- Versonais 8it» Herli». Sonosdonil, 6on 21. vlctoboe ce., ademl, 11 Uhr, NeneRojs-Straste 3: Tersainmluu�. TagcS- Ordnung: 1. Protokoll. 2. Verbands-Angelegenheiten. 3. Auf- nähme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragekasten. 271b Oer Vorstand. Achtung! Rohrer Achtung! Berlins u n d Umgegend. Sonntag, den SS. Oktober, nachmittags S Uhr, in WilkeS Lokal, Andreasstrasse 2S: vettentl. Versammlung. Tagcsordmmg: 1. KoiistiwierilNg des Vereins.(Einzeichnen in die Listen) 2. Statnicnberawng. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Verschiedenes. Pünktliches Erscheinen erwartet[2546] Der Einbernfer. Alhtwlg, Uerelne: Soo! foö!! 2314L» Sonnabende für Januar u.Februar. ElinlischcrGartcli.AIexanderstr27c. Wirtshaus„Wl-öerür. 3(1» Molkcnmarkt, Molkenstr. 12. Zimmer n. Logis Hochs. Betten. Billige Preise. IX. blärtaer. Geschäfts-Eröffnung! Allen Freunden u. Bekannten hier- durch zur Anzeige, daß ich Rlxdorf, Hermannstroste 53, Ecke Hersurth- straße 34. eine 20Zd Oastvlrtsobakt mit schöllen Vereinszimmern. welche noch zu vergeben sind, ncn rrösfnet habe. Um gütigen Zu- spruch bittet Varl ItolofT. Wililg! Kösliiler Hos. Besonderer Umstände halber ist der Toten-Toiilitog frei und dicserhalb an einen großen Berein abzugeben. Ui/-— 10 M. Jackctt'Koilümc a 0—24 M. G»lfc>ipcs u. stiegeumäntel ak— 18M. »lorlte Skiitecb, Tanbcnstr. 23. II BUligste ReparaNir- Werkstatt für Vbi-Qii und Goldn oren, £iiiil Günther, Uhrmacher, 16. Koppeustrahe 16 27/338* Arbeiter-Berufskleidung für jedes Gewcrk passcud. 126028* Grösstcs I nger.-tgsQ Beste Qiialittitcn. Neu! Arbeiter-Sehntzliose Neu! jede Gefahr im Matehinciibctrieb ausgeschlossen, empfiehlt V. Xalirstedt, Wrangelstr. 40/41. fljiirlottffllnii'g. Empfehle allen Freunden und Partei- genofien mein neues Lokal Bisiiiarlt- ftrasteUl. Vereinszimmer. 120 Personen jaffend. 26778- IIo Werulcke, fröber„Bismarckshöhe". chmerzioses Zahnziehen Narkose! Plattenloser Zahnersatz. Rünstl. Zähne, brauchbar. PlOlllbeil, schmerzlos..... Linde von 3,— Mk. von Xj50 Mk. 23388* Täglich viele Anerkennungen. Herr Dr. H. schreibt: Ich habe während der Operation selbst als auch in der! Folge keine Schmenampflrdung gehabt etc. etc. Herr Jnstizrat K. schreibt a. a.: Bestätige Ihnen gern, dass ich nach Injektion einer 1 Flüssigkeit beim Aasziehen eines Backenzahnes keinen Schmerz empfunden habe etc. etc. f jetzt: Britekeustr. 6S I., an der Jannowitz- Brücke. Sprechst.: 9-6, Sonntag 9-12. Telephon Amt Vit. 4913. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Verlin. Truci ttud Verlaa von fDiax Badiug in Berlin. !tt. 216. 16 �»um. 2. KeilW des„DMrls" Knlim WsM Freitag, 20. Oktober 1899. Die Parteiprefsc«nd der Parteitaa. IL Die„Miilichcner Post" sieht in den Verhandlungen des Partei tages ein Werk der politischen Scldjtcrziehung der Arbeiterklasse und fährt dann fort: „Diese Selbsterziehung offenbart sich einmal in der gewissen haften Prüfung des Verhältnisses der crivorbcucn Ideen zu den vor handcne» Thatsachcn und dann in der Feststellung dessen, was in Zukunft notwendig geschehen muß. Beides kommt in der Resolution Bebel deutlich zum Ausdruck. Zu einer Revision unserer Grund anschauungen sind weder die Erfahrungsresultate ausreichend, noch sind die Umstände dazu angethan. Und wenn der Partei tag� fast einstimmig— die 21 Gegner der Bebelschen Resolution stimmten zum Teil aus nebensächlichen Gründe» da- gegen— bekundete, daß das Programm und Taktik so bleiben sollen wie bisher, so hat er nicht nur das Nichtige gethan. sondern auch der deutschen Arbeiterklasse aus der Seele gesprochen. Wir können keinen Zickzackkurs gebrauchen. Das wichtigste Ergebnis des Parteitages liegt daher in der Bebelschen Resolution. Sie bindet der freien Forschung und freien Kritik keinen Maulkorb vor, sie hindert nicht der Wcitercutwickluug der Partei, aber sie verpflichtet alle Parteigenossen zu einer gemein- samen Marschroute. Datz wir alle dasselbe wollen, das ist ja das feste Band, das uns umschließt und das Fundament unserer Stärke. Tie Resolution als Fazit der Bernstein-Debatte lost keine der schwebenden Fragen, aber sie schränkt ihre Bedeutung auf das ihnen zukommende Matz ein und macht sie nicht niehr zu'„Lebensfragen" der Partei. Für unser Verhältnis zu den bürgerlichen Parteien und der Frage der Taktik schafft sie keine allgemein bindende Grundlage, weil das nicht möglich ist, sondern erkennt die Notwendigkeit der Verschiedenheit der praktischen Bcthätigung an. Wenn im nächsten Jahre die Frage der Laiidtagswahl-Bcteiligung in Preutzcn zur Debatte stehen wird, so wird sich zeigen, datz der Parteitag in Hannover bereits den Weg gebahnt hat zu einem völligen Um- schwung der Anschauungen über diese Seite der taktischen Fragen." Die„Schwäbische Tagwacht" schreibt: „Wir erklären uns von dem Verlaus des Parteitags und seinem Ergebnis hochbefriedigt. Die Gefahr, womit die Bernsteinsche Schrift die socialdemo kratische Arbeiterbewegung bedrohte, die Gefahr der Verflauung und Verbürgerlichung, ist vollständig abgewendet. Der Sturm hat die Wurzeln und den Stamm nicht zu erschüttern vermocht mid nur die Wipfel in wogende Bewegung gebracht.... Es zeigte sich sogar aufs erfreulichste, datz die gefährlichste Seite des Bernsteinschen Reformanlaufs aus dem Parteitag eigentlich gar keine Vertretung gefunden hat. Worüber(in der Sache) gestritten wurde, das waren Fragen, von denen der Lebensnerv der Socialdcmokratie, ihre Stärke und Triebkraft unberührt bleibt, man ntag so oder anders darüber denken. Bernstein selbst hat seit dem Erscheinen seiner Schrift ganz be deutend eingelenkt, Wasser in seine kritische Schwefelsäure gegossen und deren ätzende Wirkung auf die ehernen Grundgedanken des Erfurter Programms neutralisiert, derart, datz auch er für die Lcbelschc Resolution stimmen konnte. Die Antikritik hat ihren Ziveck erreicht." Die„Sächsische Arbeiter-Zeitung" ist zwar mit dem Ergebnis der Schippel-Dcbatte und allen sonstigen Handlungen des Parteitages zufrieden, zufrieden ist sie auch mit den Debatten über die Gnind- anschauungen der Partei, nicht aber zufrieden mit dem Ergebnis dieser. Diese Unzuftiedenheit(über die Bebelsche Resolution) schöpft sie auS dem Umstände, datz„die Bernsteinianer mit David und Vollmar an der Spitze geschlossen für die Resolution eingetreten find." .Wir vermögen in den Freudenjubel darüber, datz sich durch diese Ab stimmung die principielle Uebereinstimmung der Gesamtpartei wieder einmal glänzend vor aller Welt erwiesen habe, nicht einzustimmen. Wenn alle Bernsteinianer erklären, und wenn Bernstein selbst dem zustimmt, daß an den Grundanschauungen und der taktische» Stellungnahme der Partei nichts zu ändern sei, dann mutz man doch fragen: wozu da eigentlich der ganze Länn? Das Blatt bedauert es im Interesse der Klärung,„datz diese gegensätzlichen Auffassungen sich nicht auch in. der' Abstimmung dokumentierten, und datz keine Resolution zur Abstimmung gebracht wurde, die eine Acceptierung der Bemsteinschen Vorschläge durch die Partei ausdrücklich ablehnt." Die„Leipziger VolkSzeitnng" bezeichnet die Verhandlungen des Parteitages als eine so gründliche Abfertigung der opportunistischen Richtung in theoretischer Hinsicht,„datz von' ihr ivohl nicht ein einziger heiler Rest übrig geblieben ist." Nicht ganz befriedigt ist sie dagegen von der Resolution Bebels, die manches zu wünschen übrig lasse. „Die einzelnen Absätze in ihr: der dritte, über das Zusammen gehen mit den bürgerlichen Parteien, wie der vierte, bezüglich der Genossenschaften, sind durch ihre Dehnbarkeit eher schädlich als nützlich im Kampfe mit den opportunistischen Neigungen, das Ganze zu wenig ausgeprägt. Im ganzen ist aber der Sinn der Nc- solution, besonders ihre? letzten Absatzes, so wie er durch den kleinen Zusatz pointiert wurde und im Zusammenhange mit dem ganzen Verlauf der Debatten ein ausdrücklicher Absagebrief an den BernsteinianiSmus." Im ganzen ist auch sie mit den Ergebnisien deS Parteitages zu- frieden, der eine Abrechnung mit dem Opportunismus in Theorie und Praxis vollzogen habe. Die„Volksstimme" in Chemnitz stellt dem Parteitag das Zeugnis auS, datz er in der Behandlung der durch Bernstein auf- gerollten Fragen auf der Höhe der Situation gestanden habe, und ist mit dem Abschluß der Verhandlungen durch Annahme der Bebelschen Resolutton zuftieden, bedauert aber die Art, wie über die Militär« frage und gegen Schippe! verhandelt wurde, und meint, datz der Parteitag in diesem Punkte tief unter dem Niveau gestanden hätte. das er sonst eingenommen habe. Das Blatt betont jedoch ausdrück- lich, daß es nach wie vor auch in der Milizftage ganz auf dem Boden des Programms stehe. Als erfreulich bezeichnet es auch, „daß der Parteitag endlich einmal mit der Disciplinlosigkeit kräftig ins Gericht ging, die durch die Leipziger in der vordem so muster- hast einig gewesenen sächsischen Socialdemokratie eingeführt worden ist." Die übrigen sächsischen Parteiblätter übergehen diesen Punkt mit Schweigen. Die„SchleSwig-Holsteknische VolkSzeitung" hat zwar im einzelnen vielerlei an den Verhandlungen auszusetzen, im ganzen aber ist sie beftiedigt über das Ergebnis. „Der Streit der Meinungen ist durch die Annahme der Bebelschen Resolution(mit 216 gegen 21 Stimmen) keineswegs auS der Welt geschafft, vielmehr werden die Genossen die von Bernstein angeregten Streitfragen auch in Zukunft im Auge behalten müssen. Aber es ist zunächst doch einmal, und jedenfalls für Jahre hinaus, festgestellt, datz es gegenwärtig innerhalb der Partei keinen Genossen giebt. der sich nicht mit den Grundzügen der Partei im Einverständnisse fühlte oder sich Verstöße gegen die Taktik derselben zu schulden kommen zu lassen beabsichtigte.... So sehr wir uns auch der durch die Annahme dieser Resolution bekundeten Einmütigkeit der Partei zu freuen haben, so darf doch auch nicht übersehen werden, datz deshalb jedermann für dieselbe stimmen konnte, weil sie sehr allgemein gehalten war und der sub- jettiven Interpretation einen recht weiten Spielraum ließ. Wenn der Genosse Katzenstein deshalb erklärte, er enthalte sich der Ab- stinimung, weil die Resolution die Ansichten zu wenig festlege, so mutz ihm zugestanden werden, datz er seine Gründe für sich hatte. Andererseits freilich mutz auch Genosse Katzenstcin wissen, wie schwer es ist, eine präcise Resolution zu fassen, die nicht ihrer scharfen Fassung wegen wiederum Mitzverständnisse und Bedenken hervorruft." „Das hast D» g«t gemacht, Alter!" Dieser Ausruf Bebels. der sich an Liebknechts Hinweis auf die Harmlosen anknüpfte, hatte einigen Partciblättcrn Anlaß zu einer schivungvollcn Betrachtung gegeben, in der die moralischen Qualitäten der Bourgeoisie und des Proletariats einander gegenübergestellt wurden. Daran übt die Breslauer„Volkswacht" die folgende Kritik: „Ist es unserer Meinung»ach schon falsch, die grünen Herren Taugenichtse, die im„Harmloscn"-Prozetz eine Rolle spielen, als Vertreter der besitzenden Klassen darzustellen, wie es Liebknecht unter Bebels Beifall that, so ist es gcradzu geschmacklos, diesem verlotterten Nachwuchs unserer Besitzende» das in Hannover tagende Parlament der deutschen klassenbewußten Arbeiter gewissermaßen als leuchtendes, nachahmenswertes Beispiel gegenüberzustellen, wie es die„Sächsische Arbeiter-Zeitung" thut. Unser Parteitag stellt die berufene Vertretung der größten polittsche» Partei Deutschlands dar, die jungen Spieler und Verschwender aber, die im Moabiter Justiz- palast agieren, offenbaren allerdings sehr charakteristische Krankheits- crscheinungen am socialen Körper, bedenkliche Auswüchse unserer be- sitzenden Klasse, sie sind aber eben so wenig die Vertreter der be- sitzenden Klasse, die Verkörperung der in dieser Klasse noch vor- handenen geistigen und moralischen Kräfte und Fähigkeiten, wie das etwa die Lumpcnproletarier der großen Städte für die arbeitende Klasse sind. Schon im Interesse der Würde unseres Parteitags möchten wir daher die von unserem Dresdener Partei-Organ beliebte vergleichende Gegenüberstellung von Parteitag und„Harmlosen"- Sippschaft sehr entschieden zurückweisen. Eine Anzahl Parteiblätter geben einem Artikel von?arvu» Raum, dessen Urteil über die Ergebnisse des Parteitages in diesen Sätzen gipfelt: Man hat auf dein Parteitag daran erinnert, datz die Partei über ein Jahrzehnt das Gothaer Programm behielt, dessen theoretische Unzulänglichkeit, ja Falsckchcit, Marx gleich im Anfang schonungslos aufdeckte. Und tvir wissen, datz die Praxis der Partei über jene falschen Theorien des Programms sich einfach hinwegsetzte. Man hat nicht im Sinne jener Theorien gehandelt, sondem anders. Und als es zur Revision des Programms kam, haben sie keinen einzigen Verfechter£mehr gefunden. Marx konnte sich wahrhaftig keine glänzendere Rechtfertigung seiner Kritik durch die thatsäch- liche Entwickelung denke». So mutzte es auch kommen, wenn der Parteitag jetzt einen falschen Beschluß gefaßt hätte. Er hat es nicht gethan. Er hat scharf die Scheide- linie zwischen sich und den bürgerlichen Parteien gezogen, er ließ sich nicht aus spekulative Verallgemeinerungen ein, die alles in ein UrchaoS auflösen, sondern er blieb auf dein materiellen Boden des Klassenkampfes. Alle Welt weiß jetzt, datz die Partei nach ivie vor bereit ist, in dcni Augenblick. Ivo die Arbeiter ihr die dazu nötige Macht vcrsrbaffcn, die Fabriken und andere Produktions- mittel in gesellschaftliches Eigentum überzuführen und die kapitalistische Herrschaft zu beseitigen. Ich sehe den Haupt- vorteil dieser Klarlcgung unseres grundsätzlichen Standpunktes darin, datz die Partei sich nunmehr mit aller Energie der Lösung der prakttschen Aufgaben der Gegenwart zutvcnden kann." Parvus erörtert dann in umfassender Weise die wirtschaftlichen Aussichten der nächsten Zukunft und die sich daraus für die Partei ergebenden praktischen Aufgaben und schlietzt: �So harren der Partei auf allen Gebieten große praktische Auf- gaben. Wir alle wissen, datz die„positiven Erfolge", die sie dabei er- langen wird, von vornherein sehr problematisch erscheinen müssen. Daran aber kann es keinen Zweifel gebe», datz sie, wenn sie in allen diesen Fällen den Arbeiterslandpunkx zum Ausdruck bringt, eine eminente Agitation entfalten und die Organisation des Proletariats fördern wird. Und wenn wir unter diesen Umständen mit aller Energie in die praktische Arbeit eintreten, was anders bewegt uns, als die Zuversicht, datz in der Organisation des Proletariats �eine Macht er« wächst, welche im stände sein wird, die Leitung des Staates in ihre Hände zu nehmen? Der mächtigste Impuls unserer praktischen Arbeit sind unsere revolutionären Grundsätze." Einer hohen Befriedigung über den Parteitag giebt die„Wiener Arbeiter-Zeitung" Ausdruck. Sie schreibt: „Die Erwartungen, die man an den Hannoverschen Parteitag ge- knüpft hat, hat er erfüllt und übertroffen. Man darf ohne Ruhm- redigkcit sagen: es giebt keine Delcgiertcuversammlungcn einer Partei, in der eine solche Diskussion, wie sie in Hannover über die„Bern- stein- Frage" geführt wurde, möglich wäre, möglich im Sinne der Sachkunde', der Gründlichkeit und des Eifers, der bei allen oder fast allen Rednern hervortrat. Mit Bewunderung mutz uns dieses Bild eines großen geistigen Kampfes erfüllen, und wie sehr es ihnen gegen das Gefühl gehen mag, dem Gefühl der Bcwunde- rung müi'icn auch die erbittertsten Gegner der Arbeiterpartei Aus- druck geben. Es war eine Freude, zu sehen, wie in diesem Meinungsstreit Redner auf Redner hervorttat, sprechend aus dem tüchtigsten Wissen, aus reichster Erfahrung, aus jener glühenden Liebe zur gemeinsnnicn Sache. Welche bedeutenden, scharf aus- geprägten Individualitäten standen da nebeneinander und gegen- einander auf! Auch in dieser Hinsicht steht die deutsche Partei ohnegleichen da. Seit jeher hat man sich bemüht und ver- sucht' es wohl auch jetzt noch manchmal, die Arbeiterpartei als eine willenlose Herde darzustellen, die von ein paar„Führen," ge- trieben wird. Und gerade in der Socialdcmokratie zeigen � die Männer, die in den vorderen Reihen kämpfen, alle ein eigenes Gesicht, eine imponierende Selbständigkeit des Denkens und Meinens und einen herrlichen Freimut des Wortes..... Das, was die Gegner als Zeichen des beginnenden Zwiespalts seit einem Jahrzehnt verschreien, das ist in Wahrheit nur der Aus- druck der starken Lebenskraft, der nie rastenden inneren Fortenttvicklung. Die Diskussion über die„Bernstein- Frage" hat nach den heftigen Debatten mit der fast einstimmigen Annahme einer Resolution ge- endet, in der sich die Geschlossenheit und Einigkeit der Partei glänzend bekundet."_ Versammlungen. Der Streik der Posamcntiere wurde am Donnerstag vor dem Einigungsamt verhandelt. Den Vorsitz führte Gewerberichter v. Schulz. Als Beisitzer fungierten seitens der Arbeitgeber: Fabrikbesitzer Weigert und Möbel- fabrikant E b st e i n; seitens der Arbeitnehmer Former K ö r st e n und Wirker H ü b s ch. Die Parteien waren vertreten durch die Arbeitgeber Keßler, Knocke. Vollmar und W a g I e r, und die Arbeitnehmer Rudolph Klau, Georg Berger, Fritz Berg er und Karl Müller. Klau führte als Sprecher der Arbeitnehmer aus: Seit dem Jahre 1883 sei die in Berlin gefertigte Posamentierarbeit immer kunstvoller geworden, aber, obwohl in dieser Hinsicht an die Leiswngsfähigkeit der Arbeiter erhöhte Anforderungen gestellt wurden, sei der Lohn ständig herabgegangen, und betrage gegenwärtig in Accord 20 bis 24 M., in Lohn 18 bis 23 M. Der Redner be- gründete die Forderungen der Streikenden. Dieselben sind in der Hauptsache folgende: 27 M. Wochenlohn, täglich 9 stündige Arbeits- zeit, die Accordpreise werden um 25 Proz. erhöht. Ueberstunden werden in Lohn mit 15, in Accord mit 10 Pfg. Aufschlag bezahlt. Accord wird nur über 7 Meter gearbeitet, auf seidene Arbeit erfolgt ein Zuschlag von 6 Pf. pro Meter. Die Schnurdreherei in Accord hört auf. lieber den Verlauf des Streiks sagte der Redner: Am 9. September seien 172 Gehilfen in den Ausstand getreten, 20 Firmen mit 92 Gehilfen hätten bis jetzt die Forderungen bewilligt, auS- ständig seien zur Zeit noch 56 Gehilfen. Keßler als Sprecher der Arbeitgeber bemerkte: Die Arbeit- geber hätten zwar lein dringendes Bedürfnis mehr, eine Einigung herbeizuführen; wenn sie jetzt trotzdem vor das Einigungsamt gekommen sind, so wollten sie dadurch nur ihre' Friedensliebe bekunden. Die Differenzen hätten längst erledigt sein können, wenn nicht die Lohnkommission sich zwischen die Arbeitgeber und ihre Arbeiter gedrängt hätte. Der Lohnkommission sei es nicht um eine Verständigung, sondern vielmehr um die Aus- Übung der Herrschaft über Arbeiter und Arbeitgeber zu thun. Wenn es erst dahin kommen solle, datz sich die Lohnkommission in den Be- trieb einmische, dann würden ja die Arbeitgeber nur die Hausdiener der Lohnkommission sein. Die gestellten Forderungen be- zeichnete der Redner als unannehmbar, namentlich könne der Mindestlohn von 27 Mark nicht bewilligt werden. da die auswärtige Konkurrenz mit erheblich niedrigeren Löhnen arbeite. Dasselbe gelte von der Arbeitszeit. Mit der Lohn- kommission hätten die Arbeitgeber nicht unterhandeln wollen, denn sie könnten es nicht dulden, datz sich fremde Leute in die Werk- statt drängen, um daselbst ihre politischen Ideen zur Geltung zu bringen. Die Vertreter der Arbeiter verwahrten sich ganz entschieden da- gegen, datz die Lohnkommission Herrschaftsgelüste ausüben wolle oder sich von politischen Gesichtspunkten leiten lasse. Die Lohukommission sei auch nicht schuld daran, wenn bisher keine Einigung zu stände gekommen sei. Sie habe die Forde- rungen der Arbeiter am 23. August den Arbeitgebern zugestellt. darauf habe aber der Obermeister namens seiner Kollegen geant- wortet: Die Arbeitgeber lehnen die Forderungen ab. Trotzdem habe sich die Kommission noch einmal in einem Schreiben an Herrn Plieschke zu Verhandlungen bereit erklärt, aber keine Antwort er» halten. Ueber die einzelnen Forderungen wurde längere Zeit zwischen beiden Parteien diskuttert. Das Einigungsamt unterbreitete nach dreistündiger Beratung den Parteien folgende Vorschläge:.. Durchschnittlicher Wochenlohn 25,50 M., wöchentliche Arbeitszeit 56Vs Stunde(Montag— Freitag je 9�/s, Sonnabend 9 Stunden), für Ueberstunden 10 Pf. Zuschlag. Die Accordlöhne bleiben der freien Vereinbarung überlassen. Für Rcster unter 7 Meter ist ein höherer Lohn zu zahlen. Matzregelungen finden nicht statt. In einem neuen Termin, der am Montag unr 12 Uhr stattfindet, werden sich die Parteien über Annahme oder Ablehnung der vor- stehenden Vcrgleichsvorschläge äußern. Ter Wahlverein des vierten Berliner Ncichötagö-Wahl- kreises( S ü d o st e n) hielt am Dienstagabend seine General- Versammlung, die sehr gut besucht war, in Graumanns Lokal, Naunynsiratze, ab. Nach dem Bericht des Vorstandes fanden im letzten Halbjahre eine Generalversammlung, fünf Mitglieder- Versammlungen und acht Vorstandssitzungen statt. Die Versammlungen waren verhältnismäßig gut besucht. Neu aufgenommen wurden 699 Mitglieder. Gestorben sind drei Genossen, zu deren Ehren sich die Versammelten von ihren Plätzen er- hoben. Ausgeschlossen wurde H. Wallmann(Tischler), und freiwillig schied aus der Metallarbeiter Baber, gegen den vorher Anschuldigungen wegen unsolidarischem Verhalten gelegentlich einer Lohnbewegung anhängig gemacht waren. Die augenblickliche Mitgliederzahl beträgt 2600(einschl. einiger Restanten). Den Kassen- bcricht giebt Genosse T r a c z h k. An altem Kassenbestand waren zu verzeichnen 471,55 M.; an Einnahme 1827,45 M.; an Ausgabe 1602,40 M., so datz ein augenblicklicher Bestand von 696,60 M. ver- bleibt. Zuni Punkt„Ausgabe" wird bemerkt, datz 1103,70 M. für Agitation im Wahlkreise selbst verwendet wurden. Auf Antrag wird dem Kassierer einstimmig Decharge erteilt. Aus der Wahl zum Vorstand gingen folgende Genossen hervor: 1. Vorsitzender: Rich. Weiße, 2. Vors.: Fr. Moseus; 1. Schrift- sührer: Ad. Runge. 2. Schriftführer: Dilau; 1. Kassierer: W. Traczyk, 2. Kassierer: Salzmann; Beisitzer.' Rich. Berlin. H. Voigt und Junker. Es hält nun Genosse Marckwald einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über«Das Problem der Frauenfrage", an den sich eine kurze Diskussion anschloß. Unter Vereinsan'gelcgcnbeiten wird auf die noch vorhandenen BilletS zur „Sternwarte"' aufmerksam gemacht und endlich bemerkt, daß die Genossen niehr als bisher ihre Kraft für Stärkung des Vereins ein« setzen mögen. Die polnischen Socialdemokraten Berlins hielten am Sonntag eine öffentliche Versammlung in Feuersteins Festsälen ab. Auf der Tagesordnung stand die Berichterstattung über die Posensche Provinzial- Konferenz in Colmar und über den Brandenburger Proviuzial- Parteitag in Berlin. Ueber die erstere sprach Genosse M e r k o w s k i, über den letzteren Genosse B e r f u s. Beide Redner betonten das gute Einvernehmen der polnischen Socialdemokratie zu der deutschen und umgekehrt der deutschen zu der polnischen. Beide Konferenzen sind für uns Polen von großem Wert; sowohl hier als dort ist die Meinung zum Ausdruck gekommen, datz. wenn aucki die beiden Nationalitäten gesondert marschieren, sie doch ge- meinschaftlich in den Kampf für die Ideale der arbeitenden Klasse eintreten. Durch diese beiden Konferenzen ist der Nachweis geliefert, daß wir keine sogenannte polnische rcsp. deutsche, sondern eine inter» nationale Socialdemokratie bilden. In Posen hat man eine aus Polen und Deutschen bestehende Agitationskommission gewählt; auf der Brandenburaischen Konferenz hatte man den Beschluß gefatzt, einem polnischen Genossen in der Agitationskommission einen Platz einzuräumen. Hier wie dort wird man für die Zukunft bessere Resultate in der Agitatton erwarten können. Speciell für die Provinz Brandenburg, wo ca. 150 000 Polen leben, wird der letztere Beschlutz deS Brandenburger Parteitages einen wohlthuenden Eindruck auf die großen Massen der noch seit» wärts stehenden polnischen Arbeiter ausüben und ein größeres Ver- trauen den deutschen Genossen von dem polnischen Proletariat ent» gegengebracht.— In die Brandenburger Agitationskommission wurde Genosse MerkowSki gewählt. Die Berliner Arbeiter-BildungSschule hielt am Donnerstag. den 12. Oktober, im Englischen Hof, Neue Rotzstratze 3, ihre vierte ordentliche Generalversammlung ab. Lamme gab den Bericht über das verflossene Vierteljahr, in dem nach Beschlutz der letzten Ver- sammlung der Unterricht wie im Vorjahre ausgefallen war. Die Schule war infolge Besitzwechsels in dem früheren Lokal wiederum zu einem Umzug genötigt und befindet sich jetzt im Englischen Hof, Neue Rotzstratze 3. Die Mitgliederzahl, naturgemäß durch die Unterbrechung der Unterrichtskurse eine geringere, betrug 137 Personen, davon waren 10 Jahresmitgliedcr, und zwar 116 Herren und 21 Damen. Organisiert waren, soweit Angaben vorlagen, politisch und gewerkschastlich 41, nur gewerkschaftlich 33, nur politisch 7. Hierauf erstattete der Kassierer Königs den Kassenbericht. Die Einnahme betrug Juli- September 217,05 M., die Ausgabe 272,57 M. Es verblieb ein Bestand am 1. Oktober von 2277,70 M. Nach dem Bericht des Bibliothekars Qu arg bestand die Bibliothek aus 949 Büchern. Ausgeliehen wurden während des Vierteljahrs 75 Bände. Des Umzugs wegen war die Bibliothek während fünf Wochen geschlossen. Auf'Antrag der Revisoren wird dem Kassierer sowie dem Bibliothekar einstimmig Decharge erteilt. Hierauf erfolgt die Neuwahl eines Bibliothekars, da Genosse Quarg sein Amt niederlegt. Gewählt wird Knicke b era und als HilfS- bibliothekar Engel. Für zwei ausscheidende Revisoren werden G a r s k i und Stempel gewählt. Ein Antrag MückeS, dem Vorstände die Berechtigung zu erteilen, die Gehültcr der Lehrer zu rrhühcii, ivird,»nchdcui der Vorstand den Antrag aufgenommen und dir Erhöhung des Honorars pro Abend von v äWmt auf 7 Mark beantragt har. nach kurzer Diskussion rinstiminig angenommern Die Erhöhung tritt mit dem beginnenden Quartal in firaft. Ebcnsalls cmgcnonnneu wird ein Antrag Minzberg auf Gcivnhrnng einer halb- sährlichen Enlschiidigmig von 20 Nd an den Bibliothekar, mit der von Stiltcr beantragten Erweiterung, diese Gratifikation fortlanscnd zu zahlen. Für das erste Quartal 1900 werde» als Unterrichts- gegenstände in Aussicht genommen: N a t i o n a l ö t o n o m i e, Geschichte und Rede ü b n n g. 5- ach längerer Diskussion, die sich mit den Ton»tags- B c r s a m m l n ng e U, sowie mit rveut. Agitation für die Schule in Vereinen und durch Flugblnttverbreitnng beschäsligt, an der sich Jahn, W n s ch i rk, O e st e r l e. S t o I l e r, Müller, Lamm«, Königs und andere beteiligen, macht der Vorsiheudc roch bekannt, dar, der Schule als Mitglied des Vereins der Freunde der Treptower Sternwarte, von jeyt ab alle vierzehn Tage zehn Eintrittskarten für die Mitglieder zrir Verfügung ständen. Mit der Aufforderung an die Mitglieder, siir eine» guten Besuch der am Montag beginnenden Kurse zu agitieren, wird die Ver- saumrkuilg gcschlosscu. Der Verein zur Wuhrting der Iutcrcssc« der Maurer Berlins und lltcgcgciid hielt am 11, Oktvher seine Mitglieder« bersamuilnug im Englischen Garten, Alexaudrrstr, 27 c, ab. Herr Dr. Lux hielt einen Vortrag über„den Stand der Technik ain Ende dos Jahrhunderts". Referent meinte, dah die Tröchiik in der Anssührung der Bauarbeit wenig Fortschritte gezeitigt habe, cnlinentere Fortschritte seien dagegen tu der Bauart und Herstellung des betreffenden Materials zu' verzeichne», hanplfällgich nahm er Bezug auf die Verwendung von Eisen und Glas, indem et auf die modernen, in neuerer Feit errichteten Waronhäusot hinwies, Im weiteren erläuterte Referent die kolossale Entwicklung der Technik bctrcfss des Verkehrs, der VekleidnngS-, Uhreit-Jndtchrie usw. Elödann verwies Redner auf die Erfindung der Elettricitüt und schildert« vor allem die Kraft. Licht und Schnelligkeit der» selben und wies durch scillk AnSsiihrimgen nach, weichen Utigc- heuren Einfluß diese Erfindungen auf das Arbeitsverhältnis des Pr-olctariats ansiibc». Daher sei cS die heiligste Pflicht der Ar« heiter, die Produktion zu organisieren. Das aber löimc nur gc« schche» durch gut gclcilctc grwerkschastltche Orgn»tsnttoi>c»t, den» die gcwcrlschaftlichcn Organisationcii Ivclden diejenigen sei», die später die Leitung der Prodnklion in die Hand zu nehme» haben, daher sei cS Pflicht aller Arbeiter, sich zu organisieren, DiStufsio» fand nicht statt.— Im Verschiedenen unterzog Kollege Mehko das Verhalte» der Kollegen betreffs Jnnchaltiing der im EinigiingSvertrage fest« gesetzten Arbeitszeit, einer herbe» Kritik und fand cS bcdänerlich, daß gerade die in der VetvegUUg älteren, auch organisierten Kollege» sich dazu hergeben, den jüngeren Kollegen mit einem derartigen Beispiel voran zu gehen und ermahnte daher die Anwesenden, mit aller Kraft und Enrrgi« für die im Einigüngsverttag« fest« gesetzte Arbeitszeit, einzutreten, nur dadurch werde es möglich fein, sich auch für späterhin Resvekt bei dem Unternehmertum zu verschaffen. Zum Schluß machte der Porsitzeude anf den am 23. Oktober, mittags 1 Uhr, in der Urania, Tanbeustr, 48/-IV, ftatifindcndcn Vor« trag nufmerliam, und ersuchte die Kollegen, sich recht rege daran zu bctetltgeu. Gleichzeitig wurde bekannt'gegebe», daß am Sonntag, den 22. Oktober, die Gencralversaminliina des Vmtiiö im Englischen Garte» stattfindet. In der ässcutltchc» Vcrsaniinliing der Tabak-, Cigarren- «nd Cigarettenbranchc gab Rosenthal den Bericht der Komintsston. Die Einuahine in den 3 Quartalen betrug 340,65 M., die Ausgabe 311,S0 M, Dem Kafsicrer wird Dccharge erteilt. Den Bericht der Konnnission, welche die Agitation unter den Cigarettcn- arbeitcrii und-Arbeiterinnen zu betreiben hat, gicbt Buir y. Die Kommission wird durch zwei weitere Personen ergänzt und besteht nun aus folgenden 7 Personen: Cigarrcnnrbctter Bntry, Rosen- thal, Rabe, LtSSke, Kieper, sowie die Cigaicttcnarbcitcr Börner und G o l d b e r g. Zu Revisoren wurden der Cigaretten- arbeiter Span n«mann und die Cigarrennrbeiter Hände und Moos emnimt. Nunmehr wird der Bericht deS Gcwerkschasis- Delegierten SS. B ö r U c r tiitgegcngenommcii. Derselbe führt t ans, daß die Tnbakarbcitcr bis Dato, zur Erhaltiina des Bureaus, das Drei- bis Sechsfache gegen die größere» Gewerkschaften tHkvlznrbeltcr, Metallarbeiter und Buchdrucker) zahlten, d. h. der Kopfzahl nach. Nunmehr sei eine andere Ströinung am Ruder, welche für die großen Gcivcrkschaften ein, je nach der Stärke der ELiitrnl- organisierten am Platze, entsprechend höheres Stimmrecht' benii- sprucken. Die Sache sei zwar Noch nicht spiuchrcis, aber nach allem zu schließen, würde dieses Projekt wohl zur That werden, im- beliimmert darum, daß bis jetzt 27 QrganisatioNcn ihren.Austritt aus der Gcwcrkschaftskommission erklärt und sich zu einem Kartell bereits vereinigt hätte»; allerdings müßten ja nun auch die größeren Gewerkschaften anders bezahlen, wie es vorher geschehen; die Tabak- arbeiter würden dadurch nicht mehr belastet. Nach längerer DiS- knffion, in der von allen Rednern bedauert winde, daß ein solcher Streit ausgebrochen, findet eine Resolution Aimahmc, welche das bisherige Wirken des Delegierten gutheißt und ihn beauftragt, in derselben Weise weiter zu arbeiten. Hierauf wird Börner ein- stimmig wicdcrgclvählt. Tic HaudclshilfSarbcitcr hielten am 10. d.M. ihre General« Versammlung ab. Rein erstattete den Vterteljahresbericht und wurde ohne Debatte anf Antrag der Revisoren demselben einstimmig Deckinrge erteilt. Den Bericht über den Arbeitsnachweis gab Stein icke. Daraus ist zu entnehmen, daß vom 1. Jnli bis 30. September 552 Stellen gemeldet wurden. Davon komitcn 223 für fest und 133 zur AnShUse besetzt werden. 101 konnten lischt besetzt werden, weil zN schlechter Lohn, zu lange Arbeitszeit usw. Der höchste Lohn betrug 24 Mark, der niedrigste 1ö Mark. Die längste Arbeitszeit wurde mit 14 Stunden, die kürzeste mit 8 Stimdeil angegeben. Mittagspause in den meisten Fallen l>/s Stunden. Von den meisten i n S t e l l n n g Ge h e n d e n wurde Sonntagsarbeit verlangt und in den seltensten Fällen besonders vergütet. Es meldeten sich in demselben Zeitraum 297 Kollegen arbeitslos, von diesen konnten 284 in Slrbeit gebracht werden. Die längste Arbeitslosigkeit betrug 7 Wochen, die ltirzeste'/« Tag, Hervorgehoben wurde, daß der Arbeitsnachweis in der letzten Zeit gut entwickelt hat und daß auch jeder Kollege ferner seine Pflicht erfüllt und jede freiwrrdende Stelle sofort im Bureau meldet. Der Kollege Schntzke berichtete dann über die erfolgte Slns« sperning Eon Kollegen der Firma Leivy Gebr.. in Boxhagcn-Rmiunels« bürg. Die Versanimlnng nahm folgende Resolntion an:„Die Ver- sniumlimg erklärt sich init den Ausgesperrten solidarisch und über- trägt dem Vorstand die Regelung der durch die Aussperrung not- wendigen Schritte.' Leider hatte sich ein Kollege, der Arbeiter Borth.' G ii Ii d I a ch, nicht den andern Kollegen angeschlossen; dieses wurde allgemein verurteilt und wurde derselbe auf Antrag ein« stimmig aus dem Verband ausgeschlossen. In der darauffolgenden Vorstands- Ersatzwahl wurde F r ä n k I e r für den Süd« Osten und Wang ein an n und Knebel als Revisoren gewählt. Nach ewigen geschästlichen Erledigungen schloß der Vorsitzende mit einem brausen« den Hoch auf den Äerbänd die gut bisuchle Versainmlmig. Vcrgoldcr. Am 16. Oktober fand die ordentliche Mitglieder« bersatnmiiiug des Verbandes der Vergolder sFiliale Berlin) in den „Arminhallrii" statt. Zum ersten Punkt erstattete der Kassirer Bericht vom 3. Quartal, die ZIcvisorcn bestätigten die Richtigkeit und wurde dem Kasficrer Dccharge erteilt. Daun kam die Lage der Berliner RahmcN-Vcrgoldcr zur Sprache. Die Verlesung der Präsenzliste er- gicbt, daß sämtliche Vergolder der Rahmen- Werkstätten anwesend waren. Die Verhaudlimg der Kommission Mit der Firma.Ver« eiiligimg der Kniistfrcunde", Inhaber Kommcrzicnrat Trcutsch, hat ihren Abschluß gefunden! die Firma hat sich verpflichtet, die bis- hcrigen Löhne sofort uM 7iß Proz. zu erhöhen, Beibehaltung der Achtstnndrn- Arbeltszett(in anderen Werkstätten wird nenn Stnitdctt gearbeitet), nach dem nächsten LiesmingSabschluß. der spätestens in einem Jahre erfolgt, werden die Löhne Um weitere L'/e Proz, erhöht. Dieses fand die Zustimmung der Ver- samniltmg. Bon der Jinnlttg hat man bis jetzt noch keine Antwort erhalten, woraus man schloß, daß die Herren VcrschlcppimgS-Politik treiben ivollcn. ES wurde beschlossen, wenn die Meister bis Sonn« abend die gestellten Forderungen Nicht bewilligt tcsp. mit der Kom« Mission nicht verhandelt haben, mn Montag die Arbeit niederzulegen. Hierauf schritt man zur Wahl zweier Haupt-VorstandLmitglieder und würden gewählt: Kollege Stahmann, zweiter Hanptvotsitzcnder; Kollege Scholz, zweiter Hauptkassicrer und Kollege Hahn zum Revisor des Hauptvorstandes. Trotz der vorgerückten Zeit hielt Herr Dr. Wollheim einen Vortrag über„Die Naturwissenschaft und das Volk", welcher von den Versammelten beifällig aufgenommen wurde. Diskussion fand nicht statt. Erkner. Am Sonnabend hielt der Arbeiter-BildungSverew für Erkner und Umgegend seine MonatSversammlimg im Knrhause ad. Ein Vortrag fano nicht statt, da sehr viel Geschäftliches vorlag. Aus den Berichten find als besonders erfreuliche Thatsachcn zu melden, baß der Verein jetzt 118 Mitglieder gegen 33 im Mai zählt, sowie daß der Kaffenbcstand trotz sehr hoher Ausgaben 71 M. beträgt, Ein Beitrag von 12 M. winde für die Bibliothek genehmigt, die NN Jiili errichtet worden ist. Die nächste Versctmmlung soll in Wolters- dorf stattfinden. Charlottenburg. Der Verband der Fabrik» und Land Hilfsarbeiter hielt am 10, Oktober in der Gambriniis- Brauerei seine Gcneralvcrsammlimg ab. in tvelchcr Frau M e s ch ciiien sehr interessanten Vortrag über: Was haben die Arbeiter und Arbeiten»»«! zu thmi, um eine menschenwürdige Existenz zu erringen, hielt, der mit großem Beifall aiifacnoinmeii wurde. Der Kassenbericht vom 3. Quartal ergab eine Einimhine von 267,10 M.; bcmgcgentiber steht cirte Ausgabe von 187,30 M., bleibt ein Bestand von 79,80 M, und wurde dein Kassierer Dccharge erteilt. Die Neuwahl der Orts- Verwaltung ergab, daß Pohl als erster, Taßler olS zweiter und Scheel als dritter Bevollmächtigter gewählt wurden; zn Revisoren wurden Grieger, Dohnke lind Stahlberg gewählt. Zn VerbandSangelegeuheiten wurde beschlossen, zu der am IL. November in Potsdam stattfindende» Koiifeicnz einen Delegierten zn entsenden. und wurde hierzu Scheel gctoählt; hierauf wurde die gut besuchte Bersammlnng geschlossen. Die Lohnkommission der ivauarbeiter(central) teilt unS berichiigcnd mit. daß es in dem Bericht der Bauarbeiter-Versamm- limg in Nr. 243 vom 17, d. M. anstatt:„Der Lohn betrug auf 86 Bauten 50-65 Pf. pro Stunde" vielmehr heiße» muß: .. 40—45 Pf. pro Stunde". Lese- und Tiskiitlerkliibs. Freitag.„Dietzgen", Schröder, Wiesen. fimbe 39.-„Jinrt Wnxf, Namiunm, Btticherstr. 42.-„Stralau", Wird ig, Stralau Nr. 17.—„Reimer", Scidet, Gerichtstr. 19. Stebeiier- Sängerbuiid Berlins und der Ilineeaeiid. Vorsitzender Adolf Neuniaiiii, Biimlienstr. 130.- Alle Aeudeniiigen im Vereins- kniender sind zu richten an Friede. Äortuui, Lausitzerstr. 33.— Freitag. Uebmiassnmd« abends 9-11 Uhr. Ausnahme von Mitgltedem.- „Kalserlchcr Mönnerchor", Merva», Schwcdtrrstr. 23/24.—„Nord", Adolf Nemiiaiin, Brunncnstr. 150.-..Unverzagt l'h Vntteroiy, Skalitzerstr..�/aZ.»- „Buchbinder Mönnerchor", Ftirslenhos, Köpinclrrstr. 137/38.—„Vcrcmte vangesdrüder MaabttS". Ptarr. Pntllitzstt. 10.-„Moiglöckchm", Sachse, Lindvivrrfir.26.—„Geniiittichteit"(Putzer), llttiger, Seydetstr.ZV.—„Morgen- rot 1", Charlottenburg, Leder, Bismarcksir. 74.—„Typographia", Arniinhaltcn, tiouiniandantciistr.20.—„Gcorgina",Den>bievri,Görlltzerstr.52.—„Rhemgold", Feind, Wcinstr. ll.-„Roienthalcr Dorstadt", Geile, Swinemündcrstr. 2«.- „Litis-, Martin, NaiMhnsrr. 8fi.-„Männer-Gesangverein", Brandcnburg a. H, Menaert, Berastr. 8.-„Libetts", Bogel, Wrangelsir 78,- Liedertafel„Freie Sänger", Hah.i, Neue Königstr. 73—„Nordmacvt", Milbrodt, Miillerstr. 7,— „Säirgertretö", Neu Weibensee, Korostewix, Friedrichstrabe 5.-„Em- lracht II", Eberswalde, Restaurant„Zur Mühte".—„Völtgr- sriihling"(Stnccaleure), Greiser, Oranienstr. 109.—„Nene Zeit", Lorenz, Watt- u. Bo!lastr.-Eckc.-„Lieberknmz", Bralldenburg a. H., Berastr. 8.- „Klingmülterscher Männerchor", Weihensee, Zum Prälaten, Lelivirstr. 122.— „Karihaus-Kiimnierscher Männerchor", Göbel, Landsberger Allee 133.— „Trextoiv" tn Treptow, Stafseldt, Bauintchulenweg.—„Metallarbeiter- Ostc»", Tabert, Marknsstr. 14.-„Treue", Nowack, Manteitstel- strahe 9.-„Arion", sttirdors, Elchert, Erlstiabe 8.-„Saagcsdlriien". Conrad. Marsiliusstr. 3.- Gcsangv.„Maurer Ripdorf-Britz", Rixdor!, tlrauier, Heiinannstr. 199.- Gesangv. der„Putzer", Schiller, Rolenchatersir. 57.- „Moabitcr Licderlranz", Sprechallen, Liichstr. 27.—«ü«le\j Hccgcrmühle 5. Ebeiswatde, Baugatz, JagdichlShcheN.—„Rosalta, Playi, KönigSbcrgcrstr. 34.-„Nus", Mancgotd, Liegnitzerstr. 18.-„Söiiaeichon". Sander, Köpntckcrftr. 1ö8.-„Schuhmacher Berltns", tWeigmann, Andreas. strahe 32.-„Atliancc", Kaiser Franz Grcnadierplatz 7(Restaurant).- „Borax", Knckuk, Namrynstr 8 Slrbcitcr-Nanchcrbiind Berlins„„d der Umgegend. Aenderiingen im Bcrctnstalendcr sind zu rtchleii an Engeii Raschle, Rixdors, Mahlomer- strafe- 1, IV. Freitag:„Germania", Lubatzkt, Amdtstr. 2o.-„Frohe Stunde", Ganger, Alexandrinenstr. 122. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine. Freitag. Athletenv. „Felsciiscst", Böttcher, Ärautftr. 8.- Mustw.„Arion"� Gabriel». Jäger. Zehdenickerstrafee.— Ranchlliib„LH»» Zwang", Spät, Wcinstr. 28— Tnrnv..Geslindbruiiiieu", abcndS von 3V,— 10'/, Uhr: I. Mauncrabt., Panl- sirafee 9-10.- Tnrnv.„Osten". BlinlieNstr. 83», 8'/,-10 Uhr(Lehrltngö- abtelinna): Krantstr. 49, von 8-9'/, Uhr(Daincnabt.).- Miisikverein „Allcgrctto", Bliichersir. 38.- Glatktub„Gemütlichkett", Restaurant Patzenhofer, Lausitzer Platz 10.- SlatNUb„Getchlossetn» Grand", Stman, Blumenstr. 48.-„Arbeiirl-Tiiniv Wetfeensce", Turnftunden abends 8�-10 Uhr Albrechtshof. Partstrafee.- Vergniigungsv. der„Jnkasio-Aaenien", Sitzung jeden Freitag nach dem 1. und 1ö. im Monat, NeueS mubhauS,«om> mandanteiistr. 72.— Musilv.„Solo", Ranilow, Schönhauser Alle» 13».— Taiizlehmverein„Solidarität", Englischer Hof, Neue Rofesir. 8 Weltfrieden-Loge Nr 107, I. O. G.T., zur Bekämpfung de»«lloholS. 8'/, Uhr abend», DreSdenerftr. 10, mir für Mitglieder.. Arbeiter Tiiriierbund. Freitag. Tnrnv.„Fichte", Berlin. AbtS. von 8-10 Uhr: 2. Männerabt. Slalitzcrstr. öb-öö.«. Mvnnerabt.: Stcphanstr. 3. b. Männerabt. Ackersir. 67. v. Männcrabt. Stallschr-Wer- strafee b4. 1. Lebltiiigsabt. Friedenstr. 37. 3. Lehrlingsabv Boeclbstr. 1-/20. 1. Tameilabt. Martaniieii-Uscr 1a.—„Freie Turnerschaft", Rixdors- Britz- 3. Schülerabt. von 81/�8'/, Uhr. 3. Männer- und LchrltngSavt. vöi, 8>/--10>/-Uhrabds., Hosiiiiann, Bergstt. 131/152.-Turnerschaft d B..NcreuS" (gegr. 18L2), Mäliuerabt. von K--10 Uhr abds.. Reichenbergerstt. 131/132 Daine»-Abt. v. 8-10 Uhr abds., Maiiteufselstr. 7. Turn»«rew.»Eiche", Köpenick, MSiiner- und Jugelidabteilnng von?>/, biS 9-/, Uhr libendS, Hotel Ktetn am WilhelinSptatz.- Tnrnv.„Froh u. Frei", Grofe-Llchtersekd-, Paget, Chanssecstr. 104, 8-/,-�10»/- Uhr abend«.-„Frei» Tuwetschast, FriedrichSfcide, abends«Ve-lO'/j Ubr. Bnle, Prinzen-Allee 30. Ardeiter-Skhwiiiimerbnnd. Rnsragen an E. Btatke, Scknilstr. 24. "......... Uhr, im Seebad WMfeeiis««. abcndS 7 Ubr. Bollö-Badeanstalt Moabit, Turmstr. Lös.. Arbeitemrein„Vorwärts", Kopenhagen. Jeden Soatwvmd im Verkehrslokal, Korsgab» 49: Betsammlilng. Daselbst bsfindet sich a«h die Biblivthet deS B«reins. Dt» nach Kopenhagen kommend«,««ivssen wog»» dies beachten. Soeiatiftenklnb„Vorwärts",«hrtftianta. EafS Ketser. Olaf«,»« � Sninnriter-Kntsns für Arbetter und Urbeiterkttüeü. tk» wird daraus allsmertsam gemacht, dafe der zweite Börtragsdbenv m lnr Centrale am 23. Ottober, tn der Filiale am 30. Ottober, abcndS 9 Uhr, slaltstndet. TetlNebMer können noch ausgenommen werden Vortrag«, h-m«: Phpstslogt« und Berbandlehre. Der Lehrplan wird tp d«n nächst«, U«bung«- sinndcn ausgegeben. Dlt Leinrale deftndet sich jetzt im„Dretdener Garten", DreSdenerstr. 4b; die Fiiial» bei Neumann, Brunnenftr. ISO. Der Vorstand._ �.. Knnstgcwcrdliche» verein„Mbrecht Dil»»--.«ortragSabend beute Freitag 9-/, Uhr b-t Spielberg, Kopnicktrstr. 82. Vortrag de« Pr«f. Bochcncck über: Canon der inenschltchen Gestalten und der Tiere. M.II,.II! I.!!..� Mies Pfennig. Wort.' tfmr das erttte Wort fett, K'dytd fhii ifit/tf ais 16 ÜiHihBissben zählen doppelt. ffleine ßnzeigen. Anzeigen Xutnmer werden in den Annmhmestellen für Berlin blsSÜftf-Jurdit roWteMe t Uhr, ' inder /famfetpeäliien Benlhatr.S bin Uhr Mie � rden /in A Verkäufe. Betreu, Steppdecken, DlschdnkVi, Gardinen, Portieren, Teppiche, Bett- Vorleger spottvistig. Pfandleihe Nealidetsirafee Ii. 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