Nr. 247. Abonnements-Zedingnngen: StbonnemcntS-PrstZ pränumerando: vicrleljährl. ZL0 Ml., monatl. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauZ, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonnlagj- Nummer mit illustrtcrler EonntagZ- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- eibonnemenl: 3,30 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Post- Zettungs- Preisliste siir 1809 unter Et. 7820. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich nuster Montag«. Vevlinev Volksvlatt. 46. Jahrg. Die Anserttons- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonsl- zetle oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerls chaftltche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Ankeigen" jedes Wort S Pfg. (nur da» erste Wort seit). Inserate für die nächste Nummer müssen bt» 4 Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» S Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Sml l, Er. 11508. Telegramm-Adresse: „Sorialdemokrat verlin" Centraiorgan der soeiatdemokratiMen Deutschlands. Redalttivn: SW. 19, Veutlz-Strasze 2. Sonnabend, den Äl. Oktober 1899. Expedition: SW. 19, Venkh-Skraste 3. Die Regierung als Staatsanwalt. Für das Verhältnis der Verwaltungs behörden zu der Justiz sind zwei Schriftstücke von aufklärendem Wert, die, weil sie geheim gedacht sind, natuv gemäß in unserem Blatt veröffentlicht werden müssen. Im vorigen Jahre wurde in Halle die Filiale des V er> bandes der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands polizeilich ge- schloffen. Das Landgericht bestätigte die Schließung, weil die polizeilichen Ermittelungen ergeben hätten, daß ein die gesetz- lichc Freiheit und Ordnung gefährdender socialdcmokratischer Mißbrauch des Vereinsrechts vorliege. Der Verein wurde für einen politischen Verein erklärt, der Frauens Personen als Mitglieder aufgenommen und mit einem politischen Verein(Gewerkschaftskartell) in Verbindung getreten, also gegen den berühmten§ 8 gefehlt habe. Wegen dieses angeblichen Vergehens hatten sich denn anfangs dieses Jahres sechs Vorstandsmitglieder und Revisoren der Filiale vor Gericht zu verantworten. Der Staatsanwalt be- antragte, obwohl nur Behauptungen, aber keine Thatsachen als Belastungsmaterial vorgelegt wurde, die Verurteilung. Das Gericht erkannte jedoch auf Freisprechung und Aufhebung der Schließung des Vereins. An diese Freisprechung knüpfen nun die folgenden Schrift stücke an: Magdeburg, den 3. Mai 1839. Der Oberpräsident der Provinz Sachsen. Betrifft den Verband der Fabrik-, Nr. 2600 O.]?. Land-, Hilfsarbeiter und-Ar� Geheim! beitcrinncn. Erlaß vom 24. Dezember 1898. 0.?. 10 643. In' der Hauptvcrhaiidlimg vom 21. Januar 1899 sind die Am geklagten entgegen dem Antrage der Staatsanivaltschaft frei gefprochen worden. Gegen dieses Erkenntnis war Revision ein- gelegt worden. Da jedoch die Prüfung der IlrteilSgriinde ergeben hatte, daß der Gerichtshof auf Grund thatsächlichcr, mit der Revision nicht angreifbarer Bcweiswiirdigung zu der Annahme gelangt ist, es lasse sich nicht feststellen, daß der Verein den Zweck habe, politische Gegenstände zu erörtern, auch daS Er- kenntnis einen R e ch t s i r r t u m nicht erkennen ließ, so ist die Revision zurückgezogen worden. Der Herr Obcr-StaatSauwalt ist indes— wie ich zur vertraulichen kieniituisnahine mitteile— der Auffassung, daß es nur einer fortgesetzte» und geschickte» polizeiliche» Ucbcrwach»«g der ferneren Versammlungen der Nebenstellen bedürfe» wird, um so viel belastendes Material zu beschaffen, daß bei einem erneuten Vorgehen auch bei jden mit einer Anklage angegangenen Gerichten sich die llebcrzcugnng von der politischen Natur des Verbandes herausbilden dürfte. Ich ersuche die Bewegung fortgesetzt im Auge zu behalten und zu veranlassen, daß etivaigc Gesetzwidrigkeiten von Mit- gliedern des Verbandes oder seiner Nebenstellen zur Bestrafung gelangen. gez. von Bocttichcr. An den Herrn Regierungspräsidenten. In einem landrätlichen Begleitschreiben zu diesem Erlaß heißt es: Geheim! .... 23. Septenibcr 1899. Abschrift vorstehenden Erlasses übersende ich de» Orts-Polizci- behörden zur Kenntnisnahme und genauesten Beachtung, sowie mit dem Auftrage, die weitere Entwicklung des Verbandes und seine Bestrebungen sorgfältig zn Überwachen. Der Verband ist nach meinen Wahrnehmungen das gefährlichste Organ der Socialdcuiokratie im hiesigen Kreise, weil er die Agitation «utcr die landwirtschaftliche» Arbeiter zn trage» bestimmt ist. Ueber einzelne Wahrnehmungen, bezüglich deren die Möglich- kcit eines Aussicht ans Erfolg versprechenden Einschreitens vorliegt, wird mir daher unverzüglich Bericht zu erstatten sei». Außerdem sehe ich bis zum 1. Juli jeden Jahres einer Anzeige darüber entgegen, ob der Verband im dortigen Polizeibezirk Nebenstellen errichtet hat und evcnt. Ivo, und welche Maßregel» dortscitS gegen den Verband oder feine Nebenstellen auf Grund des Vcreinögcsctzcö getroffen worden sind, eventuell welche Bestrafungen wegen Uebertretung dieses Gesetzes statt- gefunden, haben. Der obige JahreStermin ist im dortigen Termin- kniender zu notieren. Der Landratsamts-Verw alter. ES ist ein sehr erheiterndes Zusammentreffen, daß der- selbe Herr v. Boettichcr jals Oberpräsident Anweisung giebt, auf Verfehlungen gegen den Z 8 des Vcreinsgesetzcs zu fahnden, der als Minister das Versprechen des Fürsten Hohenlohe, das Verbindungsverbot für die Vereine aufzuheben, mit der feierlichen Versicherung bekräftigt hatte,„daß die vom Reichskanzler abgegebene Erklärung eine rechtlich und politisch unanfechtbare ist". Trotzdem also Herr v. Boetticher von der Verwerflichkeit des§ 8 überzeugt ist. der gar nicht niehr existieren würde, wenn ministerielle Versprechungen bei uns gehalten zu werden brauchten, setzt er die ganze polizeiliche Maschinerie in Be- wegung, um Material für Verfehlungen gegen den K 8 zu sammeln. Es wird den braven Polizisten zur Aufgabe gemacht, die Sache möglichst geschickt anzufangen, offenbar soll dabei auch vom Spitzelwesen ausgiebiger Gebrauch gemacht werden. Wir haben bisher nichts davon gehört, daß Herr v. Boetticher mit gleichem Eifer etwa die Polizei gegen den Flottenverein mobil gemacht hat, der zweifellos politische Zwecke verfolgt und ebenso zweifellos gegen den§8 fortgesetzt verstößt. Aber freilich, dieser Verein ist nicht„gefährlich", er hetzt nicht die Landarbeiter auf, d. h. er strebt nicht nach wirtschaftlicher Besserstellung proletarischer Existenzen, sondern sorgt lediglich indirekt durch die Flottenvermehrungen für die noch größeren Einkünfte etlicher Millionensirmen. Tie Gefährlichkeit jenes ganz unpolitischen Vereins ist also der einzige Gnind, um den liberalen Herrn Ober- Präsidenten und seine unterstellten Landräte an die Schön- heitcn des ß 8 zu erinnern. der nnt so raffinierten Fangwerkzcugen ausgestattet ist, daß die Natur selbst mit der Fangtcchnik ihrer insektenfressenden Pflanzen dagegen nicht aufkomnien kann. Ganz besonders tritt noch die Furcht vor der werbenden Kraft der Socialdemokratie gegenüber der Landbevölkerung in diesen Dokumenten kraß hervor. Die wichtigste, unsere gesamten inneren Verhältnisse blendend beleuchtende Thatsache aber, die diesen Schriftstücken zu entnehmen ist, liegt in dem vertrauten Ineinandergreifen der Verwaltung und der Justiz. Ein Landgericht erkennt in einer ganz geringfügigen Angelegenheit auf Freisprechung. Der Staatsanwalt legt Revision ein, die er aber zurückzieht, weil sie aussichtslos ist. Und nun tritt die Regierung selbst auf den Plan. Laudräte und Orts-Polizeibehördeu werden aufgefordert, um in„geschickter Weise" Gegenbeweise gegen die Auffassung des Landgerichts zu sammeln. Jetzt versteht man manche, vielleicht alte Vorgänge in unserer Rechtspflege. Staatsanwaltschaften, unterstützt durch die Regierung selbst, lenken und leiten die geheimen Fäden. Die Justiz ist ihnen ein Mittel, politische Gefahren abzuwehren. Wer ist so stark und charakterfest, sich solchen Einflüssen ganz zu entziehen. Man versteht, wie eS kommt, daß plötzlich nach gewissen politischen 5lundgebungen überall gleichzeitig eine bisher unüblichc Rechtspraxis eintritt, wie Vergehen, die bisher gar nicht oder gering bestraft wurden, auf einmal mit eiserner Strenge abgeurteilt werden. Man versteht und wundert sich nun über nichts. Die Einigkeit, die man innerhalb der Regierung selbst vermißt, hat sich dafür zwischen den beiden Gewalten gebildet, die nach der modernen Staatsanffassung streng getrennt Iverden sollen: zwischen der Verwaltung und der Justiz. Die Staatsanwaltschaft erscheint nicht mehr bloß als Vermittler zwischen den Gewalten, sondern die Verwaltung selbst erscheint in der Robe des Staatsanwalts. Nolikischv AebevfichZ. Berlin, den 20. Oktober. Flotten- Reklame. Kaum hat der Kaiser in Hamburg seine Marine-Rcde gehalten, da ist auch schon die an einer Flottenvergrößcrung interessierte Presse voll von Klagen über die eigene"Schwäche und voll von Bewunderung über die Riesenfortschritte fremder Flotten. So finden wir heute schon in diesen Zeitungen einen Waschzettel über das Wachstum fremder Flotten, augenscheinlich dazu berechnet, die Ausfüh- rungen des Kaisers in Hamburg noch extra dick zu unterstreichen. Dieser Versuch wird aber von der Seite, von der er ausgeht, keineswegs gelingen. Denn es ist kein Geheimnis, daß die Seele aller Flottenagitation in Deutschland, soweit sie sich Geld kosten läßt, namentlich in der Presse ein zienilich ein- ckußreicher Kreis von Industriellen ist, deren Betriebe nur prosperieren können, wenn die Staaten fortgesetzt in ihren Kriegsrüstungen sich überbieten. In Deutschland dürfte wohl die Firma Krupp der stärkste Interessent sein, die namentlich seit der Erwerbung ihrer ichiffswerft„Germania" in Kiel auf volle, dauernde und stets sich mehrende Regierungsaufträge bedacht sein muß. Aber der Kreis der Flottenindustriellen ist ein weit größerer. Es verlohnt sich einmal, in Kürze zu skizzieren, wie weit sich das geschäftliche Interesse an Flotten- Vermehrungen innerhalb Deutschlands erstreckt. Wir verstehen dann eher die„patriotische" Fixigkeit, mit der sich die Geschäftsleute auf eine Rede, wie sie der Kaiser in Ham- bürg gehalten hat, werfen und sie zur Reklame ihrer Ware ausnützen. Von den Millionen, die wir für Marinezwecke ausgeben, wird zunächst ein großer Teil rheinisch-westfälischer Eisenwerke gespeist. Diese haben sich schon manches Mal über einen Rückgang der allgemeinen Konjunktur mit Flottenaufträgen hinweg geholfen, so z. B. Ende der siebziger Jahre. Es profitieren vom Flottenbau weiter zahl- reiche Maschinenfabriken, die die großen Dampf- Maschinen für die Schiffe liefern. Ganz besonders interessiert ist auch die elektrische Industrie, die nicht nur für die Be- leuchtung der Jnnenräume, sondern auch für die Herstellung der Scheinwerfer jedes Mal große, gut bezahlte Aufträge erhält. Es konimen dann noch Firmen aus der Holz- und Leder- i n d u st r i e, aus dem Textilgewerbe in Betracht, deren volle Geschäftsthättgkeit einzig und allein auf Marine- lieferungen beruht. Die Lieferantenlisten der deutschen Marine ergeben z. B. für Süddcutschland, wie gelegentlich eines Vortrages des Professors Busley bekannt wurde, daß allein aus 48 süddeutschen Städten 94 Firmen Flottenlieferanten sind, von denen z. B. 9 in Nürn- berg domicilieren. Daß diese zahlreichen Interessenten schon in ihrem ge- schäftlichen Interesse keine Kosten für die Propaganda kost- spieliger Flottenforderungen sparen, braucht nicht erst versichert zu werden. Nur sollten gerade diese Interessenten- kreise dem Volke nicht patriotischen Dunst vormachen, der sich im Grunde doch in nichts anderes auflöst, als in die nämliche Geschäftsreklanie, wie sie Wasmuth für seine Hühneraugen � ringe in der Uhr macht.— Zur ZilchthauSvorlage. Die ministerielle„Berliner Korrespondenz' hat ihr- jimkerbelehrende Kanalagitation wieder eingestellt und verwendet ihr aus allgemeinen Stcuermitteln gespeistes Wässerlein wieder zur Be- ricsclung der von den Unisturzhetzern adgegrasten Weide. In ihrer heutigen Nummer bespricht sie die Zuchthausvorlage. Sie findet, daß sich die Aussichten der Vorlage unverkennbar ge- bessert hatten: „Eine unbefangene Prüfung der thatsächlich bestehenden, im- leidlich gewordenen Znslände hat in weiten Kreisen der Männer des praktischen Berufslebens die Ueberzeugung gefestigt, daß den im Gebiete des Koalitions- und Streikwcscns eingerissenen un- erträglichen Mißbrauchen mit fester Hand ge- st e u c r t werden müsse. Die dem A g i t a t i o n s I ä r m e n t» r ii ck t e ruhige U e b e r l e g u n g ferner hat die Erkenntnis gefördert, daß der vorliegende Gesetzentwurf in seinen Grund- zügcn diejenigen Bestimmungen enthält, welche zur Herstellung n o r m a l e r Beziehungen der gewerblichen Arbeiter untereinander und zu den Unternehmern geeignet und erforderlich sind. Freilich ist noch ein weiter Weg bis zur Erreichung des von der ReichSgewalt aufgesteckten gesetzgeberischen Zieles zurück- zulegen. Die"Socialdemokratie, welche in der Aufrechterhaltnng ihrer angemaßten terroristischen Vorherrschaft über die Gesamtheit der deutschen Arbeiter durch das Vorgehen der verbündeten Re- gierungen sich ernstlich bedroht sieht, hat in der Zwischenzeit nicht einen Augenblick die Hände in den Schoß gelegt. Sie hat mit der ihr eigenen Skrupellosigkeit alle Hebel einer leidenschaftlichen Agitation gegen die Vorlage in Bewegung gesetzt, um in der Arbeiterschaft den Irrglauben zu nähren, daß die angestrebte notgedrungene Abwehr terroristischen Zwanges in Wahrheit eine„Entrechtung" und„Knebelung" des deutschen Arbeiterstandes bedeute." Wenn es der dem Agitationslärm entrückten ruhigen Ueber- lcgung skrupelos scheint, die Wah rh eit zu sagen, so nehmen wir den Vorwurf der Skrupellosigkeit mit Stolz ans uns und bekennen, daß die Ausführungen der„Berl. Korresp." von solcher Skrupellosig- keil in jeder Hinsicht frei sind.. Ihre Hoffnung setzt die„Verl. Korresp." auf die mchffocial- demokratischen Arbeiterorganisationen: „Den geistigen Führern der monarchisch und national ge- sinnten Arbeiter kann nicht dringend genug ans Herz gelegt werden, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß die ihnen anhängen« den Arbeiterscharen einen weithin sichtbaren Grenzwall den Socialrcvolutionären gegenüber errichten und auf diese Weise in ihrem eigenen Interesse den Boden zu einem ersprießlichen Ausbau ihrer eigenen socialen Position bereiten." Man"mag die geistige Verfassung der monarchisch und national ge- sinnten Arbeiter»och so beleidigend tief einschätzen— und die ministerielle Korrespondenz erreicht in der Beleidigung ihrer Anhänger den Gipfel — so giebt es doch keine organisierten Arbeiter, die so wahnsinnig oder so einfältig wären, das gegen alle Organisationen, gegen das Koalitionsrecht und seine notwendigen Mittel, Streik und Sperre, gerichtete Gesetz zu billigen. Keine einzige Arbeiterorganisation hat sich bisher mit dem Gesetz einverstanden erklärt, vielmehr hahen auch die evangelischen und katholischen Vereinigungen in der Agitation gegen dies Attentat Schulter an Schulter mit der Socialdemokratie gekämpft. Es ist eine kindische Vorstellung, anzunehmen, daß eine ZuchthauSvorlage geeignet sei, einen weithin sichtbaren Grcnzwall zwischen der social- demokratischen Arbeiterbewegung und den anderen Arbeitern aufzu« werfen. Vielmehr kann sie nur den einen Erfolg haben und hat ihn auch gehabt, auch die letzten Schranken, die zwischen Arbeitern und Arbeitern noch bestehen, niederzureißen. Ganz sicher ist auch die„Berliner Korrespondenz" hinsichtlich der nichtsocialdcmokratischen Arbeiter nicht und so flüchtet sie sich Hilfe» flehend zu den ausschlaggebenden Parteien, gegen die sie die schwere Beschuldigung erhebt—"die Angegriffenen könnten von Verleumdung reden— daß sie jetzt geneigt seien, die Vorlage im wesentlichen anzunehmen: Von den politischen Parteien deS Reichstages, welche den Gesetzentwurf zum Schutze deS gewerblichen Arbeitsverhältnisses bei der ersten Lesung glaubten rundweg ablehnen zu müssen, haben inzwischen die Nationallibcralcn und das Centrum ihre Bereitwilligkeit an den Tag gelegt, de» Grnndgedaukc» der Vorlage in gesetzgeberische Form zu bringen. Der Inhalt ihrer noch zu erwartenden Anträge dürfte für die Beratungen im Reichstage von maßgebender Bedeutung sein. Als selbstverständ- lich darf man wohl voraussetze», daß die Abändeinngsvorschläge de» Kern und den Zweck der Vorlage nicht in Frage stellen werden. da andernfalls der Wert der ganzen gesetzgeberischen Aktion hinfällig werden würde. Die zu positiver Mitarbeit geneigten Parteien werden aber auch nicht außer acht laffen dürfen, daß bei den weit auseinandergehenden Anschauungen über das KoalitionSwcsen eine erfolgreiche Verständigung nur wird erzielt werden können, wenn eine" Annäherung an den Standpunkt der- jenigen Parteigruppen erstrebt wird, die grundsätzlich dieselbe Weg- richtung innehalten." Woher die„Berliner Korresp." ihre Weisheit bezogen hat, ist unerfindlich. Als einzig sichere Thatsache ist bisher nur bekannt ge- worden, daß sich die beiden Führer des Centrums und der National« liberalen persönlich auch neuerdings gegen die Vorlage ans- gesprochen haben, und daß das Centrum nur die Bereitwilligkeit hat zu erkennen gegeben, an der Erweiterung des Koalitionsrechts. nicht an seiner Erstickung mitzuarbeiten. Der sieghafte Optimismus der Negierung ist also'weniger auf Thatsachen. sondern vielmehr auf die leider richtige Auffassung begründet, daß die bürgerlichen Parteien auch in der Erhaltung und Sicherung bürgerlicher Frei- Helten sehr unzuverlässig sind. Die„Stärrespcildeiiz" ist ja auch selbst bemüht, die Demorali- sierung des Bürgertums zu steigern, indem sie einen Basscrmann, weil er sich noch ein wenig Liberalismus bewahrt hat, derb abkanzelt und von seinen„kränkenden Ausfällen" gegen die großindustricllcn Arbeitgeber redet. Die offiziöse Auslassung schließt: „Wenn die Vorarbeiten für eine llingestaltung der Vorlage von einseitiger Partcipolttik und voreingenommener Auffaffnng sich freihalten, so dürfte eine Einigung über die Maßnahmen zum Schutze der ArbeitSlvilligen auf der im Rcgierungscntwurf ge- gebencn Basis wohl erreichbar sein." Diese Hoffnung ist für uns eine erneute Mahnuug, den Kampf keinen Augenblick ruhen zu lassen, in dem auch die anständigeren Elemente des Bürgertums, Gelehrte, wie Schmoller und Brentano, auf unserer Seite stehen.— «« Deutsches Weich. Herren im eigne» Hause. Wir konnten kiirzlich ein Nundschreiben de? Kühnemänner« Verbandes veröffentlichen, durch das von neuem der Beweis erbracht wurde, daß das H e r r e n r e ch t des cinzelucn Unternehmers durch daS Eingreifen des machtvollen Verbandes fast gänzlich aufgehoben ivird. Es entscheidet da nicht mehr der einzelne Unternehmer über seinen Betrieb, nicht er, sondern der Verband bestimmt,' ob und unter Ivclcheu Umstanden der Betrieb weitergeführt werde» soll, o b Arbeiter und Iv e l ch e angenommen werden dürfen. Diesen Mackit« sprächen fügen sich dieselben Leute, die in der protzenhaftcsten Weise es ablehnen, init den Arbeitern über deren berechtigte Wünsche auch nur zu verhandeln, die jede Forderung in Bezug auf die Arbeits- Verhältnisse, wenn sie von Arbeitern ausgeht, von vornherein als „freche Einmischung" in ihr H e r r e» r e ch t abweisen. In dem vorcrivnhnten Nundschreiben war von den Mitgliedern der beiden Berliner Verbände der Mctallindustricllen nur die Ans- sperrnng solcher Arbeiter verlangt worden, die sich am Streik beteiligten. Jetzt veröffentlicht das Central-Scharfmachcrorgan einen Beschluß der»Vertrauentkommission" des Kühncmänncr-Vcrbaudcs, der dahin geht, eine G e n e r a I- A n S s p e r r u n g sämtlicher arbeitsuchender Metallarbeiter durchzuführen. Nach Wahrnehmung der organisierten Fabrikanten wurde, so wird zur Begründung dieses Beschlusses angeführt, die Aussperrung in sofern umgangen, als die Streikenden zur Entlnstima der Streikkasse bei Fabrikanten untergebracht wurden, die keinem der beide» Berliner Fabrikantenvcrbände angehörten, nachdem ihnen von den dort bislang arbeitenden alten Gesellen die Plätze gerann, t worden sind: letztere haben dann, da sie nickit zu den Ans- gesperrten gehörten, in Vcrbnndsivcrkstätten Arbeit'gefunden. Um dieser Taktik der Streikkommission entgegenzutreten, hat die Vertraueuskommission der zunächst vom Streik betroffenen„V e r- einigung d e r B e r l i n c r M e ta l l w ar e n- F a brikantcn" beschlossen:„Daß von nun ab bis auf weiteres von den zur Ver- einigung gehörigen Firmen keinerlei neue Arbeiter irgend welcher Art eingestellt werden dürfen." Weiter heißt es:„Wir teilen vorstehendes unsere» Mitgliedern mit. da Ivir angesichts des Ernstes der Lage diesem Beschluß mit aller Energie zur Durch- führung vcrhclscn werden und jedes Mitglied, welches g e g e n denselben verstößt, in Strafe nehmen m ü s s e n.— Ausgenommen sind nur diejenige,, Betriebe, in denen zur Feit gestreikt wird, und zwar dürfen auch hier mir die fehlenden Arbeiter in gleicher Anzahl ersetzt werden."— Im Anschluß hieran hat der im Kartellvertrag mit der„Verclnigung" stehende„Verband Berliner Metall-Jndustrieller", der nur die Eisenindustrie umfaßt uud vorläufig vom Streik„och nicht betroffen wurde, in seiner VertranenskommissionS-Eitzung ergänzend beschlossen: »Die zum Verband gehörigen Betriebe haben sich bis auf weiteres lediglich auf die zur Zeit„ Berlin sein, um Reden zu hören. die besser „»'gesprochen geblieben wären, denn der Schwerpunkt der Aeratung liegt in den Frakrioilssitzniigen. Bei wichtigen Gelege, ihciten aber sei er zugegen gewesen. Redner ging dann auf die Vorwürfe ein, den polnischen Acrztc- kongrcß verboten zu haben, polnische Jiingfraiie» mit 100 M. Strafe belegt zu haben, weil sie polnische Kinder unterrichteten. Den Aerztekongreß verbot er, weil auf ihm eine allgemeine slavischc Demonstration veranstaltet werden sollte,»»d die Lehrerinnen bc- strafte er, weil sie polnischen Unterricht erteilten i» der aus- gesprochenen Absicht, deutsches Wesen und die deutsche Sprache z» mite, drücken, die Ordensschwester» wurden vertrieben, weil sie keine Befugnis hatten und weil ihnen die Jugend nicht anvertraut werden koimtc, da sie Propaganda für den Katholizismus und daS Polen- tum machten. Wenn er auch nicht immer im Parlament sein konnte, so habe er doch stets für das Vaterland gewirkt. Er. Redner, habe Feinde und Neider im ganzen Deutschen Reiche Mann. Die„Berliner Politischen Nachrichten" teilen ,»it. es liege nicht in der Absicht der Regicriing.„den vorn Reichstage bei Beratung des Militärgesetzes ausgestellten Wechsel schon in diesem Jahre zu präsentieren". ES ist interessant, daß das offiziöse Organ die Bewilligung der im Frühjahr abgestrichenen 70 00 Man» für selbstverständlich ansieht. Was sagt das Eentru», dazu Z—| Ei« Vorschlag zur Güte. DaS„Verl. Togebl." rät der Regierimg, durch eine Amnestie dem Genossen Bernstein die Rückkehr »ach Deutschland zu ermöglichen. Dan» werde er die Mauserung der Soeialdemolratie schon schnell und sicher herbeiführen. Der Vorschlag läßt sich hören; nur glauben wir nicht an der beabsichtigten Wirkung. In, Gegenteil würde der an englische Ver- Hältnisse gewöhnte Genosse Bernstein unter den, plötzlichen über- wättigeiide» Eindruck der deutschen Verhältnisse in seiner Stimmung einen, Radikalismus verfallen, der unseren deutschen, an die Znstäiide gcivöhntci, und durch sie abgehärteten Geuosfeii»jemals eigen gewesen ist.— Novelle z» de» Mtiiizgcsctzcn. Dein Bundesrat ist eine Novelle zu den Münzgesetzen zugegangen, welche anf Grund der ge- sammelten Erfahrungen verschiedene Äbäiidernngen vorschlägt, die in keinem inneren Zusammenhange zu einander stehen, vielmehr nur ans Zwcckinätzigleitsgründcn ii, einem Gesetz vereinigt werden solle». Wie in der Begründung der Vorlage hervorgehoben wird, hat sich das Münzgesetz vom 9. Juli 1873 in, großen und ganze» bewährt. ES sollen also nur solche Mängel beseitigt werde», die vom Verkehr als läslig cmpfmide» werden. Die Novelle bcstimuit dem- nach, dag die N e i ch s- G o l d m L n z e n zu fünf Mark mit einer Einlösungsfrist von einem Jahr außer Kurs gesetzt werden. Ferner werden die silbernen Zwanzigpfennig- stücke beseitigt, doch soll die AußerlnrSsetzimg nicht vor de», 1. Januar 1902 erfolgen. Auch daS Nickel-Z wanzig- Pfennigstück wird„als eine ebenso üverflüssige wie unbeliebte Btünze" beseitigt. Die Einziehung soll mit aller Schonung ge- schehen und deshalb allmählich bis zun» Jahre 1904 bewirkt werden. Dies ermöglicht, durch eine entsprechende Vermehrung der Zehn- Pfennigstücke dafür Sorge zu tragen, daß diese an Stelle der ein- gezogenen� Zwanzigpfennigstücke sofort dein Verkehr übergeben werde» können. Em weiterer Artikel der Novelle bezweckt' eine Erhöhung des Gesamtbetrages der Reichs- silbern, ünzei, anf 14 Mark für den Kopf der Be« Völkern» g des Reichs. Dieser Kopfbetrag ist gegenwärtig auf 10 M. festgesetzt. Ein letzter Artikel der Novelle bezweckt, das besondere M ü n z g e w i ch t der Maß-„nd GewichtSordnung zu beseitigen und für das' Münzwescu die für das allgemeine Verkehrs- geivichl gegebenen Bczcichinmgcn zur Anwendung zu bringen. Es handelt sich hier nicht um eine materielle Aenderung der Gewichts- Verhältnisse, sondern nur um eine im Interesse der Einheitlichkeit veränderte Weise der Bezeichnung der Gewichte.—- Von der Eisenbahn. Unsere Zurückweisung der eisenbahn- amtlichen Schönfärberei wird durch folgendes Schreiben ergänzt, das ans Bearnienkreisen an die„Hamburger Neuesten Nachrichten" gerichtet wurde: In der„Berliner Korrespondenz" wurde es unter Bezugnahme anf das Hamburger Eiscnbahn-Unglück so dargestellt, als ob von den Beamte» gar Nicht viel verlangt würde und es wird der für die Verwaltung zufällig günstige Fall in die richtige offiziöse Beleuchtung gesetzt, der betreffende Stationsbeamte habe„nur" 7l/2 Stunden Dienst gethau, als das Unglück eintrat. Sie haben ja richtig darauf hingewiesen, was es für einen Stationsbeamten be- deutet, anf den, verkehrsreichen Klosterthorbnhnhof ununterbrochen V/s Stunden im Dienst zu sein. In anderen Fällen wird man aber nicht sobald in der Lage sein, anf die wenigen Dienststunden eines Beamten hiiiznlveiscn. So ist z. B. der Dienst der Wilhelm«- burgcr Lokomotivbeamten einfach übermäßig lang und anstrengend. Keinen Tag oder keine Nacht ohne zwölf- biö vierzchnstündigcn Dienst»nd zwar ohne Unterbrechung. Von Pause gar keine Rede, an Mittagessen nicht zu denken; dann die A n f r e g u n g bei Verspätungen. In diesem ungemein anstrengende» Zu- stände steht der Lokomotivführer auf einem verantwortlichen Posten. Der Herr Eiseiibahnmiiiistcr hat bestimmt, daß kein Lokomotivführer länger als 10 Stunde» rninnterbrochen im Dienste sein soll. Bei angestrengtem Rangierdienst soll der Dienst überhaupt nur 3 Stimdci, dauern. Aber seit de», � 1. Oktober, also nach den, Hamburger Eisenbahn- Unglück ist der Dienst noch schlechter geworden. Die Maschinen« Inspektion in Hamburg ist schon öfters gebeten worden, sich dieser Sache anzunehmen. Aber cS ist nicht besser geworden. Einmal wurde gd- antwortet, die Direktion zu Altona habe diesen Dienst genehmigt. Wer den Dienst der Wilhclmsburger Beamten kennt, die mitunter 114 Signale des Nachts oder am Tage bei der langen Dauer passieren, der in n ß sich thats ach lich wundern, daß nicht mehr Unglittk geschieht. Wein, die Beamten dabei nervös werden, so kann nun, das wohl begreifen."— JnnnngS-TerrortSiiins. Die Meißener Sattler-Jnnnng findet in ihrem Bestreben, unliebsame Elemente ansziihimgern. bei � den übrige» dortigen Jmimigcn Nachahmung. Die Barbier- ,md Frisenr- Jnmmg des Amtsbezirks Meißen geht noch viel brutaler vor, als die Sattler-Zunft; sie hat folgende Bsstimnnmg im Statut:„Eil, bei einem Jimnngsmitglicde aus Arbeit tretender Gehilfe kann von einem anderen Jmiimgsimtgliede innerhalb zwölf Monaten nicht eingestellt werde», wenn' eine Vereinbarung der in Frage kommenden Meister nicht erfolgt ist." Wir können bei dem beste» Willen nicht finden, daß auf dies? Weise der Zweck der Innung, nämlich„die Förderung eines gedeihlichen Verhältnisses zwischen Meistern und Gesellen' erreicht würde. Die sächsische Eisenbahn- Vcrivaltung hat Unterhandlungen mit den deutschen Eisenbahnbchördcn eingeleitet, um eine Abschaffung der Personenwagen l. Kl. wegen deren völliger Unrentabilität herbei zuführen. Von Beseitigung der IV. Wagenklasse wegen Kulturwidrigkeit ist keine Rede!— München, 19. Oktober. sEig. Ber.) Die Abgeordneten- kammrr erledigte heilte endlich den Gesetzentwurf betr. die Fort- setziiug der G r„ n d e n t l a st u n g durch Annahme des AilSschußöntragcS, demzufolge der Amortisatiousstand zur Tilgung der Bodeuziiise um 12 Millionen zu vermehren ist. Außer den' Socialdemokrateii stimmte auch der Banerubündler Dr. Gach gegen die ganze Vorlage, da seine weitergehenden Anträge abgelehnt worden waren.— An meinen Pöbel! Unter dieser Ucücrschrift hatten wir in der gestrigen Nmnmer, nach der„Volksztg.", ein Gedicht Friedrich Wilhelm IV. wiedergegeben, das von ihm verfaßt wurde, als er am 21. März 1843 von seinem unter dem Zeichen der schwarz- rot- goldnen Fahne ge- thanen Ritt durch die Siraßen Berlins zurückkehrte. Man hatte bis- her angenommen, daß sieh der König selbst ein paar Tage lang durch die Größe nnd den Idealismus der Bewegung hingerissen gefühlt „nd damals in cincr Art phantastischer Begeisterung gehandelt und geredet habe. Nun erfährt man, daß jener Ritt und die dabei ge- hnltcncn Ansprachen an das Volk nichts weiter wie Heuchelei gewesen sind. DaS geht recht deutlich auS einer Zusammeilstellimg der aufeinander folgende» Ereignisse hervor. Nach den Kämpfen deS 18. März schien beim Könige die Stimmung der Volksbewegung gegenüber vollständig umgeschlagen z,l sti». Die Truppen waren ans der Stadt zurückgezogen worden, „nd am Morgen deS 21. erschien ein in der Decker'schcn Ober- Hofbnchdnickerei hergestelltes Plakat, in dem es hieß:„Preußens Friedrich Wilhelm IV. hat sich im Vertrauen auf Eure» Helden- mütigeii Beistand»nd Eure Widcrgeburt zur Reltung Deutschlands au die Spitze des Gesamtvaterlandes gestellt. Ihr werdet ihn mit den alte», ehrwürdigen Farben der Nation noch heute zu Pferde in Eurer Mitte erblicken." Und richtig, gegen 11 Uhr vormittag» erschien der König be- ritten anf dem' Schlößhof. Er trug eine schwarz-rot-goldne Schärpe, eine ebensolche Fahne in der Hand, und auch die ihn umgebenden Prinzen nnd Minister waren mit den ehedem verpönten deutschen »Farben geschmückt. Zu der versammelten Menschenmenge aber sprach der König:„Es ist keine Usurpation von mir, wenn ich mich zur Rettung der deutschen Freihcit und Einheit berufen suhle. Ich schwöre zu Gott, daß ich keinen Fürsten vom Throne stoßen will. Aber Deutschlands Einheit.rnd Frei- heit will ich schützen. Sie muß geschirmt werden durch deutsche Treue ans den Grundlagen einer aufrichtigen konstilutionellen deutschen Verfassung." Es wurde dann ein großer Umzug durch die Stadt gemacht, und der König sprach noch süuftnal in ähnlichem Sinn an verschiedenen Orten. Bei der Rückkehr wehte auch anf der Kuppel des Schlosses die schwarz- rot-goldene Fahne. Der Jubel des Volkes war natürlich groß. Man glaubte an alle die schönen königlicheii Redensarten. Der König aber, wie nun bekannt wird, ging in seine Gemächer und dichtete in seinem großen Zorn: WaS predigt der Pöbel von VolkSmajestät, Von VolkSregiment nnS früh„»d spät? Hurra! Kamerad I Marsch, marsch, Kamerad l Las leidet kein preußischer Soldat, hurra i Das leidet kein preuß'schcr Soldat! O, Friedrich Wilhelm so lieb und teuer? Mein König, wann führst Du uns wieder in? Feuer? Hurra, Kamerad! Marsch, marsch. Kamerad I Wie sehnt sich der preuß'sche Soldat, hurra l Wie sehnt sich der preuß'sche Soldat l Die Zeit des sich sehnenden preußischen Soldaten war aber »och nicht gekommen, und so mußte dein Publikum gegenüber die erheuchelte Rolle des FrciheitSmamics weiter gespielt werden. Am Abend desselben Tages erschien noch ein Aufruf deS Königs, in dem es heißt:„Ich übernehme heute die Leitung für die Tage der Gefahr. Mein Volk, das die Gefahr nicht scheut, Ivird mich nicht vcrlaffcn und Deutschland wird sicb mir mit Vertrauen an- schließen. Ich habe heute die alten deutschen Farben angenommen und mich und mein Volk unter das ehrwürdige Banner des Deutsche» Reiches gestellt. Preußen geht fortan' in Deutschland auf!" MchrUnwahrhcit an einem Tage kann man füglich von niemandem verlangen. Dennoch aber verlängre jener preußische König die An- Wendung des schönei, Wortes aus sich:„An einem KönigSwort soll man nicht dreh» und deuteln."— Ausland. Oestreich- Ungarn. Abgeordnetenhaus. Wien. 20. Oktober. Bei Beginn der Sitzung verlangt Abg. Bielohlawek dringlich Bcanrwortung der in der ncnlichen Sitzung eingebrachten Interpellation mehrerer Mitglieder des Polen- klnbS iiber den P o l n a e r Mord. Abg. Schlesinger be- antragt, die Regierung aufzufordern, die den Christen und den Juden gehörigen' unbewegliche» Werte am Ende des IS. Jahrhunderts und vor 50 Jahren festzustellen. Sodanu schreitet das Haus zur Tagesordnung. Bei der Wahl des erste» Vtccpräsidentr» wird Professor Dr. P i e t a k(Pole) mit 197 Slimmen gewählt. Der Kandidat der Deutschen. Prade, erhält 165 Stimmen. Die Abgg. Dr. P a t a I und Genossen richten eine Anfrage an die Regierung, ob sie geneigt sei, die Gesetze betreffend den Ge- brauch beider Landessprache» bei den autonomen Behörden in Böhmen, sowie betreffend die gesetzliche Regelung des öffentlichen Schulwesens in den national-gemischten Ländern zur allerhöchsten Sanktion vorzulegen. Die Interpellanten weisen darauf hin, daß beide Gesetzentivurfe mit peinlicher Schonung der Rechte der anderen Nationalität ausgearbeitet seien. Die Wahl Pietals wird auf der Linken mit Lärmen und Pfui- rufen, auf der Rechten mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Unter anhaltendem Lärm besteigt Pietak die Tribüne und dankt für die Wahl; seine Worte verhallen bei der anhaltenden Unruhe nngehört. Als hierauf zur Wahl des ztveiten Bieepräsidenten geschritten wird, verlasse» alle KlnbS der deutschen Linken den Saal.— Zum Polnaer Mordprozest. In der Polnatt Mordaffaire haben bekanntlich auch verdächtige Flecke, welche sich auf der Hose des des Mordes angellagtcn Hülsncr befanden und von zwei Gut- achtern„mit gröhtcr Wahrscheinlichkeit" als Blutflecke und zwar als Flecke von Mciischcnblnt bezeichnet ivurden, eine wichtige Rolle als Beweismaterial gespielt. In der letzten Nununer der„Deutschen medizinischen Wochenschrift" vom 19. Oktober unterziehen nun zivei Berliner Professoren, denen das Gutachten vorgelegt worden, beide als Autoritäten auf dem Gebiete der gerichtlichen Vlutnntcrsnchung bekannt, Professor L. Lewin und Professor Straffmann, unabhängig von einander das betreffende Gutachten einer Kritik. Sie führen übereinstimmend aus, daff das Gutachten für die Blutnatur der bc- treffenden Flecke, und insbesondere für ihre Menschenblutnatur absolut nicht beweisend sei, um so mehr, da gerade die wichtigsten und beweisend st en gerichtlichen Blutproben— auf mikrochemischem resp. spektroskopischen Nachweise von Blutfarbstof beruhend— negativ ausgefallen wären. Professor Lewin komint zu dem Schlüsse,„daff das Endurtcil der Gutachter, daff die von ihnen untersuchten Flecken„mit gröfftcr Wahrscheinlichkeit von menschlichem Blut herrühren", als ein durch die mitgeteilte» Unter- snchungscrgebnisse vollkommen unberechtigtes anzusehen ist, und daff das forensische Material einer besseren, sachverständigen Untersuchung unterzogen werden muh". Auch Professor Straffmann erscheint eine Ueberprllfung deS Gutachtens wohl geboten.— Prag, 20. Oktober. In den Abendstunden am Donnerstag fand wieder� ein lebhafter Verkehr auf dem Wenzelsplatz statt, Ivelchcr hauptsächlich durch da? Herbeiströmen von Passanten und Neu« gierigen veranlafft war. Zu bedeutenden Ausschreitungen kam eö nicht. Die Polizei hatte umfassende Vorsichtsmahregeln ge- troffen und duldete keine Ansammlungen. In den Straffe» ober- halb des WenzelSplatzcs wurden acht Verhaftungen vorgenommen. Unter den Verhafteten befanden sich zwei junge Burschen, welche Knallerbsen vor der berittenen Sicherheitswache her« warfen. Um 10 Uhr abends herrschte überall vollkommene Ruhe. In die Vorstadt Weinberge ist ein halbes Bataillon Infanterie be- ordert worden. Die Kundgebungen in L a u n erneuerten sich. Der Bezirks- Jauptmann und die Gendarmerie, welche einschritten, wurden mit ktetnen beworfen, ersterer wurde am Halse getroffen, 6 Gendarmen wurden durch Steinwürfe verletzt. In den von Israeliten be« wohnten Häusern wurden mehrfach die Fensterscheiben eingeschlagen. Auch in Kuttenberg wiederholten sich die antisemitischen Kund« gedungen.— England. London, 20. Oktober. Unterhaus. Der Erste Lord des Schatzes fttalfour erklärt, es sei keine Abmachung mit der portu- giesischen Regierung über den Ankauf der Tclagöa-Bai getroffen. auch sei bi« jetzt keine Entscheidung hinsichtlich der zukünftigen Vcr- waltung SamoaS erfolgt. Die Angelegenheit werde noch von den drei Regierungen erwogen. Weiter teilt Balfour mit. bis zur Er- nennung eines Nachfolgers des bisherigen Vicelonsuls in Finnland, Wolff. werde der Generalkonsul in Petersburg die britischen Jnter- essen in Finnlands vertreten. Balfour beantragt sodann eine Adresse an die Königin, in welcher derselben Dank für die Botschaft be- treffend die Einverleibung der Miliz ausgesprochen wird. D i l l o n beantragt ein Amendement, in welchem die Einverleibung der Miliz für unnötig erklärt wird. Nustland. Reue wichtige Eisenbahnprojekte werden geplant. Nach Fersiastellung der sibirischen Bahn bis zum Amur soll ein neuer Eisenbahnbau, der die Verbindung Mittelasien» mit den HandelScentren Rußlands auf dem kürzesten Wege bezweckt, in Angriff genommen werden. Die Richtung der neuen Bahn, der sich noch mehrere Zweiglinien anschlichen sollen, führt über Orenburg läiias dem llralfluff durch das Turgalgebiet und durch Turkesta» bis Taschkent. DaS nissische KriegSmin'sterium ist an dem Bahnbau hervorragend interessiert, da' eS sich, so berichten russische Blätter, um Anschlicffung eines Gebiets an den allgemeinen Verkehr handelt,„durch ivelchcS in Zukunft, sofern die eng- lische Macht in Afghani st an ihr Ende gefunden, der Ausgang zum indischen O c e a n zu nehmen wäre". Auch groffe wirtschaftliche Borteile werden von der neuen Bahn crlvartet. Allein das Turkestangebiet, das vor etwa drciffig Jahren dem russischen Reiche eingegliedert wurde, soll eine relativ gröbere Produktionskraft aufweisen, als das riesige Sibirien.— Vavkei-Llackzvichken. Die Parteigenossen im Lande beginnen jetzt, sich in Partei- vttsnininlungen mit den Beschlüssen deS Parteitages zu beschäftigen. Nach den bis jetzt vorliegenden Berichten erklärte sich eine Vcrsamm- liing in Harburg, wie auch eine in S t u t t g a r t mit den-in Hannover gefafften Beschlüssen vollkommen einverstanden. Ver« sammlungen in Lübeck und in Magdeburg wurden nach der Berichtcrstatwng durch die Delegierten vertagt und sollen später fortgesetzt werden. Verleumder. Durch die gesamte bürgerliche Presse macht jetzt eine Notiz die Runde, wonach in Bremerhaven der Vorsitzende des Holzarbeiter- Verbandes und der Preffkommifsion des dortigen PnrtciblatteS, Schmidt, verschwunden sei und seine Familie im Stiche gelassen habe. Wie die„Nordd. Volkssiimme" feststellt, handelt eS sich bei dieser Notiz um eine dreiste Verleumdung. Schmidt ist vor vierzehn Tagen auS Bremerhaven in vollster Ocffentlichkcit abgereist, hat sich von seinen Kollegen verabschiedet und bandelt im Einverständnis mit seiner Ehefrau. Schmidt arbeitet in Bremen. GemovKfrijafllidjss. Vcrli» und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! In der Motorfahrzeug- und Motorenfabrik vormals A l t m a n n in Marienfclde sind Differenzen ausgebrochen. In dieser Fabrik sind zur Kontrolle der Arbeiter Kontroll-Uhren angebracht. Angeblich haben nun einige Arbeiter diese Kontroll-Uhren nicht gestochen und sollten deshalb mit Entlassung bestraft werden. Schliehlich wurde an Stelle der Eni- lassimg eine Geldstrafe über die Sünder verhängt und zlvar an- fänglich die Kleinigkeit von 7 M. 20 Pf. pro Mann, welche Summe alsdann auf 3 M. herabgesetzt wurde. Der Arbeiterausschuh ver- suchte vorstellig zu werden; bevor dies jedoch möglich war, wurde der Obmann des Fabrikausschusses entlassen. Dies steigerte die Erregung derartig, daff 280 Kollegen in den Ausstand traten. Die von Vertretern der Ausständigen sowie des Metallarbeiter- Verbandes mit der Fabrikleitung gepflogenen Verhandlungen haben bisher zu einem Ergebnis nicht geführt. Der leitende Direktor ist verreist und der Herr Ingenieur Balz, ein junger Mann, will wie König Stumm„Herr im Hause sein". Zuzug von Metallarbeitern aller'Art ist deshalb fernzuhalten. Die Ortsverwaltung des Deutschen Metall« arbeiter-Verbandes. Die Posamentiere» haben über die Vorschläge des EinigungS- amtes einen endgültigen Entscheid noch nicht gefüllt. In einer Ver- sammlung am Donnerstag referierte Posamentier Karl Müller über die' stattgehabten Verhandlungen. Er ging dabei zunächst auf die Ausführungen der Arbeitgeber vor dem Gewerbegekicht ein, welche den thatsächlichen Verhältnissen nicht entsprächen und führte gegen die Ansicht der leichten Arbeit die statistischen Daten des Tuberkulose- Kongresses ins Feld, nach denen von 100 Arbeitern ungefähr 60 in der Posamentenbranche an Tuberkulose erkranken. Gegen die Vor- würfe, daff die Lohnkommission sich wie ein Keil zwffchcn Arbeitgeber und Arbeitnehmer schiebe, sei hervorzuheben, daff eben das Machtmittel der Arbeiter die Einigkeit sei gegenüber der Gewalt des Kapitals. Die Vorschläge des GewerbegerichtS und der Arbeitgeber feien ein wöchentlicher Minimallohn von 25,50 M. und eine Arbeitszeit von 56�/2 Stunden pro Woche. Bei der Diskussion über diese Vor- schlüge trat die Ansicht zu Tage, daß der angebotene Vergleich nicht annehmbar sei, zunial einige Kollegen bereits zu einem Minimallohn von 27 Mark"arbeiten. Die Annahnie würde nach einem sechswöchigen Ausstände einer Niederlage gleich kommen. Im groffen und ganzen jedoch war der Eindruck vorherrschend, daff eine energische Fortführung des Aus- standcs trotz der günstigen Situation deshalb nicht beschlossen werden könne, weil nur die Hälfte anwesend sei und man nicht wisse, wie sich die fehlende Hälsle zu einer Nichtäunnhme des Vergleichsvor- schlagcs stelle. Schlichlich wurde wegen des mangelnde» Besuches vorgeschlagen und beschlossen, eine neue Versammlung der Ans- ständigen einzuberufen und nach Möglichkeit dafür zu sorgen, daß alle erscheinen. Von anderer Seite wurde die Annahme der Vergleichsvorschläge befürwortet, mit dem Zusätze jedoch, daff der Vergleich nur bis zum 1. März 1900 Gültigkeit haben solle. Die streikenden Töpfer hielten am Freitagvormittag wieder eine sehr stark besuchte Versammlung in StechcrtS Saal ab. Dem Bericht der Kommission zufolge bietet der Streik ein Bild seltener Einigkeit der Kollegen und die Aussichten sind daher durchaus günstige. Es haben bis jetzt 39 Unternehmer, die bisher 250 Töpfer beschäftigen können, die Forderungen bewilligt. Die Zahl der Strei- kende» beträgt 1013. In der Diskussion trat Heinrich Hoffmann für Aufhebung deS Generalstreiks ein. Er meinte, eS liege im Interesse der Bewegung, wen» die Arbeit bei denjenigen Unternehmern, die bewilligt haben, aufgenommen und der Streik nur da fortgesetzt werde, wo keine Bewilligung erfolgt ist. Diese Ansicht wurde jedoch von allen anderen Rednern bekämpft mit dem Hinweis, daff die gegen- ivärtige Lage des Streiks durchaus kcincnAnlaff biete, die seitherige Taktik zu ändern. Ehe nicht die Mehrheit der Unternehmer die Forderungen anerkannt habe, könne von einer Aufhebung des Generalstreiks keine Rede sein. Die Versammlung beschloff denn auch mit allen gegen 2 Stimmen, den Generalstreik unverändert fortzuführen.! Ein Antrag, auch die durch den Streik in Mitleidenschaft gezogenen Träger zu unterstützen, wurde abgelehnt. Der Obermeister derTöpfer-Jnnung läfft in bllrger« lichen Blättern bekannt machen, daff feit dem 9. d. M. der General- ausstand perfekt sei und bittet die Bauunternehmer, Baumeister so« >vie das gesamte Publikum, dies zu berücksichtigen und die Töpfer- arbeiten noch tvarten zu lassen. Das Publikum wird sich ivohl daran wenig kehren, zumal die Forderungen der Gesellen änfferst minimale sind. Für die Holzbildhauer bleiben nach wie vor noch folgende Werkstätten gesperrt: Bartz, Fricdrichsbergerstr. 10; Pcth, Memeler« straffe 31; Brnnzlow, Nene Königsir. 15; Grix. Pallisadenstr. 57; Krämer, Koppenstr. 60; Grögcr, Kottbuser Damm 95; Ncumann, Manteuffelftr. 22; Ozorkewitz,' Hochstr. 2; Pickcnhagen, Romintener- straffe 3. Ferner werden die Kollegen an den Beschluh der öffentlichen Versammlung vom 26. v. M.. wöchentlich 50 Pf. zu st e u e r n, erinnert und zu regerer Beteiligung als bisher aufgefordert. Näheres durch Inserat am Sonntag. Die Lohntommission. Achtung, Ciseleure! Wegen Nichtbewilligung des Neunstunden« tages befinden sich die Kollegen in nachfolgenden Werkstätten im Aus- äa'nde: Spinn u. Sohn, Aktiengesellschaft, Bronzewaren« Fabrik Wasserthorstr. 9; Vollgold u. Sohn, Silberwaren-Fabrik. Köpenicker- traffe 72; Speck, Bronzewaren- Fabrik, DreSdenerstr. 36; Frister (Inhaber: Engel u. Hegewald), Btonzewaren< Fabrik, Lindenstr. 23; Brodrecht, Stallschreiberstr. 6; Gerike, Sebastianstr. 20. Bei nachfolgenden Ciseleuren wird Streitarbeit angefertigt: Fischer, Wienerstr. 29; Greulich, Adalbertstr. 75; Liebmann, Prinzen- straffe 98; Rctzlaf, Neanderstr. 15 und G. Raffmussen, Adalbertstr. 65. Von allen diesen Werkstätten ist deshalb Zuzug strengstens fern- zuhalten. Die Kommission. Achtung Stcinarbciter! Da der Streik beendet ist. sind alle Anfragen und Sendungen bis Sonntag, den 22. Oftober, bei F a b c r, Stcphanstr. 11, zu regeln, alles spätere, so weit es mit dem Streik zu thun hat, ist an'H. Walther, PotSdamerstr. 86», zu senden. Die Loh nkom Mission. Deutsches Reich. Der„Weckruf der Eisenbahner" giebt bekannt, daff, da der Redacteur und Verbandsleiter Bürger für drei Monate wegen PretzvergehenS ins Gefängnis mutz, in dieser Zeit die Verbands« angelegenheiten von L. Brunner, Hamburg« St. Pauli, Markt- straffe 15 ll erledigt werden. Die Redaftion deS Blattes hat H. Schulze, Dre§den-N., Marienhofftraffe 63 II übernommen. (Wiederholt, weil nur in einem Teil dtt Auflage erschienen.) Ff» der Schuhfabrik von Meffer u. Mirisch in O h l a u in Schlesien sind 31 organisierte Kollegen und Kolleginnen ausgesperrt worden. Zuzug ist fernzuhalten. Die Kommission. Ein« Anssperrnng der BreSlauer Handschuhmacher steht bevor. Die Arbeiter suchen eine Beseitigung der Heimarbeit herbei- zuführen; sie verlangen, daff alle Heimarbeiter in die Fabriken auf« genommen werden. Die Unternehmer lehnten dies ab und beschlossen, am 14. Oktober den Arbeitern auf allen andern Fabriken, mit AuS- nähme der Fabrik Schammartz, zu kündigen, was auch geschah. Die Gekündigten benutzten die Gelegenheit und antworteten mit einer Forderung auf Lohnerhöhung, die sie bei der gegenwärtig günstigen Konjunktur zu erringen hoffen. In Herzberg a. H. stehen seit dem 16. d.M. 35 Schuh- macher mit 105 Kindern im Streik. Sie verlangten eine mäffige Lohnerhöhung, die aber die Unternehmer zurückwiesen. Sie wollen nur mit ihren Arbeitern unterhandeln, wenn die Organisation auf- gelöst wird, was aber von den Arbeitern abgelehnt wurde. Nun suchen die Herren die Streikenden einzeln zu bekehren; so sollen die NichtMitglieder 10 Pf. pro Paar mehr erhalten, auch müfften wir vergeblich aus Unterstützung warten. Uebcr die elende Lage der dortigen Arbeiter wird uns von dort geschrieben: Da hier die Schuhmacher wohl mit die Aermsten sind und den Webern im Eulengebirge wenig nachstehen, so hoffen die Herren, baff der Hunger die Arbeiter bald wird zu Kreuze kriechen lehren. Thatsächlich verdient hier ein Schuhmacher kaum 13 Pf. die Stunde, und da wir die gewih bescheidene Forderung von 16 Pf. Stundenlohn stellen, werden tvir als die gröhten Faulenzer hin- gestellt. Die bleichen, hohlen Wangen der Arbeiter zeigen aber zur Genüge, daff keiner an Kaviar oder Fleisch denken darf: Kartoffeln in der Früh, des Mittags in der Brüh, des Abends mitsamt dem Kleid und Kartoffeln bis in alle Ewigkeit, bann allenfalls für sechs Köpfe noch für 10 Pf. Leinöl, das ist so etwa das lukullische Mahl, welches sich die hiesigen Arbeiter Woche für Woche, Tag für Tag leisten. Höchstens versteigt man sich manchmal zu einem„Schneiderkarpfen", wo natürlich einer für die ganze Familie reichen muff. Wie übermütig der Arbeiter dabei wird, kann sich jeder denken. Genossen, Kollegen! Helft uns, damit wir unsere Lage verbessern können, indem Ihr uns auch materiell unterstützt, dann muh der Sieg bald unser sein, da der Geschäfts- gang jetzt ein guter ist. Da auch die hiesigen Arbeiter an ihre kämpfenden Brüder dachten und nach Kräften unterstützt haben, so glauben wir, daff unser Appell an Euer Solidaritätsgefühl nicht ver- geblich sein wird. Alle Sendungen sind zu richten an den Vertrauensmann Robert Klose, Herzberg El st er, Schliebenerstr. 69. Die Streikkommission. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Zum Leipziger Forincrftrrlk. Die Gieffereibesitzer behaupten seit Anbeginn des Streiks, daff ihre Betriebe in vollem Gange seien. Straft schon die Thatsache, daff die Leipziger Modelle fast überall von den Arbeitern zuriickgelvicsen sind, und immer wieder zurück« gesandt werden mufften, diesen Aufschneidereien Lügen, so ist jetzt die Strcikkommission in der Lage, nachstehendes aus einem Ge- schäftsbrief der Maschinenfabrik von D. u. L. in L.- R e u d n i tz zu veröffentlichen: Im übrigen geht alles seinen gewohnten Gang. Nur mit dem Gütz i st d ie Not g r o tz. Goch u. N. liefern ja das not- wendigste, aber Herrmann leider nicht. Ich habe die Teile zu L. X. Pappscheren noch nicht erhalten können. Ich hatte ja schon vielleicht vor vier Wochen die Modelle hereinholen lassen, um sie G. u. N. zu schicken, da Du aber denselben Tag dranffen warst und er Dir versprochen hatte, die Sachen zu gieffen, so schickte ich sie wieder hinaus, habe aber bis jetzt noch keinen Gütz bekommen können. Ebenso ist es mit A. N. 108er Schneidc- maschinen. Es sind jetzt 3 Stück bestellt; dazu habe ich bis jetzt erst i Körper und Wand bekommen. Ich lasse heute die Modelle wegholen und zu G. u. N. schaffen.... Es ist ganz gut, ivenn Du die Aufträge auf spätere Lieferzeit abschliefft, den» jetzt kommen wir mitdemLtefernin die Klemme. Das klingt allerdings etwas weniger siegesgewiff. Der Dresdner Manrerstreik zieht immer noch gerichtliche Ver« nrteilungen nach sich. So wurden jetzt wieder vom Dresdener Schöffengericht zwei Streiker zu je 20 M. Geldstrafe verurteilt, weil sie ein paar ankommende fremde Arbeitswillige in etwas derber Weise auf ihre Pflichten der Solidarität den streikenden Kollegen gegenüber aufmerksam gemacht hatten. Die Dresdner Gerichte hatten überhaupt wieder einmal alle Hände voll zu thun mit der Arbeiter- bewegung. So verurteilte man zwei streikende Former— Giorth und Spindler— zu einer, beziv. zwei Wochen Gefängnis, weil sie einen Arbeitslvilligen Streikbrecher genannt hatten. Der eine kam deshalb etlvas besser weg, weil er die Bezeichnung nicht ganz direkt gebraucht hatte.— Vom Schöffengericht wurden seiner Zeit drei streikende Maurer wegen S t r e i k p o st e n st e h e n zu je drei Tagen Haft verurteilt, obwohl grober Unfug, oder eine Belästigung des Publikums-c. beim besten Willen nicht festgestellt werden konnte. Die Verurteilten legten deshalb Berufung ein, die aber nunmehr vom Landgericht verworfen wurde. Auch das Landgericht ist demnach der Meinung, das Streikpostenstehen an sich strafbar ist. Und dabei behauptet man noch, das Streik- und Koalitionsrccht soll den Arbeitern nicht geschmälert werden.�— Die alte reaktionäre Verordnung vom Jahre 1849, das Verbot deS Tragens republikanischer Abzeichen betreffend, spukte auch wieder im Gerichtssaale. Der Eisendreher Scholle wurde zu drei Tagen Gefängnis(!) verurteilt, weil er— wie schrecklich— am 1. Mai eine rote künst- liche Blume im Knopfloch getragen hatte, und sich deshalb ihm zu teil �gewordene polizeiliche' Aufmerksamkeit nicht so ohne weiteres gefallen licff.— Endlich wurden noch zwei Maurer, die mit am Manrerstreik beteiligt waren, zu 5 bczw. 10 M Geldstrafe wegen Beleidigung und groben Unfugs verurteilt. Die beiden hatten aus einem Neubau nach Beendigung des Streiks um Arbeit nach- gefragt und waren ohne ihre Schuld mit dem Polier des Baues und einem Arbeitswilligen in Differenzen geraten. Dabei ist der letztere Streikbrecher genannt und der Polier laut geschimpft worden. In diesem lauten Schimpfen fand man, da Antrag wegen Beleidigung nicht vorlag,— groben Unfug. In dem Wort Streikbrecher wurde nur eine formale, keine ehrverletzende Beleidigung gefunden, da — wie ausdrücklich hervorgehoben wurde— keine„Streiktendenzen"(?) in Frage kämen. Also die Tendenz ist für die Höhe des StrafmaffeS bestimmend! Die Notwendigkeit deS Schutzes der Arbeitswilligen wird au» folgender Meldung au» Minden als feststehend abgeleitet: „Häer kam es zwischen streikenden Maurern aus der Nähe Mindens und zugezogenen Arbeitswilligen zu einer Schlägerei, bei welcher das Messer die Hauptrolle spielte. Zwei arbeitswillige Maurer erhielten von den Streikenden i n rohe st er Weise Fufftritte und Stockschläge, sodann Meffer- stiche; einer wurde in den Unterleib, der andere in den Ober- schenkel getroffen und beide so schwer verletzt, daff sie im Krankenkorbe zum Krankcnhause geschafft werden mufften. Zwei der Thäter sind festgenommen, von zwei anderen sind die Namen bekannt. Wie durch Zeugen festgestellt ist. sind die Arbeitswilligen schon mehrfach bedroht und ist dieser Ueberfall verabredet gewesen, ein Umstand, welcher straf- erschwerend sein wird. Von den Festgenommenen gehört einer der Streik- oder Lohnkommission an." Dabei ist nur das eine Bedenkliche, nämlich, daff die Nachricht auS einer für Arbeiterfragen sehr trüben Quelle stammt; es ist die „Post" und die„Deutsche Tageszeitung", welche die Mitteilung bringen. Ehe wir nicht nähere Information eingeholt, verzichten wir auf jeden Kommentar. Der christliche Metallarbeiter- Verband. der sich am 3. Oktober in Duisburg konstituierte, hielt daselbst am 15. Oktober die erste öffentliche Versammlung ab. Anwesend waren circa 1000 Personen. Arbeitersekrctär G i es b ert und Professor Hitze referierten. Beide betonten die Notwendigkeit einer Organisation der Metallarbeiter auf christlicher Grundlage. Der sonst üblichen Ausfälle gegen die freien Gewerkschaften enthielt man sich. Nach- dem Buff für die freien Verbände, speciell den Deutschen Metall- arbeiter-Verband eingetreten, suchte Kaplan Brauns nachzuweisen. daff in den„socialdemokratischen Gewerkschaften" parteipolitische und antireligiöse Tendenzen verfolgt würden. Da er aber keine Beweise dafür ans der praktischen Thätigkeit der Verbände finden konnte, erstreckte sich seine Beweisführung auf die Reproduktion einer Stelle aus dem Feuilleton der„Bergarbciter-Zeitung" und der Aeufferung deS Genossen Winterbera, betreffend Minierarbcit des Nicderrheinischen Weberverbandes für die Socialdemokratie. D ü w e l l ivieS auf das Unzutreffende der Braunsschen Aus- Führungen hin; eher sei der Nachweis zu bringen, daff die christlichen Organisationen für politische Zwecke ausgebeutet würden. In den Grundsätzen, welche daS anerkannte Organ der christlich« socialen Organisationen,(1869 Crefcld) die „Christlich- Socialen Blätter", veröffentlichten, heißt es: Politik dürfe nicht getrieben werden, wenn es sich nicht um kirchliche Interessen handle. Wenn diese in Frage kämen, müsse m i t aller Kraft in den Kampf eingetreten werde». Herr Brauns und die übrigen Redner zogen es vor. auf diese kitzliche Sache nicht eitt5«flcf)ni. Die Berichte der ultramontanen Presse schweigen sich auch darüber auS, daß Herr Brauns erst pathetisch ausrief: Bringen Sic uns nur einen Beweis, daß in den chriftlicheu Organisationen Politik getrieben wurde— und daß er dann nachher Schweigen, als den besseren Teil der Tapferkeit vorzog, Herr G i e s b e r t erklärte nachher noch, daß er absichtlich in seinem Referat die freien Verbände gar nicht er- wähnt habe, weil er es für die Arbcitcrintercssen als nur schädlich betrachte, wenn in öffentlichen Versammlungen über die beste Or- ganisatiou gestritten würde. Die christlichen Arbeiter gehörten in die christliche Organisation, die übrigen sollten sich vereinigen, wie eS ihnen beliebte;, die Hanptsachc ici: organisieren. Zum Schluß der Versammlung gelangte eine Resolution zur Annahme, in der gegen Beschneiduug des KoalitionsrcchtS protestiert, bessere �oalitions- frcihcit gcsordert ivurde. Bemerkt sei noch, daß der llebcrwachcndc das Bedürfnis fühlte, mit Auflösung zu drohen, wenn noch mehr socialdcmokratische Reden gehalten würden. Socittlos. RekonvaleScentenpflege in bestreich. Im Jahre 1894 errichtete der Verband der Genossenschafts- Krankenkassen Wiens daS erste Rckonvalesccntenhcim in Königstetten. Nach dem vorliegenden Bericht für das Jahr 1893 wurden darin verpflegt 144 Personen im Jahre 1894, 328 im Jahre 1895, 338 im Jahre 1893, 387 im Jahre 1897 und 390 im Jahre 1898. Die durchschnittliche Zahl der VcrpflcgungStage betrug in dieser Reihenfolge der Jahre 32,3; 27,9; 28,1; 27,5; 28,8, Die Zahl der Meldungen zur Aufnahme in die Pflcgcaustalt wächst beständig und es mußten beispielsweise im letzten Jahre 139 Personen wegen Raummangels zurückgewiesen werden. Der Verbaud hat deswegen beschlossen, jetzt eine zweite Pflege- anstalt zu errichten und hat zu diesem Zweck bereits ein Schloß- gebände in Zcillcrn erworben. Dieser Plan ist vom niedcröstreichischen Landcssanitätsratc gutgeheißen und als anerkennenswerter Fortschritt in der öffentlichen Krankenpflege bezeichnet worden. Der Krieg. Die großen Debatten im britischen Parlament am Mittwoch und Donnerstag haben mit einem Siege derRegierungS-Kriegspolitik geendet. Doch die Opposition hat sich stärker herausgestellt, als erwartet werden konnte, und ihre Reden hatten eine gewaltige Wirkung für sich, denn auf ihrer Seite ist dieGerechtigkeit uud die politische Vernunft. Di- Sitzung am Donnerstag dauerte über Mitternacht hinaus. lieber ihren Schluß wird telegraphiert: linterhaus. lSchluß der Adreß- Debatte.) Von feiten der Oppositionellen ergreift nunmehr John Morley das Wort. Er wirft der Regierung vor, daß sie versucht habe, unter dem Namen der Vormachtstellung Transvaal Verpflichtungen aufzuzwingen, welche sie niemals auch nur im Traum einer der mit Selbstverwaltung ausgestatteten Kolonien auferlegen würde. Chamberlnin unterbricht hier den Redner mit der Bemerkung. wenn eine der sich selbst regierenden Kolonien versuchen würde, ihre� Untcrthanen so zu behandeln, wie die Boercn die britischen Unterthanen behandelten, so würde er sicher dazwischen- treten. Morley ruft zurück, niemals würde Chambcrlain in dieser Weise sich Kanada gegenüber ins Mittel legen. Redner fährt fort. da nun England in diesen unglücklichen Krieg verwickelt fei, so hoffe er, daß dieser zu einem baldigen Ende gebracht werde. Der große Einwand, den er gegen die Politik der Regierung erhebe, sei nicht der, daß dieselbe eine Kriegspolitik sei, sondern daß sie Eng- land, wie siegreich es auch sein möge, noch nie dagewesenen V c r lv i r r u ngen gegenüber lassen werde.(Beifall bei den Oppositionellen.) Im August habe Chamberlain gesagt, Krüger gebe Reformc» tropfenweise wie ein gepreßter Schwann» von sich, aber er begleite seine Vorschläge mit Bedingungen, von denen er wisse, daß sie unmöglich seien. Heute habe aber Chamberlain gesagt, seine Depesche vom 23. August sei als Annahme des von Krüger gc- machten Vorschlages gemeint gewesen. Wenn Chambcrlain sodann die Ucbcrzeugung gewann, daß die Boeren seine Depesche miß- verstanden hatten, warum habe er sie ihnen nicht klar gemacht und �so einen ruchlose» Krieg verhindert? Der Antrag StanhopcS sei gerechtfertigt, und er. Morleh, werde mit voller Zuversicht für denselben stimmen, denn er wisse, daß binnen wenigen Wochen der gesunde Verstand des englischen Volkes, seine Liebe zur Gerechtigkeit und sein Haß gegen einen unnötigen Krieg sich geltend machen werden. R o s c b e r h habe' die Schwierigkeiten, in denen sich viele Liberale sehen, erhöht.(Die Nennung von Roseberys Namen wird von feiten der Ministeriellen mit Beifallsrufen, von einigen Liberalen mit Zischen aufgenommen.) Morley schließt mit der Bemerkung, der Krieg sei aus Rache unternommen und daher müsse der Antrag Stanhope angenommen werden. Nach Morley spricht Conrtney gleichfalls gegen die Politik der Regierung, die darauf von Balsour verteidigt wird. Der Erste Lord deS Schatzes A. Baisour wendet sich zu Beginn iriner Rede gegen den Vorwurf Morlcys, daß es sich uni einen Rachefcldzug handle, und sagt, er sehe keinen Grund, sich über Majnba Hill zu unterhalten, wo nur eine kleine militärische Aktion stattgefunden habe, über die man vollkommen hinweggehen könne.(Beifall.) Der Grund dieses unglücklichen Krieges sei nicht irgend ei» Satz in einer Depesche, sondern der Entschluß der Leiter der öffentlichen Meinung in Transvaal, auf alle Fälle eine Lösung der Situation zu vermeiden, mit der eine Veränderung in dem gegenwärtigen RcgicrungSsystcm verbunden sei. Der Grund deS Krieges'sei die vorbedachte Absicht Transvaals. die Ertei- lung deS Wahlrechts um jeden Preis z u ver- meiden, sich hin- und her zu winden, bis dicS Verfahren un- wirksam würde und dann die Entscheidung durch Krieg anzurufen. Er lege den Mitgliedern deS Hauses ans Herz, bei der Abstimmung über den Antrag zu erwägen, daß sie nicht als Abstimmung über die Verurteilung der Politik deS Kabinetts gelten würde, sondern als Abstimmung über die Frage der Koos Lckes Englands und über die Frage, ob die Regierung die vorbedachte Absicht gehabt habe, den Krieg hervorzurufen. DaS Haus schritt sodann zur Abstimmung; es lehnte den Antrag Stanhope mit 362 gegen 135 Stimme» ab und nahm darauf die Adresse an die Königin an. «• » London, 20. Oktober. Sämtliche Blätter kommentieren die gestrigen Debatten im Unterhause. Die konservativen Blätter stimmen darin überein, daß Chamberlain einen sehr schwierigen Standpunkt hatte, seine Politik gegen die Angriffe der Opposition zn verteidigen. � Der Aufmarsch bei Ladysmith und Glencoe. Seit dem 13. sind die Vorposten der Boeren auf die englischen Truppen gestoßen, die im befestigten Lager von Glencoe und in Ladysmith ihre Hauptquartiere höben, lieber die Vorgänge seit dem 13. bis heute liegen folgende Depeschen vor: London, 20. Oktober..Daily Mail" meldet ans P i e t e r- maritzburg: Ein amtlicher Bericht über Kämpfe am 13. d. M. sagt, die Vorposten der Freiwilligen von Natal hätten das Vorrücken des Feindes von Actonhomes nach BcsterS mit Tapferkeit und Stand- hoftigkcit aufgehalten, aber bei Einbruch der Nackt den Befehl er- halten, nach Ladysmith zu zurückzukehren. Ein Mann wurde ver- wundet, ein Lieutenant wird vermißt. Nach Berichten der Eingeborenen habendieBoerenmehrerc Mann verloren. Der„Mor»mg Post" wirdouS Ladysmith telegraphiert, daßbci Actonhomes jetzt 3000Boercn versannneIt sind. Dem„Renterschcn Bureau" wird auS Ladysmith vom 18. d. M. gemeldet, daß bei Bcsters am Abend dieses TagcS Natal-Karabiuicre ms Gefecht kamen, nachdem sie bei de» Kämpfen am Nachmittag sechs Verwundete gehabt hatten. Die„Monüng Post" veröffentlicht in einer zweiten Ausgabe ein Telegramm auS Ladysmith, in ivelchcm es heißt, daß in einem Verantwortlicher Ncdactcur: Robert Tchwidt in Bcrli zwischen Ladysmith und Dundce weggenommenen Eisenbahnzuge sich ein britischer Offizier und mehrere Kriegskorrespondenten befanden, die sämtlich zu Gefangenen gemacht wurden. Der Zug war in der Nähe von Elandslaagte 15 Meilen von Ladysmith weg- genommen worden. Die Schlacht. Kapstadt, 20. Oktober. Meldung deZ„Reuterschen Bureaus".) DaS Lager von Glencoe ist heute von einer starken Streit- macht der Boeren angegriffen worden. Dieselben führten Ge- schütze auf einer die Stadt beherrschenden Anhöhe auf und eröffneten das Feuer auf das Lager. Gegenwärtig wird auf der ganze» Linie gekämpft. Ladysmith, 20. Oktober.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Die Artillerie der Boeren hat heute das Feuer auf Dundee er- öffnet. London, 20. Oktober. Eine amtliche Depesche aus Ladysmith von heute früh 10 Uhr 45 Minuten besagt, nach Meldungen aus Glencoe greife» zwei Regimenter Infanterie den Hügel an, auf dem die Artillerie der Boeren postiert ist. Gedeckt von dem Feuer der englischen Artillerie sind sie bis auf 300 Meter an die Anhöhe heraiigekoinmen. Die Aufklärungspatrouillen berichten, daß 9000 Boeren auf Hattingspruit vorrücken. Eine englische Batterie ist ihnen entgegen geschickt worden. London, 20. Oktober. Die Abendblätter veröffentlichen ein Telegramm vom Lager von Glencoe vom heutigen Tage, vormittag 3 Uhr 25 Minuten, wonach die Stellung der Boeren genommen wurde. Der Kampf war erbittert. Fünf Kanonen der Boeren wurde» erbeutet. Frankfurt a. M., 20. Okt.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus London: Den„Central Newcs" wird aus Glencoe vom heutigen Tage telegraphiert: Beim ersten Morgenlichte eröffneten die Boeren daö Feuer. Sie lvarfen Geschosse in die Nähe der englischen Stellungen, zielten aber schlecht. Die englischen Geschütze antworteten sofort. Die Boerenartillerie war der englischen nicht gewachsen. Ein Geschütz nach dem andern wurde zum Schweigen gebracht. Nach einer halben Stunde antwortete kein einziges Geschütz der Boeren den englischen Geschützen mehr. Dann imirden Schützen vorgeschickt und, das Terrain benutzend, unterhielten diese ein heftiges Feuer. Die Boeren erwiderten dasselbe von ihren Stellungen aus. Die englischen Soldaten waren ihnen aber zu zahlreich, und nach einem hartnäckigen Kampfe zogen sich die Boeren zurück. Die englischen Truppen stürmten dann die Hügel hinauf, nahinen die Verschaiizungen der Boeren und 5 ihrer Geschütze. Den größten Anteil am Jnf'anteriegefccht hatten die Dublin-Füsiliere. Sie waren zuerst in den Linicn der Boeren und nahmen die Geschütze. London, 20. Oktober.(W. T. B.) Im Unterhause verlas heute der Parlaincnts-Sekrctär deS Kriegsamts Wyndham folgende auS Ladysmith von heute nachmittag 3 Uhr 30 Minuten datierte Depesche: Glencoe Camp. Wir wurden heute früh bei Tagesanbruch von einer Streitmacht von etwa 4000 Mann angegriffen. Vier oder fünf Geschütze wurden auf einem Hügel postiert; dic- clbcn wnrsen Granaten in unser Lager, richteten jedoch nur wenig Schaden an. Unsere Infanterie formierte sich zum Angriff gegen- über der feindlichen Stellung und ging, nachdem die feindliche Stellung einige Zeit lang beschlossen war, zum Angriff über. Nach heftigem Kampf, der bis IVz Uhr nachmittags dauerte, ivurde die fast nnnehmbare Stellung genommen; der Feind zog sich in östlicher Richtung zurück.(Lauter Beifall.) Unsere Kavallerie und Artillerie ist noch außerhalb. Unsere Verluste sind schwer. General Symons ist ernstlich verwundet. Kämpfe im Westen. London, 20. Oktober. Wie die„Daily NewS" aus Kapstadt vom 13. d. Nk. melden, ist dort daS Gerücht verbreitet, daß, während die Boeren Mafcking angriffen, die zur Verteidigung der Stadt außerhalb derselben gelegten Lyddit-Mineu explodierte». 1500 Boeren sollen hierbei das Leben eingebüßt haben. Der„Standard" meldet aus Ladysmith, die berittenen Schützen des Bezirkes Umvoti, welche sich hauptsächlich auS holländischen Kolonisten rekrutieren, haben gemeutert. Einem Telegramm der„Daily Mail" auS Kapstadt von gestern zufolge berichten Flüchtlinge aus Grahamstown, daß am Montagabend ei» Eiscnbahnzug aus Klerksdorp in Johannesburg mit 300 verwundete» Boeren eingetroffen sei.— Ferner meldet das Blatt, daß die Boeren am Sonntag Vryburg besetzt haben. Kapstadt, 19. Oktober.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Wie zuverlässig gemeldet wird, haben die Boeren die Brücke bei Fonrtcen Strcams zwischen Kimberley und Vryburg und ferner die Brücken über den Modder River südlich von Kimberley in die Lust gesprengt. Ein Volkskrieg. Ein Blatt in Transvaal, die„Staudard and Diggcrs News" („Standarte und Goldgrubcn-Zeitung") schreibt in ihrer Nummer vom 23. September: W e r w i r d kä m p f e n? Wird Lord Salisbury, wird Mr. Chambcrlain, werden die Parlamentsmitglieder und Sir Alfred Milncr kämpfen, die den Krieg heransbefchworcn haben? Nein! Werden ihre Söhne, ihre Brüder, ihre Verwandten in den Krieg ziehen? Nein! Werden die englischen Journa- listen mitkämpfen? Nein! Ganz anders bei unSl Nicht weniger als sieben Söhne unseres Präsidenten (Krüger) und nicht weniger als 50 seiner Enkel werden hinausziehen und mit ihren Flinten ihr Vaterland ver- tcidigen. General Joubcrts Söhne werden ihrem Vater im Kampfe zur Seite stehen. Jan Kock wird mit drei Söhnen in die Schlacht ziehen. Ebenso greifen alle Mitglieder unserer Negierung zu den Waffen, ebenso nehmen alle Mitglieder des Volks- raadS an dem Kriege teil. Auf der ganzen GefcchtSlinie werden die ersten Familien Transvaals neben einfachen Bürgern kämpfen; denn in den Boerenstaatcu entscheiden die Herrschenden nicht allein darüber, ob Krieg sein soll, sie ziehen vielmehr selbst mit in die Schlacht." Das ist der Volks krieg, vor dem der Haagcr Schwindel- Friedenskongreß solch heilige Angst hatte— das ist ein V o l k S- Heer, das den hundertmal mächtigeren Engländern böS zu schaffen machen wird.— Rußland auf der Lauer. Die russische Presse beschäftigt sich eingehend nicht nur mit dem Transvaalkriege an sich, sondern besonders auch nnt der für Rußland in Asien in Bezug auf die Möglichkeit eines Kriegsfalles geschaffenen günstigen Lage. Einflußreiche russische Blätter, wie die„Nowoje Wreinja" und die„Nowosti" bieten alles auf, um gegen England Stimmung zu machen. Die„Birschcwyja Wjedoiuosti", daS russische Handels- und Börsenorgan, weist den Vorschlag englischer Blätter. Persien zu teilen, mit Entrüstung zurück Rußland müsse sich, schreibt das verbreitete Blatt, an dem Vorgehen Deutschlands in Kleinasicn ein Beispiel nehmen, wie es in Persien zu handeln habe. Der Augenblick für einen„engen Zusammenschluß Persicns mit Rußland" sei zur Zeit sehr günstig und zweifellos„verlangen die Interessen der Handels- beziehnngen beider Staaten die Idee eines Zollbundes verwirklicht" zu sehen, der bereits vor 10 Jahren aufgetaucht sei und bis zur Stunde die Einbildung der Engländer schrecke. Ein solcher Bund würde mit dem Bau der persischen Eisenbahnen und mit dem Ent- stehen von Fabriken im nördlichen Persien unvenneidlich werden. Das alles zeigt, wie starke Stimmung in Rußland herrscht, den südafrikanischen Krieg zur Zurückdrängung der englischen Interessen in Pcrsicn auszunutzen. !. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Petersburg, 20. Oktober. Die B! ä t t e r trete» in tr armen Artikeln für Absenkung von Kolonnen deS„Roten KreazeS" nach Transvaal ein. Die deutsche„St. Petersburger Zeitung" meldet. ein entscheidender Beschluß über die Absenkung russischer SanitätS- züge stehe noch heute bevor. Die„Rossija" schreibt, ihr seien Geld- sendungen zur Bildung von russischen Freiwilligen-Abteilnngen zugegangen und sie habe sich deswegen mit dem Gesandten von Transvaal in Brüssel in Verbindung gesetzt. Die gesamte russische Presse tritt auf das wärmste für Transvaal ein. Auch Blätter von der Richtung der„Moskowskija Wjedomosti" befürworten mit diesem Blatte eine gemeinsame Altion.— Petersburg, 20. Oftober.(B. H.) Die Ausrüstung eineS russischen FreiwilligencorpS für Transvaal ist erfolgt; dasselbe wird, in Stärke von 200 Mann, in den ersten Tagen der nächsten Woche nach Südafrika abgehen. G London, 20. Oktober.(W. T. B.) Fünf Transportschiffe mit 5000 Mann an Bord sind heute von Southampton abgegangen. London, 20. Oktober.(W. T. B.) Das Unterhaus bewilligte mit 200 gegen 35 Stimmen die von der Regierung im Nachtrags- etat für die Heeresverwaltung geforderten 35 000 Mann. Socittlv Nerfjkspflegv. Schadensersatzansprüche. Der Ansschachtarbeiter W., der durch Klage beim Ge Werbegericht von dem Fuhrherrn Lucas eine Lohiientschädigung wegen unberechtigter Entlassung verlangte, gab in der Verhandlung vor der Kammer VII zu, daß er sich während der fraglichen 14 Tage nicht nach anderer Arbeit um- gesehen hat. Auf Anraten des Vorsitzenden Dr. Meier ver- glichen sich die Parteien ans 20 M. Dr. Meier führte dann anS: Wer auf Schadensersatz klage, müsse nicht nur behaupten, daß ihm ein Schaden zugefügt worden sei, sondern auch, daß er alles versucht habe, den Schaden abzuwenden und daß trotzdem der Schaden ein- getreten sei. Die rechtswidrige Entlassung genüge an sich noch nicht. den Schadcnscrsatzanspriich zu begründen; der letztere setze voraus, daß der Kläger einzig und allein infolge der Entlassung brotlos gewesen sei. Der Kläger habe dadurch, daß er sich in den vierzehn Tagen nicht um Arbeit bemüht habe, jeden Schadeusersatzauspruch verwirkt. Die freiwillige SonntagSarbeit und K 123 der Gewerl- Ordnung. Der Hausdiener P. von der Firma Jandorf sollie eines Sonntags auf eine Stunde ins Geschäft kommen, weil ein Reisender erwartet wurde. P. war auch rechtzeitig zur Stelle, mußte aber, da sich der Reisende verspätete, vier Stunden warten. In dieser Zeit hatte er nichts zu thuu. Er kneipte deshalb ein bißchen, was schließlich eine bestimmte Wirkung erzielte. P. wurde wegen Trunkenheit entlassen. Er verklagte dann die Firma beim Gewerbcgericht und bc- anspruchte außer 2,50 M. für den halben Sonntag eine Loe.- entschädigung für eine Woche. Der Vertreter der Beklagten wollw freiwillig die 2,50 M. zahlen, erklärte aber die Entlassung für berechtigt. Die Kammer VII sprach jedoch dem Kläger auch die Eulschädigung zu und Gewerberichter Meier führte aus: Der Kläger habe sich allerdings durch das Trinken zur Arbeit unfähig pemacht. Das sei aber in diesem Falle kein Entlassungsgrnnd, weil P. zu der fraglichen Soimtagsarbeit nicht verpflichtet gewesen sei. Gegen die WirtschaftSgenoffenschaft Berliner Hausbesitzer klagte der Nachtwächter S. auf Zahlung von 4,50 M. Der Vertreter der Beklagten bestritt vor dem Gewerbegericht, daß S. noch 1,50 M. Lohn bekomme, und macht weiter geltend, daß ihm die außerdem beanspruchten 3 M. nnt Recht als Strafe abgezogen worden seien. S. habe sich einmal nach Beendigung seines Dienstes nicht, wie vor« geschrieben, auf der Wache in der Lindcnstraße gemeldet und sei auch nicht zum Rapport erschienen, um sich zu rechtfertigen. Wegen der letzteren Unterlassung habe er sich dann erst ans Befragen damit entschuldigt, daß er die Zeit verschlafen hätte. Die Verhandlung ergab, daß der Kläger beim Wachtlokal morgens um V4 5 Uhr eintraf, nachdem der Nachtwachtmeister die Räume kurz vorher verlassen hatte. Der Gerichtshof berechnete nicht 30, sondern 31 Arbeitsnächte, und sprach deshalb dem Kläger die 1,50 M. zu. Ferner verurteilte er die Genossenschaft zurHeraus» gäbe des Strafgeldes. Dr. Meier führte begründend aus: ES sei leicht möglich, daß der Kläger o h n e Verschulden nicht früher auf der Wache sein konnte. Zweitens wäre eS nur menschlich, wenn er dieZeit verschlafen hätte, anstatt rechtzeitig zur Rechtfertigung zu erscheinen. Ihn deshalb mit 3 M. zu bestrafen, wäre ungerecht. Eine„spielnrtige" Thätigkeit. Der mehr als 70 Jahre alte Landwirt Kläsner hatte sein Besitztum seinem Schwiegersohn unter der Bedingung übertragen, daß er für ihn bis an sein Lebensende sorge. Eines'Tages führ der alte Mann mit in? Heu, obwohl er eigentlich nicht mehr recht etwas zu leisten vermochte. Bei der Rückfahrt wurde er vom Wagen geschleudert. Er ver- langte demnächst von der landwirtschaftlichen Berufsgenosscn« schaft. daß sie ihn für die Folgen des Unfalles ent- schädige. Die Berufsgenossenschaft lehnte den Antrag ab. nachdem sie festgestellt hätte, daß der zur fraglichen Zeit 77jährige Kläsner auf sc'incii spcciellen Wunsch mitgenommen worden war. Der Gciloffeiischaftsvorstaiid nahm an. daß K. nicht bei einer Arbeit im landwirtschaftlichen Betriebe des Schwiegersohns ver- »»glückt sei. Das Schiedsgericht erlannte dann im selben Sinne, worauf K. Rekurs einlegte und geltend machte, daß er schon öfter beim Heuen-c. geholfen habe. Soweit er derartige Arbeiten verrichtet habe,' sei er Arbeiter des Schwiegersohnes gewesen. Das Reichs-Bersicherungsamt verwarf jedoch den Rekurs mit folgender Begründung: Der Kläger könne auf keinen Fall als Arbeiter seines Schwiegersohnes angesehen werden. ES bandele sich hier nicht um eine Arbeit, der irgendwie eine Wirt- s ch af t li ch e Bedeutung beigemessen werden könne, sondern um eine s p i e l a r t i g e T h ä t i g k e i t. die der Kläger in sciuenr eigenen Jntcreffe ausführen wollte. Es habe ihm als ehemaligen langjährigen Landwirt Spaß gemacht,„mit dabei zu sein". UvkztV Aaihvichken und Depefchen» Centrmn und Flottenfordernngen. Köln a. Rh., 20. Oktober.(B. H.) Die„Köln. Volkszig." schreibt: Dem Ccntrum sei es unmöglich, einer nenen Flotten- Vorlage, wenn sie auch nur eine Beschleuingmig des Schiffs- baueS empfehle, zuzustimmen. Bei dem vorjährigen Flotten- gesctz sei gleichsam ein Vertrag zwischen der Volks- vertrettmg und der Regierung geschloffen worden, wonach für die nächsten sechs Jahre diese' Frage erledigt sein sollte. Die Regierung habe versprochen, niit weiteren Forderungen nicht zn kommen.' Es wäre eine arge Täuschung des bewiesenen Vertrauens, wenn jetzt eine Beschleunigung oder Vergrößerung der beschlossenen Flotte beantragt werden sollte. Wien, 20. Oktober.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. Der Rumäne Lupul wird mit 139 Stimmen zum zweiten Vicepräfidcnten. gewählt. Die ganze deutsche Linke enthält sich der Wahl. Erb beantragt, alle Notstandsanträge dem NoistandauSschusse zu- zuweise», v. Jaworsik beantragt die Dringlichkeit der Notstands- Vorlage und deren Zuweisung an den Notstandsausschuß. Die Dringlichkeit wird anerkannt, und die Anträge werden einstimmig dem Notstaudsausschusse überwiesen. Wien» 20. Oktober.(W. T. B.) Der frühere Militärattachü bei der östrcichisch- ungarischen Borschaft in Paris, Oberst Schneider, dessen Name beim Dreyfns-Prozcß viel genannt wurde, ist gestorben. Trieft, 20. Oktober.(B. H.) Bei den Demolienuigsarbeiten im Statthalterci-Palais stürzte die Decke ein, wobei zwei Personen tödlich verletzt wurden. Verlag von Max Babing in Berlin, Hierzu 2 Beilagen. It. 247. 16. rnnm. 1. Keilllge des„Wmillts" Kttlim UcksdlÄ s°«»°de»d. 21. mmtt 18SS. Erklärung. es Die Angriffe, welche meine Schrift„Die Voraussetzungen des SocialiSmus" und die mit ihr verbundenen Aufsätze auf dem Partei- tag zu Hauuovcr erfahren haben, insbesondere die auf sie bezüg- lichen Ausführnugeil Bebels in dessen Referat und Schlutzlvort machen es mir zur Pflicht, nunmehr meine Erwiderung bekannt zu geben, und angesichts der'Thatsache, daß ich aus bekanuteu Gründen nicht in Hannover selbst antworte» konnte, tvürde mir auch sicher der Raum des Partei-Organs für diesen Zweck zur Verfügung stehen.*) Es ist aber von einer Anzahl hervorragender Parteigenossen— so- ivohl von solchen, die meinen Anschauungen nahestehen, als auch von solchen, die sie als falsch bekämpfen— der Wunsch geändert worden, ich möchte auf dies mir zustehende Recht verzichten. Dies lediglich aus dem Gmnde, weil eine solche Antlvort leicht selb,. wieder neue Erividerungen nach sich ziehen und so die Debatte sich ins Endlose fortspinnen könne, während in weiten Kreisen der Partei daS Bedürfnis vorherrsche. nundestcns für eine ge� wisse Zeit die Streitaxt zu begraben. Man wird begreifen, daß trotz der trefflichen Ausführungen, die von einer ganzen Reihe von Genossen in Haimover zu Gunsten meiner Anschauungen ins Feld geführt wurden, und der aus- gezeichneten Begründung derselben durch Genossen Dr. David— es mir nicht leicht wird, dem Wunsch, so versländlich ich ihn finde, Folge zu geben. Dennoch habe ich mich nach reiflicher Ueberlegung dazu entschlossen. Fragen, wie die von mir aufgeworfenen, werden ja nicht in einem Tage entschieden. Und das Einslcllen ihrer polemischen Erörterung schliefst ja nicht den ruhigen Fortgang der sachlichen Untersuchung ihrer Voraussetzungen aus. Und so begnüge ich mich für jetzt mit folgender Erklärung: 1. Ich stehe nach wie vor in allen wesentlichen Punkten zu den in nieiner Schrift niedergelegten Aeutzerungen. Die gegen sie ge> richteten Angriffe beruhen meines Erachtcns teils auf falscher Auf fassung einzelner Sätze meiner Schrift, teils auf irriger Beurteilung der in Frage kommenden wirtschaftlichen und socialen Erscheinungen. 2. Es ist insbesondere ein Irrtum, daff ich die Partei zu einer Acndcrung ihres Namens habe veranlassen wollen. Liest man den Satz, der so aufgefasst wurde, im Zusammenhang mit den ihm folgenden Sätzen(®. 165/66), so wird man finden, daß eS sich nicht um den Namen der Partei handelt, auch nicht um den Charakter ihrer Bestrebungen als revolutionäre im geschichtlichen Smne des Wortes— wie hätte ich sonst dort von einer socialistischen Umgestaltung der Gesellschaft sprechen können?— sondern lediglich »m die Frage der Mittel und Wege. Nachdem in der Polemik, die der Abfassung meines Buches vorangegangen war, von einige» Seiten Aeußernnge» gefallen waren, die so lauteten, als ob die Ziele der Partei lediglich durch Anwendung revolutionärer Gewaltmittel er- reicht werden könnten, hielt ich es für angemessen, um so energischer jeden blanquistischen Gewaltkultus von der Partei abzuweisen. DaS thne ich auch heute noch, und in seiner Art hat das Bebel in seinem Schlnszivort ebenfalls gethan. 8. Es steht deshalb keineswegs in Widerspruch mit dem Geiste meiner Schrift und geschah mit keinem unzulässigen Vorbehalt, wenn ich mich in einem Brief an Auer dahin äußerte, daß ich die von Bebel beantragte� Resolution acceptieren könne. Die Resolution ver bietet niemand, in Bezug auf die Möglichkeiten und den verinut lichen Gang der Bewegung anders zu urteilen, Ivie Bebel. Sonst aber spricht sie principicll nichts anderes ans, als eine Reihe von Thesen, in denen ich im Juni dieses JahrcS im hiesigen Kam mnnistlschen Arbciter-Bildungsvcrein nach einem Vortrag über fflfiff Buch dessen programmatischen Inhalt zusammenfaßte �lese Thesen wurden damals protokolliert und können noch heute eingesehen werden. So sehr ich mich dagegen auflehnen Ivürde mir irgend ein Bekenntnis, und entspräche es noch so sehr meiner Ueberzengung, abnötigen zu lassen, so wenig kann mich der einer Nötigung etwas nahekommende Ton des Bebeischen Schlußivortcs dazu veranlassen, heute zurückzunehmen, was ich vor vier Monaten in absolut freier Entscheidung vertreten habe. 4. Nachdem mir in bündigster Weise erklärt worden ist, daß es Bebel absolut ferngelegen hat, meine Ueberzeugungstreue an- znzweifeln. verzichte ich ferner darauf, auf den mehr persönlichen Teil seiner Rede einzugehen. � Die Anschauung, daß zwischen meiner Schrift und meinen Erklärungen principielle Wideriprnche bestehen. kann ich ihm ebenso wenig verwehren, wie er mir das Recht ver- wehren kann, diese Anschauung für das Produkt einer gewissen Be- fangenheit zu erklären. Ich kann diejenigen, die an dicier Erklärung lebhafteres Interesse nehmen, nur ersuchen, den Bcbclschen Aus- fiihrnngen die betreffenden Stellen meiner Schrift gegenüberzustellen, und ich bin überzeugt, daß sie, welches auch sonst ihr Urteil, mir zustimmen werden, daß dieselben fast durchgängig von irrigen Vor- aussetznngen ausgehen. 6. Im übrigen kann ich nur die Worte aus dem Vorwort meiner Schrift wiederholen, daß ich weder so naiv bin, sofortige Bekehrung derer zu erwarten, die meinen vorhergegangenen Aufsätzen opponierten, noch so thöricht, von denen, die mir principiell zu- ftimnien, auch Unterschreibung aller meiner Sätze zu erwarten. Daß die thatsächliche Entwicklung mir in den wesentlichen Punkten recht geben wird, ist meine feste Ueberzengung. Wie man weiß, waren es hauptsächlich Kautsky und Victor Adler, die mich zur Abfassung nieiner Schrift bewogen. Ich glaube nicht indiskret zu handeln, wenn ich beim jetzigen Abschluß der Polemik zwei Stellen aus Briefen von ihnen reproduziere, die vor Beginn der Kontroverse geschrieben wurden. Sie mögen gewissen. von anderer Seite gegen mich ausgestreuten Insinuationen be- gegnen: Unterm 22. Dezember v. I. schrieb mir KautSkh, dem ich die Aushängebogen meiner Schrift zugehen ließ:„... Ich kenne sie ldie Schrift) erst bis zum Kapitel über die Krisentheorie; dieses ae- fällt mir am besten. Dietz nennt sie eine Streitschrift und mit Recht, aber das ist nicht, was ich an ihr auszusetzen finde. D» drückst Dich allerdings mitunter sehr drastisch aus. aber kein Vernünftiger wird Dir daraus einen Vorwurf machen. Von Mangel an Pietät kann dabei nicht gesprochen werden. Meine Bedenken treffen nicht das Wie, sondern das Was.. Und Victor Adler schrieb mir unterm 17. März d. I. nach Einsicht in die inzwischen fertig gestellte Schrift: .... Eines aber erkläre ich Dir vor allem andern offen: Nach meiner Meinung hast Du Dich, auch wo ich am meisten von Dir abweiche, nicht und nirgends svon Adler selber unterstrichen) außerhalb der Socialdemokratie gestellt; Du re- präsentierst... eine Richtung innerhalb(von Adler doppelt unterstrichen) der Partei, eine existierende und wohl nie ganz a»S- zurottende Tendenz, deren vornehmster Ideologe Du— leider— geworden bist..." Damit überlasse ich alles Weitere der Sprache der Thatsachen und der weiteren Entwicklung der Partei, für die zu wirken nach wie vor meine Aufgabe sein wird. London, 17. Oktober 1899. Eduard Bernstein. Nach vorstehender Erklärung Bernsteins wird die Redaktion des „Vorwärts", in Uebereinstinimung mit dem Parteivorstand und den Zunächstbetciligten diese Polemik, soweit das Centralorgan in Frage kommt, schließen. Red. d..Vorwärts". *) DaS wäre uns selbstverständlich Pflicht gewesen. R. d.„V." Aus ver �vuurnvomrgnug. I» Zürich haben sich der Frauen-Bildungsverein und der Arbeiterinnenverein zu einer Organisation verschmolzen. Die italienischen Arbeiterinnen finden wegen ihrer„Billig- kcit" immer ausgedehntere Verwendung in der Schweiz, namentlich in der Textil-, Bekleidungs-, Metall- und Nahrnngsmittel-Jndustrie (Konservenfabriken). Nach dem Masienimport der Italiener die Masseninvasion der Italienerinnen, was sich mit dem„Prozent- Patriotismus" der Kapitalisten offenbar recht gut verträgt. Den schweizerischen Arbeitern aber droht von den billigen und bedürfnis losen Italienern eine empfindliche Herabdrückung ihrer Erwerbs Verhältnisse und ihrer Lebenshaltung. einer allgemeinen _... kam die Frage zur Sprache, ob Beschränkungen der Rechte weiblicher Aerzte bei der Besetzung ärztlicher Aemter nötig sind. Nach längerer Besprechung kam nian zu dem Resultat, daß die weiblichen Aerzte dasselbe Recht wie die männlichen zum Ansuchen und Erhalten aller ärztlichen Dienste und Aemter außer dem der Militärärzte, sowie auch zu allen mit denselben verbundenen Gagen, Pensionen usw. erhalten sollten.— Die deutschen Aerzte könnten sich ein Beispiel an ihren finnischen Kollegen nehmen. Die erste Konferenz der Arbeiterinnen Westböhmens wird Sonntag, den 5. November in Falkenau an der Eger abgehalten werden. Als Tagesordnung ist festgesetzt: Die Aerziinuenfrage in Finnland. In ein Zusammenkunft des Vereins der Aerzte in Finnland 1. 5. Organisation, Agitation, Taktik und Stand der Arbeiterinnen in Westböhmen, a) Bericht des Parteitages. Referentin: Sofie Jobst. „Arbeiterinnen-Zeitung". Referentin: Elisabeth Blechschmidt. Werkstätten- und Fabriksorganisation. Referentin: Johanna Höll. Die Partei-Organisation und die Arbeiterinnen. Referent: Georg Klier aus Theussau. Antrage zu jedem Punkt. Ucbcr die Lage der Wäschcnäherinne» i» RiemeS in Nord- böhmcn macht die österreichische„Arbeiterinnen-Zeitung" einige Mit- tcilungcn. In dieser Stadt werden ungefähr 200 Näherinnen mit Hcmdeuuähcn beschäftigt. In der einen Fabrik müssen die Mädchen acht Wochen lernen und müssen täglich unentgeltlich acht Hemden verfertigen. Der Fabrikant beniitzt die Lehrmädchen auch als Dienst- boten und läßt von ihnen alle häuslichen Arbeiten verrichten. Wenn im Hause Wäsche gewaschen wird, müssen die Lehr- niüdchcn zur Abwechslung zum Waschtrog. Hierfür sind sie aber durchaus nicht der Verpflichtung enthoben. die acht Hemden zu machen, sie müssen das Versäunite einfach nach- holen, da sie am Sonnabend die bestimmte Anzahl Hemden fertig haben müssen. Ist die Lehrzeit vorüber, so bekommt die ausgelernte Arbeiterin die Kost und 4 fl. pro Monat! Die Näherinnen, welche zu Hause arbeiten, erhalten für ein ganzes Hemd zu nähen 7 kr., für ein kleines 4 kr., für eine Unterhose 8—4 kr. Die Extrakragen müssen sie umsonst machen. Für Knopflöcher und Knöpfe wird 1 kr. pro Hemd gezahlt. Werde» die Knopflöcher mit der Maschine genäht, so müssen 25 für einen Kreuzer gemacht werden. Knöpfe und Zwirn müssen die Näherinnen selbst beistellen; den Kauf dürfen sie aber nicht etiva besorgen wo sie wollen, sondern sie müssen die Waren ebenso wie Lebensmittel vom Fabrikanten entnehmen. Viommunckles. Die Gesamtkostc» der städtischen Brcnnuiatcrialicn- Verwaltung betrugen im Verwaltungsjahre 1898/99 1 177 747,03 M. (gegen 1 142 924,12 M. im Vorjahre). Davon entfielen auf die Kosten für die Materialien 1 020 592.85 M., aus die Betricbs-Verwaltungs- und Nebenkosten 157 154,18 M. An die städtischen Anstalten wurden von der Brennniaterialien-Verwaltung geliefert: 5627'/s Kubikmeter Brennholz, 80 100 Stück Kohlenanzünder, 176 946 Centner Klein- Steinkohle, 83 063 Centner Stücksteinkohle, 438 536 Centner Stück- förderkohle, 295 465 Centner Nußkohle, 119 207 Centner Braunkohle und 10 096 Centner Preßkohle. Uolmles. Achtung, 6. Wahlkreis! Genossen und Genossinnen, welche bei der am Sonntag stattfindenden Verbreitung der Flugblätter helfen wollen, werden ersucht, am Sonntag früh 7Vl Uhr sich in olgenden Lokalen einzufinden: 33. Bezirk: Schmidt, Treskow- und Diedenhofenerstraße�Ecke. 33. Bezirk: Fickinger, Usedomstraße 22. 40., 46. und 47. Bezirk: Krause, Müllerstraße 7a. 43., 44. und 45. Bezirk: Joh. Pfarr, Putlitzstraße 10. 48. Bezirk: W. Brinkmann, Prinzen-Allee 21. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Das Central-Wahllomitee. Gicbt es noch Armenschulen in Berlin? „Armenschulen"—? I Aber die sind bei uns doch längst ob g esch a fftl Dafür haben wir doch jetzt unsere vortreffliche G e m e i n d e s ch u l e, die sich im Laufe der Jahre immermehr zur „allgemeinen Volksschule" ausgebildet hat I Ach ja l Die liebe Berliner Gemeindeschule! Sie heißt nicht mehr„Armenschule", aber sie ist doch immer nur so etwas wie eine „Armenschule" g e b l i e b e n. Sie wird immer noch fast nur von den Kindern der Unbemittelten besucht, wie rüher die Armenschule, und sie ist a u ch i n B e z u g a u f S ch u l« räumlichkeiten, Frequenzverhältnisse usw. immer noch so karg ausge stattet, daß sie einen unwillkürlich an die ehemalige Armenschule erinnert, aus der sie hervorgegangen ist. Am 1. Mai 1894 wurde eine Zählung der Gemeinde- Schulkinder Berlins nach dem Berufe der Eltern vorgenommen. In dem magistratlichen„Bericht über die Gemeinde- Verwaltung der Stadt Berlin in den Jahren 1889—1895" wird in dem Abschnitt über das Gemeindeschulwesen an diese Zählung er« innert. Unter 182 347 damals die Gemeindeschule besuchenden Kindern waren 58 448 von Lohn- und Fabrikarbeitern, 49 917 von Handwerksgehilfen, 44 155 von selbständigenHandwerkern, Gastwirten-c., 8 014 von Untcrbeamtcn. 6325 von Kaufleuten. 1123 von Fabri- kanten. 858 von Bautechnikern und Ingenieuren, 762 von Lehrern. 521 von Rentnern, 443 von höheren Beamten. 336 von Militärs niederen Grades. 289 von Aerzten, Apothekern, Geist- lichen usw.. 80 von Offizieren und Militärbeamten, 76 von Eltern mit unbestimmtem Beruf. Schade, daß nicht auch über die höheren Schulen oder ivenigstens über die Klassen der 8 ersten Schuljahre eine gleiche Statistik vorliegt I Man würde überrascht sein, wie wenig es »trifft, daß die Gemeindeschule eine allgemeine Äolksschule sei. Daß diese früher so oft gehörte Behauptung chon durch die oben mitgeteilten Zahlen widerlegt wird, das scheint auch der Verfasser des das Gemeindeschulwesen behandelnden Kapitels in dem Berichte gefühlt zu haben; denn die Redensart von der„allgemeinen Volksschule" haben wir diesmal nicht darin gefunden. Dafür wird aber diesmal stärker alS sonst ans eine Erscheinung hingewiesen, die immer deutlicher in Berlin hervortritt, nämlich auf den Zug der unbemittelten Bevölkerugg nach den Außenbezirken und die Entstehung von Stadt- ierteln, die fast nur von Arbeitern bewohnt sind. In dem Bericht wird die Befürchtung ausgesprochen, daß die immer schärfere örtliche Gruppierung der verschiedenen Gesellschafts- schichten sich auch in den G e m e i n d e s ch u l e n bemerk« bar machen werde, sodaß dann die einzelnen Ge« meindeschulen einen bestimmten Charakter an. nehmen würden. Zum Teil ist das heute schon so. Schon 1894 ergab sich, daß zum Beispiel unter den Kindern der 16. Schule in der Mohrcnstraße noch nicht 8 Proz., dagegen unter denen der 175. Schule in der Puttbnserstraße fast 61 Proz. von Fabrikarbeitern waren.„Man wird ans diesen Verschiedenheiten den Schluß ziehen." sagt der Bericht,„daß unter Festhaltung gelvisser allgemeiner Normen der Individualität der einzelnen Schule ein Spielraum gewährt werden muß, sodaß für gewisse Unterrichtszweige die Änschaunng bezw. die Stoffwahl, für alle aber das Lehrziel der obersten Klasse den Verhältnissen angepaßt werden kann." Wir könnten aus diesen Verschiedenheiten noch einen anderen Schluß ziehen, wenn wir uns einmal den Standpunkt zu eigen machen wollten, von dem ans der F r e i s i n n das Berliner Gemeinde- schulwesen zu betrachten und zu behandeln pflegt. Wir sagten ohen, die Gemeindeschule erinnere auch deshalb immer noch an die ehemalige Armenschule, weil sie in gelvisser Hinsicht schlechter ausge stattet ist als die höheren Schulen. Auf diese Klage wird von freisinniger Seite in der Regel erwidert: Ihr zahlt ja kein Schulgeld für eure die Gemeinde" schule besuchenden Kinder, und ihr zahlt auch viel weniger Steuern als die Wohlhaben den!— Wenn eS wahr wäre, daß in den Gemeindeschulen auch zahlreiche Kinder von Wohlhabenden und in den höheren Schulen auch zahlreiche Kinder von Unbemittelten sitzen, dann läge ja da— nach freisinniger Logik— eine s ch r e i e n d e U ii g er e ch t i g k ei t vor. Dann be" kämen ja die Kinder der Wohlhäbenden in den Gemeindeschulen zu wenig und die der Unbemittelten in den höheren Schulen zu viel geschenkt; denn ein„Geschenk" bekonimt man hier wie dort— vom Standpunkt des Freisinns aus sollten wir eigentlich sagen es wird einem hier wie dort ein„beschämendes Almosen" aufgedrängt — und zivar auf den höheren Schulen sogar ein 2 bis 3 mal so großes, wie auf den Gemeindeschulen. Die Vertreter des Freisinns wissen aber sehr wohl, daß weder die Gemeindeschulen noch die höhere» Schulen etwas von einer„all- gemeinen Volksschule" haben, von Schulen, die jeder besuchen muß bezw, jeder besuchen darf. Sie dürfen daher getrost den Eltern der Gcineindcschulkinder— nicht dem Wortlaut, aber dem Sinne nach— zurufen: Ihr seid arm, folglich müßt ihr euch mit einer Schule für Arnie begnügen! Die Eltern der Gemeindeschulkinder sind wirklich meist unbemittelt und arm. AuS der oben besprochenen Verschiedenhrit der Bevölkerung in den einzelnen Stadtteilen und der Kinder in den einzelnen Ge- nicindeschulcn müßte freisinnige Logik dann aber auch den Schluß ziehen, daß sogar innerhalb d e S G e m e i n d e s ch u l w e s e n 3 selber noch Unterschiede zu machen seien, nicht bloß in Stoffwahl und Lehrziel, wie es in dem Bericht heißt, sondern auch in Bezug auf F r e q n e n z v e rh ä l t n i s s e usw. Ist das nicht eine Forderung freisinniger, nur auf die Steuerlisten sehender„Ge- rechtigkeit"? Im Grunde genommen ist ja auch das schon erreicht. Wenn man sich in den Außenbezirken die vielen Miels- s ch u l e n u n d fliegenden Klassen ansieht, und wenn man bedenkt, wie wenig zur Abhilfe dieser Mißstände geschieht, dann möchte man fast annehmen, daß heute schon nach dem Grundsatze verfahren wird: Ach, für euch arni selige Steuerzahler dadraiitzenistdasgutgenugl „Fiir euch ist das gut genug, für euch ist daS sogar noch viel z u gut!" Das ist in der That das Leitmotiv, das leider oft aus den Reden und Handlungen unserer städtischen Behörden heraus- klingt, sobald es sich um Forderungen im Interesse der un bemittelten Bevölkerung handelt. Wenn es aber ans Wählen geht, dann pflegen die' Vertreter solcher Grundsätze auch den armseligsten Steuerzahler für„gut genug" dazu zu halten, daß sie um seine Stimme betteln,— wobei sie jedoch oft die bittere Erfahrung machen müssen, daß die armseligen Steuerzahler sich für „zu gut" halten, um ihnen ihre Stimme zu geben. Professor Virchow gehört der Stadtverordncten-Versammlung heute 40 Jahre an. Aus diesem Anlaß hat die kommunale Körperschaft dem berühmten Ge- lehrten eine Adresse überreichen lassen, in der die Verdienste des Jubilars um die Reichshauptstadt hervorgehoben werden, lind diese sind gewiß nicht gering anzuschlagen, denn manche Verbesserung auf deni Gebiete kommunaler Hygiene mag namentlich in früheren Jahren seiner Anregung zu danken gewesen sein. Trat Virchow doch schon zu Beginn seiner Gelehrtenlaufbahn mit einer damals kaum erhörten Energie als Reformator auf. Noch heute haben die An» sichten, die er vor mehr als 50 Jahren in seiner Denkschrift über die Typhus-Epidcmie in Oberschlesieu verkündete, bleibenden Wert; und wir glauben, den Jubilar nicht besser ehren zu können, als indem wir eine Stelle aus dieser Denkschrift wiedergeben: „Preußen war stolz auf seine Gesetze und seine Beamten. In der That, was stand nicht alles gesetzlich fest! Nach dem Gesetz durfte der Proletarier die Mittel fordern, die ihn vor dem Hunger- tode sicherten; das Gesetz garantierte ihm Arbeit, damit er sich jene Mittel selbst erwerben könne; die Schulen, die so gepriesenen preußischen Schulen, waren da, um ihm die Bildung zu ge- währen, welche für seinen Stand notwendig war; die Sanitäts- Polizei endlich hatte die schöne Bestimmung,' über seine Wohnung, seine Lebensart zu wachen. Und welches Heer wohlgeschulter Be- amten stand bereit, diesen Gesetzen Ausdruck zu verschaffen! Wie drängte sich diese? Heer überall in die privaten Verhältnisse ein, wie überwachte es die geheimsten Beziehungen der„Untertanen", um ihr geistiges und materielles Wohlsein vor einer zu großen Steigerung zii bewahren, wie eifrig bevormundete es jede vor- eilige und ungestüme Regung des beschränkten Unterthanen" Verstandes! Das Gesetz war da, die Beamten waren da, und das Volk— starb zu Tausenden Hungers und an Seuchen. Das Gesetz half nichts, denn es war nur beschriebenes Papier; die Beamten halfen nichts, den» das Resultat ihrer Thätigkeit war wiederum nur beschriebenes Papier. Der ganze Staat war wiederum nur beschriebenes Papier. Der ganze Staat war allmählich ein papicrner, ein großes Kartenhaus geworden, und als das Volk daran rührte, fielen die Karten in buntem Gewirr durcheinander. Mit einiger Modifikation kann man diese Darstellung für eine Satire auf die— heutigen Zustände halten. Heute findet sich aller- dings unter den Parteigenossen Virchows kaum jemand, der so rücksichtslos die Wunden am socialen Körper aufdeckte, wie er eS damals gethan hat._ Unternehmerschntz. Während deS gegenwärtigen Streiks der Metallarbeiter entfaltet die Polizei wieder eiiie lebhafte Thätigkeit. Zwar sind noch keinerlei Ausschreitungen der Streikenden vorgekommen und es werden solche, dank der' vorzüglichen Organisation der Berliner Metall- arbeiter, auch ferner nicht zu verzeichnen seilt, so daß also gar nicht ersichtlich ist, lvas eigentlich die vielbeschäftigte Polizei veranlassen könnte, einen Teil ihrer Beamten für die ständige lleberwachung der vom Streik betroffenen Fabriken zur Ver- fllgung zu stellen. Um die weitgehende Fürsorge, welche die Polizei für die nicht im mindesten bedrohte Sicherheit von Fabrikanten und Arbeitswilligen an den Tag legt, zu zeigen, führen wir von zahlreichen derartigen Fällen nur folgenden an: Die Arbeiter der Knollschen Fabrik, Linienstraße 155, haben in der vorigen Woche die Arbeit niedergelegt. Am vergangenen Sonnabend sollte ihnen dcr Loh», auf den sie noch Anspruch hatten, ausgezahlt werden. slch nun nm Sonnabend zu der bestimmten Zeit fünf der Streikenden dein Felbrikeingang näherten, sahen sie in dem Thorlveq des gegenüberliegenden Hanfes zwei Schutzleute stehen, die, als sie die Arbeiter kommen sahen, vorausschritten bis in das Comptoir des Fabrikanten Knoll. H i e r p o st i c r t e sich an jeder Seite des Pultes, an dem Herr Knoll mit seinem Buchhalter saß. einer dcr beiden Beamten. Inzwischen waren auch die übrigen Streikenden gekonimen. Sie erhielten zwar nicht den rückständigen Lohn, aber der Buchhalter händigte ihnen ihre Papiere aus. und jeder, der dieselben er- halten hatte, wurde von den Schutzleuten veranlaßt, das Comptoir zu verlassen.— Wenn es sick, um die Kontrolle der Durchführung von im Interesse der Arbeiter erlassenen Schutz- Vorschriften handelt, dann beklagen sich die Unternehmer be- kanntlich iiber die p o 1 i z e i I i ch e n Eingriffe in die geheiligten Rechte des AuSbentertuniS. Aber dieselben Unternehmer verschmähen es nicht, im Verkehr niit durchaus aiistäiidigen, nur ihr gutes Recht ausübenden Arbeitern. ohne jede Veranlassung sich „im eigenen Hause" unter die O b h n t der Polizei z u st e l l e n. So ernst nimmt die Polizei ihre Aufgabe, daß es scheint, als ob sie es an Bereitwilligkeit gegenüber anderen Leuten dabei fehlen läßt, wie folgender Vorfall zeigt: Vor der Knollschen Fabrik steht, solange dcr Streik wahrt, ein Schntzmannsposten. Zu diesem Beamten kam am Dienstag eine Frauensperson, welche in einem benachbarten, nicht in gutem Rufe stehenden Lokal geschlagen worden war, und ersuchte den Schutzmann um Feststellung der Persönlichkeit des Schlägers. Der Schutzmann aber wies die Betreffende mit der Bc- n, erknng ab, er habe keine Zeit, ihr zn folgen, denn er habe vor der Fabrik, von der er sich nicht entfernen könne, etwas anderes zu thun. Dcr Winterfahrplan der Großen Berliner Straßenbahn, welcher von, 1. November d. I. in Kraft treten soll, ist dcr städtischen Verkehrs deputation zur Genehmigung vorgelegt worden. Nach den Angaben der Straßenbahn-Gesellschaft haben die täglichen Beobachtungen und genauesten Zählungen ergeben, daß die Bc- fetzung der Wagen durchaiis nicht innner den Aufwendungen cnt- spricht uiid zn vielen Bctriebsstundcn die Platznachfrage hinter dem Platzangebot um S0 Proz. zurückbleibt, weshalb die Gesellschaft, um solchen außerordeiitlichen Vcrkchrsschivanknngcii wirksam entgegen treten zu können, gleich� dcr Neuen Berliner Straßen- bahn- Gesellschaft. einen variabel n Fahrplan für die einzelnen Linien vorgesehen hat. Es soll dem- gemäß zu den Hauptverkehrszeiten zur leichteren Bewältigung des Verkehrs eine dichtere Wagenfolge stattfinden, während zu den vcrkehrsschivächercn Stunden die Fahrabstände vergrößert werden Die letztere Maßregel bietet die Vorteile, daß eine ivesentliche Ent- lastung der Vcrkehrsstraßen, außerdem eine bedentende Ersparnis an Betriebspersonal stattfindet, dem nicht wie bisher 6 Stunde» Rachtruhe, sondern eine solche von 8 Stunden gewährt werden kann. Soweit die hier angedeutete Fürsorge für das Personal in Betracht kommt, wird die Vcrkehrsdepntation sich die Neuerung sehr genau anzusehen haben. Hundertjahrfeier der technischen Hochschule. An, Freitag fand in dcr großen Halle der technischen Hochschule eine Festsitzung statt, welcher der Empfang zahlreicher Abordnungen vorherging, voii denen Glückwünsche und Adressen übcrbracht wurden. Von diesen heben wir die Stadt Berlin hervor, in deren Namen der Bürger- meistcr Kirschner eine Sliftnngsnrkunde über eine Stiftung von 100 000 M. übergab; dieselbe soll Technikern, welche ihre Studien auf der Hochschule absolviert haben, eine weitere Ausbildung, zu der in erster Reihe größere Reisen notlvendig sind, ermöglichen. Die einzelnen Stipendien aus dieser Stiftung sollen daher mindestens 1S00 M. betragen. Auch die Stadt Charlottcnburg erhöhte den Stipendienfonds von SO 000 M., den sie vor IS Jahren bei dcr Einweihung des jetzigen Gebäudes dcr Hochschule auf Charlottenburger Gebiet gestiftet hat, auf SO 000 M. Das großartigste Geschenk machte die deutsche Industrie. Zahl reiche Firmen aus Industrie und Handel, solvie Reedereien und Banken Habensich zur Begründung einer I u b i l ä um s st i f t n n g der deutschen Industrie zur Förderung der technischen Wissenschaften zusammengethan und bis heute— die Sammlungen werden erst im nächsten Jahre abgeschlossen— ein Stiftungskapital von ein u n d e i n e h a l b e M i l l i o n M a r k zusammengebracht. Die Zinsen, und bei besonders wichtigen Aufgaben auch das Kapital, sollen dazu dienen, die technische Wissenschaft und die Ausbildung ihrer Vertreter, der Ingenieure, zu fördern. Die zahlreichen Glückwünsche von Universitäten, Hochschulen aller Art, wissenschaftlichen, gewerblichen und technischen Vereinen über- gehen wir; bemerkenswert erscheint, daß die deutsche Landwirtschaft lediglich durch die landlvirtsöbaftliche Hochschule vertreten war. Die beruflichen Vereine der Landwirte dagegen schienen zu glauben, daß sie der Techniker entraten könnten und keine Berührung mit der technischen Hochschule hätten. Von den Vorträgen erwähnen wir besonders den von Professor Kanimerer: Ueber denZnsamrnenhang der Maschinen- t e ch n i k mit Wissenschaft und Leben, und den von Prof. Witt, der die Feier abschloß: Entwicklung der Chemie als technische Wissenschaft, worin ziiletzt auf die Aufgaben der Chemie im kommenden Jahrhundert hingewiesen wurde. Im allgenieinen muß der Verlauf dcr Festsitzung als ein schöner und würdiger bezeichnet werden; der sogenannte Patriotismus, dcr in byzantinischer Verherrlichung des Herrschergeschlechts besteht und dcr mit solchen offiziellen Feiern bei u»S leider innig verquickt ist, trat nicht in aufdringlicher Weise hervor. Dem alljährlich auftretenden Platzmangel in den Berliner Krankenhäusern soll durch Errichtung von Notstationen ab- geholfen werden. Zu diesem Zweck Ivird beabsichtigt, in den ver- schi ebensten Stadtgegenden eine Anzahl Häuser zu mieten, die als Krankenstationen eingerichtet, so lange in Beuntzung bleiben sollen, bis durch Fertigstellung der großen Anstalt in der Scestraße und den Umbau der Charit- dem Mangel abgeholfen ist. Dcr Neubau des Krankenhauses in der Seestraße schreitet rüstig vorwärts. Berliner Nimrode. Berlin stellt eine stattliche Zahl von Jägern. An Gebühren für Jagdscheine sind hier im Jahre 1897/98 eingegangen 3S 345 M. und da der Jagdschein IS M. kostet, so er- giebt sich, daß 2350 Berliner dem edlen Waidwerk obliegen. Leider mangelt eS an einer Statistik, wie viele sich ihr Wild fri'edsam beim Wildhändlcr erjagen. Zur Versorgung dcS Südostens von Berlin mit elektrischem Licht ivird noch mitgeteilt, daß in folgenden Straßen die Verlegung von Lichtkabeln beabsichtigt wird:„Naunynstraße, Manteuffcl-, Adalbert-, Köpnickerstraße, Engelufer. Michaelkirchplatz, Dresdener- straßc, Lnisenufer und Prinzenstraße. Vom Magistrat ist den Berliner ElcktricitätSwerken die Genehmigung hierzu im Princip bereits er- teilt und zwar für alle Straßen, die das Gebiet umfassen zwischen dem Luisenstädtischen Kanal, der Spree, der Falkenstein-, Schlesischen-, Stalitzerstraße, dem Spreewaldplatz, der Grünauerstraße und dem Landwehrkanal. Die Preiserhöhung für Schuhwaren ist beschlossene tEhatsache, von dcr sämtliche Schuhhändlcr durch ein Cirkular des Verbandes der deutschen Schuh- und Schäftefabrikanten verständigt worden sind. 'Die Preiserhöhung wird begründet niit einem Hinweis auf die Preissteigerung der rohen Häute und Felle. Die Kundschaft wird sich wohl oder übel darauf einrichten müssen. Nur darf sie, soweit sie aus Arbeitern besteht, sich nicht getrauen, angesichts der Teuerung für Nahrungsmitlei und Kleidung an Lohnerhöhung zn denken. Denn dann singt das gesamte Unternehmertum im patriotischen Chorus sein ZuchthaaiSlied und sucht Polizei und Landgendarnien gegen die Begehrlichkeit mobil zu machen. Die Schwimmhalle dcr städtischen Volks-Badeanstalten an der Schillingsbrücke bleibt vom Montag, den 23., bis Dienstag, denk 31. Oktober d. I., wegen baulicher Arbeiten gänzlich geschlossen. Vom 1. November d. I. ab bis auf weiterrs(zwei bis drei Wochen) ist die Schwimmhalle an den Werktagen nur nachinittags von 4 Uhr ab und zwar Montags für weibliche, an den anderen Werktagen für männliche Personen. Sonntags dagegen wie bisher vormittags von 7— 121/8 für männliche Personen geöffnet. Wie schutzlos im Staate der Socialreform ein Dienst- Mädchen dasteht, lehrt folgender Fall. Bei dem Bäckermeister H. im Norden der Stadt war die Tochter eines Parteigenossen, Ottilie E., in� Dienst. Das Dienstverhältnis war zum 1. Oktober auf- gekündigt worden und nun begann ein unleidliches Verhältnis zwischen Frau und Dienstmädchen. Durch irgend einen Umstand zog sich die E. bei ihrer Arbeit eine Verletzung an der linken Hand zu. Das Mädchen wollte wegen dieses Unfalls, der bösartig zu ver- laufen schien, zum Arzt gehen, wurde aber gezwungen/ weiter>zu arbeiten und unter anderem Wäsche zu besorgen, wobei ihre Hand denn bald so schlimm wurde, daß die E. ein Krankenhaus aufsuchen mußte. Kurz vor dem 1. Oktober war sie soweit hergestellt, daß sie das Bett verlassen und die Hand in der Binde tragen konnte. Sie wurde aus dem Krankenhause entlassen. Nun wandte sie sich an ihre Eltern. Der Vater gab ihr auf, zu der Herrschaft zurückzukehren und ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen; er meinte, die Herrschaft sei zweifellos verpflichtet, für Lohn und Kostgeld während der Daner der Arbeitsunfähigkeit aufzukommen, da seine Tochter sich die Krankheit im Dienst zugezogen hatte. Wenn die Herrschaft sich zn nichts verstehen wollte, dann sollte die E. polizeiliche Hilfe in Anspruch nehmen. Nim stellte sich heraus, daß sie auf keiner Seite Hilfe fand. Der Bäckermeister forderte sie auf, sein Haus zu ver- lassen, wenn sie nicht hinausgeworfen werden wollte; auf der Polizei wurde ihr der Bescheid, daß mit dem Ende dcr Dienst- zeit jede Verpflichtung, auch in Bezug auf eine im Dienst zugezogene Krankheit usw. auf feiten' der Herrschaft aufhört. Einen neuen Dienst konnte die E. mit ihrer großen offenen Wunde in der verbundenen linken Hand nicht antreten; ihr blieb nichts anderes übrig, als zu ihren armen Eltern zurückzukehren. Zwangsinnung für Tischler. Der Oberpräsident zu Potsdam hat unterm 7. Oktober d. I. angeordnet, daß zum 1. Januar 1900 eine Zivangsinnung für daS Tischlergewerk im Bezirke der Stadt- gemeinde Berlin mit dem Sitze in Berlin errichtet werde. Von dem genannten Zeitpunkte ab gehören alle Gewerbetreibende, welche das Tischlerhandwerk selbstständig betreiben, dieser Innung an. Zugleich ist von dann ab die Schließung der zur Zeit hier bestehenden Tischlcrinnung angeordnet. Im alten Botanischen Garten ist jetzt mit dem Transport der alpinen Pflanzen nach dcr Neuanlage des Instituts an der Dahlemer Chaussee begonnen worden. Dem jetzt vorliegenden Jahresbericht der Verwaltung dcr städtischen Volksbibliothekcn entnehmen wir, daß die Gemeinde- behörden, abgesehen von den bereits seit längerer Zeit bestehenden zwei Lesehallen in der Mohren- und Ravensitraße noch acht weitere zu errichten beschlossen haben, nämlich in der Wilms-, Glogauer-, Dnncker-, Rostocker-, Straßmann-, Wall-, Rigaerstraße und Stralauer Allee. Einige von ihnen werden bereits im kommenden Jahre eröffnet werden, sobald nur die Nebengebäude städtischer Schulneubauten, in denen sie eingerichtet werden sollen, vollendet sind. Spätestens in drei Jahren hoffe man alle zehn Lesehallen in Betrieb zu haben. Im Jahre 1898/99 hat die Unterhaltung der beiden Lesehallen und der 27 Volksbibliothekcn nur S9 718 M. gekostet, Ivo von noch 4600 M. durch den Verkauf von Katalogen und QuittungSformularcn und durch die Zinsen der Schenkungen des ehemaligen Vereins für wissenschaftliche Vorträge gedeckt ivorden sind. Ans jede einzelne Bibliothek und Lesehalle ent- fallen also nur 1800 M., eine sehr bescheidene Summe. Durch Neberfahrcn schwer verunglückt ist gestern, Freitagmittag dcr sechsjährige Sohn Kurt des Buchbinders Hehmann aus dcr Straßburgerstraße 32. Der Knabe kam um 12 llhr ans der Ge- meindcschnlc in der Heinersdorfxrstraße und wollte an dcr Ecke dieser Straße und dcr Prenzlauer Allee zugleich niit drei Mitschülern Über den Fahrdamin nach dcr anderen Straßenseite laufen. Dabei rutschte er ans, fiel hin, schlug mit dem Gesicht auf das Pflaster auf und verletzte sich erheblich an der Nase. Bevor er sich wieder erheben konnte, erreichte ihn eine Droschke, die mit vier Fahrgästen vom Prenzlauer Thor her kam und deren Kutscher nicht mehr aus- Iveichcn oder die Pferde zum Stehen bringen konnte. Das rechte Vorderrad ging dem Knaben über den Rücken und den Kopf und schälte ihm' von dcr Hälfte des Hinterkopfes die Haut ab. Die Fahrgäste stellten ihre Droschke sosort cinnn Schutzmann zur Verfügung, der den Verunglückten nach der Unfallstation II in der Schönhauser Allee brachte. Nachdem hier die große Wunde vernäht worden war, führte man den Knaben dem Krankenhause am Friedrichshain zu. Wegen betrügerischen BrttlkrottS und wiederholten Betruges wird der 27 Jahre alte Kaufmann Leo Rohflcisch steckbrieflich ver- folgt. Nohfleisch betrieb 2Va Jahre lang ein Kolonial- und Dclikatcß- Warengeschäft in dcr Gneiscnaustr. 8S. Am 1. August d. I. verkaufte er sein Geschäft und ging als Reisender in die Provinz. Den Großhändlern jedoch, die ihm lieferten, verschwieg er den Verkauf, und die Waren, die er sich nach wie vor von ihnen senden ließ, ver- kaufte er auswärts, um den Erlös in seine Tasche zu stecken. Lange konnte dies natürlich nicht dauern. Nohfleisch hat eine große Schulden- last hinterlassen. Ein Fabrikbrand, der leicht verderbliche Folgen nach sich ziehen konnte, kam Donnerstagabend 11 Uhr in dcr Destillieranstalt und Essigfabrik von George Broche, Neue Königstr. 28, zum Aus- brnch. In dem zu ebener Erde im linken Seitenflügel belegenen Fabrikraum, der die Destillierapparate enthält, war das Feuer aus- gekommen und hatte ein großes Quantum Spiritus entzündet. Da init dem Wasser dem brennenden Stoffe nicht beiznkommcn war, mußte sich die Wehr darauf beschränken, durch Wassergebcn die oberen Räume zu schützen, während das Spiritusfencr durch Auf- werfen von Sand nach und nach erstickt wurde. Der Destillierraum brannte vollständig ans. Bei den Löschungsversuchen erhielt ein Ar- bester Brandwunden an den Händen.— Kurz vorher war Zorn- dorfer st raße 4 ein Brand abzulöschen, der das Zwischengebälk zerstörte und der Wehr viel zu schaffen machte, weil das ganze Ge- bälk freigelegt werden mußte. Feuer in cincm königlichen Schlosse. In dem Nieder- l ä n d i s ch e n Schlosse, das mit demjenigen, in dem Wilhelm I. ich mit Vorliebe aufhielt, durch einen überdachten Gang verbunden ist, kam gestern früh 0 Uhr ein Dachstuhlbrand zum Ausbruch. dcr etwa ein Dutzend Löschzüge alannierte. DaS Palais wird zur Zeit im Innern renoviert,'wobei in den letzten Tagen zwecks chnellerer Austrocknung der Räume brenne nde Coakskörbe zur Verwendung gelangten, auf die der Brand zurückzuführen sein dürste. Gegenwärtig wohnt nur der Kastellan in dem Gebäude. AlS kurz vor 0 Uhr Passanten dichten Rauch durch das Dach dringen 'ahen und Lärm schlugen, eilten auf die Meldung von Mittelfcner hin binnen wenigen' Minuten von allen Seiten die Lösch- züge herbei. Zwei Dampfspritzen, sowie zwei Hydranten- � eitungen traten in Thätigkeit und über zwei mechanische Leitern hinweg erkletterten die Löschmannschaften das Dach, teils um durch Einschlagen desselben dem Feuer Lust zu machen, teils um es von verschiedenen Stellen angreifen zu können. Eine Gefährdung des benachbarten großen Palais, sowie der mit dem Niederländischen Palais verbundenen königlichen Bibliothek Eingang Bchrenstraße) lag von vorn herein nicht vor. da das Feuer bei Ankunft der Wehr erst einen kleinen Teil der Dachkonstruktion erfaßt hatte und dann auch bald zum Stehen gebracht werden konnte. Der größte Teil der Löschzüge konnte bereits nach einer halben Stunde wieder abrücken. Der verursachte Schaden beschränkt sich auf Einäscherung eines Teiles der Dachkonstruktion. AlS Leiche wiedergefunden ist der Laien, cnanzünder Geschke, dessen Verschwinden vor einigen Tagen gemeldet wurde. Er hatte sich einen schweren Feldstein mit einem Strick auf die Schulter ge- Kunden und war dann in die Spree gegangen. Einen Selbstmordversuch durch Aufschneidung der Pulsadern machte die in der Fruchtstraße wohnende Witwe Keßler. Schuld war die gewissenlose Prophezeiung einer Kartenlegerin, der Geliebte werde der Witwe abtrünnig. Straßensperrung. Die Grnnewaldstraße von der PotSdamer- biS zur Elßholzstraße wird wegen Verlegung von Straßenbahn- geleisen bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Unentgeltliche Kurse in Physik und Chemie(Metalle), in denen besondere Rücksicht ans die Technik genommen Ivird, werden von jetzt ab wieder an der 7. städtischen Fortbildungsschule. Gräfe- straße 65/33, abgehalten. Der Eintritt steht jedermann offen. Vor- kenntnisse sind nicht erforderlich. Der Unterricht findet abends von 7'/» bis Q1/* Uhr statt und zwar für Physik am Mittwoch, für Chemie am Sonnabend. Anmeldungen werden täglich im Amtszimmer der 176. Gcmeinde-Schule, Gräsestr. 85/38, entgegengenommen. Treptower Sternwarte. Heute, Sonnabend, spricht Direktor Archen hold abends 9 Uhr über„den Mond im Treptower Ricsen-Feni- rohr"; Sonntagnachinittag 5 Uhr über„Die Bewohnbarkeit der Welten" und abends 7 Uhr über„Die WelNinterzangs-Prophezeiungen". An beiden Abenden wird der Mond von 7 Uhr ab mit dem Riesen-Refraktor be- obachtet. Ter Berliner Bureanbeamten-Verein hält in der Aula der Friedrich-Werderfchen Ober-Realschule, Niederwallstr. 12, jeden Dienstag Vorlesungen über die neue Civilprozeh-Ordnung ab, zu denen Anmeldungen von, Vorsitzenden Bureauvorsteher Naundorf, Jägerstr. 58, sowie zu Beginn der Vorlesungen im Schullokal entgegen genommen werden. Theater. Das Schiller-Theater wird die erste Aufführung von Calderons Schauspiel„Der Richter von Zalamea" in der Bearbeitung von Wilbrandt am Mittwoch, den 25. d. M.. bringen. Heute beginnt in der Billet-Abteilung und in der Trautweinschen Buchhandlung(Leipzigerstraße) die Ausgabe der Abonnements für den Schiller-Cyklus. N»S de» Nachbarorte». In Rixdorf findet am Dienstag bei Peters, Knesebeckstr. 113, eine öffentliche Parteiversammlnng statt, in der die Bericht- erstattinig vom Parteitage, sowie die Wahlen des Vertrauensmanncs und der verschiedenen Kommissionen auf der Tagesordnung stehen. Zu dieser wichtigen Versammlung sind auch die Genoffen von Britz, Treptow»nid Baumschulenweg eingeladen. Der Vertrauensmann. Groß-Lichterfclde. Am Sonntagnachniittag 2 Uhr findet bei Pagel, Chausseestr. 104, eine öffentliche Parteiversammlung statt. Da außer einem Referat des Genossen Hirsch auch die Neuwahl des Vertrauensmnnncs, sowie der Revisoren und der Lokal.- kommission auf der Tagesordnung steht, wird zahlreiches Erscheinen der Parteigenossen erwartet. Der Vertrauensmann. Der Verein selbständiger Handwerker zu Schöneberg hat an den dortigen Magistrat das Gesuch gerichtet, zum Besuch der im Jahre 1900 stattfindenden Weltausstellung zur Beihilfe aus städtischen Mitteln eine Sunmie von 2000 M. zu gewähren, um Meisten, und Gesellen die Gelegenheit zu geben, die Fortschritte auf dem Gebiete der Industrie, des Handwerks und der Technik kennen zu lenien, welche ein weiteres Emporblühen der deutschen Industrie und des Handwerks fördern können.— Eine Protestversammlung gegen das Aufgeben der Verlängerung der Vineta-Lini« nach dein Militärbahnhof wird von Bürgern Schönebergs binnen kurzem einberufen werden. Polizeidirektion Schöneberg. Nachdem jetzt für das Rix« dorfer Polizeiwcsen zum 1. des nächsten Monats die vollständige Neugestaltung bestimmt worden ist, tverden nunmehr sicherem Ver- nehmen nach zum 1. Januar 1900 auch in Schöneberg die Polizei« lichen Einrichtungen eine endgültige Regelung durch Ministerial« Verfügung erfahren. Weißensee. Der Errichtung eine? Gewerbegerichts, welches von dcr übergroßen Mehrzahl der hiesigen Einwohiierschaft als dringendes Bedürfnis empfunden wird, scheint man an einfluß- reichsten Stellen der hiesigen Gemeindeverwaltung sehr unsympathisch gegenüberzustehen. Trotz einer mit Tausenden von Unterschriften versehenen Petition und ungeachtet eines im Juni gefaßten Be- schlusseS der Gemeindevertretung, diese Frage nach Verlauf von drei Monaten wieder auf die Tagesordnung zu setzen, i st letzteres bis jetzt nicht geschehen. Wo bleibt die Ausstihrung der von der Geineindevertretung gefaßten Beschlüsse? Daß auf diese Frage geantwortet werde, dafür wird gesorgt werden. Ter Stadt Charlottcnbnrg wurde die Errichtung einer R e i ch s b a n k st e I l e in Aussicht gestellt, wenn aus den Kreisen der Interessenten die Notwendigkeit einer solchen nachgewiesen werde. Nächsten Montagabend findet eine Versammlung der Interessenten statt. Gevichks-Äeikung. Arbciterdertrcter-Vcrei»«nd öffentliche Angelegenheiten. Der Arbeitervertrctcr-Vercii, für Hannover-Llnden beschäftigt sich niit Fragen der Unfall-, Alters-, Jnvaliditäts- und Kranken- versicherungs-Gesctzgebung. Besonders hat er es sich zur Aufgabe gesetzt, auf' die Mäiigel der socialen Gesetzgebung hinzuweisen und eine Abänderung und Verbesserung derselben zu erstreben. Die Polizei verlangte von dem Vorstande des Vereins vergeblich die Einreichung des Mitgliederverzeichiiisies, worauf der Vorsitzende Nietzer mit einem Strafmandat bedacht wurde. Schöffengericht und Landgericht beließen es bei der Strafe. N. legte die Revision«in und'machte geltend, daß er nicht verpflichtet gewesen sei, das Mitgliederverzeichnis der Polizei einzureichen, weil der Verein eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten nicht bezwecke. Das Kammergericht verwarf jedoch die Revision und führte ans: Die Bestrebungen des Vereins dezögen sich nicht bloß auf den Verein und seine Mitglieder, sondern auf sociale Interessen über- Haupt. Damit sei eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten gegeben. Neue» vom mittelalterlichen Ausnahmegesetz gegen daS Gesinde. Das befremdliche Recht der Herrschaft, W e i h n a ch t s- geschen ke an das Gesinde im Falle der Aufhebung des Dicnstvertrages durch Schuld des Gesindes zu widerrufen, ist nicht nur für das'erste Dienstjahr gegeben, sondern erneuert sich in jedem folgenden Jahre für die Geschenke des betreffenden Jahres. So hat die 25. Civilkanimer des Landgerichts I in einem Streitfälle entschieden, der von den„Blättern für Rechtspflege" mitgeteilt wird. In den Gründen des Urteils heißt es u. a.' Die Gesinde-Ordnung vom 3. November 1810 geht in den§5j 34 ff. davon aus, daß das Gesinde niemals einen Anspruch auf Weihnachtsgeschenke hat und daß eS der gute Wille der Herrschaft, ihm solche Geschenke von Fall zu Fall zu bewilligen. Der Gedanke des Z 30 ist nun der, daß, wenn dem Gesinde schon Weihnachtsgeschenke gegeben sind, dieselben auf den Lohn angerechnet werden können, wenn der Dienstvertrag im Laufe deS Jahres durch Schuld des Gesindes wieder aufgehoben wird. Das Gesetz will also ganz allgemein verhindern, daß das Gesinde Geschenke, auf welche es einen rechtlichen Anspruch nicht hat, lukriert. wenn es den Dienst verlätzt und macht dabei kcineip Untcrschicd mit Rückficht auf die etwaige Dauer dcS Dienstverhältnisses. Geht man hiervon aus, so heißt„während eines Dienstjahres" nichts anderes, als„während des jedesmaligen DienstjahreS", was auch dem Sprach- gebrauche durchaus entsprechen würde. AuS dem Grundgedanken des Gesetzes folgt auf keinen Fall, daß daS Gesinde im ersten Dienstjahre bezüglich der Geschenke anders gestellt sein soll, als im zweiten und in den folgenden. Wieder einmal strafloser Diebstahl von Elektricität. Der Installateur Ernst Herrmann Reichardt war bei der Firma Schuck e r t angestellt und hatte die Verwaltung deS Materialien- fnievS. Von den ihm ciiwcrtrautcn Glühlampen unterschlug er fünf u J nahm sie mit in seine Wohnung. Nachdem er dort heimlich c.iie Verbindung der Lampen mit einer elektrischen Leitung her- gestellt hatte, verbrauchte er eine Zeit lang widerrechtlich Strom zur Speisung dieser Lampen. Als die Firma Kenntnis hiervon erhielt, entließ sie ihn aus ihrem Dienste. Das Landgericht Mainz hat am 24. Mai Reichardt wegen Untersch lagung zu einem Monat Gefängnis verurteilt, von der ferner erhobenen Anklage des Diebstahls an Elcktricität jedoch mit Rücksicht auf die bekannte Entscheidung des Reichsgerichts, wonach Elektricität nicht als eine„bewegliche Sache' anzusehen ist, freigesprochen.— Die von dein Angeklagten gegen seine Verurteilung eingelegte Revision enthielt nur' Ein- Wendungen gegen die thatsächlichen Feststellungen und wurde des- Haid vom Reichsgericht als unbegründet verworfen. Das Lluönahmcgcfctz gegen das Gesinde und die länd- «che» Arbeiter sollte der Knecht Springer übertreten haben. Die Behörde warf ihm vor. er hatte seinen Dienst bei dem GutSbesihcr Schneider ohne genügenden Grund verlassen. DerAngeklagte rechtfertigte sein Verhalten damit, daß er mit dem Winz, gen Tagelohn von 50 Pf. nicht habe au sito Minen können. Nur aus diesem Grunde habe er das(im Landgericht Neiße belegene) Gut des Herrn Schneider verlassen. � Das Schöffengericht verurteilte jedoch den Angeklagten, während ihn das Berufungsgericht später freisprach. Das Kammcrgericht verwarf die nunmehr von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision mit folgender Begrün- dmig: Der Dienstvertrag des Angeklagten, der einen Wert von mehr als 150 M. zum Gegenstandc gehabt habe, sei nur m ü n d I i ch ab» geschlossen worden; für solche Verträge sei aber nach den landrecht. lichen Bestimmungen die Schriftlichkeit erforderlich. jenem Vertrage könne also eine rechtliche Wirkung nicht bei- gemessen werden. Da nun die Strafvorschriften des Gesetzes vom 24. April 1354 nur bei Verfehlungen gegen gültige Verträge an- gewendet werden könnten, so müsse Sp. freigesprochen werden. Eiu Nlkdercin hatte seine Freunde und Gönner zu einem Kneipabend nach dem Lokal des Gastlvirts Perske eingeladen. Es wurde tüchtig gezecht und verschiedene Herren hielten kömische Vor- trage, ohne daß sie indessen vorher dazu bestimmt worden waren. Der Wirt sollte sich dadurch, daß er dies duldete, gegen eine Regiernngs-Verordnung vom 1. August 18S1 vergangen haben, welche unter anderem folgendes bestimnit: Wer Mnsikausführnngen. Ge,angs- und deklamatorische Vorträge:c., bei denen ein höheres Interesse der Kunst nicht obwaltet, in Wirtschaften öffentlich darbieten will, hat dies der Orts- Polizeidchörde anzuzeigen. Der Anzeige sind bei Vorträgen die zum Vortrag bc- stimmten Texte beizulegen.— Im vorliegenden Falle hatte man diese Vorschnften nicht befolgt, weil man sich nicht dazu verpflichtet hielt. Der Angeklagte wurde jedoch freigesprochen und das Kammer» geriet wies die Revision der Staatsanwalpchaft mit der Begriindnng daß die Regierungs-Verordmmg vom 1. August 1891 sich nur auf Lustbarkeiten anwenden lasse, bei denen von vornherein ein festes Programm bestehe, während es sich hier um ganz zivanglos dar- gebotene Vorträge handele. Vevmiptzkes. Drei schwere Ban-Nngliuksfälle haben sich gestern in München ereignet. Ein P r i v a t t e l c g r a m m von dort meldet uns: Beim Bau des P o st g e b ä u d e s ist vormittags ein Klempner vom Dache abgestürzt und schwer verletzt worden;' kurz nachdem d s Unglück geschehen, stürzte von einem Bau in der Strenl» st.' a ß e ebenfalls ein Klempner ans der Höhe des zivcitcn Stock- Werks auf die Straße. An dem Veriniglückten wurde ei» Bruch des Schädel» und des Oberschenkelknochens konstatiert. Als drittes Un» glück erfolgte in der W e i ß e Ii b u r g e r st r a ß e ein Mauer» einst ucz, bei dem ein Arbeiter lcbensgesährliche Verletzungen davontrug. AnS Flensburg wird über ein E i s e n b a h n» U n g I ü ck bc» richtet: Em Sonderzng der KreiS-Eisenbahn Flensburg'Kappeln, welcher Besucher zum Pfcrdemarkt hierher führte, stieß Freitag früh zwischen Rüde und Glücksburg mit einem von Glücksburg ab. gelassenen Güterzuge zusammen. Drei Personenwagen sind schwer beschädigt, von den Passagieren sind drei schwer, mehrere leicht Kerletzt. Heber daS Eifenbahnitngliick bei Seebnrg bringt die „Allenst. Ftg." folgenden Bericht: Am Sonntag begaben sich drei halbwüchsige Sccbnrger Burschen, die bereits festgenommen sind und ihre ruchlose That eingestanden haben, auf den dortigen Bahnhof, wo sie allerhand Unfug verübten und schließlich auch noch die fest vernagelten Weichen aufbrachen und falsch stellten, um Gelegenheit zu erhalten, einen entgleisten ArbeitSzug zu beschauen. Leider ae'-ng ihnen ihr Vorhaben nur zu gut. Als am M.iitagmorgcn kurz vor 6 Uhr der fahrplanmäßige ArbeitSzug sti den Bahnhof einlaufen sollte, wurde die fastche Weichen- ftcllnng vom Maschincnpersonal zivar noch bemerkt, jedoch war eS nicht mehr möglich, den Zug rechtzeitig zum Stehen zu bringen, woran auch teilweise die mit Reif bedeckten und dadurch sehr glatt gewordenen Schienen Schuld hatten. Die Maschine fuhr nun von dem noch nicht fertigen Ncbengeleise in das Erdreich, der Mannschafts- wagen, der als zweiter folgte und in dem sich außer den Schacht- meistern noch 40 Arbeiter und Arbeiterinnen befanden, wurde von der Wucht der nachfolgenden Wagen zertrümmert, beiseite ge« schlendert und teillveise von vier sich auf cinauder tiirinenden, mit Kies bcladenen Arbeitstvagen bedeckt. Es wurden aus den Trümmern acht Schwer verwundete, zwölf leichter und zivölf nur ganz wenig Verletzte hervorgezogen. Ter wt�cn RanbcS nnd Ranbmordvcrfnchö verfolgte an» geüliche Student der Chemie Max Mäder, der in Lanz bei Lenzen a. E. den Gastwirt Fritze niedergeschlagen und beraubt hat, ist in Zürich, wie von dort gemeldet wird, verhaftet worden, als er im Begriff war, von der Post Briefe abzuholen. Das AuslieferungSverfahren ist bereits eingeleitet. Das Gehalt eineS Heiligen. Unter den aus der großen Staatskrippe gefütterten Personen, die mit der vor kurzem in Brasilien inaugurierten ErsparuiSpolitik nicht zufrieden sind, befindet sich ganz sicher auch der heilige Antonius, dem die Regierung jdaS Ge- halt, das er bis jetzt als Oberstlieutenant der brasilianischen Armee bezog, nicht mehr zahlen will. Vorläufig hat der kriegerische Heilige von dem brasilianischen Staatsschätze noch 60 000NeiS— das klingt ganz großartig, ist aber nicht mehr als 230 Mark— zu fordern, da er seinen Sold für Dezeinber 1897 noch nicht erhoben hat. Wie der Heilige zu dem Range eines Oberstlieutenants kommt, weiß wahr» schcinlich nur er allein. Er ist jedenfalls von einem frommen Gou- verncur aus der Zeit der portugiesischen Herrschaft in die Rangliste aufgenommen worden, denn der merkwürdige Brauch, den tapferen Antonius als Militär zu führen und ihn ordnungsmäßig zu befördern und zu besolden, besteht auch noch im portugiesischen Heere. Bis Ende 1897 bekam der brasilianische Antonius regelmäßig seinen Sold, nur im Dezember nicht, da er sich, in Gestalt seines' Bevoll- mächtigten, des Priors von Sao Bento, zu spät an der Kasse präsentierte. Die Summe wurde dann versehentlich aus dem Budget von 1897 gestrichen, und nun muß die brasilianische Regierung sich von der Kammer einen neuen Kredit bewilligen lassen, um sich mit dem Oberstlientenant Antonius auseinanderzusetzen. Dann aber ist'S aus. Der Heilige wird endgültig von der irdischen Rangliste ver- schwinde» und nur noch unter den himmlischen Heerscharen figurieren. Bedauern wird daS wahrscheinlich nur der Prior von Sa'o Bento, dem so plötzlich eine gute Einnahmequelle verstopft wird.— Grubeniinglürk. Ans Budapest wird berichtet: In die Markusgrube im Reschitzaer Kohlenrevier ist Wasier eingedrungen. Sechs Bergleute kamen um, desgleichen ein Oberingcnicur, der den Bergleuten zu Hilfe kommen wollte. Gegen das Korsett. Das rumänische Kultus- und Unterrichts» Ministerium hat an alle Leiter von Mädchenschulen in Rumänien folgendes Rundschreiben gerichtet. daZ dieser)Tage im rumänischen StaatSanzeigec veröffentlicht wurde:„Da es ivissenschaftlich und durch praktische Versuche bewiesen ist, daß daS Korsett ein die Ge» sundhcit schädigender Toilcttengegcnstand ist, weil es ein pcrniancnteS Hindcmis für die Entwicklung des Körpers iind die Verrichtungen der Brustorgane bildet, fordert daS nnterzeichnete Ministerium Sie auf, den Schülerinnen Ihres Instituts das Tragen von Korsetts streng zu verbiete».'_ Briefkasten der Redaktion. Montag. DienStag und Die juristische Sprechstunde findet Freitag von 6—8 llhr abends statt. 9l. K. LS. Die Zeitinigsiiicldiing, dab auf dem Bau des GcwcrlschastS- Hauses nur unorganinerte Arbeiter beschäftigt werden, beruht, wie Sie fich doch selber sagen sollten, aus Uuwahrhcit. Klirsns. R.(Sommer, stud. phil., Elsassersir. 78. E B. 100. Wende» Sie sich an Emil Schumann, Kolbergerstr. 23 parterre. R. B. Ist ei« Testament vorhanden, so koniuien dessen Vcstimmungcn zur Anwendung. Liegt ein solches nicht vor, so sind nach märkischem Erb- recht der Witwer, die Eltern, die volibürtigen Geschwister und die Kinder ersien Grades vorversiorbencr vollbtirtiger Geschwister Erben. Die Erb- teilung geschieht in folgender W-isc: Der Witwer kann der Erb- schalt entsagen. Thut er dicS, so geht die Erbmasse � in so viel Teile, alö Erben vorhanden sind; jedoch erben die Geschwisterkinder nur zusammen so viel alS ihr Vater oder ihre Mutter erhalten haben wurde, wenn sie beim Erbanfall noch gelebt hätte». Der zweite Fall ist der, daß der Witwer erklärt, E r b e s c i n zu wollen. In diesem Fall muß er sein am Todestage vorhandenes Vermögen cinwersen nnd erhält die Hälfte der ge- meinschaftlichcn Masse, die andere Hälste sollt an die anderen Erben. Von ver geinein'chaltlichcn Masse werden die bis zum Todestage dcS ErblasicrS vor oder während der Ehe gemachten Schulden beider Eheleute einschließlich der Begräbnislosten vor der Teilung abgezogen. Eine Erb- teilung findet nicht von Auitswegcn statt. Vieluichr haben die Erbe» sich unter einander ohne Gericht auseinander zu setzen. Hält einen von ihnen der Eigeniumstcusel an friedlicher Eiiiigung ab, dann kann er Nachlaßriglllicruiig bei dem Amtsgericht»achsuchen. Kommt auch da eine Einigung nicht zu stand«, kann er klagen. Nur wenn Minderjährige Miterben sind, hat sich daS Gericht am die Etbtcilimg zu kümmern— Bartsch. Ist die Scheibe zur MietSwohnung gehörig, so iiiuß sie vom Mieter auch dann dem Vermieter ersetzt werden, wenn Dritt« die Scheibe zertrümmert haben. Selbstredend bleibt dem Mieter� daS Recht, von dem Dritten Schadensersatz zu verlange».— F. K. LLi». 1. Nein. 2. Ja. 3. DaS Zeugnis muß wahrheitsgemäß sein.— A. B. IS. 1. Zuchthaus. 2. In zehn Jahren. Jede Handlung de» Richter», inS- besondere Erlab eines Steckbriefs, erneuert die Verjährimgssrist. 3. Jeder- zeit.— Dienstinädchcn H. 10. Ihre Frage ist längst beantwortet. Sie mag hiermit wiederholt werden: Ist bei dem städtische» Gesinde nichts über Kündigungsfrist vereinbart, so gilt nicht vierzchntägige. sondern scchS- wöchentliche Kündig»»» zum Ersten dcS Quartals. Sie können also nur zum I./I., 1/4., 1./7, 1./10. kündigen und müssen mindestens sechs Wochen Frist einhalten. Ebenso steht e» mit der Herrschaft.— P. H. 100. 1. Ja; 2. Ja; Sic werden gut thun, sich daS Arineilrccht für den Prozeß zu erwirken. Durch Bewilligung des Arnienrcchis verlieren Sie keinerlei volitische Rechte.— Weit zurück 31. 1. Nur Preußen sind landtag?- und stadtverordneten-wahlbcrechtigt. Sie können jederzeit Auf- nähme in den preußischen StaatSverband beantragen. Diese wird Ihnen erteilt. Sie brauchen zu diesem Behuf Ihre bayrische Staatsangehörigkett nicht ausgeben. 2. Des Lauge» und Breiten ist in Artikeln dcS„Vorwärts" und in der Stadtverordneten-Bersammluiig dargelegt, daß die zur Stadt- verordnetenwahl erforderliche Selbständigkeit auch derjenige� besitzen kann, der in sogenannter Schlafstelle wohnt. Dieser Ansicht ist die Stadt- verordneten-Versammlung in diesem Jahre beigetrete». Der Magistrat hat diesen Beschluß angefochten. Das Verwaltungsstreitverfahren über diesen Punkt schwebt noch. ES kann aber nur derjenige wählen, der in der Wählerliste eingetragen ist. Darauf, daß ein jeder daraus achte, daß er ein- getragen worden, ist seitens der Berliner Vertrauensleute und seitens deS „Vorwärts" und in Versammlungen zur Zeit der ListenauSlegung vielfach hingewiesen. Es ist bedauerlich, wenn trotzdem die Einsicht in die Wähler- liste untcrlaflcn ist. 3. Ihrer Frau steht ein Anspruch aus Rückerstattung nicht zu. - M. Sz. Der Scheffel ist eiu Hohlmaß, die Rute hingegen ein Flächen- "fall, wie Sie ihn schildern, ist uninöglich. "jaO» eventuell in der juristische» Sprech- maß.— Militärpflichtist. Ein i Sprechen Sie zur Darlegung des_ stunde vor.— Schubert 18. 14. Das Verlangen ver Polizei ist ei» un- berechtigtes. Jeder Deutsche hat das Recht, Ausnahme in einem ander» deutschen Daterlan de oh neVerlu st seine» früheren HeimatörechtS zu verlangen. Die Aufnahme- Urkunde muß jedem Deutschen erteilt werden, der um dieselbe nachsucht und nachweist, daß er in dem Bundesstaate, in welchem er die Ausnahme nachsucht, sich niedergelassen habe. S i e brauchen also nur nach- zuweisen:«,) daß Sie Bayer sind, b) daß Sie sich hier niedergelassen haben. FührungS- Atteste und dergleichen hat die Polizeibehörde von Ihnen nicht zu verlangen. Die Ausnahme eines nichipreußischen Deutschen in den preußischen Staaisverband darf nur aus denselben Gründen versagt werden, aus denen die Ausweisung eines neu Anziehenden oder die Fortsetzung des Aufenthalts erfolgen darf. Welche Gründe daS sind, ersehen Sie ans folgender Darlegung. Es kann sin Preußen nach dem nach Ansicht dcS Ober-Verwaltuiigsgerichlö noch zu.Rccht bestcheiiben preußischen Gefetz vom 31. Deccmber 1842 bestraften Perionen, falls sie gemeingefährlich sind, die Aufnahme verweigert werden. Personen, die wegen Bestrafung polizeilichen AusenthaltsbeschrSnkijngen in einem deutschen Staat unterliegen oder welche wegen wiederholten Betteins oder wegen wiederholter Landstreicherei in einem deutschen Staat innerhalb der letzten 12 Monate bestrast worden sind, kann der Aufenthalt in jedem anderen deutschen Staat verweigert werden Ferner kann eine Gemeinde einen Ncuanzichsildcn abweisen, wenn sie nachweist, dab der Zuziehend« nicht hinreichende Kräfte besitzt, um sich und seinen nicht arbeitsfähigen An- gehörigen den notdilrstigen Lebensunterhalt zu verschaffen, und wenn er außerdem solchen weder auS eigenem Vermögen bestreiten kann, noch von einem dazu verpflichteten Verwandten erhält. Also mir dann, wenn der Antrag- stcller sich und den Seinigen den notwendigen Lebensunterhalt zu verschaffen außer stände ist, oder wenn er öffentliche Armennntcrstütznng erhält, oder wenn er Bestrafnngen erlitten hat, die der Polizei das Recht geben, ihn auszuweisen, darf die Behörde(in Berlin die Polizeibehörde, in den Pro- viuzeu der Regierungspräsident) das Gesuch um Ausnahme.ablehnen.- Ob einer solcher Gründe vorliegt, zu ersorsche», ist Sache der Polizei. Sie hat nicht daS Recht, vom Auti agsteller zu verlange», e r solle beweisen, daß keiner solcher Gründe vorliegt, darf also auch nicht vom Antragsteller ver- laiigcii, daß dieser polizeiliche FUHrungsattcste euireiche. Sie kann nur ver- langen, daß dieser auf Anfrage ihr mitteilt, wo er gewohnt hat, damit s» e Nachsorschuugcn anstelle. Lehnen Sic daS Ihnen geüiachte Anfinnen, kost- spicligc Atteste beizubringen, ab, verlangen Sie Ihre Aufnahme in den preußischen StaatSverband, beschweren Sie sich im Fall der Ablehnung odcr Vcrzögernilg beim Oberpräsidenten und übergeben eventuell das Material zur Beschwerdeführung im Reichstag einem Abgeordneten.— Spandn»»5. Ob die Kinder mündig oder volljährig sind, ist für Ihre Frage nncrbeblich Tod hebt den Mietsvcrtrag für die Erben nicht ans. Diese haben unr daS Recht, den Mietsvcrtrag zum Ablauf deS ersten Halb- jahrS»ach dem Quartal, in dem der Tod eingetreten ist, z» kündigen. Er- folgte der Tod zwischen 1. April und 1. Juli, so können sie also den Ver- trag, auch wenn er ans mehrere Jahre abgeschlossen ist, zum 1. Januar kündige».— H. H. 66. Die vereinbarte KündigungSsrist bleibt bestehen. Sie brauchen nur die vertraglich übernommenen Leistungen aus- zuführen und kömie» wegen NichtauSsührung nicht übernominener Arbeiten nicht eutlaffeu werden. Werden Sie dennoch entlassen, so können Sie Schadcnscrsatznnspr»» erheben. Nmgekehrt haben auch Sie kein Recht, die Arbeit deshalb niederzulegen, weil von Ihne» ctwaS verlangt wird, waS Sie aiiszusührcn nicht übernommen haben. Sic können nur solche Leistungen ablehiicn.— Schmied. Ihre Mutter soll sich das Armeurccht geben lassen und aus Gewährung dcS Versprochenen cvcut. aus Gewährnug cnics angemessenen Lohnes klagen. Der Bezug der Jnvalideiirentc ist ohne Einfluß aus ihr Recht.—(f.». 1001. Sprechen Sie mit den Papieren in der juristischen Kprechstnnde vor. Sic müsien schon längst einen Beschluß des Vorstandes der Bmissgeiioss-nschast erhalten habe».- F. G. K. 3L. 1. Ja. 2. Die Mitteilung braucht nicht durcb einen Gerichtsvollzieher zugestellt zu werden. Sind Sie irgendwie im Zweifel darüber, wer empfaiigsberechtigt ist, so hinterlegen Sie die Miete. Mnrkiprctse von Berlin ai» IV. Oktober 1899 nacki Erinittelnngen de» tgl. PolizcivräsidiniiiS. Id« SV Stück 1 de Meizen D.-Ctr. 13,40 14,70 Schweinefleisch ♦)3liifl(U'ii, 13,30 14,- Kalbfleisch Butter-Gerste„ 14,40 12,80 Hammelfleisch aser gut„ 13,20 14, W) Butter „ iniilel„ 14.40 13,70 Eier C „ gering„ 13,150 13,- Karpse» Richtflroh, 4,30 4,- Aale Hc», 7,20 4,- Zander. -fOErbic». 40,- 25,- Hechte -j-)Tpciscbohucn„ 30,— 25,— Barsche„ -j-sLimen, 70- 30,- Schleie Karlosscl»,»cn«., 7,— 4,— Bleie Rindfleisch, Keule 1 Itg 1,00 1,20 Krcb>e per Schock do. Baiich„ 1,20 1,— •) Ermillclt pro Tonne von der Ccnlralflclle der Prenß. Landivtrt» schaslStaiinnern- NolicrinigSstelle- und uingerechnct vom Polizeipräsidlnm für den Doppel-Centner, 10 Kleinhandelspreise. Produktenmarkt vom 20. Oktober. Am Frühmarkt war Brot- getrcide im Preise»ominell iinoeränderl bei minimal« Umsätzen. Mittags zeigte sich cinige Kauflust für Roggen, und der Artikel konnte seine letzten Preise gut behaupten, während Weizen 0,50 nachgab. Hase» und Rüböl lagen still und wenig verändert, Am SpirituS markt wurden 10 000 Liter 70er Ioco mit 43,60, wie gestern, gehandelt. Termini waren noininell behauptet. 1.60 1,80 1,60 2,80 4,60 2,20 2,80 2,60 1,80 2,80 1,40 12- 1,10 1,- 1- 2,- 2.80 1,20 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0.80 .2,50 rsiliernngsübcrstch« vom SO. Oktober 181)0. morsten» 8 llhr. Stationen Ls f S 5= »- Swinciiide Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien 772 W 773 W 773 W 774-520 774 O 777 Still S S 753 Still 765'ZSW 770;®O 769!© JQ 77tNO Weiler . wolkig �bedeckt b-wolkig l!hlb.bed. 2hlb.b-d. g« rf- Ö" Les ÜS 4 2 13 11 2 Wrtlcr- Prognose für Sonnabend, den LI. Oktober 1800. Zunächst wärmer bei zuiiehmeiider Bewöllimg, etwas Regen mäßigen westlichen Winde»; nachher etwas kühler. Berliner Wclterburean. und Otts-RrlUlkenkasse der Sattler. ?li» 18. d. M. starb plötzlich infolge Herzschlages das Mitglied Vilkelm Knop kbcfchästigt bei Wunderlich 5!achfla.) im'Alter von 50 Jahren. 283b Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 22. d. M., nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Sophien-KirchhofcS i» der Freicnwalderstraße auS statt. I. A.: R. Dittberncr, Rendant. Achtung! Kösliner Sos. Besonderer Umstände halber ist der Tote». Sonntag frei und diefcrhalb an ein« großen Verein abzugeben. Doniierstagabeiid l> Uhr verschied nach langem schwerem Leid« mein iimiggelicbter Mann, unser sorgsamer Vater, Schwiegervater und Großvater Oru-l lltittner. DI« tlakirauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Sonntag- mittag präc. 12 Uhr von der Leichen- Halle des Central-Friedhofs Friedrichs- fclde aus statt. Arbtiter-Rildfnhm- Verein „Berlin". Heute i/zv Uhr abeudS Lchlefische Brückenach Köpenick. Morgen 1 Uhr Koppcnplatz, Oranienburg-Sandhausen. W�DonnerStag.Nndreasstr.LK: ficneralTcrsainmlnnj�� Verein der Zimmerer Berlins nnd Hingehend. Sonntag, den XX. Oktober, vormittag« 10 Uhr: Genevnl- Devjfotntwlung bot Cohn, Bcuthsiraste Nr. 20. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom dritten Quartal 1899. 2. Bericht über die Thätigkcit des Vereins und Jahres-Kassenbericht. 3. Bericht vom Arbeitsnachweis und Bericht der Rechtsschutz-Kommission. 4. Neuwahl des gesamt« Vorstandes. 5. Bereinsangelegenheit« und Verschiedenes. 257/17 Die wichtige Tagesordnung erfordert die Anwesenheit sämtlicher Mitglieder. Der«orftand. III. Morgen, Sonntag, abend»« Uhr, in FenersteinS oberem Saal, Alte Jakobstraffe 7S: VevkrntttttUnuj c8 Genossen Mnrkwnld über:„DaS Pro! Vortrag deS__________ frage".— Hieraus Tanxkrllnachcn. Entree inklusive Garderobe 20 Pfg. Noblem der Frauen 240,20 Der Einbernfcr. M»>ig! Kistemüllcher. Mimig! Montag, den 23. Ottober, abend» GVz Uhr, im Lokale„Arminhallen", Kommandantenstrafte 20: General- Versammlung"WK TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom letzten Quartal. 2. Neuwahl der ausgelost« Bor- standSmitglieder. 3. Unsere fcrncre Taktik bei Streiks und Lohiibeweguua«. 4. Statutenänderuiig. 5. Verschiedenes. So/16 Mitgliedsbuch legitimiert. Da in dieser Versammlung wichtige Be- schlüssc gefaßt werden, erwartet einen zahlreich« Besuch Der Vorstand. I. A.: Kerl Suelcel. Am 21. d. M., abend» 8>/, Uhr. bei Nenersteln, Alte Jakobstr. 75: (Deffenkl. V ersn mmlu ng der posamenttere und Verufsgenossen. TageS-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Gehilsm zu dem VerglcichSvorschlag deS EinigiingS- amtS? 2. Verschiedenes. 1-3/11 Kollegen, cricheint recht zahlreich und pünktlich in dieser Versammlung. Achtung! Achtung! KommunalViihler des 43. und 44. Bezirks. Montag, den 23. Oktober, abend» 8'/, Uhr: OcITcntllcIie Kommunalwähler- V ersammlungen in folgenden Lokalen: Für den 43. Bezirk in der Kronen- Brancrel, Alt-Moabit Nr. 47—40. Referent rerdlnnnd Eirald. Für den 44. Bezirk in Trends Brauerei, Thurmstrafte 26. Referent Rudolf Mlllnrg. TageS-Ordnung: 1. Die bevorstehend« Kommunalwahlen. 2. Diskussion. Um zahlreichen Besuch und rege Agitation ersucht 220/2__ DaS Wahlkomitee. Verband der Möbelpolierer. Morgen, Tonntagvormittag. 10 Uhr: Besichtigung deS«engebauten Getoerkschaftshanse« am Engel-Nfer. Montag, 23. b. M., abendS 8>/, Uhr, Abmiralstr. 18« HF Vovlainnrlnng."Hl TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Mermuth:„Wohin führt unsere Wirtschaft- liche Eiitivicklmig". 2. DiSknssto». 3. Werkstatt-Angelegenhett. Hierzu sind die Kollegen Streue und Scdulr von Zeode eingeladen. 4. Ausgabe der BillctS a 60 Pf. zu dem am Montag, den 30. d. 501., abendö 8'/, Uhr, Koppenstr. 29 stattfindenden 147/20 Grossen nstronomlschen Projektions.Tortras mit zahlreiche» Licht- und Drehbildern von Herrn Direktor F. S. Archenhold(Treptower Sternwarte): „Der Welte« Entstehe» und Bergehen". ver Vorstand. Mitling! Knchbinder.*1! Montag, den 23. Oktober, abends 8 Uhr: Gr. öffentliche Versammlung niler in Buchbindereien beschnitiglen Arbeiter »»d Zlrbciteriunen im Lokal„Berliner Ressonrce", Kommandantenstraße 57. TagesiOrdnung� 1 DaS Jntcrcfle der Arbcitennucn am gc!vcrl?chastlichen Kamxs, Rcferentiii i Frau L i l st B r n u 2 Mibstände und die Nichteinhaktung des TarisS in den Berliner Buch- bindereicu und wie stellen wir uns dazu? Ncsereut: Kollege I. Krause. 3. Verschiedenes. SZ/ls Zahlreiches Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen ist bringend not- Z'�wig. Tie Bertraiienspersoiie». I A.: Krane S>tom,l<>. ÄMmig! Achlum! Sonntag, den 22. d. M.. nachmittags 2 Uhr. in«Uldners Lokal, Nudowcrstr. 66 Grolzv öffentliche V olks- V ersamrnlun&r für HVünncr und Franen« , �"Tages? Ordffnng: i. Vortrag des Reichstagö-Abgeordneten n'vik Zubeil über: K l l tfll� N ,*i st CV.. � �_r..._ n..____. -•----■—»" v u, u um u tytin.311DCII«DCl".„Die „>AA�\lnL 3-0vk�lc bes ningeanderte» Jnvalidengeseyes vom 1. Januar >.................r. 2, Diokuisiou. 3. Bericht des Vertraucnslnannes IWV siir die Arbeiterschaft.________......„. nnd Neuwahl desselben. 4. Bericht der Lokallomunfsion und Neuwahl der- selben. 5. Wahl der Delegierten zur Kreistouferenz. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Z0t/y Oer Vertrauensmann. AA»W!|tivhnrf. lilltilllfl! ßnOßfeß der Mirvyauer Tonnabcnd. den 28. Oktober, abends 8 Uhr, in Louis Kellers Festsiileu» Koppenstraße 29. ReichhalNgeS und gediegenes Programm. Zur Aufführung gelangt: - Frauenrache.- Altgermanisches Sittenbild, verfabl vom Kollegen Fr. Stahl. Eintrittskarten«66 Pf. inkl. Tanz sind zu haben bei den Kollegen Trantvetter. Krautftr. 28, v. III; Meyer, Engelufer 2b, IV; Stötzcr, Josephstr. 10, v. II; in den Cigarreugeschästen: Bogel, Koxpenstr. 83; -Schulz, Adnnralstr. 40a: in den Nestauranis: Felgentress, Tresdenerstr. 33; Kappisch. Pallisadenstr. 77; Ladewlg, Kommandantenstr. 05, und im Vereins- lokal, Äöpnichcrstr. 02. 21/5 Unverkanste Billcts sind von den Kollegen bis Freitag, den 27. d. M, zurvckznliefem. Gäste und willkommen. Tie Bergniigiings-Konimisston. Diciiötng, de» 24. d. M.. abends 8 Uhr Geffentlicho im Lokiil des Kereil Peters, Kiltsebecksir. 113. T a g e s- O r d n n n g: I. Berichterstattung vom Parteitag. 2. Diskussion. 3. Berichterstattung des Vertranensniannes, der Zeituiigörommission, Lokalkommüsion und Neuwahl derselben. 204/10 Zu dieser Versammlung sind die Parteigenossen von Brill, Treptow und Baumschulenweg mit cingeladcu. Zahlreiches Erscheinen ist nolweudig.'TSSQ Der Vertrauensmann. Wo? Treptow! ist der schönste Ort für Herrcupartic» und Aus- fliige? Auf der Insel Pichelswcrder IiiklL' beim alten Freund. Nene massive Tainpfer-Aiilcgcstelle. ltlililwei'n'8 Keglerschlössctien. LKScak8e;e. Saal, KafTcckliche, Kegelbahnen. Vereinen und Hervenpartien bestens empfohlen. 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Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. gt. 247. i6. MWg. 2. Keilllge des„VWlirts" Kerlilter WlksblM. St. AM» 1899. Unser Programm für die Stadtverordnetenwahlen. V. Der Dusbcin dcr Einrichtungen, welche der eigentlichen Kranken- pflege dienen, erfolgt ebenfalls nicht in dem Tempo, welches erforderlich ist, damit die Stadt Berlin den Anforderungen der Zeit genügt. Das gilt zunächst von den eigentlichen Kranken- Häusern. Bon den bestehenden städtischen Krankenhäusern wurde das im FriedrichShain im Oktober 1874 eröffnet. Es war das erste all- gemeine Krankenhaus dcr Stadt Berlin, denn das Moabiter „Barackenlazarctt" war zwar schon im Jahre 1872 erbaut, wurde aber erst vom Jahre 1875 ab dauernd mit Kranken belegt, während es bis dahin nur zu Epidcmiczeiten für den besonderen dann ein- tretenden Bedarf Verwendung gefunden hatte. Bis zur Begründung dieser Krankenhäuser war die Bevölkerung Berlins, das damals gegen öOOOCO Einwohner zählte, ausschliestlich auf die königliche Eharile und die kirchlichen Krankenhäuser: Be- thanien, Elisabeth-, Hedwigs- und Lazarus-Krankenhaus usw. an- gewiesen. Schon damals aber genügten diese Anstalten bei weitem nicht, und die Begründung städtischer Krankenhäuser war dringendes Bedürfnis. Da nun seit jener Zeit die Bevölkerung Berlins sich ver- doppelt hat, während die königlichen und kirchlichen Kranken- Häuser nicht mehr entsprechend vergrößert wurden, ergab sich ohne weiteres für die städtische Verwaltung die Ver- pflichtung. ihre Krankenhäuser so zu erweitern, daß sie allen An- forderungen auch bei zunehmender Bevölkcrnng genügen konnten. Nun, seit dein Jahre 1874 wurde das Moabitcr Krankenhaus um etwa die Hälfte vergrößert, das Krankenhaus am Urban— welches etwas kleiner ist, als die beiden andern städtischen Krankenhäuser— neugebaut und im Jahre 1880 eröffnet, und es wurde außerdem die Abteilung für Geschlechtskranke im städtischen Obdach begründet, welche wesentlich dem einen Zweck dient, die bei dcr sittenpolizeilichen Kon- trolle krank befundenen Prostituierten aufzunehmen. Es läßt sich leicht berechnen, daß diese Erweiterung der städtischen Krankenhäuser den Bedürfnissen dcr verdoppelten Bevölkerung nicht genügt. Und so berichten alljährlich im Winter die Zeitungen, daß sämtliche Berliner Krankenhäuser überfüllt sind, und daß Schwerkranke eine ver- gebliche Rundfahrt von einem Hospital zum anderen unternehmen mußten. Das stört jedoch die städtische Ver- waltnug nicht in ihrer Ruhe. Seit fünf Jahren etwa ist die Er- richtung eines vierten städtischen Krankenhauses im Norden geplant, und jetzt erst hört man, daß der Bau in Angriff genommen ist. Dabei muß seit Anfang 1887 mit der Thatsache gerechnet werden, daß der Umbau dcr Charitö den Platzniängcl noch er- hcblich verschärfen wird. Trotzdem beschleunigt man nicht den Bau, sondern greift zu so fragivürdigcn Auskunfts- niitteln, wie die Einrichtung des Hilfs- Kraukenhauses in der Gitschinerstraße eine ist. Das seit dem Jahre 1855 bestehende Gebäude wurde bereits vor längerer Zeit als Siechenhaus nicht mehr für genügend erachtet, und es soll jetzt die Ansprüche befriedigen, welche heutzutage an ein Krankenhaus gestellt ivcrdcn. Auch in sihrer inneren Einteilung entsprechen die städtischen Krankenhäuser keineswegs berechtigten Anforderungen. Man läßt hier jene EntwickclungSrichtung der modernen Medizin gänzlich unbeachtet, welche gekennzeichnet ist durch die immer weitere Ausbildung der sogenannten„Specialfächer", d. h. durch die Anwendung des Grundsatzes der Arbcitsteilnng auf das Gebiet dcr medizinische!« Kunst und Wissenschaft. Bei dem Umfange dcr städtischen Kranken- Häuser— jedes unifaßt 500—600 Betten— wäre es durchaus an- gebracht und wohl durchführbar, wenn diese„Spccialisicrung" durch Einrichtung besonderer Krankenabtcilungen wenigstens für die wichtigsten Specialfächer Berücksichtigung finden würde. Ge- rade von ärztlicher Seite ist'denn auch dieser Stand- Punkt schon vor längerer Zeit und mit guten Gründen vertreten worden. Die städtischen Behörden haben aber dieses Verlangen bisher ablehnend bcschieden, und die alte Einteilung der Kranken- Häuser in zwei Abteilungen— eine chirurgische und eine innere— beibehalten; erst in dcnr„vierten städtischen Krankenhause" soll diesen eine dritte„gynäkologische" Abteilung angegliedert werden. Wie die Krankenhäuser im Winter, so sind die H e i m st ä t tse n für Genesende im Sommer st e t s überfüllt, iveil auch sie nicht entfernt dem vorhandenen Bedürfnis entsprechen. Genesende, deren Aufnahme in die Heimstätte ärztlicherseits für er- forderlich gehalten wird, müssen im Sommer von ihrer Anmeldung bis zur Aufnahme fast ausnahmslos vier Wochen nnd mehr warten. Die Wartefrist würde sogar noch länger sein, wenn nicht ein Teil der zur Aufnahme Angemeldeten— eben wegen dieser langen Wartezeit— schließlich auf den Heiin stätten-Aufenthalt verzichten und ohne diese so nötige Stärkung die Berufsarbeit wieder aufnehmen würde. Es werden durch diese Verhältnisse nicht allein die 5k! ranke»selb st, sondern auch die Krankenkassen sehr erheblich ge« schädigt. Denn die Kasse mutz in der Regel auch für die in dcr Stadt verbrachte Wartezeit 5lrankengeld zahlen, ohne daß durch das Warten demsKrankcn wesentlich genützt, oder dadurch eine Verkürzung des Heimstätten-Aufenthalts ernröglicht wird. Die für diese Wochen gezahlten Krankengelder bedeuten also für die Kasse eine unnötige Mehrausgabe. Eine Vergrößerung der«Heimstätten" in dem erforderlichen Umfange würde dabei finanziell für den Haushalt der Stadt Berlin nahezu bedeutungslos sein. Denn bisher übersteigen die Ausgaben den Betrag der Einnahmen nur um etwa 40 000 Mark, eine Summe, die doch wahrhaftig in einem Etat von 100 Millionen keine Rolle spielt. ES entfällt dabei dieses Deficit fast ausschließlich auf die „stehenden Kosten", d. h. diejenigen, welche bei größerer oder kleinerer Bclcgungszahl ziemlich gleich bleiben. Es wäre sogar möglich, mit sehr geringen Kosten für schleunige Abhilfe zu sorgen. Denn das Bedürfnis nach Heimstättenpflege ist naturgemäß im Sommer am größten, und es ließe sich daher dcr Platzmangel zunächst leicht durch Aufstellung von Segeltuchbarackcn— wie sie z. B. in der Heilstätte am Grabowsee verwendet werden— beseitigen. Daß auch die Beschaffenheit der städtischen Heim- st ä t t e n noch mancherlei zu wünschen übrig läßt, hat wenigstens die Mitteilung bewiesen, welche der„Vorwärts" in Nr. 230 aus der Malchower Heinistätte für Lungenkranke brachte. Miß- stände, wie die dort beschriebenen, sind allenfalls in einer Dorf- krankeiistnbe des hintersten Ostelbiens entschuldbar, aber nicht in einer Anstalt, die der Reichshauptstadt gehört und unmittelbar vor ihren Thoren liegt. Als weitere hierhergehörige Einrichtung ist die sogenannte „offene Arme n kranke n pflege" zu' erwähnen, d. h. die .außerhalb von Krankenanstalten erfolgende Bchandlring armer Kranker. Dieselbe liegt in den Händen von 75 besoldeten Armen- ärzten und 35 Specialärzten, welche letztere durchweg unbesoldet sind. Es verdient dies hervorgehoben zu werden, ciunial weil es dcr Würde der Stadt Berlin wenig entspricht, in dieser Weise zu„nassauern", deS weiteren aber auch, weil diese für die Stadt unent- geltliche Behandlung für die Kranken ebenso den Verl» st des Wahlrechts zur Folge hat, wie jede andere Krankeiiuntcrstützung. Da die betreffenden Specialärzte die„Armen- kranken" auch nur in ihren Polikliniken behandeln, so ergiebt sich folgendes: Soweit Kranke diese Polikliniken aus freien Stücken aussuchen, werden sie unentgeltlich behandelt, ohne darum eine Schmälcruiig ihrer Bürgerrechte zu erfahren; soweit sie aber aus Unkenntnis picser Thatsache mit einem„Armenschein" die Poliklinik in Anspruch nehmen, hat dies den Verlust des Wahlrechts zur Folge, auch wenn der Stadt keine weiteren Kosten durch Medikamente und dergleichen erwachsen. ' Die besoldeten Armenärzte erhalten ein Jahresgehalt von 1200 oder 1500 M., wobei sich die Höhe des Gehalts nicht nach der Inanspruchnahme, sondern nach dem Dienstalter richtet. Der Thätigkeitsumfang ist ein ganz verschiedener, je nachdem ob viel oder wenig„Arme" im„Bezirke" wohnen, und es wechselt daher auch der auf die„Einzelleistung" entfallende Gehaltsteil in ziemlich weiten Grenzen. Im allgemeinen kann man jedoch sagen, daß namentlich die beschäftigten Armenärzte in den Proletariergegenden eine für den Umfang ihrer Thätigkeit unwürdig niedrige Besoldung be- ziehen. Jedenfalls sind alle Armenärzte— auch die, deren„Armenpraxis" allein genügen würde, sie vollauf zu beschäftigen— für den Erwerb ihres Unterhalts hauptsächlich auf ihre anderweitige Praxis an- gewiesen. Es ist daher menschlich verständlich, wenn dieselben bestrebt sind, sich die Zeit dafür zu ivahren und deshalb eine übermäßige Aus- dehinnig des Umfanges ihrer armenärzlichen Thätigkeit nicht gern sehen. Leider macht sich aber dies Bestreben auch den„Armenkranken" bis- weilen— und zwar nicht angenehm— bemerkbar, und es kommt dann zu Klagen über unangeniesscue Behandliing seitens der Armen« ärzte und dergleichen. Diese Beschwerden, welche ja auch ab und zu in die Ocffentlichkeit dringen, sind nach dein Gesagten weit mehr auf das falsche System, als auf die Fehler der einzelnen Personen zurückzuführen. Ja, man kann sagen, eine Maßregel der städtischen Verwaltung begünstigt geradezu ein solches Verhalten der Armen- ärzte, das zn Klo gen Anlaß giebt. Während alle Acrzte, die Kassen kranke behandeln, zweimal am Tage und zu dcr üblichen Zeit für dieselben Sprechstunde abhalten müssen, brauchen die Arnienärzte dies nur einmal zu thun, und zwar dürfen sie zu einer ihnen genehmen Zeit eine besondere „Armen-Sprcchstunde" abhalten. So werden schon äußerlich die Arme» als PariaS gezeichnet, die man thunlichst nicht niit der Privatpraxis in Berührung kommen läßt. Für die Kranken hat dies aber weiter den Nachteil, daß sie eben nur einmal am Tage— durchweg wohl in den Morgenstunden— den Arzt aufsuchen dürfen, und nicht selten abgewiesen werden, wenn sie außer dcr Zeit, z. B. infolge plötzlich eintretender Erkrankung, die Hilfe des Arztes erbitten. Die Klagen', welche in die Ocffentlichkeit dringen, gelten meistens gerade diesem Ucbclstand. Auch hier gilt es also, die bessernde Hand anzulegen, und wenn dies gründlich geschehen soll, so muß mit dem ganzen System der beschänkten Zahl an gestellter Armen- ärzte gebrochen werden. Es müssen die Armenkranken den zahlenden Privatpatienten insofern gleichgestellt werde», als sie nicht gezlvungen werden dürfen, sich an einen bestimniten Arzt zu wenden, sondern es ihnen freistehen niuß, selbst den Arzt ihres Vertrauens zu wählen. Wenn unsere Vertreter einen dahingehenden Antrag einbringen, dann können sie sich auch in diesem Falle auf ein Mitglied der liberalen Mehrheit berufen: auf Rudolf Virchow', der im Jahre 1849 die Abschaffung der Armenärzte und die Einführung der freien Arzt ivahl für die A r m e n k r a n k e n forderte. Er zeichnete auch den Weg, auf dem dies verwirklicht werden kann, schon bis ins einzelne vor:„Die Gemeinde wird zlinächst durch eine öffentliche Aufforderung zu erniitteln haben, ivelche von den in ihrem Bereich ivohnhaften, vom Staate anerkannten Acrzten sich mit der Armeukranken-Behandlung beschäftigen wollen. Diese Aerzte werden zu einer Association genannten„neuen Linken" beteiligten. DaS Referat hatte der Kandidat des Bezirks, Genosse KarlKoblenzer, überiiommen. Er führte aus, daß man es im bevorstehenden Wahlkampfe nicht mit eiiizelncu Parteien, sondern mit einer geschlossenen Masse der Gegner zu thun habe. Es sei auS diesem Grunde notwendig, die Wähler bis zum letzten Mann an die Urne zu holen, um nicht durch zu große Vertrauensseligkeit den einen oder andern Wahlbezirk zn verlieren. Redner kritisiert dann die Mängel Uilseres jetzigen Kommunal- wähl- Systems und charakterisiert die jämmerliche Haltung de» Freisinns dem Rufe nach Verbesserung dieses Wahlsystems gegen- über. Darauf entwickelte der Referent unsere Forderungen auf dem Gebiete deS Schulwesens, insbesondere die der unentgeltlichen Ver-, abreichung von Lehrmitteln, der Einführung von Schulkantinen, der Ailstelliing von Schulärzten, des Verbotes der Kinderarbeit und deS Obligatoriums für die Fortbildungsschule. Auch bei dieser Ge- legenheit läßt dcr Redner helle Schlaglichter auf das Verhalten der freisinnigen Majorität fallen. An Stelle des heutigen SubmissionS- wefens fordert Redner dann die Uebcrnahme öffentlicher Arbeiten in eigene Regie der Stadt oder mindestens die Aufnahme einer Vertragsklausel in die Kontrakte mit den Unternehmern, wonach diese stcki verpflichten müssen, bestimmte Miiiimallohnsätze zu zahlen. Um die Mittel für Bestreitung der durch diese Forderungen entstehenden Mehrausgaben zu beschaffen, hält es Redner für nötig, unser öffent- liches Verkehrswesen sowie andere ertragsreiche Unternehmungen in das städtische Eigentum zu überführen. Der Behauptung gegenüber,! daß alle bisher in der städtischen Verwaltung gemachten Fortschrittes ohne Zuthun der Socialdemokratie lediglich Werk dcr freisinnigen Majorität seien, betont Redner, daß die socialdemokratische Fraktion im„Roten Hanse" gewissermaßen das Gewissen darstelle, daß den übrigen Parteien die geringen Fortschritte abpresse. Es gelte,! dieses Gewissen zu stärken und darum möge man dafür sorgen, daß! auch im 33. Bezirk in dcr dritten Abteilung ein Socialdcmokrat als Stadtverordnetcr gewählt werde. Nachdem der Referent unter lautem Beifall der Anwesenden geendet hatte, ergriff als erster Redner in dcr Diskussion das Wort einer der' anwesenden Freisinnigen,' Herr Gyninasiallchrer M i e h l k c. Er beklagt sich, � daß der Referent auch die sogenannte„neue Linke" mit den übrigen Frei- sinnigen und sogar mit den Antisemiten in einen Topf geworfen habe. Die„neue Linke" sei in vielen Fragen ebenso radikal gewesen, wie die Socialdemokratie; er erinnere an die Stellungnahme zur Ehrung oer Märzgefallenen und die Frage dcr Uebcrführung dcr Elektri citätS- werke in' städtische Regie. Die obligatorische Verabreichung von Lehrmitteln und Speisen an die Kinder hält der Redner für zu weitgehend. ES sei Aufgabe dcr Eltern, dafür Sorge zu tragen und nur in Notfällen dürfen für diese» Ziveck öffentliche Mittel verivandt werden. Wenn in dieser Frage auch eine MeinungSdifferonz bestehe, die sich auS der verschiedenen Weltanschaiiung erkläre, so habe auf der anderen Seite die„neue Linke" doch vorurteilsfrei für die Einführung des Socialdemokraten Singer in die Schuldeputation gestimmt. Redner weist zum Schluß darauf hin, daß der bürgerliche Kandidat für der» 33. Wahlbezirk auf dem Standpunkt der„neuen Linken" stehe.— Genosse B o r g m a n n vcrivcist gegenüber den Lobeshymnen, welch» Vorredner dem Freisinn saug, ganz besonders auf die bekaunten Wahlabmachungen. Stände es um den Freisinn der„neuen Linken" so, wie der Vorredner glauben machen wollte, so hätte dieselbe nie ihre Hand zu solchen Abiiiachungen geboten, da dieselben offensichtlich nichts iveiter bezwecken, als dcr schon vom Gesetz so stark benach- teiligten arbeitenden Bevölkerung auch in der dritten Klasse ihre Ver- tretnng zn nehmen. Der Redner schildert dann die speciellen Mängel deS Berliner Schulwesens, die„fliegenden Klassen", die Mietsschulen usw. — Buchdrucker R a l i s ch e r vertritt alsdann ebenfalls den frei» siiiuigeii Stniidpuukt.— Gegenüber einer Aeußerung des Herrn Lehrer Miehlke ruft Blücher den Anwesenden ins Gedächtnis, wie diese frcisiiiiiige Stadtverivaltung seinerzeit der Freireligiösen Gemeinde die ihr für Unterrichtszwecke zur Verfügung gestellten Schulräume entzogen habe.— A u g u st i n konstatiert, daß keiner der fleisiiniigen Redner anf den Maiidatsschacher eingegangen iväre. — Herr Lehrer Miehlke erklärt, daß er allerdings beschämt be"> kennen muß. daß die Socialdemokratie in vielen Fällen sich auf einen Standpunkt ge- st eilt habe, auf dem er seine freisinnigen Parteigenossen vergeblich gesucht habe(I) So halte er es für vollkommen berechtigt, daß bei der Vergebung von Submissioiisarbeiten dem Unternehmer aufgegeben werde, den von der Arbeiterschaft anerkannten Tarif zu zahlen.— Nachdem dann der Freisinnige R a l i s ch e r, sowie die Genossen Borg- mann und A l t noch einmal gesprochen haben, ergreift als letzter Redner ein Freisinniger, Herr Görsdorf, das Wort. Er erklärt. daß die anivesenden'Freisinnigen nicht als Privatpersonen, sonder» als Mitglieder des Wahlkomitees der„neuen Linken" gesprochen haben, und erklärt weiter, daß sich die Mitglieder diese? Komitees einig seien in der schärfsten Verurteilung deS über die Köpfe der Wählerschaft ab- geschlossenen und mit Recht von den socialisti-� fchen Rednern gerügten Kompromisses.— Nach dieser interessanten Erklärung hält der Referent ein kurze? Schluß- wort und M a r S als Vorsitzender schließt die Versammlung mit einer kräftigen Ansprache, die er in ein Hoch auSklingen läßt auf. die internationale, völkerbefreiende Socialdemokratie. Der Wahlverein für den S. Berliner ReichötagS-Wahl- kreis hielt am 19. d. M. im Lokal von Maul, Perlebergerstr. 13, eine Versammlung ab, in welcher der Kandidat des 45. Kommunal- Wahlbezirks. Genosse Glocke über die bevorstehenden Stadt- verordnetenwahlen referierte. Dcr Redner erläuterte kurz und treffend unsere Forderungen an die Kommune auf dem Gebiete der Schule, als Unentgeltlichkeit der Lehrmittel. Beseitigung der fliegenden Klassen. Anstellung von Schulärzten, Verbot dcr gewerblichen Kinderarbeit, obligatoiasche Fortbildungsschulen usw., geißelte die Miß» stände im Submissioiislvesen, sprach für Besserstellung dcr städtischen Arbeiter und Uebernahme der Straßenbahnen, Gas- und Elektricitäts- werke in städtische Regie, damit die aus den Taschen der Steuerzahler herausgewirtschafteten' Ueberschüsse auch diesen selbst zu gute käuien. Auch auf dem Gebiete der Arineu- und Waiseupflege, und in der öffentlichen Gesundheitspflege, die ebenso wie die Baupolizei von der Stadt zn übernehmen sei, bliebe noch sehr viel zu thun. Redner forderte ferner Unentgeltlichkeit der Bestattung und Uebernahme der Friedhöfe durch die politische Gemeinde. In der Diskussion sprachen: Anders, Geschke, G erth. Hern, ann u. a. im Sinne deS Referats. Der Kandidat der Bürgerpartei, Bäckernicister Wolf,- erklärte sein Einverständnis mit den meisten Forderungen, die vom Referenten aufg stellt seien, ineinte aber dann, für die Arbeiter geschehe doch Ivohl genug, umsomehr, als demnächst auch die Ge- mcinde-Einkommenstcuer bis 9 M. cncher Hebung kommen solle Aber für den Mittelstand geschehe gar nichts, ja die Socialdemokratie »volle ihn sogar tieniichteu. Es war dem Referenten bc�Iv. den Diskussionsrednern ein leichtes, dein Herrn Bäikcrmeister seine Irr tünier uachzmvciscn, wenn auch nicht, ihn davon zu überzeugen. Nicht die Soeialdeiuokraten, sondern die wirtschaftliche Entivicklnng ver- Nichte den Mittelstand. Zum Schluß forderte Genosse Fischer zur. kräftigen Agitation für die Stadlverordnctenwahlen auf;»ver sich am 6. November frei machen könne, solle sich dein Vertrauens mann Genossen Pfarr, Putlitzstrabe 10, zur Verfttgimg stellen Eine Kominunaltvählcr-Vevsamnllnna für den 40. Bezirk, welche sich eines sehr guten Besuches zu erfreuen hatte. tagte am 19. d. M. in» Glciuertschen Lokale, Schulstr. 29. Genosse Kiese als Referent behandelte das zeitgemäße Thema: WaS hat der Freisinn i in Roten Hause z u in B e st e n d e r a r- beit enden Bevölkerung bisher gethan? Die Antwort auf diese Frage könne cigeutlich sehr kurz gegeben werden: So gut wie nichts! wenn es sich nicht darum hnudclie. die große Masse der- jeniaen Arbeiter aufzuklären. die in völliger Unkenntnis der Wirt- schaftlichen Verhältnisse alljährlich hier zugezogen kommen und einen ganz falschen Begriff mitbringen über die Zustände auf dem Gebiete der Arbeiterfürsorge, letzteres im weitesten Sinne des Wortes genommen. Aber auch diejenigen Parteigenossen, die sich früher ablehnend zur Beteiligung an den Stadtverordneten Wahlen verhielten, seien ja heute infolge der großen Unterlassungs sünden des Berliner Kommunal- Freisinns zu der Ueberzengung gc langt, daß die Nichtbcteiligung ein großer Fehler sein tvürde. Redner beschäftigt sich sodann sehr eingehend mit der städtischen Armenpflege. Wenn wir als Socialdemolrntcn auch nicht die Gewißheit haben, daß durch die Arnieupflege die ganze heutige Misere nicht beseitigt werden könne, so kann doch der freisinnigen Stadtverwaltung nicht das Zeugnis ausgestellt werden,- daß sie bisher auf diesem Gebiete auch nur annähernd daS gethan hat, was sich bei etlvas mehr gutem Willen und Verständnis thun lasten könnte. Auf dem reichen und so bedeutsamen Gebiete des Schulwesens sieht es genau so aus. Redner streift weiter die Mißstände im Submissions »vcscn und das Verhalten der Stadtverwaltung als Arbeit geber, hierbei besonders die sehr platonische Liebe des Freisinns für daS Koalitionsrecht der Arbeiter hervorhebend. Wenn auf allen diesen für die Arbeiter außerordentlich»vichtigen Gebieten Wandel geschaffen werde» soll; so kann das nur geschehe!?, wenn die Arbeiterschaft alles daran setzt, daß nur Männer ihres Vertrauens, d. h. der Socialdemokratie als Vertreter in das Rote Hans geschickt »verde». In der Diskussion sprach zunächst der Kandidat des Be- ziifes, Genosse H i n tz e. Derselbe meinte, wie Bismarck selber zu- gestanden habe, daß ohne die Socialdemokratie in» Reichstage auch das bißchen Socialreform noch nicht vorhanden Iväre, so hätte auch die Stadtverwaltung sich zu den geringfügigen Anläufen»virklich volkstümlicher Kommunalpolitik noch nicht entschlösse!?, wenn sie nicht stets und ständig durch die socialdcmo- kratcsche Vertretung dazu gedrängt worden wäre. Auch giebt der Redner die �Liste aller derjenigen bürgerlichen Stadt- verordneten und Stadträte ic. bekan??t, ivelche finanziell an Unter- nehmungen beteiligt sind, die zur Kommune in geschäftlicher Beziehung stehen. Da sei es dann freilich kein Wunder, wenn so wenig Neigung vorhanden sei, in eine Reform des Submissionstvescns und die Ein- führung des Regiebetriebs zu willigen. Genosse L i e p m a n n kritisiert besonders das Verhalten des Berliner Freisinns in Sachen der Sonntagsruhe. Es geschehe den Freisinnigen nur recht, tvenn n?an sie ein Jahr und länger auf die Bestätigung ihres Oberbürger- Meisters warten lasse, haben diese es doch fertig gebracht, die große Zahl der Handlungsgehilfen sieben Jahre lang u? der Ungewißheit über den Aistrag betreffend Einführung elner besseren Sonntagsruhe schweben zu lasten. Redner weist aber auch darauf hi??, daß die Parteigenossen, besonders des sechsten Wahlkreises, keine Veranlassung hätten, auf die Ergeb??isse der letzten Stadtverordnetcn-Wahlcn stolz zu sein. Es müsse dies mal alles daran gesetzt»verde», diese Scharte auSzulvctze??. Gegner meldeten sich trotz mehrfacher Aufforderung nicht zum Wort. Eine Resolution, in der sich die Versammlung mit de» Ausführungen des Referenten einverstandei» erklärte und sich verpflichtet, rnit aller Macht für die Wahl des socialdcmokratische?? Kandidaten einzutreten, gelangt zur einstimmigen Annah?ne. Nachdcn? ein be- geistert aufgenommenes Hoch auf die Socialdemokratie ausgebracht, fand die Versammlung ihren Abschluß. I»» einer Wählcrvcrsammlnug für den 48. Ko», munal Wahlbezirk, die am Donnerstag in» Victoriagarten(Badstraße) stattfand, sprach der Kandidat Genosse W. P f a n n k u ch über die -i-hätigkeit der Socialdemokratie in? lltoten Hause. Redner erörterte ausführlich die Aufgaben, die sich die Socialdeinokratie in konnnunaler Hinsicht gestellt hat,»lud führte unter anderem aus: Berlin mit feine?» beinahe 100 Millionen umfassenden Etat habe eine Verwaltung, an die die Ver waltungen verschiedener deutscher Vaterländer nicht Hera» reichte??. Daß sich hierauf die Arbeiterschaft einen Einfluß zu ver- schaffen suche, sei selbstverständlich. Und ein solcher werde erreicht, trotz der Schwierigkeite??, die das elende Drciklassen-Wahlsystem biete.— Die Socialdeinokratie trete dafür ein, daß alle dem öffentlichen Interesse dieiiendcn Betriebe und Institute von der Stadt zu über- nehmen seien, damit die Uebcrschüsse in den städtischen Säckel fließen könnten und so eine Entlastung der unbemittelten Steuerzahler er« >??öglicht werde. Mit den Betrieben würden eine große Menge von Arbeiter?» der städtischen Verwaltung unterstellt und der Ausbeutung deS Privatkapitals entzogen. Sie käme» in geregeltere Arbeits- Verhältnisse, dafür sorgten schon die Parteigenossen in der Stadt- Verordneten-Vcrsammlnng, die a?lf diesem Gebiete bereits Erfolge zu verzeichnen hätten. Redner habe als Kandidat eine Einladung zu einer Versammlung aller in städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter erhalten. Diese Arbeiter würden sich nicht organisieren und nicht so auftreten können, wenn sie nicht in den socialdemokratischcn Stadtverordneten einen Rückhalt hätten Freisiimige, besonders Eugen Richter, hätten die Frage gestellt,»vas die Arbeiter, die eine fluktuierende Bevölkerungstlasse seien, eigentlich in der kommunalen Verwaltung wollten. Run, in der Stadt- verordneten- Vcrsaminlnng gehörten zu den äußerst seßhaften Leuten die Herren Vir'chow und Spinola. und diese hätten seiner Zeit nicht einmal dafür gesorgt, daß die Anforderungen der Hygiene in der Charits erfüllt wurden. Es habe erst der Androhung des Boykotts durch die Krankenkassen bedurft, um Abhilfe zu schaffen.— Genosse Pfannkuch begründete ferner unsere Forderungen mit Bezug auf die öffentliche Kranke??> behandlnng, das Annen- und Schulwesen Ze. Er kam zu den? Schluß, daß nach alledem die Beteiligung an den Stadtverordneten ivahlcn nicht zu gering veranschlagt werden dürfe. Lebhafter Beifall folgte seinen Ausführungen.— Genosse Brinkmann: Die Gegner seien dieser Tage unter sich gewesen und hätten erklärt, daß man doch nicht jemanden wählen könne, der nicht im Bezirk ivohne. Das sei begreiflich bei Leuten, für die der Bezirk der Grund- besitzerverein und die Interessen deS Bezirks die der Grundbesitzer seien.— Schumann: Daß die von der Vcrwaltrmg zur Beschaffung von Schulbüchern für arme Kinder ausgeivorfenen Geld- mittel nicht aufgebraucht würden, komme daher, daß man häufig berechtigte Wünsche nicht erfülle. Redner führt Beispiele an. Im Schlußwort betonte Genosse Pfannkuch, es wäre bei einem socialdemokratischen Vertreter selbstverständlich, daß er mit seinen Wählern in steter Verbindung bleibe, auch wenn er nicht im Bezirk»vohne. Ueber den Mietövertrag nach den Beschlüssen der HauS- besifler-Bercine sprach Rechtsanwalt Michaelis am Donnerstag im Verein Berliner Wohmmgsinieter. Der Redner ging die einzelnen Paragraphen des vom Verband der Grundbesitzer-Vererne festgesetzten neuen MietSvertrags-Formulars durch und warnte vor der Unter- zeichnung eineS derarrigen Vertrages, weil die Abfassung desselben augenscheinlich den Zweck habe, die günstigere Rechtsstellung. welche daS Bürgerliche Gesetzbuch dem Mieter gewährt, zu Gu>?ste?? des Hausbesitzers hlnfällig zu machen. Als schwer- wiegendste Bestinrmung des»enen Lertragsformnlars bezeichnete der Redner diejenige, wonach die Frau als mit dem Manne gleich- verpflichtete Mieterin bei? Vertrag �mit zu unterschreiben hat. Das Pfandrecht, welches der Vermieter bisher an den Sache» der Fra» des Mieters hatte, werde durch das Bürgerliche Gesetzbuch beseitigt. Diese dc?n Mieter günstige Bestimmung des Bürgerlichen Gesetzbuchs tverde aber dadurch, daß die Frau den Vertrag mit»mterzeichne, aufgehoben, und die Frau hafte danach dein Vermieter nicht nur— wie bisher— mit den in der Wohnung befindlichen Sachei?, sondern mit ihrem ga??zei? Vermögen, also auch mit einem etwaigen Sparkasscnguthaben öder soustigei? Sparkasscngeldcru. Ferner könne, wenn die Frau Mit- Mieterin ist. ein ans längere Zeit abgeschlossener Vertrag beim Tode des ManneS nicht vorzeitig gekündigt werden. Im Jutcress Mieter könne der Redner nur dringend vor einer Mitnntcrzeichnung des Vertrages seitens der Frau warne??.— In der Diskuisioi?. die dem beifällig aufgenommenen Vortrage folgte, regte Herr v. Gcrlach a?», der Mictcrverein möge sich in Zukunft— für diesmal werde eö schon zu spät sein— aktiv für die Stadtverordneten-Wahlcn interessieren und einigc Kandidaten in der dritten Abteilung als ausgesprochene Vertreter der Mieterinteressen auft'tellon. Gegenwärtig»vürdei? die kommunalen A??gelegenheiten i» der Stadtverordneten-Versammlung »ach politischen Gesichtspunkten beurteilt, während der große Gegeniatz zwischen Grundbesitzern und Mietern nicht zuin Ausdruck kon?me. Der Verband der Möbclpolierer hielt am 16. Oktober bei Keller, Koppenstratze, eine Generalversammlung ab. Vor Ein tritt in die Tagesordmmg gab der Vorsitzende das Ableben des Kollegen Gustav Er n st bekannt. Die Versammelten ehrten das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen. Den? Bericht des Vorstandes ist zu en<>ich?nen, daß die Forderungen fast alle bewilligt sind. Auch in der Nähmafchinen-Branche, speciell bei der Firma Laborenz, sind sehr grste Erfolge erzielt worden. Die Anträge der Lohukommission sind auch von der Freien Vereilligung der Holziiidustriellen zum größten Teil aiigei?on????en. Der Vorsitzende Schulz erl??ahl?t die Kollegen, den festen Zusammenschluß, den sie in dieser Lohnbewegling gezeigt, auch in Zukunft zu bewahren. Rechtsschutz wurde einen? Kollegen gewährt. In drei Werkstellen wurde zu Gunsten der Tischler die Arbeit niedergelegt, und zwar bei Weldcwitz, Höhne u. Krämer r?nd bei Baschin in Weißensee. Unterstützung ai? andere Gewcrkschaftci? sind im verflossenen Viertel jähr gezahlt: An die dänischen Arbeiter 400 und an die Steiw nrbciter 100 M. Dem Bericht des Kassierers zllfolgc betrug die Eiw nähme 3966.75 M.'. die Ausgabe 2814,00 M.: Bestand 7230.43 M. Den, Kassierer tvirdDecharge erteilt. DieBibliothek ist?lm310Bä!?dcver???chrti sie repräsentiert einen Wert von ca. 2200 M. Bei der hieralif vor- genommenen Vorstandswahl tvurde der bisherige Vorstand, die Kollegei? Schulz und S t o b a ch wiedergewählt. Ei»? Al?trag, in jeder'Zahlstclle Bücher auszulegen, in welche die Kollegen Extra beitrüge fiir Streiks usw. einzeichnen können, wird angenommen. um Schluß macht der Vorsitzende bekannt, daß am 30. Oktober bei eller, Koppcnstr. 29, vom Direktor Archenhold ein Projcktions Vortrag über: ,Welten-E??tstehen und-Vergehen' gehalten wird. Mitglieder Habel? freien Eintritt. Diejeuigci? Kollegen, welche sich wegen Hautkrankheit von Herr?» Dr. Becher untersuchen lassen wollen, werden darauf aufmerkst???? gemacht, daß die Untersuchung am 3. Dezember geschlossen wird. Die Gold- und Silberarbeitcr hielten am 12. Oktober im Dresdner Garten' eine Generalversammlung ab, um über die Lage des Verbandes zu diskutieren und welche Orgauisationsform die Kollegen für die Zukunft für die beste halten. Nach einigen ein- leitenden Worten Brückners entsparn? sich eine zuins Teil sehr erregte Diskussion, in der die meisten Redner für Anschluß an de» Metallarbeiter-Verband eintraten. Eil? Antrag, vorerst noch ab- zuwarten und heute noch keinen entscheidcndcn Schritt zu thun. wurde mit großer Mehrheit abgelehnt, und sodann ei» Antrag auf Ucbertritt zu de?n Mctallarbciter-Verband, bei zahlreicher Stimmen enthalwng. angenommen. Ter Borsitzende ersuchte??och die Kollegei», die gegen diesen Antrag gestimmt haben, die Beschlüsse der Majorität zu respektieren und sich dem Metallnrbeitcr-Verbaude anzuschließen. damit den Unternehmern nicht das Schauspiel eines Zwiespaltes innerhalb der organisierten Kollegen geboten»verde. Holzarbeiter- Verband. Im Bezirk Ost und Nord- Ost bielt in der Versammlung vom 9. Oktober Haffner einen Vortrag über die Statistik deS Deutschen Holzarbeiter- Verbandes. Zum Bezirks- leitcr wurde A h r e n d, zu Ko»nnlisstonsmitgliedcrn Bal»sdorf. Hein, Tack, Nerte, Greise, Schwarz und Kulowski gewählt. Die Tapezierer hielten a?n Montag, den 16. ds., bei Paster, Jnfelftr. 10, eine öffentliche Versan????lui?g ab mit der Tagesordnung: „Wie stellen sich die Tapezierer Berli?tS zu?» Ausschluß von sechs Kollegen aus dem Eeirtralverbaud wegen ihrer Agitation für den Klebc'rverein?" Das Referat bielt Holz an? er. Er verurteilte das Vorgehen des Verbandes. Nach längerer heftiger Debatte zwischen Anhängen? beider Richtungen wurde nachstehende Reiolution an- genommen:.Die heutige Bersainmlung der Tapezierer Berlins ver- urteilt den Ausschluß der sechs Kollegen aus dem Verband aufs schärfste»md spricht den ausgeschlossene» Polsterern ihre vollste Sym- pathie auS. Der Allgein. Arbeiter- und Arbeiterinncn-Vercin Berlins und Umgegend hielt am Montag seine Generalversan?u?lllng ab. Zuerst sprach Reich über:„Die Unfallversicherung, die Berufs- geiiosseuschastcn und ihre Vertrauensärzte.' An der Diskussion be- leikigte sich Weise. Dann gab die Kassiererin den Kassciibcricht, derselbe wies inkl. Kassenbestand vom 2. Quartal eine Einnahme von 132,40 M. auf, dem eine Ausgabe von 72,90 M. gegenüberstand. sodaß ein Bestand von 109,60 M. verblieb. Der Kassiererin»vurde Dccharge erteilt. Unter Verschiedenem wurde bekannt gemacht, daß das 10. StiftlmgSfest am Sonnabend, 18. November, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 76, stattfindet. Im weiteren kritisierte Reich das Verhalten einiger Kollegen bei der letzten öffentlichen Versammlung. Die Arbeiter und Rrbeitcrinnen der Wäsche- und Ura- vattcnbrauche hielten am Dienstag, den 17. d. M., bei B u s k e. Grenadierstraße 33, ihre BercinSversammlung ab. Genosse W i tz sprach in einem beifällig alifgenommencn Vortrag über.Religion und Wissenschaft'. Eine Diskussion fand nicht statt. Der Kassierer S t a>? o w s k i gab den Vie»-teljahrsbericht. Danach betrug die Einnahme einschl?cblich Bestalid vom vorigen Quartal 414,90 M., die Ausgabe 292,17 M., son?it verbleibt ein Ucberschuß von 122,73 M. Dann erledigte der Verein interne Angelegenheiten und beschloß gegen 4 Stimmen Sinführui?g einer Krankenzuschubkasie. Die hierzu nötigen Vorarbeiten wurden dem Vorstcu?d, welcher durch b Personen verstärkt wurde, überwiesen. Unter Verschiedenem verfügte die Versammlung den Ausschluß des Mitgliedes F. Holz, welcher sich gegen die Satzungen des Vereins vergairgcn hat. Der Fachverein der Holg- und Brettcrträger hielt am 16. d. M. seine regelmäßige Mitglieder-Vcrsammlung bei Ewald, Schönleinstraße 6, ab. Die Abrechnung ergab 406 M. 70 Pf. Ein- »ähnle. 280 M. 80 Pf. Allsgaben, alter Bestand 1142 M. 37 Pf., bleibt Bestand 1267 M. 27 Pf. Sodann wurde beschloffen, bcziigl. der Streikkarten einige Paragraphen zu ändern und bei der nächsten Versammlung vorzulegen. Die Freie Vcrciirigung der Bauarbeiter Berlins»md Umgegend hielt am Sonntag, den 16. d. M.. ihre regeln?2ßige Mitglieder-Vcrsammlung bei Wernau, Schwedterstraße 23/24, ab. Johannes Rein hielt einen Vortrag über:.Die Gewcrk- chaftcn und die Arbeirerschutz-Gesetzgebuirg.' In längerer Rede unterbreitete der Referent die allgemeinen Mißstände in der ArbeitersÄutz-Gesetzgebung»rebst den allgemeinen Versicherungs- Verhältnissen zum Bestell der Arbeiter� bei Unglücksfällen usw. Dem Redner wurde lebhafter Beifall gezollt. In der Diskussion nahm der Vertrauensmann Fritz Krüger im Sinne des Referenten da» Wort. Nach dem Kastenbericht war im S. Quartal inklusive deS Bestandes vom 2. Quartal eine Eiilnahms von 802,66 M„ eine Ausgabe von 664,67 M. zu ver- zeichnen, so daß ein Bestand von 247,93 M. verbleibt. Von der Versammlung wurde dem Kassierer Dccharge erteilt. Sodann machte Franz Tischler der Versammlung die Mitteil?l»g, daß der Genosse C. Thieme als Verleger und Rcdacteur unseres Fachorgans.Die Einigkeit' wegen der starken Mitgliederznnahme in unserer Vereinigung, dieselbe noch länger zu expedieren nicht in? stände ist. Bezugnehmend auf den Beschluß zweier vorangegangener Vorstands- sitznngen wurde von der Versannnlnng beschlössen, dem Kollegen Hcrmaun Leincke, wohnhast Swinenlünderstr. 62, vor» 2 Treppen, vom 1. November ab die Expedition zu übertragen. Hierauf wird beschlossen, in? Januar Beiträge nicht zu erheben. Den? Geiverkschafts- kartell werden 60 M., dem Vertrauensmann 100 M. zu AgitationS- zweckcn überwiesen. Schmargendorf. An? Donnerstag fand hier eine öffentliche Maurer- Versammlung statt, in der N i e k e über die Wirtschaft- lichcn Kämpfe der Arbeiter- Organisationen sprach und dabei ailf die größeren Lohnbeweg?n?gen der letzten Zeit und a?if die Aus- spcrrung der dänischen Arbeiter hinwies. Daß auch hier ähnliche Gefahren drohen, dafür lege die Agitation der Unternehmer Ze?lgniS ab. Die JninmgSinänner um Felii'ch erklären, daß Ruhe im Bau- gewerbe mir durch eiiieu vollständigen Sieg des UnternehinertumS eintreten könne. Der vollständige Sieg des Unternehinertums heißt aber nichts anderes als Vermchttmg des Koalitionsrechts, Vernichtung der Organisation, k?lrz Verwirklichung der Znchthausvorlage. Darum sei es Pflicht der hiesigen Maurer, sich???cht?rur gewerkschaftlich z?» organisierci?, sondern auch politisch thätig zu sei??. Nachdem noch Behren d im Sinne der Resol?>tion gesproche??, wi»rde Robert H e b o l d als Delegierter für die Konferenz der Brandenburger Maurer gewählt. Zlrbeiter-Säugerbuud Berlins und der Umgegend. Vorsitzender Ad. Neumann, Brmmenstr. 150, Alle Aenderuugen im VereiuSkalender sind zu richten an Friedrich Kortum, Lausitzerstraße 33. Sonnabend, abends 9—11 Uhr: UebungSstunde und Aufnahme neuer Mitglieder.— „Lyra??ia', Göbel, Landsberger Allee 16k.—„Sanges- Echo', Scholz, Naummstr. 6.—„Immergrün" Tegel, Rentner, Spandauerstr. 13.—„Glück zu". Lorisch, Panks». 323.-„Hand in Hand II", Friedrichsberg, Heinecke, Friedrich Karlstr. II.-„Frisch auf I", Friedrichsberg. Paul, Rummelö- burgerstr. 45.—„Weiße Rose II", Weißensee, Sorrer, Straßburgstr. 66.— „Eil?tracht I", Teltow, Dertz, Zehlendorserstr. 6.—„Sängerlust" Lucken- walde, Schulze, Beelitzers». 34.—„Frohsinn', Rummelsburg, Brewes, Goethe- u. Kantstraßen- Ecke.—„Echo II", Markgrafenspieske bei Fürsten- ivaldc, Grasnick.—„Gem. Chor", Luckenwalde, Gerhart, Haag 6.—„Ober- Schöneweider Liederrafel", Ober-Schüuewcide, Wagener, Edisonstr. 5.— „Vorwärts VII", Rummelsburg, Beutling, Goethe- u. Ka?ltstraben-Ecke. lltrbeiter-Raucherbunb Bcrlills und der Umgegend. Aenderungen im Vercinskalender sind zu richten an Eugen Raschle, Rixdorf, Mahlowcr- praße 1, 4 Tr. Sounabend:„Angler I", Ruppert, Zimmers». 59.— „Havana II", Rowawes-Nenendorf, Simon, Priesterstrabe.—„Glück Ans", RnderSdors-Kalkberge, Greve, H-initzslr. 19.-„Kuba".?? Pönitz, Bra»ide?iburg- straße 54.-„Pappel", Dahmke, Buchholzers». 5.-„Arbeiterfrennde", Dietrich. Rathenowers». 43.-„Havana I", Ripdorf, Philipp. Julirtss». 59.-„Blauer Dampf", Dope, Müllerstraße._____„ Arbeiter> Tnrucrbnnd. Sonnabend: Turn».„Fichte" Berlin. abds. 8-10 Uhr: 1. Männer- Abt. Friedens». 37.- 3. Manner-Abt. Boeckhstr. 17/20- 8. Mäimer-Abt. Höchstes». 36/37.- 2. Lehrlings- Abt. Slalitzers». 55-56.- 4. Lehrlings-Abt. Stephans». 3.- 5. Lehrl.-Abt. Ackers». 67.-„Frei- Turnerschaft Jobannisthal" abdS. 9-10 Uhr Senft- leben.- Turnerschaft d V.„Nereus"(gegründet 1882), Lehrlings-Abt. 8-10 Uhr abdö. Rcichenbergerf». 131-132.-„Arb.-Turnv." in AdlerShof, Schmanscr, Bismarcks». 16 8»/,— 10?/, Uhr abends. Gesang.. Turn, und gesellige Vereine. Sonnabend: Theaterv. „Boheniia", Schulz, Veteranens». 18.- Theaterv.„Normama" jeden letzten Sonnabeiid im Monat, Langncr, Gr. Fraiiksurterstr. 116.— Vergnügungsveretn „Helgoland II", jeden Sonnabend nach dem 1. im Monat, Lehmann, Lübbenerstr. 9. - Skatllnb„Fortuna", ftrabat, Huttens». 1.— RauchNnb„Domröschen", Krüger, Fennstr. 3.- Theaterv.„Nordstern", Schulz, Dnnckcrstr. 90.— Theaterv.„Alpenrose", Bads». 35-36.-„Vereinigung der Tnmfreunde". 81/,— 10?/, Uhr abds. Deiiiurinerstr. 56-57.- Tnrnv.„Osten", Turnhalle Blumeus». 6;!r, S?/,- 10 Uhr abds. Männer- Abt.- Zitherklub„Ertla", Mütter, Hessische- und Hannoverichcstr.-Ecke.- Theaterv.„Othello 1", Nowack, Manteufselstr. 9.- Skatllnb„Hurra", Sinke, Slalttzerstr. 69. - Theaterv.„Thalia", jeden Sonnabend nach dem 1. u. 15. im Monat, Ltndccke, Andreass». 33.- Kegelklub„Kalte Neune", Holzmarklstr. 72.- Thcalcr- Gesellschaft„Einigkeit", Bartz. RH-tnSbergcrs». 53.- Schau- spicllliib„Goethe", Koppcnstr. 65.— Zitherklub„Edelweiß", Rosenthaler- straße U/12.- Rad-Renn-Klub„Alleinaina", Horney, Zomdorserstr. 20.— Vcrgnügungsv.„Frisch- Auf", Äöpiiickerstr. 39a.- Humoristischer Berem „Einigkeit" Schulze. Chaussecs». 54.—„Theaterverem der Lomsenstadt", Anuenstr. 9.-.Schwcizerverein", AI» Jakobstr. 64.-.Bereinigung solider Brüder", Krüger, Oraniens». 173. Bildniigsvercin„Mehr Licht,' Gärtner, Moltenstr. 12. Böhmisch-ilavischcr BildungSV. Post, Beuthstr. 2t. Deutscher socialdemokratischcr Procope, Rue de l Aucieiinc-Coiuedie 13. W sammluiia; reiche Bibliothek, Zeitungen, französischer Unterricht. London. Der einzige hiesige socialdcmolr. Berci?? Londons, der alte, von Karl Marx und Friedrich Engels 1846 mitbegründete Konimunistische Arbcitcr-Bildimgsverein bcnudet sich nach wie vor 49 Tottenham S»eet, Tottenvaln Court Rd., W. London. Alle Ansragen in gewerkschastlichen und parmgciiöisiichcn Angelegenheiten sind an vorst-hende Adresse unter Bezelch- »u>!g:„An den 1. Sekret«»" zu Händen des Vereinsvorstandes", zu richte,?. Verein Vorwärts, Johannesburg(Transvaal). BercinSlokal Progreß-Btcrhalle, Corner of Marshall and Small Skeet. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 22. Oktober, vorm. 8?/, Uhr, tm oberen Saal des„Englischen G a r te n.«lexanderstraße 27c, Versainnilmig: Freireligiöse Borles?lng.— Um 10?/« Uhr vormittags eben- daselbst: Vortrag de« Herrn Wilhelm Bölsche:„Was heißt Weltgeschichte?" Gäste, Damen und Herren, sehr willkotnuien. Eentral-Kranken, und Sterbcknsse der Dachdecker Deutschlands Einigkeit". So??niag, den 22. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Feind. Weins». 11: Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom dritten Quartal 1899. 2. Wahl des Vorstandes. S. Verschiedenes tn«tasten- angclegeuheiten... � Zlllgemeine Kranken-»md Sterbekaffe der MetaUarbeiter. Mitglteder-Versatiimlungeu am Sonnabend: Filiale 3 Manteustels». 157; Filiale 4 bei Fritz Wille, Andreass». 26; Filiale 5 bei Kvpltn, Lothrmger- straße Kß. Zcntral-Kranken. und Sterbekaffe der deutschen Wagendancr. Bezirk I: Versammlung am Montag in Thiels Festsälc», Fmchlstr. 36 a; ' tliale Moabit: Versammlung an? Sonntag bei Drendek, Jagowstr.>6; ieztrk III: Versammlung am Sonntag bei Bergemann, Pasewallers». 3. Bibltothekstunde 9-10 Uhr abds., „Hawlischek', Restaur. Zur neuen Leseklub in PariS. Cafä Le Jeden Sonnabend östentltche Ber- Devmifchkess Bei den Jakilte». Ii? der letzten Sitzung der kaiserlich nissischen geographischen Gesellschaft erstattete ein russischer Gelehrter u?ld Forschutlgsreisender einen i??tereffalitcn Bericht über seinei? Auf- enthalt unter den Jakuten, einer weststbirischci?, auf tiefer Kultur- stufe ftehe??den Völkerschaft. U?iter diese?» Volke herrscht noch i???mer eine Art von Sklavenhandel mit Kindern. Sie kaufen und verlaufen Knaben und Mädchen im Alter von 12—18 Jahren und schließen in diesem Handel auch förmliche Kontrakte ab. Namentlich in den Hungerjahrcn wird dieser Sklavenhandel sehr lebhast betrieben. Fast ein Drittel der Jakutenfamilien besitzt angekaufte Knaben und Mäd- che», letztere geivöhnlich in größerer Zahl und diese Kinder müssen in der That gleich Leibeigenen Dienste thun. Die Mädchen werden auch als Haremsfrauen gebraucht., Menelik als Schutzpatron der Nkchtrancher. Die Gesell- schaft gegen den Mißbrauch deS Tabaks hat an den Kaiser Menelik ein Schreiben gerichtet, in welchem sie ihn beglückwünscht, weil er seinen Unterthanen den Genuß des Tabaks untersagt haben soll. In diese?» Briefe heißt es u. a.:„Kaiser!. Majestät hat wahr- scheintich erfahre??, daß fast alle Völker der Erde einen übertriebenen Uiid unvernünftigen Gcbro?ich von einer Pflanze machen, die die Wilden von Amerika entdeckt haben und die die Bewohner von Europa Tabak nennen. Diese Pflanze wird konsumiert, indem ma?» ihren ekelhaften Rauch durch den M?ind einatmet oder indem man sie trotz ihres scharfen und bitteren Geschmackes kaut oder indem ?nan sie in Form eines als Reizmittel dienenden Pulver» in die Nase steckt."— Wenn nur Menelik nach dieser erschöpfenden Be» lehrung nicht ans den Gedanken kommt, die sonderbare Pflanze ein» mal selbst zu probieren!— Nur den Inhalt der Jnseraie iibcriiimmt die Nedaklio» dem Publikum gegenüber keinerlei Beraniiliortuug. �lzrelkov. Sonnabend, 21. Oktober. Opernhans. Cosi fan tutte. Anfang 7i/, Uhr. Schauspielhaus. Splitter und Balken. Anfang 7V, Uhr. Deutsches. Das Friedenssest. An- sang?>/, Uhr. Lessing. Als ich wiederkam.. Anfang Uhr. Berliner. Staatsgeheimnisse. An fang 7Vz Uhr. Schiller. Die Großstadtluft. An- fang 8 Uhr. Neues. Ein unbeschriebenes Blatt. Ansang 7Vz Uhr. Westen. Die Reise nach China. Anfang?Vz Uhr. Dhalia. Der Platzmalor. Anfang 7V- Uhr. Residenz. Jagdfreuden. Vorher Familien-Souper. Ans. 7�/, Uhr. Luisen. Molly Carrs. Anfang 8 Uhr. ikentral. Die Geisha. Anfang 7V- Uhr. Ostend. Welwntergang. Anfang 8 Uhr. Victoria. ES ist erreicht. Hierauf: Die weiße Henne. Ans. 7l/, Uhr. Friedrich- Wilhelmstüdtisches. Der Klub der Harmlosen. An- fang 3 Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Schneewittchen und die 7 Zwerge. Pelle-Alliance. Gastspiel der fran- zöstsche» Gesellschaft„La Ron lotie". Anfang 8 Uhr. Metropol. Rund um Berlin. Im Reiche der Secession! Ansang 8 Uhr. Slpollo. Frau Luna. Specialitäten- Vorstellung. Ansang 7Va Uhr. Reichshallen. Stcitiner Sänger. Anfang 3 Uhr. Palast. Spreelottchen. Speciali- täten-Vorstellung. Auf. 8V, Uhr. Passag«< Panoptikum. Speciali, täten-Vorstellung. Urania. Jnvalidenstr. ki?/«?. Täglich abends von b— 10 Uhr: Sternwarte. Tanbenftr. 48/4S. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Ansang 8 Uhr. SchillerÄfillter (Wallner-Dheatcr). Sonnabend, abends8 Uhr: VI« Schwank in 4 Akten von Blumenthal und Kadelburg. Sonntag, nachmittag» Z Uhr: Die Ehre. «inntag, abend» 8 Uhr: Nora. Montag, abend» 8 Uhr: vte GroaBstadtlnlt. Mnch-Mhelmst.Thtattt ChauMteitr. 25 26. _ Heut, nachm. 4 Uhr: DM�Grvb« Kinder-Vorstellung� vchlltemttchtllu.l»le7znitrge Zaubermärchen in b Akten. Preise d. Plätze zur Kinder-Vorstellung: Galerie 1l> Pf. 2. Rang u. 2. Ran Sperrsitz 20 Pf. IL Parkett 30 P| I. Rang und Balkon 30 Pf. I. Parkett 40 Pf. yauteuil u. Tribüne bO Pf. ! Rang-Loge klOPf. Parkett-Loge 75 Pf. Orchester- u. Fremden-Loge 1 M. Abend» 8 Ubr: Abends 8 Uhr: Rur uoch 3 Aufführungen t Zum 8. Male: Der W der Hmnlösen. Große» Berliner Sensationsstüii in b Akten von Verden. I.Bild:«erspielt. 2. Bild: Auf dem Metropol< Ball. 3. Bild: Falscher verdacht. 4. Bild: Im «lud der Harmlose«, b. Bild: Ju Moabit. Die für„Die Reise nach der Teufel»- insel" ausgegebenen BonS haben auch heute Gültigkeit. Morgen nachmittag 4 Uhr: Volk»- Vorstellung zu kl. Preisen:»larla (Stuart. Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich v. Schiller. Morgen, abends 8 Uhr: Der Klub der Harmlosen. Metniiiol-Ikstei'. Behrenatr. 55/57. Direktion: Richard Schule. UM" Sensationeller Erfolg!"Mtzh Täglich von Uhr ab: Nund nnrVrrlin. Berliner Lokalreoue in 2 Akten von Juliu» Freund. Musik von Julius EinSdshofer. I. Bild: An der Chansonncttenecke. 2. Bild: Im Ausftellungspark. Stürmisches Lachen! Jubeln! Betfall! erregen: � Berlin und Fremde � lachen bis zu Thränen um 10 Uhr 40 Minuten über den Harmlosenprozch in Moabit Zum Schluß mit feenhafter Ausstattung: Im Reiche der Secession und daS brillante Oktober« Speeialität.» Programm. Anfang 8 Uhr. Ende gegen 11 Uhr. Sonntag, den 22. Oktober, nach- mittags 3 Uhr: Promenaden- Speclalitiiten-Borstellniig. 12 erst- klassige Nummern u. Ballett. Parkett- Sitzplätze und 1. Rangsitze 1 M. Balkonlogen u. Terrasse 2M. Entree 60 Pf. Anfang 3 Uhr. Ende gegen 8 Uhr. VdsIiA-l'dkAter. Tel. AmtIVa 6440. Dreadeneratr, 72/73. Der Platzmajor. Thomas, Tieischer, Helmerding, Junkermann. Im 2. Akt: Gr. Mutoskop- Terzett. Anfang 7Vi Uhr. Lstenh-Carl Wch-Wter. Gr. Frauksnrtcrslraste l.'tS. Vrosser Brtolg. Tosender Belkall! Der Weltuntergang. Großes Ausstattungsstück mit Gelang in 3 Akten(13 Bildern) von Dir. Carl Weiß und Jos. Dill. Musik von M. Fall. Anfang 8 Uhr: Nel!e,bltiilielldeIekorlltiolleit TGile Kostüme! Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntagnachmittag: Freie Volks- bühne. Faust. Ernkrei l T tzvkitev Direltion: Jose Tereneix. Dir G r i s h a. Anfang 7»/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntagnachmittag 3 Uhr zu halben Preisen: Waldmeister von Johann Strauß. NgoMtoLI' SHT früher-Mffl Feen-l'alast, Burgstraffe 23. Sonnabend, den 21. Ottober ct.: Ganz Berlin amüsiert sich über das große erstklassige SM* Oktober-Programm. TgSQ Ganz Berlin staunt über die trefflichen Mcislerturner am sechsfachen Luftrsck. AM' Drei Vnsilescn. Ganz Berlin lacht Thräne» über IVinkler und Fröbel in der zwerchfellerschütternden Burleske Susanne im Bade. Nach der Vorstellung um 11 Uhr: GcscllfchaftSabcnd und Tanz Besucher der Borstellung: Frel-Tanr AM" Kasseneröffnung ö Uhr."WS Anfang 7Vj Uhr. Entree für Vorstellung u. Tanz 50 Pf. Ehren- u. Vorzugslartcn sind gültig Olrhus Busch. Sonnabend, 21.Ottober, ab.7l/zUhr High Liifc Evening. Ol y m- pische Spiele. Römisches Vier- lcspann eine 30 Fuß hohe Kaskade inaufjagend und durch das Wasser- basfin fahrend. Sturz aus der Höhe der Cirkustuppel ins Wasser, dlonsieur Le Mans mit seinem Wuiidcrpferd. Tie Seelöwe». Unsere Marine. Morgen, Sonntag: 2 große Vor- stellungen nachmittags 4 Uhr und abends 71/2 Uhr. Nachmittags 4 Uhr Die Seelöwcn, Bicycle- Wettsahren und Unsere Marine. VI. Noacks Theater, Brunnenstraße 16. eute, Sonnabend, den LI. Oktober: egtuPrivatststlilsikeitkeille Neichshallen. Täglich: Stettiuer Sänger (Mkepsel, Pietro. Britto». Steidl, Krone. K irch in ayer, Schneider und Schräder). Zum Schluß: Stulkes Bfingstfahrt Burleske von Meysel. Ans. präcis 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. Num. Balkon 75 Pf. Balkon- löge 1 M. Orchcsterloge 1,50 M. Fremdenloge 2 M. Tageskasse 11-1 Uhr.' Die BilletS zu den numerierten Sitzen sind stets 8 Tage vorher zu haben. Ili'sms Tniibenatraaae 48/40. — Im Theater abends 8 Uhr:— „Der Sieg des Menschen Über die Natur." Im Hörsaal: Dr. P. Spie«: Ueber einfache Maschinen. Invalidcnstr. 57/62: Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. Passage-Thealer. Anfang des Konzerts 6 Uhr, der VoistellmiA 7 Uhr. Passage. P anopticum. Neu t Anatomisch. Museum. CASTANS PANOPTICUM 165. Frledrlchstrasse 165. U0.,| Die heulenden Un.,) I"CU! und tanzenden HtJU! Derwische ! aus Ober-Aegypten! Ohm Krüger* Dreyfus Mercier* Zola. Apollo-Theater. Abends O Uhr: FranLuna mit Cäciile Carola In der Titelrolle. Ferner: The Gothams das berühmte amerlkan, komische Vokal-Konzert. Otto Remter Chavlta— Vumata Tlero— Barra- Truppa— Blossoms— Lea Durands Francis Gerard „Orlgolatis" etc. cto. etc. Anfang der Vorstellung y1/« Uhr. Vorverkauf täglich tmTheatar und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. Sanssouci Kottbnaeratr. 4 a. Täglich außer Sonnabends Rollmslllls Norddeutsche Sänner. Anfang wochentags§ Uhr. Sonntags O'/i Uhr. Honte znm 3. Male: IieWungslosen. Haehrs Theater Oranienatr. 24. Noseil liüs dem Süden. Ausstattungs-Burleske. Das groffartige Oktober- Programm. Bisa Messer, Kostüm- Soubrette. Mstr. Pauly, Colttorsionist. Mstr. Döbbrick, Champion-Handstandkünstl. Franziska Held, Soubrette. Gustav Eulenburg. Humorist. Anfang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Vorzugskarten an Wochentagen gültig. Victoria- Theater C. Alexanderstr. 40. Fernsp. VII 1711. Direll.: V. Bausenwein u. C.Emmerich. Ausaug Va8 Uhr. Anfang l/2s Uhr. Novität! Novität! „V Es ist erreicht.-MN Burleske von Benno Jacobson. Mustl von Franz Wagner. Hieraus zum 41. Mal: DI» weisse Henne. Vaudeville in 3 Akten. Musik _ von B. Roger.__ rai Wichtig für Gaskonsumenten! Die von Zeit zu Zeit auftretenden Beschwerden über mangelhafte Leuchtkraft, Defektwerden d. Glühkörper, geringere Brenndauer, Springen der Cylinder und dergl. veranlassen uns, wiederholt darauf hinzuweisen, dass derartige Uebelstände in der Eegel auf unsachgemässe Behandlung der Brenner, mangelhafte Reguneruag des Gasdruckes und dergl. zurückzuführen sind. Alle eintretenden Uebelstände lassen sich dauernd und zuverlässig durch sachgemässe Installation b»«eitigbn. Wir bitten daher, uns in allen Fällen die Beschwerden zu übermitteln, damit durch unser geschultes Personal deren Beseitigung fachgemäss erfolgen kann. GaaselbstzUndep „Fiat Lux Automat" AUERGESELLSGHAFT (Deutsche Gasglübllcht Aktiengesellschaft) BERLIN lt., Molkenmarkt 5. GasselbsfzDndep „Fiat Lux Simplex" Zugleich bringen wir unser Abonnement auf Instandhaltung in Erinnerung, die ein dauernd tadelloses Eicht gewährleistet. Die ausführlichen Bedingungen senden wir auf Wunsch portofrei zu. __ IKgl. Fr. 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Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke iu Berlin. Druck und Verlag von Mar Badina in Berlin.