Htnterhaltungsblatt des vorwärts Dienstag, den 19. Mai. Nr. 97. 19ü spricht es für ganz geWitz. Auch ein Wunder nach der Operation/ »Und dann drei Wochen in Wannsee zur Erholung... und wenn die Rosen blühen, nach Satznitz. Da sind Gärten/ lachte das Fräulein. «Die haben wir allerdings nicht," meinte die Pflegerin. Sie hatte das Frühstücksgeschirr zusammengcräumt. Nun trat sie an die Treppe, die zum Garten hinabführte und rief mit Heller Stimme: »Lieschen I" Im äußersten Winkel, direkt am Bahndamm, stand eine spär- liche Laube; drei Frauen sahen darin, Patienten zweiter Klasse, in hellen, blatzblauen Anstaltskitteln; die jüngste sprang auf, als der Ruf erklang, und eilte leichtfüßig auf die Veranda zu. Sie war etwa zwanzig Jahr und trug den linken Arm in der Binde. «Da..." sagte die Pflegerin und reichte ihr die Braten- brötchen.„Die können Sie sich mit Margarete und der Richter teilen." „Braten! Au, fein!" Lieschen nahm das Gebotene wie einen Schatz; sorgfältig balancierend trug sie den Teller nach der Laube zurück:„Das schickt Schwester Jenny, für jeden eins." In dem abgemagerten Gesicht des andren jungen Mädchens leuchtete es auf. Sie griff begierig nach der einen Schnitte. Die ältere Frau sagte höhnisch:„De Jnädje hat wohl� wieder was übrig jelassen? Sonst jiebt's doch sowas Jutes nich für uns." „Es ist Braten," sagte Lieschen und hieb mit dem Appetit der Jugend in ihr Brötchen ein. „Uebrig jelassen," wiederholte die Frau und ihre Stimme zitterte:„Wenn die erster Jüte was übrig lassen, kriejcn wir was, sonst is de Zwiebelwurscht für uns jrade jut jenug." „Daran mutz man nicht denken," sagte Margarete mit einem erzwungenen Lachen. „Wenn man hier überhaupt an alles denken wollte," meinte Lieschen. „Ja, wenn man das wollte!" höhnte die Frau, nich wahr? Wir dürfen unsre Verwandten nur zweimal sehen in der Woche; bei die aus de erste Klasse können se alle Tage kommen. Die nennen se jnädiges Fräulein, wir sind de Richtern und Lieschen und Jrete. Die essen von'n Teller mit Messer und Jabel, wir kriejen'n Löffel und'n Napp; die können ihre Kleider tragen, wir kriejen de blauen Kittel, als sätz man in Numero Sicher." „Ja, für di« is alles Jute," nickte Margarete. „Und für uns was se übrig lassen," spottete die Frau.»Nee, ich will nich, essen Sie man." Sie schob das dritte Brötchen, das für sie bestimmt war, den beiden andren hin. Es griff aber niemand zu. Ein Schatten lag auf den Mädchengesichtern. Er hielt aber nicht lange vor. Als könnte sie damit alles Bedrückende bannen, rief Lieschen mit einem hellen Lachen: „Aber den Garten haben wir wie die." „Ja, den Garten haben wir." „Tet is noch's einzigste," nickte die Frau und ihre müden Augen glitten mit einem Aufleuchten über das maicnfrische Grün. „Ter Jarten. der könnt' mir's fast lieb machen, det ich ins Kranken- Haus jckommen bin. Kinder, fufzig Jahre bin ick alt jeworden, aber so'n paar Wochen in'n Jarten sitzen, det Hab' ick noch nie jekonitt." „Ich Hab' zu meine Mutter auch schon gesagt:'s is hier de reine Sommc: wohnung," nickte Margarete mit einem Lachen. „Und nächstens werden die Rosen blühen," jubelte Lieschen und wies auf ein paar kümmerliche Rosenstöcke.„Sie haben Knospen, sehen Sie mal." „Dann bin ich nicht mehr hier," sagte Margarete beinah traurig.„Mir hat die Schwester heut schon gesagt: ich wäre ge- sund genug, ich mützte raus. Ein kurzer Husten schnitt ihr die Rede ab. «Mich wollen se auch nich mehr behalten," fiel Lieschen ein. Sie streifte die Rosen mit einem traurigen Blick:„Wenn die blühen, sitz' ich schon wieder in meine Schlafstelle und kann sehen, wo ich was verdiene mtt meine kranke Hand." „Und ich steh' ans Waschfaß," sagte die Richter hart. Allein Margarete rief hastig:„Ach nein, Frau Richter, das können Se doch nich; wo Se erst operiert worden sind, können Se doch diesen Sommer nich mehr waschen." „Kann ist nich?" fragte die Frau mit dem alten Hohn in der Stimme.„Werd' ich wohl müssen! Wir find ja bloß zweeter Klasse, Jrete, wir sind ja keene Jnädigen; bei die sagt der Dottor, se müssen sich pflegen, bei uns heetzt's: arbccte, wenn de wieder aus- recht sitzen kannst, biste gesund genug."— — Eine kuriose Heilmethode. In der letzten Sitzung der Gesell- scbaft der Aerzte in Wien sprach Dr. Perc aus Marburg über die „Beziehungen des Bienenstiches zum Rheumattsnms". Die«Reue Freie Presse" berichtet über den Vorttag: Der Bienensttch soll ein Volksmittel gegen den Rheumatismus sein; seine Verwendung ist— wie der Vorwagende bedauernd hervorhob— in der wissenschaftlichen Medizin nicht üblich. Dr. Perc will den Bienensttch als Heilmittel in etwa 500 Fällen mit gutem Erfolge erprobt haben und bettachtet ihn als specifisches Gegenmittel gegen den echten Rhenmattsmus. Wenn die Biene einen gesunden Menschen sticht, so entsteht eine Quaddel und eine schmerzhaste Anschwellung; es können auch Kopfschmerz und Ohnmacht hinzu- trete». Wird der Mensch wiederholt von Bienen gestochen, so ge- wöhnt sich sein Organismus allmählich au das Gift, so daß schließlich zwar noch eine Quaddel auftritt, aber die Schwellung ausbleibt: Der Mensch ist gegen das Bienengift immunisiert. Wenn nun ein an Gelenkrheumattsmus Erkrankter von einer Biene gestochen wird, so tritt angeblich keine Schwellung auf, sondern diese stellt sich erst nach mehreren Sttchen ein; dabei verschwindet aber der quälende Schmerz im erkrantten, mehrfach gestochenen Gelenk. Auf diese Erfahrung baut der Vorwagende eme jedenfalls sehr originelle Heilungs- Methode des Rheumatismus auf. Er läßt den Kranken von Bienen, anfangs von wenigen, dann langsam steigend von vielen, an den Armen und Beinen m der Nähe der erkrankten Ge- lenke stechen, wobei er bis zu siebzig Bienensttchen m einer„Sitzung" gelangt. So wurden einer kranken Frau im Verlaufe der Bienen- kur 6592 Stiche beigebracht.(Bewegung im Auditorium.) Die Kur soll mehreremale wiederholt werden, bis der Organismus dauernd gegen Bienengift immunisiert ist; derselbe Organismus soll nach Angaben des Vorwagenden dann auch gegen Gelenkrheumattsmus immunisiert sein. Dr. Perc empfiehlt die Bienenkur auch gegen Muskelrheumattsmus und gegen Nervenschmerz. An diesen Vorwag schloß sich keine Debatte an; die Zuhörer beobachteten auch, wie sich der Arzt von Bienen stechen ließ und thatsächlich an den Stichstellen keine Anschwellung bekam.— Geschichtliches. ad. Berliner Spitzeltum zur Zeit des alten Fritz. Die ehrenwerte Gilde der Spitzel zählt unter ihren Berufs- angehörigen Gestalten, die dichterischer Verewigung wohl würdig wären. Das Berliner Spitzeltum der Gegenwart hat Exemplare aufzuweisen, die vermöge ihrer urkomischen Hereinfalle zu klassischen Lustspielfiguren geeignet wären. Diese„dumen Teuffel", um einen Lieblingsausdruck des alten Fritz zu gebrauchen, könnten sicher zu mindestens ebenso wirksamen Bühnenhelden werden, wie jener Lessingsche Wirt des sridericiamschen Berlin, der im Ver- gleich zu dem ein oder andren spionierenden Kubikesel von heute als ein Ausbund von Verschmitzheit erscheint: als ein „Kerl von Kop", wie der alte Fritz sagen würde. Daß der Wirt in„Minna von Barnhelm" ein Spitzel ist, kommt freilich den meisten, die Lessings Stück heute lesen oder sehen, gar nicht zum Bewußtsein. Wer nicht einigermaßen mit den Jdealzetten des großen Königs verwaut ist, denkt, der Witt spioniert aus purer Neugierde, suche bloß zu seinem Privatvergnügen die Kammerjungfer aus- zuforschen. So harmlos ist die Sache aber nicht. Der Wirt will„die Geheinmisse eines Frauenzimmers" für die heilige Hermandad er- künden; denn„die Polizei will alles, alles wissen; und besonders Geheimnisse". Als Werkzeuge dazu aber dienten in erster Linie die Witte, Traiteurs und Gasthofpächter in Berlin und den übrigen größeren Städten Preußens. Der König zahlte ihnen den ganzen oder halben MittzmS. Die Gegenleistung bestand in Bespitzelung ihrer Gäste. Sie sollten täglich über alle Gespräche und Zusammen- künfte in ihren Räumen an die Polizei berichten. Von verdächttgen Persönlichkeiten hatten sie möglichst auch„einen verläßlichen Pro- thokoll-Auszug" der„bey sich habenden Briefschaften" der Polizei einzureichen. Durch den Hinblick auf dies liehliche Hilfsmittel der frideririanischen Regierungskunst wird die Gestalt des Wirtes ün Lessingschen Lustspiel'erst recht pikant, und man sieht, wie recht die byzantinischen Litterarhistoriker haben, das Stück als eine Verherrlichung des Heldenkönigs zu behandeln. Die Witte waren übrigens nicht die einzigen Spitzel Friedrichs, die sich mit der Brief- schnüffelet beschäftigten. Diese ehrcnwette Specialität des Spitzel- Handwerks wurde vor allem ans der Post betrieben, die seit 1766 längere Zeit ganz mit Franzosen besetzt war. lieber einen Haupt- zweig von deren Thätigkeit sagt ein in Postalischem hervorragend sachverständiger Autor, kein andrer als Stephan, in seiner„Geschichte der preußischen Post":„Die Poswegie organisiette ein förmliches Spionier- und Denunziantencorps". Das war bekanntlich bloß ein kleines Vorspiel zu dem Großbewieb im Brieferbrechen, den ein halbes Jahrhundett später der bekannte Eisenbahnhasser Ragler ins Leben rief. In diesen Zeiten der heiligen Alliance be- Wieben die preußischen Staatsweisen auch noch mit Eifer jene andre Spitzelmethode der Zeit des alten Fritz: die Benutzung der Gast- Häuser zu geheimen Polizeizwecken. Rur waren es nicht mehr die Inhaber, sondern die Hausknechte, die im Dienst und Sold der Behörden standen. Ein englischer Gewährsmann, der Berlin im Jahre 1818 besuchte, Thomas Hodgsttn, erzählt ein erbauliches Histörchen davon, wie er sich schließlich ge- nöttgt sah, den spionierenden Hausknecht zur Thür hinaus- zuschmeißen, und klagt die Verderblichkeit einer Politik an, die alle persönlichen Beziehungen, das ganze Privatleben ver- gifte, die Sittlichkett eines Volkes ruiniere, um den Herrschenden ein bloß eingebildetes Gefühl der Sicherheit zu verleihen. Die dritte und verhaßteste Att der Spitzelet dagegen, wie der alte Fritz sie hatte beweiben lassen, war mit dem Einsiedler von Sanssouci zu Grabe geWagen worden. Es fft die sogenannte Kaffeeschnüffelei. Der Rattenkönig von drückenden indiretten Steuern, die auf der hauptstädtischen Bevölkerung lasteten und von den französischen Regiebeamten aufs unbarmherzigste eingetrieben wurden, hatte Schmuggel und Steuerhinterziehung in größtem Stile groß- gezogen. Dem sollte nun wieder von feiten der Behörden aus- gedehnte Spionage entgegenWitten. Dieser Sorte Spitzelei hat ihre unpopulärste Spielatt den Namen gegeben. Der Kaffee war Staats- Monopol und daher unerschwinglich teuer. Die Kaffeericchcr oder Kaffecschnüffler nun liefen überall umher, um zu konftaticren, ob irgendwo dem Verbot zuwider autzcrhnlb der amtlichen Verkaufs- stellen Kaffee gebrannt werde. Darauf standen drei Jahre Karrenschieben. Als„Kaffeeschniiffler" wurden vorzugsweise Invaliden verwandt. Sie erhielten ein Fixum von monatlich sechs Thaler„Traktament". außerdem Sviirbelohnungen. Unglanb- liche Zustände bildeten sich so heraus...Jeder mußte sich gefallen lassen, daß, wenn es einem insolenten Franzosen gefiel, bei Tage oder Nacht Zoll- oder Accisbeamten in sein Haus eindrangen, Zinimer, Gewölbe, Keller, Kisten und Schränke, wie bei Dieben untersuchten." Daß über den Vater dieses famosen Spitzelsystems„seine eignen Lumpenhunde" schimpften, erschien Goethe bei einem Besuch in Berlin noch verwunderlich. Wenn ihm selber vom Hotelier die „bey sich habenden Brieffchaften" durchgemaust, von irgend einem ebenbürtigen Landsmann Riccauts de la Biarliniöre das Gepäck durchgeschnüffelt worden wäre, hätte er vielleicht anders gedacht und gleich Lessing in Preußen das„sklavischste Land von Europa" erblickt. Winckelmann wollte„lieber ein beschnittener Türke, als ein Preuße" sein i er schreibt im Jahre 1763:„Es schaudert mich die Haut vom Wirbel bis zur Zehe, wenn ich an den preußischen Despotismus und den Schinder der Völker denke..." Mit diesem Titel meint er den Spitzelzüchter Friedrich. Ausländer urteilen nicht anders i der englische Gesandte Sir Charles Hanbury Williams, zum Beispiel schreibt 1750 aus Berlin und denkt offenbar auch an das königliche Spionagesystem:„Der Zwang geht durch alle Stände, und Mißtrauen drückt sich auf jedem' Gesicht aus. Ich denke, Hamlet sagt irgendwo: Dänemark ist ein Gefängnis; das ganze preußische Gebiet ist ein solches im buchstäblichen Sinne des Wortes." So stigsame Gefängnisinsassen die Berliner aber auch dazumal waren, eins war ihnen doch nicht beizubringen: Achtung vor den Polizeispioncn, die so unentbehrliche Hilfsmittel der alt- preußischen Gefängnisordnung darstellten. Das vermochten keine Zwangsnüttel. Schon der Großvater des alten Fritz hat es ver- sucht, aber vergeblich. 1693 begründete Kurfürst Friedrich Hl. das Berliner Polizeidirektorium, wozu auch 15 Auffeher, alias Spitzel, gehörten. Wie sie vom Publikum eingeschätzt wurden, beweist eine Verfiigung des Kurftirsten vom 14. Februar 1693, daß die Auffeher ihres Amtes wegen ftir keine unehrlichen Leute zu halten seien. Aber selbst Friedrich II mit all seiner absoluten Macht hat es nicht durchsetzen können, daß die Berliner in seinen Spitzeln etwas andres erblickten, als die allerverächtlichstcn Werkzeuge des Despotismus.— Aus dem Tierleben. SS. Die Einwirkung der Radium st rahlen aus i>as tierische Leben. Schon vor einer Reihe von Monaten machten Becquerel und wohl ziemlich gleichzeitig verschiedene andre Forscher die Beobachtung, daß die Radiumstrahlen eine lebhafte und äußerst bedenkliche Wirkung auf die menschliche Haut ausüben. Auch der Entdecker des Radium selbst, der Pariser Physiker Curie, machte eine derartige Erfahrung, die ihm eine sehr schwer und langsam heilende Wunde auf dem Arm eintrug. Nach diesen Wahrnehmungen lag es nahe, den Einfluß der Radiuiustrahlen auf das tierische Leben überhaupt zu untersuchen, was neuei Vings Georges Bohn ausgeführt hat. Die Wirkungen der in so vielen Beziehungen merkwürdigen und rätselhasten Strahlen waren auch nach dieser Richtung hin uuffallend. Schon aus den Beobachtungen am menschlichen Körper selbst ging hervor, daß die Radiumstrahlen den Tod der Zelle herbeiftihren und bei hinreichend lauger Wirkung auch dazu im stände wären, überhaupt den Tod eines menschlichen Wesens zu veranlassen. Curie selbst hat gesagt, daß er unter keinen Umständen ein Zinimer betreten möchte, in dem ein Kilo- gramm Radium sich befände, denn man müßte gewärtig lein, dadurch fast auf der Stelle sein Augenlicht zu ver- lieren und so schwere Brandwunden am ganzen Leib davon zu tragen, daß das Leben bedroht wäre. Glücklichenveise, muß man da wohl sagen, ist das Radium so äußerst selten, daß schon die geringe Menge von einem Gramm je nach dem Grad der Reinheit mit 20 bis fast 100 M. bezahlt wird. Die Gefahr ist also nicht groß, daß jemand wider seinen Willen mit Radium in Berührung kommen könnte. Dr. Bohn hat nun ermitteln wollen, Ivelchen Einfluß die Radiumstrahlen auf Lebewesen haben, wenn diese ihnen nur kürzere Zeit überlasten bleiben. Er wählte als Gegenstand der Untersuchung zunächst Frösche und Kröten in verschiedenen Stadien der Entwicklung. Unter andrem nahm er 80 Larven der gewöhnlichen Kröte und einer Froschart und setzte sie für die Dauer von 3 bis 6 Stunden in ein kleines Becken, auf dessen spärlichem Wasserinhalt ein kleines Röhrchen mit einigen Hundertstel Gramm einer Bromverbindung des Radium schwamm. Der Forscher verglich dann die weitere Entwicklung dieser Larven mit derjenigen andrer, die in keine Be- rührung mit den Radiumstrahlen gebracht waren. Es ließ sich bei jenen eine Verlangsamung des WaÄstunls deutlich erkennen, die nur vom Einfluß der Radiumstrahlen herrühren konnte. Von 38 Froschlarven im Alter von 1—8 Tagen, die übrigens ein schnelleres Wachstum zu haben pflegen als die Krötenlarven, starben neun unter den Radiumstrahlen fast sofort. Bei den ältesten, achttägigen Larven bewirkte das Radium die alsbaldige Ver- nichtung der äußeren Kiemen, einen Stillstand der Entwicklung des Kiemendeckels und eine Faltung der Haut in den benachbarten Teilen, so daß durchweg mißgebildete Kaulquappen aus diesen Larven hervor- gingen. Bei den jüngeren hatte das Radium eine Iveniger schnelle Wirkung, immerhin genügte sie gleichfalls, die Entwicklung Verantwortlicher Redakteur: Carl Leid in Berlin.- Druck und Perlag! zu normalen Kaulquappen zu verhindern. Namentlich beein- trächttgen die Radiumstrahlen die Entwicklung des Schwanzes. Bohn zieht au-s seinen Beobachtungen einige bemerkens« werte Schlüsse. Wenn sich das betteffende Tier in langsamer Entwicklung befindet, so bewirken die Radiumsttahlen eine Vernnnderung der Größe, geht das Wachstum schnell vor sich und ist es von Umwandlungen begleitet, so zerstören die Sttahlcn entweder die Gewebe vollkommen oder verlangsamen ihr Wachstum, können letzteres jedoch zuweilen noch beschleunigen. Es genügt, daß die Radiumsttahlen den Körper eines Tieres während einiger Stunden durchdringen, um in den Geweben neue Eigenschaften hervorzurufen, die lange Zeit verborgen bleiben können, bis sie sich in der späteren Entwicklung plötzlich durch eigen- arttge Erscheinungen äußern. Die letztere Thatsache erinnert an den Einfluß farbigen Lichts auf eine Raupe, der sich darin zeigt, daß die Puppe später die entsprechende Färbung annimmt. Zu erklären wären diese Erscheinungen durch eine Wirkung der Strahlen auf das sogenannte Chromattn im Eiweiß der tterischen Zelle.— Humoristisches. — Intimes.(Chefredakteur zum Mitarbeiter.)„Ein fulmi- nanter Arttkel, den Sie da geschrieben haben! Der ist für unsre Zeitung eigentlich zu gut. Wissen Sie was, den schicken wir au ein anständiges Blatt und teilen das Honorar."— — Zu spät.„O mei, o mei, jezt haut sich der dunnn' Bua an Daumti ab tveg'n der Militari. Dös is a Unglück, jezt bist a Krüpp'l und zu nix'n inehr z' brauchen." „Jessas ja, an dös hon i net denkt, jezt konn i ninimer raffa a."— („Simplicissimus.") Notizen — Die Berliner Studentenschaft will im Juni W a l d s p i e l e veranstalten;„L e b e n s r e i g e n", ein Drama von Peter Hille, soll den Anfang machen.— — H e y s e s„M a r i a von Magdala" wurde bei der ersten Ausführung im Wiener Volkstheater mit Beifall auf- genommen.— — Eine neue Oper von Leo Bleck)„Alpenkouig und Menschenfeind" ist von der Dresdener Hofoper zur Erstaufführung angenommen worden.— — Die A b e n d a u s st e l l u n g im Kunstge Werbern n s e ii m hört Ende Mai auf und ruht während der Sommer- monate Juni, Juli und August.— — Mit der Ausführung einer geologischen Karte von Preußen sind verschiedene Mitglieder der Geologischen Landes- anstatt von der Regierung beauftragt worden.— — Die vom letzten geographischen Kongreß festgesetzte inter- nationale K o m m i s s i o n für die A u s a r b e i t u n g eines Planes zur Kartenleg ung der oceanischeu Tiefen- r e g i o n e n beschloß kürzlich in Wiesbaden, die Tiefenkarten im Maßstab 1: 10 000 000 und für gewisse Teile de? Meeresbodens in 1: 1000 000 herzustellen. Außer diesen Karten sollen noch besondere Karten über jeden der großen Oceane hergestellt lverden, auf denen die Flächengestaltnng der Meere zur Darslellung kommt.— Biichereinlauf. — W. El Win O l i p h a n t:„Das Leben von Cathe- rine Booth". Berlin. Verlag der Heilsarmee-Grundstücks- Gesellschaft.— — Leo nie Meyerhof-Hildeck:„Töchter d e r Z e i t". Roman. Stuttgart und Berlin. I. G. Cottasche Buchhandlung?iachf. G. m. b. H. Geb. 3 M.— — S e l m a Lagerlöf:„Jerusalem II." Erzählung. München. Albert Langen.— — Paul B u s s o n:„Ruhmlose Helden". Drama. München. Albert Laugen.— — S e l m a Lagerlöf:„Die Königinnen von K u n g a h ä l l a". Novellen. München. Albert Langen.— — Sven Lauge:„Ein Verbrecher". Drama. München. Albert Langen.— — I. B l i ch e r- C l a u s e n:„Onkel Franz". Roman. München. Albert Langen.— — Jakob Wassermann:„Der n i e g e k ü ß t e Mund'. Novellen. München. Albert Langen.— — D r. W. Marshall:„Die Tiere der Erde." 2. Lieferung. Stuttgart und Leipzig. Deutsche VerlagSanstalt. Preis der Lieferung 60 Pf.— — Frank Wedekind:„Erdgeist.* 1. Teil der dramatischen Dichtung„Lulu". Drama. 2. Auflage. München. Albert Langen.— — Paul Grabein:„Du mein Jena." Roman. Berlin. Richard Bong.— — D r. Wilhelm Feilchen seid:„Gesundheits« pflege des Auges." Berlin. Elwin Staude.— — Willy Pastor:„Lebensgeschichte der Erde. � Leipzig. Eugen Diederichs. Preis broschiert 4 M.. geb. 5 M.— — 91. 23. Emerson:„Gesellschaft und Einsam« k e i t." Essays. Leipzig. Eugen Diederichs. Preis broschiert 3 M., geb. 4M.—_ tzorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Verlin 8W