Ur. 248. Abonnemtitts-Krdtngungen: VbonnementS-Preii pränumerando: vierteliährl- 3,Z0 Ml., monatl. l.lOMr, wöchenlltch 28 Pfg. frei tnä Hau». Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags- Nummer mit»llultrierier Sonntags- iSeilage„Die Neue Welt" lv Pfg. Post- Abonnement: 3.30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-geilungS- Preisliste für lvss unter Nr. 7820. Unter tlreuzband für Deutfchland und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. LrscheliU iiiglich autzer Zvonlag». Devlinev Volksblakk. 16. Jahrg. Die Inftriton»«ebühr betragt für die t echSgefpaliene Kolonel- zetle oder deren Raum 10 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anietgen" jede» Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort setl>. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 1 Uhr nachmittag» in derErpedttton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Nr. ISOS. Telegramm Adresse: ..Soriüldemoirrat Serlin" Ctmtvcdorgtm der soeialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 19, Beutlz-Strasze 2. Expedition: SW. 19, Beuklz-Steasze 3. Eine Interpellation über die Zuchthaus- Vorlage. (Privat-Telegramm des„Vorwärts".) München, 21. Oktober. An der bayrischen Kammer begann heute die Verhandlung der Interpellation über die Zuchthausvor- läge, die von unseren Genossen eingebracht worden ist und folgenden Wortlaut hat: Aus welchen Gründen hat die StaatSregiernng im Bundesrat dem„Entwürfe eines Gesetzes zum Schutz des gewerblichen Arbeitsverhältnisses" ihre Zustinimung erteilt? Die Interpellation ist nicht nur von Socialdemokraten unterstützt. In der heutigen Verhandlung waren die Minister Crails- heim, Feilitzsch, Leonrod und Asch anwesend. Die Ceutrums- bänke waren stark, die der Liberalen recht schlecht besetzt. Alle Bauernbündler fehlen. Das Wort zur Begründung der Jnterpella« t i o n nahm zunächst: Abg. Oertel(Soc.): Wir haben eben bei der Wohnungs- Interpellation aus dem Munde des Ministers des Innern erfahren, daß die Regierung auf einstiinmigen Beschlntz die Bevollinächtigtell des Bundesrates angewiesen hat. dem Gesetze«, zustimmen. Die Thatsache ist längst bekannt. In der Reichstagssitzung vom 21. Juni 1809 hat Graf Posadotvsky erklärt, daß sämtliche Bundesregierungen zugestimmt hätten. Die Abstimmung Bayerns hat überrascht. Sie ist ein deutlicher Beweis, wie in verhältnismäßig kurzer Zeit ein Gesinnungswechsel der bayrischen Negierung eintritt. Bor etwa anderthalb Jahren hat der Minister des Innern in diesem Hause Erklärungen abgegeben. die genau das Gegenteil von dem enthielten, ivas jetzt nunmehr durch die Abstimmung im Bundesrate gethan worden ist. sHört! Hört! bei den Socialdemokraten.) Man sieht, wie ungemein vorsichtig man Ministervcrsprechungen aufnehmen muß. Damals erklärte der Minister des Innern, befragt von Bollmar über den Streikerlaß des Grafen Posadowsly und das Koalitionsrecht im allgemeinen. die bayerische Regierung sei bereit, das Koalitionsrccht stets zu schützen. Der hauptsächliche Satz lautete damals:„Das kann ich Herrn von Bollmar jetzt schon sagen, daß wir durchaus nicht gewillt sind, dem Koalitionsrccht, wie es in der Gewerbc-Ordnung festgelegt ist, irgendwo entgegenzutreten.(Zwischenruf Vollmars: Hört' Hört!) Der Minister wird auch heute sagen, daß die bayrische Re� gierung an eine Beeinträchtigung des'Koalitionsrechts gar nicht denke. Aber wer das Zlichthausgesetz aufmerksam studiert, die bc- rühmte und berüchtigte Denkschrift gelesen, wird ivohl sofort ein sehen, daß das Koalitionsrccht zwar nicht direkt beseitigt werden soll, aber auf indirektem Wege vernichtet und für den Arbeiter illusorisch gemacht wird.(Sehr richtig.) Dieser Umstand ist um so mehr Veranlassung, die Regierung nach den Gründen ihrer Zustimmung zum Zuchthaüsgesetz zu'fragen. Was hat sich denn iii Bayern ereignet, welche Vorkommnisse sind Veranlassung, dem Gesetze zuzustimmen? Warum dieser Gesinnungs Wechsel der Regierung? Welche Einflüsse liegen vor? Oder soll das Material in der Denkschrift zur Rechtfertigung der Regierung ausreichen? Soll daS Material, das auf den schwäclisten Füßen steht und erbärmlichsten Inhalts ist. dazu angethnn sein, solchem Gesetze zuzustimmen? Diese Denkschrift hat im Reichstag eine Auf nähme gefunden, die noch keiner Begründung, noch keiner Denk- schrift zu teil geworden ist. Diese Denkschrift' ist im Reichstag so zerzaust, so mitgenommen ivordcn, daß die Regierungen eine Nieder läge erlitten, wie es noch nicht leicht vorher irgendwie bei einer anderen Gesctzcsvorlage der Fall gewesen ist. Die große Mehr bcit des Reichstags ivar einstimmig darin, daß kein Gesetz von so ungemeiner Bedeutung und solcher Wichtigkeit mit so nichtigen Borlvandc», mit znsammengctragcnent Sammelsurium, begründet wurde, wie cS in der Denkschrift der Fall gewesen.(Sehr richtig bei den Socialdemokraten.) WaS bringt denn die Denkschrift für Material über Bayern? DaS sind diejenigen Fälle, die sich schon 169S/96 ereigneten, Fälle, die auch der Mmister des Innern am 8. Februar 1898 hier anführte. Damals hat sich der Minister nicht aufgeregt gezeigt, hat nicht von einer Gefahr, nicht von all den bedrohlichen Dingen gesprochen, und auch kein Sterbenswörtchen gesagt, daß man zn schärferen Maßregeln greifen, und neue Strafbestinimungen einführen müsse, um solcher Ausschreitungen Herr zu werden. Voti Ansammlnngen, von der Notwendigkeit, ortspolizeiliche Vorschriften zu erlassen, die das Ansammeln verbieten, ist bezüglich Bayerns in der Denkschrift die Rede. Davon ist und kann keine Rede sein, daß diese Ansammlungen irgendwie zu Ausschreitungen geführt oder daß gar irgendwelche gerichtliche Verfolgimgen einge« treten sind und Bestrafungen nach sich gezogen haben. So verhalt es sich auch mit anderen Mitteilungen aus dem Jahre 1895/96. Dann hat die Denkschrift nicht angegeben, um Ivelche Ausstände eS sich dreht. Ueberall fehlen die aktcnmäßigen Beweise. Die in der Denkschrift angeführten Beweisstücke zeigen alle, daß es in der That nicht�Vor- kommmsse waren, die es' rechtfertigen, nun mit neuen Straf- bestinlinungen vorgehen zu ivollcn. Es wird ja auch geklagt in einem weiteren Bericht aus Bayern, daß cS unmöglich sei, gegen die Forderungen,. Streikbrecher zu ent- fernen, vorzugchen. Das ist der Beweis dafür, daß die Arbeiter nichts Ungesetzliches thun, deshalb ilcue Strafbestimmungen, damit strebsame Staatsanwälte und Polizeibehörden Mittel finden, auch in solchen Fällen gegen Arbeiter vorzugehen. DaS Material aus den übrigen delltsche'n'Bundesstaaten ist ebenso uilzutreffend, auf genau so schwachen Füßen. Das Gesetz, das man schaffen will, hat thatsächlich den Charakter und Stempel eines Ausnahmegesetzes an der Stirne. Ich will nur darauf aufmerksam machen, was heilte schvn alles an Strafbestimmungcn gegen die Arbeiter angewendet wird. Ick weise darauf hin, daß der§ 153 der Gewerbe-Ordinnig, der an lind für sich einen A n s n a h m e ch a r a k t c r trägt, daß. soweit die Vergehen nach den Strafgesetzen nicht mit schweren Strafen belegt lvcrden, dieser Paragraph zur Anwendung kommt. Ich will nur einige hierin Frage kommende Strafbestimmungcn anführen:§ III, Aufforderung zur Begehung einer strafbaren Handlung, Gefängnis bis zu 2 Jahren; § 113, Widerstand gegen Beamte, 14 Tage bis 2 Jahre Gefängnis; § 115, Zusammenrottung, Gefängnis nicht unter 6 Monaten, für Rädelsführer Zuchthaus bis zu iO Jahren; Hausfriedensbruch bis zu 3 Monaten; Znsnminenrottnng in der Absicht, Geivaltthätigkeiten gegen Personen zu verüben, ein Monat bis zu zwei Jahren. Z 125, Landfriedensbruch, Zuchthaus bis 10 Jahren für Rädelsführer; Z 130, Erregung des Klassenhasscs. Gefängnis bis zu 2 Jahren;§ 126, öffentliche Friedensstörung durch Androhung eines gemeingefährlichen Verbrechens, Gefängnis bis zu einem Jahre; 88 135 bis 187, Beleidigung in verschiedenen Formen, bis zu zwei Jahren Gefängnis; 8 223, leichte, 8 223 a, schlvere Körperverletzung; 8 240, Nötigung; 8 241, Bedrohung; 8 253, Erpressung;§ 255, Er- Pressung mit Gewalt; 8 303, Sachbeschädigung. Das ist doch eine ausreichende Blutenlese, die wirklich deutlich beweist, daß es heute schon möglich ist, Ausschreitungen zu bestrafen, und nicht notwendig ist, neue Strafbestimmlingen zu niachen. Die neuen Strafbcstimmimgcn sind aber noch nicht das AnSschlaggebcudc. Durch die Znchthausvorlage soll vor allem der 8 1�3 der Gewerbe- Ordnung beseitigt werden und ail seine Stelle der 8 1 des Zuchthaus- gesetzes treten, der lautet: Wer es unternimmt, durch körperlichen Zwang, Drohung. Ehr- Verletzung oder Verrnfserklärung Arbeitgeber oder Arbeilnchnier zur Teilnahme an Vereinigungen oder Verabredungen, die eine Einivirkung auf Arbeits- oder Lohnverhältnisse beztvecken, zu be- stimmen oder von der Teilnahme an solchen Vereinigungen oder Verabredungen abzuhalten, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Sind ntildernde Umstände vorhanden, so ist auf Geldstrafe bis zu eintausend Mark zu erkennen. Nicht bloß, daß das Strafmaß von 3 Monaten verlängert wird, es ist auch der schlimmst denkbare Kautschukparagraph. Die Begriffe können nach allen Seiten hin interpretiert werden, und die Jnter- pretationsknnst unserer Rechtspflege hat schon Proben abgelegt, die zu den größten Befürchtungen berechtigen. Datin kommt das Verbot, Streikposten aufzustellen. Heute schon ist Streikpostcnstehcn bestraft worden, obwohl das Aufstellen von Streik- Posten ein unerläßliches Requisit im wirtschaftlichen Kampfe der Arbeiter ist und wirkliche Ausschreitungen infolge des Streikpostenstchens noch nicht vorgekommen sind. In Görlitz wurde ein Maurer wegen der Aeußerung:„Hier streiten Maurer" zu Geldstrafe verurteilt. Dann ivurde der Grobe Ilnfug-Paragraph gegen die Streikposten angewandt mit recht empfindlichen Strafen. Ebenso geschah es mit den Mitteilungen in der Arbeiterpresse, daß Zuzug fernzuhalten sei. Nun kommt aber ein eigener Paragraph gegen das Streikpostenstehen im Entwurf der Vorlage. Oeffcntliche Zusammenrottungen sollen drakonisch bestraft werden. Zusammenrotten von Arbeitern wird nach 8? des Entwurfs mit Gefängnis bis zu fünf Jahren bestraft, wenn in durchaus nicht un- gesetzlicher Art die Arbeiter bestimmt»Verden sollen, nicht zu arbeiten. DaS ist geradezu ungeheuerlich. 8 3 heißt im ziveitcn Absatz: Ist infolge des Arbciterausstandcs oder der Arbciteranssperrnng eine Gefährdung der Sicherheit des Reichs oder eines Bundesstaats eingetreten oder eine gemeine Gefahr für Menschenleben oder das Eigentum herbeigeführt»vorden, so ist auf Zuchthaus bis zu drei Jahren, gegen die Rädelsführer auf Zuchthaus bis zu fünf Jahren zu erkennen. In die Praxis übersetzt heißt es: Teiltiehmer an vielen Ans- ständen mit Zuchthaus bestrafen.< Rufe: Oh! Oh!) Gelviß denken Sie an die Aeußerung cn Posadowskys im Reichstag bei der Begründung der Vorlage.'Das klang ja Ivcit weniger gefährlich, als cS thatsächlich»verden tvürde. Welcher ArbeitSstiltstand könnte nicht nach richterlicher Interpretation eine gemeine Gefahr für das Eigentuin hervorrufen? Das Eigentum dcS Betriebes, in dein die Arbeit ruht, kann entlvertet»verden, und das könnte bei der auf Arbeitsteilung beruhenden Organisation der BoltSivirtschaft als gemeine Gefahr gedeutet werden. Dieser Paragraph würde im Falle der Auiiahmc sich gegen unsere ganze Gcfcllschafts- und WirtschaftS- Ordnung richten. Treffend sagt Brentano:„Damit ivürdcn mir denn glücklich wieder bei dein ivesentlichen Zuge der Sklaverei angelangt sein, der darin besteht, daß man Arbeiter, weil sie sich zu arbeiten»veigern, bestraft, gleichviel, ob sie die ihneir gebotenen Arbeitsbedingungen für annehmbar erachten oder nicht. Die Unlvahrheit des sogenannten freien Arbeitsvertrages wäre damit allerdings gründlich beseitigt; aber nicht, indein die Freiheit des Arbeitsvertrages zur Wahrheit gelvorden, sondern indem ie ganz beseitigt lväre. Üiid all' dies im Namen der Freiheit der Arbeit, im Namen des Schutzes der Arbeitswilligen! Man»vill ein AnSnahincgesctz schlimmster Art schaffen. Wohl heißt es in der Be- gründnng des Entlvurses ausdrücklich: das Koalitionsrecht bleibt be- stehen, 8' 152»vird nicht gestrichen. Aber iin Momente. Ivo der Arbeiter das Koalitionsrccht benutzen»vill, wird er der Strafe unterzogen. Der Grundton des heißen Wunsches der Scharfmacher, der Schlcifsteinpolitiker, die in Deutschland ihr Unwesen treiben und eine Macht sondergleichen besitzen, ist der, daß sie init diesenr Gesetze überhaupt nicht zufrieden sind, sie wollen ein Ausnahmegesetz schlimmster Art. sie wollen den Streik am liebsten ganz verbieten, wollen den Arbeitern die Möglichkeit nehmen, sich in Vereinen zu koalieren zur besseren Gestaltung ihrer Lebensverhältnisse. Deshalb meine ich. es ist wirklich kein Ruhmesblatt in der Thätigkeit der bayrischen Regierung, daß sie solchem Gesctzcntlvnrfe ihre Zu- stimmung gegeben. Hat sie unbekannte Gründe für ihre Stellung« »ahme, so soll sie ungesäumt sie äußern, damit»vir Antwort geben können. Ich bezweifle aber. daß solche Gründe vor- handen sind. Im Gegenteil,»vir sind in der glücklicheren Lage, auf Grund der amtlichen Berichte den Nachweis zu liefern, daß die Zuchlhattsvorlage nicht notlvendig. daß mit dieser Znchthansvorlage nur ganz b e st i m m t e n W ü n s ch e n und Anregungen. die vor zlvei Jahren in Bethel bei Bielefeld gegeben worden sind, Rechnung getragen, Erfüllung verheißen ist. Zum Nachiveis, daß die bayrische Megierung keine Veranlassung gehabt hat, dem Gcsetzenttvurf zuzustimmen, beziehe ich mich auf die Berichte der bayrischen Fabrikinspektoren. Im Geivcrbe-Jnspektoren- Bericht von 1893»vird gesagt über die Orga»iisation der Arbeiter: „Die Organisation der Arbeilgeber hat festere Formen angenoinme», besonders im Baugeiverbe. Den Organisationsbcstrebungen der Arbeiter aber bringen die Arbeitgeber vielfach eine ausgesprochene Abneigung entgegen. Beispielsweise wird aus der Pfalz und Oberfranken berichtet, daß Arbeitern voir Unternehmern direkt oder indirekt verboten wurde, gewissen Arbeiter« verbänden anzugehören". Dazu bemerkt der Bericht: „Es kann aber doch als feststehend angenommen werden, daß ein solches Verfahren dem Frieden zlvischen Arbeitergebern und Arbeitern nicht förderlich ist. Im Gegenteil, nach den bis- herigen Erfahrungen ist dieser Friede um so gesicherter, je»veiriger es die Arbeitgeber grundsätzlich ablehnen, mit den Vertretungen der Arbeiterschaft in einen geordneten Verkehr �u treten." Das ist ein objektives Urteil, gelvonnen auf Grund eigener Untersuchung. Ich wünsche nur, daß nicht Schritte gethan werde»:, künftig solche freimütige Aeußerungen in den Fabrikinspektoren- Berichten nicht nrehr aufkommen zu lassen. Aber trotz des Unter- nehmerterrorismus in den gcnainrten Bezirken köimen»vir mit Freude konstatieren, daß trotzdem die Arbeiterorganisationen Fort- schritte geinacht haben. Wie spricht sich der Fabrik-Jnspektoreubericht »veiter über die Arbciterbelvegung im allgemeinen aus: Wie schon in der vorjährigen Emleitung bemerkt wurde, kann vie Zlrbcitcrbctvegung nitter bestimmten Voraussetzungen als dienlich für den Ausgleich»uirtschastlichcr Spannungen erachtet»verde»». Diese Voraussetzungen— Vermeidung»vesentlicher Jiitcrcssenschcidigung und dauernder Beeinträchtigung des socialen Friedens— sind auch im Berichtsjahre in der Hauptsache erfüllt »vorden.(Hört! hört! rechts.) Der Verlauf der Arbeiterbewegung läßt»viederholt ein besonnenes Eingreife» der Arbeiter- Organisationen erkennen; aus cincin der größeren Aufsichls- bezirke»vird auch berichtet, daß sich die Arbeiter trotz des Um- fanges tlitd der Schärfe der dortigen Strcikbeiveg»lng im allgemeinen in den Grenzen des Koalitionsrechts hielte»»." Ich glaube doch, dies ist kein Material fiir die Znchthausvorlage, sondern iin Gegenteil ein Belveis,»vie unerhört es ist, daß»nan ein Zuchthailsgesctz' schaffen»vill. Ganz kurz»vill ich auf die Streik st ati st ik der General« k o m m i s s i o n der deutschen G e»v e r k s ch a f t e n himveisen. In» vorigen Jahre fanden 935 Streiks iir Dclltschland statt mit 60162 Personen bei einer Gesamtdauer von 4884 Wochen. Die Lebhaftigkeit der Streiks hat sehr zugenommen im Jahre 1898. Die durchschnittliche Dauer betrug 6.6 Wochen; man sollte doch meinen, bei der Prosperität der Industrie seien die Arbeitgeber zur Nachgiebigkeit gesonnen. Das»var aber durchatls nicht der Fall. Warum»iicht?' Weil man wußte, daß die Zuchthausvorlage koirmie. Man wollte eine Probe aufführen,»vie Arbeiter zu Paare» zn treiben sind. 53,3 Proz. dieser Streiks»varen Abwehr-, 46,7 Proz. An- griffsstreiks. Mehr als die Hälfte der Streiks»vnrden veranlaßt durch die Forderungen der Unternehmer: Organisationsverweigerung, Lohnreduklion. Arbeitszeitverlängcrung u. dergl. Diese Streikstatistik macht bemcrkenSiverte Mitteilungen»iber Streikvergchcn bei diesen Streiks. Was silld denn für Verbreche»», Ausschreitungen zc. bei diesen zahlreichen Streiks vorgekoinmen? Trotz des schärfsten Vorgehens der Behörden und trotz der bekannten Sprllchpraxis der Gerichte Streikenden gegenüber»varen 1893 von den 60 162 Ausstnitdigen nur auf Grund des 8 133 der Geiverbe-Ordnnug oder Paragraphei» des Strafgesetzbuchs»vegen Streik- vergehen bestraft, d. h. 0,54 Proz., dabei sind freilich die 234 Per- sonen, die»vegen grobe» Unfugs mrd Uebertretnng von Polizei- Vorschriften anläßlich des Streiks bestraft wurden, nicht mitgezählt. Aber diese Strafen treffen ja auch in der That keine Streik- vergehen im eigentlichen Sinne. Also 0,54 Proz.»vegen Streik- vergehen bestrafte! Die allgemeine Kriminalstatistik in» Deutschen Reiche ergab iin selben Zeitrailme 1,08 Proz. bestrafter Personen. also die'doppelte Prozcntzahl! Daß 89,2 Proz. aller derjenigen, die an den Streiks teilgenommen, überharlpt sich keiner Verletzung schilldig geinacht haben, ist kein Belveis für die Notivcndigkeit des ZuchthnliSgcsetzes. Redner charakterisiert hierauf die intensive Strcikbcivegnng Nürnbergs 1899; die 14 Streiks sind alle ordnungsgemäß Verläufen. Ich' meine überhaupt, mit diesem Gesetze»verde,» ganz andere Zwecke verfolgt.(Sehr richtig.) Man»veiß genau. daß man mit den heutigen Strafbestimninngen anökomint! Das ununterbrochene Schuren der Anhänger dcö JndustriallSmus, daS ewige Verlaitgcn nach»vcit höhcrcin Schutze der Uiiternehnier gegen Streiks ist die ha»lptsächliche Veranlassung zur Einbringung des Gesetzes. Was»vird dadurch geschehen? Huiidertta»isende organisierte Arbeiter, gleichgültig»velcher polrtischen oder religiösen Ueberzeugung, werden durch'das Zuchthallsgesetz getroffen; die Orgamsationen »verde»» zerstört, der»virtschastliche Kampf nahezu unmöglich gc>l»acht. Die Arbeiter»verde», sich künftig nicht»nchr»virtschaftlich frei beivcgc», sie»verde» verhindert, sich eine bessere Lebenshaltung zu erringen. DaS Zuchthaüsgesetz bezivcckt, die Arbeiterivclt dem Unter- iiehuiertu»»»interthänig,»villenloS zu machen. Und die Kehrseite der Medaille? Ganz anders geht man gegen das Unternehmertnm vor; brickt ein Streik ans, steht ihm die Polizei zur Verfügung. Die Unternehmer- Bereii»sversam>nlnngen sind unangemeldet und un« überlvacht. Sie erörtern politüche Angelegenheiten, kein Staats- anivalt greift ein. Von» Unternehmer-Terrorismus»vird ungern gesprochen in gcivisscn Kreisen; ihre schivarzcn Liste»», ihre Verrufs- erklärungen, ihre Vereinbarungen und Kartelle bleiben unbeanstandet, »vährend man die Hungerpeitsche über die Arbeiter schlvingt. Gegen die Preisregulierimgcn der Kartelle hat man nichts cinzulvenden. Ganz anders beim Verkaufe der Arbeitskraft des social Unterdrückten, Der muß eben verkaufen,»vill er nicht verhungern. Das Gesetz Iviirde die tiefgehendste», schwersten Schädi- gm, gen der Arbeiterschaft mit sich bringen. Bayern hat»vider- standslos den Gesctzcntivurf acceptiert. Bayer» steht vollstäudig unter preustischcu» Einfluß.(Bollmar: Sehr richtig I> In allen reaktionären Maßnahmen befindet sich Bayern auf seile der preußi- scheu Reaktion. Viel zu wenig»vird auf seine Selbständigkeit ge« sehen, vielmehr auf die Unterstütziliig der prellßischeu Politik. Diese Politik ist meiner Meinung nach nicht richtig, sie ist dllrchauS ver- fehlt, das tritt am deutlichsten hervor bei der Zustimmung zur Zucht- hauSvorlage. Aus all den Gründen können»vir der Regierung nur die ent« schiedenste Mißbilligung aussprechen, ihre Abstimmung aufs aller- schärfste verurteilen. Redner»vcudet sich den Parteien zu. Er fordere die anSschlag- gebende Partei, das gentium, zn einer Erklärung auf. Der Abg. Lieber hat ausdrücklich gesagt, die Vorlage rolle die große Frage des Ausbaues der Koalitionsfreiheit grundsätzlich auf. Er fügte allerdings hinzu, man habe daS Pferd beim Schwänze auf- gezäumt. Herr Lieber hal sich für eine wirkliche bolle Freiheit er- klärt. Er wies darauf hin, daß diese ganze GelcgcnhcitSgcsclzgcl'ung einem Auönahmegesc� bollsiändig ähnlich sehe. Ebenso erklärte der Abg. Pichlcr, dasz er dem Gcscye nicht zustinunen könne, daß man vor allen Dingen die Koalitionsfreiheit schützen müsse. Redner macht daS Centrum ans abcrtauscnde Katholiken unter den Arbeitern, die zum Crntrin» noch gehören, aufmerksam, die genau ivie die socialdcinokratischcn und evangelischen getroffen lvcrdcn. Die Einmütigkeit der Arbeiterklasse in dieser Frage hat sich ganz von selbst gesunden. Freilich sind auch verdächtige Ctinuuc» iii» C entrinn laut geworden; die Rtehrhcit solle sorgen, daß diese nicht gefährlich werden. Ju den Liberalen sehen»vir keine» zuverlässigen Bundes- genossen in dieser Frage.(Znrnf feite»? der Liberalen:„Wir werden schon sehen". Anderer Zuruf: Abwarten!) Sehe» Sie doch auf Ihre Presse, wie sie über Basscrmaim, den weißen Raben der Partei, herfällt. sZnruf liberalerscitS: Lesen Sie unsere Presse!) Wir wissen,.daß nur ein kleines Häuflein noch zusannncnhält. daß die übrigen, die heute schon bei ihnen die Mehrheit bilde», im letzten Reichstag über Vasscrmann erbost waren. WaS ist mit den Än- trägen, die Ihre Fraktion vorbereitet? Alle möglichen Paragraphen sollen mit dem Streik in Verbindung gebracht werden, überall soll der Versuch der That gleichgesetzt werden.(Hört! hört l bei den Socialdemokratcn. Liberale Zitrnfe sind unberstäudlich!) Sie sind ja die Epigonen"on 1848. sSchr gut! bei deu Socialdemokraten/ Ihre Vorfahren Iväreu für ein ZnchthauSgcsctz nicht zu haben ge- Wesen. tZnruf links.) Sie»vollen kein direktes aber cm indirektes ZnchthauSgcsctz»lachen. DaS ist Ihre Absicht, daran ist kein Zivcifcl. Zu einer runden Ablehnung wird die Mehrheit Ihrer Partei sich nicht aufschwingen. Hier ist es nicht niöglich, Beschlüsse über die ZuchthauSvorlage zn fassen, aber diese VolkSvcrtrciuiig sollte die Gelegenheit nicht vorübcrgegchcn lasse», zu dem außeroi dentlich tief einschneidenden Gesetze Stellung zu nehmen, llnsere StcNnng ist völlig klar. Wir bekämpfen daS Gesetz aiifs alleräußerste, mit allen gesetzlichen Mitteln;»vir treten einmütig mit allen deutschen Arbeitern ein für wirkliche Koalitionsfreiheit, wie andere Gesellschaftsklassen, wie daS lliitci'nehniertum sie besitzt. Frei ausüben sollen die deutschen Ar- bcitcr die Koalitionsfreiheit. Wird aber das Znchthausgesctz an- genommen, so würde daS Deutschland zur höchsten Unehre geretchen. Oertel schloß unter dem Beifall der Socialdeniolratcn, auch ans den CcntrinnSbänkeu ertönte Beifall. Minister Fcilitzsch erklärt namens der StaatSrcgierung: Er stehe noch auf dem Stand- punkte der von Ocrtel ertvähnten Erklärung vom Februar 1808. Er habe damals mich erklärt: Wenn Arbeiter die Abficht haben, die Arbeit in solchen Fällen(bei Streiks) anfznnchmcn, so darf man sie »»cht hindern lassen, auch»virklich zu arbeiten und wem» da Gewalt- thätigkeit oder irgend»velche Handlungen vorkoMiue»,»velche ei» solches Recht den Arbeitern verkümmern oder vielleicht einen Terrorismus hier schaffen wollen, so wird die Staatsregierung cS stets als ihre Aufgabe erachten, solchen Ausschreitungen entgegen- zutreten. Es kann sich auch in dem Erlasse ec. gar nicht darum handeln, das KoalitionSrecht einzuschränken, soliden» nur darum, ob nicht zum Schutz gegen solche Ausschreitungen»vcitere Maßregeln notivendig sind, und das ist doch eMms ganz anderes, als eine Ein- schränknng dcS Koalitiousrechtes. Bei diesen Dingen, die ich bc- rührt habe, handelt es sich nicht um die Ausübung eines Rechtes, sonder» um einen Mißbrauch, und solchen Mißbräuchcn entgegen- zutreten, das soll in Erivägung gezogen werden. An dem§ 152, der gesetzlichen Unterlage dcS Koalitionsrechts, will � der Gesetzentwurf zum Schutz des gewerblichen Arbeits- Verhältnisse�»»»cht das geringste ändern. Alle Verabredungen und Vereinigungen, die die Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen bezlveckcn, jede Einstellung von Arbeit(Streik), selbst jene mitcr Koiitraktbruch, bleiben nach ivie vor straflos; das Recht der Koalition ist, ivie dicS auch in der Begründung zu dem G.setz.'utwurf ausdrüetlich und ausführlich erörtert Ivird. durch letzter.» nicht im mindesten angetastet, dasselbe soll den Gcivcrbe treibenden und den geivcrblichen Arbeitern nngeschmnlert erhalten bleiben. Während der 8 152 der Reichs-Geiverbeordninig sich mit der G.>v ä h r l ei st n u g des K o a l i t i o n S r c ch t c S befaßt, bcziveaen die Bestininniugen des K 153. den AnSschrritungru und Misibränchcn des Koalitionsrechtes zu begegucn» soivie zu verhindern, daß ein nucrlaubter Zwang bei der Bildung vvn Koalitionen geübt»verde. Nach den bisher gemachten Erfahrungen haben sich nun diese Bestimmimgen als nn- zureichend erlvicsen und es ist vielfach das Bedürfnis zi» Tage getreten, an deren Stelle andere Vorschriften zu setzen. mittels deren insbesondere jenen'Arbeitern,»velche bei Streiks ihren Borteil in der Fortsetzung der Arbeit erkennend, der 5koalition der übrigen nicht beizutreten gewillt sind, der Schutz ihrer Ueberzeugung gesichert und jede unberechtigte Störung ihrer Thatigkeit ferngehalten »verdcn kann. Diesem Bedni'fnis»vill der Gesetzentwurf Rechnung tragen und zwar gleichmäßig gegenüber Arbeitgebern ivie Arbeit- uehinern. Derselbe tritt keiner Verabredung und Vereinigung zur Erzielung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen entgegen, insolange solche nnt erlaubten Mitteln angestrebt werden. Die bayrische Regierung erkenne im Eiiiverständnisse mit der RcichSregiernng nur im Z 162 die Festlegung der Koalitionsfreiheit iind an diesem Paragraphen ivird»ncht das»niiideste geändert. Der Abg. Ocrtel und seine Partei sehen in den beiden§§ 152 und 153 die KoalitionSfreiheitS-Bcstimmniigen. Wenn Abg. Ocrtel die Denk- schrift schivach und erbärnilich nenne, hätte er gewünscht, daß der letztere Ausdruck nicht gefallen»väre. Er halte die Denkschrift für objektiv und gewissenhaft; Material sei genügend da zum Beiveise, daß die bisherigen Mittel nicht ausreichen. Man denke nur an die in diesen Tagen bekannt gewordene Bittschrift Krcfelder Arbeitsivilligerum Schutz vorTerrorismus. Dann liest der Minister eine Reihe Akten vor, die man miS der Denkschrift schon kennt. Er vcrivahrt sich ferner gegen die Behauptung, daß die Regierung in» Schlepp- tau Preußens sei. Sic habe aus objektiver Ucbcrzcngimg der Vor- läge zugestimmt. Er selbst halte in einzelnen Fällen Streiks nicht für unberechtigt, er freue sich dann auch über einen günstigen Ans- fall für die Arbeiter, aber es gäbe auch frivole Ttretks.(ve- geisterter Beifall bei den Nationallibcralcn.) Die bayrische Regierung lasse sich durch den JndiistricfcndaliSmnS nicht de- einfliissen. Der Minister des Innern refüniiert feine Rede: 1. Nach der An« schanung der kgl. StaatSregiernug wird durch den Gesetzentiviirf das durch de» Z 152 der ReichSgewerbe-Ordnung gcwährleistete KoalitionS- recht in keiner Weise beschränkt. 2. Bei der Prüfung des zur Begründung dcS EcsetzentivurfS zur Berfüginig gestellte» Materials konnte sich die königliche Staatsregiernng nicht verhehlen, daß die Bcstimmnngen de«§ 153 der ReichS-Geiverbe-Orduung bei den versuchen, die Ärbeilsivillige» gegen Ausschreitungen bei Streiks zu schützen,»nchrfach nicht ausreichten, iind daß eine Ergänzung dieser Vorschriften veranlaßt und sogar ini eigensten Interesse der Arbeiterschaft gelegen sei. Ans diesen Gründen glaubte die königlickie Stantsregierung den Vorschlägen dcS Gesetzentwurfs gegenüber sich nicht ablehnend verhalten z» sollen. Er stehe den Arbeitern ebenso objektiv gegenüber ivie den Unternehmern. Zu leugnen aber sei auch nicht, daß frivole Streiks und ein gewisser TerroriSm»» von einem großen Teil der Arbeiter selbst schiver enipfiniden werde. Jnstizminister Frhr. v. Leonrod bestreitet, daß die bloße AiNveiidung des KoalitionsrechteS schon eine Bestrafung zur Folge habe» solle.'Auch sei die Bezeichmmg.Zucht- hniiSvorlage" ganz falsch, denn die Zß 1 und 8 wurden limr in den allersclteiistcn Fällen zur Ainvcndiuig kommen.(Gelächter und Widerspruch bei de» Socialdemokratcn.) Auch sei daS Gesetz nicht für Bayern, sondern für das gairze Reich geinncht. Nächste Sitzung: Dienstag. Fortsetzung der Debatte. Zum Wort gemeldct haben sich: Schädler, Kasselniann und Segitz. Hierauf folgt der socialdemokratischc Antrag auf Abänderung des Wahlgesetze«. Ttobovstchk» Berlin, den 21. Oktober. Glück im Spiel haben die drei hochgeborenen Harni losen auch in dem Anklagebankhalten gehabt. Denn es ist auch eine Art Hazard- spiel, ob jemand deii Fangarmen eines mit Saugnäpfen reich ausgestatteten Strafgesetzbuch-Paragrapheir entgeht oder„an- geschossen" wird. Die Haiinlosen haben auch in dem Klnb der Gerechtigkeit gewonnen— sogar das Höchste, das dem Menschen eigen ist: d i e F r e i h e i t. Es ist allerdings ein schliinmer Paragraph, der vom gewerbsmäßigen Glücksspiel handelt. Nach diesem Prozeß wird man noch weniger wissen als zuvor, wo der Begriff des immerhin vermiiiftigcn, aber strafbaren Erwcrbszwccks beginnt illid der Begriff der unveriiüilftiacii, aber straflosen Leideiffchaft aufhört. Wenn jemand 150 Mark Monats- einnahmen hat, 1500 M. aber ausgiebt, und wenn er sich die Differenz im Spiele verdient, so hat er einfach Glück gehabt, aber bei Leibe kein Geschäft geniacht. Ein Aristokrat hat überhaupt stets nur Glück, er macht niemals aus der Leiden- schaft eiit Gewerbe. Und es ist gut so. daß die drei Harmlosen frei- gesprochen und der Gesellschaft wiedergegeben sind. Der Staat müßte eine ganze Anzahl neuer Gefängnisse bauen, lvenn er alle mit Rumfutsch und blauem Heinrich zn füttern strebte, die gleich den Harmlosen zum Vergnügen Tansende im Spiel zufälligerweise gewonnen haben. Es lohnt sich wahrhaftig nicht, für diesen Zweck Steucrniittel des Volkes anfzilwendcn und diese sidele Gesellschaft ihren Kartei,, Pferden und Weibern auch nur vorübergehend zu entziehen. Eine Sippe, die keinen anderen Lebensinhalt kennt, als den Genuß flüchtiger roher Nervenrciznngcn, die nichts weiß von dem gewaltigen Ringen um menschhcitliche Ideale, ja, die in ihrer ganzcn Erziehung gelernt hat, solches Ringen als ein Rütteln und Freveln an den heiligsten Gütern der Nation aufzufassen,»vomit sollen diese Elemente schließlich die leeren Häute ihres Daseins ausfüllen, als die Zeit, die ihnen die Besuche bei Ministem und Oberpräsidenten frei lassen, in gewinnbringender Vereinigung von Laster und Geschäft Hann- los zu verbringen. Mögen sie weiter spielen in Freiheit, und wenn sie zn Jahren gekommen sind, kräftig mithelfen, das Vaterland vor der Untergrabung vo», Sitte, Religion und Odnung zu be- wahren, und wenn sie einst für die Heiligkeit der Ehe be- geistert kämpfen werden, so sind inzwischen die Frida Voigt und Lona Merten so alt geworden, daß das Außereheliche den Bekehrten nur noch als ein schreckender Traum erscheiiit. Junge Hannlose— alte Staatsretter und Leser des AdclSblattcs!— Tie Rationalliberalcn und das Znchthnnögesch. Die.Nationallibcrale Korrespondenz" behandelt erneut die vor- miSsichtlicbe Stellunfl ihrer Partei zur ZuchthauSvorlage. Sie weist die Anffassuilg der„Bcrl. Korrcsp." zurück, als sei die Partei bereit, „den Griludgcdankeu der Vorlage in gesetzgeberische Form zu bringen". Thatsächlich bestätigen alier die folgenden Aus- ührunge» der„Na ti o n a lli b e r a le n Korrespondenz' in»veiterem Matze die Richtigkeit der offiziösen B c h a u p t u u g. Zivar»vill vdcr kann die„Natiouallib. Korrcsp." noch nichts von den Ergebuisic» der Beratungen der Fraktion mitteilen. Dafür gicbt sie de» hauptsächliche» Inhalt einer Schrift des natioiialliveralen Laiidtags-Abaeordncten Professor van der Borght, die in de» nächste» Tagen unter dem Titel:„Die Weiterbildniig des Koalitioiisrcchts der gewerblichen Arbeiter in Deutschland", erscheinen wird, wieder»nid bringt ihre vollkommene Sympathie mit den Vor- schlagen van der Vorghts znin Ausdruck. WaS aber schlägt Herr van der Borght vor? Seine Vorschläge haben ein doppeltes Gesicht. Ans der einen Seite hat er für daS KoalitionSrecht sehr freundliche Blicke. Das KoalitionSrecht muß anSgebmit»verde», daS„Manko nn Freiheit", das noch vorhanden ist. muß ausgeglichen »verde». Das Verbiiidungsverbot der Vereine ist anfzuhebe»; freie Koalition soll herrschen»iicht nur für Bestrebungen zur Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbcdingiingcn, sondern ganz allgemein zur„Eiulvirliing ans die Arbeits- und Lohnverhältnisie.' Ferner soll den BcriifSvercine» die RcckitSfähigkeit znerkaniit»verde». Dieses Recht»vill der Herr Professor aber bereits durch zivei Bedingungen eingeschränkt wissen; es soll nur erteilt»Verden,»vcnn die betreffenden Vereine sick, verpflichten: 1. vvr Eröffiuing einer von ihnen geplanten ArbeitSeinstelluiig oder ArbeiterauSsperrung daS bestehende zuständige, oder ein für diesen Fall von der für Errichtung von Geivcrbegcrichten zu- ständigen Behörde besonder« zn bildende« S i n i g u n g S a in t anzurufen und sich auch iin weiteren Verkauf der Arbeitseiiistellniig oder ArbeiterauSsperrung dem Verfahren vor dem EiiiiguiigSamt nicht zu widersetzen. 2. Die Satzungen des Vereins müssen die Zweckbestimmung der einzuziehenden Beiträge und des anzu- sammelnde» Vermögens genau bezeichnen; für den Fall der satzungswidrigen Verwendung der VercinSnnttcl muß das Gesetz die Einziehung deS Vermögens zu Gimsten von Ein- richtnngcn. die den Arbeitern jj» Gute kommen, androhen und die erforderlichen Einzelheiten dieserhalb regeln. Und nun die Kehrseite: Der nationalliberale Professor und Schützer des Koalitionsrechts legt dar: § 153 der Gewerbe-Ordnung in der gegenwärtigen Fassung treffe den Mißbrauch de« Koalition srechtes nur zum geringsten Teile. Nur der»viderrcchtliche Zivang zur Teilnahme an B e ra b r e d un g e n und zwar znin Behuf« der Erlangung güifftiger Lohn- und ArbeitSbedingniigen»vird ge- troffen, aber Nlcht der gleiche Zivang zur Teilnahme an Ver- abredimgen z n anderen Ziv ecken, und ebenso»veiiig der Zivang' zur Teilnahme an V e r e i n i g n n g e n zum Bchufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen oder zu aiideren Zwecken. Von Bereinigimge» spricht 8 153 überhaupt nicht. AIS unzulässige Mittel de« Koalitionszivanges führt der 8 153 der Gewerbe-Ordinnig n»d ebenso die Regierungsvorlage nur ans: körperlichen Zivang; Drohung; Ehrverletzung»nd Ver- rufSerkläning. Aber v. d. Borght tomint zu dem Ergebnis: daß die Nciigestältung von Bestimmungen gegen de» KoalitionSzwang am besten durch eine Fassung des 8 153 der Gcwerbe-Ordnung ,md nicht durch ein besonderes Gesetz zu erreichen sei, und zivar in folgender Weise. Al« Mittel nn zulässigen KoalitionS- zwaiiges seien folgeudr sieben anznschen: 1. Körperlicher Zwang. 2. Drohung. 3. Ehrverletzimg. 4. VerrufScrklärnng. 5. Rechtswidrige Wegnahme, Vor- enthalt,»,g oder veschädigimg von Arbeitsgerät, Arbeits- Material,' ArbeitSerzengnissen oder Kleidungsstücken. V. Bewachen oder Besetzthalten von Wohnungen. Arbeitsstätten, Wegen, Straßen, Plätzen, Bahnhöfen, Wasscrslraßen, Hafen- oder sonstigen BerkcbrSanlagcn oder des Zugangs zu den- selben, soivcit das Warten oder der Auscnthalt an diesen Oertlichkcitcn oder in deren Nähe nicht lediglich z» dem Zweck erfolgt, Nachrichten oder Auskünfte zn gebe», oder eiiiznzicheii. 7. Ungehöriges und belästigendes Folgen auf Wegen und Straßen. Keine dieser Hniidkimgen sei an sich strafbar, sondern nur der durch solche Handlinigen herbeigeführte KoalitionS« zivang. Dieser Zivang lasse sich dann in Anlehnung aii�die ersten beide»» Paragraphen der Regierungsvorlage ziveckniätzig dahin umschreiben, daß bestraft ivird,»ver mit jenen als ungültig bezeichneten Mitteln: 1. Arbeitgeber oder Arbeitnehmer zur Teilnahme an Ver- einiaiingen oder Verabredungen der im 8 102 bezeichneten Art bcstlmml oder zu bestiiiiincn versucht oder von der Teilnahme an solchen Vereiiiiguilgei» oder Verabredungen abhält oder abzuhalten versucht,— 2. zur Herbeiführung oder Förderung eiiicr Arbeitcranssperrniig Arbeitgeber zur Entlasiung von Arbeitnehinern bestimmt oder zu bestimmen versucht oder an der Annahme oder Heranziehung solcher hindert oder zu hindern versucht,— 3. zur Herbeiführung oder Förderung eineS ArbciteraiiSstandcS Arbeitnehmer zur Nicderlegnng der Arbeit beftiuimt oder zu bestimincn versucht oder an der A»- »»ahme oder Aufsuchung von Arbeit hindert oder zu hindern versucht. Koilseqncnteriveise niüssen dann auch die Arbeiter geschützt werden gegen nachträgliche Rache-Akte wegen Nichtbeieiligimg an einer Aussperrung oder an einem AiiSstandc. An Stelle der bezüglichen Bestiiilniungen der Vorlage schlägt die Schrift vor. bestraft soll werden. „»ver durch eines der angeführten unznlässigen Zlvangsmittel Personen,»velche nicht oder nicht dauernd an eine»»! Arbeiterausstand oder einer Arbeitcranssperrniig teilgenommen haben, an§ Anlaß dieser Nichtbeteiligmig aus dem Arbeitsverhältnis herauszudrängen oder sonst wirtschaftlich zu schädigen sucht." * 44 « Die Ansführniige» deö Herrn v. d. Borght stehen sehr nahe den« jenigen, welche die iiatioiialliberale Presse schon immer zur Zucht- hanSvorlage gemacht hat. Nichts ist für die Erhaltung des KoalitionSrcchtS gefährlicher als diese nationalliberale Art, daS KoalitionSrecht ausbilden, aber allerlei eingebildete Miß« brniichc zu betonen und durch Gcsctzcsverschärfiiiigen beseitigen zn »vollen. Diese Schcinfrcniidlichkcit für daS Arbeiter- KoalitionSrecht — denn mindestens objektiv ist eS nichts anderes— ist weit bedenklicher als die Tcharfmachcrei, deren Feindschaft gegen das KoalitionSrecht nn verhüllt zu Tage tritt. Besser die offenen Feinde als die hcnchlcrischc» Freunde!, Wir»verde»» aus die Anschaiiuiigen des Prof. v. d. Borght, so- bald seine Schrift vorliegt, ausführlicher zurückkommen. � Aeulsches Aeich. TaS Blatt der Hofkonservativcu. Seit einiger Zeit ist man genötigt, das„Kleine Journal' des hervorragend evangelischen L. Leipziger zu lesen, weil ficht« barlich in ihm gelvisse höfische Stünmungen zuii» Ausdruck gelangen, obivohl im allgeinciiien mir der Kreis der Harmlose», als Redacteure, Mitarbeiter und Leser, in ihin seine Vertretung findet. Das amtliche Organ der konservativen Partei, die„Konser- v a t i v e Korrespondenz' hat des öfteren Gelegenheit auf- genoinineil, das ausdriugliche, sich hofkonservativ gcbcrdende Blatt verächtlich abznschültclii. So auch nenerdiilgs in folgender Erllärnng: „DaS„Kleine Journal' hat schon wiederholt veZucht, in die iiiiiercii verhältnisie der konservativen Partei mit frieden- störender Hand sich einzumischen. Kein Mensch würde fteilich von dieser Einmischung Notiz nehmen, wenn das Blatt sich nicht das Ansehen gäbe, im Namen maßgebender konservativer Führer zu sprechen.' So geschieht dies auch in einem neuerlichen Artikel, der dazu bestimmt ist. ein Zeriuürfiiis zwischen unserer Partei und dem Bunde der Landivirte herbeizuführen. Wir sprechen dem Blatte jede Befugnis ab, derartige Machen- fchasicil»nter der Flagge„niaßvollcr und wirklicher konservativer Kreise" zu betreiben. Wie»»scr Parteivorsiaiid über daS Verhältnis ziun Bunde der Landivirte denkt, ist in der von»ins unter dem 18. September veröffentlichten offiziellen Erklärung znin Ausdruck gebracht. Wenn aber das„Kleine Journal" sogar die Stin» hat, die Venirteilnng dcS Herrn Klapper»vegen MajcstätS- beleidigmig den Konservativen als„Menetekel" vorzuhalten, so beivcijl das die völlige llnlvahrhaftigkcit jenes Blattes; denn es muß ihin bekannt sein, daß sowohl die Organe der konservativen Partei alö auch die des Bundes der Landivirte gegenüber den Auslassungen des Verurteilten in seiner Agrar- korrespondciiz sofort ihre entschiedene Mißbilligung ausgesprochen haben. Die Angriffe dcS„Kleinen Jonriial's" gegen die Fraktionsleilung des Abgeordnetenhauses ver- diciie» aus solchem Munde nicht die geringste Beachtung. Auf eine»vcitere Polemik mit jenem Blatte einzugehen, erachten wir uns,»vie»vir von vornherein erklären, als überhoben; wir»verde» aber stets gegebenenfalls mit Richtigstellungen am Platze sein.' Dazu bemerkt nun die„Tägliche Rundschau": „DaS klingt sehr entschieden, ist aber leider mit sehr bedauer« lichc», aber osteiikmidigen Thatsachen nicht in Einklang zu bringen. Wenn dein„Kleinen Journal" jede Befugnis, über konservative Partciaiigelegciiheiten zu sprechen, parteiamtlich abgesprochen ivird, »varnm empfangen dem» konservative Parteiführer und Parteigrößei» die Redacteure jencS BlatteS oder feine Mittelsmänner zn politischer Aussprache, warum diildeii denn gewisse konservative Hoskreise, daß jene« Jonriial sich als ihr Blatt geriert und ihre Kund- gebiinaen bringt? Die Abfertigung deS früheren Börsen- undRevolverblattes und die Behauptung von seiner Befugnis« n»d Bedentnngslosigkeit mag sehr ehrlich und gründlich geiuciut sein; aber sind, um nnr zwei' Namen zn nennen. die Herren LandcSdirektor v. Manteuffel, der frühere Chef der konservativen Partei, und Oberhofmeister Graf Mirbach mit ihr ciiiverslaiide»? Wir glauben, im Gegensatz zur„K. K.". daß leider die politische Bcdentiing deS„Kleinen JonrnalS' ziemlich hoch angeschlagen»verde»»nnß; denn die Be- dentniig mancher politischen Artikel liegt zuiveilen weniger in ihrem Inhalt und in ihrem Ursprung, als in ihren Lesern, für die sie besonders geschrieben sind. Da«„Kleine Journal" aber erfreut sich dank seiner konservativen Konnexioiien bei Hofe und bei gewissen hohen Kreisen siir manche seiner eigens Anrecht- geschriebenen Artikel eines sehr hohen und sehr'eiiiflutzreichen LeserS, und die Kinidgebiliig der„Kons. Korrespondenz" hat nur den Wert, jenen sehr'hohen Leser danlber zu unterrichten, daß »veiligstcNS die verantwortliche konservative Parteileiwng mit jenem Blatte nichts zu ihm» haben will." DaS„Kleine Journal" seinerseits schivingt sich in prachtvollem Stolz n»d reinstem Byzantinisch zu folgender Abfertigung deS amtlichen Organs der Konservativen auf: 1. Wir betrachten es als unser gutes Recht, die Fehler und Sünden der„konservativen" Partei«n ihrer heutigen Zusaniinensetzniig und Stellnngnahme z» rügen und zn ver- dämmen. Eine„Richtigstellung" unserer ehrlichen Ueber- zengnng seitens bezahlter Partei-Organe»weisen»v i r als unabhängiges Blatt— in jeder Form zurück. 2. Das„Kleine Journal" hat unter Leitung seine« jetzigen Verlages lediglich die Politik deS Kaisers sich zur Richtschnur genommen und in diesem Sinne zu wirken ver- sticht. Es hat daher auch mit den Grundsätzen der konser- vativen Partei nur so lange übereingestlmint. bis diese Fraktion durch ihre Haltung»n der Kanalvorlage und durch die engere Verbiiidung mit den» Bunde der Landivirte und den A»t!- semiten aufgehört hat, zu den Stützen dcS Thrones und der Monarchie zu gehören. 3. Wir haben uns nie„daZ Ansehen gegeben", im Namen maßgebender konservativer Führer zn sprechen, insbesondere nicht bei dem Artikel„Menetekel". In denjenigen Fällen jedoch, in welchen die Form nnserer Artikel zu einer derartigen Vermutung Anlaß bieten konnte, haben wir auch thatsächlich im Namcu mastgebcndcr konservativer Führer gesprochen. 4. Der Ton, in welchem die„Konservative Korrespondenz" von dem„Kleinen Journal" zu sprechen beliebt, beweist zur Genüge, daß die heutige konservative Partei mit den früheren Gepflogenheiten des Adels, soweit sich dieselben auf Anstand und gute Sitte beziehen, ebenfalls ge- brachen hat. Die geblähten Antfemmgcn des Harmlosen-JournalS entbehren bei aller Komik nicht politischer Bedeutung. Man gewinnt durch sie einen Einblick in die Well jenes Hofkonservativisinns, den die Agrar- konservativen als ihren schlimmsten und gefährlichsten Feind betrachten. Das„Kl. Journal" hat noch eben den Feldzug gegen Herrn v. Miguel geführt, und wer dessen letzte Reden liest, bemerkt verwundert, wie er dadurch seinen Frieden mit dem„Kl. Journal" geschlossen hat, daß er die Hohcnzollern-Bcgeistcrung Leipzigers noch übertrumpft.— Die Wahlordnimg für die nach dem neuen Invaliden- ges�tze nötig � werdenden Wahlen der Vertreter bei den unteren Verlvaltimgsbchörden ist nun erlasse» und für die VersicherungS- anstalt Hannover bereits bekannt gemacht worden. Nach Z 61 des Gesetzes werden für den Bezirk jeder unteren Verwaltungsbehörde je vier Vertreter der Versicherten und der llnternehmcr geivählt. Wahlberechtigt sind die Vorstände der Zwangs- Krankenkassen und derjenigen freien Kassen(mit Ausnahme der Zuschuß- tassen), die sich nicht über den Bezirk der unteren Vcr- waltnngsbehörde erstrecken; für Versicherte, die keiner Krankenkasse angehören, haben ferner die Vorstände der Kommunen bez. weiteren Koiiininnalverbände ein gleiches Wahlrecht. Wahlkörpcr, die nicht mehr als 50 Versicherte vertreten, haben 1 Stinmie, sür über 50—100 Versicherte werden 2 Stimmen gewährt und fiir jedes weitere 100 Versicherter eine Stimme mehr. Wählbar sind nur deutsche, männliche, volljährige, schöffenfähige Personen, die ini Bezirk der unteren Verwaltungsbehörde wohnen. Die Vertreter der Versicherten müssen versicherte Personen und die Vertreter der llntcrnchmer Inhaber oder bevollmächtigte Leiter von Betrieben sein, in denen versicherte Personen beschäftigt sind. Sie dürfen weder Mitglieder des Vorstandes einer Versicherungs- anstalt noch eines Schiedsgerichts sein. Mindestens die Hälfte der Vertreter muß überdies am Sitze der unteren Verwaltungsbehörden oder nicht weiter als 10 Kiloinetcr davon entfernt wohnen. Für Hannover sind die Wahlen in der Zeit vom 15. November bis 31. Dezember vozunehmen. Die Wahl gilt vom 1. Januar 1SOO bis zum 31. Dezember 1004. Diese Vertreter haben die Funktion, in Verbindung mit der Verwaltungsbehörde Gutachten abzugeben, namentlich dann, wenn eine beantragte Rente abgelehnt oder eine laufende entzogen werden soll; sie haben also die Interessen der Versicherten wahrzunehmen. Auf ihnen ist aber auch der ganze komplizierte llebcrbau der weiteren Vertretung der Versicherten und der Unternehmer in der Verwaltung des Versicherungswesens aufgebaut. Sie haben nämlich die aus b Versicherten und 5 Unternehmern bestehenden Ausschüsse der Versicherungsanstalt zu wählen und diese Ausschüsse wiederum haben neben den Wahrnehmungen wichtiger Vcrwaltnngsfnnktioncn auch die Aufgabe, die Beisitzer der Schiedsgerichte sowie die nicht beamteten, aus den Reihen der Versicherten und der Unternehmer zu entnehmenden Mitglieder des Vorstandes der Versicherungsanstalt zu wählen. Wollen die Arbeiter also eine ausreichende Wahrnehmung ihrer Jntereffen im Versicherungswesen erzielen, so müssen sie der Wahl der Vertreter bei den unteren Verwaltungsbehörden alle Aufmerksam- keit zuwenden. Zur Regelung der KonfektionSindiiftric. wie sie in der Novelle zur Gewerbe-Orduung vom März d. I. beabsichtigt wird, haben die Konfektionäre Stellung genommen. Eine Versammlung der Vertreter sämtlicher Zweige der Konfeknonsinduftrie, die' am Donnerstag hier tagte, hat folgende Resolution angenommen: „Die Vertreter der Konfektionsiudustrie erklären sich mit der im§ 114a der Novelle zur Gewerbe-Orduung vorgeschlagenen Ein- fllhrung von Lohnbüchern oder Arbcitsqnittn'ngen'für die Arbeiter der Konfektionsindustrie einverstanden: sie' erklären, daß die Regelung der Angelegenheit in der Fassung der Kommissions- vorichläge Wünschen entspricht, welche schon seit langem in den Kreisen der Konfektionsindustrie zim, Ausdruck gekommen sind. Dagegen erhebt die Versammlung lebhaften Einspruch gegen die Bestimmung deS§ 137a der Novelle. Sie er- blickt in den Bestimmungen dieses Paragraphen in erster Linie eine schwere Schädigung der betroffenen Arbeiterkreise, sowohl hinsichtlich ihrer allgemeinen Erwerbs- wie insbesondere auch ihrer häuslichen Verhältnisse. Eine Kontrolle über die Ausführung der vorgeschlagenen gesetzlichen Bestimmungen würde ein unerträgliches Emdringen in die privaten Verhältnisse bedeuten und dennoch nach einstimmiger Ansicht der Fachkreise in der Praxis sich als undurch- führbar erweisen. Die Versammlung beschließt, in diesem Sinne eine eingehend motivierte Petition an die gesetzgebenden Körperschaften gelangen zu lassen." Der ß 187», der den Herren Konfektionären lediglich im Interesse »eS häuslichen Friedens und des Einkommens der Arbeiter so»n- annehmbar erscheint, enthält nämlich den Ansatz zu einem ernsthaften Schutze der Konfektionsarbeitcr: er erteilt den: Bundesrate die Be- fugniS, das Mitnehmen von Arbeit nach Hause zu verbieten. Dieser Grundsatz ernsthaft und unbedingt durchgeführt, wie es ja»ach der Novelle allerdings noch nicht der Fall ist, würde der übermäßigen Ausbeutung zu Leibe gehe», würde mit der Zeit zur Erhöbung der Stücklöhne führen und wäre der erste Schritt zur Beseitigung der Hausindustrie. Deshalb erscheint er den Unternehmern gefährlich. FricdenSschlusl? Die Regierung will nicht mit der alten, , andern mit einer abgeänderten Kanalvorknge reuig-tapfer ivieder- kehren, die durchgreifende Maßnahmen für den Ausbau der östlichen Wasserstraßen enthalten soll. Dw„Kreuz-Zeitung" behält sich ein Urteil über den ab- geänderten Entwurf vor, will aber mit sich reden lassen. Die Jlnikcrschaft wird mit sich reden lassen, wen» ihre Interessen nicht zu kurz kommen.— Die gciuasiregcktcn Landräte werden der preußischen Regie- rnng noch manche schwere Stunden bereiten. Wenn es»ach dem Wunsche des konservativen Vereins in Hannover geht, dann wird sie demnächst im Abgeordnetenhaus« die Frage zu beantworten haben, «vclcheS die Gründe der Znrdispositions> Stellung der Beamten ge- wescn seien, die im Abgcordnctcnhause gegen die Mittellandkanal- Lorlage gestimmt haben. Einen solchen Antrag stellt der genannte Verein an den Vorstand der konservativen Fraktion deS Abgeordnetenhauses. Die„Kölnische Zeitung" läßt sich aus Oldenburg schreiben: „Bei den heule im ganzen Herzogtum vollzogenen Landtags- Wahlen ist»im zum crstcmnale ein Socialdemokrat, Buchdruckcrei- bcsitzcr Paul H»g in Bant, als Abgeordneter geivählt worden. Das ist nun kein' großes Unglück, denn Paul Hug wird die Rolle des Hechts im Karpsenleich spielen und erwas Leben in den oldcn- burgischen Landtag bringen." Solche Rede ist man von dem rheinische» Scharfmacherblatt zn hören nicht gewohnt Warum sollen die Hechte nur im vldcnburgi- scheu Landtag von Nutzen sein?— Zur Beurteilung der deutschen RcchtSznstände hat ein sächsisches Gericht einen neuen Beitrag geliefert. Der bekannte Prozeß gegen den„Süddeutschen Postillon" wegen Beleidigung deS Dresdener Schwurgerichts Löbtauer Gedenkens ivnrde am Freitag in Chemnitz verhandelt. Angeklagt waren der Redactenr des „Postillon"/ Kiefer, der Drucker und Verleger, M. Ernst, beide in München, dann der Buchhändler A. Langer in Chemnitz, der als Kommissionär mitgewirkt hatte und endlich der Kol- porteur Lohse in Chemnitz, der den„Postillon" an die Leser verkauft hatte. Trotz entschiedenen Einspruchs der beiden Bayern, die besonders auf die verfassungsmäßige Zuständigkeit der bayrischen Schwurgerichte für Preßvergehen hinwiesen, erklärte sich das Chemnitzer Gericht für zuständig.'Es verurteilte Kiefer zu zwei Monaten, Langer zu einem Monat und Lohse zu drei Wochen Ge- fängnis. Ernst wurde merkwürdigerweise freigesprochen. ' Der Strafantrag tvar vom sächsischen I u st i z m i n i st e r gestellt. Man mache ihm aber ja keinen Vorwurf daraus, daß er sich des ambulanten Gerichtsstandes bedient hat, um eine Genngthmmg für sein« beleidigten sächsischen Richter zu erlangen. Er hat sich redlich bemüht, den alten, guten, festen Gerichtsstand wieder zu Ehren zu bringen, indem e'r gegen Kiefer und Ernst in München Strafantrag stellte. Leider lehnte die Miinchener Staatsanwalt s'chnft die Einleitung eines S t r a f v e r f a h r e n s a b. Dem Herrn Justizministor blieb nichts weiter übrig, als zn seinen feinfühligen Sachsen zu gehen, wo er aus mehr Entgegen- kommen rechncii konnte, lvie bei den groben Bayern. Dieser Harthörigkeit des Miinchener Staaisanlvakts haben es wohl auch Langer und Lohse mit zu verdanken, daß sie in die Sache verwickelt wurden. Dadurch ließ sich die Zuständigkeit des Chemnitzer Gerichts leichter begründen. Cssiziellc Hctzlogik. DnS«Dresdener Journal", bekannt durch den Beamtencharakter seiner Redacteure, redet davon, daß Regierung und bürgerliche Gesellschaft der Arbeiterklasse hohes Vertrauen er- wiesen hatten durch Einführung deS Wahlrechts und des Koalitions- rechts. Die Arbeiter hätten aber unter dem Einfluß der Social- demokratie dieses Vertrauen schlecht vergolten. Will man also, so schreibt das„Journal" und die„Nordd. Allg. Ztg." druckt es ihm nach,„erusthaft das Vertrauen der Arbeiterschaft wiedcrgclvinnen, so darf man nicht eine Politik treibe», lvie sie die Socialreformer empfehlen und wie sie nur die Stellung der Sccialdeniokratie unter den Arbeitern be- festigen würde, sondern man muß dafür sorgen, daß der Aussaat unbegründeten Mißtrauens und dem die Arbeiter nntcr der Fuchtel haltenden Terrorismus der Socialdemokratie mit staatlichen Macht- mittel» cntgcgeugcarbcitet werde." Mit derselben Logik kann man auch beweisen, daß man einem Hungrige» am besten dadurch hilft, daß man ihm den Appetit mit staatlichen Machtmitteln abgelvöhut.— Berichtigung. Wir erhalten vom Generalkommando des XIV'. Ar in e e c o r p S folgende Berichtigung:„Die in Nr. 236 des„Vorwärts" aus dem„Badischen Landesboten" übergegangene Nachricht, daß ein Dragoner mit gebrochenen Beinen tot in einem Graben bei Pforzheim aufgefimden worden sei, entbehrt, soweit Truppenteile deS XIV. Armeccorps in Frage kommen, jeglicher thatsächlichcn Unterlage." Konflikitviud in Baden. Man schreibt uns ans Baden: Das Ministerinm Eisenlohr rückt in seinem Stabsorgan„Karlsr. Ztg." mit der kategorischen Erklärung heraus, daß sie das indirekte Wahlverfahren nur dann fallen lasse, ivcim ohne besondere Wahl ans den Verivaltungsorganen: Bnrgernnsschuß der istädte, Kreisverjammluiig, Stadträten, Handels- und Gewerbekammern zc.— lauter nationalliberale» Korporationen— RegierungSergebene in die Volksvertretimg gesteckt werden. Andernfalls blieben die Beratungen des kommenden Landtages fruchtlos; denn die Erste Kammer sei nicht zu haben, und keine andere Ncgiernngs-Bcsetznng würde eine Verfassungsänderung sanktionieren, welche Staats- o r d u u n g, Freiheit, Wohlstand u n d Bildung mächtig gefährde.— Den Amtsverkündigern, welche noch einmal für' das direkte Wahlrecht eintreten, wird die Libree aus- gezogen.— Jetzt ist Konfliktsluft im Musterlaudel— Ter Fall Kiichlcr. Das Urteil im Discipliiiarberfahrcn gegen den Ländgerichts-Dircktor a. D. Kücbler lautet ans 350 M. Geldstrafe und Tragllng von Vs der GerichtSkosten; Vs trägt der Staat. Der Staalsanwalt hatte Amtseutsctznng beantragt. Kiichlcr war, wie erinnerlich, in sehr»icrkwiirdige Geldgeschäfte verwickelt. Die Wohnungsnot vor dem bayrischen Landtage. München, 20. Oktober. Zur Beratung stand heute folgende von der Centruinsfraktion eingebrachte Interpellation: Ist die StaatSregierung bereit, dem in größeren Städten und in Fabrikorten vielfach hervortretenden und jährlich sich steigernden Mangel an billigen und gesunden Wohnungen durch staat- liche Mitwirkung entgegenzutreten, und bejahenden Falles, welche Maßregeln gedenkt sie zur Linderung der Wohnungsnot auf gesctz- geberischcm, administrativem und finanziellem Wege zu ergreifen bczw. in Vorschlag zu bringen?" Dieser Interpellation ist noch nachstehende Begründung bei- gefügt: «Der StaatSregierung ist es nicht unbekannt, wie schwer eS in größeren Städten und manchen Fabrikorten den minder« bcmiltelren Volksklassen und insbesondere den Arbeiterfamilien geworden ist, ihren Verhältnissen entsprechende, gesunde und billige Wohnungen sich zu beschaffen. Der gegenwärtige Zustand, nicht mir der Arbeiterwohnungen, sondern auch der Mielsräume von kleinen Gewerbetreibenden. Beamten usw. zeigt in gesundheitlicher und sittlicher Beziehung vielfach bedenkliche Mißstände. Den Bemühungen Einzelner sowie der Genossenschaften, wenigstens teilweise Abhilfe zn schaffen, treten vielmals die Gelvinnsncht der Spekulanten, welche Besitzer der geeigneten Bauplätze geworden sind, und eine allzu rigorose Handhabe geltender Bauvorschriften hindernd ent- gegen. Bei dieser, auch da? öffentliche Interesse in hohem Grade in Anspruch nehmenden Notlage und bei der llnzulnnglichkeit einer gemeindlichen oder genossenschaftlichen Hilfsaktion erscheint die Mitivirkung des Staates nicht länger entbehrt werden zn könne», weshalb sich die Unterzeichneten veranlaßr gesehen haben, gegen« wäriige Interpellation an die k. Staatsregicrnng zu richten." Nachdem der Abg. Schirmer diese Begriindmig in cinstündigcr Rede noch in allen'ihren Einzelheiten ausführlichst ergänzt halte, bcantivorrcte Mimsterpräsideilt v. Crailöhaim die Ji'iterpcllatioii dahin, daß die StaatSregierung schon seit längerer Zeit Maßnahmen ins Auge gefaßt habe, die geeignet sind, den an einzelnen Orten bestehenden ivtangel an gesunden und billigen Wohnungen abzuhelfen. Dem Landtage werde demnächst ein Gesetzentwurf zugehen, der vier Millionen Mark fordere, um die> Wobnungs- verhältniste zu verbessern und Darlehen an Bangenossenschaften ge- währen zu können. Auch bezüglich der im Privatdienst stehenden Arbeiter habe die StaatSregierung wiederholt die unterstellten Behörden und Gewerbe- AufsichtSbeainten angewiesen, der Beschaffung gesunder, zweckentsprechender und wohlfeiler Arbeiterwohmingen die größte Sorgfalt zuzuwenden und alle dahin zielenden Bestrebungen thunlichst zu fordern. Bon den bayrischen Jnvallditäts- und Altersversicherung-- anstaltcn seien mehr als l'/s Millionen Mark gegen eine mäßige Verzinsung zum Vau von Arbeiterwohnungen hergeliehen worden. Endlich seien auch bereits Verhandlungen im Gange, ob nicht eine Ergänzung des Artikels 73 deS Polizei-Strafgesetzbuchs hinsichtlich der auS hygienischen Gründen an Wohmmgen oder Wohnungs- räume zu stellenden Anforderungen einzutreten habe. Abg. Dr. Jäger(C.) fand den Ton des Ministers nicht wart» genug und verbreitete sich hierauf eingehend über die Wohnungs- frage. Unser Freund Ehrhart erlkärte namens der socialdemokratischen Fraktion, daß die Antwort der Regierung in keiner Weise befriedige, und übte dann eine ungemein scharfe Kritik an den beutigen Wohnungsvcrhältnissen. Ein Eingreifen des Staates sei hier ein Gebot der Notwendigkeit. Als erste Forderung müsse eine«m- fassende WohnnngS-Enquete verlangt werden, die die Grnndlagv für die notwendigen Reformen bilden soll. Dann sei die Schaffung eines Wohunng-gesetzes dringend geboten, ebenso die Einführung einer umfassenden Wohnungskontrolle. Wir begrüßen es, so bemerkte unser Genosse weiter, daß die Regierung für ihre Beamten und Bediensteten Wohnungen erbaut, aber wir sehen das nur als äußersten Notbehelf an, mit dem lvir nicht zufrieden sind. Es mutz ihr das Interesse der anderen Staats- bürger ebenso am Herzen liegen, wie das ihrer Beamten. Wir ab'eu nichts dagegen, daß Baugenossenschaften unterstützt werden ollen, wenn Kautelen gegeben werden, daß sich nicht Spekulanten hinter diese Genossenschaften verstecken. Wir begrüßen auch die Expropriation als erste Grundbedingung zur Regelung der Wohnungs- frage. Wir wünschen ferner eine Erleichterung und wesentliche Ber- bill'igung des Vorortverkehrs. Der Stein soll im Rollen bleiben und die Interpellanten dürfen sich daher mit der heutigen Erklärung der Regierung nicht begnügen, sondern sie müssen die Konsequenz aus ihrer heutigen Interpellation ziehen. Damit die Lösung der Wohnungsfrage nicht scheitert an der SpeknlationS- und Ge'lviim» sucht der Unternehmer, muß deren Widerstand gebrochen werden im Interesse des allgemeinen Wohles. Wir find bereit, mitzuarbeiten, in der Absicht, etwas Brauchbares aus der Sache zu machen. »k* » Ein Privattelegramm vom Sonnabend meldet, daß in der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer die Besprechung der Wohnungs-Jntcrpellation fortgesetzt wurde. Genosse Segitz sprach scharf gegen die bürgerlichen Versuche, diese Frage zu lösen, und gegen den Mangel an Initiative bei dem Ministerium. Um Ve'l2 Uhr kam die Interpellation Oertel und Genossen betreffend das Znchthansgcsctz zur Beratung. Hierüber siehe an anderer Stelle des Blattes.— Die„reformierte" Grubeninspektton. AuS dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: Schneller als wir' selbst erwarteten, sind wir in der Lage, den Beweis zu erbringen, daß es mit der viel gerühmten Reform der preußischen Grubenkontrolle wieder mal nichts i st. Wir deuteten neulich an, daß auch einer der„Einfahrcr" schon düpiert sei, in ähn- lichcr Weise lvie die akademischen„Bergleute". Nun bringt der „Bergknappe", das Organ de- ch r i st l i ch e n Gclvcrkvereins folgenden lehrreiche» Artikel: „Ans Zeche„Bismarck" wollte der Einfahr er am 25. September im Reviere des Steigers Nottcbaum, Flötz 2 Osten, revidieren, koirnie daselbst aber ans irgend einem Grunde erst am 26. September hinkommen. Zlveifellos war der Besuch bekannt. Infolgedessen war am 25. und 26. September der Zu- gang zum 1. Bremsberg in dem betreffenden Reviere in beiden Vormittagschichte» mit alt ein Holze, alten Schienen und Brettern verrammelt, damit der Eillfahrer den Berg nicht befahren konnte. Als Mangel in bergpolizeilicher Hinsicht in dem Berge ivar vorhanden: 1. daß anstatt aufsteigender. niedergehender Wetterzng war, und 2. im Berge 3 Orte im Betriebe waren, ohne die nötigen Aufhaue(lieber- haue). Am 20. September, au dem der Einfahrcr kam, war noch ein volles Latrinenfaß vor den verbarrikadierten Berg geschleppt, jedenfalls, damit dessen„duftige Würze" den Eiusahrer zum rascheren Fortbewegen vcranlaffen solle und er nicht der Ver- siicknmg anheimfalle, die Barrikade ans ihren Wert zu prüfen. Während der Verbarrikadierung lv a r e n h i n t e r derselben selbstverständlich Arbeiter beschäftigt." Wie wird es den Offiziösen? Es ist sehr gut, daß diesmal der „Bergknappe" die scnsalionellen Enthüllungen der„Bergarbeiter- Zeitimg" über Betriigereieii im Grubenbetrieb fortsetzt. Das christ- liche Blatt wird lvöhl noch nicht ganz verdorben sein von den „socialdeniokratischen Hetzern." Was der„Bergknappe" berichtet, bestätigt vollauf das, was wir schon in zahlreichen Fällen früher nachgewiesen, nämlich die Unzulänglichkeit aller socialen Reformen, bei denen die Arbeiter»ichr unmittelbar beteiligt werden. Dem ge- nannten Blatte wird es jedenfalls leicht sein, seine Behauptungen im vollen Ilmfange wahr zu halten; lvir hörten nämlich über den- selben lliisug schon, allerdings damals noch unbestimmte Mit- leilniigeu.,,■ Räume man endlich den Arbeitern das Recht zur Mitsprache ein, dann lvird es besser. Eher nicht.— Ans Salt FranciSko meldet das„Rentersche Viircan": Hier ist folgende, vom 6. d. M. datierte Meldung ans Samoa ein- gegangen: Der Anblick der Dinge auf Samoa ist weit davon ent- scrnt, erfreulich zu sein. Nene Unruhen sind im Anzüge und können zum Allsbruch kommen, wenn die drei in Betracht kommenden Mächte nicht den Regierungsbeamten zu Hilfe kommen. Die Lage der drei al- provisorische. Regierung hier zurückgelassenen Konsuln ist sehr schwierig. ES heißt, es herrsche Spannimg unter ihueu.— Ausland. Oestreich-Ungarn. Wim, 21. Oktober. Sämtliche Blätter der Opposition und auch die der Regierung nahe stehenden verurteilen ailf schärfste, daß die Linke vom Präsidium im Abgcordnctcnhause ansgeschlossc» worden sei. Die„Neue Freie Presse" schreibt: Die Ma)orität hat die Deutschen einmal ihre Macht fühlen lassen wollen, aber einen Segen köiine eine solche Behandlung der Minorität nicht bringen. Unruhe» in Böhmen. Von den bei den Prager Ausschreitungen verhafteten Personen ivurdcn fünf wegen Auflaufs und eine wegen des Verbrechens versuchter Brandlegung beim Strafgerichte ein- geliefert. I» Lau» kam es Freitagabend wieder zn Ansammlungen, bei denen in mehreren von Israeliten bewohnten Häusern die Fensterscheiben eingeworfen ivnrden. Als eine Kapallcriepatrouille sich zeigte, zerstrcnte sich die Menge. Der Bezirkshauptmann HruSka, welcher durch eiiicii Steinluurf nicht unbedeutend verwundet wurde, ist dienstliufähig geworden. Von der Gendarmerie, die 35 Mann stark einschritt, sind 6 Mann leicht und einer schwer verletzt. In T u r n a n sammelten sich abends mehrere Hundert Personen auf dem Riiigplatze an und verhöhnten die einschreitenden Beamten nnd die Gendarmerie. Als eine Kompagnie Militär ausrückte, zogen sich die Ruhestörer zurück. Auch in TanS und Eipel sind autisenittlsche Ausschreitungen vorgekommen.— Afrika. AnS dem Kougostaat. Dem Brüsseler„National" zufolge hat Uuterlieutenaiit Paternoster ans Simgula vom 20. Juli ge- meldet, daß Truppen des KongostaatcS mit aufständischen Bakus» eiueii heftigen Kampf zu bestehen hatten, welcher sechs Stunden dauerte. Die Aufstäildischeii hatten nahezu 300 Todte und eben so viel Vetiviilidete. Mit dem Parteitag in Hannover beschäftigte sich eine Partei- Versammlung in Leipzig. Den Bericht erstattete Grenz. Die Diskussion drehte sich erklärlicherweise in der Hauptsache um das Tndelsvotum, das der Parteitag den Leipzigern wegen ihres Disciplinbruchs in Sachen der LandtagSwnhl erteilt hat. Als ein Zeichen beginnender Einsicht möchten. lvir es betrachten, daß Grenz, der auch über diese Angelegenheit sprach, meinte, der Entscheidung des kommenden Parteitages in Mainz, der ja die Frage der Land- tagswahlen nochmals gründlich erörtern lverde, würden sich die Leipziger Genossen unlveigerlich unterwerfen. Außer vom Genossen Geyer wurde der Hamiöversche Beschluß auch von den Genossen Frenze! und Menge gebilligt. Die übrige» Redner, Grenz, Beyer nnd Schociilank sprachen gegen den Beschluß: Sie stützten sich ivieder darauf, daß sie die Geschichte ihrer gegenwärtigen Stellungnahme nicht hätten darlegen können. Auf Veranlassung Schoenlauks wurde folgender Beschluß gegen 4 Stimmen gefaßt: „Die Parteiveesnmmlung spricht ihr Bedauern aus, dah auf dem Parteitag in Hannover die Leipziger Genossen nicht die Gründe, die sie veranlaßten, sich nicht an den Landtagswahleu zu beteiligen, klar legen konnten. Die Versammlung erwartet, daß der nächste Parteitag in tviainz, bei Punkt Taktik,' die Angelegen heit noch einmal erörtert," Andere Beschlüsse in Beziehung auf den Parteitag faßte die Lersamiulung nicht._ GemsvKjÄZÄftliches. Berlin und Hmgcgctid. Zur Lohnbewegung der Berliner Töpfer. Seit 14 Tagen stehen die Töpfer Berlins in cinemLohnkampf wie er, was die Einmütig keit des Vorgehens anlangt, bei ihnen bisher noch nicht zu verzeichne! war. Durch die jahrelang anhaltende schlechte Konjunktur und die Zersplitterung in ihren Reihen schien eS, als ob ihnen alle Wider- standskraft gegen die Unternehmer verloren gegangen wäre. Ohne Widerspruch ließen sie sich die horrendesten Lohnabzüge gefallen und arbeiteten unter Bedingungen, die eines aufgeklärten Arbeiters höchst unwürdig waren. Jedoch mit einem Schlage hat sich dieses ge ändert. Vor dem Streik waren die Versninmluugcn nur inäßig bs sucht und boten ein Bild großer Zerfahrenheit, und glaubte daher auch unsere lllkeistcrschaft, die Forderung der Gesellen ignorieren zu können, welche weiter nichts ist, als Wiederherstellung des im Jahn 1880 errungenen Tarifs. Am 4. Oktober wurde beschlossen, daß am nächsten Montag der Generalstreik in Kraft treten sollte; die Arbeitsniederlegung ivar eine allgemeine, und es zeigte sich eine Begeisterung, die niemand vorher vermutet hatte. Die Frage, ob der Generalstreik aufgehoben werden sollte, stieß auf allgemeinen Widerspruch. Hatten die Meister geglaubt, daß die Unterstützung nicht voll ausgezahlt ivcrdcn könnte und die Streikenden hierdurch veranlaßt würden, die Arbeit wieder aufzunehmen, so ist diese Hoffnung gründlich zu Schanden geworden. Unter größter Ruhe und Ordnung ist die Auszahlung von über 130Marl erfolgt, und mich für die nächsten Wochen ist die Unter stütz, nig aus eigenen Mitteln der Gewerkschaft gesichert. Die Streikenden halten die musterhafteste Ordnung in ihren Reihen und abtrünnig ist noch keiner geworden. Die paar Arbeitswilligen, die von allein Anfang an vorhanden waren, können nicht mal die dringendste Arbeit fertig stellen und beinahe täglich legen auch von diesen noch welche die Arbeit nieder. Der Sieg ist also gesichert. Die Lohn- l o IN m i s s i o n. I. A.: H. D a v'i d. TarifanSschnst nnd Setzmaschine. Am 17. nnd 18. d. M. tagte hier eine vom Tarifausschuß der deutschen Buchdrucker ein-- berufene Kommission, bestehend aus 8 Prinzipalen und 8 Gehilfen, um die für den Betrieb der Setzmaschinen notwendig gewordene Ergänzung zum deutschen Bnchdruckcrtaris, soweit namentlich Arbeits zeit und Lohn in Betracht kommen, vorzunehmen. Die Kommission war in der Mehrzahl gebildet aus Fachleuten für die Setzmaschine. ES kam bei diesen Verhandlungen zu einer Verständigung zivischcn Prinzipalen nnd Gehilfen, nnd wurde die Arbeitszeit an der Setzmaschine für Zcitnugsbetricbe auf 8 Stunden, für Wcrkbctricb auf 9 Stunden, wovon aber nur 8 Stunden Setzzeit, festgesetzt. Der Gewißgeldlohn für an der Setzmaschine lernende Gehilfen ivnrde auf das ortsübliche Minimum, die Lehrzeit auf 3 bezw. 0 Monate normiert. Für ans gelernte Maschinensetzer wurde das Minimum um 25 bezw. 30 Proz. erhöht. Der Tausendprcis ivnrde festgesetzt bei der Linotppe auf 11 Pf., beim Typograph auf 14, bei der Monoline auf 12 Pf. Der vereinbarte Setzmaschinen-Tarif soll am 1. Januar 1900 in Kraft treten. In der Bnchdrnrkerci von Louis Borchardt, Wilhelm straße, legten gestern sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen sll Setzer, 2 Drucker, 10 Hitfsarbciterinnen, 4 Hilfsarbeiter, 3 Buchbinder), da eine Verständigimg betr. Regelung eines neuen Arbeitsverhältnisses nicht erzielt werden konnte, die Arbeit nieder. Tic Posamciiticrc hatten sich gestern abend bei Fenerstei» versammelt, um endgültig zu den Vorschlägen Stellung zu nehmen, welche das Einigimgsamt zwecks Beilegung' des Streiks gemacht hat. Wir haben diese Vorschläge bereits in der gestrigen Nummer unter„Gewerkschaftliches" mitgeteilt. Festgestellt ivird, daß in der Versauunlung von noch 49 Streikenden 40 anwesend sind. Von den Streikenden stimmen in geheimer Abstimmung 11 für Fortsetzung des Streiks, 2 Zettel sind unbeschrieben nnd 27 sprachen sich für für Aufnahme der Arbeit zu den vom E i n i g u n g s a m t vor- geschlagenen Bedingungen ans. Damit ist der Streik als beendigt zu betrachten: doch geht die Stimmung allgemein da- hin, daß sich die Arbeiter an den Schiedsspruch nicht über den 1. März 1900 hinaus binden wollen. Achtung, Ciselcurc! In nachfolgenden Werkstätten befinden sich die Kollegen wegen Nichlbewilligung des Ncunstundentages im Ausstand: Spinn u. Sohn, Akticn-Gesellschaft Lronzewaren-Fabrit Wasser- thorstrnßc 9, Vollgold u. Sohn, Silberwarenfabrik Köpnickcrstr. 72, Frister(Inhaber Engel u. Hegewald), Bronzelvarcnsabrik, Linden- straße 23. Speck, Bronzewarenfabrik, Dresdenerstr. 30, Gcrike, Scbastianstr. 20 und Brodrccht, Stallschreiberstr. 0. Bei nachfolgenden Cifcleuren ivird Streikarbeit angefertigt: Fischer, Wicncrstr. 29, Greulich, Adalbcrtstr. 75, Sicbman», Prinzen- straße 98, Retzlaf, Nennderstr. 15, G. Raßniusscn, Adalbertstr. 05 und bei dem Ciselcnr Kalischer in der Silberwarenfabrik von Schneider, Stallschreiberstr. 52. Von allen diesen Werkstätten ist deshalb jeder Zuzug strengstens fernzuhalten. Die Kommission. In Anbetracht, daß in nächster Zeit an Rohmaterial Mangel wird, tvcrden sämtliche Ausständige sofort nicht eingestellt werden können, und daher sind außer Breslau der Bunzlauer Distrikt sowie Berlin, Dresden, Pirna bis auf weiteres zu meiden. Tie Hochofenarbeiter der Königöhiitte(Schlesien) haben eine Lohnerhöhung von der Verwaltung freiwillig zugebilligt erhalten. So berichtet der Telegraph. Dieses„freiwillig" soll wohl heißen: Aus Furcht vor dem Streik. Die Bäckergehilfen von Wiesbaden nnd der Nachbarorte haben den Ausstand für beendet erklärt.-Sie haben mit der Be wcgung recht günstig abgeschnitten; sie'betrachten das Errungene als Abschlagszahlung und gehen nun daran, ihre Organisation zu stärken. Zum Krcfcldcr Färbcrstreik. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, hat der Streik eine für die Arbeiter günstigere Wendung gn nommen. Nachdem die Unternehmer vergeblich Versuche gemacht hatten, die Arbeiter durch Behauptung erdichteter Thatsachcn in Miß kredit zu bringen, griff man zu anderen Mitteln, um aus der Patsche heraus zu kommen. Auf Veranlassung der Unternehmer richteten die Arbeitswilligen bekanntlich ein Schreiben an den Obcrbürger incislcr, worin sie um„Schutz gegen die Ausschreitungen der Streikenden ersuchten. Nun ivar es eine bekannte That fache, daß nicht die Streikenden sich derartige Ausschreitungen hatten zu schulden konimeu lassen, sondern die Arbeitswilligen. Ja verschiedentlich mußten Polizcibeamte Streikende vor den Be lästigungen und Drohungen Arbeitswilliger schützen. Deshalb fand dieses Gesuch der Arbeitswilligen auch keine Berücksichtigung. Neuerdings sind Agenten nach allen Gegenden Deutschlands ausgesandt worden, um Färber anzuwerben, aber auch dieser Versuch scheiterte an der Solidarität der deutschen Arbeiterschaft. Die Werbe- Agenten kamen uuverrichteler Dinge wieder nach Krefeld zurück. Nachdem ein höherer Beamter, der eine Einigung herbeiführen wollte, ebenso wie die Arbeiter schroff zurückgewiesen wurde, gelaug es, das Gcwcrbegericht zu bewegen, sich ins Mittel zu legen. Jedoch schien es, als ob auch dieser Versuch an dem Starrsinn der Unter nehmer scheitern würde, denn die Tageblätter hatten eine diesbezügliche Notiz schon eingesandt erhalten. Eine Besprechung der Aktionäre zeitigte jedoch ein anderes Resultat, und Ivird das Ge- Werbegericht also als Vcrmittclungsfaktor anerkannt. Es steht zu erwarten, daß auf diesem Wege es gelingen ivird, einen Frieden herbeizuführen. Die Diffcreuzpuukte sind bis auf einen erledigt und betrifft derselbe noch die Einstellung sämtlicher Arbeiter. Die Unternehmer ver- laugen, daß die Arbeiter sich einzeln zur Aufnahme der Arbeit melden sollen und will man dann eine Auslese halten. Die Aus schußmilglicder sollen unter keinen Umständen wieder eingestellt werden. Wenn man von dieser Forderung nicht abgeht, wird selbst- verständlich auch das Geiverbcgcricht nichts Ersprießliches zu Tage fördern können. Von einer Beendigung des AuSstandes könnte also dann noch keine Rede sein und ist es daher am Platze, die Streikenden zunächst noch zu unterstützen. Zuschriften richte man an R. Poulmanns. Geldsendungen an E. Winterberg, beide Kronprinzen- lraße 122 in Krefeld. An dem Leipziger Foni, erstreik sind nach den letzten Zw ämmenstellungcn noch 372 Verheiratete mit 879 Kindern und 00 Lcdige beteiligt. Abgereist siud 8, zu Arbeitswilligen sind 3 ge worden.' Die Former in Hirschberg i. Schl., Dessau und Gasse» haben die Anfertigung Leipziger Arbeit verweigert sund befinden sich die Modelle wieder auf dem Trausport nach Leipzig. Auf die Behauptung der Unternehmer, wonach die besseren Elemente zur Einsicht gekommen und für ihr Familienglück be orgt seien, wurde in der dieser Tage stattgehabten Versammlung eine Schilderung über verschiedene Arbeitswillige gegeben. Ein Arbeitsivilliger, der von seinem Bruder über sein Verhalten zur Rede gestellt wurde, drohte letztcrem mit Erstechen. Ein anderer, der wegen Sittlichkeitsverbrechcn, wieder ein anderer, der wegen Diebstahls Strafe verbüßt hat, spielen die Arbeitswilligen. Die Frau eines anderen„guten Elementes" kam zum Gcnicindcvorstand wegen Unterstützung, weil ihr Mann seinen Verdienst zum Unterhalte einer zweiten Geliebten braucht. Ein anderer, der in der Straf- aiistalt das Handwerk eines Schuhmachers erlernt hat, versucht jetzt die Former zu ersetzen. So werden noch etliche derartige Schilde- rungcn über die„Gutartigen" entworfen, auf die die Unternehmer wirklich stolz sein dürfen. Ausland. Aus PariS nieldct der offiziöse Telegraph vom 21. ds. MtS.: 1700 Bergarbeiter von C a r in a u x haben an den Minister- Präsidenten ein Schreiben gerichtet, in welchem sie gegen den von mehreren Agitatoren am letzten Sonntag gefaßten Streikbeschluß protestieren und Schutz gegen deren Bestrebungen verlangen. Dem Figaro" zufolge werden die Delegierte» der Ausständigen von Carmaux, welche einen Schiedsspruch der Regierung wünschen, heute vom Ministerpräsidenten empfangen werden. Zur Vorbereitung der Wahl zum Gesellcnansschust der Haudwerkerkaiuiuer findet am Freitag, den 27. Oktober, abends 9 Uhr, in den Arininhallen, Kommandantenstr. 20, eine gemeinsame Sitzung der in Berlin bestehenden Gesellcnansschiisse der einzelnen Junnngen statt. ES darf wohl erwartet werden, daß sämtliche GesellcnauSschüsse vertreten sind. Deutsches Reich. Achtung, Zimmcrlente! Die Kölner Zimmermcistcr-Jnnung läßt durcki den Arbeitsnachweis der Stadt Köln in de» großen Städten hundert Zimmergesellen suchen. So stmidipt Inserate in Hon, burger, Breslauer und Leipziger Blättern. Demgegenüber sei festgestellt, daß in Köln ei» Bedürfnis nach gimmerleuten nicht vorhanden i st. Es kann sich nur darum handeln, daß man durch die Zuwanderung aus- wärtiger Arbeiter die unbequemen, organisierten Zimmerer beseitigen will, mit denen man sich kürzlich vor dem Gelverbegcricht unter dem Zwang der Verhältnisse und der öffentlichen Meinung geeinigt hat. Die arbcitcrfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Tie Streiks bezw. Aussperrungen der Siriumctzeu sind nun nach 12- bezw. 14wöchentlicher Dauer beendet. Die Ver- einbarungen, Ivelche getroffen worden sind, gelten vom 1. März 1900 bis 1. M'iirz 1902. Die Zugeständnisse, welche den Unternehmern abgerungen werden mußten, sind folgende: Berlin erhält die achtstündige Arbeitszeit während der Sommer- mouate; bei Lohnarbeit als Mindestlohn pro Stunde 70 Pf. Alle Flächen, Fugen ec. erfahren vom 1. März 1900 ab 15 Proz. und vom 1. Oktober selbigen Jahres 20 Proz. Lohnerhöhung. Die Steinmetzen des Bunzlauer Bezirkes erhalten eine lOproz. Lohnerhöhung auf den ganzen Tarif. Den Steinbrechern tvcrden 50 Pf. Zulage pro Kubikmeter gemacht. Die Steinbrecher, welche in Tagelvhn beschäftigt sind, erhalten 2 Pf. pro Stunde mehr. Den Dresdener Steinmetzen wurde bekanntlich dieses Frühjahr der Tarif gekündigt. Die Unternehmer beabsichtigten bei einzelnen Positionen des Tarifs Abzüge zu machen. Forderungen haben die Kollegen nichts gestellt, ausgenommen einige kleine Abänderungen der dort bestehenden Schiedsgerichts-Ordnungen: letztere wurden anstandslos genehmigt und der Tarif auf weitere zwei Jahre, wie er jetzt besteht, ver- längert, und unterliegt selbiger einer einjährigen Kündigung Der Krieg. Die Schlacht bei Glcncoe. Der„Standard" veröffentlicht folgendes Telegramm aus dem Lager von Glcucoe vom Freitagmittag: Als die Füsiliere und die Royal Ristes auf tausend Dards herangekommen waren, waren die Batterie» der Boeren von den britischen Geschützen, welche sie ans 2500 DardS mit vernichtender Wirkung beschossen hatten, voll- 'tändig zum Schweigen gebracht woroc». Die Boeren»iiter- hielten immer noch ein heftiges Gewehrfeuer, welches die Reihen der Engländer stark lichtete. Gegen 9 Uhr früh schwärmten die Füsiliere und die Ristes über die Anhöhe aus und die Boeren er- griffen die Flucht. Inzwischen waren die 18. Husaren, sämtliche berittene Kolonial« und Reichs-Jnfaiiterieregimenter sowie das Leicester-Regimcnt nach Norden und Osten vorgeschoben worden, wo- durch den Boeren die RückzugSlinie abgeschnitten wurde. Der Feind geriet nunmehr zwischen zwei Feuer und hatte schwere Verlnste. Im Augenblick, wo dieses Telegramm abgeht, dauert der Kampf noch fort, die Niederlage des Feindes ist aber creitS eine völlige und vernichtende. Es hat den Anschein, als ob nur wenige Boeren entkommen würden. Unsere Verluste werden sich wahrscheinlich auf 300 Mann an Toten und Verwundeten belaufen, während der Verlust der Boeren dreimal so groß sein dürfte. Nähere Einzelheiten über das Gefecht bei Glencoe geben folgende tclcgraphisch in London eingelaufene Mitteilungen, die dem„Lokal-Anzeiger" von seinem Londoner Korrespondenten be- richtet werden: Die Vorposten hatten die ganze Nacht Schüsse gelvechselt, dennoch war die Besetzung von Glcucoe Hill durch die Bvercnbattcrie eine totale Ueberraschung für die Engländer nnd wurde nicht bemerkt, bis im Morgengrauen plötzlich'Granaten über die Stadt sausten und in das englische Lager fielen. Jetzt wurde bemerkt, daß der Hügel von Feinden schwärmte. Die britische Artillerie wurde nun mit großer Präcision in Thätigkeit gesetzt. Dieselbe nahm eine Stellung südlich von der Stadt ein. Nach einer Viertel- tunde vorzüglichen Feuers erfolgte ein Stillschweigen der Boeren- Batterien. General ShmonS befahl sofort den Royal Ristes und den Dubliucr Füsilieren, einen Sturm auf die feindliche Position zu machen. Ihre Attacke war brillant. Das Gewehrfener der Boeren war nicht so tödlich, wie crivartet, doch wurden die Stürmenden reihenweise niedergemacht. Der Hügel war fast unzugänglich für den Sturm, und jede Zögerung hätte den Angreifern Ver- »ichtuug gebracht. Die Geschütze wurden, soweit man von Glcncoe sehen koimte, alle erobert, da die Boeren keine Zeit hatten, sie wegzunehmen. Die Flüchtlinge stürmten die Hiigclseite hinab, wo ihnen die achtzehnten Husaren, berittene Infanterie und eine Batterie in die Flanke fielen. Der Feind taillierte, und ein bitterer Kampf entspann sich, wobei schwere Verlnste beiderseits cnt- standen. Der Kampf dauerte acht Stunden und war um halb zwei beendet. Die Verluste betrugen schätzungsweise ungefähr zwei- hundertfünfzig tote Engländer und achthundert Boeren. SymonS wurde im Anfange' des Gefechts verwundet, worauf der Brigadegeneral Dnle die Führung übernahm. Das Artillerie- feucr der Boeren war schwach. Zerstreutes Feuern dauerte noch den ganzen Nachmittag fori. Viele Feinde ergaben sich. Es heißt, daß die Boeren auf ihre alte Position zurückgehen. Sie haben eine Reihe Fortifikatiouen zwischen Sandspruit und Dannhauser errichtet. Bei Sandspruit haben sie ein Lager mit Artillerie, und hinter VolkSrust stehen Geschütze auf dem Pvgwani- bcrg, der Laings Nck beherrscht. Das Kriegsministerium erhielt ein Telegramm, daß Symons tödlich verwundet sei. Der wichiige Erfolg ist seinem großen Rkute, seiner vorzüglichen Führung und seinem tapferen Beispiel, sowie der den Truppen durch ihn ein- geflößten Zuvcrsichtlichkcit zuzuschreiben. lieber die Verluste der Engländer und Transvaal- Boeren liegen genaue Nachrichten noch nicht vor. Die obige Depesche spricht von 300 Mann an Toten und Verwundeten aus englischer Seite, während andere Nachrichten die Zahl der Toten allein auf 300 Mann beziffern und außerdem von 450 Ver- wundeten reden. Nach amtlicher Meldung beträgt die Zahl der in der Schlacht bei Glencoe gefallenen Engländer gar nur 31, die der Verwundeten 151. Verhältnißmäßig groß ist die Zahl der gefallenen englischen Offiziere. Die in London eingelaufene offizielle Liste meldet darüber: General Symons ist tödlich verwundet; elf Offiziere sind gefallen, nämlich zwei Obersten, ein Major, drei Hauptleute und fünf Lieutenants: drei Offiziere sind schwer verwundet, nämlich ein Oberst, ein Major und ein Hauptmann: weniger schwer sind 17 Offiziere verwundet, und zwar zwei Majors, fünf Hauptleute und zehn Lieutenants. Bedeutend größer soll die Zahl der gefallenen Boeren sein; englische Berichte schätzen ihre Zahl auf 800. Die großen Verlnste der Boeren rühren hauptsächlich von dem vernichtenden englischen Artilleriefeuer her. Die Zahl der Kombattanten auf englischer Seite wird auf 5000 Mann geschätzt, die Stärke der Boeren auf 4000. Kämpfe an der Westgrenze Transvaals. Auch die Kämpfe um Mafekiug sollen bisher wenig günstig für die Boeren abgelaufen sein. Nach einem Bericht der„Daily Mail" vom 14. Oktober, begannen die Boeren die Belagerung Sonuabendmorgen. Baden Powell sandte einen Panzerzug und einen Teil der Betschuanalands-Schutztruppen gegen sie. Dieselben eröffneten ein Maximfeuer, welches die Boeren zcr- streute. Die Engländer holten sie ein. Die Boeren hatten eine geschützte Stellung eingenommen, Schüsse wurden auf neunhundert Meter gewechselt. Das Granatfeuer wirkte gegen die Boeren vorzüglich. Hierauf eilten ein zweiter Panzerzug herbei und iveitcre Truppen aus Masektug. Die Boeren zogen sich schließlich demoralisiert zurück, um elf Uhr waren sie total zurückgeworfen, zweifellos mit schweren Verluste,'. Fenicr meldet„Daily Mail" aus Kuruman: Vryburg übergab sich Sonntag ohne Widerstand auf Verlangen der Einwohner beim Herannahen der Boeren-Artillerie. Die' Polizeitrnppe zog sich zurück, und ihr Kommandeur Major Scott erschoß sich aus Zorn darüber. Die Meldung, daß bei Mafeking eine Dhnamitexplosion stattgefunden hat, bestätigt sich, doch sollen nicht, wie zuerst ge- meldet, 1500 Boeren, sondern 100 Boeren getötet sein. Ein Manifest der TranSvaal-Negierung. Kapstadt, 19. Oktober.(Meldung des„Reuterschen Bureaus.") Der Staatssekretär von Transvaal, Rcitz» richtete au die Bürger des Oranje- Freistaats ein Manifest, in welchem er die Königin Victoria, Milner und die englischen Staats», änuer beschuldigt, die Afrikander-Nation zu beleidigen, zu betrügen und zu chmähen. Großbritannien unterdrücke die Eingeborenen; es werde ein Krieg geführt wegen eines Unterschiedes von zwei Jahren bei Erteilung des Wahlrechs. während die Ausländer in England gezwungen wären, 12 Jahre zu warten, bis sie das Wahlrecht er- hielten. Im Unterhaus. London, 21. Oktober. Bei Beratung der im Nachtragsetat für die HecreStierwaltung geforderten 10 Millionen Pfund Sterling erklärt William R e d m o n d'. wenn man Geld ausgeben wolle, so sollte man es für Irland mid die arbeitenden Klassen thu,,. Redner wird hierfür zur Ordnung gerufen. Da er fortfährt in derselben Weise zu sprechen, wird er aufgefordert, seine Acußerungen zurückzunehmen; er thut es mit Protest unter dem Beifall der Nano» nalistcn und Gelächter der andern Parteien. Das Unterhaus bewilligte den NachtragS-Etat mit 271 gegen 32 Stimmen. Im Laufe der Debatte verlas Balfour ein Tele- gramm, daß General Symons in der Schlacht bei Glencoe tödlich vcrwnndct worden sei. Die Mitglieder des Hauses entblößten das Haicht und die Debatte wurde abgebrochen. Verfrühte Verteilung des Bärenfells. In London geht das bisher nicht bestätigte Gerücht, daß die Regierung beabsichtige, nach dem Kriege in Südafrika fünf Födcral-Staaten zu schaffen, Kap. Transvaal, Natal, Freistaat und Nhodesia, unter dem Name»„Dominion of Southafrika" mit dem Sitze des BnndeSparlameuts in Kap st a d t. » SS Frankfurt a. M.. 21. Oktober.(B. H.) Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus London: Der„Central NewS" wird aus Kapz ladt telegraphiert: Die Boeren sind in ihrer bevor-! zngtei, Position auf dem eigens von ihnen gewählten Terrain angegriffen und bollstäudig geschlagen worden. In Kapstadt herrschte gestern Abend wildeste Begeisterung. Die Massen wogten durch die traßen, jubelten und'sangen. Die Menschen waren wie im Delirium.— Weiter wird den„Central NewS" au» Glcncoe von den, gestrigen Kampf„och folgendes berichtet: Mehreremal gab cS während des Kampfes eigentümliche Ruhepausen, in denen die eng- tischen Truppen vorwärts krochen, ohne zu feuern, während auch das Feucr der Boeren schwieg. Die englische,, Batterien verbrauchten eine ungeheuere Masse von Munition. Die Offiziere nuterließen es, Deckungen zu suchen. alS sie die Mannschaften zum Kampfe anfeuerten. Husaren und Artillerie setzten de» flüchtigen Boeren nach und verfolgten st« noch immer. Der Rückzug der Boeren artet in wilde Flucht au f. Es ist keine Kampffähigkeit mehr in ihnen, sie bleiben nicht standhaft, sondern eilen davon, sobald Granaten zu platzen beginne». Uekzke und Vepeflltzvn. Wiesbaden, 21. Oktober.(B. H.) Heute morgen trat hier der fiinf.'c Gesellschaftslog der Tcntschcn Gesellschaft für ethische Kultur zusammen. Vertreten sind Berlin, Breslau. Hamburg. München, Frankfurt a. M., Ulm, Magdeburg und Straßburg i. E. Förfter-Zürich berichtete über den cthischcnÄund und überbrachte dieEinladung vom inter- nationalen ethischen Kongreß in London, welcher imfJnli nächsten Jahres ftattfiudcn wird. Heute abend findet im großen Saale der Loge„Pluto" große Volksversanimliing statt. In derselben werden die Herren Prof. Döring-Bcrlin, der Laiidtags-Abgeordncte Sänger- Frankfurt a. M/. Dr. Kroubnrg- Berlin und der Privaldoceut Förster-Zürich spreche». Wien, 21. Oktober.(B. B.) Heute kam eS beim Studenten- bnmnicl vor der Universität zu Schlägereien zwischen dculsch- iiationale» nnd christlich-socialen Studenten. Der Bimuncl dürfte dieserhalb wieder»», sisticrl werden. Antwerpen, 21. Oktober.(W. T. B.) Wie das Blait Opinion" mitteilt, ist die SanitätSkommissio» der Scheide ein- berufen worden, um über den Pestsall zu beraten, welcher an Bord des Dampfers eines der größten belgischen Linien vo gekommen ist. Der betreffende Dampfer ist soeben in Plymcm eingetroffen und hatte vorher Marseille aiigelalifen. PariS, 21. Oktober.(W. T. B.) Die UnterstichungSkoinmission des StaatSgcrichShofcS verhörte heute Dsronlsde, welcher jede Allskunst verweigerte. Nnnmehr sind sämtliche Bcrnehnmngen bc- endet und Bsrangcr wird den Bericht verfassen._ � Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inieratentetl verantwortlich: Xh. Glocke in B-rli». Druck„»d Verlag von Max Babing i» Berlin. Hierzu 3 Beilagen und Unterhaltuugsblatt: Ar. 248. 16. Ichrgavg. 1, KilM des.Amärts" Kttlilitl Ncksdw. SiiiiM� 22. Oktober t8SS. Tic„Harmlose»" vor Gericht. Schlug aus der 3. Beilage. Nach kurzer Replik des Oberstaatsanwalts und einer Duplik des Verteidigers»iuimt der zweite Verteidiger V. Kaysers Rechtsanwalt Tr. Schachtel das Wort. Er erklärt, dag er auf das Wort verzichten wolle, weil eine Nachlese»ur die Wirkung der gläuzendcu Ausführungen des Vorredners abschwächen könnte. Wenn der Lberstantsanwält dem Angeklagten v. Kotzser vorgeworfen, daß er den Wert des Geldes nicht zu schätzen verstanden habe, so müsse entgegnet werden, daß daran nicht e r, sondern die Verhältnisse schuld haben. Ein preußischer Referendar, der nicht in der Lage ist. auch nu c i n e n G r o s ch e n zuverdienen, kann unmöglich ein Vorstellung von sauer verdientem Gelde haben. Es gebe dreierlei Arten von Moral. Die erste sei diejenige, die der Gesetzgeber nilbl als erzwingbar betrachte— die ethische; die andere ist die, deren Verletzung der Gesetzgeber bestrast und die dritte sei die Herrenworal. die der S t a a t für sich reserviert, indem er selbst Lotterien veranstaltet, den Totalisator betreibt, Glücksbuden einrichtet usw. Ter Verteidiger schließt mit der Hoff nuug, daß der Gerichtshof sich nicht mit einem uou ligust begnügen. sondern die Nichtschuld der Angeklagten anerkennen werde, die zwar leidenschaftliche Spieler, aber nicht Gewerbsspieler gewesen seien. Nachdem auch hier der Lberstaatsanwalt in kurzer Replik er lvidert, nimmt der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Schwiudt für den Angeklagten v. K r ö ch e r das Wort: Er richtet sich beson derZ gegen einzelne Ausführungen des Oberstaatsanwalts in dessen Plaidoyer. Die Verteidigung könne der Ehrenrettung, die derOberstaats- anwalt dem Ä r i m i u a l k o m m i s s a r v. M ante uff el habe ungedeihen lassen, nicht beitreten. Wie verträgt sich mit der Warnung, die Herr v. M. den Angeklagten zukommen ließ, die Thatsache, daß v. Mantenffel, der über die Artikel im„Verl. Tagebl." unterrichtet war und wußte, daß in einem derselben der Verdacht des Meineides gegen v. Kröcher ausgesprochen war, dies nicht zerstreute? Wie konnte dieser, angeblich von Loyalität überströmende Beamte es über sich gewinnen, die Mär von den fabelhaften Gewinnen, die einem der Artikel veröffentlicht wurde, unwidersprochen zu lassen? Seine Pflichttreue soll nicht angezweifelt werden. aber man kann ihm den Vorwurf nicht ersparen, daß sich von Dr. Kornblum habe irreführen lassen und daß er es nicht verstanden habe, sich aus den Wirren und Jrrgängen. in denen Dr. Kornblum ihn zurückgelassen habe, wieder herauszusindcn. Herr v. Mantenffel hat aber auch den Unterstichungsricliter, wenn auch wider Willen, irre geleitet. Zum Glück hat die Wer- Handlung ein anderes Bild gegeben, wie die Voruntersuchung. Tie ganze Art des Spieles des Angekl. v. Kröche r, die Art, wie er sich den Spielgläubigern und den Schuldnern gegenüber verhielt. wie er in jeder Beziehung coulant war. zeige, daß er die größte Gleichgültigkeit gegen das Geld hatte, nicht aber, daß er mit dem Spielen einen Gewerbebetrieb etablieren wollte. Diese Gleichgültig- keit gegen das Geld zeigt sich auch in seiner Befriedigung momen- taner Launen, in seinen Geldausgaben für Luxuszwecke. Wer so souverän das Geld verachtet, kann unmöglich den Bor- Wurf erhalten, daß er ein Gewerbe betrieben habe, um in berechnender Weise Geld uiid immer wieder Geld zu verdienen. Nach längerer juristiscker Widerlegung der rechtlichen Ausführunge» des Oberstaatsanwalts betont der Verteidiger nochmals, daß die Standesgenossen des Angekl. v. Kröcher ein ganz anderes Urteil über diesen haben, wie der Vertreter der Anklggc: sie halten ihn für enorm leichtsinnig, nicht aber für einen Man», der mit Berechnung. nist dem Plan und dem Ziele des Ertvcrbcs spielt. Der Gerichtshof möge sich diesem Urteile der Standesgcnosscn anschließen! Rechtsanivalt Dr. Schachtel tritt gleichfalls der Ansicht deS Oberstaatsanwalt entgegen, daß nicht Herr v. Mantenffel, sondern die Zeugen schuld an dem Schicksal der Angeklagten haben. Gegen Herrn v. Manteuffel müsse die schivere Anschuldigung erhoben werden, daß er durch seinen Bericht die Verhaftung der AngeUagten hervorgerufen habe. Darüber habe allerdings eine andere Stelle, nämlich daS Parlament, zu urteilen, dieser Gerichtshof habe nur zu ent- scheiden, ob die Angeklagten des gewerbsmäßigen Glücksspiels schuldig sind.— Der Oberstaatsanwalt nimmt wiederum sHerrn v. Manteuffel gegen den Vorwurf in Schutz, daß er durch seinen Bericht allein die Verhaftimg veranlaßt habe. Als letzter plädiert Rechtsanwalt PincuS l für den Angeklagten v. Schachtmeyer, indem er streng juristisch den Begriff des gewerbsmäßigen Glückspiels zu interpretieren sucht und rein sachlich beleuchtet, was gegen seinen Klienten geltend ge� macht werde und was zu dessen Entlastung sdiene. Die Belveis� aufnähme habe ergeben, daß v. Schachtmeyer durchaus in guten finanziellen Verhältnissen lebte, erfolgreiche Börsen-Transaktionen gemacht habe und keineswegs daraus angewiesen war, aus dem Spiel ein Gewerbe zu macheu. Die Selbstverteidigung der Angeklagten. Zum letzten Worte verstattet, erklärt Angeklagter v. Kayser: Ich kann nur sagen, daß ich durch meine Spielleidenschast und durch mein häufiges Spielen in moralischer Beziehung nicht immer ganz lobenswert mich verhalten habe. DaS th»t mir herzlich leid und ich werde mich vor meinen Eltern und meinen Vorge>etzten deswegen zu verantworten haben. Gegen die bestehenden Strafgesetze in ihrer bisherigen Auslegung habe ich aber nicht verstoßen. Ter Angeklagte v. Kröcher bittet den Gerichtshof in Betracht ziehen zu wolle», daß er bereits mit 19 Jahren dem Spiele ver- fallen sei. Er sehe ein, daß er ein wahnsinnig leichtsinniger Mensch gewesen sei, was er jetzt natürlich aufrichtig bedauere. Aber gegen den Vorwurf, daß er das Spiel gewerbmäßig betrieben habe, müsse er sich verwahren; er meine, daß sein ganzes planloses Verhalten mit dem Gelde, das ihm daS Spielglück in den Schoß warf, schon dagegen spreche, daß ihm irgend welche Berechnung inne gewohnt habe. Er bitte deshalb um seine Freisprechung. Der Angeklagte v. Schachtmeyer beschränkt sich darauf, um seine Freispiecknmg zu bitten, da er sich nicht schuldig fühle. Ilm öUhr zieht sich der Gerichtshof zur Be- ratung zurück. Freigesprochen. Nach l�stündiger Beratung verlündet Landgerichts-Direktor Denso das Urteil dahin: Der Gerichtshof hat, obwohl der Staats- anwalt diesen Teil der Anklage hat fallen lassen,.sich pflichtgemäß auch mit der Frage des Betruges beschäftigen müssen und ist auch seinerseits zu dem Urteil gekommen, daß Betrug nicht vorliegt. Alle die Momente, die zur Begündung des Betruges angeführt worden sind, haben nach der Ansicht des Gerichtshofes keinen Beweis für Falschspicl erbringen können. Der Verdacht des Betruges ruhte im wesentlichen auch ans dem Verkehr mit Wolff, der als Falsch- spieler bezeichnet wurde. Es ist möglich, ja wahrscheinlich, daß Wolff ein Falschspieler war, es hat sich aber nicht nachweisen lassen, daß dio Angeklagten Wolff für einen Falschspieler halten konnten. Im Gegenteil haben sie, wie die meisten der übrigen Wolff für einen austäiidigen und umgänglichen Menschen gehalten. Auch der Verdacht, der darauf beruhte, daß die Angeklagten dcnZeugenMontaldi schleunigst über die Grenze geschafft haben, hat sich durchaus nicht bestätigt. Die Anklage hatte sich aber auf alle diese verschiedenen Verdachtsmomente stützen können, denn cS ist von ihnen allen vorher die Rede gewesen. Jedenfalls lag, als die Verhaftnng ausgesprochen wurde, genügendes Material vor, um die Angeklagten im Siime der Anklage als dringend verdächtig erscheinen zu lassen. Wenn die Zeugen ihre ursprüngliche Aussage abgeändert haben, so kann ihnen ein besonderer Vorwurf daraus nicht gemacht werden, sie haben das Thatfächliche bestätigt, aber die ersten Folgerungen, die sie in der Aufregung gezogen, jetzt nicht mehr aufrecht erhalten können. Der vom Reichsgericht festgestellte Begriff des gewerbsmäßigen Glücksspiels kann auf die Ange- klagten nicht angewendet werden. Sie befanden sich zwar nicht in besonders günstigen Verhältnissen, aber sie hatten doch Mittel. um das Spiel einmal beginnen zu können, fie waren nicht ganz mittellos. Würde Mittellofigkest vorgelegen haben, so würde§ 284 sich leichter anwenden lassen. Die Angeklagten sagen selbst, sie seien keine Gewerbsspieler, sondern nur einem hohen Grade von Leichtsinn verfallen. Mann kann ihnen nicht ins Herz sehen und deshalb muß, »cim Zweifel obwalten, die den Angeklagten günstigere Anficht Platz greifen. Deshalb liegt nachweisbar gewerbsmäßiges Glücksspiel bei ihnen nicht vor. Allerdings haben die Angeklagten einen erheblichen Aufwand getrieben. Daß ihr Wille aber von vornherein darauf gerichtet war. sich die Mittel zu diesem Aufwand durch Spiel zu erwerben, hat sich nicht nachweisen lassen. Selbstverständlich haben sie größere Ausgaben gen, acht, weim sie gewonnen hattten. Auch die Gründung des Klubs kann nicht gegen die Angeklagten sprechen, denn sie konnten dieS zu dem Zweck gethan haben, um ungestörter sich dem Spiel hingeben zu können. Es liegt somit kein sicherer Schluß für die Gewerbsmäßigkeit des Spiels bor. Am wenigsten bei v. Schachtmeyer. Der Gerichtshof hat deshalb auf ein n o n I i g n s b erkannt. Ueber die moralische Seite ein Nrtheil zu fällen, sei nicht Sache des Gerichtshofes; wie die öffeiitliche Meiiinng darüber denkt, werden die Angeklagten wohl erfahren haben. Tic Angeklagten waren hiernach freizusprechen und die Kosten der Staatskasse aufzuerlegen. Klus der Fruuenbetuegung. Ein allgemeiner bayrischer Frauentag tagt zur Zelt in München. Derselbe beschäftigt sich auch mit der Lage der in Gast- und Schaukivirtichaften beschästigten Personen. Von dein Refereiiten Dr. Brendel wurde folgende Resolntton vorgesckilagen: Die Lage der weiblichen Angestellten im Gnstwirtschaftsgewerbe hat in der Neuzeit eine Entwicklung erfahren, welche eine Reihe von Schäden und Mißständen für die Beteiligten in socialer, gesundheitlicher, moralischer und ivirtschasrlicher Hinsicht hervorbringt, ivodnrch auch weite Volkskreis« mit betroffen weiden. Die Anbahnung einer Beffermig dieser Znstüilde ist eine Pflichterfülltliig, welcher sich die Gesellschaft nicht länger entziehen darf. Der allgemeine bayerische Frauentag befürwortet die Durchführung folgender Maßregeln: 1. Im Gast- und Schankwirtschaftsgewcrbe soll die tägliche Arbeitszeit 14 Stunden nicht übersteigen; tri bestimmten seltenen Ausnahmefällen hat immer für die verlängerte Arbeitszeit eine verlängerte Ruhezeit sich anzuschließen. 2. Den Arbeitnehmern ist eine tägliche imuliterbrochene Ruhezeit lMindeslruhezeits von mindestens 8 Stunden zu gewähren, Frauen zwischen 18 und 20 Jahren, sowie männliche» Ar- beitern zwischen 15 und 20 Jahren eine solche von mindestens 10 Stunden. 3. Männliche Personen unter 15 Jahren und weibliche Personen unter 13 Jahren dürfen nicht beschäftigt werden. 4. M Sonntagen beginnt die Arbeit nicht vor 11 Uhr vonnittags oder hört für'die am Morgen doch Beschäftigten um 11 Uhr vormittags auf. 5. An- tatt des entgangenen Sonntagsruhetages ist für jeden Arbeiter ein bestimmter voller Ruhetag in der Woche festzusetzen. 6. Der Arbest- geber hat für geeignete gestmde Schlafrämne zu sorgen. Die Mindestanforderungen an Lustraum, Lichtzntritt usw. ind gesetzlich festzustellen. 7. Es ist den Arbeitnehmern Gelegenheit zu geben, sich in dienstfreien Augenblicken zu 'etzeii. 8. Inspektoren, in Großstädten, auch Jnspektorinnen, habe» die Durchführung der gesetzlichen Bestimmliiigen zu überwachen. 9. Die gemeindlichen Arbeitsnachweise und die Verbindungen unter ihnen sind kräftigst zu fördern. 10. Die Bildung von Kellneriniien- Vereinigungen zur Wahrnehmung ihrer Berufsinteresscn ist zu 'ördern. Hier bleiben die Frauen mit ihren Forderungen erheblich gegen die Forderungen zurück, welche die Gehilfen selbst stellen. Auch das Reichs- Gesundheitsamt verlangt eine so lange Ruhepause, daß die Gehilfen mindestens acht Stunden in ihrer Wohnung sein können. Doksles« Dritter Wahlkreis. Die Parteigenossen und deren Angehörige werden nochmals auf die heute abend S Uhr in Feuersteins' oberem aal. Alte Jalobstr. 75, stattfindende Versammlung hingewiesen, in der Genosse H. M a r k w a l d ein Referat über„DaS Problem der Frauen frage" halten wird.- Hieran schließt sich ein Tanz- kränzchen. Entree 20 Pf., Garderobe frei. Regen Besuch erwartet Der Einberi'.fer. Die Arbeiter-Bildungsschnle giebt bekannt, daß auch ferner noch zu den Kursen im Lokal Nene Nohstraße 3 Anmeldungen ent- gegen genommen werden. Freie Volksbühne. Die S. Abteihmg hat ihre Faust- Aufführung heute, Sonntag, Nachmittag um 21li Uhr im Ostend- Theater. Die dritte Serie der Vorstellungen beginnt am 5. November mit Max Drehers Drama„Winterschlaf" im Ostend-Theater.(Siehe heutiges Inserat.) Der Vorstand. Ei» gutes Beispiel könnte die Berliner Gemeindeverwaltung dem privaten Unternehmertum geben, wenn fie die städtischen Betriebe n Bezug auf Arbeitslöhne. Arbeitsdauer usw. z u Musterbetrieben machen wollte. Leider sind aber die 'tädtischen Gaswerke, die Wasser- und die Kanalisationswerke, der Vieh- und Schlachthof, die Markthallen, die Straßenreinigung usw. noch recht weit davon entfernt, Musterbetriebe zu e i n. Auch städttsche Arbeiter haben über lange Arbeits« eit, niedrige Bezahlung und schlechte Be- a n d l u n g zu klagen. Wir brauchen wohl nicht erst an die vielfachen Lohnstreitigleiten zu erinnern, die es in den letzten Jahren zwischen den Leitern mehrerer städtischer Betriebe und ihren Angestellten gegeben hat, nicht an den Kampf um das Petitions- mid Koalitionsrecht, das man den 'tädtischen Arbeitern verkürzen wollte. Die steisinnige Berliner Ge- meindeverwaltung handelt in allem, was die Interessen ihrer Ar- beiter angeht, kaum anders als das private Unternehmertum. Sie will, ja sie darf auch gar nicht anders handeln l Daß sie nicht anders handeln darf, das erklärt sich aus den P r i n c i p i e n des Freisinns, die für sie maßgebend sind. Diese Prineipien verbieten, daß die Stadt den privaten Arbeit- gebern irgend welche Schwierigkeiten und Hindernisse bereitet. Auch in der schrankenlosen Ausbeutung der Arbeiter« klasse soll das Unternehmertum nicht durch die Stadtverwaltung gehindert werden. Das wäre aber der Fall, wenn die Stadt ihre Arbeiter wesentlich besser bezahle» und rücksichtsvoller behandeln wollte, als das andere Arbeitgebertum. DaS gute Beispiel, das sie damit gäbe, würde in den Augen der Unternehmer ein sehr böses Beispiel sein; denn es würde fie zwingen, nu» auch, i hr e n Arbeitern bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu gewähren. Das ist kürzlich in einer liberalen Kommunalwähler-Versammluug von dem„entschieden freisinnigen" Stadtverordneten Max Schulz ganz offen erklärt worden. Sollen etwa, fragte er, unsere Gewerbetreibenden ans den städtischen Mitteln, die sie selber mit ihren Steuern aufbringen helfen, den städtffchen Arbeitern andere als die üblichen Löhne zahlen lassen, damtt sie sich dadurch ihre eigenen Arbeiter ebenfalls verteuern? Das ist freisinnige„Arbeiterfreundlichkeit" l Bei diesen Grundsätzen und von diesem Standpunkte aus müßte man sich auch gegen die Forderung wehren, daß den städtischen Arbeitern das wichtigste Recht des Arbeiters, das KoalitionS- recht, nicht verkürzt werde; denn auch das würde ein böseS Bei- spiel geben. Die Aeiißenmg deS„entschieden freisinnigen" Herrn Max Schulz zeigt, wie eng mit dem Interesse der st ä dt: scheu Arbeiter das Interesse der gesamten Berliner Arbeiterbevölkerung zusammenhängt. Unsere Ge-- nassen in der Stadtverordneten-Versammlnng sind seit vielen Jahren immer und immer wieder für die Besserstellung der städtischen Arbeiter eingetreten. Wenn es ihnen gelungen ist, der städttsche» Verwalttmg schließlich doch einige— leider vorläufig nur sehr geringe— Verbefferungen abzuringen, so ist damit nicht nur dieser kleinen, direkt beteiligten Gruppe von Arbeitern, sondern indirekt der Arbeiterbevölkerung Berlins überhaupt genützt worden. Es würde weiten Kreisen der Berliner Arbeiterschaft auch direkten Gewinn bringen, wenn durchgesetzt werden könnte, daß die Berliner Gemeinde- Verwaltung nicht nur ihre eigenen Betriebe zu wirklichen Muster- betrieben gestaltete, sondern auch den privaten Unter- nehmern. die mit ihr Geschäfte machen wollen, Be- dingungen auferlegte, die die Arbeiter dieser Unternehmer vor allzu großer Ausbeutung sicherten. Vor dieser nur von den Socialdemolraten vertretenen Forderung ist den bürgerlichen Parteien noch mehr bange als vor der anderen, daß Ünternchmlliigen, bei denen ein öffentliches Jntereffe in Frage kommt, in städtische Regie übernommen werden sollen. Sie wissen, daß die S o c i a l d e m o k r a t i e, wenn sie in der Stadtverordneten-Versammlnng in aus-- chlaggebender Stärke vertreten wäre, ihren Einfluß dazu verwenden würde, die Lage der Berliner Arbeiter- bevölkern ng zu bessern, so>v eit das ini Nahmen der städtischen Verwaltung irgend möglich ist. Das wollen die bürgerlichen Parteien aber nicht, weil ihnen selbstverständlich klar ist, daß eine Besserung der Lage der Arbeiter- klasse ohne Schmälerimg des Profits der Unternehmer nicht möglich ist. Und deshalb eifern besonders die Wortführer des Freisinns so sehr dagegen, daß die Berliner Gemeindeverwaltung in Bezug auf ihre Arbeiter dem privaten Unternehmertum das gute Beispiel giebt, das sie als ein böses verwerfen müßten. Die Harmlosen freigesprochen! DaS ist das Ergebnis des letzten VerhandlungstageS nach drei« wöchiger Dauer des Prozeffcs. Nach der Beweisaufnahme war ein anderes Urteil nicht ivohl zu erwarten; denn die vernommenen über hundert Zeugen hatten ja fast sämtlich erklärt, daß die drei Angeklagten nichts anderes gethan und kein anderes Leben geführt haben, als es bei ihren Standesgenossen überhaupt üblich war. Und es wäre wirklich bei einer Verurteilung nur die Konsequenz geblieben, einer großen Zahl der vemommenen Zeugen ebenfalls den Prozeß zu machen und dem ersten Harmlosen-Prozeß noch eine Reihe anderer folgen zu laffen. Der letzte Verhandlungstag mit den ausführlichen PlaidoyerS des Staatsanwalts und der vier Verteidiger bot der interessanten Züge noch recht viele. In wie starkem Matze der Prozeß die Ge- müter beschäftigt hatte, das drückte sich am Sonnabend in dem be» önders starken Andrang zum Zuhörerraum und zu den für die Juristen reservierten Tribünen aus. Die im Zuhörerraum so zahl- reich vertretenen Angehörigen der Kreise, denen die Angeklagten ent- lammen, erivarteten mit Spannung den letzten Akt des sich schon drei Wochen lang hinziehenden Dramas. Von besonderem Jntereffe war das Auftreten und die Vortrags« weisendes Oberstaatsanwalts Jsenbiel, dem der Ruf eines glänzenden Redners vorausgegangen>var und der in dem Verfahren gegen die Harmlosen seinen ersten großen Prozeß in Berlin führte. Man muß anerkennen— sofern wir überhaupt zur Beurteilung der Wirksamkeit eines Oberstaatsanwalts berufen sein sollten— daß Herr Dr. Jsenbiel einen recht netten und ruhigen Eindruck machte. Er war weit entfernt von der Schärfe und Schneidigkeit seines Vorgängers, des Herrn Drescher, und er bemühte sich. loyal auch den Angeklagten gerecht zu werden. Wenigstens diesen Angeklagten. Die Presse scheint eS jedenfalls in der neuen Aera gut bekommen zu sollen. Denn anläßlich der Zeitnngs« Veröffentlichungen über das Treiben der Harmlosen, die der Ober- Staatsanwalt erwähnte, erklärte er auch: Er halte es für eine vornehme Pflicht der Presse, auf öffent« liche Schäden aufmerksam zu machen. Da nun die bisher vor die Gerichte gezogenen sogenannten Preß- vergehen fast ausschließlich in dem Aufmerksammach«» auf öffentliche Schäden bestehen, so kann man sich über diese Erklärung des neuen Oberstaatsanwalts nur freuen und hoffen, daß er seine ausgezeichneten Theorien auch in die P r a x i s um- «tzen werde. Daß im übrigen der neue Oberstaatsanwalt die von seinem Borgänger überkommene Anklage aufrecht erhielt und gegen alle drei Angeflagten das„Schuldig des gewerbsmäßigen Glückspiels", wenn auch nicht des Falschspiels, beanttagte, kann nicht weiter ver- wundern. Bemerkenswert ist aber doch, daß er sich bemüßigt fand, die lange Untersnchungshast der Angeklagten zu bedauern und. dar- zulegen, warum es sich nicht kürzer habe machen lassen. Beinerkens- wert war auch, daß er zwar Herrn v. Manteuffel als pflichttreuen Beamten vetteidigte, aber dessen Verfahren doch in mehreren Punkten als nicht einwandsfrei erklärte. Nach dem Staatsanwalt sprach in sehr ausführlichem, durch eine arvxcrc Pnuse untcrbrochrnen Vortrag dcr Justizrot Sei lo.' der sich uaineutlich dorziilegcn bemühte, das; die Angeklagte!, zwar g e« w o h ii h e i t s ii, ä g i g e aber nicht g c lv e r b§ m ä j; i g c Spieler gewesen seien. Die Aiisführiiiigen der anderen drei Verteidiger, Dr. Schachtel, Dr. Schwindt und PinknS zogen sich dann bis in die süiifre NachmittagSstunde hin. Die Angeklagten begnügten sich mit ganz kurzen Erklärungen. Kayser nieinte etwas trotzig, dasi er nicht gegen die Strafgesetze verstoßen habe und für seine moralischen Verfehlungen nur seinen Eltern und seiner vorgesetzten Behörde verantwortlich sei. Kröcher dagegen führte seine Jugend und seinen »wahnsimiigen Leichtsinn' iuZ Feld, daß er aber nach den bitteren Erfabrifligen hoffe, noch ein brauchbarer Mensch zu werden. Ilm halb sechs Uhr verkündete dann Herr D e n s o die Freisprechung. Er hatte vorher das Publikum ermahnt, keine Kund- gcbungen laut werden zu lassen. Und so begnügten sich denn die Zeugen und sonstigen Bekannten nach Schluß der Sitzung auf die Anklagebank zu stürme», um die mit einem blauen Auge davon- gekommenen, nunmehr amtlich als.harmlos' anerkannten Jeu- Brüder zu beglückwünschen. Auf die schivindclhafte Reklame in der Möbelbranche, wie sie von einer Anzahl hiesiger großer Möbelgeschäfte zum Schaden des kaufenden Publikums getrieben wird, haben wir unsere Leser wiederholt warnend aufmerksam gemacht. Am ärgsten hat eS wohl die Firma Böhme n. Fillh,„'Möbelverkauf Berliner Special- tiichlereien". Köpnickerstr. 74, getrieben. Durch große Inserate in der bürgerlichen Presse teilten die Herren Böhme u. Filly den Lesern mit, dag man„Eine Hand voll Geld' ersparen könne, wenn man bei ihnen seine Möbel einkaufe. Da mm auch in Berlin die Dummen, welche sich durch die Tanitamschläge solcher Ncklaniehelden bcthören lassen, nicht alle werden, hatte die Firma sich eincS riesigen Zuspruches zu erfreuen. Der„Möbclvcrkauf vereinigter Specialtischlcrcien' ent- puppt sich jetzt, was freilich für den Fachmann längst kein Geheimnis mehr ivar, als eine Schwindelfimia ersten Ranges. Die zum Vcr- fenif gestellten Möbel wurden von den Herren Böhme und Filly von den Tischlermeistern nicht gekauft, sondern nur in Kommission ge- nominell. Erst nach dem Verkauf der gelieferten Gegenstände er- hielten die Lieferanten Zahlnng. Doch schon seit längerer Zeit wurden die Lieferanten mißtrauiich gegen Böhme und Filly, weil diese die vereinnahmte» Gelder nur unregelmäßig ablieferten und in der letzten Zeit gegen Bargeld die Möbel zu wahren Schleuder- preisen, ja selbst unter den HerstellnngSkostcn verkaufte». Jetzt hat nun die stolze Firma ein Ende mit Schrecken ge- nommcli. Herr Simon Böhme, dcr Hauptniatador, hat Berlin jeden- falls mit gefüllten Taschen, verlassen und sein Kompagnon Filly vorläufig in der liiitersnchungShaft über die Vergänglichkeit alles Irdischen Betrachtungen anstellen können. � Leider sind die Tischlerincister nicht die einzigen, welche von der pirma Böhme und Filly zerrupft worden sind. Auch diejenigen, die ln der letzten Zeit dort Möbel kauften, sind um den Betrag der geleisteten� Anzahlung geprellt, weil ihnen die gekauften Möbel nicht geliefert worden sind. Als die Käufer vor einigen Tagen ihre gckausten Möbel reklamieren wollte», fanden sie das Möbcllager geräumt, da die Tischlermeister die von ihnen gelieferten Waren wieder abgeholt hatten, um zu retten, was noch zu retten war. Der verschwundene Simon Böhme hat ähnliche Schwindeleien übrigens schon früher ausgeführt, und ist deshalb seiner Zeit mit 6 Monaten Gefängnis bestraft worden. Filly war früher Tischler- incistcr. Inwieweit er an den Schwindeleien beteiligt ist, wird die gerichtliche llntcrsuchnng ergeben. Ter Rektor der Technischen Hochschule, Herr Ri edler, hielt auf dem Fcftkonnuers der Studierenden dieser Anstalt eine Rede, in der folgende Stellen vorkommen:„Ich wünsche Ihnen Bc- freinng von toten Forinen, von zwecklosen nnd idcallosen Formell und allen hohlen Aeußerlichkeiten. Ebenso Befreiung von allem a st eng e i st, statt dessen cchtcS StandcSbcwußtsein, da? auf Wisscnschaftlichcr und allgeniciner Bildung beruht. Ganz besonders wünsche ich Ihnen volle Befrei, tilg von der Handwerkerkaste der Ein- Pauker der Examcussludcnten und sonstiger S t r e b e r k a st e n. Auch Befreiung von allem S i m p el g ei st, von allen Fachsimpeln, die ii»r ihre AlltngSarbcit kennen, von, Philistertum in jeder Form. Befreinng vom Frenidengeist, von allem Gigerltum. von eng» Iischcn und interitationalen S p o r t S r ü p e l e i e n. Ich wünsche Ihnen weiter Befreiung von FreiheitSdurst. Nachdem Sie an der Schule nenn Jahre in strengem Zwang nach Vorschrift nnd mit voll- geinestencm Maße erzogen worden sind, bildet sich bei vielen nicht bloß Gewöhnung an ernste Arbeit, sondern auch ei» unbändiger ~" 1 f nach Freiheit aus. An der Hochschule wird dann über den Dur st getrunken nnd dann wird aus der Lern- freihert die F r e i h c i t. n i ch t s zu l e r» e n! Ich hoffe, daß eS im zivanzigstcii Jahrhundert besser werden wird, daß dieser begreifliche Durst schon frühzeitig und langsam gestillt werden wird." Schmeichelhast ist eS gerade nicht für die Studierenden, daß sie den Durst nach Freiheit in dem vom Rektor hervoraehobenen Sinne verstehen. Die elektrische Bahn Wastiiiamistrahe— Hohenschönhausen wird heute dem öffentlichen Betriebe übergeben, nachdem die desinitive Abnahme gestern stattgefunden hat. Die RatStvaagen zum Abwiegen von Gold nnd Silber befinden sich jetzt nicht mehr in den RatSwaagc-Lokalen am Petri- und Gartenplatz, sondern in denen am Alexander- und Oranienplatz. Die Berkehrö- Deputation hat gestern unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirschncr beschlossen, der Kontinentalen Gesellschaft für elektrische llnteriichmnngin den vorgelegten Tarif für den ein- zuführeuden Güterverkehr nnd Leichentransport auf ihrer clektrische» Straßenbahn LandSbergcrplatz— Hohenschönhausen versuchsweise zu- nächst auf drei Jahre zu genehmigen. Reinig, mg einer Prcdigcr-Witwe. In der antisemitischeil „Täglichen Rundschau' findet sich folgende spaßhafte Briefkasten- Notiz: „Pastor St., Dr. C., Pastor in B. Auf Grund einiger Zu- schriften von Geistlichen anS unserem Leserkreise hatten wir im Brief- kästen der Nummern 243 und 244 gesagt, daß die Prediger-Witwe lt. Mendrzyk, die in Berlin, Mittclstraße S7/5S, ein Hotel besitzt, das wir früher mehrfach einpfohlen haben, Witwe eines R a b b in s r S sei. DaS ist jedoch nicht der Fall; denn wie wir uuS aus der BcstalluiigSurkundc ihres verstorbenen Mannes überzeugen konnten. war dieser ehemals evangelischer Pfarrer in Kobultcn bei OrtclSburg in Ostpreußen."— Nebbich I . Menschenschädcl und anderes Gebein, auch Teile von ver- moderten Särgen wurden bei Ansgrabnngcn zu Tage gefördert, die jetzt für die Verlegung der elektrischen �tabel in der Hannoverschen Straße ans dem nördlichen Bürgersteige gemacht werden. DaS Straßenland gehörte früher zum alten Charitskirchhofe. Tic Tollwnt-Schuüstation hat gestern wieder fiiiif Patienten mifgenommen. Auf dem Gehöfte des Maurers Timmel zu Kühn- Heide bei Marienbnrg erkrankte ein Hund. Da man glaubte, daß er die Staupe habe.' so beschäftigte man sich viel mit ihm, um ihn zu heilen. DaS Tier verendete und wurde vergraben. Der KreiS- Tierarzt, dem die Geschichte zu Ohren kam', schöpfte auS den Kraiikheitserscheinungen den Verdacht, daß daS Tier an der Tollwut zil Grunde gegangen sei, und ließ den Kadaver lvieder ausgraben. Die Untersnchnng bestätigte den Verdacht. Fünf Personen, zwei Gebrüder Tinnuel, die Knaben Gustav Rcnter und Freier und eine Frau Schumann, die der Hund bei den Heilversuchen gebissen hatte, wurden darauf uuverzüglich nach Berlin gebracht. Mkt 1500 M. durchaegangen ist der 21 Jahre alte Friedrich Hübner, genannt Bredow, der seit dem 1. d. M. bei einem Töpfer- Meister i.i der Skalitzerstraße beschäftigt war. Der junge Mann hatte an, IS. September eine Gefänguissträfc von anderthalb Jahren, zu der er wegen Ilnterschlagung verurteilt worden war, verbüßt. Der Köpseristfistcr. der hicrvoi» keine Kenntnis hatte, stellte Hjn an. da er einen sehr netten Eindruck machte. Am Freitag schickte er ihn mit 1500 M. weg, die er bei einer Bank cinzahlen sollte, Der Bursche behielt aber das Geld für sich und ließ sich nicht wieder sehen. Bell» Anfzichc» der Wache verunglückte gestern nachmittag in der Friedrichstraße, nahe bei der Bcsselstraße, ein siebenjähriger Knabe. Dieser rannte über den Fahrdamm der Musik entgegen, fiel hin, wurde von einer Droschke»berfahren nnd so schwer verletzt, daß man ihn auf der Unfallstation I behalten mußte. In der Strafsache gegen den Bankier Max Arendt ist der bewucherte Ernst Renz ein wichtiger Zeuge. Zu seiner Vernehmung ist Renz, der zur Zeit bei dem Cirkus Rampler in Leeds in England Stellnng hat, dieser Tage hierher gekommen. Die Vcrnehmnng durch den llntcrsnchungSrichter LnndgerichtSrat Grunow begann Frcitagvormittag und dauerte bis spät in den Nachmittag hinein; sie wurde gestern noch fortgesetzt. Arendt hat sich beschwert, daß er in Untersuchungshaft behalten wird, ist aber damit von der Straf- kammcr abgewiesen worden. Sin Markt für Schlacht- und Zuchtkaninchen wird vom Verein für Kaninchenziicht heute von 12—2 Uhr Rlexanderstrabe 30 veranstaltet. Ein neuer KnrsiiS im Schreiben auf der Ichreibmafchine(System Bar-Lock und Mcmington) wird in der 7. städtischen Fortbildungsschule für Jünglinge und Männer, Gräsestr. 8ö-8S, an der Kottbuser Brücke, jetzt eingerichtet. Der Unterricht findet Freitags, abends von?>/,— g>/, Uhr, statt. Jedem Teilnehmer werden auf Wunsch noch besondere Ucbungöstunden ein- gerichtet. DaS UnterrichtSgeld beträgt halbjährlich nur 2 Dt. Anmeldungen nimmt Herr Rektor Faitz noch täglich von 12—1 Uhr und von 7—8 Uhr abends iui Amtszimmer entgegen. verein für volkstümliche Kurse von Berliner Hochschullehrern. Am Montag, den 23. Oktober, abends 8'/, Uhr, deginnt die erste Serie der Kurse deS laufenden Wintersemesters mit dem Vortrage des Geh. Medizinal- rats Professor Dr. W a l d e y e r über:„Die Muskeln deS Menschen und deren wichtigste Leistungen", im Hörsaal des anatomischen Instituts, Philipp- strafje 12. Herr Gchciinrat Waldeyer, der Vorsitzende des Vereins, wird in einer knrzen Eröffnungsansprache über die EntWickelung der Bestrebungen für volkstümliche Vortragskurse durch Hochschullehrer in Berlin und über die Begründung und weitere Ausgestaltung deS Vereins berichten.— Eintritlskarten zu diesem an seckiS aufeinaiider folgenden Montagen statt- fiiidcnden Kursus sind zu habe» bei: Georg Belling, Cigarrcnbandlimg, 1>V., Leipzigerstr. 136. A. Schütz, Rendant, O., Holzmarktstr. 60, II(10—1 und 4—6 Uhr). Chr. Tischendörfer, « Känfllch bei allen Apothchern. Brognisten and Ulincralwasser-Hhndlorn. 117/1* APENTA' CD S£2 CD t=S en «-»-«- o Iwilf N-ch b-mdeter IMtUtttt u°°r-stä..dig°r UMgtstUltNNg meines Teppich-Kanfhanscs s»/'TW �.s 1 J. 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Aug dem Inhalt heben wir hervor: ■ Zum Kürgerttchrn Weketzduch _ Agerkvertrag, MtethSvertrag, Rechtsstellung der Ehefrau und Eherecht, uneheliche Kinder, Erb- recht).— Die Reichztagzwahlen von 1898 mit Angabe der in jedem Wahl- kreise aus jede Parket abgegebe- neu(Stimmen, unter Beifügung der sozialdemokratischen Stimmen und Prczenllätze von 1803.— Portrait» und Kwgrayhien der soitaldemokratischrn Peid>»tag». Abgeordneten, — Die fosialdemokrntischi« kandtageabgeordlieteil in de» eimelnen Lmidesstaoten.— Adressen und Amteveiirtir der Fodriktlifpektorru, der deut- schen Wemerkfchnfls- Nrganila- tionen und Ardriterseliretarlati, Gebührentartse für Telegramme, Portotaren, Einnahme» und Ausgabetabellen lc. Wie die früheren Jahrgänge dürste auch der für lvoo seine Freunde be- srtedigen. Ter Verlag war tnsbeson» der« bestrebt, auch den diesjährigen Kalender zu einem Faktischen Nachschlagebuch für Gewerkschaften zu gestalten. Bltchhandlunz Borwärt» Perttli SW., Kenthftr. 2. 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Teilnehmer zur besseren Schlaf- stell« gesucht Waldemarstraße 10 IU, Witwe Burger. 3486 Schlafstelle zu vermieten Man- teuffelstraße 115 vom 2 Treppen bei Kolbow. 349b stlniiäudige Tchlasstelle für 1 Herrn Mantensselstraße 70, vorn 3 Treppen linls, bei Eicke._ 3506 Herr oder Dame Schlafstelle Swine- mtinderstraße 124 III, Ga,man. �rbeitsmarkt. Stellengesuche. Mechaniker-Lehrstelle sucht Genosse für seinen Sohn. Adressen unter A. 5 Expedition des„Vorwärts". Stellenangebote. Tapezierlehrliug verlangt Kahlen. Stallschreiberftrofte 43._ 1126 Tüchtigen Farbigmacher sucht Luudershauseu, Prtnzeiislrafte 99. Tüchtige Farbigmacher verlangt Kristall, Kottbilsemfer 32. 3�26 Farbiginacher und Lehrling ver- laugt Vergolderei, Wienerslraße 9 Tüchtige Felkenschleiser aus deul'ch oder mglisch finden lohnende Beschäf- tiguug. Mägdefrau, Pankow, Da- merowslraße 0,7. Z2Ib 'Gravenrgchilsen Verl. Georgen- kttchplatz 20. 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Damenkragen, Manschetteunähe- rinnen, in und anßerm Hause, ver- langt Jannuschek, Brunnenftraße 16, Aufgang 4._ 3406 Geübte Schür, zeninüicriniien. welche gröbere Quantitäten liefem können, gegen hohen Lohn sofort gesucht von Alfred Joseph, Lommandanten- straße 59 II. 340b Lninpeusortierertu. geübte, wird verlangt bei Knospe, Kottbuler Damm 99.__ 195 Wirtschästeriil wird verlangt Rbeinsbergerstraße 65, vom 3 Treppen rechts bei Stoppel. Bitte zu meldm abends 7— 8 Uhr oder Sonntag[185 Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeige» koste» 10 Pf. pro Zeile. Ein tüchtiger Werkführer für Gold- und farbige Leisten wird per sofort gesucht. Offerten nebst Gehalts- aiispruchen snb Z. 4. an die Exped. d. Zeirung erbeten._ 2876 Wen; odtkNebeiimdienß! Herren, die sich dem Verkaufe eines leicht absetzbaren, gern gekauften Ar- tikels widmen wollen, nnven bei ewigem Fleiß« lohnende Beschäftigung. — Anerbieten unter 0. T. 880 befördert Haasensteln» Vogler, A-O., Hamburg,_ 107/13* Liefermadchen verlangt Wallniann, Frieden- strafte 03._ 3046 Tüchtige I., stierer auf Lang- u. Ringschiff Maschinen erhalten Per sofort banernde Stellung. ffödmazcbwsn- u. Iabrradkadrl>< Cebr. Nothmann, 117/18 Rlndorf, Kaiser Friedrichstr. 227,28 floheir XcbcnverdlcnMt für jedermann ohne fliistko und Einsatz. Muster gratis und franco. Näheres durch das Bücherversandgeschäfl Max Schmitz, Lelpzlg-R.[29221!* Annahme- Stellen für„Kleine Anzeigen". v«>t«n: Robert Wciigels, Fruchtstr, 30, H. L. Bogel Wwe., Koppeustr. 83. Chr. Schulst, Blumenstr. 14. I. Renl, Barnimstr, 42. X«i'«k»?»: TS. Gastmnun, Griinthalerftr. 05. Karl Mars, Kastanien-AIlee 95/06 C-uiil Ttolzriibiirg, Wicienstr. 14. L. Techand, Ruheplatzstr. 24. H. Bogel, Demmiuerstr. 52. Zl. Tie«. Jnvalidenstr. 124. Xsi-ele-ontva: Karl Anders, Zolzwedelerstr. S. Kii«i t?!.t>'«: F. Obueforge, Bergmanustr.23, H. H. H. Schröder. Kreuzbergstr. 15. ßiiUIozi: F. 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Redner weist Ivcitcr darauf hin, das; man diesen Brauchen, tvie die der Maschincnarbeitcr und der Möbelpolicrcr, nicht absprechen kann, sich besonders zu organisieren, deshalb soll man auch antzer Frage lassen, ob dieselben lokal oder central organisiert sind. Wenn min über diese Frage diskutiert wird, so hat man sich bor allen Dingen darüber einig zu ivcrdc», ob cS zweekinäszig ist, den Zusamnicn- schlusz hcrbcizniühren und welche Vorteile die Arbeiter dieser Branchen daraus ziehen. Denn cS zeigt sich immer wieder bei Streiks oder sonstigen Differenzen, dag die eine Branche die andere in ein und demselben Betrieb dabei in Mitleidenschaft zieht. Sämtliche Redner, welche sich an der Diskussion beteiligten, erklärten es als eine Notwendigkeit, den Anschluß dieser Brauchen am Deutschen Holzarbeiter- Verband herbeizuführen. Die Per- sannnlung erklärte sich sodann einverstanden, daß die OrtLberwaltnng mit den Vorständen dieser Organisationen in Verhandlung tritt. Von einigen. Rednern tvnrde mitgeteilt, daß die Besitzer der Holzbearbeitnngssnbriken beabsichtigen, die Preise auf Benutzung der Maschinen zu erhöhen, und spcciell würden dadurch die Bantiichlcr geschädigt. Den Kollegen wurde cinpfohlcn. diesen Schaden den Tischler- meistern tragen zu lassen, außerdem haben die Kollegen überall, lvo die Preise erhöht sind, dies sofort an den Holzarbeiter-TlrbeitS Nachweis zu melden, damit dann in einer Exiravcrsammlnng sofort dazu Stellung genommen»Verden kann.— Sodann berichtete der ArbeitSverinittler M a a ß über die in der letzten Zeit stattgefundenc» Wcrkstattdiffcrcnzcn, tvelche, soweit wie von den einzelnen Werkstätten berichtet ivorde» ist, zu Gunsten der Kollegen erledigt»vurdcn.— S!on den Einsetzern wurde darüber Klage gefühich daß gerade Kollegen von den Lokalorganisierten unter dem Tarif arbeiten und den Holz- arbeiter-VerbandSmitgliedern dadurch die Arbeit genommen Ivürdc Außerdem soll ein Tarif in Händen der Arbeitgeber sein, der weit niedriger ist, als der von» Holzarbeiter-Verband anSgcarbcitctc. Ömi welcher Seite dieser Tarif ausgearbeitet ist. tvclchcr sich in Händen der Meister befindet, konnte bisher nicht scfigcstcllt tvcrdcn, Den Mitgliedern lvurde empfohlen, an ihrem Tarif festzuhalten.— ©lcickc gab dann noch bekannt, daß die nächste Gencralversammluna am Sonntag, den 29. Oktober, stattfindet. Die Graveure und Ciselcurc tagten an, 17. d. M. in einer Gcneralvcrsanunlung in» Dresdener Garten. Der Bericht ergab, daß im Laufe des letzten Vierteljahres sechs Filialllersammluugcn, fiuif Vorstands- und drei Vcrtraucnsmämier- Sitzungen stattfanden In der Kasse verblieb bei einer Ausgabe von 421,71 M. 5,29 M. Bestand. Die Bibliothek lvurde in 97 Fällen in Anspruch gc »ouiulen. Nachdem die Kassierer entlastet, wurden die Kollegen M ö s ch als erster, Köhler als zweiter Kassierer gewählt. Zur Bewegung der Cisclenre berichtet Grill, daß die Kollegen bei S. A. Lövh die Arbeit ivicdcr aufgcnoinmci» unter der Bedingung. daß der Prinzipal innerhalb vier Wochen die gestellte» Forderungen bewilligt. Auch haben sich bei einigen anderen Firmen Arbeits- »billige eingefunden. H o f f m e i st e r fordert die Kollegen auf. mehr als bisher für die Streikenden zu sorge». Die Filiale zählt jetzt 429 Mitglieder. fcet Bitchbinderci und berwandtc« Bctricbc» be- schaftigten Zlrbeitrr»ud Arbeiterinnen lZahlstellc Berlin) hielten am 17. d. Rk. ihre ordentliche Gencralversamnilung ab. Vor Ein tritt in die Tagc-Zordming ehrten die Anwesenden das Andenken an den verstorbenen Kollegen Franke in üblicher Weise. Nachdem Brückner die Kollegen zu reger Bcleiligung an die in Bälde statt- findenden Dclegiertenivahlcn zur OrtS-Krankenkasse der Buchbinder aufgefordert hat, giebt Schuhmacher den Geschäftsbericht. Ans demselben ist ersichtlich, daß sowohl von selten der Berlvaltung als auch der Bertrauenspersonen ein tüchtiges Stück Arbeit geleistet»vorden ist. Tic bei der Firma Werner anSgebrochcucn Differenzen find beigelegt. Desgleichen find in verschiedenen anderen Firmen Vorstöße unternommen und mit Erfolg durchgeführt worden. B y t o m s k i ersucht, Fälle, in welchen eine lleberschreitnug der Geiverbe-Ordnung tArbeitsdancr für Arbeiterinnen) vorliegt, nicht zn verheimlichen, sondern für Ab- hjife zu sorgen. Der Kassenbericht, gegeben von L c m s c r,»vcist für die Ccntralkasse eine Einnahme von 7399,70 M. ans. Die AnS« gäbe belänft sich: Für Arbeitslosen-lluterstützung 847,50 M.. Gc- »laßrcgcltcn-llntcrstütznng«2,95 M.. Strciknnterstntznng 719,95 M.. sonstige Ausgaben 114,00 M.. 20 Proz. der Beiträge 1429,9« M.. »uithin Summa 3173,7« M. Die der Lokalkasse enthält neben einer Einnahnie von 1533.01 M. eine Ausgabe von 1745,92 M. Für beide Abrechnungen wird der Klassierer entlastet. Der Mitglieder- bestand am Schlüsse dcS 3. Quartals iveist eine Höhe von 2318 An- gehörigen der Zahlstelle ans. Aus dem Bericht des Arbeitsnachweises ist ersichtlich, daß sich 391 männliche und 211 weibliche Mitglieder arbeitslos gemeldet haben, während verlangt 2«4 männliche und 304»veibliche, iind eingestellt 144 männliche und 14« iveibliche Mitglieder wurden. Die Bibliothek lvurde, bei ciucn» Bücherbestände von 723 Bänden, 487 mal benutzt. Ein Antrag Slctzlaff, das Reglement des Arbeitsnachweises dahin zu ändern, daß man statt einen ztvci Tage Frist setzen solle, wird angenommen. Desgleichen ein solcher, nach welchen» die Hilsskassicrer Fahrgeld nicht mehr liquidieren dürfen. Zum zweiten Punkt: Urabstimmiing, tritt Berg »lann für Abhaltung cincS Verbandstagcs ein. Saltler vertritt die Ansicht, daß die jetzt schwebenden Fragen durch Urabslimmnug gc- regelt»verde» können. Nachdem noch verschiedene Redner für An- beranmnng eines VcrbaudSlagcS gesprochen haben,»verde» Schön- selb als Hauskafsierer der Lederarbeiter und Wegner als HilfSkassicrcr für die Zahlstelle Steger gewählt. Cciitralverbaiid der dentsche» Maurer. Zahlstelle III Berlinachc»d. welche die dort erzeugten Produkte ans dem Weltmarkt hervorriifci», fordert Rcferenl engeres Zusanmieil» halten der Arbeiter auf gewerkschaftlichem wie ans politischem Ge biete, linr für die Zukunft gewappnet zu sein. Zmn Schluß wurde eine Resolution aiigenoniinen, ivclche der Gcmeindevertretling unter- breitet wird mit der Aiifforderlnig, Fortbildungsschulen zn errichten Wcißrnfce. In einer öffentlichen GcwerkschaftS Versammlung, welche im„Prälaten" ftattfand, referierte Frätilcin H a a s e über das Thema:„Haben die Frauen ei» Jntcrefse an der gcivcrkschastlichcn Organisation?" Nediienn entledigte sich ihrer Aufgabe i» glänzender Weise. An der lebhaften Diskussion be tciligtcn sich»ichrere Redner im Sinne des gehaltenen Vorlragcö Zun» zweiten Punkt gab der VertrauenSniaiui der Geiverkfchaflen Mnnrcr M c n k, feinen JahrcSberickit. Ter Kasseubeftand beziffert sich auf eine Einnahme bvn 259,60 M.. die Ausgabe auf 242,23 M. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Vcrtraneusmami Dccharge erteilt. Bei der Neuwahl des Vcrtraneiisuianiics ivnrde der Metall arbeiter Patt, als SIellvertrctcr der Textilarbeiler Gaarts gc wählt. AIS Rebisoren wurden Möbelpolicrer P o l e y und Maurer M c n k gewählt. Johannisthal. Am TomierStagabciid tagte eine vom Bcr traucnömaini einberufene Parteiversammluiig hier in Scnftlebcns Lokal. Nach Eintritt in die TageSordming citiattelc znnächst M a» n seinen Bericht als Vertrauensmann für das abgelanfenc Jahr,»voran' ihm Dccharge erteilt mid er dann für das»ächste Jahr iviedcr geivählt wurde. Als Revisoren»vurdcn Tauschel. Siviatkoivst Mid B i c l i ck c geivählt, Weber und M a n n als Lokaliommission »»d als Delegierte für die Kreiskonferenz fiir Tellolv- BecSkoiv Weber, M a n n und B i e l i ck e. Hierauf sprach Genosse K o tz k c Berlin über das Thema:„Der Kampf gegen das Unrecht." Bezug iichmeiid auf den Fall DrcyfnS iii Frankreich ivicS Redner auf das, in mifcrer gcsaintcn bürgerlichen Presse angestimmte Lamento hin,»vonach diese Presse es als das größt Unrecht hinstellte und so that, als ob solches hier bei iiiiS in Deutschland gar nicht möglich wäre, im Gegenteil alles schön »nd gereckt zuginge. Zinn Vcivcise, daß den» leider nicht so sei verwies Redner ans das Löbtauer Urteil, anf die Fälle Ziethen und Koschemann,»vicS auf das Unrecht hin,»velchcs der deutschen Arbeiten schaft durch das 12 Jahre währende Socialistengcsetz angcthan ivnrde, ans die Gcsinde-Ordiinng. auf das Unisturzgesetz mid die im koinmciiden Winter in, Reichstag zur Beratung gelangende Zucht Haus-Vorlage, alles Gesetze und Vorlagen, in»velchen den Arbeitern manches Unrecht gethan ivnrde, wird und lverden soll. Betonend. daß»vir in Deutschland keine Ursache haben. Über Ungerechtigkeiten in anderen Ländern die Nase zu rüinpfen, schloß der Redner seinen mit stürmischem Beifall ansgcnonniicncn Vortrag mit einem warmen Appell an die Versammlung, sich zu organisiere» zmn Kampfe gegen das Unrecht. Zlrbeiter- Bildnngsschnle. Neue Rohstr. 3. Niontaq: R atur- Cr r k e NN t n i s». Schrtsisieller W. Bülscbe.— Toniicrstag: National- L k o n o in i e. Schrifistellcr Dr. Conrad Schniidt.— Freitag: Geschichte Schrlstsicllcr Dr. Rudolf Steiner.— Die Bibliolhek ist mir an diesen Abenden von 8—9 Uhr geöffiiet.— Aufnahmen erfolgen außer in der Schule und in den Somitngsversaimiilmigen in folgende» Zahlsiellcii: Gottfried Schulz, Rdmiralsir. 49a: R e II l, Bamiuistr. 42: Schiller, Roseii thalcrstr. 57; Kraus«, Miillcrstr. 7a. Borsitzeiid« H e r in a« n L a m m e, 8.59, Hasciihaide 72. Kassierer H. Königs, 8. öS, Dienenbachslr. 75, Quergeb. 4 Tr. Arbciicr-2ä»gcrb»ttd Berlins und der llmgegend. I. Vorsitzender: Ad. Nciiuia»», Bnniuensir. 159. Alle Aeiidermigen im VereliiSkalender find zu richte» au Friedrich Kortui», Lansitzerstrahe 33. Moniog, abendS 9-11 lihr, UebiuigSstlinde»ud Aufnahiiic neuer Mitglieder.—„Z»s»iist II Steglitz, Kaiferhallen. Aibrechtstr. 139.—„Harmonie", Schulz, Siiclistesir. 39. —..Toiibli'iie Grolmifch, Oppelncrstraße 19.—„ rücdcssrcihcit II", Strausberg. Magnus, Wilkeliiislrahe.—„Freya II"(genlischicr Chor), Rusch, Fichiestr. 19.—„Solidarität", Lconhardt, Bcuthstr. 19.—„Berliner Damen rtior Haiuiouic", Rosin, Schönholzerstr. 42.—„Vonvärtö HI", Lichtenberg- Friedrichöselde, Schulz, Prinzen-Allee 6.—„Coucordia", Hensel, Hollniami- icaße 33.—„Alpeiiblume", Ncu-Weißensce, Sturm, Lothringeiistr. 33. Rote Rose", Pr>»zc»-Aliec 44.—„LiedeSlust III", Alt-Glienicke, Sah, Grünanerstr. Iba.—„Vorwärts IX" Charlotteuburg, Beier, Walistr. 94,— Scncfcldrr I", Schiller, Roscnthalerstr. 57.—„Der Sattler", Conrad, MarsiltuSstr, 8, Ecke Blankeuselderstrabe,—„Eintracht III", Niedcr-Schäiie »veide, Strecker, Grünauerstr. 5. Nrbelicr-Raiicherbniid Berll»?«nd der Umgegend. Aenderiingen l»i Vereinskaleiider stnd zu richte» an Eugen Raschle, Rirdorf, Mahlower ftraßc 1, 4 Treppe».— Sonntag:„Wally", Schütte, Bicsciithalcrslr. 19 (vorm. 19 Uhr).— Montag, abds. von 9— 11 Uhr: Klub-Abend und A»s- nahme neuer Miigltcder:„Mexikaner", H. Baatz. Cotheuiilöstr. 3. „Abguß II", Schulz, Hüchstcstr. 33,—„Freundschaft VonvärtS", Kartze, Duvckcrstr. 2.—„Fidele Kolomste»", Klinge, Koloniestr. 137.—„Blaue Schleife", Boden, Oppelnerstr. 13,—„Griine Linde", Kascda.Drmithciinerstr.Ia. Gesang-, Turn- nnd gesellige Bereine. Sonntag. Thcaterverein „Ciescrildo", Linicnstr. 73.— DrainattscherKliib„LiebeSgiitck", Ereiiimencr- strnh« 1.— Vcra»ilgiiiigSv.„Jngwelde", Schulz, Duuckerstr. 99.— Theatcro. „BorivärtS", Jonas, Gr. Frantfiirierstr. 42.— Thcalerv.„Schiller", Garbriel, Wiidciivwstr. 5.— Ctzcselliger Klub„Neplun", Rohstr. 3.— Thcatcrvereiil „Ainorella", Britzcrstr, 19.— Pr.-Theatcr- u. Sp.-Ber.„Alpenrose", Weiß, Juvalidenstraße 149.— Tergnugungöv.„Alemannia", Engltschcr Hof, Neue Rohstr. 3.— Theaterv.„Saxonia", Benfe, ynichtstr.«3. Montag: Thcaterv.„Wethe Rose", Rctchcilbcrgerstr. 19.— BergnügnngS v.„Bavaria", Schulz, Duuckerstr. 99.— Rauchkl.„Portoriko", Bülowstr. 46,— Gesang». „MännerUang", Pinzer, Schützenstr. 18/19.— Slalkl.„HarmloS", Burg, Wrangclstr. 131, Lese- und DiSkutierklubs.„Polnisch. DiSkutlerkl.„JaroSlaw Dom- broivSky in Ripdorf", Pichler, Ziethenstr. 69, tagt jeden Sonntag nach dem 15., nachm. 5 Uhr.— Montag:„Leopold Jatoby", Ztppke, Markusstr 14 (Eingang Grüner Weg), jeden Montag nach dem 1. u. 15. im Monat.— „Nordkante", Franz Gleinert, Schulstr. 29. Nrbeiter- Turncrbnnb. Sonntag: Turnv.„Fichte", Lichtenberg, Asche, Weihenseecr Weg; jeden Sonntag von 3 Uhr an volkschümliches Turne».— Montag: Tuniv.„Fichte", Berlin, abends von 8—19 Uhr, 7. Männer- Abt., Reichenbcrgerstr. 131;" 2. Damen-Abt., Ackerstr.«7.; 7. LehrlingS-Abt., Wasicrlhorstr. 31. Nrbetter-Stenographcnverci»„Stolze".(ElnlgungSsystem). Mon- tag: Bezirk„Norden", bei Krause, Müllersw. 7a, abends Sy2 Uhr. Slrbcitcr> Schwimmerbnnd. Montag: Schwimnikl.„Vorwärts", Daiiien-Abt., abendS 7 Uhr, VolkSbadcanstalt, Schilliiigsbrücke.— Schwimm- klub„Nord", Damen-Abt., abends 7 Uhr, Vollsbadeanstalt Moabit, Turm- strah« 85». Zlllgemeine Fainilien-Zterbe-Kasse. Heute Zahlttg: Ackerstr. 123 bei Diele, und Oramcnstr. 185 bei Butow, von 3—9 Uhr. Samaritcr-KnrsnS für Arbeiter und Arbeiterinnen. Morgen, Montag, abends 9 Uhr: Vortragsabend iu der Centrale, Dresdeuerstr. 45. Vortrag des Herrn Dr. med. Stulz über„Phhflologie und Berbandlehre". Gäste wisitommii». Teilnehmer lüimen noch eintrete». durch amtliche Verzeichnisse neben den Preisen für die die für die Arzncigefäße»nd enthalten. Die Konkurrenz der der Drognisten hat aber dazu K�ikkcvctviflHes. Landman», Tr. F. Die GcschäftSpraxiS der Apotheker und die Krankenkassen.— Barnten, Selbstverlag.— 1899.— 5« S.— Preis 50 Pf. In der vorliegenden Schrift behandelt der Verfasser, welcher bereits mehrfach mit ähnlicheit Veröffentlichnngen hervorgetreten ist, die andauernde Schädigung der Krankenkasscn durch die Apotheker; diese ist nach seiner Meinung eine so erhebliche, daß eine Aus- einaiidersctzimg zwischen beiden Teilen immer mehr als unabweisbare Notwendigkeit erscheint. Die Arzncipreise»verde» — Taxen— geregelt, welche Arzncisloffc—! Droglic»— auch für die Arbeiten des Apothekers Apotheker»»»tereinandcr mid die geführt, daß die Preissestsetzilltgen der Taxen lhatsächtich nur die obere Grenze darstellen, und da« zahlreiche Medikamente weit unter diesen Preisen verkauft werden. Dabei gliedert sich der Arznei- verkehr in„Rezeptur"»uid„Handverkauf". Unter Rezeptur versteht man im allgemeinen die Anfertigung»nd Abgabe der vom Arzte gegebenen Verordnungen,—„Rezepte"— soweit dieselben vom Apotheker zubereitet lverden müßten; das einfache Abiviegen imd Verabfolgen fertiger Arzneimittel gilt als Handverkanf. Auf 2—3 Rezepte konmien im Arzneivcrkehr durchschnittlich 7—8 Haiidverkatlfsartikel. Beim Handverkauf werden Verpackung und Gebraiichsanweisinig, Abwiegen usiv., nicht besonders berechncr. In den sechziger Jahren, also bevor überhaupt der Verkauf von Arzlicimitteln in Drogliciigesibäftcii freigegeben»vor, wurde für Prenßeil der Arznciverbranch der Bevölkerung anf etwa 1 Mark pro Kopf und Jahr geschätzt. L. berechnet daraus für die Zeit unmittelbar bor Erlaß dcS Krankenkassen- Gesetzes für die Arbeiterschaft einen Verbrauch von 50 Psg. pro Kopf und Jahr. Schon im ersten Betriebs- jähre der staatlichen Krankciiversichenmg stieg diese Summe auf 1,62 M.. mid heute erfordert der Arznciverbranch der Krankenkassen pro Kopf des versicherten Arbeiters jährlich etwa 2,60 M. Es wurde also nach dem Anssprilche eines preußischen Medizinalbeamten Dr. S P r i» g f e l d dadurch„den deutichci» Apothekern eine von Jahr zn Jahr steigende sichere Rezeptur« und H a ii d v e r k a u f s- E i n n a h m e von anfangs sieben, jetzt mehr a l§ zwanzig Millionen Mark zugeführt, welche einem R e i n g e w i n n von vier b e z w. dreizehn Millionen und mchr g l e i ch k a m." Schon mit Rücksicht ans diese erhebliche Steigerung hätten die Apotheker zn einer ciitgegeiikommenden Haltmig gegenüber den Kassen Bcranlassimq gehabt. Statt dessen benutzten sie den Umftand, daß den Kasse, tkrankeii für jedes Medikament ein ärztliches Rezept als Rcchnmigsbelag übergeben lverden niußte, und berechneten die „Rezeptiirkostcn", auch iveiin es sich mir mn die einfache Abgabe eines HandverkaiifSartikels handelte. Das geschieht»ainentlich dort regelmäßig, wo die Kassen durch Bereinbarung eines„Rabatts" ans die Nezcptnrpreise sich besonders günstige Bedingungen zu sichern glaubten. Solveit aber die Kassen besondere„Handverkaufslisten" vereinbarten, lim diesem Mißbrauch zu steuern, wurden diese Ihmilichst so zllsainmengesctzt, daß die gebräuchlichste» Mittel fehlten; auch überstiegen die so vercinbarten Handverkanfspreise immer noch Ivcsentlich die im privaten Verkehr üblichen. L. stellte zahlenmäßig diese Ilcbcrieucrnng.der Krankenkassen durch die Apotheker fest. Er ließ in 12 Städten 311 Medikamente einmal auf Äasscnrezcpt»md cinnial von Privaten im Handverkauf cntilchnten; es ergab sich dabei, daß dafür den Kassen— nach Abzug des Rabatts— 152,62 M. in Rechnung gestellt wurden. ivährend beim Einkauf unter der Hand nur 90,90 M. gezahlt Ivnrden. Eine Liste von über dreißig Arzneimitteln — S. 27 der Schrift— erläutert im einzelnen den Unterschied in der PreiSfcstsetznng, und zeigt zugleich, welche� Gewinne die Apotheker auch bei den gelvöhnlichcnlHandverkanfspreisen einheimsen. Eine besondere Besprechung widmet L. dem Verhältnis von K r a Ii k e» t a s i c n n n d Apothekern i-u B e r I i n. Hier ist von cincin Nachlaß auf die Nezeplprcisc nicht die Rede. CS besteht mir eine Handverkanfsliste und eine Liste bon so- genannten„Magistralformeln", das heißt bon feststehenden Ärziicigeinischeit, die als besonders bewährt gelten. Diese Magistralformeln zählen als Arzneigcmische zur Rezeptiir, also zu den teuersleii Verordnungcii. Durch den steten Hinweis auf diese Formeln, welcher sich in allen GeschäftSaMveisungen für Kassenärzte findet, wird also nicht die Verminderung, sonderii die Vemtchrung der Arzneikostcn befördert. Weiter enthält die Handverkaussliste etwa 300 Mittel, von denen jedoch nach Ansicht L.'s mindestens die Hälfte für den regelmäßigen Bedarf nicht in Frage kommt. Es fehlen da- gegen vielgebrauchte Mittel darin, von denen gleiche Mengen den Kassen mit 39,73 M.. Privaten mit 22,55 M. berechnet werden. Außerdem kommen auch die in die Liste anfgenontmenen Arznei- mitlel den Kasse» ctiva 10 Proz, teurer zu stehen, als Privaten. Einen ziffernmäßigen Beweis für die verhängnisvolle Wirkung dieses Systems sieht L. darin, daß bei den Berliner Kassen die anf den Kopf des Mitgliedes entfallenden jährlichen Arzneikosten daiicrnd wesentlich höher sind, als im ganzen Reich; z. B. 189« in Berlin 3,07, im Reich 2,38 M. L. berechnet, daß den Berliner Kassen während dcS Ivjährigen Bestandes des Kranlenkassen-Gesetzes so eine Mehrausgabe von 3,5 Millionen Mark erwachsen ist. (Es«rschciiit nicht angängig, den Mehraiifwand für Arzneimittel bei den Berliner Kassen ausschließlich auf die Bezugs» bedingungen zilnickzilfübrcn. CS ist anzunehmen, daß die Berliner Kassenkranken ans verschiedenen Gründen— z. B. weil sie keinen Ivetten Weg dabei zn machen brauchen— häufiger ärztlichen Rat in Anspruch nehmen, als die Kranken im Reich, und daß sie daher auch mehr Arznei konsmnicrcn. Ein Vergleich der Berliner Handverkanfspreise niit der erwähnten Liste ans S. 27 von L/s Broschüre ergiebt aber keineswegs, daß diese Preise höher sind als anderwärts, sondern sie sind im Gegenteil fast durchweg ivcscnllich niedriger. Das ändert freilich nichts an der Thatsache. daß auch so die Bewilligung dieser Preise keineswegs als besondere Vergiinstigiing aufgefaßt werden kann. Die Vcrsaguiig dcS Rabatts ans Rezcpturprcise bedeutet jcden- älls eine Schädigung der Berliner Kassen und ist namentlich bei den— stets fertig vorrätige»— Magistralformeln im höchste» Grade unbillig. Ref.) L. wendet sich dam» zu einer Besprechung der Mittel zur Abhilfe. Von der Gesetzgebung nnd den Verivaltiingsbchördcii erwartet er nichts, da bereits eine große Reihe entsprechende Petitionen erfolglos geblieben sind. Die Kassen sind somit ans die Selbsthilfe angewiesen. Dazu empfiehlt L.— nebe» der Bekämpfung dessen, was er als den Arzneiabcrglanbcn" bezeichnet und neben der Untcrweisuna der Kassenärzte in der sparsamen Arzneiberordnung— die Verbesserung der Bezugsbedingungen. Wenn nichts anderes geschähe, so sollten die dem freien Verkehr überlassenei» Medikamente usw. jedenfalls ans den Drognciihandlmigei» bezogen werden. Womöglich aber sollten die Kaffen eigene„Arziiei-Abgabestätten" stir die Versorgung der Mitglieder mit diesen Mitteln schaffen. Den dann noch den Apotheken verbleibenden Anteil deS ArzneibedarfS schätzt L. nur auf 0,75 M. pro Kopf und Jahr. Rechtliche Schwierigkeiten könnten der Errichtung solcher Arznei- Abgabestätten nicht gemacht werden; ja eS stände nach neuen Ent- fcheidungen dem nicbts im Wege, daß der Betrieb auch auf die Medilamcnte anSgcdchnt würde,' welche bisher den Apotheken vor- behalten sind. Die praktische Dlirchführmig dcS Gedankens würde so, wie sie L. skizziert, ebenfalls größere Schwierigkeiten nicht machcii. Die bollständige Durchführung dieser Reform wäre nach L.'S Ansicht geeignet, die Arzneikosten auf weniger als die Hälfte herab- zudrücken und damit den Kassen jährlich etwa 12 Millionen zu er- paren. Trotz der oben gemachten Ausstellungen und trotzdem L.'s Erwartungen wohl etivaS übertriebene sind, stellt die Schrift eine wertvolle«nregiing für Kassenvorstände usw. dar. und sie wird hoffentlich in diesen Kreisen gebührende Beachtung finden. C. F, Für den Inhalt der Inserate «bernimmt die Redaktia» dem Pilbliknm gegenüber keinerlei Aeraiitwortiing. Thenkev. Sonntag. 22. Oktober. Freie Bolksbühne. Ostend Theater, b. Abteilung(gelbe Karten): Faust. Ansang 2I/< Uhr. Opernhaus. Der Freischütz. Ansang 7V- Uhr. Montag: Tristan Und Jlolde. Schauspielhans. Wie die Mten snngen. Anfang. 7V, Ubr... Montag: Der gehörnte Siegfried Siegfrieds Tod. oicueö Oper»-Theater(KroN) Torquato Tasio. Änf..7Vz Uhr. Deutsches. Das Fried ensfest. An- fang 7'/- Uhr. Nachm. 2V- Uhr: Fuhrmann Hcnschel. Montag: Der Biberpelz. Leffing. Als ich wiederkam. Anfang 7>/z Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Montag: Als ich wiederkam... Berliner. Staatsgeheiumisie. An- fang?>/, llhr. Nachm. 2>/z Uhr: Faust(I. Teiy Montag: Baumeister Solncst. Schiller. Nora. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Ehre. Montag: Die Grobstadtluft. NcucS. Ein unbeschriebenes Blatt. Anfang 7V2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Kiwito. Montag: Ein unbeschriebenes Blatt. ksrsteu. Der Troubadour. Au fang 7Va Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Regiments- tochter. Hierauf: Grobes Balleit- Divertifscmcut. Niuntag: Die lustigen Weiber von Windsor. Thalia. Der Platzmajor. Ansang 7V, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Nesidcnz. Jagdfrcnden. Vorher: Familieii-Svuper. Auf. 7Vz Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Schlafwagen- Controlenr. Montag: Jagdfreuden. Familien- Souper. Luis««. Molly Carrö. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Romeo und Julia. Montag: Molly Carrs. Central. Die Geisha. Ansang W- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Waldmeister. Montag: Die Geisha. Ostend. Weltuntergang. Anfang t1:, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Victoria. Es ist erreicht. Hierauf: Die wcibe Henne. Ausaug 7V, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- WilhelmstädtischeS. Der Klub der Harmlosen. Au- fang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Maria Stuart. Montag: Der Klub der Harmlosen. BcUc-Rlliance. Gastspiel der fron- ziisischc» Gesellschaft„La Rou- lotte". Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. ivtctropol. Rund um Berlin. Im Reiche der Secefston! Anfang 7V- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Specialitäten-Vor stellung. Montag: Rund um Berlin. Apollo. Frau Lima. Specialitätcn- Borflellinig. Anfang?>/. Uhr. Reichshalle». Steltiner Säuger. Ansang 7 Uhr. Palast. Sprcelottchen. Special! tätcn-Vorstclluug. Ans. 8>/, Uhr. Paliage. Panoptitni». Speciali« läicu-VorslcNniig. llrania. Jnvalidenstr. Täglich abends vvli b— 10 Uhr: Slcriiivarte. Danbe»str.48/4g. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Alisang 8 Uhr. Montag: Im Theater: Dieselbe Vorstellung. Im Hörsaal: G. Witt:„Der Mond und die inneren Planeten�. TchikÄifliltl lWallner-Theater). So nnta g, nachmittags 3 Uhr: Die Ehre. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudcrmann. Sonntag, abends 8 Uhr: Xor». Montag, abends 8 Uhr: Die Dronsstiicktli«?». Dienstag, abends 8 Uhr: DieI�. Sensationeller Erfolg! Täglich von lU" Uhr ab: Mund nnrVrrli»r. Berluier Lokalrevnc in 2 Akten von Julius Freund. Musik von Julius Einödsbofer. 1. Bild: An der Chanioimcttcnccke. 2. Bild: Im AnSstellimgspark. Stürmisches Lachen! Jubeln! Beifalls ES Berlin n»d Fremde lachen bis zu Thränen um 10 Uhr 40 Minuten über den Harmlosenprozest in Moabit Zum Schluß mit fecnhaster Ansstatwng: Im Reiche der Secesfio» und das brillaute Oktober» Specialität.- Programm Ansang Vz8 Uhr. Ende gegen II Uhr. Sonntag, den 22. Oktober, nach mittags 3 Uhr: Promenaden Spccialitäten-Vorstellnng. 12 erst- klasstge Nuinmem n. Ballett. Partctt- Sitzplätze und 1. Rangsitzc 1 M. Balkonlogeu u. Terrasse 2M. Entree 50 Pf. Anfang 3 Uhr. Ende gegen 6 Uhr Palast-Theatep mr früher-7� Feen-Dalast, Burgsiraste 22. Ganz Berlin amüsiert sich von 8— ll Uhr Über das große ' Oktobcr-Programm. Ganz Berlin lacht Thränen von 81 2 bis 9Va Uhr über Winkler imd Fröbal tu der zwerchsell� erschütternden Gesangsposse Znslliiilt im Bilde. Ganz Berlin staunt um 10 Uhr über die vortrefflichen Mcistertnrner. Drei Vasilescu. Anfang 7>/a Uhr. Sonntags 6 Uhr. KaffencrSfiining 1 Stunde vor Anfang. Billet-Borvcrkauf vorm. v. 11—1 Uhr. Jeden Sonnabend und Sonntag nach der Vorstellung Gescllschaftsabcud mit Tanz. NeichshaNe». Täglich: Stettin« r Sänger. /z Uhr: O l u m- pische Spiele. Römisches Bier- gcspann. Stur; aus der Cirluskuppcl ins Waffer. Dir. Lusch mit seinen berühmten 15 Hengsten,»onsieur Le»ans. Polo- Spiele zu Pferde. Miss Darling. Morgen, abends 7Va Uhr: Groste Borftellnng. Volksbühne. I 5. Abteilung: Heute nachmittag 2V« Uhr Im Ostend-Theater Goethes Faust. Die nächste 3. Serie der Vorstellungen findet gleichfalls im Ostend-Theater statt. Zur Aufführung gelangt M. Drayers Drama-„Winterschlaf".-- Die Generalversammlung ist am Donnerstag, den _ 26. Oktober er., abends 8 Uhr, in CohnS Festsälen, Beuthstrasse. Ta»es-Ordnung: Verwaltungs- und Kassenbericht; Bericht der Eevisoren. Mitgliedskarte' lögitimiert. Um zahlreichen Besuch bittet 231/10 Der Torstand. I. A.r G. Winkler. Voranzeige: Das Winterfest des Vereins findet am Sonnabend, den 18. November in Kellers Festsälen statt. Alle Mitglieder, die das Fest besuchen wollen, mögen sich rechtzeitig mit Einlasskarten versehen, da nur eine beschränkte Anzahl ausgegeben wird. wsi 9 \ Urasiia Tniilicnstrnsso — Im Theater abends 8 Uhr:— „Der Sieg dos Menschen über die Natur." Montag im Theater dasselbe. Hörsaal: G. Witt:„Der Mond und die inneren Planeten." Jnvalldcnstr. 37/013: Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. Passaije-Theater. Anfang des Konzerts 6 Uhr, der Vorstelluug 7 Uhr. l'assage- Danoptlcum. Ken! Anatomisch. Ililiiseiim. CASTANS iPÄNOPTICUll 165. Friadrichstrasse 165. Ic«! Neu! Derwische laus Obcr-Acgji>tcn! jOhm Kröger* Dreyfusj Mercier* Zola. ---------.-nygrsM_ Apollo-Theater. Abends O Uhr: FranLuna mit Cäcilte Carola ia der Titelrolle. Ferner: The Gothams das bcriilimte umerikan, komisehe Vokal-Konzert. Oiio ReuUer Chavlta— Yumata Tlero— Karra» Truppe— Elossoms— Les Durands Francis Gerard „CTrigolatls" etc. etc. etc. Anfang der Vorstellung TVa Uhr. Vorverkauf täglich ImTheater und beim„Kllnstlerdank", Unter den Linden 69. SsSMkSSOUCi Kotthuserstr. 4 a. Täglich außer Somiabeiids Hoffmanns Hord- deutsciie Sänger. Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntagö O'/j Uhr. Heute zum 4. Male: AeAhllllitgSlosen. Maehrs Theater Oranicnstr. 34. Rosen ans iitm Enden. Ausstattuiigs-Biirlesle. DaS grostartige Oktober- Programm. Elsa blasser, Kostüm- Soubrette. Mstr. Pauly, Contorsionist. Mstr. Döbbrick, Champton-Hondstandküiistl. Franziska Held, Soubrette. Gustav Eulenburg, Humorist. Anfang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Vorzugökarten an Wochentagen gültig. U Nosel!! stiWlef, Brnniimstrabe 16. Die schöne Ungarin. Poffe mit Gesang u. Tanz in 4 Akte» von Wcller und Manustädt. Mustk von Steffens. Jeden Sonntag. TienStag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. J5?"' Morgen, Montag:"Wg Der Hüttenbesitzer. l'üeKten C. Alexanderstr. 40. Fernsp. VII 1711. Direkt.: V. Bausenwein it.C.Hinmerich. Anfang V-3 Uhr. Anfang Vz8 Uhr. Novität! Novität! ES ist erreicht.-mV Burleske von Benno Jacobson. Musik . von Franz Wagner. Hieraus zum 41. Mal: Die weisse Henne. VandeviNc in 3 Akten. Musik von V. Roger. Moabiter AtWastShauS. Alt-Monhit. 80-81. Heute: UsilL Sonnabend, den 18, November, ist an Bereine noch zu vergeben. 319b] llelunitli Peters. Alhambs�a Wailncr- Theater- Str. 15. Jeden Sonntag und Donnerstag: Gr. Extra-Ball, bei doppelt besetztem Orchester. Ansang ö Uhr. ■sSE* A. Xanioitat. Kriegers Feststtle BSasierthorsi raffe V8 s» cmpüehlt seine Säle für Privatsestlich- keilen, Kränzchen Vereinen und zu Vcrsaiiimlnngc».— Jeden Sonntag, Dienstag n. Donnerstag: Gr. Ball. Gefellschaftshatts Swineuiniiderstr. 12. Säle 1!>0— 800 Personen fassend zu Versammlungen und Festlichkeiten zu vergeben. Hühner. s241>>L« �Vrauxelstrasse 10/11. Jeden Sonntag: s241öL� Knosssp Eali. Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. Empfehle mein Lokal zu Fest- lichkeiten und Versammlungen. Sensationell. 27öOS:s Sensationell. 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Billets sind zu haben im Bureau des Vereins Berliner Buch- drnker, Eitterstr. 88, und im Setzorsaal des„Vorwärts", Beuthstr. 2. 60/7 Der Vorstand. Konzertltaiis Sasassossei Glänzend renoviert! Kottbnscrstr. 4a. Glänzend renoviert l Soiinabeud. den 28. Oktober 1899: Herbstvergnügen. Crosse liiinioristisehe Soiree der beliebten Hoffmanuschen Norddeutschen Sänger arrangiert vom Verdallä öer öentLelieu kolä- uuä LUberarbeiisr zum Besten hilfsbedürftiger Kollege». Zum Schluß: Italiauo Berolina. Poffen-Ensemble von A. Hoffmann. Nach der Soiree: Dr. Dali. Um 1 Uhr: Kaifeepause. Ansang 8Vz Uhr. �Programm-Billets�a 30 Pf. sind bei Firnkranz, Markns- straße 51; Holtkamp, Fiirstensträße 20; Bocker, Dresdenerstraße 18; Lohse, Skolitzerstr. 10 und Feiste), Waldemarstr. 17, sowie beim gesamten Borstand zu haben.__"G/IQ Vereiitsliaiis • iYMfPl Jildcuwtrnsse»5/3». Empfehle meinen großen Frllhstilcks-, Mittags- u. Ahendtiscb. Echt Müiichener, Helles Lagerbier, ff. Weiße?c. Franz. Billard. 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Der Zudrang zum großen Schwurgerichtssaal ist heute«in be» sonders starker. U. a. wodnt Oberstaatsanwalt W a ch l e r der Ver» Handlung bei. Nach der Vernehmung noch eines Entlastungszeugen nimmt Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbicl das Wort zu seinem Plaidoyer: Meine Herren! So machen eS alle Spieler: sie halten die Bank oder sie pointieren, sie setzen hoch und sie setzen uiedrig, sie bezahlen ihre Schulden oder sie betteln um Aufschub, sie borgen die Kellner an und machen Geschenke an ihre Maitressen— immer dasselbe Bild, und weil es so ist, dürfen sie die Angeklagten nicht verurteilen, sondern Sie müsscir sie frei- sprechen! Das wird ohne Zweifel der Kern der Ausführungen sein, welche die vielgewandten und berühmten Verteidiger hier machen werden. Ich kann diese Ausführungen nicht teilen,' denn sie seien thatsächlich unrichtig, weil völlig verfehlt und logisch unhaltbar. Es ist nicht wahr, dag es alle so machen. Zweifellos hat den Anlag zu diesem Prozeß der Artikel des „Berliner Tageblatt" vom 16. Dezember 189b gegeben. Es ist viel hin und her gestritten worden, ob sich das„Tageblatt" mit diesem Artikel ein Verdienst erworben oder ob es unnötig Staub auf- gewirbelt hat. Ich bin der Meinung, daß sich das„Berk. Tagebl." ein Verdienst erworben hat, denn es ist eine vornehme Pflicht der Presse, aus wirkliche Schäden aufmerksam zu machen. Herr Wolf f. Der Zeitungsartikel hatte nur den Zweck, darauf aufmerksam zu machen, daß sich ein berüchtigter Gcwerbsspieler in die vornehmen Spielerkreise eingeschlichen habe. Das war richtig. Der hier und in weiten Kreisen des Auslandes wohl bekannte und berüchtigte Spieler Hermann Wolff hat Eingang in die vornehmsten Spieler- kreise gesimden. Er stammt aus den ärmlichsten Verhältnissen, ist nnter 9 Geschwistern aufgewachsen und hat lvohl nie danach getrachtet, durch ehrliche Arbeit sein Brot zu verdienen, sondern nur danach gestrebt, anderen ihr Eigentum durch Diebstahl wegzunehmen. Er ist dafür zuletzt mit 2 Jahren Zuchthaus bestraft worden und hat diese Strafe in den Jahren 1863—65 verbüßt. Es ist anzuerkennen, daß die letztere Strafe mir rmter dem Regime des früheren härteren Strafrechts möglich war, denn heute würde ein 17j«hriger Mensch nur zu Gefängnis ver- urteilt werden können. Wolf hat im Znchthause Zeit genug zum Nachdenken gehabt und ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß es viel zweckmäßiger ist, anstatt den Leuten ivider ihren Willen das Geld abzunehmen, sie dazu zu zwingen, es freiwillig herzugeben. So ist er Spieler geworden und durchs Spiel ein reicher Mann, manche Leute wollen sogar behaupten, ein Millionär. Die Verhaftung der Angeklagten. Ich muß hier vor der Oeffentlichkeit feststellen, daß die über die drei Angeklagten verhängte Untersuchungshaft durchaus notwendig und nach den damaligen Verdachtsgründen durchaus gerechtfertigt war. Man braucht sich dabei nicht einmal auf die formelle Seite zurückzuziehen und darauf zu verweisen, daß die Verhaftung durch alle Instanzen als begründet anerkannt worden ist. Ich möchte aber alle Znhyrcr davon überzeugen, daß nach den damaligen VerdachtSgrnndcn soviel Belastungsmaterial vorlag, daß man die Angeklagten in Haft nehmen mußte. Die stereotype Frage: Wie konnte man ans solche VcrdachtSgründe bin die Haftnahme verfügen, wird hiernach hoffentlich verstummen. Man denke doch daraii, daß der gewerbsmäßige Spieler Wolff sofort nach dem ersten Kanonenschuß seine ini Znchthause gestärkten Knochen in Sicherheit gebracht hatte. Wer halle Wolff, eingeführt? Herr Hans v. Kröchcr. Er trägt die volle Verantwortung dafür. Er bätte als Edclinami sich erst nach den Antecedentien des Mannes erkundigen müssen, das ist auch die Ansicht des„Deutschen Adelsblattes" gewesen. Die Verantwortung für die Einführung Wolffs tragen aber auch die Angeklagten v. Kayser und v. Schachtmeyer. Dies war aber nicht der einzige Grund zur Verhaftung, vielmehr kommen dazu die schweren B e l a st u n g e n seitens der Bekannten der Angeklagten, namentlich dcS Gräfe n Königs m a r k. Ich glaube nie und nimnicr, daß der Brief, den Graf Königsmark an v. Kröcher richtete, nur„im Scherz" geschrieben sein soll, denn sonst hätte v. Kayser keine Veranlassung gehabt, sich dieserhalb zu entrüsten. Und auch das Verschwinden des Kellners Monraldi erregt den Verdacht. Ich komme nun zu der Frage, ob die Perhaftung der An- geklagten erforderlich ivär, welches vielfach bestritten wird. Da stehe ich nun nicht an zu erklären, daß die Behörde ihre Pflicht verletzt haben würde, wenn sie nicht die Hand auf die Angeklagten gelegt hatte. Herr v. Kröcher hatte sich bei seinem Kommaudo bereits nach Ostende abgemeldet, v. Schachtnieycr ivar im Besitze eines kleinen Vermögens und konnte leicht das Ausland erreichen, alle drei An- geklagte waren sluchtverdüchng. Herr v. Manteuffel. Ich komme jetzt zn dem Herrn v. Manteuffel. Ich erkläre, daß man kein Siecht hatte, diesen pflichttreuen Mann so mit Vorwürfen zn überhäufe», wie es geschehen ist. Er soll sich dadurch in daS Vertrauen der Angeklagten eingeschlichen haben, daß er sich als fniheren Hauptmann der Artillerie einführte. Die jungen Herren von der Reserve können sich dadurch, daß Herr v. Manteuffel in seiner Eigenschaft als Hauptmann der Landwehr mit ihnen in Verbindung getreten ist, un- möglich verletzt suhlen. Was denken denn eigentlich diese jungen Herren von der Heiligkeit und Geivisscnhaftigkcit ihreS Eides? Sie mußten als Zeugen alles sagen, was sie wußten und lveun Herr v. Manteuffel durch seine Liebenswürdigkeit und sein kameradschaftliches Entgegenkommen ihnen dies erleichtert hat, so sind sie ihm zn Dank verpflichtet. Noch andere Vorwürfe sind gegen Herrn v. Manteuffel erhoben worden, die zum Teil nicht unberechtigt sind. Ich billige nicht alles, was Herr v. Mantenffel gelhan hat, namentlich nicht seinen Brief an Herrn Dr. Leipziger. Aber ivcnn hier im Brustton der Ueberzeugung vom„Gegenteil der Wahrheit" gesprochen wurde, so möge nran doch nicht vergessen, daß Herr v. Manteuffel im besten Glauben gehandelt hat.' Roch gestern habe ich von meinem AnrtSvorgänger einen Brief erhalten, nach luelchem seiner Zeit nach Ansicht aller in Frage kommenden Instanzen nicht genug Material gegen Dr. ttornblum vorlag. Ich bedauere, daß Herr' Dr. Leipziger durch den Brief getäuscht worden ist, aber ich kann nicht anerkennen, daß daraus' schwere Vorwürfe gegen Herrn u. Manteuffel hergeleitet werden können. Ich billige ferner durchaus nicht, daß Herr v. Manteuffel die Ver- t e i d i g n n g s s ch r i s t dem Grafen KömgSmarl zugänglich gemacht hat. Das ist ein schwerer, bedauerlicher Mißgriff, dem aber die Staatsanivaltschaft durchaus fernsteht. Man hat dann gesagt, die Zeugen seieir„präoccnpiert" gewesen! Ein crivachseiier Mann, der Zeugnis vor Gericht ablegen soll, kann doch nicht in deni Sinne präoccnpiert werden, daß er' Falsches aus- sagt. Bei ihnen allen handelte es sich doch um Thatsachen und nicht mn Schlnßfolgernngcn. Man hat endlich ans Herrn v. ManteuffclS hypnotische Studien hingewiesen. Dieser Einwand richtet sich selber. Wenn Herr v. Mauteuffel die Kunst verstände, einen in Nizza vernommenen Zeugen seinem Willen zu unterjochen, dann könnte er sein Amt ruhig niederlegen und sich als hypno- tisierender Wundermaiin sehen lassen. Die Zeugen- Aussagen. Nun kommen noch einige andere Zeugen in Betracht. Zunächst Herr Dr. K o r n b l u m. Er hat den Stein ins Rollen gebracht, der jetzt als Lawine zu Thal ging. Ich verzichte auf sein Zeugnis. Ein Mann, der, nachdem er die Sache eingerührt hat, sich zurück- zieht und spurlos verschwindet, indem er es kalten Blutes zuläßt, daß die Angeklagten Monate lang in Untersuchungshaft sitzen mußten, ist für mich gerichtet, ich lege auf sein Zeugnis keinen Wert. Auch von dem Zeugnis des Generalmajors v. Kröcher mache ich kernen Gebrauch, wenn ich ihm auch jedes Wort glaube. Kein Fals chspiel. Der Staatsanwalt geht sodann auf die Erörterung der recht- lichen Gesichtspunkte ein, die in Frage kommen. Das Falschspiel ist nicht erwiesen, es ist als erwiesen anzuerkennen, daß die An- geklagten ihrerseits nicht falsch gespielt haben, lieber Wolff sind sie und so viele andere getäuscht worden, wenn es auch verwunderlich ist, daß sie als Edelleute nicht mindestens ein ebenso seines Gefühl bezüglichl Wolffs gehabt haben, als der Kellner Montaldi, dem die aalglatte Höflichkeit Wolffs verdächtig vorkam. Rechtlich und thatsächlich ist an der vollen Ueberzeugung festzuhalten, daß alle drei Angeklagten des gelv erbsmäßigen Glücksspiels schuldig sind. Gewerbsmäßiges Glücksspiel. Die Beantwortung dieser Frage ist nur so schwer, weil sich die Oeffentlichkeit und nianchmal auch die Gerichte ein falsches Bild von einem gewerbsmäßigen Glücksspieler machen, daß man gewöhnlich denkt, es gehören dazu nur solche Leute, die von Ort zu Ort reisen und wohlhabende Leute zu plündern wissen. Ein Millionär und der angesehenste Mann lann gewerbsmäßiger Glücksspieler sein, wenn er die sehr einfachen Thatbestandsmerkmale des Z 284 erfüllt. Gewerbsmäßig handelt derjenige, der wieder- holt eine auf Erzielung des V.e rmögenSvorteils gerichtete Handlung vornimmt u n d fortsetzt. Die Angeklagten waren leidenschaftlickie Spieler, ihre Gewinn- sucht war das bestimmende Motiv zu ihrem Glücksspiel. Neben der Gewinnsucht bildet auch die Absicht, frühere Verluste zn decken, ein Thatbestandsmerkmal des gewerbs- mätzigen Glücksspiels. Die Angeklagten haben„ans Berechming" gespielt und das deutet auch auf gewerbsmäßiges Glücksspiel hin. Sie haben f o rt g es e tz t in der Absicht gespielt, zu ge- Winnen und aus den Gewinnen i h r e n Lebensnnter- h a l t z u b e str e i t e n. Keiner der Angeklagten hat im bürgerlichen Leben auch nur einen Groschen redlich verdienen können, keiner hat die köstliche Wahr- heit des Spruches:„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen", an sich erprobt. Und welche Summen sind nächtlicherweise am Spieltische ver- geudet worden I Der„Klub" ist lediglich zu Spielzwecken begründet worden und stellt lediglich eine Spielbank dar, durch welche sich die erwerbs- und vermögenslosen Angeklagten bereichern wollten. Ich habe 26 Personen herausgesucht von denen, die vernommen wurden, ivelche sich an dem Spiel beteiligt haben. Thatsächlich be- stand der Klub aber ans über 200 Mitgliedern. Der Gesamtverlust, deu die erwähnten 26 Personen erlitten haben, beziffert sich ans die stattliche Summe von SilXXXX) bis 400 000 M. Es wurden bei. Wüst in Frankfurt nicht weniger als 850 Spiele bestellt, das deutet doch gewiß darauf hin, daß häufig gespielt werden sollte. Angeklagter v. Kayser. Kerr v. Kayser ist ein hochbegabter, strebsamer, wirtschaftlich außerordentlich genauer und ordnungsliebender Mann. Er hat keineswegs ausschweifend, eher solide gelebt, obgleich er sich mit einem Komfort umgab, den sich viele seiner Ltollegen nicht leisten können. Er hat aber selbst— ich sage dies nicht ironisch— seine Kleider und seine Stiefel gereinigt. Es bedurfte auch nicht des Beweises, daß Herr v. Kayser in der besten Gesellschaft verkehrte, es Ivar nicht notwendig, die Namen einer ganzen Anzahl hochstehender Personen in die Oeffentlichkeit zu zerren, ich hätte es ohnedies geglaubt, daß ein Mann wie Herr v. Kayser in der besten Gesellschaft verkehre. Er konnte dies aber thuu und dann in der Nacht seiner Leidenschaft des Spiels fröhnen. Der Strafautrag. Nachdem der Oberstaatsanwalt das flotte Leben der Angeklagten v. Schachtmeyer und v.& r ö ch e r beleuchtet hat, kommt er zu dem Schlüsse, daß alle drei Angeklagten wegen ge- wcrbömäßige» Glücksspiels zu verurteilen seien. Bei der Strafabmessimg sei zu berücksichtigen, daß die Angeklagten sich seit etwa acht Mongteu in Unlersiichungshaft befänden. Er- schwerend falle dagegen ins Gewicht, daß die Angeklagten nicht durch Rot oder Mittellosigkeit ans Abwege geraten seien, wie es bei Seemann, Reuter nn'd anderen der Fall gewesen sein möge, daß sie bei ihrem Stande und Bildungsgrade eine weit größere Zurückhaltung hätten zeigen müssen und daß teilweise wenig bemittelte Personen erhebliche Summen verloren hätten. Er beantragte gegen v. Kayser 4 Monate Gefängnis unter voller Anrechnung der Uiitersuchungshaft, gegen v. Kröchet 6 Monate Gefängnis, wovon 4 Monate durch die Unter- silchungShaft als verbüßt zu erachten seien, und außerdem 6000 M. Geldstrafe oder 1 Tag Gefängnis für je 15 M., und gegen v. Schachtmeyer 3 Monate Gefängnis, die als verbüßt anzusehen seien. Und nun, meine Herren Verteidiger, stehe ich Ihren Angriffen zur Verfügung. Ich weiß wohl, daß über manche Dinge in manchen Kreisen em mildes Licht geworfen wird, ich weiß wohl, daß der Mantel der Liebe ausgebreitet wird über manches, was nicht der Liebe würdig ist, sondern des Haffes bedarf. Die preußische Justiz läßt diese Milde häufig walte», die preußische Justiz hat- es aber noch immer verstanden, in ernsten Sachen das ernste Wort zu sprechen. Und um eine tiefernste Sache handelt es sich hier. Möge Ihr Wort wie ein Donnerruf einschlagen in die Herzen der Spielerkreise, der Bnnlhalter und der Pointenre, der Verführer und der Verführte», der Bethörcr und der Bethörten, auf daß sie aus diesem Prozesse die richtige Lehre ziehen, die Lehre, die in den Worten gipfelt:„Das war lv üsraivr coup, rien ne va plus!" Jnftizrat Dr. Cello: führt etwa folgendes aus: Der Prozeß ist einzig in seiner Art. Ich will kein Gewicht auf die sonderbaren Vorgänge legen, die sich in den Vorstadien des Prozesses und in der Hanptverhandlung selbst abgespielt haben. Aber einzig bezeichne ich den Prozeß, weil er einzig dasteht in der Rechtspflege. Es stehen zum erstenmal Leute von der Kategorie des Angeklagten wegen gewerbsmäßigen Glück« spiels ans der Anklagebank. Die Entscheidungen des Ober-Tribunals und des Reichsgerichts stellen als gewerbsmäßiges Glücksspiel immer mit eine Thätigkeit hin, wie sie Seemann, Reuter, Lichtner usw. aus- geübt haben; gegen Leute aus dem Milieu der Angeklagten ist§ 284 nur ein einziges Mal zur Anwendung ge- kommen und diese Sache endete mit Freisprechung; Die neue Anschauung des Oberstaatsanwalts läßt vermuten, daß dieser Prozeß eine ganze Reihe neuer Prozesse wegen gewerbs- mäßigen Glückspiels zur Folge haben mutz. Seit 50 Jahren hat man der Anschauung gehuldigt, daß man gegen Leute von dem Schlage der Angeklagten nicht aus§ 284 vorgehen müsse, nicht gegen Leute, die sich in gleichet Stellung, wie die Angeklagten befinden, gegen junge lebenslustige Offiziere, welche in überschäumender Lebenskrast einmal ihrer Leidenschaft die Zügel schießen lassen. Der hannoversche Spielerprozeß hat zuerst den Vorhang hochgezogcn, aber nur Leute wie ein Seemann usiv. waren damals zur Verant- wortnng gezogen und nur ein einziger Adeliger war dabei, der Schlepperdienste geleistet und dadurch seinen Namen mit Schande bedeckt hatte. Die Erhebung der jetzigen Anklage erscheint sich da- durch zu erklären, daß von'jetzt ab eine andere Auslegung des§ 284 Platz greifen soll. Es ist anzunehmen, daß die Staatsanwaltschaft aus folgerichtigem Willen auf dem betretenen Wege fortgehen will. daß noch viele Prozesse ähnlicher Art diesem Prozeß folgen werden. Was werden die später vom Staatsampalt zu ver- folgenden jungen Leute, die sich ab und zn am Spieltische ver- gnügten, die verloren und gewonnen und im letzteren Falle einige Monate über ihre Verhältnisse lebten, dazu sagen? Sie werden sich mit Recht fragen: Was haben wir verbrochen? Selbst Staats- anwälte und Juristen haben sich über die Erhebung der Anklage ge- wundert. Gewerbsmäßig oder gewohnheitsmäßig? � Die Verteidigung wird sich der Aufgabe nicht entziehen können, die Frage der G e w e r b§ m ä ß i g k e i t einer sorgfältigen Prüfung nach den verschiedenen Gesichtspunkten zu unterwerfen. Entschieden ist der Ansicht entgegen zn treten, daß es zur Entscheidung der hier gestellten Frage ans die Gewinnsucht ankommt. Die Gewvin- sucht ist ein integrierender Bestandteil eines jeden Glücksspiels; so weit der Hinimel blau ist und ob man um Kokosnüsse oder um Muscheln spielt, oder ob der biedere Bürger de? Abends bei seinem Skat sitzt: Jeder der spielt, will n i ch t v e r l i e r e n, sondern gewinnen. Ungezählte Jahr- hunderte haben Millionen von Menschen um Geld gespielt. Die Absicht zu gewinnen macht noch nicht den Gewerbs spielet, sondern überhaupt den S p i e l e r als solchen. Redner führt zur Bekräftigung dieser Behauptung einige Stellen aus Prof. Lazarus' Werk „Psychologie'des Spielers" und' aus Prof.Ribots Werk.., �Psychologie und Gefühle" an und betont, daß die Angeklagten genau wie alle übrigen natürlich durch den Spielgewinn und die Hoffnung auf solchen gelockt worden seien. Die Charakteristiken, die der Oberstaatsanwalt von dem Gewerbs spielet entworfen hat, stimmen alle für den Gewohnheits spielet. Der Nerv der Entscheidung liegt i m innersten sittlichen Kern der einzelnen Individualitäten und die Verteidigung verlangt mindestens ein mm liquet für dje Angeklagten. Das Urteil im' Hannoverschen Spielerprozetz hat beut- lich gezeigt, wer als gewerbsmäßiger Glücksspieler zu betrachten ist. Einen diamentralereii Gegensatz'zwischen der Spielthätigkeit des Herrn v. Kayser und derjenigen Thätigkeit, die bei den Spielern in Hannover zu Tage getreten ist, kann sich die kühnste Phantasie nicht ersinnen. Der junge Referendar, der außerordentlich ernst gearbeitet hat, der sein Doktorexamen machte, der im orientälischen Seminar lhätig war und dem seine Dienstvorgesetzten das glänzendste Zeugnis geben, hat doch den Spielerkreis nicht geschaffen, sondern ist hinein geraten, wie so viele andere. Kein Zeuge hat Herrn v. Kayser nachsagen können, daß er auch nur eine Person in den Klub„verschleppt" habe, cS ist nicht wahr, daß er beabsichtigt habe, mit dem Klub gewissermaßen eine Spielbank zu begründen, vielmehr lag die Begründung des Klubs gewisser- maßen in der Luft'. Der Verteidiger geht sodann auf eine eingehende Würdigung der Beweisaufnahme über und sucht die Beweisführung des Oberstaatsanwalts, daß v. Kayser als gewerbs- mäßiger Glücksspieler zu gelten habe, zu zerstören. „Glücksspiel" und„Gewerbe". Das Gewerbe ist das direkte Gegenteil vom Glücksspiel. „Gewerbsmäßiges Lotteriespiel" wäre doch ein Unding und es wäre doch mindestens paradox derjenige, der gegen die Bank von Monte Carlo gewerbsmäßig spielen wollte. Der Fislus kann gewerbs- mäßig Glück spielen, wenn er eine Lotterie veranstaltet, die Bank von Monte Carlo spielt gewerbsmäßig gegen die Pointenre. Wie derjenige, der in einem bestimmten Kreise gewohnheitsmäßig spielt und gewinnt oder verliert ist unverständlich, wie es in einem halben Jahrhundert voranfaegaiigcner Rechtsprechung nn- verständlich zu sein schien. Dle ganze Gesetzgebimg seit einem Jahrhundert wird doch von dem Gedanken beherrscht, daß ein Unterschied gemacht werden soll zwischen der» gewerbs- mäßigen Bankhalter und Pomteur. Die Gesetzgebung vom Jahre 1861' pellte nur das gewerbsmäßige Bankhalten in Strafe, die Gesetzgeber großer Kulturländer stehen ans demselben. Standpunkt. In autoritativster Form ist dieser Gedanke im Strafgesetzbuche vom Jahre 1851 zum Ausdruck gekommen, dessen 8 332 dem heutigen 8 234 entspricht. Der Verteidiger bekräftigt seine Ansicht durch Mitteilungen aus den Vorverhandlungen über diese Gesetzes- beftimmnngen. Angeklagter von Kayser. Der Angeklagte bietet nach allem, was die Beweisaufnahme ergeben hat. das Bild eines Gewohnheitsspielers. Der An- geklagte von Kayser ist kein oberflächlicher Mensch, sondern eine tiefe und schwer angelegte Natur, bei welcher die Leidenschaften ganz besonders stark arbeiten. Diese Natur bedurfte des dämonischen Reizes. des kühnen Wagnisses im wechselvollen Spiel, weil er in seinem ganzen Thun und Treiben aufs Große, aufs Energffche gerichtet war. Auch Männer wie Blücher, L e s s i n g. die Könige der Litteratur, die großen Staatsmämrer der cngljjchcn Geschickte haben in dem Spiel ein Gegengewicht gegen ihr Uebcrmaß von Arbeit erblickt. Auch der Angeklagte v. Kayser hat ernst und angestrengt gearbeitet und in dem Spiel eine Art Kom- pensatio» für angestrengte Tagesarbeit gesucht. Keiner seiner zahl- reichen Freunde hat jemals den Gedanien gehabt, daß er ein ge- wcrbsmäßiger Glückssvieler sei, ja, seine Freunde haben trotz alle- dem und alledem zu ihm gehalten, Graf Reventlow hat als Edelmann und Sachverständiger versichert, daß in dem Spiel des Angeklagten und speciell des Angeklagten v. Kayser keinerlei Unterschied im Spiel gegenüber anderen Spielern obgewaltet habe und sogar ein Mann wie Dr. Kornblum hat gegen v. Kayser nichts Böses nachsagen können. Welches Vertrauen hat selbst Herr v. Manteuffel dem Angeklagten ent- g e g e n g e b r a ch t, daß er ihm die Mitteilung von seiner Ver- Haftung machen durste und ihn doch bis zum folgenden Morgen auf freiem Fuße ließ. Die schwere und mühevolle Arbeit, die wir geleistet haben, ist nicht umsonst gewesen. Die Lehre, die den Angeklagten erteilt worden ist, ist eine schwere und grausame gewesen, sie wird unaus- löschlich in ihrer Erinnerung hasten bleiben. Wir rufen den jungen Leuten zu:„Seid ernst und arbeitsam in der Jugend, damit ihr es auch im Alter sein könnt! Und nun dürfen wir wohl eine Frei» sprechung erbitten und erhoffen." sSchluß in der 1. Beilage.) VevmiMtes- Einem schrecklichen Gewerbe ist man in Südrnßland auf die Spur gekommen. Man entdeckte eine Bettlerbande, welche Kinder stahl und sie in barbarischer Weise zu ihren Bettlerzwecken ver» stiimmclte. In einer Klosterkirche stand zwischen zwei großen Bettlern ein vollkonimcn bis zum Skelett abgemagertes, blindes, siebenjähriges Mädchen. Es flehte nach beendetem Gottesdienst so rührend um ein Almosen, daß niemand an ihm vorbeikam, ohne eine Gabe zu spenden. Eine einfache Bäuerin, die gleichfalls eine Gabe spendete, sagte dabei:„Bete für mich, mein Kind." Plötzlich schluchzte das Kind laut auf.„Mutter, Mutter", rief es.„nimm mick) mit Dir." Run crlannte auch die unglückliche Mutter ihr verkrüppeltes Kind. Sofort lvnrde sie von einem Menschenknäucl umgeben, der sich bereits nn- schickte, die beiden Bettler zu lynchen. Das unglückliche Kind erzählte, daß es im Frühjahr, während es Gänse hütete, von zivei großen Männern, die noch zwei Kinder mit sich führten, in den nahe gelegenen Wald geschleppt worden sei. Hier habe man erst ihre Genossin deS Augenlichtes beraubt und später sie. Mit tierischem Gleichmut hatten die Männer ihnen Soldatenknöpfe in die Augen gedrückt und sie so vollkommen geblendet. Das andere Kind hielt den furchtbaren Qualen nicht stand und verschied bald darauf, während sie von Dorf zu Dorf geftihrt wurde, um durch Betteln den entmenschten Kerlen ihren Unterhalt zu beschaffen.> Achtung: Achtung! KommuttlilWähler des 43. und 44. Bezirks. Montag, den SZ. Oktober, abends 8'/, Uhr: ttetkentUoliv Momiiitinalwäliler-V ersamtnlungen in folgenden Lokalen: Für den 43. Bezirk in der Kronen- Bvanerei. Alt-Moabit Nr. 47—49. Referent Ferdinand Eivald. Für den 44. Bezirk in Arenda llranerei, Thürinftrah« SV. Referent«ndolt«Ulars. TageS- Ordnung: 1. Die bevorstehende» Kommunalwahlen. 2. Diskussion. Um zahlreichen Besuch»nd rege Agitation ersucht 220/2 �_ Das Wahltomitee. lllltl Ailitilkl nilö UntemngeMe Siidtisihkil Detntbe Derlius. Mittwoch, den 25. Oktober, abends 8 Uhr Große öffentliche Uersamminng bei Stochert, RndreaSstrafte 2t. TageS-Ordnung: 1. Die Lage der städtischen Arbeiter und die bevorstehenden Stadt- derordnetenwahlen. Referent: Berbandssekrctär vr. posreod. 2. Diskussion. 3. Wahl von 2 Vertretern für die Gewerkschaftskommisston. 4. Verschiedenes. 263/48_ Der Einberufcr:»od. bledlg, Urbanstr. 34. Achtung!~ Achtung! Sattler, Koffermacher, Täschner. DicnStag» den 24. Oktober, abends 8 Uhr Große öffentliche Uersammlnng bei Noll» Ndalbcrtstrahc 21. TageS-Ordnnng: Der Streik bei Einbrodt A Kalb.— Die Herren Elnbrodt vnd Kalb sind zu dieser Versammlung brieflich eingeladen. 157/16 Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Lokalkommission der Täschner u. Kofferarbriter. Krllilkell-Nlltttstützilllgsbmld der Schneider. Unser Mitglied I?. Ridder ist am 17. d. Mts. verstorben. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 22. d. Mts.. nachmittags um 4 Uhr, auf dem Lazarus- Kirchhof in Wil- Helmsberg statt. 167/4 Die Ortsvcrwaltung. Marmor- und Granitarbeiter Berlins. Am Donnerstag, den 19. Oktober, verstarb unser Kollege, der Manuor- schleifcr 275/2 .JoIisiin Bruekert. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, d. 22. Oktober, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des kathoNschen Kirchhofes in Hohen- Schänhausen auö statt. Um rege Beteiligung ersucht Der BertraucnSmann. um Sattler! Dienstag, den 24. Oktober, abends 8�/- Uhr Große öffkiitlilbe Versammlung aller in her Militäressekteil-Branche beslsiäftigte» Sattle im Lokale dcö Herrn Spicgelberg, Scbastianftr. SS. Tages-Ordnung: Gründung einer eigenen Filiale. 2. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Kommission. 322b Deiitscher Holzarbeiter-Verband (Branche der Korbmacher). Am Montag, den 23. Oktober, abcudS 8'/s Uhr, im Lokal dcö Herrn Wilke, Andrcasstr. 26: Tagesordnung: 1. Wie stellen sich die Kollegen zur Aufbesserung von Lohn- und Arbeits� bedingunge». 2. Branchen- und Werkstattangelegenheiten. 3. Verschiedenes Am««! Tövffr!! Dienstag, den 24. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Stechert, AndrcaSstraße 21: Oeffentliche Bersammlinig der Tölifer Berlins niid Umgegend. Tagesordnung:„Der Stand unserer Lohnbewegung.— Da diese Ver- »ömmlraiB voraussichtlich entscheidende Beschlüsse für den wetteren Verlauf »nferer Bewegung zu fassen hat, muh jeder Kollege anwesend sein. 194/1 Die Lohnkommission. I. A.:«. David. Zentral-Berband der Maurer Deutschlands(Pu�er). Zahlstelle i. Mittwoch, den 2S. Oktober, abendö 7 Uhr, in de» Armin- Hallen, Kommandantcnstraße Nr. 20. Nli\gliedep»yei*&ammlungm TaaeS- Ordnung: DaS Verhalten einzelner Mitglieder während deS Streik?.— Kollegen! Das Erscheinen aller Mitglieder zu dieser Versammlung ist Ehrensache. 134/20 Die örtliche Verwaltung. Achtung! Böttcher. Achtung! Sonntag, den 22. Oktober, mittags 1 Uhr bct Schulz (früher Heiße), Lichtcnbcrgerstr. 21, Oeffentl. Vovs-ammlnng her Böttcher Berliils unh Umgegeilh. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Wahl eines Delegierten zum Gewerk- fchaftS-Kartell. 3. Verschiedenes. Der Bertrancnsmann. Carl Mehner, Duuckerstr. 21, SeiteNfl. I. Montag, den 2S. Oktober 18SS, abends 8V» Uhr, bei Nümaun, Brnnnenstr. 188, Gr. öffentliche Versammlung aller in der Filzschuh-Industrie besch. Personen. TagcS- Ordnung: 1. Die gegenwärtigen Verhältnisse in der Filzschuh-Branche vnd nnsere nächsten Anfgaben. 2. Verschiedenes. 171/8 Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer. Ctnttsl-Uerdmd der Daiidelo-, Tra«gt>sn-«. Bertiehrsarbeiter. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Bifchofstrahe 13 I. Fernsprecher: Amt V Nr. 3901. Heute Sonntag, den 32. Oktober. abendS K Uhr. im„Englischen Garten-, Alexanderstrahe 27«: GenoLSl-Verssminlung. TageS- O r d n» n g: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Diskussion und BervandSangelegen. Heitel!. Pflicht aller Kollegen ist cS, pünktlich zu erscheinen. - Das Mitgliedsbuch ist beim Eingang vorzuzeigen. 67/13 Ortsverwaltnng. Ctntral-Berbllilh her ßailhels-, Transport- n. Verkehrsarbeiter Dentilsjl. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser langjähriges Verbands- und ehemaliges VorstandSuiitAlted, der Kollege 67/12 Karl Büttner an der Proletarierkranlheit verstorben ist. Die Beerdigung sindet heute Sonntagmittag präc. 12 Uhr von der Leichenhalle dc§ Central-Friedhofs FriedrichSfclde auS statt. Um recht zahlreiche Beieilignng ersucht Die OrtSberlvaltting. ö kartei-VerzammItingsn Dienstag, den 34. Oktober, abends 8 Nhr: 1. Kreis: �R'iuiiRiRaKKvid, KommandMenstraße 29. S. Kreis: Tempelhofer Derg. 3. Kreis: RessvUR'vS, Kommllffdllntenstraße 57. 4. Kreis: Wrangelstraße 9-10. 5. Kreis: Bötzow, Am Prenzlauer Thor. 6. Kreis: I�OIÖOK'KSI.' �nioiR, Kolbergerstraße 23. Tttges-Ordnnng: Bericht der Vertratiensleute, der Preßkommission, Lokalkomttlissioil lind Agltatiouskommission der Provinz Brandenburg und Neuwahl selben. Berichterstattung von der Braildenburger Parteikonferenz dem Parteitag. Zahlreiches Erscheilten der Parteigenossen erwarte»! 2lZ/s vis Vertpauensleute. derund Allen Freunden zur Nachricht, dag mein Bater, der Putzer Hermann Kosel am 20. d. M. verstorben ist. Panline Lorenz, geb. Kofel, 3S4b MuSkauerstr. 27. Ilankaaxnnx. Allen Verwandten und Bekannten für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme und vielen Blumenspendcn bei der Beerdigung meiner unvergcb- lickcn Frau Ernestine Slebcnwlrtb, geb. Krabl, insbesondere dem Herrn Kunze für die trostreichen Worte am Sarge der Dahiiigefchiedciicn sprechen wirnnscrcn innigsten Dank aus. 33bb WilhelmSberg, 20. Oktober 1899. Heinrieb 81ebenwlrtb liebst Kindern Orts- Krattteukasse der H n t m a ch e r, Hutsournituren-»nd Filzwaren- Berfertiger zu Berlin. Sonntag, den 29. Oktober 18SS, vormittags 10 Uhr, im Nestanrant Feind, Weinstr. 11: Allgemeine Mitglieher-Verjilnilnlnng. TageS-Ordnung: a) In gemeinschaftlicher Bersamm- lung der Arbeitgeber und Arbeit- nehmer: Vortrag deS Herrn vi. Kincbnar über„Nasen- a t m u n g". b) In getrennter Versammlung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Wahl von 25 Delegierten der Arbeitgeber, Wahl von 50 Delegierten der Arbeitnehmer: Die Wahl ist geheim und werden bei Beginn des Wahlaktes die Thüren zum Eingang des Saales geschlossen. AAP' Eintritt haben nur die gross- jährigen wahlberechtigten und wähl- baren Mitglieder gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. s298b Der Borstand. gez. Karl Kümmert, Pankow, Florostr. 48. Kanhandwerker-Krankenkaste für Berlin und Umgegend._ iMiuwui Eingeschriebene Hilfskassc Nr. 118. 33/10 Mittwoch, den 23. Oktober,'Abends 8'/« Uhr, bei Buske, Greuadierstrasse Nr. SZ, WU- ¥ersammliiiig'."WU Tages-Ordnling: 1. Vortrag des Herrn Dr. Woyl„Rückblick auf den Tuberlulose- Kongreh und welche Vorteile haben die Krankenkassen von demselben." 2. Abrechnung vom dritten Quartal, sowie Revisionsbericht. 3. Bericht der Be- vollmächtigteu, sowie über Unfälle, und Neuwahl derselben. 4. Innere Kassenangelegeiiheiteu. _ Mitgliedsbuch legitimiert._ Der Vorstand. I. A.: H. Metzke. Tapezierer! Montag, de» 23. Oktober, abendS 8Va Uhr» im Lnisenstädt. Konzerthaus, Alte Jakobstraste 37: Komblnierte Versammlung delder Nlialen. Tagesordnung: 1. Unsere fernere Taktik. 2. Bericht der Agitationskommission und Neuwahl derselben. 3. Bericht der Arbeitsnachweis- Kommission und Neu- wähl derselben. 4. Verschiedenes. 173/10 Der Eintritt ist nur mit Mitgliedsbüchern gestattet._ Verein L»er Mletter tTape�lererbranebe). Dienstag, den 24. Oktober 18SS, bei 1'aster, Jnselstrahe 10: UHT' v v sa«t nt I it nn."�1 Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Fäiröder. 2 Diskussion 3. Bcreinsangelcgenheiten. 277b Der Vorstand. Montag, den 23. Ottober, Schöneberg. abends 8 Uhr,'im Klubhanse, Hauptstr. 5/S. Oeffentliche Konlinnnlllniöhler-Verslliiinllnng T a g e S- O r d n u» g: l. Berichterstattung über die bisherige Thätiglett. 2. DtSkiifsion. 3. Endgültige Aufstellung der Kandidaten im 5., 12. und 13. Wahldezirk. 204/12___ Pas Wahlkomltee. Orts-Kraukenkasse für hos GtlvttbebcrVerstrtignng von Mnßkinstrninenten. Sonntag, den 20. Oktober 1800. vormtttags 9'/, Uhr, bei Mehliiiai»,(früher Buske), Grenadierstrasse 33: .Ansserordentllebe Reneral-Vettammlung für grostjährige Arbeitnehmer. Tages-Ordnung: Fortsetzung der nicht erledigten Tagesordnung vom 7. Oktober. Zur Verhandlung kommen: Punkt 2. An- trag des Vorstandes: Abänderung des§ 30 deS Statuts. Punkt 3. Ver- schiedeneS. Zu dieser Versammlung werden die grossjährigen Arbeitnehmer ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. 142/20_ Per Vorstand. (MIlMIllg. Die Unterzeichneten, welche durch liserat in Nr. 245 d. Bl. von den .rtSvcrwalMvgen Berlin HI und Gesundbrunnen d. Central Kranken. „nd Sterbekäffe der deutschen Wagenbauer zur Abrechnung i» der Mitgliederversammlung am 22. d. M. aufgefordert werden, erklären Hiermit, bereits abgerechnet und den Utberschnb abgeliefert zu haben. Sie überlassen eS den genannten Verwaltungen, ihre vermeintlichen Ansprüche eventuell aus gerichtlichem Wege geltend zu machen. Rcstaurateur Josef Franke. Plan- tagenstr. 5. Schmied Karl Stüwe, Wiesenstr. 29. Schlosser Paul Barth. Gerichtstr. 61. Arbeiter Emil Löfflcr, Wiesenstr. 16. Arbeiter Ferdinand Schulz. Tegclerstr. 14. Schlosser Panl Thierse, Vuitmannstr. 8. Mittwoch, 25. CR., ab. 7»/- Uhr, in Schcerö WilhclmSgarten: Oeffentliche Socililiikiiioltr. Vartkitlersammliliig. TageS-Ordnung: I. Bericht deS Vertrauensmannes, der Revisoren, und Neuwahl derselben. 2. Bericht vom Parteitag iussio». 4. Verschiedenes. JPJT" Die Genossen von Adlershof, Schöncweide sind hierzu eingeladen. Um pünktliches Erscheinen wegen der Polizeistunde ersucht Per Elnbernker. der Lokalkommission in Hannover. 3. Dts- 204/11 Grünau, JohanniSthal-Nieder- _ Achtung! Holzbildhauer! Nach Auflösung deS stSiidigen Bureaus haben sich zur Entgegennahme von Berichten über Werkstattangelegenheiten folgende KommissionSmitglicder bereit erklärt und zwar Montags, Doniierstags und Freitags, von 6—7 Uhr abends: Erans Kunath, Memclcrstr. 34, vorn 4 Tr.: Panl Helnlobe. Plan-Ilser 07. vorn 4 Tr.; Paxobert Hildesbelm, Dragonerftraftc 40, vorn 3 Tr.; Karl Mülverstedt, Admiralftr. S. vorn 3 Tr. Dtenstag, Aliittwoch und Sonnabend. abends von 8 Uhr an im Lokal Köpnickcrstr. 62. Jeden Mittwoch ebenda Sitzung der Kommission. 2i/6 Ple Eohnkomtnlsalon. Unserem Sangesbruder und Chor- führer IVlIIiel»» Kiirner zu seinem heutigen Wiegenfest ein drei- mal donnerndes Hoch. 6S/3 Arbeiter-GesangvereinVorwärtSI/LO. Charlottenburg. Unserem Genossen s2931b Varl«lies zum heutigen Tage die herzlichste Gratulation. Tie Genossen des 7. Kein Hüften mehr! �stbnRa. Die Heilkraft v. Georg Pohla Brom- bcerweni ist erprobt bei Asthma, Athemiiot. Lungenleiden. Bronchialkatarrh. Heiserkeit-AuS- wnrf. Verschleimnng, Kehlkopf- leide». Krähen im Halse. Nacht- schweist. Jlißneiiza, Erkältung und Schlaflosigkeit, welcher ärztlich empfohsen ist. Preis per Fl. 1 M, 10 Fl. 9 M. Für Kinder empfehle gleichzeitig meiiieil 2644L- MM- Itrombeeraaft'MB gegen Keuchhusten, Schlaflosigkeit, in Fl. zu 60 Pf. und 1 M. Fabrikant Georg Pohl, Berlin, Brunnenstraste 187, Droguerie, sonst nirgends weiter. beliebige Deilzhlg. Mn-intoiic Vr. Dil Olga Jacobson,°.nt. 75/19*] Invalide,, str. 145. Ii'. Zimmel' H "........ 2 Treppen rechts Specialarzt f. Haut-n. Harnleide». lO— 2, 5-7. SountagS»0-12, 2-4.» Verein deutscher Schnhmacher. Die Urania-Vorstellung ist heute, Sonntagnochmittag 4 Uhr. Nach der Vorstellung geselliges Beisammensein bei Feuerstein, Alte Jakobstr. Nr. 75. Entrce wird nicht erhoben. Tanz 30 Pf. s170/4] via Ortaverwaltunfl. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklaffe. Montag, 23. Oktober, abend» 8V2 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20: 5-/16 Vortrag lies Herrn vr. Kar! Liebkneclit über: Franenherrschaft. Gäste willkommen. Der Vorstand. Marzipan, Kakao, Schokolade und Konfitüren kauft man am besten und billigsten ein bei 2304L* Ktem])«].& Scholz,«ar-lpan Eabrlk, L Landsbergerstrass« 41, II. Grosse Frankfurteratraaa« 87, HL An der Spandauer Brück« 18._ Specialärztl. Institut Dr. B. Lasker 42 Alexanderstr. 42 (am Alexanderplatz). Spec. opcrationsloseS Heil-Ber- fahre» ohne Bernfsstörnng Beinleiden. Erprobte Methoden bei Flechte», Luxus und anderen 240lL* Hantleiden. Tägl. v— 12, 3—6. Freitag niid Sonntag 9—12. I>r. Tiehrich, Specialarzt f. Haut- u. Haruld, Beingcschwiire und L»P»S. An der Stadtbahn 24, (am Bahnhof Alexanderplast.) Sprichst.: 9—12 niid 3—6. Freitags keine. 2402Ü* Poliklinik: Sstag)--�. Op.nied.Schaper,s�Äzuat; W 1 W f-j (/füllt u. JlUVHuiuSU Frauen- Krankheiten. Kfiniggrätzerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7, Homöopath. Poliklinik: Montag, Mittwoch, Sonnabend, Ab. 7—8: Friedrichstrasse 114, I. BmaBwal Polslerwaren. ni o nei««»Äf seimiz. 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