Anterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 135. Dienstag, den 14. Juli. 1903 (Nachdruck verboten.) � Böfe Rächte» Roman von Jonas L i e. „Ich sage Dir. Vater, ich lasse mir das nicht länger ge- fallen!" rief Klaus, während tiefe Zornesröte sein Antlitz bedeckte. Krrr.—— Gjertrud hörte, wie er mit den Händen in den Rocktaschen herumfuhr, das; das Futter rijz. „Das hast Du wirklich prächtig eingerichtet, um mir zu einer Niederlage zu verhelfen." „Konnte ich das wissen!" schrie Klaus, die Serviette zu- sammcnballend. „Ach nein.— Du wußtest es nicht,— das wäre böswillige Verleumdung,— dergleichen muß man im Gefühl haben, wenn man ein wenig Interesse oder Herz für eine Sache hat." „Ich kündige meine Stellung auf dem Comptoir,— sofort.— ich bleibe keinen Tag länger."— Er wollte aufspringen. „Nun, nun, ich muß mich ja auch in die Sache finden. ---- Ich habe heute eine gründliche Niederlage erlitten.— Hab' Dank, Klaus, für Deinen liebevollen und fürsorglichen Beistand bei dieser Gelegenheit," ertönte die zornbebende Grabesstimme. „Das ist gemein,— mir die Schuld aufzubürden!— Zum Teufel auch!" brüllte er und schleuderte den Stuhl zurück,—„das ist wirklich zu gemein,— ja, das sage ich.— Mutter kann es hören." „Wenn ich Dir Deinen wohlverdienten Lohn gebe,"— der Direktor schnellte in die Höhe, und Klaus wich ein wenig zurück. „Vater!" rief Gjertrud,—„bedenk', was Du thust!" „Er findet, daß er heute musterhaft gehandelt hat, in- dem er seinen Vater im Stich ließ," höhnte der Direktor. „Ja, ich werfe � die ganze Sache über den Haufen, das thu' ich," rief Klaus.„Vater denkt wohl, daß ich mich auch noch von ihm soll priigeln-lassen!— Meinetwegen mag alles gehen, wie es will.— Ich will Euch keine Umstände und Schwierigkeiten mehr machen!— Ich gehe meiner Wege!" -- Mit einem Fluch stieß er den Stuhl, der ihm im Wege lag, beiseite, so daß er hinsauste, und stürzte hinaus. Sie hörten, wie die Dielentbür knallend ins Schloß fiel und sich die Schritte iiber die Treppe verloren. „Ein unerzogener, hitziger, frecher Bursche!"— rief der Direktor aus, erregt im Zimmer auf und nieder gehend. „Er soll ordentlich zu Kreuz kriechen, ehe er meine Vergebung erlangt.-- Soll lernen, sich zu mäßigen."— Hastig verließ er die ungemütliche Walstatt, wo der Stuhl, die Beine nach oben gekehrt, am Ofen lag. und begab sich auf das'Comptoir.. „Nimm schnell den Stuhl auf, ehe das Mädchen kommt, Gjertrud," sagte die Mutter. „Es ist empörend, Mutter!— Klaus so zu behandeln, der doch alles thut, um es dem Vater recht zu machen.— Man hätte wirklich Lust"— „Es ist nichts als üble Laune, Du. Wir müssen es nur vorübergehen lassen.— Vater kann es nicht ertragen, wenn etwas gegen seinen Willen geht."—— „Gegen seinen Willen?— Die andren können doch wohl auch ihre Ansichten in dieser Welt haben.-- In Bezug auf diese Diligcnce bin ich völlig auf Johnstons Seite.— Ich kann überhaupt in der letzten Zeit so ganz und gar nicht mehr mit dein Vater auskommen. Sagt er ja, so prickelt es förmlich in mir, nein zu rufen!"-- Frau Bratt war allein iin Zimmer. Sie trat an das Fenster, sah hinaus und lauschte,— dann wanderte sie auf und nieder.-- Armer Klaus! Seine gerade Natur er- trägt keine llngerechtigkcit.-- ES währt lauge, ehe man daS lernt.-- Der Direktor öffnete die Thür und guckte hinein: „Tu, Jette, hast Du etwas von ihm gehört?— Kannst Du begreifen, wo der Junge geblieben ist?" „Er hat wohl nicht so genau über das„wohin" nach- gedacht: er mußte sich Luft und Bewegung verschaffen.— Du warst zu hart gegen ihn, Bratt!" „Hm,— er hat einen so unbändigen Sinn. Es macht mich oft ganz besorgt um ihn."— Er ging, und man hörte seinen Schritt auf der Haus- thürtreppe. Er begab sich aufs Comptoir und von da wieder ins Zimmer hinein, die Mütze auf dem Kopfe. „Wo ist Gjertrud? Hinaufgegangen?— Ich finde, das ist ziemlich dickfellig. Sie hat reichlich wenig Gefühl, die junge Dame!-- Ah! Sie ist dadrinnen.— Ach, Gjertrud, Kind,— zieh etwas über und lauf einmal durch den Garten, und sieh»ach, ob Klaus da vielleicht sitzt und schmollt.— Ich bin ein wenig besorgt seinetwegen: wo er nur geblieben sein mag: er wäre im stände, die Nacht über dort sitzen zu bleiben. — Beeile Dich ein wenig,— ich warte hier an der Dielen- thür.-- Er war nicht da?— Du hast ihn nicht gesehen?— Kannst Du das begreifen? Wir müssen in die Leutestube hinüber und LarS ausschicken." Es war etwas Verzerrtes im Gesicht des Vaters, das sie stutzig machte. „Ich denke, wir beide nehmen eine Laterne, Gjertrud, und gehen aus, um ihn zu suchen: es ist nicht gut, so viel Aufsehens von der Sache zu machen." Gleich darauf durchschritt er die Finsternis in der Richtung nach dem Sägewerk und dem Strom zu, während ihm Gjertrud folgte. Bei einer Oeffnung zwischen den Gebäuden, wo das Wasser schwarz zu ihren Füßen rauschte, stand er still und starrte beim Schein der Laterne mit erdfahlem Gesicht in die Tiefe hinab.—— „Nein, Vater!" rief Gjertrud aus. „Du glaubst doch nicht, daß er so ganz außer sich vor Verzweiflung war?" fragte er leise. „Bewahre, Vater!" entgegnete Gjertrud.-- „Jette, Jette,"— sagte er drinnen im Zimmer:— der Knecht hatte in den Wirtschaftsgebäuden nachgesucht, Gjertrud war auf eigne Hand ausgewesen, und er selber kam soeben zurück, nachdem er die Landstraße abgestreift hatte:— „es fehlt nur, daß ich ihn zur Verzweiflung getrieben habe,— man kann nicht wissen,— bei seiner Heftigkeit."-- Er setzte sich: der Schweiß perlte ihm von der Stirn herab. „Was meinst Du, Jette?— Du willst es nur nicht sagen. um mich nicht zu betrüben.-- Oder meinst Du, daß ich meine?lngst übertreibe?" flehte er fast. --—„Wenn nicht dies unbändige Blut in seinen Adern flösse,— der Junge war wirklich ganz unschuldig an der Sache."— kam es in Absätzen heraus, während sie bei der Lampe dasaßen. Es war bereits halb ein Uhr:—„ich habe ihn ja förmlich überfallen.---, So brav und gut und zuverlässig wie er ist,— man kann lange nach einem so soliden Jungen suchen, und dabei so tüchtig!"--- Er trat an seine Frau heran und preßte und drückte ihre Hand.—„Ich habe ein Gefühl, als wenn ein großes Unglück geschehen wäre7-- wenn ich nur wüßte, wo er ist!-- Sage doch Gjertrud, daß sie hinaufgeht und sich legt." Er fing an, heftig im Zimmer auf und nieder zu gehen.— „Du kannst es auch wohl nicht mehr aushalten, Jette,— ich bleibe hier sitzen." „Du weißt ja, daß ich doch nicht schlafen kann, Bratt, ich bleibe bei Dir." „Wir müssen alles gründlich untersuchen lassen, sobald es Morgen wird. Wenn etwas geschehen ist, dann liefere ich mich selbst der Polizei aus," sagte er finster.—— Es kam jemand die Hausthürtreppe hinauf, die Dielen- thüre wurde leise geöffnet und wieder geschlossen. Der Direktor stand still, regungslos.-- Man hörte reden und protestieren. Es war GjertrudS Stimme: sie flüsterte eifrig und übe»» redete den Bruder, hinauf und in sein Zimmer zu gehen. .Er ist in der Stadt gewesen und hat sich einen Rausch angetrunken," entschied der Direktor. „Aber. Jette,"— er Preßte sie lange und heftig an seine Brust, und sie fühlte, wie er zitterte;—„er soll morgen kein Wort darüber hören." „Nun ist Klaus nach Hause gekommen; er ist hinauf- gegangen und hat sich schlafen gelegt," meldete Gfertrud un- befangen zur Thür hinein. „Tu mußt Dich in acht nehmen, damit die Heftigkeit nicht Neberhand in Dir gewinnt, liebe Gfertrud," ermahnte er sie sanft, als sie Gute Nacht sagte,— er dachte daran, wie sehr die Tochter ihm glich. Nach einem bewegten Abend hatten sie sich alle zur Ruhe begeben, und der Direktor wanderte allein auf seinem Comptoir auf und nieder. Er war ganz am Ende. Das eine Unwetter hatte heute das andre übertäubt, und die in der Versammlung erlittene Niederlage fing wieder an, vor ihm aufzutauchen. Ihm wurde ganz warm ums Herz bei der Erinnerung daran, wie er den ersten Beamten des Distrikts, den Landrat, heruntergemacht, weil er eine Eisenbahn für eine Diligence mit fünf Haltestellen geopfert hatte.--- Er hatte sie einen nach dem andern mit der größten Kaltblütigkeit bloßgestellt. Und wenn er sich damit begnügt hatte, von Johnston zu sagen, daß dieser Mann mit seinen ungewöhnlichen Anlagen sich leiten lasse wie ein unmündiges Kind, so hatte er ihn so viel wie möglich geschont.— Er hatte die Versammlung klug und besonnen geleitet-- Erst als ihm klar wurde, daß man ihn überstimmen würde, hatte der Zorn ihn über- mannt, so daß er alle Rücksichten außer acht ließ und ihnen die Hölle so heiß machte, daß sie es so leicht nicht wieder ver- gessen sollten!— hatte ihnen die ganze Freude an der kolossalsten Dummheit versalzen, die man überhaupt begehen konnte. Er vertiefte sich in den Genuß, den ihm der Gedanke gewährte, wie er sie gezwiebelt, sie in die Enge getrieben und ihnen das Messer an die Kehle gesetzt hatte. Und Johnston!— er kam wieder auf ihn zurück;— hm,— er hat natürlich nicht die geringste Ahnung davon, daß er an der Spitze gestanden hat, um mir, seinem Freunde, eine schimpfliche, öffentliche Niederlage zu bereiten.—— Er wiederholt dasselbe ebenso lächelnd und ebenso unschuldig noch einmal, wenn's darauf ankommt.--- Es ist doch merkwürdig, daß er es nicht fertig bringen kann, aus guter Ueberzeugung auf meine Seite zu treten.— Und sich dann auf diesen Einfall des Landrats so zu ver- beißen!—— Das ist wirklich eigentümlich, sonderbar,— sieht beinahe aus, als wäre System darin, eine Absichtlichkeit, die gegen mich gerichtet ist.--- Und ob er nun geruht, es zu wissen oder nicht, so bin ich doch auf alle Fälle derjenige, der augenblicklich hier in der Stadt das Scepter schwingt, und nicht er! Es wallte und wogte stärker und stärker in ihm,— ein überströmendes Gefühl von Bitterkeit, Groll, Scham, stummer Wut, weil er verloren hatte,— bemächtigte sich seiner. Ja, nun konnten sie reden, konnten sie frohlocken,— jetzt gingen ihnen die Münder im Klub und rings umher in der Stadt,— nun hatten sie ihn überwunden.—■—— Ja, es würde vielleicht eine Zeit kommen, wo er es ihnen heim- zahlen konnte. (Fortsetzung folgt. X (Nachdruck verboten.) Oie cleutleke 8uäpolar-6ocpeclftion. Der Führer der deutschen Südpolar- Expedition, die vor zwei Jahren, am lt. August l90l, nach der antarktischen Eisregion auf- gebrochen und jetzt glücklich zurückgekehrt ist, Professor Erich von D r y g a l s k i, hat einen kurzen Bericht über den Verlaus der Expedition vcröfsentlicht, aus dem man ersehen kann, in welchem Matze die Aufgaben der Expedition gelungen sind, wenn auch die speciellen wissenschaftlichen Ergebnisse noch der genaueren Durch- arbeitung harren. Drygalski ist in der Polarforschung kein unerfahrener Mann, sondern hatte bereits einen klangvollen Namen, als er, der Dreiund- dreißigjährige, vor fünf Jahren zur Leitung der damals geplanten Expedition nach dem hohen Süden gewählt wurde. Schon 1891 war ihm, der damals erst 26 Jahre zählte, von der Berliner Gesellschaft für Erdkunde die Leitung einer wissenschaftlichen Expedition nach Grönland zur Untersuchung der Bewegungen des grönländischen In« landeises übertragen worden. Den Sonnner 1891(2. Mai bis 13. Oktober) brachte er mt der Westküste Grönlands am Umanak-Fjord, unter 71V- Grad nord» licher Breite zu, um vorläufige Untersuchungen anzustellen. Dia Hauptexpedition, die am 27. Juni 1892 unter Drygalski wieder am Umanak-Fjord anlangte, blieb dort länger als ein volles Jahr; erst: am 27. August 1393 verließ sie Grönland, wo sie namentlich im Winter über die Bildung und Bewegung des Inlandeises wichtige Aufschlüsse erhalten hatte. Im Plane jener Expedition hatte es nicht gelegen, die unbe- kannten Gebiete am Nordpol aufzusuchen, wie es z. B. Nansen einige Jahre später that, sondern in bereits bekannten und regelmäßig erreichbaren Regionen sollten diejenigen Verhältnisse näher erforscht werden, welche den eigenartigen geographischen Charakter Grönlands bedingen, und dadurch auch für die gesamten Verhältnisse in der nördlichen Polargegend so entscheidend sind. Daher suchte Drygalski nicht, auf einem Schiffe möglichst weit nach Norden vorzudringen. sondern auf dem Lande wurde eine feste Station errichtet und von ihr aus das Innere durchforscht. Eine gewisse Aehnlichkeit hatte auch die diesmal von Drygalski nach dem Süden geführte Expedition in ihrer Anlage und Ausgabe mit jener vor zehn Jahren ausgeführten. Zwar war die jetzige Expedition bedeutend umfassender; sie führte ja in unbekannte, noch niemals durchforschte Gegenden, zu unbekannten Meeren und, wie man annahm, zu unbekannten Ländern, daher mußte der Kreis der Auf- gaben viel weiter gesteckt sein, als damals. Von ganz besonderen Wichtigkeit waren diesmal die erd-magnetischen Beobachtungen, die gerade aus den antarktischen Gegenden nur so spärlich zu erhalten sind. obwohl ihnen ein ganz bedeutendes wissenschaftliches und praktisches Interesse für die Schiffahrt zukommt. Ebenso war die Expedition für Tiesfee-Beobachtungcn ausgerüstet, sie sollte die Meerestemperatur und Meeresströmungen feststellen, sowie das Leben in den Meeres- schichten wie auf dem Lande ergründen. Dieser Teil der Arbeiten lag übrigens demselben Manne ob, der Drygalski auch schon auf der Grönland-Expedition als Zoologe begleitet hatte, Professor Dr. Vanhöffen. Aber im Plan der Expedition lag es auch diesmal, an dem un- bekannten Lande, das man zu erreichen hoffte, zu landen, eine feste Station darauf zu errichten, um gerade während des Winters auf dem Lande selbst die Vildungs- und Bewegungsverhältnisse des Eises zu erforschen. Dieser Teil der Aufgabe konnte, wie wir sehen werden, nicht vollständig in dem vorher geplanten Umfange erfüllt werden. Das Schiff der Expedition, der„Gauß", wich in der Bauart von Nansens„Fram" etwas ab. Wirft man einen Blick auf die Karte des Nordpols und die des Südpols, so fällt ein charakteristischer Unterschied fofort in die Augen: dort nach Norden sich hinziehende Landmasscn und das Eismeer von Land umschlossen, ein gewaltiger Binnensee, dessen Wasser an den verschiedensten Stellen durch förm- liche Jnselgewirre zusammengedrängt werden, und nur durch wenige schmale Wasserstraßen mit dem Weltmeer verbunden sind, hier im Süden dagegen das Meer von keinem Lande eingeengt, Afrika, Australien, und selbst Südamerika weit nördlich bleibend, zwischen ihnen die ungeheuere Wasserwüste, aus der nur spärliche Inseln her- vorragen. In der Eisregion selbst/soweit sie bis jetzt erforscht ist. sich weit hinziehende Küsten, Viktoria-Land, Wilkes-Land, die wohl zusammenhängen und vielleicht auch mit den von ihnen entfernter liegenden Andeutungen vom Land verbunden sind. Bei dem vom Lande sich nach allen Seiten ftei ausdehnenden Meere sind so gewaltige Pressungen des Eises, wie sie in den nörd- liehen Polargegenden regelmäßig eintreten, nicht wahrscheinlich, auch treten sie nach den übereinstimmenden Erfahrungen der Südpolar- forscher nicht ein; deshalb brauchte man bei der Bauart des„Gauß"' nicht in erster Linie auf den Wioerstand gegen Eispressungen Rück- ficht zu nehmen. Als Drygalski vor vier Jahren, aus dem inter- nationalen Geographcn-Kongretz in Berlin, wo er den Plan aus- einandersetzte, hierauf näher einging, wandte Nansen wohl mit Recht ein, daß man noch gar nicht wisse, wie sich im höheren Süden die Verhältnisse gestalten, ob man da nicht auf eine zerrissene Inselwelt stoßen könne, bei der die gewaltigsten Eispressungen stattfinden. Gewiß mußte der„Gauß" auch hiergegen widerstandsfähig gemacht werden, doch stand bei der weiten Reise die Seetüchtigkeit an erster Stelle, wodurch ein Abweichen von der Bauart der„Fram" bedingt war. Die Probe, wie weit der„Gauß" Pressungen Stand hält, ist nicht gemacht worden; in sehr hohe Breiten hat er nicht vordringen können, und so blieb er, auch als er während des Winters eingefroren war. von Pressungen verschont; die einzige wirkliche Pressung, die er er- lebte, die aber nach Drygalskis Bericht auch gelind ausfiel— sie fand am 31. März 1993 statt— überstand er vortrefflich. Die Küste von Wilkes-Land, an welcher der amerikanische Polar- forscher W i l k e s 1849 entlang fuhr, erstreckt sich unter dem Polar- kreise, ihm ungefähr parallel, von 1S8 Grad bis 1951/, Grad östlicher Länge in einer Ausdehnung von rund 2399 Kilometern. 3 Grad weiter östlich ist ein wenig nördlicher, unter 67 Grad südlicher Breite. wieder Land verzeichnet, Termination-Land, nach Osten die äußerste Grenze von Land, das Wilkes erblickte; doch war das Vorhandensein von Land hier zweifelhast, Wilkes selbst bezeichnete das, was er ge- sehen, nur als„scheinbar Land(sppe-rence c>k lanck)". Nach Osten zu findet man Land dann erst wieder, ebenfalls unter dem Polar- kreise, unter 69 Grad und 53 Grad östlicher Länge, also 1399— 2990 Kilometer von dem östlichsten Punkte von Wilkes-Land entfernt, nämlich Kemp-Land und Endcrbh-Land. letzteres wurde 1331 von dem Robbenschläger John Biscoe. crsteres 1S33 von dem Robbcnschläger Kemp festgestellt. Ist Termination-Land vorhanden, und erstreckt sich Wilkes-Land weiter nach Osten, so daß hier vielleicht ein zusammenhängender Kontinent bis Kemp-Land existiert? Das sind einige der Fragen, zu deren zweifelsfreier Beantwortung speciell die deutsche Südpolar- Expedition beitragen sollte. Daß auch in dem Räume zwischen Wilkes- und Kemp-Land Land vorhanden ist, ist zweifellos. Im Jahre 1874 machte die be- rühmte Challenger- Expedition unter Rares einen Vorstoß nach Süden in jenen Gegenden, wobei zwar Land nicht erblickt wurde, aber an drei Stellen im Treibeisgebiet, wo die Lotungen Tiefen von über 2000 und 3000 Meter zeigten, wurden Grundproben aus blauem Schlick gewonnen, die sicher kontinentalen Ursprunges sind, und andere Grundproben aus Felsstücken, welche deutliche Spuren glacialer Wirkung zeigen. Auch die zahlreichen frischen Eisberge. die in jenen Gegenden getroffen werden, deuten auf die Nähe zu- sammenhängender Landmassen. Die lange Seefahrt des„Gauß" nach dem Schauplatz der Thätig- keit der Expedition ging sehr glücklich von statten. Am 30. Januar 1002 wurde die deutsche Expedition auf den Kerguelen-Jnseln er- reicht, und schon am nächsten Tage ging es in südöstlicher Richtung weiter, dem Eismeere zu. Während der Fahrt zur Eiskante, war die See zlvar unruhig und stürmisch, doch konnten die biologischen, oceano- graphischen, erdmagnetischen und meteorologischen Arbeiten in regel- mäßiger Weise ausgeführt werden. An, 13. Februar erreichte man nördlich von der von Wilkes angegebenen Lage von Termination-Land das erste Scholleneis, schon zwei Tage darauf befand sich das Schiff zwischen großen und schweren Schollen, welche die Fahrt mehrfach hinderten. Man fuhr hier soweit nach Süden als möglich, ohne Land zu erblicken: auch die Lotungen ergaben wohl geringere Tiefen, als weiter nördlich, doch nicht so große, daß sie auf Land in unmittel- barer Nähe schließen lassen. Verschiedentlich hatte auch Drygalski den Eindruck von Land, doch wurde er regelmäßig auf eine bestimmte Form besonders langer Eisberge zurückgeführt, die hier häufig waren und Land vortäuschen können. Es erscheint demnach als sicher, daß an der angegebenen Stelle von Termination-Land eine Küstt nicht vorhanden ist; doch schließt auch Drygalski aus der dort gefund�en Fülle und Form der Eisberge und den Erfahrungen, die er später über das Verhältnis solcher Ansammlungen zum Lande machte, daß ze nicht allzu fern liegen könne. Nach diesen Feststellungen, und da hier ein Iveiteres Bordringen nach Süden nicht möglich war, wurde der Kurs des Schiffes am 18. Februar westwärts und südwestlich gewendet, um dort möglichst weit nach Süden zu gelangen. Offenbar näherte man sich hierbei sehr rasch dem Lande, ohne es zunächst in Sicht zu bekommen: schon am 10. Februar ergaben die Lotungen bei 240 Meter Grund, am folgenden Tage fand man zwar wieder Tiefen von 000 Meter, aber am 21. Februar war man ganz deutlich etwa 4 Kilometer vor einer mit Eis bedeckten Kiiste: das Eis steigt auf ihr zuerst steil, nach Süden zu langsamer an und machte den Eindruck, als ob eS ein hügeliges Land überzieht. Das Meer war 401 Meter tief. Den ganzen Tag fuhr das Schiff westwärts, um von dem neu entdeckten Lande — es wurde mit dem Namen Kaiser Wilhelm H. Land getauft— diejenigen Ausschlüsse zu erlangen, die man mzngels eisfreier Stellen erhalte n konnte. Aber schon früh am folgenden Tage, am 22. Februar, wurde das Schiff von dem von Osten her fchrull herandringenden Scholleneise besetzt und befand sich bereits am Morgez, von schweren Schollen umbaut, in fester Lage, in der es ein volles Jihr, bis zum 8. Februar 1003, verblieb. Die geographische Pofchoi, dieses Winterlagers war 60 Grad südlicher Breite, 80 Grad 48 Minuten östlicher Länge. Der Vorstoß nach Süden hatte also nur bis ganz nahe m den Polarkreis geführt; doch hängt dies eben von der Erstreckung der Küste ab. Bedenklicher war vielleicht der Umstand, daß das Schis festgefroren war, ohne daß es gelang, einen geschützten Platz zum Ueberwintern am Lande aufzusuchen und dort die Station zu er- richten. Zwar schreibt Drygalski, daß der Platz für den Hauptzweck der Expedition, enie wissenschaftliche Station zu gründen und mög- lichst durch den Verlauf eines Jahres in Betrieb zu halten, gar nicht giinstiger hätte gewählt werden können. Dann ist der Zufall zu preisen, der das Schiff gerade in einer solchen Lage fcstkommen ließ, aber mehr noch der von der menschlichen Thätigkeit ganz unab- hängige Umstand, daß es im nächsten Jahre wieder fteikam. Nur 0 Kilometer östlich vom„Gauß" hatte man das ganze Jahr hindurch Waken und darin schiebendes Scholleneis: aber das Schiff selbst war durch eine Reihe von Eisbergen, die an dem nur 200 Meter tiefen Grund festsaßen und nach Osten umbiegend eine sichere Bucht bildeten— Drygalski nannte sie Posadowsky-Bucht—, gegen die anschiebenden Schollen geschützt, da diese durch die vor- herrschend östlichen Winde und Stürme stets gegen diese Eisberge gedrückt und dort gehalten wurden, so daß in dem Meere selbst keine Verschiebung stattfand. Es war daher möglich, die magnetischen Observatorien sowie eine meteorologische Station und eine astronomische Beobachtungshütte auf dem Eise so sicher und fest einzurichten, als wenn man auf dem Lande wäre, und die Verbindung mit dem Meere, die sich am Schiff und auch sonst verschiedentlich durch das Scholleneis hindurch fest- stelle» ließ, war namentlich für die biologischen Arbeiten vorteilhafter, als es bei einer Landstatiou möglich gewesen wäre. Das Land selbst, auf dem sich eine eisfreie vulkanische Klippe 360 Meter hoch erhebt— sie erhielt den Namen Gaußberg— wurde auf sieben Schlittenreisen besucht? die Schlitten wurden von Polar- Hunden, mit denen die Expeditton versehen war. gezogen. Eine der Reisen dauerte drei, eine andre sogar vier Wochen: auf ihnen fanden genaue Vermessungen des Gaußberges sowie Einmessungen eines Markensystems auf dem Inlandeis statt, dessen Bewegung dadurch fest- gestellt wurde. Daß auch meteorologische und astronomische Be- obachtungen angestellt, zoologische, botanische und geologische Samm- lungen augelegt wurden, ist selbstverständlich. Ungeheuere Schnee- stürme erschwerten die Arbeiten hier wie auf der Statton sehr häufig: so mußten auf einer der Landexpedittonen die acht Teilnehmer ein- mal volle 40 Stunden im Zelt zubringen, das glücklicherweise dem Sturme standhielt. Am 30. Januar 1003 wurde die Station eingezogen, da sich starke Bewegung im Eise bemerkbar machte; am 8. Februar brach es auf und das Schiff kam wieder frei. Bis zum 10. März fuhr es westwärts durch SchollenseiS, mit dem es zugleich nördlich trieb: an diesem Tage kam es unter 04 Grad südlicher Breite und 83 Grad östlicher Länge ganz aus dem Eise heraus. Hier beschloß Drygalski ttotz der schon vorgerückten Jahreszeit einen neuen Vorstoß nach Süden zu machen, um Ivomöglich die Küste noch einmal zu erreichen und so einen weitereu Beittag für den Zusammenhang zwischen Wilkes-Land und Kenip-Land zu erhalten. Zunächst wurde West- wärts an der Eiskante entlang gesteuert, doch war es schon am 17. März möglich, den Kurs nach Süden zu wenden, wohin offenes Wasser sich erstreckte: aber bald geriet man wieder in Scholleneis, und Ende März sah es ganz so aus, als ob das Schiff wieder fest- kommen würde. Damals wurde auch die einzige schon erwähnte Eispressung erlebt. Allerdings konnten auf großen Schollen die wissenschaftlichen Be- obachtungen der verschiedensten Art angestellt werden: aber an die Errichtung einer Station wie im Vorjahre war nicht zu denken. Jir der Nacht vom 7. zum 8. April tobte ein schwerer Osssturm, durch welchen große und schwere Schollen in kleinste Stücke zerbrachen, das anscheinend festgefügte Eisfeld in einen losen, wildbewegten Trümmerhaufen verwandelt wurde. Ein festerer Schutz im Süden war nicht mehr zu erreichen, da die Schollen schon zu stark waren, als daß das Schiff sie hätte durchbrechen können: so wurde denn am 8. April unter 05 Grad südlicher Breite und 70'/„ Grad östlicher Länge der Befehl zur Umkehr gegeben. Schon am folgenden Tage war man aus dem Eise heraus, worauf die Rückkehr glücklich von statten ging. Die rein geographischen Ergebnisse der deutschen Südpolar- Expedition sind nicht gerade übermäßig, wenn auch einige neue Anhaltspunfte für die Ausdehnung des antarkttschen Äonttnents ge- Wonnen sind. Dagegen ist es ein unzweifelhafter Erfolg, daß ein volles Jahr lang auf einer festen Statton wissenschaftliche Beobachtungen der verschiedensten Art in regelmäßiger Weise angestellt werden konnten. Der volle Wert derselben, speciell der magnetischen, wird erst nach ihrer gänzlichen Durcharbeitung und ihrer Zusammen- stellung mit den Resultaten der gleichzeittgen Expedittonen in andren Regionen des südlichen Eismeeres hervortreten.— Lt. Kleines feirilleton. ac. Berliner Arbeiter auf dem höfischen Parkett. Das klossen- bewußte Proletariat ist bei den deutschen Landesvätern nicht sonderlich gtt angeschrieben. Es bemüht sich aber auch gar nicht um die aler- löchste Gnade, ttotz des fortgesetzten Zuredens jener liberclen Mannesseclen, die das auftechte Rückgrat des deutschen Arbeiters gern auf ihre eigne Hundedemut herunterbeugen möchten. Sie haben ja wenig Glück damit, weil ihre eignen Erfolge als„Sei wr Majestät allergetreueste Oppositton dem Proletariat zun, warnenden Exunpel gereicht haben. Aber die deutsche Arbeiterklasse ist auch nicht ohne eigne Erfahrungen, welche Erfolge ihr durch Beschreiten des höfischen Parketts beschieden sein können. In den tastenden Anfängen der deutschen Arbeiterbewegung ist es hier und da vorgekommen,"tust Arbeiter im Zustande polittscher Unschuld die Redensart vom sostalen Königtum ernst genommen und aus tieffter Not die Hilfe der Monarchen an- gerufen haben. Es wird kaum eine merkwürdiger, Probe davon geben, als den Verzweiflungsschrei, den im Jahre 184c die Berliner Kattundrucker an König Friedrich Wilhelm IV. gerietet haben.. Diese Arbeiterkategorie war durch die Einführung arb-rster- sparender Maschinerie in einen Zustand chronischer Ärbeits- lostgkeit verfallen, so daß nur ein Viertel von ihnen genügende Arbeit hatte. Die Not war himmelschreiend und brachte die Aermsten dazu, am 22. Juli 1840 eine acht Bogen lange Denkschrift an den König zu richten, worin sie ihm ihr Elend klagten und seine Hilfe anflehten. An dem unterthänigen Ton des Geiuches werden die vornehmen Freunde des schlichten Mannes aus der Werkstatt ihre helle Freude habe»: aber auch klassenbewußte Proletarier werden sich freuen— nämlich über den Fortschritt, der inzwischen gemacht ist.„Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König, Allergnädigster König und Herr!", hebt die Denkschrift an,„Eure Majestät geruhen in landesväterlicher Huld aller- gnädigst das Wohl oder Wehe jedes einzelnen Allerhöchstdero 540— Gegenstande Allerhöchst Ihrer Unterthanen zum----,■■■■.. und Fürsorge zu macheu. Allerhochstdieselben fordern und mehren das erstere und mindern und entfernen das letztere, soweit des Menschen Macht und Menschen Weisheit im Besitze aller dazu erforderlichen Mittel es nur immer vermögen." In diesem Stile geht es dann weiter. Sie nahen sich in tiefster Ehrfurcht dem Throne Sr. Majestät, um an dessen Stufen eine wahrheitsgetreue Schilderung niederzulegen, wie sie im Lauf der Jahre immer brotloser und unglücklicher geworden sind, lvie sie bald insgesamt der Armenpflege zur Last fallen müssen, wenn dem nicht„durch die hohe Weisheit und Gerechtigkeit Eurer Königlichen Majestät" vorgebeugt wird. Demgemäß erfolgt zum guten Schluß das höfische Ersterben in Ergebenheit und Unterthänigkeit„Und so legen wir denn Allerunterthänigst die Entscheidung über unser und der unsrigen ferneres Schicksal in die Hände Eurer königlichen Majestät und bitten zu Allerhöchst Ihren Füßen allerinnigst: uns, die wir nur Arbeit wünschen,... auf die geeignetste und schleunigste Weiß helfen zu wollen. Allerhöchstdie>elben umfassen mit gleicher landes väterlicher Liebe alle Ihre Unterthanen! ihr Wohlergehen, ihr Glück liegt Allerhöchstdenselben sehr ain Herzen. Darauf stützt sich unsre Hoffnung, unsre Zuversicht; und so sehen wir mit einer wohl thuenden Beruhigung Allerhöchstdcro Allcrgnädigstem Bescheide ent- gegen, ersterbend: In tieffter Ehrfurcht Eurer Königlichen Majestät «illergetreueste und allergchorsamste Unterthanen, die 600 Kattun drucker Berlins durch ihre Deputierten." Der gänzlich nichtssagende Bescheid trieb den Kattundruckern ihre königstreuen Illusionen bald aus. Als sie wieder in einer schriftlichen Erklärung ihr Leid klagten, da Ivandten sie sich nicht an den König, sondern an ihre Mitbürger. Das geschah in der Revolutionszeit, am 19. Februar 1349. In dieser Erklärung ist die inzwischen erlangte Wertschätzung des Segens, der von oben kommt, mit dürren Worten ausgesprochen:„Wir haben gebeten und gebettelt lange Jahre, wo die Revolutionen noch nicht Mode waren, von Hcrodes zu Pilatus— beim Magistrat und bei den Ministern— selbst bei Sr. Majestät dem jetzt regierenden Könige in Sanssouci und haben keine Hilfe gefunden für unsre Not und Arbeitslosigkeit." Acht Tage nach dieser Erklärung sollten die vorübergehend„überzählig" ein- gestellten Drucker die Fabriken verlassen. Sie wollten nicht, weil . sie meinten, daß die Fabriken, moralisch betrachtet, viel mehr ihr Eigentum seien, als das der Herren. Aber da paukten ihnen die Säbel der Polizei und die Schießeisen der Scharfschützen nochmals die Lektion ein, daß der König, mit Heine zu sprechen, der König der Reichen, daß für den Arbeiter auf dem höfischen Parkett nichts zu holen sei.— — Einwirkung der Wälder auf die Hagelbildung. Daß die Regenmenge eines Landes zur Ausdehnung der Wälder desselben in engster Beziehung steht, ist längst erwiesen, wenig bekannt aber dürfte es sein, daß auch die Hagelbildung durch die Wälder bc- einflußt wird. Glücklicherweise aber geschieht diese Beeinflussung nicht in förderndeni, sondern in hemmendem Sinne. Die ersten und eingehendsten Beobachtungen über die zwischen Waldungen und Hagelfällen bestehenden Beziehungen stammen nuS der Schweiz, woselbst man in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf Grund statistischer Aufzeichnungen in den verschiedenen Kantonen zu der Ueberzeugung gelangte, daß in waldreichen Gegenden Hagelschläge entweder gar nicht oder doch nur in sehr ab- gesch vächtem Grade vorkamen, während sie sich nach umfang- reichen Abholzungen sofort in erheblichem Maße einstellten. In den entwaldeten Gegenden fanden die Hagelschläge zuweilen in solchem Umfange und solcher Heftigkeit statt, daß die angebauten Feld- und Gartenfrüchte der Vernichtung anheimfielen, weshalb man sie? schließlich gezwungen sah. die gefährdeten Flüchen allmählich wieder zur Waldwirtschaft zurückzuführen. Der Erfolg war über- raschend, denn die Hagelschläge nahmen von Jahr zu Jahr in dem- selben Maße an Häufigkeit ab, wie der Wald im Wachstum vorschritt, u.n schließlich ganz aufzuhören. Die in der Schweiz gewonnenen Erfahrungen veranlaßten Forsttneister A. Rörig über die einschlägigen Verhältnisse auch in Deutschland Erhebungen anzustellen. fand die Schweizer Ergebnisse nicht nur bestätigt, sondern"t gewann die Ueberzeugung. daß ausgedehnte Wälder völliger Immunität gegen Hagelschläge zeigen. Aus oer Fülle seiner Beobachtungen veröffentlichte Rörig in der..Naturwisseuschaftlichen Wochenschrift" zwei für obige Ansicht besonders charakteristische Belege, die hier in großen Umrissen wiedergegeben werden mögen.„Zwischen Marburg und Gießen waren von jeher die Höhen und Schluchten an der Lahn mit dichten Wäldern bestanden, und seit Menschengedenken hatte man von Hagel- schlügen daselbst nichts gehört. Dies änderte sich aber sofort, als vor wenigen Jahren in der Gemeinde Hattenhausen ein 700 Meterlanger und 200 Meter breiter Stteifcn urbar gemacht wurde, wodurch die südlich und nördlich vom Walde belegenen Felder miteinander in Verbindung traten. Die meist von Süden kommenden hagelführenden Gewittertvolken nahmen nunmehr regelmäßig ihren Weg über diesen Streifen Neuland und richteten ans demselben die ärgsten Verwüstungen an. Der zweite Fall betrifft das furchtbare Un- Wetter,_ das am 2. August 1891 einen großen Teil Westdeutschlands durchtobte und großen Schaden anrichtete. Es nahm seinen Anfang im Elsaß, durchzog die oberrheinische Tiefebene, die Wetterau, Heffen, den Regierungsbezirk Kassel und endete erst im südlichen Hannover.. Abgesehen von den Verwüstungen, die der Teilnahme I Wirbelsturm anrichtete, hatte der Hagelschlag besonders verderblich ' gewirkt. Dabei zeigte sich nun, daß die in der Nähe größerer Wald« bestände liegenden Aecker, wenn sie auch in der Zugstraße der Hagelwolken belegen waren, viel weniger gelitten hatten, als die von Wald entblößten oder ihm fernliegenden Kulturflächen. Diese Er« scheinung trat nicht etwa vereinzelt auf, sondern sie wiederholte sich auf der ganzen ungeheuren Strecke. Der eigentliche Wald hatte nirgends gelitten; nur wo Waldvorsprünge ins freie Feld hinaus« traten, zeigten sich Beschädigungen durch die Schloffen.— („Kölnische Zeitung'.) Astronomisches. io. DasSüdpolargebiet auf demMarshat Pro- fessor Barnard mit einem vorzüglichen Instrument der Lick-Stern« warte lange Zeit sorgsam beobachtet und veröffentticht jetzt über seine Wahrnehmungen im„Astrophyfical Journal" einen beachtenswerten Bericht. Das allgemeine Ergebnis zeigt, daß sich die Größe des auf der südlichen Halbkugel des Planeten vorhandenen weißen Fleckes nach Beendigung des Marswinters allmählich verringert und daß diese Zusammenschrumpfung bis einige Zeit nach der dorttgen Sommersonnenwende fortdauert. Daraus geht hervor, daß auf dem Mars ebenso wie auf der Erde die höchste Tem- peratur erst einige Zeit nach der sommerlichen Sonnenwende eintritt. Die Atmosphäre des Mars dürfte, obgleich wahr- scheinlich sehr viel dünner als die irdische, doch noch dicht genug sein, um jene Erscheinungen in den Polargebieten durch Niederschläge und Verdunstung hervorzurufen, und auch in freilich seltenen Fällen zu einer Wolkenbildung zu führen. Professor Barnard hält den großen weißen Fleck um den Südpol des Mars für eine wirkliche Schneeausammlung, während ein andrer hervor- ragender Sachverständiger, Dr. Johnstone-Stoney. zu der Anschauung gelaugt ist, daß er aus fester Kohlensäure besteht. Im besonderen lenkt Barnard die Aufinerksamkeit noch auf das Erscheinen einer eigentümlichen Hervorragung. die vom Rande des weißen Flecks in niedere Breiten zuugenartig' eingreift. In verschiedenen Jahren hat der Astronom diese Erscheinung an genau derselben Stelle beobachtet und festgestellt, daß sie etwa zwei Monate vor der sommerlichen Sonnenwende auf der südlichen Marshalbkugel sichtbar wurde. Sie war auch schon von einem andren Forscher 1877 beschrieben morden nnd wird auf eine Bergkette zurückgeführt, auf der der Wasser- oder Kohlensäureschnee langer liegen bleibt als auf der tieferen Umgebung.— Humoristisches. � Spekulativ.„Na dö hob'» ganz recht, dö Antialkoholisten. Dö soll ns so weit bringa, daß d' Leut gar koa Bier»immer trinken. Vielleicht wird's nachher billiger."—(„Siniplicissimus") — Die inneren Orga Wie bayrische Blätter ans H o f berichten, gab ein Gemeinded.ener, der nach Äbsolvierung eines Fleischbeschaukursus über die Beschaffenheit der Schlachtticre eraminiert wurde, auf die Frage„welches sind die inneren Organe?" die klassische Antwort:„Ich und der H e r r B ü r g e r m e i st e r!"— Notizen. — Billige Ausgaben von Max N o r d a u s Büchern Entartung" und �Drohnenschlacht' sind soeben bei Karl Dnncker(Berlin) erschiene».— — Der A l m a u a ch der Lustigen Blätter 1904", Preis 1 M„ ist soeben erschienen. — Paul Heys es„Maria von Magdala" ist ins Italienische übersetzt worden.— Oskar Wildes Schauspiel„Lady Windermeres Fächer" ist vom Deutschen Theater(Direktion Lindau) zur Aufführung angenommen worden.— A r m i d a", eine Oper von Anton Dvorak, Text von Jaroslav Vrchlicky, wird als erste Herbst« Novität im c z e ch i s ch e n N a t i o n a l- T h e a t e r in Prag in Scene gehen.— — Die Hauptversammlung des Badischen Architekten- und JngcnieurvereinS in Offenburg hat als dringend wünschenswert ve- zeichnet, daß die in Baden vorhandenen eigenarttgen älteren Bauten. z. B. S ch w a r z>v ä l d c r Bauernhäuser, vor Verunstaltung durch neue, der Landschaft nicht angepaßte Bauten geschützt werden sollten.— — Als Mittel. Ameisen aus den Häusern zu vertreiben, empfiehlt der Pariser„DebatS" v e r s efii in m e l t e Citronen. Der GeivährSmnnn des französischen BlatteS legte Stücke zerschnittener Citronen auf den Boden des Kellers, ließ sie dort, bis sie sich mit grünem Schirpme! überzogen hatten, und brachte sie dann in die von den Ameisen heimgesuchten Schränke usw. Es entwickelte sich darauf in den Behältnissen ein scharfer, an Schwefel- äther erinnernder Geruch, und nach zwei Tagen hatten die unlieb- samen kleinen Gäste das Feld geräumt.— Berantwortl. Nedatteur: Julius Kaliski in Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Vuchdruckcrci und Verlagsanstalt Paul Finger& Co., Berlin SW.