HlnterhallungMatt des Horwärts Nr. 166. Mittwoch, den 12. August. 1903 (Nachdruck verbalen.) St VLe)Zcdenbacker. Roman von Anton v. P e r f a l l. Drangen erregte Stimmen herüber vom Nachbarhof, ein Umstand, der sich allerdings häufig wiederholte, machte Lenz den Bruder sofort aufmerksam. „Hörst, wia s' streit'n? Jetzt glaub' i,'s is ganz z' End mit'n Einverständnis." Im übrigen war jeder Verbindungsweg der beiden Höfe dicht verschneit. Selbst vom Dorfe her führten zwei getrennte Fußpfade über die Felder. Der Zaun, welcher die beiden Anwesen schied, war sorgfältig ausgebessert, so wenig jetzt auch die Zeit war für derartige Arbeit, und die Lücke auf der Tenne, von welcher aus freie Aussicht war zu den Lchners hinüber, fand Flori eines Tages sorgfältig vernagelt. Man hatte sich auf beiden Seiten verschanzt und erwartete, jeden Ausfall vermeidend, mit gelassener Zähigkeit die Eröffnung der Feindseligkeiten. Es war der vierte Sonntag nach Dreikönig, nach un- unterbrochenem wochenlangen Schneefall, welcher jeden Ver- kehr unmöglich machte, die von der Fahrstraße entfernt Wohnenden aber völlig ins Haus bannte, der erste klare Tag. Ein zarter, rosiger Duft lag über dem Thal, so zart, daß man die letzten Sterne erbleichen sah am stahlfarbenen Firma- ment, während über die dunklen, in verschwommenen Umrissen hindurchschimmernden.Vorberge im Osten purpurne Gluten emporwallten. Sie ergossen sich ins Weite, da und dort kleine Wölkchen entzündend, bis die so prächtig Verkündete selbst in aller Glorie sich erhob, hinter der scharfen weißen Scheide des Hirschberges. Da wich mit einemmal der Dunst der Erde, und in Milliarden lichtsprühenden Funken glitzerten das Thal, der Wald, die weite Schneefläche des gefrorenen Sees, jeder Strauch, jedes Dach. Das war ein rastloses Einziehen und Ausstoßen von Lichtstrahlen, ein Ersterben und Wieder- aufleuchten, ein Lichtringen, das das Auge blendete. Und darüber hinweg schwangen sich die Grüße der Osterhofener Äirchenglocken, die zum sonntäglichen Gottesdienste luden. Heute verkündeten sie wirklich Erlösung aus ödem, end- losem Bann, und das fröhliche Farben- und Lichtspiel draußen, die rosig bekränzten Schneeberge ringsum verliehen dem Gries- gram Winter ein wahrhaft jugendliches Ansehen. In aller Frühe war der Schneepflug gegangen und hatte die Haupt- straße gesäubert; sie lag jetzt spiegelglatt zwischen den auf- getürmten Schneewällen, in festlicher Weiße, von welcher sich die grellen Farben der weiblichen Gewänder, das Ultramarin- blau der seidenen Spenzer, das Karmoisinrot der flanellencn Unterröcke kräftig abhoben. Von allen Höhen zogen sich bunte, lebendige Ketten hinab. Auch bei den Achenbachern brach man auf. Burgl stak in eitel schwarzer Seide. Der Spenzer war reich gefaltet, Blumenornamente darin gewirkt, der Rock straff in seiner Schwere. Eine silberne Schließe von alter Arbeit zierte den Hals, der Hut mit Goldgeschnür umwunden bis zur ab geflachten Spitze. Sic konnte sich gar nicht trennen von dem kleinen, schief hängenden Wandspiegel, immer gab es noch etwas zu rücken, glatt zu streichen. Lorenz stieß ungeduldig seinen Stock mit mächtiger Hirsch sprosse als Griff auf die Diele. „No, wird's amal? Der Vater möcht' a mit, da geht's ohnehin langsamer." Der alte Achenbacher stand schon lange unter der Thür, von Flori gestützt. Seit einem Jahre hielt er seine Sonntags- andacht stets zu Hause ab, in der heiligen Ecke, heute ließ er sich den Frühgang nicht ausreden, eine nervöse Unruhe hatte ihn gepackt. „Der Vater? Bei dem Schnee? Ja, was fallt denn dem ein?" erwiderte Burgl, den Hut feststcckend. „No warum? Wenn's ihm amal so vorgeht," meinte Lorenz.„Wer weiß, wie's nächsten Sonntag is. Heutzutag steht nix mehr fest—" Burgl war endlich fertig. Sie wandte sich, um zu gehen. Als sie den Alten erblickte, sah sie im stolzen Vollgefühl ihrer Kraft auf die zitternde, gebeugte Greisengestalt. „Geh, mach keine G'schicht'n! Wenn Dir was passierat, gab' ma uns d' ganze Schuld." Doch der Großvater schüttelte das Haupt.„Geb Dir kei' Müah net, Burgl, i geh', i muaß gehn!" Die letzten. Worte waren mit einer Entschiedenheit gesprochen, welche Burgl überraschte. Sie zuckte leichtfertig die Achsel.„Es habt's Sach'n, es Achenbacher!" Man ging, voraus Lorenz, dann Burgl. Sie raffte sorgfältig die Röcke die schmale Stiege hinab, die weiß aus- genähten zierlichen Stiefelchen saßen tadellos. Ihr folgte der Großvater, von Flori geführt. Schon lange wareii� Tritte laut hinter Flori, das Knarzen und Singen des Schnees. Es konnte niemand anders sein als die Lehner. Ob wohl das Reserl dabei war? Er hatte sie seit der Krankheit nicht mehr gesehen. Umzuschauen wagte er nicht. So versuchte er aus dem Geräusch der Tritte seine Frage zu beantworten, aber das quietschte und sang heute wirr durch einander. Plötzlich glaubte er einen wärmen Hauch zu verspüren ini Nacken, und eine Stimme flüsterte:„Guten Morgen, Flori!" Da tappte er schon mit dem Großvater neben hinaus in den tiefen Schnee,'s Reserl trippelte an ihm vorbei, die Augen züchtig niedergeschlagen auf das große Gebetbuch in ihren Händen. Er sah nur noch, daß ihre Backen wieder so rosig blühten wie ehedem, dann trat schon der Lehner in ihre Spur, mit einem hochmütigen Blick auf den geduldig wartenden Greis an seinem Arm. der, vom Schneelicht geblendet, das Haupt tief herabbeugte. Ihm folgte Lenz, die Hände in den Hosentaschen, die schmalen Schultern hoch hinaufgezogen, halb städtisch gekleidet. „Mach, daß Du'n in d' Kirch'n bringst," rief er Flori zu...Wär' schad, wenn er heut d' Predigt versäumat." Dann folgte die Lehnerin, mit Tüchern ganz verhüllt, einen mitleidig klingenden, wimmernden Gruß auf den Lippen.' 1 „Wer war denn das all's?" fragte der Alte, mühsam wieder den Steig betretend. „D' Nachbarsleut," flüsterte ihm Flori ins Ohr, den Blick auf das grüne Hüt'l mit dein Ädlerflaum gerichtet� das vor ihm immer wieder auftauchte. „Hat er net was g'sagt, der Lehner?" „Der Lehner gar nix, grad der Lenz. Du sollst d' Predigt net versäumen. Der weiß grad was von der Predigt!" „Vielleicht do! Vielleicht do! Schleun Di, Flori, schleun Di!" Dabei schleppte er sich mit einer nervösen Hast vorwärts. Die Lehner stießen jetzt auf die Achenbacherschen. Burgl drehte sich nur kurz um, dann ging sie erst recht langsam. In Osterhofen wurde zusammengeläutet. Drei Glocken klangen in lustigem Wirbel zusammen. „Is bald z'guat grad für den Werktag, des schöne G'läut." begann Lenz seine für die Vorgänger bestimmten Stichelreden. Doch der Achcnbacher trüg seinen Kopf immer gleich steif im Genick. Lenz ließ nicht nach. „Eigentlich so ma heut grad's Zügenglöck'l*) läut'n." Da blieb der Lorenz stehen und trat auf die Seite. Lenz fixierte ihn und die Bäuerin unverschämt beim Vorübergehen. Er hatte seinen Zweck erreicht, der Achen» bacher pustete nur so vor Zorn. r„ v.. ,, „Schau nur, daß Dir net anmal's Zugenglock l laut n — Galgenstrick!" würgte Lorenz mühsam in sich hinein. Urbans kurzer Gruß wurde nicht erwidert, nur Resls verlegener Knir bewog Lorenz zu einem rauhen„Grüß Gott!" Als sie vorüber waren, that Lorenz den Hut herunter und wischte sich mit dem Sacktuch den Schweiß ab. „Hast Du's g'hört?" wandte er sich dann an seine Frau. „Aber gelt, mir hast Du's net glaubt, daß a Mensch so schlecht ') Sterbeglöckchen. fein kann, am Heiligst'n si vergreif'n." Seine ganze Gestalt zitterte, als ob ans ihn selbst die Last dieser Schuld sich stürzte. „Am Heiligst'« vergreif'«!" Burgl zuckte die Achseln, „als ob der Pfarrer net selb'r vorangang bei der Sach. Der wird sie do net am Heiligst'« vergreif'«!" „Der Pfarrer!" Lorenz bog wieder in den Weg ein. „Als ob dem was z'lieg'n brauchat an unsrer Kirch! Js der als Bua schon'neingange und sein Vater und sein Groß- Vater? Lieg'« dem seine Toten dort begrab'n? Weiß der, ob er selb'r da z'lieg'n kommt? Aber was red' i denn mit Dir über solche Sach'n." Er griff wieder aus und stieß bei jedem Schritte seinen Stock auf die Erde, daß es weithin klirrte. Eben erklang'der letzte Glockenton� als die Achenbacher den Friedhof betraten. Die Kirche war schon gefüllt, sie mußten sich hindurch- drängen, um zu ihren Plätzen zu gelangen. Die Weiber stießen sich und betrachteten neidisch das stolze G'wand der Achenbacherin, die ohne einen Seitenblick in ihren Stuhl trat. Der Pfarrer trat heraus zur Sakristeithür, die Orgel intonierte brausend das Introitus, da schlurfte erst der alte Achenbacher herein, geführt von Flori. Sein Kommen erregte Aufsehen, selbst der Pfarrer, eine korpulente Erscheinung im besten Mannesalter, welcher sich eben zum Dominus vodiseum vorbereitete, zögerte einen Augenblick, als er ihn erblickte. Flori ging auf den Platz der Jungburschen, auf das Emporium unter der Orgel. Auch Lenz war dort, er kicherte mit seinen Nachbarn hinter dem vorgehaltenen Hute. Das Ljrie eleison ertönte von oben herab. Flori kannte die helle, quellklare Stimme, welche den Gesang jubelnd empor- trug. Das Emporium hatte, wo er stand, eine weite Aus- buchtung. Er beugte sich vor und erblickte zwischen den Notenpulten Resls Antlitz mit den feierlich niedergeschlagenen Augen, dem offenen Munde, dem die rührenden Töne ent- quollen. Und dann das Halleluja, dieser gewaltige Triumph- gesang der Kirche, der selbst den ungeschulten Sängern da oben Schwingen zu geben schien— da flatterte ihre Stimme empor wie eine Lerche. Flori trat das Naß in die Augen, er blickte unwillkürlich hinab auf seine Eltern, auf die Nachbarslcute in der zweiten Stuhlreihe dahinter. Die Macht des Ueberirdische« erfüllte seine Seele. Daß das Motiv ein sehr irdisches war, verstand er nicht. In dem Lichte, das sich jetzt auf ihn herabjenkte, das von dem goldglitzernden, von Weihrauchwolken mystisch verhüllten Altar ausströmte, aus all den verzückten Gesichtern der Heiligen und himmlischen Heerscharen leuchtete, riß Plötz- lich der Vorhang seiner engbegrenzten Daseinssphäre. „Wia man da no hass'n und si b'feind'n kann?" tauchte es in ihm auf. Selbst der Lenz hatte das Schwätzen gelassen und blickte ernst vor sich hin. Das Evangelium war vorüber. Der Pfarrer wandte sich zur üblichen Erklärung desselben, zur sonntäglichen Predigt. Die Kanzel war etwas baugefährlich: ein Gerücht, welches natürlich die Seehammer aussprengten, eine von den unzähligen Kriegslisten, welche seit Jahren spielten. Eine sichtliche Unruhe ging durch die ganze Versamm- lung, und auch der Pfarrer machte einen so sonderbaren be- fangenen Eindruck. Er räusperte sich wiederholt, flüsterte dem Mesner, einem alten, ewig beweglichen Manne, etwas ins Ohr. „Jetzt geht's los! Des wird a G'schwürb'l geb'n!" kicherte Lenz zu seinem Nachbar: dann wandte er sich nach Flori um mit einem Lachen, dessen Bedeutung diesem nicht unklar sein konnte. (Fortsetzung folgt, js (Nachdruck verboten.) Vie f)ol2not. Seitdem wir mit Kohle heizen und Eisen und Stahl zu allen möglichen Dingen verwerten, muß das Holz an Bedeutung verloren haben. Das ist eine landläufige Ansicht, die mmi oft zu hören be- kommt. Sie trifft aber nicht zu. Wohl ist der Verbrauch an Brennholz in Deutschland seit dreißig Jahren gleich geblieben, aber der Bedarf an Nutzholz ist in stetem Wachstum begriffen. Der Grund hierzu liegt nicht allein in der Zunahme der Bevölkerung, gegen früher wird überhaupt mehr Holz zu Bauten, Möbeln u. dgl. ver- wendet. Vor 50 Jahren verbrauchte jeder Einwohner Deutschlands für sich V. Kubikmeter Nutzholz jährlich. 1370 war dieser Bedarf schon auf V» Kubikmeter gestiegen und gegenwärtig beträgt er bereits V- Kubikmeter für den Kopf der Bevölkerung. DaS Zeitalter des Dampfes und der Elektricität verbrauchte, als es reformierend auf den Verkehr einwirkte, Massen von Holz. Man denke nur au die Mengen Holz, die für Eisenbahnschwellen, zum Bau von Waggons, zu Telegraphenstangen verwendet werden muhten, und an die Bretter und Planken, die in den wachsenden Handelsflotten der Welt stecken I Der Handel ist auch ins unermeßliche gestiegen, zum Verpacken der Waren braucht er unzählige Kisten und Fässer. Das sind neue oder gesteigerte Bedürfnisse, die unsre Wälder befriedigen müssen. Im Vergleich zu verschiedenen andren Kulturstaatcn ist Deutsch- land kein waldarmes Land. Ein Viertel seiner Gesamtfläche ist mit Wald bestanden; naturgemäß hält er sich an die Gebirge. Die im Jahre 1S00 gemachten statistischen Erhebungen zeigen, daß Süd- deutschland reicher an Forsten ist als Norddeutschland. In Baden bildet der Wald 37 Proz. der Gesamtfläche, in Bayern 32 Proz., in Württemberg und Elsatz-Lothringen SO Proz., in Hessen 31 Proz. und in Hessen-Nassau sogar 39 Proz. Die waldreichsten Staaten Teutschlands sind Schwarzburg-Rudolstadt mit 43 Proz. und Sachsen- Meimngen mit 42 Proz. Wald, der waldärmstc Staat aber Oldenburg mit nur 10 Proz. Forsten. Insgesamt bedecken die Forsten und Holzungen Deutschlands eine Fläche von rund 14 Millionen Hektar. Würde man diesen Wald unter die Einwohner Deutschlands verteilen, so bekäme ein jeder Mann, Frau oder Kind, ein kleines Wäldchen von 59 Meter Breite und 59 Meter Länge. Mail sollte meinen, daß ein solches Wäldchen gc- nügen dürfte, um den Bedarf einer Person an Nutzholz zu decken. Leider ist es aber nicht der Fall. Die Handelsstatistik zeigt, daß wir z. B. im Jahre 1391 Nutzholz und Holzwaren im Werte von rund 219 Millionen Mark eingeführt und nur für rund 199 Millionen Mark von diesen Handelsartikeln ausgeführt haben. Dabei bezifferte sich die Ausfuhr an fertigen Fabrikaten allein auf 77 Mill. Mark. Daraus folgt, daß wir für blankes Nutzholz dem Auslande weit über 199 Millionen Mark bezahlen mußten. Die Summe« bleiben sich jahraus jahrein nicht gleich; sie sind wie der Holzhandel bedeutenden Schwankungen unterworfen; es zeigt stch aber, daß wir immer mehr auf Bezug von Nutzholz aus dem Ausland angewiesen sind. Wir schlagen jährlich aus unfern Wäldern etwa 59 Millionen Kubikmeter Holz heraus; dabo» sind nur 29 Millionen Kubikmeter Nutzholz und etwa 9 Millionen Kubikmeter müssen wir vom Ausland beziehen. Bemerkenswert ist es, daß wir auch den Bedarf an Hölzern zur Cellulose- und Papicrfabrikation allein nicht decken können, sondern davon im Iahte 1991 für etwa ö Millionen Mark hinzu- kaufen mußten. Ueber Waldverwüstung können wir in Deutschland nicht klagen, unsre Forsten gehen nicht zurück; im Gegenteil, seit 29 Jahren ist sogar eine kleine Zunahme des bewaldeten Landes um etwas über 199 999 Hektar zu verzeichnen. An Oed- und Unland, das sich zur Aufforstung eignet, sind nur noch 359 999 Hektar ermittelt worden. Selbst wenn man diese bewalden und in der Forstwirtschaft die Er- zeugung von Nutzholz vervollkommnen würde, könnte man schwerlich dem Holzmangel zu Lande völlig abhelfen. Noch aus andren Gründen würde» wir aber auch in Zukunft auf de» Bezug ausländischen Holzes angewiesen sein. Die Bäume erzeugen unter dem Einfluß des Klünas verschiedenes Holz. Die wärmere Zone erzeugt Hölzer, die so dicht sind, daß sie unter Wasser sinken und nur schlver mit Instrumenten sich bearbeiten lassen, wie das Ebenholz und Eisenholz. Dieser Art ist auch das Guajakholz von Westindien und Südamerika, das ein specifisches Gewicht von 1,3 besitzt und zu verschiedenen technischen Zwecken und auch zur Ver- fertigung von Kegelkugeln benutzt wird. Von dem edlen Mahagoni- holz braucht man näheres nicht zu erwähnen; der Wert semer Ein- fuhr nach Hamburg belauft sich auf etwa ein« Million Mark. Schließ- sich sei noch das Teakholz erwähnt, das im Schisssbau häufig sogar dem Eichenholz vorgezogen wird. Verschieden von unserm mitteleuropäischen Holz ist auch das nordische Holz, obwohl es dem unfern nahe verwandt ist und von denselben Baumartcn abstammt. In Skandinavien und in Finnland wachsen aber die Fichten und Kiefern viel langsamer, in dem kurzen Sommer bilden sie kleinere Jahresringe. So liefert uns Skandi- navien langsam gewachsenes, engringiges, fast astreines, schlankes, aber nicht starkes Holz, das zur Bautischlerci unentbehrlich ist. Die nordischen Bretter sind feinfaserig, bis 29 Centimeter breit, die mitteleuropäischen dagegen gröber und bis zu 39 Centimeter breit. Auch Nordamerika hat besondere Holzarten, unter denen das der Pitch-pine oder Pech tiefer für uns von besonderer Bedeutung ist, Das Holz wird über den Ocean verfrachtet. Es ist hart und eignet sich sehr als Ersatz für das Eichenholz. DaS letztere wird bei uns leider immer seltener. Ein Kubikmeter Eichenholz, wie es der Schreiner zu feineren Arbeiten braucht, kostet 159 M., Pitch-pine von gleicher Beschaffenheit ist für 79 M. zu haben. Freilich ist das Eichenholz besser und vornehmer; es wird darum für Ausstattungen in feineren Häusern verwendet; wo es sich aber darum handelt, billigeren und doch dauerhaften Ersatz zu schaffen, greift man zur Pechkiefer. Die Einfuhrmcnge dieses Holzes aus Amerika ist darum im Steigen begriffen, sie hat sich seit 1839 verdreißigfachtl Man bemüht sich zwar amerikanische Nadelhölzer bei uns einzubürgern. ob sie aber in unserm Klima ihre vorteilhaften Eigenschaften durch- weg bewahren, ist noch nicht mit Sicherheit erwiesen. Amerika würde gern noch größere Holzmengen auf den europäischen Martt bringen, namentlich billigere Sorten, aber die Transportschwierigkeiten sind noch zu groß. Lohnen würde sich das Unternehmen, wenn es gelänge. das Holz in Flößen über den Ocean durch Dampfer zu schleppen. Man hat das vielfach versucht, aber der Transport gelang nur auf kürzeren Äüstenstrecken, z. B. an der Westküste der Union. Sonst wurden die Flöße durch die Gewalt der Meereswogen auseinander- gesprengt, das Holz ging verloren, und obendrein Lkldeten die frei umhertreibendcn Balken eine Gefahr für die Schiffahrt. Unsre Hauptlieferanten bleiben darum die nahen Nachbarn, Rußland, Oestreich-Nngarn, Slandinavien. Zumeist werden die Wasserstraßen benutzt, da im allgemeinen das Holz den Eisenbahn- transport nicht verwägt. Bemerkenswert ist es, daß schon Bretter vom Schwarzen Meer nach dem Mittelrhein gebracht wurden; der Transport lohnt aber nur dann, wenn der Preis für 1 Kubikmeter Bretter auf 4l) M. sinkt. In Deutschland ist der Holzmangel noch nicht so sehr fühlbar; schlimmer ist England daran, das bei seiner Waldarmut verschwindend wenig Holz erzeugt, und vorwiegend auf Zufuhren von auswärts an- gewiesen ist. Fremdes Holz brauchen auch Belgien, Holland, die Schweiz, Dänemark. Frankreich besitzt L.ö Millkmen Hektar Wald, aber seine Forstwirtschaft war lange Zeit auf Erzeugung von Brennholz und Holzkohle gerichtet. Erst in der neueren Zeit hat sich der Uebergang von der Brennholz- zur Nutzholzwirtschaft vollzogen; doch bedarf es noch langer Zeit und vieler Geduld, sowie Verzicht- leistuiig auf augenblicklichen Gewinn, um Althölzer heranzuziehen und heruntergekommene Ausschlagcwälder in Fichten- und Tannen- bestände zu vertvandeln. Frankreichs Mehreinfuhr an Nutzholz be- zisfcrt sich auf 3 Mllionen Kubikmeter, annähernd die Hälfte seiner eignen Erzeugung. Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, die Türkei, Bulgarien und Serbien befinden sich in gleicher Lage. So ist in Europa ein Gebiet mit 215 Millionen Einwohnern auf Bezug von Nutzholz vom Auslande angewiesen. Werfen wir jetzt einen Blick auf die holzreichen Länderl Oestreich-Ungarn ist in der glücklichen Lage, Holz ausführen zu können, und in den letzten fünfzehn Jahren hat sich seine Ausfuhr bedeutend gehoben. Es exportiert etwa 7 Millionen Kubikmeter, die es vorzugsweise nach Deutschland absetzt. Es könnte also allein den Bedarf TeutjAslands nicht decken, und seine Wälder können auch darum als wichtige Holzvorräte für die Zukunft nicht anerkannt werden, weil es mit der Zeit für seine eigne aufstrebende Industrie und I vachsende Bevölkerung mehr Holz brauchen wird. Reich an Wäldern sind Norwegen und Schweden, aber ihre Forsten erneuern sich langsamer und mehr als gegenwärtig werden sie auch künftig hin nicht liefern können. Anders Rußland. Es ist das reichste Waldland der alten Welt. Die Ausdehnung seiner Forsten wird auf 500 Mllionen Hektar geschätzt. Es ist auch in der Lage nordisches»lud mitteleuropäisches Holz zu liefern und könnte allein den Bedarf des übrigen Europa decken. Es ist aber nicht zu vergessen, daß in weiten Gebieten Rußlands die Forstwirtschaft noch viel zu wünschen übrig läßt. Ziehen wir schließlich die Berichte über die Entwaldung einzelner Strecken Sibiriens durch russische Ansiedler in Betracht, so werden Ivir Besorgnisse über den Bestmid dieses groß- artigen Holzspeichers der Welt nicht unterdrücken können. Großartige, genauer nicht geschätzte Waldbestände finden wir endlich in den Vereinigten Staaten und in Kanada. Seit drei- hundert Jahren wird in ihnen Raubbau getrieben, die Folgen waren bisher nicht fühlbar. Jetzt aber, wo Amerika als Industrieland so gewaltig aufgeblüht ist, und sein Holzhandel nach allen Richtungen sich ausbreitet, wird die Lage bedenklicher. Oester und öfter hört man dort Klagen über Mangel an geeigneten Althölzern. Auch diese Holzspeicher sind gefährdet. Andre finden wir aber in der Welt nicht. Asien, das alte Kulturland, ist forstlich längst-ausgebeutet. Indien, China und Japan können mit dem Ertrag ihrer Waldungen gerade den eignen Bedarf an Nutzholz beftiedigeu. Die Hölzer, welche die tropischen Wälder liefern, sind zumeist für den Hauptbedarf unsrer Industrie ungeeignet. Afrika ist überhaupt ein waldarmes Land, und Mexiko in Central- und Argentinien in Südamerika müssen schon seit längerer Zeit Nutzholz von auswärts einführen. Das trockene Australien wird niemals ein Waldland werden und sein Busch ist schon jetzt durch Beschädigungen seitens der Schafherden dem Ruin preisgegeben. Geht alles im alten Geleise weiter, so wird einmal der Zeitpunkt eintreten müssen, wo der Holzmangel, den wir jetzt empfinden, sich zu einer Holznot steigert. Und dieser Zeitpimkt kann früher eintreten als die vielbesprochene Erschöpfung der Kohlenlager, vielleicht schon in wenigen Jahrzehnten. Natürlich giebt es auch in dieser Hinsicht pessimistische und optimistische Beurteiler, aber die drohende Gefahr kann nicht weggeleugnet werden.— __ C. Falken hör st. Klclned feiulleton. y. Ein Dichter von Gottes Gnaden. Vielseitige Monarchen haben seit alten Zeiten des öfteren nach dem Ruhme gegeizt, wie auf allen andern Gebieten, so auch auf dem der Kunst tonangebend zu wirken— der Kunst den Weg zu weisen, nicht allein durch Be- gönnern von hohen Orts beliebten Kunstrichtungen, sondern auch durch eigne Leistungen von bahnbrechender Mustergültigkeit. Aller- dings haben auch schon in alten Zeiten solche königlichen Künstler die unangenehme Erfahrung machen müssen, daß auf künstlerischem Gebiete kein Ansehen der Person vor kritischen Nörglern schützt. Schon im dritten Jahrhundert». Ehr. hat einem musikalischen König von Aegypten ein griechischer Kunstrichter die wortspielende Censur aus- gestellt:„Ein andres ist das Skeptron, ein andres das Plektron". womit aber gewiß nicht hat gesagt sein sollen, daß der zither- liebende Potentat im Handhaben des Plektron, des Zitherschlegels, erheblich weniger geleistet habe, als im Schwingen des Scepters. Und bereits»m vierten Jahrhundert v. Chr. gab ein griechischer Dichter einem poetischen Könige von Sicilien auf dessen Frage, wie das neueste fürstliche Trauerspiel wirke, die doppelsinnige Antwort:„Mtleiderweckend"; ob mitleiderweckend mit dem unglück- lichen Geschick der tragischen Gestalten oder mit dem unglücklichen Hereinfall deS tragischen Dichters, blieb der königlichen Selbst- erkenntnis zur Entscheidung überlassen. Dieser wertvolle Artikel ist bekanntlich auf den Thronen nicht allzu häufig, und so haben immer wieder Monarchen den Pegasus bestiegen— durchweg, um ihn als einen bockbeinigen Renner zu erfinden, der ungeschickte Reiter selbst allerblauesten Blutes eine tragikomische Rolle spielen läßt. Das gilt auch von den meisten deutschen Poeten fürst- lichen Geblütes und nicht zum wenigsten von dem ftucht- barsten unter ihnen, von dem Wittelsbacher König Ludwig I. von Bayern. Wenn die Menge es thäte, würde dieser Dichter von Gottes Gnaden fteilich hochangesehen sein; denn er hat von 1839 bis 1847 vier dicke Walzer voll lyrischer Ergüsse in Druck gegeben. Aber die Mitwelt hat ihn erbarmungslos als den„Participien- dichter" zur Zielscheibe schlechter Witze gemacht, und um als Nach- weit einen auf vorsichtige Parteilosigkeit bedachten Gewährsnmnn zu eitleren, so thut das Konversationslexikon die Dichtungen des wittelsbachschen Sängers mit der dunklen, aber nicht eben schmeichelhaften Andeutung ab, daß ihre Form barock sei. Indes so undankbar und unehrerbietig sind nicht alle Vertreter der Nachwelt. Vielmehr hat sich neuerdings sogar ein königstreues Gemüt gefunden, dem die Poesien Ludwigs I. würdig scheinen,«auf Flügeln des Gesanges wiederum Gemeingut des ganzen großen deutschen Volkes zu werden, in den Liederbüchern zu stehen". Zu diesem Zwecke hat der brave Mann ausgewählte Dichtungen des Bayernkönigs neu veröffentlicht in einer Sammlung, die für ein paar Groschen erhältlich ist. Die vorausgeschickte Einleitung ist eine„Rettung", nicht nur des Dichters, sondern auch des Königs. Hatte man bisher geglaubt, daß Ludwig«in Phantast gewesen sei, so werden wir nun be- lehrt, daß er ein„großer Herrscher" war. Die politische Genialität des Wittelsbachers wird entschieden offenbar aus einem Satz der Abdankungsurkunde, die Ludwig am 29. März 1848 verfaßte, als die Bayern sein Willkürregiment satt bekommen hatten. Der„Retter" findet dies Manifest„von geradezu antiker Größe" und„rührend in jedem einzelnen Satze". Also gewiß auch in diesem:„Als wenn ich eines Freistaats Beamter gewesen, ging ich mit dem Staatsgut, mit den Staatsgeldern um." Darüberhaben sich die Republikaner gewiß mehr gefreut, als die Monarchisten. Im Schlußsatz aber kommt der Participicndichter zum Vorschein:„Auch vom Throne herabgestiegen, schlägt glühend mein Herz für Bayern, für Deutschland I" In ähnlich origineller Weise, wie hier von dem„herabgestiegen", macht Ludwig nämlich auch in seinen Gedichten von dem Participium Gebrauch. Um sich davon zu überzeugen, braucht man bloß das poetische Manifest Ludwigs vom 29. März 1848 s. Besonders die Münchener betreffend") zu vergleichen. Da stürmt der abgedankte König gleich zu Anfang also in die Saiten seiner Laute: „Verlassen und traurig wandelnd, Zieh' ich in die Welt hinein, Denn frei und groß nur handelnd, Mocht' ich Euer König sein..." Ein paar Verse weiter heißt es: „Die Höflinge, glatt und schmeichelnd, Die Geistlichen, Liebe heuchelnd, Entrissen mir die Krön'. Ein Herz im Busen habend Für Schönes, was Menschen ziert, Mein Volk mit Künsten begabend, So Hab' ich stets regiert." Dies Erzeugnis von Ludwigs Muse sucht man fteilich in de» neuen Volksausgabe vergeblich. So hat deren Herausgeber denn überhaupt die hanebüchensten Sachen den Lesern wohlweislich vorenthalten. Von den schönen Versen z. B., die der S9jährige Ludwig geschmiedet hat, als er durch seine Liebe zu Lola Montez bewies, daß dürr' Holz am besten brennt, ist da fast nichts zu finden. „Tropfen der Seligkeit und Meer von bitteren Leiden Die Italienern gab— Seligkeit, Seligkeit nur Lässest Du mich entzückend begeisternd beständig empfinden, In der Spanierin fand wahre Liebe und Leben ich nur." Alle diese Perlen werden unS vorenthalten. Ader der Participien- dichter kommt trotzdem zu seinem Rechte; seine bezeichnende Eigen- tümlichkeit ist nicht wegzuschneiden. Also finden sich Participien in schwerer Menge, und noch im Jahre 1859 dichtet der greise Ludwig das deutsche Volk an: „Nicht im Reich der Träume lebend, Hoch hebt sich deS Deutschen Brust, Die-Selbständigkeit erstrebend, Seiner Stärke sich bewußt." Ludwig selber war auch bis an sein Ende„seiner Stärke sich bcwicht": das Participium blieb das Haupthilfsmittel dieses Ex- kvnigs von Gottes Gnaden, der ein Dichter von Gottes Gnaden sein wollte.— Aus dem Tierleben. — Eine Krähenkolonie bei Aachen schildert P. S chiffer im„Ibis"(Zeitschrift für Tierkunde und Tierschub). Die Kolonie findet sich in dem nördlich von Aachen gelegenen sogen. Paulinen- Wäldchen, welches sich mit seinen zu schwindelnder Höhe aufstrebenden, schlanken, hellgrauschimmernden Buchenstämmen auf einem lang- gestreckten, sanft abfallenden Höhenzuge der linken Wurmthalhöhe er- hebt. Hier Ivurden vor kurzein mehr als 1200 Krähennester gezählt. Einzelne Baumkronen tragen deren 20 bis 30 Stück. Bedenkt man nun. dah jedes Nest von einem Paar- alter Krähen bewohnt ist, inacht 2400 alte Tiere, daß aus dem ersten Frühjahrs- aelege durchschnittlich je drei hervorgehen, macht 3000 junge Krähen, so bcläust sich die dort lebende Bevölkerung der schwarzröckigen Vögel auf ca, 0000 Stück. Dem Naturfreund bietet sich hier eine besonders günstige Ge- legenheit das Leben und Treiben dieser Vögel aus nächster An- schauung zu beobachten. Durch die Schärfe ihres Sinnes und die Krästigkeit des Körper- Baues erinnern fie an die Raubvögel; wie sie denn auch den Mut und selbst die Grausamkeit derselben zeigen; dem Scharfsinn ihrer schlvarzen, stahlglänzenden Augen entgeht nichts, nichts ist ihnen gleichgültig, und klugerweise verstehen fie alles, was in ihrem Ge- sichtskreise vor sich geht, insofern es für sie gefährlich oder ungefähr- lich sein könnte. Sobald das erste Morgenleuchten am östlichen Himmel austaucht, geht das Wecken los. Hunderte von tiefen, heiserkrächzcnden Stimmen tönen zunächst aus den Baumkronen herüber, bald darauf stimmt die ungeheure Menge in den Krahgesang ein. Dann folgt der Ausflug einzelner Vögel, ihnen folgen kleinere Trupps und end- lich ungezählte Scharen, die Jungen bleiben in den Nestern zurück. Einige der ausgeflogenen, die sogenannten Wächter der Kolonie, kehren schon nach kurzer Zeit zurück. Nach und nach kommen auch die übrigen scharenweise herangezogen, die Jungen zu atzen. Ihr krächzendes Geschrei und ihre krästigen Flügelschläge find weit ver- nehmbar, schwerfällig lasten sie sich auf den Aesten der Bäume nieder, welche unter ihren schweren Tritten knacken. So geht's fort bis Mittag. Um die Mittagszeit herrscht im Krähenhorste kurze Zeit eine auffallende, tiefe Stille, welche nur selten durch einen lauten Schrei gestört wird. Der größte Haufen durchschweist die stisch- gepflügten Aecker und die Saatfelder, die Wächter fitzen auf den höchsten äußersten Spitzen der Aeste, die Jungen halten ihre Siesta. Nach geraumer Zeit kehren die Ausflügler wieder heim, umschwirren laut schreiend die Nester, wecken dadurch ihre junge Nachkommenschast, und die Atzung derselben beginnt wieder. Ist Gefahr\m Anzüge, zieht zum Beispiel ein Raubvogel seine Kreise um den Horst, so ertönen plötzlich von ver- schiedenen Seiten lautschrillende Warnungsrufe, dann verstummt der Lärm für einen Augenblick. In Scharen ordnen sich die Starken zilm Angriff, kämpf- und todesmutig stürzen sie sich auf den Räuber. und zieht dieser es nicht vor. den Rückzug anzutreten, so entbrennt ein gewalfiger Kampf. Unter den heftigen Schnabelhieben der schwarzen Gesellen muß er schließlich erliegen; denn ge- lingt es ihm auch, einige der Angreifer unschädlich zu machen, immer neue Kämpfer rücken an, die gefallenen Streiter zu ersetzen. Läßt sich ein Feind in Gestalt eines Försters oder Jägers sehen, so vernimmt man abermals Warnungsrufe, die alten Vögel fliegen hoher und aus dem Bereich der Kolonie, die Jungen hocken ruhig im Neste. Letztere werde» dann leicht aus de» Nestern herunteraefchoffen. Mehrere der alten Krähen kehren zurück, um Ausschau nach dem Feinde zu halten. Läßt dieser sich noch blicken, so werden die andren wieder verständigt. Ist die Gefahr vorüber, dann werden die Brut- und Lagerstätten mit der größten Vorsicht wieder auf- gesucht und ivieder beginnt das laute Gekrächze in der ganzen Kolonie, welches bis m die finstere Nacht ununterbrochen fort- dauert.— Geologisches. — Ein riesenhafter U r v u l k a n auf der Insel K i u s ch i u. Diese japanische Insel birgt eine geologische Merk- Würdigkeit ersten Ranges, nämlich einen riesenhaften Vulkan vom Kilauea-Typus, den einzigen dieser Art in Japan. Ueber diesen sind in jüngster Zeit Berichte erschienen, die. der„Kölnischen Zeitung" zufolge, nur zum Teil richtig sind; es ist daher an- gebracht, auf die Schilderung zu verweisen, die Dr. Paul Grosser, der einzige europäische Fachmann, der diesen Vulkan in den letzten Jahren besucht hat, davon giebt. Er erreichte den Vulkan von der Stadt Kumamoto aus und sah vor sich ein im höchsten Grade verblüffendes Panorama, einen unabsehbaren Kessel mit steilen, nur durch das Thal eines kleinen Flusses unter- brochenen Rändern und in der Mitte besetzt mit centralen Kegel- bergen, die den Namen Asosan führen und von denen einer Rauch ausstieß. Der weite Kessel, ist nichts andres als ein ungeheurer, alter Krater, der von Osten nach Westen 14 Kilometer, von Norden nach Süden 20 Kilometer, ja mit einer Ausbuchtung im Norden sogar 23 Kilon, eter Durchmesser hat. Ungefähr duoch die Mitte dieses Verantwortl. Redakteur: Julius Kaliski in Berlin.— Druck und Verlag: Kraters zieht fich in westöstlicher Richtung eine Reihe von jüngere« Vulkankegeln, von denen der mittlere starken Rauch ausstteß. Genau in der Verlängerung ihrer Richtung liegt die Scharte, durch die der Fluß strömt. Von diesem ungeheuren Urkraterboden wird behauptet, daß auf ihm 100 Dörfer stehen, eine Anzahl, die sicher übertrieben ist. Die Gesamtmenge der Bewohner innerhalb des vulkanischen Walles wird auf 40 000 geschätzt. Der un» geheure Kraterwall überragt die innere Fläche bis um 500 Meter und hat, im großen betrachtet, sehr regelmäßige Form, wenn er auch im einzelnen unzählige, meist kleine Ein- und Ausbuchtungen auf« weist. Vor allem ist die Gleichmäßigkeit seiner Höhe und der ganz allmähliche Absall des Geländes vom Rande nach außen merkwürdig. Unter allen irdischen Vulkanen hat dieser vulkanische Bau die größte Aehnlichkeit mit den Mondvulkanen, in seinen geotektonischen Formen gleicht er völlig einer Mondlandschaft. Der im Centrum liegende thätige Kegel ist nicht der höchste, macht sich aber durch starken Rauch sehr bemerkbar. Dr. Grosser, der ihn erstieg, fand auf seinem Gipfel einen senkrecht abstürzenden Krater von 500 Meter Länge und 250 Meter Breite, auf dessen Boden in 100 Meter Tiefe ein kleiner Kegel stand mit 10 Meter weiter nach unten hin ganz enger Oeffnung, aus der mit furchtbarer Gewalt dicht geballter Rauch ausgestoßen wurde. Ueber die Ausbrüche des Asosan liegen seit 1100 Jahren Berichte vor, aus denen hervorgeht, daß während dieser langen Zeit niemals ein Lavastrom dem Vulkan entflossen ist, seine Thätigkeit beschränkt sich ausschließlich auf Aschen- und Schlammausbrüche, die bisweilen von starken Boden- erschütterungen begleitet waren. Der Boden innerhalb des alten Riesenkraters ist überaus fruchtbar. Daß die Bewohner dieser un- geheuren Fläche einer ganz besonderen Gefahr ausgesetzt seien, indem der ganze innere Kraterboden sich plötzlich in einen Feuersee ver« wandle, ist nicht wahrscheinlich.— Humoristisches. — Neuer Ausdruck.„Sieh nur, wie die zwei Verliebten einander fortwährend ins Ohr tuscheln." „Sie lieböhrln halt miteinander."— — Die großen Füße. Fräulein:„Ich konnte mit sechs Monaten schon allein stehen!" Freundin:„Glaub's... auf diesen Füßen I'— — Bierbankpolitik.„Auch unsre Natton muß endlich ihren Platz an der Sonne erobern." „Hören S' m'r aus! Bei der Hitzl'— („Meggendorfer Blätter.') Notizen. — Ernst von Wolzogen hat unter Benutzung einer Novelle von Cervantes eine einaktige Operndichtung„Die bösen Buben von Sevilla" vollendet. Die Musik dazu wird Richard Strauß schreiben.— '— Oskar Blun, enthals neuer Einakter„Wenn wir altern" wird im Oktober im C e n t r a l- T h e a t e r zur Auf» führung gelangen. Jenny Groß wird die Hauptrolle kreiren.—- — Im Haag ist jetzt in 200 numerierten Abdrücken ä 42 M. die vor zwei Jahren begonnene Faksimile-AuSgabe von Briefen Spinozas erschienen.— — Für den neuen Wortschatz der lateinischen Sprache (Thcsaunis linguae latinae) tragen jetzt außer den fünf deutschen Akademien auch einige Bundesstaaten bei: Preußen, Württemberg, Baden, Elsaß-Lothringen und Hamburg. Es stich bereits 1500 B e« stellungen auf das kostspielige Werk eingegangen.— — Bei Grcifenberg in Pommern wurden die Ueber- reste von Pfahlbauten gestinden. Es sind die ersten in Pommern entdeckten.— ig. Der Komet Borelli ist von den Astronomen der Aale- Universität bei Chicago, die das größte Fernrohr der Welt besitzt, photographicrt worden. Er zeigt auf den Bildern drei Schweife und den Ansatz zu einem vierten. Bisher wurden ihm nur zwei zugeschrieben.— — Im„Verein von Freunden der Treptow- Sternwarte" spricht heute abend um 8 Uhr Dr. Emil Deckert über die Karibischen Inseln und ihren Vulkanismus. Direktor Archenhold spricht über den bevorstehenden Stern schnuppenfall, der nach dem Vortrag beobachtet werden soll.— — Bei wissenschaftlichen Untersuchungen stieß F. Siegert« Straßburg, Ivie er in der„Münch, mediz. Wochenschrist" berichtet, auf fünf Fälle von Großmüttern, die ihre Enkel st i l l t e n. Eine Großmutter stillte neben ihrem 13. Kinde den Enkel, iveil dessen Mutter zur Arbeit mußte. Eiiie andre hat in 22'/, Jahren 12 Kinder zusammen 230 Monate genährt.— — An den 22 deutschen Universitäten lehrten im Sommersemester 1903 im ganzen 3001 D o c e n t e n, 64 mehr als im vorhergehenden Semester.— Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.