Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 206. 15] Kleinbürger. Mittwoch, den 21. Oktober. ( Nachdruck verboten.) Roman von Elisabeth Ruylenstjerna. Die jungen Mädchen in ihren Darlekarlier und Zigeuneranzügen, in ihren Kobold- und Pierrettenkostümen fühlten sich hier außerhalb der engen Grenzen, welche sonst der gute Ton vorschreibt, und ihr Lachen hatte ervas von der wilden Ausgelassenheit, die endlich ihre Fesseln sprengt. Fräulein Alstrand und Fräulein Boy ließen Dora allein bei ihren Blumen zurück, fie gingen lieber umber und verkauften Bouquets, da wurden sie mehr beachtet. Dora hatte feine Gelegenheit gehabt, ihren Trumpf auszuspielen, sondern brannte fortgesezt von kindlicher Begierde, sich jemand mitteilen zu können. Sie sah, wie die andren Mädchen die Köpfe zusammensteckten und sich leise etwas ins Ohr flüsterten, das fie dann erröten und fichern machte; und die arme Dora fühlte sich wieder außerhalb stehen, wie geliehen zu dem Fest, wo sie keine Freundin, nicht einmal eine Bekannte hatte. Ihr Antlitz leuchtete auf, als sie die Baronin Ufsköld gewahrte. " Sieh, da ist ja meine kleine Freundin, min, gefällt es Ihnen?" fragte sie freundlich. " Ja, danke, beste Frau Baronin. Darf ich heute abend auf den Ball gehen?" Dora sah nicht auf, ihr Herz klopfte heftig. Nein, mein Kind, das wird nicht gehen. Wie wollen Sie nach Hause kommen? Marie kann ich nicht schicken, wenn ich ihrer bedürfen sollte, so wäre es ja schrecklich." Ja, aber ich kann sehr gut allein gehen; das ist gar nicht ängstlich." " Mitten in der Nacht, nein, mein liebes Kind." „ Ich ich möchte aber so furchtbar gern," stammelte Dora mit Thränen in den Augen, ich bin schon zum ersten Walzer engagiert." So, jetzt war es gesagt; sie hatte sich das große, wichtige Geheimnis abgerungen, doch sobald es sich in Worte kleidete, schien es ihr plöblich, als fröche es zusammen und wurde so flein vor der Baronin feinem Lächeln einer wortlosen Kritik. „ Ein Walzer... o, den werden Sie noch oft genug in Ihrem Leben tanzen, Dora." Die Baronin legte ihre ganze durchtanzte Jugend in den schleppenden Ton, darauf nickte sie und ging weiter. Wenn sie einmal in die Gesellschaft kam, hatte sie viele Bekannte zu begrüßen. Dora zog sich bis in die äußerste Ecke des Standes zurück, da stand sie und zupfte und zupfte Blätter von einem Zweig, während ihr die hellen Thränen in die Augen traten. Sie fümmerte sich nicht mehr darum, Blumen anzubieten, sie fümmerte sich um nichts mehr, sie würde ja nie eine Freude haben. Sie sah finster zu der lachenden und schwaßenden Gruppe der andren jungen Mädchen hinüber, da bemerfte sie Kandidat Becker sie wußte jett, daß er Kandidat der Philosophie war, denn das hatte sie vorhin von einigen jungen Mädchen, die sich vor ihrem Blumenstand eifrig über ihn unterhielten, gehört. Gerade, als er vorüberschritt, sagte sie halblaut: ,, Serr Becker." Er wandte sich um und näherte sich ihr mit fragender Miene. „ Es ist besser. Sie engagieren eine andre Dame zu dem Walzer, denn ich komme heute abend nicht zu der Reunion." Warum nicht?" " Ich darf nicht." Sie sprach betrübt und seufzte dazu. " Darf nicht... Ja, das ist schade, aber darum werden Sie doch wohl nicht weinen." Ja, es ist so unrecht," stieß Dora heftig hervor und schleuderte dabei grausam eine unschuldige After zur Erde, es ist das einzige, erbärmliche Vergnügen, das ich während des ganzen Sommers habe, und jetzt... jest.. Aber Sie können doch wohl die Mama oder Tante oder wer es sonst ist, hübsch bitten, gnädiges Fräulein, daß sie Erbarmen mit Ihnen hat." 1903 Dora kämpfte einen Augenblick mit ihrem Stolz, doch schließlich sagte sie leise:„ Es ist weder Mama noch Tante, ich bin Gesellschafterin bei der Baronin Ufsköld." Sie sah ihn an, gefaßt, dem veränderten, falten Ausdruck zu begegnen, welchen sie seit frühester Kindheit sich als Stempel ihres Armutsattestes auszulegen gelernt hatte, doch diesmal wartete sie vergebens. Kandidat Beckers graue Augen richteten sich voll warmen Mitgefühls auf sie. Er schien trotz seiner Jugend oder vielleicht gerade infolge derselben zu verstehen, wie schwer solches Bekenntnis sein mußte. ,, Kann mar denn die Baronin nicht überreden?" fragte er kampfesmutig. Ich kenne sie zwar nicht, aber ist sie hier, können Sie sie mir ja zeigen, dann will ich einen Versuch wagen." ,, Sie steht dort, in jener Richtung, neben der Dame im blauen Sammetkleid, können Sie sie sehen?" " Ja, sehr deutlich. Jetzt gehe ich hin und stelle mich vor." ,, Nein, warten Sie ein wenig, was wollen Sie sagen, Herr Becker?" ,, Daß es in ihrer Macht steht, einer kleinen, vergnügungssüchtigen jungen Dame eine frohe Ballerinnerung zu verschaffen, und daß Ihro Gnaden etwas so Einfachem, Logischem nicht zu widerstehen brauchten. Was hat die Alte für Gründe, es Ihnen abzuschlagen?" " Sie sagte, daß ich nicht allein nach Hause gehen kann." „ Ein ganz triftiger Grund; aber wenn Sie mich nun gütigst zu Ihrem Kavalier machen wollen, s ist die Sache abgemacht." Kandidat Becker gelang es ohne Schwierigkeiten, die Zuſtimmung der Baronin zu erhalten; die alte Dame hatte eine kleine Schwäche für„ artige, junge Männer". Fräulein Alstrand und Fräulein Boy fingen an, Dora mit abgünstiger Bosheit zu behandeln, weil sie schon einen Kavalier für den Ball hatte; und als dann des Abends in dem großen, stilvollen Societätssaal der erste Walzer gespielt wurde, und Dora am Arm ihres stattlichen Tänzers über den blanken Fußboden dahinschwebte, sah sie, daß viele Blicke ihnen folgten. Sie reckte selbstbewußt ihre schlanke Gestalt, ließ den Kopf mit einem unsicheren Versuch weiblicher Soketterie an des Kandidaten Schulter sinken und wünschte, glühend vor findlichem Stolz, daß die Ihren zu Hause ihre kleine Dora, die wie ein Laufmädchen umherlaufen und Besorgungen machen mußte, hier gesehen hätten, wie sie in ihrem zarten, rosa Wollkleide und mit vierknöpfigen Handschuhen an den nicht tadellos weißen Händen tanzte. Sie war während des ganzen Abends wie ein strahlender Maisonnenschein, wurde von ihrem Kandidaten vorgestellt und erhielt von rechts und links Aufforderungen zum Lanze. Im Blumenwalzer bekam sie viele Bouquets und befestigte alle gewissenhaft mit Stecknadeln, äußerst besorgt, einen ihrer Schäße verlieren zu können. Nach diesem Abend fing Dora an, ein Tagebuch zu schreiben; sie hatte erst daran gedacht, all diesen Gärstoff, welcher in ihr arbeitete, in einen Brief an Marie Luise auszuschütten, fand dann aber, daß es so spannend sei, ein Geheimnis zu haben. Sie verwahrte die halbvertrockneten Ballbouquets in einer Pappschachtel und schrieb auf den Deckel:„ Erinnerungen meines ersten Balles". Beides, dies und die erste Tagebuchseite, waren am Morgen vor dem Frühstück erledigt; sie hatte sich auch so fein angezogen, wie ihre einfache Garderobe es mur erlaubte, denn vielleicht, nein, wahrscheinlich würde sie den Kandidaten treffen. Er hatte ja gesagt, daß er sich freuen würde, wenn sie sich einmal begegneten, und er wußte, wo sie wohnte. Es war ein langer, schläfrig einförmiger Vormittag trotz aller hellen Rückerinnerungen an den gestrigen Tag. Dora saß auf einem Gartenstuhl der Baronin gegenüber und kämpfte tapfer, das Interesse für Phyllis Schicksal wach zu erhalten, doch das Buch wurde zu Blei in ihren Händen, während fie an alle die jungen Mädchen und Herren dachte, die heute wieder zusammen sein und sich amüsieren würden. Sie war gewiß sehr dankbar für gestern, aber gestern konnte doch nicht zu heute werden. Das einzige, was sie tröstete, war, daß sie am Abend ihr armes Ich in das Tagebuch sehen und mit ihren glühenden Gedanken umrahmen würde. 822 Endlich kam der Nachmittag und mit ihm der Baronin Siesta. Dora griff in großer Hast nach dem Matrosenhut und der kleinen braunen Jacke und schlug dann den Weg nach der Lawn Tennis- Plate ein. Es geschah ein wenig zaudernd, und fie blieb in einiger Entfernung davon stehen, doch immerhin nahe genug, um von jemand, der sie gern sehen wollte, leicht entdeckt werden zu können. Sie erkannte sofort Kandidat Becker, Fräulein Alstrand und viele andre der gestrigen Bekannten. Sie lachten und schwazten und schienen sehr vergnügt zu sein. Wenn nun der Kandidat zu ihr träte und fragte, ob sie nicht Luft hätte, mitzuspielen.„ Nein, danke," würde sie antworten, ich kann nicht spielen, aber wenn ich zusehen dürfte." Dann würde er ganz wie die Helden der Mrs. Alerander oder Mrs. Hungerford ritterlich sagen:" Dann sehe ich auch zu, wenn Sie erlauben." Und er und sie würden auf der Bank da oben sißen, und die andren würden ihn schmeichelnd bitten, und. Nein, wie sie lachten! Jetzt blickte er gewiß nach ihrem Stein herüber! Sie wurde bei diesem Gedanken glühend rot über das ganze Gesicht, denn mit ihrem lebhaften Sinn hatte sie schon für den Kandidaten zu schwärmen begonnen. " Sie täuschte sich jedoch, er hatte sie nicht bemerkt. Sie faß da geduldig eine halbe Stunde, länger wagte sie nicht wegzubleiben, doch einen letzten Versuch machend, ging sie auf dem Rückwege unmittelbar an dem Tennisplaße vorbei. Sie ging sehr schnell, als ob sie es schrecklich eilig hätte, und als die Spielenden sie grüßten, machte sie eine so furze und edige Verbeugung, als hätte es sie außerordentlich gestört, diesen Gruß erwidern zu müssen. Aber wie flopfte ihr kleines warmblütiges Herz, wie jagte der brausende Frühlingsstrom der Gefühle über sie hin, und wie peinigten sie alle die Mängel, welche sie plötzlich in ihrem Aeußern zu finden glaubte. Blitzschnell wandte sie noch ein einziges Mal den Kopf, es konnte ja sein, daß er sie ein zuholen versuchte, und dann ja, dann würde sie gleich wieder froh werden. Ihr war, als hätte sie ihm so viel zu erzählen. Er war der Saltpunkt, an den sich ihr junges, nach Sympathie lechzendes Gemüt flammerte. Am nächsten Morgen schlug der Herbstregen gegen die Scheiben, so ein ununterbrochener, durchdringender Herbstregen, der zwei oder drei Tage beansprucht, ehe er Neigung zeigt, aufzuhalten. Er strömt mit falten, dichten Tropfen über alles hin und bereitet den Weg für den Sturm mit seiner verheerenden Macht, denn die Bäume, welche eben noch in ihrem grünen Sommerschmuck standen, nehmen jetzt durch den Regen den ersten gelben Farbenton an, und wenn dann der Sturm die Aeste schüttelt, fällt das welke Zaub krank und todesmatt zur Erde. Die Baronin Uffföjd beschloß jetzt, in ihre warme, bequeme Wohnung in der Hauptstadt zurückzukehren. Ihre Tochter, die nun ein ganzes Jahr in Italien geweser war, sollte auch Mitte September heimkommen, und bis dahin wollte die Baronin alles in Ordnung haben. Man fing an einzupacken; es ging drüber und drunter in der friedlichen Villa, die Baronin saß in Pelzkragen und Shawls eingehüllt in ihrem Lehnstuhl und erteilte von dort aus ihre Befehle. Dora lief, die Hände voll aller möglichen Kleinigkeiten geschäftig hin und her, packte ein und mußte es wieder herausnehmen, denn die Baronin konnte sich nie entschließen, in welchen Koffer sie dies oder jenes haben wollte. ( Fortsetzung folgt.), ( Nachdruck verboten.) Erinnerungsfälschungen. In einem Hause wurde ein größerer Einbruchsdiebstahl verübt. Alles ist in Aufregung und die Polizei forscht nach den Verbrechern, die Spur fehlt aber völlig. Da erzählt am zweiten Tage die zwölf jährige Tochter der Bestohlenen, daß sie die Diebe gesehen und unter ihnen den Sohn eines Nachbarn erkannt hätte. Zu einer boshaften Berleumdung ist offenbar kein Grund vorhanden und so werden gegen den Verdächtigten ernste gerichtliche Schritte eingeleitet. Weitere Bernehmungen erweisen aber seine Unschuld und bei genauerem Ausfragen ergiebt sich die Wahrscheinlichkeit, daß das Mädchen den von ihm geschilderten Vorgang geträumt, den Traum aber vergessen und das Geträumte für wirklich Erlebtes gehalten habe. Dieser Fall steht nicht vereinzelt da. In Prozeßverhandlungen ist man allerdings gegen solche Erklärungen von Zeugenaussagen sehr steptisch. Es kommen verschiedene Interessen in Betracht und es muß immer auch die Möglichkeit einer absichtlichen Täuschung des Richters angenommen werden. Furcht vor der Strafe, Parteinahme, -Bosheit und Rache sind ja die Hauptmotive, welche Zeugen zu falschen Aussagen vor Gericht verleiten. Immer aber muß beachtet werden, daß ein falsches Zeugnis auch wider Wissen und Willen des Zeugen abgelegt werden kann, wenn er das Opfer irgend einer Täuschung geworden iſt. Togie der Zeugenaussagen; durch zahlreiche Versuche und Beob Gerade in der Neuzeit beschäftigt man sich viel mit der Psychoachtungen ist festgestellt worden, wie leicht sich die Menschen in der Wiedergabe eines erlebten Vorganges täuschen. Ungenaue Beob achtung, Sinnestäuschungen, Suggestion bilden die häufigsten Quellen ungenauer oder falscher Zeugnisse. Das Gedächtnis fann uns aber auch derart täuschen, daß wir fest überzeugt sind, etwas gesehen und gehört zu haben, obwohl dies gar nicht der Fall ist. größeren Maße wohl alle Menschen ausgesetzt. Wir lesen ein neues Solchen Erinnerungsfälschungen sind im geringeren oder werk, das uns fesselt, und wenn wir zu Ende sind und an das Gelesene zurückdenken, glauben wir plötzlich, daß wir dasselbe schon vor langer, langer Zeit gelesen haben. Der Schriftsteller schreibt eine neue Arbeit und plötzlich taucht ihm die Erinnerung auf, daß er dasselbe schon früher einmal geschrieben habe; der Maler malt eifrig an einem Bilde und in der Ruhepause erinnert er sich, dasselbe Bild in demselben Atelier vor langer Zeit gemalt zu haben. Solche Erinnerungen sind nicht angenehm, sie erzeugen oft ein peinliches Geist seit lange bekannt. Lichtenberg, der geschätzte Physiker und fühl und sind mit Unruhe und Beklemmung verbunden. Die Sache Satyrifer, war derartigen Eindrücken so oft ausgesetzt, daß er wiederholt behauptete, er müsse schon einmal auf der Welt gewesen sein, da ihm vieles, was er gewiß noch nicht erlebt habe, so bekannt vor fomme. Später wollten einige Forscher die Sache so erklären, daß derartige Erinnerungsfälschungen zum Teil vererbte Erinnerungen wären; wir glauben, etwas erlebt zu haben, während in Wirklichkeit unsre Vorfahren es erlebt haben. greifen, um die meisten dieser seltsamen Erinnerungen zu erklären. Man braucht aber nicht zu so ungewöhnlichen Mitteln zu In der Regel wird es damit folgende Bewandtnis haben. Das Erinnerungsbild, das in uns auftaucht, ist ungenau; wir haben nicht dasselbe gelesen, geschrieben oder gemalt, sondern etwas ähnliches; im Augenblick können wir uns aber auf die Einzelheiten nicht genau befinnen; wir haben nur das Gefühl, das wir schon einmal haften, wieder aufgefrischt und ergänzen es durch die gegenwärtigen Eindrücke. Die Erinnerungsfälschung ist somit die Folge einer unvolls auch im Einklang, daß sie vorwiegend bei Ermüdeten eintritt. ständigen oder mangelhaften Gedächtnisthätigkeit. Damit steht es ES ist allgemein befannt, wie sehr das Gedächtnis bei Bergsteigungen leiden fann. Mosso kannte einen Professor der Botanik, der während des Aufstieges allmählich die Namen der Pflanzen vergaß und sich derfelben erst wieder erinnerte, als er abstieg. Sauffure sagt. daß er, als er von Gol de Géant abstieg, nicht mehr die Worte finden konnte, um einen Gedanken auszudrüden. Auch der Gesichtssinn leidet unter der Ermüdung. Die Gesichtsschärfe und die Lichtempfindlichkeit sind Gegenstände nicht mehr gut unterscheiden und die Entfernungen vermindert; das Auge kann schließlich die Formen der einzelnen derselben nicht genau abschätzen. Im ermüdeter Zustande beobachtet man nicht scharf und erinnert sich schlecht. Man hält sich nur an Hauptzüge des Wahrgenommenen und gelangt leicht zu dem Schlusse, es schon einmal erlebt zu haben. Der Kriminalpsycholog Hans Groß schreibt:" Ich hatte solche Erinnerungsfälschungen am häufigsten während des bosnischen Occupationsfeldzuges 1878, als wir die argen Parforcemärsche von Effeg bie Sarajewo machten. Die Fälschungen traten aber regelmäßig nur nachmittags auf, als wir schon ermüdet waren. der ich natürlich mein Leben lang eher nicht war, vollkommen be= Dann schien mir die ganze Gegend, in fannt, und als ich gleich zu Anfang einmal den Befehl bekam, einen von Türken besetzter Han zu stürmen, so dachte ich nur lediglich, da werde nicht viel los fein, das habe ich ja schon oftmale gemacht. Und es ist nie dabei etwas passiert. Damals waren wir allerdings auf das äußerste erschöpft. Selbst als wir dann in den Han eingedrungen waren, imponierte mir die seltsame Umgebung gar nicht, und ich meinte, so sähe das Innere eines Hans immer aus obwohl ich eher noch nie ein solches türkisches Straßenhotel in natura oder in Abbildung gesehen hatte." Die Ermüdung kann aber noch andre Erscheinungen hervorrufen. Die Ermüdungsstoffe, die nach geistiger oder physischer Arbeit im Blute kreisen, haben giftige und zum Teil narkotische Eigenschaften. Es ist bekannt, daß stark Ermüdete in ein Fieber verfallen fönnen, in dem sie wie in einem Delirium phantasieren. Auf die Klinik von Profeffor Chomel in Paris wurde einmal ein entfräfteter im Fieberzustande befindlicher Jüngling gebracht. Der Professor untersuchte ihn sorgfältig und stellte die Diagnose: Thphus oder Anfang der Bocken; aber in zwei Tagen war der junge Mann wohl und munter. Er hatte nur die Strecke von Compiègne nach Paris zu Fuß in zwei Tagen zurückgelegt. Mosso bemerkte, daß Führer und Bergsteiger, die in der Hütte Königin Margerita auf dem Monte Rosa in sehr ermüdetem Zustande ankommen, sich so benehmen, daß man glauben fonnte, sie seien berauscht; andre wieder schienen, nachdem sie ausgeruht waren, wie aus einem Traume zu erwachen. Einige Rads fahrer, die eine mehrere Tage dauernde Wettfahrt gemacht hatten, benahmen sich einen Tag so erregt, daß sie für verrückt gehalten wurden. Die Ermüdung erzeugt also einen nervösen Rausch und das gilt auch von intellektueller Ueberarbeitung. Liébault berichtet von 823 Jofua Reinolds, daß er aus feinem Atelier heraustretend, bie| sind Arbeiterkinder. Hier lernen fie nun die Wirtschaft und werden Laternen für Bäume und die Frauen für bewegte Sträucher hielt. einmal ordentliche Dienstmädchen. Wir besorgen ihnen dann auch Ermüdet, bermengte er seine wirklichen, unbestimmten Empfindungen den ersten Dienst; natürlich nur in guten frommen Häusern." mit den reproduzierten Empfindungen, die er noch nicht aus dem Es ist wirklich ein segensreiches Werk," wiederholte Frau Marie. Gedanken losgeworden war. Und Ihr nehmt sie gleich nach der Schule her?!" Der nervöse Rausch kann Hallucinationen erzeugen, die, wenn sie nicht zu unnatürlich und zu absurd sind, für Wirklichkeit gehalten werden. Der Angetrunkene besinnt sich später nicht auf vieles, was er gethan oder gesehen hatte, er besinnt sich aber auch auf Dinge, die sich thatsächlich nie ereignet haben. Wenn sich die Menschen bei einer Erinnerungsfälschung prüfen, so werden sie zumeist finden, daß sich eine solche im Zustand der Ermüdung eingestellt hat. Beim Lesen war man müde von der spannenden Lektüre, beim Malen überarbeitet usw. Auch die Begleiterscheinungen der Erinnerungsfälschungen, wie Unruhe, Beklemmung, deuten auf Ermüdung hin. Aehnlich liegen die Verhältnisse beim Traum. Er ist oft so absurd, daß er in Erinnerung niemals als Wirklichkeit wiederaufleben kann. Manchmal ist er aber so beschaffen, daß er sich völlig im Rahmen des normalen Lebens bewegte. Namentlich Träume, in denen man irgend eine Aufgabe, die man gerade vor hatte, gelöst hat, fönnen uns täuschen. Eine Zeit lang nach dem Erwachen halten wir sie für wahr; wir glauben, daß wir das Nötige erledigt, das Erwartete eingetroffen ist, bis stärkere Eindrücke der Wirklichkeit beim Aufstehen, Ankleiden uns zur Besinnung bringen und den Traum als solchen erkennen lassen. Bei diesen Träumen spielt die Suggestion eine Rolle; es sind Wunschträume, die, wie Sigmund Freud ausgeführt hat, namentlich in findlichem Alter sich einzustellen pflegen. Der Kleine hatte Kirschen gesehen, er möchte sie essen; es wird ihm aber nicht erlaubt; nun träumt er, daß er die Kirschen bekommen hat. Dieser Art war auch der Traum in dem von uns zum Anfang erwähnten Fall. Man suchte nach dem Dieb; das Mädchen hatte von dem Diebstahl gehört und wünschte, daß der Dieb entdeckt werde. Im Traum erfolgte die Entdeckung und das Kind hatte beim Erwachen den Traum vergessen. Im Laufe des Tages, als von dem Diebstahl wieder die Rede war, hielt es das, was es im Traume gesehen, für Wirklichkeit und rückte mit seiner Angabe heraus. Diese Art kindlicher Erinnerungsfälschungen ist daran leicht zu erkennen, daß die Kinder erst nach einer oder nach mehreren Nächten ihre Angaben machen. Eher aber noch als im wirklichen Traum, können Eindrücke in Schlaftrunkenheit oder Halbschlaf zu Erinnerungsfälschungen Anlaz geben. Hierher gehört ein Fall, den ein in ersten Reihen der Wissenschaft stehender Gelehrter, Professor Groß, mitgeteilt hat. Herr X. ist eines Morgens um 6 Uhr aufgestanden, ist in das Badezimmer gegangen, um eine Douche zu nehmen, hat sich dann wieder niedergelegt und ist erst zwischen 7 und 8 Uhr aufgestanden. Die erste Frage seiner Gattin war nun, warum er heute so früh aufstehen wollte? Er antwortete, er habe eine Douche genommen. " Das weiß ich," antwortete Frau X., aber dann wolltest Du Dich ankleiden und erst auf meine Bemerkung, heute sei doch Feiertag, es seien die Zimmer noch nicht aufgeräumt, Du solltest Dich nochmals niederlegen, gabest Du mir recht."" Was that ich denn dann?" fragte Herr. Du gingst zum Fenster, um nach dem Wetter zu sehen und legtest Dich dann erst nieder." Nun fonstatierte Herr X., daß seine Frau das Ganze geträumt habe. Frau X. war offenbar durch das Aufstehen ihres Mannes halb wach geworden und hatte dann im Schlummer alles Folgende geträumt. Herr X. hatte mit seiner Frau kein Wort gesprochen und war auch nicht ans Fenster getreten. E. Falkenhorst. Kleines feuilleton. er. Ein trantes Heim.„ Aber nach dem Kaffee gehen wir doch und sehenfuns die Kinder an, nicht wahr, Tante Oberin, bitte, bitte!" Der Backfisch nahm die Hand der Dame und schüttelte sie herzhaft. Aber, Ella," mahnte die Mutter, nicht so wild." Die Oberin lächelte begütigend: Laß sie doch wild sein, Marie. Kinder müssen wild sein, sonst sind es keine Kinder." Sie ist aber vierzehn Jahre." " Na ja, also das schönste Alter, wo sich die Jugend austoben muß, nicht wahr, Maus?" Sie strich der Kleinen liebkosend durch das braune Lockenhaar. Es war ein gemütliches Zimmer, in dem sie saßen. Altmodische Möbel von gediegener Pracht; in dem breiten Stamin brannte ein helles Feuer und erfüllte das Zimmer mit angenehmer Wärme. Durch das hohe breite Fenster sah man in den parkartigen Garten, der jetzt in den schönsten Herbstfarben prangte. " Ja einfam ist es wohl bei Euch hier draußen?" fragte Frau Marie. Besonders jetzt im Winter, nicht?" " Nun ja, aber es geht." Die Oberin brach ein Stück Kuchen durch. Ich hab' viel Verkehr mit Pastors und dem Doktor und dann kommt auch Besuch von den Gütern herüber. Oder ich fahre hin. Ja, da vergeht der Winter. Na, und schließlich hat man seine Arbeit. Wir haben jetzt vierzig Kinder hier im Heim." " Gleich nach der Schule," erzählte die Oberin, sie kommen so mit vierzehn Jahren und bleiben bis zum sechzehnten, dann können sie aber auch alles." „ Und find vor allen Dingen fromm und demütig erzogen," sagte Frau Marie.„ Ach, das ist ja so wundervoll, wenn man ein demütiges Dienstmädchen bekommt, es müßte viel mehr solcher Dienstmädchen- Schulen geben." " Jawohl, aber bekommt man denn Schülerinnen dafür?" Die Oberin geriet in eine gelinde Entrüftung:„ Denkst Du denn, Eltern geben uns ihre Kinder? Die schicken die Mädchen doch lieber in die Fabrik. Wir bekommen faft nur Waisenmädchen, um die sich sonst kein Mensch kümmern will!" Und was machen die mum eigentlich hier, Tante Oberin?" fragte Ella mit ihrer hellen Stimme. Die beiden Damen lachten; die Oberin strich der Kleinen von neuem zärtlich über den Scheitel:„ Was werden sie machen, Maus? Sie müssen arbeiten, aber tüchtig." Machen sie alles allein?" fragte Frau Marie. " Nun natürlich," nickte die Oberin, morgens wird das Haus ge reinigt, gescheuert usw. Eine andre Abteilung hat die Küchenarbeit, die dritten waschen, rollen und plätten, und andre machen wieder den Garten. Die beiden Schwestern passen natürlich auf, aber helfen darf teine. Das machen die Mädchen allein." ,, Was sie dabei lernen!" bewunderte Frau Marie. „ Aber, aber... aber können die denn das?" Ella, die bisher schweigend zugehört, machte große Augen. Du, Tante Oberin, waschen müssen sie auch und Stuben aufwischen? Ich denke, fie find erst vierzehn Jahre alt, wenn ich das nun müßte, das könnte ich nicht." Na ja, Du!" Die beiden Damen lachten wieder. Du bist doch auch ganz etwas andres, Maus; Du kannst Dich doch nicht mit den Mädchen vergleichen!" Die Oberin stand auf und flopfte ein paar Kuchenfrümel vom leide.„ Na, nun werde ich Euch einmal die Anstalt zeigen. Nommt! Bindet Euch aber Tücher um, es ist talt in den Zimmern." " Ja, es ist wirklich falt!" sagte Frau Marie, während sie durch die Räume schritten. Fröstelnd zog sie das weiche Seidentuch um die Schultern. Ihr heizt wohl hier noch nicht?" „ Noch nicht, nein!" sagte die Oberin, bei mir laß ich ja schon heizen, wie Du gesehen hast, aber in der Anstalt wird erst vom fünfzehnten an eingefachelt. Das ist so Hausordnung. Wir müssen Die Mädchen arbeiten ja auch. uns nach der Hausordnung richten. Dabei werden sie warm." Jetzt spielen sie wohl?" fragte Ella. Sie hatte selbst ihre Puppe auf dem Arm und sprang leichtfüßig neben den beiden Damen her. Spielen?" fragte die Oberin.„ Das sind doch keine Kinder mehr. Zum Spielen ist hier keine Zeit, Mäuschen. Mittags wird eine Essenspause gemacht und nachmittags gehen die Mädchen eine halbe Stunde im Garten spazieren. Abends lieft die Schwester ihnen eine Stunde aus der Bibel vor oder aus einem christlichen Blatt und dann wird ins Bett gegangen. Ja, so bergeht der Tag." Das Letzte war mehr zu Frau Marie gesprochen. Die nickte zustimmend. Die Zeit zum Lernen ist ja auch nur knapp: zwei Jahre. Da muß jede Minute ausgenugt werden." " Na, das geschieht auch reichlich." Die Oberin stieß eine Thür auf.„ Seht, hier ist der Schlafsaal." „ Brr, ist der kalt!" Ella schauderte zusammen. " Kalt schlafen ist gesund!" sagte die Oberin troden; zugleich feufzte sie auf:" Ja, mit dem Schlafsaal ist es ein Elend; es ist im Winter so schrecklich naß. Und heizen dürfen wir nicht nach der Hausordnung. Na, wenigstens hab' ich die Schwestern jetzt in einem trockenen Zimmer untergebracht, ich werde auch wohl noch der Verwaltung einen Ofen für sie abfnöpfen können." Kalt fchlafen ist schrecklich!" sagte Frau Marie. " Ja, ich muß es auch warm haben," nickte die Oberin, aber mun tommt ins Nähzimmer. Da sind die Mädchen jetzt. Ünfre Mädchen arbeiten doch alles allein, wißt Ihr. Alles was sie tragen, ihre Kleider, ihre Wäsche, ihre Strümpfe." " Ihre Kleider auch!" schrie Ella.„ Ach, das könnte ich noch nicht." Na Du..." sagte die Oberin zum zweitenmal. Frau Marie zog die Stirne kraus:" Vergleich Dich doch bloß nicht immer mit den Arbeiterkindern, das ist ja zu albern." " Ja, seht Ihr, da find die Mädchen!" Die Oberin stieß eine Thür auf und ging boran. Eine Schar halbwüchsiger Kinder erhob sich von ihren Bläßen; fleine, bermickerte Gestalten, denen man nur allzu deutlich die Hertmft aus Armut und Elend anfah. Die Oberin gab mit einer Handbewegung das Zeichen zum Segen und wandte fich zu Frau Marie und Ela:" Seht mal, wie schön sie nähen, die Liese hier Vierzig Kinder?" staunte Frau Marie.„ Es ist doch ein macht sich jetzt einen Rock. Zeig mal her, Liese!" Sie nahm der fegensreiches Werk." Kleinsten die Arbeit aus der Hand und hielt sie Ella hin:" Siehst Die Oberin lächelte geschmeichelt. Was Du Maus, so wird es gemacht. Ja, sie müffen fleißig sein, fie Mädchen werden, wenn wir uns brauchen geng. Sie kommen ja so armselig und zerlumpt zu uns. Sie betonte das Wir" sehr stolz.„ Es Hier die Liefe, das ist unsre Jüngste. Ich sage Euch, wie sie zu Nun und ob würde denn aus ben nicht ihrer annähmen?" 824 uns tam, rein in Plundern." Sie nahm das Kind bei den Schultern| Die getrocknete Rinde der Melia findet Berwendung auch in der und zog es vor:" Jeßt sieht sie anders aus, nicht?" Aller Blicke richteten sich auf Liese. Aus dem Tierleben. („ Der Tropenpflanzer". Berlin.) Humoristisches. Pharmacopoe der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Sie hat einen leicht aromatischen Geruch und einen bitteren, übelerregenden Geschmack. Aus den Früchten der Melia wird 50 bis 60 Prozent eines Fettes gewonnen, welches schnell ranzig wird. Dieses Fett k. Der Gesang der Vögel ist in der letzten Zeit wieder führt den Namen„ Del von Margosa" und kann bei der Seifenholt von Engländern, namentlich von Charles A. Witchell, zum fabrikation, in der Malerei und zur Beleuchtung verwendet Gegenstand eingehender Studien gemacht worden. Auf diesen werden. Aus den grünen Früchten wurde in Georgien durch Beobachtungen füßend, veröffentlicht Robert Mc Leod in der„ London Gärung und Destillation eine Art Whisky gewonnen. Die Blätter Quarterly Review" eine Plauderei über die Entwicklung des Vogel- und Früchte der Melia sollen trockenes Obst vor Insektenfraß schüßen gesanges. Er weist darauf hin, daß die ersten Stimmlaute Schreie und ein Absud von gepulverten Früchten soll sich in Amerifa jogar des Schreckens oder Zornes waren. Dem Gefahrsignal und Kampf- als ein ausgezeichnetes Mittel gegen Baumschädlinge erwiesen haben. schrei wird die Rufnote hinzugefügt. Diese drei Töne sind in den Die Früchte sind giftig und die Chinesen verwenden sie als würmerGesang der meisten unsrer Vögel verwoben. Dann wird die Nach- abtreibendes Mittel. Die chemischen Untersuchungen von ahmung als eine der Hauptquellen musikalischer Komposition Oudenampsen ergaben, daß die Rinde von Melia eine auf die Fische bei den Vögeln dargestellt.„ Der Uferschilfsänger, ein tüchtiger betäubend wirkende Substanz enthält. Diese Substanz ist in Wasser Sänger. ist ein begabter Nachahmer. Es giebt thatsächlich löslich und verliert beim Kochen ihre torischen Eigenschaften. Außerkeine Grenze für die Verschiedenheit der Töne, die er dem enthält die Rinde ein Harz, Phytosterin, Azedarachsäure, ein reproduzieren kann. Wir haben mit Entzücken seinem außerordent Tannin, Saponin, das die betäubende Wirkung der Pflanze erklärt, lichen Gesang, einem Potpourri vieler Weisen, zugehört, wenn die und eine bittere Substanz. Dämmerung sich zur Dunkelheit verdichtete. Man kann ihn gar nicht Wie dem auch sei, zweifellos aber ist es, daß die Melia für beschreiben schnell, vieltönig, mannigfache Lichter und Schattierungen Schafe, Ziegen und Kühe ein gutes, gierig gefressenes Futter liefert. in verschiedenen Kadenzen, mit völliger Treue den Gesang der Nachbar- Wir haben es häufig gesehen, wie im Libanon und Syrien den vögel wiedergebend, manchmal augenscheinlich in vorher überlegter Tieren die Blätter der Melia vorgesezt und von denselben gern aufOrdnung. Ammern ahmen Piepern nach; Grünfinken und Gold- genommen wurden. Ebenso sollen die Früchte den Tieren keinen ammern haben ähnliche Stimmen, und wir wissen, daß sie im Winter Schaden verursachen. Das Holz der Melia kann als Bauholz verihre Nahrung an denselben Orten suchen und die Lockrufe hören. wendet werden. Auch wurde Melia als Schattenbaum für KaffeeDer Holzhäher ahmt im wilden Zustand so stark nach, daß er in pflanzungen empfohlen; er soll bei richtiger Formierung in dieser seinem Gesang nicht nur das schrille Hu der Gabelweihe, den Hinsicht gute Dienste leisten. scharfen Ton des Bussard und das Heulen der Eule einführt, sondern auch das Blöcken des Lammes und das Wiehern des Pferdes. Ein Sperling, der von einem Hänfling erzogen wurde und zufällig einen Stieglitz singen hörte, entwickelte Gemütlich. Polizist( zu einem Mann, der aus einer einen Gesang, der ein Gemisch des Singens dieser beiden Vögel Vereinsversammlung herausgeflogen kommt): Wer sind Sie?" war; während ein andrer, der in einer Kanarienhecke groß geworden„ Ich bin die Opposition!" war, wie ein Kanarienvogel fang, nur besser; ein dritter, der in Autlerlatein. Sonntagsjäger:„ Neulich fuhr ich einem Käfig dicht bei einer Feldlerche groß geworden war, ahmte mit überraschendem Erfolg den Gesang der Feldlerche nach, unter- per Automobil zur Jagd. Geschossen habe ich freilich nichts, aber brach die Weise aber mit seinen eignen Rufnoten... Auch andre mit der Maschine einen Hasen überfahren; dabei ist der Benzinbehälter explodiert, und der Hase wurde gleich gebraten." Das Brüllen des Straußes Tierschreie sind nachgeahmt worden. und des Löwen soll so ähnlich sein, daß selbst Hottentotten manchmal nicht eine Unterscheidung machen können.. Witchell hat auch den fühnen Versuch gemacht, den Zauber des Gesanges der Nachtigall zu beschreiben.„ Der volle Ton, den die Nachtigall entfaltet, steht ihr in vielen Buntten bei der Genauigkeit der Nachahmung im Wege. In der That ist der Gesang so wundervoll, daß der Lauscher im stande ist, alles andre zu vergessen über der schönen Innigkeit und Leidenschaft der Sängerin. Vielleicht erhöht die Umgebung des Vogels diesen Eindruck. Bald reicht der Schall weit, bald scheint der Ton sanft; bald wieder ist es ein lauter Klang; bisweilen eine Drohung( rrrrrr), dann wieder ein piu piu", das zu einem erstaun lichen Crescendo anwächst. Bald ahmt sie das„ sipsip sip si si si si si" der Weidenzeisige nach, dann wieder die murmelnden Töne der Spechtmeise. Der wissenschaftliche Forscher wird irre geführt durch diesen stürmischen Gesang, die wilde Melodie, das Triumphlied der Natur selbst, das zu Herzen geht. Nun flingt es flehend jetzt wieder pathetisch; bald feierlich, bald heftig, triumphierend, halb fröhlich. Man glaubt sie im selben Atemzuge fichern, höhnen und verzweifeln zu hören. Der Einfluß der Liebe auf die Entwicklung des Vogelgesanges ist vielfach übertrieben worden. Bei den Wandervögeln singt das Männchen leidenschaftlich vor der Anfunft des Weibchens; es ist eine Thatsache, daß erst wenn die Werbungszeit vorüber, das Nest gebaut ist und die häuslichen Sorgen begonnen haben, der Vogel seine ganze Seele in den Gesang Yegt. Der schönste Gesang ist nicht der des werbenden Vogels, sondern des Vogels, der gesiegt hat. Der Gesang, der in seiner höchsten Entfaltung in den Frühling fällt, stammt hauptsächlich vom erwachsenen Männchen. Es ist wahrscheinlich eine Kundgebung der Kraft und überströmenden Lebenslust. Es ist der Ueberfluß des neuen Lebens und der alles erfassenden Freude, die die Frühlingszeit mit ihrem Ueberfluß an Nahrung und hellem Sonnenschein dem gefunden Vogel bringt." " " Aus der Pflanzenwelt. - Die Unschuld.„ Also, Frau Huber, ich sag's Ihnen noch einmal, das, was Sie gestern von mir hörten, darf unter keinen Umständen unter die Leute kommen." Von mir aus nicht, Frau Schulze, wenn's nicht die Werrlein, der ich's eben erzählte, weiterplauscht." ( ,, Meggendorfer Blätter".) Notizen. Ein unbekanntes Tagebuch von G. T. A. Hoffmann ist im Nachlaß von Joseph Kürschner aufgefunden worden. Von besonderem Interesse ist darin der Tert des burlesken Singspiels„ Der Renegat". Das Tagebuch wird in der Zeitschrift„ Die Musik" veröffentlicht werden. D -Hugo v. Hofmannsthals Bearbeitung der Sopho fleſchen„ Elektra" geht als nächste Novität im kleinen Theater in Scene. Das Neue Kinder Theater" beginnt am 24.( im Neuen Theater) und 25. Oktober( in den Prachtsälen des Westens, Spichernstr. 3) seine Vorstellungen. Die nächste Premiere des Neuen Theaters ist Tolstojs Komödie Früchte der Bildung". Holger Drachmanns Schauspiel Junker Kai" hatte bei der Erstaufführung im Stuttgarter Hoftheater teinen rechten Erfolg. May Halbes neues Schauspiel, Der Strom" erzielte bei der Erstaufführung im Wiener Burgtheater einen starken Erfolg. Die Wiener Censur hat die Aufführung von Strind bergs" Gräfin Julie" freigegeben.- Wertmanns Schauspiel Liebesfünden" bleibt verboten, obwohl versucht worden war, durch Umgestaltung einzelner Scenen und Figuren die Aufführung des Stückes zu ermöglichen. Gold Pirol", eine neue idyllische Duverture von E. 1. v. Reznicet, wird in diesem Winter von Nifisch in Berlin und Leipzig erstmalig aufgeführt werden. " " - Melia Azedarach ist in der letzten Zeit Gegenstand einer speciellen chemischen Untersuchung seitens J. Oudenampsen geworden. Dieser Baum wird häufig im tropischen Afrika angetroffen, t. Die Expedition nach den Schildkröten- Inseln, wo er zweifellos nicht heimisch ist. Melia soll vom Himalaya her- die in den Jahren 1898 und 1899 von den beiden Universitäten stammen, wo man ihn in einer Höhe von 2000 bis 3000 Fuß findet. Hopkins und Stanford gemeinsam ausgerüstet und unterhalten Man nimmt an, daß er durch die Moslimen in die südlichen Ge- wurde, lieferte eine so große Fülle von naturwissenschaftlichen genden von Indien gebracht wurde. Andre bezeichnen wieder den Sammlungen, daß deren Bearbeitung noch heute nicht beendet ist. Norden Indiens, Persien und China als seine Heimat. Von Süd- Im letzten Heft der Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften europa aus wurde Melia nach den Vereinigten Staaten, und in Washington haben zwei Zoologen über das Ergebnis der Fisch zwar nach der Kolonisierung Karolinas und Georgiens eingeführt. fänge jener Forschungsreise berichtet. Am allgemeinen besteht die Wir selbst begegneten ihr in verschiedenen Punkten im Libanon. Sehr Ansicht, daß die Tierwelt der Erde heute bereits ziemlich gut bekannt häufig ist er auch in Syrien und Palästina. Dieser Baum wird häufig als sei. Wie wenig dies noch immer der Fall ist, beweist die Thatsache, Zierbaum angepflanzt. Er wächst sehr rasch auch in armem Boden, daß jene Expedition allein 23 neue Arten von Seefischen entdeckt hat, nur verträgt er nicht feuchten Untergrund. In verschiedenen von denen außerdem nicht weniger als fünf von allen bisher Gegenden werden der Rinde, den Blättern und Blüten sowie den bekannten Formen so abweichend sind, daß man sie sogar als neue Früchten der Melia mannigfaltige torische Eigenschaften zugeschrieben. Gattungen hat betrachten müssen. Berantwortl. Nedakteur: Julius Kaliski in Berlin. Drud und Berlag: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW