Mnierhaltungsblatt des Horwärts Nr. 220. DienStac;, den 10. Noveinber. 1903 20] Kleinbürger. (Nachdruck verböte») Nomon von Elisabeth K U y l c n st j e r n a. XIII. Ebbas Hochzeit mit imzähligeil nachfolgenden Festen, des- gleichen das Weihnachtsfest mit seinen Abwechseln»gen waren vorüber, und die Tage gingen wieder ihren gewohnten Schneckengang mit ihren sich stets wiederholenden Bc- scheiftigungeu. Frau Lejer hatte den ganzen Januar hindurch gekränkelt und schien sich nur langsam zn erholen. Die Kinder iibcr- redeten sie deshalb, wenigstens diesen Friihling noch nicht an eine Reise nach Amerika zu denken. Ein Jahr könnte sie ja noch in Schweden bleiben. Frau t.'ejer gab den Vorstellungen der Kinder nach, doch in dem Brief, den sie an Sven schrieb, bestimmte sie, das; sie nächstes Jahr bei ihm sein wolle. Günther, der seine Studien in Stockholm zu Ende führen sollte, hatte in Knngsholm eine Wohnung von zwei Zimmern gemietet. Diese war äußerst einfach möbtiert, als er sie bezog, doch sobald Alna kam, um sie sich anzusehen, bat sie gleich darum, einige Veränderungen vornehmen zu dürfen. „Du mußt mich Dein Heim verschönern lassen." sagte sie schmeichelnd,„es läßt sich wirklich nicht in solcher Um- gebung arbeiten, ein Sofa ohne Stil, ein Schrcibtisck so klobig, daß er sicher seine Herkunft auf einen Landtischtcr zurück« leitet und kein ordentlicher Spiegel." „Nun, was macht das aus, ich habe in dürftiger ein- gerichteten Zimmern gearbeitet, und wohnten nickst Mutter und Dora so beschränkt, würde ick) mir nicht einmal den Luxus eines eignen Zimmers gestattet haben," versetzte Günther. „Es ist nicht leicht, alles von andren annehmen zu müssen," fügte er bitter hinzu. „Wenn Du so reden kannst, sehe ich ein, daß Du nichts von mir hälft," sagte Alna. Sie hatte Hut und Mantel ab- gelegt und stand nun in dem fast zn eleganten Alltagskleide vor ihm.„Günther, was hat denn alt mein Geld für Zweck, wenn ich Dich nicht damit erfreuen kann. Wäre ich ein armes Mädchen gewesen, hätte ich niemals Dein werden können, jetzt aber bin ich es; und nun will ich auch ans Dankbarkeit für dies Glück Dich mit meiner Liebe und meinem Gelde Überschütten." Er nahm ihr Haupt zwischen seine starken Hände und hob das bleiche Antlitz empor, um es zu küssen. Ohne Leiden- schaft, dankbar und frenndschastlich drückte er seine Lippen ans ihre Stirn und auf die halbgeschlossenen Augenlider. „So thu' wie Du willst, kleine Alna," sagte er. „Günther,»venu Du mich doch ein wenig um meiner selbst willen lieben könntest; jeden Augenblick, den ich von Dir getrennt bin, fürchte ich, daß irgend eine Macht Dich feslhalten, und ich niemals wieder meinen Kopf an Dich schmiegen könnte. Wenn Du wüßtest, wie ich alle hübschen, jungen Mädchen beneide, die sich nicht zu ängstigen brauchen, daß sie ihr Liebstes in der Welt verlieren könnten." Er strich ihr beruhigend über das Haar, wie er bei Dora zu thnn pflegte, setzte sich dann auf das Sofa und zog sie a» sich, doch langsam und mechanisch wie jemand, der ehrenhaft eine übernommene Pflicht erfüllen will. „Ich halte viel von Dir, Alna," sagte er in über- Zeugendem Tone. „Willst Du mir nicht etiva? aus Deinem Leben er- zählen?" Sie hatte die Hände um seinen Arm geklammert, ließ sie jetzt jedoch sinken und lehnte tief in dem harten, unbegucmeu Sofa zurück. „Das weißt Du ja alles ganz genau, Alna!" „Weiß ich daS wirklich?" „Ja, bis in die kleinsten Kleinigkeiten, möchte ich glauben." „Hast Du mir nichts verheimlicht?" „Nein." „Verzeih' mir, Gunther, ich will nicht inquisitorisch sein; Dil weißt ja, ich verlasse mich auf Dich, doch alles, alles, was Dich betrifft, interessiert mich. Du bist der Inhalt meines Lebens, was vorher war, ist wie ausgelöscht, vor dem Augen- blick, da ick> Dich zuerst sah, giebt es keinen Tag in meiner Vergangenheit, der meiner Erinnerung teuer ist." Günther sah sie mit einem tiefen, teilnehmenden Blick an. aber er fühlte es docki, daß sie ihm unsichtbare Lasten zu tragen gab. Es waren der Abhängigkeit Bleigewichte, die sie mit jedem ausgesprochenen Liebeswort drückend schwer an seine Hände und Füße hängte. Ihre Eifersucht würde also eine Kontrolle über alle seine Handlungen ausüben; sie würde das Unmögliche verfnchen, leise Zuneigung in starke Liebe zn verwandeln. Alna hatte ihr Atelier anders eingerichtet, sie hatte weiche, farbenprächtige Teppiche über den' gebohnerten Fuß- boden gelegt, hatte die Gipsmodelle von Armen und Beinen, schmierige Skizzen und derbgemalte weibliche Gestalten ent- sernt. Sie machte es zu einem Liebesnest des verfeinerten Geschmackes, zündete des Abends kleine farbige Lampen hinter den hohen Blattgruppen an, stellte Eigarrenteller aus oreidiertem Silber mit ägyptischen Eigaretten bereit, zog den bequemen Lehnstuhl in bessere Beleuchtung und setzte sich selbst, wie sie wußte, daß Günther eS gern hatte, mit einer Hand- arbeit an den runden Tisch. Allmählich wurde es eine Gewohnheit, daß er die Abende bei ihr zubrachte. Er las ihr vor oder sie führten ernste Ge- spräche miteinander. Schmeicheleien und zärtliche Phrasen kamen selten vor; Günther gewöhnte sich indessen mehr daran, den raffinierten Gennß des Reichtums, den er anfangs kaum zu schätzen gewußt, zu genießen. Es entstand ein gutes, vertrauliches Verhältnis zwischen ihnen, und AlilaS Schwermut verschwand schließlich. Es kam solche Zuversicht über sie, wenn sie sich die Zukunft in dieser stillen, friedlichen Weise fortlaufend dachte; ihr Skeptizismus wurde betäubt, und sie fing an, an wirkliches Glück zu glauben. Zuweilen waren sie im Theater und aßen hinterher aus- wärts zu Abend. Dora begleitete sie gewöhnlich, und häufig schlössen sich dann noch ein paar jnnge Herren ihrem Kreise an. ES ging meist sehr munter her, besonders war es Dora, die mit ihrem lebhaften Wesen die Gesellschaft bei heiterer Laune erhielt, und die jungen Aerzte fühlten fich sehr von Günthers hübscher Schwester angezogen. Rydberg war Doras Lieblingsaufenthalt, da war es so fashionabel, meinte sie, man fühlte sich so innerhalb der guten Gesellschaft. „Sie ist kokett, die kleine Lejer," äußerte einer der Mediziner ans dem Heimweg zu seinen Kollegen. „lind doch so unnahbar," meinte ein andrer,„vielleicht ist ihr Herz schon gegen Feuer versichert." „Es ist eine vergnügniigssüchtige Kröte, aber pikant auf alle Fälle." „Ja, sie hat ein sehr anzuerkennendes Verdienst, man wird ihrer nie überdrüssig." Günther hatte während seiner ganzen Studienzeit für einen unverbesserlichen Philister gegolten, jetzt war er plötzlich zugänglicher geworden. Halb widerwillig,' halb neugierig ließ er sich in ihren Kreis ziehen, in dem er sich als der zu- künftige reiche Mann immer sicherer fühlte. Erich Hedfors, ein ewiger Student, der leichtfertig die Bücher„den Staubrock anziehen" ließ, wie er es nannte, und der„die Jugend aufsuchte, um sie einmal von ihrer Arbeit abzubringen", wurde Günthers Eicerone. „Willst Du zur Braut heute?" fragte er eines Nach- mittags, als er es sich mit einer Eigarre zwischen den dicken Lippen auf Günthers türkischem Diwan bequem gemacht hatte, „dann wird Dir beute abend später ein kleines Nachspiel gut tlmn, alter Junge. Wir sind in aller Gemütlichkeit ein bißchen zusammen, eh?" „Nein, heute abend nicht schon wieder, ich war ja gestem da," entgegnete Günther widerwillig. „Ei was, Du exemplarischer Jüngling, warum so knauserig sein? Das Leben gehört der Jugend, hast Du diese Weisheitsregel noch.sicht kapiert, und ein kleines unschuldiges Würfelspiel, dünkt mich, wirkt mir erheiternd. Bald läßt Du Dich als ehrbarer Familienvater mit repräsentablcv Aussichten nieder und wirst grau vor lauter Tugend. Dann sollst Du mich nicht känger von Erich Hedfors belästigt werden, dem Narren und Ülkmache� der niemals falsch mit den Karte*, nur mit Jhro Gnadm der Frau Fortuna, als sie Gevatter bei ihm stand, gespielt hat. Ja, sieh mich nur an, Tu, ich bin es selbst, von dem ich spreche. Ich hätte als Gauner und Mörder auf einen grünen Zweig kommen können, dach das schlendrianmäßige Tugendlebeu war nichts für mich." „Wer Du gedenkst doch wohl eininal Dein Examen zu machen?" „Das weiß der Teufel. Ich lege mich lieber in eine Schublade, als daß ich sie aufziehe, wie es im Sprichwort heißt. Wenn ich das Leben genossen habe, bis der Pokal in Stücke bricht, schenke ich meinen verehrten Leichnam dem Karolinischen Institut. Das ist dann mein Zinsatz für die Entwicklung der medizinischen Fakultät." Die ersten Male, als Erich Hedfors Günther besucht hatte, empfand dieser ein Gefühl des Ekels bei seinen krassen, hohlen Anschauungen, aber es war etwas so verführerisch Vampyrartiges in ihm, dem Günthers Charakter nicht ge- nagend Widerstand entgegensetzen konnte. Er warf sich diese durchschwelgten Nächte als unmännliche Schwäche vor, aber eine Macht, stärker als die eigne, trieb ihn immer wieder in das wilde Treiben der Kameraden zurück. Es war ein fieberhaftes, die Gesundheit zerstörendes Wirtshausleben, das er jetzt zu führen begann, und er lernte bezahlte Liebkosungen wie echte schätzen. Die guten Porsätze des Morgens wurden vor dem Abend gebrochen, und wenn er gegen zehn Uhr Alna verließ, suchte er meistens den„Klub" auf, der ihn am Spieltisch erwartete. Dann und wann freilich ging er nach Hause zu der Mutter und Tora oder zu Nils und Marie Luise, doch seitdem er ein ausschweifendes Leben begonnen hatte, war es ihm peinlich, die Bewunderung der Seinen entgegenzunehmen. Während des Sommers gelang es ihm, eine Vertretung zu bekommen, aber leider war es in einer Garnisonstadt, und er stürzte sich mit einer Leidenschaft, die ihm selber un- verständlich war, in das ausschweifende Leben, das hier geführt wurde. Alna reiste nicht auf Besuch zu ihm, sie schrieben sich indessen oft, und er hatte gelernt, seinen Briefen eine herz- liche, wenn auch nicht glühende Ausdrucksweise zu verleihen. Er ahnte nicht, daß der Ruf seines schlechten Lebenswandels bereits zu ihr gedrungen war, daß sie jedoch� alles duldete, nur um ihn nicht zu verlieren.— Im Sommer kam plötzlich und unerwartet der Krach. Herr Gadde starb nach kurzer Krankheit, und zu der Trauer gesellte sich eine Entdeckung, welche seine Witwe und Kinder in die größte Bestürzung versetzte. Der Reichtum, den sie für solide gehalten, erwies sich als eine dünne, goldene Schale über einein wurmstichigen Kern. Einsam war er seineu Weg gegangen, still und verschlossen hatte er diese Sorgen getragen: so lange er lebte, war es ihm gelungen, das zerbrechliche Kartenhaus zusammenzllhalten, jetzt aber stürzte es ein, und die Gläubiger fielen gierig über die Trümmer her. Das stattliche, große Gut war mit Hypotheken überlastet, die prächtige Stadteinrichtung kam unter den Hammer, und Frau Gadde und Alna blieb nur ein unbedeutendes Kapital zum Leben. Arna litt am meisten unter dem Gedanken, daß sie nun ihr Verhältnis mit Günther lösen müßte, denn was konnte sie ihm jetzt noch bieten, da ihr Reichtum entschwunden war. Sie schrieb einen Brief, der, wie sie glaubte, ruhig und gefaßt klang. Sie bekannte ihm die volle Wahrheit, doch— als sie die Worte niederschreiben sollte, die eine Mauer zwischen ihr und ihm, der ihr mehr als Leben, Licht und Frieden galt, errichten würden, da schwand ihr Mut und sie schloß den Brief mit einigen von Hoffnung und Verzweiflung bebenden Aeuße- rungen. Sie könnte arbeiten, eine glänzende Künstlcrlaufbahn läge vor ihr, und sie würde ihm niemals zur Last werden. Ein. Herz, das Hunger lstt, eine Seele die nach Zärtlichkeit durstete, sprach aus diesen Zeilen. Das erste Gefühl, das Günther überkam, nachdem er ein paar Seiten von Ainas Brief gelesen hatte, war das der Er- Icichterung: ihm war, als würden die Thüren eines dumpfen Krankenzimmers aufgesperrt, und die frische Lust schlüge ihm stärkend und wohlthuend entgegen. War diese ganze Ver- lobung nicht eine Erniedrigung gewesen, hatte sie ihn nicht auf Abwege getrieben, nur weil er den geraden Weg, der ihn so bald zu einem Leben an Alnas Seite geführt hätte, scheute. Er hatte sich gedrückt und unselbständig durch diese Liebe ge- suhlt, die ihn allerdings in den Augen der Welt unabhängig scheinen ließ.�ihn im Grunde jedoch mit Scham erfüllte. Frei! Frei! Er hielt das kleine weiße Papierblatt weit von sich ab und ließ es dann auf den Tisch fallen. Die Ge- danken stiegen so übermächtig in ihm auf, daß er nicht weiter- zulesen vermochte. Wie bitter hatte er nicht diese Verbindung bereut, jetzt fühlte er sich überzeugt, daß er dieselbe brechen würde. Sie wußte ja, daß er sie nicht liebte, oder sollte sie das unter dem scheinbaren Glück der letzten Zeit vergessen haben? Er griff von neuem nach dem Brief und las, ein schwer- mütiger Zug, der immer sorgenvoller wurde, je weiter er mit dieser klagenden, zugleich stolzen und wehmütigen Beichte kam, legte sich über sein Gesicht. Er wußte jetzt, daß sie ihr Ver- hältnis nicht als gelöst betrachtete. Sie spielte vorsichtig auf gerissenen Saiten eine Melodie, die nur in ihren Ohren den rechten Klang hatte. Günther schritt in seinem Zimmer auf und nieder, er sah ein, daß er seine Ehre zum Pfand gesetzt hatte, und daß er dies Pfand nicht verfallen lassen durfte. Er mußte ihr offen seine Lage bekennen und sie dann wählen lassen. Er erwachte aus einem Rausch, aber es war wie das Er- wachen in einem kühlen Morgennebel, da man vor dem an- brechenden Tage mit seiner Last und Plage zurückschaudert. Er sollte für ein Wesen arbeiten, das ihm im Grunde fremd war..Er mußte danach streben, möglichst schnell etwas zu verdienen, und dann würde er mit ihr die kleine Provinzial- arztstelle, von der sie einst gesprochen hatte, teilen. Dies war noch im glücklichsten Falle, wahrscheinlich mußte er erst hier und da auf Vertretung gehen,.immer nur an das tägliche Brot für sich und noch eine denkend. Günther überwand sich, einen freundlichen Brief zu schreiben. Als er ihn zugesiegelt hatte, that er einen tiefen Seufzer. Es war aus mit seinen Träumen einstiger Größe auf dem Gebiete der Wissenschaften. Der Bogen war zu straff gespannt, er war gesprungen. Arm, gebunden, unter drückenden Schulden sollte er sein Leben fortsetzen. � Diese Nacht spielte Günther nickst: er grübelte über sein Schicksal nach, doch schon die nächste Nacht saß er wieder bei den Karten: das Hazard, das anfangs nur ein gelegentlicher Zeitvertreib gewesen war, wurde zu einem Kampf, bei dem er seine ganze Energie daransetzte. Während dieser Stunden am Spieltisch betäubte er die Gedanken an die Zukunft, und mit wechselndem Glück und Unglück ftihr er fort, dem Dämon zu gehorchen, der mit eiserner Faust seine Vernunft um- klammert hielt. Er lieh von allen Seiten Geld und hinterließ bei seiner Abreise ganz bedeutende Schulden. Alna nahm sofort die Veränderung, die mit ihm vor- gegangen, wahr, doch stellte sie sich, als merkte sie nichts. Er hatte viel zu thun, doch feine frische Arbeitslust schien ihn ganz verlassen zu haben. Nicht einmal Dora gegenüber war er sich gleich geblieben: er schämte sich vor der Schwester und weilte immer nur kurze Zeit bei den Seinen, dann trico es ihn wieder wie mit Peitschenhieben fort. (Fortsetzung folgt.), )Ziis dem Musikleben. Die sogenannten Wunderkinder gehören schon immer zu den unliebenswürdigstcn Erscheinungen des Kunstlebens. Teils handelt es sich bei ihnen um gewöhnliche, nicht außerordentlich veranlagte Persönchen, denen irgend eine Gewinn- oder Ruhmsucht ein un- gewöhnliches Können aufgebürdet hat; teils handelt es sich um wirklich außerordentliche Begabungen, die frühzeitig mehr oder minder gut gepflegt und einer so raschen Entwicklung entgegengcführt werden, daß sie dann auch verhältnismäßig frühzeitig an ihrem Ende an- gclmigt sind. Eine große Anzahl nnsrcr berühmten musikalischen Klassiker bestand aus Wunderkindern der letzteren Art. Nachdem wir nun von Wunderkindern, die mehr zur ersteren Art gehören, viel abbekommen haben, tauchte in jüngster Zeit ein weit sympathischerer Wunderknabc auf: Franz von Vecscy. Wir hörten das vierte von seinen noch zahlreicheren Konzerten, das am vergangenen Mittwoch bei Kroll stattfand. Bevor wir auf das Heldchen des Abends ein- gehen, gebührt es sich, seinem Klavierbegleiter, Herrn Alfred Schmidt-Badekow, gegenüber der undankbaren Rolle, die er zu spielen hatte, eine um so größere Anerkennung zu zollen. Was war das doch für ein sogenanntes distinguiertes und noch sogenannteres kunstliebendes Publikum, das in die Nachspiele des Klavierbegleiters rücksichtslos hineinlärmte I lind dabei spielte Herr Schmidt-Badekow durchaus gut, wenn auch allerdings keine neuen Offenbarungen zu Tage kamen; nicht nur als Begleiter, sondern auch als Solospieler bewährte er sich echt musikalisch. Der junge Geigenvirtuos Franz von Vecsey könnte zahlreichen erwachsenen Musikern ein Muster sein, nicht nur in seiner vollendeten — 8' und namentlich leichtbeschwingten Technik, sondern auch in der Ent- schicdcnheit und Gestaltung seines Spiels, namentlich aber in der durch keinerlei Nachlässigkeiten getrübten Sorgfältigkeit und Feinheit bis ins kleinste hinein. Noch höher jedoch möchten wir den Vorzug schätzen, das; er über einen groszcn Reichtum von Nuancen der Stärke seines Spiels verfügt; insbesondere findet man ein solches Piano thatsächlich selten. Nun sind wir aber mit dem Heldentum zu Ende. Von einer wirklichen Bereicherung der modernen Musik, von etwas wie einer neuen Offenbarung, von irgend welchen inneren Tiefen und Nöten, die sich eine eigne Kunstsprache erzwingen, kann hier nicht die Rede sein. Das Gesagte versteht sich natürlich immer nur mit der Einschränkung, daß man vor einem vielleicht zwölfjährigen Jungen steht, der mit viel weniger schon unsre Achtung verdienen würde. Allein wenn irgend jemand auf der einen Seite so außerordentliches leistet, so ist ein eben nur ordentliches Leisten auf einer andren Seite um so charakteristischer. Wie wir hören, hat der Junge niemals eine Wunderkindpresse, aber auch noch keinen tiefer gehenden musi- kaiischen Unterricht erhalten. Das Technische scheint ihm sozusagen beinahe ganz von selber gekommen zu sein und das übrige ihn nicht bedrängt zu haben. Es liegt hier doch, trotz aller Wunderkindschaft, eine Analogie zu der Lage der gewöhnlichen Musikkinder bor. Man treibt mehr Technik als Musik. Das thun aber nicht nur die Pfuscher, Dilettanten und Handwerker, sondern einigermaßen auch vornehme Künstler und Kunstlehrcr. Vor uns liegt ein ncueS Hilfsmittel der Musikbildung, die „T h e o r c t i s ch- p r a k t i s ch e Klavierschule" von Karl Zu schneid lGr.-Lichterfeldc, Ehr. Friedrich Vieweg; 2 Teile). Das Werk ist samt dem„Methodischen Leitfaden für den Klavier- Unterricht" von demselben Verfasser(ebenda) eine der erfreulichsten Erscheinungen in der sonst nicht eben sehr angenehmen Studien- littcratur. Für die speziellen Zwecke der Klavierbildung steht es auf der Höhe der modernen Methodik und wird für manche durch eine größere Einfachheit vielleicht sogar praktischer sein, als die Klavier- schule von Hugo Riemann, die uns im übrigen weitaus das verdienst- vollste Werk dieser Art zu sein scheint. Indem wir betonen, daß es sich eben speziell um den Klavierunterricht handelt, bedauern wir zugleich auch, daß das Werk Zuschncids in die Versuchung führt, mit einem solchen Klavierunterricht den wirklichen Musikunterricht für er- schöpft zu halten. Das bißchen Unterweisung in Theorie, das dieser Schule mitgegeben ist. genügt eben nicht. Dazu kommt noch, daß unsres Erachtens auch manches zur Technik im höheren Sinne des Wortes Gehörige nicht früh genug vorgebracht wird. In der um- strittenen Frage, ob das eigentlich Künstlerische überhaupt lehrbar sei, läßt sich eine Entscheidung auf praktischem Wege schon dadurch annähern, daß man das Mechanische im Unterricht von vornherein auch aus seine spätere Verwendung im künstlerischen Dienste hin anlegt. Beispielsweise legt Schreiber dieses mehr als der Verfasser jener Klavierschule Gewicht auf baldige Uebungen im Gebrauch vcr- schieden« Stärkegrade, ja sogar speziell auf Tonwiederholung mit solchen, während Zuschncid all dieS erst später bringt. Dies also nur Andeutungen des Mancherlei, das über ein solches Werk vom speciellen Fachstandpunkt zu sagen wäre; jedenfalls liegt eine Leistung vor, aus der auch weitere Kreise über manches Ausklärung bekommen könnten. Die der Klavierschule bcigegebenen Mahnworte an die Eltern usw. mögen wohl beherzigt werden, und selbst das Verzeichnis der über das Werk erschienenen günstigen Kritilen ist dadurch interessant, daß die Kritiker in wirklich fachkundiger Weise die eigenartigen Verdienste Zuschneids deutlich hervorgehoben haben. Neben den Wunderkindern vergessen wir leicht der„Wunder- alten", und neben den Unvollkommcnheiten, für welche ein Kind nichts kann, Nnvollkommenheiten der Aeltercn, für welche diese sehr wohl etwas können. Auch Mendelssohn war ein Wunderkind, manche seiner Leistungen für damals Wunderwerke und für heute Meisterwerke, vieles andre aber für heute kaum mehr gut zu ertragen. Dies wurde uns ganz besonders klar, als am Montag, den 2. November, der Stern sche Gesangverein unter Professor Friedrich Gernsheim wieder einmal den Mendelssohnschen„P a u l u S" zur Aufführung brachte. Heute noch können d i e Partien dieses Werkes, in denen es sich um den Ausdruck einer jubelnden Freude an der schönen Welt und an erfreulichem Schicksal handelt, auch dem Hörer Freude b«eitcn. Im übrigen jedoch werden wir bald am Ende unsres Interesses für derartige süße und äußerliche Darstellungen gewichtiger Gegenstände sein. Gar erst, wenn die Aufführung nur eben anständig und animiert ist. Das genügt heute nicht mehr. Außerdem fehlt es immer wiederum an zureichenden Oratorien- Solisten. Herr Jos. M e s s ch a e r t ist ein solcher. Herr von Zur-Mühlen kann viel, treibt aber mit seinem Können Unfug. Sängerinnen, wie Frau Marie Blanck-Peters und Fräulein Marie Ries mögen für weniger schwere Aufgaben ganz wohl am Platze sein. Wenn derlei Werke nicht mit der für heute höchstmöglichen Kunst herausgearbeitet werden, so möchte man von den wunderlichen Alten lieber nichts mehr hören.—.«z. Kleines feiillleton. sc. Ein fünfzigjähriges Wunderjubiläum. Der internationale Klerikalismus hat unverantwortlicherweise daS Jahr verstreichen lassen, ohne die Jubelfeier eines erbaulichen Borganges zu begehen, feit dem im September ein halbes Jahrhundert verflossen war. Das 9— ist um so befremdend«, als der Sachverhalt die ungläubigen Thomasse Lügen straft, die an keine Wunder glauben wollen, weil nach ihrem beschränkten Laienverstand heutzutage keine geschehen. Nun, im September 1853 ist ein großes Wunder geschehen, das der Papst selber— Pius IX. seligen Angedenkens— beglaubigt hat. Waren da an einem heißen Vormittag zwei Hirtenkinder, Maximin Girand und Melanie Mathieu, auf einem Berge der fran- zösischen Alpen, la Salette in d« Dauphin«, eingcschlasen. Plötzlich geweckt, sehen sie eine Dame vor sich, die als Kopfbedeckung einen Zuckerhut trägt. Ein weißes Gewand, worin Zange und Hammer eingestickt, ein Gürtel, der mit Rosen geschmückt war, und weiße Schleifenschuhe waren ihre Kleidung. „Ich bin die heilige Jungfrau," sagte die Dame zu den Kindern, „es wird zu viel getanzt, die Messe wird nicht oft genug besucht, die Fasten werden nicht gehalten. Geht das so fort, so werden die Kartoffeln, die schon krank sind, ganz verderben. Wer Getreide hat, der säe es nicht; denn die Würmer werden es fressen. Eine große Hungersnot und allgemeine Sterblichkeit steht bevor. Die Menschen sollen, wenn sie sich nicht bald bekehren, durch den Hunger zur Buße gebracht werden. Thun sie aber rechtzeitig Buße, so werben sich die Steine in Getreide verwandeln, und man wird Kartoffeln ernten, ohne sie gepflanzt zu haben." Nach diesen wundersamen Weissagungen, die sich merkwürdiger- weise nicht erfüllt haben, vertraute die Jungftau den Kindern noch ein„wichtiges Geheimnis" an und verschwand. Die mit der Er- scheinunq Beglückten erzählten ihrem Pfarrer die Sache, der meldet sie an seinen Bischof, bald macht das große Wunder allenthalben die Runde und findet Glauben bei den Frommen im Lande. Eine zur Untersuchung des Sachverhalts eingesetzte Kommission vcr- hielt sich allerdings skeptisch; sie muß aus blinden Heiden bestanden haben. Dies wirkte aber weiter nicht störend. Aergerlich war freilich, daß eins der Kinder einmal seine Erzählung widerrief, daß es unmöglich war. die Aussagen beider in Einklang zu bringen— von wegen nmsscnhafter Widersprüche. Der Uebelftand ward nun beseitigt, indem man die beiden Auserwählten einem Kloster über- gab, wo sie unter der Obhut der Nonnen bald lernten, ihre Ge- schichte mit allen Details übereinstimmend zu erzählen. wie sie im Auszug oben wiedergegeben ist. Demgemäß lvard sie nun durch Briefe der Kinder, die ihnen ein Priester diktierte, an den heiligen Vater berichtet. Auch in Rom machten wieder Zweifel- süchnge ihren Einfluß geltend. Aber Pius IX. gab dem frommen Kinderglauben recht und erteilte die Erlaubnis zu Wallfahrten nach la Salette. Der Bischof von Grenoble posaunte nun das Wunder mit vollen Backen aus, richtete ihm zu Ehren einen besonderen Gottes- dienst ein und ließ den geweihten Fleck durch einen Altar bezeichnen. Hier war inzwischen eine heilkräftige Quelle hervorgebrochen, deren Wasser alle Krankheiten wunderbar' heilte und schnell, in Flaschen abgefüllt, zu einem glänzenden Geschäft wurde. Die nötige Reklame für das fromme Unternehmen machten die französischen Kollegen des Bischofs von Grenoble, indem sie in ihren Diözesen über die Erscheinung unsrer lieben Frau von la Salette predigen ließen. Unter dem zweiten Kaiserreich hatten die Schwarzen gute Zeiten: sie sollten sich ihrer doch dankbar erinnern und die Jubiläen feiern, wie sie fallen.— k. Alte Reklamekünste. Auch die neuesten Reklamemittel der Pariser Blätter, die mit Preisrätsellösen und Schatzsuchen alle Welt in Bewegung setzen, sind—„schon dagewesen" I Das behauptet wenigstens Ernest Blum in einem sehr lustigen Kapitel seines „Journal d'un Vaudevilliste".„Seitdem zwei Pariser Tages- zeitungen den großen Wettbewerb eröffnet haben", schreibt er,„an dem ihre Leser und auch andre Leute sich beteiligen und eine große Summe gewinnen können, bietet Paris einen sonderbaren Anblick. In den Familien trifft man imr noch alte und junge Leute, die Getteidekörner zählen. Auf den Straßen verkaufen die erfinderischen Camclots die fertige Lösung des Rätsels für 1l) Centimes; die guten Leute geben für 2 SouS' also etwas, was ihnen selbst Millionen bringen könnte... Ich muß aber feststellen, daß diese Idee, wie die Mehrzahl der modernen Ideen nicht neu ist. Vor fünfzig Jahren kam ein genialer Stestaurateur darauf ein goldenes Fünftranfftück in eine Wurst zu stopfen. Wer die gute Wurst erwischte, behielt das Geld und bekam die Wurst umsonst. Natürlich drängte sich die Menge zu ihm. und er verkaufte mehr Würste, als alle Schweine der Welt zusammen liefern konnten. Er erwarb schnell ein Vermögen und zog sich als reicher Mann zurück. Gewiß ist von dem bescheidenen Fünffrankstück zu den Millionen von jetzt ein großer Schritt, aber der Keim der Idee war doch da. Und ficher war es angenehmer, Würste essen als Körner zählen zu müssen.... Auch eine kleine, von Lireux geleitete Zeitung,� die einige Zeit unter Ludwig Philipp erschien, hatte eine ähnliche Idee. Ein unglücklicher Kassenbote hatte bei seinen Gängen eine Brieftasche mit 20000 Fr. Inhalt verloren. In seiner Angst versprach er in einem Inserat auf der vierten Seite der Zeitungen dem ehrlichen Finder eine mehr als anständige Belohnung. Die besagte Zeitung bemächtigte sich der Sache und machte bekannt, daß sie aus Interesse für den Verlierer dem Finder die Hälfte der verlorenen Summe aus eigner Tasche zahlen würde. Natürlich suchte auch damals ganz Paris. Aber die schlaue kleine Zeitung wußte wohl, was sie that; sie sagte sich, daß der Finder einer Brieftasche mit 20000 Frank Inhalt sich sicher nicht mit der Hälfte begnügen werde, wenn er das Ganze haben konnte. Die Thatsachen gaben diesem Skepticismus recht, um so mehr, als der Kassenöote— selbst sich die Briestasche angeeignet hatte und nur behauptete, sie verloren zu haben. Die kleine Zeitung aber hatte den Borteil, daß der Bankrott— um drei Wochen aufgeschoben wurde.,. Ein andres kleines Blatt, ein Theatcrorgan, hatte gleichfalls eine Finanzidee dieser Art, Ich will bescheiden gestehen, dast besagte Idee von mir stammte, das; da? Geschick mich also zum Vorläufer der Erfinder der heute modernen Älappcrkiinste bestimmt hat. Der Direktor fand, das', seine Zeitung nicht genug gelesen lvurde— eS waren vielleicht im ganzen 13 Abonnenten— und fragte feine Redakteure nach einer Idee, die eine Menge Leser anziehen könnte..Im Notfall würde ich einen Preis für die Losung eines originellen und schlvereu Problems bieten, nur ist es mir noch nicht gelungen, daS Problem zu finden, und ich bitte um Ihre Hilfe dabei." Alle zerbrachen sich den Kopf, Am folgenden Tage, als wir die Früchte unsrer Nachtwachen brachten, war ich so glücklich, den Vogel abznschiestcn,„Sie wollen ein originelles und gleichzeitig schweres Problem? Bieten Sie eine bedeutende Summe dem, der die genaue Zahl der Löcher auf dem Gesicht des Komikers Arnal an- geben kann, der bekanntlich sehr pockennarbig ist I" Man fand die Idee köstlich, der Direktor nahm sie an und machte zwei Tage am Kopf der Zeitung bekannt, das; er 500 Fr, Belohnung jeden; zahlen würde, der die verlangte Lösimg fände, Zwei junge Schauspielerinnen vom Vaudeville, an dem Arnal damals spielte. wollten den Preis gewinnen, folgten de»; Komiker auf Schritt und Tritt und zählten peinlich genau die Löcher seines Gesichtes, Arnal, der von der Sache nichts wußte, gab sich aber nur ungern dazu her; er begriff mich nicht, warum die jungen Schauspielerinnen ihre Zeit buchstäblich damit verbrachten, ihn anzusehen. Einer gelang es eines abend?, die Hälfte der Löcher auf dem Gesicht des Schauspielers zu zählet;: er hatte wahrscheinlich gut gespeist und benutzteeinelangePansc im Stück zu einer kleinen Siesta, Die junge Schauspielerin trat verstohlen in sein Ankleidczimmer und machte sich ruhig an die Arbeit, Sie l atte es schon zu einer Riesenzahl gebracht,— man ahnt thatsächlich nicht, wie groß die Anzahl der kleinen Höhlungen eines Pocken- narbigen ist— aber sie tonnte auch an dielen; Abend das Inventar nicht ganz aufnehmen, da Arnal plötzlich erlvachte, Sic sagte sich jedoch, daß bei einer einfachen Verdoppelung der Zahl die gewünschte Lösung herauskäme. Leider besaß unser Direktor bei der Ankündigung eines Preises von 500 Fr, wohl den Preis, wie er selbst sagte, aber nicht die 500 Fr, Er zog sich geschickt aus der Verlegenheit und erklärte der jungen Schauspielerin, daß die Polizei ihn seit 24 Stunden gezwungen hätte, auf sein Problem zu vcr- zichten, da Arnal ein Nationalschatz wäre, an den man nicht rühren dürfe... — Meeresmitersnchuugen. Man schreibt der„National-Zeitung" ans Kopenhagen: Nachdem ans der letzten Konferenz für Meeres- Untersuchung das große Arbeitsfeld unter die verschiedenen Nationen verteilt worden ist, hat man jetzt die Arbeit praktisch begonnen. Dänemark lvurde das MecreSgebict zlvischcn den Färbern und Island zur Untersuchung angewiesen. Das hierfür erloorbene Schiff„Thor", ein Fahrzeug von 75 Tons init 15 Mann Be- satzung. führte während der Sonnncrmouate eine Erpedition nach Island, die hier umfassende Untersuchungen angestellt und außerordentlich reichhaltige Resultate erzielt hat. Die Untersuchungen wurden geleitet von Magister Nielsen als Hhdrograph, Smidt als Biolog und Paulseu als Planktolog; diesen schloß sich auf Island noch der Biolog Bjarni Sämnndsen an, Nördlich von den Faröern untersuchte man ein Feld von über 200 JQuadratmeilen, ging dann in die Gegend südlich von Island und untersuchte hier in der Nähe der Westman-Jnseln ein Gebiet Von circa 100 Onadratmeilen. Darauf umsegelte man Island westlich und ging so weit nach den; Norden, wie das Polareis gestattete, Darauf untersuchte man die Fahrwasser nördlich von Island und begab sich dann an die Ostküste: hier, wo der warme MeercLstrom mit den; kalten Polarstron; zusammenstößt, stellte man in einer Tiefe von 1000 Faden eine größere Reihe interessanter Untersuchungen an. Die Verschiedcnartigkeit der beiden Strömungen zeigte sich besonders an den; unterseeischen Höhenrücken, der Island mit den Faröern verbindet. Südlich vom Höhenrücken betrug die Temperatur des Wassers in den größeren Tiefen bis auf den Meeresboden nicht unter+ 3 Grad, während man nördlich vom Rucken unter ent- sprechenden Verhältnissen— 1 Grad maß. Der Tempera turuntcr- schied beträgt hier also 4 Grad, Die fischcreikundigen Gelehrten haben hier auch festgestellt, daß der Dorsch an Islands Südwest- und Nordküste laicht, durchaus aber nicht an der Ostküste stvas man früher glaubte), weil die Teinperatnr hier eine zu niedrige ist. Die Fi icherei Islands wird sich diese Feststellung zu Nutzen machen, Interessant rst es, daß man hier bei Island inehrcre Fischarten ge- fundcn hat, die bisher unbekannt waren, und andre, von denen man nicht wußte, daß sie sich hier aufhielten. An 17 000 Fischen hat man Messungen vorgenommen. Die großen Samm- Iinigen von Fnchei;, Plankton und Wasserproben werden i»; Koben- Hagener kcutialbmcau snr internationale Meeresnntersnchnng be- arbeitet werden: mai; hos>", der Fischerei bei Island zahlreiche wert- volle.li;wei>nngei; geh-.»*, zu können Nach Beendigung dieser Ex- pedirion ist der„Thor" nach de»; Skagerak gegangen, um hier die Bnttfischerei zu untersuchen. Mitte November wird das Schiff zurück- kehren und die Arbetten ruhen darauf bis zu;,; kommenden Früh- Vcr«ilivottl. Redakteur; Julius Kaliski in Berti,-,— Druck und Verlag; jähr. Der jetzt schon festgelegte Plan der dänischen Meeresunter- suchuugen erstreckt sich auf eine Dauer von drei Jähren.— Technisches. Ki". R n ß k ä st e n für K a m i n t h ii r e n. Der sich beim Fegen der Schornsteine loslösende Ruß sammelt sich bekanntlich auf der Sohle des Schornsteinschachtes an und lvird hier von; Schornstein« feger nach Oeffnung der Verschlußvorrichtung entfernt. Die mit dieser Art der Rußentfernung verbundenen Belästigungei; sind besonders groß, wenn sich die Schornstcinsohle in Geschäftsräumen oder in bewohnten Lokalitäten befindet. Um hier die herrschenden Mßstände zu beseitigen, ist jetzt eine praktische Kamin« Ausputzthür mit Rußkasten konstruiert worden. Bei dieser befindet sich über den; RußentlccrungSkastcn, der in ein Ge- stell oder Rahmen eingeschoben lvird, der vierseitige, tnchter- förmige Einkauf mit den; in ihm lanfendci; Abschlußschicber. Zum Schutze gegen Verbiegen de? letzteren verursacht durch eventuell herabfallende Steine, die hier und dort beim Schornstein- fegen vom Mauerwerk abbröckeln, sind einige Roslstäbe angebracht, deren»uttelster sich mit dem Schieber herauszieht, wodurch eine ausreichend große Oeffnung geschaffen lvird, um die herabgefallenen Steine durchfallen zn lassen. Der Kastendeckcl ist mit den; Schieber so verbuilden, daß er sich lvährend der Rnßentleeruua selbstthätig ein- und auslöst. Beim Einsetzen iverdci; die Kanten des Eiillaustrichters in das Mauerwerk gebracht und mit Mörtel verputzt. Durch dieses Einputzcu des Trichters und durch den in demselben laufenden Schieber ist unthin der Schornstein nach unten incht nur vollkommen abgeschlossen, so daß der Ruß nicht herausfallen kann, sondern es ist auch durch diesen Abschluß selbst bei offenstehender Thür eine FencrSgefahr vermieden, Ist der Ruß durch das Fegen des Schornsteins heruntergefalleir, so hat er sich über den; Schieber angesannnelt. Nunmehr wird die Thür mittels Schlüssel geöffnet und der Schieber herausgezogen. Durch diese Handhabung hat gleichzeitig der Deckel den Kasten selbstthätig geöffnet und läßt den Rnß in den Behälter gelangen. Wird jetzt der Schieber lvieder znrückgedrückt. dann lvird der Kasten durch den Deckel selbstthätig geschlossen und gleichzeitig die Enttuppelung von; Schieber bewirkt. Der gefüllte und bereits geschlossene Rußkasten wird nun ans den; Schornstein heranSgezogeu und kann bei«; Forttragen und Eickleeren nicht;i;ehr zuRußbeläftigungen führen. Durch zweckmäßige Konstruktion des Trichters und des Schiebers ist dafür gesorgt, daß sich der Kastei; nie überfüllen kann. Der Schieber dieick dazu, bei sehr großen Rnßinengen nach jeden; Zurückstoßen den verbleibenden Ruß, der nicht niehr ii;-den Kastei; geht, in; Schornsteil; oder in; Trichter zurückzuhalten. Diese neue Vorrichtung. die für deutsche Verhältnisse in� zwölf verschiedenen Größen hergestellt lvird, besitzt Thür und Schieber aus stark verbleite»; Blech, so daß also die Gefahr des Dnrchrostcns verhindert ist. Die Kamin- AuSputzthür mit Rußkasten dürfte daher eine sehr zweckmäßige und, nebenbei bemerkt, auch billige Eiilrichtnng für die Schoriffteinc unsrer Heiznugsanlagen sein,— Notizen. c. E r;; e st V i z e t e l l y, ein Freund ZolaS, hat eine Zola- Biographie beendet: die Veröffentlichung des BncheS wird von John Laue(London) angekündigt.— — Unter den; Titel„Das n e u e I a h r h n n d e r t" erscheint bei Ghldendal in Kopenhagen eine neue, groß angelegte nordische Revue,— — Der Philharmonische Chor veranstaltet am 7. Dezember in der Philharmonie einen B r a h m s- A b e n d. Auf dein Prograin»; stehen u, a. das„Schicksalslied" und das„Deutsche Requiem",— — Die„B a r t h s ch e M a d r i g a l v e r e i u i g u u g" lvird Mitte Dezember ihr erste? Konzert geben, in dem eine ganze Reihe von italicnischeil, französischeil, niederländischen, englischen und dcntschcn Madrigalen des 15. bis 17. Jahrhunderts zum Bortrag gelaugt,— — Theodor G e r l a ch S„gesprochene" Oper„Liebes- Ivo geil" erzielte bei der Erstaufführung an; Breiner Stadt- Theater einen starken Erfolg.— t. Eine neue G e s p i n st p f l a n z c. Auf den Halvai- Jnseln haben anierikanische Gelehrte die Olona-Pflanze uickersucht und ai; ihr Eigenschaften entdeckt, die sie zur Verwertung als lvichtige Gespinstpflanze zu empfehlen scheinen, Sie gehört zur Familie der Nesseln, ähnlich der berühmten Ranne, dürfte sich aber noch leichter zur Verarbeitung eignen, da sie kein Harz enthält. Die Olona- Faser gedeiht am besten in tropischen Wäldern in Höhen von etwa 500 Meter über de»; Meeresspiegel,— — Berechtigte Frage, Vom Rhein wird der„Frankfurter Zeitling" geschrieben; In einem armen Dorfe in der Eifel feierte der betagte ÄolkSschnllehrer sein fünfzigjähriges Dienst- jubilänm. Die Geincinde brachte dem verdienten Erzieher der Jugend einen Fackelzug, und als das ganze Torf vor den; Schul- Hause versammelt war, hielt der Bürgermeister eine Rede, die mit den; Rufe schloß: „Unser verehrter Lehrer soll leben!" „ W o v o n k" antwortete prompt der Gefeierte,— Vorwärts Vuchdruckerei und Berlagsanslalt Paul Singer& Co., Berlin 8W