Nnterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 226. Mittwoch, den 18. November. 1903 (Nachdruck verboten.) Das Verbrechen des Hrztes» 4] Roman von I. H. R o s n y. Autorisierte Uebcrtragung von M. v. B e r t h o f. Als Guy alles Notwendige gethan hatte, wurde er wieder von der Versuchung ergriffen, und zwar so heftig, daß er fast einen physischen Schmerz darüber empfand. Er ging bis an den Schreibtisch heran und sah sich die Banknoten an. „Es unterliegt gar keinem Zweifel! Dieser Mann hat gar kein Buch geführt— er hat das Geld zusammengewürfelt. wie leine groteske Sammlung, ganz wie es der Zufall brachte. Man braucht nur zuzugreifen." Doch er griff nicht zu. Er risi sich von dem Anblick des Geldes los, als ob er sich von einer festen Umschlingting losgerissen hätte. In einem Zuge flog er bis zur Loge des Hausbesorgers hinab. Dieser erhob sich bei der Mitteilung aus feinem Lehnstuhl lind entgegnete kühl: „So und nicht anders hat der, mit Respekt zu sagen. verrecken müssen: oder man hätte ihn erwürgt. Sind Sie ganz sicher, Herr Doktor, daß niemand bei ihm war?" „Nein! Nein!" rief Herbeline ungeduldig. „llebrigens ich behaupte ja nicht, daß er tot ist, sondern bloß, daß er iin Sterben liegt. Können Sie mir vielleicht die Aufwärterin holen, oder sonst jemand, gleichviel wen—?" „Ich will hinschicken," sagte der Hausbesorger mit ge- heimnisvoller Miene.„Hätte der Herr nicht ein ständiges Dienstmädel haben können? lind Sie sagen also, daß die Thür otfen war?"• Vier Stufen auf einmal nehmend flog Herbeline die Treppen wieder hinauf. Er fand seinen Kranken unverändert, oder richtiger, es schien ihm, als wären die Symptome noch ernster geworden. „Diese Schublade darf keineswegs offen bleiben," sagte er sich.„Man könnte mich sonst in Verdacht haben. Und andrerseits! Wenn er erwacht und die Schublade verschlossen sindet, wie sollte ich ihm das erklären? Ich würde ihni die Wahrheit sagen und er würde mir zweifellos glauben. Aber ganz sicher ist das auch nicht!" Ter Gedanke, schuldlos zu sei» und dennoch verdächtigt zu werden, machte ihn ganz wütend, llnd in dieser Wut er- schien ihin der Stand seiner Angelegenheiten noch verzweifelter. Tann stürzte er sich mit der Heftigkeit deS rettenden Instinkts auf die Schublade, ergriff zwei, drei Handvoll von Banknoten, stopfte sie in die Taschen seines Ueberrockes und schloß eiligst das Möbel. Die Handlung setzte ihn in eine Art von Erstarrung. Er sank auf einen Sessel nieder. Ein furchtbarer Seufzer entrang sich seiner Brust. „Nein," sagte er,„ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht, ich will es zurücklegen." Ein Läuten an der Glocke ließ ihn aufspringen. Mit wirren Blicken sah er um sich, glaubte auf den Schreibtisch zuzugehen und befand sich im Vorraum. Er öffnete die Thür: die Aufwärterin stand vor ihm. „Kommen Sie nur," sagte er,„man muß in die Apotheke gehen, ich will etwas verschreibet!." Und dabei dachte er:„So lange diese Iran hier ist, bleibe ich ein Dieb" Darauf begann er wieder:„Die Thür lvar offen, wie kommt das?" „Ich habe sie zugemacht," sagte die Frau mit ängstlicher Miene,„wie immer habe ich sie zugeinacht. Gewöhnlich kam er noch heraus, und hat dann den Schlüssel zweimal um- gedreht... Eine kleine Viertelstunde, oder eine kleine halbe Stunde, nachdem ich foflt war... Wird er sterben?" Guy zuckte die Achseln, er hatte seine Kaltblütigkeit wiedergewonnen. Er handelte mit der ruhigen Entschlossen heit, die ihm eigen war. Während er sein Rezept schrieb, betrachtete die Frau aus merkiam den Kranken. Sie war eipcs jener Wesen, die einem das Leben des Wilden in den Savannen als schön erscheinen lassen. Sie schleppte auf traurig wankenden Füßen einen gichtbrüchigen Körper, mit schlottriaem Gebein, eine feuchte, kalte Haut, welkes, schwammiges Fleisch. Verwirrung über ihr Elend sprach aus ihren runden Augen, denn wenn die Rolle des Zufalls schon für alle Geschöpfe unendlich groß ist, so erscheint sie Wesen ihrer Art vollends phantastisch. Die sorialc Existenz hat eigentlich für sie nur Fallstricke, die ein- fachsten Vorgänge stellen sich ihrem verschreckten Geist als etwas ungemein �kompliziertes dar. Aber der Tod rnachte ihr gar keinen Eindruck. Sie be- trachtete ihn ganz dumpf, sie glaubte, daß das Reich der Toten ein Reich wie ein andres sei, wo die Dinge nicht wesentlich ver- schieden von denen dieser Welt sind. „Der atinet ja gar nicht mehr!" sagte die Aufwärterin, indem sie leise den Kopf schüttelte.„Und mir ist er vierzehn Tage Lohn schuldig. Wer wird mir dxn zahlen?" Guy. der sein Rezept fertig geschrieben hatte, antwortete nicht. Ihr wurde bange: „Wer wird mir jetzt meinen Lohn zahlen?" fragte sie noch einmal. „Man wird Sie schon bezahlen," sagte Herbeliue. „Schauen Sie, daß Sie damit in die Apotheke kommen, aber ja recht schnell." „Ich will mich schon beeilen, aber ich kann ja mit meinen kranken Beinen nicht laufen." So wie sie das Zimmer verlassen hatte, ging Guy auf den Schreibtisch zu, öffnete die Schublade und warf die Banknoten, die er entwendet hatte, wieder hinein. „So, jetzt bin ich kein Dieb mehr!" Aber weit entfernt, sich beruhigt zu fühlen, versetzte ihn diese Handlung in große Aufregung, und er empfand Reue. darüber. Statt sich ehrenhaft zu finden, kam er sich blöde und feig vor. Nichts erschien ihm so lächerlich, als einem Verschiedenen dies Geld zurückzugeben— und gar einem, der gestorben war, ohne Angehörige zu hinterlassen! Keinem Menschen auf der Welt würde das zu gute kommen. Konnte da eine Pflicht bestehen, wo sie niemand nützte? Der Staat?" Er lachte laut auf. „Die schönen Banknoten! Es ist für den Staat viel nützlicher, wenn ein geschickter Arzt den Platz einnimmt, der ihm zukommt. Nein, nein! In diesen! Augenblick bin ich ein?tarr! Der Diebstahl ist nur ein Uebel, weil er andre schädigt. Ich schädige aber niemand. Meine Pflicht ist, zu- Zugreifen. Wenn ich nur ein klein wenig Gutes thue, dann wird der Diebstahl sogar zum Verdienst werden!" Trotzdem machte er die Schublade zu, stand davor mit gekreuzten Armen und starren Blicken, ganz entrüstet über sich selbst. Aber der gesellschaftliche Zwang, die ererbten An- schauungen waren doch sehr stark in ihm, denn bei der Rückkehr der Aufwärterin stand er noch ganz verträumt vor dem Schreibtisch. Von dem traurigen Wesen unterstützt, setzte er Blutegel an und versuchte das Blut vom Gehirn abzuleiten. Der Kopf des Kranken wurde etwas freier, die Brust hob sich, man hörte einen rasselnden Atemzug. Dann leuchteten die Augen schwach auf. eine matte Stimme stotterte etwas hervor, man hätte glauben können, der Kranke erhole sich. Aber gleich darauf ließ das Herz nach und eine neuerliche Ohnmacht trat ein. „Darauf hätte ich wetten niögen!" sagte sich Herbeline. Er dachte nach. Jetzt war er gewiß, daß alles umsonst sei. Das schwache Licht würde unzweifelhaft verlöschen. War eS die ärztliche Gewohnheit, war eS der Wunsch, die Dienerin zu entfernen, er wollte bis zum Schluß kämpfen. „Es thut mir leid, daß ich Sie wieder herumsprengen muß!" sagte er zu der braven Frau,„aber es ist unbedingt notwendig, llebrigens werde ich schon dafür sorgen, daß man Ihnen die Mühe dieser Nacht gut bezahlt." Bei dem Worte„zahlen" erglänzten ihre Augen und sie verzog lächelnd ihren zahnlosen Mund. Er schrieb ein neue» Rezept. „Sagen Sie dem Hausbesorger, er möge m einer halben Stunde heraufkommen!" /. Ms er sich wieder allein befand, stieß er einen tiefen Geufzer aus: „Mir bleiben noch einige Minuten, um mein Schicksal zu entscheiden. Wenn ich es nicht wage, nun denn! Dann verdiene ich mein Unglück!" Er wiederholte zwei- oder dreimal mit leiser Stimme die letzten Worte. Dann beschäftigte er sich wieder mit dem Kranken— vergebens. „Nun denn! Soll ich ein Feigling, ein Hungerleider bleiben, soll ich wie ein Wrack herumschwimmen? Die Stunde schlägt! Es muß gehandelt werden und zwar rasch." Er wurde furchtbar bleich, seine Zähne schlugen aufeinander, seine Augen blickten wild und grausam. Und wie ein Automat, wendete er sich nochmals der Schublade zu, öffnete sie langsam und begann wieder die Banknoten ein- zustecken. Als er gegen zwanzig Tausender in seine Taschen gesteckt hatte, hielt er einen Augenblick inne. „Du Narr!" So nimm doch alles. Ob es sich um zwanzig-, um hunderttausend, oder um eine Million handelt, der Diebstahl wird nicht nach der Summe gemessen!" Darauf stopfte er lebhaft, ja mit Wut, aber peinlich methodisch die Taschen seines Ueberrocks und Gehrocks voll. Zwei oder drei Couverts fanden sich unter den Banknoten, er steckte sie mit dem Uebrigen ein. Er ließ nur gegen dreißig Stück Hundertfrank- und Fünszigfrankschcine liegen, weil er befürchtete, daß eine ganz leere Schublade Verdacht erregen könnte. Als das beendet war, verteilte er den Raub so gut in seinen Taschen, daß nichts Auffälliges an ihm zu sehen war. Und als er die Schublade wieder schloß, murmelte er init düsterer Stimme: „Guy Herbeline, jetzt bist Du gesellschaftlich in den Ab- grund gefallen. Jeder erste beste hat nun das Recht, Hand an Dich zu legen." Eine große Ruhe war über ihn gekommen, eine weiche hypnotische Ruhe! Sein Gewissen war eingeschlummert, wie ein erschöpfter Krieger, den selbst der Kanonendonner nicht mehr erweckt. Bevor er vom Schreibtisch zurücktrat, überzeugte er sich Noch, daß nichts auf den Boden gefallen war, er untersuchte nochmals alle seine Taschen sorgfältig und vollendete die Schichtung der Banknoten. Dann kehrte er zu dem Greis zurück und auskultierte ihn. Ein entsetzlicher Schrecken fuhr ihm durch die Glieder... daS Herz schien sich noch zu... Guy richtete sich auf, ein wahnsinniges Mordverlangen kam über ihn; er lachte unheimlich. Aber man muß ihm die Gerechtigkeit widerfahren lasien, daß er trotzdem alles that, was etwa das Leben des Kranken zurückzurufen im stände gewesen wäre. Es war übrigens nur ein trügerischer Schein. Von dieser letzten Anstrengung erschöpft, hörte das Herz zu arbeiten auf. Der Tod trat rasch ein. „Nun ist es vorüber," sagte sich Herbeline.„Er zum mindesten hat mir nichts vorzuwerfen, ich habe das Notwendige gethan.. k" (Fortsetzung folgt.)] (Nachdruck verboten.) Zwei IMenfcben. (Roman in Romanzen von Richard Dehme l.) . Die Eigenart deS Dichters im Guten und im Schlimmen kommt in dem neuen Werke noch stärker potenziert als in den früheren Büchern zum Ausdruck. Herrlich leuchtende Bilder, eine Sprache, die in brausenden Accorden mit majestätisch feierlichem Schwung vom Sturme aufgewühlter Leidenschaften und vom Frieden der aus der Sucht eigenwilligen Begehrens erlösten Seelen singt I Aber dem Großen dieser Poesie ist zugleich so viel launisch krankhafte Willkür, so viel Wirrnis und Dunkelheit beigemischt, daß bewunderndes Genießen und Aerger wechselnd einander ablösen. Dehme! hat einmal die Leute, die in seinen Gedichten nach „Grundgedanken" suchen wollen, verspottet. Seine Poesie 'et i>er Widerklang erlebter„Seclenwandlungen", eine Folge von Visionen, die aus den Abgründen des Unbewußten auffteigend sich im bunten Spiele haschen und nebenher dann auch wohl Ge- danken aufjagen, die wie Schmetterlinge um eine große blühende Blume gaukeln.„Ach, die Gedanken sind nur Ranken, die ivir «rabeskcnhnft flechten, und Manifeste von grundlosen Mächten. Denn das Leben hat kein Gehirn...'„Du Mensch, du Tier sei doch Natur", ruft er im Vorwort zu der neuen Auflage seiner Jugendpoesien, die ihm zuviel des Reflektierten zu enthalten scheinen, sich selber zu. Der„Wille" als Wurzel und Inbegriff der wirren Triebe. gipfelnd in der Ekstase des Geschlechtsakts, ähnlich wie die Schopenhauersche Philo- sophie ihn als den unbewußten Weltgrund saßt, ist die Macht, die seiner Dichtung ihre Formen und ihren Inhalt geben soll. In Hymnen einer düster glühenden Erotik, die jede Schranke der Sitte und des Rechts niederreißt, hat er jene Gewalt als die wahllos Leid und Glück verhängende Herrin und Gebärerin des Lebens gefeiert. Mystische Klänge wehen hinein. Der Name Gottes ist wohl aus gläubigen Kinderzeiten dem Herzen des Dichters teuer geblieben. Und nun schmückt er, alles, was an christliche oder an rationalistische Vorstellungsweisen eines autzerweltlichen Gottes erinnert, aus- löschend, jenes Unpersönliche Blinde, das ihm als alles gestaltende Natur und Menschheit aus sich erzeugende Weltseelc vorschwebt, mit dem Namen Gottes. In den Wogen der Leidenschaften webt Gottes Atem. Durch Verbrechen und über Leichen geht der Weg zu ihm, „Hier sind wir Gott gleitfi, steh' mich an," heißt eS in einem der Lieder aus„Weib und Welt",—„oh Gott wie ems sind wir geworden I Hier kannst Du ruhig Deinen Mann mit mir betrügen, für mich morden— Du I" Aber nach dem Krämpfe solcher frevelnden Verzückungen steigen daitn wieder lichtere Bilder auf, aus denen tiefe Sehnsucht spricht nach Rückkehr in das Reich des reiner Menschlichen, und wo der Gott des Dichters die starr abstoßenden Astarte-Züge abstreift. Die Erhebung des Liebespaares Lea und Lukas zu diesem Höheren ist der Kern, ist, mag Dehmel auch das Wort vcrpöiten, der„Grundgedanke", der in deni neuen Epos nach Gestaltung ringt. Das triebhaft Tierische, das Unbewußte sind Erscheinungen der Gott- heit, aber Erscheinungen, die über sich hinaus weisen. Aus dem „Umkreis der Erkenntnis" und der„Seligkeit" schreiten Mann und Weib in den der„Klarheit". Sticht in den blind bewegten, in den Menschen, die zur Kraft des Denkens und einer Welt und Menschheit umfassenden Allliebe fortgebildet sind, hat Gott die höchste Stnse seines Daseins erklommen: mit ihren Augen schaut er sich selber an. In der 34. Romanze des dritten Buches sind die beiden Gegenpole, innerhalb deren Dehnrels Mystik sich hier bewegt, am deutlichsten bezeichnet. Das schwangere Weib spricht zu dem Manne: Wenn ich spüre, wie's wächst, mein Fleisch und Blut, uirti still neuen Sinn ins Dasein thnt, als fasse der Mensch das Göttliche mir kraft seiner tierischen Natur, als hülle, was wir lehren, nur Handlungen, die wir im Grunde nicht verstehen, und was wir reden, nur Verwandlungen, die währenddem mit uns geschehen— dann frag' ich mich: blickt nicht der blödeste Thor gottvoller noch als wir zu Gott empor? Und schauernd sinnt sie nach: zu Gott— Da sagt der Mann mit mildem Spott: §u welchem? Zu dem biblischen Erdauffeher? a, dem that's not, Weltweisheit zu verbieten: Die Hunde meines Vaters sind im näher als alle Priester und Leviten. Wir aber, wir Menschen der wachsenden Einsicht, kennen ihn anders, den Gott in unsrer Brust, dank jenem Geist allrühriger Liebeslust, den ich nicht wage„Gott" zu nennen: Gott ist ein Geist, der klar zu Ende thut, was er zu Anfang nicht gedacht hat, dann sieht er alles an, was ihn gemacht, und siehe da: es ist sehr gut!— Und beugst du dann vor ihm das Knie und weihst ihm willig deinen Menschenschmerz, dann spricht der heilige Geist des Fleisches: sieh, So spielt Gott mit sich selbst, o Herz! Und kindlich lächelnd, göttlich klar, schlvcigt Herz an Herz ein Geisterpaar. Und wie brausender Jubel klingt eS in den zuckenden Schmerz des Abschieds hinein: Da. o Glück: ahnst du sie, die Pflicht der Welt? Ja: von Sphären hin Sphären muß sie Saat aus Saaten gebären, bringt sie uns das Licht der Welt: rieselnd wie aus dunklem Siebe sät es Liebe, Liebe, Liebe von Nacht zu Nacht, von Pol zu Pol—- zwei Menschen sagen sich Lebewohl. Die durch blutige, ungcsühnte Schuld befleckte Liebe, die„Glück- seligkcit wie zwischen Heiden" mündet aus in ein mystisch-phanteistischcs Gefühl der Hingabe an die Allcinheit, das als das letzte Ziel des Menschlichen, als die beseligende Lösung aller Lebensrätsel verherrlicht wird. In der„Ausgang" überschriebenen letzten Strophe ruft der Poet dem Leser zu: Leb' wohl, leb' ivohl— du hältst dich selbst in Händen. Du sahst o Mensch zwei Wesen deinesgleichen im kleinsten Kreis Unendliches erreichen. Du sahst Dein Glück ins Weltglück enden. Es ist Dehmels Art. daß ihm die Grenzen verschwimmen, daß ihn der Schwung ins Ueberschwengliche mit fortreißt. So in dieser brünstigen Lobpreisung, die durch das Weihevolle der Erlöser- stimmung an die beim Tode FaustS ertönenden Chöre erinnert. Aber was ist Lukas, dem Dehmel den Siegeskranz aufs Haupt drückt, neben Faust, tvie arm, wie abgetrennt vom großen Stronr des Lebens, wie unreif in den Absichten und Plänen und in seiner Un- reife wie thöricht überhebsam l Dehmels Phantasie, so stimmungs- stark, so reich an quellender Anschaulichkeit in vielen, vielen der Einzelbilder, die der„Roman" aneinanderreiht, hat weder die Ge- statt des Helden noch die Entwicklung, deren Träger er sein soll, zu lebendig wirkender Einheit entfalten und zusammenfassen können. Wie viel da fehlt, zeigt schon der flüchtigste Blick auf die „Handlung", die doch Gerüst und Hebelwerk, Ausdruck und Wieder- schein des Inneren hätte werden sollen. Daß Lea, dieLukaS von der Seite des verhaßten fürstlichen Gemahls hinwegreißt, mit einem blinden Kinde niederkommt, mag als Gleichnis Bedeutung haben. Aus der Umarmung, in der sie„schaudernd ihr Geschlecht von einem fremden Mann umfangen ließ", läßt die Natur nichts Lebensfähiges ersprießen. Erst preist der Liebende das Los des Neugeborenen:„Das Kind, das Du geboren hast— sei Deiner Seele keine Last.— Wir Werdens leiten wie auf Wolkenaucn— es wirb das innere Weltlicht schauen". Ohne jeden motivierten Uebergang bricht dann nach einer Reihe von Liebesromanzen, die über das Verhältnis der beiden zu dem Kinde völlig schweigen, plötzlich ein wildgrollender Schmerz aus dem Manne hervor:„Und Dein Kind? und— meins? I... Das blinde Kind aus fremden Lenden— es scheint uns immer zuzu- schauen,— ob wir nicht sein Vertrauen schänden— und siehst Du Das, jawohl, das macht mir Grauen." Sie aber spricht mit leiser harter Stimme:„Das Kind, vor dem Dir graut, ist tot." Sie— hat es gemordet, nicht etwa, weil es blind und elend war, sondern weil eS in der Seele des Buhlen stachelnde Erinnerungen hervorrief, und frohlockend rühmt sie ihre That:„Ich hat ein Kind und nicht von Dir,— ich steh in Freiheit neben Dir,— ich bin die Fürstin Jsabella Lea,— die auf dem Weg der Liebe gen Himmel ist,— ich, Mutter Isis, Mutter Gäa,— die willig ihre eignen Kinder frißt,- der irdischen Gerechtigkeit entrückt,— ist nun mein Gott, mein Lucifer, beglückt?" Auch hier Symbolik und Gleichnis. Nicht die That, nicht einmal das gräßliche Frohlocken sind das Abstoßendste, sondern ist, daß die Dichtung mit denr Lob- gesange dieser„Mutter Isis" in: Grunde einverstanden scheint. Lukas verspürt kein Grauen vor dem Liebesjubel der Entmenschten; in schönen Versen spendet er ihr Anerkennung:„Du hast für mich aus einem Geist gehandelt— der nichts mehr will als klar am Ziele ruhn..." und„küßt ihr Stirn und Augen wie zur Weihe!" Auch später tritt der Schatten dieser Erinnerung, nur einmal flüchtig im Traum des Weibes auftauchend, nirgends trennend zwischen sie, weder in den Liebesfesten, die sie auf der„Insel der Seligen" feiern, noch auf dem„Schloß am Rhein", wo der Mann, aus dem Taumel der Begierden erwachend, ein neues Reich thätig frohen Lebens— der Dichter denkt wohl an den„Faust" des zweiten Teiles— zu schassen strebt. Wie der des Weibes, ist der Weg des Mannes mit Blut gezeichnet. Der Bund mit Lea treibt die von ihm verlassene Frau, dw Mutter seines Kindes, in den Ver» zlveiflungstod. So kommt die Seelenivandlung über die Liebenden, da sie doch in ihrem Herzen niemals„Gerichtstag halten über sich" und sich voir keiner ihrer Thatcn durch Verwerfung lösen, wie ein äußeres Schicksal. Dehmel fühlt, sein Held muß. soll die Schluß-Apotheose nicht ganz willkürlich scheinen, von Anbeginn etwas Faustisches, einen Trieb weit hinaus über die Schranken individuellen Liebesschicksals in sich tragen. Etlvas wie das Bild eines großen Enipörergeistes, der von hochfliegenden Plänen einer eingebildeten Selbstherrlichkeit zu begrenztem fruchtbarem Schaffen für das Heil der Menschen in kleinem Kreise vordringt, hat den Poeten, scheint es, im Sinn gelegen. Aber was man von dem früheren Thun und Treiben des revolutionären Titaniden in der Dichtung hört, sieht aus wie Parodie auf die Idee. Die Romantik schlägt stellenwcis ins platt Romanhaste übelsten Genres um. Lukas der Uebermensch,„der einst mit ftirchtbar heil'gem Ernst gedacht»— Ich bin bös gut, ich bin ein Geist— an dem die Ncberlebten sterben— verführt von ihn: sich vollends zu verderben, — damit der Weltlauf schneller kreist", er, der so feierlich von seinen „Helfershelfern" redet, ist als Sekretär in den Dienst des Fürsten getreten, um aus den: Archiv— Geheimpapier? zu entwenden I In dieser großen That kulminiert sein Revolutionarismus. Im „Umkreis der Erkenntnis" hat er gestohlen, im„Umkreis der Klar- heit" giebt er den Raub zurück; und zugleich ftagt Lea den Fürsten, ob er es auch„völlig billige", daß nach Scheidung der Ehe ihr die »Hälfte ihrer Mitgift noch zustehe'? So kommt"sie wiederum und er durch sie in den Besitz des Ahnenschlosses am Rhein. Und auch warum ihn hier aus seinem Wirken für das Bergvolk, über dessen dunklem Leben bald„die bunten Wimpel des Genusses" wehen sollen, eine„Landesverweisung" forttreibt, bleibt, wie alles in den äußeren Vorgängen, gänzlich unklar. Die Wendung wirft abrupt und kalt prosaisch; seltsam sticht sie von dem grandiosen lyrischen Pathos der AbschiedSscenen, zu denen sie hmüberleitet, ab. Und trotz alledem— man sollte die Enttäuschungen nicht scheuen. Wer sich der Kraft des Dichters willig hingiebt, der findet auf den lvirr verschlungenen, wunderlichen Wegen noch einen Reichtum von Erfüllungen, dem die Lyrik der Modernen kaum irgendwo ein Eben- bürtiges zur Seite zu stellen vermag. Man spürt den Feueratenr eines Ringenden. Ihm zu begegnen kann Erlebnis werden. Denn ob schlimm, ob gut, ganz eigen prägt sich in seiner Phantasie das Bild des Lebens aus, und immer wieder, aus den Niederungen sich erhebend, gelingt es ihm, uns durch den Rhythmus und die bildnerische Macht der Rede zu verführen, daß wir mit seinen Augen sehen. Es ist eine Abenteucrfahrt in ferne fremde Märchenlande. ans der der Sinn voll farbiger Eriimcrungen erweitert und bereichert heimkehrt. Wald, Gebirge und Meer klingt und tönt in das Lied der Liebe und der„Weltenseele" mit hinein, wird Bild und Gleichnis. Schwärmende Mystik und Naturempfindcn webt die Phantasie in eins zusammen— am seltsamsten und kühnsten in den Meeres- liedern. Eins, vielleicht das schönste und für Dehmels Art bcdcnt- samste, mag hier zum Schluß als Zeuge stehen: Und eS rauscht nur und weht. Es liegt eine Insel, wohl zwischen grauen Wogen. Es kommen wohl Vögel durch die Glut geflogen, Die blaue Glut, die stumm und stet die Dünen umschlingt. Da gebiert die Erde im Stillen wohl ihr Empfinden Und nimmt ihre Träume und giebt sie den Wellen, den Winden. Die Seele eines Weibes singt: O laß mich still so liegen, an deiner Brust, die Augen zu. Ich sehe zwei Wolken fliegen, die eine Sonne wiegen; wo sind wir. Du?— Und es rauscht und weht. ES liegt eine Düne wohl zwischen tausend andern. Es werden wohl Sterne den blauen Raum durchlvandern, Der über den bleichen ivildcn Hügeln steht und golden schwingt, Die Seele eines Mannes singt: Still, laß uns weiter fliegen, Beide die Augen zu. Ich sehe zwei Meere liegen, die einen Himmel wiegen. O du— es rauscht, es weht: über die heißen Höhenzüge geht höher und höher der goldene Schein ins Blaue hinein, wo das Dunkel schwebt. Und aus dem Dunkel herüber, auf großen Wogen, kommt die Einsamkeit gezogen. Und zwei Seelen singen; Eine Seele lebt, wohl zwischen den Sternen, den Sonnen, den Himmeln, den Erden, die will uns wohl endlich leibeigen werden, es schwellen die Wogen herüber, wie Herzen klingen, Menschenherzen!— Zwei Seelen singen.— Dr. Conrad Schmidt. kleines feuitteton. k. Aus dem Lande des Ch mpagners. Ucl-er die Geheimnisse der Chanipagner-Fabrikation plaudert Francis Stopford im„Daily Expreß".„Geschmolzene Sonnenstrahlen" hat man, so schreibt er in einen: Briefe aus Rheims, den Champagner früher benannt. Dieser Ausdruck ist nicht so weit hergeholt; denn zwischen dem Wein und der Sonne besteht der engste Zusammenhang. Wenn einen langen, wolkenlosen Sommer hindurch Hitze über den Bergen von Rheims brütet, so herrscht in den weißen Dörfern zwischen den Bergen Freude. Jeder Stock trägt reichlich, jede Traube reift ganz aus. Die Weinpressen duften, Ivenn der Saft der von der Sonne geküßten Früchte gurgelnd in die Kufe fließt. So war es im Jahre 1833, so war es 1900, und der vorige Sommer ist als das goldene Jahr bekannt. Wenn der graue Himmel weint, werden die Winzer mürrisch. Ein kalter Sommer, ein nasses Jahr, das bedeutet eine ärmliche Ernte. Nicht, daß bei einer schlechten Lese kein Champagner gemacht wird, aber der Weinfabrikant, an den der Weinbergsbesitzer verkauft, ist wählerisch und macht Unterschiede. Nur die besten Trauben von den besten Weinbergen werden gc« kaust... Eins der Verfahren bei der Champagnerfabrikation heißt „dosags". Nachdem jedes Teilchen des Satzes von dem Wein ent- fcnit ist, wird eine bestinnnte Menge einer Flüssigkeit hinzugefügt, die aus dem besten Rohrzucker, im allcrf�insten Champagner auf- gelöst, besteht. Die Menge richtet sich nach dem Lande. Für Eng- land werden nur 1 bis 2 Proz. hinzugefügt, während Rußland 1ö Proz. vorzieht. Eine so große Süßigkeit neutralisiert natürlich die Zartheit der Blume: deshalb eignen sich Jahrgänge, die wegen Mangels an Blume nicht für den englischen Marft passen, noch für Peters- bürg, ließet die„dosago'" laufen viele Geschichten um. Jedermann. der einen Vetter hat, dessen sjfrau einen Freund kennt, dessen Bruder Warenrechnungen für einen Londoner Agenten einer Champagnerfirma in Rheims ausfüllt, wird versichern, das; diese Flüssigkeit aus Brandy, Kartoffelsaft oder Fuselöl besteht. Leugnet man, daß es Brandy ist, so wird er fragen:..Warum wird Brandy ,.tino ohampagno" genannt? Er tveifi die einfache Thatsache nicht, daß„In grands Champagne" des Cognae-Landes meilenweit von Rheims entfernt liegt. Champagner wird nicht verschnitten. Große Häuser wie Pommery et Greno, Charles Heidsieck aus Rheims oder Moet et Chandon in Cpernay haben riesige Bestände im Werte von vielen Millionen. Ihre Weine sind berühmt. Diese scharffinnigen Franzosen würden ibren Ruf und alle damit verbundenen Vorteile nicht daranzusetzen ivagen. Sie wissen, daß die Beliebtheit des Champagners immer auf seiner überlegenen Vorzüglichkeit beruhen muß. Es ist deshalb ständig ihr Bemühen, seinen alten Ruhm zu erhalten. Es giebt über ÖO große Häuser im Chanipagnergebiet, in Rheims oder in?ly oder in Epernay. Der Charakter und die Farbe der einzelnen Sorten sind verschieden. Das ist zum Teil eine Folge der gewählten Trauben und der Mischung. Wenn der eine Wein braungold, der andre blaß wie rote Seide aussieht, so schließt das nicht notwendig ein, daß der eine Wein besser oder schlechter als der andre ist. Ein Haus hat etlva gefunden, daß seine Kundschaft in der ganzen Welt leichten wenig gefärbten Wein vorzieht; so werden denn die Früchte der Weinberge gekauft, die dieses Resultat ergeben, und lveun das Mischen im Frühling stattfindet, so wird darauf geachtet, daß kein neuer Wein, dem diese Eigenschaft abgeht, in die riesige Tonne von poliertem Eichenholz gegossen wird, in der das Mischen vollzogen wird. Man kann sich noch ein Vermögen im Champagner- Handel erlverben, selbst wenn man nicht direkt damit in Verbindung steht. nicht durch Traubenzucht ode.c Wein- bereitung, sondern durch die Entdeckung eines Ersatzes- für Korken. Nur die allerfeinften Korken aus katalonischen Korkeichen- Wäldern werden benutzt. Es giebt sinnreiche Verfahren, durch die kleine Streifen zusammengefügt oder kleine Stücke unter hohem Druck zusammengepreßt werden und so noch verlvendbar sind. Aber es ist doch immer Kork; derjenige, der dieser Baumrinde ihre Herrschast raubt, kann sich ungeheure Reichtümer erwerben. Eine» charakteristischen Anblick bieten die Flaschenfabrilations- werke der Messrs. Charbonelle. Auf einer Riesenplattform sieht man eine sich drängende Menge von schrecklichen, kaum menschen- ähnlichen Gestalten. Hinter ihnen hängen schwarze Schatten ivie Vorhänge, die vom Aufblitzen weißer Flammen zerrissen werden. Die weiße Glut verglüht zu PuPur, und dann verlöscht sie zu Schlvarz. Wieder flackert das Licht auf, und durch enge Thorwege sieht man einen See von geschmolzener Masse; ein einziger Blick darauf scheint das ganze Auge zu versengen. In diesem glühen- den Pfuhl stecken die sich regenden Gestalten lange Eisenstäbe und ziehen viele Rollen von weißem Feuer heraus. Blaue Flammen züngeln, Funken fliegen auf, Kobolde trage» triumphierend in der Dunkelheit fertig geformte Chamgagnerflaschen, noch rotglühend, die noch viele Stunden in einem Ofen kühlen müssen. IX) OOO Flaschen werden täglich verfertigt, und selbst diese Riesenmenge genügt nicht für den ganzen Betrieb... tt. Gewinnung deS indischen Rosenöls. Eine in Ghazipur in Ostindien lebende Dame, Frau Helene NichuS, schildert im..Globus" iBraunschweig, Friedrich Vieweg n. Sohn) die Arbeiten und das Verfahren, welches in jener am Ganges im Nordwesten Vorder- indiens gelegenen Stadt zur Gewinnung deS kostbaren Rosenöls angewandt wird. Ghazipur ist eine Stadt von 40 000 Einwohnern, die bedeutende Rosenfelder besitzt und deren Rosenöl sich in ganz Indien eines großen Rufes erfreut. Nachdem die Regenzeit vorüber ist, die dort von Ende Juni bis zum Ottober dauert, wird der lehmige Boden auf den Feldern gut aufgelockert. Die Rosen- lultur fällt also in die kalte Jahreszeit, die dort aller- dingö für Rosen immer noch warm genug ist. ES werden Gräben ausgeworfen, durch die den Pflanzen eine reiche Bewässerung zu- geführt werden kann. Im Dezember werden die Rosenstöcke be- schnitten; sie sind nach dem Schnitte kaum noch einen Fuß hoch. In wenigen Jahren sind die Sträucher alsdann über und über mit Rosen bedeckt. Mitte Februar beginnt die Ernte der Blumen, sie dauert bis Ende März. Ganz in der MorgenftüHe, von Sonnenaufgang an bis gegen nenn Uhr vormittags werden die Rosen gepflückl. Sie kommen dann, in große Tücher gebunden, in Ver- schlüge, wo sie bis zum Verkauf aufbelvahrt werden. Käufer sind Fabriken ftir Rosenwasser und Rosenöl. Für 100 000 Stück Ke allerdings nicht gezählt, sondern gewogen werden, wird ein P..is von etwa 110 Mark gezahlt. Uni zunächst das Rosenwasser zu gewinnen, wird eine Destillation in großen Retorten vorgenommen. In jeder der kupfernen, verzinnten Retorten iverden für die erste Destillatior 10 000 Rosen in 20 Liter Wasser bei lang- samem Feuer gekocht. Alsdann werden die ausgekochten Rosen entfernt und 12000 frische hinzugethan. Nachdem auch das durch die Verdampfung verloren gegangene Wasser ergänzt worden ist, beginnt die zweite Destillation. Hierauf folgt eine dritte mit 15 000 frischen Rosen und so fort. Stets iverden die alten Rosen fortgeworfen, neue eingelegt und das fehlende Wasser ergänzt. So Verantwottl. Redakteur: Julius fttilisli in Berlin.— kommt es oft zu vier, acht, ja zu 16 Destillationen. Achttnal destilliertes Rosenwasser wird in Ghazipur für 11 M. pro halbe Literflasche verkauft. In Indien verwendet man überhaupt mehr das Rosenwasser als das Rosenöl. Es wird in große bauchige Flaschen gefüllt, die mit Watte zugepfropft und mit Lehm versiegelt werden. In Körben verpackt, werden die Flaschen auf dem Ganges besonders nach Kalkutta, Benares und Allahabad befördert. Um das Rosenöl aus dem Rosenwasser zu gewinnen, wird dieses in breite Schalen gegossen, die zugebunden werden, damit sie staubftei bleiben. Die Schalen Iverden in mit Waffer gestillten Gefäßen in der Nacht aufgestellt, damit das Rosenwasser sich möglichst abkühle. Denn durch die Abkühlung scheidet sich das Rosenöl besser auf der Oberfläche des Rosenwassers ab. Am Morgen wird das Oel vorsichtig mit einer Feder abgeschöpft und in kleine Fläschchen ge- füllt. DaS Maß, nach dem das Rosenöl verkauft wird, heißt eine Tola, sie wiegt 11»/.. Gramm. Und diese kleine Menge kostet 130 M., allerdings mußten 100 000 Rosen ihr Leben lassen, um diese Quantität Oel zu produzieren. In Indien wird das Rosenöl von den Ein- geborenen nicht nur zur Parfümierimg von Kleidern und Häusern, londern auch als Würze in Backwerk und Puddings, zur Besprengung von Gräbern, ja gar als Arznei benutzt.— Humoristisches. — E n f a n t t e r r i b 1 o. Besucher:„Also Papas Uhr hast Du schon eiumal zum Reinigen fortgebracht; dahin könntest Du auch die meinige einmal bringen." Der kleine Willy:„Gewiß, eS ist ganz in der Nähe! (Nach einer Viertelstunde koimnt Willy triumphierend zurück): Onkel, drei Mark habe ich darauf gekriegt!"— — Verdächtig. Mutter:„Warum willst Du denn zu dem Ausflug mit Deinem Bräutigam nicht Deine weiße Bluse anziehen?" — Tochter:„Ach, da sieht man immer gleich alle Finger drauf!"— — Wirksames Mittel. In Neudorf hat sick ein Wirt an- gesiedelt, trotzdem ein Gasthaus sich schon dort befindet. Das Geschäft geht miserabel. Doch auf einmal ändert sich das Bild wie im Handumdrehen. In der Wirtsstube ist fast kein Platz zu bekommen, es geht überlaut her. Ja, alle Augenblicke sieht man einen Gas! in weitem Bogen herausfliegen. Und der Grund dieses famosen Geschäftsganges'<— Der schlaue Wirt hat ein sauberes, handfestes Dirndl als Hausknecht aufgenommen, und nun will jeder Dorfbursche gar zu gern von ihr hinausgeworfen werden!—<„Meggendorfer Blätter.") Notizen. — Hauptmanns neues Drama„Rose Bernd" wird gegenwärtig ins Französische. Englische, Italienische, Dänische und Polnische übersetzt. Die russische Buchausgabe kam gleichzeitig mit der deutschen heraus.— — Ei» neuer Roman Jonas L i e S„Die Ulfunger" wird anfangs Dezember in Kristiania erscheinen.— — Felix Philippi hat ein neues dreiaktiges Schauspiel „Der grüne Zweig" vollendet. Die Erstaufführung des Stückes wird in der ersten Hälfte des Januar im Schauspiel- h a u s e stattfinden.— — B e r n a r d Shaws Schauspiel„Candida" geht am 10. November erstmalig im Dresdener Hoftheater in Seene.— —„ F l o r o d o r a", eine zweiaktige Operette von Leslie Stuart, Text von Owen Hall, erlebt Sonnabend im Leipziger Alten Stadttheater die erste deutsche Auf- führung.— — Vom Verlag B. G. Teubner in Leipzig sind uns fünf neue 5e ii n st l e r- S t e i n z e i ch n u ii g e n zugegangen:„Aus der Eifel" von Hans v. Volkmann,„Das Thal" von Franz Hein, „Blühende Kastanien" von Sttich-Chapell,„Altes Stadtthor" von Petzet und„Herbstluft" von Ortlieb. Der Preis des einzelnen Blattes beträgt 2,00 M.; alle fünf Bilder in einer vornehm aus- gestatteten Mappe kosten 12 M.— — In Wien ist K a m i l l o Sitte, der Direktor der dortigen Staats-Gewerbeschule, im Alter von 00 Jahren gestorben; er schrieb u. a. ein Buch:„Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen".— Büchercinlauf. — E. F. R u e d e n b u s ch:„Die Eigenen". Roman. Berlin. Johannes Raede.— — Margarete Böhme:„Im Jrrlichtschein". Roman. Verlin. F. Fontane u. Co. Pr. 3 M.— — E m a n u e l v. B o d m a n n:„Die Krone". Drama. München. Albert Langen.— — Knut Hamsun:„Munfcu Wen dt". Drama. München. Albert Langen.— — Karl Strecker:„Letzte Stunden". Drama. Berlin und Leipzig. Schuster u. Loeffler.— Druck und Vtrlog: Vorwärts Buchdruckerei und Verlazöanstalt Paul Einoer& Co. Berlin 3W