Hlntvar die Komparserie seines Dramas, diejenigen, die man am sorgfältigsten befragen würde, wenn es je da�n käme. Im übrigen war ihm ihre Anwesenheit nicht unangenehm. Sie schützte ihn vor den sich wiederholenden Skrupeln und machte den Diebstahl unabänderlich. „Trachten Sie so rasch als möglich ein kleines Holzfeuer zu inachcn," sagte er der Frau, während er das gebrachte Päckchen öffnete. „Ter Herr sie et aber aus, als wenn es mit ihm schon vcrbei wäre, Herr Tottor." bemerkte der Hausbesorger. „Ja," entgegnete Guy zerstreut,„ich sürchte beinahe..." lind wieder beugte er sich über das Bett und prüfte den Kranken ruhig und neugierig. „Ich glaube, Sie haben recht," sagte er leise, lind einen tleinc» Spiegel von der Wand abnehmend, hielt er ihn an Plessis' Mrind. „Es ist vorbei," sagte er ernst. Und sein Herz war von Freude erfüllt. Trotzdem gab er sich noch nicht zufrieden. Er versuchte noch einige starke Reibungen und ein heißes Eisen. Aber die Gewißheit trat alsbald zu Tage. Dieser erschöpfte Körper, der so wenig und so schlechtes Blut hatte, war binnen einer halben Stunde erkaltet und begann zu erstarren. „Alles umsonst," sagte Herbeline. „Ich hob' das untrügliche Auge eines Amerikaners," er- klärte der Hausbesorger. „Ich war meiner Sache sicher..." Ter Hausbesorger schien noch etwas sagen zu»vollen, deck hielt er sich zurück. „Ich will jetzt fortgehen," sagte der Doktor,„Sie aber bitte ich, so schnell als möglich die Anzeige zu machen. Geben Sie eine ganz bestimmte Beschreibung des ganzen Vorganges. lind Sie, liebe Frau, tonnen Sie bei der Leiche wachen oder zumindest die Nacht über in der Wohnung bleiben?" „Ja, Herr Doktor!" „Gut, es bleibt also alles unter Ihrem Schutz, bis die Behörde» ihre Bestimmungen getrosfen haben. Sie werden dafür entschädigt tverdcn." Er sprach mit beginnender Aufregung lind einer Art von Feierlichkeit. Seit langem schon war der Tod für ihn nur eine vorübergehende.Episode. Der dieses alten Mannes aber hüllte sich für inn in eine Art tragischer Größe. „Haben Sie mich verstanden?" fragte er sanft. „In," entgegnete der Hausbesorger,„ich werde so früh, als es� geht, die Anzeige erstatten." Sern Gesicht war ernst und mit geheimnisvoller Miene schüttelte er den litopf. Von dem dummen Gedanken beherrscht, daß, so lange er in diesen Räumen weile, das Geschehene noch ungeschehen zu machen sei, konnte Guy es nicht über sich ge- winneii. die Wohnung zu verlassen. Und doch mußte ein «Entschluß gefaßt werden. Nach einigen vagen, und über- flüssigen Reden ging er endlich fort. Im ersten Augenblick that es ihm gut, die frische Luft zu atmen. Er ging fast leichtfüßig dahin. Da plötzlich bekam er einen Schlag ins Herz, wie ein Anfall von Uebelteit. DaS Kindermärchen fiel ihm Plötzlich ein. in dem ein Schuhmacher alle Vegetnester zerstören will, weil es ihm schien, daß ihm die Vögel„Dieb" zuriefen. Er läck�elte. War er doch ganz sicher, keine Gewissens- bisse zu empfinden. Er wiederholte es sich, daß er niemand geschädigt habe. „Ein Reisender, der einen Klumpen Gold aus dem Ge- sttiipp aufklauben würde, wäre genau so strafbar." Trotzdem fühlte er eine dmnpfe Angst in sich aufsteigen, die Angst des Wildes�das die Nähe deS Jägers wittert. Kaum waren cS einige Stunden her, da war Guy Herbeline noch ein Elender, am Vorabend seines Zusammenbruchs, aber er paßte doch noch genau in den Nahmen der bürgerlichen Gesellschaft. Jetzt war er ein Ausgestoßencr. Die Atenschen schuldeten ihm keine Schonung mehr. Man konnte ihn in der Falle fangen, wie den Wolf im Walde. „Ja," sagte er düster und drohend vor sich hin,„voraus- gesetzt, daß sie es»mißten, daß ich aus ihren Reihen aus- getreten bin. Das miißten Sie aber erst entdecken und be- weisen." Diese letzten Worte machten ihm einen furchtbare»» Eindruck. Die Entdeckung! Ter Ve»veis! Bisher hatte er gewissermaßen eine innere llebcrzeugung, daß Plessis gar kein Dokument über sein Vermögen hinter- lasse» habe. Und schon als er den Raub in Sicherheit gebracht hatte,»var diese Ueberzeugung bei ihn» zur Geivißheit ge- tvorden. Aber jetzt, in der kühlen?tachtluft, überkam ihn die Wirkung»nie einen Menschest, der aus einem Traum oder einem Wahnsinnsanfall erivncht. Es schien ihm unmöglich, daß sich nicht irgendivo eine kleine Zusammenstellung über das Vermögen von Plessis befinde»» sollte, ein Testament vielleicht oder ein Testamentscntwurf. Das kleinste Zeichen kennte ans die Spur führen. Ehemals gla»lbte er hundert Chancen gegen eine zu haben; jetzt glaubte er beinahe das Gegenreil. Ei>»c schreckliche Aufregung überkam ihn; schweißgebadet, mit einem unerträglichen Gefühl des Vcrfolgtscins, das ihin die Beine lähmte, kam er zu Hause an. Daheim ließ die Anspannung nach, er fühlte sich er- leichtert; ein Gefühl der Sicherheit, der Geborgenheit kam über ihn. Seine Gedanken machten eine Schwenkung. Er dachte a»i die in der Schublade durcheinander gewürfelte»» Vailklioten, er dachte an die bodenlose Unordnung, die Plessis eigen»var. Tic Möglichkeiten, daß alles schlecht ausgehen würde, schienen sich zu verringern. ä Sie verminderten sich noch mehr, als er den drohende»» Brief von Rcnonvicr»viedersah. Tie stechende Erinnerung seiner Leiden, die Wiederkehr seiner Befürchtungen und seiner Wutanfälle verdrängten die gegenwärtige Unruhe. „Ich habe das Richtige getha»! Einmal ruiniert, wäre mir das Leben weiterhin unmöglich ge>vescn. Und der Zu- sammenbruch»var unvermeidlich. Jetzt spiele ich»venigstens den Tod gegen das Glück aus." Er öffnete einen Palisairdcrkasten, nahm einen Revolver von starkem Kaliber heraus, und legte den Hahn an die Schläfe: „Da ist das Gcgemnittel. Nun also, G»ty Herbeliue, dir hast sehr richtig gehandelt. Teil» Schicksal gestattete keine andren Schlüsse." Diese kleine Scene crnuinterte ihn vollständig. Er fühlte sich vor der Rache der Cicseilschaft geschützt. „Sehen»vir uns einmal den Einsatz an," sagte er. Ziveimal drehte er den Schlüssel im Thürschloß seines Zimmers un» und zog dann die Banknoten aus den Taschen. Bedächtig legte er sie alle auf seinen Schreibtisch und begani» sie zu ordnen. Diese Arbeit hatte etwas Berauschendes. Guy empfand fast ein Gefühl der Ehrfurcht angesichts der außerordentlichci» Macht, die dieser kleine Haufen bläulicher Papiere vorstellte. Tic»»»enschliche Kraft»md das»nei, schliche Genie sind dann vereint. Es verleiht denen, die es besitzen, die Macht ssth alles zu unterwerfen,»vas die Natur und lvas die menschliche Gesellschaft geschaffen hat. Als er die Scheine geordnet hatte,»»verzählte er sie. Es waren genau 2tl7 Tarisendfrankscheine,(ist Schelne zu 500 Frank. 442 Noten zu je 100 Frank. 122 Noten zu 50 Frairk, das ergab die Gesamtsumme von 307->00 �ranr. Er versank ii» Nachdenken. Mit 00 000 Frank konnte er seine Schnldei» zahlen. konnte sich auf einen etwas luxuriöseren Fuß einrichten, ein Jahr lang leben und sich»nancherlei leisten. Wenn er die 300 000 Frcinks in Lebensrenten anlegte— dem» man muß sich vor sich selbst wie vor dem cirgsten und beständigste,. Feind schützen—, dann würde er eine Rente von 1? OOO Frank baben, und der Umstand allein, über eine solche Rente zu verfügen. würde in einer so geldgierigen Gesellschaft, wie die unsrige. seine Chancen, ei» großes Vermögen zu gewinnen, hnndert- fach steigern. „Ehe Zehn Jahre vergehen, bin ich einer der ersten Aerzte von Paris, ein Potin, ein Charcot, ich verdiene Zweihundert- tausend Frank jährlich!" Das Bild von Madelaine Monteaux stieg plötzlich vor seinem geistigen Auge auf. Er erinnerte sich deS Blickes, den sie an der Glasthür gewechselt, seine Zweifel verwandelten sich in Gewißheit— er gefiel ihr. Er selbst aber kannte keine, die ihm lieber gewesen wäre. Aber zwischen ihnen schwebte diese zarte, nniiberbrückbare Frage: sie lvar die Reiche. „Ach," seufzte er naiv,„wenn dieses Geld mir gehörte!" Und er fühlte, daß, selbst wenn nichts zu Tage käme, er sehr lange das Gefühl, nicht der wirkliche Besitzer dieses Ver- mögens zu fein, nicht los lvcrden ivürde. Doch während er all das überlegte, begannen ihn die zur Seite gelegten Eouvcrts zu beschäftigen. Er nahm sie zur Hand und prüfte sie. ES waren drei ganz gleiche, blaue Papiercouverts, ohne andre Uebcrschrift als das Wort:„Korrespondenz"! Sie schienen alt, zerknittert und abgenützt. „Und doch ein Beweis, daß er in gewissen Tingen auf Ordnung hielt," dachte Guy. Dieser Gedanke ließ ihn erzittern. Fieberhaft erregt erbrach er das erste Eouvert. Eine Anzahl zerknitterter, modrig riechender Briefe fielen heraus. Er konnte sich übrigens nach dem oben stehenden Datum von ihrem mutmaßlichen Alter überzeugen. Ter älteste Brief war neununddrcißig Jahre alt. Es waren nichtssagende, an Plessis selbst gerichtete Liebesbriefe. Sie enthüllten, daß der alte Mann sich einst des Ehebruches schuldig gemacht hatte. Schließlich ist das weniger der Beweis irgendeines Systems, als der einer Aufbewahrungsmanie; er hat diese Briefe auf- gehoben, wie er einen alten Topf aufbewahrt hätte. Wenn sich keine näher liegende Korrespondenz vorfindet, dann ist es eine Chance mehr zu meinen Gunsten. Er öffnete das zweite Eouvert und lächelte. Jetzt waren eS gar Briefe, die vor etwa fünfzig Jahren geschrieben worden waren. Einige Briefe von dem Vater, von der Mutter, und von einem Onkel Plessis'. So ermutigt, nahm Guy das dritte Eouvert in die Hand. ES schien nicht so alt wie die andren und war überdies ver- siegelt. „Das ist schon sckpverwicgender," murmelte er, doch ohne selbst an seine Worte zu glauben. Er öffnete es langsam, wurde aber sofort sehr bleich und ließ seine Blicke abwechselnd über die drei Dokumente gleiten, die er hervorgezogen hatte. Das erste war ein Geburtszeugnis, das zweite ein Brief von Plessis' eigner Hand, das dritte ein Eouvert, auf dem mit blauer Tinte nur die beiden Worte geschrieben standen: „M e i n T e st a m e» t." lFortsetzung folgt. k (Nachdnii! verboten.) feste, flüssige, gasförmige Körper. Die Grenze zwischen festen, tropfbar-flüssigen und gasförmigen Körpern zuziehen ist nicht immer so leicht, wie es vielleicht aussieht. Den Rauch, der aus dem Schornstein entweicht, erklärt man wohl im allgemeinen für einen gasförmigen Körper, aber in der That ist er eine Mischung aus solchen, aus flüssigen und aus festen Körpern; denn in ihm sind enthalten feine Wassertrvpfchcn, die allerdings so klein sind, das; sie nicht zu Boden sinken, sondern sich wegen ihres ge- ringen Gewichtes schwebend in der Lnft halten, aber trotz ihrer Kleinheit find sie richtiges, tropfbar-flüssigeS Wasser. Ferner find in dem Rauch enthalten Keine Kohleteilchen, und zwar nicht etwa vereinzelt, sondern so zahlreich, daß von ihnen der ganze Rauch seine dunkle Farbe erhält. Halten wir in den vorüberziehenden Rauch ein Blatt weißes Papier, so werden wir eS bald mit vielen punktförmigen schwarzen Teilchen bedeckt sehen; sie sind reine Koble. Hat doch jeder, der eine längere Eiscnbahnfakrt macht, selbst die Erfahrung gemacht, daß an ihren, Ende sein Gesicht, HalS und Hände mit einer recht ansehnlichen schwarzen Schicht bedeckt find, «S ist wieder di« Kohle, die im Lolomot'vciirauch enthalten war und_.1 Körperteilen des Reifenden ebenso abgelagert hat, iw(ic es auf dein Körper jedes Arbeiters that, der als Heizer oder sonstwie bei einer Feuerungsanlage arbeitet und mit dem Rauch in Berührung kommt. Einen ähnlichen Irrtum, wie beim Ranch, begeht man, wenn man Wasser, in dem etwas Mehl verrieben ist, für eine Flüssigkeit erklärt; es ist in Wirklichkeit keine Flüssigkeit, sondern ein Gemisch aus den, flüssigen Wasser und den kleinen Mehlstäubchcn, von denen jedes einen an Raum allerdings nur geringen, aber unleugbar festen Körper bildet. Aber wenn wir uns nun einmal mit dein ober- flächlichcn Urteil begnügen wollen, daß dies Gemisch aus Wasser und einem kleinen Zusatz Mehl eine Flüssigkeit bildet, so ergiebt sich in diesem Fall wieder eine neue Schwierigkeit, die Grenze zwischen einer Flüssigkeit und einen, festen Körper richtig zw ziehen. Ein Gemenge von viel Wasser und wenig Mehl, haben wir zugegeben, soll als Flüssigkeit bezeichner Iverden dürfen. Nun fügen wir noch etwas Mehl dazu, jeder Mensch wird auch dies als Flüssigkeit bezeichnen; nun thun wir nach und nach immer mehr Mehl in das Wasser, ivir werden nach einiger Zeit einen dünnen Brei erhalten— ist dieser nun auch noch eine Flüssig- keit oder ein fester Körper? Tic Antwort wird sckioii schwerer ge- gebe» werden können, aber vielleicht entscheiden sich die meisten dafür, ihn auch noch als eine etwas zähe Flüssigkeit zu bezeichnen. Diesem Brei mengen wir nach und nach immernoch mehr Mehl bei. es wird mitderZcit ein ziemlich fcsterTeig daraus, und die Antwort darauf, ob er in die Reihe der festen oder der flüssigen Körper zu setzen ist. wird wohl um so eher lauten: zu den festen Körpern, als wir uns nur zu erinnern brauchen, daß die Bezeichnung»flüssige Körper" eine Abkürzung bildet für„tropsbar-flüssige Körper" und niemand wohl einem Teig die Eigenschaft wird zuipreche» wollen, daß er tropfbar ist. Hier also sind wir allmählich, von einer Flüssigkeit ausgehend, durch sehr viele Zwischenzustände zu einem feste» Körper gelangt, aber wer wird entscheiden wollen, zu welcher Zeit und in welchem Eiitwicklnugsstadinm der Körper anshörtc, eine Flüssigkeit zu sein, und anfing einen festen Körper zu bilden? In den bisher betrachteten Fällen handelte es sich nur um Mischungen ans an sich festen und slüssigen Bestandteilen, und das kann wohl das Urteil erschweren, aber es kommt auch vor, daß bei einem einheitlichen Stoff ein falsches Urteil abgegeben wird. Wenn wir in ein Metallgefäß, an dem eine schmale Ausgnßröhre sich bc- findet, also etwa in einen Theekessel, reines Wasser gießen und über starken, Feuer erhitzen, so wird, nachdem zuerst einzelne Blasen, dann ihrer immer mehr in dein Wasier entstanden und dann das ganze Wnffer in Brodeln und Sieden geraten war, ein feiner Strahl aus dem Ausgußrohr entweichen; diesen beweglichen Strahl hört man als Dampst als Wasserdampf bezeichnen. Es ist aber durchaus kein Dampf. Wenn wir genau das Ende der Ausgnßröhre, also die Stelle betrachten, an der der Inhalt des Kessels an die umgebende Luft gelangen kann, so werden wir, vielleicht mir Erstaunen. bemerken, daß an, Ende der Röhre selbst durchaus nichts von dem Strahl zu sehen ist, hier unmittelbar über der Röhre können wir ebenso gut durchsehen, wie durch die Lust selbst, und erst wenige Centime, er vom Röhrenrand entfernt bildet sich der feine Strahl, den wir als Dampfstrahl bezeichneten. Halten wir in diesen durch- sichtigen Raum einen kalten Gegenstand, etwa einen Metalllöffel, so erkennen wir ans ihm nach kurzer Zeit einen feinen Belag von Wassertröpschen. Diese Waffertröpfchcn sind ans Aosserdniirps ent- standen, der sich auf dem kalten Löffel so abgekühlt hat. daß er zu tropfbar- flüssigem Wasser wurde. Also hier in diesem durchsichtigen, an- scheinend leeren Räume befindet sich wirklicher Wasscrdanipf, mid er ist allerdings ganz durchsichtig. Aber gerade so. wie a» dem Löffel, kühlt sich der Wasserdamps auch in der ihn umgebenden kälteren Lnft ab, er wird zu tropfbarein Wasser, und auch in einem ziemlich warmen Zimmer ist die Abkühlung des Dampfes so kräftig,_ daß seine Wanderung durch wenige Centimcter Luft genügt, um ihn zn� ver- slüssigen. Also die Bezeichnungen Dampf, Wafferdampf, Dampsstrahl für den feinen, aber deutlich erkennbaren Streifen über dem Aus- gußrohr des Kessels waren durchaus unrichtig, dieser Streifen be- steht vielmehr aus Wassertröpschen, die freilich so klein sind, daß sie nicht durch die Schwere zu Boden sinken, sondern sich wegen ihrer Reibung an der Lust iu dieser gerade so schwebend erhalten wie kleine Daunenteilchen. Wir können diesen Strahl von seinen Wasserteilchcn noch eine Strecke weit i» der Lust des Zimmers beobachten, bis er nach einiger Zeit allmählich unsichtbar wird und für uns verschwindet. Vorher aber hat der zuerst schmale Strahl an Breite und Dicke immer mehr zugenommen und diese seine Aus- brciwng ist auch die Ursache seines schließlichen Perschwindens, denn indem der Strahl sich immer mehr ausbreitet, entfernen sich die einzelnen Tröpfchen, die ihn zusammensetzen, immer mehr von einander und sie sind schließlich so zerstreut, daß die einzelnen Wasserteilchen zu klein sind, als daß wir sie wahrnehmen könnten. Die kleinen immer noch tropfbar-flüssigen Wasserteilchcn können allmählich wieder_ verdunsten und sich in wahren Wasserdamps verwandeln, wenn die Lust des Zimmers nicht schon vorher zU sehr niit Wasserdamps durchsetzt war, den» die trockene Luft kann imr einen gewissen Prozentsatz Wasser- dampf in sich aufnehmen, wird ihr noch weiteres Waffer zugeführt, so bleibt dies flüssig. Der Betrag an Wasserdamps, den em mit Lnft erfüllter Raun, in sich aufnehmen kann, ist um so größer, je wärmer die Lust ist. Also wenn wir Waffer zum Sieden bringen, so ist das Resultat, daß das zum Siedepunkt erhitzte Waffer drei Entwicklmigsstufen durchmacht. Zunächst bildet sich aus ihm un- sichtbarer, d. 5. durchsichtiger Wasserdainpf. dieser kühlt sich sehr bald ?u kleinen Bläschen tropfbaren Wassers ab, die zusammen einen deutlich ichtbaren und abgegrenzten Raum einnehmen, und schließlich verteilen und vereinzeln sich die Wassertropfen so, daß die einzelnen unsichtbar werden und zum Teil wiederum in Dampf sich verwandeln. Alle bisher behandelten Fälle und Beispiele haben sicher das Eine gel-'hrt, daß es nicht angeht, auf die Frage: Was ist ein fester, was ein tropfbar-slüssiger und was ein gastörmiger Körper, zu sagen: Nun, diese Unterschiede sind nach der täglichen Erfahrung so sicher, daß eben jedermann am bloßen Anblick erkennt, welcher der drei großen Klassen der einzelne Körper zugehört. Wollen wir wirklich sicher unterscheiden, so müssen wir förmlich wissenschaftlich vorgehen. Die Wissenschaft geht nun von der Erfahrung aus. daß alle Körper, welche unsre Welt bilden, sich zerteilen lassen. Diese Teil- barkeit läßt sich theoretisch viel weiter fortseien, als die uns zu Ge- böte stehenden Zerkleinerungsmaschinen praktisch gestatten, d. h. wir können uns die einzelnen Gegenstände, die uns umgeben, in viel kleinere Teile zerteilt denken, als wir wirklich herstellen können, und auch die kleinsten, unter dem feinsten Mikroskop»och eben sichtbaren Teilchen können»vir in Gedanken noch weiter teilen. Aber schließlich bört die Teilbarkeit auf, wir müssen annehmen, daß z. B. die Teil- barkeit des Hölzes nur bis zu gewissen sehr kleinen Holzteilchen führt. Wollen wir diese noch weiter teilen, so würden wir nicht mehr Holz behalten, sondern jedes von diesen kleinsten Teilchen würde sich in diejenigen Bestandteile zerlegen, ans denen Holz bestehk, snd die man mit dein Namen «einfache chennsche Körper" oder„Elemente" belegt. Hier haben wir es nur mit denjenigen kleinsten Teilen des Holzes zn thun, die eben noch Holz bilden, nicht mit seinen Bestandteilen Wasierstoff, Stick- stoss, Köhlenstoff, Sauerstoff, Schwefel usw.: diese kleinsten Teile des Holzes ucniit man seine Moleküle. Alle Körper und Gegenstände in der Welt, sie seien einfache Körper, Elemente, oder sie?eiei! aus solchen zusamnlcngesetzt, sind, so nimmt die Wiffenschaft an, aus Molekülen zusammengesetzt. Es ist auch gleichgültig, ob wir es mit festen mit tropfbar-flüssigcn oder mit gasförmigen Körpern zu thun haben— aus Molekülen bestehen sie sämtlich. Aber in den gasförmigen oder dampfförmigen Körpern sind die Mole- külen anders gelagert, als in tropfbar-flüssigen, mid in festen wieder anders. In Gasen oder Dämpfen sind die einzelnen Moleküle völlig von einander isoliert, keines ist mit dein andern so nahe, daß es von ihnr angezogen ivird. Diese isolierten Moleküle sind aber nicht erwa in Ruhe— in der Natur herrscht nirgends Ruhe der kleinsten Teile—, sondern sie schwirren durcheinander, wie die Mücken in einem Mückcnschwarm. Ursprünglich, muß man annehmen, waren alle Gasmoleküle in geradliniger Bewegung', jedes einzelne eilt geradlinig so lange vorwärts, bis es in die Nähe eines andren ge- iangt, von diesem wird es abgestoßen, seine Bewegung lvird in einem Winkel von der ersten Richtung in eine andre Richtung abgelenkt, in dieser eilt das Molekül so lange vorwärts, bis es wiederum in die Nähe eines andren Moleküls gelangt, von diesem wieder abgestoßen und in eine neue Richtung gedrängt wird, und so setzt sich das Spiel dauernd fort. Wer einmal dem Billardspiel zugesehen hat, weis;, daß wenn zwei geradlinig sich bewegende Billardkugeln zusammen- stoßen, beide im allgemeinen in eine neue Richtung gedrängt werden, aber man kann auch beobachten, daß nach bei?, Zusammenstoß häufig die eine Kugel oder auch beide nicht nur in einer geraden Linie weiterrollcn, sondern sich dabei auch um ihre eigne Are wälzen: gerade so erhalten viele der einzelnen Gasmoleküle nach deni Zu- fnmmentreffen mit einen: zweiten neben der fortschreitenden auch rollende, wälzende Bewegungen. Beim tropfbar-flüssigen Zustande sind die Moleküle, so nsinnrt die Wiffenschaft an. nicht mehr von einander völlig isoliert, sondern sie sind so znsaimncngcdrängt, daß eine größere Zahl von ihnen eine Art engeren VerbaadeS bildet. Die Moleküle, welche einen solchen Verband bilden, ziehen einander mit einer gewissen Kraft an, aber diese Kraft ist nicht sehr groß, stets reißen sich einzelne Moleküle aus dem Verband los, aber sie kommen nicht weit, im nächsten Moment gelangen sie wieder an andre der vor- handencn engen Verbände, ivcrden von ihnen angezogen, und gehören zu ihm, bis sie sich wieder losreißen, um sich sofort einem andern der bestehenden Verbände anzuschließen. Durch dieses Gebundensein der Moleküle wird bewirkt, daß tropfbar-flüssige Körper ein bestimnites Volumen, eine gewisse begrenzte Aus- dehnung besitze», im Gegensatz zu den Gasen, die sich so weit ausdehnen, bis sie an die Wände des Gefäßes oder Raumes gelangen, in dem sie sich befinden. Andrerseits ist das Gebimdeit- sein der engereit Verbände der tropfbar-flüssigen Körper so locker, daß sie sich leicht gegen einander verschieben lassen und die Gestalt jedes Gefäßes annehmen, in das sie gegossen werden: mau kann voit einer Flüssigkeit leicht einzelne Tropfen oder größere Mengen fortnehmen, man' kaiui sie in breite und flache, oder schmale und hohe Gefäße gießen. Bei den festen Körpern sind die Moleküle noch fester an ein- ander gedrängt, als bei den flüssigen. Hier ziehen sie sich gegen- feitig so fest an, daß eine gewiffe Kraft erforderlich ist, unr sie von einander zu trennen, und eine je größere Gewalt dazu nötig ist, um so härter nennt man die festen Körper. Weil bei diesen die Moleküle sich so sehr fest anziehen, haben sie nicht nur ei» bestimmtes Volumen, eine bestimmte Ausdehnung, sondern auch eine ganz bestimmte Form, und sie leisten dem Versuch, diese Form zu ändern, einen gewissen Widerstand. Aber so fest sind auch in festen Körpern die Moleküle nicht gelagert, daß eins unmittelbar an das andre grenzt, sondern zwischen ihnen befinden sich leere Räume, und jedes Molekül hat Platz genug, hin und her zu schwingen, aber aus seiner Reihe kann es sich im festen Körper nicht mehr entfancn.— Dr. H. G. lRachdruck»ertöten.) Streifzlicfc durch Kolumbien. Von de» 1 331 000 Quadratkilometern Oberfläche der Republik Kolumbien erstrecken sich 450 000 in Ccntralamerika hinein; hieraus geht hervor, daß Kolumbien zugleich zu Centralamerika und Südamerika gehört. Der Umfang Kolumbiens beträgt etwa 10 500 Kilometer, von denen 2850 an dem Atlantischen, 2750 an dem Süllen Oceau, 150 au der Grenze von Costa Rica, 1550 an Ecuador. 1110 an Brasilien und 2200 an Venezuela liegen. Wenige Länder der Welt bieten einen so pittoresken Anblick dar, wie da? in 0 Departements und 2 VertvaltungSbczirkc geteilte Kolrunbien. Die große Kordillcre der Anden durchzieht das Lmw und durchfurchtes in verschiedcueuNichttulgeii. anmutige Bassins.Hockplateaus und ausgedehnte Thäler bildend. Man findet dort große Urwälder, ftuchtbare Ebenen und unermeßliche Weiden. Zahlreiche Wafferläufe bewässern das Land; an vielen Stelleu erheben sich die Berge bis in die Schnecregioncn. Unermeßliche und steile Felsen, wo Kondor und Adler horsten, düstere Wälder, hochgelegene Seen, tiefe Thäler, Prainen und die Wüste mir allen ihren Gehciiiinifien und ihrer mächtigen Vegetation, gegen das Ecutrum die Verzweigungen der Kordilleren, bald gleich de» Eisgletschern der Schweiz, bald majestätisch wie die Abhänge dcS Himalaya, hier der uirdurchdring-. liche Wald mit Ricsenbäuiiieu. dort das kahle und nackte Plateau, gegen das Meer sandige Gegenden, glühend heiße Küsten, Dünen und mit Weiden bedeckte Ebenen, das ist der Anblick Kolumbiens. Diesen Anblick vervollständigen große Flüffc. wie der Emrea, der Magdalenenstrom, der Atalo und der St. Juan. Wasserfälle, wie der des Tequeudama, gigantische Felsen, die von den Waffern durchbrochen sind. Höhlen, mit Vögeln und Blumen bevölkert, ge- fährliche Pässe und entzückende Lagunen; mit einem Wort: überall Wuudcr, überall eine Natur, anmutig und majestätisch, verschwenderisch oder karg und noch bedeckt mit den« jungfräulichen Kleide der Ur- zelten! Kolumbien vereinigt in sich die Klunate der verschiedenen Zonen. Die heiße Jone umfaßt im allgemeinen die Küsten- ebenen und die Thäler der großen Ströme. An der Küste wird die fast beständige Hitze durch Regeufälle und die Brise gemildert. Die gemäßigte Zone umfaßt die Hochthüler und die Abhänge der Kordilleren, die lalle Zone den höchsten Teil der Kordilleren. Fast die ganz? SBcdvCkcnLIIg Kolumbiens wohnt in dem westlichen Teil de? Landes unter dem gemäßigten lU'ck! talieil STuna, das in dem Gebirge vorherrscht. Eigentliche Jahreszeiten gicbi es in Kalumbien nicht; man nennt die trockene Zeit Sommer und die Zeit des Regens Winter. Diese Jahreszeiten toechseln von drei zn drei Monaten in einigen Teilen des Centrums, des Südens und in den Kordilleren ab, während auf einigen Punkten im Norden und in den Ebenen des Ostens Sommer und Winter je eine Daner von sechs Monaten haben. Die Jahreszeit des Regens beginnt im Juni und die heiße Jahreszeit im Dezember. Die Bevölkerung Kokrunbiens kann man mangels zuverlässiger offizieller Angaben nur schätzungweise auf LV, Millionen beziffern. Mit Ausnahme Brasiliens hat Kolumbien eine größere mid ver- hältnismäßig homogenere Bevölkerung als irgend ein andrer Staat Südamerikas. Während in Ecuador, Peru und Bolivien fast zwei Drittel der Bevölkerung zur ciugcborcncn Rafie gehören und in Venezuela die eingeborene Raffe in der Minderheit ist, ist dagegen in Kolumbien die weiße, von den Eroberen: abstammende und zum großen Teil mit der eiiwcboreuen vermischte Rasse an der Zu- samincnsctzuug der Bevölkerung mit 50 Proz., die Ncgcrrasse mit 35 Proz. und die Eingeborenen mit 15 Proz. beteiligt. Im allgenwincn find die Bewohner Kolumbiens nüchtern, ein- fach, gastfrei, fleißige und im Vergleich zu denen andrer süd- amerikanischer Staaten ehrenhafte Leute, und ein genauer Kenner von Land und Leuten, der mexikanische GcncraUousul Richards Nunez, behauptet in seinem umfangreichen Werk über Kolmnbien, daß wissenschaftliche Studie» bei ihnen hoch geichätzt und eifrig be- trieben werden. Die Bewohner der heißen Thäler entwickeln sich schnell, eS fehlt ihnen aber an Kraft, und sie erreichen, besonders da. wo das Klima feucht ist, lein hohes Alter; der Neger allein paßt sich diesen klimatischen Verhältnissen leicht an. Auf den Hochplateaus dagegen ist der Menschenschlag stark und kräftig, seine physische Eni- Wicklung langsamer, seine Langlebigkeit aber größer. Bemerkenswert ist hinsichtlich des socialen Zusiandes Kolumbiens. daß es in dem Lande keine großen Vermögen gicbt; vielleich: sind nicht mehr als 10 Personen vorhanden, die mehr als eine Million Piaster besitzen. Die Landessprache ist die spanische, die mit bc- sondcrer Reinheit und Eleganz in Bogota, der Hauptstadt des Landes, gesprochen wird. Der größte Teil der Kolumbianer bekennt sich zur katholischen Religion; in kirchlicher Hinsicht ist das Land in ein Erzbistum und sieben Bistümer geteilt. Kein Land Amerikas kann mit Kolumbien hinsichtlich des Reichtums der Fauna rivalisieren, wie ihm auch teineS gleichkommt in der Pracht der!vlora: da-? erklärt sich durch die qrasze Ausdehnung seines Gebiete? und durch die Mannigfaltigkeit seiner Oberfläche und seine? Klimas. Die Gebirge Kolumbiens gewähren dem Jaguar, dem schwarzen Tiger, dem Panther, dem Caguar und der Tigerkatze Unterschlupf. Der schwarze Bär bewohnt die niedriger gelegenen Gegenden und der kleine Bär die Gebirge. Die sehr zahl- reichen Reptilien werden durch eine sehr grofzc Anzahl von Schild- kröten, Kaimans und Leguan? repräsentiert: etwa dreifzig Arten von Schlangen sind vorhanden: Taufende von Affen beleben den Urwald, dessen Blätterdach kaum von der Sonne durchdrungen wird. Die pflanzenfressenden Dickhäuter werden vor alleni vertreten durch da? Bisamschwein und den Tapir: die Wiederkäuer durch den gemeinen Hirsch, den weißen Hirsch Perus und andre Arten der heißen Länder; die Nagetiere durch große Mannigfaltigkeit von Ratten, Kaninchen und Hasen, die Schwimmvögel durch Gänse aller Art, Vögel sind in Kolumbien so zahlreich vorhanden, daß in bestimmten Arten diese? Land das reichste der Welt ist. Ebenso ist eine solche Mannigfaltigkeit an Insekten vorhanden, daß man Kolumbien wohl das Paradies der Entoinologcn nennt. Die Küsten und Flüsse schließlich sind reich an schmackhaften Fischen. Was die Haustiere betrifft, so sind Kreuzungen mit den besten europäischen Rassen, be- sonders kräftige Pferde vorhanden, ferner gute Arten von Schweinen, Hannnel», Eseln, Ziegen und endlich Maultieren, deren Dienste in einem außerordentlich gebirgigen Lande Ivie Kolumbien von unschätz- barem Werte sind. Kolumbien bietet auch einen großen Reichtum hinsichtlich der Vegetation. Man findet dort Produkte aller Klimate, von de» Riesenbäumen der Wälder bis zu den Moosen, die die Felsen der hohen Berge bedecken. Man kann Kolumbien hinsichtlich der Pflanzen- art in drei verschiedene Zonen teilen: die heiße Zone mit einer Oberfläche von 7Bl)000 Quadratkilometer, die gemäßigte mit einer solchen von 325 000, die kalte mit 137 000 Quadratkilometer. Die heiße erstreckt sich von dem Niveau des Meeres bis zu einer Höhe von 1000 Meter. In dieser Region ist der Boden mit„ewiger Jugend" bekleidet; die Blätter fallen und erneuern sich be- ständig, die Bäume bedecken sich mit reichem Blätter- und Blütenwerk, dort wächst der Kakao in wildem Zustand; das Zuckerrohr ist in reicher Fülle vorhanden, und eine Pflanze kann ohne Düngung achtzig Jahre hindurch produzieren. Die Banane bietet verschwenderisch ihre Früchte dar, die mit dein Mais die Hauptnahrung der Bewohner des Lande? bilden; ein Maiskorn bringt 300fältige Frucht; Tabak, Indigo und Baumwolle werden angebaut, und die Kautschuckbäume sind in mehreren Arten und sehr zahlreich vertreten. Wertvolle Bäume Ivie die Ccdcr und die Farbbäume wachsen in den Wäldern, dazu kommen kostbare Früchte wie Ananas. Orange, Brciapfcl, Mango, Eitrone, Wasser- melone und schließlich Medizinalpflanzcn. Von der Küste des Occans bis zu einer Höhe von 3000 Meter findet inan eine reiche Mannig- faltigkeit an Palmen; ein Botaniker hat auf einem Raum von zehn Ouadratnieilen 25 Arten von Palmen gefunden. Die Wälder ent- hallen eine große Anzahl Gummibäume.— Dr. E r n st L u d w i g. kleines feuilleton. ie. Der Ruhen der welken Hcrbstblättrr wird viel zu Ivenig gc- würdigt. Daß trockene Blätter zur Erzeugung neuen Lebens au? dem Erdboden in erheblichem Grade mitwirken können, wird noch eher anerkannt. Sie geben dem Boden eine Art von Düngung, eine Reserve an stickstoff- und kohlenstoffhaltigen Bestandteilen, die dem Wachstum im nächsten Frühjahr sehr zu gute kommen kann. Aber das der Erde scheinbar zur Verunzierung gereichende Herbstlaub er- füllt noch eine andre Bestimmung, die nicht viel weniger bedeutsam ist. Wenn schwere Regengüsse niederfallen, während die Blätter noch an den Bäumen sind, wird der Boden durch die Wasscrmasseu gewöhn- lich hart mitgenommen, der fruchtbare HumuS wird fortgeschwemmt, Wurzeln und Keime bloßgelegt, unfruchtbarer Sand vcrichleppt und an Stellen getragen, wo er der Vegetation hinderlich ist, Ist der Boden mit trocknen Blättern bedeckt, so kann ein Platz- regen weit weniger Schaden anichtcn. denn das trockene Laub läßt das Wasser erst allmählich eindringen und setzt seinen» Fluß einen so starken Widerstand entgegen, daß nicht viel von der Erde selbst fort- gerissen werden kann. DaS sollte wohl beachtet werden. Manche Garten- und Parkanlagen, von denen eine Repräsentation verlangt wird, wird man allerdings nicht lange durch da? herabgefallene Laub entstellt lassen, aber wo c? mehr auf Pflege und Ausnutzung der Pflanzen ankommt, sollte man sich wohl hüten, das trockene Laub im Herbst aufzulesen und fortzuschaffen. ES besteht kein Zweifel mehr darüber, daß die Entwaldung einem Land äußerst schädlich ist, indem der Boden durch Ausrottung eines starken PflanzcnwuchseS zunächst in eine Steppe und dann vielleicht gar in eine Wüste verwandelt wird. Nicht zum mindesten ist diese Folge dem Mangel einer Düngung und Beschützung des Bodens durch das trockene Laub zuzuschreiben. Der traurige Eharaktcr der Landschaft in Nord-Ehma ist ein klassischer Beweis daftir, waS rücksichtslose Ausrottung der Wälder im Laufe von Jahrhunderten zu stände bringt.— Berautworll.Redaklcm: Julius Kaliski in Berlin.— Druck und Verlage Humoristisches. — Summarisch. A.:„Warum bist Du mit Deiner Frau vollständig auseinander B.:„Sie hat mir die Treue und die Rippen g«» b r o ch c tt."— — Im Speisewagen.„Ich Hab' vier Passionen, wissen Sie: Pferde, Hunde, Damen und Weiber." „Und in was reisen Sie?" „In Barchen d."— — Endlich. Postbeamter:„Was wünschst Du, mein Junge?" Junge:„Ich soll hier eine Poltkartwestc holen," Postbeamter„Was für eine Weste?" Junge:„Eine Kosuveltparte— Kaltpestworte— Bartwest- kolte—" Postbeamter:„Wie meinst Du?" Junge:„Kaltposiiocrthe— Kälpastworte— Wellprostkatze— Welttagprotze— Kostbartwelle—" Postbeamter:„Du meinst wohl eine Weltpostkarte?" Junge:„Ja, ja, eine W o l k p e st k a r t c I"— s,. Lustige Blätter".) Notizen. — Der Preis der A u g s b u r g e r S ch i l l c r- S t i f t u n g ist in diesem Jahre dem Schriftsteller Dr. Wilhelm R n l a n d für seine Gedichtsammlung„ F r i c d h o f r o s c n" zuerkannt worden. — B l u m e n t h a l s neuer Einakter„ W e n n wir alte r u" geht Ende dieses Monats im Schau s p i c l h a u s c in Scene. — Im Neue n Theater wird im Dezember„T h e o d o r a". ein Schauspiel dcS Norwegers B o j e r, mit Luise Dumont in der weibliche» Hauptrolle aufgeführt werden.— — W e r k m a n u? neues Drama„Liebe s s ü n d c n" erzielte bei der Premiere im W i e n c r R a i m u n d- T h e a t e r einen großen Erfolg.— — D a s Anzengrubcr-Thcaterprojckt in Wien i st gescheitert. Der christlich-socialc Wiener Gemciudcrat forderte für den Baugrund eine» zu hohen Preis und verweigerte jegliche Unterstützung dcS neue» Unternehmens. Daraufhin beschloß der Auzengruber-Theatcrverein sich aufzulösen.— — Die vieraltige Operette„ N«reiß R a in e a u* von Julius Stern, Tert von Victor Leon, wird im Stadtthcatcr zu Frankfurt a. M. die Erstaufführung erleben.— — In der S ch lv a r z- W c i ß- K o n k u r r e n z des Vereins der K ü n st l e r i n n e n erhielt Frida Winkclinann den ersten Preis, ziveite und dritte Preise Marie Wedel, Klara Fischer und Gertrud Frank. Der Preis für ein Plakat wurde Käte Münzer zugesprochen.— — Eine antike illustrierte Weltchronik auf einem Papyrus der Sammlung Golenischcw(Petersburg) wird in kurzem von Professor Dr. Bauer in(tzrnz herausgegeben. Der etwa au-Z dem fünften Jahrhundert v. Chr. stammende griechische Text enthält teils fortlaufcndc Nachrichten, teils Listen von Königen und Städten. Die allenthalben beigegebeneu Bilder von tulturgeschicht- lichcr Bedeutung sind buntfarbig, was bis jetzt in keinem Papyrus gefunden wurde.— — Ein neue s T u b e r k u l o s e- S e r u m will der ans Oestreich stanmienbe, jetzt in Paris lebende Dr. M a r m o r e k entdeckt haben. Dr. Marmorck hat längere Zeit im Institut Pasteur gearbeitet.— — 2 4 veränderliche Sterne sind im O r i o n- N c b e l von Prof. M. Wolf in Heidelberg dadurch entdeckt worden, daß er verschiedene, mit Hilfe dcS Bruce-TelcskopeS gewonnene photo- grap'hischc Ausnahmen des Nebels im Stereokomparator verglich. Von weiteren 11 Sternen bleibt cS außerdem noch mehr oder innidcr wahrscheinlich, daß sie veränderlich sind.— — Ein H o r st von riesigem Schilfrohr(LIiraAmites cornmimis) findet sich bei dem Orte Wilmersdorf in der Nähe von Lucka»; das Rohr erreicht eine Höhe von 7 Meter.— Büchercinlanf. — Björn st j e r n e Björns on:„Ein F a l l i s s e m e u t". Drama. München. Albert Langen.— — Martin Langen:„v. Falk e n b u r g- C o h n". Lust« spiel. München. Albert Langen.— — O S t a r H. Schmitz:„H a l b m a S k e". Drama. Stutt» gart. Axel Junckers Verlag.— — Stanislaw P r z y b y s z e w s k i:„Schnee". Drama. München. Dr. I. Marchlewski u. Co.— — Georg BrandeS:„Gestalten tt n d Gedanken". Essays. München. Albert Langen.— — H. Siegfried:„Shakespeare-Brevier". Berlin und Leipzig. Schuster ti. Loefflcr.— — Max Hesses Volksbücherei: Heft 01—70. Leipzig. Max Hesse? Verlag. Preis der Einzelmmmicr 20 Pf.—__ Die nächste Nummer des lluterhalttuigSblattes erscheint am Sonntag, den 22. November. Vorwärts Vachdimlerel und Vcrlagsaustalt Paul Singer& Co., Berlin SW