Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 228. 6] Sonntag, den 22. November. ( Nachdruck verboten.) Das Verbrechen des Arztes. Roman von J. H. Rosny. Autorisierte Uebertragung von M. v. Berthof. Also würde es doch einen Geschädigten geben, ein oder mehrere lebende Wesen, die der Diebstahl von Guy Herbeline zu Schaden brachte! Ein Hoffnungsstrahl durchfuhr ihn, es war vielleicht nur eines jener blöden Vermächtnisse, in denen sich alte Junggesellen gefallen, eine jener unnüßen Schenkungen, die sich so oft gegen den Willen des Erblassers gestalten. " Also sehen wir uns das Ding näher an!" Seine Hand zitterte jetzt. Er öffnete das Couvert so hastig, daß er den Inhalt beinahe zerrissen hätte. Voll Wut und Verzweiflung las er: " Ich Endesunterfertigter Charles Auguste Barthélemy Plessis, wohnhaft zu Paris 71, Rue de Penthièvre, erkläre hiermit, daß ich all mein wo immer befindliches Hab und Gut der Jeanne Marguerite Dufrêne, geboren zu Caen am 18. Februar 1884, Tochter des Jacques Pierre Dufrêne und der Marie Alice, geborene Berney, vermachte, in dankbarer Erinnerung an die Freundschaft, die mich mit ihrem mütterlichen Großvater Gustave Berney verband. Geschrieben zu Paris, den 26. April 1896." Diesem Testament war eine Notiz beigefügt folgenden Inhalts: Jeanne Marguerite Dufrêne lebt gegenwärtig bei ihrem Vater, Rue de Chaussetterie 30, zu Mantes( Seine- etDises). Paris, 26. April 1896." " Was nun die beiden andren Dokumente betrifft, so war das eine ein Geburtszeugnis der Jeanne Marguerite Dufrêne, das andre eine Art fleiner Stammtafel, die folgendermaßen Lautete: Gustave Berney und Charlotte Deschamps, vermählt den 22. März 1853; Marie Alice Berney, Tochter des Gustave Berney und der Charlotte Deschamps, geboren den 12. Februar 1861; Jacques Pierre Dufrêne und Marie Alice Berney, vermählt den 7. April 1883; Jeanne Marguerite Dufrêne, Tochter des Jacques Pierre Dufrêne und der Marie Alice Berney, geboren zu Caen den 18. Februar 1884." „ Es ist klar," dachte Herbeline ganz niedergeschlagen, ,, der alte Mann glaubte und gewiß mit Recht daß er Der wahre Vater von Marie Alice Bernen sei und folgerichtig Der Großvater von Jeanne Marguerite Dufrêne. Ich habe also in ihr nicht etwa eine gleichgültige Erbin, sondern wirklich und wahrhaft die einzige, die dem Geschlechte der Plessis entstammt, beraubt. Jest will ich mir die Briefe ansehen." 1903 junge Mädchen wachen, ich werde wenigstens die Hälfte dieses Geldes auf sichere Zinsen legen und in einigen Jahren, wenn alles vollständig vergessen, für alle Zeit begraben sein wird, dann erfülle ich meine Pflicht!" Er wiederholte meine Pflicht" und lächelte dabei sarkastisch. Wenn ich einmal wirklich reich werde, dann kann ich am Ende noch das Ganze gutmachen. Dazu gehört die Ruhe des Abwartens. Jetzt aber gilt es entweder den Erfolg oder den Revolver!" Als er die Banknoten in Bündeln sorgfältig geordnet hatte, häufte er sie auf und fragte sich, ob er sie verstecken müsse. Er betrachtete abwechselnd die Möbel, den Plafond, den Kamin, während er dabei an alle möglichen Ammenmärchen und au Kriminalromane dachte. Alles schien ihm überflüssig. Durch die Gelegenheit zum erstenmal zum Verbrecher geworden und in allen Schlichen unerfahren, wäre es allzu naiv, anzunehmen, er könne die Polizei irreführen. Alles, was er irgendwie ersinnen könnte, hatte in den Trditionen der Polizeigeschichte gewiß schon seinen Platz gefunden. Vielleicht wäre der einfachste Borgang, dessen sich die Wilden und die Bauern bedienten, gerade der sicherste? Wie, wenn er den Schatz vergrübe! Aber da lief er wieder Gefahr, bei seiner Arbeit überrascht zu werden. " Ich will die Banknoten ganz einfach in meinen Geldschrank legen," beschloß er. Und das that er auch. Dann sah er nach der Uhr: schon nah. Nun also, jetzt heißt es endlich schlafen gehen. ,, Noch nicht einmal 1 Uhr und ich glaubte, der Tag sei Aber in dem Zustande, in dem ich mich befinde, wälze ich mich doch nur von einer Seite auf die andre. Also eine Portion Brom." Er trank eine Portion Brom hinunter und schlief ganz gut. 2. blid des Schwankens fam er plöglich zum Bewußtsein seiner Aber das Erwachen war furchtbar. Nach einem AugenThat, die wieder in ihm auflebte und aus ihm einen neuen Menschen machte, etwas ganz Verschiedenes von dem, was er seit seiner Kindheit gewesen war. So lange er im Bette in das thätige Leben hineinzustürzen verzehrte ihn die war ihm fehlte der Mut, sich wieder mit einem Sprunge Verzweiflung. Er sah sich festgenommen, des Diebstahls überführt, verurteilt, und das schien ihm unausbleiblich. Diese Strifis dauerte lange, sie war entsetzlich. Durch eine jener seltsamen Stockungen der Gedanken, die bei großer Gemütsbewegung gar nicht selten sind, hatte er die Möglichkeit des dessen; es war eine unglaubliche Erleichterung. Selbstmordes vollständig vergessen. Jezt erinnerte er sich noch mehr. Er fühlte sich sogar entschlossener als am Abend Als er aufgestanden war, verschärfte sich diese Empfindung vorher. hinunter und sah sich seinen Einlauf an. Und während er Er kleidete sich hastig an, stürzte eine Tasse heißen Kaffee die Visiten, die er zu machen hatte, notierte, sagte er sich: Er überflog die Liebesbriefe, die alle mit dem Namen Charlotte" unterzeichnet waren und konstatierte, daß sie ungefähr einen Zeitraum von drei Jahren umschlossen, der erste bom 9. Oktober 1857, der letzte vom 23. August 1860. That fächlich war in keinem derselben Charlottes Schwangerschaft erwähnt oder auch nur angedeutet. Es waren unklare, un bestimmte Briefe, ohne Details, in Zeiten der Trennung ge schrieben. Troßdem zweifelte Guy keinen Augenblick, daß feine Annahme richtig sei. Und der Furcht vor der Entdeckung jeheit, der auf ein Brett gebunden auf den Wellen treibt. ,, Acht Tage lang muß ich mich als Schiffbrüchigen angesellten sich jetzt ganz konkrete Gewissensbisse, ganz bestimmte, Der Wind trägt mich entweder zum rettenden Strand oder flar empfundene Gewissensbiffe, die selbst die Hoffnung, ich zerschelle am Felsen. Aber handeln darf ich nicht." Straflos auszugehen, nicht beschwichtigen konnte. „ Alles fann noch gutgemacht werden! Wenn ich erklären würde, von dem Verstorbenen den Auftrag erhalten zu haben, wenn ich das Testament zurückgebe mit der ganzen, oder wenigstens mit einem Teil der geraubten Summe, dann würde man mir sicher glauben...! Sicher? Es giebt keine Sicherheit bei den Gerichten. Und überbies, kann ich mich auf meine Saltblütigkeit verlassen? Stann ich nicht irgend eine Dummheit machen? Würde ich mir im Berhör nicht wiedersprechen? Wer weiß, welche Falle mir ein Nichter stellen könnte. Nein, es ist unmöglich! Das Schicksal muß seinen Lauf baben. Jetzt giebt es fein Zurück mehr, und den zugefügten Schaden muß ich persönlich gut machen. Ich werde über dieses er sich Rue de Penthièvre ein. Er machte seine Krankenbesuche. Um halb 11 Uhr fand er sich Rue de Penthièvre ein. Herr Doktor," sagte der Hausbesorger, ich habe die Anzeige gemacht, habe alles ausgesagt, was ich vor Ihrem Besuch gesehen habe. Es scheint, daß das Gericht eine Aufnahme machen wird 11 Vei diesen Worten fühlte Herbeline, wie sein Herz sich aufbäumte. Er glaubte, zu erbleichen. " Doch mit ruhiger Stimme fuhr der Hausbesorger fort: Mir scheint es so, als wäre die Thür nicht von selber aufgegangen. Wenn man gestohlen hat, so wird's nichts Befonderes gewesen sein. Die ganze Bude ist keine vier Sous wert. Nach den Gerichtskosten wird nicht Salz aufs Brot übrig bleiben. Mit Verlamb, Herr Doktor, das ist ja lauter 910 Schund. Ich möchte ja nicht einmal die Erbschaft antreten, wenn ich der Erbe wäre." Eisiger Schrecken war Guh zuerst durch die Glieder gefahren. Ganz verstört betrachtete er diesen alten Schwäßer, der vielleicht das ausschlaggebende Werkzeug des Schicksals werden sollte. Darauf empfand er etwas, das fast der Befriedigung glich. Wenn sich das Gericht der Sache annahm, um so besser, dann würde er ja um so eher erfahren, woran er war. Sie haben alles ganz gut gemacht," sagte er zum Hausbesorger, der sich im Gefühl seiner Wichtigkeit aufblähte. In der Avenue de Marigny fand er Madame Monteaux wie immer ermattet, aber verhältnismäßig befriedigt. Das Cerebrin hatte die Migräne coupiert, und die Nacht war gar nicht schlecht gewesen. Trotzdem war sie beängstigt. Mit großen, furchtsamen Augen sah sie den Doktor an. Und als er sie ausfragte, wurde sie plößlich ganz blaß und sagte: Mir geht es viel besser, ich werde das Pepton nehmen. Ja, ich bin fest überzeugt, es heute hinunterschlucken zu können." 11 ,, Gnädige Frau," entgegnete er ernst, das wird der übrigen Behandlung nicht schaden." Ach, nicht wahr," sagte sie beschwörend und hob flehend ihre schwachen Hände, wir werden noch einen Tag warten?" " Sie werden morgen ebenso unentschlossen sein wie heute." werde ich bereit sein." Nein, Herr Doktor, ich verspreche es Ihnen, morgen " Das haben Sie mir schon für heute früh versprochen. Soll ich Ihnen nochmals wiederholen, daß es gar nichts, rein gar nichts zu sagen hat? Ich werde langsam, sehr langsam vorgehen. so langsam, daß Sie vielleicht nicht einmal den Stich spüren werden. Also, fassen Sie Mut, ich habe eine Tube künstlichen Scrums mitgebracht." Sie sah ihn entsetzt an, vernichtet, gebrochen, ohne Widerstandskraft, mit dem frankhaften Vorstellungsvermögen der Nervösen, das die Gefahren und Leiden ins Grenzenlose Steigert. Er betrachtete sie fest mit seinen stahlblauen Augen, die durch die Gemütsbewegungen noch eindringlicher und von erhöhter suggestiver Kraft geworden waren. Und den ganzen notwendigen Apparat vor sich ausbreitend, sagte er: " Sie werden sich all das anschaffen müssen, gnädige Frau. Kann ich vielleicht eine Spirituslampe und etwas warmes Wasser haben?" Wie am Vorabend, so brachte auch jetzt das Erscheinen des jungen Mädchens eine Ablenkung mit sich. Heiter begrüßte Madeleine den Doktor und fragte: Nun, Mama ist doch bereit, nicht wahr?" „ Sie zögert noch," entgegnete Herbeline. Ihren Befürchtungen nachgeben hieße ihre Unruhe um vierundzwanzig Stunden verlängern, eine Unruhe, die sie selbst binnen wenigen Minuten belächeln wird." „ Aber, Mama," sagte Madeleine etwas ungeduldig, Du mußt dem Doktor vertrauen." mir, daß ich nicht das richtige Bertrauen gehabt habe, vielleicht wäre ich schon gerettet. ,, Sie werden genesen!" entgegnete er, nur bitte ich, feinen augenblicklichen Erfolg zu erwarten. Es wird einige Tage dauern, bis Ihr Organismus richtig in Zug kommt. Aber für die Folge glaube ich Ihnen die Wiederkehr Ihres Appetits, eine erhöhte Lebenskraft und Lebhaftigkeit vera. sprechen zu können. Uebrigens werde ich, wenn Sie gestatten, heute abend wiederkommen. Ich möchte die Behandlung ganz genau überwachen." Während dieses Gespräches war Mademoiselle Monteaur, die die Jungfer benachrichtigt hatte, wieder hereingekommen, it alles gut abgelaufen?" Denke Dir, daß ich fast gar nichts gespürt habe. Ich glaubte, daß es eben erst anfängt, da war auch schon alles vorüber." Hab' ich Dir's nicht gesagt?" entgegnete Madeleine. Doktor Herbeline verspricht nie etwas, das er nicht halten fann." ( Fortsetzung folgt.)) Ordnung. Bon Ernst Preczang. ( Nachdruck verboten.) berum- mit Nadel und Zwirn, mit Bürste und Benzinlappen. Zwei Stunden fast hantierte Frau Nagel schon an ihrem Mann Und als alles in Ordnung schien und der Mann nach dem Hut langte, platzte die Armnaht des braunen Rodes. Eine fräftige Verwünschung folgte diesem Ereignis. Und ein Vorwurf seitens des Mannes: Warum muß das auch alles erst im letzten Augenblick geschehn?" „ Aber Paule!" Die Frau stichelte schon an der Armnaht. „ Wie soll ich's denn machen? Du hast doch nischt andres. Jeden lomme, bin ich hundsmüde. Und den Brief haste doch auch erst Tag auf'n Leib. Und wenn ich abends von meine Aufwarteftelle heute früh jetriegt." " Ja, ja." Nagel wanderte in Hemdärmeln ungeduldig auf und ab. Es paßt mir überhaupt nich, daß wir uns de Beene ausreißen wejen so' ne Portierstelle." müßt's denn, wenn Du in Dein Beruf mehr verdienst und haft bloß Es hilft doch nischt, Paule." Sie sah begütigend auf. Was halbe Jahr Arbeit. So wär's doch was Sicheres und man kann fich mit einrichten." „ Einrichten?" Er lachte spöttisch. Da wird woll nich viel einzurichten sein. Ja! Wenn nich manche wären, die sich für'n Trink jeld anbieten." " 1 Aber er hat Dir doch ausjesucht! Was meinste, wie viel sich da jemeldet haben! Es muß doch den Herrn jefallen haben, was De jeschrieben haft. Sie reichte ihm den Rock. Er streifte ihn über:" Na ja. Wir werden ja seh'n." Rock", legte die Hände ineinander und betrachtete ihren Mann " Versuchen können wir's doch." Sie bürstete noch einmal den prüfend. So wird's wohl noch mal jehn. Das erste is' n neuer Anzug, Paule." " " Der seufzte: Wenn id die Stiebeln man noch heil hinkriege. Wacklig sind se und er wiegte sich auf den Sohlen. " Se werden Dir nich jleich nach de Füße sehn," tröstete die Frau. wer' Dir auch' n Schirm mitjeben," Diese Worte erfüllten Herbeline beinahe mit Freude. Er fühlte, daß sie ihm Vertrauen entgegenbrachten und in diesen Momenten der schauerlichen Ungewißheit konnte ihm nichts so viel Vergnügen machen wie ein Beweis des Ver- Stilvoll, Mutter. Es paßt alles zusammen." Er ging. trauens. Es war wie eine Garantie für die Zukunft, eine Verheißung der Straflosigkeit. Blant find ſe ja. Nimm Dir man in acht draußen. Es rejent. Id Nagel musterte das Parapluie mit komisch verzweifelten Blicken. Man hatte die Spirituslampe gebracht. Die Kammerjungfer blieb im Zimmer, um dem Doktor zu helfen, Madeleine verließ den Raum und sagte: " Ich komme in einigen Minuten zurück, um zu sehen, wie Mama sich schämt!" Als Guy die feine Spite an der Flamme sterilisiert hatte, erwärmte er das Serum, gab der Kammerjungfer seine Befehle, prüfte genau die kleine Stelle an der Haut, die bloß gelegt worden war, wählte sein Plätzchen und stach mit berechnender Hast hinein. Nach kurzer Zeit erhob er sich, die Kranke zitterte vor Angst, ihre Augen irrten hilflos umher, fie stieß laute Klagelaute aus. „ Nein, lieber Doktor ich beschwöre Sie, lassen Sie mir nur noch bis morgen Zeit." ,, Aber es ist ja schon alles vorüber, gnädige Frau." ,, Wirklich, schon alles vorüber?" Ganz bestürzt und ungläubig sah sie umher, dann, als fie in sein ernstes Antlig blickte, sagte sie: Nein, wie Sie geschickt sind! Das ist ja ein wahres Wunder, Doktor, Sie sind ein Zauberer. Wie leid thut es ,, Viel Glück auch, Baule!" Sie rief's ihm noch auf der Treppe nach. Er lachte und winkte nach hinten, ohne sich umzusehen. mit dem aufgespannten Schirm gegen das Wetter an. Beim nächsten Der Wind trieb den Regen die Straße hinauf. Nagel tämpfte Bom Diten nach dem Centrum war ein gutes Stück. Mancher Uhrmacher sah er nach der Zeit und beschleunigte seine Schritte. Elektrische benugt, aber... Straßendamm mußte überquert werden. Am liebsten hätte er eine Dben, wo die Drähte des Schirms zusammenlaufen, befand sich ein großes Loch im Zeuge. Dort hindurch tropfte es, fiel auf Sut und Rock und weichte stellenweiſe den gestärkten Kragen auf. Die Stegen, teils vom Schweiß. Und an den Füßen machte sich etwas hojen klebten an den Beinen. Teils vom dagegenklatschenden altes bemerkbar. Mehr und mehr sog sichs durch die Strümpfe. Nagel mußte fich im Comptoir melden. Ordentlich angenehm übertam's ihn, als er eintrat. So troden war's hier und warm. Viele Rücken gebeugt über den Pulten, kragende Federn. Ein Mädchen stand von der Schreibmaschine auf. Sie wünschen?" " Ich möcht' den Chef sprechen. " " Den Chef?" Sie musterte ihn von oben herab. " Ja, ja. Ich bin herbestellt." Er reichte ihr den Brief. fonderes Zimmer. Wegen der Portierstelle," sagte das Mädchen, Kommen Sie!" Durch den langen Raum ging's in ein bes überreichte das Schreiben dem Chef und ging. 911 Der drehte sich auf seinem Stuhl herum: Also Sle- hmwie war doch der Name?" Nagel," Richtig. Nagel. Ja." Der Chef strich sich den Bart und ließ die Blicke über die Gestalt des Angekommenen schweifen. Also hören Sie mal. Ihr Schreiben hat mir gefallen. Sie können sich denken, daß ich meinen Grund habe, wenn ich Sie aus diesem Haufen heraussuchte." Er ties auf einen Stoß Briefe.„ Es find sechsundneunzig Bewerbungen eingelaufen. Sechsundneunzig!" Er wiederholte es betont. Sie sind gelernter Handwerker, nicht? Ja, sehen Sie, das würde mir insofern gut paffen, als öfter fleine Re paraturen vorzunehmen sind im Haufe. Die könnten Sie so nebenbei mitmachen." " " Ach so." Nagel richtete sich auf. Dann müßt' sich aber auch der Lohn danach richten. Der Chef hob schnell die Augen, trommelte auf die Tischplatte und sagte scharf: Die Bedingungen stelle ich! Vor allem würde ich von Ihnen ein bescheidenes Benehmen fordern, ferner Pünktlichkeit, Treue, Gehorsam. Und nicht zulegt- Ordnung und Saubers feit!" Er erhob sich und bohrte seinen Blick in den weißen Kragen des Bewerbers." In dem letzteren Punkte scheinen Sie mir nicht sehr genau zu sein, wie?" " Es regnet." Nagel faßte unwillkürlich an den Hals.„ Ich hatte fein Geld zum Fahren." " So?" Der Chef musterte ihn scharf.„ Wenn Sie glauben, mich durch Armseligkeit zu bestimmen, irren Sie sich." " Ich war lange außer Arbeit." 91 Dann wundert mich nur, daß Sie noch Bedingungen stellen möchten. Aber davon nachher. Sie wissen doch, daß auch Ihre Frau in der Reinigung des Hauses thätig sein müßte. Ihr Aeußeres scheint mir nun gar nicht empfehlenswert nach dieser Richtung." Meine Frau ist' n Tag über beschäftigt." Nagel würgte der Kragen. Und die Hand, welche den Schirm hielt, zitterte. Hm". Der Chef strich sich wieder den Bart und beaugenscheinigte aufs genaueste den Bewerber. Wie?" Sein Blid blieb auf der fleinen Pfütze haften, die sich am Fußboden gebildet hatte. Können Sie Ihren Schirm nicht draußen lassen? Außerdem: Mann! Sie tommen mit zerrissenen Stiefeln hierher?" Nagel sah erschrocken nieder. Am linken Fuß hatte sich das Oberleder von den Sohlen gelöst; ein breiter Spalt flaffte, und das Wasser rieselte heraus.„ Es ist unterwegs gekommen," flüsterte Nagel unwillkürlich. | Ach was 1 Ausreden! Sie haben keinen Ordnungssinn, das ist alles. Und Ihrer Frau geht's anscheinend nicht beffer. Also: wir tönnen nicht zusammen arbeiten. Basta!" Nagel zögerte noch, suchte nach Worten. Der Chef trat auf ihn zu:" Thut mir leid, lieber Freund! Schaffen Sie sich erst mal anständiges Zeug an und ganze Schuhe. Und dann sprechen Sie wieder vor." Er schob ihn zur Thür hinaus. Nagel kam nicht wieder. Kleines feuilleton. ee. Das Wunderkind. Sie trug ein weißes Mäntelchen mit Schivan besetzt und einen großen, weißen Hut mit Straußfedern, sie hatte rotbraune Glacéhandschuhe an. Als sie das Mäntelchen ausgezogen, kam ein firschrotes Sammetkleid zum Vorschein. Wie eine Kleine Klöterpuppe stand fie da, steif, hölzern, auf Draht gezogen, als fürchtete fie, irgendwo anzustoßen. Die Kleinen Cousins und Cousinen starrten sie an wie ein Meerwunder; sie gab die Blicke übrigens ebenso erstaunt zurück. Mit einem sehr geringschätzigen Blick maß fie Gretens schlichtes Wolfleid und Wallys einfache Shirtingschürze. Walters ausgewachsene Jackenärmel erregten offenbar ihre allerhöchste Verachtung. Sie zog das Näschen hoch. Nein, und so fein hast Du Dich gemacht, Trudchen!" staunte Tante Martha. " Na, wir gehen doch zum Besuch," sagte Trudchens Mama, die sich inzwischen auch aus ihrem Mantel herausgeschält hatte. Tante Martha seufzte leicht und streifte mit einem halben Blick ,, ihre drei". Dann stieß sie die Vorderthür auf:" Nun tretet nur näher, Ihr seid so spät gekommen, wir sind schon beim Abendeffen. Da ist meine Schwiegermutter und Grete. Ihr kennt Euch ja." Ja fie fannten sich und begrüßten sich sehr herzlich. Trudchen sollte das Händchen geben; sie machte aber eine Verbeugung, einen richtigen Tanzstundentnig. Die Tanten lachten: Wie eine Dame." " Ja, sie ist ganz und gar eine kleine Dame," lächelte Trudchens Mama voll Stolz,„ das sagt auch jeder, sie ist gar nicht wie ein Kind, sie hat so feine Manieren." " Hm, ja," meinte die Schwiegermutter. Es lag sehr viel in diesem Hm, ja". Tante Martha nahm Trudchens Hand:„ Na, mun fomm, feh' Blick ihre Drei". Dann stieß sie die Vorderthür auf:" Nun tretet Stullen und ein Teller Aepfel. Nun lang' zul" Sie sette sich selbst nieder an den großen Tisch. Lang' zu, Trudchen," wiederholte Wally die Aufforderung ihrer Mutter. Sie vertrat am Kindertisch die Hausfrau und schob der fleinen Cousine die Stullenschüssel hin:„ Na, nimm doch!" Trudchen jah auf die Schüssel und warf einen Blick über den Tisch. Dann nahm sie eine Stulle. Sie biß aber nicht fröhlich ein, wie die andren, fie legte sie wieder auf den Tisch. " Hast Du keinen Hunger, Trudchen? Ih doch!" " Ach!" Trudchen lächelte ein undefinierbares Lächeln und drehte die Stulle in der Hand. Die Cousinen und Cousins sahen sie an und wußten nicht recht, was anfangen. Ein jähes Verstummen tam über die lustige Kinders schar. Mama erzählte:" Ja, Trudchen hat wirklich feine Manieren, das sagt Am großen Tisch ging es dafür desto lauter her. Trudchens jeder. Sie nimmt sich alles so an. Sie ist so flug für ihre sechs Jahre. Na, nun geht sie in' ne Privatschule. Da bekommt sie feinen Umgang. Da ist nicht solch Schub- Muff wie in der Volks= fchule. Da Volksschule ist auch nicht bloß Schub- Muff. Meine Sechse gehen Cousine Grete fuhr auf, in dev auch in die Volksschule „ Na, erlaub' mal " " Ja, meine bringen auch keine schlechten Manieren mit," meinte Tante Martha. " Sie sind aber doch mit besseren Kindern zusammen," beharrte Trudchens Mama. Was denkt Ihr denn, was Trudchen für Um gang hat? Ihre beste Freundin ist' ne Geheimratstochter und bei Bankier Mohringers hat sie mit in den lebenden Bildern ge= standen, weil sie nämlich solch schönes Kind ist. Herr Mohringer hat neulich erst zu mir gesagt, solch schönes Kind giebt es überhaupt nicht wieder. Nicht wahr, Trudchen, das hat er doch gesagt? " Ja, nickte Trudchen hoheitsvoll. Er hat gesagt, ich hätte so blaue Augen." " " ,, Na, die haben andre Kinder auch." Cousine Grete sagte es etwas spizig." Das würde ich doch überhaupt das Kind nicht hören lassen, Du. ,, Nein, wirklich nicht," stimmte die Schwiegermutter bei. " Warum denn nicht?" Trudchens Mama that sehr verwundert. „ Das hört sie ja überhaupt überall. Die fällt doch auf, wo sie hinkommt." " Mich sehen alle Leute an," rühmte Trudchen. Sie tam jetzt offenbar in Stimmung. Schwiegermutter ironisch. " Na ja, Du putzt sie nun auch immer sehr heraus," meinte die Cousine Grete nickte." Ja wie' ne EisenbahnschaffnersTochter sieht sie wirklich nicht aus." es nur könnten, dann würden sie ihre auch nicht mit ausgewachsenen " Na, warum soll ich denn sie nicht gut anziehen, wenn andre Jacken laufen lassen." Trudchens Mama wurde gleichfalls bissig. " Ja, sei zufrieden, daß Du nur eine hast," wiederholte Tante Martha begütigend. " Und überhaupt ist Trudchen auch so schön," fuhr die Mama fort, sie hat bei Mohringers als Amor gestanden, da hatte sie gar nichts an und war doch schön. Alle Welt hat gestaunt, wie schön fie ist." Aber, Käthe, das Kind hört ja her!" verwies die Schivicgers " mutter. " Nun, laß sie doch hören." Trudchens Mama kam in Eifer. „ Das schadet ihr nichts. Die ist so flug. Die versteht alles in der Schule. Die Lehrerin sagt auch, sie ist das flügste Kind in der ganzen Klasse. Darum hat sie aber auch so feinen Umgang und wird bei so feinen Leuten eingeladen." " Das reine Wunderkind," sagte Tante Grete. 9 Aus der wird mal was bei dieser guten Erziehung," nickte die Schiviegermutter. „ Soll das etwa Hohn sein?" Trudchens Mama fuhr auf. .Aber bewahre! Nein doch!" " Das möchte ich mir auch verbeten haben! Ich erziehe mein Kind auf das beste!" " Das sagen wir ja aber auch." „ Aber was hat denn Trudchen?" fragte da auf einmal Tante Martha.„ Bist Du frank, Trudchen? Du bibberst ja so?" " Ja, was ist denn, Trudchen? Frierst Du?" Alles drängte sich um Trudchen. Die Kinder licherten. " Trudchen, so rede doch nur." Aber Trudchen redete nicht. Sie legte den Kopf an Mamas Brust und begann höchst unvornehm zu heulen.„ Ich... ich ich. hab' nicht... weil Herren am Tisch waren... hab' ich's nicht sagen wollen." „ Was ist? Was hast Du nicht. ivas war?" Die Tanten machten erstaunte Mienen. Das Kichern der Kinder wurde immer lauter. Dann platte plößlich Walter heraus: Du, Mama, sie hat sich nämlich was in die Ho... huch, nein feine Stimme starb in einem hellen Gelächter. Und alle Tanten hatten verstanden und alle Tanten lachten mit. Aber Trudchens Mama fuhr auf, wie eine Rasende:„ Und da lacht Ihr? Da lacht Ihr das arme Kind noch aus? Sie hat nichts sagen wollen, weil Herren am Tische waren. Sie sieht die Jungens für Herren an. Das hat sie so gelernt in ihren femen Häusern. Und Ihr lacht das arme Kind noch aus?" 912 ., Aber wir bewundern ja nur ihre feinen Manieren," sagte| lösen und sterbend zu Boden sinken, durchaus nicht alle gleich. Einige Tante Greté. Und von neuem erdröhnte die kleine Stube von einem schallenden Gelächter. Gesundheitspflege. ie. Die Wirkung der Kälte auf unser Blut. Das Blut unfres Körpers hat zwar, solange das Allgemeinbefinden ein gesundes ist, immer die gleiche Wärme, damit ist aber durchaus nicht gefagt, daß die Temperatur der umgebenden Luft auf das Blut ohne Einfluß wäre. Zuerst haben die Forscher Novighi und Winternih festgestellt, daß die Wirkung von Kälte auf einen größeren Teil der Hautoberfläche zur Vermehrung der roten und auch der weißen Blutförperchen in den fleinen Gefäßen der Haut führt. Die Vermehrung scheint beide Bestandteile des Blutes in gleichem Grade zu betreffen, und nur nach langer Einwirkung großer Kälte bei den weißen Blut förperchen( Leucocyten) eine größere zu sein. Gleichzeitig mit diesem Vorgang tritt eine Erhöhung des spezifischen Gewichts des Blutes und auch des Gehaltes an Blutfarbstoff ein. Um über die Ursachen dieser Erscheinung ins Klare zu kommen, hat Dr. Friedländer in Wiesbaden, wie er in der Zeitschrift für diätetische und physitalische Therapie" berichtet, bei seinen Untersuchungen namentlich den Unterschied zwischen einer anhaltenden Einwirkung von langen und kurzen Kältereizen festgestellt. Bei der ersteren erweitern sich die Gefäße an der Hautoberfläche, es findet ein verstärkter Blutzuflu dahin statt, die Haut zeigt sich gerötet und erwärmt, während sich auf furze Stältereize die kleinen Blutgefäße der Haut im Gegenteil zusammenziehen, wodurch die Haut blaß und blutleer, das Blut selbst von der Körperoberfläche nach den inneren Organen zurückgedrängt wird. Hört der Kältereiz bald auf, so strömt auch das Blut sehr bald zurück, indem sich die Gefäße der Hautoberfläche wieder erweitern. Um die Herbeiführung dieser Reaktion, also des Blutzuflusses nach der Haut hin, handelt es sich bei fast allen Maßregeln in der Wasserbehandlung, also bei Abreibungen, Halbbädern, Duschen, furzen falten Bädern usw. Durch solche furze Kältereize tann daher auch nicht ein Zustand hervorgebracht werden, in dem die Beeinflussung des Blutes durch die Stälte richtig erkannt werden kann, da die Wirkung zu rasch eintritt. Dazu müssen höhere Stältegrade in längerer Dauer angewandt werden, weil sich nach solchen die Reaktion nicht so schnell einstellt. Unter diesem Umstand fand Dr. Friedländer sogar eine geringe Abnahme der roten Blutkörperchen, so daß er vermutet, die bisherigen Feststellungen bezüglich deren Zunahme seien irrtümlich gewesen. Die weißen Blutkörperchen, denen ja nach den neuen Forschungen eine überaus wichtige Rolle im Verlauf von Strankheiten zugeschrieben wird, scheinen sich nach anhaltenden und starken Reizen stets zu vermehren, und zwar bleibt es sich dabei gleich, ob der Reiz eine Abkühlung oder eine Erhitung bedeutet hat. Aus dem Tierleben. bewahren noch ihre grüne Farbe bis sie abfallen, die Mehrzahl aber wechselt die Färbung und geht in einen Zustand des Verfalls über, während sie noch an den Zweigen haftet. Diese Unterschiede machen sich nach der Verschiedenheit der Baumarten bemerkbar. Die Blätter mancher Bäume werden fast immer rot oder rötlich, die andrer gewinnen ausschließlich einen gelben oder bräunlichen Ton. Wie neuerdings nachgewiesen ist, liegt die eigentliche Ursache davon in der Ablagerung von Mineralstoffen in den Blättern, namentlich von Kieselsäure und Kalt, die beim Verbrennen den Blattes als Asche übrig bleiben. Die Blätter des norwegischen Ahorn, der wilden Kirsche, der Eberesche, der Scharlacheiche( Quercus coccinea), des Hollunders werden rot, die der Vergulme, des Bergahorns, der ge= wöhnlichen Eiche, der Buche, der Lärche, der Weide, der Pappel, der Hainbuche, der Linde werden gelb oder braun. Nach der Untersuchung des Afchengehalts hat sich gezeigt, daß alle Baumblätter, die im Herbst rot werden, weniger, alle gelb und braun werdenden Blätter mehr als 10 Proz. Kiefelsäure enthalten, während der Gehalt an Stalk in dieser Hinsicht ohne Einfluß zu sein scheint. In der That muß wohl die in den Blättern aufgespeicherte Stiefelsäure wesentlich für die Art der Herbstlichen Färbung verantwortlich gemacht werden, da es fich ferner herausgestellt hat, daß Blätter von einem Haselnusstrauch, die entgegen der Gewohnheit ganz rot geworden waren, auch nur 9 Proz. Stiefelsäure in der Asche enthielten, während sie sonst davon bis zu 22 Proz. haben. Eine besonders tiefe braune Färbung scheint von der Mitwirfung eines gerbstoffhaltigen Farbstoffs abhängig zu sein, beispielsweise bei den Blättern der Eiche und der Stechpalme. Geradezu bezeichnend ist der bereits erwähnte Unterschied zwischen dem Verhalten der Scharlacheiche und dem unsrer gewöhnlichen Eiche. Die erstere ist ein amerikanischer Baum, der sich durch seine prachtvolle Färbung im Herbst auszeichnet, während unsre Eichblätter bekanntlich Ueberhaupt haben die Blätter der nur gelb und bräunlich werden. Laubbäume Nordamerikas die Eigenschaft, im Herbst viel leuchtendere Farben zu gewinnen, und es ist im höchsten Grade auffallend, daß diese Eigenheit an dem dortigen Boden zu haften scheint, indem ein amerikanischer Ahorn z. B., der in Europa angepflanzt wird, nicht mehr die herrlichen Farbenwechsel nach dem tiefen Purpurrot, dem reichen Orange, dem dunklen Karmoisin durchmacht wie in seiner Heimat. Die Ursache liegt vermutlich in den milderen Verhältnissen des Klimas der amerikanischen Waldgebiete, die den Baumblättern eine längere Lebensfähigkeit geben. Die Verwandlung der Farben tritt, wie aus den erwähnten Forschungen gefolgert werden muß, dadurch ein, daß von den lebenden Teilen des Baumes ein Strom von Mineralstoffen nach den toten oder absterbenden erfolgt, und zwar um so stärker, je schneller der Verfall der Lebenskraft in letzteren ist. In den Blättern der Bäume, die unserm strengen Klima einen stärkeren Widerstand entgegensetzen, wird das Absterben verlangsamt und dadurch die allmähliche Verfärbung bedingt, die allerdings niemals so reich ausfällt, wie in den berühmten Waldungen NeuEnglands. Humoristisches. - Kein Boreiliger.... Denken Sie, der Registrator Meier hat mich ein Kameel genannt." ,, Da werden Sie nicht viel machen können... Der ist nämlich fehr gewissenhaft!" - Beruhigung. Schaubudenbesizer:... Und jezt, meine Herrschaften, wird der Pudel das Alter einer anwesenden Dame erraten!... Bitte, Fräulein, bleiben Sie nur ruhig hier er tann nur bis 25 zählen!" Ein moderner Ochs. Also, Bauer, was is's, taufst Fehler hat er toan' und automobils " - Inwiefern werden Infekten durch Farbe und Duft der Blumen angezogen? Ueber diese interessante Frage hat Dr. Eugen Andreae eine Arbeit gefchrieben, über die in der neuesten Nummer der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift"( herausgegeben von Potonié u. Körber, Verlag von Gustav Fischer in Jena) referiert wird. Die Frage war bisher unter den Gelehrten strittig; es hat Forscher gegeben, die gänzlich geleugnet haben, daß die Insekten durch die Farbe angezogen werden, und die nur die Anziehung durch den Duft gelten lassen wollten, während andre auch der Farbe eine bedeutende Rolle zuschrieben, aber mangels genügender experimenteller Grundlagen die Frage für noch nicht spruchreif erklärten. Dr. Andreae hat nun interessante Versuche angestellt. In einem Beet standen ungefähr 30 bis 40 Exemplare von Eranthis hiemalis. Zwei Meter davon wurden gelbe tünstliche Blumen aus Stoff und Papier aufgestellt. Honigbienen D' den Ochsen? imschwärmten nun hauptsächlich das Eranthisbeet, nahmen aber auch fromm is er aa'!" die fünstlichen Blumen wahr, flogen heran und dann wieder weg; 3wei Seelen. A.( der seinen Freund an vollbesetzter auweilen flog eine herzu, zurück und wieder herzu, gleichsam um sich Tafel im feinsten Restaurant findet):„ Alle Achtung! Das Dichten zu überzeugen. Innerhalb einer Stunde sah Andreae wenigstens scheint ja recht einträglich zu fein!" zehn Honigbienen sich auf die künstlichen Blumen niedersehen; drei hielten sich über eine halbe Minute auf derselben auf, um Pub geschäfte zu verrichten. Eine machte den Versuch, in eine Krone ein zudringen, flog aber gleich wieder weg. Zur Kontrolle wurden noch weitere Versuche angestellt, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Andreae aber fand, daß nicht alle Insetten in gleicher Weise reagieren, und kam zu dem Ergebnis, daß die niederen Insekten mit furzem Flug und kurzer Lebensdauer hohes Geruchsvermögen und geringes Sehvermögen haben, während die höher Organisierten, charakterisiert durch einen langen diretten Flug, mit ihrem höheren Sehvermögen den Farben nachgeben. Jedenfalls ist nach den Andreaeschen Untersuchungen erwiesen, daß die Farbe für die Anziehung der Insekten große Bedeutung besitzt, und hieraus erklären sich auch so manche andre merkwürdige Erscheinungen, so z. B. die Thatsache, daß auf den Kerguelen, wo infolge der zahlreichen Stürme sich nur diejenigen Insekten halten können, die eine laufende Lebensweise angenommen haben, gleichzeitig mit dieser und der Nüdbildung der Flügel sich auch die Buntfarbigkeit der Flora mehr und mehr verloren hat. Aus der Pflanzenwelt. Dichter:„ Du irrst! Ich schlemme hier nur als der Erbe meines reichen Onkels. Ms Dichter hung're und darb' ich im Elend!" Notizen. ( Fliegende Blätter".) - Goethes Göß von Berlichingen" geht noch in dieser Spielzeit im Schauspielhause neueinstudiert in Scene. Matkowski spielt die Titelrolle. " von der Censur freigegeben worden. Das Stück wird noch vor Albert Pauls Doppelgänger- Komödie" ist Weihnachten im kleinen Theater aufgeführt werden. Bernard Shaws Schauspiel, Candida" erzielte bek der ersten deutschen Aufführung im Dresdener Schauspiel. Hause einen starken Erfolg. Der Tenor Jörn vom Berliner Opernhaus geht nach Ablauf seines Vertrages an die Wiener Hofoper.. Ermano Wolf Ferraris neue Oper Neugierige ss. Die Farben des Herbstes. Die Blätter unsrer Frauen" erlebt in diesem Winter im Münchener HofWaldbäume verhalten sich im Herbst, bevor sie sich von den Aesten theater die Erstaufführung. " Verantwortl. Redakteur: Julius Kalisti in Berlin. Drud und Verlag: Borwärts Buchdruckerei und Bertagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW