Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 234. GT 1b Dienstag, den 1. Dezember. ( Nachdruck verboten.) Das Verbrechen des Arztes. 12] si Roman von J. H. Rosny. Autorisierte Uebertragung von M. v. Berthof. Darauf lieh Guy den Gedanken, die wie ein physischer Schmerz an ihm nagten, halb und halb Ausdruck. 1903 Kleider irgendwie dafür sprachen, daß ihm Gewalt angethan worden war?" „ Nein, Herr Richter. Ich befand mich vor einem Menschen, der, vom Schlage getroffen, auf die natürlichste Art der Welt hingefallen war. Plessis litt an einigen unheilbaren Krankheiten. Besonders das Herz war angegriffen. Selbst unter den günstigsten Umständen hätte er bloß einige Monate leben können. Es unterliegt feinem Zweifel, daß der Sturz dazu beigetragen hat, die Folgen des Schlaganfalles zu verschlimmern. Wenn jemand dabei gewesen wäre oder der Mir scheint alles wie ein Traum, der sich, sobald ich Schlaganfall stattgefunden hätte, während er im Bette lag, erst von hier fort sein werde, in sein Nichts auflösen wird... dann hätte er noch eine Weile leben können." mir ist es, als ob ich Sie vielleicht zum letztenmal jähe! Es trat Schweigen ein. In dem Maße, als das Verhör Gestern habe ich Sie geliebt, heute morgen fühlte ich diese Liebe noch stärker, jetzt ist dieses Gefühl so heftig, daß es mir fast unerträglich erscheint." " Er war vor ihr aufs Knie gesunken, sah ihr beschwörend in die Augen, legte den Arm um sie, 30g fie an sich und drückte einen langen, verzehrenden Kuß auf ihren Mund. Verzeihen Sie mir," sagte er, während sie sich bleich und zitternd losmachte... ich will Vertrauen fassen, sagen Sie mir nur, daß Sie mir vergeben!" Sie reichte ihm schweigend die Hand, beschämt über die Verwirrung, die sie empfand, beschämt über das sonderbare Erschauern, das sie bis in ihr innerstes Sein gefühlt hatte und das sie unwillkürlich wieder zu empfinden wünschte. „ Nun denn," sagte sich Guy, als er im Wagen saß, der ihn zum Richter bringen sollte, es ist doch immerhin schon ein Glück, dieses entzückende Geschöpf umarmt zu haben. Wenn ich dennoch sterben muß, dann wird es mir etwas leichter werden... sich ausdehnte, fühlte sich Guy gleichzeitig sicherer und doch wieder beunruhigt. Bisher waren alles mur Nebenfragen gewesen. Der Richter schien an die Möglichkeit eines Ueberfalles, der von Gewaltthätigkeiten begleitet war, zu glauben, und wenn er bei diesem System blieb, war gar nicht daran zu zweifeln, daß damit die Sache erledigt sein würde. Aber das fonnte auch eine Finte sein. Dieser Philosoph mit den glanzlosen Augen gehörte vielleicht der Schule jener an, die nicht direkt auf ihre Sache losgehen, die, um dem Schuldigen eher beizukommen, das Wichtigste durch Nebenfragen bergen. " Wie erklären Sie," begann der Richter wieder, daß die Thür offen geblieben war?" ,, Dafür habe ich keine Erklärung," sagte Guy kühl. Vielleicht hat die Aufwärterin die Thür zuzumachen vergessen, was mir aber gar nicht wahrscheinlich vorkommt, vielTeicht hat sie sie zu stark zugezogen, wodurch sie dann leicht wieder aufspringt, wenn das Schloß alt und defekt ist, vielmad leicht ist schließlich auch Plessis selbst bis an die Thür gegangen hat sie geöffnet und hat, vom Schwindel erfaßt, versucht, wieder in sein Bett zu gelangen." 3.( m) sd thing Der Untersuchungsrichter war ein großer, hagerer Mann mit glanzlosen Augen. Er erhob den Kopf beim Eintritt des Doftors, schien aber den Eintretenden gar nicht zu sehen. Doktor Herbeline? Schön. Ich habe Sie vorgeladen zur Aufklärung eines Zweifels hinsichtlich des Todes des Herrn Plessis, Rue de Penthièvre. Sie waren Zeuge seines Endes. Ist er eines natürlichen Todes gestorben?" spo Dieser Mann schüchterte Herbeline keineswegs ein, aber gleichwohl mißtraute er ihm. Er antwortete ruhig: „ Eines ganz natürlichen Todes, Herr Nichter!" Sehr wohl. Aber, hat er nicht auf dem Fußboden geTegen? Hatte er nicht eine Wunde am Kopfe?" ,, Nur eine einfache Hautabschürfung. Was aber den Sturz betrifft, so hat derselbe möglicherweise ich glaube es zwar nicht, aber möglich wäre es immerhin den Tod des armen Mannes beschleunigt, der aber übrigens unrettbar verloren war." „ Der Fall schien Ihnen nicht die Folge irgend eines Gewaltaktes?" onis Der Fall war durchaus normal. So bricht ein Mensch zusammen, der vom Schlag getroffen wird, und nicht das geringste Zeichen spricht dafür, daß ihm Gewalt angethan wurde. Was die Hautabschürfung betrifft, so ist sie dadurch erklärt, daß sich Plessis beim Fallen an die Kante des Möbels angeschlagen haben mag, neben dem er gerade stand." Gewohnheitsmäßig flopfte der Untersuchungsrichter auf einen Stoß Papiere. Sehr wohl... Aber... haben Sie nicht die Wohnungsthür offen gefunden? War Plessis nicht ganz allein?" Warum sollte Plessis die Thür geöffnet haben?" ,, Beispielsweise, um jemand zu rufen. Er hat sich vielleicht schon unwohl gefühlt. Uebrigens scheint mir diese Hypothese die wenigst wahrscheinliche von allen. Nach meiner Ansicht ist Plessis in seinem Zimmer vom Schlage getroffen worden..." ,, Also genau betrachtet, sind Sie nicht der Meinung, man fönne annehmen, jemand sei in seine Wohnung eingedrungen? Der Hausbesorger, dessen Ansicht in solchen Fällen für das Gericht wertvoll ist, ist entgegengesetter Meinung, und die Aufwärterin glaubt, die Thür geschlossen zu haben. Also müßte ein Einbruch geschehen sein." " Ich kann nicht gut einsehen, worauf der Hausbesorger seine Ansicht gründet." Nun," antwortete der Richter mit fester Stimme ,,, das verhält sich so: Es scheint, daß ein Individuum, dessen Gestalt zu drei Vierteln durch einen Ueberrock mit hohem Kragen verhüllt war, gegen halb neun Uhr abends die Treppe hinaufging. Der Hausbesorger fragte ihn, zu wem er wolle. Er antwortete, daß er einen Herrn Moreau aufsuche, der thatsächlich zu den Bewohnern des Hauses zählt. Der Hausbesorger hat jenes Individuum nicht wieder herauskommen gesehen, und Herr Moreau, der gefragt wurde, hat bestimmt ausgesagt, jenen Besuch nicht empfangen zu haben. Da steckt irgend etwas dahinter.. Unordnung." " " Ist das endlich eine Falle?" dachte bei sich Herbeline, den diese Erzählung sehr bestürzte. Ehrlich gestanden," fuhr er laut fort, hätte es mir doch auffallen müssen, wenn man Die Wohmmgsthür war halb offen. Ich habe sogar in der Wohnung von Plessis eingebrochen hätte. geglaubt, daß Plessis, der ganz besonders leise in seinen Beschien mir aber in der gewohnten Ordnung oder richtiger wegungen war und Hausschuhe mit Filzsohlen trug, fie auf mein Läuten hin geöffnet hätte, ohne daß ich es bemerkte. Ja!" unterbrach ihn der Richter, diese Unordmung! Ueberrascht, das Vorzimmer leer zu finden, ging ich hinein Diese Wohnung war in einem Zustande, die jeder Annahme and flopfte an die Thür des Schlafzimmers, aus dem ein Thür und Thor offen läßt. Man hätte Gott weiß was dort Lichtschimmer drang. Da ich keine Antwort erhielt, und, anstellen können, so chaotisch war der Anblick. Aber ich gebe beunruhigt durch den Gedanken, daß ihm etwas widerfahren zu, daß dieser Zustand nach allen übereinstimmenden Aussagen sein könnte, besonders da er mich an diesem Abend zu sich be- der normale Zustand dieser Behausung war. Trotzdem würde stellt hatte, öffnete ich die Thür und sah den Körper des das der Annahme eines Einbruches nicht widersprechen, im Greises am Boden hingestreckt liegen." Gegenteil die Möglichkeit dafür noch erhöhen. In diesem sonderbaren Bazar konnte man, das ist ganz klar, stehlen, ohne daß man den Spizbuben auf den ersten Blick findet. Ich möchte noch zwei Fragen an Sie richten, was die FamilienUnd Sie sagen verzeihen Sie, daß ich immer wieder auf diesen Punkt zurückkomme, daß die Lage, in der Sie ihn fanden, normal war, daß weder sein Körper noch seine 934 " Ja, ein- oder zweimal hat er sich über seine völlige Vereinsamung in der Welt beklagt. Eines Tages fagte er zu mir:„ Es ist sonderbar, daß kein Mitglied meiner Familie mehr am Leben ist; nicht einmal Kinder von Geschwisterfindern; ich habe niemals Vettern gekannt!" berhältnisse des Verstorbenen betrifft. Sie waren, glaube ich, 1 Man streute aus, die Settierer verehrten in heimlichen Zusammens seit längerer Zeit sein behandelnder Arzt; hat er hnen nie fünften den Teufel in Gestalt einer Staze und trieben widernatürliche von seiner Familie gesprochen?" Unzucht und geschlechtliche Ausschweifungen. Walter Mapes ist un befangen genug, die Schuldlosigkeit und den einfachen Lebenswandel der Verleumdeten ausdrücklich zu betonen. 13. Jahrhunderts ist bereits eine förmliche und feststehende im Aber am Schluß des Stirchenlatein verfaßte Liste ihrer Irrtümer und Verbrechen im UmTauf. Es werden nicht nur die vorerwähnten Ungereimtheiten wiederholt: man erfährt auch, daß die Ketzer einen Bakt mit der Hölle schließen und es verstehen, mit Hilfe einer gewissen Salbe auf Stöcken durch die Luft zu reiten, die erste deutliche Anspielung auf den bekannten Herenfabbath. Seine amtliche Beglaubigung erhielt der ganze Widersinn um das Jahr 1318 durch die Bulle Papst Johanns XXII. gegen die Magier und die magischen Künste", die für die gesamte Folgezeit die Grundlage des Inquisitionsverfahrens geblieben ist. " Und sein Vermögen? Hat er niemals auf seine Reich tümer angespielt?" Herbeline fühlte um die Schläfen jenen sonderbaren Druck, der die Gesichtsmuskeln förmlich starr macht. Er fürchtete zu erbleichen und entgegnete hastig: " Ja, er rühmte sich gern des„ unermeßlichen" Wertes feiner Sammlungen. Ich habe nie einen Menschen gekannt, der bei der Leidenschaft für Nippes- Kunstgegenstände so wenig zwischen schön und häßlich zu unterscheiden wußte!" Auf dem Gesicht des Richters zeigte sich ein schwaches Lächeln. Wäre nicht der Mensch mit dem aufgestellten Kragen, gäbe es auch keine Spur eines Anhaltes. Aber was wollte dieser Mann im Hause? Hat der Hausbesorger schlecht verstanden? Ich bedaure, Herr Doktor, Sie vielleicht überflüssigerweise bemüht zu haben; aber die Geschichte weist Eigentümlichkeiten auf, deren Erklärung das Gericht nach forschen muß." " Frei! Ich bin noch frei!" sagte sich Guy, als er wieder seinen Wagen bestieg. Hastig atmete er auf; eine unbegrenzte Zuversicht weitete ihm die Brust. Aber trotzdem ließ er, von dem Gedanken an eine Verfolgung beschäftigt, den Wagen nach der Avenue de Messine fahren, überzeugte sich durch das rückwärtige Gudfenster, daß ihm niemand folgte, und stieg beim Bark Monceau aus. Auf einsamen Wegen durchlief er den Park und fam bei der Avenue Velasquez und dann beim Boulevard Malesherbes ganz beruhigt heraus. „ Ich gehe unbehelligt herum, als fällt gar kein Berdacht auf mich, oder, was auf dasselbe herauskommt, man legt der Sache gar kein Gewicht bei. Das Wahrscheinlichste ist, alles in allem genommen, daß der alte Richter guten Glaubens war; also hat der Esel von Hausbesorger die ganze Geschichte angerichtet, und ich bin in eine Verwirrung hineingeraten, bei der mein eignes Vorgehen gar nicht in Betracht kommt. Unglücklicherweise werden die Gerichte, wenn sie die Sache nicht gleich fallen lassen, doch aufmerksam werden. Und wann werde ich bei ihrer entseglichen Langsamkeit mich endlich ganz sicher fühlen dürfen? Kann ich mich der Banknoten bedienen? Hat Plessis nicht vielleicht ein Nummernverzeichnis zurückgelassen? Darf ich wagen, Renouvier zu bezahlen? Thatsächlich habe ich ja noch zwölf Tage vor mir; aber zwölf Tage sind für den Lauf der Justiz gleich einem Augenblick." ( Fortsetzung folgt.), ( Nachdruck verboten.) Die Magie im Klaffenkampf. Der Westen Europas stat bis zum 13. Jahrhundert in durch aus naturalwirtschaftlichen Verhältnissen. Diese fanden ihren Ausdruck in einer feudalistisch- ständischen Gliederung, mit der die mittelalterliche Stirche politisch und social auf das innigste verwachsen war. Je größeren Einfluß die Stadtproduktion in der Folge gewann, je mehr schälten sich die Anfäße eines Stadt- und Landproletariats heraus. Im früh entwickelten Süden Frankreichs, in dem sich aus Das Mittelalter hat von jeher seine„ magischen Künſte" gekannt. Unter dem Einfluß heidnischer Erinnerungen unterschied es sogar frühe zwischen dem Magier vom Schlage eines Gerbert, Alberius Magnus und selbst Vergil, und der Here. In dieser sah man lediglich ein unwissendes Werkzeug in der Hand der Dämonen; der erstere gänglichen Wissenschaft als deren Herr und Meister. Als Seitenstück jedoch galt vermöge einer besonderen, nur wenig Auserwählten zuzu naiven Wundermären war dieser Zauberglaube harmloser Art. Dies änderte sich mit der beginnenden socialen Umwälzung. Was bisher als Fabel im Volke gelebt und den Aberglauben böswillig oder phantastisch beschäftigen mochte, wuchs sich zu einer vergifteten und bie Bauberei der Stegerei gleichgeachtet und damit ein strafrechtlicher tödlichen Waffe aus. Mit dem Beginn des 14. Jahrhunderts wird Begriff. Der Herenprozeß wird in dem politischen und socialen boller Wirkung. Am Klarsten tritt dies wohl in den Verhältnissen Kampf der Personen und Klassen ein Streitmittel von verhängnisdes englischen Inselreiches zu Tage. Dem Herenprozeß begeguen wir in England sehr früh. Schon unter Heinrich II.( 1154-1189) ward die erste Here verbrannt. Ueber das erste förmliche Gericht wegen Hererei, von dem wir Kunde haben, berichtet unter dem 10. Jahre der Regierung König Johanns ( 1209) eine Sammlung turger Gerichtsurteile( die abbreviatio placiforum), die einzige Quelle für die englischen Rechtsentscheide jener Zeit. Hier heißt es:„ Agnes, die Frau des Kaufmanns Odo, wurde von Gideon der Zauberei beschuldigt; sie reinigte sich durch das Gottesgericht des( heißen) Eisens." Die ersten Prozesse, über die wir näheres wissen, fallen, charakteristisch genug, in den Beginn des 14. Jahrhunderts, unter die Regierung Eduards II. Einzelne Bürger von Coventrh fühlten sich über den Prior der Stadt und zwei Günſtlinge des Königs beschwert. Wahrscheinlich hatten diese Bürger an Rechten und Besitz zu kränken. In der Folge wurden die dem Prior beigestanden, die Stadt und besonders mehrere ihrer letteren beschuldigt, als hätten sie durch Zauberei den Tod des Königs selber zu Wege bringen wollen. Die Angelegenheit tam vor die Gerichte( 1324), verlief jedoch im Sande, da der Urteilsspruch von Tagung zu Tagung verschoben ward, bis der Fall schließlich aus den Gerichtsrollen verschwand. Einen ähnlichen Ausgang nahm ein Streitfall, der um dieselbe Zeit zwischen dem Bischof von Ossory, einem geborenen Engländer, und den begüterten irländischen Familien die Angelegenheit ihren Grund in der Habsucht des Prälaten. Bisher der Le Kyteler und Outlawe spielte. Neben persönlichem Haß hatte gehörte die Anflage wegen Bauberei in England vor das weltliche Gericht; jekt sollten die Beschuldigten auf Grund der Bulle Johanns XXII. zum erstenmal vor die geistliche ward der Bischof von den weltlichen Richtern ohne weiteres eine Zeitlang eingesperrt, um die Fällung eines Urteils zu verhindern; in der That gelang es ihm nicht, den Prozeß durchzuführen. Allerdings wußte er zu guter Lezt andre Hebel in Bewegung zu sehen, um seinen Hauptgegner doch hinter Schloß und Riegel zu bringen. werden. Der Prozeß ist reich an Wechſelfällen.ehörde gezogen Klarer tritt die Rolle des Hegen- und Baubererprozesses als politisches Kampfmittel in Schottland zu Tage. Im Gegensaß zu dem übrigen Europa knüpft der schottische Zauberglaube noch unmittelbar an vorchriftliche Ueberlieferungen an. Hier wird kein Pakt mit dem Teufel geschlossen; dafür erfreuen der Römerzeit beträchtliche Reste der alten Kultur erhalten hatten, Zauberer der besonderen Hilfe und Unterstütlich Heren und fiel insbesondere dem Stadtproletariat zuerst eine höhere Bedeutung zu. Bei den engen Beziehungen, die zwischen der damaligen Wirt schaftsweise und der darauf beruhenden Machtstellung der Stirche bestanden, war es natürlich, wenn sociale Fragen in religiösem Gewande, als Opposition gegen das herrschende Kirchentum und die damit verquickte politische Ordnung auftraten. So begegnen wir im niedergehenden Mittelalter zuerst in jenen Gegenden einer verbreiteten Häresie, den Albigensern, Waldensern und Katharern. Das letztere Wort ward im Deutschen zu" Rezer" verkehrt. In blutigen Striegen schlug das offizielle Kirchentum diese Betwegungen nieder und vernichtete die Blüte jener Lande auf lange hinaus. Als unmittelbare Folge der sogenannten Albigenserkriege entstanden die Inquisitionstribunale, deren Aufgabe es war, Steger aufzuspüren, um fie als Revolutionäre den weltlichen Gerichten zu überantworten, eine Geißel, die bald genug alle Staaten des westlichen Europa heimsuchen sollte. Walter Mapes, ein bekannter englischer Schriftsteller dieser Zeit, hat sich in einer Abhandlung Possen päpstlicher Pfaffen" mit den Albigensern und den Beschuldigungen gegen sie näher beschäftigt. " der Elfen. In erster Linie waren es die schottischen Könige, die dem Herentesen ihre hohe Aufmerksamkeit schenkten, offenbar weil es sich vorzüglich für ihre Zwecke nutzen ließ. So wurde unter Jacob III. dessen Bruder, der Graf von Mar, beschuldigt, mit Heren und Bauberern Verkehr zu pflegen, um des Königs Leben zu ber= fürzen. Man ließ ihm in seiner Behausung zur Aber, bis er tot war, ohne ihn auch nur vor Gericht zu stellen. Zwölf Komplizen" wurden nachher zu Edinburg verbrannt. Unter der Regierung Jacobs V. mußte eine Angehörige der Douglasfamilie, der alten Gegner der Stuarts, Lady Janet von Glamis, den Scheiterhaufen besteigen. Sie habe den König durch Zauberei aus dem Wege räumen wollen, hieß es, angeblich um ihre eigne Sippe wieder ans Regiment zu bringen. Da durchweg die der Hererei Ueberführten Tod und Verbrennung traf, so mag als Kuriofum seiner Milde wegen ein Urteil Erwähnung finden, wonach 1563 eine Frau, Bessi Boswell von Demfermling, viewohl jenes Verbrechens für schuldig erkannt, nur„ verbannt und des Landes verwiesen" ward. Ein hartnäckiger Herenfinder erstand in Jacob VI. As er sich 1589 mit Anna von Dänemark vermählt und widrige Winde die 935 jungen Gatten längere Zeit an der Fahrt nach Schottland ver- gefallen war. Dagegen schlagen die Prozesse an markanten Punkten hinderten, war die Schuld bald auf Zauberfünfte geschoben. Der der Revolutionsgeschichte neu empor: so nach der Hinrichtung Karls I. Graf von Bothwell, das Haupt der römisch- katholischen Partei in 1649; als die im gleichen Jahre erklärte Republik auf dem Punkt Lande, sollte der Urheber einer Heren- und Zaubererverschwörung stand, in das Protektorat Cromwells überzugehen( 1652-53); nach gewesen sein. Auf Grund dieser und andrer Beschuldigungen setzte der glorreichen" Revolution vom Jahre 1688, die die im Jahre man ihn in Haft; er entfam jedoch und fand Schutz in den unzu- 1660 restaurierten Stuarts aufs neue aus England vertrieb. Jezt erst gänglicheren Teilen der nördlichen Hochlande. Dafür mußten seine schliefen die Herenprozesse angesichts der Haltung des höchsten Parteigänger im Lande büßen. Eine beträchtliche Anzahl derselben, Gerichts, das systematisch auf Freisprechungen hinwirkte, allmählich. darunter Mitglieder des hohen Adels, wurden als Heren und ein. Der letzte Prozeß fand 1695 in Launceston statt. Zauberer verbrannt. Es bereitete dem König Vergnügen, über einige Gewiß haben in den Herenprozessen Aberglaube, Leichtselber zu Gericht zu fizen; so sehr war er von der Weisheit seiner Entscheide und seiner Kenntnis der Materie überzeugt, daß er in Form eines Zwiegespräche eine Abhandlung über Geisterlehre" berfaßte, die 1597 unter ihres hohen Autors Namen zu Edinburg im Drud erschienen ist. " gläubigkeit, religiöser Fanatismus und die sonstigen Leidenschaften des menschlichen Herzens ihre verhängnisvolle Rolle gespielt. Aber im letzten Ende wurzelt er in den wirtschaftlichen Verhältnissen selbst. Er hat nicht nur offensichtlich ein Mittel der Klassenjustiz in den Händen der Machthaber abgegeben. Auch die socialen Gegenfäge in den Massen des Volkes bemächtigten sich seiner, und gerade in ihrer Hand hat er in England zur Zeit der Revolution seinen Höhepunkt gefunden. Dr. H. Laufenberg. Kleines feuilleton. Die Haerefie bildete die bestehende Religionsform fort, um eine der heraufkommenden neuen Gesellschaft entsprechende Grundlage zu gewinnen. Die Schwarzkunst dagegen übersprang die natürliche Entwicklungsreihe. Sie unternahm es, das philosophische Problem, das Sein in seiner letzten Gestalt durch empirisches Anschauen un mittelbar aufzuhüllen. So mag gerade fie für viele das Denken in feiner revolutionärsten Form dargestellt haben. Jedenfalls erfreute sie sich bei den Gebildeten jener Tage, insbesondere an den Universitäten, größten Zuspruchs. dg. Ein Schicksal.„ Der alte Hecner hat sich erschossen.". Es ist nicht zu viel behauptet, daß die daß die modernen Naturwissenschaften zum guten Gleich einer Bombe plagte die Nachricht in die fröhliche StammTeil auf sie als Ausgangspunkt zurüdleiten. Einer der be- tischrunde. Das Lachen und Schwagen verstummte wie auf Komdeutendsten Anhänger der Magie in England, im übrigen ein mando. Apotheker Gadebrecht ließ den erhobenen Schoppen wieder gelehrter Mathematiter von Ruf, war Dr. Dee. Wir führten ihn finken. Sein Arm zitterte und das Bier lief über. Aller Augen unfren Lesern bereits früher als den ersten Spiritisten vor, da er Er sah verstört und ergriffen aus; Fragen und Zweifel in den verrichteten sich auf Walter Hinzmann, der die Kunde gebracht hatte. fich im Verkehr mit seinen Geistern" zuerst der Mittelspersonen bediente. Bedeutendere Charaktere als Dee sind seine Nachfolger ſchiedenen Blicken lefend wiederholte er es noch einmal:„ Jawohl, im Spiritismus, William Lilly und Elias Ashmole. Daß beide ich erschossen. Gestern Nacht. Hier steht es." Er warf die Abendim Gegensatz zu Dee, der nur männliche Medien benutzte, weibliche zeitung auf den Tisch und ließ sich selbst schwer auf den Stuhl fallen. gulegten und damit die heutige Form des Spiritismus schufen, mag tas die bezeichnete Notiz:„ Gestern Nacht erschoß sich in seiner Woh Der fleine dice Rentier Müller nahm das Zeitungsblatt und beiläufig erwähnt sein. Bemerkenswerter ist, daß sie insgesamt zu sehr freien Ansichten über Ehe und Eigentum gelangten. Dee lebte mit seinem nung der stellungslose Buchhalter Hans Heckner. H. der im sechzigsten Medium Kelly in Gemeinschaft der Frauen. An einem weitergehenden Lebensjahre stand, ist zweiunddreißig Jahre bei der Firma Bruck Kommunismus der Güter hinderte sie lediglich der Umstand, daß thätig gewesen, hat diese Stelle aber im Oktober verloren. Furcht beide Nennenswertes nicht besaßen. Aehnliche Ansichten wie er hegten vor der drohenden Stellungslosigkeit des Alters haben ihn, da seine Lilly und Ashmole. Leider sind die vorliegenden Auszüge aus ihren geringen Ersparnisse auch zu Ende gegangen, wohl in den Tod geAutobiographien die handschriftlichen Originale befinden sich im britischen Museum zu London- so verstümmelt, daß sich kein klares Sentier Müller ließ das Blatt sinken und schlug mit der flachen Bild darüber gewinnen läßt, ob und inwieweit sie konsequente Hand auf den Tisch:" Hab ich's nicht aber schon immer gesagt, daß Kommunisten gewesen sind. Gewiß erscheint, daß sie verwandte es mit dem mal so kommt? Wie er vorigen Sonnabend hier Züge zu den späteren Wiedertäufern aufweisen. so verstört saß, hab' ich mir gedacht, der macht mal Dimm heiten." Ja, eigentlich war's wohl vorauszusehen." Fabrikbesitzer Milleh flopfte die Asche von der Cigarre. Das Königtum, zumal das schottische der Stuarts, die seit 1603 auch in England herrschten, hatte den Herenprozeß als politisches Tendenzmittel gegen seine Gegner und ihre Anhänger mit Entschiedenheit gebraucht. Die spätere englische Revolution kehrte das Verhältnis um. Schon vor dem Ausbruch derselben, insbesondere im zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts fanden in Lancashire, Northampton, Norfolk, Leicester, Lincoln und andren Grafschaften auf sehenerregende Herenprozesse statt, die zum guten Teile die sociale Tendenz an der Stirne trugen. Gerade in der englischen Revolutionsgeschichte ist es bei der Fülle der abgeschlossenen Kompromiffe, der Berzeigt heit der widerstrebenden Interessen und der Heftigkeit des das Ganze überdeckenden religiösen Barteikampfes schwer, den ökonomischen Untergrund der einzelnen Vorgänge aufzuhellen. Als ausgesprochenes Mittel des Klaffentampfes muß hier auch der Herenprozeß gelten. Die Bewegung nimmt in demselben Maße zu, als sich die Entscheidung dem Königtum gegenüber zuspigt, als die Puritaner, das radital- demokratische Element, an Bedeutung gewinnen. Von Essex aus erhielt die neue Herensuche ihren Anstoß. Im Frühling 1645 fanden hier mehrere Verurteilungen in Manningtree statt. As wichtigster Zeuge wird Matthew Hopkins genannt. Er führt die Bezeichnung„ gent", gehörte also zum Landadel. Es scheint dies das erste Auftreten des Mannes als" Herenfinder" gewesen zu sein, eine Eigenschaft, in der er nachher in Verbindung mit feinem Gehilfen John Sterne eine traurige Berühmtheit erlangen sollte. Planmäßig durchzog er die Graffchaften Suffolk, Norfolk, Cambridgeshire und Huntingdon. trieben." Er war die ganze letzte Zeit schon so sonderbar," bestätigte Apotheker Gadebrecht und nahm den Schluck Bier, den er vorhin versäumt hatte. Walter Hinzmann starrte vor sich hin, als ginge das ganze Gespräch an seinen Ohren vorbei, dann schreckte er plöblich auf und fagte tonlos und gepreßt:„ Er hat es wohl auch nicht verwinden tönnen, daß er so fort mußte aus der Stelle nach zweiunddreißig Jahren... und so ganz ohne Grund " Ra, erlauben Sie mal: ohne Grund? Soll das ein Vorwurf gegen die Firma Brud sein?" Fabrifbefizer Milleh warf sich in die Brust. Er fühlte sich in seinem Standesgenossen beleidigt:" Heckner war alt, das werden Sie doch wohl nicht leugnen. Alt und abgerackert. Er konnte seiner Stellung einfach nicht mehr vorstehen. In solche Stelle gehört' ne jüngere Straft." " Gang gewiß," nidte Sentier Müller bedächtig. Denken Sie etwa, ich fann noch arbeiten wie früher? Liebste Zeit, wenn ich noch in meinem Holzgeschäft' rum wurschteln sollte, wär's mir ja ganz unmöglich!" Und Sie haben noch als Chef gearbeitet, nicht' mal als Angestellter," sagte Walter Hinzmann in seiner trockenen Weise. Ach, und das ist wohl was andres?" Milley fuhr von neuem in die Höhe:„ Nee, nu' fangen Sie nur nicht so an, Hinzmann. Ihr Angestellten! Als hättet Ihr mehr zu thun, als wir! Arbeitet Eure Stunden ab und steckt's Geld ein, wer hat'n die Verantwortung? Wir!" Er war in Erregung gekommen und leerte fein Echtes in 2ut. Walter Hinzmann antwortete nicht, er sah nur starr vor sich hin, aber im Innern wiederholte er es leise:" Wer hat'n die Verantwortung?" und eben so leise fügte er hinzu:" Und wer den Verdienst?" Es entstand eine Pause. So finden wir ihn im August 1645 zu Burh in Suffolk, am 27. des Monats nicht weniger als achtzehn Personen wegen Zauberei durch den Strang hingerichtet wurden, Andre 120 waren zu Berhör gezogen, als die Annäherung föniglicher Truppen zum Abbruch der Verhandlungen nötigte. Unter den Opfern befand fich der Vicar von Brandeston, bezeichnenderweise ein wohlbekannter Gegner des neuen Kirchenregiments". In der Hauptsache war es allenthalben auf Personen gegnerischer Richtung abgesehen. In ihrem Vorgehen wurden Hopkins und seine Gefährten durch die still- Apotheker Gadebrecht nickte bedächtig: Nee, Hinzmann, da hat schweigende Billigung des Parlaments ermutigt. Dasselbe sandte sogar Herr Miley recht, immer hübsch gerecht bleiben, das ist die Haupteine Abordnung von puritanischen Geistlichen, um ihnen Beistand fache. Heckner war mein liebster Freund noch von der Schule her, und Hilfe zu leisten. Die beiden folgenden Jahre waren mit Kreuz- aber flapprig war er doch geworden. Denfen Sie mal, immer und Duerzügen in den genannten Grafschaften ausgefüllt; die Einzel's Podagra und immer nervös! Jit ja auch gar kein Wunder." heiten dieser Züge lassen sich an der Hand der zeitgenössischen Nein, ist's kein Wunder, nachdem er zweiunddreißig Jahre ge Bamphlete mur unvollkommen aufhellen. In andren Graffchaften arbeitet hat." sah es ähnlich aus, da Hopkins und Sterne eifrige Nachahmer Und das sagen Sie wieder mit einem Ton, Hinzmann fanden. Charakteristisch genug flaut die Bewegung zu der gleichen entrüstete sich der Fabrikant. Ach fo, Sie meinen, weil er dreißig Zeit ab, als Karl I. durch die vereinigten Independenten und Puritaner, Jahre da gewesen, hätten Brucks ihn auch behalten müssen? Hören die bürgerliche und die radikal- demokratische Partei, gezwungen Sie mal, sind unfre Fabriten etwa Alterversorgungs- Anstalten? wurde, zu den Schotten zu flüchten, und die Regierungs- Wenn der Mann dreißig Jahre gearbeitet hat, hat er auch dreißig gewalt in der Person Cromwells in die Hände des Bürgertums Jahre Gehalt gefriegt. Das rechnen Sie wohl gar nicht?" 936 er doch mehr sparen sollen." Und Hedner hat' n schönes Gehalt gehabt", fiel der Rentier| feine Teller und Bälle, so ihre Menschengruppen blißschnell durchein: hundertsechzig Mark's Monat, denfen Sie mal." 1890 einander in die Luft zu werfen; und mit solcher Geschicklichkeit Sollten Brucks das Geld vielleicht wegschmeißen an' n Mann, arbeiten die Hände, daß es aussieht, als flöge alles der nichts mehr leistet?" fragte der Fabrikant spöttisch. Dann hätte von selbst, behert zu eigner Bewegung, auf und ab. Der Schwant gehört zu den besseren des Genres, die eingelernte, leicht langweilige " Das sollt ihm nun wohl schwer geworden sein bei der kranken Routine verbindet sich hier offenbar mit einer angeborenen Lust und Frau und drei Kindern." Walter Hinzmann kam gleichfalls in Eifer. Liebe zu der Sache, mit grotesker, ansteckend wirkender Freude an Der Fabrikant zuckte die Achseln:" Zugegeben, das ist sehr der Macht des Unfinns. Um den Seitensprung vom Wege ehelicher schlimm. Was geht denn das aber in aller Welt uns Chefs an? Pflichten auszuführen, wirbt der für solche Abenteuer wenig talentierte, Sollen wir nun etwa auch noch für die kranken Frauen und die argwöhnisch behütete Herr Naverdy zwei Kerle an, die in Kinder unsrer Buchhalter forgen?" Gendarmentracht ihn vor den Augen seiner Frau zum Und überhaupt, ich glaube so'n kleinen Nagel hat er auch ge- Scheine arretieren sollen, wird wirklich arretiert, entfommt habt, der alte Hedner." Der Rentier nahm das Zeitungsblatt und sah von neuem auf die Notiz:" Was? Furcht vor der StellungsTosigkeit des Alters? Ich hab' ihm ja' ne Stelle verschaffen wollen, er hätte ja bei meinem Rechtsanwalt Schreiber werden können mit fünfzig Mark Verdienst' s Monat. Davon fann doch' n alleinstehender Witwer leben. Und sein Schwiegersohn hätte ihn gewiß auch noch unterstützt. Aber Schreiber das war ihm ja wohl nicht fein genug. Er steifte sich ja wohl auf'n Buchhalter und' n Prokuristen." Ja, liebe Zeit! Wenn man's nicht versteht, sich seinen Verhältnissen anzupassen! Sich totzuschießen das hätte er nicht gebraucht!" Nein, das hätte er ganz gelviß nicht gebraucht!" Der Fabrikant warf Hinzmann einen herausfordernden Blick zu:„ Es bringen sich ja so viel alte Männer durch. Er konnte ja auf Nähmaschinen reifen, oder Versicherungen abschließen, oder Ach ja, Gelegenheit zum Durchhungern giebt es die Menge," fagte Walter Hinzmann. " nach einer einer halsbrecherischen Hezzjagd der Verwechselungen durch die Hilfe eines gemütvollen Einbrechers, eines Virtuosen des Faches, der ihm Jacke und Müze leiht, aus der Wache und verfällt beim Rendezvous erst recht der rächenden Nemesis. Das drolligste ist die Karikatur eines ebenso enthusiastischen wie neurasthenischen Anbeters, der rettungslos in Madame Raverdy verliebt, so oft er einen Storb von ihr erhielt, zur Betäubung des Seelenschmerzes eine Reise um die Welt gemacht hat, und nun, da diese Dame, den Gatten zu strafen, anscheinend den Verehrer erhören will, in den kritischen Momenten regelmäßig durch einen Ohnmachtsanfall auf den Schrecken reagiert. Herr Bach war ausgezeichnet in der Charge, ebenso Alexander als Herr Raverdy; und Pagay fezte seine reiche Kunst, um die es schade ist, daß ihr nicht andre Aufgaben geboten werden, an die platte Wigblattfigur des Einbrechers. Herauszuholen war da nichts, so legte er hinein. dini dt. Die dem Schwank vorausgehende ältere Bailleronische Plauderei Gänsebraten kann man natürlich nicht dabei essen," erwiderte Der zündende Funke" zündete durchaus nicht. Matte, abgelebte der Fabrikant mit einem Blick auf die Portion, die er selber vor sich Theaterkonvention, in der nichts an die Munterfeit des Verfassers: stehen hatte. Es sind eben nicht alle Leute gleich gestellt." „ Der Welt, in der man sich langweilt" erinnert. „ Er hätte reich heiraten müssen", lachte Apotheker Gadebrecht: and mids „ Wir haben es ihm oft genug geraten. Was nahm er sich solch armes Mädchen? Sie müssen auch reich heiraten, Hinzmann, sonst geht es ihnen mal ebenso." Wer nischt erheirat und nischt ererbt, Der bleibt' n armes Luder bis er sterbt," fang Rentier Müller und flopfte Hinzmann gutmütig auf die Schulter. ' n Kranz wollen wir Heckner aber wenigstens spendieren" meinte der Fabrikant,' n recht schönen Kranz, damit man sieht, daß er Freunde gehabt hat!" Amerikanischer Humor" ist ein Feuilleton der Wiener Neichswehr" betitelt, in dem eine amüsante Gerichtsscene, wie folgt, geschildert wird: " Ein schöner Morgen, Euer Ehren!" bemerkte Dennis D'Leary, als er neulich vor dem Polizeirichter erschien. " Jawohl." " Und ich setze voraus, ich ward wegen Trunkenheit verhaftet!" So ist es." Und ich fezze ferner voraus, daß Euer Ehren Beweise in Fülle haben, daß ich bei einem Zechgelage war." " Ja; in Fülle Beweise." " Dann will ich meinen Fall hier ruhen lassen und meinen Atem sparen." Dennies, wie viele Male seid Ihr in dem letzten Jahre hier gewesen?" Nicht über vierzig, Euer Ehren." " Ihr seid zehnmal hier gewesen; ist es nicht so?" " Ich denke, es ist richtig." Und ich habe Euch zweimal ins Gefängnis geschickt, Geldstrafen diftiert und mehrmals Euch freigesprochen. Ihr seid ein zäher Fall." Danke, Euer Ehren." " Und was soll ich diesmal mit Euch thun?" " Hm- wollen Sie meine ehrliche Meinung?" " Ja." viermal Dennis, " Dann schicken Sie mich auf dreißig Tage ins Gefängnis. erwartete soviel, als ich den ersten Trimt that." Humoristisches. Kunst. Erinnern Sie sich daran, Herr Direktor, als ich damals den alten Moor spielte? Da warf mir das gerührte Publikum so viel in den Hungerturm, daß unser Ensemble acht Tage zu fressen hatte!" Lorbeer errangst Du in Berlin." Elektra.„ Warum so traurig, Sopholles? Sieh, diesen „ Ach, der ist ja gar nicht für mich, der ist für Herrn Sofoteles aus Inowrazlaw. - Uraufführung. dem Repertoire halten wird?" " Glauben Sie, daß sich das Stick auf „ Das kann uns ja egal sein, ein gebildeter Mensch geht doch überhaupt nur in Premieren." ( Simplicissimus".) Notizen. -Die nächste Novität des Neuen Theaters ist Tolstojs Lustspiel, Früchte der Bildung". " Das Lessing Theater bringt am ersten Weihnachtstag die Premiere von Wildenbruch s neuem Stück Der un sterbliche Felig" heraus. May Halbes Drama„ Der Strom" erlebt am 19. Dezember im Neuen Theater die erste Berliner Aufführung. Massenets Oper Manon"" hatte bei der Erstaufführung in der Dresdener Hofoper einen großen Erfolg. c. Die Entfernung einer Kugel aus dem lebenden Herzen hat Dr. Zöger v. Manteufel von der Universität Dorpat ausgeführt. Vor einigen Tagen wurde ein junges Mädchen zu ihm gebracht, auf das durch einen unglücklichen Zufall mit einem Revolver gejchossen war, so daß ihm die Kugel ins Herz drang. Dr. Manteuffel chloroformierte das Mädchen, öffnete dann die BruftIch höhle und legte das klopfende Herz bloß. Die Kugel war in die Wandung des Organs gedrungen, ohne eine der Kammern zu verlezzen. Der Chirurg entfernte mit einem leichten Druck beider Daumen die Kugel, wobei nur wenige Blutstropfen flossen. Die Wunde wurde darauf zugenäht; wenige Tage später wurde das Mädchen völlig hergestellt entlassen. Nun, so wollen wir dreißig Tage anfeßzen!" Dante, Euer Ehren. Wenn irgend welche Briefe kommen für Dennis D'Leary, bitte, leiten Sie diese an meine neue Adresse." Er war kaum außer Sicht, als eine Frau mit großen roten Fäusten eintrat und ihren Namen als D'Leary angab. In einer Stimme von vierzig Pferdekräften gab sie bekannt, daß sie eine halbe Stunde an der Thür gewartet habe, um. Dennis zu fassen, wenn er entlassen würde und mit seinem toffbaren Körper ein Duzend Telegraphenstangen niederzumähen. hon Theater. " " Die Eröffnung des Simplontunnels dürfte nach den neuesten Berechnungen im Dezember 1905 stattfinden, aljo vier Monate vor dem Ablauf des neuen Aufschubs, der den Unternehmern bewilligt ist. Der Ursprung der Bezeichnung Stroh. witwe" und Strohwitwer". Wie Professor Dr. Günther in seinem Buche Deutsche Rechtsaltertümer in unsrer heutigen deutschen Sprache" mitteilt, liegt auch hier einer der häufigen Fälle Residenz Theater. Ein Seitensprung." Schwant der Nachwirkung alter Rechtsgebräuche vor. Das Wort ist eine in 3 Aften von Verr, Dehère und Guillemand. Nach Analogiebildung zu der bekannten Bezeichnung Strohjungfer", mit dem Intermezzo des Wolfffchen Stückes Das große Geheimnis", der in zahlreichen Gegenden jene Bräute bedacht wurden, die bei dieser Mischung von Posse und Sentimentalität, ist das Residenz der Trauung nicht mehr als Jungfrauen gelten fonnten und die Theater eiligst wieder zur Pariser Bosse sans phrase zurüdgekehrt. deshalb in früheren Zeiten zum Schimpf mit einem Strohfranze zur Die drei Herren, die sich in die Vaterschaft des neuen Stüdes teilen, Trauung schreiten mußten. Die Strohwitive" wäre also die schein erwiesen sich in den Afrobaten und Taschenspielerkünsten des bare Witwe; die Bezeichnung Strohwitwer" ist dann natürlich nur Metiers als wohlbewandert. Sie verstehen es, wie ein Jongleur I in Anlehnung an sein weibliches Gegenstück gebildet. PI H Berantwortl. Redakteur: Julius Kaliski in Berlin. Drud und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW